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Hey!
Euch meine ich wohl, kommt mal her.
- Würdet Ihr sie einen Augenblick halten? - Sicher, gerne.
Wie wunderschön du doch bist!
- Fühlt Ihr Euch nun besser? - Nicht sehr.
Es lebte einst in Westfalen, im Schloss des Barons Thunder-ten-Tronckh...
...ein junger Mann, den die Natur mit einem sehr sanften Gemüt ausgestattet hatte.
Er war gutherzig, umsichtig und einfach.
Man konnte seine Seele in seinen Augen lesen.
Vielleicht nannte man ihn deshalb Candide.
Und Candide hieß er seit jeher.
Wiedersehen!
Obwohl die Frau Baronin nur 350 Pfund wog...
...ging eine Würde von ihr aus, die sie noch wackerer und achtbarer erschienen ließ.
Der Herr Baron liebte gute Speisen...
...und ergötzte sich an der Astronomie. - Lachen!
Jeder lachte über seine Anekdoten, die alle ohnehin schon auswendig konnten...
...und nannte ihn „den Monsigneur“.
Pangloss, der Hauslehrer, war das Orakel des Hauses.
Als der brillante Philosoph, der er war, konnte er stets geschickt demonstrieren...
...dass es auf der Welt keine Wirkung ohne Ursache gibt...
...dass alles stets wunderbar und perfekt ist...
...und dass wir in der besten aller möglichen Welten leben.
Der Baron und die Baronin hatten eine Tochter namens Kunigunde.
Die göttliche Naivität all dessen, was sie sagte, dachte oder tat...
...machte sie noch liebenswerter und liebreizender.
Und nicht zufällig hatte die Natur sie...
...mit dem Muttermal in der Form einer Rose auf ihrer Hand beschenkt.
Auch heute, wie immer, werden wir die besten aller möglichen Speisen genießen...
...die wir uns alle in dieser besten aller möglichen Welten verdient haben.
Damit ist wieder bewiesen, dass die Dinge nicht anders sein können als sie sind.
Denn alles wurde zu einem Zweck geschaffen...
...und daraus folgt, dass alles notwendigerweise zum Besten tendiert.
Beispielsweise wurde die Nase erschaffen, um die Brille zu tragen...
...und aus diesem Grund existieren Brillen.
Schweine, zum Beispiel.
Wie viele Schweine existieren überhaupt?
Eine große Anzahl von ihnen wurde geschaffen...
...deren einziger Zweck es ist, gegessen zu werden - und wir essen sie.
Und die Vögel?
Wozu gibt es die Vögel, die im Himmel wohnen...
...wenn nicht, um als Nahrung und Erbauung für Geschöpfe wie uns zu dienen, hm?
Darum werden unsere Banketts von diesen gefiederten Kreaturen bereichert.
Darum lautet das Fazit: Gelehrte, Philosophen und auch Politiker...
...die immerzu behaupten, dass in der Welt alles gut ist...
...tragen uns eine fürchterliche Lüge auf. Sie müssten uns eigentlich sagen...
...dass alles stets zum Besten steht...
...in der besten aller möglichen Welten.
Bravo! Bravo! Bravo!
Kiefer...
...wurden gemacht, um Speisen zu kauen, was beweist, dass es Speisen gibt.
Der Magen ist da, um gefüllt zu werden, und darum lassen wir ihn niemals leer.
Die Eingeweide sind dazu geschaffen, um sich zu entleeren...
...und aus diesem Grund lassen wir sie niemals voll.
Der Inhalt der Eingeweide dient wiederum dazu, die Erde zu nähren...
...damit sie uns wieder aufs Neue mit Früchten und Blumen erfreuen kann.
Candide...
...können wir uns nachher im Garten treffen?
Ich möchte Euch meine Rosen zeigen.
Alles ist vollkommen, weil es rund ist.
Alles ist gut in dieser Welt, weil die Welt rund ist.
Der Himmel ist rund, sogar die Sonne ist rund.
Ja, rund... Weshalb? Nun ja...
Auch die Sonne ist rund. Ja, rund...
Weshalb?
Weshalb?
Weshalb ist die Sonne rund?
Die Sonne ist rund, weil etwas existiert, das man Kreislinie nennt.
Nichts ist jedoch runder als diese wundervolle Kugel.
Rundum rund!
Rund...
Rund...
Rund...
Auch Baumstämme haben eine runde Seele.
Rund! Rund!
Und die Bäume wurden erschaffen...
...damit sich runde Bauernmädchen gegen sie lehnen können.
Und Pangloss wurde geschaffen, um diese Bäume zu nutzen.
Oder besser gesagt, um ihre köstlichen Früchte zu pflücken, die ebenfalls rund sind!
So rund... rund... Lieblich und rund.
Rundum rund.
Passt auf!
Wo seht Ihr denn hin?
- Nein! - Kunigunde, passt auf.
Oh, mein Gott! Ich falle!
Her zu mir! Wache und Dienerschaft zu mir! Zu mir!
Das hätte sie nicht tun dürfen! Das hätte sie nicht mit ihm tun dürfen!
Wache und Dienerschaft zu mir! Kommt zu mir!
Schnell! Rächt mich!
Folgt mir! Beeilt euch!
Tod dem Verräter!
Tötet den Verräter!
Rache! Rache!
Ergreift ihn! Zieht ihn hervor! Zieht ihn hervor!
Dieser Verräter! Blut wird fließen! Blut!
Ein Strom von Blut! Literweise Blut, literweise!
- Haltet mich zurück! Haltet mich zurück! - Ja, ja, mein Baron!
- Schäme sie sich! Schäme sie sich! - Böses Mädchen! Böses Mädchen!
Lasst mich mein Schwert ziehen!
Wer lebt durch das Schwert, stirbt durch das Schwert!
- Nein! Habt Erbarmen! - Schweig, du Hund!
Warum? Vergebt mir!
Versohlt ihr den Hintern! Welch eine Schande! Dieses Biest!
Dreckige Sünderin! Versohlt sie! Versohlt sie!
- Candide! Candide! - Kunigunde!
Kunigunde!
- Wie konnte er es wagen! Verbrecher! - Candide!
Kunigunde!
- Candide! - Kunigunde!
Mein Vertrauen zu missbrauchen!
Diese Blüte der Tugend zu schänden, diese einstige Blüte der Tugend!
Kunigunde!
Von nun an sollst du dir dein Brot im Schweiße deines Angesichts verdienen!
Hinfort mit dir! Hinfort mit dir!
Du wirst verbannt! Ich verleugne deine Existenz!
Du wirst nicht länger an meiner Tafel speisen!
Hinfort!
Hinfort!
So wurde Candide aus dem Schloss von Thunder-ten-Tronckh fortgejagt...
...da er es gewagt hatte, seine Liebe zur schönen Kunigunde zu offenbaren.
Betrübt und einsam machte er sich also auf ins Exil.
„Oh, Meister Pangloss“, murmelte der arme Junge zu sich selbst...
...„wieso lehrtet Ihr mich, dies sei die beste aller möglichen Welten...
...und dass alles aus einem Zweck geschaffen wurde -
...dem besten aller möglichen Zwecke -
...wenn der Zweck, für den ich geschaffen wurde, der ist...
...mit einem Tritt in den Hintern fortgejagt zu werden?“
- Angetreten! - Eins, zwei. Eins, zwei!
Im Laufschritt! Knie heben!
Im Gleichschritt, ihr Schlafmützen!
Brust raus, Bauch rein!
Macht schon, macht schon!
Formieren! Aus der Reihe treten!
Auf die Füße, ihr Idioten!
Achtung! Rührt euch! Achtung! Rührt euch!
Nun sieh dir mal das an.
Der Kerl dort ist doch größer als fünf Fuß, fünf Zoll.
Komm mal näher, dich werden wir direkt mal verpflichten.
Komm her, komm her.
Unsere Tafel würde sich schrecklich geehrt fühlen...
...wenn Ihr, mein Herr, Euch den Bauch mit uns vollschlagen würdet.
Ihr seid sehr nett und großzügig, aber zum Glück habe ich genug Geld.
Vielleicht dürfte ich ja Euch einladen...
Wie könnten wir es uns denn je erlauben...
...uns von einem Mann, der fünf Fuß, fünf Zoll misst, einladen zu lassen, hm?
Ihr seid doch fünf Fuß, fünf Zoll groß, oder etwa nicht, mein Herr?
Doch, meine Herrschaften!
Siehst du, das sagte ich doch.
Hier, nimm ein Stück gutes Brot. Warte mal!
Und jetzt bekommst du noch etwas dazu.
Pack dir mit uns die Eingeweide voll! Iss schon!
Na, mach!
Wovor fürchtest du dich? Iss!
Zier dich nicht. Vergiss mal die Etikette. Iss!
- Gut! Bravo! - Iss.
- Iss! - Schlag dir den Bauch voll!
Du brauchst etwas Speck auf den Rippen!
Hau rein, für die Gesundheit!
- Trink auch mal was. - Komm schon, trink!
Nimm einen Schluck!
Eins, zwei. Eins, zwei! Eins, zwei. Eins, zwei...
Was glotzt du denn so? Iss! Iss!
Vorwärts, ihr Schlafmützen! Beißen! Durchbeißen!
- Zähne raus, Zunge rein! - Macht schon! Schön fest zubeißen!
Beißt ihn durch! Beißen! Beißen!
Benutzt eure Zähne! Zähne! Zähne, Zähne, Zähne!
Durchbruch-Brigade! Bereit!
Den Kopf benutzen, Idioten! Nächster!
Härter, du Waschlappen!
Aufstellung...
...los!
Ohr! Kiefer!
Kiefer! Hüfte!
Kiefer! Härter!
Zielen!
Werfen!
Werfen!
- Na, bist du satt? - Geht's dir jetzt besser?
Ja.
- Und jetzt ein Nickerchen. - Nickerchen?
Nickerchen?
- Dann bist du also nicht treu ergeben! - Oh doch, Herrschaften!
Ich bin dem Fräulein Kunigunde treu ergeben.
Also nicht dem König von Bulgarien?
Ach so! Jetzt steh mal auf!
Erhebe dein Glas! Mach schon!
Bereit! Bereit!
Lang lebe der König von Bulgarien! Der edelste aller Könige!
Lang lebe der König von Bulgarien!
Lang lebe der König von Bulgarien!
- Lang lebe der König von Bulgarien! - Lang lebe der König!
Lang lebe der König!
Bravo!
Lerne von nun an, den König von Bulgarien zu lieben!
Vorwärts... Im Gleichschritt! Ihr Waschlappen!
Springen! Springen!
- Brustschild. - Brustschild.
- Brustschild. - Gamaschen.
- Gamaschen. - Gamaschen.
- Bauchpanzer. - Bauchpanzer.
- Bauchpanzer. - Knieteile.
- Knieteile. - Knieteile.
- Gesäßpanzer. - Gesäßpanzer.
- Gesäßpanzer. - Rückenschild.
- Rückenschild. - Rückenschild.
- Leistenschutz. - Leistenschutz.
- Leistenschutz. - Helm.
- Helm. - Helm.
Achtung, Majestät, nicht bewegen.
Sehr gut, genau so.
Rücken gerade, Kopf hoch... Arme ausbreiten.
Sehr gut. Ein wenig mehr. Nur einen Augenblick.
Genau so. Tack!
Perfekt! Perfekt!
Nun passt es perfekt.
- Parole! - Der Krieg ist schön!
Eintreten.
Aufwachen!
Ein Freiwilliger, Herr.
Ein Sack Kartoffeln.
Kann er fliegen? Ist er schon mal geflogen?
- Noch nicht, Herr. - Worauf wartest du dann?
Kommt schon, ihr Clowns, steckt ihn in die Luftwaffe.
- Ich will das 4. Geschwader neu bilden. - Wenn Ihr erlaubt, Herr...
- Da muss ein Missverständnis vorliegen! - Klappe zu! Welches Missverständnis?
- Ein Soldat schweigt, wenn angesprochen! - Halt, halt.
Jawohl, Herr Inquisitor!
- Lasst ihn reden. - Vater, ich wurde in Westfalen geboren.
Ich wurde weder für Krieg noch für Gewalt erzogen.
Seid ihr denn sicher, dass er ein Mann ist? Prüft das nach.
- Er ist einer, Kommandant! - Was führt dich in dieses Tal der Tränen?
Ich habe den Baron beleidigt, der mich aus dem Schloss gejagt hat.
Du hast deinen Herrn beleidigt?
Das ist die schlimmste aller Sünden.
Du musst dafür büßen.
Jeder Krieg ist ein Akt der Reue gegenüber Herren, die beleidigt wurden.
Geh, ich segne dich.
- Aber Vater! - Ruhe!
Schneller, ihr Tölpel.
Bringt ihn dorthin, wo nur der Wind spricht.
Zur Rampe Nummer 4.
Und übergebt ihn der ersten freien Mama, die ihr findet.
Hier wären wir. Bleib hier.
Kümmert euch um ihn, Mutter. Aber macht schnell.
Gerade hinstellen.
Oh mein armer, lieber, kleiner Zipfel.
Wunderschön, nicht wahr?
- Was müssen wir denn machen? - Sterben, für den König von Bulgarien.
Warum?
Weil es unnötig ist.
Und sind unnötige Dinge nicht die schönsten in der besten aller möglichen Welten?
Wer bist du?
Nein... Das nicht.
Ich bin ein Held.
Ich liebe den Ruhm, und du?
Ich liebe Kunigunde.
Ich kenne sie nicht, aber wenn du sie liebst, wirst du glücklich sein, zu sterben.
Das, was man liebt, ist immer das Ideal.
- Und es ist schön, für ein Ideal zu sterben! - Für ein Ideal!
Bist du bereit? Dann lass uns fliegen.
Flieg mit uns. Fliegen ist schön.
- So schön. - Nein! Nein, bleib bei deiner Mama!
Bleib! Bleib! Bleib! Bleib, mein Sohn!
Ich fliege... Fliegen...!
Die Geschichte der Bulgaren, Band l.
Es gab niemals etwas so Schönes, so Bewegliches, so Geschicktes...
...wie unsere ruhmreiche Armee.
Orgeln und Kanonen bildeten eine Harmonie solcher Schönheit...
...dass man ihresgleichen nicht mal in der Hölle finden würde.
Vorwärts! Der Sieg ist unser!
War das gut so?
Feuer.
Ich sagte „Feuer“!
Für den Anfang wurden 10.000 Seelen auf die beste aller möglichen Arten befreit.
Dann fegte das Kanonenfeuer aus der besten aller möglichen Welten...
...weitere 10.000 Helden hinfort...
...die ihre Oberfläche veredelt hatten, was dann 20.000 machte, dann 30.000...
...200.000...
...1 Million.
Leidest du sehr?
Siehst du es denn nicht?
Ich sterbe.
Es ist wunderschön.
Sterben ist... schön.
Ein Goldzahn!
Entzückend, wunderschön, wunderschön!
- Nein, sie ist tot, das arme Ding! - Was?
Habt Ihr denn hier eine Lebendige gesehen?
Nein, halt!
Bastard! Bastard!
Meister Pangloss!
Warum nur habt Ihr mich belogen?
Das soll also die beste aller möglichen Welten sein?
- Bastard! Bastard! Bastard! - Aber sicher...
Alles steht zum Besten. Besser noch:
Alles steht zum Besten aller möglichen Möglichkeiten.
Oh, Meister! Oh, Pangloss!
- Pangloss! - Candide!
- Kunigunde, wo ist sie? Wo? - Beruhige dich! Einen Moment.
Siehst du das denn nicht?
Du hast mich ein Ohr verlieren lassen.
Und beinahe meine Nase.
- Aber Kunigunde, wie geht es ihr? - Alles ist gut, mein Junge.
Ausgezeichnet sogar!
Nachdem du fort warst, kamen die Satanassen, brannten alles nieder...
...und vergewaltigten Kunigunde genau 127 Mal.
- Oh, nein! - Oh, ja.
Dann haben sie ihr den Bauch aufgeschlitzt, dem Baron den Schädel gespalten...
...und die arme Frau Baronin in 14 Stücke zerhackt.
- Kunigunde wurde 126 Mal vergewaltigt... - Sieben.
27...
Der arme Baron zweigeteilt, die arme Baronin in 14 Stücke...
...und Ihr, Doktor Pangloss...
...wurdet in diesen schrecklichen Zustand versetzt...
...nur weil Hass die Welt regiert. - Nein, nicht der Hass. Die Liebe.
- Die Liebe? - Die Liebe.
Wie kann etwas so Wunderbares wie die Liebe eine so entsetzliche Auswirkung haben?
Fangen wir am Anfang an.
Es ist alles sehr einfach.
Erinnerst du dich an Pakette, die Kammerzofe der Baronin...
...deren Liebreiz ich oft genoss? - Ja.
Mit diesen vorzüglichen Titten?
Sie hatte die Syphilis. Aber wer auf dieser Welt ist ohne Makel?
Angesteckt hatte sie sich bei einem Mönch...
...der es von einer alten Herzogin hatte...
...die es sich bei einem Notar und einem Jesuiten holte, der, armes Ding...
...es sich bei einem Matrosen auf Christoph Kolumbus' Schiff eingefangen hatte.
Und Ihr behauptet noch immer, dass alles zum Besten steht?
Aber selbstverständlich, mein Junge! Denn ohne die Syphilis...
...ohne die Syphilis gäbe es doch kein Amerika.
Ohne Amerika hätten wir keine Kartoffeln, keine Tomaten und keine Cochenille.
Außerdem wäre ich ohne die Syphilis...
...nicht mit diesem abstoßenden Antlitz gesegnet worden...
...und dann hätten mich die Satanassen in mindestens vier Stücke zerhackt.
Stattdessen sind sie bei meinem Anblick zu Tode erschrocken weggerannt.
Nein, nein, nein, nein, nein...
infolgedessen, wie du siehst, beschützt die Syphilis den Philosophen.
Sie ist nur ein individuelles Leiden, und ich habe dich stets gelehrt...
...dass ein individuelles Übel auch zum Wohl der Gemeinheit beitragen kann.
Schluss jetzt!
Wenn ich Euch richtig verstanden habe...
...könnte man schlussfolgern, dass die Herrschaften nicht an die Erbsünde glauben.
Nein... Ja, Herr Großinquisitor.
Wenn Ihr euch so sicher seid, dass alles immer zum Besten steht...
...könnt ihr doch weder an Sünde noch Strafe glauben.
Ich bitte Eure Eminenz um Verzeihung...
...aber sogar die Erbsünde und ihre Bestrafung...
...gehören zu der besten aller möglichen Welten.
So glaubt Ihr nicht einmal an den freien Willen?
Die Freiheit kann neben der Notwendigkeit existieren...
...denn es ist eine Notwendigkeit... dass wir frei werden...
...oder...
...freiheitlich notwendig.
Im Namen der Heiligen Inquisition, bringt diese Ketzer auf den Scheiterhaufen!
Die Ketzer auf den Scheiterhaufen!
Kommt her, kommt alle her!
Auch die anspruchsvollsten Zuschauer, Türken und Chinesen.
Dieses Schauspiel ist eine der ausgefallensten und befriedigendsten Ausstellungen...
...unter den Tausenden, die euch die Inquisition zu eurem Wohl bietet.
Bestaunt die fabelhaften Instrumente...
...mit denen diese unglückseligen Sünder bestraft werden.
Seht den Körper der armen Unglücklichen...
...wie er vorbereitet und in das heilige Instrument eingeführt wird...
...welches „Heidenpresse“ oder „Ketzerquetsche“ genannt wird.
Beobachtet, wie jener Körper zum Nutzen der Nachwelt wieder hervorkommt.
Ihr Männer und Frauen, bewundert diese absolute Liebe zur Wahrheit...
...mit welcher die heiligen Väter der Inquisition, Blatt für Blatt...
...die gesamte Geschichte der Menschheit festgehalten haben.
Kommt her, kommt alle her!
Meister...
- Meister, wo bringt man uns hin? - Bleib ruhig, mein Junge, alles ist bestens.
Alles ist wunderbar.
Einer für den Galgen, der andere für euch. Bitteschön!
- Bring ihn hier rüber! - Wo willst du hin?
Zieht ihn aus! Zieht ihm alles aus!
- Macht schon! - Nackt! Nackt!
Wir haben dich vor den Flammen gerettet, aber nicht vor der Bestrafung!
- Eins, zwei, drei... - Nein, nein, 2.000!
- 3.000! - Eins, zwei, drei...
...vier, fünf, sechs, sieben, acht! 100!
Halt! Nein! 2.000!
Oh, mein Gott!
Das ist Candide!
Stopp!
Wie? Ist es schon vorbei?
Müssen nur noch einen Philosophen hängen, der nicht an die Erbsünde glaubt.
Los!
- Komm, beweg dich! - Einen Moment! Nur einen Moment!
Lasst mich gehen! Lasst mich gehen!
Mein Herr ist hier! Seht, dort ist mein Herr!
Herr, Herr! Ich bin's, Cacambo! Euer Diener!
Herr, die wollen mich hängen!
Tut doch etwas! Sagt etwas! Herr! Erinnert Ihr Euch an mich?
Ich bin Cacambo! Lasst mich in Ruhe, verdammt!
Starrt mich nicht nur an, sagt etwas!
- Sagt ihnen, ich sei Euer Diener! - Komm schon! Bewegung!
Verdammt, tut etwas! Ich bin doch Euer Diener, Cacambo!
Versteht Ihr? Cacambo! Sagt, Ihr erkennt mich!
Worauf wartet Ihr? Verflucht! Macht schon!
Ihr da, Ihr mit der roten Bemalung auf dem Arsch!
Ihr, der mich anstarrt!
Ihr habt da was... Ich weiß nicht was... hinten.
- Gehört dir der Bastard, oder nicht? - Nein...
Ich glaube nicht, dass ich diese schwarze Kreatur kenne.
Was meint Ihr damit?
Warum wollt ihr ihn hängen?
Er ist ohne Meister durch die Straßen gezogen.
Ein streunender Hund, du weißt, was das heißt!
Du kennst das Gesetz! Streunende Hunde krepieren!
Nein, nein, wartet! Er ist mein Meister!
Er verleugnet mich, weil ich seine Hose geklaut habe.
Rettet mich, Herr! Ich bitte Euch, rettet mich!
Ja, sicher kenne ich dich, du jämmerlicher Dieb!
Du hast deine Lektion gelernt. Lasst ihn gehen. Er gehört mir.
Ja, ja, ja! Tut mir leid! Tut mir leid, ja?
Lass ihn nächstes Mal angekettet.
Danke, Herr. Danke, mein Herr.
Danke, Herr. Vielen Dank, Herr.
Das Taschentuch gehört... Wie hieß sie doch gleich?
Kunigunde, hm?
- Aber bist du sicher, dass sie dich noch liebt? - Absolut!
- Warum? Zweifelst du daran? - Ich? Was weiß ich schon über weiße Frauen?
Ich weiß nur, dass mein Meister immer sagte, sie seien alle Huren.
Also, jetzt hör mir mal zu. Alle Frauen sind sanfte, treue Wesen.
- Ja, ja! - Und Kunigunde ist die sanfteste...
...und treueste von allen.
- Merk dir das! - Ja, ja, werde ich.
Sie sind alle Huren?
Er sagte, sie sind alle Huren?
Nimm das und binde es hinten zusammen.
Ja, er hat gesagt, sie seien alle Huren, außer seiner Mutter und Schwester.
Verzeiht, Herr...
...würdet Ihr mir bitte diese Crange reichen?
Vielen Dank.
Und seine Frau, was hat er über die gesagt?
Nichts hat er über sie gesagt, er hat sie nur geschlagen.
- Schuft! - Mein Meister hat immer gesagt...
...dass Frauen nicht schlechter seien. Nein, sogar den Männern überlegen.
Auch körperlich.
Darum stecken sie die Prügel auch besser weg.
- Habt Erbarmen! Erbarmen! - Was für ein Bastard!
- Ich verstehe, warum du weggerannt bist. - Ich bin nicht weggerannt.
Eines Tages wachte er auf und sagte:
„Ich habe wegen dir überhaupt nicht schlafen können.“
Und ich sagte: „Wieso? Ich hab doch gar nicht gebellt.“
Und er meinte daraufhin: „Nein, mein Gewissen plagt mich.“
Sein Gewissen, verstehst du?
Dann hat er mich losgekettet, und gesagt:
„Geh, du bist jetzt frei, und ich werde endlich wieder schlafen können.“
Das hat der Bastard zu mir gesagt.
- Gib sie zurück! Gib sie zurück! - Weißt du was?
Falls ich ihn wiedertreffe, werde ich es dem Hurensohn austreiben, Sklaven zu befreien.
Wenn du nicht gewesen wärst...
Gut gemacht!
- Hier drauf ist noch der Duft von Kunigunde? - Ja, warum?
- Komm, gehen wir! - Wohin?
- Jagen. - Nach was?
- Kunigunde. - Kunigunde? Aber Kunigunde ist tot!
- Komm schon! Komm! - Warte! Wo rennst du hin?
Warte, Cacambo! Wo bringst du mich hin?
Warte!
- Verdammt... - Komm schon!
Dort ist sie.
- Bist du sicher? - Ja, sie ist dort.
- Nicht möglich. - Geh schon.
- Warte hier auf mich. - Ja, ich warte.
Wo sollte ich auch hin?
Ein Phantom...
Das Phantom meiner Liebe.
Eine reine Jungfrau, jungfräulich rein. Eine reine...
...Jungfrau. - Leider bin ich keine Jungfrau mehr.
Die Satanassen haben dich nicht getötet?
Nein, sie haben mich nur vergewaltigt. Und das muss nicht tödlich enden.
Mein armer Liebster.
Komm, ich erkläre dir alles.
- Oh, bitte verzeih die Unordnung. - Hast du einen Liebhaber?
Nein, mein Liebster. Ich habe zwei.
Zwei? Wer sind sie?
Ein Jude, der mich von den Satanassen gekauft hat...
...und ein Heiliger Inquisitor, der ihn zum Scheiterhaufen verurteilt hat.
- Einer der beiden ist also tot? - Nein...
...um sein Leben zu retten, hat der Jude zugestimmt, mit ihm zu teilen.
- Was denn zu teilen? - Na, mich.
Siehst du die Sanduhr dort?
Ist sie auf der einen Seite leer, ist der Inquisitor dran...
...und wenn die andere leer ist, dann ist der Jude dran.
- Dran wofür? - Oh, Candide...
...dran mit mir. - Aber... Kunigunde...
Ja, Candide?
Sechs Stunden für den Inquisitor, sechs für den Juden.
Das ist die Zeit, die die Sanduhr zählt.
- 12 Stunden am Tag? - Nein, Liebster...
...24.
- Aber das verstehe ich nicht... - Wie viel ist 12 plus 12?
- 24, glaube ich. - Sehr gut.
Und wie oft geht die 6 in die 24?
- 4 Mal, denke ich. - Und wie viele Stunden hat der Tag?
- 24. - Ja, genau.
Und wenn ich zwei Liebhaber in 12 Stunden habe...
...wie viele habe ich dann in 24?
Kunigunde! Sag nicht, du hast 4 Liebhaber!
Doch, Candide. 6 mal 4 ist 24.
- 24 Liebhaber! - 4, nicht 24.
Tatsächlich macht 4 mal 624. Richtig?
Ja, aber 6 mal 4 ist auch 24.
Hör zu, Kunigunde, dazu habe ich eine eigene Meinung...
Mathematik hat nichts mit Meinungen zu tun, Candide.
Nur 4 mal 6 macht 24.
Schwöre es.
Natürlich schwöre ich es.
- Bei deiner Liebe. - Ja, bei deiner Liebe.
Du hast mir Angst eingejagt.
Mein armer Liebster, du darfst nicht so schlecht von mir denken.
Wer sind... die anderen?
Ein Gitarrist, der mich im Schloss meines Vaters vergewaltigt hat...
...und ein südamerikanischer Gouverneur, der ein Freund des Inquisitors...
...des Juden und des Gitarristen ist. - Was?
Beruhige dich, Liebster. Sonst gerät alles durcheinander.
Lass mich alles von Anfang an erklären.
An dem Tag, an dem du fortgingst... an diesem schrecklichen Tag...
...war ich allein in meinem Zimmer...
...nähte und dachte an dich, so wie immer...
...während die süße Musik meiner Lieblingsband meine Seele tröstete.
Darum konnte ich den Lärm nicht hören, den die Satanassen im Schloss machten.
Bravo!
Bravo!
Man muss zerstören, um Neues zu erbauen.
Revolution zur Restauration!
Zerschlagt die Fundamente!
Frau Baronin...
Keine Sorge, Baronin, es ist nur Scheiße. Die beste aller möglichen Scheiße.
Nein, nein, nein, nein!
Nicht das Fernrohr! Nein!
Nein! Nein, nicht... Ich will es nicht hören! Ich will es nicht wissen!
Doch, doch, du musst.
Du kannst es nicht ignorieren.
Halte dir deine Ohren nicht zu. Du musst alles über mich wissen.
Schau mich doch nicht so an.
So kann ich dir die Wahrheit nicht erzählen.
Ein brutaler Wilder drang in mein Zimmer ein.
Attila! Attila!
Attila!
Noch einer!
Mehr!
Mehr! Mehr!
Und dann kamen die anderen.
So viele...
- So viele... - Was?
- Da waren noch andere? - Ja.
Viele... viele andere.
- Ich weiß gar nicht mehr, wie viele. - Vielleicht 127?
Sieh mich nicht an.
Sieh mich nicht an.
Ja, viele andere.
So viele...
...ich kann mich nicht mehr an alle erinnern.
Ich wurde ohnmächtig...
...so wie ich jetzt... ohnmächtig werde!
Ich komme!
Ich komme!
Ich komme!
Ich komme!
Der Satanasse...
...der Anführer, nahm mich mit sich, aber ich blieb nicht lange dort.
- Er hat mich an den Juden verliehen. - Nein, sei still... Sei still.
Aber Candide!
- Wir sind doch nicht mal offiziell verlobt. - Ja, aber...
- So ist das also! - Wer ist das?
- Ich bin dran, Gouverneur! - Oh Gott, lauf!
- Wohin? - Dort drüben.
- Wer ist das? - Nein, dorthin!
- Was ist denn los? - Da drüben!
- Das ist doch nicht wahr! Ich bin dran! - Kunigunde!
Oh, mein Gott!
- Und wer ist dieser Muchacho? - Er ist... mein Musiklehrer.
- Gitarre oder Harmonika? - Warum spielst du uns nicht was vor?
- Nein, ich hasse Musik. - Kriegst die Ohren voll mit meinen Akkorden!
Du tust gar nichts!
- Komm her, du Hurensohn! - Wo bist du? Wo bist du?
Hilfe!
Bitte, Candide, rette mich!
Nein! Nein!
Nein!
- Du bist angezogen wie eine Hure! - Candide! Bitte!
Ihr dürft mich nicht mitnehmen!
- Nein! Candide! - Wo bist du?
- Hilf mir, Candide! - Kunigunde!
Kunigunde!
Lasst mich los! Ich bitte euch! Nein!
Ich bitte euch!
- Nein! Nein! - Kunigunde!
- Lasst mich gehen! - Schnell! Zum Hafen!
- Lasst mich los! - Halt den Mund!
- Ich will nicht! Candide! - Beweg dich, du teuflische Kreatur!
Candide! Nein!
Candide!
Candide!
Na endlich...
Kunigunde...
Kunigunde...
Hey... Hey Romeo, du willst, dass ich deine Kunigunde finde, stimmt's?
Okay...
Candide! Candide!
Kunigunde! Kunigunde!
Candide! Candide!
Oh, mein Candide, leb wohl!
Kunigunde! Kuni...
- Bewegung! Vorwärts! - Holt die Leinen ein!
- Füllt den Laderaum! - Schneller mit den Fässern!
Mach schneller mit der Ladung! Bewegung!
Seemänner nach vorn!
Macht das Deck frei!
- Bewegung! - Macht schon, ihr Wichte! Bewegung!
Schneller mit der Ladung!
Brücke frei machen!
- Hey du, was willst du? - Folgt diesem Schiff.
Ja, aber ohne dich. Wir sind voll.
Ganz sicher? Hm?
Okay. Alle Mann an Bord! Los geht's!
Wir legen ab!
Jeder will in die Neue Welt, jeder.
Warum?
Weil das Geld in der Neuen Welt wertlos ist.
Es gibt dort keine Ungerechtigkeit, keine Sklaven, keine Meister...
...keine Gauner, keine Heiligen, keine Jungfrauen und keine Huren.
Dort sind alle Menschen gleich, dank der Demokratie.
Er gewöhnt sich an alles, sogar an Demokratie.
Alle Mann an Deck!
Warte, warte, noch sind nicht alle an Bord.
Kommt schon! Eine Schlange bilden!
Macht schon! Einer nach dem anderen!
Name?
Kolumbus, Christoph.
Name?
Vespucci, Amerigo.
- Name? - Crockett, Davy.
- Name? - Bill, Buffalo.
Name?
Monroe, Marilyn.
Name?
Capone, Al.
- Name? - Sam, Uncle.
- Name? - Buzz Aldrin.
- Name? - Aldrin Junior.
- Name? - MacDonald.
- Name? - Kissinger, Henry.
Anker lichten!
Leinen los!
Wir sind hier live bei der Feier des Kolumbus-Tages...
...ein historisches Ereignis, das uns daran erinnert...
...dass es keine Ursache ohne Wirkung gibt...
...und dass alles auf die beste mögliche Weise zum besten möglichen Ende kommt.
Da eine Neue Welt erschaffen worden war...
...was wäre die bessere Art gewesen, sie kennenzulernen, als sie zu entdecken?
Danke, Kolumbus, für die Entdeckung dieser Neuen Welt.
...Welche offensichtlich die beste aller möglichen Welten ist.
Danke, Christoph, mein Freund.
Doktor! Doktor Pangloss!
- Candide! Wie schön, dich zu sehen! - Was macht Ihr in New York?
- Langsam, langsam! - Welch Freude!
- Ihr unterbrecht das Programm! - Werbepause!
Auf Sendung!
Halt die Flasche hoch. Schau nicht so unglücklich.
- Das ist es! Gut. - Captain, schauen Sie auf den Karton! Los!
Christoph, hoch mit der Coke. Nein! Nicht so! Lächeln!
- Ich dachte, die hätten Euch... - Oh, das... nun ja...
Das ist eine lange Geschichte.
Zuerst wollten sie mich verbrennen, aber Gott war dagegen...
...und ließ es regnen, was die Flammen löschte.
Dann wollten sie mich hängen...
...weil man jemanden bei jedem Wetter hängen kann, bei Regen oder Sonnenschein.
Und ganz ehrlich, es gab schon viele elegante Hinrichtungen im Regen.
Es verleiht dem Ereignis die passende Melancholie.
Findest du nicht?
Nun ja, mein Henker war ein Profi am Scheiterhaufen...
...aber ein Amateur am Galgen - er ließ etwas zu wünschen übrig.
Er hat schlecht gehängt.
Ja, aber... Eure Nase, Euer Ohr, die Syphilis...?
Oh, die Syphilis habe ich noch immer. Jeder hat so seine Makel.
Aber meine Nase, meine Ohren, meine Zähne, sind jetzt aus Plastik.
Oh, Doktor Pangloss...
...warum sagtet Ihr, dass die alte die beste aller möglichen Welten sei?
Ich habe es nur dir gesagt, darum war der Schaden nur minimal.
Jetzt kann ich es Millionen von Zuschauern sagen.
- Was sagen? - Dass alles zum Besten steht, mein Junge...
...dass alles auf die beste mögliche Weise miteinander verknüpft ist.
Hätte man die Neue Welt nicht entdeckt, hätte die Alte nie existiert.
Wenn die Alte Welt aber nie existiert hätte...
...hätten wir weder Christoph Kolumbus...
...noch Spaghetti, Pizza, oder... Lincoln gehabt!
Oh ja, Lincoln... der professionelle Kettenaufschneider.
Na, Abraham...?
Bravo! Bravo!
- Was suchst du eigentlich hier? - Ich suche nach Kunigunde.
Warte!
Sehr gut, warum sagst du es nicht allen?
Ich suche nach Kunigunde.
Sie wurde entführt und gegen ihren Willen hergebracht.
Aber sie liebt mich noch, und ich sie mehr als mein Leben.
Wer liebt Kunigunde nicht, diese Perle aller Perlen?
Ganz Amerika liebt Kunigunde!
Extrablatt!
Alles über Kunigundes Orgasmus!
Die größte Show der Welt!
Verfluchter Satanasse!
Dafür werdet ihr mir büßen! Schämt euch!
Verdeckt sofort diese Obszönität!
Tu das nicht, mein Junge. Du kannst ihm nichts mehr anhaben.
Er hat sich längst mit seinen Gitarrensaiten erhängt.
Und was ist aus Kunigunde geworden? Sagt, wo ist sie?
- In Irland. - In Irland?
Ja! Deshalb hat er sich ja erhängt.
Als Kunigunde nach Irland ging, um gegen die Protestanten zu kämpfen...
...zusammen mit dem buckligen katholischen Priester.
- Warte! Warte! Wo willst du hin? - Bastarde!
- Hey! Wo willst du hin? - Nach Irland! Irland! Irland!
- Ich bin noch nicht fertig! - Bedeckt diese Obszönität!
Aber wo ist dieser verdammte Inquisitor?
In einer Kirche, sie heißt St. Patrick, glaube ich.
Beeilung, bevor das auch noch in die Luft fliegt.
- Bist du denn noch ganz? - Keine Ahnung!
Verflucht!
Ich denke schon... Und du?
Bis jetzt schon.
Aber wenn wir weiterhin Kunigunde hinterherrennen...
Nur Mut, Cacambo, ich fühle, dass sie noch hier ist.
Ja, ja, vielleicht hast du recht. Wo immer sie ist, gibt es Ärger.
Aber den Krieg gab es schon, bevor sie hier war.
Abgesehen von einer Explosion hier und einer Feuersbrunst da...
...steht alles zum Besten, meine lieben Zuschauer, zum Besten.
Die Bürger, die jeden Tag zur Arbeit gehen, scheinen überzeugt zu sein...
...dass dies die beste aller möglichen Arten ist...
...um zum besten aller möglichen Frieden zu gelangen.
Andererseits ist es offensichtlich, dass die Gewalt der Gewaltlosigkeit...
...bisweilen gewaltsam ist.
Wir müssen aber berücksichtigen, dass die Gewalt der Gewaltlosigkeit...
...natürlich meist gewaltsamer ist als die Gewalt selbst.
Lassen Sie uns nun einen Blick auf die Stadt an einem gewöhnlichen Tag werfen.
Der Verkehr ist ruhig und die Bürger achten auf die Ampeln.
Keiner geht über die Straße, bevor es nicht grün ist.
Kommt schon! Bewegung! Schneller!
In der Privatsphäre ihrer Häuser...
...die der Krieg noch luftiger und heller gemacht hat...
...bereiten sich die Bürger auf ihr Tagesgeschäft vor...
...frönen ihrer morgendlichen Freizeitgestaltung...
...oder schlürfen ihren ersten Kaffee vor dem Fernseher.
Man kann hier nicht mal in Ruhe einen Film schauen!
- Ruhe! Hört auf damit! - Halt!
- Ruhe! - Halt!
Halt!
Abgesehen vom Getöse, etwas Nervosität oder dezenter Zügellosigkeit ist alles bestens.
Die Geschäfte sind geöffnet...
Die Kaufleute sind mit ihren Kunden so geduldig und verständnisvoll wie eh und je.
Bastard! Nimm das!
- Würden Sie mir mal helfen? - Sicher, Madame.
- Ich hätte gern ein Pfund Mispeln. - Kommt sofort, Madame.
Es ist bewundernswert, dass diese friedlichen christlichen ideale sich hier begegnen können.
Denn dies ist eine Begegnung -
...auch wenn es ein paar Missverständnisse gibt -
...bei der das individuelle Übel zum gemeinsamen Wohl beiträgt.
Feuer!
Lasst den Kopf unten! Runter!
Runter! Runter.
- Mitkommen. - Hey, wir haben damit nichts zu tun.
- Wir sind zufällig vorbeigelaufen. - Klar, ich weiß.
Beweg dich.
Hände schön stillhalten. Was versteckst du da?
- Nichts. Nichts. - Werden wir ja sehen.
Du bist größer als fünf Fuß, fünf Zoll.
Warum bist du nicht in der Armee? Liebst du unsere Königin nicht?
- Oh, doch. - Dann sag „Lang lebe die Königin“.
- Sag laut „Lang lebe die Königin“. - Lang lebe die Königin.
Nächster! Und ihr hört auf zu fummeln!
Nächster. Geh weiter. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
Schneller. Nicht bewegen.
Die Hände schön an die Wand. Nicht bewegen!
Kommt schon, Nächster!
Bewegung... Bewegung!
Gib mal her! Ich bin dran.
Lass mich auch mal. Mach schon!
- Hey! - Schau mal, wie schön!
Der Nächste.
Ich hab nichts getan, ich suche nur nach einem Mädchen.
Nein, nein. Was soll das?
Aufhören! Aufhören!
- Lass mal „Lang lebe die Königin“ hören. - Aber ich kenne die Frau gar nicht!
Was?
Was wollt ihr denn von ihm? Lasst ihn in Ruhe!
Was zum Teufel wollt ihr denn? Was sucht ihr?
Das hier!
Stopp, oder ich leg dich um!
Schon klar, lang lebe die Königin.
Stehenbleiben! Halt! Halt!
Halt!
Komm zurück, hab ich gesagt! Halt!
Zwei! Zwei!
- Zwei! - Sieh mal, was du angestellt hast.
Deine Hände sind ganz schmutzig. Auf nach Hause. Los.
Die St. Patrick-Kirche liegt die Straße runter. Wir müssen hier lang.
Was machen diese Kinder da?
Vorsicht, hier liegen überall Minen rum!
Sollen wir trotzdem hin?
Da hinten... Da hinten...
Da hinten... Da hinten...
Dort lang... Geht dort drüben hin.
Sie ist leer.
Die Kirche ist leer.
Sie befiehlt nicht mehr...
...sie verdammt nicht mehr...
...sie zählt nicht mehr.
Sie ist zerstört, am Ende.
Alles verbrennt, stürzt zusammen, findet sein Ende.
Entflohen sind die Engel, die Jungfrauen...
...die Heiligen.
Sie ist es...!
Sie...! Sie...!
Ungetreue...
Falsche... Lügnerin...
Ich weiß, wen du suchst.
Sie.
Die Maledeite unter den Weibern.
Aber du verschwendest deine Zeit.
Sie hat auch mich betrogen, weißt du?
Und willst du auch wissen, mit wem?
Mit einem von ihnen...
...die ihn kreuzigten...
...ihn.
Mit einem Juden.
Mit einem Juden.
Mit einem Juden. Mit einem Juden!
Mit einem Juden! Mit einem Juden!
Sie ist mit dem Juden ins Heilige Land geflohen!
Ins Heilige Land! Ins Heilige Land!
Entschuldigung, kennen Sie Kunigunde? Kennen Sie dieses Mädchen?
Sie ist eine Kameradin von euch. Oder?
Warum reißt ihr das ab? Hey!
Warum reißt ihr Kunigunde ab?
Kennen Sie sie, oder nicht? Hey!
Hey, hey! Kennen Sie dieses Mädchen?
Kennen Sie dieses Mädchen?
Sagst du mir, wo sie ist, mein kleines Blondchen?
Wiedersehen.
Wiedersehen!
Nein, warte... Nein! Warte!
Hey, was ist mit euch los? Seid ihr verrückt?
Hey! Was macht ihr da? Seid ihr verrückt?
Was seid ihr bloß für Frauen? Was wollt ihr von mir?
Ich suche nach Kunigunde! Euch kenne ich nicht!
Hey! Hey!
Was tut ihr da?
Aber das ist doch meine Kunigunde!
Kennen Sie Kunigunde?
Kennen Sie sie?
Kennen Sie sie?
Das ist Kunigunde.
Können Sie mir sagen, wo sie ist?
Kennen Sie sie?
Was ist mit Ihnen?
Kennen Sie sie? Kennen Sie dieses Mädchen?
Hey!
- Was willst du denn? - Du kennst sie doch, oder?
Komm schon, Süße, sag's dem kleinen Cacambo.
Wen?
Kunigunde? Oh, die kenne ich. Sie hat nicht nur desertiert...
...sondern ist auch noch mit einem dreckigen Fedajin durchgebrannt.
Und was ist aus dem anderen geworden?
Welcher andere? Massier mir den Rücken.
Der Jude, der sie hergebracht hat.
Ach der...! Dieser flennende Trottel.
Er heult die ganze Zeit. Verbringt den ganzen Tag an der Klagemauer.
Jetzt haben wir jede Spur von ihr verloren. Wo gehen wir jetzt hin?
Das liegt bei dir. Wir können hier hingehen...
...oder dorthin... oder überallhin! Wo willst du hin?
- Was ist dieses ganze Zeug? - Nichts.
Nichts.
- Was meinst du mit „nichts“? - Nichts...
Das ist der Apfel der Erbsünde, man kann es an den Bissspuren erkennen.
Das ist die linke Hand des Gesetzes...
...und das ist der doppelte rechte Busen der Cleopatra.
Da drüben steht Attilas rechter... nein, linker Fuß.
Dies ist das Ohr, das nicht hört, und das der Mund, der nicht spricht.
Hi Wynne.
All dieses Nichts haben wir geschaffen.
Wir, die Blumenkinder, die gewaltlose Jugend des Friedens und der Liebe.
Wir schufen all das hier, wo unsere alten ideale und Hoffnungen gestorben sind.
All diese nutzlosen Dinge haben wir mit unseren eigenen Händen geschaffen.
- Hey! - Aber wozu sind all diese Dinge gut?
Zu nichts.
Wir machen nur Dinge, die nutzlos sind.
Und da sie alle nutzlos sind, ist es uns egal, wenn wir sie verlieren.
Das sagt auch der Derwisch, unser Derwisch.
- Aber warum macht ihr sie dann? - Das sagte ich dir doch:
Weil sie nutzlos sind und wir sie wegwerfen können.
- Und wo werft ihr sie hin? - Na, in den Fluss.
- Und was ist das? - Das? Das ist eine Traum-Maschine.
Ihr werft auch Träume in den Fluss?
Nein, nein, nur die Maschine. Die Träume behalten wir.
Wir brauchen Träume.
Damit wir uns beim Schlafen nicht langweilen.
- Auch das sagt uns der Derwisch. - Der Derwisch?
- Und wer ist dieser Derwisch? - Ja, wer ist dieser Derwisch, hm?
Was?
Ihr wisst nicht, wer der Derwisch ist?
Er ist ein Lama, Lama, Lama...
...Yogi, Yogi, Yogi...
...Guru, Guru, Guru...
...Buddha, Buddha, Buddha.
Aber wenn ihr nicht wisst, wer der Derwisch ist...
...warum seid ihr dann hier? - Ich suche nach einer Frau.
- Aber ich weiß nicht mal wo. - Wenn du sie nicht finden kannst...
...frag den Derwisch. Der Derwisch weiß alles.
Wirklich? Wo ist er?
Siehst du die Felswand dort?
Steig ganz hinauf, der Derwisch ist auf der anderen Seite.
Komm schon! Lass uns gehen! Schnell! Komm mit!
Hör zu, junger Mann, ich werde wiederkommen, verstehst du?
Bist du dir auch sicher, dass der Derwisch alles weiß?
Sicher weiß der Derwisch alles.
- Nur... - Nur was?
Es ist nur so, dass er fast nie eine Antwort gibt.
Manche sagen, der sei taub geworden...
...oder stumm...
...oder dass er tot ist...
...so wie Gott. - Komm schon! Komm schon! Schnell!
Komm schon! Komm schon!
Sieh mal, da drüben!
Dort drüben, siehst du?
- Wieso lachst du? - Man müsste ein Herz aus Stein haben...
...um nicht über dein Missgeschick zu lachen! Schau doch, das ist sie!
Siehst du sie denn nicht?
Wir haben so lange nach ihr gesucht!
Schau!
Kunigunde...
Candide! Candide!
Mein Junge! Candide!
Warte! Warte!
Alles steht zum Besten, mein Junge! Alles steht zum Besten!
Candide!
Candide!
Candide!
Candide!
Candide!
Candide!
- Nun ist es an dir! - Geh schon, Candide.
Geh, Candide, geh!
- Geh! Geh! - Meister...
...ich möchte fragen, warum...
...so ein seltsames Tier wie der Mensch erschaffen wurde.
Was interessiert dich das? Das geht dich nichts an.
- Er hat gesprochen! - Zum ersten Mal! Zum ersten Mal!
Er hat geantwortet! Geantwortet!
Ehrwürdiger Vater...
...es gibt so viel Böses in dieser Welt.
Und was geht dich Gut und Böse an?
Kümmert ihr euch um das Wohl eurer Flöhe, wenn ihr euch am Kopf kratzt?
Aber was soll man denn tun?
Sich kratzen und schweigen.
Meister, ich hatte gehofft, wir könnten ein wenig diskutieren, über Ursachen...
...und ihre Wirkung in der besten aller mö...
Warum vergeht die Jugend so schnell...
...warum wird die Haut faltig und die Schönheit verblüht?
Das ist der große Vorteil, den Hässlichkeit über Schönheit genießt:
Sie ist unvergänglich.
Meine Füße, meine armen kleinen Füße.
Es fühlt sich so an, als wäre ich mein Leben lang nur gelaufen.
Es geht nicht um das Laufen, sondern um das Warum!
Es ist unwichtig, zu wissen, wo wir angefangen haben...
...sondern nur, wo wir hin wollen.
Da gibt es keine Frage. Wir laufen, weil wir Füße haben...
...schwarze oder weiße, sie sind zum Laufen geschaffen...
...und es gibt keine Frage, ob wir hierhin oder dorthin gehen.
Deshalb ist unsere natürliche Richtung immer die andere...
...immer die andere, ganz offensichtlich.
Ich habe es dir vielleicht gesagt, mein Junge...
...aber in dieser Welt, welche die beste aller möglichen Welten ist...
...wurde alles für ein Ende geschaffen, für das beste aller möglichen Enden.
Siehst du die Symbole im Fluss? Sie wurden von jungen Leuten hineingeworfen.
Demnach wurden junge Leute geschaffen, um Symbole in den Fluss zu werfen.
Und warum treiben sie hierhin und nicht dorthin?
Wegen der Strömung.
Also wurde die Strömung geschaffen, um sie hierhin zu treiben und nicht dorthin.
Ohne die Strömung würden sie zur anderen Seite des Flusses treiben...
...wo junge Leute sie rausfischen und wieder hineinwerfen würden.
Es ist das Schicksal, mein Junge, man kann ihm nicht entfliehen.
Das Fernrohr...
Das ist mein Fernrohr! Es gehört nur mir! Nur mir!
Mir... Es gehört mir! Mir! Es gehört mir!
Mir! Mir! Mir! Mir! Mir! Mir!
Es gehört mir!
Nein...
Nein!
Halt!
Geh nicht dorthin!
Da war ich doch schon!
Halt! Geh nicht!
Dort wird man nur in den Hintern getreten!
Warum hörst du mich nicht?
Getreten! Du wirst nur getreten!
Nur getreten!
Lass ihn ziehen, Candide. Was geht es dich an?
Da kannst du nichts machen. Er ist genau wie du.
Er mag Tritte. Lass ihn gehen und sich welche holen.
Wie du ja auch.
Auf Wiedersehen, Candide. Ich kenne dich gut.
Vielleicht täusche ich mich auch. Na und?
Aber ich glaube, du willst noch mal neu anfangen.
Aber dieses Mal ohne mich, mein Freund.
Ich wünsche dir Glück und viele Kinder!
Ich sehe schon einen Haufen kleine Candides, die genauso glücklich sind wie du.
Auf Wiedersehen, Candide! Wiedersehen!
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