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Original subtitles

(Off): Dies ist die Geschichte einer Welt,

in der sich Sklavenhandel seinen Machtbereich

und eigene Grenzen schuf.

Eine Welt, in der Gewalt, Fremdherrschaft und Profit über

breite Wege und Straßen verfügen.

Dieses kriminelle System prägte die Weltgeschichte.

Auf der Insel São Tomé erfanden Portugiesen

das einträglichste Wirtschafts- modell: die Zuckerplantage.

(Antonio): Es war die erste schwarze Kolonie

mit einer Gesellschaft von Sklavenhaltern.

(Izequiel): So wird der schwarze Mann mit dem Zuckerrohr vermählt.

(Off): Im 16. Jahrhundert eifert ganz Europa den Portugiesen nach.

Dieses Profitstreben wird einen ganzen Kontinent

in Chaos und Gewalt stürzen.

Fast 13 Mio. Afrikaner werden auf Routen der Sklaverei

in die neue Welt verschleppt.

Wo Briten, Franzosen und Holländer reich werden wollten.

Unermesslich reich.

Die karibischen Inseln

bieten dieselben klimatischen Bedingungen wie São Tomé.

So werden sie zum Kreuzungspunkt der Sklavereirouten.

Heute sind diese Inseln beliebte Ferienorte.

Guadeloupe bietet Touristen Beschaulichkeit, Sonne und Natur

und weckt Erinnerungen an ein verlorenes Paradies.

Urlauber beschränken sich auf Strände von Le Gosier,

Saint-Anne oder Saint-François.

Dabei genügt ein kleiner Schritt abseits ausgetretener Pfade,

um die Grenzen beider Realitäten der Insel zu überschreiten.

Nur wenige Meter von den Badegästen entfernt

wurden zahlreiche Skelette exhumiert.

Unter dem Sand liegen noch weitere 500 bis 1000 Grabstätten.

Der Strand Raisins Clairs ist einer von 15 Sklavenfriedhöfen,

auf denen Ausgrabungen durchgeführt werden.

Insgesamt gibt es in der Karibik rund 1000 solcher Friedhöfe.

Die Wissenschaftler des staatlichen Instituts

für präventive archäologische Forschung INRAP

haben 89 Skelette ausgegraben.

Aus dem Zustand der Knochen schließen Archäologen,

dass die Männer und Frauen nicht über 30 waren.

Doch sie sahen aus wie 75-jährige Greise,

so deformiert waren ihre Körper

durch die Arbeit auf Zuckerrohrplantagen.

Diese Menschen waren die Versuchskaninchen

des Zuckerexperiments.

Sie waren Kollateralschäden

eines beispiellosen Handelskrieges um Zucker.

(David): 74 Prozent aller Sklaven wurden deswegen verschleppt.

Wer Sklavenhandel verstehen will, muss sich mit Zucker befassen.

(Off): Zucker hat einen höheren Suchtfaktor als Pfeffer oder Zimt.

Ab dem 17. Jahrhundert sind Europäer ganz verrückt

nach dem seltenen und teuren Stoff.

In London, Amsterdam und Paris grassiert das Zuckerfieber

und eine neue Generation von Abenteurern

will sich ihren Teil vom Kuchen sichern.

Ob Schiffsausrüster, Kaufleute oder Freibeuter -

allen ist klar,

dass die Zuckerproduktion viele Sklaven erfordert.

Der Engländer John Hawkins ist einer dieser neuen Unternehmer,

für die nur Profit zählt.

Der Korsar erkannte früh,

dass der Transport schwarzer Sklaven in die neue Welt

ein Vermögen einbrachte.

Er überredet Königin Elisabeth I., ihm ein Schiff zu leihen -

die "Jesus von Lübeck".

Bei dieser Reise zeigt Hawkins klar Flagge,

indem er als Emblem

einen gefesselten Mann schwarzer Hautfarbe wählt.

"Ich versichere Eurer Königlichen Hoheit,

dass ich einen Gewinn von 40.000 Mark einbringe,

ohne einem Eurer Freunde oder Verbündeten zu schaden.

Ich werde diese Reise zur Ehre Eurer Hoheit

und zum Wohle Eures Reiches tun, wenn Ihr mir Eure Zustimmung gebt.

Ich beabsichtige, Neger aus Guinea mitzunehmen

und sie auf westindischen Inseln

gegen Gold, Perlen und Smaragde zu verkaufen,

die ich in Hülle und Fülle zurückbringen werde."

(Off): 1620, ein Jhd. nach Gründung der ersten Plantagen

in Brasilien, wird der Atlantik zum Schlachtfeld des Zuckerkriegs.

Holland, England und Frankreich

wollen die Vorherrschaft Spaniens und Portugals brechen.

Sie kolonisieren die Karibik-Inseln,

welche sich sehr gut für Zuckeranbau eignen.

Die Holländer erobern Curaçao, Sint Eustatius und Saint-Martin.

Die Franzosen Saint-Domingue,

Guadeloupe, Martinique und Grenada.

Die Engländer besetzen die Bahamas,

Jamaika, Antigua, Barbados und Dominica.

Lediglich Kuba und Puerto Rico bleiben unter spanischer Flagge.

Nach Ausrottung der Arawak-Indianer

wird das fruchtbare Land mit dem ersten Zuckerrohr bepflanzt.

(Vincent): Die Karibik wurde schon früh von Europäern erobert.

Diese war der erste Ort,

den Kolumbus in der neuen Welt erreichte

und an dem Spanier nach Gold suchten

und mit der Versklavung der Indianer begannen.

Alle Inseln waren Kolonien, die europäische Pflanzer

und imperialistische Entscheidungsträger

zu ihrem eigenen Profit aufgebaut hatten.

Es gab nur wenige Territorien,

die so intensiv genutzt werden konnten.

In gewisser Hinsicht sind die karibischen Inseln

Kolonien in Reinform, die von Landbesitzern

an ihre eigenen Bedürfnisse angepasst wurden.

(Off): Auf Guadeloupe ist jedes Stück Land,

jeder Quadratmeter Boden

eng mit dieser gewaltsamen Geschichte verbunden.

*Zugsignal*

(Off): Vom Zuckerkrieg blieb lediglich ein Ruinenfeld.

Von den 250 Zuckerfabriken,

die es hier Ende des 19. Jahrhunderts gab,

sind heute nur noch zwei in Betrieb.

2017 graben die Archäologen des INRAP

in Anse-Bertrand die Überreste der Zuckerplantage Saint-Jaques aus.

Eine Mühle, mehrere Schuppen

und drei Reihen sogenannter Negerhütten,

in denen Sklaven zusammengepfercht sind.

In diesem Arbeitslager ist der Mensch nur Werkzeug unter vielen.

Er ist ein mechanisierter, ausgemergelter Körper,

von der Arbeit aufgezehrt bis zum letzten Atemzug.

Die Zeit, in der Sklaven Zuckerrohr pflanzten,

und die Ernte waren Arbeitsspitzen auf der Plantage.

Wir können uns gut vorstellen, wie Sklaven verfielen,

während sie Pflanzlöcher gruben,

denn es war anstrengend und sie bekamen wenig Essen.

Frauen mussten oft die härteste, schmutzigste Arbeit verrichten.

Zusammen mit den Männern oder sogar noch vor ihnen.

Diese kräftezehrende Arbeit hatte zur Folge,

dass die Geburtenrate niedrig

und die Kindersterblichkeit erschreckend hoch war.

Während des 18. Jahrhunderts starben auf Jamaika

90 Prozent aller Kinder von Sklavinnen

im ersten Jahr nach der Geburt.

So konnte sich der Sklavenbestand einer Plantage

also unmöglich reproduzieren.

(Myriam): Die Plantagen werden von Verwaltern geleitet,

für die allein der Nutzen der Sklaven zählt.

Die Arbeitskräfte werden daher gnadenlos ausgebeutet.

Es handelt sich um eine sehr spezielle Gesellschaft,

denn die Lebenserwartung auf einer Plantage

ist extrem niedrig.

Sie liegt bei acht bis zehn Jahren.

(Jean-Pierre): Die Logik der Sklaverei liegt in der

unbeschränkten, ständig verfügbaren Arbeitskraft.

Damit das so ist, gelten Menschen als eine Art Zubehör zum Boden.

So erscheinen sie auch in Inventarlisten der Plantagen.

Die Sklaven sind dort genauso

wie Viehbestand oder Werkzeuge aufgeführt.

Das ist der archaische Aspekt dieses Systems.

Aber dieser Archaismus steht auch

im Dienst eines kapitalistischen Systems,

das auf Angebot und Nachfrage des Marktes

mit seinen Schwankungen, Bedürfnissen

und freien Wettbewerb reagiert.

(Off): Mit der Zuckerproduktion

tritt die Sklaverei in eine neue Ära ein.

Je höher die Nachfrage nach Zucker steigt,

desto stärker boomt Sklavenhandel und desto mehr Sklavenhändler

brauchen Unterstützung der Banken, um Reisen zu finanzieren.

London ist eines der ältesten Finanzzentren der Welt. Die Stadt

hat die erste Warenbörse,

ein Kreditwesen und druckt Unmengen von Banknoten.

Der Boom des Sklavenhandels im 17. Jahrhundert

hätte ohne zentralisiertes Bankensystem nie funktioniert.

Die Ausrüstung eines Sklavenschiffs ist teuer,

aber sein Bankensystem verschafft Großbritannien

gegenüber der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil.

(Marcus): Wir dürfen nicht vergessen,

dass der Staat enorme Einkünfte aus Plantagen bezieht

und daher ein starkes Interesse am Sklavenhandel hat.

Wenn Sie 1680 zum König von England gegangen wären

und gesagte hätten: "Sie haben die Wahl.

Sie können entweder diese 13 Kolonien in Nordamerika

oder die kleine Insel Barbados haben",

dann hätte er sich sofort für Barbados entschieden

wegen der Einkünfte aus der Zuckerproduktion.

Dieses starke Interesse der europäischen Staaten

wird bis zum Ende der Sklaverei bestehen bleiben.

(Off): Um den Zuckerkrieg zu unterstützen,

wirft London mit Krediten nur so um sich.

Hier beherrschen die beiden Säulen der britischen Wirtschaft,

die den Sklavenhandel finanzierten,

bis heute die Skyline von London.

Auf der einen Seite die höchstehrenwerte Bank of England,

die erste Zentralbank der Welt.

Auf der anderen die mächtigste Versicherungsgesellschaft

des Vereinigten Königreichs - die angesehene Lloyds of London.

Um ihre Schiffe zu chartern,

müssen sich Sklavenhändler verschulden.

Ohne Versicherung würden sie riskieren,

schon auf ihrer ersten Reise ruiniert zu werden.

(Filipa): Es drohten hohe Verluste.

Sie könnten ihr Schiff verlieren, wenn es ihr Schiff wäre.

Sie könnten die Mannschaft oder mitgeführte Waren verlieren,

die in Afrika gegen Sklaven eingetauscht werden sollten.

Und sie könnten auch Vorräte einbüßen,

die sich für die Reise an Bord befanden.

Damals wurde die meiste Zeit Krieg geführt.

Selbst wenn auf der Reise alles gut ging,

sie nichts verloren, war das Risiko hoch,

dass Piraten oder feindliche Schiffe angreifen könnten

und sie die Ladung so verlieren würden.

(Off): In diesem Geschäft ist ein Sklave nur eine Ware.

Davon zeugt ein Brief aus dem Jahre 1686.

Ein Sklavenhändler schreibt an seinen Partner:

"Die Geleitzüge, die ihr Land am 21. Februar mit der Orangetree

und am 1. März mit der Mary verlassen haben,

sind hier am 29. Juni eingetroffen.

Jedes Schiff hatte über 100 seiner geladenen Neger verloren.

Der Rest hatte die Grippe,

ist in schlechter körperlicher Verfassung,

was ihren Verkauf behindern wird.

Wir fürchten, sie zu niedrigem Preis abgeben zu müssen,

wenn wir sie überhaupt verkaufen können.

Wir wissen nicht, was wir mit Negern anfangen sollen,

deren Zustand so schlecht ist, dass sich kein Käufer

an Bord wagt.

Für die Zukunft empfehlen wir dringend,

uns auch viel gute Neger von der Goldküste zu schicken,

die in guter Verfassung eintreffen und hier gern akzeptiert werden.

Aber wir bitten Sie, uns keine Allampoes zu schicken.

Sie sind so voller Hautflechten und hier so gut bekannt,

dass sie in dem Zustand schwer verkäuflich sind -

egal zu welchem Preis."

(Off): Der Sklavenhandel ist eine Art Pokerspiel.

Das Risiko ist groß,

aber im Erfolgsfall ist der Kapitalertrag so hoch,

dass er alle anderen Geldanlagen in den Schatten stellt.

Versicherer wie Lloyd's können bei diesem Glücksspiel nur gewinnen.

Eine erfolgreiche Reise kann ihre Investition verdreifachen.

In den Archiven von Lloyd's

sind wenige Belege für Gewinne dieser gefährlichen Reisen.

Die meisten Rechnungsbücher verbrannten 1838.

Das Jahr, in dem Sklaverei

auf den britischen Karibikinseln abgeschafft wurde.

Die Häfen stellen sich auf dieses Wettrennen nach Afrika

und in die Karibik ein.

In London wird Blackwall zur Drehscheibe des Sklavenhandels.

Hier werden kostbare Stoffe, Juwelen,

Porzellan, Waffen und Brandwein

mit dem Geld der Banken auf Kredit gekauft.

Rund um die Becken entsteht ein riesiger Hafenkomplex.

Eine Stadt in der Stadt, die nur diesem neuen Handel gewidmet ist.

Nach London im Jahr 1663 stürzen sich alle großen Seehäfen

nacheinander in dieses einträgliche Geschäft.

Lorient, Kopenhagen,

La Rochelle, Bristol,

Nantes, Liverpool,

Bordeaux, Antwerpen -

überall nehmen Sklavenschiffe Kurs auf Afrika.

(David): Sklavenschiffe stachen nicht nur in Liverpool und Nantes

sondern von allen Atlantikhäfen aus in See.

Sobald ein Hafen groß genug war, um Überseereisen zu erwägen,

diente die erste Reise sehr wahrscheinlich dem Sklavenhandel.

Insgesamt gab es 170 kleine Häfen.

Heute weiß dort niemand mehr,

dass sie Heimathäfen von Sklavenschiffen waren.

Saint Peter's Port auf den Channel Islands ist eine bezaubernde Stadt

und doch wurde dort Sklavenhandel betrieben.

(Off): In zwei Jahrhunderten starten von französischen Häfen

über 3500 Reisen.

Mehr als die Hälfte davon beginnen in Nantes,

dem Spitzenreiter des Dreieckshandels in Frankreich.

Die sogenannten Afrikanerköpfe am Quai de la Fosse

oder auf der Ile Feydeau erinnern an reiche Sklavenhändler.

Sie rühmten sich, am meisten zum Wohlstand beizutragen

und Nantes zum wichtigsten Hafen Frankreichs gemacht zu haben.

(Frederic): Reichtum wurde durch die Sklaverei erworben.

Da waren Händler, Schiffsausrüster,

Lebensmittelproduzenten, Winzer,

Produzenten von Mehl, Stoffen und Eisenwaren.

Alle Atlantikhäfen ernähren ein sehr großes Hinterland,

das im Falle von Nantes bis nach Orleans reicht.

Auf allen Flüssen werden Waren transportiert.

Die Sklaverei erzeugt also einen Reichtum,

der für Frankreich unentbehrlich ist.

(Off): 1669, Nantes,

Bordeaux, La Rochelle, Le Havre -

über die Flüsse gelangt das Geld aus dem Sklavenhandel

bis nach Rouen, Orleans und Angouleme.

Das Binnenland ist von ihm abhängig geworden.

Ludwig XIV. erkennt, dass er den Zuckerkrieg

nur mit einer schlagkräftigen Flotte gewinnen kann.

Der König befiehlt den Bau von 500 Galionen.

Der Atlantik wird Schauplatz eines Seekriegs

zwischen Frankreich, England und Holland.

Ein verbissener Kampf, bei dem jedes versenkte Schiff

ein schwerer Verlust für die Wirtschaft des Landes ist.

(Frederic): Es ist kostspielig, ein Schiff mit 74 Kanonen zu bauen

und die Mannschaft zu bezahlen.

Und wer trägt letztendlich diese Kosten?

Diese Kriege, diese Kriegsschiffe und Waffenarsenale

werden vor allem von den französischen Bauern bezahlt.

(Off): Die Sklavenschiffe werden von der Marine begleitet.

16.000 Galionen schützen die holländischen Handelsschiffe,

3000 Kreuzer der Royal Navy schrecken die Gegner Englands ab.

Angesichts dieser Flotten steht Frankreich schlecht da.

Jede Nation muss außerdem über eine Festung in Afrika verfügen,

wenn sie im atlantischen Wettbewerb mitthalten will.

Genau wie die karibischen Inseln sind diese Festungen

wichtige Bastionen des Dreieckshandels.

Auf diesen Militärstützpunkten

werden vor Abreise Waren zwischengelagert

und Gefangene interniert.

In weniger als 80 Jahren werden vom Senegal bis zum Niger-Delta

43 Festungen errichtet.

Jeder Stein, jeder Balken kommen mit dem Schiff aus Europa.

Die meisten dieser Festungen wurden vom Staat gebaut.

Einzelne Investoren oder sogar Gruppen von Händlern

hatten nicht genügend Geld für solche Bauwerke.

(Off): 1684 erstattet Jean Baptise Ducasse,

Direktor der Compagnie du Sénégal, Ludwig XIV. Bericht

über den Fortschritt bei der Errichtung der Forts.

Der König kontrolliert die Ausgaben.

Jeder in den Sklavenhandel investierte Sou

muss Gewinn bringen.

"In erster Linie muss man klären, wie groß die Festungen

und wie hoch die Bollwerke sein sollen.

Und welche Mengen an Ziegelsteinen

und Kalk transportiert werden müssen.

Da diese Ausgaben beträchtlich sein werden,

kann ein Teil davon durch Handel hereingeholt werden.

Holländer haben acht Festungen und zwei Kontore an der Goldküste.

Dies hat ihnen beträchtliche Summen eingebracht,

seit sie 6000 Neger pro Jahr liefern.

Unsere Festung wird noch mehr an die Kolonien liefern,

wo die Nachfrage nach Negern sehr hoch ist.

Dies wird die Zuckerproduktion ins Unendliche steigern."

(Off): Frankreich verfügt zu dem Zeitpunkt nur über eine Festung

an der sogenannten Goldküste und muss diesen Rückstand aufholen.

Die Engländer haben bereits 13, Holländer zehn, die Dänen fünf.

Selbst Preußen mit ihren drei Festungen

sind den Franzosen überlegen.

An der Goldküste auf dem Gebiet des heutigen Ghana

verpachten die Fanti und die Aschanti Land an Europäer,

damit diese dort Forts bauen können.

Die Europäer errichten entlang der Atlantikküste

Kontore und Festungen, vom Land der Ewe

bis hinunter zum Königreich Kongo.

So wird Äquatorialafrika

zur weltweit wichtigsten Herkunftsregion für Sklaven.

Aus diesem Rechnungsbuch der britischen Royal African Company

von 1688 geht hervor,

dass sie in acht Jahren 60.783 Sklaven verschifft hat.

Jeder kostete acht bis zehn Pfund Sterling,

nach heutigem Wert 950 bis 1500 Euro.

Alle wurden im Tausch gegen Handelswaren erworben.

Die Nachfrage ist so hoch, dass die Europäer ihre Partner

in Afrika zur Planung, Rationali- sierung und Industrialisierung

ihrer Methoden drängen, um diese Massendeportation zu organisieren.

(Paul): Sklaven wurden oft auf Kredit gekauft.

Europäische Schiffe kamen mit einer ganzen Ladung von Stoffen,

verschiedenen Eisenwaren, Rum und Tabak.

Diese Waren wurden auf Kredit an einheimische Händler abgegeben,

damit diese dafür im Inland Sklaven kaufen

und zurückbringen konnten.

(Edward): Die schlimmsten Folgen waren der Anstieg der Gewalt

und die wachsende Unsicherheit

innerhalb der afrikanischen Gesellschaften.

Neue, starke Männer nutzten die Gelegenheit,

um zu mächtigen Führern aufzusteigen.

Wer über mehr Waffen verfügte und aggressiver war,

konnte sich als Anführer durchsetzen

und plötzlich Macht gewinnen.

(Off): Einer dieser Anführer ist Antera Duke,

ein bedeutender afrikanischer Sklavenhändler aus Calabar.

In seinem Tagebuch schreibt er über Methoden,

mit denen er Furcht und Schrecken verbreitete.

Entführungen, Freiheitsberaubungen, Morde.

"Gegen vier Uhr früh stand ich auf. Furchtbarer Regen.

Ich ging zum Handelshaus der Stadt, wo ich alle Männer vorfand.

Wir bereiteten uns darauf vor, Köpfe abzuschneiden.

Um fünf Uhr früh begannen wir, die Sklaven zu enthaupten.

An diesem Tag fielen 50 Köpfe."

*Klirren*

Diese Opferungen waren eine Form von Terrorismus,

mit dem der Bevölkerung klar gemacht werden sollte,

wer der Boss war und wer nicht.

So gehen alle mafiösen Organisationen vor,

wenn sie sicherstellen wollen,

dass ihre Mitglieder dem Paten gehorchen.

Wer aus der Reihe tanzt, läuft Gefahr, ermordet zu werden.

Also tanzt natürlich niemand aus der Reihe.

(Off): Zum Vorteil einiger gieriger Häuptlinge

und skrupelloser Ausbeuter

wird die Wirtschaft des ganzen Kontinents auf den Kopf gestellt.

An den Küsten kennen afrikanische Sklavenhändler

nun das gesamte Räderwerk der Zuckerproduktion.

Ein Sklavenschiff aus Saint-Malo, die "Marie Séraphique",

legt in Loango im Kongo an.

Zeichnungen des Kapitäns zeigen alle Details der Verhandlungen

zwischen Europäern und Afrikanern. Händler an der Küste wissen,

dass der Kapitän der "Marie Séraphique" es eilig hat.

Er muss unbedingt vor der Ernte auf den Antillen sein.

Zu dieser Jahreszeit verkaufen sich Sklaven am besten.

Also ziehen sie Verhandlungen in die Länge,

um den Preis in die Höhe zu treiben.

Es dauert 116 Tage, um 312 Gefangene zusammenzubekommen.

Die afrikanische Reaktion auf die Ausweitung des Handels

hing damit zusammen, dass Menschen an den Anlegestellen

entlang der afrikanischen Küste genau wussten,

was in Amerika vor sich ging.

Sie kannten sich mit dem dortigen Plantagensystem gut aus.

Einige von ihnen waren sogar über Amerika nach Europa gereist.

Sie hatten das alles selbst gesehen,

denn dies war die Route der Sklavenschiffe

auf dem Weg nach Europa.

Diese Händler riskierten nicht, an Bord der Schiffe

in die Sklaverei verkauft zu werden, da sich alle kannten.

Schließlich beruhte Sklavenhandel auf den persönlichen Beziehungen

zwischen afrikanischen Händlern und Kapitänen der Sklavenschiffe.

(Off): Die "Marie Séraphique" erreicht Saint-Domingue

ein Jahr nach ihrer Abreise aus Frankreich.

Nur neun Sklaven starben.

Eine gute Quote für die Mannschaft,

die ihren Erfolg feiert.

Die Zeichnungen des Kapitäns

geben vom Elend der Gefangenen nichts preis.

Sie sind nur abgezählte, entmenschlichte Schatten

wie Fässer im Laderaum verstaut.

Doch in vielen Fällen gleicht die Reise einem Albtraum.

Es ist wichtig zu verstehen,

dass Gewalt an Bord der Sklavenschiffe

sehr gezielt angewandt wurde.

Anders gesagt: Kein Kapitän wollte alle Gefangenen töten,

sonst hätte die Reise keinen Gewinn abgeworfen.

Wenn es also Widerstand gab,

veranstalteten Kapitäne eine öffentliche Hinrichtung,

bei der wenige Sklaven

auf besonders grausame und schreckliche Art getötet wurden,

um alle anderen in Furcht und Schrecken zu versetzen.

Alle Sklaven mussten an Deck kommen,

um diese Exekutionen mit anzusehen.

Ein Schiffsarzt schrieb,

dass das Hauptdeck nach solch gescheiterten Revolten

oft vollkommen mit Blut überschwemmt war.

Aufstände waren häufig und wurden fast immer niedergeschlagen.

Aber Kapitäne nutzen sie, um Sklaven einzuschüchtern.

Die Botschaft lautete:

So werdet ihr enden, wenn ihr euch widersetzt.

Ich vermute, dass auf Sklavenschiffen erstmals Menschen

nach sogenannten Rassen kategorisiert wurden.

Die multiethnischen Afrikaner

wurden als Ebo, Fante oder Mende an Bord gebracht.

Aber bei Ankunft wurden sie zu Mitgliedern der "Negerrasse".

Derselbe Prozess spielt sich parallel bei den Seeleuten ab.

Diese bunt gemischten Mannschaften

bestehen aus Engländern, Iren und manchmal auch Afrikanern.

Sie verlassen europäische Häfen,

aber wenn sie die Westküste Afrikas erreichen,

werden sie zu "den Weißen".

(Off): An den Stränden der Karibik landen die Gefangenen als Schwarze

in einer von Weißen dominierten Welt.

Als Ventil für eine Gesellschaft, die auf Gewalt und

Rassismus aufgebaut wurde, erinnert der Karneval

an die Zuckerindustrie, die mit ihrem Arbeitstakt,

Regeln und Jahreszeiten das Leben auf der Insel bestimmte.

(Menge singt): "Die Neger sind zornig!

Die Neger sind zornig!"

(Off): Eine Zeit, in der Trommler das Ende der Winterpause

und die Wiederaufnahme des Schnitts ankündigten

und in der geflohene Sklaven ihre Körper mit Melasse einrieben,

um ihre Ergreifung zu erschweren.

Was die atlantische Sklaverei

von anderen Systemen der Sklaverei unterscheidet,

ist die Entstehung von rassistischen Vorstellungen.

Hier wird erstmals ein körperliches Erscheinungsbild,

für das es einen Begriff gibt, mit einem Status gleichgesetzt.

Das Kontinuum von Status und Farbe

hat also jetzt zwei Extreme:

der weiße Herr und der schwarze Sklave.

Den Ausdruck "Weißer" gab es

vor Sklavenhaltergesellschaften nicht.

Der Ausdruck "Weißer" kommt erst auf den Antillen auf.

Wir sehen also, wie wesentlich die atlantische Sklaverei

zur Konstruktion unserer heutigen Kategorien

von sogenannten Rassen beitrug.

Kategorien, die wir heute verwenden,

und von denen wir glauben, dass es sie schon immer gab,

aber das stimmt nicht.

(Off): Rassismus ist ein Mittel zur Unterdrückung.

Er dient dazu, die angebliche Minderwertigkeit der einen,

und die unendliche Überlegenheit der andren in die Haut zu brennen.

Entwurzelt und von Familien getrennt,

bilden Schwarze nur eine namen-

und orientierungslose unterwürfige Masse.

Die Plantage ist eine Maschine,

die ihre Arbeitskräfte verschlingt.

Sie muss ständig mit neuen Arbeitern gefüttert werden.

Landbesitzer wollen Sklaven zu lebendigen Werkzeugen machen.

Peitsche und Folter dienen dazu,

ihnen jede Menschlichkeit zu nehmen.

In diesem Garten der Qualen verfügt der Besitzer

über die absolute Macht.

Nehmen wir einen Mann wie Thomas Thistlewood.

Sein Tagebuch führt uns die zunehmende Gewalt vor Augen,

die er glaubt, Sklaven zufügen zu müssen,

um sie zur Arbeit auf der Plantage anzuhalten.

(Off): "Ich kam vor kaum zwei Wochen als Vorarbeiter

auf der neuen Plantage an

und wir mussten schon einen flüchtigen Neger bestrafen.

Wir schlugen ihn hart mit der Peitsche

und rieben ihm Pfeffer, Salz und Zitronensaft in die Wunden.

Drei Tage später wurde uns die Leiche

eines anderen geflohenen Sklaven gebracht.

Ich ließ ihm den Kopf abschneiden.

Wir haben die Leiche öffentlich verbrannt.

Nur so können wir die Neger unter Kontrolle halten.

In der Angelegenheit vertrete ich die Interessen aller Kolonisten.

Die elende Lage der Neger

führt natürlich dazu, dass sie uns hassen.

Wir können sie nur mit Stärke und Gewalt in Schach halten."

Folter und brutale Strafen

waren nichts Ungewöhnliches auf den Plantagen.

Die wenigen Weißen,

die inmitten einer Armee von Sklaven arbeiteten,

fürchteten die Kontrolle zu verlieren.

Schmerzensschreie und Gestank der brennenden Leichen

wurden zum typischen Merkmal von Jamaika.

Dies ist der Alltag auf einer Plantage.

Der Gestank, die Schreie, die Angst und der Schrecken

bringen die Menschen zum Arbeiten und zum Gehorchen.

Dieser Terror ist untrennbar mit Arbeit auf Plantagen

und Profiten aus dieser Arbeit verbunden.

(Off): Doch Pflanzer dürfen

die auf Kredit gekauften Sklaven nicht verschwenden.

Der Staat, der ihren Transport finanzierte, will Gewinne sehen.

1685 erlässt Ludwig XIV. in Frankreich den "Code noir",

ein Dekret zur Regelung des Umgangs mit schwarzen Sklaven.

"Artikel 42: Sklaven dürfen nur von ihren Besitzern,

sofern diese meinen, dass sie es verdient hätten,

in Ketten gelegt und mit Stöcken oder Seilen geschlagen werden.

Es ist verboten, sie zu foltern oder ihre Glieder zu verstümmeln."

In allen Rechtssystemen, in denen Sklaverei existiert,

gibt es gesetzlich festgelegte Grenzen

der erlaubten Gewaltanwendung.

Dazu gehört auch der "Code noir".

Es gibt immer spezifische Grenzen.

Aber letztendlich kann einen Sklavenbesitzer

nichts davon abhalten,

seine Sklaven auf die schlimmste Weise zu misshandeln.

Dafür gibt es unzählige Beispiele.

Und sie kommen anschließend straflos davon,

ohne dass der Staat die Opfer dieser Misshandlung schützt.

(Jean-Pierre): Der "Code noir" wurde natürlich zu einem Symbol.

Ein Symbol für eine Zeit, ein Symbol für ein System,

ein Symbol für die gesetzliche Ablehnung des Menschen

durch den Menschen.

Und auch ein starkes und äußerst schmerzliches Symbol

für die Nachkommen der Sklaven.

Ich würde nicht sagen, er wurde nicht angewandt,

denn das wurde er.

Tatsächlich regelte der "Code noir" zwar das System,

doch er wurde überall fast tagtäglich gebrochen.

*Getragene Musik*

(Off): In der Plantagengesellschaft

gelten allein die Gesetze des Marktes.

Gewalt ist ein nötiger Kostenpunkt,

der in die Jahresbilanz eingeht.

Ein Sklave hat sich nach vier Jahren amortisiert.

Danach hat sein Leben nur einen Wert,

solange er noch ein Machete halten kann.

Das ist der Preis dafür, dass die Europäer Zucker essen können.

Ich glaube nicht, dass es möglich ist,

einen Menschen zu einer bloßen Marionette zu degradieren,

die sich nach einem fremden Willen bewegt.

Das ist der Grund für die Spannungen,

Revolten und Aufstände.

Will ich jemanden unterjochen, aber mir gelingt das nie ganz,

wird das stets zu Konflikten führen.

In extremen menschlichen Herrschaftssystemen,

auch in der Sklaverei, gibt es immer Widerstand,

Spannungen und Kämpfe.

(Off): Im "Inselanzeiger" findet sich neben der Rubrik

für verlorene Gegenstände eine Liste der flüchtigen Neger.

"Im Kerker von Point à Pitre sind ein Neger namens Atis,

guineischer Nationalität, Alter 28 Jahre,

ein Neger, der sich Fermont nennt, Größe fünf bis zwei bis drei Zoll.

Ein Neger, Alter etwa 40 Jahre, gehört Monsieur Papin.

Ein kleiner Neger namens Jean-Jean

von kreolischer Nationalität, Alter zehn Jahre.

...mit schöner Haut gehört Madame Devreuil."

(Off): In der gesamten Karibik flüchten ausgebrochene Sklaven

in entlegenste Wälder. Sie werden Maroons genannt,

nach dem spanischen Wort "cimarron" für verwildertes Vieh.

In diesen abgeschiedenen Gegenden formiert sich der Widerstand.

Auf allen Inseln erheben sich Männer und Frauen

gegen ihre Unterdrücker.

Zu Anführern der Maroons

gehören auf Jamaika Hauptmann Léonard Parkinson

und die Ashanti Grandy Nanni, auch Priesterin der Maroons genannt.

Sowie auf Barbados der Igbo-Warlord Bussa.

Ihre Revolte verleiht den Aufständischen

einen Namen und eine Identität.

Überall in den Bergen von Jamaika gibt es

Gemeinschaften von geflohenen Sklaven.

Sie erkunden ihre Umgebung

und lernen, den Boden zu bestellen und zu kämpfen.

Sie greifen Plantagen an, um an Schießpulver zu kommen,

rekrutieren weitere Mitglieder

und bauen Siedlungen in den Bergen auf.

Für die Briten werden sie zu einem immer größeren Problem.

Zwischen 1720 und 1730 weitet sich der Konflikt

zu einem regelrechten Krieg aus.

Die Briten sind nicht mal sicher, ob sie die Insel halten können.

(Mann singt): "Die Neger-Maroons haben für die Freiheit gekämpft.

Jetzt der Chor!

(Chor): Sie kämpften für die Freiheit.

(Mann): Das Publikum soll klatschen.

*Chor singt und klatscht*

(Mann): Die Trommler sollen den Ka schlagen.

*Chor, Trommelschläge*

(Mann): Das Publikum soll den Takt vorgeben.

*Trommelschläge, Klatschen, Gesang*

(Mann): Wenn sie nicht tapfer gewesen wären,

wenn sie nicht stolz gewesen wären,

hätten sie sich nicht aus ihrer Not befreit,

hätten sie sich nicht aus ihrem Elend befreit.

Ehre sei Ignace, der sich erhoben hat,

Ehre sei Massoteau, der sich erhoben hat,

Ehre sei Delgrès, der sich erhoben hat...

*Gesang und Trommelschläge klingen aus*

(Off): Das überhitzte Zuckersystem bricht überall zusammen.

Nach den Inseln greifen Unruhen auf die afrikanische Küste über.

In Jagdgebieten der Sklavenfänger brechen Bürgerkriege aus.

Vor allem in Senegambia, wo die Marabouts der Ansicht sind,

dass Handelswaren die Gesellschaft verderben.

Diese Gewaltausbrüche bewirken Engpässe in der Zuckerindustrie.

Auch Europa bleibt von dieser Krise nicht verschont.

Immer mehr Menschen empören sich

über die Grausamkeit des Sklavenhandels.

In allen großen Handelshäfen

wusste jeder über den Sklavenhandel Bescheid.

Und ich sage Ihnen auch, warum.

Sklavenschiffe strömten einen unverkennbaren Geruch aus,

der nie wieder aus dem Holz zu bekommen war.

In Charleston, in South-Carolina,

dem größten Importhafen für Sklaven in Nordamerika, hieß es:

Wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung

vom Meer her wehe, wäre ein Sklavenschiff schon zu riechen,

noch bevor es in Sicht sei.

Das bedeutet, dass die Wahrheit über diese Horrorschiffe,

die nach menschlichem Elend stanken,

in allen Häfen bekannt war.

(Suzanne): Die Wahrheit über den Sklavenhandel

und das, was versklavte Afrikaner

während der Überfahrt erleiden mussten,

wurde Ende der 1780er-Jahre nach und nach öffentlich bekannt.

Die Abolitionisten konzentrierten sich

insbesondere auf die Mittelpassage.

(Catherine): Damit beginnt die Auseinandersetzung

und es werden viele Pamphlete zu diesem Thema veröffentlicht.

Dadurch wird den Sklavenbesitzern zum ersten Mal klar,

dass sie sich für die Rechtmäßigkeit

der kolonialen Sklaverei rechtfertigen müssen.

(Off): In diesem Zusammenhang erregt 1783 in England

ein Prozess große Aufmerksamkeit,

den Lloyds gegen eine Handelsgesellschaft führt.

Gegner der Sklaverei nutzen ihn als Bühne,

um die barbarischen Methoden der Sklavenhändler anzuprangern.

Das sogenannte Zong-Massaker,

das zu Beginn der 1780er-Jahre stattfand,

war ein sehr wichtiges Ereignis.

Der Kapitän eines Sklavenschiffs

ließ eine Gruppe von lebenden Afrikanern über Bord werfen,

um die Versicherungssumme zu kassieren.

Die Reise wurde daraufhin fortgesetzt

und die Sache kam erst einige Jahre später vor Gericht,

weil die Versicherungs- gesellschaften nicht zahlten. .

Bei der Verhandlung war auch

der Abolitionist Granville Sharp anwesend.

Auf die Frage: "Waren die Sklaven als Besitz zu sehen?",

antwortete Granville: "Dies ist Massenmord.

Schlicht und einfach Massenmord.

Hier geht es nicht um Besitzrechte,

sondern um menschliche Wesen."

Der Richter gab

den Versicherungsgesellschaften Recht,

die sich weigerten, für die ermordeten Afrikaner zu zahlen.

Es war Gustavo Vassa, der Granville Sharp davon berichtete.

Sharp machte daraus eine große Sache

und konnte so die öffentliche Meinung

in Großbritannien mobilisieren.

(Off): Gustavo Vassa ist einer

der glühendsten britischen Abolitionisten.

Der gebürtige Nigerianer wird mit 11 in die Karibik verschleppt

und kann sich mit 21 auf einer Reise nach England freikaufen.

Seine 1789 erschienene Autobiographie

über seine Erlebnisse während der Mittelpassage

ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Sklaverei.

Er hält Nationen, die ihn zur Ware degradierten, den Spiegel vor.

"Gentlemen, der Sklavenhandel ist dazu angetan,

den Geist der Menschen zu korrumpieren

und sie unempfänglich für jedwedes menschliche Gefühl zu machen.

Genau dies ist das Verhängnis dieser falschen Habsucht.

Die verdirbt die Milch der menschlichen Güte

und verwandelt sie in Galle.

Dieser Handel ist nicht gut,

denn er verbreitet sich wie die Pest

und zerstört alles, was er berührt.

Dieser Handel, der das erste Naturrecht der Menschheit,

Gleichheit und Unabhängigkeit verletzt

und einem Menschen die Herrschaft über seine Mitmenschen gibt,

war nie der Wille Gottes.

Wie falsch ist doch die Habgier dieser Pflanze.

Sind Sklaven wirklich nützlicher,

wenn sie zu Tieren degradiert werden,

als wenn wir ihnen die Rechte von Menschen zugestehen?"

Es ist wichtig, zu wissen, dass Equiano, alias Gustavo Vassa,

ein weitgereister Mann ist.

Er wurde versklavt,

aber hat später erst auf einem Kriegsschiff der Navy

und dann auf einem Handelsschiff gearbeitet.

In London schloss er sich der Abolitionisten-Bewegung an.

Durch ihn wird klar, dass jemand,

der im atlantischen Raum versklavt wurde,

nicht unbedingt kein Bewusstsein für seine Konturen haben konnte.

Sie hatten eine bessere geographische Vorstellung,

als wir es von Sklaven erwarten würden,

die mit gekrümmten Rücken auf einer Plantage schuften.

Das ist für mich ein bewegender Gedanke.

(Off): Als Gustavo Vassa 1789 das Wort ergreift,

sind bereits 7,7 Millionen Afrikaner verschleppt worden.

Eine Million aus Senegambia,

3,4 Millionen aus Benin und Biafra,

3,2 Millionen aus Zentralafrika

und fast 73.000 aus Ostafrika.

Während die Zahl der Deportierten

von David Eltis und seinem Forschungsteam

an der Emory University in Atlanta genau ermittelt wurde,

sind die Einkünfte aus dem Sklavenhandel noch zu berechnen.

Historiker versuchen derzeit abzuschätzen,

wie viel der Sklavenhandel Banken und Versicherungen einbrachte.

Sklavenhandel ist nicht nur ein Grundstein des amerikanischen

sondern auch des europäischen und atlantischen Kapitalismus.

Denn er schuf dieses extrem profitable Wirtschaftssystem,

das Länder Nordwesteuropas durch das Plantagensystem

mit Amerika verbunden hat.

Der große Kulturkritiker und Aktivist C. L. R. James

wies darauf hin, dass die Sklaverei

den bis dahin größten Reichtum der Welt erzeugt hat.

Das trug natürlich wesentlich zum Wohlstand des Westens bei.

(Off): Zwischen 1633 und 1807, dem Jahr der Abschaffung

des Sklavenhandels im britischen Empire,

deportierte dieses

2.755.830 afrikanische Sklaven.

Die meisten von ihnen starben auf Plantagen

nach jahrelanger Schufterei auf Zuckerrohrfeldern.

Und all das nur für den Profit.

Die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestags

der Abschaffung des Sklavenhandels,

an denen auch Premierminister Tony Blair

und Königin Elisabeth II. teilnehmen,

werden durch den eingeladenen Menschenrechtsaktivisten

Toyin Agbetu gestört.

(Toyin): Ich fordere alle afrikanischen Christen auf,

mit mir hinauszugehen.

Wenn Sie dies im Namen meiner Vorfahren tun,

sollten Sie den Anstand besitzen, Mr. Blair,

sich zu entschuldigen.

Und Sie, die Königin, Sie sind eine Schande!

Sie entehren unsere Vorfahren.

Millionen von uns sind auf See gestorben.

Kein Wort über Samuel Sharpe,

kein Wort über Nanny oder Königin Nzinga.

Das hätte ich von Engländern erwartet!

Aber ihr Afrikaner sitzt nur da und schaut zu.

Ich muss das allein tun, weil ihr den Mut nicht habt.

Lasst mich los!

Lasst mich...

los!

(Off): Doch der Verlust der teuer erkauften karibischen Inseln,

dem Goldesel des Weltkapitalismus, ist schwer zu akzeptieren.

Anfang des 19. Jahrhunderts

versuchen Pflanzer und Sklavenhändler

der breiten Protestwelle

der Zivilgesellschaft entgegenzuwirken.

Die Sklaverei, die seit Anbeginn der Menschheit existiert,

erscheint jetzt unmoralisch und überholt.

Das hat Großbritannien vor allen anderen verstanden.

Mit dieser Erkenntnis haben Briten anderen Nationen viel voraus.

Und so schicken sie sich an, die Welt zu erobern.

Erzähler: Nikolaj Brucker

Übersetzung: Friederike Geßner

Künstlerische Leitung: Andreas Nagel

Deutsche Bearbeitung: Studio 7 Synchron und Untertitel GmbH

Redaktion: Peter Gottschalk.

*UNTERTITELUNG: Globe tv GmbH, Saarbrücken, 2020*

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