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(Dynamische Synthieakkorde)
So you've done another morning
You've done another night
It comes without a warning
You pick another fight
And you go, and you go 'Cause you can't let go
And you go, and you go And you can't say no
And you go, and you go And you go, and you go
Though you've sung this song before
Singing it once, singing it twice
Singing it to your own surprise
You've done it time, time, time, time Time, time, time and again
(Frau 1) Das Popphänomen des Sommers. Daniel Novak erobert die Charts.
(Frau 2) 12.000 Kinder und Jugendliche waren angereist,
um Daniel Novak live zu sehen.
(Mann) Der neue heiße Scheiß, Kinder am Rande des Nervenzusammenbruchs.
(Frau 3) Am Tag vor dem Konzert warten Dutzende Fans
vor dem Hotel, in dem die Stars absteigen.
(Weiblicher Fan) Daniel!
- (Gekreische) - (Daniel) Au!
(Frau 4) Heute im Fernsehgarten: One-Hit-Wonder Daniel Novak.
(Mann 2) Herr Novak, ich frage Sie:
Nervt es Sie, berühmt zu sein wegen eines Liedes?
Nervt es eigentlich, immer dieselbe Frage zu stellen?
Ich bin Nummer eins...
(Ansager) Macht Lärm für unseren Stern am Bierhimmel in Mallorca!
(Er singt grölend.)
Ich höre euch nicht! Gebt mir mehr!
(Lied) And you go, and you go And you can't let go
And you go, and you go And you can't say no
And you go, and you go And you go, and you go
And you go, and you go, and you go
Singing it once, singing it twice
Singing it to your own surprise
You've done it time, time, time, time Time, time, time and again
You've done it time, time, time, time Time, time, time and again
(Lied endet.)
Danke, danke.
Und nicht vergessen, heute 70 Prozent auf Einzelstücke.
(Fotograf) Einmal zu mir schauen. Und lächeln, bitte.
(Nachdenkliche Bassmusik)
(Daniel) Danke.
(Weiter nachdenkliche Bassmusik)
(Nachdenkliche Bassmusik verklingt.)
(Anfangsakkorde von "Time" ertönen.)
So you've done another morning
You've done another night
It comes without a warning
You pick another fight
And you go, and you go 'Cause you can't let go
And you go, and you go And you can't say no
And you go, and you go And you go, and you go
Though you've sung this song before
Singing it once, singing it twice
Singing it to your own surprise
You've done it time, time, time, time Time, time, time and again
So you find yourself off dreaming
You make no sense at all
So you make up your own meaning
You hit another wall
And you run, and you run But you can't outrun
And you run, and you run And you feel undone
And you run, and you run And you run, and you run
'Til you hit the same old wall
Hitting it once, hitting it twice
Hitting it hard enough to wise up
You've been there time, time, time Time, time, time and again
(Friedliche Musik)
(Lissi) Sind Sie noch da?
Ja, können Sie noch mal? Ich war ganz kurz...
Der Titel lautet: "Glücksstrategien.
Ein Beweisversuch anhand von Cortisolmarkern im Saliva
leicht bis maximal moderat depressiv verstimmter Personen".
Habe ich mich nicht verhört. Das ist tatsächlich so langweilig.
- Ich verstehe nicht. - Können Sie es besser pitchen?
(Lissi) Hm?
Was ist der Pitch?
Die Story, wo ist die Emotion?
Warum sollten sich die Sponsoren für Ihre Studie begeistern?
Der Pitch ist die Sache selbst.
Es geht darum, mit fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen
Leute seelisch gesünder, resilienter, glücklicher zu machen.
Glücklichere Menschen handeln sozialer.
Und sozialer handelnde Menschen
wären in unserer nachhaltig gestörten Welt kein Luxus.
Wären wir etwas glücklicher,
würden wir nicht so tief in der Scheiße stecken.
Wenn das niemanden begeistert, was dann?
Ich suche keine Sponsoren. Ich dachte an öffentliche Gelder.
Darf ich Sie unterbrechen? Gucken Sie sich mal hier um.
Sehen Sie hier öffentliche Gelder herumliegen?
Ich muss jedes Mal bei einer privaten Holding betteln,
wenn hier der Toner ausgeht.
Wir haben andere Probleme.
Wir haben Personalmangel, wir haben Papierberge.
Was wir nicht haben, ist öffentliches Geld.
Das Glück der Menschen muss hintenan.
Frau Waldstett, Glück ist keine Kassenleistung.
Wir stellen Ihnen Räumlichkeiten,
die ich jedes Jahr bei besagter Holding verteidigen muss.
Ich freue mich also auch, wenn Sie mal einen Hit landen.
Einen Hit.
Ich brauche einen Clou, was Saftiges. Emotionen, eine Story.
Wie in einer Werbeagentur.
- (Arzt) Hey, Lissi. - Hey.
Geht das Licht unten wieder?
Das ist lieb. Wir rufen den Hausmeister an.
Viel Glück, aber davon habt ihr da unten ja genug, wa?
So lustig.
Als ob ich mich nicht schon genug prostituiere.
Einen zweifachen Doktortitel und wechsele Bettpfannen aus,
um meine Miete zu zahlen.
- Hey. - Entschuldige, ging nicht gegen dich.
- Danke für den Job. - Machst du?
- (Türöffner summt.) - Danke, Lars.
Ah.
- (Hazel) Morgen. - (Lissi) Morgen.
Pst, pst, pst. Habt ihr schon gehört?
- (Hazel) Was denn? - Prominenz in der 305.
(Hazel) Echt?
(Vogelgezwitscher, Insektensurren)
(Vogelrufe)
(Daniel ächzt leicht.)
(Dumpfes Gemurmel)
Er ist wach.
- Kennst du den? - Nee.
Time, time, time, time Time, time, time and again
- Ach, krass. - Oh mein Gott.
- (Lissi) Der hat aber abgebaut. - Rock 'n' Roll. Live hard, die young.
Gut, aber für "die young" auch 20 Jahre zu spät.
- (Tür wird geöffnet.) - (Hazel) Hallo.
Na? Wie geht's Ihnen?
Was...
(Stammelnd) Wer sind Sie?
Hazel Graminski, die diensthabende Ärztin.
Das ist Dr. Dr. Grömel-Waldstett.
Meine... Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Hallo.
Was ist denn...
Was ist denn mit meinem Kopf?
Sie sind von der Brüstung auf Ihrem Balkon gefallen.
Gehirnerschütterung und ein Bänderriss.
Sonst nichts?
Nein, laut Akte haben Sie sich durch die Backe geschossen.
Klarer Durchschuss, kleines Löchlein, zwei Stiche, fertig.
(Daniel kichert)
(Vogelgezwitscher stoppt.)
Wie ist es denn dazu gekommen?
Ähm, haben Sie eine Zeitung?
Ich habe jetzt natürlich keine da,
aber wir können gerne für Sie schauen.
Erzählen Sie uns doch erst ein bisschen.
- Okay. - Okay?
Wann kann ich raus?
- Wissen Sie, wo Sie sind, Herr Novak? - Wo?
- Auf der Akutstation. - Gut, akut ist ja jetzt vorbei.
Auf der Akutstation der geschützten psychiatrischen Abteilung
des Uniklinikums München.
Wie, geschützt?
(Unruhige Klänge)
Geschlossen.
(Drollige Gitarrenmusik)
- (Chefarzt) Ergotherapie? - (Hazel) Nichts.
Keine Gesprächsansätze, Kunst-, Bewegungs...
Was haben wir noch für Therapieangebote gemacht?
- (Hazel) Wir haben nichts mehr. - Er redet kein Wort?
Sein letztes Wort hat er vor fünf Tagen gesagt.
Was hat er gesagt?
"Mein Leben, meine Sache."
So lässt ihn die Richterin nicht raus. Dann weiß ich auch nicht.
Streckt ihm die Hand hin, irgendwann kommt er. Nächster?
- Entschuldigung? - Ja, bitte?
Darf ich es mal versuchen?
Hier, falls Ihnen das Zitronentee-Granulat zu trocken ist.
Das ist Ihr Icebreaker?
Ein beiläufiger Scherz,
um den zwischenmenschlichen Teppich auszurollen
und charmant zum Thema zu kommen.
Zitronentee-Granulat?
(Lissi) Wie waren die Kritiken zu Ihrem Abgang?
- Sorry, tut mir leid. - Nee, nee. Der war gut.
- Und? - Gab keine.
Nichts. Nicht mal eine Randnotiz.
Ich habe drüben so eine kleine Versuchsgruppe.
- (Er stöhnt.) - Vielleicht wollen Sie dazustoßen?
Sie haben so gut angefangen. Jetzt wollen Sie, dass ich rede.
Also, mir ist lieber, wenn die Leute nicht so viel reden.
Ich bin Wissenschaftlerin, keine Therapeutin.
Ich dachte nur, Sie hätten Lust, die Station zu verlassen.
Die Gruppe ist drüben in der Tagesklinik.
Dann könnten Sie mal den Garten sehen.
Ja, war eine dumme Idee. Ich muss los.
Ich habe noch, ähm, hier, Dings. Urinproben.
Die werden kalt.
- (Daniel) Ich möchte eine rauchen. - Das geht nicht.
(Daniel) Haben Sie Angst, dass ich davonlaufe?
(Lissi) Sie sind sicher flink mit Ihrem Bänderriss.
(Daniel) Sie haben nicht gesagt, was Sie in der Gruppe machen.
(Lissi) Wir singen.
Wir testen an traurigen Menschen, ob Singen glücklicher macht.
(Gruppe) Auf einem Baum ein Kuckuck
Simsalabim Bam ba sala du sala dim
Auf einem Baum ein Kuckuck saß
(Sami) Ja.
Da kam ein junger Jäger
Simsalabim Bam ba sala du sala dim
Da kam ein junger Jägersmann
Der schoss den armen Kuckuck
Simsalabim Bam ba sala du sala dim
Der schoss den armen Kuckuck tot
(Telefonansage) Dieser Anruf wird gehalten. Bitte warten Sie.
Please hold the line.
- Dieser Anruf wird gehalten... - (Journalistin) Hallo?
- Hallo, sind Sie noch da? - Äh, ja.
Ja, also Sie haben recht, da gab's keinen Bericht.
Aber das ist doch seltsam.
Ja, das finde ich auch.
Vielleicht ist es ja... durchgerutscht.
Mit wem spreche ich da eigentlich genau?
Äh, wie gesagt, eine Quelle aus dem näheren persönlichen Umfeld.
- Sag mal, Daniel, bist du das? - Hallo?
Ich habe deine Nummer eingespeichert aus meiner Zeit bei der "Bild".
Hallo?
(Es läuft beschwingte Walzermusik.)
(Lissi) Eins noch.
Kommen Sie näher, stoße ich mir die Gabel ins Auge.
Ich habe ein Angebot für Sie.
Helfen Sie mir, die Leute glücklich zu machen, und ich helfe Ihnen raus.
Das können Sie gar nicht. Sie sind keine Ärztin.
Es ist ja so: Wenn jemand Internes sagt, dass Sie Mitarbeit zeigen,
hat man das Gefühl, Sie sind keine Gefahr für sich,
und nach angemessener Zeit lässt man Sie raus.
Muss halt jemand ein gutes Wort für Sie einlegen.
Angemessene Zeit?
Das hängt auch so ein bisschen von Ihrem Engagement ab.
- Ah ja. - Aber schneller.
Also viel, viel schneller.
Sie wollen mich nicht therapieren?
(Lauter werdendes Vogelgezwitscher)
Darf ich mal ganz kurz ehrlich sein?
Ähm... Ja...
Mhm, Sie sind mir ganz egal.
Ich brauche einen Wurm an der Angel. Sie helfen mir, ich helfe Ihnen.
Was Sie danach machen, ist Ihr Bier.
(Leiser werdendes Vogelgezwitscher)
Wow. Sie sind ja richtig durchtrieben.
Mehr, als Sie glauben.
Unmoralisch steht Ihnen. Besser als besorgt.
- Kann ich mit Ihnen rechnen? - Nein.
- Raus. - Okay.
(Handyklingeln)
- (Journalistin) Daniel? Hallo? - Hallo?
Hey, grüß dich. Du, ich habe mal recherchiert.
Das ist ja furchtbar. Liebe Grüße von der Redaktion.
- Geht's dir besser? - Tippitoppi.
- Gibt ja Leute, die einen auffangen. - Ach schön. Toll.
Du, ähm, ich habe eine Sensation für uns beide.
Es ist jemand weggebrochen,
und die geben mir das Sonntagsgespräch nächste Woche.
- Was? - Pass auf, jetzt kommt's.
Zwei volle Seiten über dein Leben.
Ehrliches, tiefes Gespräch über die Aufs und Abs.
- Wow. - Kein Boulevard-Kram.
- Wirklich? - Die große Frage ist, wie's dir geht.
- Vielleicht kommt das zu schnell. - Iwo, nein. Es ist...
- Wo bist du denn? - Ich bin zu Hause.
Dann können wir uns da treffen, oder?
- Ja, ja. Jederzeit. - Prima.
Ich rede mit dem Fotografen und melde mich, okay?
Schön. Bis dann.
(Drollige Klaviermusik)
(Chefarzt) So, Daniel Novak, wie macht der sich?
Auf gar keinen Fall kann der raus. Also, das ist ja einfach nicht safe.
Minimum die vollen sechs Wochen.
Ja? Du hast doch gesagt, wie toll der mitmacht.
(Chefarzt) Die Richterin lässt ihn raus.
Er kann in die Tagesklinik. Ist ja schließlich kein Gefängnis.
Gut gemacht. Freu dich.
Lissi, Lissi.
(Chefarzt) So, Nächster.
Der schwierige Herr auf der Drei. Was ist mit dem?
(Laute Heavy-Metal-Musik)
Scheiße, Mann! Scheiße, Scheiße, Scheiße!
Fuck, Mann! So nah.
- (Daniel) Kleenex? - (Sie schreit.)
- Was machen Sie hier? - Könnten Sie mit Ihrem Sitz...
- Mein Knie ist... - Was Sie hier machen.
- (Japsend) Mein Knie. - (Heavy Metal stoppt)
(Er seufzt.) Fenster war offen.
Dem Wasserflecken nach zu urteilen, nicht das erste Mal.
Wie Sie aus der Klinik entkommen sind.
Ähm... Vielen Dank noch mal.
Das meinten Sie ja wohl mit "wir helfen uns gegenseitig".
Was meinte ich?
Wenn Sie jemand sieht. Sie dürfen hier nicht sein.
- Was wird das? - Ich fahre Sie in die Klinik.
Das würde ich mir an Ihrer Stelle gut überlegen.
- Wieso? - Wer legte den Schlüssel aufs Kissen?
Ich habe...
Wie leichtsinnig.
- Erpressen Sie mich? - Der Deal.
Sie lassen mich raus. Ich helfe Ihnen.
Denken Sie nicht drüber nach. Ich gehe nicht zurück.
Ich warte nicht wochenlang, bis die Richterin mich rauslässt.
Am Ende bin ich entmündigt und komme überhaupt nicht mehr raus.
Glauben Sie, die suchen schon?
- Gut möglich. - Okay, Sie covern für mich.
Okay.
Hey, hey, hey. Was wird denn das?
Hey, hey!
Hey! Sie checken die Lage, und fertig.
Und wenn Sie mich verraten, sind Sie Ihre Konzession los.
Das ist ein Doktor, keine Schanklizenz.
(Daniel) Ja, was auch immer.
(Klaviermusik)
- Und? - Ja, alle suchen nach Ihnen.
Machen die eine Ringfahndung?
Bei allem Respekt vor Ihrer Berühmtheit,
maximal klingelt eine Streife bei Ihnen, Sie sind ja kein Axtmörder.
Okay, wenn ich untergehe, ich reiße Sie mit in den Abgrund.
- Sehe ich förmlich vor mir. - Ich habe Sie in der Hand.
- Sie Fuchs. Wie konnte das passieren? - So, ähm...
Einen schönen Abend. Bringen Sie mich in die Stadt...
Was ist mit Ihrem Teil vom Deal?
Ja, gut. Ich helfe Ihnen noch kurz bei der Probe.
In der Klinik, aus der Sie ausgebrochen sind?
- Ähm... - Ja.
Dann werfen Sie mal Ihren E-Mail-Verteiler an.
Wo sollen die ganzen Leute hin?
Ich habe da einen Ort, da... Was meinen Sie, "die ganzen Leute"?
Ja.
- (Lissi) Wie war noch mal Ihr Name? - Magdalena. Hübner.
(Lissi) Mhm. Mhm.
(Konstantin) Konstantin Meininger.
(Lissi) Mhm.
(Daniel) Waren das letztes Mal auch schon so viele?
Wurm an der Angel. Hat sich rumgesprochen.
- Mensch. - Dr. Dr. Waldstett.
- Ich freue mich so. - (Lissi) Mhm.
- Ich mich auch. - Ich singe so gern.
- Mhm. - (Ehefrau) Komm, Helmut.
Ich stelle die Muffins dahinten hin. Ja?
Komm. Lass uns hierhinsetzen.
- Komm, setz dich mal dahin. - (Helmut) Ja.
Nein, Elaha, das geht nicht. Wo ist denn dein Vater?
- Mein Bruder sitzt vorne an der Bar. - Woher weißt du, dass wir hier sind?
- In echt siehst du anders aus. - Ich nehme an, besser.
- Nope. - Cool.
- Wie ist es, berühmt zu sein? - Berühmt ist ja auch vorbei.
- Es hat Vor- und Nachteile. - Welche?
Könnt ihr mich hören?
- Du kannst hier nicht sein. - Immer rein mit dir.
Viel Spaß.
Das geht nicht. Sie ist Patientin in der Tagesklinik.
- Sie hat eine schwere Depression. - Dann machen wir sie glücklicher.
Das hier ist ein professioneller Rahmen.
Geht es Ihnen um die Leute oder um Ihre Spuckeproben?
Hier geht es tatsächlich um was Größeres.
- Sie bringt die Werte durcheinander. - Dann lassen Sie ihre Daten halt weg.
Bringen wir es hinter uns? Ich habe noch andere Sachen vor.
Ich habe uns schon mal die 310 hier kopiert.
- (Helmut) Danke. - Das ist der "Leierkastenmann".
Einige kennen vielleicht schon...
(Daniel) Ja, ja. Komm. Also.
Das bin ich. So sehe ich aus.
Gucken, gucken, gucken, gucken.
Rest könnt ihr googeln. Also, wer macht den Anfang?
- Sie? - Ja?
- (Ehefrau) Helmut. - Helmut. Ton.
(Singt tiefen klaren Ton.)
Gut, also, Singen ist eine Sache, miteinander singen eine andere.
Es hat fast mehr mit zuhören zu tun, als mit singen.
Komm mal her. Kommt mal hier in die Mitte.
Macht mal einen Kreis. Kommt.
Arme auf die Schultern vom Nebenmann, Köpfe zusammen.
Ich höre zu.
- Komm, komm, komm. So. - (Tiefer Ton)
Und jeder, der will, kann Helmuts Ton mitsingen. Ja?
(Gruppe stimmt mit ein.)
Und Sie, äh...
Ja.
- Tag, Stefan. - Ja, okay.
(Leise) Ton.
(Sie stimmt einen Ton an.)
(Dissonante Töne)
Macht mal die Augen zu.
(Klarer, einheitlicher Ton wird gesungen.)
Okay, okay. Ja, da sind wir. So.
Wir spielen jetzt ein Spiel.
Jeder, der will, kann einen Ton verändern.
Und jetzt kommt die Herausforderung: Immer nur einer.
Nie zwei Leute gleichzeitig.
Und wie sollen wir das wissen mit Augen zu?
(Tiefer, einheitlicher Ton)
(Daniel singt einen anderen Ton.)
(Frau singt einen anderen Ton.)
(Frau 2 singt einen anderen Ton.)
(Frau 3 singt einen anderen Ton.)
(Gruppe singt verschiedene harmonierende Töne.)
(Die Stimmen werden immer kräftiger.)
Äh, Sie müssen nicht mitkommen.
Hier, ähm...
Hier wohne ich, ja. Haben Sie gedacht, ich bin Millionär?
Ich dachte, ein Hit, und man hat ausgesorgt.
Ich habe die Rechte verkauft.
- Oh. - Musste.
Ich freue mich doppelt, wenn er im Radio läuft, weil ich den Song hasse.
- Und jemand anderes dran verdient. - Verstehe.
Ich finde die Wohnung alleine.
Mhm. Ja, dann sehen wir uns morgen bei der Probe.
(Daniel kichert.) Wenn ich dann noch lebe.
Das ist ein Witz, oder?
Das würden Sie ja nicht machen, ne?
(Daniel) Was denken Sie denn?
Fuck.
(Daniel) Es war wirklich ein Witz.
(Lissi) Nichts, was Sie sagen, hilft mir.
(Daniel) Ein klitzekleines Witzelein.
- Ich möchte nach Hause. - Bestimmt nicht.
Dienstvorschriftsverletzung, fein. Fluchthilfe, immer her damit.
Aber wenn Sie sich umbringen, dann bin ich am Arsch.
(Daniel) Hier wohnen Sie also mit Ihren 20 Katzen?
(Lissi) So lustig. Fassen Sie nichts an.
(Entspannter Gitarrenblues)
- Was soll das werden? - Ulrike Meinhof hatte eine Tochter?
- Sie sind wirklich unerträglich. - Wissen Sie, was unerträglich ist?
Diese Matratze.
Wären Sie seit vier Uhr wach, bräuchten Sie auch was zum Lesen.
Sie gehen seit vier Uhr durch meine Privatsachen?
Ich dachte, ich schlafe wieder ein, aber es war ganz spannend.
Wir können gerne tauschen.
(Weiter entspannter Gitarrenblues)
Sie müssen aufpassen. Ich hätte mich schon dreimal umbringen können.
Es war ein Witz.
Vielleicht hören Sie mal auf mit den Witzen.
Das ist schrecklich unangenehm.
Fragen Sie mich mal.
Können Sie die Lüftung anmachen? Oberer Knopf.
(Lüftung rauscht.)
- Sie bleiben hier. - Bitte?
Ich muss unsere Spuren verwischen. Wollen Sie mit rein?
Wir müssen noch mal in Ruhe sprechen.
Ich habe nicht vor, irgendwas zu tun. Ich möchte nach Hause.
- Sie bleiben schön hier sitzen. - Ich steige aus.
Was ist, wenn ich aus dem Fenster klettere?
- Das Ding hat eine Alarmanlage? - Die reagiert auf Bewegung.
Also machen Sie es sich ganz bequem.
Was ist das?
Seine Entlassungsbescheinigung.
Willst du mich verarschen?
Ich wäre fast ins offene Messer gelaufen.
Wo ist er?
- Entlassen. - Du hast ihn entlassen?
Es ist persönlicher, wenn ich ihm das sage.
Ah, okay. Und die Studie?
Es läuft gut.
Wir haben einen großen Raum. Ein großer Andrang.
Er kommt weiter freiwillig und hat verstanden,
dass das gut für ihn ist.
Wir haben gebondet.
- Gebondet? Du? - Mhm.
Hey, ich hänge da mit drin.
Du fälschst meinen Namen.
Ich meine, was kommt als Nächstes?
(Hupende Alarmanlage)
Ja, eben. Was?
Das war ja früher alles anders. Ich war...
- Ich war... - Vorstandsvorsitzender.
- Ja, genau. Von Dera... - Deratherm.
...therm, genau.
Pharmaindustrie.
Wir haben auf der ganzen Welt gelebt.
Vancouver, Bangkok, Buenos Aires.
Ach so?
Beziehungsweise gearbeitet.
Und als ich dann in den Ruhestand ging,
wollte Ellen wieder nach Hause.
Zu den Enkelkindern.
- Ja. - Nee, das weiß keiner.
Die wissen nur, dass ich eine Auszeit nehme.
Burn-out.
Klingt besser.
Ist doch so, oder? Burn-out klingt nach Arbeit.
Depression, äh...
klingt nach Loser.
Ich konnte sie nicht zu Hause lassen.
Mein Ex war da.
Und wenn meine Mutter den sieht, schreit sie ihn an.
Und dann schreien die Kinder. Und dann schreit er. Und dann...
Sorry, was war noch mal die Frage?
Ach ja.
Vielleicht bin ich traurig, ja.
- (Baby quengelt.) - Ähm...
Es ist aber auch die einzige Möglichkeit,
ein bisschen Zeit für mich zu haben.
Ich glaube, ähm...
Die hat eine Tochter bekommen, aber die habe ich noch nie gesehen.
Das muss man sich mal vorstellen.
Mein eigenes Enkelkind.
Opa Uwe.
Ja...
So lebt man also dahin.
Ich glaube einfach, ich mag keine Menschen.
Aber einsam bin ich doch.
(Vater) Mit einer Schere. Nicht sehr tief, aber...
Ich meine, mitten im Unterricht.
Warum macht man so was?
Warum?
Du musst schon reden.
Bis dahin war keinem in ihrer Klasse aufgefallen,
dass sie überhaupt da war.
Die gucken alle in ihre Telefone. Die machen die Kinder kaputt.
Was sie da den ganzen Tag sehen, das zerbricht doch die Seele.
Ja, was kann man schon machen?
Wir machen mit ihr eine Therapie.
Sie darf nicht online, sonst kommt das Handy weg. Es ist nicht leicht.
Ein starker Wille.
Wie ihre Mutter.
Ich habe gedacht,
Leute haben hier keinen Grund, traurig zu sein.
Aber...
Leute haben immer einen Grund, traurig zu sein.
Wenn der Mensch Zeit hat,
ist er traurig.
Die wollten ja mal ein Bruttosozialglück einführen.
Aber die sind so schon überfordert, die Gurkentruppe.
- (Lissi) Danke. - Die sind ja wirklich kein Vorbild.
- Dann habe ich überlegt... - Das Band läuft nicht mehr.
Ach so.
- Ähm... - Mhm.
Okay.
So. Sie sind dran.
(Daniel) Womit?
Na, Ihr Interview.
- Es geht doch gar nicht um mich. - Können ja die anderen nicht wissen.
Ja, aber hier ist gerade niemand. Wir können uns das Schauspiel sparen.
Vielleicht wäre es ja erleichternd, von Ihrem Leben zu erzählen.
Apropos.
Ich bräuchte ein paar Stunden ohne Aufpasser.
- Wofür? - Ich habe eine Verabredung.
- Ein Date? - Wenn Sie so wollen.
Ja, das ist doch... fein.
Okay.
- Bringen Sie sie her. - Was?
Sie können sich hier ein ruhiges Eckchen suchen.
Ich störe Sie nicht weiter.
Das ist gut, wenn wir alle was haben, worauf wir uns freuen.
Das verbessert die Prognose.
Wollen wir anfangen?
Kommen Sie bitte alle?
- (Stefan) Lieblingslied? - (Daniel) Ja.
- Egal, was? - Hauptsache, es bedeutet euch was.
Und das singen wir dann? Vor allen?
Ja, wir probieren es. Also.
Wer macht den Anfang?
Ah.
Wie toll.
Was hast du denn da? Schön.
- Verarschst du mich? - Das ist mein Lieblingslied.
- (Sandra) Was ist es denn? - Nichts.
Time, time, time, time Time, time, time and again
(Sandra) Singing it once Singing it twice
(Gruppe) Singing it To your own surprise
You've done it time Time, time, time, time, time...
Wenn hier irgendjemand noch einmal dieses Lied singt,
ist für mich die Veranstaltung zu Ende.
Okay? So, wer will?
Du.
Ich? Sami.
Sami. Was hast du?
- Ähm, "Get Lucky". - Kannst du es mal singen?
- (Er summt zaghaft.) - Ein bisschen lauter.
We're up all night 'til the sun...
- Hast du es auf dem Handy? - Ja.
Ah, okay, alles klar. Ähm...
Darf ich? Helmut?
- Ja? - Wollen wir mal probieren?
(Daniel singt Helmut einen tiefen Beat vor.)
Wer singt denn noch tief?
(Uwe) Ich glaube, ich.
(Sie summen im Takt.)
Geht das? Okay.
Die Höheren? Die höheren Männer?
Okay.
(Daniel gibt einen höheren Beat vor.)
(Sami sing eine Harmonie dazu.)
Oh, wow. Okay.
Super.
Okay, wer von den Frauen singt tiefer?
(Daniel singt eine höhere Melodie vor.)
(Frauen stimmen ein.)
Pass auf, du singst jetzt einfach eine Terz drüber.
(Daniel gibt höhere Melodie vor.)
(Sandra summt Melodie nach.)
Na komm, mach mit.
(Sie singen mehrstimmig.)
We've come too far
To give up who we are
So let's raise the bar
And our cups to the stars
Like the legend of the phoenix
Da, da
All ends with beginnings
Da, da
What keeps the planet spinning
Da, da
The force from the beginning
(Mehrstimmig) We've come too far
To give up who we are
So let's raise the bar
And our cups to the stars
We're up all night 'til the sun
We're up all night to get some
We're up all night for good fun
We're up all night to get lucky
We're up all night 'til the sun
We're up all night to get some
We're up all night for good fun
We're up all night to get lucky
(Uwe) Wir müssten Weihnachtslieder singen.
(Stefan) Absolut.
- Tschüss. - Tschau.
Tschüss.
- Habt ihr eine Zigarette für mich? - Er hat.
Danke. Hast du auch Feuer?
Rauchen kannst du selber, ne?
- Danke. Tschüss. - (Stefan) Tschüss, komm gut heim.
(Verspielter Folksong)
(Lied: "September Fields" von Frazey Ford)
(Weiter verspielter Folksong)
Gib schon her.
Hier ist die Mailbox von Nina Dietrich.
Nachrichten nach dem Signalton.
Hey, Nina, Daniel hier.
Bei mir zu Hause wird vielleicht ein bisschen schwierig.
Ich habe einen tollen Ort für unser Treffen morgen. Es ist eine Kneipe.
(Verspielter Folksong verklingt.)
(Schnarchen)
Was machen Sie da?
- Ich schlafe nicht mehr aufm Boden. - Bitte?
Ich kriege verquollene Augen. Morgen ist ein sehr wichtiger Tag.
- Was ist morgen? - Mein Date.
- Ihr Date? - Ich muss top aussehen.
Dann schlafen Sie im Sitzen. Raus.
Schlafen Sie doch auf Ihrer Luftmatratze.
Morgen ist der wichtigste Tag seit sehr vielen Jahren.
Ich muss ausgeruht sein.
Verlassen Sie bitte sofort mein Bett. Sie verletzen meine Intimsphäre.
- Machen Sie die Tür hinter sich zu. - Das ist meine Wohnung.
Und ich schlafe bestimmt nicht auf dem Boden wie so ein Hund!
Ich liege hier.
Ich wiege 80 Kilo. Was wollen Sie machen?
(Schnarchen)
(Friedliche Bluesmusik)
- Hey. Ein Bier, bitte. - Bringe ich dir.
Ihr Date?
Hat sie...
Haben Sie ja gesehen.
Wollen Sie vielleicht mit mir?
Was?
Reden?
Ich habe versprochen, keine Therapie. Aber dieser Zustand ist kein Zustand.
Bitte beantworten Sie die Fragen wahrheitsgemäß.
Wie oft haben Sie in den letzten sieben Tagen an Selbstmord gedacht?
Zehn ist häufig, eins ist nie.
- Haben Sie das aus dem Internet? - Nein.
Vom sozialpsychiatrischen Dienst.
Interessiert Sie das persönlich oder beruflich?
Ich hätte es gern, dass ich die Fragen stelle.
Also, tun Sie sich was an, ja oder nein?
- (Bruder) Denkst du, ich will das? - Lass mich in Ruhe, Mann!
(Bruder) Niemand hat Bock, deinen Babysitter zu spielen.
- Mein Dad hat ihr Handy weggenommen. - Wieso?
Hm. Ein Post mit Ihnen im Hintergrund.
Ganze 17 Likes.
(Bruder) Viel Spaß. Sie ist heute auf Krawall gebürstet.
(Stefan) Leute.
- Hi. - Hi.
Planänderung. Sami sagt, er hat eine Überraschung.
Wie siehst du denn aus?
Also, auf. Wir warten.
Wir kommen!
Wir können heute die Probe an einem anderen Ort machen.
- Ja, aber hier? - Ja, kommt.
- (Sängerin 1) Sieht spannend aus. - (Sängerin 2) Ja, keine Ahnung.
(Uwe) Das ist ja riesig, ey.
- (Sänger 1) Boah, guck mal. - (Sandra) Wow.
(Sängerin 3) Wahnsinn.
- (Helmut) Soll ich dir helfen? - Wow, ey.
Wie hast du denn das gefunden?
Ich gehe gerne spazieren. Alleine.
Es ist nicht so ruhig, wo ich schlafe.
(Uwe) Und was machen wir jetzt hier?
(Nachhall des Klatschens)
(Er singt auf Arabisch.)
(Lied: "Lamma Bada Yatathanna")
(Klare, hallende Töne)
(Summen)
(Uwe gibt kräftigen Ton von sich.)
(Unterschiedliche kräftige, hallende Töne)
(Helmut summt tiefen, wohlklingenden Ton.)
(Gruppe summt in Harmonien.)
Pff... Nee.
Sag mal, warum bist du da?
Hä?
Das mit deinem Post hat nicht funktioniert.
- War ein Fail. - Hätte ich dir vorher sagen können.
Ich interessiere keinen Arsch.
Okay.
Warum bist du jetzt hier, hm? Zum Singen ja offenbar nicht.
- Bis jetzt habe ich dich kaum gehört. - Ich singe nicht vor allen.
Musst du nicht.
Easy.
(Der Chor summt weiter in Harmonien.)
Weißt du, was ein Trick bei Angst ist?
- Ich habe keine Angst. - Man singt für jemand anderen.
- Ich habe keine Angst. - Dann denkt man nicht über sich nach.
We clawed We chained our hearts in vain
We jumped...
Ach, ist doch Bullshit. Klingt scheiße.
- Findest du? - Alle gaffen mich an.
(Daniel) Warte mal.
Was willst du jetzt? Dass sie dich anschauen oder nicht?
Fuck you.
Okay, anders. Ähm...
Warum der Song?
Keine Ahnung. Habe ich eine Zeit lang oft gehört.
Okay. Wann?
- Vor zwei Jahren. - Und was war vor zwei Jahren?
- Nichts. - Nichts?
Niemand.
Wer?
Meine Mama.
Was ist mit deiner Mama?
Okay.
(Sandra stimmt das Lied an.)
...in the sky
And now you're not coming down
It slowly turned, you let me burn
(Sandra, Daniel) And now We're ashes on the ground
Don't you ever say I just walked away
I will always want you...
(Sandra) Ja.
(Chor summt weiter.)
I came in like a wrecking ball
I never hit so hard in love
All I wanted was to break your walls
All you ever did was wreck me
Yeah, you You wreck me
I came in like a wrecking ball
I never hit so hard in love
All I wanted was to break your walls
All you ever did was wreck me
I came in like a wrecking ball
Yeah, I just closed my eyes and swung
Left me crashing in a blazing fall
All you ever did was wreck me
Yeah, you You wreck me
(Die Stimmen verklingen.)
- Ganz genau. Danke, Moni. - Gerne doch.
- (Stefan) Dixie Midnight was? - Runners.
- (Sami) Wer ist das? - (Uwe) Achtung.
(Helmut) Das war mein Lied für Ellen.
- (Stefan) Welches Lied? - Die hatten nur einen Hit.
Ah, da sind sie ja nicht die Einzigen.
Come on, Eileen...
(Sami) Oh!
Oh, I swear well he means
- Ja. - (Sami) Ah, das kenne ich.
Wegen des Namens, das fand er so lustig.
- Ellen, Eileen. - Ach so.
Da war... Wie war das?
- Äh... Doro? - Ja, meine Tochter.
Da war ein Konzert und...
Doro hatte Schulabschluss, und Helmut war in Hongkong.
- War ich? - Ja.
Und ich dachte, gut, das war es jetzt.
Unser jüngstes Kind verlässt uns, und du kriegst das nicht mit.
Das war ja bei Moritz ganz genauso.
Und ich war ein bisschen... Also, ich hatte Gedanken.
Und dann sagte Doro: "Komm doch mit ins Konzert."
Dachte ich, gut, dann machen wir es uns schön.
Ich kannte diese Band überhaupt nicht.
Und dann kam aber unser Lied.
Und plötzlich stand Helmut vor mir. Er war gar nicht in Hongkong.
- Ja. - Doro und er hatten was ausgeheckt.
Und er sagte, dass er kündigt, wenn ich das will.
Und er fragte mich, ob ich ihn noch mal heiraten möchte.
- Für den Rest unseres Lebens. - Come on, Eileen...
Was, zu "Come on, Eileen"?
Ja, das war ziemlich dick.
Ja.
Ja, und?
- Wow. - (Stefan) Helmut!
Helmut!
- Wo ist Doro? - Was?
Die darf nicht so lange wach sein.
Nein, Helmut, Doro ist jetzt 39.
Red nicht so einen Quatsch.
Ich habe ein bisschen viel getrunken.
- Bringst du mich heim? - Ja, natürlich. Ich hole das Auto.
Habe ich den Schlüssel?
- Hier, mein Schatz. Bitte schön. - Danke.
Und jetzt gib mir deinen Arm, damit ich nicht stolpere.
(Helmut) Hier ist mein Arm.
- (Ellen) Jetzt sag "gute Nacht". - (Helmut) Zu wem?
- Gute Nacht. - (Gruppe) Gute Nacht.
- Danke. - Kommst du jetzt?
- (Helmut) Gute Nacht. - (Ellen) Gute Nacht.
(Stefan) Wie macht sie das?
- (Uwe) So was wünscht man sich. - Ich könnte das nicht.
(Tür fällt zu.)
(Dumpfe fröhliche Musik und Gelächter)
Nein.
Uwe besteht drauf.
Ich kenne den Unterschied zwischen Professionalität und Kneipenabend.
Vorsicht.
Ihre Arbeit basiert auf Glück. Könnte sein, dass Sie was davon abbekommen.
Wie viele haben Sie schon intus?
Uwe sagt, wenn Sie nicht mittrinken, kommen wir morgen nicht zur Probe.
- Erpresst jetzt hier jeder jeden? - Was ist das? Was haben Sie da?
Haben Sie noch einen?
Ja.
(Beschwingte Bluesmusik)
(Uwe, lachend) Mannomann.
Frau Dr. Dr. trinkt uns unter den Tisch.
- Kann man laut sagen. - Wir haben alle unsere Vergangenheit.
Ja, und Ihre ist Kampftrinkerin im russischen Atom-U-Boot, hm?
Sie können aber schon noch fahren, ja?
Ich fahre Sie auch im Wachkoma sicher nach Hause.
Läuft vollautomatisch.
Ich habe keinen Führerschein, ich bin immer Taxi gefahren.
Ja, da haben was gemeinsam, hm?
(Daniel) Danke.
- Ähm, und... Und Sie? - (Lissi) Er läuft.
Er kommt... Hier, das ist gleich um die Ecke.
Morgen wissen es alle.
Dass wir ein Ding sind?
Haha, so lustig.
- (Nachrichtenton) - Kommen Sie?
Ist echt frisch, sobald die Sonne weg ist.
Ihr Date?
(Nina) Sorry, wie das gelaufen ist. Aber hey, ein andermal. Alles Liebe.
Ein paar Fragen hätte ich noch.
Ich eine Wahrheit, Sie eine Wahrheit.
Schaffen Sie das?
(Daniel) Was ist die beschissenste,
traurigste, deprimierendste Geschichte aus deinem Leben?
- Sind wir jetzt per Du? - Ich, ja.
Also? Oder fällt dir nichts ein?
- Da fallen mir einige ein. - Nein, die schlimmste.
Meine Schwester und ich wollten Mama beeindrucken.
Wir haben bei einer Aktion mitgemacht,
da konnte man ausrangierte Legehennen adoptieren.
Wir fanden uns ganz toll.
Wir standen auf einem Parkplatz mit noch zwölf anderen Leuten.
Es kam ein Riesenlaster angefahren.
Und die machen die Luke auf, und da sind so...
tausend elende Kreaturen hinten eingepfercht.
So was hast du noch nicht gesehen.
Federlos. Teilweise mit gebrochenen Flügeln.
Jedenfalls drücken die uns so ein Wesen in den Karton.
Wir haben ein Fenster reingeschnitzt gehabt und es angemalt.
Wie so ein Haus, so à la: "Hallo, herzlich willkommen."
Und, ähm, dann ging die Ladeklappe wieder zu.
Und ich habe sie gefragt: "Was passiert jetzt mit den anderen?"
Der Typ hat nicht mal verstanden, was ich wollte.
Was ist mit dem Huhn passiert?
Das ist gestorben, nach drei Tagen.
Das ist offiziell die deprimierendste Geschichte, die ich je gehört habe.
Da habe ich das Wichtigste gelernt. (Sie räuspert sich.)
Man muss woanders ansetzen, beim Großen und Ganzen.
Man darf keine Zeit verschwenden, wenn man Hilfe will. So, jetzt du.
Äh... Was war das für eine Nachricht gerade?
Ähm, das war meine Doppelseite.
In der Sonntagsausgabe der NRZ.
Nicht dein Ernst.
Das Sonntagsinterview ging an einen Amerikaner,
der gerade Promo für irgendeinen Superheldenfilm macht.
Und sie haben mich in "Vermischtes" geschoben.
- Der Slot ging dann auch weg. - An wen?
- An einen Hund. - Einen Hund?
Mhm.
Den haben sie im Urlaub verloren,
und der ist die ganze Strecke nach Hause gelaufen.
2000 Kilometer.
Okay, das ist eine gute Geschichte.
Besser als meine?
- Ich verstehe langsam. - Was?
Die offene Wohnungstür.
Durch die Backe geschossen.
Es war gar kein... "Ich bin dann mal weg."
Es war ein... "Hey, ich bin noch da"?
Du bist dran.
Irgendwas,
was du mir nie sagen würdest.
Kein Mensch sucht dich.
- Was? - Du warst entlassen.
Daniel, ernsthaft. Die würden nicht Wochen nach dir suchen.
Warte mal, was...
(Er stammelt.)
Gibt's noch... noch irgendwas... was du vor mir versteckst?
Nee, nee, eine Frage. Ich bin dran.
Willst du dich wirklich umbringen?
Jetzt gerade?
Nein.
Gestern oder...
morgen?
Ich kann es mir gerade nicht vorstellen.
Zufrieden?
Hast du noch irgendwas, was du vor mir versteckst?
Ich nehme Pflicht.
Okay.
Dann fasse ich dich jetzt an.
- Oder doch lieber Wahrheit? - Nee. Easy.
- Du darfst das nicht wegrubbeln. - (Sie schnaubt.)
Was ist das mit dem Berühren?
Nichts. Ich mag das einfach nicht.
- Schon immer? - Hat sich eingeschlichen.
Sag mal... Ich antworte auch noch.
Du bist drauf reingefallen.
Ich bin dran.
Wenn du den Song so hasst, wieso hast du ihn dann geschrieben?
Ich war im Studium und habe eine Arbeit geschrieben
über Schablonen im Pop.
Um es zu demonstrieren, habe ich alle möglichen Bausteine
aus alten Hits genommen und es so zusammengerührt,
dass es gerade noch legal war.
Das war alles?
Ein Kumpel hat es an die Radiosender geschickt, und es ist...
durch die Decke gegangen.
Ich dachte, hey, das ist ja alles nur Ironie.
Irgendwann lasse ich die Bombe platzen.
Aber?
Irgendwann war es nicht mehr ironisch.
Der Song hat gewonnen. Er war stärker als ich.
- Und das Geld war etwas zu gut? - Ja, das auch.
Okay, fass mich hier an.
- Wirklich? - Ja.
(Sanfte Klaviermusik)
Alles okay?
Nee, voll schön.
Noch mal hier.
- Ah, okay, nee, das... - Das, ähm...
Das geht besser, wenn ich das mache.
Wie?
Das geht jetzt plötzlich?
Halt den Mund.
(Leidenschaftliche Bluesmusik)
(Lissi) Alles gut? Okay?
- (Daniel) Nee, das ist super. - Musst schon gucken.
- Okay, warte. - Warte.
- (Daniel) Nee, das geht. - Genau.
- (Daniel) Au! - Tut weh?
(Bluesmusik verklingt.)
(Schnarchen)
(Unruhige drollige Klänge)
Na super, Lissi.
Wie dumm kann man sein?
Stefan.
Boah.
- (Sami) 25.000 Likes. - (Magdalena) 25.000?
- (Stefan) Das ist peinlich. - Über Nacht. Es ist krass.
- (Sami) Stefan, jetzt kommst du. - (Daniel) Was ist denn hier los?
- Sami hat Elahas Video gepostet. - Ja, und?
Das geht voll ab. 700k.
Die Klatschpresse hat das in ihren Ticker gehauen.
Nicht, dass ich so einen Scheiß lese.
Nur beim Friseur.
Ich gehe ja nicht zum Friseur.
- Wann auch? - Ja.
Das war so klar. Damit machen die Auflage.
Praktikanten machen nichts anderes, als das Netz zu durchfischen.
Sportredakteur.
- Springer? - Nicht mehr.
Ich bin mit Reichelt gegangen.
Wer ist denn das?
Das ist Elaha.
- (Helmut) Wer? - (Gruppe) Elaha.
- Die singt aber schön. - Danke.
(Stefan) Kann man so sagen.
Hey, ihr Lieben, es gibt einen Grund zum Feiern.
(Sandra) Oh ja.
- (Stefan) Yes! - (Helmut) Oh ja.
Ähm...
- (Uwe) Ah. Frau Dr. Dr. - Das vielleicht mal...
- (Lissi) So. - Oh.
Hoffentlich ist der mit Alkohol.
- (Sandra) Einen Schluck? - (Stefan) Es wäre komisch abzulehnen.
Also, äh...
Ja.
Unsere Studie war, so hoffe ich, ein grandioser Erfolg.
Und das wäre ohne euer Vertrauen,
ohne euer Engagement nicht möglich gewesen.
Vielen Dank.
Ähm...
Was heißt denn das jetzt?
- Wir sind fertig. - Wie, fertig?
Na fertig. Finito.
(Uwe) Wir üben doch heute mein Lied.
(Sami) Was ist mit unserem Chor?
Ah ja, Missverständnis. Das ist ja gar kein Chor, sondern eine Studie.
Die hat irgendwann ein Ende, und das ist jetzt erreicht.
Herzlichen Glückwunsch. Prost.
(Schlürfen)
Darf ich... Darf ich dich mal kurz...
- Kommst du kurz mit raus? - Das muss nicht...
Jetzt?
(Stefan) Seit wann sind die per Du?
- (Sandra) Die sind... - (Lissi) Sind sie nicht.
Sag mal... Was machst du denn da?
- Ich verstehe die Frage nicht. - Es hat nichts mit der Studie zu tun.
Quatsch.
Aber es gibt ja noch größere Sachen als uns, ne?
Lass versuchen, professionell zu bleiben.
Weil das eine superprofessionelle Veranstaltung war?
Dafür hast du dich zu sehr involviert.
Genau. Und damit ist jetzt Schluss.
Fünf Wochen reichen. Die Datenmenge ist nicht riesig, aber ist okay.
Freu dich, du bist frei.
(Sami) Sorry, ich habe so eine...
Direct Message von einem Fernsehsender.
- So eine Night Show. - Die Late Night Show.
(Sami) Sie fragen uns, ob wir...
...ob du mit deinem Chor von Depressiven
in die Show kommst.
(Sami) Ja.
(Handyklingeln)
Untersteh dich.
- Ich... - (Uwe) Woher haben die deine Nummer?
Ich habe keine Ahnung.
- Wollen sie, dass wir singen? - (Sandra) Hä?
- Meinst du? - (Stefan) Na klar.
- Das ist für die Fernsehgold. - Dann muss ich doch zum Friseur.
- Ich komme ins Fernsehen. - Ich hole das Auto.
Daniel.
Das kannst du nicht machen. Kommst du bitte?
- Nein, ich finde... - Jetzt!
(Uwe) Wir kommen ins Fernsehen.
Das sind keine gesunde Menschen.
Warte mal. Was? Du löst hier gerade den Chor auf.
- Es ist kein Chor. - Jetzt geht's dir um die Menschen?
- (Lissi) Wir haben 'ne Verantwortung. - Okay, ähm...
- Wie viele Kinder hat Uwe? - Was, ich?
Ihr sollt bitte weghören.
- Zwei Töchter. - Das ist unwesentlich jetzt.
Nicht für Uwe. Beide reden seit Ewigkeiten nicht mit ihm.
Deswegen ist er übrigens unglücklich.
Seit wie vielen Jahren wartet Sami auf seinen Bescheid?
- Das ist so schäbig. - Du weißt es nicht.
Für sie seid ihr ein Punkt auf einer Skala zwischen -5 und +5.
Es ist kein Entertainment-Akt.
Es ist nicht meine Entscheidung. Frag doch die Leute, was sie wollen.
Sie wollen das, was alle wollen.
- Also. - Ich verbiete das!
Wow.
Bitte.
Ich würde einfach sagen, wir können erst mal proben,
dann können wir immer noch den ganzen Abend darüber sprechen.
Gute Nacht.
Sandra, bitte, geht nach Hause. Ihr glaubt, der macht das für euch?
Für den gibt es keine Menschen, nur Publikum.
Menschen sind für den Mittel zum Zweck.
Da haben wir ja eine Sache gemeinsam.
(Nachdenkliche Popmusik)
(Lied: "The Fade Out Line" von Phoebe Killdeer and The Short Straws)
(Daniel) Kommt, wir machen unseren Ton aus. Köpfe zusammen.
(Helmut summt aufsteigend.)
(Daniel) Nee, nee. Nur einen Ton.
(Gruppe singt im Einklang.)
(Weiter nachdenkliche Popmusik)
Hi, ja, ähm... Sie haben gerade eine Nachricht bei...
Genau. Morgen?
Morgen. Wir kommen.
Sehr gerne morgen.
Da haben Sie Ihren Hit.
(Weiter nachdenkliche Popmusik)
(Sie singt zaghaft "Wrecking Ball".)
(Uwe) Da könnte was dabei sein.
Ist doch gut.
(Fußballkommentar aus TV)
(Stefan) Die wissen nur, dass ich eine Auszeit nehme.
- (Baby quengelt.) - (Sandra) Ja...
- (Lissi) Und wie geht's Ihnen damit? - Um mich geht's ja hier nicht.
(Lissi) Ja, stimmt. Verzeihung.
- (Lissi) Und wie geht's Ihnen damit? - Um mich geht's ja hier nicht.
(Lissi) Ja, stimmt. Verzeihung.
(Lebhafter Jazzpop ertönt.)
(Applaus und Stimmengewirr)
(Stefan einsingend.) Yeah, yeah, yeah, yeah
(Sandra singt sich ein.)
Stefan, das fetzt nicht genug, ne?
- Hm? Nee, ist mega. - Ja?
(Sami) Nee, ich trinke jetzt nur Wasser.
- Mir ist so schlecht. - Mir auch.
Entschuldigung, kann ich Haarspray haben?
Die sind total platt hier.
Nee, ich mache es selber, danke.
Hey, Lena. Hopp, komm.
Okay.
- Boah. - Das setzt sich.
(Uwe) Kannst du bitte noch mal ran?
- Ich schwitze wie eine Salami. - (Sami) Ich auch.
Danke.
Oh, wow.
Wie siehst du denn aus?
Zu viel?
- Nein. - Nee.
Nein.
Wo steckt eigentlich der Chef?
(Anheizer) Oh, so eine schöne Bande!
- Daniel, können wir? - Ja.
- (Anheizer) Hallo, Publikum! - (Publikum) Hallo, Christian!
- Auftritt hat man dir gezeigt? - Yes.
Okay, du gehst da gleich rüber zum Talk und setzt dich auf die Couch.
Sag mal, ist das Gespräch vor dem Act oder nach dem Act?
Egal, ich frage Jürgen direkt. Nach dem Act.
Hey, Daniel! Lass mal.
- Daniel! - Hey, Mensch, du.
- Hallo, wie geht's? - Der Bart ist grau, ich werde fett.
Ja.
Aber viel wichtiger, wie geht's dir?
- Mega. - Ja, siehst auch geil aus.
- Ging mir nie besser. - Ja, Wahnsinn.
Was für eine unglaubliche Geschichte. Ich wusste gar nicht, dass du...
Karolin hat ja auch immer wieder so Phasen. Weißt du ja.
Aber mega inspiring.
Solche Geschichten brauchen wir. Hammer.
- Aber reden wir draußen drüber, oder? - Ja, klar.
- Verpulvern wir hier nicht alles. - Natürlich nicht.
Nice. Geil.
Good to have you back.
Daniel.
- Daniel. Kommst du? - Ja.
- (Ellen) Ja? - Grömel-Waldstett.
(Toröffner summt.)
Hey, hier sind wir. Geilste Truppe ever.
Und jetzt Kopf aus und einfach genießen. Das ist euer...
Hattest du von den Croissants?
- Bitte? - Du hast da Puderzucker.
(Uwe) Ich will niemanden verrückt machen...
Aber wo ist eigentlich Helmut?
(Türklingel)
Tut mir leid, das ist gegen die Regeln, ich wollte nur...
Kommen Sie rein.
- (Freiton) - Und?
- Geht nicht ran. - Fuck, Mann.
Stefan? Meinst du, es ist irgendwas passiert?
Quatsch, die haben sich einfach bloß verfahren.
Versuch's noch mal. Yallah, wir haben keine Zeit.
Gib mal, gib mal.
(Freiton)
(Er spricht Arabisch.)
- (Lissi) Seit wann? - (Handy vibriert.)
(Ellen) Seit heute Morgen.
Ich habe ihm morgens seine Sachen rausgelegt, wie immer.
Dann hat er mich plötzlich angeschrien.
Wer ich denn sei, was ich in seinem Haus mache.
Er hat mich also zum ersten Mal...
nicht mehr erkannt.
Ich wusste sofort, das schaffe ich jetzt nicht mehr.
Aber ich habe es ihm versprochen.
Sogar zweimal.
Dass wir füreinander da sind.
Da kann man sich besser um ihn kümmern.
Ist wunderbar da. Solange man Geld hat, läuft das alles wie geschmiert.
Aber...
Wie er mich angeguckt hat, als ich weggegangen bin.
Eigentlich gar nicht traurig oder nicht wütend,
sondern einfach überrascht.
Er erkennt mich nicht mehr, aber er ist perplex,
dass ich ihn da allein lasse unter diesen ganzen fremden Leuten.
(Sie seufzt schluchzend.)
(Moderator) Eine Gruppe trifft sich in einer psychiatrischen Klinik
und entscheidet sich, gegen ihre Traurigkeit anzusingen.
(Aufnahmeleiter) Leute, es geht los. Auf Position.
- (Uwe) Und? - Nichts.
- Wie finde ich dann meinen Ton? - Was?
(Stefan) Fuck, stimmt.
(Daniel) Nein, nein. Hey, hey. Jetzt hier keine Panik. Ihr habt...
Ohne Helmut finde ich meinen Ton nicht.
(Moderator) Daniel Novak und seine Freunde mit "Wrecking Ball"!
(Jubel und Applaus)
(Applaus flacht ab.)
(Aufnahmeleiter, leise) Singt.
Macht. Hey, hey.
(Showgast) Daniel!
(Er stimmt das Lied an, Gruppe stimmt ein.)
(Zögerliches, dissonantes Summen)
- (Summen stoppt.) - (Lacher, höhnische Rufe)
(Leichter Applaus)
(Moderator) Äh... Wow.
Ja, manchmal ist es gut, aufzuzeichnen.
Das ist kein Problem. Wir fangen einfach noch mal an.
Das ist eine Aufzeichnung. Einfach noch mal.
- (Moderator) Sollen wir noch mal? - (Jürgen) Ja, noch mal.
(Moderator) Okay. Braucht ihr irgendwas?
So you've done another morning
You've done another night
It comes without a warning
You pick another fight
And you go, and you go And you can't let go
'Cause you've seen it all before
So you sank another dreamer
So you're drunk enough by noon
So you're on the same old steamer
Humming the same old tune
And you go, and you go And you can't let go
And you go, and you go And you can't say no
(Mehrstimmig) And you go And you go, and you go, and you go
Though you've sung this song before
Singing it once, singing it twice
Singing it to your own surprise
You've done it time, time, time, time Time, time, time and again
So you find yourself off dreaming
So you make no sense at all
(Elaha) So you make up Your own meaning
And you hit another wall
(Mehrstimmig) And you run And you run, but you can't outrun
And you run, and you run And you feel undone
And you run, and you run And you run, and you run
'Til you hit the same old wall
Hitting it once, hitting it twice
Hitting it hard enough to wise up
You've been there time, time, time Time, time, time, time and again
You've been there Time, time, time, time
Time, time, time, time
Time, time, time, time, time, time
Hitting it once, hitting it twice
Hitting it hard enough to wise up
You've been there time, time, time Time, time, time, time and again
I need time
Time
Time
(Sie halten den Ton.)
(Musik endet mit Tusch.)
- (Moderator) Ja! - (Jubel)
Daniel Novak!
Amazing!
(Publikum skandiert.) Daniel, Daniel, Daniel!
(Sphärische Musik)
(Melancholischer Bluessong)
(Lied: "Strange" von Celeste)
(Lied überlagert Sequenz.)
(Lied überlagert Sequenz.)
("Strangers" läuft weiter.)
(Lied verklingt.)
(Schwermütige Klänge)
(Klopfen)
(Frau) Hallo? Können Sie die Tür aufmachen?
- (Klopfen) - Hallo, können Sie die Tür aufmachen?
(Klopfen)
(Mann) Die Beutel sind voll. Komplett.
(Frau) Ja.
Da unter dem... unter dem Wagen.
(Staubsauger rauscht.)
(Rauschen stoppt.)
(Frau) Das machen wir erst mal grob hier. Und danach richtig.
(Nachdenkliche Klaviermusik)
Okay.
(Freiton)
- Mailbox von Sandra Rütter-Gonzalez. - Fuck, fuck, fuck.
(Lissi) Sinnlos.
Wir sind raus.
Woher weißt du das?
I tried.
Super Nummer gestern.
Guck mal, so schlecht ist der Song doch gar nicht.
- Ja. - Bist du jetzt glücklich?
Äh...
Und bei dir?
- Studie gut? - Super.
Besser, als ich erwartet hatte.
Okay.
- Wurden alle angemessen glücklicher? - Ja, aber das war klar.
Dass Singen glücklich macht, ist ein alter Hut.
Darum ging's nicht.
Worum denn dann?
Um dich.
- Was? - Deine Kurve ging nach oben. Massiv.
Und du hast kaum gesungen.
Ich dachte, ich bin hier... ich bin der Wurm an der Angel.
Du warst der Fisch.
Die anderen waren der Wurm.
Weißt du, was noch glücklich macht?
Wozu es kaum Studien gibt,
weil es einfach gerade nicht in unsere Dreckswelt passt?
Anderen zu helfen.
Ist natürlich nicht spektakulär. Kriegst du keine müde Mark für.
Bis jemand in dein Leben stolpert.
Ein Egomane.
Ein Dopamin-Junkie.
Jemand, der nur um sich selbst kreist.
Wenn genau bei ihm die Glücksmarker im Speichel steil nach oben gehen,
just in dem Moment, wo er anfängt, sich um andere zu kümmern...
- Dann ist das natürlich... - Griffig.
Mhm.
Die Klinik hat vorhin angerufen.
Irgendeine Stiftung von irgendeinem...
wahrscheinlich durch Kinderarbeit reich gewordenen Milliardär,
der auf seine alten Tage einen Altruistischen bekommen hat,
hat mir angeboten, eine voll finanzierte, echte,
groß angelegte Studie zu machen.
Endlich sieht jemand den Sinn in Glücksforschung.
Gratuliere.
Danke.
Kannst du überhaupt meinen Namen benutzen?
Jap, hast du unterschrieben.
Habe ich?
Du denkst, alles, was man dir hinhält, ist ein Autogramm.
Ruchlos.
Man hat mich gezwungen, mich anzupassen.
Wie geht's eigentlich dir?
Mir geht's wunderbar. Danke.
Warum bist du dann hier?
(Handyklingeln)
- Ist das einer von uns? - Das ist Hazel.
Hey, ich komme gleich, bin auf dem...
- Was? - Hey, hey, was ist denn los?
Elaha.
Sie hat ein Live-Video gepostet?
Die Hater sollten bekommen, was sie wollen.
- Was haben die geschrieben? - Willst du nicht wissen.
Wir sind einfach eine Dreckspezies.
(Sami) Leute.
Wie geht's ihr?
Körperlich hat sie nichts.
Wie habt ihr sie denn gefunden?
- Ich folge ihr. - Sami hat das Live-Video gesehen.
- (Stefan) Uwe hat das Dach erkannt. - Okay.
- Dann habt ihr die Polizei gerufen? - Nee.
Du weißt doch, wie sie zu Autoritäten steht.
Wir sind hingefahren.
- Ihr? - Wer denn sonst?
- Sandra hat sie abgelenkt. - Sami hat sie gepackt.
(Bedrückende Musik)
(Lissi) Oh Mann.
(Hazel) Seitdem sagt sie nichts mehr.
(Sandra) Gestern hat sie noch was gesagt.
- (Hazel) Was denn? - "Mein Leben, meine Sache."
(Stefan) Sie ist vom Eis. Es ist besser, wenn ihr euch verzieht.
Ja.
Darf ich bitte mit ihr reden?
Sie ist nicht vom Eis.
Niemand ist vom Eis, wenn er es nicht will.
Glaubt mir, ich bin der Einzige, der sie versteht.
Bitte, darf ich einfach mit ihr reden?
(Weiter bedrückende Musik)
Ich habe dir nicht den Rest der Geschichte erzählt.
Ähm, welche jetzt?
Wie das Huhn gestorben ist.
Ähm, nee.
Ich habe es umgebracht.
Ich hatte es mit im Bett.
Ich hatte irgendwie Angst, dass es friert oder... sich alleine fühlt.
Was weiß ich?
- Am nächsten Morgen war es tot. - Gott.
Wahrscheinlich... zu fest im Arm gehalten
oder irgendwie mich im Schlaf raufgelegt oder so.
Ich bin drei Tage nicht aus dem Bett gekommen.
Wörtlich.
Konnte nicht trinken, konnte nichts essen.
Musste nicht auf Klo. Wieso auch?
Am dritten Tag zwang mich meine Mutter, was zu trinken,
damit ich nicht ins Krankenhaus muss.
- Brühe. - Ja, klar.
Aber nicht...
- Wäre ja sonst verschwendet gewesen. - Oh, wow.
Ey. Deine Mutter ist echt hartgesotten.
Das war das Huhn auch.
Wie soll das gehen, Daniel?
Sobald ich mich irgendwo involviere, wird es scheiße.
Alles, was ich anfasse, wird eine Katastrophe.
Man muss mich von den Menschen fernhalten.
Ich bringe den Leuten kein Glück.
Vielleicht hast du dich auch gar nicht zu viel involviert, sondern...
zu wenig?
(Türöffner summt.)
Sie will mit Ihnen reden.
(Klopfen)
- Hey. - (Elaha) Mach die Tür zu.
(Einfühlsame Musik)
Wie geht's dir?
Mach den Vorhang zu.
Okay.
Gib mir dein Handy.
- Bitte? - Meins geben sie mir nicht.
Was willst du denn damit?
- Okay, dann guck nach. - Was?
- Wie viele Aufrufe. - Das Video?
- Das spielt doch keine Rolle. - Sagst gerade du.
Das mache ich nicht.
Dann hau ab.
892.000.
Wow.
Wie viele Kommentare?
Guck mich mal an.
Hey, hey, guck mich mal an.
Hast du das Gefühl, es hat funktioniert?
Sehe ich aus, als hätte ich ein supergeiles Leben gehabt?
- Ich bin nicht wie du. - Das sagen alle.
Und trotzdem will jeder berühmt sein. Warum denn dann? Hm?
Wenn du es mal gehabt hast, tust du alles, dass es so bleibt.
Notfalls machst du dich zum Affen.
Dann bist du berühmt, aber für die falschen Dinge.
Und trotzdem machst du weiter, bis nichts mehr übrig bleibt als...
ein Witz.
Du filmst dich, wie die Leute dich angucken. Trotzdem machst du weiter.
Denn was noch schlimmer ist, als ein Witz zu sein, ist...
Dass dich keiner sieht.
(Weiter einfühlsame Musik)
Mich sieht keiner.
Ich bin jetzt schon ein Witz.
(Uwe) Verstehe ich nicht.
Was macht glücklich?
Sich nicht immer um sich selbst zu drehen.
Dann müsste ich ja permanent high sein
mit drei Kindern auf Hartz IV.
Aber wenn du sagst, wir sind alle glücklicher geworden,
dann ist es doch gut, oder?
Ist es so?
- Alle? - Elaha auch?
Laut ihrer Werte, ja. Eindeutig.
- Sie war glücklich. - Trotzdem sind wir hier.
Und können nichts machen.
Das macht mich wahnsinnig. Hat keiner eine Idee?
Vielleicht hat er ja recht.
- (Uwe) Wer jetzt? - Ich muss was von mir preisgeben.
So komme ich an sie ran.
(Elaha) Warum sind Menschen so?
Wer jetzt?
Warum freuen sie sich so, jemanden kaputtzutreten?
Wir sind eine Arschlochgattung. Wird Zeit für den Untergang.
- Solltest du mich nicht ermutigen? - Ich habe keine Ahnung vom Leben.
Für Lebensweisheiten muss ich weiter auf Instagram gucken.
Die Sonne von außen ist nie genug,
wenn die Sonne hier drin nicht scheint.
Was, wenn hier drin nichts scheint?
Die Frage stelle ich mir seit 49 Jahren.
Und?
Ich glaube, ähm... man nimmt einfach alle Liebe, die man kriegen kann
und hofft, dass es reicht.
- Aber es reicht nicht. - Nee.
- Aber vielleicht hat Lissi ja recht. - Womit?
Es geht nicht um die Liebe, die man kriegen kann.
Sondern?
(Lissi singt über Lautsprecher.) You just call
Out my name
And you know wherever I am
I come running...
Vergiss, was ich gerade über Lissi gesagt habe.
Just to see you again
Winter, spring, summer or fall
All you gotta do is call
And I'll be there
Was machst du da?
- Ich zeige mein Innerstes. - Das da?
Das ist Carole King.
(Hazel) Hör sofort auf.
Die Leute haben hier schon genug Probleme.
You've got a friend
(Hazel) Lissi, hör auf. Was ist mit dir?
(Lissi) Mann, was machst du mich so an?
(Gefühlvolle Klaviermusik)
- Gibst du mir mal das Handy? - Bitte?
- Er hat's mir versprochen. - Ich habe bitte was?
- Ist das dein Scheißernst? - Sch!
(Daniel) Ich habe...
Kleiner Nachtrag, dann bin ich raus.
Ich habe immer gedacht, so eine App ist wie ein Fenster.
Aber sie ist ein Spiegel.
Für alle, die gestern so gern dabei waren.
Und gehatet haben.
Das ist euer Spiegel.
Guckt euch mal an.
Tschau.
Deswegen wolltest du das Handy haben?
Ich bin nicht wie du.
Hätte ich mir die Rede auch sparen können.
Nee, finde ich nicht.
(Hoffnungsvolle Musik)
(Hoffnungsvolle Musik verklingt.)
Dein Fenster war offen.
Ich wollte mich noch mal dahinter legen und dich überraschen.
Aber meine Kniescheibe ist immer noch nicht da, wo sie mal war.
Was machst du da?
Ich habe gekündigt.
Besser gesagt, ich bin der Kündigung zuvorgekommen.
Warte mal, ich...
Ich habe gehört, sie wollen die Studie jetzt doch machen.
Am Ende war es ja dann doch eine geile Story.
Ja, unter der Bedingung, dass ich nicht mehr dabei bin.
Ach.
Ja, ist wahrscheinlich auch besser so.
Geht ja um die Sache.
Mach's gut, Daniel.
- Daniel. - Bitte nicht erschrecken.
(Gurren und Flattern)
Es sieht nicht so toll aus, aber der Tierarzt sagt, wir kriegen das hin.
(Gurren)
(Gurren)
Oh Gott.
(Gurren)
Uppala.
- (Gackern) - Ja, ja, ja. Sch.
Ja. Sch.
- Weißt du, was er noch gesagt hat? - Nein.
Er sagt, dass es jederzeit aus Schock sterben kann.
Weil es es plötzlich so gut hat.
Ich glaube, du konntest gar nichts dafür.
Und ich weiß, Lissi, ein Huhn bedeutet nicht die Welt, aber...
Guck mal, für das eine Huhn ist es die ganze Welt.
Hast du das auf Instagram gelesen?
Zu dick?
Mhm. Ja.
Ich wollte fragen, ob du mit mir auf ein zweites Date gehst.
Erst mal nicht allein, ich habe da so eine Laiengruppe.
Und uns fehlt noch eine Stimme.
Wir untersuchen an unglücklichen Menschen, ob Singen glücklich macht.
(Sie lachen.)
- Guten Appetit. - (Ellen) Vielen Dank.
Guck mal, ein schöner Kuchen.
Sieht gut aus.
Iss, mein Schatz. Guck mal, hier.
(Es läuft ruhige Streichmusik.)
(Stefan, leise) Lissi.
(Daniel spielt eine heitere Melodie.)
- (Daniel, leise) Komm. - Ich kann nicht.
Los.
(Sie stimmt "Come on Eileen" von Dexys Midnight Runners an.)
Poor old Johnnie Ray
Sounded sad upon the radio
Moved a million hearts in mono
Our mothers cried
(Leise) Ich mache das nur kaputt.
(Mehrstimmig) Sang along Who'd blame them?
- You're grown - You've grown up
- So grown - So grown up
Now I must say more than ever
(Frauen) Come on, Eileen
(Mehrstimmig) Toora, loora Toora, loo-rye-aye
And we can sing just like our fathers
Toora, loora
Toora, loo-rye-aye
And we can sing just like our fathers
(Männer) Come on, Eileen
(Frauen) Oh, I swear well he means
(Gruppe) At this moment
You mean everything
(Männer) You in that dress
(Frauen) My thoughts I confess
(Gruppe) Verge on dirty
Oh, come on, Eileen
(Männer) Come on, Eileen Too-loo-rye-aye
Come on, Eileen Too-loo-rye-aye
- (Frauen) Come on, Eileen - Come on, Eileen
Too-loo-rye-aye Come on
Warum weinst du?
Nur so, mein Schatz.
Guck mal, ich habe uns beste Plätze besorgt.
Ich habe...
Wir haben...
Ich, äh...
Helmut?
Willst du...
Willst du mich...
Willst du mich noch mal heiraten?
Für den Rest unseres Lebens?
Hm?
Du bist ja völlig verrückt. Was ist denn das für eine Frage?
Natürlich, Elli. Natürlich.
(Mehrstimmig) Toora, loora Toora, loo-rye-aye
And we can sing just like our fathers
Come on, Eileen Oh, I swear well he means
At this moment you mean everything
You in that dress My thoughts I confess
Verge on dirty
Oh, come on, Eileen
Come on, Eileen Oh, I swear well he means
At this moment you mean everything
You in that dress My thoughts I confess
Verge on dirty
Oh, come on, Eileen
Come on, Eileen Oh, I swear well he means
At this moment you mean everything
You in that dress My thoughts I confess
Verge on dirty
Oh, come on, Eileen
(Lied: "Time Time Time" von Florian David Fitz)
Untertitel: Ronja Denker u. a. Synchron- und Tonstudio Leipzig
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