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Original subtitles

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR

* Tatort-Titelmusik *

* Musik *

(Frau) Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:

Im Rechtsstreit Doreen Prätorius

gegen die "Atlas Secura Versicherungs AG"

hat das Landgericht Münster für Recht erkannt.

Beklagte Atlas Secura wird verurteilt,

die volle Summe aus der Lebensversicherung

des verstorbenen Ehegatten der Klägerin von 3,54 Mio. Euro

nebst Zinsen an die Klägerin zu zahlen.

Es gibt keine Berufung oder irgendwas Schlimmes,

was uns noch passieren könnte?

Nein, nichts.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Das wars? - Das wars.

Wenn ich das Jonas sagen könnte.

Wenn ich was mit meiner verstorbenen Mutter zu besprechen habe,

gehe ich in die Kirche ums Eck.

Ich glaube nicht an Gott.

Ich glaube an Sie, Weintraub.

* Musik *

Wie kommen Sie nach Hause? - Ich nehme den Bus.

Heute nicht, ich fahre Sie. - Danke.

Es steht schon im Alten Testament:

So aber Deine Hand oder Dein Fuß Dich ärgert,

so haue ihn ab und wirf ihn von Dir.

Statistisch betrachtet hat bereits jeder 10. Bundesbürger

einmal einen Versicherungsbetrug begangen.

Jeder 3. kann sich das künftig vorstellen.

Hier im Saal sitzen also, inklusive meiner Person,

mindestens 4 potenzielle Versicherungsbetrüger.

Hier die Kasuistik.

Nach Einführung einer speziellen Handpolice für Ärzte häuften sich

Fälle von Selbstverstümmelung unter Medizinern.

Die Aussicht auf 1 Mio. Versicherungssumme

für eine nicht mehr brauchbare Hand war sehr verführerisch.

Der eine nahm den Hammer.

Wie dieser Schönheitschirurg, der zu Protokoll gab,

er habe lediglich mit seinem Vorschlaghammer

eine Ratte erschlagen wollen.

Die andere nimmt ein Beil.

Sehr nette Kollegin, Allgemeinmedizinerin,

trennte sich von einigen ihrer Finger

beim vorweihnachtlichen Entenschlachten.

Danke. - Gern geschehen.

Den Ehering hatte sie abgezogen.

Vermutlich hat der Gatte bei der Amputation geholfen.

Einige findige Kollegen spritzen sich vorher ein Betäubungsmittel,

Lidocain z.B.

Das wir anschließend in den Amputaten nachweisen können.

Benutzt werden Autotüren, Truhendeckel, Fahrradspeichen,

aber auch Häcksler, Rasenmäher,

genauso wie Steinplatten, die Machete, und immer wieder gerne...

...die gute alte Motorsäge.

* lautes Motorsägegeräusch *

Was sind das nun für Menschen, die so etwas tun?

Wissen Sie, was Sie mit dem Geld machen werden?

Wann kommt es denn? - In ein paar Tagen, reine Formalität.

Als erstes zahle ich meine Schulden zurück.

An Sie und an die Bank.

Und dann?

Fahre ich ganz weit weg.

Ganz, ganz weit.

Aber Sie kommen wieder, oder?

Kommt drauf an. - Auf was?

Was die weite Welt mir so zu bieten hat.

* Musik *

Ganz schön großes Haus.

Ja, und im Winter kalt.

Aber ich hänge dran, es gehörte meiner Mutter.

Auf Wiedersehen.

Sie sind der beste Mensch der Welt.

Sagen Sie das mal meinen anderen Mandanten. - Der Allerbeste.

Danke für alles.

Oh.

* Türklingeln *

Frau Prätorius?

Hallo?

* Musik *

* Lachen *

(Frau Prätorius) Oh Gott.

Du siehst gut aus. (Mann lacht)

Verzeihung, ich... (Mann) Warten Sie.

Sie müssen der Anwalt sein, richtig?

Der beste Anwalt der Welt.

Also, meine Frau, die schwärmt immer so von Ihnen, ich...

...könnte direkt neidisch werden.

Kommen Sie, stoßen Sie mit uns an.

Wir haben ja was zu feiern.

Wieso haben Sie das getan?

Wie konnten Sie?

Es tut mir leid, ich... (schnalzt)

Ist doch nur Versicherungsgeld.

Spielgeld.

Natürlich werden wir Sie beteiligen.

Wie klingen 100.000 für Sie? Cash.

Bar?

Steuerfrei?

Leicht verdientes Geld.

Ich kann es einfach nicht glauben, Sie haben hier...

...3 Jahre...

...die trauernde Witwe vorgespielt.

2,5.

Was glauben Sie, wie schwer das für mich war?

Immer allein in diesem Haus, nachts ohne Licht im Garten.

Wie ein Sträfling.

Das war... schlimm.

Aber das ist jetzt vorbei.

Ja.

Das ist jetzt vorbei.

Das ist definitiv vorbei.

Scheiße.

Jonas!

Was hast du gemacht?

Was sollte ich machen? Der hätte uns verraten.

Du hast ihn umgebracht. - Er ist gefallen.

Wo willst du hin? - Einen Arzt rufen.

Bist du bescheuert? Der ist tot.

Reiß dich zusammen!

Schatz.

In ein paar Tagen ist das Geld da.

Und dann sind wir frei.

Er hat dich angegriffen.

Er ist dir hinterher geschlichen und hat dich überfallen.

Und du hast dich gewehrt.

Das war Notwehr.

Ist alles ganz einfach...

Du musst nur das tun, was ich sage, okay?

Ich muss dir jetzt ein bisschen wehtun.

* Musik *

Das passt nicht zusammen. - Was?Das hier, alles.

Er war Anwalt, sie seine Mandantin.

Und er hat heute vor dem Landgericht für Sie einen Prozess gewonnen.

Vor wenigen Stunden.

Und dann gehen die so brutal aufeinander los?

Und was ist mit ihr?

Würgemale, Abwehrspuren am Unterarm. Der Notarzt schreibt den Bericht.

Sie sollte ins Krankenhaus, aber sie will nicht.

Wer hat denn den Notruf getätigt?

Sie, glaube ich.

Wir glauben nicht, wir ermitteln. - Ja.

Stand das so? - Ja.

Sie macht einen Notruf

und stellt das Telefon wieder ordentlich auf die Ladestation?

Vorbildlich, würde meine Mutter sagen.

Merkwürdig, würde meine Mutter sagen.

Ist Frau Prätorius eigentlich inzwischen vernehmungsfähig?

Bis jetzt noch nicht.

* Musik *

Ach, könnte ich mir wohl die Handschuhe... Danke.

Sind Sie fertig mit dem Wagen? Kann ich rein?

Ja, die Spurenlage ist gesichert.

* Bellen *

* Bellen *

(Frau Prätorius) 1/3 haben wir vereinbart, und 1/3 bekommst du.

Das ist mehr als 1 Mio.

Die Hälfte haben wir ausgemacht.

Ohne mich hättest du nichts. - Ich hätte ohne dich was?

Mir verdankst du alles.

Mir verdankst du den besten Job deines Lebens.

Jeder andere Anwalt hätte mehr rausgeholt als du.

Ein elender Versager, das bist du.

Dein Mann war ein Versager, du gieriges Miststück! - Gierig?

Der einzige Gierige, den ich hier sehe, bist du!

So, an die Arbeit, Herr Professor, Ihre Leiche wird kalt.

Der Streit hat im Wagen begonnen. - Was Sie nicht sagen.

Das Handy liegt da, der Schlüssel steckt,

auf der Rückbank die Prozessunterlagen.

Hände weg von den Beweismitteln.

3,5 Mio., da fliegen schon mal die Fetzen.

Würden Sie sich freundlicherweise um Ihre Arbeit kümmern?

Da drinnen liegt ein Anwalt mit einem Loch im Kopf.

Das bestätigt meine Theorie. - Sie haben noch nichts gesehen.

Brauche ich auch nicht.

Dann haben wir ja gleich Feierabend.

Ich habe Sie verstanden.

Die beiden haben im Auto angefangen, sich zu streiten,

sind ins Haus gerannt, haben da auf ihren Sieg angestoßen

und sich danach halb totgeschlagen.

Und vor lauter Vorfreude auf sein Ableben ist der Anwalt dann

über das Geländer der Galerie gesprungen,

hat sich den Speer in den Arsch gerammt und war tot.

Das ist Ihre Theorie.

Nein, so was im Stadttheater und ich würde mein Abo kündigen.

Ich habe mir lediglich erlaubt,

den Tathergang zu rekonstruieren, the bigger picture.

Die Details überlasse ich Ihnen.

Ich gebe Ihnen gleich Details.

Speer durch den Arsch gerammt, ja? Aha.

Über Anatomie müssen wir beide ein Wörtchen reden.

Das war sinnbildlich gemeint.

The bigger picture.

Das erinnern mich an einen Vorfall im Naturkundemuseum Berlin,

das Sie wahrscheinlich nicht kennen.

Ein offener Schnürsenkel,

eine Stufe und aufgespießt von einem Neandertaler-Wurfspeer,

ein Familienvater von 3 Kindern.

Das ist natürlich tragisch.

Ich vermisse den Zusammenhang.

Die Versicherungsgesellschaft unterstellte einen Selbstmord

und weigerte sich, die Lebensversicherung auszuzahlen.

Bis ein begnadeter Rechtsmediziner die Kausalität zwischen offenem

Schnürsenkel und Tod des Mannes zweifelsfrei nachwies.

Nein, ich werde mit Sicherheit nicht fragen,

wie dieser begnadete Forensiker damals hieß.

Ich erinnere den Vorfall nur,

weil der unglückliche Mann 3 Kinder hinterließ,

die mittellos aufgewachsen wären.

Ja, natürlich.

Es ist trotzdem ein beknackter Vergleich.

Weil erstens, in unserem Fall bezahlt die Versicherung.

Und zweitens, ist das hier auf gar keinen Fall ein Unfall.

Der kann eingepackt werden.

Und sie? - Was ist mit mir?

Nicht Sie, die Frau. Hat sie Verletzungen?

Ja, die hat schwer was abgekommen.

Wurde das dokumentiert?

Jaja, der Notarzt hat einen Bericht geschrieben.

Äh...

Hier, bitte.

* Klopfen *

Guten Abend.

Mein Name ist Prof. Boerne.

Ich bin Rechtsmediziner.

Sie brauchen keine Angst haben, das ist Hauptkommissar Thiel.

Guten Abend.

Dürfte ich einmal Ihren Puls fühlen?

* Musik *

Ich würde Ihnen wirklich empfehlen, ins Krankenhaus zu gehen.

Nur zur Beobachtung.

Sie hatten die Polizei gerufen.

Können Sie sich daran erinnern?

Gibt es jemanden, der bei Ihnen bleiben kann?

Nein.

Kann ich noch was für Sie tun?

Etwas gegen die Schmerzen oder zum Schlafen?- Danke.

Ja, also.

Falls irgendwas sein sollte, ich bin draußen, ja?

Versuchen Sie ein bisschen zu schlafen.

Gute Nacht.

(stöhnt leise)

* Musik *

Danke schön.

Sie hat Angst.

Ihre Haut fühlt sich kühl an, ihr Puls ist flach und über 100.

Und sie hat ein Nystagmus. - Was ist das?

So ein Zucken der Augen.

Ich tippe auf SHT.

Sie sollte auf keinen Fall alleine bleiben.

Es wird auf jeden Fall jemand hierbleiben.- Wer?

Vermutlich wieder unser bester Mann.

Oh, Thiel. Ich kann heute wirklich nicht.

Heute kann ich nicht.

Sie glauben doch nicht,

dass sie sich diese Wunden selber zugefügt hat.

Eine Dame hat sich die Hand abgehackt,

um ihr Segelboot zu finanzieren.

Und die ist jetzt Einhandseglerin? - So siehts aus.

Ich kenne einen Professor, der sich Geschichten ausdenkt,

um sich als Kriminalist aufzuspielen.

Ich bin Forensiker.

Was ich sehe, ist eine massive Verletzung durch stumpfe Gewalt

gegen den Hinterkopf eines Toten, dem ein Spieß in der Brust steckt.

Ich bin Bulle seit über 35 Jahren.

Und was ich hier sehe, ist eine misshandelte Frau

mit Abwehrverletzungen, die massiv unter Schock steht.

Und die 0,0 Motiv hat, ihren Anwalt umzubringen,

der heute auch noch den Prozess ihres Lebens gewonnen hat.

Da sind wir uns ja einig. - Ja, völlig.- Absolut.

Ja, gute Nacht.

Träumen Sie mal was Schönes.

Träumen Sie doch selber was Schönes.

* Musik *

Ui, ui, ui.

Gute Nacht, Vaddern.

Könnt ihr nicht woanders hinglotzen?

* Musik *

(schnarcht)

* Ploppen * (Frau Prätorius schreit auf)

(Weintraub) Cheers. (Frau Prätorius) Cheers.

Die Hälfte, wenn wir gewinnen, so wars abgemacht.

Fifty-fifty.

Wie wäre es mit einer kleinen Anzahlung?

Nein.

(er stöhnt)

* Aufspießgeräusch *

* Musik *

Glaube ich nicht.

Weintraub war integer, brillant, kämpfte für seine Mandanten.

Und hat dem Fürsten der Finsternis in den Arsch getreten,

wenn es Not tat.

Selbstverständlich können Sie das drucken.

Wo ist Thiel?

Der muss jeden Moment hier sein.

Haben Sie das der Presse gesteckt? - Was?

Dass einer der besten Anwälte von Münster

seine Mandantin überfällt,

nachdem er ein großes Verfahren für sie gewonnen hat.

Ich stecke niemandem irgendetwas.

* Telefonklingeln * Schrader?

Ah, Herr Professor.

Nee, Thiel ist noch nicht da, aber die Frau Staatsanwältin ist hier.

Ja, mache ich.

Ich soll Sie herzlich von Prof. Boerne grüßen.

Bringen Sie mir umgehend eine Tasse Kaffee ohne Milch und Zucker.

Ja, umgehend.

Danke schön.

Guten Morgen.

Wie gehts Ihnen heute Morgen? - Besser.

Danke, dass Sie da geblieben sind.

Klar, das gehört ja mit zu meinem Job.

Ach du Scheiße.

Können Sie sich heute vielleicht erinnern,

was hier gestern passiert ist?

Nein.

Sie haben ja anscheinend Champagner getrunken mit Ihrem Anwalt.

Ich erinnere mich an nichts mehr.

Was ist denn das Letzte, was Ihnen jetzt noch einfällt von gestern?

Wir sind aus dem Gericht,

ich habe geweint vor Glück, wir haben uns umarmt.

Weintraub hat mich gefahren, dann haben wir uns verabschiedet,

und ich bin ins Haus.

Wie, und er ist im Auto sitzengeblieben, oder...- Ja.

Ja, aber wie konnte es denn sein, dass er...

Ich weiß nichts mehr.

Cheers. - Cheers.

Die Hälfte werden wir gewinnen, so war es abgemacht.

Fifty-fifty.

Wie wäre es mit einer kleinen Anzahlung?

(Weintraub stöhnt)

(Weintraub schreit)

* Aufspießgeräusch *

Schwachsinn.

Wie bitte?

Sagen Sie, Ihr Anwalt, hat der vielleicht mal...

Hat er Ihnen Avancen gemacht?

Geschenke, Aufmerksamkeiten?

Nein, er war gut zu mir, er war der beste Mensch der Welt.

Sie hatten keinen Streit? - Im Gegenteil.

Er war der Einzige, der mir geglaubt hat.

Mein Mann, Jonas, hatte einen Traum.

Diese Sammlung ist sein Vermächtnis. Sein Geschenk an mich.

Er hat mir von überall Geschenke mitgebracht.

Seine Expedition war alles für ihn.

Und mein Mann war alles für mich.

Ich habe das Haus verpfändet und den Schmuck verkauft.

Und ich habe es gern gemacht. Und Jonas konnte seinen Traum leben.

Und das hat Weintraub verstanden und...

...und hat zu mir gehalten.

Das Haus hier gehört Ihnen alleine?

Inzwischen gehört es der Bank.

Ja dann, vielen Dank für Speis und Trank.

Ach, eine Frage habe ich noch.

Sie haben vorhin so von Ihrem Anwalt geschwärmt.

Kann es sein, dass sie ein bisschen in ihn verliebt waren?

Ich liebe meinen Mann.

Ja, klar. Verstehe.

Aber der ist ja nun schon etwas länger...

Ich liebe immer noch den Mann, der er mal war.

Ja, natürlich.

Falls Ihnen noch irgendwas einfallen sollte,

dann rufen Sie mich an, ja?

Jederzeit.

Tschüs.

* Klopfen *

Hey.

Wie gehts dir, mein Schatz?

Tut das noch sehr...

...weh?

Was hast du der Polizei gesagt? - Nichts.

Gut.

Setz dich.

Wir haben alles richtig gemacht.

Wir haben an alles gedacht. Wir haben nichts vergessen.

Wir hatten gewonnen, Doreen.

Wir hatten gewonnen.

Und du holst diesen Mann ins Haus.

Der ist mir nachgelaufen.

Ich hab den Ordner vergessen, er hat ihn mir hinterhergebracht, weil...

...er ein guter Mensch war.

Warum hast du die Tür nicht zugemacht? - Hab ich.

Aha.

Ich hab mich so gefreut, dass das alles vorbei ist.

Doreen.

Es sind nur noch ein... paar Tage.

Ein paar Tage, bis das Geld kommt.

Damit kommen wir niemals durch, Jonas.

Was?

Wir haben die Pässe und wir haben einen Plan.

Einen sehr guten Plan.

Du hast die Flasche von hinten auf den Kopf geschlagen.

Das ist keine Notwehr.

Die Polizei ist nicht blöd, das glauben die mir nicht.

Lass die glauben, was sie wollen.

Doreen, du...

Du stehst unter Schock.

Du bist das Opfer, du hattest einen Filmriss.

Du weißt nichts mehr.

Und egal, was die denken und herausfinden, du darfst nicht reden.

Ein falsches Wort von dir bringt uns ins Gefängnis.

Und ich hab nicht umsonst 3 Jahre in diesem...

...Loch vegetiert.

2,5.

* Tür wird geöffnet *

* Tür wird geschlossen *

Ja, ziehen. Ziehen, Alberich.

Langsam. - Ich zieh doch.

Leicht drehen. Im Uhrzeigersinn.

Im Uhrzeigersinn.

Alberich, wohin drehen Sie? - Im Uhrzeigersinn.

Sag ich ja, dann...

Drehen und langsam.

Jetzt, jetzt.

(beide ächzen)

Gut. - Puh.

Die Wunde an Weintraubs Hinterkopf stammt von einem Schlag

mit einem stumpfen Gegenstand, rechtshändig geführt.

Die Champagnerflasche. - Wahrscheinlich.

Aber es war ein mächtiger Schlag für eine so zierliche Frau.

Na ja, wenn er sie zuerst geschlagen hat...

Womit? Mit diesen Händen?

Schauen Sie sich die an.

Das sind makellos manikürte Finger.

Das sind gepflegte Juristenfinger.

Ohne Wunde, ohne irgendwelche Spuren eines Kampfes.

Wenn er Handschuhe getragen hat, wo sind sie?

Ja, sie hat sich die Wunden selber zugefügt.

In meiner langjährigen Praxis als Sachverständiger...- Boerne, bitte!

Wie soll der Anwalt auf dem Indianer gelandet sein?

Ist er gesprungen? - Indianer sagt man nicht.

Bitte?

Das ist eine rassistisch diskriminierende Fremdbezeichnung

aus der Kolonialzeit.

Dann eben Winnetou. Darf man Winnetou noch sagen?

Ich würde es nicht machen.

Frau Prätorius ist eine zierliche Frau und nicht in der Lage,

einen 80 Kilo schweren Weintraub derart zu beschleunigen.

Wieso nicht? Die war wütend. - Eben.

Gut und schön. Aber Wut hebelt nicht die Gesetze der Physik aus.

Das sollten Sie wissen.

Also, wenn ich so richtig wütend bin, dann...- Was ist dann?

Dann entwickle ich Riesenkräfte.

Wirklich?

Dann kommen Sie mal her, dann schubsen Sie mich

mit Ihren Riesenkräften.

Ich bin aber nicht wütend. - Doch.

Ich bin wütend? - Ja, und wie.

Gibs mir, Baby. Das ist Ihre Chance.

Alberich gegen die Gesetze der Physik.

Und wenn ich Ihnen wehtue?

Das ist unmöglich, Alberich...

Okay, okay, okay. - Na los.

Oh Gott, Herr Professor?

Wow, so viel Kraft in so wenig Physik.

Hab ich Ihnen wehgetan? Entschuldigung.

Kann ich es noch mal sehen?

Der Anfang war etwas unscharf.

Das reicht.

Na schön, sie kann ihn also übers Geländer gestoßen haben.

Aber die Wunde am Hinterkopf, die mit der Champagnerflasche,

könnte sie das gewesen sein?

Das finden wir heraus. Wo ist die Flasche?

* Handyklingeln * Ja, Thiel?

Aha.

Ja, nee, wunderbar. Danke, Wiederhören.

Die Fingerabdrücke auf der Flasche sind eindeutig ihre?

Ja, logischerweise.

Sie hat den Champagner gekauft, hat ihn in den Kühlschrank gestellt,

hat ihn da wieder rausgeholt.

Ihn aufgemacht, ihn eingeschenkt.

Also sind natürlich ihre Fingerabdrücke da drauf.

Wann hat Sie die Polizei angerufen?

Gestern Nacht um 21:45 Uhr.

Und es waren ihre blutigen Fingerabdrücke auf dem Telefon.

Das können wir uns anhören.

(Frau) Polizeinotruf Münster, was ist Ihr Notfall?

Hallo, sind Sie am Apparat?

(Frau Prätorius leise) Bitte kommen Sie.

Ich brauche Hilfe.

Hat Weintraub sie erpresst? Wollte er an das Geld?

Hat er versucht, sie zu vergewaltigen?

Ich habe sie das alles gefragt, aber...

Sie redet von ihm wie von einem Heiligen.

Ich meine, wer bringt denn bitte schön seinen Wohltäter um?

Brutus hatte sein Leben Cäsar zu verdanken und hat ihn erstochen.

Das nebenbei.

Um diese Frau zu verstehen, müssen wir uns ihr Haus anschauen.

Das haben wir.

Alle Räume? - Ja.

Das ist stumpfe Polizeiarbeit, Herr Professor.

Schön, schön. Was haben wir gesehen?

Das haben Sie selber gesehen.

Diese ganzen grausamen Fratzen und Masken.

Dieses ganze Gedöns, das ihr toter Mann mitgebracht hat.

Und ansonsten war da alles völlig normal.

Bett, Schrank, Tisch, Stuhl.

Obwohl...

Also, das Einzige, was ich nicht gesehen habe,

ist irgendwas von ihr.

Stimmt, da war nichts Persönliches von ihr in diesem Haus.

Sie lebt im Horrormausoleum Ihres Ehemanns.

Der hat absolute Macht über Sie.

* Musik *

Hier ist noch was, Schatz.

* Musik *

Bitte schön. - Ja, danke.

Mehr haben Sie nicht zum Fall Prätorius?

Natürlich, wollen Sie mehr?

Ich will nicht, aber ich muss.

Glauben Sie wirklich, Oskar Weintraub

überfällt seine Mandantin am Tag seines größten Triumphes?

3 Jahre hat er für sie gekämpft.

Was meinen Sie?

Das ist absurd.

Oskar hat pro bono für Sie gearbeitet, Tag und Nacht.

Er wollte gewinnen, für Sie.

Und wieso war er so uneigennützig?

Schauen Sie in die Prozessakten.

Ihr Ehemann war ein Vampir.

Er hat seine Frau ruiniert und ausgesaugt bis zum Letzten,

während sie ihre Mutter gepflegt hat, bis sie verstorben ist.

Das Einzige, was er hinterlassen hat,

war eine Lebensversicherung.

Die hat natürlich sie bezahlt.

Hat Herr Weintraub ein Verhältnis mit ihr gehabt?

Das würde mich sehr wundern.

Wieso?

Oskar und ich...

Ich bin Angestellter, deshalb war es nicht offiziell, verstehen Sie?

Verstehe.

Oskar war mein Leben.

Und ich war seins.

* Musik *

Weintraubs Fingerabdrücke fanden sich im ganzen Haus

gerade mal 2-mal.

Einmal an der Haustür, einmal am Treppengeländer.

Und am Glas? - Keinerlei Spuren.

Entsprechend ergab der post mortem durchgeführte Befund

seines Blutalkoholspiegels präzise 0,000 Periode.

0,000?

Wie kann das sein?

Ich gehe davon aus,

Doreen Prätorius hat den Champagner alleine gesöffelt.

Es war doch noch jemand im Haus. - Wer denn?

Jemand. Groß und stark genug, Weintraub übers Geländer zu stoßen.

War mir von Anfang an klar. - Ist klar.

Wie auch immer,

wir haben keinerlei Fremdspuren im Haus gefunden, oder?

Wurde danach gesucht?- Jetzt fangen Sie auch noch damit an.

Selbstredend, Frau Haller.

Alberich.

4 Jahre mit mir haben Ihre kognitiven Fähigkeiten

enorm geschärft.

Danke Herr Professor.

Ich war so unwissend, bis Sie mich erleuchtet haben.

Nicht der Rede wert.

Bleibt die Frage,

war zum Zeitpunkt des Geschehens jemand im Haus?

Und wenn ja, wer?

* Bellen *

* Musik *

* Musik hört auf *

* Musik *

(ächzt)

* Musik *

Jetzt brat mir aber einer einen Storch.

* Musik *

* Türklingeln *

* Musik hört auf *

Wussten Sie, dass Ihr Winnetou Vielflieger war?

Mein Winnetou?

Die Kriegerfigur stammt aus einem Souvenirshop am Chicagoer Flughafen.

Was hab ich gesagt? Gedöns.

Oliven, Transfette, Chorizo, E 401, 2 und 3, Mozzarella,

Emulgatoren, Kapern.

Woher...

Steht auf den Verpackungen, die aus Ihrer Mülltonne quellen.

Haben Sie wieder in meinem Müll nach Pfandflaschen gesucht?

Dieser Möchtegernforscher Prätorius

hat tatsächlich alle Artefakte für seine Sammlung

in irgendwelchen Souvenirgeschäften zusammengekauft.

Bitte, bitte, das tun Sie doch nur, um mich zu quälen.

Das schmeckt mir sonst nicht.

Und zu Hause macht er seiner Frau vor,

dass er der Indiana Jones von Münster ist.

Indianer sagt man nicht mehr, das ist pfui.

Das ist doch ein Eigenname.

Er hat auf diese Weise mehr und mehr Geld aus ihr herausgepresst.

Und als das Geld alle war, dann...

Versicherungsbetrug, schon klar.

Mögen Sie keine Ananas? - Nicht aus der Dose.

Und nicht mit Chorizo und Kapern. - Ich fass es nicht.

Prätorius hatte keinen Schulabschluss, keine Ausbildung,

keine Altersvorsorge.

Wozu auch?

Und hat jahrelang als Nachtwächter im Archäologie-Museum gearbeitet.

Da hat er sich fortgebildet und danach Depotverwaltung.

Was macht man da?- Wahrscheinlich Schädlinge bekämpfen.

Das ist der größte Feind der Konservierung, der Museumskäfer.

Im Museum haben die beiden sich auch kennengelernt.

Er hat ihr den großen Forscher und Sammler vorgespielt,

und sie war schwer beeindruckt.

Ein halbes Jahr später haben die auf Ko Samui geheiratet.

Waren Sie schon mal auf Ko Samui? - Ja, aber nicht zum Heiraten.

Was, wenn Sie Ihren Mann umgebracht hat?

Warum sollte sie? - Wegen des Versicherungsgelds.

Sie hat ihn getötet.

Im Amazonas?

Nein, nein, nein, nein.

Ganz konventionell, zu Hause.

Ja, aber verschollen ist er doch am Rio schlag mich tot.

Wie hieß denn das?

Nicht unbedingt. Die Umstände sind dubios.

Vielleicht war er hier.

Die beiden wollten zusammen die Versicherung betrügen,

aber sie hatte einen anderen Plan.

Was für einen Plan?

Ich habe gemerkt, dass die Masken gefälscht sind.

Der Schweinehund hat mir alles genommen und mich betrogen.

Ich bin gutmütig, aber nicht blöd.

Ja, aber es macht ja keinen Sinn,

dass sie dann auch noch ihren Anwalt umbringt.

Meine Frau ist zu allem fähig.

Sie tut nur so, als sei sie nett und naiv.

Dabei ist sie schlau und voller Hass.

So war es nicht.

Trotzdem, irgendetwas an seinem Verschwinden ist faul.

Ich werde mir noch mal die Beweise durchschauen

und uns Transparenz verschaffen.

Wenn Sie schon meine Arbeit übernehmen,

können Sie den Bericht schreiben. - Gute Nacht.

* Handyvibrieren *

Ja?

Guten Morgen Frau Prätorius.

Hier ist Collin Fiebler von der Kanzlei Weintraub.

Das Geld ist da. Die Versicherung hat überwiesen.

Die volle Summe?

Plus Zinsen.

4 Mio. Euro.

Es...

Es tut mir schrecklich leid, was passiert ist.

* Musik *

Das Haus hat Frau Prätorius von ihrer Mutter geerbt

und schon im 1. Jahr der Ehe eine Hypothek darauf aufgenommen.

Dann kamen Jahr für Jahr weitere Kredite hinzu,

mit denen sie die Reisen ihres Mannes finanziert hat.

Summa summarum? - Eine fette Million.

Ja, und als sie dann pleite war,

ist ihr Mann auf tragische Art und Weise ums Leben gekommen.

Aber natürlich erst, nachdem sie für ihn eine Lebensversicherung

in Höhe von 3,5 Mio. Euro abgeschlossen hat.

Das Gericht hat entschieden, es war kein Betrug.

Hätte man mich konsultiert, wäre das Urteil anders ausgefallen.

Aber ich kann nicht überall sein.

Was auch etwas für sich hat.

Beweisstück Nr. 21 aus dem Prozess

Doreen Prätorius gegen die Versicherungsgesellschaft

Atlas Secura.

Dieses kurze Video enthält das letzte Lebenszeichen

ihres Mannes Jonas Karl Prätorius.

Aufgenommen wurde es im November 2021

am Rio Negro im Südosten von Venezuela.

Wollen Sie rüberkommen?

Wo ist denn jetzt das...

Oder so.

So, der Jäger des verlorenen Gedöns.

Film ab.

Hey mein Schatz. Alles Gute zum Geburtstag.

Hier vom Rio Negro,

wo schon Humboldt war und die wilden Orchideen blühen.

In ungefähr einer Stunde fahre ich flussabwärts zum Tafelberg.

Der Legende nach gibt es da Dinosaurier.

Wenn das stimmt, bringe ich dir einen mit.

Wenn alles gut geht, bin ich Weihnachten zu Hause.

Ich küsse dich. Tschüs.

Da will ich Urlaub machen.

Sehen Sie die Wolke da? - Ja.- Das sind Mücken.

Okay. Weiter.

Hören wir uns den Anfang an.

Also, der ganz vorn.

Vorn, vom Anfang. - Ja, kleinen Moment.

Und los.

* Balzruf * Hey mein Schatz. Alles Gute zum Geburtstag.

Haben Sie es gehört?

Der lustige Vogel da im Hintergrund?

Das ist ein Kookaburra.

Heimisch in Australien, Tasmanien

und neuerdings auch in Neuseeland.

Sein Balzruf...

(imitiert den Balzruf)

...von Januar bis Juni, nicht im November.

Und definitiv nicht in Venezuela.

Sind Sie sicher?

Leistungskurs Ornithologie.

Der Professor kann sogar fliegen. Wollen Sie es sehen?

Und was bedeutet das hier?

Tja, das bedeutet, dass das Video ein Fake ist.

Soll das heißen, dass der Kerl noch lebt?

* Glockenläuten *

* Musik *

(Frau Prätorius) Ich habe meine Freunde belogen.

Ich habe die Polizei belogen.

Ich hab mich selbst belogen.

Mein Mann und ich sind Verbrecher, wir haben einen Menschen getötet.

Mein Mann liebt mich nicht mehr.

Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt lieben kann.

Doch, er liebt Dinge.

Tote Dinge, die er sich an die Wand hängen kann.

* Musik *

Was ist, wenn sie nicht weiß, dass er lebt?

Wird sie wahrscheinlich blöd aus der Wäsche gucken.

Schau mal an.

Vielleicht wohnt er ja hier, unser Kukurukuku.

* dumpfes Trittgeräusch *

* Musik *

(Schrader) Chef, die Tür ist auf. - Los, rein da.

* Musik *

Bleiben Sie mir ja mit diesem Ding vom Leib.- Ja.

* Musik *

(schreit)

Sind Sie bekloppt geworden? - Ich dachte, das war...

Das war verdammt knapp.

Ich hätte tot sein können. - Tut mir leid...

Hören Sie auf zu jammern, raus hier.

Raus, raus, raus.

Jetzt kündige ich. - Quatsch.

Ich muss das melden, da fehlt eine Kugel.

Dann kriegen Sie ja eine von mir.

Und jetzt Schnauze, das bleibt unter uns, klar?- Ja.

Ich möchte bitte ein Geständnis machen.

Moinsen.

So. Bitte schön.

Danke.

Erzählen Sie mir doch bitte mal,

was passiert ist,

nachdem Sie mit Ihrem Anwalt an Ihrem Haus angekommen sind.

Wir sind zusammen ins Haus.

Und direkt hoch auf die Galerie zum Arbeitsplatz meines Mannes,

um dort auf unseren Sieg anzustoßen.

Wir haben da Champagner getrunken.

Moment, hat Ihr Anwalt auch Champagner getrunken?

Ja, ein, 2 Glas. - Mhm.

Und dann hat er mich angefasst, mich gedrückt und bedrängt.

Ich habe mich gewehrt,

woraufhin er mich ins Gesicht geschlagen hat, mit der Faust.

Mich fest am Arm gepackt und hinter sich hergezogen.

Ich habe die Flasche gegriffen und zugeschlagen.

Mit welcher Hand haben Sie den Schlag geführt?

Bitte.

Mit rechts.

Würden Sie kurz aufstehen?

Danke.

(räuspert sich)

Und die Flasche.

Wo stand die?

Dicht am Geländer.

Also da. Und Sie waren... - Im Gang.- Im Gang.

Und die Abstände stimmen so?

Ja. - Wo hat er Sie gepackt?

Am Handgelenk, kurz drunter.

So? - Ja.

Dann hat er Sie hinter sich hergezerrt.- Ja.

Greifen Sie nach der Flasche.

Noch mal.

Ich weiß jedenfalls nur noch, dass ich zugeschlagen habe.

Davon ist er getaumelt und übers Geländer gestürzt.

Ich habe mich nur... - Sie...

...haben ihn nicht gestoßen?

Das weiß ich nicht mehr.

Ich habe mich verteidigt.

Das war Notwehr. Und es tut mir wahnsinnig leid.

Und sonst war niemand im Haus?

Wer denn?

Keine Ahnung. Vielleicht ein Nachbar, ein Freund.

Ich habe keine Freunde, ich habs mir mit allen verdorben.

Unsere Ehe hat alles überschattet.

Und dieser Schatten, existiert der noch?

Frau Prätorius, wo ist Ihr Mann?

Ist er hier in Münster? Oder wo hält er sich versteckt?

Wie nimmt er Kontakt auf?

Er ist gestorben, die Versicherung hat gezahlt.

Jetzt hören Sie auf mit Ihrer Lügerei!

Ihr Anwalt, Weintraub, war homosexuell.

Der lebte mit einem Mann zusammen.

Er war auch nie gewalttätig.

Was haben Sie selbst über ihn gesagt?

"Er war einfach nur gut zu mir."

Ich sag nichts mehr. Ich möchte bitte einen Anwalt.

Noch einen?

Wussten Sie, dass die Sammlung Ihres Mannes nicht authentisch ist?

Wie meinen Sie das?

Lauter wertloses Zeug.

Zusammengesammelt, auf der Welt, auf Marktplätzen, in Souvenirshops.

Das ist ein Polizeitrick. - Das ist kein Trick.

Das ist alles dokumentiert. Sehen Sie?

Made in China.

Warum sollte er das tun?

Damit Sie weiter an sein Märchen vom großen Schatzsucher glauben.

Was hat er denn dann gemacht die ganze Zeit, wenn er weg war?

Urlaub.

Er hat die ganze Welt bereist.

Auf Ihre Kosten.

Ja gut, vielleicht war das alles so.

Ich sage nichts mehr, es war Notwehr.

Nehmen Sie mich bitte fest.

Notwehr ist keine Straftat.

Dafür kann ich Sie nicht verhaften.

Sie können jetzt gehen, danke.

Ach, Frau Prätorius, eine Frage habe ich noch.

Wenn es Notwehr war, warum tut es Ihnen leid?

* Musik *

* Musik wird lauter *

(Frau Prätorius schreit)

(atmet schwer)

Aha.

Du rauchst wieder.

Steht dir überhaupt nicht.

Das Geld ist da.

Echt?

Wie viel? - 4 Mio.

Schau nach.

(Jonas lacht schnaufend) Wir haben es geschafft.

Doreen, wir haben es...

...geschafft.

Eine Million ist für mich.

Ja klar.

Ist ja auch dein Geld.

* Error-Geräusch *

Hast du das Passwort geändert?

Eine Million ist für dich, der Rest geht an Weintraubs Erben.

Weintraubs Erben, klar. Bist du irre?

* Error-Geräusch*

Wie ist das Passwort? - Das sind wir ihm schuldig, Jonas.

Einen Scheiß sind wir dem schuldig.

Du gibst mir dieses Passwort!

Schlag mich. Die Polizei freut sich.

Oh.

Wir sind beide am Ende, Doreen.

Ich drehe durch da unten.

(flüstert) Verzeih mir.

Das da unten ist die Hölle, glaub mir.

* Musik *

* Vogelzwitschern *

Zur Münsteraner Bank, bitte.

* Musik *

Sind Sie in Schwierigkeiten, junge Frau?

Wenn ich sagen würde, ich bin die Treppe runtergefallen,

würden Sie das glauben?

Wenn Sie das sagen, natürlich.

Glauben Sie das denn auch?

* Musik *

Würden Sie auf mich warten? - Aber klar.

Oh, das ist zu viel. - Falls es ein bisschen länger dauert.

Danke sehr, junge Frau.

Sie ist in der Bank.

Das Taxi wartet, ich stehe 5 m dahinter.

Ja, das sehe ich. - Was?

Wo sind Sie?

Hinter Ihnen.

Sie können jetzt Pause machen. Wir übernehmen ab hier.

Stuporöses Warten, das ist unter meiner Gehaltsklasse.

Wer wollte denn unbedingt mitfahren?

Sie haben kein Auto.

Ich habe auch nicht Ihre Gehaltsklasse.

Ich möchte alles abheben, was auf meinem Konto ist. - Mhm.

Das sind 4 Mio.

* Musik *

Fast 30 min.

Räumt die da die ganze Bank leer, oder was?

Ich habe Wichtigeres zu tun. - Ach ja, was denn?

Alles ist wichtiger als das hier.

Bin gleich wieder da.

Vaddern?

Frankie, mein Goldjunge, was machst du hier?- Arbeiten.

Ich auch. Ich warte auf die reizende junge Dame.

Hat mir einen Fuffi gegeben, sagte, es dauert länger.

Kommst du zum Abendessen? - Was gibts denn?

Rouladen mit Rotkohl. - Was machst du dazu?

Mit Klößen.

Bin ich dabei.

* Musik *

Wo ist sie hin?- Die Dame hat unseren Personalausgang genommen.

Sie hatte eine große Summe Bargeld dabei.

Du kriegst die Tür nicht zu. - Die schließt automatisch.

* Musik *

Sie hat uns bemerkt.

Weil Sie es nicht drauf haben, jemanden zu verfolgen.- Ich?

Die Dame ist weg, kannst schon mal die Rouladen wickeln.

Was möchtest du zum Nachtisch, Eis?

Nix. Alles gut.

Passt noch.

Ähm, wie viel ist das?

20.000.

Das ist alles? Mehr hast du nicht geholt?

Sie hatten nicht mehr, da hätte man anrufen müssen.

Scheiße.

Komm, lass uns verschwinden.

Ich komm nicht mit.

Dori, keine Witze jetzt.

Ich komme nicht mit.

Hör auf mit dem Scheiß! - Ich komme nicht mit!

Ich schick dir das Geld, wohin, da wo du auch bist.

So wie immer.

(stöhnt) Oh Gott.

Gut, Schatz.

Dann erzähl mir, was du vorhast.

Was hast du denn vor?

Ich weiß es nicht. - Ich sags dir.

Die stecken dich ins Gefängnis. - Okay.

Fein für mich.

Doreen.

Doreen.

Doreen, du bleibst! Du bleibst jetzt hier, du...

(sie atmet zitternd)

Ich flehe dich an, Doreen, bitte.

Lass mich jetzt nicht allein.

Nach all den Jahren, bitte.

Das hier ist alles für uns.

Verstehst du?

Für unser gemeinsames Leben.

Gemeinsames Leben?

Wir hatten keins.

Nie.

Es war immer nur dein Leben.

Immer nur deins.

Deine Sorgen, deine Erfolge. Immer nur deins, deins, deins.

Das Einzige, was von mir war, war das Geld.

* Musik *

Mich verlässt niemand.

Niemand.

* Musik *

(Doreen würgt)

(flüstert) Weg da.

Hallo?

(flüstert) Vorsicht.

Wäre das ist nicht ein guter Moment, das SEK zu rufen?

Das Senioreneinsatzkommando ist doch schon da.

Wow.

Ich fasse es nicht. - Na, da schau her.

Kein Wunder, dass wir keine Spuren...- Hier...

Hey! Hey! Hey!

Aufmachen!

(beide ächzen)

Das ist aussichtslos, sparen Sie sich Ihre Kräfte.

So eine Scheiße!

Wie blöd sind wir?

Ich habe gesagt, lassen Sie uns das SEK rufen.

Sie waren dagegen.

Hat die uns reingelegt.

Woher wollen Sie wissen, dass sie das war?

Bitte schön. Kein Netz, ist ja klar.

Hier nicht, da nicht und hier auch nicht.- Scheiße, ich auch nicht.

Regel Nr. 1, Ruhe bewahren.

Ganz toll.

Und Regel Nr. 2?

Regel Nr. 2: Licht anmachen.

Und Luftquelle finden.

Au! - Vorsicht.

Vielleicht gibt es ja hier irgendwo ein Notstromaggregat.

Die Lage ist ernst.

Was Sie nicht sagen.

Die Lage ist todernst.

Ich habe für heute Abend Logenkarten.

Madame Butterfly, mehr sag ich nicht.

Das kann ich auf keinen Fall verpassen.

Wer geht denn freiwillig mit Ihnen in die Oper?

Wir sind zu dritt. Der Karl, der Friedrich und der Boerne.

* Musik *

Das ist die elektrische Lüftung.

Die hat keinen Strom.

Da ist die Notbelüftung.

* Pusten *

Hallo?

Da kommt nichts raus.

Na toll.

Und jetzt verpasse ich meine Ouvertüre.

Was meinen Sie?

Ist das eher ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.

Ich sehe endlose dunkle Abende vor mir.

Mit Konservenmischgemüse und Mineralwasser ohne Kohlensäure.

Nur wir 2. - Hatten wir das nicht schon mal?

Ja, aber nicht mit so vielen Konserven.

Albtraum.- Und es gibt auch gute Nachrichten.- Ja?

Welche? - Wir haben Ananas.

* Musik *

Was ist das für ein Auto?

Wohin fahren wir? - Es läuft nach Plan, Doreen.

Alles nach Plan.

* Musik *

Ist das sein Auto?

Bist du verrückt geworden? Der holt die Polizei!

Die ist schon bei ihm. - Was?

Deine Freunde von der Polizei, die haben dich gesucht.

Die sind runter in den Bunker gerannt wie die Lemminge.

Ist gut, verschafft uns Zeit.

Du bist verrückt geworden.

Mach dir keine Sorgen, die kommen schon wieder raus.

Kann halt eine Weile dauern.

Hey!

* Autoreifen quietschen *

* Klirren *

(summt)

Boerne, bitte. Ist anstrengend genug hier unten.

Es läuft gerade der 2. Akt.

Wieso haben solche Arschlochtypen immer die tollsten Frauen?

Das möchte ich auch mal wissen. - Oder?

Ich meine, wenn ich so eine Frau hätte, die so für mich kämpft,

die sich für mich opfert, die immer für mich da ist,

egal, was ich getan habe oder was passiert, dann...

Sie hat uns hier unten eingesperrt.

Quatsch, das war er.

Ja, der hat uns mit dem Schuh

und ein paar Tropfen Blut in die Falle gelockt.

Also, wir haben keine Ahnung,

wie lange wir hier unten noch schmoren, bis wir ersticken.

Aber Sie verlieben sich in die Hauptverdächtige?

Das ist nicht besonders professionell.

Ich kann Sie gut verstehen, das ist alles.

Warum werden Sie rot?

Das sind die Lampen.

Ja. Ja, jetzt sehe ich es auch.

(Frau Prätorius stöhnt leise)

* Musik *

Jonas?

* Husten *

* Musik *

(Herr Prätorius röchelt)

(Herr Prätorius röchelt)

* Musik *

Ja.

Ja, weibliche Person, kardiokoronal stabil, ansprechbar.

Männliche Person verstorben.

* Handyvibrieren *

Ja?

(Schrader) Der Professor hatte einen schweren Unfall.

Was? Was ist passiert?

Sein Pkw ist auf der Landstraße verunglückt.

Totalschaden. - Was?

* Nachrichtenton *

* Musik *

Sowohl Thiels als auch Boernes Handy waren hier eingeloggt.

Dann haben beide abgeschaltet.

Ist da ein Funkloch? - Nein, ich habe vollen Empfang.

Dann finden Sie sie! - Ja.

(Alberich) Herr Professor!

* Schnarchen *

* Rumpeln *

(schnarcht)

* Rumpeln *

Hallo?

* Rumpeln *

Mann, Boerne.

Versuchen Sie, sich ruhig zu verhalten.

Und so wenig wie möglich zu atmen.

Halleluja.

Jetzt ist es zu spät.

Jetzt ist Madame Butterfly vorbei.

Moment, Boerne, Moment.

Das könnte ein Trick sein.

Wer weiß, wer gleich vor der Tür steht.- Guter Punkt.

Gehen Sie in Deckung, Boerne.

In Deckung.

Stehenbleiben! - Oh Gott.

Oh, Entschuldigung.

Willkommen auf der Erde.

Ich habe mich lange nicht so gefreut, Sie zu sehen.

Ich... Vorsicht.

Ich nehme Ihnen das mal ab.

Jetzt aber raus hier.

Raus, raus, raus, raus, raus.

* Musik *

Er ist verblutet.

Auf die gleiche Weise wie Weintraub.

Tja, schlechtes Karma.

Ganz schlechtes Karma.

Waren Sie das, die uns da unten im Bunker eingesperrt hat?

Nein, das hab ich nicht gewusst.

Er hat es mir gesagt, als wir im Wagen saßen.

Dann habe ich ins Lenkrad gegriffen und meinen Mann umgebracht.

Sie?

Aber Sie hätten selbst dabei sterben können.

Sehen Sie mal, ich kriege nichts richtig hin.

Dafür übernehme ich die Verantwortung.

Aber nicht mehr für ihn.

Wir wollten frei sein.

Jetzt sind wir frei.

(Mann) Können Sie mitkommen, bitte?

Sie bewundern sie immer noch, was, Thiel?- Ach.

Na ja, als sie erfahren hat, dass wir im Bunker eingeschlossen waren,

hat sie ins Lenkrad gegriffen.

Schauen Sie sich es an.

Der schöne Wagen, war ein Schmuckstück.

Jetzt muss ich Schrott zurückgeben.

Wie, zurückgeben?

Der war ja nur geborgt. Zum Glück.

Meiner ist noch in der Werkstatt.

Boerne, glauben Sie mir, es gibt Dinge auf der Welt,

die man sich nicht borgen kann.

Oh, der Philosoph? Welche?

Eine Frau fürs Leben z.B.

* Musik *

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