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UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk
Er mischt groß mit in der Politik und ist in den 1980er-Jahren
die Symbolfigur für die Macht der Banken:
Alfred Herrhausen, der Sprecher der Deutschen Bank.
Natürlich hat ein Haus wie die Deutsche Bank auch Macht.
* ruhige Musik *
Er war sicherlich eitel,
teilweise arrogant, aber trotzdem immer sachorientiert.
Er wollte einfach, dass Lösungen gefunden werden für seine Ideen.
Und dafür brauchte er die Öffentlichkeit auch.
Das war ihm wahnsinnig wichtig. Und da hat er sich auch exponiert.
Bad Homburg, 30. November 1989.
Alfred Herrhausen wird Opfer eines Anschlags.
Warum geriet ausgerechnet er ins Fadenkreuz seiner Mörder?
Washington, IWF-Tagung.
Hier treffen sich Weltbank, Weltwährungsfonds,
internationale Politik und Großbanken.
Es geht um die gigantische Verschuldung der Entwicklungsländer.
Herrhausen will eine Lösung und denkt laut nach:
Was wäre, wenn man der dritten Welt ihre Schulden einfach erlässt?
Das fragt er hier in einer Pressekonferenz.
Für einen Banker ein nahezu revolutionärer Gedanke.
Uli Kulke war dabei.
Ich bin dann sofort hingegangen zu ihm und hab gefragt:
Kann ich ein Interview für die TAZ?
Und er hat gesagt: "Ja, für die Taz, warum denn nicht?"
Oder: "Ja, selbstverständlich."
So ungefähr, und dann hat er mich rübergezogen in ein Nachbarzimmer,
wo er dann auch gesagt hat: "Na ja, Schuldenverzicht nicht."
"Schuldenlinderung, und noch sind wir ja nicht so weit."
Das war jedenfalls alles sehr abwägend.
Was will Alfred Herrhausen wirklich?
Was er vor der Presse gesagt hat,
nimmt er im Tagesschau-Interview dann wieder zurück.
Man liest in den Agenturen, Sie würden heute Abend
ihren anderen Bankkollegen aus den Industrienationen
eine ganz einfache Lösung vorschlagen.
Allmählichen, aber totalen Schuldenerlass.
Nein, ich habe einen solchen Vorschlag nie gemacht.
Wir sind kein karitatives Institut.
Schuldenerlass kann sogar sehr gefährlich sein.
Die Länder werden auch in Zukunft Mittel brauchen.
Wenn durch Schuldenerlass die Kreditwürdigkeit beschädigt würde,
sodass die Länder künftig keine Mittel mehr importieren können
durch Kapitalimport von westlichen Gläubigerländern und -banken,
wäre das genau das Gegenteil, was in ihrem Interesse ist.
Wurde Herrhausen von seinen Kollegen
in der Frankfurter Vorstandsetage zurückgepfiffen?
Ein pauschaler Schuldenerlass
gilt schließlich im Bankgeschäft als No-Go.
Der Verlust für die Deutsche Bank wäre verschmerzbar.
Dass die Schulden in voller Höhe zurückgezahlt werden,
damit haben sie hier sowieso nicht gerechnet
und die Verluste abgeschrieben.
In den USA hätte ein totaler Schuldenerlass
aber einige Banken ins Straucheln gebracht.
Denn sie hätten viel mehr Geld verliehen und die Kredite
in voller Höhe in ihren Büchern.
Sie können sie nicht einfach abschreiben
wie die deutschen Banken.
Die amerikanische Konkurrenz zu schwächen sei der Hintergedanke
von Herrhausens Vorschlag, meinten einige.
Sein Assistent war damals nah dran.
Es ging letztlich um das Prinzip.
Sind die westlichen Banken bereit, eine Art Schuldenerlass mitzutragen?
Was mit Verlusten einherginge, aber andererseits auch wieder
den betroffenen Staaten Luft zum Atmen gegeben hätte.
Es ist sehr interessant zu sehen:
Was passiert eigentlich nach diesem ersten Präsentieren der Idee.
Da kann man sehr schön nachvollziehen in den Dokumenten,
die da überliefert sind, dass er da überhaupt nicht locker lässt.
Das hat uns als Linke Zeitung in gewisser Weise auch fasziniert.
Natürlich hat Alfred Herrhausen mich auch fasziniert
in seiner ganzen Art, wie er rübergekommen ist, geredet hat.
Und wie er das auch gemanagt hat.
Herrhausen hat das Thema gesetzt.
Bei der folgenden IWF-Tagung in Berlin wird darum gerungen.
Er will, dass alle Banken mitziehen
bei einem nun teilweisen Schuldenerlass.
Natürlich können wir nicht abgehen von der Forderung,
dass die Schuldner sich selbst helfen müssen.
Die Frage aber, die wir uns seit langem stellen,
ist die, ob sie alle ohne unsere Hilfe dazu imstande sein werden.
Draußen auf der Straße:
Proteste gegen IWF und Weltbank.
Die würden sich an den Entwicklungsländern bereichern,
auch Herrhausen.
Dass der inzwischen bei internationalen Politikern
für den Schuldenerlass wirbt, dringt hier nicht durch.
Da wird mehr oder weniger denjenigen,
die das Herrhausen hoch anrechnen,
praktisch dann vorgehalten, dass sie naiv seien.
Und dass sie einfach nicht kapieren, dass Herrhausen
das nur aus perfiden, gewinnsüchtigen Gründen mache.
Was der Sache nicht gerecht wird.
Aber das ist die Logik, die da auftaucht.
Herrhausen war bis Ende 1987 Co-Sprecher der Deutschen Bank,
zusammen mit Friedrich Wilhelm Christians.
Als der in den Aufsichtsrat wechselt,
kapert Herrhausen die Spitze.
Er verabschiedet Christians und drängt die Vorstandskollegen
keinen Co. mehr zu wählen.
Er will die Führung allein.
Das er dezidiert der Meinung war:
Ich bin Sprecher und ich gebe die Richtlinien der Politik vor,
das war schon seine Meinung, ja.
Der war intellektuell auf einem völlig anderen Niveau
als die meisten Leute, die es gibt.
Ich habe eigentlich nie jemand anderen erlebt,
der so brillant war wie er.
Er wusste natürlich um seine Stärken.
In seinen Reden zitiert er den Philosophen Karl Popper,
flicht Latein ein und spricht vom richtigen, fehlerfreien Denken.
Die Hauptversammlungen der Deutschen Bank sind ihm ein besonderes Fest.
Das Publikum, und es waren immer ein paar Tausend Leute,
die da waren, war von dieser Eloquenz begeistert.
Wenn er seine Rede zu Ende hatte,
kamen die Leute mit dem Geschäftsbericht der Bank
und wollten ein Autogramm haben.
Ich habe selbst im Überschwang mal gedacht:
"Jetzt schreibe ich ihm auch mal eine Rede."
Ich wurde dann an einem Sonntagnachmittag
in den Ellerhöhweg in Bad Homburg zitiert.
Und da hat er mich so was von runtergemacht.
Das war schon echt krass.
Allerdings hat mich Frau Herrhausen dann beiseite genommen
und mir einen Kaffee in der Küche kredenzt und mir gesagt:
"Wissen Sie was, das ist jedem so gegangen vor Ihnen."
Man konnte es ihm einfach nicht recht machen.
Er war sauer, weil die Rede war am nächsten Tag.
Und er musste sie halt völlig überarbeiten.
Und das war ein Sonntag. Und die Familie war ihm heilig.
Und da musste er jetzt ein paar Stunden in die Rede investieren.
Sie war natürlich nachher deutlich besser.
Aber Frau Herrhausen war wirklich ganz, ganz toll.
Ich glaube, sie war ihm eine super Stütze.
Traudl Herrhausen ist seine zweite Ehefrau.
Er macht ihr einen Heiratsantrag, da ist er noch verheiratet.
Dafür setzt er seinen Posten aufs Spiel.
Denn in der konservativen Bank ist Scheidung eigentlich tabu.
Distinktion und Diskretion,
als alleiniger Sprecher etabliert er nun einen neuen Stil.
Um Transparenz zu zeigen, gibt er Interviews,
posiert für Hochglanzmagazine.
Das ist nicht so angekommen, wie er sich das erhofft hatte.
Sondern das ist eher in der Bank
fast als peinlich wahrgenommen worden
und in der öffentlichen Wirkung
vielleicht auch eher als Arroganz der Macht.
Die Deutsche Bank steht wegen ihrer starken Verflechtungen
mit der Schlüsselindustrie von allen Seiten in der Dauerkritik.
Sie ist Teil der sogenannten Deutschland AG,
sitzt in ca. 400 Aufsichtsräten,
hält viele Beteiligungen und beeinflusst die Wirtschaftspolitik.
Die Schattenregierung in Frankfurt.
Herrhausen selbst sitzt in über zehn Aufsichtsräten
und ist bei der Daimler-Benz AG der Aufsichtsratsvorsitzende.
Er macht Etzat Reuter zum Vorstandsvorsitzenden.
Herrhausen will Daimler mitlenken.
Der Industriegigant ist die wertvollste Vermögensposition
der Deutschen Bank.
Roland Berger kennt die Bank von innen.
Die Deutsche Bank war keine besonders effiziente
und keine besonders großartige Bank.
Die war die größte in Deutschland.
Aber wenn man genau schaut, warum das so war,
das war aufgrund ihrer Industriebeteiligungen.
Die Deutsche Bank war langsam,
bürokratisch, teuer, hohe Kostenstruktur.
Deswegen hat sie auch nie viel Profit aus dem Bankgeschäft gemacht,
sondern den meisten Profit durch ihre Industriebeteiligungen.
Man konnte ziemlich sicher früher von der Dividende von Daimler
auf die Dividende der Deutschen Bank schließen.
Daimler expandiert. Die Deutsche Bank profitiert.
Wo Daimler verhandelt, tritt Herrhausen auf
und gilt in der Öffentlichkeit als die treibende Kraft.
Der Autobauer übernimmt schließlich mit Messerschmidt-Bölkow-Blom
nicht nur einen Großkonzern der Luft- und Raumfahrt,
sondern auch der Rüstungsindustrie.
Etzat Reuter will Daimler-Benz
zu einem führenden Technologiekonzern machen,
global führenden Technologiekonzern.
Und das ist ein Konzept, das finden andere weniger überzeugend.
Auch Herrhausen ist nicht hundertprozentig
davon eigentlich überzeugt.
Doch der Chef der Deutschen Bank
hat den Vorstandsvorsitzenden ins Amt gehoben
und stärkt ihm auch bei seinen Plänen scheinbar den Rücken.
Das hätte mich ausgesprochen interessiert,
mehr darüber zu erfahren, welche Diskussionen auch Etzat Reuter
und Alfred Herrhausen ganz persönlich darüber geführt haben.
Öffentlich begründet Herrhausen
die Machtkonzentration im Hause Daimler so:
Wir meinen, dass die Ordnung der deutschen Luft- und Raumfahrt
eine Vorstufe ist und sein muss
für die Ordnung der europäischen Luft- und Raumfahrt.
Die kommen muss, weil andernfalls
eine wirklich erfolgreiche Konkurrenz
europäischer Luft- und Raumfahrt- initiativen gegen die Amerikaner
und vielleicht eines Tages auch gegen die Japaner kaum möglich wird.
Er hat das nicht geschafft, seine Vorstellung,
wie er praktisch diese Fusion begründet hat,
tatsächlich zu vermitteln.
Das ist ihm nicht gelungen in der Öffentlichkeit.
Zu seinem Image, dieser mächtige, arrogante Bankier zu sein,
hat das beigetragen.
Er ist dadurch wirklich auch noch mal zusätzlich
ins Fadenkreuz derjenigen geraten,
die Symbolfiguren im Blick gehabt haben,
sprich die dritte Generation der RAF.
Alfred Herrhausen will die Deutsche Bank zu einem Global Player machen.
Sie soll international ganz groß mitspielen.
Um das zu erreichen,
führt der Weg zunächst nach England ins Investmentbanking.
Wenn eine Bank wie die Deutsche Bank den Anspruch erhebt,
eine europäische Bank zu sein, im Commercialbanking
als auch im Investmentbanking, muss sie in London sein.
Darum sind wir nach London gegangen.
Der erste Plan in den englischen Aktienmarkt zu kommen,
ist eine Beteiligung an der Investmentbank Morgan Grenfell.
1989 steht sie unerwartet zum Verkauf
und Herrhausen will zugreifen.
Auf dem Weg dahin hab ich ihm auseinandergelegt,
warum ich eventuell, oder warum wir muss ich genauer sagen,
von Morgan Grenfell Abstand nehmen würden.
Er hat sich das angehört, hat auch gesagt, das sehe ich ein,
das kann man so vertreten, aber wir machen's!
Der Deal wird unterzeichnet, drei Tage vor Herrhausens Ermordung.
Alle wissen, dass Grenfell zu teuer ist und wohl auch,
dass diese Bank
gar keine sehr starke Position im englischen Aktienmarkt hat.
Herrhausen wollte einfach etwas machen, er wollte globalisieren.
Ich glaube es war ihm extrem wichtig diesen Deal zu machen.
Um die konservative Deutsche Bank zu globalisieren,
braucht er eine neue Unternehmens- struktur, Roland Berger berät ihn.
Da haben wir viel gemeinsam diskutiert.
Er hatte die Idee, eine Universalbank zu machen.
"Around the world, around the clock“ das waren seine Worte immer.
Wir reden ja hier von der Globalisierung der Bank.
Ich glaube, das Gremium Vorstand Deutsche Bank
war damals noch extrem konservativ
und neuen Dingen nicht so wahnsinnig aufgeschlossen gegenüber.
Er war ja jetzt auch nicht ein Eigengewächs der Bank,
sondern er kam ja von außen Anfang der 70er-Jahre.
Insofern war er sicherlich auch eine Art Außenseiter.
Das war bis zum Schluss so.
Es gab immer eine Fraktion gegen ihn.
Immer.
Das hat ihn fürchterlich gewurmt,
dass sie immer wieder gegen ihn geschossen haben.
Beschlussfähig sind sie nur einstimmig.
Einige im Vorstand aber sperren sich gegen die neue Unternehmensstruktur.
Herrhausen versucht sie zu überzeugen,
diskutiert mit jedem einzelnen.
Dann signalisieren alle ihre Zustimmung.
Herrhausen hat gewonnen, glaubt er.
Bei der Abstimmung zieht jedoch einer wieder zurück.
Das ist das Aus für die Globalisierung.
Herrhausen hat verloren.
Das war eigentlich das erste Mal,
dass er mit uns so auf einer persönlichen Ebene gesprochen hat
und rausgelassen hat, dass er sehr enttäuscht und sehr frustriert war.
Er hat schon anklingen lassen, dass er vielleicht alles hinwerfen würde.
Er hatte an diesem Abend auch so eine, sagen wir mal Verfassung,
dass er sagt, lohnt sich das überhaupt noch zu machen?
Ich habe ihm gesagt,
so was entscheidet man nicht gerade in einer solchen Situation.
Zwei Tage später ist Herrhausen tot.
Der Plan, die Deutsche Bank zu modernisieren ist vom Tisch.
Freude darüber sogar am Todestag.
Ich wurde dann in der Bank begrüßt:
"Jetzt können Sie Ihre Struktur begraben."
"Mit der Struktur ist es vorbei."
Das war nicht nur jemand, das waren schon eine ganze Reihe von Kollegen,
die mir das dann gesagt haben.
Der Banker und der Kanzler.
Eine mächtige Männerfreundschaft,
die schon vor Helmut Kohls Amtsantritt begann.
Alfred Herrhausen schreibt mit an Kohls erster Regierungserklärung.
Seine Gedanken zur Finanz- und Wirtschaftspolitik
fügt der Vizechef des Bundeskanzleramts Horst Teltschik
in die Antrittsrede ein.
Herrhausen war relativ häufig zu Gesprächen beim Bundeskanzler.
Insofern bin ich sicher,
dass ihn der Bundeskanzler immer eingeweiht hat,
in das, was wir tun und was wir vorhaben, nicht sichtbar nach außen,
aber intern war er ein enger Gesprächspartner.
Was ist für Sie das wichtige an dieser Freundschaft?
Dass ich über diese freundschaftliche Verbindung
vielleicht manchen Gedanken einbringen kann
in politische, in gesellschaftliche, in soziale Erwägungen
und dass vielleicht aus solchen Gedanken
irgendwann einmal eine Grundlage entsteht,
die uns in den Stand setzt, mit den Problemen besser fertig zu werden.
Alfred Herrhausen hilft dem Kanzler aber nicht nur mit Gedanken.
Es ging um eine Milliarde Kredit für Ungarn.
Helmut Kohl entschied, dass ich mit Herrhausen nach Budapest reise.
Ungarn braucht Geld. Seit Jahren wird über einen Kredit verhandelt.
Dann geht im September '89 die Grenze auf
zwischen Ungarn und Österreich.
Ausgelöst auch durch den Kredit, der eingefädelt wurde von Herrhausen.
Im Prinzip ging es in all diesen Gesprächen
vorrangig den Ungarn um den Kredit.
Uns ging es vorrangig ...
was sind die Ergebnisse in den Entwicklungen der Beziehungen.
Die Krönung war,
als Ungarn bereit war, als erstes den Stacheldraht durchzuschneiden
und den Weg für die DDR-Flüchtlinge frei zu machen,
um über die Grenze nach Deutschland zu kommen.
Ein Loch im eisernen Vorhang und Moskau lässt es geschehen.
Dort herrschen jetzt Glasnost und Perestroika:
Möglichkeiten den Ost-West-Konflikt zu beenden,
auch weil die Sowjetunion praktisch pleite ist.
Da ist er nahezu elektrisiert, was jetzt praktisch hier passiert,
was jetzt möglich wird.
Auf der einen Seite, was kommt hier politisch in Gang,
was ja auch die Frage der deutschen Wiedervereinigung betrifft
und auf der anderen Seite auch, was sind geschäftliche Möglichkeiten.
Das sind Dinge, die sieht er zusammen.
Darum ist er bereit, sehr früh da Reisen zu unternehmen
und dann auch ja wenn Kohl ein Anliegen hat, jetzt zu vermitteln
und vielleicht einen Kredit zu ermöglichen,
dann tatsächlich da auch aktiv zu werden.
Das findet nicht immer unter den Augen der Öffentlichkeit statt.
Bevor Helmut Kohl zum Staatsbesuch nach Moskau fliegt,
war sein Gesandter Alfred Herrhausen mehrmals dort.
Informell hat er den Kanzler-Besuch vorbereitet,
mit einem Milliardenkredit für die Sowjets.
Der Banken-Chef
ist aber auch im offiziellen Gefolge der Bundesregierung.
Der Kanzler hat außerdem noch deutsche Firmenbosse dabei.
Sie sollen investieren.
Unterstützt von und abgesichert durch den Milliardenkredit.
Gruppenbild mit Banker.
Wir erwarten, dass in der Sowjetunion
eine wirtschaftliche Entwicklung in Gang kommt,
die zu einem intensiveren wirtschaftlichen Austausch
mit der Bundesrepublik führen kann,
Austausch von Gütern und Dienstleistungen über die Grenzen.
Investitionen, Jointventures, gemeinschaftliche Unternehmen.
Eine Wirtschafts- und Friedensmission.
Doch weder der Bundeskanzler noch der Generalsekretär
unterschreiben hier irgendetwas.
Der einzige, der hier unterschreibt, ist der Bankenchef.
Der Konsortialkredit über 3 Milliarden D-Mark
an die Sowjetunion
ist mit einer Bürgschaft der Bundesregierung abgesichert.
Wenn die Banken gesagt hätten, das Risiko ist uns zu hoch
trotz der Bürgschaft der Bundesregierung
wären wir hilflos gewesen.
Im Falle der Sowjetunion waren's dann 3 Milliarden
Am Ende waren's viel mehr.
Wie beabsichtigen Sie, zu helfen, die Entwicklung dort zu fördern,
inwieweit können Sie das mit Ihrer Macht?
Wir haben die vermutete Macht nicht,
um große politische Entscheidungen durchzusetzen.
Wir können materielle Hilfe leisten in recht begrenztem Umfang.
Wir haben der Sowjetunion
einen 3-Milliarden-Rahmenkredit zur Verfügung gestellt.
Beim Staatsbesuch in Moskau
geht es hintergründig auch um die deutsche Frage.
Aber noch steht die Mauer.
Zur sogenannten deutschen Frage sage ich, alle Versuche,
das durch die Geschichte entstandene umzustoßen oder zu verändern
sind ein unkalkulierbares, ja sogar gefährliches Unterfangen.
Acht Monate später der Gegenbesuch, Michail Gorbatschow in Bonn.
In der Bundesrepublik bricht eine regelrechte Gorbimania aus.
Der Generalsekretär gilt hier als Hoffnungsträger.
Beim offiziellen Empfang: Herrhausen mit Gattin.
Danach wird er im Fernsehen befragt, als gehöre er zum Kabinett.
Unter den Gästen war auch Alfred Herrhausen, Chef der deutschen Bank.
Haben Sie auch den Eindruck,
dass ein neues Kapitel begonnen hat in den Beziehungen zur Sowjetunion?
Ja, ich habe durchaus den Eindruck.
Ich werte den Besuch des Bundeskanzlers im Oktober in Moskau
und den heutigen Besuch von Herrn Gorbatschow als eine Einheit.
Wenn man sich mal anschaut,
was in diesen Gesprächen verhandelt, vereinbart worden ist,
so haben wir ein solide Grundlage gelegt für ein neues Kapitel.
Müsste der Westen eine gemeinsame Strategie entwickeln,
etwa auch die Amerikaner mehr in dieses Geschäft mit der Sowjetunion
oder in die wirtschaftliche Kooperation mehr hineinziehen?
Das Konkurrenzverhalten spielt bei uns ja eine Rolle.
Was die Deutschen in der Sowjetunion tun,
wird mit neidischen Augen von den Amerikanern betrachtet
und andersherum.
Hier ist immer eine gewisse Konfliktlage vorhanden.
Gorbatschow fährt nach Hause
und Herrhausen vier Wochen später nach New York,
um dort eine Rede zu halten mit dem Titel:
"Die USA, Europa und Perestroika".
Oder vielmehr ein Plädoyer
für die Unterstützung des neuen Kurses in Moskau.
Er sagt: "Lasst uns Glasnost nutzen,
um unsere Ideen zu exportieren und unsere Waren!"
Er betont, dass die Sowjetunion 50 Mrd US-Dollar Schulden habe,
und sagt, lasst uns ihnen Kredite geben.
Skeptischer Zuhörer ist der einflussreiche Henry Kissinger,
die Amerikaner fürchten,
westliche Kredite könnten ins sowjetische Militär fließen.
Kissinger antwortet in seiner Rede, dass man ja nicht wisse,
ob Gorbatschow überhaupt langfristig die Macht habe,
für Reformen zu sorgen.
Die Lage in der Sowjetunion sei instabil.
Ich erinnere mich nicht,
jemals eine gravierende Meinungsverschiedenheit
mit ihm gehabt zu haben.
Ich denke, wir marschierten beide in die gleiche Richtung.
Das Faszinierden war, Alfred Herrhausen hatte den Ruf
ein mächtiger und aggressiver Geschäftsmann zu sein.
Aber ich dachte,
dass er das Zeug dazu hatte, ein großer Führer zu werden.
Am 9. November fällt in Berlin die Mauer.
Amerikanische Politiker befürchten,
die Bundesrepublik könnte jetzt aus der Nato austreten,
um sowjetische Bedingungen für eine Wiedervereinigung zu erfüllen.
Helmut Kohl hatte den Nato-Partnern versichert,
die deutsche Wiedervereinigung sei nicht sein oberstes Ziel.
Doch 19 Tage nach dem Mauerfall
präsentiert er einen Fahrplan zur Deutschen Einheit.
Zwei Tage vor Herrhausens Tod.
Wir sind aber auch bereit einen entscheidenden Schritt weiterzugehen
nämlich konföderative Strukturen
zwischen beiden Staaten in Deutschland zu entwickeln
mit dem Ziel eine Föderation,
das heißt eine bundesstaatliche Ordnung, in Deutschland zu schaffen.
Teile der DDR-Opposition fühlen sich vom Westen überrannt.
Pressekonferenz nach Kohls Erklärung.
Soll das wieder ein Großdeutschland sein?
Nur diesmal beherrscht von Messerschmitt Bölkow Blohm, Mercedes
und dem soeben erwähnten Herrn Herrhausen?
Das ist doch die Frage!
Am nächsten Abend empfängt Alfred Herrhausen
den stellvertretenden Ministerpräsidenten der Sowjetunion,
Silajew, in der Deutschen Bank.
Es soll um Geschäfte und Kredite gegangen sein.
Am nächsten Morgen
wird Alfred Herrhausen auf dem Weg zur Arbeit ermordet.
Eine ausgefeilte Präzisionsbombe
durchschlägt den gepanzerten Dienstwagen.
Der 59-jährige erliegt noch am Tatort seinen Verletzungen.
Man hat hier schon eine Schlüsselfigur
aus der Umgebung von Helmut Kohl ausgeschaltet.
Der Vorstand der Deutschen Bank ruft zum Trauermarsch auf.
Tausende nehmen teil.
Die Trauerfeier im Frankfurter Dom gleicht einem Staatsbegräbnis.
Bundesminister, Bundespräsident, Bundeskanzler, alle sind gekommen.
Die Messe hält Herrhausens Freund, Pater Augustinus.
Habt ihr denn den verstorbenen Alfred Herrhausen wirklich gekannt?
Der Macht hatte und sie auch gebrauchte,
gebändigt durch die Verantwortung durch das Gemeinwesen.
Die RAF bekennt sich fünf Tage nach dem Anschlag zur Tat.
Die Täter werden nie ermittelt.
Alfred Herrhausen, der sich einmischte,
neu und anders dachte, Einfluss ausübte, der eine Symbolfigur war,
hatte Konkurrenten, Widersacher, Gegner und mörderische Todfeinde.
Copyright Untertitel: hr 2024
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