All language subtitles for Riefenstahl-Riefenstahl-1660335817

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Original subtitles

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR

* Musik *

(Mann) Heil an den Reichsführer. (Menschenmasse) Heil mein Führer.

Heil mein Führer.

* Musik *

Dies sind Bilder aus Leni Riefenstahls Filmen

"Olympia" und "Triumph des Willens", gedreht im Auftrag der NSDAP.

Bilder, die Filmgeschichte geschrieben haben.

* Musik *

* Musik *

(Riefenstahl) Ich war bei "Das blaue Licht", mein 1. Film,

hab den gemacht, war ganz in dieser Welt.

Und wie ich die Szene meinem Freund Carl Mayer,

dem berühmten Dramaturgen, vorführte, wie ich da klettere,

da hat er gesagt, wenn das...

Ich weiß eben nicht, ob damals schon das Wort Nazis gab.

Mir ist so, als wenn er sagte, wenn die Braunen,

die Nationalsozialisten, Sie sehen würden, würden Sie ihr Idol sein.

Jetzt muss ich Ihnen etwas sagen, ich schalte mal ab. * Klicken *

* Musik *

* Klicken * Wo haben wir aufgehört?

(Knaus) 32. (Riefenstahl) Ja. Eben.

Von Hitler ist mir überhaupt zum 1. Mal an mein Ohr gekommen Anfang '32.

(Knaus) Mhm. Da hat man schon längst Nazis gesagt.

(Riefenstahl) Ja? - Jaja.

(Riefenstahl spricht undeutlich)

Und dann war diese Versammlung in Berlin.

Und als er dann seine ersten Worte sprach,...

"Meine Volksgenossen".

Deutsche Volksgenossen und -genossinnen.

(Riefenstahl) ...da ist was ganz Merkwürdiges in mir vorgegangen.

Ich zitterte am ganzen Körper. Ich wurde schweißbedeckt.

Und ich war irgendwie

wie durch einen Magnetismus eingefangen worden.

* Musik *

* Musik *

* Musik *

Riefenstahl hat 700 Kisten hinterlassen.

Darunter mehr als 150.000 Fotos.

102 Jahre ihres Lebens sind darauf festgehalten.

* Musik *

Auch ihre Filme sind Teil des Nachlasses.

Darunter viele Ausschnitte,

die in den Werken nicht verwendet wurden.

Manches in diesem Nachlass erscheint zufällig,

anderes sehr genau sortiert, vielleicht sogar arrangiert.

Damit etwas erinnert werden kann, muss anderes vergessen werden.

* Musik *

* Fanfarentöne *

(Interviewer) Sie haben gesagt, naiv.

Das Stichwort naiv ist vorhin gefallen.

Habe ich naiv gesagt? - Ja. Wollen Sie es zurücknehmen?

Ich möchte eher sagen, unerfahren auf dem Gebiet.

Politisch meinen Sie jetzt? - Das ganz bestimmt, ja.

Das ganz bestimmt.

Es ist...

Die Politik ist das Gegenteil von dem,

was mich mein ganzes Leben lang erfüllt hat und fasziniert hat.

Was ist das Gegenteil von Politik? - Kunst.

Das ist Kunst für mich.

Das Befassen mit Dingen, wo man ganz eindringen muss in die Dinge.

Wenn man als Künstler stark empfindet...

Und ich glaube, ich bin so geboren.

...dann lebt man so stark, so intensiv, so leidenschaftlich,

dass man sich für die realen Dinge gar kein Platz da ist,

dafür zu interessieren.

Dass Kunst und Politik eine Wechselwirkung eingehen können,

glauben Sie nicht?

* Musik *

Und jetzt kommt gleich wieder etwas Interessantes.

Das ist die Wirkung der Fahrstuhlaufnahme.

Und jetzt schwenkt die Kamera...

...auf die eine Seite.

Und dann schwenkt die Kamera auf die andere Seite.

Und diese beiden Einstellungen ergeben die Form eines Kreises.

Und wirken dadurch sehr gewaltig.

Hier überschneiden sich die Fahnenreihen.

Das sind die Fahnen vom Stahlhelm.

(summt im Takt) Ganz genau nach der Marschmusik.

Interessant? (Interviewer) Super.

War die schönste Szene des Tages. Super, oder?

* Musik *

(Hitler) Sie irren sich.

Nicht der Staat befiehlt uns, sondern wir befehlen dem Staate.

* Jubel *

Nicht der Staat hat uns geschaffen.

Sondern wir schaffen uns unseren Staat.

* Jubel *

(Heß) Mein Führer, Sie sind Deutschland.

Wenn Sie handeln, handelt die Nation.

Wenn Sie richten, richtet das Volk.

(Riefenstahl) Sie haben mich auch gefragt,

ob der Film eine Botschaft hatte.

Als ich den Film geschnitten habe, habe ich schon herausgefunden,

dass da eine gewisse Botschaft drin ist.

Die können Sie im Film finden.

(Heß) Sie waren uns der Garant des Sieges.

V.a. die Kongressreden von Heß, wo er sagt,

Hitler ist uns der Garant des Friedens.

Heil Hitler!

Sieg Heil!

Sieg Heil!

Friede, Friede, und das ist im Film immer der Fall.

Andere politische Motive oder Ziele sind nicht erwähnt.

Es ist nicht von Antisemitismus die Rede, nicht von der Rassenlehre,

nur von Arbeit und Frieden.

* Applaus *

Ein Volk, das nichts auf die Reinheit seiner Rasse hält,

geht zugrunde.

* Musik *

(Interviewer) Aber ist es nicht so, dass ein Künstler, der Filme macht,

eine enorme Breitenwirkung hat?

Hat so ein Künstler nicht auch eine ganz besondere Verantwortung?

Welche sollte ich denn haben?

Es war doch damals so, dass 90% von Hitler begeistert waren.

Also eine Widerstandskämpferin, meinen Sie, hätte ich sein sollen?

Aber das waren nur sehr wenige.

Sollte ich zu diesen wenigen gehören? Oder wie meinen Sie das?

* Musik *

Meine beiden Gäste sind 2 ältere Damen, kann man wohl sagen.

Beide in den 70ern.

Eine von ihnen werden Sie wahrscheinlich kennen,

das ist Leni Riefenstahl.

Neben Frau Riefenstahl sitzt jemand, den, glaube ich,

nur wenige Leute kennen können, Elfriede Kretschmer.

Wir wissen, dass Frau Riefenstahl Filme gemacht hat.

Was haben Sie gemacht? - Ich habe gearbeitet.

Ich bin Arbeiterin. (Publikum lacht)

Haben Sie sich politisch engagiert in der Zeit? - Oh ja, sehr.

Ich konnte nicht Ja sagen zu dem, ich konnte das nicht.

Meine Erziehung, mein Glaube an ein anderes Deutschland,

als wir die 12 Jahre geworden sind.

Ich habe Glück gehabt.

Ich war immer, wie man sagt, eine deutsche Frau, blond, blauäugig usw.

Aber was die Männer erlebt haben, zumindest in Hamburg,

ich kann nur von Hamburg sprechen, im KZ Fuhlsbüttel, in Neuengamme...

Wann haben Sie zum 1. Mal, da Sie aus derselben Generation kommen,

Sie und Frau Riefenstahl, den Namen Riefenstahl gehört?

Eigentlich wohl durch den Film "Blaues Licht",

den Sie gemacht haben, der mich sehr von der Technik her fasziniert hat.

Und später die anderen Filme, wo ich eigentlich recht betrübt war,

dass eine Frau Filme gemacht hat,

die doch gegen die ganze Menschheit war.

Und ich muss heute immer wieder behaupten, dass...

...keiner, zumindest keiner, der in einer Großstadt wohnt,

sagen kann, er hat nicht gewusst, was los war.

Wir waren ja schon Menschen um 30 herum.

Wir haben doch gewusst, was wir machen.

Aber wie kommt man dann dazu, solche Filme zu drehen, die...

Meiner Meinung nach waren es Rattenfänger-Filme,

wenn ich das sagen darf.

Das könnte ich nie in meinem Leben verantworten.

Ich habe nie einen Dokumentarfilm machen wollen.

Es ist an mich herangetragen worden, und ich habe...

(Rosenbauer) Von wem? - Von Hitler.

(Kretschmer) Dann hätte ich ihn abgelehnt.

Es hätte ihn niemand abgelehnt.

Damals war die ganze Welt von Hitler begeistert. - Nein.

Herr Churchill hat gesagt,

ich beneide Deutschland um seinen Führer.

Ich habe auf dem Parteitag die Diplomaten gesehen.

Sie haben Hitler den Hof gemacht.

Ich habe das in meinem Film gar nicht aufgenommen.

(Rosenbauer) Wir machen Ihnen keinen Vorwurf.

Weil die Frau sagt, sie hätte das nicht gemacht.

Damals waren die ganzen Botschafter vertreten.

Die Botschafter sind nicht die Welt für mich. - Aber die ganze Presse.

* Applaus *

Ich habe nicht voraussehen können, viele Millionen andere auch nicht,

was einmal geschehen würde.

Und das muss man einmal glauben.

Ich wäre glücklich, in Ihrer Lage gewesen zu sein heute,

wenn ich das erlebt hätte, ich wäre glücklich.

Denn ich könnte heute sagen, ich wusste davon.

Aber es ist ja viel schwerer heute für die Menschen, zu sagen,

wenn sie es nicht gewusst haben, ich habe es nicht gewusst.

Weil man ihnen nicht glaubt.

Und das ist sehr schwer, glauben Sie mir, unheimlich schwer.

* Musik *

Leni Riefenstahl

erhält nach der Talkshow Hunderte von Briefen und Anrufen.

Ein nicht enden wollendes Echo, das sie akribisch archiviert.

* Musik *

(Frau auf Tonband) Ich möchte Ihnen nur sagen, dass ich laut der Sendung

am Samstagabend Frau Riefenstahl sehr bewundere.

Ihre Haltung hat uns sehr, sehr imponiert, danke schön.

(Riefenstahl) Hallo? (Mann) Liebe Frau Riefenstahl.

Lassen Sie sich von diesen Schweinen à la Rosenbauer nicht unterkriegen.

Am Schluss wird die Gerechtigkeit siegen.

(Mann) Da werden Sie sicherlich schon

eine Menge von Reaktionen gehört haben. (Riefenstahl) Menge?

Eine Welle, wie ich sie noch nie im Leben hatte.

Die Briefe, die ich bekomme, das wird immer mehr.

* Musik *

(Riefenstahl) Einen Moment, ich muss meinen Mitarbeiter rufen.

Horst? Horst?

Bleib hier, Horst, bei mir, bitte.

Horst, mein Mitarbeiter, das ist ein Schüler von mir,

der hat das auf Band geschaltet.

Wir haben schon so viele Kassetten.

(Mann) Kettner, ich bin ein Mitarbeiter von Frau Riefenstahl.

(Frau) Also ich habe einen Leserbrief geschrieben,

in dem ich mich wörtlich ausgedrückt habe.

Es war beschämend anzusehen, wie Frau Riefenstahl im Stich gelassen

von ihrem ebenso hilflosen wie grobklotzigen Talkmaster

zum Agitationsobjekt einer gehässigen Polit-Oma wurde.

(Kettner) Das haben Sie gut formuliert.

(Frau) Ich bin Drehbuchautorin und schreibe für "Tatort".

* Musik *

Auf den Fotos dieser Jahre taucht immer häufiger ein Mann auf.

Horst Kettner.

Er ist 40 Jahre jünger als Riefenstahl.

Ihre Geschichte beginnt 1967.

Seitdem teilen sie Arbeit und Leben.

* Musik *

(Riefenstahl) Wir haben überhaupt nicht das Alter empfunden,

jung oder alt, wir haben uns immer gleichaltrig gefühlt.

(Kettner) V.a. muss man so sagen, wenn du sagst, 40 Jahre,

einer muss immer nachgeben.

(beide lachen) Das bin ich dann.

* Musik *

Ende der 1970er-Jahre ziehen Riefenstahl und Kettner in ein

geräumiges Haus in der Nähe des Starnberger Sees.

Von hier aus führt Riefenstahl zusammen mit zahlreichen

Unterstützern den Kampf um die Deutung ihrer Biografie.

Riefenstahl? (Mann) Ich möchte Ihnen nur Folgendes mal sagen:

Sie haben gar keine Veranlassung, nervös zu sein.

Sie haben eine Leistung hinter sich gebracht in Ihrem Leben.

(Riefenstahl) Aber die Presse zieht das ja herab,

die würdigt das gar nicht.

(Mann) Legen Sie nicht allzu viel Wert auf diese Schmutzpresse.

(Mann) Ich bin Redakteur bei der Abendzeitung in München.

(Riefenstahl) Das wird doch nur wieder eine Schmutzsuppe.

(Kettner) Sie sehen, wie die Zeitung, auch die BILD-Zeitung,

die eigentlich rechts steht...

(Mann) Aber die ist mehr auf jüdischem Kurs.

(Kettner) Mehr Richtung Springer. Tel Aviv große Häuser gebaut.

(Riefenstahl) Die BILD-Zeitung hat geschrieben

in dem Bericht: Rattenfänger-Filme.

* Musik *

(Goebbels) Möge die helle Flamme unserer Begeisterung

niemals zum Erlöschen kommen.

Sie allein gibt auch der schöpferischen Kunst

einer modernen politischen Propaganda Licht und Wärme.

* Applaus *

(Goebbels) Das Zeitalter

eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende.

Und der Durchbruch der deutschen Revolution

hat auf dem deutschen Weg wieder die Gasse frei gemacht.

In einem kühnen und grandiosen Schwung...

...haben wir die Feinde des Landes zu Paaren getrieben.

Sie sollen sich hüten.

Einmal wird unsere Geduld zu Ende sein.

Und dann wird den Juden das freche Lügenmaul gestopft werden.

* Jubel *

* Musik *

(Riefenstahl) Mit Goebbels ist es eine ganz große Sache gewesen.

Er war wahnsinnig.

Weil er hat sein Leben fast riskiert, um mich zu bekommen.

(Mann) Abenteuerlich.

(Riefenstahl) Abenteuerliche Sachen,

die ich mit dem Goebbels erlebt habe.

Wie er aus dem Zarathustra vorgelesen, vor mir gekniet hat,

was er alles probiert hat, um mich zu kriegen.

Wie er mit einem Auto mit mir weggefahren ist,

wo wir umgekippt sind.

(Mann) Wie in einem schlechten Film. - Ja.

Übrigens muss ich nicht vergessen, dass 2-mal, einmal auch später,

wie er Minister war, in seiner Wohnung,

wo er mich also mit Gewalt haben wollte.

(Mann) 45, 30, 47, 48, 49, 50.

Kamera läuft. - Ton läuft. - Okay.

Goebbels wollte mich unbedingt haben als Frau.

Er wollte mich zu seiner Geliebten machen.

Und er war ganz und gar nicht mein Typ.

Ich hatte gar keine Zuneigung zu ihm.

Hitler hatte keine Ahnung,

was sich vorher abgespielt hat mit Dr. Goebbels.

Die ganzen Affären, die er mit mir gehabt hat.

(Müller) Darf ich Sie ganz kurz korrigieren? - Ja.

Sie haben eine unglückliche Formulierung benutzt.

"Die ganzen Affären, die Goebbels mit mir gehabt hat",

das ist missverständlich.

Machen wir das noch mal.

Wenn man Goebbels' Tagebücher aus der Zeit von Anfang '33 liest,

hat man den Eindruck, dass Sie bei Hitler

und bei ihm zu Hause ein- und ausgingen.

Das ist reine Fantasie.

Ich kenne die Bemerkung in seinem Tagebuch.

(Müller) Er erwähnt 10-mal, dass Sie bei ihm zu Besuch sind...

Das kann auch nicht stimmen, zählen Sie mal nach.

Ich war niemals 10-mal mit denen zusammen, das stimmt nicht.

Da müssen Sie das genauer nachgucken.

Das wollen wir abbrechen, denn das stimmt nicht.

Wenn Sie das wollen, gehen wir jede Eintragung durch.

Aber von gesellschaftlich...

Dann hätte ich zumindest einmal bei ihm privat eingeladen werden müssen.

War ich nie, ich war nicht einmal, auch nicht in Schwanenwerder,

wo alle da waren.

Ich war nicht mal eingeladen.

Ich bin so aufgeregt. Was Sie da gesagt haben, ist ja unglaublich.

(Müller) Ich kann es Ihnen zeigen.

Zeigen Sie mir, wo das drinsteht,

dass ich gesellschaftlich da ein- und ausgegangen bin.

(Müller) Gut, machen wir Stopp. - Horsti, ich muss dagegen mich...

(Kettner) Weißt du, dass die ganze Zeit gedreht wird?

Nein, das darf nicht gedreht werden.

Da mache ich überhaupt nicht mehr mit, wenn so was gedreht wird,

wenn ich außerhalb deiner Arbeiten hier drehe und mich aufrege.

Das geht nicht!

(Müller) Wir haben doch ein Gespräch.

Das Gespräch könnt ihr aufnehmen, aber nicht was ich hinterher...

Dann haben wir ja weiter...

Nein, da habe ich privat mit Ihnen gesprochen.

Glauben Sie, vor der Kamera werde ich Ihnen das sagen?

(Müller) Beweisen Sie mir das. - Nein.

Es wurde weitergedreht. - Dann ist es...

Nein, nein, nein, alles von da bis Aus.

Nein, es tut mir leid, ich lasse mich nicht vergewaltigen.

Nimm dir das weg, bis das...

* Ton bricht ab *

(Mann) Ich habe gestern in der Abendzeitung gelesen,

das Interview mit Ihnen.

Da haben Sie gesagt, dass Sie Ihre Memoiren schreiben wollen.

Das wäre ein Riesenerfolg.

Aber das sollten Sie schon machen, das dauert lange.

(Riefenstahl) Ich weiß.

Aber ich habe ja alles erlebt.

Es ist ja alles in meinem Gehirn geschrieben.

* Musik *

Mehr als 10 Jahre arbeitet Riefenstahl an ihren Memoiren.

Seite um Seite ringt sie darum, wie sie erinnert werden möchte.

* Musik *

Eine neue Seite.

(Kettner) Guck mal, was du grade geschrieben hast, um dich herum.

Die Gewalterfahrung mit Goebbels ist nur eine von mehreren,

die sie in den Entwürfen ihrer Memoiren beschreibt.

* Musik *

"Ohne es mir eingestehen zu wollen, hatten sich meine Gefühle für

Otto Froitzheim, den Tennisspieler, immer stärker vertieft.

Ich erfuhr, dass er mich in seine Wohnung im Tiergarten

zum Tee einladen würde.

Er legte eine Grammophonplatte auf.

Widerstandslos ließ ich mich aus dem Sessel ziehen.

Wie hypnotisiert tanzte ich mit ihm.

Er riss mir fast die Kleider vom Leib

und versuchte mit beinahe brutaler Gewalt, mich in Besitz zu nehmen.

In meinen Körper eindringend, dass ich vor Schmerzen schrie."

Die Begegnung mit Otto Froitzheim beschreibt Riefenstahl

in den verschiedenen Stadien des Schreibprozesses immer gleich.

Andere Episoden variiert sie,

als ob sie sich ihrer erst vergewissern muss.

* Musik *

"Mein Vater sagte oft, schade, dass du nicht ein Junge geworden bist.

Ich war gerade 5 und sollte schwimmen lernen,

als mein Vater mir aus Schilf eine Schwimmweste bastelte

und mich mit ihr ins Wasser warf.

Die Sekunden des Ertrinkens kann ich noch heute, die Gedanken...

Bevor ich im Wasser das Bewusstsein verlor,

empfand ich den Tod durch Ertrinken gar nicht so schlimm.

Bald wurde ich eine gute Schwimmerin."

Parallel zum Schreiben nimmt sie Gespräche

mit ihrem Verleger und anderen auf Band auf.

(Riefenstahl) Wir haben als Kinder geklaut.

Und dann habe ich einmal in einem Kolonialwarengeschäft

heimlich mir eine Tafel Schokolade genommen.

Und mein Vater hat mich halbtot geschlagen.

Der hat einen Bügel oder was gehabt, der hat mich irrsinnig geschlagen.

Und da hat er mich ungefähr 12 h in einen Klosettraum eingesperrt.

Ich habe aber noch nicht eingesehen, dass ich unrecht hatte.

Stellen Sie sich das mal vor.

* Musik *

In den veröffentlichten Memoiren kommen diese Passagen nicht vor.

Auch in späteren Interviews wird sie darüber nicht sprechen.

* Musik *

(Riefenstahl) Meine Mutti hat in meinem Leben

die Erfüllung ihres Lebens gesehen.

(Wild) Das heißt, die Mutter war auch ehrgeizig?

Sie hatte auch die Lust, selber eine Rolle zu spielen? - Mhm.

(Wild) Und im Grunde, wenn man das mal so herum sagen soll, sind Sie...

...die Tochter einer Eislaufmutter.

Ich darf Sie mal wieder provozieren.

(Riefenstahl) Die ist nie eisgelaufen.

(Wild) Nein, die Karriere junger Mädchen wird ja sehr häufig bestimmt

durch Mütter, die versuchen,

das, was sie selbst für sich erstrebt haben...

(Riefenstahl) Ja, und die auch gesagt hat,

du darfst nicht aufgeben, Leni.

Du musst das durchstehen.

* Musik *

Riefenstahl arbeitet ab Mitte der 1920er-Jahre mit Arnold Fanck,

dem Regisseur erfolgreicher Bergfilme.

Sie, die zuvor noch nie gespielt hat,

fordert von ihm die Hauptrolle ein.

* Musik *

Sie dreht unter Extrembedingungen.

* Musik *

Einmal stürzt sie am Seil 15 m in eine Gletscherspalte

und setzt sich bei -20° Erfrierungen aus.

Riefenstahl als einzige Frau unter Männern,

die allesamt Veteranen des Ersten Weltkriegs sind.

* Musik *

Ernst Udet schreibt 1933 in seinen Memoiren:

"Die Generation, der ich angehöre, ist durch den Krieg geformt worden.

Die Schwachen sind daran zerbrochen.

In uns anderen aber

ist der Lebenswille härter und stärker geworden.

Wir sind Soldaten ohne Fahne gewesen.

Der Führer gab sie uns zurück."

* Musik *

* Musik *

* Musik *

(Hitler) "Und wir möchten nun, dass ihr, deutsche Jungens

und deutsche Mädchen, in euch all das aufnehmt..."

(Mann) Der Führer der Deutschen Jugend hat das Wort.

Wir wollen, dass dieses Volk einst nicht verweichlicht wird.

Sondern dass es hart sein kann.

Und ihr müsst euch in der Jugend dafür stählen.

Ihr müsst lernen, Entbehrungen auf euch zu nehmen.

Wir werden vergehen, aber in euch wird Deutschland weiterleben.

Und wenn von uns nichts mehr übrig sein wird, dann werdet ihr

die Fahne, die wir einst aus dem Nichts hochgezogen haben,

in euren Fäusten halten müssen.

* Jubel *

(Menschenmenge skandiert)

(Ostro) Können Sie sich erinnern an das 1. Mal,

dass Sie Speer persönlich getroffen haben?

(Riefenstahl) Das war eben einen Tag vor dem Parteitag.

Irgendwo da auf dem Gelände.

Das war also '33.

Ich sagte, ganz egal, ob der nun Nationalsozialist ist

oder ob der ein Jude ist oder was:

Dieser Mann ist eine große Persönlichkeit.

Wir haben uns sofort auf dieser Wellenlänge verbunden,

die mit Kunst und mit unserem Beruf zu tun hat.

Wir waren beide irgendwie ähnlich.

Starker Wille, idealistisch,

bereit, Opfer zu bringen und kompromisslos zu sein.

Albert Speer war als Architekt für die bauliche Gestaltung

des Reichsparteitags verantwortlich.

1942 ernannte ihn Hitler

zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition.

Speer verantwortete die massenhafte Beschäftigung von KZ-Insassen

und Zwangsarbeitern in der Rüstungsindustrie.

Hunderttausende bezahlten

die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen mit ihrem Leben.

Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

wird Speer zu 20 Jahren Haft verurteilt.

1966 kommt er frei.

* Musik *

In der Haft beginnt er, seine Memoiren zu schreiben.

Sie werden ein Welterfolg.

(Riefenstahl) Als der Tag kam, wo er frei kam, hat er gesagt,

dass es ihm ganz gut gehe.

Er hat es also bewusst unterspielt.

Ich habe gedacht, mein Gott, wie ist das nur möglich.

* Telefonklingeln *

(Riefenstahl) Albert, weißt du, wo ich mal deinen Rat bräuchte,

bevor ich meine Memoiren abschließe: Ratschläge für den Vertrag.

(Speer) Memoiren? Ja, da kann ich dir helfen.

(Riefenstahl) Dass ich da nicht reinfliege.

(Speer) Hast du denn jemanden... - Ach, fast jeder, wo ich will.

Ich meine, es ist eigentlich fast jeder große Verlag auch,

die warten ja alle drauf.

* Musik *

* Musik *

(Riefenstahl) Ich habe immer gekämpft,

als wenn es um mein Leben ging.

Bis ich es durchgesetzt hatte.

Riefenstahl bekommt für ihren Film "Olympia"

vom Reichspropagandaministerium ein Budget, das das Werk

zum bis dahin teuersten Dokumentarfilmprojekt werden lässt.

* Musik *

(Riefenstahl) Wenn Sie besessen sind in Ihrer Arbeit, dann geht auch eine

gewisse Ausstrahlung und Kraft von Ihnen aus, die die Leute überzeugt.

* Musik *

(Riefenstahl) Es war ja sehr vieles damals Neuland.

Da habe ich schon vorher einiges entwickeln lassen.

Da habe ich monatelang vorher trainiert.

Da ich gesehen habe,

nur so kann ich von der Wochenschau-Reportage wegkommen.

Nur so kann es ein lebendiger Film werden.

* Musik *

(Riefenstahl) Dann habe ich den Kameraleuten

ihrem Können und ihrer Fähigkeit entsprechend eingesetzt.

Und jeder wollte den anderen übertreffen.

Es war ein sportlicher Ehrgeiz, so gut wie möglich zu arbeiten.

(Kommentator) "Im Weitsprung hat sich der Kampf

zu einer Entscheidung zwischen dem Deutschen Luz Long

und dem schnellsten Läufer der Welt, Jesse Owens, zugespitzt.

8,06 m, neuer Weltrekord.

Die Entscheidung im Hundertmeterlauf: Owens."

(Mann) Warum Jesse Owens?

(Riefenstahl) Jesse Owens ist mir aufgefallen, es war zum 1. Mal,

dass ich überhaupt Schwarze sah.

Und ich war also elektrisiert. (Le Viseur) Ja. Warum?

(Riefenstahl) Ja, sie waren sehr gut gewachsen.

Und dann bewegten die sich so wie Raubkatzen.

(Kommentator) "Fertig."

* Schuss *

(Riefenstahl) Das ist mir auch nicht bei den Spielen so bewusst geworden,

welche Sonderstellung er einnimmt.

Das habe ich erst nachher beim Schnittmaterial gemerkt.

Wie ist das mit dem Licht?

Einen Moment. Was sagst du?

Wir sprechen.

* Musik *

(Mann) Ich habe mehrere Filme gesehen, die Sie gemacht haben.

Mich hat immer sehr fasziniert, wie Sie das kameratechnisch und so...

Für damalige Zeit soll es ja sensationell gewesen sein,

was Sie gemacht haben.

Nur, in diesem Olympia-Film, es wurden immer so schöne...

...schöne, edle, edel gestaltete Menschen gezeigt.

Ich habe die nicht gemacht, diese Menschen, die waren so.

(Mann) Sie haben sie gezeigt.

Ich habe mir die Frage gestellt:

Hätten Sie auch einen Film über Behinderte gemacht? - Nein.

Hätte das Sie interessiert? - Nein. - Warum nicht?

Das ist nicht mein Beruf.

(Mann) Wenn Sie sagen, ich mache keine Dokumentation, akzeptiert.

Bei der Olympiade konnte ich mir das gar nicht aussuchen.

Da hatte ich 30 Kameraleute, jeder hat etwas gefilmt, und das war so.

Da ist nichts gestellt.

Ich habe weder die Menschen verändert noch anders angezogen,

noch habe ich sie gestellt.

Was Sie in dem Film sehen, ist von 30 verschiedenen Kameraleuten,

die an verschiedenen Plätzen standen, gefilmt worden.

So realistisch, wie es war.

Natürlich, ich habe nicht aufgenommen oder der Kameramann...

Ich habe es ja nicht alles aufnehmen können.

...wie sich Jesse Owens den Hintern wischt oder so etwas.

Die haben lieber aufgenommen, wie er sich konzentriert auf den Start.

Das ist ja auch Olympiade.

Bei der Olympiade ist das Typische, dass jeder der Beste sein will.

Das ist nicht nur bei der deutschen Olympiade so.

In Montreal, in Rom, in Japan, das ist immer dasselbe.

Was man mir da immer anhängen will mit dem Olympia-Film,

dass ich den schön gemacht habe, ist mir ein Rätsel.

Die Athleten sehen nun einmal trainierter aus

wie der Mann mit dem dicken Bauch, dafür kann ich nichts.

Ich habe sie ja nicht gezaubert.

* Musik *

(Riefenstahl) Es fehlten vom Prolog noch die Aufnahmen der Menschen.

Haben wir als Platz ausgedacht das Meer an der Kurischen Nehrung,

weil wir da Himmel und ruhigen Hintergrund hatten.

* Musik *

Die Gestaltung des Prologs hatte ich Zielke überlassen.

Dieser geniale Filmgestalter, der nicht mit normalen,

sagen wir mal, Menschen gemessen werden konnte.

Seine Ideen und sein Handeln, musste man gefasst sein,

dass er da Sachen macht, die man kontrollieren musste.

* Musik *

Ich hatte schon Aufnahmen gesehen, die Zielke gemacht hat,

die waren fabelhaft, so stilisiert durch Gegenlicht.

Die Körper nur halb belichtet und sehr schön.

* Musik *

Wir haben das gemeinsam gemacht,

diese etwas schwierige Aufnahme, die Verwandlung.

In Zeitlupe wird der ja langsam lebendig,

der Diskuswerfer von Myron.

Langsam, dass, wenn die Statue Leben bekommt...

* Musik *

Willy Zielke arbeitet bis zur Erschöpfung.

Kurz nach dem Dreh bricht er zusammen und wird wegen einer

angeblichen Psychose in eine geschlossene Anstalt eingewiesen.

Im August 1937 wird er aufgrund eines Gesetzes

zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwangssterilisiert.

Riefenstahl wird regelmäßig über seinen Zustand informiert,

unternimmt aber nichts.

* Musik *

"Was das griechische Schönheitsideal unsterblich sein lässt,

ist die wundervolle Verbindung herrlichster körperlicher Schönheit

in strahlendem Geist und edelster Seele.

Auch dies ist im Interesse der Nation,

dass sich die schönsten Körper finden und so mithelfen,

dem Volkstum neue Schönheit zu schenken."

Adolf Hitler, "Mein Kampf".

(Mann) Erinnern Sie sich noch an die Premiere? (Riefenstahl) Ganz genau.

(Mann) Erzählen Sie mal.

(Riefenstahl) Kurz davor wurde mir gesagt,

der Film kann nicht aufgeführt werden.

Als Grund wurde mir angegeben der Anschluss an Österreich.

* Musik *

Viele der Länder, deren Vertreter hier ihren Arm zum Gruß erheben,

werden wenige Jahre später Opfer von Hitlers Expansionspolitik.

Im März 1938 marschieren deutsche Truppen in Österreich ein.

Hitler nennt es den Anschluss.

Auf den Straßen jubeln ihm Hunderttausende zu.

Riefenstahl fährt ihm nach Innsbruck nach.

(Riefenstahl) Das war unglaublich,

wie er ganz strahlend, begeistert war von dem Erfolg.

Ich habe gesagt, verzeihen Sie, mein Führer,

dass ich Sie hier spreche.

Aber ich bin so tief betroffen,

dass meine Premiere verschoben wurde.

Und plötzlich fällt mir ein...

Ich sage, es gäbe einen Termin, der gut wäre: Ihr Geburtstag.

Und dann guckt er mich an und sagt zu mir,

ja, aber da habe ich doch so viele Paraden. (lacht)

Und so viele Verpflichtungen.

Sagt er, wissen Sie was, das ist gar keine so schlechte Idee.

Machen wir es an meinem Geburtstag. (lacht)

* Musik *

Während ihrer mehrwöchigen Premierentour für "Olympia"

schreibt sie an Hitler:

"Mein Führer, wie kein anderer Mensch verstehen Sie es,

anderen Freude zu bereiten.

Als ich hier am Lido zur Filmbiennale ankam, fand ich

als Erstes Ihre herrlichen Rosen und das Geburtstagstelegramm vor.

Ich konnte es gar nicht fassen, dass Sie bei ihrer wahnsinnigen Arbeit

auch nur 1 min an mich denken konnten."

* Musik *

"Die Propaganda für Deutschland ist viel größer,

als ich je gedacht habe.

Und bei Ihren Bildern, mein Führer, wird immer geklatscht,

sogar in Finnland.

Ich reise noch nach Oslo, England und Amerika."

* Musik *

"Ich bin so glücklich, dass Sie mich nicht ganz vergessen haben.

Und bin immer in Gedanken Ihre treue Leni Riefenstahl."

* Musik *

(Riefenstahl) Mein Leben wäre schöner gewesen,

wenn ich gestorben wäre auf dem Höhepunkt meines Schaffens.

Das war ganz genau, bis der Krieg ausbrach, bis zum 01.09.1939.

Bis dahin war mein Leben ein ständiger Aufstieg.

* Musik *

Riefenstahl erhält in den ersten Kriegstagen

aus der Reichskanzlei den Auftrag,

den Feldzug der Wehrmacht in Polen auf Film festzuhalten.

Kurz nach ihrer Ankunft holt sie das Kriegsgeschehen ein.

* Musik *

Riefenstahl verlässt Konskie.

Einige Wochen später lässt sie sich

von ihrer Tätigkeit als Kriegsberichterstatterin entbinden.

Kein Jahr später beginnt sie mit den Dreharbeiten für "Tiefland".

Ihr letztes großes Filmprojekt für das Regime,

basierend auf einer von Hitlers Lieblingsopern.

Riefenstahl hat das Drehbuch geschrieben,

führt Regie und spielt die Hauptrolle.

* Musik *

Am Set lernt sie Peter Jacob kennen,

SA-Mitglied und Major der Gebirgsjäger.

Laut seiner Wehrmachtsakte

ein zupackender, überzeugter Nationalsozialist.

Sie heiraten 1944.

Gemeinsam gehen sie durch das letzte Kriegsjahr.

(Riefenstahl) Das letzte Gespräch mit Hitler im Krieg, 1944.

Da erinnere ich mich nur,

dass er meinem Mann die Hand gegeben und kaum beachtet hat.

Da hat er monologisch gesprochen, fast 1 h.

Das war über England, über Mussolini und über Italien.

Und da hat er noch fest geglaubt, dass er den Krieg gewinnt.

Das war das letzte Mal, wo ich ihn gesehen habe.

* Musik *

Wir hörten durch das Radio, dass Hitler sich ge...

...dass Hitler tot ist.

Meine ganze Vergangenheit stand vor mir auf.

Die Eindrücke, die ich früher von diesem Mann gehabt hatte

und dass das vorbei ist.

Ich war also zerstört.

Verhörprotokoll des Geheimdienstes der US-Armee:

"Leni Riefenstahl, Frau des Wehrmachtsmajors Jacob,

wurde von amerikanischen Einheiten in Kitzbühel verhaftet."

"In all den Jahren hatte R. ab und zu von den KZ gehört, ohne

eine genaue Vorstellung davon zu haben, was sie wirklich bedeuteten."

Was ist "disappeared"? - Wenn Leute verschwanden.

* Musik *

Bilder vom Dreh von "Tiefland".

Riefenstahl hat dafür 50 Sinti und Roma als Komparsen

aus einem Internierungslager angefordert.

Darunter viele Kinder.

* Musik *

In den Folgejahren werden viele der Filmkomparsen

nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

* Musik *

Riefenstahl wird nach dem Krieg behaupten,

alle Komparsen gesund und munter wiedergetroffen zu haben.

* Musik *

* Musik *

Riefenstahl muss sich 1949 einem "Säuberungsverfahren" unterziehen,

in dem ihre Verstrickung in das NS-Regime untersucht werden soll.

Die Kammer kommt zu folgendem Ergebnis:

"In formaler Beziehung steht fest, dass Frau Leni Riefenstahl,

geboren am 22.08.1902,

weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen war."

"Für die NSDAP Propaganda zu treiben, lag ihr gänzlich fern.

Die Übernahme der beiden Filmaufträge,

Parteitag- und Olympiafilm, zeugt nicht vom Gegenteil."

"Die Betroffene wird in die Gruppe der Mitläufer eingereiht.

Folgende Sühnemaßnahmen werden auferlegt:

Die Betroffene ist nicht wählbar."

Die Entscheidung der Spruchkammer vom Dezember 1949

kommt einem Freispruch gleich.

3 Jahre später holt Riefenstahl die Vergangenheit wieder ein.

* Musik *

Die Zeitschrift Revue konfrontiert sie mit neuen Vorwürfen.

"Leni Riefenstahl ist aber in Wirklichkeit

eine der wenigen deutschen Frauen, die von den furchtbaren Verbrechen

nicht nur gewußt, sondern sie mit eigenen Augen angesehen haben."

* Musik *

(Mann) Ich weiß nicht, ob Sie das Buch kennen,

"Final Solution" auf Englisch, die Endlösung.

Da steht jetzt eine Sache drin,

das war während der polnischen Feldzug.

"Also an dem 10.09.'39 ist Leni Riefenstahl in das Büro

von Generalmajor Langhäuser reingegangen, in dieses Büro.

Sie hatte 22 Juden erschossen gesehen."

(Riefenstahl) Ist alles nicht wahr.

(Ostro) Darf ich den Satz weiterlesen?

(Riefenstahl) Sehen Sie, wie das unglaublich ist? - Warten Sie.

"Und sagte, dass sie nicht ihre Arbeit weitermachen könnte

mit ihrem Filmstab..."

(Riefenstahl) Alles gelogen. - "...wenn so Scheußlichkeiten..."

(Riefenstahl) Ich habe keine Scheußlichkeiten überhaupt gesehen.

* Musik *

Im Nachlass findet sich auch der Brief eines Adjutanten.

Geschrieben 1952 an ihren inzwischen geschiedenen Mann Peter Jacob.

Der Adjutant beschreibt darin den Hergang der Ereignisse in Konskie:

"Nach einem Bericht, der dem Armeeoberkommando 10 vorlag,

soll Ihre Gattin (wahrscheinlich mit Bezug auf eine zu drehende Szene

vom Marktplatz) gesagt haben: Aber die Juden müssen da weg.

Das hätte jeder andere auch gesagt,

denn ein Haufen von arbeitenden Menschen in einer Grube,

umgeben von mehr oder weniger disziplinierten deutschen Soldaten,

ist kein Hintergrund für Filmaufnahmen."

Ein Gefreiter hat diese Äußerungen weitergegeben,

und nun klang es bereits so:

Die Juden weg.

Durch diese Äußerung veranlasst und einige nicht dahingehörende

Fußtritte, versuchten einige Polen zu flüchten.

"Und dann wurde geschossen."

Stimmt diese Aussage, dann hat die Regieanweisung von Riefenstahl

den Tod der Juden in Konskie mit ausgelöst.

(Mann) Wir sollten jetzt entscheiden,

ob Sie zu etwas anderem Stellung nehmen wollen.

Damit Sie nicht das Gefühl haben,

hier sei über Sie Gericht gesessen worden.

Ich mache, was von mir verlangt wird.

(Mann) Was wird von Ihnen verlangt? - Was Sie möchten.

Fragen Sie mich, ich antworte.

Soll ich nicht sprechen, spreche ich nicht.

Ich bin ja nicht in dem Sinne frei.

Dass wir, Frau Kretschmer, Herr Kiesewetter und andere Leute,

nicht immer der Meinung sein können, die Sie vertreten,

müssen Sie verstehen.

Sie wissen ja gar nicht, was ich für eine Meinung vertrete.

Darf ich Sie jetzt fragen?

Ich kann dazu nur sagen, dass die Menschen, die im Dritten Reich

gelebt haben, die Menschen, die so viel mitgemacht haben

und die Gelegenheit hatten, von diesen Dingen zu erfahren,

dass ich diese Menschen verstehe, wenn sie heute

mit dieser Verbitterung auf diese Zeit reagieren.

Dass es aber viele Menschen gegeben hat, und dazu gehöre ich auch,

die es von der positiven Seite nur gesehen haben.

Und die erst, als ich im Gefängnis war, als der Krieg zu Ende war,

von diesen fürchterlichen Verbrechen hörte,

eine Welt zusammenbrach, eine solche Erschütterung erlebte,

dass wir, und ich glaube, andere Menschen auch, niemals mehr

davon gesund werden können und genießen können.

Darum bin ich immer diesen Talkshows ausgewichen.

Es ist die erste, zu der ich dann nach langem Zögern Ja gesagt habe.

Weil diese Wunden noch lange, lange nicht vernarbt sind.

* Applaus *

* Telefonklingeln *

(Mann) Darf ich Ihnen mal etwas sagen?

Ich wusste bis Kriegsende

auch nichts von den Vergasungen in Auschwitz.

(Riefenstahl) Aber das ist ja historisch

schon ziemlich aufgeklärt.

(Mann) Nun steht aber Hitler heute

als einer der größten politischen Verbrecher der Weltgeschichte da.

(Riefenstahl) Das weiß doch jeder. Das hat mich ja keiner gefragt.

(Frau) Frau Riefenstahl, ich habe den Hitler auch gekannt.

Ich habe 7-mal mit ihm zu Abend gegessen.

Ich habe ihn zwar verdonnert, weil er diese Vergasungen gehabt hat.

(Riefenstahl) Und das haben Sie alles vorher gewusst?

Durch wen haben Sie das erfahren, dass er die Vergasungen macht?

(Frau) Das habe ich gewusst. - Von wem denn?

(Mann) Die Reichsfilmkammer,

die bekam alle 14 Tage ein Geheimschreiben. - Ja?

(Frau) Mein Mann brachte diese geheimen Briefe dann

über Nacht mit nach Hause, und da habe ich es gelesen.

(Riefenstahl) Können Sie sich erinnern, wann Sie das 1. Mal

es schriftlich in den Händen hatten, dass die Gasöfen gebaut worden sind?

Das wäre eine historische Bedeutung,

die noch kein Mensch rausgekriegt hat.

Da wären Sie der einzige Mensch bis jetzt, der das hätte.

Das wäre ja fabelhaft, wenn man diese Unterlagen besitzt,

aus denen das Datum hervorgeht und die Zeit und wie die Menschen

verbrannt worden sind, das finde ich ungeheuerlich. (Frau) Vergast.

(Riefenstahl) Vergast oder verbrannt oder was immer.

(Mann) Ton läuft.

Für 1, die Zweite.

(Kommentatorin) "Im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen

kommt es 4 Tage lang zu massiven fremdenfeindlichen Ausschreitungen.

Die Anwohner applaudieren, Polizei und Politik schauen weg."

(Müller) Was empfinden Sie, wenn Sie solche Bilder heute sehen?

Schrecklich, ich finde es schrecklich.

Wie kann man nur gegen Frauen und wehrlose Kinder so vorgehen?

Weckt das nicht Erinnerungen, Bilder dieser Art?

Das hatten wir doch in Deutschland schon einmal.

Nein, das habe ich nie erlebt in Deutschland.

In Deutschland gab es die schlimmen Sachen nach dem Krieg.

Aber diese Sachen hat es in Deutschland nicht gegeben.

Glauben Sie... - Nein.

Ich möchte nicht in solche politische Sachen hineinkommen.

Denn dann heißt es...

Ich möchte nicht dazu Stellung...

Dann können Sie doch sagen, dass...

Wenn ich das sage, bin ich wieder gestempelt als Neonazi.

Das ist eben so leider heute.

Darum kann man die Wahrheit nicht sagen.

Sie werden hingerichtet, wenn Sie die Wahrheit sagen.

Es ist ja alles gelogen.

* Musik *

(Riefenstahl) Es ist schrecklich, was da gelogen

und geschwindelt wird, was man alles erfindet.

Nie ist ein antisemitisches Wort

oder gegen irgendeinen Juden über meine Lippen gekommen, nie.

Ich habe doch eben gesagt, dass ich nie in dem Lager war.

Ich kann Ihnen doch das nur mehr als einmal sagen,

zum Donnerwetter.

(Mann) Kamera läuft. (Mann) Aufnahme.

Über 50 Prozesse habe ich hier geführt.

Hier sind die Fakten.

Meistens handelte es sich um Rufmord.

(Mann) Man hat behauptet, dass Sie Zigeuner aus dem KZ

als Statisten benutzt haben für "Tiefland".

Das ist die allerübelste Lüge. Da werde ich ganz wild.

Einen Moment.

Ich klage, weil ich diffamiert wurde.

Wenn Sie diffamiert werden sehr schwer,

werden Sie vielleicht auch klagen.

Ich will nicht sagen, dass Zigeuner unbedingt lügen müssen.

Da muss man sehen, wem man mehr einen Meineid zutraut.

Mir oder den Zigeunern.

Diese ganze Geschichte hat mich so belastet.

Dann verlasse ich für längere Zeit auf Monate Deutschland.

Und werde wahrscheinlich nur noch besuchsweise herkommen.

Riefenstahl auf einer Expedition 1964,'65 in den Sudan.

(Riefenstahl) Ich sage, ich spreche jetzt, was es ist.

Natu spielt verschiedene Melodien auf der Gitarre.

* Musik *

Über die Jahre wird sie immer wieder zum Volk der Nuba zurückkehren.

Oftmals für viele Monate.

Hier fragt sie keiner nach ihrer Vergangenheit.

* Musik *

(Riefenstahl) Ein Bericht für Sunday Times.

Die Überschrift:

Warum habe ich monatelang

bei einem afrikanischen Urvolk gelebt und diese Aufnahmen gemacht?

Wenn ich über diese Frage intensiv nachdenke, dann müsste ich sagen,...

...dass diese Arbeit die logische Entwicklung

meiner ganzen beruflichen Tätigkeit ist.

Bei allen Filmen, die ich bisher gemacht habe,

hat mich immer besonders die Schönheit des Objekts gefesselt.

Ganz besonders die Harmonie, die ausgestrahlt wird,

wenn sich äußere Schönheit mit der inneren Schönheit verbindet.

* Musik *

Und das war dann '68, '69, wo das 1. Mal der Horst mit dabei war.

Wo wir also schon einen Wagen hatten.

Da war alles viel einfacher schon.

Meine Schlafstelle, da habe ich monatelang gelebt.

Und dort, so unglaublich es klingen mag, war ich sehr glücklich.

Da bin ich mit den Kindern und den Frauen...

Denn den 1. Kontakt, den ich hatte, war über die Kinder.

Da habe ich einen kleinen Kinderringkampf veranstaltet.

(Mann) Wieso ist da Sport Schuster?

(Riefenstahl) Weil Schuster mir einiges gespendet hat,

2 Zelte und so ein paar Sachen.

Da haben die mir das mitgegeben.

Riefenstahl auf ihrer 4. Expedition.

Zur Finanzierung der Reise nutzt sie die Unterstützung

zahlreicher deutscher Unternehmen.

Im Gegenzug überlässt sie den Firmen die Fotos zur freien Verfügung.

Und das war 2 Jahre nach meinem 1. Besuch.

Da haben sie mich auf die Schultern genommen

und Leni, Leni, Leni gerufen.

Die Kinder bekamen dann meinen Namen.

Es wurde ein Berg getauft mit Monte Leni.

Ich wäre am liebsten für immer dortgeblieben.

* Musik *

* Musik *

Ja, ein tolles Buch ist das.

Ich werde dir ein paar meiner Lieblingsköpfe, die da drin sind.

Diese z.B. ist sehr schön, hier.

(Riefenstahl) Mal sehen, wie nah ich komme.

Ach, das ist interessant, du.

So.

Gehen wir ein bisschen spazieren?

(Kettner) Gut. - Komm.

(Kettner) Geh rein.

* Telefonklingeln *

Schön, Albert. (Speer) Ja, Mensch, nicht?

(Riefenstahl) Was macht dein Haus im Allgäu?

(Speer) Da fahren wir gerade wieder hin.

(Riefenstahl) Ist das schon fertig? - Ja.

(Riefenstahl) In welchen Zeiten bist du da,

dass ich mal anrufen kann?

(Speer) Telefon ist nur den Allerintimsten...

Dazu gehörst du ja. - Ja, danke.

Albert, pass mal auf, ich wollte nur wissen, was bekommst du bezahlt?

(Speer) Das kommt ganz drauf an, normalerweise BBC,

wenn ich 1 h mit denen zu tun habe, ein paar Hundert Mark.

(Riefenstahl) Also bei mir ist es so, unter 5.000 Mark

bei kleinen Sachen mache ich es gar nicht.

Kanada hat mir schon vor 10 Jahren 10.000 gezahlt.

* Musik *

* Telefonklingeln *

(Mann) Ist das nicht wie in Deutschland, wenn so Sendungen

kommen, dass die Fernseh- zeitschriften bringen Werbung?

(Frau) Ja, da steht was drauf, was ich der Leni gesagt haben.

"Die Filmerin der Nazizeit".

* Musik *

(Riefenstahl) Außerdem bin ich gefährdet.

Denn in der Schweiz sind so viele anti Nazi.

Wenn ich da hinkomme zu einer Show

und werde schon als Nazi-Dings angekündigt...

Du kannst dir vorstellen, wie das ist. (Mann) Ja.

(Kettner) Hallo? (Mann) Guten Tag, Schweizer Fernsehen in Genf.

(Kettner) Einen Moment bitte.

(Mann) Claude Torracinta.

(Riefenstahl) Wissen Sie, Herr Claude, Sie wissen nicht,

wie man mich immer wieder aufs Kreuz gelegt hat.

Ich bin jedes Mal im Fernsehen mitverantwortlich gemacht worden

für die Gräuel, die Konzentrationslager, die Verbrechen.

Das ist immer geschehen.

Wenn man irgendwie das Wort Holocaust verwenden würde,

würde ich abbrechen, ich kann es einfach nicht.

(Torracinta) Frau Riefenstahl, was ich kann sagen, Frau...

(Riefenstahl) Ich bin doch nicht verantwortlich für das,

was geschehen ist.

* Musik *

* Musik *

Ihre Mitarbeiterin hat Ihnen schon 2 Kissen auf den Stuhl gebaut.

Alles schon schön vorbereitet. - Ja, ich halte den Stuhl fest.

So halten wir es ein bisschen fest, dass Sie es gut treffen.

Sie sagen, wie Sie es am bequemsten haben, gell?

Ist es so gut? - Wo ist die Kamera?

Die Kamera ist hier, schauen Sie, wo meine Hand ist, ist die Kamera.

Und Sie sprechen zu mir eigentlich.

Ich spreche zu Ihnen. - Genau, wir unterhalten uns.

Dann öffnen wir das Bild rechts ein bisschen.

Mal sehen, ob ich überhaupt was sehen kann.

Ich muss... Den können sie weglegen, damit sich die Augen gewöhnen.

Ich sehe es sogar.

Hier ist eine richtige Linie, die muss weg, die sollte weg.

Wenn Sie die wegkriegen, dass die Linie nicht zu sehen ist.

(Mann) Geh mal hier vorbei.

Ein bisschen rüber.

Das wäre gut, wenn von dort das Licht käme.

(Mann) Das können wir machen.

Jetzt bin ich mit dem Licht

praktisch in Achse Kamera, Frau Riefenstahl.

(Mann) Kannst ja mitdrehen, lass einfach laufen.

Man kann nicht mehr abdecken, das Oberlicht.

Das Oberlicht kann man nicht abdecken.

* Musik *

Jahrzehnte nach der Arbeit an "Das Blaue Licht"

kehrt Riefenstahl an den Wasserfall zurück.

Es sind die letzten von Horst Kettner mit ihr

in den Bergen gedrehten Bilder.

Sie erzählen davon, wie sie erinnert werden möchte.

Und was dafür vergessen werden soll.

* Musik *

* Telefonklingeln *

* Musik *

* Musik *

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