All language subtitles for 02 - Gräfin Cosel, Teil II

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Original subtitles

(Sprecher) Unsere Geschichte beginnt im Juni 1697.

August der Starke wird zum König von Polen gekrönt.

Aber der König von Schweden besiegt ihn kurze Zeit später.

August verliert die polnische Krone. Die Schweden besetzen Sachsen.

August und seine Minister trösten sich mit Wein.

Flemming verlockt Finanzminister Hoym zu einer Wette:

Hoym wettet: Seine Frau Anna ist die schönste Frau in Europa.

August der Starke ist tatsächlich beeindruckt von Anna von Hoym.

August wirbt um die Gunst der schönen Gräfin.

Er offenbart ihr seine Liebe. Das beeindruckt die Gräfin.

Aber sie fordert ein Eheversprechen für den Fall, daß die Königin stirbt.

Sie läßt sich scheiden und lebt als Gräfin Cosel an der Seite von August.

Anna hat eigene politische Ideen. Flemming wird deshalb ihr Feind.

Kurz darauf besiegen die Russen die Schweden in der Schlacht bei Poltawa.

August kehrt nach Polen zurück. Anna bleibt in Dresden.

Sie erwartet ein Kind.

Personen und ihre Farben:

August, Kurfürst von Sachsen Anna von Cosel, seine Geliebte

Flemming, Minister Olaf von Rosen, Rittmeister

(Sprecher) Das achtzehnte Jahrhundert beginnt.

Die Fackel des Krieges lodert überall in Europa.

Das Kriegsglück wechselt: Mal siegen die einen, mal siegen die anderen.

August hat nach vielen erfolglosen Jahren endlich wieder Glück.

Er kehrt 1709 nach Polen zurück und erobert erneut die Königswürde.

Stanislaw Leszczynski war ohne die Schweden zu schwach.

August und sein russischer Verbündeter besiegten ihn.

Die Mehrheit des polnischen Adels unterstützt August.

Er regiert wieder in Polen.

Er verbringt glückliche Zeiten. Er jagt und genießt die Lust.

Er denkt manchmal an Anna. Sie gebar ihm inzwischen einen Sohn.

Sie erlebt in ihrem Palast stille und einsame Tage.

Sie überträgt ihre zärtliche Liebe zu August auf seinen Sohn.

August ist seit Monaten in Polen.

Anna ist besorgt um ihn. Ihr größter Feind begleitet ihn: Flemming.

General Flemming kämpft tatsächlich ständig gegen Anna.

Er spricht beim Hofball in Polen mit dem Oberhofmeister Vitzthum.

Er will ihn als Verbündeten für seine Pläne gegen Anna gewinnen.

Gräfin Cosel langweilt den König.

Wir sollten sie durch eine andere Frau ersetzen.

Die Mätressen des Königs gehen mich nichts an.

Ich mische mich nicht gern in fremde Angelegenheiten.

Helfen Sie mir! Die Cosel hat Ihren Schwager Hoym schlecht behandelt.

Die Vitzthums sind eine alte sächsische Familie.

Die Cosel unterstützt nur fremde Familien.

Ich hasse solche Ränkespiele.

Sind Sie ein Freund der Cosel? Ich bin neutral. Ich bleibe neutral.

(Sprecher) Flemming spricht mit seiner Cousine Przebendowska.

Er hofft, sie findet eine neue Mätresse für August.

Die neue Mätresse soll nur jung und charmant sein.

Sie darf nicht klug und ehrgeizig sein wie die Gräfin Cosel.

Die Przebendowska ist die richtige Frau für solche Aufgaben.

Sie spricht sofort mit der Marschallin Bielinska darüber.

Liebe Freundin, ich brauche deine Hilfe bei einer schwierigen Aufgabe.

Was kann ich für dich tun?

Ich suche Ersatz für die Gräfin Cosel.

Ich hörte, die Cosel hat eine geheimnisvolle Macht über August.

Die geheimnisvolle Macht einer Frau liegt an einer bestimmten Stelle.

Die Stelle verliert im Alter ihren Reiz.

Wir sollten August vielleicht eine reizende junge Polin vorstellen.

Zum Beispiel ...

Sprichst du von meinen Töchtern? - Marie ist lieb und anmutig.

Meine jüngste Tochter, die Frau des Kosaken Potzki, ist auch schön.

Sie ist leidenschaftlich. - Eine echte Kosakin!

Sie ist wie ich.

Sind Sie einsam, Majestät?

Gefallen Ihnen die Gesichter von unseren jungen Polinnen nicht?

Die jungen Polinnen sind verführerisch wie immer.

Aber ich will der Gräfin Anna vorerst treu bleiben.

Sie sind hier in Krakau, nicht in Dresden!

Gräfin Cosel ist weit weg!

Majestät, verschmähen Sie unsere Schönheiten nicht!

Sie verdienen Ihre Aufmerksamkeit!

Eine Verbindung zu einer jungen Polin erfreut den polnischen Adel bestimmt.

Ich bin ein leidenschaftlicher Bewunderer der Frauen.

Gräfin, zeigen Sie mir Ihre zauberhaften Geschöpfe!

Ich untersuche sie sehr genau, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.

Das verspreche ich Ihnen.

Die Gelegenheit ist da.

Warum? Sie müssen den Tanz eröffnen.

Welch gütige Vorsorge!

Sie sind tausendmal gütiger als die Göttinnen der Liebe.

Gnädige Frau!

Tanzmusik

Die Damen wollten mir gestern meine Tugend rauben.

Aber Gräfin Dönhoff ist keine Gefahr für Anna.

Sie müssen Anna nicht ersetzen.

Sie regieren zwei Staaten. Sie dürfen auch zwei Geliebte haben.

Das ist gut für die Politik. Anna versteht das bestimmt nicht.

Sie sind König. Sie sind nicht abhängig von Ihren Mätressen.

(Sprecher) Flemming erkennt eine Schwäche von August:

Der mächtige August schämt sich manchmal für seine Liebe zu Anna.

Keine Frau darf Macht über ihn haben. Er will allein herrschen.

Er ganz allein!

Mätressen herrschen vielleicht in Paris. Aber nicht in Sachsen!

August besucht oft den Salon der Gräfin Bielinska.

Die Gäste trinken und scherzen.

August flirtet mit der Gräfin Dönhoff und ihrer Schwester, Frau Potzki.

Aber die Augen von Maria Dönhoff sind reizvoller.

Flemming prüft inzwischen die Briefe von Anna.

Der König bekommt nur ihre wütenden Briefe, nicht ihre zärtlichen.

Anna beklagt sich ständig und macht mir Vorwürfe.

Das macht mich wütend. Was sagst du dazu?

Ich kümmere mich nur um Politik. Hilf deinem König!

Erspare mir die eifersüchtigen Drohungen der Gräfin Cosel!

Zu Befehl!

(Sprecher) August duldet die Ränkespiele um Anna.

Kann er sie nicht beenden? Oder will er das nicht?

Ach, Gräfin!

Ich zeige dir Dresden.

Ich zeige dir meine Jagdschlösser Moritzburg und Hubertusburg.

Das wäre schön. Aber das ist nicht möglich.

Quatsch! Wer soll uns daran hindern? Eine eifersüchtige Göttin.

Sie bewacht ihr Revier mit einer geladenen Pistole.

Das erzählen die Leute.

Dummes Geschwätz!

Ich hörte, die Dame richtet ihre Waffe auch auf Sie.

(Sprecher) August verspricht seiner neuen Mätresse:

Die Cosel stört den Besuch der Gräfin Dönhoff in Dresden nicht.

Er schickt Flemming mit besonderen Vollmachten nach Dresden.

Flemming soll aber sehr vorsichtig vorgehen.

Flemming trifft im Schloß zuerst den Rittmeister Olaf von Rosen.

Rittmeister Rosen ist der Vertraute der Gräfin Cosel.

Lieber Rosen, Sie müssen mir helfen. Der König will nach Dresden kommen.

Aber Gräfin Dönhoff hat Todesangst, solange die Cosel in der Stadt ist.

August will deshalb, daß die Cosel nach Pillnitz umzieht.

Die Cosel soll Dresden freiwillig verlassen.

Ich muß ihr sonst den Befehl des Königs offiziell übergeben.

Ist das eine Verbannung? Das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme.

Das ist am besten für die Cosel.

Herr General, Ihre guten Absichten beruhigen die Gräfin bestimmt.

Guten Tag!

Nein. Nein.

Mich zur Abreise zwingen ... Das wagt niemand.

Das wagt nicht einmal der König.

Überlegen Sie genau! Ich beschwöre Sie: Gehen Sie nach Pillnitz!

Ich werde nicht abreisen. Ich bleibe.

Sie müssen mich schon mit Gewalt vertreiben.

Sie riskieren einen Skandal.

Sie halfen vielen, aber niemand kann Ihnen helfen.

Ich erwarte keine Hilfe von den Höflingen. Aber von ihm ...

Ich erwarte Hilfe von August.

Er war gut zu mir. Er war zärtlich.

Er nahm mich zur Frau, vor aller Welt.

Er machte mich zu seiner Königin.

Wir hatten viele glückliche Jahre. Ich will ihn nicht verlieren.

Er hat Mitgefühl mit mir, wenn er von der Demütigung erfährt.

Er wird dann kommen und mich beschützen.

Dann werde ich Flemming zerschmettern.

Sie erwarten zuviel vom König.

Selbst wenn er von der Sache erfährt!

Sie haben großen Einfluß auf den König. Das stimmt.

Aber Sie müssen mit Geduld und Klugheit vorgehen.

August ist wankelmütig.

Seine Liebe wurde vielleicht schwach. Aber sie kann morgen neu entflammen.

Ja.

Was soll ich Flemming antworten? Sagen Sie ihm: Ich bleibe!

(Sprecher) Flemming gibt der Gräfin Cosel noch zwei Tage Bedenkzeit.

Er geht am dritten Tag persönlich zu ihr.

Gräfin! Ich weiß, Sie betrachten mich als Ihren Feind.

Ich wollte Ihnen trotzdem viel Ärger ersparen.

Jetzt muß ich Ihnen einen Brief zeigen.

Er enthält die formellen Wünsche des Königs.

Sie dürfen nicht auf die Güte den Königs vertrauen.

Er ist manchmal ein Teufel.

Haß lauert hinter seinem Kuß, Rache hinter seinem Lächeln.

Pillnitz ist angenehm. Das Schloß ist zauberhaft.

Ich bin sicher, General:

Sie stellen mir das angemessene Ehrengeleit nach Pillnitz bereit.

Sie bekommen auch in Pillnitz eine edle Leibwache, Madame.

Jean, hol die Kinder und meinen Wagen! Wir fahren nach Pillnitz.

Verzeihung, Madame! Die Kinder müssen hierbleiben.

Was soll das bedeuten?

Der König befahl: Die Kinder bleiben im Stadtschloß.

Sie trennen mich von meinen Kindern? Der Befehl des Königs lautet:

Er will seine Kinder sehen, wenn er kommt.

Sie sind ein Teufel!

Zuerst nehmen Sie einer Frau den Mann weg.

Dann nehmen Sie einer Mutter die Kinder weg!

Der König faßt die Beschlüsse. Sein Diener deutet sie nur.

Sie waren vielleicht keine gute Geliebte und keine gute Muttter.

Ich reise nach Warschau.

(Gräfin Dönhoff) Majestät!

Warum sind Sie so aufgeregt? Gräfin Cosel reist nach Warschau.

Wer sagt das? Flemming.

Keine Angst, meine Liebe! Die Cosel soll nur kommen.

Ich verlasse Warschau, wenn sie herkommt.

(Sprecher) Gräfin Dönhoff hat Erfolg.

Der König verspricht, daß seine Männer die Cosel abfangen.

Sie bringen die Cosel nach Pillnitz zurück.

(Sprecher) Jetzt gibt es kein Hindernis mehr.

Der König kann mit seiner neuen Mätresse in Dresden einziehen.

Flemming genießt seinen Sieg über die Cosel.

Aber er weiß auch: Der König darf der Cosel nie wieder begegnen.

Flemming ist sonst verloren.

Er muß die Cosel und den König für immer trennen.

Ein geschichtliches Ereignis hilft ihm.

Flemming, der Kaiser ist tot! Er hat keinen Sohn.

Er hat einen Bruder. Auch er hat keinen Sohn.

Flemming, meine Träume werden wahr.

Der Kurfürst von der Pfalz und ich vertreten den Kaiser.

Wir sind die Reichsvikare bis zur Wahl des neuen Kaisers.

Wir werden in dieser Zeit meinen Anspruch auf die Kaiserkrone fördern.

Aber da sind die Wittelsbacher, die Welfen und die Hohenzollern.

Alle Kurfürsten machen ihren Anspruch geltend.

Frankreich und England wollen mitbestimmen.

Wir müssen sogar hier achtgeben.

Hier?

Wir müssen einen möglichen Thron- folgestreit in Sachsen verhindern.

Ich verstehe nicht.

Die Gräfin Cosel beharrt auf einem schriftlichen Heiratsversprechen.

Sie gaben ihr das Versprechen in einer Stunde der Leidenschaft.

Es kann einer Gegenpartei nutzen: Frankreich oder dem Kaiser.

Das war egal, solange die Cosel keinen Sohn hatte.

Aber jetzt hat sie einen!

Die Gräfin Cosel schadet mir nicht.

Das Dokument kann in falsche Hände geraten.

Was soll ich tun? Sie muß das Dokument zurückgeben.

Versuche es!

(Sprecher) Die Gräfin hat jetzt keine Ruhe mehr in Pillnitz.

Liebe Gräfin! Die Teschen führt ein bequemes Leben.

Auch Sie können das haben. Ich bin keine Mätresse des Königs!

Ich bin die Frau des Königs. Ich habe das schriftlich.

Die Leidenschaft verleitet den Menschen zu vielem.

Die Liebe ist herrisch, und Liebende sind Sklaven.

Ich betrachte den König immer noch als ehrenhaften Mann.

Er gab mir sein Ehrenwort. Es ist mir heilig.

Geben Sie dem König das Papier zurück!

Das ist das beste für Sie.

Ich gebe das Papier niemandem, solange ich lebe.

Sie können das Eheversprechen nicht ernst nehmen, Madame.

Solche Schwüre haben keinen Wert vor dem Gesetz oder vor der Welt.

Warum wollen Sie dann unbedingt das Papier?

Sie stellen sich dem König in den Weg. Das ist gefährlich.

Ich kenne ihn besser als Sie.

Ich fürchte, Sie werden auch von diesem schönen Ort vertrieben.

Sie kennen die Gräfin Dönhoff nicht. Aber ich kenne Flemming sehr gut.

Wir müssen mit allem rechnen. Wir dürfen nicht vergessen:

Wir können nichts dagegen tun, wenn sie uns loswerden wollen.

Der Kanzler Beichling war früher der engste Vertraute des Königs.

Er mußte trotzdem in den Kerker. Er hoffte vergeblich auf Gnade.

Danke für die Warnung.

Rosen, Sie sind mein einziger Freund.

Ich will Ihnen meinen Schatz anvertrauen.

Niemand darf dir das wegnehmen. Du mußt es bewahren wie ...

Wie einen heiligen Gegenstand! Ich verspreche es.

Ich bin hier nicht sicher. Ich muß aus Pillnitz fliehen.

Gräfin, ich bin Ihr Diener.

Bist du sicher, daß wir die Grenze erreichen?

Unsere Feinde dürfen uns nicht entdecken.

Das ist schwierig, aber ich werde alles versuchen.

Ich fahre heute nacht nach Dresden.

Plätschern von Wasser

(überrascht) Rosen! Ich muß Sie sprechen, Lehmann.

Es geht um die Gräfin.

Niemand folgte Ihnen? Niemand. Ich bin sicher.

Ich verdanke der Gräfin viel und möchte ihr helfen.

Aber die Freundschaft zu ihr ist heute gefährlich.

Ich muß an meine Familie denken, lieber Rosen.

Lehmann! Kann ein Bankier Geschäfte machen ohne Risiko?

Flemming will meine Herrin vernichten.

Der Grund: Sie förderte die Bankiers Lehmann und Meyer am Dresdener Hof.

Also? Ich habe Mitgefühl.

Ich schätze anständige Leute.

Die Gräfin ist tatsächlich die einzige Perle am Dresdener Hof.

Geben Sie mir ihre Wertsachen!

Ich gebe Ihnen die Sachen zurück, wenn Sie sie brauchen.

Die Schmuckkassette und die Dokumente. Warten Sie!

Das ist eine kleine Barzahlung.

Sie brauchen bestimmt Geld für Ihren Plan.

Höfische Musik

(Sprecher) August der Starke braucht viel mehr Geld für den Maskenball.

Er erscheint als Venezianer.

Musik und Freudengeschrei

(Sprecher) Rittmeister Rosen entwarf einen Fluchtplan für die Gräfin.

Der Maskenball spielt eine wichtige Rolle.

Die meisten Spione von Flemming sind auf dem Maskenball.

Nur einige beobachten die Cosel.

Ein Diener täuscht ihnen Geschäftig- keit im Zimmer der Gräfin vor.

So entsteht kein Verdacht.

Feuerwerkskörper knallen.

(Sprecher) Die Gräfin Cosel treibt inzwischen die Elbe hinunter.

Sie kann das Land noch in dieser Nacht verlassen, aber ...

Rosen, wir gehen an Land.

Ich muß den König und die Dönhoff sehen.

Unmöglich! Die Leute erkennen Sie und ...

Ich kenne das Risiko, aber ich muß hingehen.

Heitere Musik

(Sprecher) Das Fest ähnelt einem Jahrmarkt.

Niemand will das tolle Treiben versäumen.

Gräfin, das ist Wahnsinn. Ich kann nicht anders.

Guten Abend, hübsche Maske. Ich kenne hier jeden, nur Sie nicht.

Erkennen Sie mich nicht? Ich habe Sie sofort wiedererkannt.

Du bist ein elender Henker.

(schreit) Nein! Anna!

(ruft) Anna!

Anna!

Keine Frau verläßt heute nacht die Stadt!

Rosen klopft.

Das ist der Hintereingang zum Haus von Bankier Lehmann.

Niemand ist da.

Gott, hilf mir!

Gräfin! Ich half Ihnen immer. Niemand darf Sie hier finden!

Keine Frau darf die Stadt verlassen. Sie durchsuchen jedes Haus.

Sie müssen verschwinden. So kann sie nicht verschwinden.

Wir müssen sie in einen Mann verwandeln. Sie helfen uns.

Geben Sie uns Männerkleidung für die Gräfin und Pferde!

Befehl des Königs: Keine Frau verläßt Dresden!

Wir sind zwei dänische Reiter auf dem Weg nach Meißen.

Sie dürfen vorbei.

(Sprecher) Wir sind im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts.

Die meisten Kriege sind zu Ende. Auch der nordische Krieg endet bald.

Eine Politik der Ränkespiele tritt an die Stelle der Kriege.

Die Herrscher erobern Länder durch List.

Friedrich Wilhelm, der König von Preußen, bewahrte Zurückhaltung:

Er blieb in Krieg und Politik neutral.

Er mischt sich erst ein bei der Verteilung des schwedischen Erbes.

Er bekommt Vorpommern, Usedom und Wollin ohne Kampf.

Die Armeen in Europa sind müde, die Staatskassen sind leer.

Nur Friedrich Wilhelm hat eine volle Staatskasse und starke Truppen.

Das ist das Ergebnis einer strengen Staats- und Wirtschaftpolitik.

Sparsame Kargheit empfängt die Gräfin Cosel in Preußen.

Die Straßen sind menschenleer.

Die verwöhnte Gräfin begegnet nur preußischen Soldaten.

Die strenge Armee ist die größte Sehenswürdigkeit in Preußen.

Berlin ist der falsche Ort für Sie, Gräfin.

Der Hof besteht aus Wachstuben und Amtsstuben.

Der König selbst ist der Exerziermeister seiner Soldaten.

Das hat nichts mit dem Hof von Dresden zu tun.

Wir müssen die Pferde wechseln.

Ich habe mit dem Hof von Dresden auch nichts mehr zu tun.

Ich mußte gegen meinen Willen nach Dresden.

Ich glaubte, die Liebe des Königs beschützt mich vor Unglück.

Das ist jetzt vorbei. Ich muß aber noch eine Sache in Dresden klären.

Was wollen Sie klären? Ich will meine Kinder wiederhaben.

August hat sie als seine Kinder anerkannt. Das bedeutet nichts.

Er hat mich auch als seine Frau anerkannt.

Rosen, fahr nach Dresden und überbringe meine Forderungen!

Sie träumen noch immer, Gräfin.

Eine Botschaft für Flemming.

Ich bekam eine Nachricht von Anna. Sie will ihre Kinder haben.

Niemals. Die Kinder bleiben bei mir. Sie wohnen weiterhin in Pillnitz.

Sie besitzt das Eheversprechen noch.

Ihr Sohn ist ein möglicher Thronfolger.

Wir müssen die Gräfin in unsere Hände bekommen. Oder das Eheversprechen.

So können Sie Ihre Kinder vielleicht wiedersehen.

Das ist gemein.

Staatspapiere wie das Eheversprechen gehören der Regierung.

Staatspapiere!

Regierung!

Ich möchte mit meinen Kindern leben. Das ist mein Recht als Mutter.

Das müssen Sie verstehen.

Wir wollen eine Unklarheit in der sächsischen Erbfolge regeln.

Wenn Sie das Papier herausgeben ... Nein.

Ich muß Ihre Bitte ablehnen. Im Namen des Königs.

Ich kämpfe weiter um meine Kinder.

(Sprecher) Anna konnte erst Wochen später eine Entführung versuchen.

(Sprecher) Die Frau des Königs ist eine fromme Protestantin.

Sie verabscheut die höfischen Feste und nimmt nicht daran teil.

Der eheliche Sohn von August ist ein leidenschaftlicher Jäger.

Er muß manchmal an den Ausschweifungen teilnehmen.

Er sitzt dann widerwillig am Tisch.

Könige brauchen nicht nur ein Heer von Soldaten.

Sie beschäftigen viele andere unermüdliche und fleißige Helfer.

Manche Bedienstete erfüllen besondere Aufgaben.

Sie haben eine besonders hohe Stellung beim König.

Rat Pauli kann Verträge schreiben. August braucht ihn deshalb dringend.

Der Page Brühl ist verschwiegen und klug. Auch das gefällt dem König.

Der Page Sulkowski ist der Freund und Vertraute von Augusts Sohn.

Sulkowski ist unersetzlich für den Kurprinzen.

Flüstern

Lieber Brühl, Sie haben heute bestimmt nicht viel zu tun.

Sie müssen nur dem Rat Pauli die Zeit vertreiben.

Plaudern wir ein wenig! Die Gespräche mit Ihnen sind immer anregend.

Ich muß den Kurprinzen aufheitern.

Er langweilt sich bei solchen Festen immer zu Tode.

Sehr geehrter Pauli, probieren Sie den köstlichen Wein.

Brühl, du rettest mir das Leben. Ich wäre sonst eingeschlafen.

Ich helfe Ihnen gern. - Der Wein ist wunderbar.

Das ist der Wein des Königs.

Der König braucht mich vielleicht für ein eiliges Schriftstück.

Keine Angst! Der König ist beschäftigt.

Eine Flasche ist für Sie nur ein kleiner Schluck.

(lallt) Du hast recht, Brühl. Ein guter Wein ist keine Gefahr.

Ein guter Wein belebt den Menschen. Er schadet ihm nicht.

Verzeihen Sie die Störung! Die Sache ist dringend.

Was ist los? Kommen Sie, Majestät!

Was ist passiert, Flemming? Die Kinder der Cosel sind in Berlin.

(brüllt) Das darf nicht wahr sein!

Wir müssen schnell handeln. Jeder Tag erhöht die Gefahr.

Glaubst du wirklich, die Cosel stellt Erbansprüche?

Wir haben auf jeden Fall einen Machtvorteil verloren.

Andere können diesen Machtvorteil jederzeit gegen uns einsetzen.

Der Sohn der Cosel steht in der Erbfolge sehr weit hinten.

Ein guter Platz in der Erbfolge ist viel wert.

Ganze Familien wurden schon dafür getötet.

In Gottes Namen, Flemming! Sie muß weg.

Wir erledigen die Sache sofort.

Der Rat Pauli soll kommen.

Ich muß das machen. Ich muß das machen!

Bring Pauli zu mir!

(Brühl) Herr Pauli, Herr Pauli!

Sie sollen zum König kommen.

Wo ist Pauli? Rat Pauli fühlt sich nicht wohl.

Das widerliche Schwein ist besoffen!

Begieße ihn mit Wasser! Oder überschütte ihn mit Essig!

Aber bring ihn zu mir!

Niemand kann ihn aufwecken. Wer entwirft jetzt mein Schreiben?

Verzeihung, Majestät! Darf ich es versuchen?

Ich verfasse gern einen Schriftsatz nach Ihren Wünschen.

Befehlen Sie! Was soll ich schreiben? Angeber!

Milchgesicht!

Schreib einen Brief an den König von Preußen!

Er soll uns die Cosel ausliefern.

Überzeuge den Preußen mit Gründen, die ihm gefallen.

Hier, Majestät!

Sehr gut!

Das überzeugt den Preußen bestimmt. Du schreibst besser als Pauli.

Brühl, du bist ab heute mein Sekretär.

Ich will Pauli nie wieder sehen! Flemming, zahle Brühl 1OO Taler!

(Sprecher) Die Pflicht ist die Grundlage des preußischen Staates.

Brühl vermutete:

Die sinnliche Gräfin Cosel mußte dem Preußenkönig sittenwidrig erscheinen.

Er hätte sie vielleicht trotzdem in Berlin geduldet.

Etwas anderes überzeugte den Preußenkönig.

Er will meine fahnenflüchtigen Soldaten zu mir zurückschicken.

Ich soll ihm dafür die Cosel ausliefern. - Genau.

Ich gab ihm meine Porzellanvasen für seine Reiter.

Ich kann also auch meine Soldaten gegen seine Mätresse austauschen.

Solche Flittchen verschwenden das Geld der Könige.

Sie verführen außerdem das Volk zum Müßiggang.

Aber ich dulde in Preußen kein Lotterleben. Niemals!

Wartensleben! - Ja, Majestät.

Bringen Sie die Cosel nach Dresden!

Holen Sie meine Soldaten zurück! Sie werden mich kennenlernen!

General Wartensleben!

Guten Tag!

Was wollen Sie?

Ich hörte, Sie wollen nach Sachsen. Wer? Ich?

Nach Sachsen? Was soll ich in Sachsen?

Der König hörte, Sie wollen mit den Kindern umziehen.

Der König befahl, Ihnen zu helfen. Ein Befehl ...

Er will mich ausweisen. Aber warum nach Sachsen?

Sie sind in Sachsen freier als hier. Das Wetter ist ideal zum Reisen.

Freuen Sie sich! Sie bekommen ein paar Soldaten als Begleitschutz.

Wind heult.

(Sprecher) Die Liebe von Anna ist zerbrochen.

Sie wollte durch ihre Liebe die Herrschaft menschlicher machen.

Aber ihre Hoffnung wurde enttäuscht.

Der König von Preußen hatte kein Verständnis für Milde.

Noch weniger als August der Starke.

Anna fährt deshalb zu ihrer neuen Unterkunft in Sachsen.

Stolpen! Das grausige Stolpen!

(Sprecher) Die alte Burg Stolpen dient nur noch als Gefängnis.

Das Tor schließt sich am 24. Dezember 1716 hinter der unglücklichen Frau.

Sie verlor ihren Geliebten, ihre Kinder und ihre Freiheit.

Ihre einzige Hoffnung ist der Rittmeister Rosen.

Er besucht den Bankier Lehmann in Dresden.

Glauben Sie mir! Ich kann Ihnen nicht helfen.

Das Vermögen von Gräfin Cosel wurde beschlagnahmt. Auf Befehl des Königs.

Ich hinterlegte einige Wertsachen heimlich auf diesen Depotschein.

(brüllt) Sie Teufel! Das Papier bringt uns in den Kerker.

Geld bringt es nicht!

Schicken Sie die Dokumente zu den Brockdorffs nach Holstein!

Das muß geheim bleiben.

Geld öffnete schon viele Türen.

Aber die alte Basaltburg Stolpen überstand schon viele Angriffe.

(Sprecher) Der Kapitän Wehlen ist ein Neffe des Burgkommandanten.

Er ist in die Cosel verliebt. Sie ist immer noch eine schöne Frau.

Aber seine Liebe ist ohne Hoffnung.

Wehlen sucht im Wald manchmal Zerstreuung.

Er begegnet dort seinem ehemaligen Kameraden, Olaf von Rosen.

Wehlen bietet Rosen die Stellung des Kapitäns der Festungswachen an.

Rosen nimmt die Stellung an.

Die Cosel begegnet auf diese Weise ihrem alten Freund nach langer Zeit.

Kapitän Wehlen, stellen Sie mich vor! Ja, natürlich.

Ich möchte Ihnen einen Kameraden vorstellen.

Das ist Rittmeister Olaf von Rosen.

Durchreisende suchen in diesen öden Mauern nur selten eine Unterkunft.

Ich bleibe lange hier.

Für diesen Dienst gibt es nur wenige Bewerber. Der Ort ist gräßlich.

Sie haben recht, Herr Rittmeister.

Die düstere Burg ist ein schreckliches Gefängnis.

Was sagen Sie zu der Schönheit? Sie hat die Würde einer Königin.

Sie ist sehr schön.

Ich habe den Eindruck, Sie sind in die Gräfin verliebt.

Sie haben die Wahrheit erraten. Ich schäme mich nicht dafür.

Aber sie ist auf ewig verdammt. Sie lebt hinter dicken Mauern.

Was heißt schon ewig?

Das Hinauskommen ist leicht, trotz der Türen und der Soldaten.

(Sprecher) Die Gräfin Cosel will den Rittmeister Rosen allein sprechen.

Sie wartet ungeduldig auf einen günstigen Moment.

Rosen! Bist du es? Oder ist es dein Geist?

Wie konntest du zu mir kommen? Sie lassen niemanden zu mir.

Sie haben viele Verehrer, Madame. Ach ja! Der junge Hitzkopf Wehlen.

Ich bin hier dank seiner Hilfe.

Das Hereinkommen ist offenbar möglich.

Aber ein Hinauskommen ist für mich nicht möglich. Es ist hoffnungslos.

Ich muß auf andere Weise befreit werden.

Ich habe einen Plan.

Donnergrollen

Herein!

Rittmeister Rosen. Oberst!

Lieber Rosen, das ist schön. Nehmen Sie Platz!

Bringen Sie Punsch!

Donnergrollen und Plätschern des Regens

Ein guter Wein!

Sauwetter!

Wo sind der Kapitän Wehlen und der Rittmeister Rosen?

Wir sahen Wehlen heute nicht. Rosen spielt Schach beim Kommandeur.

Das ist eine neue Variante.

Ich kann vielleicht etwas dagegen tun.

Hoffentlich nicht, Herr Oberst.

Donnergrollen

Warum sind Sie nervös? Sie gewinnen das Spiel.

Ich rechne immer mit Überraschungen.

Das Mittelspiel entscheidet die Partie. Das Endspiel ist absehbar.

(Wächter) Zum Henker! Wie oft kommt er noch?

Das ist seltsam. Der Kapitän ging einmal hinein, aber ...

Er kam zweimal heraus!

Du hast recht!

Sie ist weg.

(ruft laut) Alarm! Alarm! Alarm!

(Stimme) Was ist passiert? - Alarm! Vorwärts, schnell!

Die Cosel ist weg.

Was? Wie?

Ihr Neffe half ihr.

Das ist eine Frechheit!

(Rufe) Vorwärts! Schnell! Hinterher!

Sie kommen näher. Sie sind schneller.

Wir müssen den Wald erreichen. Sie reiten mit der Gräfin weiter.

Los, weiter!

Ihr verfolgt die Cosel! Die anderen folgen mir.

Schuß

Holt sie vom Pferd und fesselt sie!

Los, runter!

(schreit) Nein!

(Sprecher) Die anmutige Gräfin Cosel bleibt in Stolpen gefangen.

Eine andere Schönheit zeigt sich in leichter Kleidung im Feldlager:

Baroness Orzelska ist eine uneheliche Tochter des polnischen Königs.

Friedrich Wilhelm der Erste ist zu Gast bei dem Festmahl.

Der König von Preußen kam mit seinem Sohn Friedrich nach Sachsen.

August der Starke wollte vermutlich seinen strengen Nachbarn ärgern.

Brühl wollte vermutlich den jungen Kronprinzen verführen.

Die Tänzerin Orzelska schafft beides.

Sie entfacht den Streit zwischen dem preußischen König und seinem Sohn.

Ich warne dich, du elender Bub! Du verfluchter Hundsfott!

Laß mich los! - Verschwinde ins Zelt!

Der preußische König wurde sehr wütend.

Er ist Puritaner.

Auch Puritaner lieben die Frauen.

Aber er verachtet das sogenannte Lotterleben und die Verschwendung.

Alles Schöne kostet Geld und Mühe. Aber die Mühe lohnt sich.

In diesem Sinne, königliche Hoheit ...

Haben Sie Lust auf eine Kutschfahrt mit der Baroness Orzelska?

Wir können unserem strengen Exerziermeister entfliehen.

Wir fahren von Leipzig nach Hannover. Niemand wird etwas bemerken.

Der englische König versprach mir die Hand seiner Tochter Amalie.

Er hilft mir bestimmt.

Ihre Schwester warnte Sie vor einer Flucht von Sachsen aus.

Der englische König hilft Ihnen nur, solange Sie seinen Zielen nutzen.

Amalie oder eine andere ... Keith, wir nehmen die Kutsche.

(brüllt) Friedrich!

Friedrich!

Du wirst nicht durchs Land fahren!

Du wirst dich nicht der Lust hingeben!

Ein Herrscher muß dem Wohl des Staates dienen.

Ein Herrscher verschwendet nicht das Geld des Staates.

Genußsucht schadet der Staatskasse, der Armee und der Herrschaft.

Er schlug den Kronprinzen in der Öffentlichkeit mit einem Stock?

Ist das wirklich wahr, Pal? Ja, genau!

Der König von Preußen ist ein frommer Puritaner.

Er kann die Vorzüge unserer Orzelska nicht würdigen.

Er liebt die brave Hausmannskost.

Ich glaube, wir haben unseren Nachbarn verärgert.

Aber wir versöhnen ihn mit einer Probe von unseren Geschützen.

Eine gute Idee! Aber das versöhnt uns nicht mit dem Kronprinzen.

Das ist kein Manöver. Das ist ein lächerliches Schauspiel.

Die Sachsen waren immer gute Soldaten.

Ja, früher! Sie spielen heute nur noch Theater.

Ihre Geschütze treffen immer noch gut.

Der Fels zersplittert wie Glas.

Die Basaltpfeiler des Schloßberges von Stolpen sind härter.

Eiserne Kanonenkugeln sind machtlos dagegen.

Die Cosel bezwang den Felsen von Stolpen. Ich bezwinge ihn auch.

Meine Geschütze sind stärker als die Cosel.

Gräfin, ich will mich verabschieden. Wollen Sie mich verlassen?

Ich muß nach Serbien. Die Besatzung von Stolpen wird ausgewechselt.

Sie waren meine letzte Hoffnung.

Ich gehe, und der König kommt.

Der König?

Der König kommt nach Stolpen? Rosen, ist das wahr?

Der neue Kommandant brachte die Botschaft aus Dresden.

August kommt zu mir!

Der König will seine Kanonen an den Basaltfelsen ausprobieren.

Das ist nur ein Vorwand. Er weiß, ich liebe ihn trotz allem.

Er weiß, ich verzeihe ihm. Er kommt meinetwegen.

Kanonenschuß

August kommt zu mir.

Kanonenschüsse

Sie erhoffen das Glück von einem König. Aber das ist ein Irrtum.

Untertitel: zeile 21 / Mariella Ludovico

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