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(Brandung und Wind rauschen)
(Brummen aus der Ferne)
(Brandungsrauschen und Motorbrummen)
(Pferd grummelt) - (Frau) Ruhig, ruhig.
(dumpfer Knall)
Die werfen nur Ballast ab.
(hohes Pfeifen und dumpfes Krachen)
Ho!
(lautes Motorenbrummen)
(Friesisch)
(Friesisch)
(Frau) Hey, Kröger. - Brrr!
Guten Tag.
(alle) Tag.
(Kröger) Komm, hopp! Hopp! Hopp!
Und jetzt die Milch!
Hm? Traust dich nicht, ne?
(kurzes Lachen)
(Klaviermusik im Dreivierteltakt von Franz Schubert)
Wehe, du rührst die an.
(Klavierspiel)
Guten Tag, Mutti. Guten Tag, Tante Ena.
Na, warst du wieder fleißig?
Ich hab die Milch für die Lütten auf den Tisch gestellt.
Mein Sohn, was würden wir nur ohne dich machen.
Morgen soll ich ein Stück Butter haben.
Gute Butter?
Jawohl.
Mein Gott, wenn wir jetzt noch Weißbrot und Honig hätten.
Mutti? - Ja?
Darf Hermann in die gute Stube?
Wozu?
Um ein Buch zum Lesen zu haben.
Welches denn? - "Moby Dick".
Wenn er mir keine Eselsohren reinmacht, gern.
Darfst ihn holen gehen.
(Hermann) Opa Arjan sagt immer:
"Wer viel trinkt, wird betrunken, und wer viel liest, belesen."
"Biologischer Hochverrat".
Das hat mein Vater geschrieben.
(Hermann) Ist er das? - Mhm.
Die sind ja alle von deinem Vater. - Jawohl.
"Die Hagener - 500 Jahre Sippengeschichte".
Das war unser Haus. - In Hamburg?
Ist beim Feuersturm verbrannt.
Warst du dabei, als es gebrannt hat? - Nein, wir waren auf dem Weg nach Amrum.
Hier, das wolltest du doch haben.
"Herman Melville".
Der heißt ja, wie ich: Hermann.
Mach keine Eselsohren rein.
(Ena) Du musst neues Treibholz sammeln, Nanning.
(Nanning) Jawohl.
Kommt Vater jetzt nach Haus?
(Mutter) Wie kommst du darauf? - Weil der Krieg bald vorbei ist.
Woher willst du das wissen? - Hab ich gehört.
Von wem? - Das weiß jeder, dass er bald vorbei ist.
Hat Hermann das gesagt?
Nein.
Kann doch sein, dass Opa Arjan das Hermann so erzählt hat.
Der Hermann hat das nicht gesagt.
Ich hab die Flüchtlinge gesehen, die Boy Kröger mitgebracht hat.
Aha.
Also hat Boy Kröger das erzählt?
Nein.
Einer von den Flüchtlingen?
Nein.
Wer dann?
Lass doch den Jungen in Ruhe. - Halt dich da raus.
Also, wer hat gesagt, dass der Krieg bald vorbei ist?
(Feuer knistert leise)
Junge, wer so was sagt, fällt unseren Soldaten in den Rücken.
Und weißt du auch, wieso?
Unsere Soldaten kämpfen fürs Vaterland.
Für uns.
Viele von ihnen sterben
oder verlieren einen Arm, wie Bäcker Tewe.
Und dann kommt jemand und sagt, der Krieg ist verloren, es war alles umsonst?
Willst du das? - Nein.
Wer unsere Soldaten verrät, muss hart bestraft werden.
Damit andere, die das auch tun wollen, sich das gut überlegen.
Hille.
Verstehst du das? - Ja.
Also,
Boy Kröger war's nicht, die Flüchtlinge nicht.
Hille, ist gut jetzt.
Die Tessa war's.
Die vorlaute Tessa, diese Quasselstrippe.
Geh zum Ortsgruppenleiter Schneider und erzähl ihm, was Tessa gesagt hat.
Halt den Jungen da raus. - Er muss seine Pflicht tun!
Nanning, du bleibst hier und machst deine Schulaufgaben,
und du legst dich ins Bett und schonst dich.
(Tür knarrt)
Hille. - Lass mich los!
(Ena) Erst setzt du dich hin.
(Hille) Volksfeinde. - (Ohrfeige)
(Ena) Entschuldige, Hille, das wollte ich nicht.
(Haustür wird zugeschlagen)
(sanftes Gluckern und Plätschern)
(Tür wird geöffnet)
(Froschquaken)
(Eulenruf)
(entferntes Rumpeln)
(Mann) Howdy, Festländer.
Howdy, Sam Gangsters.
Was machst du hier mitten in der Nacht in der Prärie?
Ich schau nach Feinden.
(kurzes Lachen)
Was?
Von wem du das hast.
M-m.
Onkel Theo.
(Vogelrufe)
(Möwenschreie)
(Möwenruf)
(er schreit auf)
(leise beklemmende Klänge)
(Kinder reden laut durcheinander)
(Junge) Das ist unsere Schule. Geht weg! Ihr dummen Ausländer!
Macht, dass ihr wegkommt! Hier ist voll.
Das ist 'ne Schule für Amrumer und nicht für Polacken.
Die sich vor Angst in die Hose kacken.
(Lachen)
Bist doch selber kein Amrumer. Mach rüber zu denen!
Spinnst du? Ich bin genauso ein Amrumer wie du.
Ach ja? Und wo bist du her? - Geht dich nichts an.
Aus Hamburg.
Und wo ist sein Vater her? Auch aus Hamburg.
(hämisches Lachen) - (Schulglocke)
Richard ist doch bescheuert.
Der hat von nix 'ne Ahnung.
(Schulglocke) - Los, komm. Wir gehen rein.
(Hille) Wichtig ist nicht der Geburtsort, sondern von wem man abstammt.
Von der Ahnenreihe.
Das sind meine Eltern.
Die haben in New York geheiratet.
Und da ist Onkel Onno geboren,
der jetzt auf Föhr lebt,
aber Amrumer ist.
Guck mal, die Autos.
Und hier bin ich geboren, auf dem Schiff, auf dem Rückweg nach Amrum.
Ja, du bist in Hamburg geboren,
aber durch mich hast du neun Generationen Amrumer Blut in dir.
Du stammst von einer Familie von Walfängern.
Wir sind im Haus deiner Vorfahren. Da sollst du kein Amrumer sein?
Und wer sind die? - Onkel Theo.
Der mir das Messer geschenkt hat? - (Hille) Hab ich dir das erzählt?
Sam Gangsters. - Ah, das ist kein guter Umgang für dich.
(Nanning) Und wer ist die Frau?
(Kind) Mama!
Ja, Puddel, Mutti kommt. Pack das mal hier rein.
Ja Puddel!
(Hille ächzt)
Ja.
Ja, wir gehen mal in die Küche.
(Pfiff von draußen)
Ich bin Amrumer in der neunten Generation. - Das ist scheißegal.
Los, komm!
Los!
(Tessa)
Weiter!
(Motor geht aus)
Heil Hitler!
Frau Bendixen, Sie haben vor den Pimpfen verbale Wehrkraftzersetzung verübt.
Zumindest der Sohn von Hille Hagener ist einer.
Sie wissen, was auf Wehrkraftzersetzung steht?
Nee.
Sie halten sich für unverwundbar, weil ich für diese Insel Ihre Kartoffeln brauche.
Aber unter den Flüchtlingen sind Bauern. Mit denen werde ich Sie ersetzen.
Und dann stehen Sie vorm Standgericht.
Und genau das wird passieren. Ich hab schon dafür gesorgt.
Schönen Tag noch.
(Möwenschreie)
(Autotür schlägt zu, Motor springt an)
(Wagen fährt weg)
Nanning.
(Scheppern)
(statisches Knistern aus dem Radio)
Keine Butter?
Tessa hat dich weggejagt.
Mhm.
Gehst du bitte Wasser holen?
(Ena) Kanonen statt Butter.
Leider können wir Kanonen nicht aufs Brot schmieren.
(Hille) Tessas Hof ist nicht der einzige.
(Ena) Deinen Jungen will doch keiner mehr haben.
(Hille) Es gibt noch aufrechte Bauern. - Aber keiner will 'nen Spitzel!
(Radiosprecher) Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet...
(Ena) Mach das mal lauter.
...dass unser Führer Adolf Hitler
heute Nachmittag
in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei,
bis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend,
für Deutschland gefallen ist.
(langgezogener Frauenschrei aus dem Haus)
Am 30. April hat der Führer...
(Ena) Ist gut, ich hab dich. - (Hille schreit)
Es kommt.
Nanning! Das Kind kommt! Los, ins Schlafzimmer, Nanning.
(Hille schreit) - (Ena) So, alles gut.
Ich hab dich ja. Komm.
(Stöhnen) - (Ena) Alles gut. Alles gut. Komm.
Komm. Gut.
Los, hier. Und aufs Bett. Raus mit den Lütten!
Los, geh! - (Ena) Und die Tür zu!
(Radiosprecher) In tiefster Trauer und Ehrfurcht
verneigt sich das deutsche Volk.
(Baby schreit)
(Baby schreit weiter)
(Hille) Lass sie schreien. Das stärkt die Lungen.
Nanning, kannst du bitte das Brot mit rausnehmen?
Das ekelt mich an.
Du kannst es doch später essen.
(Baby schreit)
Das Einzige, was ich möchte, ist ein Weißbrot mit Butter und Honig.
(Baby schreit weiter)
Moin, Nanning.
Heil Hitler!
Onkel Tewe, hast du noch was anderes außer Graubrot?
Gibt es gar kein Weißbrot mehr auf Amrum?
Also ist es Medizin?
Bei meinem Arm hat's nicht geholfen.
(Arzt) Ich gebe dir was für ihren Appetit.
Sie hat Appetit,
aber nur auf ein Weißbrot mit Butter und Honig.
Schwer zu kriegen. Musst du vielleicht tauschen gegen eins deiner Hühner.
Die Hühner gehören dem Pastor.
Wir füttern sie und bekommen dafür Eier. - Aha.
Könnten Sie mir Weizenmehl mitgeben?
Wie kommst du darauf, dass ich Weizenmehl haben könnte?
Weil es Medizin ist,
hab ich gehört.
Warte mal.
Hier. Medizin.
(Nanning) Kannst du mit dem Backen noch warten?
Ich muss Honig und Butter besorgen.
Fürs Brotbacken brauchst du keine Eier.
Hauptsache, es ist weiß.
(Hühnergackern)
(Scheppern)
Was hast 'n da? - Nix.
Nix?
Die sind für Tewe.
Und was kriegst du dafür? - Ein Weißbrot für Mutti.
Papperlapapp. Gib die Eier her.
Sind eh die letzten, weil wir kein Futter mehr haben.
Und nimm nicht mein Fahrrad, ohne zu fragen.
Das nächste Mal setzt's was.
Hat Mutti heute gegessen?
Die ist stur wie ein Esel.
(Hahn kräht)
(Pfiff)
Moin. - Moin.
Warum warst du gestern nicht in der Schule?
Ich musste Essen besorgen. - Ich hätte dir doch helfen können.
Du hilfst doch Tessa.
Wohin gehst du? - Zu den Gänsen.
Wir können doch nach der Schule gemeinsam zu den Gänsen gehen.
(ruhige, sphärische Musik)
(Schnattern)
(weiter ruhige Musik)
(Musik über stummer Szene)
(leises Schnattern)
Los, weg da!
Ksch!
Ksch! Ksch!
Ksch!
(Gans faucht) - Los, weg da!
Ksch!
Hau ab! Ksch!
(Fauchen)
(Fauchen) - Ksch!
Weg da!
(Schnattern)
(Plätschern)
(ruhige, sanfte Musik, Insektengeräusche)
(Frau) Siehst du?
Ich brauch aber Honig.
Ist für 'ne Parteigenossin.
Hier.
Können Sie mir damit nicht Honig machen?
Gibt es keinen Zucker mehr auf Amrum?
Kontrollieren sie auch das Watt?
Sag mal, warum bist du denn nicht in der Schule?
Ich war bei Hedi Storm. - Wozu?
Das Honigbrot für Mutti.
Die braucht kein Honigbrot, die braucht Fleisch.
Sie hat doch gesagt, sie ekelt sich vorm Essen.
Nur vorm Honigbrot nicht. - Papperlapapp.
Wenn du schon nicht in der Schule bist, dann besorgst du uns ein Karnickel.
Na los.
Sonst sag ich deiner Mutter, dass du nicht zur Schule bist.
Schon Schulschluss?
Ausgefallen. Der Hinrichs kommt nicht mehr.
Ist der krank? - Weiß keiner.
Zeigst du mir, wie man Karnickel jagt? - Klar, warte kurz.
Hermann.
Habt ihr Butter übrig?
Alles schon weg.
(Nanning) Hast du "Moby Dick" schon angefangen?
Ich finde es schwer zu verstehen. - Das ging mir auch so.
Hast du's ganz gelesen?
Tante Ena hat mir das meiste vorgelesen.
Opa Arjan liest mir auch vor.
Mag er das Buch? - Mhm.
Er sagt, Käpt'n Ahab ist wie Hitler.
Petz das aber nicht deiner Mutter. - Ich hab Tessa nicht verpetzt.
Meine Mutter ist von selbst drauf gekommen.
Was meint Opa Arjan damit, Ahab ist wie Hitler?
Na, Käpt'n Ahab ist wie Hitler, und das Schiff...
Wie heißt es noch? - Die Pequod.
Genau, die Pequod ist Deutschland,
weswegen Ahab untergeht.
Und wer ist dann Moby Dick?
Die Amerikaner. - Oder der Russe.
Churchill.
(Nanning lacht leise)
Vielleicht soll Moby Dick ja der liebe Gott sein.
'ne Hohltaube!
Die brüten in Karnickellöchern.
Hier lohnt sich das.
Pack's bei den Hinterläufen.
(Quieken, Knacken)
Und jetzt du.
(Karnickel fiept)
Nu mach schon.
(verächtlich) Festländer.
(Quieken)
Musst doller schlagen! - (Tier kreischt)
(Knacken)
Gudai, Opa. - Gudai, Jungs.
Opa Arjan, kannst du für mich ein Karnickel ausnehmen?
Ich kann das aber nicht.
Kannst du mir das dann beibringen?
Opa Arjan sagt immer, geräucherte Schollen sind Amrum-Geld.
Mach dich mal nützlich.
Aber nicht, dass du mir den Schuppen vollkotzt.
(Nanning) Was muss ich machen?
Du stichst hier rein.
Aber schön steil, sonst verletzt du die Gedärme.
Dann müssen wir's wohl bleiben lassen.
Mit Kraft.
Steiler, das Messer! Ja.
Den Brustkorb musst du noch durchschneiden.
Das ist nur Knorpel.
Schneid mal den Darm ab da.
Und raus mit dem Schmodder.
Gut!
Na herzlichen Glückwunsch!
Wasch dir mal die Hände.
Für 'n Festländer.
Ist das ein Funkgerät?
Da ist kein Funkgerät.
Wenn ich dir was erzähl,
kannst du's auch keinem weitererzählen?
Kann ich. - Mann, Opa, er ist doch Pimpf!
Das ist kein Funkgerät, das ist ein Radio.
Da kann man mehr hören als mit dem Volksempfänger.
Sogar Feindsender?
(Musik: "Cheek To Cheek" von Fred Astaire)
Warum ist dein Opa nach New York?
Hm...
Weil er Dollars verdienen wollte?
Musste, Nanning, musste.
Wir sind alle rüber.
Sam Gangsters,
dein Onkel Theo,
ich,
unsere Söhne.
Wenn ich groß bin, geh ich auch nach New York.
Mein Sohn Deik, der ist bei der U.S. Army.
Da muss ich doch wissen, ob's ihm gutgeht.
Deswegen das Radio.
("Cheek To Cheek" von Fred Astaire läuft weiter)
Ich erhebe mein Glas auf unseren erfolgreichen Jäger Nanning.
Und auf mich. - Ja, und auf dich, kleiner Frechdachs.
(Feuer knistert leise)
Na los, esst.
Du auch, Nanning.
Kaninchensudsoße gibt's auch nicht alle Tage.
Nu iss doch was, Hille.
Deine Lütte braucht doch Milch.
Was ist denn das für 'ne Welt, in der sie jetzt aufwachsen muss?
Zerstören,
immer nur zerstören.
Weil du von Neid zerfressen bist,
weil kein Mann dich will,
weil du ein werteloser Nihilist bist.
(Hille) Hau ab.
Ich will dich hier nie wieder sehen. Pack deine Sachen.
Wenn du mich nicht sehen willst, pack du.
Das Haus gehört zur Hälfte mir.
(leise beklemmende Klänge)
(schwermütige Klaviermusik)
(gedämpftes Gackern)
(saugendes Platschen)
(weiterhin Klaviermusik)
(Möwenschreie)
(Klaviermusik klingt aus)
Heil Hitler!
Heil!
Mensch, Nanning.
Kannst du mir Zucker und ein Stück Butter geben, Onkel Onno?
Ah ja, dann...
komm... komm rein.
Wie geht's denn deiner Mutter?
Seitdem der Führer tot ist, will sie nichts mehr essen. - Ja.
Nur Weißbrot mit Butter und Honig.
Mhm. Na, wollen wir mal gucken.
Ah.
Butter ist alle. Morgen wieder.
Und Zucker?
Zucker?
Ja, ein bisschen.
(Uhrticken)
Wie lauten die Schwertworte der Hitlerjungen?
Jungvolkjungen sind...
hart, ähm...
Hitler ist doch tot.
Hier lebt er weiter.
Also?
Jungvolkjungen sind hart.
Aber ich muss doch zurück, bevor die Flut kommt.
Gibt's keinen Zucker.
Jungvolkjungen sind hart, schweigsam und treu.
Jungvolkjungen sind Kameraden.
Des Jungvolkjungen Höchstes ist die Ehre.
Danke. - (Klacken)
Grüß deine Mutter.
(beklemmend dröhnende Klänge)
(dunkle bedrohliche Musik)
(Wind rauscht)
(bedrohliche Musik)
(weiter beklemmend-bedrohliche Musik)
(er hustet)
(Musik nimmt zuversichtlichen Ton an)
(Musik blendet aus)
(platschende Schritte)
Du bist ja klatschnass. Wo bist du denn gewesen?
Ich bin zu Onkel Onno.
Nach Föhr, hin und zurück?
Hier, Zucker. Dafür krieg ich Honig für Mutti.
Aha.
Wo ist mein Rad?
Das hab ich im Priel verloren, als die Flut gekommen ist.
Bist du lebensmüde?
Im Priel gibt es Treibsand.
Willst du, dass deine Mutter stirbt vor Kummer?
So, und jetzt raus aus den Klamotten!
Nicht ins Haus mit der Drecksuniform!
(Bienen summen)
(leise Stimmfetzen)
Für dich arbeiten.
Ich hab dich nicht verpetzt. - Ha!
Ich hab nur gefragt, ob der Vater bald nach Haus kommt.
Weil der Krieg bald vorbei ist.
Hast du schon Bescheid bekommen?
Von Ortsgruppenleiter Schneider.
Verkaufst du mir ein Stück Butter?
Hast du überhaupt Geld?
Amrum-Geld.
Dann mach mal.
Howdy, Sam Gangsters.
Howdy.
Kann ich dir helfen? - Ah.
Gibst du auch geräucherte Schollen weg?
Nee.
Ich will arbeiten dafür.
Wovor?
Du hast doch auch keine Angst vor der See.
Doch.
Was?
(Sam raunt) Hey!
(ruhige angespannte Musik)
(ruhige spannungsvolle Musik)
(er atmet tief ein)
(Schuss)
(ruhige melancholische Musik)
Was hast du da für ein schönes Gewehr?
Was ist 'n Winchester?
Warum bist du nicht in Amerika geblieben?
Das war ein Tag, an dem alle Amerikaner ihr Geld von der Bank abheben wollten.
Da war das Geld alle.
Da gab's Panik.
Manche sind sogar ausm Fenster gesprungen.
Weil's ja kein Geld mehr gab, konnten sie auch keine Steaks mehr kaufen.
Da war sich jeder selbst der Nächste.
Aber viele Amrumer sind in Amerika geblieben.
Und Onkel Theo?
Ah...
Da gab's eine Frau in Hamburg,
Ruth Danziger, in die war er verliebt.
Wir alle waren in sie verliebt.
Aber er hat sie mit seinen Limericks zum Lachen gebracht, sie wollte nur ihn.
Was sind Limericks?
"Es prahlte einmal lautstark in Timmel
Ein Hässlicher mit seinem Pimmel
Worauf eine alte Betrunkene lallte:
'Du Engel, dich schickt mir der Himmel!"'
Das ist ein Limerick.
Ruth und Theo wollten heiraten.
War aber verboten.
Warum verboten?
(Friesisch)
Also auswandern wollten sie. Das durften sie aber nicht.
Und jetzt sag ich dir mal was.
Deine Mutter ist Theos Cousine.
Die hätte was machen können.
Dein Vater ist ja so ein hohes Tier bei den Nazis.
Haben sie aber nicht. Du kannst gerne mal fragen, warum nicht.
Theo war auf 'nem Walfischfänger.
Als der Krieg ausbrach, konnte er nicht zurück.
Jetzt lebt er in Amerika.
Und was ist mit Ruth passiert?
Ruth Danziger...
haben die Nazis abgeholt und in ein Lager gesteckt.
Die Nazis haben sie umgebracht.
(ruhige melancholische Musik)
Danke.
Du lügst.
War aber so.
Meine Eltern haben so was nicht getan!
(Windrauschen und Möwenrufe)
(Junge, barsch) Hey, was hast du da?
Gib das her!
(Stöhnen)
(ruhige bedrückende Musik)
(bedrückende Musik)
(Musik klingt aus)
(Wind braust, beklemmende Klänge)
(Nanning) Onkel Theo!
Hast du noch 'nen Limerick für mich?
Du warst grade geboren, als ich das deiner Mutter gegeben hab.
(weiter Windbrausen und beklemmende Klänge)
Willst du's wiederhaben?
(Vogelschrei)
Ich kann doch nichts dafür, was meine Eltern getan haben.
Nein, du kannst nichts dafür, aber du hast trotzdem damit zu tun.
Ob ich will oder nicht, du erinnerst mich an deine Eltern.
(Klänge und Windbrausen blenden aus)
(Tür knarrt leise)
Nanning?
Kannst du nicht schlafen?
Komm her.
(beklemmend dröhnende Klänge)
(leises Plätschern, näherkommende Laufschritte)
Onkel Onno?
(Uhrticken)
(Türknarren)
(Windrauschen)
(kreischt) Oskar!
(schluchzend) Oskar!
(Oskar) Hilfe...
(Blubbern, angespannte Klänge)
(schwach) Hilfe!
(Mädchen) Warum hilfst du ihm nicht?
Oskar!
Er kann nicht schwimmen! Mach doch was!
Bitte!
Oskar!
(Schluchzen)
Oskar!
Oskar!
(düstere bedrohliche Musik)
Halt fest, Oskar!
(sie ächzt und schluchzt)
(er würgt) - Oskar.
Oskar.
Was hätte ich denn der Mutter gesagt?
(sie weint)
Die Flut kommt bald.
(Oskar hustet)
Das ist ja wirklich klein.
Und wofür ist die? - (Friesisch)
Was?
Der Krieg ist vorbei.
Deutschland hat kapituliert.
(amerikanische Jazzmusik)
(weiter Jazzmusik, Männerstimmen)
(ein Mann lacht)
(Mann) Auf die Freiheit, Leute! - (Mann) Auf die Freiheit!
(fröhliches Stimmengewirr)
(Mann) Ihr habt ja auch noch kein Glas.
(Stimmengewirr, Jazzmusik)
(Lachen)
(Musik: "Stardust" von Louis Armstrong)
(Mann) Auf die Freiheit!
Komm doch rüber!
Komm schon.
(Jazzmusik von draußen)
Mutti. Guck mal.
Ein Weißbrot mit Butter und Honig.
(Jazzmusik draußen klingt aus)
Bringst du's bitte in die Küche?
Aber Mutti...
Stell es einfach in die Küche.
(Tür öffnet knarrend)
(er weint)
Nanning, reiß dich zusammen. Nanning!
Hör auf zu weinen!
Hör auf zu weinen!
(Schluchzen)
Nanning. Nanning!
Wegen Heulsusen wie dir haben wir den Krieg verloren.
Ist dir das klar?
Nanning!
Nanning, reiß dich zusammen.
Reiß dich zusammen!
Reiß dich zusammen, hast du das verstanden?
Hör auf zu weinen. Hör auf!
(wimmerndes Weinen)
Nanning, hör auf.
Sei ein Mann!
(er hört auf zu weinen)
Gut.
Komm.
Gut. Gut.
Dann geh und hol mir jetzt das Brot.
Du Schwein!
Du verfressenes Schwein! - Mutti!
Au!
Du... - Aua! Aua!
(Hille) Nanning! - Aua!
Nanning, sag mal... Hör auf! - (Bruder) Lass mich!
Jetzt hör auf! Es reicht! Nanning, bist du wild geworden?
(Bruder) Ich hatte nur Hunger! - Nanning!
Nanning.
Kommt.
Moin.
Gudai, Jens. - Hille.
Moin, Jungs. - (beide) Moin.
Wartet schon mal draußen bitte, ja? - Mhm.
Macker, du auch. Macker.
Los, kommt jetzt.
Dann kriegst du auch was.
Los, Kinder.
(Türglocke)
Hille! - Nicht umdrehen.
Einfach weiterlaufen.
Hör auf mit dem Scheiß! - Hey, lass meine Mutter los.
Kommt, Kinder.
Hille. - Lass mich los!
Lass sie los!
oder ich ruf die Militärpolizei.
Hille.
(Kinderwagen klappert)
(leises Tuscheln)
(gedrückte Akkordeonmusik)
(Mann) Liebe Hille,
ich bewundere sehr, wie du die letzten Monate auf der Insel gemeistert hast.
Mir geht es den Umständen entsprechend gut.
Das Leben im Lager verläuft eintönig.
Dafür ist die Versorgung ausreichend.
Manchmal bekommen wir zum Mittagessen sogar Fleisch.
Mach dir also bitte keine Sorgen um mich. Wir werden hier anständig behandelt.
Der Engländer lässt uns sogar erlaubte Zeitungen lesen.
So konnte ich erfahren, dass das alte Schulsystem wieder eingerichtet wird.
Daraus schließe ich, dass es in Hamburg wieder Gymnasien
als Voraussetzung für die Universität geben wird.
Ich bitte dich entschieden, dass Nanning eins besucht.
Es erfüllt mich mit Freude, zu lesen,
dass unsere Kinder gesund der Welt zugewandt sind.
Besonders freue ich mich auf Nanning.
Herzliche Grüße,
Dein Wilhelm.
(Hermann) Nanning!
Nanning.
Bist du durch damit? - Nicht mal die Hälfte, aber... hier.
Behalt das.
Du schenkst mir das?
Und deine Mutter?
Ist egal. Dann denkst du vielleicht mal an mich.
Danke.
Wenn du in den Sommerferien zurückkommst, dann hab ich's durch.
Wir werden das Haus verkaufen.
Verkaufen?
Und ich dachte, ich bin Amrumer.
Du bist mehr Amrumer als ich.
Opa Arjan sagt immer, echte Amrumer gehen früher oder später alle weg.
(Ena) Nanning.
(Schwester) Nanning, komm.
(Grillenzirpen)
Hey!
Wartet!
Wartet!
Bleibt stehen!
Halt an!
(Kröger) Hopp!
(ruhige sanfte Musik)
(sanfte Musik über ausblendendem Ton)
(leises Windrauschen)
(melancholische Musik)
Untertitel: Subtext Berlin, 2025
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