All language subtitles for Ludwig.2.Glanz.und.Elend.eines.Koenigs.1955.DVDREMUX

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Original subtitles

LUDWIG II

(Sissi stöhnt)

Ludwig!

(leise) Ja, ich komme.

Majestät, was ist mit Ihnen? Ich fürchte, Majestät sind krank.

Wir sollten nach Wien zurück.

Ich habe etwas Schreckliches gesehen.

Was gesehen? - Ludwig kam über den See herüber.

Er lief über die Wellen, und sein blauer Mantel flatterte im Wind.

Er rief meinen Namen. Ich wollte antworten, aber ich konnte nicht.

Es war, als ob Platz zwischen uns wäre und...

plötzlich war es dunkel vor meinen Augen.

Sie kommen und bringen ihn!

Wo ist Ludwig? Wo ist der König? - König Ludwig von Bayern ist tot.

Nein! Nein...

Er und sein Arzt, Doktor Gudden. Im Starnberger See ertrunken.

(Kirchenglocken läuten)

(Trauermusik)

(Frauen schluchzen)

(Zuschauerstimmen) Dass das so schnell kommen kann!

Der Gudden hat ihn umgebracht...

Niemand hat ihn umgebracht! Er war zu gut für diese Zeit.

Warum spielen sie den Beethoven und nicht Wagner, den er so verehrte?

Er war schuld, der Wagner, mit seiner wahnsinnigen Musik.

Dass die das zugelassen haben...

Ich habe es immer gesagt: Gottes Zorn wird über uns alle kommen.

(Kirchenglocken läuten)

(traurige, bedrückende Musik)

(Frauenstimmen) Wie alt ist der König? - 20 oder 25.

(Begeisterung, Jubelrufe)

Der Minister bittet, dass Eure Majestät in der bevorstehenden Unterhaltung...

...mit dem Kaiser von Österreich sich äußerst vorsichtig verhalten möchten.

Herr Minister empfehlt Euch, nur Worte zu gebrauchen,

die von den Ministern später ein wenig anders interpretiert werden könnten.

Ich werde ihm sagen, was ich denke. Wie immer...

Jawohl, Majestät. - Ich danke Ihnen.

Max, werden wir die Kaiserin sehen?

Ja. Ihre Majestäten sind im Kurpark. - Ja?

Hier hat sie mich mal gebissen, als wir Kinder waren.

Ich werde aufpassen, dass das nicht mehr vorkommt.

Mein Gott, war das ein wildes Dirndl, diese Sissi, wie sie damals...

...von der Isarbrücke mit ihrem Schimmel runterspringen wollte.

Erinnerst du dich? Du warst doch dabei. - Nein.

Ich riss sie vom Pferd und sagte: Sissi, wenn du meine Frau wirst,

darfst du nie mehr auf einem Ross reiten. - Gut, dass sie nicht Ihre Frau wurde!

(Orchester spielt Walzermusik)

Ausgezeichnet! - Danke.

Da kommt der Ludwig!

Da du nicht zum Heurigen kommst, muss ich zum Sauerbraunen kommen.

Hoffentlich bekommt's dir. Das ist ein teuflisches Pack!

Grüß dich! Schön, dass ihr hier seid.

Grüß dich Gott, Sissi! - Einen schönen Tag haben wir heute, nicht wahr?

Ja, prachtvoll.

Grüß dich Gott, Majestät! - Grüß dich, Sophie!

Verzeihen Sie, bitte! - Ja, wofür? Ach so!

Sag 'du' zu deinem Cousin. Oder müssen wir erst Bruderschaft trinken?

Aber nicht damit!

Ich habe ein Frühstück herrichten lassen, damit der Franz-Joseph...

...zur Nachkur ein Glas Champagner kriegt.

(flotte Tanzmusik)

Sag etwas, Ludwig. Sonst denken die Leute, wir sind böse miteinander.

Ich kann aber nicht, Sissi. - Hab ich mich so grausig verändert?

Ich dachte, wenn wir uns wiedersehen...

Ich sehe dich nicht wieder, ich sehe dich heute zum ersten Mal.

(Franz) Sissi! Die Sopherl fragt, ob wir eine Kutschenfahrt machen?

Oh ja, wenn ihr mögt, natürlich. Der Franz ist lieb, gell?

Ja, ich muss mit ihm sprechen.

Zum ersten Mal spreche ich darüber, ob es Krieg geben soll.

Ein merkwürdiges Gefühl. - Krieg?

Ich möchte in der Politik nichts verlieren, was gut ist.

Und ich werde es nicht. Darauf können sich die Herrschaften verlassen.

Das sagst du nur mir, gell? - Ich sag's jedem!

Das ist zum Verrücktwerden!

Das gehört dir! - Danke.

Es muss möglich sein, ohne Falsch zu regieren.

Ohne Lüg und Verrat, und was die Leute sonst alles empfehlen.

Rein, einfach rein.

Weißt du, Ludwig, jedem ist seins beschieden. Man muss sich fügen.

Jeder Mensch muss das.

Ich bin nicht jeder Mensch. Und du auch nicht. Ich fühle das.

Kennst du den Richard Wagner, Sissi? Der ist doch bei euch in Wien?

Wagner? Wer ist das? - Wer das ist?

Ein Kompositeur! Nein, ein Genie, ein Gott! Er schreibt Opern.

Nein, Musikdramen. Mein Gott, du fragst mich, wer das ist!

Seit Beethoven war niemand so kühn, so erhaben.

Solche Leute möchte ich bei mir in München haben.

Ich möchte... das klingt wieder ganz dumm, ich möchte...

...ein Königreich der Musen aufrichten, weißt du?

Ja, du wirst ein wahrer Herrscher werden.

Und Bayern wird ein glückliches Land.

Mach alles so, wie du es plantest.

Es wäre herrlich, wenn einer von uns das tun würde.

(Franz) Lauft uns nicht davon! Da kommt ja keiner mit.

Verzeiht, meine Damen. Ich habe mit Ludwig zu reden.

Alleine. Darf ich, Elisabeth? - Natürlich, wir gehen voraus.

Er sieht mich überhaupt nicht, Sissi!

Wenn wir mit der Kutsche ausfahren, kannst du es so einrichten,

dass ich neben dem Ludwig sitze? - Das wird nicht so einfach sein, Kind.

Ich habe keine Zeit für Kriege, Franz. Ich habe so viel Wichtigeres zu tun.

Das glaubt man, wenn man jung ist. - Du bist auch kein Greis!

Ja, aber ich habe gelernt, dass man sich ins Unvermeidliche fügen muss.

Ist es unvermeidlich...?

Ist es unvermeidlich, wenn du nicht angreifst?

Die Frage ist etwas romantisch.

Wer anfing, darüber streiten sich hinterher die Gazetten.

Dann bin ich ein Romantiker. Für mich ist die Frage sehr wichtig.

Natürlich fange ich nicht an. Aber Preußen wird es tun.

Dann ist deine Frage überflüssig. Wer mit dem Bündnis...

und ein Bündnis zwischen einem Kaiser und einem König - das ist heilig!

Na also, mein Freund. Da wären wir uns ja einig.

Pass auf. Demnächst wird dich Herr von Bismarck besuchen.

Diesem Courageur auf dem Ministersessel solltest du nichts...

...von der Heiligkeit unserer Verträge sagen. Du solltest sagen...

(Soldat schreit) Achtung!

Was ist mit Ihnen, sind Sie krank? - Nein, Majestät.

Sie sehen fiebrig aus. Wie lange stehen Sie hier?

Vier Stunden, Majestät. - Das ist lange.

Ein Fauteuil, bitte.

Fauteuil!

Stellen Sie es dorthin.

Setzen Sie sich!

Wenn Ihnen besser ist, stehen Sie wieder auf.

Verzeihung.

Ich sehe die Dinge einfacher, Majestät.

Es ist ein physikalisches Gesetz.

Die Natur lässt die Dinge reifen und erteilt uns ihre Aufträge.

Wir haben sie zu erfüllen, oder unterzugehen.

Die deutsche Kleinstaaterei hat ihre Aufgabe erfüllt.

Nun suchen die deutschen Staaten eine neue Form, ein neues Gefäß.

Und dieses neue Gefäß heißt Deutschland...

...das Deutsche Reich.

Und wie wird das aussehen? Ihr Reich, das Ihnen die Natur vorschreibt?

Es wird auf dem Wege des Fortschritts die anderen Nationen einholen,

vielleicht überflügeln.

Es wird Eisenbahnkanäle bauen, eine gewaltige Industrie errichten,

eine mächtige Schifffahrt wird es mit der Welt verbinden.

Seinem Reichtum und Ansehen wird eine starke Kriegsmacht...

...Bestand verleihen.

Und das Glück... - Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche,

aber in dem Arsenal Ihrer kraftvollen Worte nimmt sich das Wörtchen Glück...

...ein wenig seltsam aus. Glück ist eine große Gnade.

Nehmen Sie? - Danke, Majestät.

Behalten Sie Platz. Sehen Sie,

ich bin zum König gesetzt über ein altes, schönes Land.

Seine Bewohner sind glücklich und friedlich, es ist meine heiligste Pflicht,

diesen Frieden zu wahren und dieses Glück. Und so Gott will, zu mehren.

Halten Sie mich nicht für fortschrittsfeindlich.

Kunst und Kultur sind die Gebiete, auf denen ich mein Volk...

...in den Kampf führen möchte.

Bestrebungen, die auch einem einigen, größeren Vaterland zugute kommen.

Ich hoffe, dass Gott mir ein paar friedliche Jahre gibt.

Das Sterbliche ist dazu da, das Unsterbliche zu behüten.

Deshalb machen Sie Ihre Armee so stark?

Warum wollen Sie den Krieg gegen Österreich?

Das Reich wird nur in einem Krieg entstehen.

Kennen Sie diese Klänge? Wissen Sie, was sie bedeuten?

Ich kenne sie nicht, aber ich spüre, was sie Ihnen bedeuten.

Leben Sie wohl, Bismarck.

Ich bewundere große Männer, ich liebe die Kraft.

Wir könnten Freunde werden,

wenn die Natur uns nicht so verschiedene Aufträge erteilt hätte.

Wünsche Ihnen und uns eine gute Reise. Leben Sie wohl.

Ich habe eine Bitte, Majestät. - Ja?

Wenn Majestät mir die Gnade erweisen würden...

Ich hätte gerne ein Bild Eurer Majestät in meinem Arbeitszimmer. - Von mir?

Das Bild eines wirklichen Königs.

Bringen Sie mir Richard Wagner!

Richard Wagner?

(Klopfen an der Tür) - Ja?

Eckhard! Warum so spät? - Meister, ich habe alles versucht.

Was denn? Kein Geld? - Nein.

Aber der Großherzog hat die Oper aufgeführt!

Sie haben sie dirigiert. Dafür stehen Ihnen die Tantiemen doch zu!

Die sind gepfändet! Sie hätten Wechsel unterschrieben, sagt der Rendant.

Bis hierher verfolgen sie mich...

Ich kann das Zimmer gar nicht bezahlen. Kein Geld, um weiterzufahren.

Ich werde sehen, was ich zusammenbringe. - Ich bin nicht mehr in Ihren Jahren.

Ich habe gekämpft und gearbeitet, wie andere nicht in hundert.

Es war vergeblich. Ich will nicht mehr.

Es ist ja auch keine Schande, als Musiker in einer Welt zu verhungern,

in der Mozart verhungert und in einem Armengrab verscharrt wurde.

Sie verhungern nicht! Sie haben Freunde, nicht nur in Stuttgart.

Alle warten auf die 'Meistersinger'...

Wer wartet darauf? Wie viele? Zehn Menschen? Oder zwanzig?

Es wird, wie in Wien, kurz vor der Aufführung wieder abgesetzt.

Und dann 'Der Ring der Nibelungen', von mir selbst abgebrochen,

weil ihn nie jemand aufführen wird.

Nein. Ich schreibe kein Musikdrama mehr.

Ein Requiem vielleicht. Auf die deutsche Kunst.

(Klopfen, Stimme von draußen) Da möchte Sie einer sprechen.

Das ist jemand aus Wien.

Helfen Sie mir, Eckhard! Sagen Sie ihm, dass ich kein Geld habe.

Ich komme im Auftrag seiner Majestät, des Königs von Bayern.

Seine Majestät schickt Ihnen diesen Ring und seine Grüße.

Er bittet um Ihren Besuch.

Was will der König von mir? - Ach so. Ich weiß nicht, er erwartet Sie.

Der junge König sucht einen Musikanten für seinen Hofstall, weiter nichts.

Aber nicht ein verkrachtes Genie,

das nur einen ruhigen Platz sucht, um zu sterben, weiter nichts.

Soll ich seiner Majestät bestellen, dass Sie nicht kommen? - Meister!

Ich komme.

(Stille)

Das mag nicht üblich sein, dass ein Besucher das Wort zuerst ergreift,

aber ich muss Sie vor mir warnen.

Ich bin keine fröhliche Unterhaltung für einen festlichen Feierabend.

An mir klebt Unglück.

Meine Existenz ist an dem Punkt angekommen,

wo ich so verletzlich bin wie Glas. Einen Sprung habe ich schon.

Ein falsches Wort, und Sie haben die Scherben in der Hand...

...und blutige Finger.

(Musik setzt ein)

Bruder?

Sie werden frei sein von der Erbärmlichkeit des Tages, Wagner.

Die Nacht wird leuchten,

die begnadetsten Künstler Europas werden Ihre Werke aufführen,

und ich werde vor Ihnen stehen.

Und ich werde es sein, der beschenkt ist.

Ich grüße Sie!

(Wagner weint leise)

(Klaviermusik)

Oh, Sinfonie der Nacht, lieb vergessen, dass ich lebe.

Nimm mich auf in deinen Schoß, löse von der Welt mich los.

Aber Isolde ist unerreichbar für Tristan, sie ist dem König Marke verbunden,

dem Tristan die Treue gelobt hat.

Doch die Liebe ist stärker als alle Gebundenheit.

Und was ihnen das Leben versagt,

das erfüllt sich den Liebenden im Tod. - Im Tod...

Wann ist die Aufführung? Wie gehen die Proben?

Ich habe es Ihnen bisher verheimlicht, die Proben sind qualvoll. Auch für mich.

Was heißt das?

Manchmal glaube ich, diese Musik ist ein Frevel.

Mein Freund Bülow meint, Menschen werden wahnsinnig, wenn sie sie hören.

Sie hat nichts mehr zu tun mit Mozart und Beethoven.

Diese Musik ist ein Narkotikum. Ein Gift, das alle Bindungen löst.

Oh ja, aber es macht uns frei...

...und führt uns in die höchsten Höhen.

Oder in die tiefsten Tiefen. Manchmal fürchte ich mich selber.

Ja, kennen Sie denn ein Meer ohne Grauen?

Wir dürfen uns doch nicht fürchten, wenn wir das Große wollen.

Vor keinen Höhen und keinen Tiefen, vor keinem Wahnsinn.

Wann ist die Aufführung? Wann? Ich bin zum ersten Mal glücklich!

Ich werde den Kaiser von Österreich einladen.

Und die Kaiserin. Die Kaiserin...

('Tristan und Isolde' wird aufgeführt)

Ich möchte alleine sein. Fort von den Menschen.

Reiten wir zurück nach Berg, Sissi. - Ja.

(Pferdegetrappel)

(Sissi) Hier ist der Weg zu Ende. (Ludwig) Oh nein, hier fängt er an.

Ich stehe oft an dieser Stelle. Ich weiß gar nicht, warum.

Ich liebe sie.

Es ist so friedlich.

(Sissi) Da drüben ist die Roseninsel und unsere Kindheit.

Warum hast du ihn geheiratet? - Ich war 16, Ludwig.

Und niemand hat mir gesagt, dass ich eines Tages eine Frau sein würde.

Dass ich eines Tages empfinden könnte, was Musik ist und...

Und ein Nachthimmel... und ein Mensch.

Das sind wir, die zwei Wolken, ganz nah und ganz weit zugleich.

Wir treiben aufeinander zu.

Und da ist ein Boot.

Wollen wir es wieder stehlen, wie damals?

Wollen wir nicht das Glas zerbrechen, das zwischen uns ist,

und alles hinter uns lassen?

Wir sind doch nicht wie alle, Ludwig. Das hast du selber gesagt.

Vergiss nicht, was du dir vorgenommen hast. Du hast Wagner geholt.

Heute war dein erster Triumph. Der Frieden wird dein nächster sein.

Du wirst allen zeigen, dass man erst ein Mensch und ein König wird,

wenn man das Gute tut, wenn man rein bleibt.

Nein, ich bin nicht unglücklich, Ludwig. Und du sollst es auch nicht sein.

Ich habe gelernt zu lächeln und zu weinen - durch dich.

Und immer, wenn ich das eine oder andere tue, werde ich bei dir sein.

In Gedanken...

In Gedanken. In den Wolken.

(Marschmusik)

Sei mir nicht böse, dass ich gestern nicht zur Oper kam,

ich habe den Abend anders nutzen müssen.

Es war schwer, aber jetzt ist es soweit.

Der Krieg kann kommen, wenn der Bismarck es will.

Meine Herren!

Danke dir, Ludwig. Leb wohl.

Leb wohl, Franz!

In Gedanken. - In den Wolken.

(deutsche Nationalhymne)

Das ist ja kein Theater mehr, das ist ein Monument!

Ich weiß auch schon, wo es stehen wird. Auf der Uferhöhe der Isar.

Wissen Sie, wo ich meine? Umgeben vom schönsten Garten von Deutschland.

Wagner, freuen Sie sich!

Ich habe Angst. - Das kenne ich.

Das Lampenfieber vor etwas Unüblichen. Aber jetzt, nach der Musik von Tristan.

Man wird mir vorwerfen, dass ich Sie ausbeute.

Dass ich Sie arm mache.

Haben Sie gehört, was diese fantastische Musikhalle kosten soll?

Man spricht von 6 Millionen.

Ich kann das nicht verantworten! Seit einem Jahr geht das so.

Lauter Rechnungen an Herrn Wagner. Hier! 18.000 Gulden, 40.000 Gulden,

200.000 als Darlehen maskiert!

30.000 für Aufführungsrechte an Werken, die noch nicht geschrieben sind.

Können Sie sich etwas darunter vorstellen?

Ich habe hier Rechnungen für die Hofkasse.

Sänger, Dirigenten, französischer Damast für sein Haus.

Das wird ein öffentlicher Skandal.

Man singt schon Spottlieder auf ihn und den König.

In den Bierkellern. - Gräßlich, diese Musik!

Bitte stellen Sie Herrn Wagner eine Anweisung aus.

Wieviel, wird der Meister selbst bestimmen. - 30.000.

Was heißt denn das? - Ihr Geld. Die Gulden.

Das ist absurd! Ich will mein Geld in Scheinen.

Auf Anweisung von Herrn Pfistermeister dürfen wir das Geld nur so auszahlen.

Das ist eine Teufelei von diesem Herrn, eine abgefeimte Schurkerei!

Bringen Sie die Säcke zurück, ich komme wieder!

Sie müssen sie mitnehmen, jetzt ist es schon abgebucht.

Ich kann damit nicht durch die Stadt fahren!

Ist das nicht der Wagner? - Das ist er schon.

Da kann er jetzt wieder Musik machen, mit dem Ludwig seiner Lola Montez.

(Gelächter)

Herr Wagner, singen Sie uns was!

Für das viele Geld können Sie uns was singen, nicht?

(Gelächter)

Was bedeutet das alles, Richard?

Sie wollen mich demütigen!

Aber ich werde diese Kreaturen wegfegen, diese Neidlinge.

Pfistermeister und Hohenfels, das ganze Ministerium.

Die sollen sich noch ducken vor mir!

Ich werde sie mit ihren eigenen Mitteln schlagen. Mit politischen Mitteln.

Aber nicht unter deinem Namen!

Nein, nicht unter meinem Namen. Unter Alberichs Tarnkappe.

Bitte schreib:

"Wir halten es für unsere Pflicht, die Bevölkerung Bayerns vor einer...

"...selbstsüchtigen Clique in der engsten Umgebung unseres Königs zu warnen.

"Das ganze Land..."

Das ganze Land... das ganze Land wird froh sein,

wenn die Welt zu den Werken von Wagner nach München pilgert.

Sie sagen, 6 Millionen.

Sie wissen, dass die Vorbereitungen für einen Krieg 50 Millionen und mehr kosten!

Ohne dass das Ministerium mit der Wimper zuckt!

Das Festspielhaus kostet 6 Millionen!

Majestät, es handelt sich nicht nur um die Sache, sondern auch um die Person.

Die ganze Lebensführung dieses Herrn Wagner ist eine einzige Herausforderung.

Alle bayrischen Stände haben ihre Vertreter im Saal.

Das Vorzimmer ist voll von Leuten.

Wir sind verpflichtet,

die Aufmerksamkeit Eurer Majestät auf zwei Dokumente zu lenken.

Das erste ist ein Brief, der Wagners Privatleben betrifft...

...und den wahren Charakter seines Verhältnisses zur Gattin seines Freundes,

Cosima von Bülow.

Pfistermeister, ich habe mich dafür verbürgt,

dass die Gerüchte gemeine Lügen sind. Genügt das nicht?

Bitte lesen Sie diesen Brief und den Artikel aus der 'Münchner Neuesten',

den dieser Wagner unter einem Pseudonym schrieb.

Er versucht, die Minister, die Majestät mit Ihrem Vertrauen beehrt,

lächerlich zu machen, und ruft dazu auf, sie zu stürzen.

Eure Majestät verschwenden Ihre Gunst an einen Unwürdigen.

Ich danke Ihnen.

(schnelle Klaviermusik)

Richard! Der König! - Endlich! Er kommt zu mir.

Das ist die Rettung. Ich habe es gewusst, Cosima.

Parsifal lässt nicht von seinem Gral. Bitte, bleib doch, meine Liebe!

Du hast ihm doch gesagt, dass wir nicht...

Mein König! Sie retten mir zum zweiten Mal mein Leben.

Ja, ja, wir wollen nicht davon sprechen. Aber dass Sie sich zu mir bekennen...

Ich kann es Ihnen nur in meinem Werke danken. 'Parsifal' ist im Entstehen.

Die Krone meiner Werke. Und Sie haben mich dazu inspiriert.

Von Ihnen soll es der ganzen Welt Kunde geben.

In den reinsten, geheimnisvollsten Klängen, die so sind wie Sie.

Nicht von dieser Welt.

(Wagner spielt Klavier)

(Stein fliegt durchs Fenster)

Wenn ein Gralsritter seine Reinheit verliert, Wagner.

Wie?

Wie stehen Sie zur Frau Ihres besten Freundes?

Wie stehen Sie zu Frau Cosima von Bülow?

Ich habe Ihnen gesagt, dass...

Nein! Ich kann nicht anders, verdammen Sie mich. Ich liebe Cosima.

Und ich werde sie zu meiner Frau machen.

Ich habe nach unendlichen Leiden endlich eine Seele gefunden.

Und Sie haben anonyme Zeitungsartikel geschrieben gegen meine Minister, ja?

Ja.

Dann bitte ich Sie, noch heute mein Land zu verlassen.

Ich habe von Ihnen nur Liebe und Güte erfahren. Was Sie eben gesagt haben,

ist nicht wahr.

Und das Festspielhaus? Und 'Der Ring der Nibelungen'?

Der 'Parsifal'? Ihre Werke ebenso wie meine?

Ihr Werk wird bleiben, Wagner. Sie nicht.

Ich weiß nicht, wie ich das ertragen werde, aber...

...ich kann Sie nicht länger halten.

Gehen Sie!

Dann... dann...

Dann, Eure Majestät, meine Hochachtung vor Zwergen und Nachtgelichter,

meine Referenz vor Nattern und Schlangen, die es vermocht haben, einen König...

...sich selber untreu werden zu lassen.

Nicht eine Minute länger will ich bleiben.

Cosima! Wir reisen!

Man soll packen!

Wir reisen in die Schweiz, wo es keine Fürsten gibt. - Nein, Richard!

(bedrückende Musik)

(Klopfen an der Tür)

Verzeihung, Majestät, aber Graf Holnstein lässt sich nicht...

Das Kabinett bittet Eure Majestät, in die Residenz zurückzukehren,

Bismarck ist in Sachsen einmarschiert. Das ist der Krieg.

Von der Tann, erinnern Sie sich?

Sie standen vor vielen Jahren unten in der Halle.

Ich war sechs Jahre alt.

Ich rutschte das Treppengeländer runter und fiel vor Ihre Füße.

Erinnern Sie sich? Da hoben Sie mich auf.

Ich fiel auf die Steine, und Sie hatten Angst um mich.

Und ich fühlte, dass Sie mich liebten.

Sie alle haben mich einmal Ihrer Zuneigung versichert.

Jetzt brauche ich Sie. Ich möchte das nicht unterschreiben!

Wir haben keine Wahl.

Bismarck brachte die Lawine ins Rollen. Sie wird vor Bayern nicht Halt machen.

Auch dann nicht, wenn wir neutral bleiben. Wir müssen diesen Krieg führen.

Von der Tann! - Wir sind gezwungen, Majestät.

Ich sehe keine Möglichkeit.

Max, den Wagen! Wir fahren zurück nach Berg.

Ich bitte Eure Majestät, in der Residenz zu bleiben.

Es wird erwartet, dass Eure Majestät zu den Truppen sprechen.

Wollen Sie das, Hohenfels? Wollen Sie, dass ich sage:

Soldaten, zieht in den Krieg und schießt auf eure Brüder,

eure Brüder werden auf euch schießen, weil das Schicksal es will.

Das Schicksal und ein paar Herren hüben und drüben.

Sie haben es sich nicht leicht gemacht. Sie haben Bedingungen ausgehandelt,

Verträge konzipiert. Diese Hand hat mit unterschrieben.

Man holt euch von Äckern, in Bayern wie in Preußen,

Ihr schießt aufeinander, und ich soll euch zurufen:

Habt kein Erbarmen mit euren Brüdern, die eure Feinde sind.

Eure Feinde, die eure Brüder sind.

Ich möchte euch sagen, wem bestimmt ist zu sterben,

dem möge sein Tod leicht sein. Er möge mir verzeihen, wenn er kann.

Wollen Sie, dass ich das sage?

Dann rufen Sie mich.

(Donnergrollen aus der Ferne)

Komm, komm. Brauchst keine Angst zu haben.

Es ist nur ein Wetter hinter dem Berg.

Der Krieg ist vorbei.

Ja. Die einen glauben, sie haben ihn gewonnen,

und die anderen glauben, sie haben ihn verloren.

Es dreht sich wieder, das Karussell.

Ein reizendes Tier, so zutraulich.

Wahrscheinlich weiß es, dass Majestät kein Jäger sind.

Komm, Max.

Verzeihung, Majestät, wir sind in Eile.

Der Kurier muss heute noch zu den Friedensverhandlungen.

Merkwürdig. Eigentlich dürften die Leute, die den Krieg verhandeln,

nicht auch den Frieden verhandeln. Da stimmt was nicht.

Na ja. Es ist halt so.

Also, wie war es?

Verzichtet...

Bismarck verzichtet auf etwas? Ach so, auf Gebietsabtrennung.

Ja, unter der Bedingung, dass wir ein Bündnis mit Preußen eingehen.

Man kann nicht umhin, dieses Angebot für großmütig zu halten.

Es stärkt unsere Position, Bayern an der Seite Preußens. Es läßt sich...

...in kurzen Worten gar nicht darstellen, welche Perspektiven sich da eröffnen.

Ja, die Perspektiven kenne ich. Blut und Eisen, und unser Land eine Provinz.

Wir werden darauf drängen,

dass Bayerns Selbstständigkeit erhalten bleibt. Soweit als möglich.

Und was dürfen wir nun weiter tun? (es donnert)

Was Sie wollen, Herr von Pfistermeister. Der Sieger heißt Otto von Bismarck.

Wenn ich bemerken darf, Majestät.

Es hat den Anschein, als würden wir etwas gewinnen in dieser Niederlage.

Ich werde Sie einmal an das Wort erinnern.

Ich glaube, es ist gut, sich zu verabschieden,

sonst kommen Sie in die Dunkelheit, und das Wetter ist wieder da.

(Gewitter)

Ich muss mal mit dir reden, Ludwig.

So, wie wir als Kadetten geredet haben.

Du darfst nicht so weitermachen und so unglücklich sein.

Was darf ich nicht? - Du darfst nicht so unglücklich sein.

Dein Unglück breitet sich über uns alle aus.

Über die Bauern, die von dir reden. Über Städte, die dich nie sehen.

Sie sehen dich nicht, aber sie fühlen mit dir.

Sie vergöttern dich doch, sie lieben dich mehr, als du es weißt.

Trenn dich nicht von deinem Volk! Ludwig, fahr in die Residenz.

Schließ dich wieder an die Menschen. Du wirst ja auch mal heiraten. Komm!

Der König kommt? - Der Holnstein hat es gerade gesagt.

So überraschend? Mama! Ludwig kommt! - Der König?

Ja! Mein Gott, ich bin ja so unglücklich. - Warum denn?

Mein Haar sitzt so schlecht. Ist kein Spiegel da?

Otto! Dein Bruder kommt! - Dann muss ich gleich...

Warte! Er sieht mich nie, und ich dachte, vielleicht kannst du es einrichten, dass...

Ja, ich richte es ein. - Aber vergiss es nicht.

(Ankunft des Königs wird angekündigt)

Seine Majestät, der König!

(Stimmengewirr, Schritte hallen)

Eure Majestät, wir sind sehr glücklich. Und nicht nur wir hier im Saal.

Draußen im Hofgarten steht halb München. Und jubelt.

Ja, ich habe mich schon gezeigt. Die Leute waren sehr zufrieden.

Bisschen wenig, um zufrieden zu sein, na ja.

Otto! Wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht gesehen.

Wie geht es dir, Bub? - Gut, immer noch Kopfweh.

Aber geh, noch immer?

Bist du in Behandlung? -Zwei Ärzte! Aber glaubst du, einer findet was?

Bist gewachsen! - Für den Krieg war ich leider noch zu klein.

So. Na ja...

Dann beim nächsten. - Aber eine diplomatische Mission habe ich.

Ich soll dich zu Sophie bringen. - Sophie? Wer ist denn das?

Grüß dich, Max. Wie geht es dir?

Ah, Sophie. Grüß dich Gott.

Ja, wir haben uns in Kissingen zum letzten Mal gesehen, gell? Mit der Kaiserin. - Ja.

Ach, du bist die Sophie? Ich dachte, du bist noch unser kleines Sopherl.

Du hast dem Otto gesagt, er soll mich zu dir bringen? - Mhm...

Aber sagen sollte er es doch nicht!

Du sollst tanzen. - Soll?

Ich will. Darf ich dich bitten?

(Tanzmusik setzt ein)

Wann hast du die Sissi gesehen? - Ich komme gerade von ihr.

Sie ist so seltsam geworden. Sie reist immerfort in der Welt herum.

Manchmal kommt sie nach Possenhofen unangemeldet,

und dann spricht sie die ganze Nacht mit der Mama.

Ich glaube, sie ist nicht froh mit dem Franzl.

So habe ich den König lange nicht gesehen. Bezauberndes Paar.

Oder finden Sie nicht? - Doch, natürlich. Ich denke nur schon weiter.

Wo ist der preußische Gesandte?

Seine Majestät muss heute ein Gespräch mit ihm führen.

Lieber Graf, ich wusste gar nicht, dass Sie...

Preußen hat die Zukunft. Und wir gehören an seine Seite.

Bravo!

Ich glaube, es steht in der Zeitung, dass du den Ball mit mir eröffnet hast.

Wir tanzen nachher nochmal, ja?

Ja! Das steht dann auf der ersten Seite. -Zu dumm, so eine Unterhaltung.

Man kann sich gar nicht richtig unterhalten. Findest du nicht?

Besuch uns, wenn du am Starnberger See bist. Wir wohnen gegenüber.

Komm doch du. Besuch doch mich in Hohenschwangen. - Ja.

Grüß dich, Sophie. Enchanté, Comtesse.

Gell, das ist das Habsburgerzimmer?

Es ist nur das Hohenstaufenzimmer, aber das macht nichts.

Ich wusste es ja. Ich werfe die Kaiser immer durcheinander.

Gefällt es dir? - Ja, sehr schön.

Aber...? Sag die Wahrheit, Sophie.

Also, wenn ich ehrlich bin, ich finde es ein klein wenig bedrückend.

Oh, Sie sollten bedenken, dass der historische Charakter...

Was dem Sopherl nicht so wichtig ist! Sie hat Recht, es ist etwas bedrückend.

Darf ich bitten, meine Damen? Das ist das Authariszimmer.

Und da ist der Tee.

Bitte, nehmt Platz.

Ich kann noch nicht sitzen. Darf ich zuerst die anderen Zimmer sehen?

Ja, du darfst. Komm, bitte.

Sie sehen sehr müde aus, Mademoiselle. Restez s'il vous plait.

Das ist das Welfenzimmer.

(Ludwig) Der Heldensaal.

Das ist das Musikzimmer.

Verschlossen?

Ja.

Schade.

Bitte! (Ludwig öffnet das Klavier)

Spiel!

(Sophie spielt Klavier)

(Bedrohliche Musik setzt ein)

Bitte spiel das nicht, Sophie. - Was ist denn, Ludwig?

Sophie, du hättest nicht kommen sollen und fühlst es nicht.

Fürchtest du dich nicht?

Warum soll ich mich fürchten, wenn ich bei dir bin?

Das habe ich mir gewünscht, seit ich dich das erste Mal gesehen habe.

Beim Begräbnis deines Vaters. Du gingst so einsam in der Prozession.

In all den Pausen und so allein.

Und damals habe ich mir gedacht, ich möchte dir helfen.

Ludwig, schau mich an.

Lass dir doch helfen. Du siehst mich ja wieder nicht.

Doch, Sophie. Doch.

Wie spät ist es eigentlich? - Halb zehn!

Eine Nadel, bitte. Beeilen Sie sich!

Wieso kommt er dich so spät abholen?

Er wird wissen, wann die Oper anfängt. Sie gehört ihm ja.

Dass er Zeit hat, jetzt, wo der Kronprinz von Preußen in der Residenz ist.

Er macht sich mehr aus mir, als aus dem Krieg.

Den Schal noch, bitte. - Den gebe ich dir.

Sag mal, Kind, ist er übrigens nicht ein bisschen sehr ernst?

Ich mag keine lustigen Männer. Fröhlich bin ich selber.

Mir kommt der Mann ein wenig seltsam vor.

Er... er ist nie seltsam. Warum sagst du das?

Wir haben eine Kaiserin in der Familie. Und die ist nicht glücklich.

Du sollst keine unglückliche Königin werden.

Mama!

(Klopfen) - Ja?

Seine Majestät, der König.

Du kommst zu spät! Sie müssen doch warten, bis du da bist!

Gott, werden die mich anstarren durch die Oper! - Psst!

Ludwig! - Wir hören 'Rheingold' von Richard Wagner!

(Schwermütige, düstere Musik)

Ich halte das nicht aus. Ich fürchte mich.

Du hast gesagt, du fürchtest dich nicht, wenn du bei mir bist.

Aber jetzt fürchte ich mich. Ludwig, bitte sag mir, warum tust du das?

Ich muss dir doch zeigen, wie das Leben wäre, wenn du bei mir bleibst.

Allein, Sophie. Ohne Menschen, ohne Menschen...

Weißt du, ich sehe manchmal ein Licht. - Was für ein Licht?

Meins. Das mich führt. Und wenn Menschen zu nah kommen, dann läuft es weg,

dann ist es nicht mehr da. Verstehst du?

Ich liebe dich, Ludwig. Niemanden auf der Welt so wie dich.

Aber ich könnte so nicht leben. So alleine, ohne Menschen.

(Sophie weint)

Jetzt ist es weg. - Ich flehe dich an, bring mich nach Hause. Bitte!

Komm.

Elisabeth! Du? - Mama, die Sophie hat mir telegrafiert. Wo ist sie?

Sie ist krank. Sie spricht nicht mit mir. Was ist denn geschehen?

Ich gehe zu ihr. Ich erzähle dir dann später.

Sophie! Sophie, was ist denn?

(Sophie schluchzt laut)

Sissi, ich liebe ihn so! Ich liebe ihn.

Aber warum weinst du dann, Kind?

Ich... ich kann nicht seine Frau werden! Ich kann nicht!

Ich kann nicht!

Ja, warum denn nicht?

Das kann ich keinem Menschen auf der Welt sagen, nicht einmal dir.

Plötzlich kommst du? Warum? Willst du mir Vorwürfe machen?

Jahrelang höre ich nichts von dir. Kein Brief.

Ich muss mir aus Zeitungen zusammensuchen,

wo du dich aufhältst. In Italien, in Ungarn, in Griechenland.

Muss mir Bilder besorgen von den Orten, damit ich weiß, wo du bist.

Wo bist du denn? Sissi, wo bist du denn?

Bin ich dran schuld?

Habe ich vergessen, dich zu bitten, mir zu schreiben?

Gut. Gut, ich werde dir schreiben.

Ich weiß bloss nicht, ob ich schreiben will.

Das Leben ist eine Ablenkung. Diese Gesellschaften, diese Bälle,

und wie viele Rathäuser und Brücken einzuweihen sind.

Ja, ich reise auch viel zu meinem privaten Vergnügen.

Zu viel, sagt Franz. Er hat eine Abteilung eingerichtet, um mich zu bewachen.

Man hat immer Angst vor Anarchisten.

Aber ich kann die Beamten abschütteln. Dann gehe ich frei unter die Leute.

Und ich kann mir die Menschen ansehen.

Ich sehe, wie sie lächeln und wie sie traurig sind, und wie sie einander...

(sie weint)

Warum verstehst du dich nicht mit Sophie? Warum heiratest du sie nicht?

Sie ist meine Schwester. Ich hätte zu euch gehört, und wir...

...hätten vielleicht alle Ruhe gefunden.

Mein Gott!

Elisabeth...

Ja?

Eigentlich hast du es noch viel schwerer als ich.

Was ist aus deinen Plänen geworden? Der Wagner ist fort,

der Franz-Joseph hat dich in einen Krieg hineingezogen, du hast ihn verloren.

Der neue steht vor der Tür, und du kannst dich nicht ausschließen,

wenn Napoleon und Bismarck es nicht wollen.

Bald können wir uns nur daran halten, dass du es mal gewollt hast.

Das Gute. Das Reine.

Es ist heiß hier.

Ja...

Komm!

(schwermütige Musik setzt ein)

(Sissi schreit auf)

(Ludwig) Die Ewigkeit, schau.

Ein Schritt, da unten ist das Licht und auch Liebe.

Nein, Ludwig, nein.

Nein, Ludwig, so nicht. Wir brauchen den Tod nicht.

Wir dürfen unser Unglück leben.

Und unser Glück. Denn es ist doch ein großes Glück zu wissen,

dass irgendetwas in unser beider Leben rein bleibt.

Bis über den Tod hinaus.

Bald trifft Kronprinz Friedrich auf dem Hauptbahnhof ein.

Zur glänzesten Siegesfeier des Jahrhunderts. Die ganze Stadt ist da!

Friedrich führte die bayrischen Truppen zum Sieg.

Majestät müssen ihn am Bahnhof empfangen!

Das wird mein Bruder Otto besorgen.

Schicken Sie den Prinzen herein. Komm, Max.

Majestät, diese Brüskierung...

Lassen Sie mich bitte in Ruhe, ich bitte sehr darum, gehen Sie jetzt.

(Marschmusik, das Volk jubelt)

Ludwig, empfange Friedrich! Er kann morgen Kaiser sein.

Weißt du, was das heißt? - Wie sprichst du mit mir, bist du krank?

Du hast es nicht erlebt, wie wir das Reich gründeten. Im Spiegelsaal.

Alle waren da. Nur einer fehlte.

Ein König. Ludwig von Bayern.

Eineinhalbtausend waren versammelt. Kopf an Kopf. Unübersehbar.

Du hättest es hören sollen. Die Orgel, die Musik. Und dann, wie Donnerschläge...

Hurra! Hurra! Und die Stille dann, als Bismarck sprach.

Küraß, glänzend von Silber.

Ja, und dann weinte der Kaiser.

Und dann kam ein Donnern das Fenster herein.

Wirklich, es klang nicht wie Musik.

(Otto singt) "Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands!

"Heil, Kaiser dir. Fühl' in des Thrones Glanz

"die hohe Wonne ganz, Liebling des Volkes sein."

Otto, das ist ja Musik! Das ist ja Musik!

Nein, es sind die Kanonen. Ich kenne sie, es sind die Kanonen des Kaisers.

Sie schießen auf uns, Ludwig.

Es geschieht dir nichts, es geschieht dir nichts.

Ich will sofort aus der Residenz, Ludwig! Komm, fort aus dieser Welt!

(leise) Arzt!

Ich bitte um Ihren Vortrag, Doktor. - Ich habe Ihren Bruder untersucht.

Ich bringe keine gute Nachricht.

Es handelt sich um einen Fall von Schizophrenie.

Und was ist das? - Eine bestimmte Gruppe...

...von seelischen Erkrankungen. Wahnkrankheiten, die...

Die Heilung. Wie lange dauert die Heilung?

Ich fürchte, der Prinz ist unheilbar.

Die Ursachen sind erblich.

Wir Psychiater stehen auf dem Standpunkt, dass selbstverständlich...

Majestät! - Fahren Sie fort.

Wir bitten Majestät, Kronprinz Friedrich kommt in diesen Minuten an.

Wir bitten Eure Majestät, sich umzukleiden und für den Empfang vorzubereiten.

Würden Sie bitte die Fenster zumachen und die Vorhänge schließen?

Wir verstehen, dass Majestät durch diesen schrecklichen Vorfall bekümmert sind.

Andererseits erfordert die Stunde... - Es ist einfach ein Skandal!

Ein nicht wieder gutzumachender Affront gegen den preußischen Kronprinzen!

(schreit) Hohenfels!

Majestät, ich muss darauf bestehen.

Hört ihr dann auf Max?

Ein offenes Wort, Majestät. In dieser Stunde hat alles Private zurückzutreten.

Das Land stellt seine Forderungen. Wenn Sie den Kronprinzen nicht empfangen,

trennen Sie sich von Ihrem Volk, dessen Herzen längst bei ihm sind.

Ich werde ihren Thronfolger nicht empfangen, meine Herren.

Treffen Sie alle Anstalten, die notwendig sind. Ich erwarte ihre Demission.

Wir verlassen die Residenz, wir werden dieses Zimmer nicht mehr betreten.

(leise) Ich hoffe, dich nicht wiederzusehen.

(Das Volk jubelt und singt draußen)

(Gesang draußen wird lauter)

Da, schaut mal. Da steht es drauf. - Was steht denn drauf?

Der König wird es sein. - Mein Gott, so schaut er jetzt aus?

Ein Bart hat er, und dicker ist er geworden.

Scheint so, man weiß es nicht. Es sieht ihn ja keiner mehr, seit 10 Jahren.

Aber ich habe ihn gesehen!

Im Wald! Ungefähr vor acht Tagen. Um drei Uhr nachts.

Da ist er mit goldener Kutsche gekommen.

Wie der Wind, und vorneweg sind seine Reiter gekommen mit brennenden Fackeln.

Ich kann euch sagen, unheimlich war das! Ganz unheimlich.

Ja, wenn man nur wüsste...

Wenn man nur wüsste, was dahinter steckt.

Ich habe geglaubt, dass er heute in seiner Loge sitzen würde.

'Tristan' nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder! - Wo er nur ist?

Er fährt im Gebirge herum. - Ja, wo er seine Schlösser baut.

Wo sind die eigentlich? - Linderhof liegt im Wald, ganz versteckt.

Herrenchiemsee auf einer Insel. Nun will er ein drittes anfangen.

Ja, bei Füssen irgendwo. Neuschwanstein, oben auf dem Felsen.

Immer alleine. Nicht mal Verwandte sieht er.

Nicht mal die Verwandten. Mit niemandem hat er Kontakt.

Dass er das aushält! Es ist doch praktisch nur seine Dienerschaft um ihn!

Romantisch. Er ist halt ein Romantiker. - Wir brauchen keinen Märchenkönig.

Wenn er sich zu schade zum Regieren ist, soll er abdanken.

Dieser Minister Lutz regiert doch das Land.

Die ganze Situation ist, wie soll ich sagen, heikel, kompliziert und delikat.

Hier die Kostenvoranschläge für ein...

...neues Schloss, das seine Majestät zu bauen beabsichtigt.

Was? - Ja, dabei sind die Schulden kaum übersehbar.

Wenn diese Verschuldung bekannt wird! Das wird gefährlich für Sie!

Das Parlament wird sich freuen, bei der Überwältigung der Opposition...

...sie eines Tages deswegen über die Klinge springen zu lassen. - Eben.

Sie als Vorsitzender hätten es nicht so weit kommen lassen dürfen.

Ihr System des Hinhaltens...

Mein System hat ausgezeichnet funktioniert.

Außerdem, was sollte ich machen? Bei dieser Popularität,

bei dieser romantischen Verehrung, die er beim Volk genießt.

Das ist bei weitem nicht so einfach, wie Sie denken. Sie kennen ihn ja.

Nicht mehr. Seit 13 Jahren.

Ich habe ihn seit diesem Affront nicht wieder gesehen.

Ich weiß, was einem passiert, wenn man ein offenes Wort sagt.

Da lebt er lieber mit Holzfällern, Köhlern und Maurern.

Als ob er den Verstand verloren hätte.

Zum Gespött werden, weil Majestät sich erlaubt,

irgendwelche fantastischen... - Aber Holnstein! Mäßigen Sie sich.

Sehen Sie, all diese Dinge möchte ich einmal in aller Ruhe mit Ihnen besprechen.

Am Abend, bei einem Glas Bier. Jetzt möchte ich Sie nur noch eines fragen,

da wir so guten Kontakt zueinander haben.

Mir liegt sehr daran, Berichte zu bekommen, wie der König lebt,

was er denkt und vorhat, und so weiter.

Seine Leute hängen alle sehr an ihm, aber...

...wenn man es sich etwas kosten lässt.

Lass alle Kerzen anzünden, ich erwarte Besuch.

(beschwingte Musik)

Wie lange war es, Sissi? Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?

Wenn ich fort bin, dann denke ich, 100 Jahre,

und wenn ich hier bin, dann denke ich, gestern.

Gehen wir die paar Schritte zu Fuss. Willst du? - Ach, ja.

Gefällt dir das? - Ja, fantastisch. Ich bin ganz benommen. Es ist herrlich!

Es ist schön. Ganz schön, was?

Ja, aber es fehlt etwas. Menschen. Musik.

(unheimliche Musik setzt ein)

Aber ich sehe die Menschen. Ich höre die Musik.

Das Schöne ist, dass die Menschen hier keinen Schatten haben.

Aber wirkliche Menschen, Ludwig! Du wirst keine Gäste haben? Nie Feste geben?

Aber Sissi, wo denkst du hin?

Ja, die Leute werden sich darüber wundern, aber auch nachdenken.

Was will ich? Verstehst du, was ich meine?

Ja, ich verstehe dich. - Die Menschen sollen wissen,

dass hier das Schöne entstanden ist, nur um der Schönheit wegen.

Zeitlos das Schöne ist. Einen muss es doch geben im Land,

der nicht nur daran denkt, was ihm nutzt, was ihm Vorteil bringt.

Ist es niemand anderer, muss es der König sein.

Du meinst, die Leute verstehen mich nicht. Lass sie nur.

Jetzt zeige ich dir etwas anderes. Neuschwanstein.

(geheimnisvolle Chöre und Musik)

(Ludwig) Siehst du, das habe ich mir erkämpft und ertrotzt.

Das müssen die Herrschaften verstehen.

Überall lassen sie die Burgen verfallen. In Italien, in Frankreich, in England.

Hier baut einer eine. Du wirst sehen, wie notwendig das ist.

Gib mir deinen Arm, Sissi. Hier können die Träume wohnen.

Parsifal, Lohengrin, Tannhäuser.

Tristan, unser Tristan, meine geliebte Sissi.

Und da oben wird die Gralsburg stehen. Falkenstein.

Noch höher, noch näher.

Durch die Wolken in den Himmel. Der Grundstein ist gelegt.

Wenn du wiederkommst...

Nein, Ludwig, nein. - Was heißt nein?

Ich weiß, was du den Menschen damit sagen willst. Ich verstehe dich so gut.

Sonst wird dich niemand verstehen. Man wird dich für einen Menschenfeind halten.

Für einen Verschwender. Du darfst nicht weiterbauen!

Ich darf nicht?

Ich habe Angst um dich, Ludwig.

Siehst du nicht, dass ich Angst habe?

Ich bin neulich in München gewesen.

Man hat etwas Grauenvolles gegen dich vor. Ich fühle es.

Wer soll mir was tun, Sissi? Ich tu ja auch keinem was.

Ich habe ihnen die Leute gegeben, die sie wollen. Bismarck führt die Politik.

Von mir verlangt keiner was.

Doch, Ludwig. Man verlangt, dass du diese Bauten aufgibst.

Diese Burg da. Du kennst die Menschen nicht.

Die rechnen, die fragen nach dem Geld...

Ach so, in wessen Auftrag kommst du denn?

Ludwig!

Das kannst du doch nicht glauben, nicht von mir.

Ich habe schon viel gelernt zu glauben.

Von allen.

Ja, ja, ich gehöre in den Spiegelsaal, wo die Menschen keinen Schatten haben.

(traurige Musik setzt ein)

Ludwig? Wenn du mich brauchst, dann ruf mich bitte.

(Pferdegetrappel, Rufe)

Was ist los? - Ein Wagen versperrt den Weg, Eure Majestät.

Das sind die Marmorsäulen für Falkenstein.

Was ist das?

Das ist doch kein Marmor!

Nur Gips und Dreck.

Ich werde den Herren beweisen, was es heißt, mich zu betrügen.

Sogar die Steine zu Lügnern zu machen.

Das ist die nackte Wahrheit.

Die Verschuldung des Königs hat sich um sieben Millionen erhöht.

Ich habe seiner Majestät erklärt,

dass mein Ministerium diese Summe nicht beschaffen kann.

Aber ich bitte Sie...

Seine Majestät haben sich an den Bismarck gewandt,

mit der Bitte um einen Rat. Bismarck hat dem König empfohlen,

dass wir, das Kabinett, uns an das Parlament wenden sollen.

Sie kennen die Kräfteverhältnisse im Parlament.

Es wird dem König das Geld geben, aber als Gegenleistung verlangen, dass wir gehen.

(alle reden durcheinander) Warum wir?

Es bestehen Gründe zu der Befürchtung, dass seine Majestät krank ist.

(Türglocke läutet)

Danke, dass Sie gekommen sind. Wir brauchen Sie, Doktor Gudden.

(Ludwigs Schritte hallen)

(unheimliche Musik wird immer lauter und bedrohlicher)

Seine Majestät sind im fortgeschrittenen Maße seelengestört.

Und zwar leiden allerhöchst die Selben in jener Form von Geistesgestörtheit,

die den irren Herzen aus Erfahrung wohlbekannt...

...mit dem Namen Paranoia bezeichnet wird.

Die freie Willensbestimmung seiner Majestät ist ausgeschlossen,

sie ist als verhindert in der Ausführung der Regierung zu betrachten.

Damit ist die Frage nach der Regentschaft gegeben, königliche Hoheit.

Wie sind Sie zu diesem Gutachten gekommen, Herr Professor?

Es ist das Resultat eines sorgfältigen Studiums des Aktenmaterials,

zu dem ich drei Nervenärzte hinzugezogen habe.

Die Zeugenaussagen sind erdrückend.

Bestehen die Zeugen hauptsächlich aus dem Dienstpersonal des Königs?

Die Diener sind die einzigen Menschen, die seine Majestät sehen.

Was legt man Majestät noch zur Last?

Hoheit, alleine der Bau dieser Schlösser! - Andere Könige haben auch gebaut!

Wie hoch sind die Schulden?

13 Millionen Mark, Prinz Luitpold. - 13 Millionen Mark?

Wie hat es soweit kommen können? Herr Ministerpräsident!

Sie hätten Ihre Demission einreichen können,

bevor Sie die Schuld so anwachsen ließen!

Jetzt darf ich die Verantwortung dafür übernehmen, dass man den König entmündigt.

Wissen Sie, was Sie mir da zumuten?

Bedenken Sie, dass die zunehmende Abkehr seiner Majestät...

...von allen Regierungsgeschäften im Falle einer Krise, eine ernste Gefahr...

...für Bayern bedeuten würde, und das Vaterland steht gewiss höher als...

Ja...

Ja!

(bedrohliche Musik)

(herbeieilende Schritte)

Majestät, der Kutscher steht draußen. Er sagt...

Dass ihr vergessen habt, mir den Mantel zu bringen. - Nein, Majestät, er sagt...

Majestät, im Hof sind drei Kutschen mit Herren, die führen was im Schilde.

Lakai, wieviel Mass hast du denn getrunken?

Majestät! Ich schwöre es! Graf Holnstein ist auch dabei.

Ja, da schau her. Graf Holnstein?

Sollten wir nicht hinaufgehen? - Nein, wir warten besser hier.

Hast du das Chloroform?

Aber meine Herren! Mitten in der Nacht?

Sie wissen, ich fahre um diese Zeit aus! Warum haben Sie sich nicht angemeldet?

Gudden! Um Gottes Willen, ist etwas mit meinem Bruder?

(dramatische Musik)

(schreit) Feige Bestien!

Ihr wollt mir den Thron nehmen!

Holnstein! Was steht ihr da und glotzt, nehmt ihn fest!

Der König hat nicht mehr zu befehlen, er ist entmündigt!

Ich werde Sie alle zur Verantwortung ziehen!

Der Herr wird dich zur Verantwortung ziehen! Du Bestie, du feige Bestie!

Ihr seid alle feige Bestien! Ihr wollt keinen König!

Der König soll gemartert werden! Gemartert und geächtet werden!

Tiere, die als Menschen Menschen schlagen und jagen!

Ich jage euch Angst!

(bedrohliche Musik)

Lasst mich rauf zum Turm!

(Ludwig atmet schwer)

Hier kommen wir nicht heraus!

Gott sei Dank! - Versprechen Sie, dass ihr mich mitnehmt!

Dass Sie mir helfen. - Los, raus! Kommen Sie!

(Schritte kommen näher)

(Ludwig stöhnt) Wo sind denn alle? - Sie haben alle Angst, Majestät.

Der Lakai ist geflohen. Er hat die Halunken freigelassen.

Wir müssen ein Telegramm aufgeben.

Bismarck, Franz-Joseph, Dürckheim.

Mach das in Österreich, unter deinem Namen,

sonst erwischen sie dich. Riecht es hier nach Chloroform?

An seine aposteriorische Majestät...

Kaiser Franz-Joseph zu Wien.

Das ist ja ein Hilferuf! Da muss ich ja gleich...

Da muss man aber sofort... Ja, was kann ich denn da tun?

Exzellenz können da nichts tun.

Das ist eine bayrische Angelegenheit. - Nehmen Sie ein Telegramm auf!

An Alfons Weber, Vils, Österreich:

Empfehle Eurer Majestät, nach München zu fahren und sich dem Volke zu zeigen.

Alles hängt davon ab, dass Eure Majestät mit voller Entschiedenheit auftreten.

Eurer Majestät treuer Diener.

Bismarck hat Recht. Das Volk wartet, die Bauern rotten sich zusammen.

Aus allen Garnisonen melden sich treue Offiziere, einige Regimente stehen bereit,

um nach München zu marschieren. Um mit ihrem Blut zu beweisen, dass... - Blut?

Mit ihrem Blut?

Majestät wären an der Spitze! - An der Spitze?

Sie wollen, dass ich eine Rede halte?

Sie wollen, dass ich sage: Soldaten, ihr zieht in einen Krieg für Ludwig.

Wir gehen nicht nach München, Dürckheim.

Majestät! Der Kriegsminister will mich wegen Hochverrat anklagen, wenn ich...

...nicht sofort nach München zurückkomme. - Der Treue wird der Prozeß gemacht.

Sehen Sie, das ist die Wahrheit dieser Welt.

Majestät, ich bleibe bei Ihnen. - Sehen Sie mich mal an.

Ich war genauso aufrecht, jung.

(Ludwig) Sie sind entlassen.

Majestät, wenn ich Sie jetzt verlassen würde, das wäre Hochverrat.

Man soll sehen, wie vernünftig ich sein kann, und was für ein König ich wurde,

(schreit) ich befehle Ihnen den Hochverrat!

(traurige Musik)

Die heiligen Könige.

Wie habt ihr das gemacht?

Heilige und Könige zu sein?

Einer von ihnen heißt Ludwig, Sissi!

Du wirst ihn fragen, was man ihm erlaubt hat. Verboten...

Man müsste wohl Bismarck fragen.

Denn weißt du, Sissi...

Wo bist du denn?

Wo bist du denn, versteck dich doch nicht!

Wir sind keine Kinder mehr, versteck dich nicht.

(Sissi's Stimme) Aber Ludwig! Du bist unter meinen Fittichen.

Du sprichst ja mit jemandem, der gar nicht da ist.

(Ludwig) Otto!

Otto? Komm!

Ich freue mich, dass du da bist. Wie geht es dir denn? Du schaust gut aus!

Du nicht, Ludwig.

Fürchtest du dich?

Das brauchst du nicht.

Du ahnst gar nicht, wie still es dort ist.

Manchmal höre ich den Kanonendonner und das Hurra.

Aber der Doktor hat meine Fenster vergittert, damit niemand zu mir kann.

Wie ist der Gudden? - Man gewöhnt sich an ihn. Man gewöhnt sich.

Was soll ich denn tun, Bruder? - Dich fügen, Bruder.

Dich fügen.

Nein.

Majestät. Majestät, ich stehe vor der schwersten Aufgabe meines Lebens.

Majestät sind von vier Ärzten begutachtet und für krank erklärt worden.

Aufgrund des Urteils dieser Ärzte hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen.

Ich habe Befehle, Majestät nach Schloss Berg zu begleiten,

wo ärztliche Pflege Sie erwartet.

(Stille)

Du musst mir helfen, Karl. Bitte fahr mich zu ihm!

Helft mir doch! - Schloss Berg wird bewacht, du kannst nicht zu ihm.

Man kann später etwas versuchen.

Aber er erträgt das nicht. Er stirbt!

Ihr müsst ihn holen. Ihr müsst ihn befreien!

Er ist krank. - Nein. Er ist verzweifelt und unglücklich,

aber er ist nicht krank. Bitte, hilf mir doch!

Wir können es versuchen.

Wie geht es dem König? - Er steht am Fenster. Seit Stunden.

(Schritte nähern sich)

Was gibt's? - Ich bringe seiner Majestät die Speisekarte.

Ich gehe ohnehin hinein. Geben Sie her.

Ich tue das seit 15 Jahren, Herr Professor.

Verzeihung, Eure Majestät. Es ist Essenszeit.

Bitte, Majestät. Wollen Majestät nicht lesen?

Bitte, Majestät.

Très bien. Der Herr Professor wird so freundlich sein, mit uns zu speisen, ja?

Oh Majestät. Sehr schmeichelhaft.

Wissen Sie, Herr Professor, ich liebe diesen See.

Ich bin hier als Kind geritten. Ich möchte einmal wieder spazieren gehen. Bitte.

Aber gerne, Majestät. Vielleicht nach Tisch?

Nein, nein. Heute bin ich zu müde. Aber morgen. Ja.

In der Dämmerung. Morgen!

Was für ein Tag ist heute, Herr Professor?

Der 13. Juni, Majestät.

Der 13. Juni...

Ich habe beschlossen, am heutigen Tag ein neues Leben zu beginnen.

In Freiheit. In großer Freiheit.

Wie meinen Majestät?

In innerer Freiheit.

Majestät werden auch äußerlich von Dingen frei sein,

die Sie bisher bedrückt haben. - Das hoffe ich.

Haben Ihre Herren heute wieder Chloroform bei sich?

Majestät, das war eine reine Berufsroutine. Majestät... - Schon gut.

Was will er denn? Wir sollen zurückgehen.

(spannende Musik)

Hier ist die Stelle.

(Ludwig) Es ist heiß hier. Danke.

Majestät, wir müssen umkehren. Der Weg ist hier zu Ende.

(leise) Oh nein.

Hier fängt er erst an.

Majestät! (dramatische Musik)

Majestät! Majestät!

Majestät! Majestät!

Max!

Gudden!

Verzeih mir.

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