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"Wenn deine Bilder nicht gut sind,
warst du nicht nah genug dran."
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KRIEGSFOTOGRAF
Er ist mir ein Rätsel.
Ich habe keine Ahnung,
was ihn so extrem vorwärts treibt.
Er ist in hohem Maße Einzelgänger.
Das muss man vielleicht auch sein,
um so gut zu arbeiten
und so viel von sich selbst zu geben.
Es ist schwer, seine Aufmerksamkeit,
sein Gefühl, seine Energie aufzuteilen.
Man muss total fokussiert sein.
Und das ist er.
Kosovo Nach Kriegsende...
Hamburg STERN
Wie viele werden hier im Dorf vermisst
und wie viele wurden getötet?
12.
Könnten wir dort hingehen?
Mein Sohn ist angekommen!
Oh, mein Sohn!
Ich wollte Fotograf werden,
um Kriegsfotograf zu werden.
Das war Anfang der 70er,
während des Vietnamkrieges.
Die Bilder aus Vietnam zeigten uns,
was dort wirklich passierte.
Es widersprach dem, was die politischen
und militärischen Führer uns erzählten.
Es waren direkte, dokumentarische Fotos,
eine machtvolle Anklage gegen den Krieg,
wie ungerecht und grausam er war,
nur indem man zeigte, was dort geschah.
Ich war sehr betroffen von den Fotos.
Und ich beschloss, mein Leben
diesem Ziel zu widmen.
Es dauerte lange,
bis ich mich sicher genug fühlte
für diese Arbeit. Bevor ich versuchte,
andere zu überzeugen,
musste ich erst mich selbst überzeugen.
1980
wachte ich eines Nachts auf und wusste,
dass es nichts mehr zu lernen gab
und ich nun versuchen musste,
in New York Pressefotograf zu werden,
Kriegsfotograf.
Ich hatte das Gefühl, bereit zu sein
für Auslandseinsätze und Kriegsgebiete.
Ich bekam auch sofort erste Aufträge.
Eine aufwühlende und aufregende Zeit.
Ich wurde Zeuge von Geschichte.
Nicht aus akademischer Sicht und
nicht aus der Ferne,
sondern von dem, was normalen Menschen
im Laufe der Geschichte passiert.
Das waren wirklich lohnende Erlebnisse,
genau deswegen wurde ich Fotograf.
Genau das wollte ich erreichen.
Außerdem war es mit Gefahr verbunden.
Es hatte etwas Abenteuerliches,
sich der Gefahr auszusetzen,
die echten Gefühle der Leute zu spüren.
Es war wie im Theater,
nur dass ich auf der Bühne stand
und das Stück völlig ungewiss war.
Was da passierte, musste man verstehen,
vorausahnen und sich darauf einlassen,
gefühls- und verstandesmäßig,
um folgen zu können.
Ich musste lernen,
eine eigene Sichtweise zu entwickeln,
meine eigenen Gefühle auszudrücken.
Dazu musste ich sie erst einmal kennen.
Durch die Fotografie, die Bildbegrenzung
lernte ich die Welt und
auch mich selbst kennen.
Also, wir haben Masken.
Aber die sind nur gegen den Gestank.
Ich brauche keine Maske.
Christiane Amanpour Internationale Chefkorrespondentin CNN
Ich glaube, da sind 100 Leichen drin.
Da drinnen sind auch
die Kriminologen und Anthropologen,
sie werden sich vorstellen.
Wir möchten, dass Sie da durchgehen.
Es stinkt, also seien Sie vorbereitet.
Da ist ein Zimmer mit Einschusslöchern,
aber machen Sie dort keine Fotos, bitte.
Es wurde noch nicht freigegeben.
Was beweisen denn die Einschüsse?
Sie belegen, dass hier geschossen wurde.
Sie sagen, sie zählen die Köpfe
Ein Anthropologe ordnet die Knochen zu.
Wie spät ist es? Alles klar.
Haben Sie eine Maske? - Nicht nötig.
Ziemlich grausig.
Okay? Danke! - Lassen Sie sich Zeit.
Ich kam zufällig zum Journalismus.
Ich wählte diesen Beruf
und dachte, es macht Spaß, ist cool.
Kriegsreporterin sein ist irre!
Reisen! Die Welt sehen! Dabei sein!
Oh, Scheiße...
Aber dann gibt's bestimmte Ereignisse,
die dich nachdenklich machen:
Was tue ich hier und warum?
Sie machen einem klar,
wie ernst und wichtig das alles ist.
Die Art und Weise,
wie du ein Ereignis schilderst,
bestimmt, wie die Welt es sieht.
Also mach es lieber richtig!
Davon bin ich fest überzeugt.
Und doch zweifeln die Leute.
Selbst wenn sie Massengräber sehen...
Selbst dann noch wollen sie zweifeln.
Da hat gerade jemand Blumen geworfen!
Da, hinter dir!
Ich sagte: "Mein Bruder ist taubstumm!"
Sie haben ihn vom Anhänger gerissen,
das Geld genommen und getötet.
Dem anderen Bruder schnitt man
mit einem Brotmesser den Arm ab.
Meinem Onkel wollten sie den Sohn
vom Arm reißen, aber er hielt ihn fest.
Sie haben ihm in den Kopf geschossen,
das Kind ist auf den Boden gefallen.
Mir haben sie 2 Minuten Zeit gegeben
und eine Waffe an den Hals gesetzt.
Sie wollten Geld.
In einem Krieg
gelten normale Umgangsformen
nicht mehr.
Es wäre im "normalen" Leben undenkbar,
in ein Haus zu gehen,
wo die Familie einen Toten betrauert,
und dort lange zu fotografieren.
Das würde man einfach nicht tun.
Diese Fotos sind nur machbar,
weil man mich akzeptiert.
Es ist einfach unmöglich,
solche Momente zu fotografieren
ohne die Mitwirkung der Leute.
Ohne dass sie mich willkommen heißen,
mich akzeptieren und da haben wollen.
Sie verstehen,
dass der Fremde mit der Kamera
der Welt zeigt, was ihnen widerfährt.
Das verleiht ihnen eine Stimme,
die sie sonst nicht hätten.
Sie wissen, dass sie Opfer
von Unrecht sind,
von unnötiger Gewalt.
Und indem sie mich fotografieren lassen,
appellieren sie an die Außenwelt
und unser Gefühl von Recht und Unrecht.
Ich will Menschen respektvoll begegnen.
Sie sollen sehen, dass ich Respekt habe,
vor ihnen und ihrer Lage.
Ich möchte nicht auffallen,
nicht zu laut sprechen,
ich möchte mich ihnen offen nähern
und auch mir gegenüber offen sein.
Das sollen sie spüren.
Und die Menschen spüren das!
Mit nur wenigen oder gar keinen Worten.
Hans-Hermann Klare Auslandsredakteur STERN
Das Unfassbarste,
was ich je erlebt habe, war Ruanda.
Wir wissen nicht,
wie viele Menschen starben, man schätzt
zwischen einer 1/2 und 1 Million.
Getötet durch primitive Waffen:
Knüppel, Steine und Macheten,
von Angesicht zu Angesicht.
Ich hab Schauplätze der Massaker gesehen
und verstehe einfach nicht, wie Menschen
sich so etwas antun können.
Wo kommt solche Angst, solcher Hass her?
Das übersteigt mein Verständnis.
Es ist schwer, darüber hinwegzukommen.
Als die Hutu schließlich besiegt waren,
flohen Hunderttausende von ihnen
ins benachbarte Tansania oder Zaire.
Die Cholera breitete sich aus
in den Flüchtlingslagern in Goma.
Zehntausende starben in kurzer Zeit.
Und ich realisierte,
dass viele, die ich hier fotografierte,
vielleicht die Massaker begangen hatten,
die ich Wochen vorher miterlebte.
Es war,
als säße ich im Fahrstuhl zur Hölle.
Jakarta Indonesien
Ich begann mit einer Arbeit über Armut,
die in Indonesien weit verbreitet ist.
Es gibt dort schreckliche Armut.
Diese Leute haben Arbeit, eine Familie,
es ist eine Arbeitergegend.
Und hier landen sie schließlich,
neben den Bahngleisen.
Sie sind weder süchtig noch asozial,
sie arbeiten und ziehen Kinder groß.
Menschen vom Land,
die besser leben wollten.
Sie können sich nichts anderes leisten.
Sie bauen Hütten aus Holz und Plastik,
wo man keine Miete zahlen muss.
Guten Morgen! - Guten Tag, der Herr.
Guten Morgen.
Während dieser Reportage entdeckte ich
einen Mann mit einem Arm und einem Bein.
Er war von einem Zug überfahren worden,
als er mal nachts besoffen war.
Er lebt mit seiner Frau und 4 Kindern
im Schotter zwischen den Gleisen.
Er behandelt die Kinder sehr liebevoll,
und sie sind auch lieb zu ihm.
Er tut sein Bestes für die Familie.
Ich verwendete einige Zeit darauf,
ihr Leben zu dokumentieren.
Christiane Breustedt Chefredakteurin GEO SAISON
Südafrika 1994
Viele Kinder arbeiten auf der Müllhalde
am Stadtrand von Jakarta.
Statt zur Schule zu gehen,
wühlen sie den ganzen Tag im Abfall.
Es stinkt fürchterlich.
Der Boden fühlt sich an wie Morast.
Ich trage Gummistiefel,
die Leute dort tragen Gummisandalen.
Unglaublich,
dass Menschen so arbeiten müssen
für einen Verdienst
von 85 Cent am Tag.
Ich erforschte die Armut in einem Land,
das in den letzten Jahren gefeiert wurde
für seinen ökonomischen Aufschwung.
Dieser kam aber nur einem kleinen Teil
der Bevölkerung zugute.
Es gibt eine riesige,
versteckte Mehrheit,
die in furchtbarer Armut lebt.
Und genau das habe ich festgestellt.
Ich war
tief beeindruckt, fast schockiert
über diesen Ausbruch extremster Gefühle
nach Suhartos Rücktritt.
Ich wollte wissen, was dahinter steckte,
was so einen Ausbruch
der Gefühle hervorruft
bei so vielen Leuten.
Sie sind von der Last
der Unterdrückung befreit worden.
Es ist die Hoffnung auf soziale
und ökonomische Gleichheit, die man
so vielen so lange vorenthalten hat.
Des Wright Kameramann Reuters
Angi? Hi, hier ist Des. Wie geht's?
Meine Mutter hasst meinen Beruf,
dass jederzeit der Anruf kommen kann:
"Sind Sie Desmonds Mutter?"
Sie glaubt, der Krieg laufe mir nach.
Ich kam nach Indonesien
und 2 Monate später trat Suharto zurück.
Das Land brannte, Tausende starben.
Sie ruft an und sagt: "Siehst du!
Kaum bist du da ..."
Es gibt einen harten Wettbewerb.
Alle wollen die dramatischsten Bilder.
Viele Kollegen
gehen ziemlich brutal vor,
wollen das Schlimmste
vom Schlimmsten kriegen. Die helfen nie.
Es heißt: "Ich hab nichts damit zu tun."
Ich sage: "Doch!" Viele von uns
wären erfreut, wenn der Mann da umkäme,
um dieses eine Bild zu kriegen.
In gewissem Maße
ist es eine kranke Branche.
Keine Ahnung, warum wir das machen.
Irgendwas über Funk? Alles ruhig?
Hörst du alle Stationen in Jakarta?
Ja, alles. - Nichts los? Okay.
Eine Woche nach den Zusammenstößen
zwischen den Studenten und den Truppen
rief Jim sonntagmorgens um 10 Uhr an:
"Unruhen! Irgendwas geht da vor.
Eine Kirche brennt. Leute auf der Straße
mit Schwertern, Macheten...
Da braut sich was zusammen."
Eine 1/2 Stunde später
hatten sie 3 Ambonesen gefangen
und töteten sie auf der Stelle,
zerstückelten sie mit Schwertern.
Einen 4. jagten sie
durch die Straßen.
Jim war praktisch die ganze Zeit dabei.
Er hat Schwarzweißfotos von dem Mann
mit dem wilden Mob dahinter,
blutüberströmt.
Sie haben mit ihm gespielt,
ihn gequält, so wie Kinder Tiere quälen.
Jim warf sich 3-mal auf die Knie
und flehte sie an:
"Es gibt keinen Grund, ihn umzubringen!
Nur weil er Ambonese ist!"
Sie haben ihn trotzdem umgebracht.
20 Minuten lang lag Jim auf den Knien:
"Bitte tötet ihn nicht!"
Wenn es so brutal und abscheulich wird,
wenden sich viele Kollegen ab.
Zum einen wegen der eigenen Sicherheit
und weil man instinktiv sagt:
"Ich hab nichts damit zu tun!"
Jim dagegen ist immer mittendrin.
Er hält sich nicht heraus.
Seine Fotos zeigen das. Darum lag er
auch auf den Knien, mittendrin.
Freunde von mir waren auch dort.
Aber sie standen
auf einer Brücke oder in einem Gebäude
und machten aus der Distanz ihre Bilder.
Wenn es persönlich wird...
Das ist Jim.
Ramallah Palästina
Das ist sehr wichtig:
zentriert in dir selbst zu sein.
Viele wichtige Entscheidungen
müssen sehr schnell getroffen werden.
Man muss ruhig bleiben
und darf nicht in Panik geraten.
Das sind sehr grundlegende Dinge,
die vielleicht kaum erwähnenswert sind.
Ich versuche einfach,
mich auf die Situationen einzustellen,
in die ich kommen könnte,
ich gehe sie im Kopf durch.
Es geschieht sehr unterbewusst,
wie ich mich geistig vorbereite.
Allah ist groß!
Jede Situation ist anders.
Und jede erfordert,
dass man alles wieder aufs Neue lernt.
Vieles ist Instinkt,
vieles ist Wissen
und intuitives Verstehen
von Ereignissen.
Angst ist nicht wichtig...
Wichtig ist, wie man damit umgeht.
Klar hat ein Marathonläufer Schmerzen!
Was zählt, ist nur, wie er damit umgeht.
Es kann jeden von uns jederzeit treffen.
Wir wissen, dass es möglich ist,
immer, wenn wir rausgehen, jeden Tag.
Damit müssen wir rechnen,
das gehört zur Arbeit.
Wir wissen es von Anfang an.
Keiner empfindet Selbstmitleid,
es gehört dazu.
Du bist auf dem richtigen Weg.
Es ist insgesamt eine Spur zu hell,
um die ganze Dramatik rauszubringen.
Ich könnte auch
hier rund um den Kopf nach belichten.
Ja, und hier vielleicht auch.
Wenn es insgesamt dunkler wird,
lass es hier so, wie es ist,
es soll nicht dunkler werden.
Okay... - Einverstanden, danke.
Viel Glück!
Das hier ist ziemlich gut. - Gute Idee!
Man sieht mehr von der Zerstörung.
Kannst du mehr aus dem Himmel rausholen?
Klar!
Sieht sehr gut aus...
Ich würde noch eine versuchen,
um noch mehr aus dem Himmel rauszuholen.
Siehst du, was ich meine?
Der Himmel ändert alles.
Ich habe wohl die Hälfte meiner Karriere
in Afrika gearbeitet.
In diesem oder jenem Zusammenhang.
Eines dieser Themen,
sicherlich das traurigste, tragischste
und tödlichste, sind Hungersnöte.
Hunger ist nichts Natürliches,
sondern ein Produkt des Krieges.
Das älteste Instrument
der Massenvernichtung.
Sehr primitiv...
sehr effektiv.
Es ist wichtig zu verstehen,
dass Bilder von Hungernden
in Hilfszentren aufgenommen werden,
an Orten, wo Nahrung hingeschickt wurde.
Wir machen keine Fotos von Menschen,
die hungern, ohne ihnen zu helfen.
Wir lassen sie nicht im Stich.
Es ist immer schwieriger,
kritische Themen zu publizieren.
Es ist
in den letzten Jahren
sogar noch schwieriger geworden.
In einer Gesellschaft, besessen
von Unterhaltung, Prominenten und Mode.
Inserenten wollen verhindern,
dass ihre Produkte neben Fotos
von menschlichen Tragödien auftauchen.
Das ist schlecht fürs Geschäft.
Meine Fotos sind für die Massenmedien.
Man soll sie nicht unbedingt
als Kunstobjekte betrachten.
Sie sind eine Form der Kommunikation.
Wenn ich mit meiner Arbeit was erreiche,
freue ich mich.
Aber es gibt immer noch so viel zu tun.
Ich fühle mich weder erfüllt
noch wirklich zufrieden.
Auch nicht unbedingt "glücklich",
denn es geht ja immer
um die Tragödie und das Unglück anderer.
Ich empfinde nur bittere Zufriedenheit,
dass ich vielleicht die Aufmerksamkeit
auf diese Probleme lenken konnte.
Vielleicht habe ich was bewirkt...
aber es ist wie Treibsand.
Wo hast du das fotografiert?
An vielen Orten...
Die Kettensträflinge in Alabama,
die Polizeiarbeit in New Orleans,
New York und Los Angeles.
Eine der eindruckvollsten Wände!
Da es uns selbst betrifft.
Die USA, ihre Brutalität...
Nicht nur woanders geschieht Unrecht!
Wir haben unsere eigenen Probleme.
Genau!
Bis zur letzten Minute wird gearbeitet!
Denis O'Neill Drehbuchautor / Jims bester Freund
Gleich ist es so weit! 20 Jahre...
Wie fühlst du dich?
Du hast gesagt, du wärst müde.
Ich bin auch müde.
Ein bisschen verstört durch das Ganze.
Aber auch triumphierend, ich meine...
Ich hab zu viel geredet.
Ich hab nichts mehr zu sagen.
Du hast mich die ganze Zeit unterstützt.
Wenn das vorbei ist,
heißt es: Sierra!
Wir kennen uns vom College in den 60ern.
Wir waren Anfang 20, voller Tatendrang
und versuchten unsere Berufung zu finden.
Die Frucht von so viel Zeit...
Monate, das weißt du doch. - 20 Jahre!
Er gewann zum 3. Mal
den "lCP lnfinity Award",
5-mal den Robert-Capa-Preis
und viele Male "Picture of the Year".
Es ist mir eine Freude: Jim Nachtwey!
Ich war jung, unerfahren, neugierig,
interessiert an Abenteuer und Reisen...
Im Laufe der Jahre
wurde das wahre Ziel immer deutlicher.
Die Menschen, die ich fotografierte,
wurden viel wichtiger als...
als ich selbst.
Ich glaube, er denkt,
dass irgendwann das Gute über das Böse triumphieren wird,
trotz aller Rückschläge.
Das hilft ihm, einen klaren Blick für seine Arbeit zu behalten.
Sein Optimismus bewahrt ihn davor,
zynisch zu sein.
Es würde ihn umhauen zu erkennen,
dass er nichts bewirken kann,
dass die Kriege einfach weitergehen.
Jims Problem?
Findet er den Moment zum Aufgeben?
Kriegsfotografen werden selten alt.
Nicht ohne Grund.
Was soll Jim tun, falls er das Glück hat
und diesen Spießrutenlauf übersteht?
Jim war 4- oder 5-mal verwundet,
hatte schreckliche Krankheiten
und schwere psychische Traumata.
Wie kontrollieren Sie Ihre Gefühle?
Weil ich es muss.
Dort hinzugehen und zusammenzubrechen,
wäre sinnlos.
Ich kanalisiere alles in meine Arbeit.
All die Wut, die ich empfinde,
Frustration, Zweifel, Trauer...
kanalisiere ich in meine Fotos.
Er konnte nie
ein normales Leben führen.
Eine Familie,
ein stabiles, romantisches Zuhause,
so was hat er nie gehabt.
Er hat alles für seine Arbeit geopfert.
Es ist immer schwieriger,
Leute mit Kritischem zu konfrontieren.
Bilder, die nicht verklären,
sondern etwas aufdecken.
Damit wir von etwas viel Wichtigerem
betroffen sind als von uns selbst.
Und die Leute sind betroffen.
Ziemlich oft
unterschätzen Verleger ihre Leser.
Letztendlich
wollen die Leute wirklich wissen,
wenn sich eine große Tragödie ereignet,
wenn...
inakzeptables in der Welt passiert.
Und sie wollen, dass etwas getan wird.
Daran glaube ich.
"22. Mai. Lieber Herr Nachtwey,
ich hab über die Sumarno-Familie gelesen
und fand keine Ruhe.
Das Elend und der Überlebenskampf
dieser Familie sind mir unvorstellbar.
Ich bekomme nur
$396 Sozialhilfe im Monat,
spende aber $20 im Monat,
solange ich es kann."
Wir müssen hinsehen.
Das ist unsere Pflicht. Wir müssen alles tun, was wir können.
Wenn wir es nicht tun, wer tut es dann?
Kawah ljen Eine Schwefelmine in Indonesien
Warum fotografiere ich Krieg?
Kann Fotografie
etwas ausrichten
gegen ein menschliches Verhalten,
das es immer gab?
Eine völlig lächerliche Vorstellung,
sollte man meinen.
Doch genau diese Idee motiviert mich.
Die Stärke der Fotografie liegt darin,
ein Gefühl für Humanität zu wecken.
Krieg ist das Ende von Verständigung
und Fotografie vielleicht
das Gegenteil davon.
Ein Gegengift
in Form von Verständigung.
Wenn einer wie ich in den Krieg zieht,
um alle Welt wissen zu lassen,
was da wirklich geschieht,
versucht er, Frieden auszuhandeln.
Vielleicht haben die Kriegstreiber
deshalb so ungern Fotografen dabei.
An der Front erlebt man alles
sehr direkt.
Nicht wie ein Foto in einer Zeitschrift,
schön weit weg,
neben einer Anzeige für "Rolex" -Uhren.
Man sieht fürchterlichen Schmerz,
Unrecht und Elend.
Könnten wir alle
mit eigenen Augen sehen, was Phosphor
mit dem Gesicht eines Kindes macht,
wie weh
eine einzige Kugel tut
oder wie ein Granatsplitter
einem das Bein abreißt.
Könnten wir das alles miterleben,
nur ein Mal, würden wir verstehen,
dass nichts es rechtfertigt,
einem Menschen so was anzutun,
geschweige denn Tausenden.
Aber es können nicht alle dort sein,
deshalb gehen Fotografen hin,
um aufzuzeigen
und aufzuhalten,
was dort passiert.
Um wahrhaftige Bilder zu schaffen
gegen die beschönigenden Massenmedien
und um Leute wachzurütteln.
Um zu protestieren
und so andere zum Protest aufzurufen.
Verursacht es gesundheitliche Probleme?
Sie husten manchmal...
Aber dann kriegen sie etwas von Suhara,
so was wie Milch mit grünem Brei,
und dann ist alles wieder normal.
Danke!
Das Schlimmste ist, als Fotograf
vom Elend anderer zu profitieren.
Diese Vorstellung verfolgt mich.
Ich schlage mich täglich damit herum.
Denn sollten Ehrgeiz und Karriere je
wichtiger sein als mein Mitgefühl,
habe ich meine Seele verkauft.
Ich kann meine Rolle nur rechtfertigen,
indem ich Menschen in Not respektiere.
Nur wenn mir das gelingt,
akzeptiert der andere mich,
kann ich mich selbst akzeptieren.
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