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Au. Ah.
Franz, es gibt Menschen,
die sich um so was kümmern.
Die heißen Zahnärzte. Lustig, wirklich lustig.
Ich hab übermorgen einen Termin.
"Gewaltprävention im Dienst".
Hast du jemanden verprügelt oder warum schicken die uns dahin?
Und hol dir gleich einen Kaffee.
Sobald du im Auto sitzt, musst du Kaffee saufen.
War die Kollegin Winters bei Ihnen? Die nehmen Sie mit auf den Lehrgang.
Die läuft ein paar Wochen mit, bevor Sie in Würzburg anfängt.
Wie, mitlaufen? Sie haben die meiste Erfahrung.
Ich muss Sie in die Ausbildung miteinbeziehen.
Herr Brandner, können wir darüber reden?
Hallo. Julia Winters.
Franz Leitmayr. Ivo Batic.
Hast du einen Schlüssel? Ich fahr. Du hast doch Zahnweh.
Das ist weg.
Möchte einer von Ihnen? Die sind echt lecker.
Nein, danke. Zahn.
Ich kann. Und "Sie" gibt es hier nicht.
Ich bin der Ivo und der da hinten ist der Franz.
Julia. Wisst ihr, wo man hier Kaffee kriegt?
Klar, ich nehm auch einen. Franz? Heuchler.
Was? Nix.
Geht's, Franz?
Anfrage von der Isar.
Ein brennender Pkw zwischen Weißenfeld und Vaterstetten.
Isar für Isar 43. Wir wären in der Nähe von Weißenfeld.
Isar 43, wir bestätigen. Feuerwehr rollt.
War das jetzt falsch?
Brennende Autos sind nicht so unser Aufgabengebiet.
Das überlassen wir der Streife. Ja.
Es tut mir leid.
Ich sag es ja, das ist nichts für uns.
Schön, Ivo. Viel Erfolg damit.
Da ist noch jemand drin.
Alles okay?
Ja, alles okay.
Da ist nix mehr zu retten. Das überlebt keiner.
Da ist einer. He, hallo, Sie da!
Wo? Da bei dem Fenster. Da war einer.
Hallo? Kommen Sie bitte raus.
Hallo?
Hallo.
Können Sie mich nicht verstehen?
Ich bin von der Polizei.
Ganz ruhig, bleiben Sie ganz ruhig.
Lassen Sie bitte die Waffe fallen.
Schuss
Verschwind, Julia, verschwind.
Was ist denn da draußen passiert?
Wir haben das Auto brennen sehen und da dachten wir...
Können wir Ihnen helfen? Schuss
Ich ruf das SEK an. Die können das besser als wir.
Wo ist denn das Mädchen?
Schrei
Schlag
Lautes Geräusch
Julia!
Julia?
Hier! Ich steck fest.
Bitte nicht.
Schuss
Die Waffe runter!
Die Waffe runter, hab ich gesagt.
Schuss
Schuss
Schuss
Und, wie schaut es aus? Nicht gut.
Er kommt durch, sagt der Notarzt. Das will ich ihm geraten haben.
Das hört überhaupt nicht mehr auf. Adrenalin.
Julia geht es so weit gut. Das war knapp.
Schwein gehabt. Das sag ich dir.
Sauber, Leitmayr. Sagenhafte Leistung.
Da kann die Kollegin froh sein. Danke.
Das ist Kollege Maus, für die Staatsanwaltschaft...
Interne Ermittlung, wie geht's? Gut so weit, danke.
Ich führ die Ermittlung wegen der Schüsse.
Der Staatsanwalt interessiert sich dafür.
Routine, alles Routine. Es muss alles seine Ordnung haben.
Ich bräuchte bis morgen Ihre schriftliche Stellungnahme.
Und Ihr Jackett und Ihr Hemd wegen der Schmauchspuren.
Und die Dienstwaffe. Lassen Sie ihn mal zur Ruhe kommen.
Nein, passt schon. Ich steh zu 100% hinter Ihnen.
100%ig.
Wir bräuchten Sie hier.
Das ist vom Kollegen Leitmayr, übliches Verfahren.
Dienstwaffe. Und ich will den Fall haben.
In dem Auto ist jemand verbrannt.
Wenn der Typ schon versucht, mich umzubringen,
möchte ich wissen, warum. Franz.
Fahren Sie erst mal heim. Hier können Sie eh nix ausrichten.
Die Kollegen sollen die Berichte zu uns ins Büro bringen.
Die tote Person im Auto, das ist unser Fall.
Ja, freilich. Franz, komm, die machen das schon.
Boah, ich könnt jetzt eine halbe Kuh fressen.
Hey. Herrschaftszeiten. Depp.
Sorry, tut mir leid.
Oh je, das gute Hemd. Sie müssen Gallseife nehmen, Herr Leitmayr.
Danke, ja. Hab ich daheim.
Er stöhnt.
Er atmet laut.
Super-Franz fliegt wieder. Warst du schon beim Zahnarzt?
Zahnarzt? Selbst ist der Mann. Was ist denn das?
Von der Julia für dich.
Das? Julia. Das auch von Julia.
Die Rechtsmedizin sagt, es war eine Frau zwischen 20 und 40.
Keine Rauchinhalation. D.h., sie war schon tot, als das Feuer anfing.
Das ist tröstlich. Die Todesursache? Ein Schlag auf den Hinterkopf.
Die rechte Hand und zwei Finger sind gebrochen.
Sie hat sich wohl gewehrt.
Er hat sie umgebracht, dann verbrannt. Spuren verwischen...
Sieht jedenfalls so aus.
Ivo, die von der KTU haben rausgefunden, wem der Wagen gehört.
Fahrzeughalter ist ein Georg Aumeister.
Gut.
Danke noch mal. Für gestern.
Danke für die Blumen.
Es klopft.
Guten Morgen. Darf ich kurz stören?
Herr Leitmayr, wenn Sie nachher Ihren Bericht schreiben,
erklären Sie genau, warum Sie das mit der Waffe nicht bemerkt haben.
Was "nicht bemerkt"?
Die Waffe des Mannes, den Sie niederschossen.
Was ist damit? Haben Sie den Bericht nicht gelesen?
Nein. Es war ein Replikat.
Was? Ein Nachbau.
Schmarrn.
Das gibt es doch nicht.
Ich denke auch, dass man eine Schreckschusswaffe
von einer scharfen unterscheiden können müsste.
Es war total dunkel.
Das Einzige, was man da sieht, ist eine Waffe, die auf den Kopf zielt.
Der Kollege hat meines Erachtens völlig richtig gehandelt.
Es war eine klare Notwehr-Situation. Der Staatsanwalt will wohl wissen,
wie es mit einer Spielzeugwaffe zu einer Notwehr-Situation kam.
Das ist kein Spielzeug. Das ist ein Replikat.
Du konntest es nicht sehen, Franz. Es war dunkel.
Deshalb bin ich auch eingebrochen. Und die Aufregung.
Wir dachten auch, es sei eine echte Waffe.
Was machst du denn da?
Notizen.
Wir müssen in die Gebsattelstraße.
Wieso? Fahren wir zu mir?
Nein, das ist die Adresse vom Fahrzeughalter.
Was ist denn?
Ich kenn die Leute.
Kein Wunder, das sind deine Nachbarn.
Dass es so was noch gibt.
Da schau her. Die Münchner Dreifaltigkeit.
Glocke
Jessas, erst kommt keiner, dann alle auf einmal.
Grüß Gott, Frau Aumeister. Grüß Gott. Schorsch!
Ah, der Herr Kommissar.
Schon wieder das Kühlschrank-Lämpchen kaputt?
Ich hol es Ihnen schnell.
Diesmal ist es dienstlich, leider.
Das sind meine Kollegen, der Herr Batic und die Frau Winters.
Wir haben einen Wagen gefunden, der gehört Ihnen.
Unser Wagen steht vor der Tür. Ein goldener Mittelklasse-Wagen.
Der goldene? Den fährt der Siggi. Der Siggi? Das ist Ihr Sohn?
Genau. Manchmal verleiht er ihn an den Markus.
Das ist unser Ältester.
An den Markus? Ist der noch gescheit?
Schauen Sie her. Bei uns verkommt nix.
Was ist denn mit dem Auto?
Ihre Söhne, wie können wir die erreichen?
Den Markus erreich ich schon lang nicht mehr.
Schorsch, bitte.
Markus wohnt in Unterföhring und der Siggi unterm Dach.
Den Siggi müssten Sie schon ein paar Mal gesehen haben.
Ja, also, kann sein. Ich weiß es nicht.
Schauen Sie, das war vor 5 Jahren.
100 Jahre Aumeister Eisen- und Haushaltswaren.
Links, das ist der Markus.
Rechts, das ist der Siggi.
Ist was passiert?
Müssen wir uns Sorgen machen?
Ist was Schlimmes, oder?
Das wird ja wohl immer beschissener. Er ist mit der Waffe auf dich los.
Mit einer Spielzeugpistole, na super.
Eine Replika. Die sah echt aus. Und die klang echt.
Das wird schon alles, Franz. Was meinst du bitte damit?
Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung?
Oder dass ich die blöde Waffe nicht erkannt hab?
Oder den Sohn meiner Nachbarn?
Servus. - Servus.
Schorsch, die Leute von der Polizei müssen hier arbeiten.
Das ist mein Laden.
Schorsch, bitte, komm hoch.
Ich hab Kaffee.
Ich komm gleich.
Danke schön. - Danke schön.
Kommen Sie, ich hab Kaffee oben.
Ist alles okay, Franz? Bombig, bombig, alles gut. Danke.
Oben in Siggis Wohnung wurde keiner ermordet, sagt die KTU.
Was ist das?
Die Fotos waren in Siggis Zimmer.
Am Bett. Direkt neben dem Kopfkissen.
Von hier kann man fast in deine Küche schauen.
Hm.
Kommst du klar? Sonst können Julia und ich das hier erledigen.
Seh ich so aus, als käm ich nicht klar?
Grüß Gott. Mama?
Ach, Bub.
Warten Sie, ich mach das.
Das wird sich alles aufklären, Mama. Ganz bestimmt.
Nicht weinen.
Frau Aumeister...
Ist das die Freundin von Siggi? Nein, die hab ich noch nie gesehen.
Kennen Sie die Frau? Nein.
Der Siggi und eine Freundin?
Der Markus ist immer los und hat seine Sachen gemacht.
Aber der Siggi? Was Eigenes aufbauen, so richtig mit Freundin, Frau...
Ich glaub, der Siggi weiß nicht mal, wie das geht.
Wie auch? Er ist in der Werkstatt oder für den Vater unterwegs.
Aber nur, weil er es selber so will. Alte Maschinen reparieren und so was.
Das Talent hat er vom Papa. Wie auch der Markus.
Ich arbeite in einem Baumarkt.
Als stellvertretender Filialleiter.
Arbeit? In deinem schönen Baumarkt gibt es nix,
mit dem man arbeiten kann. Das ist alles nur Schund.
Schorsch, nicht jetzt, nicht heute. - Aber so ist es doch.
Die Leute da können nicht mal eine Linsenkopf-Schraube
von einer Flachkopf-Schraube unterscheiden.
Alles billiger. Und wenn es kaputt ist, kommt es weg,
weil man es nicht reparieren kann. So werden die Leute verarscht.
Vielleicht kannst du es heute ausnahmsweise sparen, Vater.
Warum bist du eigentlich da? - Ich hab den Markus angerufen.
Haben wir alles mal wieder dir zu verdanken?
Hängst du da mit drin? - Mama, ich geh jetzt besser.
Ruf mich bitte an, wenn du was vom Siggi hörst.
Bub, bleib da. Der Papa meint es nicht so.
Und ob ich das so mein. Der Siggi hat uns nie Ärger gemacht.
Und jetzt soll er eine Frau töten?
Und anzünden?
Und dann auf Polizisten schießen?
Nie im Leben glaub ich das.
Schorsch, hör auf.
Wenn ich rauskrieg, dass du was damit zu tun hast...
Ich muss zurück zur Arbeit. Meine Nummer haben Sie ja.
Wenn Sie was brauchen, melden Sie sich.
Machen wir.
Der Siggi ist ein guter Bub.
Der Siggi ist ein guter Bub.
Ein guter Bub.
Ja, verstehe. Aber Sie rufen an, ja? Danke. Wiederhören.
Also, der Siggi liegt weiter auf der Intensiv.
Sie geben uns Bescheid, wenn er vernehmungsfähig ist.
Julia? Ist ja gut.
Nichts ist gut.
Die armen Leute.
Weil ich dumme Kuh an den Funk gegangen bin
und in das scheiß Loch einbrechen musste.
Das ist nicht deine Schuld. Aber es fühlt sich so an.
Franz, sag du auch mal was. Die Julia kann doch nix dafür.
So was passiert einfach.
Schicksal, Berufsrisiko. Oder, Franz?
Ja, sie kann nichts dafür.
Du könntest ruhig netter sein zu Julia.
Du bist schon nett für zwei. Die hat es auch nicht leicht.
Na, geht's?
Guten Morgen. Kann ich behilflich sein?
Herr Leitmayr, gut, dass Sie kommen.
Kein Anlass zur Beunruhigung, alles Routine.
Ich weiß. Und Sie stehen hinter mir, 100%.
Da es sich um Diensträume handelt, ist die Durchsuchung rechtmäßig.
Und was suchen Sie in meinen Diensträumen?
Alkohol, Drogen, Medikamente. Manche Fehlentscheidung im Dienst
hat ihre Ursache im Missbrauch diverser Substanzen.
Die Fehlentscheidung, eine Kollegin zu retten?
Ihr Bericht fehlt, Herr Batic. Der kommt.
Das ist gegen verspannten Nacken.
Sie haben das letzte Schießtraining nicht absolviert.
Ich löse Fälle statt Kollegen hinterherzuschnüffeln.
Da muss das 140. Schießtraining warten.
Ich traf den dreimal in die Brust.
Das wär mit Schießtraining nicht besser gegangen.
So wütend und zynisch werden viele Kollegen
mit Schusswaffen-Erlebnissen. Ich wär so weit. Wiederschauen.
Ja, also... Ich biete Ihnen gern eine Beurlaubung an.
Und ich will, dass Sie am Nachmittag unsere Psychologin sehen.
Und morgen um 11.45 Uhr
müssen Sie vor der Untersuchungskommission aussagen.
Sag jetzt bloß nicht "das wird schon wieder". Sonst flipp ich aus.
Schießen musst du, Franz, nicht schmeißen.
Na ja, Franz. Das war doch gar nicht so schlecht.
Da hast du deine neue Waffe.
Da hast du Munition und da unterschreibst du.
Gut. Servus. Servus.
Ist was?
Sag du es mir.
Nix ist.
Ich weiß nicht, was ist. Scheiße ist es.
Hallo.
Stör ich?
Ich glaub, ich hab hier was. Markus Aumeister ist vorbestraft.
Wegen was? Betäubungsmittel.
Ist zwar schon 10 Jahre her,
aber er hebt Monat für Monat große Bargeldsummen ab.
Da 1000 Euro, da 1500. Er verdient gut, ist aber immer am Dispo-Limit.
Vielleicht hatte sein Vater recht und Markus ist in Schwierigkeiten.
Ich hab ein Fax an alle Tankstellen geschickt.
Irgendwo hat Siggi das Benzin gekauft,
um die Frau zu verbrennen. Gute Idee.
Telefon klingelt.
Leitmayr? Frau Aumeister. Nein, Sie stören nicht.
Das ist gut zu wissen, vielen Dank für den Anruf.
Die Eltern dürfen den Siggi sehen.
Warum liegt denn der noch im Koma? Er ist ein wichtiger Zeuge.
Fragen Sie den verantwortlichen Kollegen.
Drei Projektile, reichlich übertrieben.
Sind Sie der Experte für alles?
Drei Schüsse in den Oberkörper, lernt man das bei der Polizei so?
Hat man bei Ihnen das mit dem Auf-die-Beine-Schießen abgeschafft?
Wieso denn drei Schüsse?
Herr Aumeister, der Siggi ist mit einer Waffe auf die Kollegen los.
Der Siggi tut keiner Fliege was.
Aber irgend so eine Sau schießt dreimal in den rein.
Die Beamten haben so gehandelt, weil sie nicht anders konnten.
Drei Schüsse... Ich hab selbst einen Jagdschein.
Man wird das gründlich untersuchen.
Da hackt doch eine Krähe der anderen kein Auge aus.
Für mich ist das Mord. Eine Hinrichtung.
Die haben unseren Siggi einfach abgeknallt,
die sauberen Herrn Polizisten.
Du kannst auch zu mir ziehen.
Dann musst du nicht jeden Tag hier vorbei.
Ich wollte das nicht.
Ich hab wirklich gedacht, der Siggi schießt mir mitten ins Gesicht.
Ich bin sicher, ich hätte auch geschossen.
Franz, wenn du rauswillst aus dem Fall,
wenn es nicht mehr geht, das ist keine Schande.
Das macht es auch nicht besser, wenn ich mich versteck. Nacht, Ivo.
Gute Nacht.
Herr Leitmayr, guten Tag,
hier ist Sophie Wiesmann, psychologischer Dienst.
Ich wollte mit Ihnen einen neuen Termin ausmachen.
Ich hatte Sie heute Nachmittag erwartet.
Meine Durchwahl ist 346. Ich bitte um Rückruf. Vielen Dank.
Schorsch?
Was machst denn du da?
Warum schenkt er uns erst einen Buben und nimmt ihn uns dann wieder weg?
Aber der Siggi lebt doch noch.
Ich hab so Angst um ihn.
Was soll denn das werden ohne Siggi?
Was hat das dann alles noch für einen Sinn?
Franz, du kannst sagen, was du willst, die Julia hat es drauf.
Das ist von einer Tankstelle, Bilder von der Überwachungskamera.
Wieso ist es hier so dunkel? Das ist wie in einer Gruft.
Das ist der Siggi, wie er Benzin kauft.
Und das ist sie.
Fährt der mit dem toten Mädchen in der Nacht durch München.
Sieht aus, als ob sie schlafen würde.
Schau dir die Mütze genauer an.
Grüß Gott, Herr Aumeister. Guten Morgen.
Wir wollten nachfragen, ob Sie nicht doch wissen, wer das ist.
Das haben Sie mich schon gefragt. Manchmal lohnt sich ein 2. Blick.
Nein, tut mir leid.
Sie vielleicht? Kennen Sie die Frau?
Ja, also, das ist doch die Adriana, oder?
Adriana?
Adriana Kaminska. Das ging jetzt aber fix.
Die Adriana?
Die hab ich da jetzt gar nicht erkannt.
Sie scheint schwer zu erkennen zu sein.
Ist die Adriana hier irgendwo?
Soweit ich weiß, hat sie sich krankgemeldet.
Ja. Bestimmt wegen dem Überfall letzte Woche.
Die war fix und fertig. Der Überfall?
Na ja, wir sind doch ausgeraubt worden.
Los, los, los.
Hopp, hopp, hopp. Kohle raus!
Schneller, schneller. Rein mit der Kohle.
Aufmachen, Kohle her. Komm her!
Das ist ja ein Zufall. Sie werden in Ihrem Baumarkt überfallen
und die Angestellte Adriana Kaminska gerät durch Zufall mit rein.
Eine Woche später fährt Ihr Bruder die tote Adriana durch die Nacht
und verbrennt sie in seinem Auto.
35.000 Euro, bei Ihren Geldsorgen käme das gelegen, oder?
Sind es wieder Drogen? Spielschulden? Puff?
Jetzt hören Sie sich gerade an wie mein Vater.
Das ist der Siggi, oder?
Schauen Sie hin.
Größe, Statur, das könnte er sein.
Das weiß ich nicht. Er hat eine Maske auf.
Erzählen Sie gerade, dass Sie Ihren eigenen Bruder nicht erkannt haben?
Entschuldigung, ich stand unter Stress.
Wissen Sie, wie es ist, wenn Ihnen einer eine Pistole vor die Nase hält?
Allerdings. Adriana Kaminska arbeitet seit 6 Jahren hier.
Warum haben Sie so getan, als würden Sie sie nicht erkennen?
Weil ich sie da eben nicht erkannt hab.
In welcher Beziehung stand die Frau zu Ihrem Bruder?
Warum hat er Fotos von ihr an seinem Bett?
Keine Ahnung. Jetzt ist aber Schluss!
Unsere Leute durchsuchen Ihr Haus und die Wohnung von Frau Kaminska.
Wenn Sie in der Sache mit drinhängen, gehen Sie in den Knast.
Ich häng in gar nix drin. Das sollen wir Ihnen glauben?
Sie dachten, das sei todsicher.
Sie lassen sich von Ihrem Bruder überfallen und teilen die Beute.
Wer ist der 3. Mann? Ich weiß nicht, wer das ist.
Schade, dass Adriana Kaminska in Ihren schönen Plan reinlief.
Hat Sie ihren Freund Siggi erkannt? Musste sie deswegen sterben?
Warum erzählten Sie gestern nicht vom Überfall?
Warum wollten Sie Adriana nicht erkennen?
Hören Sie auf, uns anzulügen! Ja.
Ich...
Es klopft.
Nicht jetzt!
Die Kommission wartet seit 30 Min. auf Sie.
Ihre Kommission kann mich mal. Sie stören bei einer Vernehmung.
Der Polizeipräsident ist auch da. Sagen Sie es ihm selbst?
Entschuldigung.
Sie wollten doch gerade was sagen. Nein, wollte ich nicht.
Doch, wollten Sie. Ich war Opfer des Überfalls.
Ohne Verteidiger sag ich nix mehr.
Sie flüstert.
24. April 2011, Zeugenbefragung Franz Leitmayr,
geboren 7.11.1958 in München.
Kriminalhauptkommissar der Kriminalpolizei in München,
Dezernat IV. Nur fürs Protokoll. Schon klar.
Frau Dr. Wiesmann vom psychologischen Dienst.
Den Polizeipräsidenten Dr. Lauberger kennen Sie sicher.
Sie kannten den Angeschossenen, Siegfried Aumeister?
Kennen ist zu viel gesagt.
Ich hab Herrn Aumeister vielleicht zwei-, dreimal gesehen.
Der Mann wohnt gegenüber. Sie haben ihn nicht erkannt?
Da ich ihn nicht kenne, kann ich ihn auch nicht wiedererkennen.
Außerdem war die Situation alles andere als alltäglich.
Wie in meinem Bericht erwähnt, ist ein Auto explodiert.
Sie haben alles aufgeführt, bis auf die Tabletten.
Tabletten?
Im Bericht Ihres Kollegen Batic steht,
Sie hatten an dem Tag Zahnschmerzen und Tabletten genommen. Stimmt das?
Ich fand das nicht so wichtig. Was und wie viel haben Sie genommen?
Zwei Tabletten.
Ganz normale Kopfschmerztabletten.
Nicht vielleicht drei oder vier. Ich hab es gerade gesagt, zwei.
Haben Sie nicht bedacht, dass eine mögliche Überdosierung
Ihre Konzentration herabsetzt? Welche Überdosierung?
Hätten Sie ohne Tabletten Herrn Aumeister erkannt?
Oder die Tatsache, dass er praktisch unbewaffnet war?
Herr Aumeister war nicht unbewaffnet.
Er hatte ein Replikat in den Händen, das aussah wie eine normale Waffe.
Sie hatten das Ding in der Hand.
Im August 2001 hat ein Beamter in ähnlicher Situation
dieselbe Waffe als Nachbau erkannt. Warum ist Ihnen das nicht gelungen?
Ich weiß nicht, ich kenn den Fall nicht.
Sie sollten mit Frau Dr. Wiesmann Kontakt aufnehmen.
Warum haben Sie auf keinen ihrer Anrufe reagiert?
Verdammt noch mal, es war eine reguläre, klare Notwehr-Situation.
Sie ignorierten das und das Schießtraining.
Haben Sie ein Vorschriften-Problem?
Er zielte mir mit der Pistole ins Gesicht.
Batic und Winters konnten das nicht bestätigen.
Sie waren dabei. Wenn sie das nicht gesehen haben, kann ich nix dafür.
Warum schossen Sie nicht auf die Beine?
Weil er mit der Pistole auf mein Gesicht zielte.
Behaupten Sie. Nein! Ja!
Das behaupte ich, weil es die Wahrheit ist.
Sie lassen einen nicht nachdenken.
Kann ich bitte eine Serviette haben?
Ach, es geht schon.
Ich habe mich in dieser Situation völlig korrekt verhalten. Basta.
Du weißt aber schon: Erst ausziehen, dann duschen.
Halt dein Maul. Halt einfach dein blödes Maul.
Wo ist der Ivo?
Er ist in die Wohnung von dieser Adriana Kaminska gefahren.
Und der andere? Aumeister Markus? Den hat ein Anwalt abgeholt.
Antrag auf Observation und Telefon-Überwachung
liegen beim Richter. Wie ist es bei dir gelaufen?
Nicht gut.
Was sollte denn das? Das mit den Tabletten?
Dafür bin ich dir sehr dankbar. Worum geht es gerade?
Um deinen Bericht an Maus. Musstest du die Zahnschmerzen erwähnen?
Wieso denn nicht? Weil ich dasteh wie ein Junkie.
Ich hab es nur erwähnt... Du hättest es nicht erwähnen sollen.
Ich wollte helfen. Wenn die das von wem anders erfahren...
Du sollst mir nicht in den Rücken fallen, du Arsch.
Und warum hast du nicht gesagt, dass er mir auf den Kopf gezielt hat?
Ich hab nichts gesehen! Seinen Rücken, als er zusammensackte.
Jetzt bin ich der Arsch? Du wirst grad selbst zum Arsch.
Der Siggi...
Er war zwei-, dreimal bei uns.
Am Anfange dachte ich, was für ein Bauer.
Dann war er wirklich lustig.
Und die Adriana hat den echt geliebt.
War die Adriana in den letzten Tagen anders?
Still.
Sie hat nicht mal mehr ihre Eltern in Polen angerufen.
Das hat sie sonst ständig.
Ich hab sie noch gefragt, was ist, aber sie hat nix erzählt.
Aber sie hatte irgendwas. Sie ging auch nicht mehr zur Arbeit.
Und neulich morgens war sie einfach weg.
Wann haben Sie sie zum letzten Mal gesehen?
Am Abend vorher.
Da war so ein komischer Typ.
Ein Mann? Ja, draußen auf dem Flur.
Ich hätte schwören können, dass er aus unserer Wohnung kam.
Aber die Adriana hat gesagt, das stimmt nicht.
Ich hab ihr das nicht geglaubt. Sie hatte völlig verheulte Augen.
Vielleicht können Sie uns beim Phantombild helfen.
Suchen Sie die Aumeisters? Ja. Wissen Sie, wo die sind?
Die sind vor 5 Min. ins Krankenhaus gefahren.
Ins Krankenhaus? Der Bub ist wohl aufgewacht.
Super, echt. Der wacht auf und keiner ruft uns an.
Aber man hat uns doch angerufen.
Ich sag Ihnen doch, ich bin gerade erst gekommen.
Ah, Herr Leitmayr. Gibt es Probleme?
Der Siggi ist verschwunden. Wie, verschwunden?
Am Telefon hieß es, er sei nicht mehr auf der Intensiv.
Aber wo er ist, weiß auch keiner.
Wenn Sie mir ein paar Minuten geben, find ich die richtige Station.
Wir kümmern uns, Frau Aumeister. Kommen Sie.
Aumeister, Siggi. Ich muss wissen, wo er liegt, sonst gibt es Ärger.
Siehst du, man muss nur höflich fragen.
Danke, Ivo, dass ich immer noch täglich von dir lernen darf.
Jederzeit, Franz, jederzeit.
Da.
Mahlzeit.
So, geht es gut, ja?
Leitmayr.
Du kannst dich an mich erinnern, oder? Ich wohn gegenüber.
Außerdem bin ich der,
auf den du mit einer blöden Spielzeug-Pistole losgegangen bist.
Ist dir eigentlich klar, wie knapp das war?
Was wäre gewesen, wenn ich dich wirklich erschossen hätte?
Hast du da mal drüber nachgedacht? Was hätt ich deinen Eltern gesagt?
Franz, es ist gut jetzt. Nein, ist nicht gut.
Weil ich wegen diesem Idioten seit Tagen nicht schlafen kann.
Kapierst du das? Geht es rein in deinen blöden Schädel?
Lassen Sie den Patienten in Ruhe. Wir befragen ihn nur kurz.
Ich hab mit der Bettenzentrale gesprochen.
Ich hab Ihnen die falsche Zimmernummer gegeben.
Ist er das gar nicht?
Nein, der Patient ist nicht mehr auf Intensiv, er ist auf A4.
Entschuldigung. Es tut mir leid, das war ein Missverständnis.
Wo ist denn das A4?
Tut mir leid mit der Verwechslung. Es lag am Schichtwechsel.
Offenbar gab es Komplikationen. Die Rechtsmedizin ist verständigt.
Geben Sie Bescheid, wenn Sie fertig sind.
Es tut mir leid, Franz.
Bist du jetzt zufrieden? Ist es das, was du wolltest?
Weißt du, was du anderen Menschen damit antust?
Weißt du das?
Unser aufrichtiges Beileid, Frau Aumeister.
Vor fünf Jahren hat der Schorsch versucht, sich aufzuhängen.
Warum hat er das gemacht?
Er hat sich so geschämt, weil er den Laden fast in Konkurs gefahren hat.
Nach über 100 Jahren und vier Generationen.
Für ihn war das der Weltuntergang.
Der Siggi hat ihn zufällig gefunden und hat ihn vom Haken runtergeholt.
Ich hab ihm dann erklärt, dass er ein Handwerker ist und kein Kaufmann.
Dann hab ich ihm die Buchhaltung weggenommen.
Aber...
... jetzt, was soll ich jetzt machen?
Ich weiß, das ist jetzt viel verlangt.
Aber haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?
Wir glauben, das ist ein Bekannter vom Siggi.
Jemand, von dem die Polizei so Fotos macht,
so jemanden hat der Siggi garantiert nicht gekannt.
Wir haben den Verdacht,
dass der Siggi mit diesem Mann einen Überfall gemacht hat.
Machen Sie das nicht, bitte.
Jetzt haben Sie den Siggi schon erschossen.
Jetzt brauchen Sie nicht noch Dreck über ihm ausgießen.
Das verbrannte Mädchen war eine Zeugin bei dem Überfall.
Es kann sein, dass der Mann mit ihrem Tod was zu tun hat.
Vielleicht hat der Siggi das alles nur gemacht,
weil er unter Druck gesetzt wurde.
Was ist da überfallen worden? Hat der Markus was damit zu tun?
Eine Tankstelle. Tankstelle, ja.
Es klopft.
Herr Leitmayr.
Setzen Sie sich bitte.
Stört Sie das Licht? Nein, es geht schon.
Ich kann die Rollos runtermachen. Nicht nötig, danke.
Ich bin mir darüber im Klaren,
dass es für Sie nicht leicht war, hierherzukommen.
Und ich weiß es durchaus zu schätzen.
Hat der Tod des jungen Mannes Sie umgestimmt?
Wie fühlen Sie sich damit?
Wie fühlt man sich, wenn man einen Menschen erschossen hat?
Scheiße fühl ich mich. Alles andere wäre auch bedenklich.
Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?
Haben Sie das Gefühl, dass Sie eine Auszeit nehmen sollten?
Könnten Sie mir nicht einfach was zum Einschlafen verschreiben?
Ich glaube nicht, dass Ihnen das helfen würde.
Aber ich bin hier, wenn Sie reden wollen.
Reden ist im Moment nicht so gut. Reden ist das Einzige, was hilft.
Das Einzige, was mir hilft: Ich muss rausfinden,
warum der auf mich geschossen hat oder so getan hat.
Dafür brauch ich einen klaren Kopf. Dafür muss ich schlafen.
Und dafür brauch ich Tabletten. Verstehen Sie?
Ich werd Ihnen nichts verschreiben.
Schlaftabletten bekommen Sie in jeder Apotheke,
das müssen Sie entscheiden. Einen klaren Kopf bekommen Sie davon nicht.
Aber wenn Sie reden möchten, stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Danke schön.
Also, wir sehen uns morgen. Ich komm noch mit hoch.
Du musst nicht auf mich aufpassen. Du musst jetzt nicht allein sein.
Willst du mich in den Schlaf singen? Halt's Maul und lass dir helfen.
Vielleicht hätte ich den Siggi erkennen müssen.
Oder die Waffe.
Ich hätte die Tabletten nicht nehmen sollen.
Und wir hätten aufs SEK warten sollen,
statt wie Idioten da reinzumarschieren.
Hätte, sollte, müsste.
Du hast getan, was du für richtig gehalten hast.
Wenn am Ende einer tot ist, fühlt sich trotzdem alles falsch an.
Pass auf:
Es war einmal ein König.
Der begriff eines Tages, dass immer dann,
wenn einer in seinem Reich geboren wird, zugleich ein anderer stirbt.
Und da wurde der König entsetzlich traurig.
Niemand und nichts konnte ihn trösten.
Bis eines Tages sein Hofnarr zu ihm kam.
Der machte vor dem König einen Kopfstand und sagte:
"König, sieh es doch einfach anders herum."
Immer, wenn in deinem Reich einer stirbt,
wird zugleich ein anderer geboren.
Batic?
Ivo, ich bin es, Julia. Was ist los bei dir?
Moment.
So, jetzt.
In der Wohnung von Adriana Kaminska hat die KTU Fingerabdrücke gefunden.
Von einem Wolfgang Harbinger. Sagt mir nix.
Vorstrafen bis über beide Ohren. Gerade auf Bewährung.
Ausbildung im selben Betrieb wie Siggi.
Das klingt schon ganz gut. Das sieht auch gut aus.
Okay, ruf den Bewährungshelfer an von dem Harbinger.
Und finde heraus, wo er steckt. Ich komm da hin.
Wie, kommst du allein? Ja, ich komm allein.
Der Franz hatte gestern einen schlechten Tag.
Okay. Alles klar.
Ja, bis gleich.
Tschüss.
Wer war denn das? Nix Wichtiges.
Hast du es deshalb auf einmal so eilig?
Franz, leg dich hin. Nach gestern Abend hast du erst mal Sendepause.
Hast du mich auf die Schnelle arbeitsunfähig geschrieben?
Bin ich der arme Leitmayr, dem man keine Wahrheit mehr zumuten darf?
Das will der Maus, dass ich mich aufs Abstellgleis manövriere.
Du wartest. Das ist auch mein Fall.
Zieh dich an, wir müssen los.
Wolf arbeitet in der Schlosserei.
Du bleibst hier. Nicht, dass du wieder irgendwo einbrichst.
Weg!
Au! Ah!
Verpisst euch!
Waffe runter.
Hände hinter den Kopf.
Ich muss mich entschuldigen.
Ich dachte...
Seit ich auf den Siggi geschossen hab...
Ich weiß auch nicht. Ich hab gedacht, das wird schon wieder,
ich mach meine Arbeit, lös den Fall und bin wieder der Alte.
Aber ich glaub, der bin ich nicht mehr.
Ich geh jetzt zum Brandner und lass mich krankschreiben.
Danke, Julia.
Herr Leitmayr, wann wollten Sie mir mitteilen,
dass der Siegfried Aumeister gestern Abend verstorben ist?
Sie können es sich vielleicht denken,
aber ab sofort ermitteln wir wegen fahrlässiger Tötung.
Wenn Sie in den nächsten Tagen nicht zu 100% kooperieren,
sind Sie endgültig fällig.
Das umfasst dann auch Ihre Pensionsansprüche. Wiederschauen.
Herr Maus? Ja?
Drehen Sie jetzt auch durch?
Haben Sie jetzt Angst, ja? Haben Sie Angst?
Das ist gut. Ich bin nämlich extrem wütend.
Weil der Leitmayr Franz ein guter Polizist ist.
Und zwar ein verdammt guter.
Das wollte ich nur mal gesagt haben. Das hat Konsequenzen.
Das ist ein tätlicher Angriff mit einer scharfen Waffe.
Ach ja?
Sie können es sich vielleicht nur schwer vorstellen.
Aber manchmal hasse ich mich selbst am meisten.
Mehr als die anderen mich hassen.
Es macht keinen Spaß, gegen einen Kollegen zu ermitteln.
Es macht keinen Spaß, ein Kollegenschwein zu sein.
Immer das Arschloch vom Dienst.
Aber ich bin lieber einmal ungerecht gegen einen guten Polizisten,
als dass auch nur ein schlechter meint, er könnte,
nur weil er eine Uniform im Schrank hat, auf die Spielregeln scheißen.
Schorsch?
Wir müssen...
... über Siggis Bestattung reden. - Später.
Was sind denn das für Zeitungen?
Alle.
Sie haben gemeinsam mit dem Siggi Aumeister den Baumarkt überfallen.
Dabei kam Ihnen seine Freundin Adriana Kaminska in die Quere.
Wir glauben, sie hat den Siggi erkannt.
War das eine Frage? Die kommt jetzt.
Haben Sie sie deswegen umgebracht?
Wieso nicht der Siggi? Wieso immer ich?
Weil Sie z.B. ein paar Stunden vorher in ihrer Wohnung waren.
Weil Siggi mich verascht hat. Er wollte die Kohle für sich.
Sie meinen die Beute aus dem Überfall?
Wir haben sie auf dem Hof versteckt. Da haben wir früher immer gespielt.
Als ich hinfuhr, war die Kohle weg.
Da dachte ich, der Siggi ist gar nicht so blöd, der verarscht mich.
Und darum sind Sie zu Adriana gefahren?
Ich hab den Siggi gesucht. Und ich hab der klargemacht:
Sieh zu, dass Siggi die Kohle beibringt.
Was heißt das, "klargemacht"?
Nix heißt das. Ein paar Finger verbogen hab ich der Polacken-Tucke.
Welche Finger? Was weiß ich.
Rechts, glaub ich. Nur den kleinen Finger.
Den daneben vielleicht auch noch. So genommen und dann...
Hey, es ging um meinen fairen Anteil. Da wären Sie auch sauer.
Herr Leitmayr!
Frau Aumeister, was ist denn?
Herr Leitmayr, ich glaub, der Schorsch macht irgendeinen Unsinn.
Sie müssen was tun, bitte. Was für einen Unsinn?
Ich bin eigentlich nicht mehr im Dienst.
Ich wollte sowieso mit Ihnen sprechen.
Ich glaub, er will zu Markus, wegen der Zeitung.
Der Siggi hat keine Tankstelle überfallen.
In der Zeitung stand was von einem Baumarkt.
War das der Baumarkt vom Markus? Ich kann Ihnen das nicht sagen.
Das Gewehr ist auch weg.
Guten Tag. Sie sind verbunden
mit der Mailbox von Ivo Batic.
Bitte sprechen Sie Ihre Nachricht nach dem Tonsignal.
Ivo, der Franz hier. Der Aumeister baut Scheiß.
Ich fahr zum Baumarkt. Ruf mich an.
War der Markus eingeweiht in den Überfallplan?
Der Markus? Quatsch.
Wenn der mitgemacht hätte, hätten die mich nicht gebraucht.
Aber Markus hat den Siggi beim Überfall erkannt.
Und wieso war der Siggi sicher, dass sein Bruder ihn nicht verpfeift?
Weil die alles tun würden für ihren scheiß Laden.
Diesen albernen Krempelladen.
Weil der pleite ist, hat Siggi den Überfall gemacht.
Um den blöden Laden zu retten. Was ist blöd an dem Laden?
Der Siggi hat gesagt:
"Der Markus weiß, warum ich das mach. Deswegen hält er dicht."
Jetzt schauen Sie genauso wie diese Adriana.
Ah ja? Und wie hat die geschaut?
Als ich der das erzählt hab, wie ein Pferd.
Die dachte wahrscheinlich: Wenn der Siggi schon so einen Scheiß baut,
dann wenigstens für uns.
Aber nicht für so einen beschissenen Laden von den Alten.
Vater.
Was machst du denn da?
Ich hatte recht die ganze Zeit. Du hast den Siggi auf dem Gewissen.
Spinnst du? Leg das Gewehr weg. - Nimmst du wieder deine Drogen, ja?
Hast du gedacht, so kommst du zu Geld?
Indem du den Siggi, in deinen Sumpf, in deinen Scheiß hineinziehst?
Der Siggi war ein guter Bub.
Es ist nicht alles so einfach, wie du denkst.
Der gute und der böse Sohn.
Der Überfall, das war die Idee vom Siggi.
Und weißt du auch, warum?
Hör auf, den Siggi zu besudeln mit deinen Lügen.
Das hat er für dich getan. Für dich und deinen Laden.
Hör jetzt auf!
Warum macht die Mama die Bücher? Hast du schon mal reingeschaut?
Frag sie, wie ihr die letzten Jahre überlebt habt. Papa, ihr seid pleite.
Hör endlich auf. Halt dein Maul.
Nein! Ich hab schon viel zu lange mein Maul gehalten.
Begreif es, die Mama kann auch nicht zaubern.
Die lügt dir seit Jahren vor, dass es aufwärtsgeht,
weil sie so eine Scheißangst hat, dass du dich wieder aufhängst.
Deshalb macht sie die Bücher.
Deshalb ackert sich der Siggi blöd.
Und deshalb schieß ich euch Monat für Monat Geld in die Kasse.
Aber das langt immer noch nicht.
Herr Aumeister, nehmen Sie das Gewehr runter, bitte.
Hauen Sie ab, Leitmayr. Ihre Frau schickt mich.
Sie macht sich Sorgen um Sie. Bleib stehen. Stehen bleiben!
Papa, euch gehört nicht mal mehr das Haus, in dem ihr wohnt.
Schuss
Haben die Ärzte schon was gesagt?
Grüß Gott. - Grüß Gott.
Herrn Aumeister geht es so weit gut.
Er hat einen Streifschuss und sich einen Teil vom Ohr weggeschossen,
aber er ist außer Lebensgefahr. - Danke, vielen Dank.
Danken Sie dem Schutzengel. 2 cm weiter rechts und...
Gott segne Sie, Franz Leitmayr.
Frau Aumeister...
Der Polizist, der auf den Siggi geschossen hat...
... das bin ich.
Ich hab den Siggi erschossen.
Er ist mit der Waffe auf mich zugekommen und ich bekam Angst.
So richtig.
Ich hab gerufen: Waffe runter!
Aber er hat nicht gehört.
Und dann hab ich geschossen.
Und dann ist er noch weiter auf mich zu.
Und ich hab noch mal geschossen und noch mal.
Es tut mir leid.
Dass der Siggi nicht mehr lebt, das ist nicht Ihre Schuld.
An dem Abend, da war dieses Mädchen.
Sie ist plötzlich im Laden gestanden. Adriana.
Sie hat alles gewusst. Dass wir kein Geld mehr haben.
Dass der Siggi den Markus überfallen hat.
Sie war an der Hand verletzt und sie war so wütend.
Sie hat gesagt: "Der Siggi macht uns doch alles kaputt."
"Uns" hat sie gesagt. "Der Siggi muss sich stellen, das Geld zurückgeben."
Da hab ich nur gesagt: Das geht nicht, das hat der Siggi zur Bank.
Weil wenn der Laden stirbt, stirbt auch der Schorsch.
Und dann hat sie gesagt:
"Wenn Sie es nicht tun, dann ruf ich jetzt selber die Polizei."
Dann ging sie zum Telefon an der Kellertreppe.
Ich wollte ihr nix tun.
Ich hab sie nur...
Ich wollt einfach nur...
Sie haben sie runtergestoßen.
Ich hab den Siggi geholt.
Er hat sie genommen und ganz vorsichtig ins Auto getragen.
Dann hat er gesagt...
Ich kümmer mich, Mama.
Dann hat er mich gedrückt. So fest, also wollte er für immer weggehen.
Und als es dann geheißen hat, dass er die Adriana verbrannt hat
und dass die Polizei auf ihn geschossen hat...
Ich hab sofort gewusst, dass der Siggi das ganz genau so gewollt hat.
Er hat gewollt, dass alle denken, dass er es war.
Und dann wollte er, dann wollte er, dass es zu Ende ist.
Drei Monate nach den tödlichen Schüssen auf Siegfried Aumeister
lässt sich also abschließend zusammenfassen,
dass Siegfried Aumeister die Beamten vor Ort
für einen sog. Suicide-by-Cop,
den gezielten Selbstmord durch Polizeiwaffen,
zu instrumentalisieren versuchte.
Insofern müssen die Vorkommnisse als nach menschlichem Ermessen
nahezu unvermeidbar angesehen werden.
Das Erkennen der Waffe als Replikat wurde durch die Lichtverhältnisse,
die angespannte Situation und den Willen, die Kollegin zu retten,
derart erschwert, dass von einer Fahrlässigkeit
nicht gesprochen werden kann.
Dem Beamten Leitmayr ist somit kein Vorwurf zu machen.
Ein schuldhaftes Verhalten ist nicht feststellbar.
Das Ermittlungsverfahren gegen Hauptkommissar Franz Leitmayr
wird mit sofortiger Wirkung eingestellt.
Herr Leitmayr, freut mich. Hm.
Franz, Mensch.
Wenn der Typ was anderes gesagt hätte,
das hätte ich mir nie verziehen.
Pass das nächste Mal auf, wo du hinlatschst.
Danke dir, Julia. Du hast uns mehr als geholfen.
Wo wir uns gerade an dich gewöhnt haben.
Es ist ja nicht meine Entscheidung.
Also, war schön mit euch.
Hey.
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