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Auf den Straßen von Paris habe ich gehört,
wie Ihr Euch "Gerechtigkeit" genannt habt.
Erst stehlt Ihr unser Geld, dann die Menschen, die wir lieben.
Obwohl die weder Euch etwas getan haben, noch dem König.
Deshalb bin ich heute... die Gerechtigkeit.
Eine Narbe für jeden Tag, die der König sie festhält.
Euer Majestät. Monsieur Marchal hat eine Menge Feinde.
Viele davon warten darauf, ihm etwas zu tun.
Nein. Er ist nicht das Ziel.
Ich bin es. Das ist eine Vergeltung für die Gefangennahmen in Paris.
Ich habe drei Möglichkeiten.
Hinrichtung der Gefangenen,
Paris auseinandernehmen, Stein für Stein, bis Fabien gefunden ist,
oder beides.
Mit Verlaub, Euer Majestät.
Beide sind unverhältnismäßig.
Die brachten Euch beinahe um,
entführten den Sicherheitshauptmann, das ist unverhältnismäßig!
Sucht mit ein paar Männern am Ort der Gefangennahme.
Klopft an Türen, schlagt sie ein, wenn es nötig ist.
Wie können sie es wagen?
Ohne mich würden sie allesamt im Elend leben.
Und wo ist überhaupt mein Bruder?
Das weiß ich auch nicht, Euer Majestät.
Nein. Nicht. Nicht!
Bruder, deine Abwesenheit wurde bemerkt.
Ich hatte etwas Wichtiges zu erledigen.
Wichtiger als eine Ratsversammlung?
Ich habe den Mann mit der eisernen Maske gesehen.
Bevor ich mit ihm reden konnte, griff man mich an.
Wer griff dich an?
Die Männer, die ihn bewachen, sind keine normalen Wachen.
Die sind bereit zu töten.
Und zu sterben.
Wussten sie, wer du bist?
Es war keine Zeit, sich formell vorzustellen.
Und? Was wirst du jetzt machen?
Vielleicht kann ich helfen.
In Monsieur Marchals Abwesenheit...
...könnte ich Seine Hoheit dahin begleiten, wo sich dies ereignete,
um mit ihm die Angreifer zu demaskieren.
Bruder?
Ich will Euch nicht von Wichtigem abhalten.
Was könnte wichtiger sein als der Seelenfrieden Seiner Hoheit?
Vergesst meinen Seelenfrieden.
Ich will wissen, wer mich töten wollte.
Hier hat schon lange niemand mehr gelebt.
Außer vielleicht Wilderer oder Landstreicher.
Ein Landstreicher mit bewaffneter Wache?
Natürlich.
Er war wo, als Ihr ihn gesehen habt?
Hier, wo ich jetzt stehe.
Ich habe ihn durchs Fenster gesehen, durch das da.
Wollen wir draußen suchen?
Sehr gute Idee.
Hier.
Geht zu allen Häusern in der Umgebung.
Befragt die Bewohner.
Sahen sie jemand Verdächtiges?
Wer ist der Eigentümer dieses Hauses?
Berichtet mir heute Abend.
Ich frage mich, ob ich mir das nicht eingebildet habe.
Euer Hoheit, ich glaube, dass Ihr jemanden gesehen habt.
Die Frage ist wen.
Ich bin so entschlossen wie Ihr, die Sache aufzuklären.
Danke. Darf ich vorschlagen, zum Palast zurückzukehren?
Danke.
Euer Majestät?
Ich dachte, Ihr reist nach Spanien.
Ich fühlte mich krank und bin umgekehrt.
-Geht es Euch wieder besser? -Ja.
Es ist nicht zu spät.
Ich lasse eine Kutsche vorbereiten und informiere den Kaiser.
-Nein. -Euer Majestät.
Ich bitte Euch dringend abzureisen.
Ich habe mich entschieden: Meine Pflicht liegt hier.
Euer Majestät.
Bleibt Ihr hier, so ist auch das gefährlich.
Ihr meint den König.
Er findet es nicht heraus.
Wie Ihr wünscht.
Habt Ihr Nachricht von Leopold?
Nein.
Komm jetzt. Du musst essen.
Oh Gott. Mein Gott.
-Du weißt, wer der Mann ist? -Gewiss.
-Was macht er hier? -Ich habe ihn hergebracht.
-Er nahm meinen Sohn mit. -Und das bringt ihn zurück?
-Ja. -Du verdammter Dummkopf.
Die Musketiere des Königs durchsuchen die Stadt.
Was, wenn sie ihn hier finden?
-Dann lässt er uns hinrichten. -Und Tristan?
Es tut mir leid für dich, und für ihn.
Aber er kann nicht meine einzige Sorge sein.
Ja. Was ist deine einzige Sorge?
-Des Königs Gunst zu erkaufen? -Bastien.
Mein Bruder hat recht.
Das war eine dumme Idee.
Aber unsere Sache ist nicht verloren.
Wir müssen direkt in den Palast gehen und sagen,
dass wir ihn gefunden haben.
-Du willst mich verraten? -Nein.
Wir geben deinen Namen nicht preis, wir sagen,
dass wir deinetwegen vorsprechen wollen,
um über einen Austausch der Gefangenen zu verhandeln.
Wir?
Du.
Ihre Majestät sind also genesen.
Offenbar seid Ihr enttäuscht.
Nur Euretwegen.
Ihr wolltet Euren Bruder so gern sehen.
-Was plagte Euch? -Nur eine leichte Erkältung.
Wenn sie nur leicht war, warum reistet Ihr nicht weiter?
Ich befürchtete, sie würde durch die Reise schlimmer.
Ich nehme an, dass Ihr vorhabt, bald wieder aufzubrechen.
Nein, ich habe beschlossen hierzubleiben.
-Und Euer Bruder? -Warum all diese Fragen?
Ihr lasst mich wieder erkranken.
Da Euer Bruder wohl nicht mehr lange leben wird,
nahm ich an, Ihr wärt entschlossen, ihn zu besuchen.
Er braucht mich nicht mehr.
Der Besuch hätte nur mir genutzt,
und ich bin gewohnt, mich zu verleugnen.
Bewahrt Madame de Maintenon ihr Schweigen seit der Abreise?
Ich hörte nichts von ihr und wünsche es nicht.
Eine enge Freundin wie sie zu verlieren, kann schwierig sein.
Außer die Freundin ist nicht so loyal, wie man gedacht hat.
Danke für Eure Begleitung.
Es war mir ein Vergnügen und eine Ehre.
Und ich melde mich dann bei Seiner Hoheit,
sobald die Nachforschungen beendet sind.
Ich denke, die sollten wir einstellen.
Euer Hoheit?
Ich habe darüber nachgedacht und...
ich glaube, mein Bruder hat recht.
Es gibt Wichtigeres, als Jagd zu machen auf einen Mann mit eiserner Maske.
Wie Euer Hoheit wünschen.
Das hier tut mir leid.
Euch gebe ich nicht die Schuld.
Ich bin Euch dankbar für Eure Fürsorge.
Wie lange dient Ihr dem König?
Schon mein ganzes Leben.
Macht es Euch nichts aus, immer zu tun, was der König Euch sagt?
Es ist eine Ehre, Seiner Majestät zu dienen.
Meine Loyalität findet Anerkennung.
Ist er loyal?
Selbstverständlich.
Aber wie lange noch?
Es mag ja sein, dass er Euch in edle Stoffe kleidet.
Aber Ihr seid nicht mehr als ein nützliches Werkzeug.
Und sobald Ihr ihm irgendwann nicht mehr nützlich seid,
werdet Ihr ins Armengrab geworfen.
Genau wie wir alle.
Wisst Ihr, wie es ist, arm zu sein?
Jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu arbeiten?
Ich habe Armut gesehen.
Leid.
Schrecken jenseits Eurer schlimmsten Fantasien.
Und was ist mit Ungerechtigkeit?
Die ist überall um Euch herum.
Und Ihr tut nichts, um sie zu beenden.
Ihr seid dumm. Ihr solltet lernen, Eure Zunge im Zaum zu halten.
Und Ihr solltet lernen, Eure Augen zu öffnen.
Wofür?
Für die Wahrheit.
Ich war in Versailles.
Ich habe den König und seinen Hof gesehen.
Überquellend von Wohlstand und Protz.
Vollgestopft mit Wein und Essen.
Träge durch Glücksspiel und Ausschweifungen.
So sind die Dinge nun mal.
Wir alle müssen lernen, unser Schicksal zu ertragen.
Müssen wir das?
Ihr glaubt, Ihr könnt mir Bedingungen diktieren?
Dem König von Frankreich? Ihr wagt es, mir zu sagen, was ich tun soll?
Nicht ich, Euer Majestät.
-Die, die Monsieur Marchal festhalten. -Gebt mir ihre Namen.
-Das kann ich nicht, Euer Majestät. -Warum nicht?
-Weil ich ihre Namen nicht kenne. -Das soll ich glauben?
Was geht hier vor?
Marchals Entführer wollen ihn gegen unsere Gefangenen austauschen.
Ich will ihre Namen. Er will sie nicht kennen.
Das ist Zeitverschwendung.
Ich kenne den Mann. Wenn er sagt, er kennt sie nicht, ist das die Wahrheit.
Danke für Eure Hilfe.
Und ich danke für Eure.
Ein direkter Austausch scheint eine vernünftige Lösung.
-Sie sollen damit davonkommen? -Wenn Marchal gerettet wird?
-Ich will nicht vernünftig sein. -Deine Sicht ist getrübt, Bruder.
Geh mit ihnen verbindlich um, und sie respektieren dich.
Behandle sie mit Grausamkeit, und sie wenden sich gegen dich.
Wichtig ist nur, dass wir Fabien zurückbekommen.
Ich werde den Austausch persönlich überwachen.
Wie du meinst.
Aber er muss zuerst freigelassen werden.
Wenn ich ihn mit eigenen Augen gesehen habe, lasse ich die Gefangenen frei.
Gewiss.
Hugues.
Euer Majestät?
Auf ein Wort, bevor Ihr geht.
Tut mir leid.
Entschuldigt Euch nie dafür, dass Ihr gewinnt.
Ich meinte, Ihr wärt entschlossen abzureisen.
Ich habe nun beschlossen, dass ich hierbleibe.
Und was hat Euch dazu bewogen?
Hat der König Euch gebeten, mit mir zu reden?
Warum sollte er das tun?
Weil er so etwas tut, und weil er weiß, dass wir uns sehr nahestehen.
Ich habe Pik ausgespielt,
Ihr habt Karo gespielt.
Bitte bestätigt, was ich Seiner Majestät schon sagte.
Ich habe mich krank gefühlt, habe beschlossen, umzukehren
und hierzubleiben, an der Seite Seiner Majestät.
Verlangt Ihr etwa, dass ich für Euch lüge?
Schnell, lauft weg! Hier lang!
-Hier entlang! -Kommt!
Soldaten! Lauft!
Fabien?
Wann kriegen wir unsere Leute?
Lasst den Mann frei!
Nein! Nicht! Nicht!
Sobald Monsieur Marchal dem König sicher gegenübersteht,
werden Eure Leute freigelassen.
Ihr habt das Wort des Königs.
Ihr habt das Wort des Königs.
Fabien, kommt zu mir.
-Seid Ihr in Ordnung? -Danke, Euer Hoheit.
Feuer!
Nein! Nicht!
-Geht in Deckung! -Feuer!
Feuer!
Ich habe diesen Menschen dein Wort gegeben.
Ich habe ihnen eine Lektion erteilt.
Sie werden dankbar sein, dass du ihre Väter und Brüder abschlachtest.
Ich habe getan, was notwendig war.
Sinnloses Abschlachten ist niemals notwendig.
Monsieur Marchal, ich freue mich, dass Ihr zurück seid.
Ihr müsst sofort zu einem Arzt.
Und die Gefangenen, Euer Majestät?
Was habt Ihr mit denen vor?
Sie werden mit dem Respekt behandelt, den sie verdienen.
Ja, Euer Majestät.
Es ist alles gut.
Bald sind wir hier raus.
Hören Sie, mein Freund, der junge Mann ist krank.
Er braucht einen Arzt.
Wenn Ihr nichts tut, stirbt er. Wollt Ihr das vielleicht?
Mögest du in der Hölle verrotten.
Geht es Euch besser?
Durchaus, Euer Hoheit, danke.
Was haben die Euch angetan?
Solche Dinge vergisst man am besten.
Was könnt Ihr mir über dieses Symbol sagen?
So eine Waffe habe ich nie gesehen.
"Diaboli mors".
Jemand wollte mich damit aufschlitzen.
Jemand könnte uns helfen, wenn Ihr mitkommen wollt.
Ich komme mit.
Seine Majestät verlangten nach mir?
Wie geht es der Königin?
Sie ist erleichtert, dass sie die Reise nicht antreten konnte.
Und Ihr glaubt ihr?
Wenn ich so sagen darf:
Seine Majestät sind unnötig argwöhnisch.
Niemand liebt Euch mehr als Eure Frau, sie ist über jeden Verdacht erhaben.
Eure Loyalität ehrt Euch.
Ihr könntet Ablenkung brauchen.
An was für eine Art Ablenkung denkt Ihr?
Ein faszinierender Mann ist in den Salons, ein Wissenschaftler und Philosoph.
Monsieur de Puy. Er ist sehr unterhaltsam.
Ich fürchte, seine Ideen sind nicht nach dem Geschmack Seiner Majestät.
Er ist Hugenotte, Euer Majestät.
Ein unterhaltsamer Protestant?
Nun präsentiere ich Euch das menschliche Gehirn.
Das hervorragendste Werk Gottes, zu den höchsten Künsten fähig.
Als Theologe verbeuge ich mich vor der Erhabenheit Gottes,
aber als Wissenschaftler ist es meine Aufgabe, Seine Schöpfungen zu untersuchen,
um Seine Genialität wirklich zu verstehen.
René Descartes, selbst tiefgläubiger Katholik,
hat mir gezeigt, dass der Sitz der menschlichen Seele
sich genau hier befindet.
In der Zirbeldrüse.
Durch das Lernen fragen wir, bewundern wir, suchen wir.
Und wir kommen immer weiter beim Finden der Antworten
auf die größten Fragen des sterblichen Lebens.
Während Gott das Universum erschaffen hat,
ist es die Wissenschaft, die Seine Geheimnisse enthüllen kann.
Und Seine Mysterien.
Das ehrt mich, Euer Majestät.
Ein faszinierender Vortrag.
Meinen Glückwunsch.
Lasst ihn einsperren.
Was hat das zu bedeuten? Ich bin Wissenschaftler.
Ich möchte Euch abraten. Das wäre sehr unklug.
Ich nenne das feige.
Überlasst das mir. Ich werde mit dem König reden.
Ich sehe, was ich tun kann für seine Freilassung.
Danke.
Ihr habt mich belogen.
Ich habe keine Ahnung, was Euer Hoheit damit meinen.
Der Mann mit der eisernen Maske ist noch am Leben.
Ich bin Kommandant des Gefängnisses, ich kenne jede Wache,
jeden Gefangenen, jede Ratte.
Gäbe es einen Gefangenen mit einer eisernen Maske, wüsste ich davon.
Wer ist er?
Woher soll ich das wissen, wenn er nicht existiert?
Ich weiß es trotzdem nicht.
Was ist hiermit?
-Was ist damit? -Diese Gravuren.
-Was bedeuten sie? -Ich weiß es nicht.
Ich kenne so einen Dolch nicht.
Ihr habt Macquart getötet, stimmt's?
-Er hat sich das Leben genommen. -In wessen Auftrag wurde er getötet?
Der einzige Mensch, der hier Befehle gibt, bin ich.
Und da ich seinen Tod nicht befohlen habe,
muss er sich selbst das Leben genommen haben.
Könnte ich Seine Majestät bezüglich des Wissenschaftlers Monsieur de Puy sprechen?
-Ein Freund von Euch? -Nein.
Aber ich meine, ihm wurde Unrecht getan.
Ihn einzusperren für seine Meinung, finde ich unverhältnismäßig.
Und das wünscht Ihr, Seiner Majestät zu sagen?
Durchaus.
Ich muss sagen, ich hätte nie erwartet, solche Worte aus Eurem Mund zu hören.
Ich werde das als Kompliment verstehen.
Ich warne Euch, der König ist schlechter Stimmung.
Ich rate, Euer Anliegen vorzubringen, wenn sich die Wolken verzogen haben.
Ja?
Ich glaube, Seine Majestät haben die Grenzen des Anstands überschritten
bei der Behandlung des Wissenschaftlers de Puy.
Das stimmt.
Wir müssen uns gedulden. Doch, wirklich.
Seht.
Tristan.
Tristan.
Tristan.
-Wo ist Olivier? -Ich weiß nicht.
Wer ist das?
Lasst ihn gehen.
Nein, nein, nein.
GERECHTIGKEIT
Findet eure Kraft.
Ein einarmiger Bettler könnte das besser.
Geht mir aus den Augen.
Ja?
Neuigkeiten von Spionen aus Spanien.
Redet.
Sie betreffen die berittenen österreichischen Adligen,
die vor ein paar Wochen die Grenze überschritten.
Offenbar sind sie in Madrid eingetroffen und wurden von König Karl empfangen.
Ich hatte gehört, der König wäre todkrank und auf dem Sterbebett.
Nein, offenbar fühlt er sich wohl,
und man erwartet, dass er den Winter übersteht.
Dann geht es mit der Hochzeit wohl voran.
Prinzessin Eleonore möge mich in den Gärten treffen.
Madame. Ich habe gute Nachrichten.
Ah, gut.
Der König hat versprochen, über die Angelegenheit nachzudenken.
Bis dahin muss Euer lieber Monsieur de Puy seine Zelle noch eine Weile genießen.
Ich hoffe, er wird nicht misshandelt.
Jemand so Faszinierendes wird sich ohne Mühe Freunde machen.
Das ist wahr.
Ich kenne den König.
Wenn er Eurem Freund etwas antun wollte, wäre der bereits tot.
Ich bin Euch für Eure Hilfe sehr dankbar.
Ich tue das nicht für ihn.
Ich weiß.
-Genießt Ihr Eure Zeit in Versailles? -Sehr sogar.
Ihr müsst Heimweh haben.
Noch nicht.
Aber Ihr bedauert, nicht nach Spanien gereist zu sein.
-Um zu heiraten. -Euer Majestät?
Ich weiß, was Euer Onkel vorhat. Ihr müsst mir nichts verheimlichen.
Sehr wohl.
Euer Onkel wird enttäuscht sein.
Er wird sich ohne mich in Spanien wohlfühlen.
Was gefällt Euch eigentlich am besten in Versailles? Die Gärten?
Nein.
Ich mag Menschen lieber als Blumen.
Jemanden ganz besonders?
Da gibt es einen.
Ich gebe heute Abend ein Fest.
Ich hoffe, Euch da zu sehen.
Ich täte nichts lieber.
Gut.
Sagt der Königin, ich wünsche, sie zu sehen.
Unverzüglich.
Ich wünschte mir Euren Rat.
Aber gern.
Zu welchem Thema?
Zum Thema Hochverrat.
Ich verstehe.
Ich kam kürzlich dahinter,
dass sich jemand, der mir sehr nahesteht, gegen mich verschworen hat.
Nicht nur, um mich zu vernichten.
Sondern auch mein gesamtes Imperium.
Die Frage ist, was ich tun soll.
Was würdet Ihr tun?
Ich kenne die näheren Umstände nicht.
Nein.
Aber Ihr kennt die beteiligte Person.
Habt Ihr geglaubt, ich fände es nicht heraus?
Was meint Ihr?
Ihr habt euch mit ihm verschworen, um Eleonore mit Karl zu verheiraten.
Mit wem?
Mit dem geschätzten Cousin Leopold.
Ich weiß nichts von so einem Verrat.
-Deshalb wolltet Ihr nach Spanien. -Nein, ich wollte meinen Bruder besuchen.
Denn sein Gesundheitszustand ist schlecht.
So schlecht keineswegs.
Ich erhielt die Bestätigung,
dass er weit entfernt vom Totenbett und wohlauf ist.
Wenn das der Fall ist, dann war Gott ihm gnädig.
Erklärt mir den Zufall, dass meine Frau und ihr Cousin,
beide Habsburger, innerhalb weniger Tage Versailles verlassen
und nach Spanien reisen wollen.
Erklärt es mir.
Oh Gott. Ihr habt wohl mit ihm geschlafen?
Warum seid Ihr zurückgekommen?
Weil mir klargeworden ist, dass mein Platz nun mal an Eurer Seite ist.
Ihr konntet es nicht zu Ende führen.
Ihr zweifelt an meinen Worten.
Ich bitte Euch, vertraut auf meine Taten. Ich bin zurückgekommen.
Ja, das seid Ihr.
Die Königin wird den Palast nicht verlassen.
Das machen wir mit Vögelchen, die davonfliegen wollen.
Mutter Oberin.
Bitte setzt Euch.
Das ist eine große Ehre.
Ich komme, um zu fragen, ob Ihr Euch hier wohlfühlt.
Aber gewiss.
Ich bin hier, um Erlösung zu suchen.
Es ist mein Wunsch,
den Rest meines Lebens Gebet und Frömmigkeit zu widmen.
Belügt mich nicht.
Das tue ich nicht.
Dieses fromme Aussehen mag viele täuschen,
mich aber nicht.
-Ihr zweifelt an meinem Glauben an Gott? -Nein.
Ich zweifle an Eurem Glauben an Euch.
Das verstehe ich nicht.
Was würdet Ihr tun, wenn der König hier nach Euch suchen würde?
Das weiß ich nicht.
Ich glaube schon. Aber Ihr habt zu viel Angst, es auszusprechen.
-Ihr begehrt den König, richtig? -Ja.
Und? Was noch?
-Das ist alles. -Nein, ist es nicht.
-Sagt mir die Wahrheit. -Das tue ich.
Das tut Ihr nicht.
Ihr belügt Euch selbst, mich und Gott.
-Hört auf, mich anzugreifen. -Nicht ich bin es, die Euch angreift.
Es ist der Schatten Eures Zweifels.
Denn was begehrt Ihr wirklich?
-Sprecht es aus. -Bitte hört auf.
-Nicht, bevor Ihr es sagt. -Ich kann nicht.
-Sagt es! -Macht.
Ich will Macht.
Herrschaft.
Freude, Schmerz.
Ich will meine Feinde zerschmettern.
Ich möchte die brennende Liebe unseres Herrn in mir spüren.
Willkommen, Bossuet.
Ich hoffe, Eure Reise war fruchtbar.
Ich bringe Grüße und alle guten Wünsche von Kardinal Leto aus dem Vatikan.
-Und einen Besucher, wie ich sehe. -Monsignore di Marco.
Der Kardinal war so freundlich, mir einen Reisegefährten abzustellen.
Versorgt unseren geschätzten Gast mit Speisen und Unterkunft.
Wenn Ihr "Reisegefährten" sagt, dann meint Ihr in Wahrheit Spion?
Der Kardinal bestand darauf, dass er mich begleitet.
Also, gehört Spanien nun mir oder nicht?
Der Kardinal erkennt den Anspruch Seiner Majestät
auf Spanien und seine Hoheitsgebiete an...
Ja?
Er erkennt jedoch ebenfalls den Umfang des Anspruchs von Leopold an.
Demnach habt Ihr darin versagt, ihn auf unsere Seite zu bringen?
Ich fürchte, Seine Majestät unterschätzen die Autorität des Vatikan.
Man lässt sich nichts vorschreiben.
Man bestimmt seinen Kurs in solchen Dingen.
Ihr habt versagt.
Nicht ich bin der, der versagt hat, Euer Majestät.
Ich habe Euch bestmöglich vertreten.
Aber Tatsache ist, dass Eure Position schwach ist.
Kann ich mich bei Hofe auf keinen verlassen?
Seit sie weg ist, wirkt er wie ein wandelnder Leichnam.
-Sie fehlt ihm. -Mir nicht.
Mir auch nicht.
Meinen Glückwunsch zu dieser Festlichkeit.
Ich diene, um zu gefallen.
Guten Abend.
Ihr seht... ganz bezaubernd aus.
Danke, Euer Hoheit.
Es muss wunderbar sein, wenn man König ist.
-Wie kommt Ihr darauf? -Alles, was Ihr wollt, gehört Euch.
Vieles, was ich begehre, gehört mir nicht.
Vielleicht müssten sich Seine Majestät mehr bemühen.
Das hängt von der Belohnung ab.
Was wollt Ihr hier?
-Ich verbot Euch den Kontakt zu mir. -Ich hatte keine Wahl.
Der Duc d'Orléans war bei mir.
Er weiß zu viel.
Ich will das nicht fortführen.
Ihr seid hier, um dem König zu dienen.
Bedenkt die Konsequenzen,
wenn er herausfindet, dass Ihr an ihm zweifelt.
Weiß der König überhaupt, was wir tun?
Der König weiß alles.
Dann will ich mit ihm reden, und zwar selbst.
Denn ich brauche Garantien.
Das wird nicht nötig sein. Wie gesagt, Seine Majestät weiß alles.
Ich glaube, dass Ihr lügt.
Leider werdet Ihr nie erfahren, ob das zutrifft.
Wo gehen wir hin?
Irgendwohin, wo wir ungestört sind.
Habt Ihr Angst?
Seid nicht albern.
Dann sagt mir: Was gefällt Euch an mir?
Ohne Zweifel vermutet Ihr,
dass ich zunächst angezogen wurde von Eurem...
...Reichtum?
Ja.
Aber inzwischen lernte ich Euch kennen.
Und ich finde Euch bezaubernd...
...intelligent...
...geistreich.
Wart Ihr denn schon mal mit einer Frau intim?
Gewiss.
Viele Male.
Einmal.
Halbwegs.
Was passiert normalerweise an diesem Punkt mit einem Mann?
Normalerweise?
Einer von uns kniet sich hin.
Das ist wohl Euer erstes Mal?
Ist das so offensichtlich?
Offensichtlich.
Aber äußerst bezaubernd.
Lasst mich Euch sehen.
Monsieur Marchal.
Ich hörte, man hat Euch grausam behandelt.
Es geht mir gut. Die Ärzte haben mich zusammengenäht.
Ihr solltet einen Berufswechsel erwägen.
Oder findet jemanden, der auf Euch aufpasst.
Ich mag dieses Spiel nicht.
Ich spiele nicht.
Kommt her.
Näher.
Darf ich etwas fragen?
-Versprecht mir, nicht zu lachen. -Was wollt Ihr wissen?
Liebt Ihr mich?
Habe ich etwas Falsches gesagt?
Nein. Es liegt viel mehr an mir.
Zieht Euch an.
Gefalle ich Seiner Majestät nicht?
Es ist nicht Eure Schuld. Geht wieder in Eure Gemächer.
Ihr seid ja noch ein Kind.
Aber Ihr könntet mich lehren.
Jemand anderes soll diese Ehre haben.
Ich bedaure.
Geht es Euch gut? Was ist passiert?
Ihr wart beim König.
Was ist passiert?
Er hat gesagt, ich wäre noch ein Kind.
Und ich weiß, dass er recht hat.
Ich bin ein Kind, das so tut, als wäre es erwachsen.
Was habt Ihr getan?
Kommt jetzt.
Ich begleite Euch zu Euren Gemächern.
Könnt Ihr nicht schlafen?
Mein Körper ist müde, aber mein Geist rastlos.
Benötigt Seine Majestät etwas?
Eure Gesellschaft genügt mir im Augenblick.
-Darf ich meine Meinung äußern? -Ja.
Die jungen Frauen, die Euch Gesellschaft leisten...
Was ist mit ihnen?
Ich fürchte, diese Frauen sind nicht die Lösung, Euer Majestät.
Vielleicht ist das Problem eine andere Frau.
Nicht eine von denen, die Ihr habt, sondern die, die Ihr nicht habt.
Sie ist auf eigenen Wunsch fortgegangen.
Ihr sagtet, es war richtig, sie fortzulassen.
Wir haben uns wohl beide geirrt.
Und wenn ich nun zu ihr gehe...
...offenbart das nicht Schwäche?
Ganz im Gegenteil.
Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnade...
...und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Ihr habt mir gesagt, ich müsse mich ändern.
Und das akzeptiere ich jetzt.
Denn ohne Euch bin ich unvollständig.
Ich habe Trost gesucht bei anderen Frauen, im Genuss.
Aber das war ein schales Vergnügen.
Mein Urteilsvermögen hat versagt.
Ich brauche Euren Rat.
Ich möchte, dass Ihr zurückkehrt.
Es ist mir gleich, wer Ihr früher mal wart.
Ich liebe Euch...
...als die, die Ihr jetzt seid.
Ihr werdet nie wieder vor mir knien.
Untertitel von: Anne Panier
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