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(Sprecher) Februar, 1733.
Ein Mann ist auf dem Weg von Warschau nach Dresden.
Der Mann hat eine große Aufgabe. Er ist mächtig.
Er ist ein Diplomat und Geld-Genie. Er diente August dem Starken.
Aber der Kurfürst von Sachsen und König von Polen starb überraschend.
August wollte seiner Familie die polnische Erbfolge sichern.
Aber er starb zu früh.
Unser Mann begann seine Karriere als Page.
August machte ihn zum wichtigsten Ratgeber in Staatsgeschäften.
Er machte ihn zum Vollstrecker seines Willens.
Der Mann hatte Anteil an den Machtplänen von August.
Das Machtstreben von August kommt in vielen Prachtbauten zum Ausdruck.
Sie prägen das Aussehen der Stadt Dresden.
Dieser Mann ist Heinrich von Brühl.
Er genoß die Gunst von August dem Starken dauerhaft.
Aber August ist tot.
Sein Tod beendete auch die Macht von Brühl.
August der Starke hinterließ seinem Sohn ein Vermächtnis.
Er übergab es Brühl. Das Vermächtnis lautet:
"Die Wettiner müssen in Europa ein Reich der Mitte errichten."
"Das Reich soll den Kontinent beherrschen."
"Polnische Thronfolge und öster- reichische Erbfolge sind unklar."
"Das ist der Ausgangspunkt für unsere Politik."
Personen und ihre Farben:
Heinrich von Brühl, Diplomat Joseph von Sulkowski, sein Gegner
August der Dritte, Kurfürst von Sachsen
Christian von Watzdorf, Hofkämmerer Komtesse Kolowrath, seine Geliebte
Bringen Sie das sofort zu Pater Guarini.
(Sprecher) Graf Sulkowski ist der Freund und Berater des Kurfürsten.
Er ahnt noch nichts von den beginnenden Machtkämpfen.
Berlepsch! Was willst du hier?
Der Minister Brühl kam aus Warschau zurück.
(überrascht) Brühl? Wie ist das möglich?
Wo ist er? In seinem Kabinett im Vorzimmer des Kurprinzen.
Ich muß sofort zu ihm.
Sag Watzdorf: "Niemand darf während meiner Abwesenheit zum Kurprinzen."
Sie sind hier?
Ich schickte Ihnen in Warschau einen Boten. Niemand kam.
Das heißt: Sie wissen nicht ... Der Kurprinz ...
Brühl, um Gottes willen! Welche Nachricht bringst du?
Der König ist tot.
Was?
Er ist tot.
Wie konnte das geschehen?
Der König war gesund bei seiner Abreise.
Das alte Leiden ... Die amputierte Zehe.
Der König hat sich gestoßen. Die Wunde entzündete sich.
Die Ärzte waren machtlos.
Der Kurprinz muß das sofort erfahren. Wir sollten ihn darauf vorbereiten.
Wie?
Wir müssen zuerst mit Pater Guarini und der Frau des Kurprinzen sprechen.
Beichtvater und Ehefrau? Das ist nicht nötig.
Wir sind gestandene Männer, Brühl.
Warum bist du aufgeregt, mein Sohn? Der König ist tot.
Gottes Wege sind rätselhaft. Weiß es der Kurprinz schon?
Noch nicht.
Wir wollten zuvor mit unserer Herrin sprechen.
Gehen wir zu ihr! Ich muß mich zuerst umkleiden.
Herr Graf, gehen Sie mit dem Pater voraus!
Läuten
Tritt näher, Berlepsch!
Berlepsch! Du verdankst mir deine Stellung.
Ich brauche jetzt deine Hilfe.
Geh ins Zimmer des Kurprinzen. Erzähl: "Brühl ist angekommen."
Mach schnell! Noch etwas, Berlepsch!
Wir sprachen nie über diese Sache. Du allein trägst die Verantwortung.
Hast du das verstanden, Berlepsch?
Exzellenz! Mein Herr erfuhr zufällig von Ihrer Ankunft.
Er will Sie sofort sprechen. Aber meine Kleidung ...
Das macht nichts. Sie sollen sofort kommen.
Brühl!
Mein lieber Brühl!
Brühl, was gibt es?
Unser König und Herr ist tot.
Das ist sein letzter Wille. Er hat ihn mir anvertraut.
Ich überbringe Ihnen das Schreiben Ihres Vaters, königliche Hoheit.
Ich lege es meinem neuen Herrn zu Füßen.
"Ich empfehle dir meinen treuen Ratgeber Brühl."
"Er befreite mich von vielen Sorgen und verschaffte mir frohe Stunden."
"Ich verdanke Brühl die Ordnung in meinem Haus."
"Gott segne dich und deine Regierung, mein Sohn!"
Ich befolge den Wunsch und Rat meines Vaters.
Wir wollten es ihm gemeinsam sagen. Er rief mich zu sich.
Jemand verriet ihm meine Ankunft. Das war vermutlich Watzdorf.
Ich mußte dem Befehl unseres Herrn gehorchen.
Trag den Verlust mit der Würde eines Königs, August.
Der Herr weist den Weg. Der Herr gibt die Kraft.
Wir müssen das geheime Kabinett zusammenrufen.
Die Glocken müssen läuten. Das Land muß erfahren:
Wir haben August den Starken verloren.
Herrscher haben für Trauer keine Zeit.
Das geheime Kabinett versammelt sich bald.
Geh hin und übernimm den Vorsitz! Ich kann nicht.
Wie Sie befehlen. Sulkowski! Schick Brühl zu mir.
Wozu? Mein Vater starb in seinen Armen.
Er hörte seine letzten Worte. Er soll kommen.
Wenn Sie unbedingt wollen ...
Ärgere dich nicht, Joseph! Mein Vater empfahl mir Brühl.
Unser Verhältnis bleibt wie bisher. Du bist mein Freund und meine Stimme.
Laß die Glocken läuten!
Glockenläuten
Sanfte Musik
Franziska! Schau, ein großes schneeweißes Bett für uns beide.
Das ist ein bunter Traum, mein geliebter Schatz.
Meine Liebe kann die ganze Welt schmelzen.
Unser Bett ist dann ein Bach. Unsere Liebe fällt ins Wasser.
Du grübelst zuviel. Du bist ein Träumer, Christian.
Der Hof in Dresden kämpft um eine neue Rangordnung.
Aber du verliebst dich. Die Machtkämpfe sind würdelos.
Wir beide wissen: Der Kurprinz ist nicht fähig zum Regieren.
Du hast nicht nur wirre Gedanken. Auch deine Reden sind ketzerisch.
Du endest irgendwann im Kerker auf dem Königstein.
Das ist immerhin ein Aufstieg.
Die Gefangenen im Königstein sind klüger als die Minister im Kabinett.
Los, komm!
Ich soll ein Requiem schreiben zum Tod von August dem Starken.
Ich habe noch eine Messe: "Der Tod eines Helden."
Das ist passend.
August verdient etwas Besseres als ein Requiem von dir.
Ich würde ihm gern eine schöne Grabrede halten.
August lächelte dir aus seiner Loge zu.
Er war ein Held für dich, mit seinen Perlen und Diamanten.
Das Volk bezahlte den Schmuck mit Tränen. Er war ein Tyrann!
Schweig! Ich ertrage deinen Neid und deine Eifersucht nicht mehr.
Beruhige dich, meine Liebe. Beenden wir den Streit!
Faustina mußte den König so sehen.
Ich spreche auf meine Weise. Ich bin Musiker.
August verehrte alles Schöne: die Kunst und die Künstlerinnen.
Er erlebte viel. Er hatte mindestens 300 Geliebte.
Er verschwendete viel Geld. Viele Menschen mußten dafür sterben.
August genoß das Leben. Das ist wahr.
Aber er machte Sachsen groß und prächtig.
Er holte tüchtige Leute nach Sachsen. Uns zum Beispiel.
August konnte sein Reich nicht mehr schaffen. Sachsen wäre jetzt reich.
Sehr reich. Aber er starb zu früh.
Was wird jetzt aus Sachsen?
Sie schreiben weiterhin Opern für die reizende Faustina.
Aber zwei ehemalige Pagen regieren jetzt den Hof: Sulkowski und Brühl.
Schweigen Sie, Watzdorf! Das Opernhaus ist voller Spione.
Denken Sie, was Sie wollen. Aber sprechen Sie nicht wie ein Ketzer!
Wir müssen ketzerische Gedanken im Volk verbreiten.
Sie sind sonst sinnlos, Herr Komponist.
Vergessen wir die Gedanken! Sulkowski oder Brühl? Das ist die Frage.
(Sprecher) Sulkowski oder Brühl?
Die Frage beschäftigt auch einen geistlichen Reisenden.
Er besucht deshalb Pater Guarini, den Beichtvater des Kurfürstenpaares.
Guarini besitzt große Macht am Hof. Sie ist unauffällig, aber wirksam.
Der Kurprinz ist gut.
Aber er ist schwach und träge. Jeder kann ihn beeinflussen.
Sulkowski regiert vermutlich für ihn. Was bedeutet das für Rom?
Sulkowski ist ein Katholik.
Aber ich denke, der Glaube ist nicht wichtig für ihn.
Er ist ehrgeizig.
Die Reize der Macht sind ihm lieber als die Segnungen des Glaubens.
Er hat großen Einfluß auf den Kurfürsten.
Er wird bestimmt sein erster Minister.
Wie wollen Sie seine Macht beschränken?
Ich beschränke seine Macht durch einen zweiten Minister: Brühl.
Brühl ist ein Protestant.
Er ist im Grunde seines Herzens für uns. Wir können ihm vertrauen.
Er wird ein treuer Partner für uns.
Das bezweifle ich. - Wir müssen es wagen.
Sulkowski wird niemals der Vertreter des streng lutherischen Adels.
Brühl hat außerdem die Macht über die Staatsfinanzen.
Aber das Wichtigste ist: Er ist völlig abhängig von uns.
Er ist ein toter Mann, wenn er uns betrügt.
Wir benutzen Brühl für unsere Zwecke.
Sein Ehrgeiz ist unser bestes Werkzeug.
Ich verstehe. Wir müssen jedes Werkzeug benutzen.
Auch wenn wir Gewissensbisse haben.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Wir müssen uns vor einer Übermacht der Protestanten schützen.
Pater Guarini, Ihr Spiel ist trotzdem gewagt.
Alles liegt in der Hand Gottes.
Wenn Brühl gegen Sulkowski verliert, dann hat das keine Folgen für uns.
Wir bleiben unschuldig.
Wir helfen einem Protestanten gegen einen Katholiken.
Das traut uns niemand zu.
Wir könnten Brühl wenigstens eine katholische Frau geben.
Romantische Musik
Du bist die wunderbare Tochter von August und der schönen Cosel.
Warum machte August dich nicht zu meiner Frau?
Er wußte von unserer Liebe. Aber er verheiratete dich mit Moszynski.
Wir beide waren abhängige Geschöpfe des Herrschers.
Du mußtest für das Vergnügen von August sorgen.
Nicht seine Tochter verführen!
August hatte Pläne mit Polen. Ich mußte deshalb den Polen heiraten.
Musik
Ach, Frederike!
Ich möchte diesen Pferdeknecht Moszynski am liebsten erwürgen.
Frederike lacht.
Er ist ein polnischer Edelmann.
Wir sind nur die Geschöpfe von August dem Starken.
Ich bewunderte August immer. Ich will so sein wie er.
Das kannst du nicht. Du hast leider keine Krone.
Das Ganze ist ein Traum.
Du kannst etwas anderes sein. Etwas anderes?
Du kannst sein wie Brühl. (lacht) Was heißt das?
Du hast nicht die Macht. Aber du regierst trotzdem.
Ich verstehe: Ich soll durch andere regieren.
Das ist schwierig. Sehr schwierig.
Wir erfüllten bisher den Willen von August. Wir mußten gehorchen.
Jetzt regiert sein Sohn. Wir kehren die Sache um:
Der Monarch erfüllt jetzt unseren Willen.
August der Dritte ist lenkbar, aber auch unberechenbar.
Du vergißt außerdem seinen Jugendfreund Sulkowski.
Du vergißt seine Frau, die stolze Habsburgerin.
Du bist ein einfallsreiches Genie. Du schaffst das.
August der Dritte ist noch kein Monarch.
Er ist noch nicht einmal Kurfürst.
Sulkowski achtet nur auf das Ergebnis.
Brühl achtet auf jede einzelne Buchung.
Er kennt jede Einzelheit des Amtes.
Er benutzt dieses Wissen für seine Zwecke.
Wer die Finanzen beherrscht, der beherrscht das Land.
Sulkowski braucht unser Wissen.
Brühl kann ohne uns arbeiten. Er ist eine Gefahr für uns.
Kluge Männer erzürnen gefährliche Feinde nicht.
Kluge Männer mißtrauen dem Lob der Unwissenden.
Wir haben eine neue Lage. Wir müssen uns umstellen.
Der Monarch überschüttete uns bisher mit Ideen.
Wir mußten seine Ideen bündeln.
Wir lenkten das Wohlwollen des Königs auf uns, den Zorn auf die anderen.
Das Amt schwankte wie ein Schiff auf hoher See.
Ein fauler Pfeifenraucher sitzt jetzt auf dem Thron.
Er denkt langsam vor sich hin.
Entscheidungen treffen und handeln... Das macht ihn ärgerlich.
Wir können von diesem König nichts erwarten.
Der König wird uns nicht lenken. Wir müssen ihn lenken.
Wir kennen die Vorgänge im Land.
Wir kennen die Möglichkeiten.
Unser Wissen ist eine Macht für einen klugen Politiker.
Wer ist das? Brühl oder Sulkowski? Oder beide?
Nur einer. Aber wir müssen abwarten.
Alles bleibt bis dahin ein Amtsgeheimnis.
"Das größte Amtsgeheimnis ist:"
"Was geschieht mit den Steuern? Sie werden dem Volk abgepreßt."
"Was leerte die Kassen am meisten? Krieg, Verschwendung, Bestechung?"
"Die Verwendung von Steuergeldern muß öffentlich bekannt werden."
"Persönliche Bereicherung muß verhindert werden."
"Das Geld muß für neue Zwecke verwendet werden."
"Das Wohl des Volkes ist das Wichtigste."
"Sulkowski oder Brühl? Die Frage ist: Wer regiert in welchem Interesse?"
Wie gefällt dir die Schrift? Gut. Aber das ist zwecklos.
Du schreibst für das Volk. Das Volk kann nicht lesen.
Die Höflinge werden es lesen.
Ich bin sicher: Sie wollen den Verfasser beseitigen.
Christian, ich habe Angst um dich.
Jemand muß einmal den Eigennutz vergessen.
Im Interesse der Allgemeinheit!
Wir müssen das Volk aufwecken aus seiner Trägheit.
Warum ausgerechnet du? Du stammst aus einer alten Adelsfamilie.
Der Sinn von Adel und Königtum ist die Vertretung des Volkes.
Aber dieser Sinn wurde verdrängt.
Adel und Volk müssen das wieder begreifen.
Du bist ein aufregender Geliebter!
Lautes Knallen
(Sprecher) Der Hofball ist offenbar nicht aufregend.
Der Anlaß ist die Einsetzung von August als Kurfürst von Sachsen.
Die Erbfolge ist eindeutig.
Die Einsetzung ist nur eine Formsache.
Der Ball ist eine vorgeschriebene Feierlichkeit.
August befahl: "Alles muß sein wie bei meinem Vater."
Aber niemand kann eine gute Stimmung befehlen oder herbeizaubern.
Storch und Frosch sind sehr lustig. Sie gefallen mir.
Es lebe unser neuer August! Es lebe unser neuer König!
(alle) Es lebe unser neuer König! Es lebe unser neuer König!
Kurfürst! Ihr müßt "Kurfürst" sagen. Aber ich bin euch nicht böse.
Wir müssen in Polen etwas machen. Dann erst werde ich König.
Sulkowski wird mein erster Minister.
Sie übergeben diese Aufgabe einem tapferen Soldaten und Katholiken.
Das freut mich.
Sulkowski wird meine Frau Josepha krönen.
Die Tochter des Kaisers kann nicht Kurfürstin bleiben.
Gäste klatschen Beifall.
Wir haben treue Freunde in Polen.
Aber Frankreich unterstützt Laschinski. Das wird teuer.
Brühl, habe ich Geld? Sie müssen nur befehlen.
Aber wir brauchen einen fähigen Mann in Polen.
Haben wir einen?
Der erste Minister ist der beste. Aber wir brauchen ihn hier.
Ich denke an den Grafen Moszynski. Er ist ein polnischer Edelmann.
Ich bin auch dieser Meinung.
Majestät! Exzellenz! Ich erwarte Ihren Befehl.
Sie reisen morgen nach Warschau.
Was wird aus der Jagd, wenn Moszynski weg ist?
Bitte schick mir die Hunde meines Vater zurück.
Das sind die besten Jagdhunde.
Schick mir "Die Magdalene" aus dem sächsischen Palais.
Das ist ein wertvolles Gemälde.
Ich will die schönsten Gemälde von Europa in meiner Galerie aufhängen.
Sucht vor allem in Italien!
Musik
Wo ist Ludovici?
Der erste Minister machte ihn gerade zu seinem Kabinetts-Sekretär.
Sulkowski? - Ja, Sulkowski.
Ich kann es offen aussprechen: Ich muß hier niemanden fürchten.
Aber ich darf auch niemandem vertrauen.
Sehr richtig, Exzellenz. Ein kluger Mann sagte einmal:
"Deine Freunde sind morgen vielleicht schon Feinde."
Ich muß alle wichtigen Vorgänge im Land kennen.
Sie kennen die Ämter. Sie kennen die Amtspersonen.
Sie kennen auch die Nachrichtenwege.
Sie bekommen täglich einen Bericht. Schriftlich oder mündlich? Mündlich.
Auch die fremden Gesandten? Sie sind die offiziellen Spione ihrer Länder.
Die Ränkespiele im eigenen Land sind oft gefährlicher als fremde Staaten.
Richtig, Exzellenz! Ich achte und verehre den Minister Brühl.
Brühl ist mein Freund. Ich schätze ihn wegen seines großen Könnens.
Er kann die Freundschaft zwischen August und mir nicht erschüttern.
Ich arbeitete jahrelang unter seiner Leitung.
Ein goldener Bach und ein silberner Strom fließen zu ihm.
Sulkowski verhält sich wie nach einer Krönung.
Brühl ist dagegen sehr nett und freundlich.
Höfische Musik
Er ist sehr oft bei den jungen Damen des Hofes.
In jeder freien Minute.
Brühl will August dem Starken in jeder Hinsicht ähneln.
Mein Ehemann erbte diese Neigung zum Glück nicht.
Er erbte leider auch nicht das Talent seines Vaters.
Die geistigen Kinder sind manchmal würdigere Erben als die leiblichen.
Sie haben keine Rechte in der Erbfolge.
Brühl ist ledig. Er lebte am Hof von August dem Starken.
Die schönsten Frauen verwöhnten ihn dort.
Aber wir finden vielleicht eine junge Dame für ihn.
Am besten eine katholische Adlige.
Frau Kolowrath, Ihre Tochter ist ein liebes und schönes Mädchen.
Sie denken mit Wohlwollen an meine Familie. Das freut mich.
Meine Tochter lernte schon als Kind das Benehmen des Adels.
Das verdient einen guten Lohn.
Die Stelle einer Hausfrau in einem wichtigen Haus von Dresden ist frei.
Der Besitzer des Hauses ist sehr tüchtig.
Aber er ist auch liebenswert und hat glänzende Manieren.
Sulkowski ist schon verheiratet. Sie sprechen bestimmt von ...
Sie haben recht. - Vielen Dank, Hoheit.
Rat Hennicke, ich arbeite nicht mehr mit Ihnen zusammen.
Ich bin jetzt Sekretär bei Sulkowski.
Mein lieber Ludovici, wir müssen gerade deshalb zusammenarbeiten.
Wer sich nicht bekämpfen will, der muß zusammenarbeiten.
Passen Sie auf, mit wem Sie zusammenarbeiten!
Grüßen Sie Ihren neuen Herrn in diesem Sinn von mir.
(Sprecher) Ein Roulette-Spiel beginnt an diesem Abend.
Der Sieger des Spiels bekommt die Macht in Sachsen.
Ihr Rivale erwarb die Gunst des ersten Ministers. Das ärgert Sie.
Das ist wahr. Aber ich will nicht mit ihm tauschen.
Er arbeitet für die falsche Seite.
Welche Seite ist die richtige? Ihre Seite ist die richtige.
Du willst unbedingt aufsteigen. Du bist deshalb mein Mann.
Du bekommst von mir Macht und Vermögen.
Ich verlange dafür unbedingte Treue und unbedingten Gehorsam.
Wir erreichen gemeinsam jedes Ziel.
Ich half als Diener vielen Herren. Ich brauche jetzt selbst Hilfe.
Ich bin dafür besonders dankbar.
Sehr gut, Hennicke! Wir brauchen jetzt viel Geld.
Keine Sorge. Der Hof kann viel Geld ausgeben.
Das Geld gelangt auf diesem Weg zu den Händlern.
Aber wir entreißen es den Händlern wieder mit List und Tücke.
Ludovici wird sich über unsere Leistungen wundern.
Sie hassen den Advokaten Ludovici.
Haß ist ein starker Antrieb für menschliches Handeln.
Mindestens genauso stark ist der Neid.
Unser Ziel ist nicht Neid, sondern Macht.
Wir haben keine Krone. Aber wir wollen trotzdem regieren.
Warum singt Faustina nicht? Ihre Engelsstimme ist einmalig.
Flüstern
Die Hofsängerin Faustina singt jetzt zu Ehren unseres gnädigen Herrn.
Brühl ist unbezahlbar.
Faustina singt eine Arie.
(Drucker Erroll liest) "Roulette im Schloß."
"Welche Köpfe führen in diesem Spiel? Welche Köpfe rollen?"
"Die Anwärter der Macht Sulkowski und Brühl haben neue Verbündete."
"Erstens: der windige Advokat Ludovici ..."
"Zweitens: der gemeine Bürokrat und ehemalige Diener Hennicke."
"Die Namen stehen für die Verachtung aller menschlicher Werte und Würde."
"Alle Köpfe können in diesem Spiel rollen. Nur einer nicht!"
"Dieser Kopf kann nicht regieren und darf nicht rollen."
"Aber dieser Kopf trägt die Verantwortung."
"Sulkowski und Brühl ... Beide brauchen diesen Kopf."
"Sulkowski und Brühl herrschen im Namen des Kurfürsten."
"Sie stammen beide aus den unteren Volksschichten."
"Sie wissen deshalb genau, wie sie das Volk ausnutzen können."
Verhaften Sie den Verfasser! Hier steht kein Name.
Verhaften Sie den Drucker!
Wir sollten diese Schreiberlinge aufhängen.
Wir dürfen die Behauptungen nicht bestätigen.
Wir beschlagnahmen lieber die Druckerei!
Machen Sie, was Sie wollen! Aber beenden Sie das Ärgernis!
Der Kurfürst darf nichts davon erfahren.
Sulkowski beschlagnahmte die Druckerei.
Aber der Drucker ist nicht wichtig.
Er druckt heute Flugblätter gegen uns und morgen Hofnachrichten für uns.
Wir geben dem Drucker seine Druckerei wieder zurück.
Er bekommt außerdem viele Aufträge von uns.
Aber er muß uns den Verfasser des Flugblatts verraten.
Er schweigt vielleicht. Drucker lieben ihre Druckereien.
Sprechen Sie mit ihm? Gut. Verlassen Sie sich auf mich.
Die Macht ist wie eine Axt.
Sie wird stumpf, wenn wir damit wild ins Erdreich schlagen.
Wir müssen die Wurzel freilegen. Dann können wir gezielt zuschlagen.
Der Verfasser hat recht: Alle rechnen mit Augusts Gutmütigkeit.
Wir dürfen Majestäts-Beleidigung trotzdem nicht dulden.
Sulkowski wird etwas dagegen tun. Aber wir müssen auf Sulkowski achten.
Solche Schreiber sind für einen Regenten manchmal nützlich.
Sie begrenzen die Betrügereien in diesem Spiel.
Sulkowski darf nicht zu mächtig werden.
Er ist der Jugendfreund von August.
Aber er ist nicht mit ihm verheiratet.
Deine Worte im Flugblatt sind wahr.
Aber an diesem Hof regiert das Unrecht.
Wir müssen etwas dagegen tun.
Du bist an allem schuld. Du hast mich verführt.
Ich verführte dich nicht zum Schreiben.
Ich liebe dich mehr als mich selbst.
Ich denke auch an die anderen, seit ich dich kenne.
Ich weiß jetzt: Die Vertreter des Hofes sind selbstsüchtig.
Das gilt für August, Sulkowski und Brühl.
Brühl ist zurückhaltend. Er ist der Klügste von allen.
Schluß mit dem Grübeln! Genießen wir den Tag!
Alle kennen den Text. Niemand kennt den Verfasser.
Außer dir und dem Drucker. Aber ich vertraue euch beiden.
Verschwinden Sie!
Du bist schamlos.
Du triffst dich in der Öffentlichkeit mit Männern.
Ja. Ich liebe ihn.
Ich liebe ihn. Du bist unverschämt.
Warum darf ich meine Gefühle nicht aussprechen?
Ich opfere deine Zukunft nicht für diesen Habenichts Watzdorf.
Du bist verrückt.
Ich warne dich. Ich schließe dich ein wie eine Sklavin.
Warum muß ich diese Zumutung ausgerechnet heute erleben?
Ich wollte dir dein Glück verkünden. Aber ich treffe hier auf Schande.
Wenn der Tagedieb irgend etwas macht, dann vernichte ich ihn.
Ich warne ihn.
Du willst mich zum goldenen Opfer machen. Aber er wird mich rächen.
Du kennst den Auserwählten nicht. Er ist mir egal. Ich liebe Christian.
Das sage ich auch meinem zukünftigen Ehemann.
Die Herrin will dich sehen. Ich hoffe, du kennst deine Pflicht.
(Sprecher) Welche Richtung verfolgt die Politik am Hof?
Nicht nur die Dresdener Bürger fragen sich das.
Der kaiserliche Gesandte Mitrowitsch beobachtet die Ereignisse genau.
Auch die Gesandten der anderen Mächte achten auf jede Kleinigkeit.
(Text der Tafel) "Ich drucke jede Eselei. Ich bin so frei."
(Sprecher) Der Kaiser in Wien hat Sorgen:
Zerbröckelt sein großes Reich, wenn der letzte männliche Erbe stirbt?
Oder bekommt ein Verwandter das Reich als Ganzes?
Ein Wittelsbacher oder ein Wettiner?
Beide sind mit dem Kaiserhaus verschwägert.
Oder kann Kaiser Karl der Sechste die Erbfolge seiner Tochter übertragen?
August der Starke war gegen die Erbfolge von Maria Theresia.
Er hatte selbst Hoffnungen auf den Kaiserthron.
Welche Chancen für den Thron hat sein Sohn?
Diplomat Mitrowitsch beginnt seine heikle Mission mit einem Kompliment.
Schreiberlinge dürfen nicht die Richter der Adeligen spielen.
Sulkowski, Sie haben die richtige Strafe gewählt.
Sie ist ein Zeichen von Strenge und von Klugheit.
Was ist mit Brühl? Was denkt er über Eselsritte?
Brühl ist mein Freund. Er überließ mir das Amt des Hofkämmerers.
Er leitet das Finanzamt. Er ist ein Finanz-Genie.
Er achtet auf jede Kleinigkeit.
Aber er ist nicht für die große Politik geeignet.
August der Starke war wählerisch. Aber Brühl war lange sein Berater.
Brühl ist das Spiegelbild von August. Er wartet ab.
Brühl ist ein Gelegenheits- politiker ohne große Ziele.
Wir haben eigene Entwürfe und wollen sie durchsetzen.
Wir müssen die Durchsetzung herbeiführen.
August hatte geniale Ideen. Wir verwirklichen sie.
Der Kurfürst muß die Erbfolge von Maria Theresia bestätigen.
Das machte er schon bei seiner Hochzeit.
Die Frage ist nicht aktuell. Der Kaiser ist gesund.
Aktuell ist die Frage: Wer wird König in Polen?
Der Schwiegervater von König Louis? Die Zarin verhindert das bestimmt.
Ich hörte, der schöne sächsische Gesandte Graf Lynar betörte sie.
Sachsens Glanz besteht auch aus schönen Frauen.
Österreich verschenkt seine Gunst nicht für blaue Augen.
Der Kurfürst verzichtete auf das österreichische Erbe.
Aber er war damals kein Herrscher. Das ist jetzt anders.
Sie haben recht. Österreich will die Verzichtserklärung.
Wir sollten warten, bis die Thron- folge in Polen entschieden ist.
Das Wort eines Königs bedeutet mehr als das eines Kurfürsten.
Dem Kaiser genügt das Wort des Kurfürsten.
Der polnische König hat keine Stimme im Deutschen Reich.
Mein Herr wird König in Polen.
Er bestätigt danach die österreichische Erbfolge.
Das ist bestimmt nicht die Entscheidung des Kurfürsten.
Sie kennen seine Treue gegenüber Österreich.
Seine Frau ist ihrem habsburgischen Vaterhaus in Freundschaft verbunden.
Treue und Freundschaft ... Das muß erst ausgesprochen werden.
Ich warte auf ein Wort.
Es wird ein Wort der Freundschaft gegenüber Österreich sein.
Ich bin ganz sicher.
(Sprecher) Sulkowski erlebt eine Überraschung.
Der Kurfürst begrüßt den Grafen Mitrowitsch im Opernhaus.
Grüßen Sie den Kaiser in Wien herzlich.
Er besitzt unser Wohlwollen.
Dasselbe gilt für unsere Cousine Maria Theresia.
Wir werden ihre Rechte achten und schützen.
(Sprecher) Das paßt nicht in die Pläne von Sulkowski.
Er sucht den Schuldigen. Aber in der falschen Richtung.
Faustina singt eine Arie.
Sie ist großartig.
Wir hören in Wien oft gute Musik.
Mein Kind, du mußt an deine Zukunft denken. Ich will dir helfen.
Wir schulden Ihnen ewige Dankbarkeit.
Wir wählten einen Mann für dich. Herzlichen Glückwunsch.
Er ist fromm. Sein Charakter ist stark. Sein Verstand ist scharf.
Es ist der Minister Brühl.
Erlaube, daß er sich dir nähert! Ihr müßt euch kennenlernen.
Ich hoffe, daß du glücklich wirst.
Gesang
Zuschauer klatschen Beifall.
Stumme Szene
Meine Damen!
Komtesse!
Welch edles Vergnügen!
Sie fanden den Weg zu uns. Das ist eine große Ehre.
Ich muß mich leider entschuldigen. Die Pflichten bei der Herrin ...
Ich bedaure, daß ich auf Ihre Anwesenheit verzichten muß.
Ich hoffe, daß Sie es schon wissen.
Ich bin sehr glücklich. Spielen wir keine Komödie!
Ich soll Sie heiraten. Ich liebe einen anderen.
Sie sollen mich heiraten. Sie lieben eine andere.
Ich liebe keine andere.
Wir können die Liebe und den Husten nicht verheimlichen.
Sie lieben die Gräfin Moszynska. Das ist nur eine flüchtige Neigung.
Das geht vorbei. Natürlich, mein Freund.
Komtesse, ich will Sie glücklich machen.
Denken Sie an Ihr Glück! Ich kümmere mich um meins.
Sie sind grausam. Ich bin ehrlich.
Ich hoffe, Sie überwinden Ihren Widerwillen.
Das ist kein Widerwille. Sie sind mir egal.
Ich muß Sie vielleicht heiraten. Sie kennen jetzt meine Gefühle.
Wer ist er? Wen lieben Sie?
Ich war ehrlich und erzählte Ihnen davon. Das muß genügen.
Das ist ein harter Empfang für einen Freier.
Ich will ihn vergessen, Komtesse.
Musik und Gesang aus dem Opernhaus
Warum sind Sie ängstlich, Herr Erroll?
Willkommen zu Hause!
Ich weiß, Ihnen geschieht Unrecht.
Sie kümmern sich um die Form der Buchstaben und ihre Anordnung.
Sie sorgen für gutes Papier und kräftige Schwärze.
Ein würdiger Rahmen für die Hofnachrichten!
"Der Dresdener Merkur".
Sehen Sie Merkur als Götterboten, nicht als Gott des Handels!
Sie betreiben einen sehr fragwürdigen Handel.
Sie verdienen bestimmt nicht viel dabei.
Der Schreiber machte beim "Roulette im Schloß" nicht den Hauptgewinn.
Wählen Sie Ihre Kunden besser aus! - Ich kann niemanden mehr wählen.
Meine Druckerei ist beschlagnahmt. Ich bin ein toter Mann.
Sie schlagen den Drucker, aber sie meinen den Schreiber.
Der Verfasser ist leider nicht bekannt. Er hat es einfach.
Er schreibt freche Texte. Die Strafe erhält ein anderer.
Ich bezweifle, daß Ihnen das auf Dauer gefällt.
Verschwiegenheit gehört zur Druckerehre.
Das war gestern. Die Sache sieht heute anders aus.
Ihre Druckerei ist vernichtet.
Sie haben keine Druckerei und keine Ehre mehr.
Glauben Sie mir! Ich weiß es genau.
Nur Ihr Wissen ist etwas wert.
Bestimmte Leute würden Ihnen viel geben für dieses Wissen.
Vielleicht eine Druckerehre oder sogar die Würde eines Hofdruckers.
Was soll ich tun? - Denken Sie darüber nach.
Sie haben Zeit bis morgen abend.
Sie wollen mich warnen?
Ich muß meine Freiheit oder meine Druckerei opfern.
Sie verzichten lieber auf die Freiheit.
Ich verliere meine Freiheit, auch wenn ich die Druckerei opfere.
Ich muß meinen Peinigern heute abend den Verfasser nennen.
Seine Worte sind nicht verständlich.
Aber ich warnte Sie.
Ich verstehe Sie, Erroll.
Ich bin nicht böse, nur traurig. Ich habe Mitleid mit Ihnen.
Sie schaufeln Ihr eigenes Grab mit dieser Gesinnung.
Ich habe Sie gewarnt. Sie sind zu ängstlich, Erroll.
Die Herren können den Widerspruch nicht auf diese Weise ersticken.
Sie müssen mich zuerst totschlagen.
(liest) "Wir sind drei. Zwei Pagen und ein Lakai."
Lakai = Diener
Wie kommt das auf meinen Schreibtisch, Ludovici?
Ich weiß es nicht.
Ich will wissen, was hier passiert. Ich bezahle Sie schließlich dafür.
Jemand ärgert uns, Ludovici.
(wütend) Aber Sie empfehlen mir Possenspiele wie den Eselsritt.
Wer muß diesmal reiten, Ludovici?
Eine sehr gute Arbeit! Niederländische Schule.
Wie kamen wir zu dem Stück?
Das war bei den Sachen aus dem Kabinett des Kurfürsten.
Aus dem Kabinett des Kurfürsten?
Ist es möglich, daß der Kurfürst selbst ...?
Ich hätte das August dem Starken zugetraut.
Aber das ist bei seinem Sohn nicht möglich.
Es muß in der Umgebung des Hofes einen intelligenten Mann geben.
Er hat Verbindungen in die Niederlande.
Prüfen Sie das! Aber bitte mit Diskretion. Sonst noch etwas?
Ich hoffe, ich kann den Verfasser der Artikel morgen verhaften.
Sie hatten recht, Exzellenz!
Ein Drucker liebt seine Druckerei mehr als das Gedruckte.
Wir geben sie ihm trotzdem nicht zurück.
Aber ich versprach es ihm. Wir machen ihn zum Geschäftsführer.
Wir selbst sind die Treuhänder.
Wir machen aus seiner Hinterhof- werkstatt die Hofdruckerei.
Denken Sie an die vielen Programme, Einladungen, Speisekarten, Anzeigen!
Wir drucken eine Hofzeitung mit unseren Ansichten.
Wir ziehen zweierlei Nutzen daraus.
Wir machen Werbung und verdienen etwas dabei.
Erroll ging nach meinem Besuch sofort zum Hofkämmerer Watzdorf.
Ich wette, er ist der Verfasser und schickte die Medaille.
Eine Vermutung genügt nicht.
Wir brauchen bei einem Hofkämmerer die Zustimmung des Kurfürsten.
Ich will Beweise, Hennicke. Ich beschaffe sie.
Schön.
Etwas anderes interessiert mich noch mehr.
Wer ist der Verehrer von Franziska von Kolowrath?
(Sprecher) Die geheimen Vorgänge geschehen im Gewimmel des Alltags.
Sie geschehen meistens nicht im Dunkel der Nacht.
Ein Kammerherr des Kurfürsten betritt das Palais der Oberhofmeisterin.
Ich mußte kommen nach dem Abend in der Oper.
Wegen Brühl?
Ja. Was war mit ihm? Ich soll ihn heiraten.
Was sagtest du ihm? Ich sagte, ich liebe einen anderen.
Du hast den Antrag nicht abgelehnt? Es ist ein Befehl der Königin.
Sie macht dich zu einer Schachfigur! Was soll ich tun?
Was wird aus unserer Liebe? Das ändert nichts zwischen uns.
Ich liebe nur dich. Laß uns von hier fliehen!
Wohin? Irgendwohin.
Ich will nicht wie eine Zigeunerin leben.
Du liebst dein Leben im goldenen Käfig.
Nein, ich will kein Leben auf der Flucht.
Du willst keine Veränderung.
Du denkst nur an das Heil der Welt und vergißt unser Glück.
Wir können das Leben am Hof nicht verändern.
Wir müssen unser Glück mit List erkämpfen.
Das Glück ist kostbar in der Welt des falschen Scheins.
Aber es strahlt um so heller. Wir müssen uns beschmutzen mit Lügen.
Wir müssen uns selbst verachten.
Glück unter unglücklichen Umständen ist trügerisch.
Ich trat an die Öffentlichkeit im Namen der Wahrheit.
Auch mein Privatleben muß wahrhaftig sein.
Niemand weiß, daß du die Artikel geschrieben hast.
Sie setzten Erroll unter Druck. Er wird reden. Du mußt fliehen.
Nein, ich stehe zu meinen Worten. Sie können tun, was sie wollen!
Sie töten dich.
Deine Heirat ändert hoffentlich nichts an deiner Liebe zu mir.
Keine Sorge!
Mein Herz gehört dir. Ich habe nur eins.
Ich heirate, und ich teile die Macht mit Sulkowski.
Ich mache das nur, weil es sein muß.
Ich wußte das.
Franziska von Kolowrath liebt dich sowieso nicht.
Aber sie verdreht vielen Männern den Kopf.
Mir nicht. Ich verehre nur dich.
Du kannst eine Ehefrau neben deiner Geliebten haben.
Aber Sulkowski neben Brühl, und Brühl neben Sulkowski ...
Das geht nicht auf Dauer.
Ich kann nichts dagegen tun. Bleib in der Nähe von August!
Er wird bestimmt bald König von Polen.
Glaubst du, dein Mann überzeugt die Polen mit seiner Politik?
Nein. Ich glaube, dein Geld überzeugt die Polen.
Die Zarin versprach dir außerdem militärische Unterstützung.
August will jedenfalls immer jemandem zulächeln.
Du mußt deshalb immer in seiner Nähe sein.
Deine zukünfige Frau kann dich nachts dabei ablösen.
Er ist immerhin der Sohn von August dem Starken.
(Sprecher) Kammerherr Watzdorf ist immer noch bei Franziska.
Hennicke und Globig besuchen ihn inzwischen auf ihre Weise.
"Mein geliebter Christian, ... ... deine Franziska."
"... deine Franziska."
"... deine Franziska."
Seine Franziska!
Hier sind die Prägestücke für die Medaille.
Das reicht für drei Königsteine.
Frau Gräfin! - Was ist los?
Ein Mann vom Hof ist draußen.
Ein Höfling? Hier? Niemand weiß, daß ich hier bin.
Ich verstecke mich am besten.
Verzeihen Sie! Ich habe einen Brief vom Kurfürsten für Sie.
Sie waren nicht zu Hause. Aber ich ahnte, daß Sie hier sind.
Ich weiß, Sie spielen gern die Rolle des Spürhundes.
Aber ich spiele nicht gern die Rolle des Wildes.
Wo ist der Brief?
Ich wollte nicht stören.
Wenn Exzellenz in der Nähe ist, kann ich mir einen Besuch sparen.
Ich fand heute morgen in meiner Robe eine Medaille.
Exzellenz muß die Medaille unbedingt sehen. Hier.
Was soll diese Frechheit bewirken?
Sie bewirkt vielleicht, daß sich der Kurfürst andere Berater sucht.
Wen? Die Narren Frosch und Storch? Oder soll der Kurfürst Sie suchen?
Sie urteilen hart, Gräfin.
Sie machen mich ungeduldig. Wo ist der Brief?
Ich bin völlig verzweifelt. Ich habe ihn vergessen.
Frechheit! Der Brief ist ein Vorwand. Sie wollen mich bespitzeln.
Für wen arbeiten Sie? Für Moszynski oder Sulkowski?
Ich arbeite vielleicht für Brühl. Verschwinden Sie! Oder ...
Ich verstehe jetzt, warum Watzdorf mich verfolgt.
Sie sind ein außergewöhnlicher Mann. Ich bin deshalb ehrlich.
Ich heirate Sie, wenn Sie meine Liebe zu Christian dulden.
Dann verspreche ich:
Ich unterstütze Sie tatkräftig als Ihre Ehefrau.
Auch die Eheschließungen von Adligen sollten Hoffnung auf Liebe haben.
Respekt und Dankbarkeit sind die Grundlagen einer Eheschließung.
Die meisten Adligen heiraten Menschen, die sie nicht mögen.
Warum rauben Sie mir jede Hoffnung?
Männer hassen Nebenbuhler. Aber ich soll meinen kennen und dulden.
Denken Sie auch einmal an meine Gefühle!
Ich werde wie ein Reitpferd behandelt.
Ich bekomme den Zucker und die Peitsche gleichzeitig.
Wir müssen die Pflichten unseres Standes erfüllen.
Aber wir können das Beste daraus machen.
Ich bekomme keine Liebe und kein Glück.
Ich hoffe, ich bekomme am Ende wenigstens Frieden in mein Haus.
Graf Brühl, Ihr Glück ist nicht mein Glück.
Versprechen Sie mir, daß Sie nichts gegen Watzdorf unternehmen!
Versprechen Sie es um meinetwillen!
Ich verspreche es.
Die Beweise!
Der Schreiber, der Medallienschöpfer und der Verehrer der Kolowrath ...
Das ist ein einziger Mann: Graf Watzdorf.
Sollen wir ihn verhaften lassen? Wir machen nichts.
Dein Freund Ludovici soll die Sachen auf unauffällige Weise bekommen.
Ich soll dem Feind unseren Trumpf geben? Das verstehe ich nicht.
Du mußt das nicht verstehen.
Warum geben Sie das nicht Hennicke?
Die Unterlagen sind bei Ihnen in den besten Händen.
Hennicke ist der Vertraute von Brühl. Die Braut von Brühl liebt Watzdorf.
Brühl ist also persönlich betroffen. Wir müssen aber an den Staat denken.
Das ist vernünftig, Globig. Das vergesse ich Ihnen nicht.
Ich will das Bild haben. Habe ich noch Geld, Brühl?
Selbstverständlich! Sie müssen nur befehlen, wie immer.
Watzdorf soll das Bild in meiner Galerie aufhängen.
Die Jagd ist ein schönes Vergnügen. Ich muß Sie trotzdem betrüben.
Die Angelegenheit ist sehr wichtig.
Jemand verspottet Sie und Ihre treuesten Diener.
Soll ganz Europa über uns lachen?
Der Verfasser ist einer von Ihren Günstlingen.
Wer ist es? Watzdorf.
Watzdorf, mein Kämmerer? Ja.
Er ist ein netter Mensch. Er versteht etwas von Bildern.
Brühl, was sagen Sie dazu?
Ist das wirklich wahr? Wir haben Beweise.
Der Spott von Watzdorf ist vielleicht eine gute Werbung für uns. Ja, genau.
Wir dürfen uns nicht von diesen Freigeistern schikanieren lassen.
Die Bestrafung von Erroll war eine milde Warnung.
Aber wir ergreifen jetzt strengere Maßnahmen: Königstein!
Peitschenhiebe, Wärter brüllen, Gefangene stöhnen.
Los, ihr faulen Kerle!
(Gefängnis-Kommandant) Watzdorf, Sie sind klug.
Sie verstehen den Sinn von Königstein.
Wer zum Tode verurteilt ist, der wird aufgehängt.
Aber wir wollen hier trotzige Sünder in reuige Sünder verwandeln.
Ihre Methoden führen zum Tode des Sünders. Nicht zum Beginn der Reue.
Richtig! Sie haben hier zwei Möglichkeiten:
Sie können ruhig leben oder trotzig sterben. Mitkommen!
Unsere Gefangenen können wählen.
Wie werde ich zum reuigen Sünder? Das ist leicht für Sie.
Sie schrieben zum Beispiel ketzerische Artikel.
Sie müssen nur erklären: Die Artikel waren ein Irrtum.
Ich will die Wahrheit nicht leugnen. Sie suchen also die Wahrheit.
Sie glauben, Sie müssen ihre Wahrheit allen Menschen verkünden.
Sie haben recht, Herr Oberst. Ich habe immer recht.
Wahrheitsverkünder stehen zuerst für die Wahrheit.
Dann sitzen sie für die Wahrheit. Am Ende sterben sie für die Wahrheit.
Aber dann ist aus Leid eine große Tat entstanden.
Niemand vergißt solche Taten.
Orgelmusik
(Sprecher) Brühl hatte sich beim Kurfürsten für Watzdorf eingesetzt.
Franziska von Kolowrath willigte deshalb in die Ehe mit Brühl ein.
Franziska will mit Brühls Hilfe ihren Geliebten Watzdorf retten.
In dieser Ehe gibt es keine Liebe.
Aber sie haben beide einen gemeinsamen Feind: Sulkowski.
Untertitel: zeile 21 / Mariella Ludovico
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