All language subtitles for Ludwig_II_1972_2DVD_5episodes_ArtHaus_PAL_25fps.GER

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Original subtitles

ERSTER TEIL

Ja, Vater, ich höre Sie.

Also, lass dich nicht vom Stolz verführen,

sondern fürchte vielmehr die Ehre!

Von jetzt an wird der Pfad zum Seelenheil viel dorniger für dich.

Ja, Pater.

Lerne, demütig zu sein.

Demut ist das Höchste, was ich dir wünschen kann.

Höre auf andere, auf die weisen und erfahrenen Männer um dich.

Folge ihrem Rat.

Denke immer daran:

Ein wirklich großer Mann übt sich in Bescheidenheit.

Und gibt nichts auf Ruhm und Ehre.

Ja, Pater.

Sie kennen die Qual, mit der ich diesem Tag entgegensah.

Aber nun ist es vorbei. Jetzt bin ich ruhig.

Ich weiß nun, wie ich meine Macht gebrauche.

Es kommt mir so einfach...

so schön vor. Ich kann bedeutende Männer an den Hof holen,

große Geister und Künstler.

Ich kann bescheiden ihre Hilfe erbitten.

Und sie errichten die Monumente meiner Herrschaft,

wie es bei den großen Herrschern der Antike geschah.

Und so werde ich ein besserer Mensch.

Mit Gottes Hilfe, habe Ehrfurcht vor Gott...

und diene dem Herrn.

Und nun, bist du bereit, deine Sünden zu bereuen?

0 Herr, vergib mir meine Sünden...

Es ist leider meine Pflicht, auch wenn es mir schwer fällt,

gemeinsam mit Ihnen die schwierige und schmerzhafte Frage zu erörtern,

ob unseres Erachtens nach unser Staatsoberhaupt...

noch in der Lage ist... unser unglückliches, armes, verachtetes,

verspottetes und geplagtes Bayern zu regieren.

Ohne das unerschütterliche Vertrauen seines Volkes zu verraten.

Es fällt mir so schwer,

weil ich einer der letzten bin,

einer der wenigen Minister, die ohne Unterbrechungen in ihrem Amt blieben,

seit jenem fernen Tage im Jahre 1864.

Seit dem Tage,

als wir uns alle voller Hoffnung und Erwartung versammelten,

um unserem jungen Prinzen zu applaudieren,

der gekrönt wurde und die Herrschaft über das Land übernahm.

Der Schatzmeister.

Und jetzt die Botschafter.

Seine Exzellenz, der Botschafter Preußens.

Sie entschuldigen, Hoheit.

In Namen des Vaters...

Im Namen des Vaters...

Seine Majestät ist fast fertig. - Sehr gut.

Noch einen Moment.

Danke.

Majestät, der König möchte Sie sehen.

Danke.

Champagner!

Fortfahren.

Erinnern Sie sich noch an unser Erstaunen, verehrte Kollegen,

als Ihre Majestät zum ersten Mal das Kabinett berief und verkündete,

nur eine Maßnahme habe absoluten Vorrang vor allem anderen:

Und zwar umgehend Meister Wagner zu finden...

um ihn davon zu überzeugen, sich in unserem Land niederzulassen.

Was ist das?

Die Berichte der Polizeibeamten, die Herrn Wagner suchen, Majestät.

Was hat die Polizei damit zu tun?

Ich bin kein Detektiv, Majestät. Herr Wagner ist nirgends zu finden.

Nicht in München, nicht in Wien und nicht in Neuchâtel.

Auch wenn er dort war, jedenfalls bis zur Ankunft unserer Agenten.

Wie der Bericht Nr.. 4 zeigt, ist er unterwegs nach Stuttgart.

Es fehlt nur noch die Bestätigung. - Wessen Bestätigung?

Die eines weiteren Polizisten? Ich hatte mich doch klar ausgedrückt.

Ich will Wagner nicht verhaften.

Im Gegenteil, ich bitte um die Ehre seines Besuches.

Ein so großer Dichter und Komponist wie Richard Wagner...

ist für uns von unschätzbarem Wert.

Man schickt doch nicht die Polizei, um meine Einladung zu überbringen.

Er ist sicher und mit Recht verärgert, deshalb entzieht er sich.

Wenn meine Informationen stimmen, fürchtet Wagner nicht unsere Polizei,

sondern seine Gläubiger.

Unsinn!

Wenn Wagner in Stuttgart ist, bringe ich ihm meine Einladung persönlich!

Darf ich daran erinnern, dass der Premierminister dringend empfiehlt,

nach Bad Ischl zu fahren.

Nicht nur der Kaiser und die Kaiserin von Österreich weilen dort,

sondern ebenso der Kronprinz von Italien und Preußen, die Zarewna...

Versteht der Premierminister nicht, dass unsere Freundschaft mit Wagner

weitaus wichtiger ist als der Kontakt mit all den Fürsten in Bad Ischl?

Ich fürchte, das versteht er nicht.

Dann bringen Sie's ihm bei.

Ich bleibe hier, bis Wagner gefunden ist!

Dann nehme ich das selbst in die Hand.

Es ist nur eine Geldfrage, bestimmt.

Wir dürfen keine Fehler mehr machen.

Wagner bekommt einen Brief von mir und ein Geschenk.

Ich hätte mich deutlicher ausdrücken sollen, Majestät,

Ich stimme Ihnen zu, ein Geschenk ist erforderlich.

Was den Besuch Eurer Majestät in Bad Ischl betrifft...

Wir haben uns lange nicht gesehen, mon cousin.

Manchmal zweifle ich an meiner Zukunft als Kaiserin.

Deshalb versuche ich mich als Zirkusreiterin.

Du hast dich sehr verändert.

Ma cousine.

Mon cousin. Wie lange ist es her, dass wir uns sahen?

5 Jahre.

Nein, mehr. 5 Jahre und 6 Monate.

Welch erstaunliches Gedächtnis!

Danke, bis morgen.

Ich bedaure, dass ich deiner Krönung nicht beiwohnen konnte, aber...

Warum eigentlich?

Es hieß, du seist krank.

Das stimmte nicht, ich wollte kommen,

aber als ich an die versammelte Verwandtschaft dachte...

So ging es mir heute Abend auch. - Wirklich?

Ich wollte zum Diner, als ich erfuhr, wo du warst.

Wer hat's dir gesagt?

Mein Generaladjutant, er weiß immer alles.

Er wusste, dass du heute nicht zum Diner kommen würdest,

wieder unter dem Vorwand, krank zu sein.

Er wusste auch, wo du warst.

Und so... kam ich hierher, um dich zu suchen.

Und gabst vor, krank zu sein, wie ich, nehme ich an.

Doch. Du hast dich verändert.

Du bist viel schöner. Europas schönster König!

Aber das ist kein großes Kompliment.

Wolltest du mir nachspionieren oder mich begrüßen?

Ich weiß nicht... beides.

Außerdem komme ich so um das Diner herum.

Ich bin die offiziellen Auftritte noch nicht gewöhnt, ich fliehe manchmal.

Aber du auch. - Ja, gewiss, ich fliehe auch.

Jedesmal, wenn ich will. Doch immer vor aller Augen!

Aber es stimmt. Du wirst mir immer ähnlicher.

Meinst du nicht?

Ich weiß nicht. Auch wenn es mich freuen würde.

Und dich? - Warum nicht.

Mich auch.

Gehen Sie ruhig ins Hotel, Gräfin Ferenczy.

Ich habe Begleitung, danke. - Gut, Hoheit.

Aber ich möchte noch nicht heimfahren. -Wie du willst.

Ich lasse mich von dir entführen. - Gewiss.

Eine Veränderung, welcher Art auch immer, ist eine Täuschung.

Neue Orte, neue Gesichter, neue Lebensgewohnheiten...

Das war viel für eine Frau wie mich, die ich von Natur aus neugierig bin.

Ich sehnte mich nicht einmal nach meiner Familie, anfangs.

Es gab so viel zu tun... einen Ehemann zu lieben...

bis mir klar wurde, dass er mit meiner Liebe nichts anzufangen wusste.

Und schon eine neue suchte.

Eine Schwiegermutter zu gewinnen,

bis ich erkannte, dass diese Frau hassenswert war.

Die mir sogar meine Kinder wegnahm. Meine Kinder...

Sie gab sie in die Hände von Erziehern, Generälen und Priestern.

So wurden auch sie mir fremd.

Irgendwann merkte ich,

dass mein "Zuhause" in Wirklichkeit ein düsterer, unheimlicher Palast war.

Darin eingesperrt hatte ich 10 Jahre ausgehalten? Entsetzlich!

Ich fühlte mich wie ein Schmetterling,

der vom Licht angezogen in ein Haus fliegt und darin gefangen bleibt.

Ich erwachte wie aus einem langen Schlaf, ich wurde krank vor Trauer.

Bis ich eines Tages floh.

Madeira... Korfu... Griechenland...

Italien... Italien...

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?"

Ich kann mich nur schützen, wenn ich davonlaufe.

Man nennt mich exzentrisch, aber so nannte man mich schon früher,

als sie merkten, dass ich die Hofburg hasse,

dass ich keinen Ehemann will, der immer fort ist

und nur an Kriege denkt!

Was ich auch tue, ich werde immer kritisiert.

Warum soll ich nicht tun, was ich will?

Man spricht nur mit größter Bewunderung von dir.

Ja.

Wenn ich die Verwundeten im Lazarett besuche, klatschen und weinen sie.

Für offizielle Besuche eigne ich mich vortrefflich,

schön sein und faszinieren. Was man auch von dir erwartet.

Wen willst du bezaubern? Den Zaren?

Ich höre, du sollst seine Tochter heiraten.

Das habe ich auch gehört.

Aber ich möchte noch nicht heiraten.

Ich bin erst 19. - Ich war 16 bei der Heirat.

Und nun sagt man, ich sei zu jung gewesen und langweile mich deshalb.

Man sagt, ich hätte viele Liebhaber, sogar unter meinen Reitknechten.

Was denkst du? Ist es wahr?

Jeder Mann muss sich in dich verlieben.

Sehr nett, aber keine Antwort! Ist es wahr oder nicht?

Ich hab's noch nie gehört.

Du willst nicht antworten.

Gut. Ich stelle dir eine andere Frage.

Was man über dich erzählt, stimmt das? - Was erzählt man denn?

Dass du noch nie eine Frau hattest.

Ich bin Katholik.

Ist das der Grund?

Man sagt, du wärst so gern allein und verachtest die Menschen.

Du würdest häufig nachts ausreiten, man nennt dich den Mondanbeter.

Ich tue dasselbe. Nur halte ich mich nicht für Siegfried.

Ich habe nie gedacht, ich sei Siegfried.

Bis heute Nacht nicht.

Weißt du, nur einmal fürchtet Siegfried sich.

Als er zum ersten Mal einer Frau begegnet.

Danke. Meine Herren!

Ma cousine?

Sie ist nichts Besonderes.

Wer?

Die Zarewna.

Du darfst sie nicht heiraten, ich verbiete es.

Ich gehorche. Du brauchst nur zu befehlen, ich gehorche immer.

Vorsicht, ich könnte das ernst nehmen.

Nein, du scherzt immer mit mir. - Du verstehst nicht.

Du bist sehr schön, aber nicht sehr intelligent.

Darum brauche ich dich.

Scheinbar nicht, du reist ja morgen ab.

Ich muss.

Vielleicht hört es auf zu schneien, in 3 Tagen ist Vollmond.

Ich werde allein sein.

Wir könnten nachts gemeinsam ausreiten.

Begleitest du mich?

Was gibt es so Dringendes in München?

Du verheimlichst mir etwas. Ich frage unseren Geheimdienst.

Seine Majestät reiste nach Bad Ischl, kurz nach Wagners Ankunft in München.

Seine unerwartet lange Abwesenheit ließ uns hoffen,

dass es der Tochter des Zaren...

gelungen war, den König von seinen theatralischen Plänen abzubringen.

Und auch von seinem geliebten Wagner,

der inzwischen überdeutlich gezeigt hatte, was er wirklich war:

Ein schrecklicher Profitmacher.

Meine Güte! Dieses Haus passt absolut nicht zu mir!

Alles muss neu eingerichtet werden.

Ich will andere Vorhänge... und ein neues Klavier.

Es müssen Möbel aus Wien kommen, für das, was mir hier nicht gefällt.

Es fehlt doch nichts. Ich finde es sogar zu schön.

Zu schön? Was soll das heißen, zu schön?

Nichts ist zu schön für ein Haus, in dem ICH arbeiten soll!

Bin ich ein Vagabund, der auf einem Lumpensack schläft?

Ich hasse jegliches Mittelmaß,

ich brauche das Beste, um arbeiten zu können.

Und noch mehr. Ich brauche Sicherheit.

Unsicherheit ruiniert meine Nerven, ich kann nicht mehr komponieren.

Was nützt die Hoffnung, dass mein Werk nach meinem Tod zu Ehren kommt?

Meine Opern sollen jetzt gespielt werden, wann und wie ich es will.

Sicher, aber das ist doch jetzt wunderbare Wirklichkeit.

Wirklichkeit! Du hast Recht.

Wunderbare Wirklichkeit! Dieses Haus, mein Gehalt...

und Tristan wird inszeniert. Armer Tristan, musste 6 Jahre warten.

Und bald haben wir das Theater meiner Träume, der König gibt mir freie Hand.

Ich habe Semper geschrieben, er kommt mit den Plänen her.

Wir müssen bald die Sänger für den Tristan engagieren.

Wird Mayr frei sein? Wenn nicht, wen schlägst du sonst vor?

Hoffentlich ist er nicht frei. Wir sollten einen anderen nehmen.

Mayr ist seit einiger Zeit...

Verzeih mir, aber wird es nicht Einwände gegen mich geben!

München hat genug gute Dirigenten.

Jemand von außerhalb, das wird ihnen nicht gefallen.

Aber mir gefällt's, und das ist entscheidend.

Der König lässt mir freie Hand, wie gesagt.

Er fiel mir fast zu Füßen, als wir uns das erste Mal sahen.

Er hat mich zutiefst bewegt...

Ein außergewöhnlicher Junge. Ich möchte euch ihm vorstellen.

Falls er je zurückkommt.

Er wollte nur einige Tage wegbleiben, jetzt sind's schon 3 Wochen.

Der Hof nutzt seine Abwesenheit, sie zahlen meine Rechnungen nicht mehr!

Der König muss sie erst genehmigen. Grotesk!

Er ist wie ein junger Gott,

doch leider umgeben ihn abgestumpfte Krämerseelen.

Die haben nichts übrig für mich. Ihr müsst also bei mir bleiben.

Frau von Bülow, haben Sie sich entschieden?

Kommen Sie mit mir, ich zeige Ihnen die anderen Räume.

Das stört dich doch nicht? - Natürlich nicht.

Werden die Kinder dich nicht stören?

Red keinen Unsinn, das Haus ist groß, die stören niemanden.

Bald gibt es hier noch ein Kind.

"Atmest du mit mir die süßen Düfte?

Geheimnisvoll berauschen sie den Sinn.

Geheimnisvoll sie nahen durch die Lüfte.

Fraglos geb ihrem Zauber ich mich hin.

So ist der Zauber, der mich dir verbunden.

Seit jenem Tage, als zuerst ich dich ersah.

Nicht deine Art ich brauchte zu erkunden.

Dich sah mein Auge und mein Herz, mein Herz begriff dich da."

Schön, das kann ich nachempfinden. Ohne die Musik zu vermissen.

Aber Wagners Poesie wirkt durch seine Musik.

Und seine Musik durch seine Poesie. Sie können nur gemeinsam existieren.

Und aus dieser kraftvollen Verschmelzung...

entsteht eine Sprache, die von allen Menschen verstanden wird.

Überall auf der Welt, von allen Menschen.

Eine Sprache zur Vermittlung großer Ideen.

Ich weiß nicht, wieso, aber ich weiß genau,

dass man seinem Volk kein größeres Geschenk machen kann,

als seinen Geist zu bereichern.

Was willst du aus Bayern machen? Ein Volk von Musikern?

Du machst dich lustig.

Das ist von großer Bedeutung, zumindest für mich.

Ich verdanke Wagner den Mut und den Glauben,

dass mein Leben Sinn haben kann, dass ich von Nutzen sein kann,

und sei es nur in der bescheidenen Rolle des Vermittlers.

Das alles verdanke ich ihm. So wie ich dir verdanke...

Was verdankst du mir?

Das Glück dieser letzten Tage,

in denen ich nur darauf wartete, dich wiederzusehen.

Ungetrübte, vollkommene Seligkeit.

Versprich, mir immer zu helfen, mich nicht zu verlassen.

Willst du? - Einverstanden.

Du bist ein Kind, Ludwig. Auch ein wenig verrückt.

Aber das ist unsere ganze Familie, ich auch.

Versprich, mich nie zu verlassen.

Dass ich dich sehen kann, wenn ich dich brauche,

wenn auch nur für einen Moment, ein Moment, der nur mir gehören soll.

Einverstanden. Auch wenn ich nicht weiß, wie das gehen soll.

Du in München, ich in Wien...

Ich erreiche dich, wo immer du bist.

Auch wenn du nie zu mir kommst, obwohl du oft in Possenhofen bist.

Und von jetzt an... Ich weiß, wann du kommen musst:

Zum Tristan von Wagner.

Unsere Oper wird endlich aufgeführt. Er wartet darauf seit 6 Jahren.

Und ich ermögliche es ihm, wie versprochen.

Du musst sie sehen. Sie ist wundervoll.

Du wirst alles verstehen, was ich versuchte dir zu sagen.

Dann verstehst du auch mich, was mit mir geschah in diesen Tagen.

Danach, wenn wir einen Moment allein sind,

wirst du nur sagen: Ich habe verstanden.

Weißt du, wo ich auf dich warte?

Damals, vor 5 Jahren, auf der Roseninsel...

Wenn die Fahne aufgezogen ist, warte ich.

Weißt du noch? Komm!

Du musst es versprechen. Tristan...

ist wie ein Himmel aus harmonischen Klängen,

in den man versinkt wie in eine Umarmung.

Elisabeth! - Sophie.

Wo warst du? - Wann seid ihr gekommen?

Spät. Die Ferenczy sagte, du würdest ruhen und sie dürfe nicht stören.

Es sei deine Anordnung.

Man darf nichts darauf geben, was die dumme Ferenczy sagt.

Nun ja, ich fühlte mich nicht besonders gut.

Könnte man sagen.

Aber wo warst du? - Ich bin ausgeritten.

Ganz allein? - Aber natürlich.

Ich hatte meinen Stallburschen mit. Beruhigt?

Komm, hilf mir beim Ausziehen.

Du bist genau richtig.

Du bist sehr hübsch.

Wirklich?

Und in diesen Tagen musst du besonders hübsch sein.

Warum?

Jemand wartet auf dich. - Auf mich?

Er hat seine Abreise um 15 Tage verschoben, um dich wiederzusehen.

Wer?

Wer ist es?

Wen würdest du dir wünschen?

Ich weiß nicht...

Er ist schön, er ist König, und er wird dein Ehemann.

Aber wer? - Ludwig.

Ja, natürlich. Unser Cousin.

Ludwig.

Ludwig...

Ihre Majestät bedauert, sie fühlt sich nicht wohl und möchte nicht ausreiten.

Aber sie bittet Sie heute Abend zum Essen in ihre Privatgemächer.

Danken Sie ihrer Majestät, es wird mir eine Freude sein zu kommen.

Mein Pferd!

Ma kante. Majestät.

Marie.

Carl-Theodor.

Majestät. - Sophie.

Mathilde.

Helene.

Maximilian.

Ich wusste nicht, dass Sie mit der ganzen Familie gekommen sind.

Sie kennen doch Elisabeth und ihr Heimweh.

Plötzlich vermisst sie ihre Geschwister,

wir mussten natürlich sofort herbeieilen.

Sie sehen sehr gut aus. - Danke, die Luft hier tut so gut.

Wir haben lange nichts von Ihrer Mutter gehört, wie geht es ihr?

Mon cousin.

Mein Kurier hat sie von Schloss Berg, ich wusste, sie gefallen dir.

Wie wundervoll sie duften.

Sophie, riech mal.

Ja, wundervoll.

Ich habe Sie lange nicht gesehen. - Ich freue mich, hier sein zu können.

Geht es Ihnen gut? - Sehr gut, danke.

Eine so glänzende Gesellschaft gab es in Bad Ischl schon lange nicht mehr.

Elisabeth erzählte, dass die Zarewna hier ist.

Und der Kronprinz von Preußen.

Der Kaiser wird auch bald kommen. N'est-ce pas, Elisabeth?

Ja, Franz hat telegrafiert, er will so schnell wie möglich hier sein.

Ein richtiges Familientreffen, nicht wahr?

Euer Majestät taten recht daran, mit Elisabeth darüber zu sprechen.

So werden alle Sophies Anwesenheit für normale Ferien halten.

Sophie. «Ja?

Sophie bewundert Wagners Musik mindestens so sehr wie du.

Ihr beide hättet sehr viel Gesprächsstoff zusammen.

Leider muss ich diesem Vergnügen entsagen.

Ich will mich nur verabschieden. Ich muss morgen in München sein.

Ich reise heute Nacht.

Tante, entschuldigen Sie mich.

Ludwig.

Ich danke dir für das Glück dieser Tage.

Ich warte auf dich.

Auch wenn du nichts versprochen hast.

Du musst zum Tristan kommen. Wenn du Wagners Musik hörst,

wirst du alles verstehen, was ich versuchte, dir zu sagen.

Dann verstehst du vieles von mir. Du musst kommen!

ENDE TEIL 1

ZWEITER TEIL

Die Uraufführung des Tristan von Richard Wagner im Juni 1860

kostete die Staatskasse eine Unsumme.

Obendrein griff der König tief in seine Privatschatulle,

um mit Pomp und Fracht Kaiserin Elisabeth zu empfangen,

die allerdings dem Ereignis fernblieb,

und so alle ihre Missbilligung spüren ließ.

Ich hasse es, wenn jemand auf mich wartet.

Ich hasse zu enttäuschen, falsche Hoffnungen zu wecken.

Ich hatte keine Hoffnungen.

Denn du bist nicht zur Aufführung des Tristan gekommen.

Es war ein Triumph.

Der Applaus des Publikums schien nicht enden zu wollen.

Als Wagner dann auf die Bühne kam, sagte er...

Ich wünschte, ich könnte es wörtlich wiederholen.

Wie Tristan und lsolde... - Wie viel hat das gekostet?

Was? - Wagner und der Dirigent samt Familie,

ein Haus für Wagner und den Dirigenten samt Familie.

Das ist doch unwichtig. Es war ein Triumph.

Triumphe sind schnell vergessen oder werden später heftig kritisiert.

Aber hier gab es die Kritik schon vorher.

Du...

Du kümmerst dich plötzlich um so ein gehässiges Geschwätz?

Ja, wenn es berechtigt ist.

Was willst du eigentlich?

In die Geschichte eingehen, mit Hilfe Wagners?

Wie meine Schwiegermutter mit ihren Malern?

Wenn dein Wagner so großartig ist, braucht er deine Hilfe nicht.

Er gibt dir nur die Illusion, etwas Wichtiges geleistet zu haben,

so wie ich dir die Illusion einer Liebe gebe.

Du darfst nicht allein bleiben.

Meine unerreichbare Liebe

willst du als Selbstbestätigung.

Du brauchst Hilfe, die ich dir nicht geben kann.

Heirate!

Heirate Sophie!

Aber ich habe nie eine andere Frau geliebt...

Nur dich.

Liebe ist auch Pflicht.

Und deine Pflicht ist es, Wirklichkeit zu schaffen.

Vergiss die Träume von Größe.

Herrscher wie wir haben keine Geschichte.

Wir sind nur noch Pomp. Man wird uns schnell vergessen.

Es sei denn, jemand ermordet uns.

Das ist die Musik, die das deutsche Volk liebt, nicht meine.

Die Münchner Zeitungen greifen mich nun täglich an.

Lesen Sie sie nicht mehr. Ich befehle, dass man Ihnen keine mehr bringt.

Verbieten Sie mir doch auch, auf die Straße zu gehen.

Dort beschimpft man mich.

Im Grunde würde ich Sie gerne gefangen halten.

Dann wüsste ich, dass Sie arbeiten.

Für sich und für mich.

Manchmal zweifle ich an meiner Kraft.

Ihnen muss ich vertrauen können. - Manchmal fürchte ich das Leben.

Das Leben, so wie es war, ehe ich Sie traf.

Wir haben keine Logen vorgesehen.

Der Saal ist wie ein Amphitheater.

Die Zuschauer bilden eine ideale Gemeinschaft, ohne Ränge.

Das Orchester liegt unsichtbar unterhalb der Bühne.

Die gesamte Beleuchtung ist neu.

Der Zuschauer soll sich auf die Bühne konzentrieren.

Wir tauchen das Haus in völliges Dunkel.

Wie viele Plätze wird es geben? -1.500 oder 1.700.

Semper weiß es noch nicht. Ich hätte am liebsten 2.000.

Aber wegen der Kosten baut man sicher ein kleineres Theater

oder bläst alles ab.

Warum denken Sie das? - Weil es so enden wird, ganz sicher.

Denken Sie nur an den Tristan!

Was für ein Gerede gibt erst ein neues Theater!

Sie werden mich wegen Raubes verhaften.

Wie kann man für so ein Publikum arbeiten!

Große Denker erkennen den Wert der Musik.

Aber hier wird jeder Kreuzer gezählt,

für Tenöre, Soprane, Orchester...

Das ist doch nur ein Vorwand. - Nein, es ist Sturheit.

Tristans Erfolg gab mir so viel Hoffnung.

Aber diese Angriffe gelten auch Euch, Majestät.

Sie sind traurig, ohne Enthusiasmus.

Ich? Ganz und gar nicht. Das dürfen Sie nicht sagen.

Aber ohne Sie wäre ich wirklich verzweifelt.

Sie sind meine Rettung, mein Trost!

Ich werde all meine Kraft für dieses Theater einsetzen.

All meine Liebe.

Verzeihen Sie, aber es wird dunkel.

Fanny traute sich nicht herein, um die Lampen anzuzünden.

Nein, Sie müssen uns verzeihen.

Darf ich Ihnen Tee servieren? da, bitte.

Meister, möchten Sie sich nicht etwas ausruhen?

Milch, Majestät? da, bitte.

War Ihnen nicht gut? - Nein, es ist nichts.

Warum hat man mir nichts gesagt?

Danke.

Ich hätte warten können. - Es geht mir bestens.

Das stimmt nicht!

Jeder Mensch mit sensiblen Nerven hat seine Hochs und Tiefs.

Kopfweh ist kein Weltuntergang.

Verzeihung, aber es geht nicht nur um Kopfweh, der König sollte das wissen.

Ich bitte Sie, um was genau geht es?

Es ist nichts.

Nein.

Ich kann nicht viel sagen, ich lebe noch nicht lange hier.

Doch ich muss meinem Mann zustimmen,

der ein alter Freund des Meisters ist.

Der Meister ist niedergeschlagen, aber so schlimm war es noch nie.

Außerdem plagen ihn Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.

Aber ich fürchte, Medizin wird nicht helfen.

Man muss den Ursachen auf den Grund gehen.

Er soll sich nicht über den Klatsch ärgern.

Verzeiht, aber es ist nicht das Geschwätz, das ihn sorgt.

Und auch nicht das Theaterprojekt.

Er sorgt sich um die Zukunft.

Er befindet sich in einer peinlichen Situation.

Finanzielle Verpflichtungen, gewisse Schulden...

Verzeihen Sie, Meister, aber Majestät bat mich, offen zu sein.

Aber das ist vorbei, Sie haben doch mich.

Gewiss, Majestät.

Aber... ich muss zugeben, der Meister hat Recht.

Als Gast ist man nie besonders sicher.

Er ist doch kein Gast!

Er bezieht ein Gehalt wie alle meine Mitarbeiter.

Wie mein wertvollster Mitarbeiter.

Warum darüber reden? - Weil es wichtig ist.

Sie denken ständig daran. Seien wir doch offen.

Madame von Bülow!

Ich werde mich mit Frau von Bülow unterhalten.

Meine Verbündete wird mir verraten, wie mein Freund wieder Ruhe findet.

Bitte, bleiben Sie. Ich weiß den Weg.

Lassen Sie mir die Freude, mich hier zu Hause zu fühlen.

Ich begleite Euch hinaus.

Ich sage Euch, was ihm fehlt.

Er möchte Euch in einem Brief um etwas bitten, sagte mir mein Mann.

Der Meister hätte gern eine Summe,

mit der er seine Schulden begleichen und ruhig in die Zukunft schauen kann.

Andernfalls wird er München verlassen. - O nein!

Er benötigt 200.000 Gulden.

200.000? - Gulden.

Die Hälfte sofort, den Rest in monatlichen Teilbeträgen.

Ich müsste um ein Darlehen aus der Staatskasse bitten.

Und ich benötige die Zustimmung von Pfistermeister und von Forte.

Ich sende dem Meister eine Antwort.

Erst versprechen sie den Himmel auf Erden, schwören Liebe, und dann?

Sind das die großen Mäzene von heute? Dieser Gernegroß!

Sprössling einer launischen Familie!

Er gibt dir alles, was du verlangst.

Meine Liebste... Cosima!

Liebling!

Was ist das für ein Land?

Ein Polizeistaat?

Pfistermeister lädt meine Gäste durch die Polizei ein

und lässt sie bespitzeln.

Und ihre Briefe werden hierher gebracht wie Trophäen.

Das ist beleidigend!

Das sind normale Vorsichtsmaßnahmen, Majestät.

Sie sind angeraten,

weil Wagner ein Fremder mit dem Ruf eines Revolutionärs ist.

Wenn Wagner kein Künstler wäre,

wäre er ein Heiliger.

Er hat eine befreiende, reine Moral. Seine Kunst erleuchtet.

Sie ist das Gegengift für die Korruption unserer Gesellschaft.

Richard Wagner wird in die Ewigkeit eingehen,

weil seine Kunst absolute Wahrheit ist.

Ein Künstler hinterlässt uns nicht seine Schwächen.

Sondern sein Werk.

Eure Majestät haben sicher Recht.

Aber, wenn ich das sagen darf,

es ist gefährlich, den Gesetzeshütern zu erlauben, Ausnahmen zu machen.

Sie sehen die Dinge anders.

Für sie ist Richard Wagner

nur ein Mann, der Steuergelder verschwendet.

Madame von Bülow ist keine Muse,

sondern Ehebrecherin.

Ihr Gemahl ist ein Opportunist, der so tut, als wisse er nichts

von ihrem Verhältnis zu Wagner, weil er um seinen Posten fürchtet.

Das sind nichts als Verleumdungen!

Nein, es ist die Wahrheit. Das zeigen diese Briefe eindeutig.

Majestät sollten sich über eines klar sein:

Wagners Gegner verstehen vielleicht nicht viel von Kunst,

aber Lügner sind sie nicht.

Herr Wagner und die Bülows warten im Vorzimmer.

Sie bitten darum, empfangen zu werden.

Nein.

Ich lasse bitten.

Eure Majestät...

erwartet Sie.

Danke.

Majestät hatte mir geraten, mich nicht um den Klatsch zu kümmern.

Die Kritiken, die Angriffe, die Anspielungen und Beleidigungen...

Ich bin Eurem Rat gefolgt, habe alles schweigend hingenommen.

Und ich würde weiter schweigen, ginge es nur um mich.

Aber jetzt geht es nicht mehr nur um mich.

Im Volksboten stand,

meine Frau wäre die Geliebte Richard Wagners.

Ich habe den Verleger zum Duell gefordert.

Das ist sehr ernst, Majestät.

Ja, das stimmt. Sehr ernst.

Denn wir stecken unter einer Decke.

Herr von Bülow weiß, dass seine Frau Wagners Geliebte ist,

tut aber so, als hätte er keine Ahnung,

aus Angst um den einträglichen Posten als Dirigent von Wagners Opern.

Und ich weiß ebenfalls Bescheid.

Weil mein Freund Wagner mir nichts verheimlicht.

Mir, seinem Freund und Gönner!

Besonders in einer so wichtigen Sache, die nicht nur ihn privat betrifft,

sondern auch die Öffentlichkeit.

Ich,

Freund, Bewunderer und Vertrauter!

Natürlich bin ich der Komplize meines geliebten Künstlers.

Diese Verleumdung ist widerlich, unverzeihlich.

Nur Eure Majestät kann das bereinigen.

Würden Majestät Herrn von Bülow einen Brief schreiben,

nur ein paar Zeilen der Achtung und Freundschaft,

und würde dieser Brief in den Zeitungen veröffentlicht...

Lohengrin muss kämpfen, um Elsa zu retten.

Es ist leichter, sich zu duellieren, als einen Brief zu schreiben.

Wenn es Euch recht ist, ich habe einen Entwurf vorbereitet.

Lieber Herr von Bülow,

Da ich den edlen Charakter Ihrer Gemahlin schätzen gelernt habe...

In Ordnung!

Ich verstehe.

Ich schreibe ihn ab und übersende ihn morgen.

Soll ich nicht den Rest vorlesen? - Nein, nicht nötig.

Er ist sicher vortrefflich.

Majestät, ich bin so dankbar.

Ich tue nur meine Pflicht.

Wagner weiß, wie sehr ich wahre Freundschaft schätze.

Seine Majestät hat mich beauftragt, Sie anzuweisen,

München so schnell wie möglich zu verlassen.

Hier ist das Schreiben Seiner Majestät.

Lieber Freund,

Obwohl es mir sehr wehtut, muss ich Sie bitten,

dem Ersuchen von Herrn Minister Lutz zu folgen.

Meine Liebe zu Ihnen ist unendlich.

Bitte bewahren Sie Ihre Freundschaft zu mir.

Ich konnte nicht anders handeln.

Bis in den Tod, Ihr getreuer Ludwig

Sag jetzt nichts.

Seine Majestät, der König von Bayern,

ließ Ende 1866 eine gewisse seelische Instabilität erkennen.

Und zwar schon vor unserem Eintritt in den unseligen Krieg.

Seine gegenüber der Regierung eingenommene Haltung,

welche unser Bündnis mit Österreich unterstützte,

verursachte im Volk gefährliche Unzufriedenheit.

Meine Herren, Sie müssen noch warten.

Ihre Hoheit wird im Schloss erwartet.

Herein!

Majestät, Seine königliche Hoheit Prinz Otto!

Sind sie wütend?

Nein, sie warten. Sie glauben, du bist nicht da.

Lass sie warten!

Heute Abend fahren wir nach München zurück.

Und morgen...

Morgen gehe ich wieder an die Front.

Belastet es dich sehr?

Ja, es belastet mich. Der Geruch, der Schmutz!

Die Schreie der Soldaten, wenn sie ohne Chloroform operiert werden.

Was wollen sie von mir? - Du sollst nach München zurück!

Du bist der König.

Ludwig!

Wir verlieren den Krieg.

Schau, die vier Mondviertel!

Früher waren wir nachts immer Fischen.

Du warst wütend, weil ich mehr fing. - Weil ich der König war.

Ich wollte diesen Krieg nicht.

Ich will, dass es alle wissen. Sie sollen es endlich einsehen.

Ja.

Was hast du?

Ich weiß nicht... Meine Augen brennen so.

Vielleicht, weil ich nicht schlafen kann.

Und wenn ich schlafe,

träume ich, ich könnte die Augen nicht schließen.

Dann liege ich da und schlafe, aber es ist, als wäre ich wach.

Meine Augen sind weit offen, und sie stechen.

Es geht dir nicht gut.

Bleib doch in Berg, bei mir.

Ich kann nicht. Das weißt du.

Ich muss zurück an die Front.

Das bin ich unseren Verbündeten schuldig.

Sie sind schließlich unsere Verwandten.

Auch unsere preußischen Feinde sind mit uns verwandt!

Bei uns bleibt alles in der Familie,

Krieg führen, heiraten, Kinder zeugen.

Lauter lnzeste und Brudermorde!

Ohne zu wissen, warum.

Du als König hättest den Krieg verbieten müssen.

Das habe ich. Ich habe mein Möglichstes getan.

Für mich existiert dieser Krieg nicht!

Sag den Generälen, dem König ist der Krieg unbekannt.

Wer ist da?

Wer bist du? - Ich bin's, Volk.

Warum bist du nicht im Schloss?

Wer hat dir erlaubt, dich zu entfernen?

Ich dachte, Majestät brauchen mich nicht mehr.

Ein Lakai verlässt die Gemächer nicht.

Wusstest du das nicht?

Doch, Majestät.

Und trotzdem bist du hier. Hast deinen Posten verlassen...

und badest. - Ich konnte nicht schlafen.

Und wenn die Wachen dich überrascht hätten?

Ich höre sie ja kommen, dann verstecke ich mich im Schilf.

Kannst du schwimmen? - Etwas.

Aber ich schwimme nicht weit hinaus, besonders nicht, wenn ich allein bin.

Frierst du? - Doch, ein bisschen.

Nimm das.

Hilf mir!

Hilf mir, bitte!

Hilf mir!

Die Angelegenheit ist äußerst wichtig.

Hauptmann Dürckheim bittet, empfangen zu werden.

Herein!

Wir sind besiegt, Majestät.

Wir haben kapituliert.

Hatten Sie schwere Verluste? - Nein.

Majestät, der Feind war in der Übermacht.

Die Truppe war demoralisiert.

Unsere Verluste sind nicht allzu groß.

Aber eine Fortsetzung hätte ein sinnloses Massaker bedeutet.

Ich bin froh, dass es vorbei ist.

Und dass es nicht lange gedauert hat. - Sieben Wochen, Majestät!

Eine Ewigkeit für alle, die dabei waren.

Und mein Bruder Otto?

Prinz Otto ist in München. Er ist sehr niedergeschlagen.

Sie mögen ihn gern, nicht wahr, Dürckheim?

Ja, sehr gern.

Otto wird Ihr König sein.

Schon bald.

Weil...

ich...

Seine Hoheit Prinz Otto ist schrecklich unglücklich.

Er ist so jung.

Aber seine Existenz scheint verbraucht,

ohne dass er sie gelebt hat.

Seine Pläne ersticken in Enttäuschungen.

Er ist erfüllt von Trauer und Angst.

Er lebt in Einsamkeit.

Er schläft nie mehr als zwei Stunden. Er findet nie Ruhe.

Er hat verzweifelt nach dem Glück gesucht,

dort, wo es unmöglich ist.

Er sucht nach Sicherheit

außerhalb der gesellschaftlichen Regeln.

Warum nicht?

Die Welt um uns herum ist unerträglich kleinlich.

Die Menschen träumen nur von materieller Sicherheit.

Dafür setzen sie sogar ihr Leben ein.

Aber ich will frei sein, um das Glück im Unmöglichen zu suchen.

Doch anders als mein Bruder

will ich meine Ideen in die Tat umsetzen.

Ich wollte diesen dummen Krieg nicht.

Ich bin kein Feigling.

Ich hasse Verlogenheit.

Ich will ehrlich leben.

Vergebt mir, Sire.

Erlaubt einem einfachen Mann, seine Meinung vorzutragen.

Ihr habt gesagt, Ihr wollt ehrlich leben.

Aber Ihr meint,

als freier Mensch, der nur seinen Vorstellungen folgt,

ohne Heuchelei und Lügen. Habe ich Recht?

Die Wahrheit, meiner Meinung nach,

hat mit der Suche nach dem Unmöglichen nichts zu tun.

Diese Freiheit, die ein Privileg von wenigen ist,

hat nichts gemeinsam

mit der wahren Freiheit.

Der Freiheit, nach der alle Menschen streben

und auf die jeder ein Anrecht hat.

Wir leben in einer Welt ohne Unschuldige.

Niemand darf den Richter spielen.

Ich spreche als Freund.

Das Wohlwollen, das Majestät mir in der Jugend entgegenbrachte,

gibt mir den Mut...

offen von Mann zu Mann zu sprechen.

Ich bin ein Soldat, den man in der Schlacht allein gelassen hat,

im Moment der Gefahr.

Aber ich fühle weder Zorn noch Verachtung

für den Souverän, der mich im Stich ließ.

Ich empfinde tiefes Mitleid.

Mein König glaubt, er beweist Mut, aber er irrt sich.

Er meint, das Glück sei außerhalb der menschlichen Pflichten zu finden.

Wer das Leben liebt, darf es nicht mit Unmöglichem vergeuden,

sondern muss es mit Umsicht meistern.

Auch ein Herrscher!

Denn seine große Macht bleibt immer beschränkt...

durch die Grenzen der menschlichen Gesellschaft, zu der auch er gehört.

Wer wird ihm je über diese Grenzen folgen können?

Wer?

Sicher nicht die wehrlosen Menschen, die nur eines suchen:

Ein wenig Sicherheit materieller und moralischer Art.

Von diesen Menschen sprach Eure Majestät mit Verachtung.

Folgen werden nur die,

für die Freiheit die Aufforderung ist, sich der Lust hinzugeben, ohne jede...

moralische Hemmung.

Nein!

Das können Sie nicht wollen.

Es wäre ein Tross von gemeinen Lakaien, Ausbeutern und Gauklern.

Nein, Eure Majestät kann solch Gesindel nicht schätzen.

Es würde Ihre Großzügigkeit ausnutzen und Sie betrügen.

Ein junger Mensch, der sein Leben noch vor sich hat,

muss ihm doch einen anderen Sinn geben.

Auch wenn es schwer fällt, dieser Sinn des Lebens der einfachen Leute,

welche die Mittelmäßigkeit hinnehmen. Das zu ertragen, verlangt viel Mut,

besonders wenn man Ziele verfolgt, die nicht zu dieser Welt gehören.

Aber es ist die einzige Hoffnung, sich aus der Einsamkeit zu retten.

Ich muss meine Mutter sprechen. - Ihre Majestät ruht.

Weck sie! Sofort!

Beeil dich!

Ihre Majestät erwartet Sie, Majestät.

Entschuldigt die frühe Störung, aber ich muss Euch etwas mitteilen.

Ich habe beschlossen zu heiraten.

Ludwig!

Ich wusste, Ihr würdet es begrüßen.

Wollt Ihr nicht fragen, wer es ist?

Ich habe erwartet, dass Ihr mich informiert.

Ich habe volles Vertrauen in die Wahl Eurer Majestät.

Ich möchte, dass Ihr Euch sofort nach Possenhofen begebt

und Herzogin Ludovica um die Hand von Prinzessin Sophie bittet.

Sophie?

Sophie ist die ideale Frau für Euch.

Ich habe Pater Hoffman hergebeten. Bitte empfangt ihn gleich.

Teilt ihm meine Entscheidung mit.

Er soll Euch begleiten, da Prinzessin Sophie Katholikin ist.

Ludwig'. - Au revoir, Madame.

Majestät... - Meinen Morgenrock, schnell!

Beeil dich!

Sag Bescheid, Pater Hoffman soll sofort zu mir geschickt werden.

Pater Hoffman ist schon da.

Majestät!

Was ist? - Haben Sie meinen Sohn gesehen?

Ja, gerade als er ging.

Aber er hat nichts gesagt, er schien sehr...

Glücklich!

Er ist ganz außer sich vor Freude.

Ludwig will heiraten. Er bat mich, es Ihnen zu sagen.

Sie sollen mich begleiten.

Und das ist richtig, denn die Prinzessin ist katholisch,

die Bitte einer Protestantin würde nicht reichen.

Er will sich vermählen?

Mit Sophie, Elisabeths Schwester.

Ist das nicht wundervoll?

Es ist, als ob ich aus einem Alptraum erwachte.

Wozu Sie nicht allzu viel beigetragen haben.

Nehmen Sie Platz. - Danke sehr.

Es ist für Sie sicherlich eine große Beruhigung.

Ich hoffe nur,

dass Seine Majestät... ein stabiles Gleichgewicht gefunden hat.

Viele junge Menschen brauchen lange, um ausgeglichen zu werden.

Seelische Harmonie... - Er hat es gefunden.

Das Wichtigste ist, dass er heiratet.

Ich bin erstaunt, dass Seine Majestät nie mit mir darüber gesprochen hat.

Es ist zu hoffen, dass er sich diesen Schritt,

den er zu tun gedenkt, gut überlegt hat.

Denn dies ist eine Entscheidung, die nicht nur ihn selbst betrifft,

sondern auch seine Gefährtin, die, mit dem Segen des Herrn...

Bitte, das reicht.

Das Wichtigste ist, dass die beiden so bald als möglich heiraten.

Das haben wir doch alle gewünscht, nicht wahr?

Es ist ein große Beruhigung für uns und das Volk.

Es ist aber ein päpstlicher Dispens erforderlich,

da die beiden so eng miteinander verwandt sind.

Natürlich, aber da wird es keine Schwierigkeiten geben.

Die Eltern waren auch Cousin und Cousine.

Richtig.

Deshalb gibt es in den Häusern Wittelsbach und Hohenzollern

auch so viele Fälle von Anomalien.

Aber die junge Sophie erfreut sich ja bester Gesundheit.

Und der König hat auch nie Anlass zur Besorgnis gegeben.

Doch wäre es ratsam, auf seine Scheu Rücksicht zu nehmen.

Sophie könnte ihm sicherlich behilflich sein, mit dem nötigen...

Genau wie ihre Schwestern,

wird auch Sophie lernen,

dass eine Frau ihres Standes nicht nur Rechte und Privilegien genießt,

sondern auch Pflichten hat.

Viele Pflichten...!

DRITTER TEIL

Meine Liebe!

Bist du glücklich? da, sehr.

Das ist einer der schönsten Tage meines Lebens.

Diese Familientreffen sind doch sehr ermüdend.

Alles, alles Gute!

Ich bin sehr glücklich, wirklich!

Danke, Otto.

Bravo, Otto! Du bist immer so lieb.

Elisabeth! - Sophie!

Mathilde! Ma tante! - Elisabeth!

Maman!

Ich freue mich auch sehr. Glückwunsch, man beau-fraire.

Mein lieber Otto! Wie lieb du bist.

Alle sind glücklich!

Und der Bahnhof ist wundervoll geschmückt.

Pater.

Ihr hättet nicht gedacht, dass ich kommen würde.

Ich auch nicht. Alles ist immer so kompliziert.

Ich habe gehört, dass große Arbeiten in der Residenz stattfinden?

So wird auch dieses alte Gebäude renoviert. Wer kümmert sich darum?

Sophie? Sag doch was! Sie ist nicht wie ich.

Ich kann erst hinterher sagen, ob mir etwas gefällt oder nicht.

Ich muss unbedingt etwas Heißes trinken.

Danke. Es geht schon.

Ich könnte sterben für eine Tasse Tee.

Aber wir werden nicht in der Residenz wohnen.

Ach nein? - Nur für kurze Zeit.

Nur solange wie nötig, bis das neue Haus fertig ist.

Was ist denn das?

Damit beschäftige ich mich schon länger.

Ich möchte ein Schloss bauen.

Kennst du noch das Graswangtal bei Oberammergau?

Es gibt noch eine Stelle, die ich genauso liebe.

Vielleicht sogar noch mehr.

Herrenchiemsee.

Ich bin mir noch unsicher.

Wir könnten morgen zusammen dorthin, zu Pferde.

So wie in Bad Ischl.

Es wird nicht sehr anstrengend, im Gegenteil.

Und du kannst mich beraten.

Morgen bin ich nicht mehr hier... Leider. Ich reise weiter nach Zürich.

Ich bin nur gekommen, um Sophie zu umarmen,

und euch beiden die Glückwünsche von Franz zu überbringen...

und von mir natürlich.

Aus Anlass seiner Vermählung erteilte der König den Auftrag

zum Bau der unseligen Schlösser.

Ich übernahm die delikate Aufgabe, Seiner Majestät

zu einer Erfahrung zu verhelfen, die ihm bisher völlig unbekannt war.

Es war alles so kompliziert.

Sie haben...

Sie haben mir viel von Euch erzählt und eine Unmenge Ratschläge gegeben.

Wer?

Nachdem Seine Majestät mich im Theater zum Diner einladen ließ,

war ich plötzlich Mittelpunkt einer Staatsaffäre.

Kutschen mit heruntergelassenen Vorhängen!

Man brachte mich in ein offizielles Gebäude.

Und dann?

Wollt Ihr es wissen? Ihr seid neugierig!

Danke.

Da waren ein paar Herren.

Einer war vom Erzbischof geschickt.

Unglaublich indiskret!

Und ein anderer kam von...

Ihrer Majestät, der Königinmutter.

Mein Gott, Majestät, ist es immer so kompliziert,

wenn ein König Lust auf Liebe verspürt?

Für uns Schauspieler ist das so einfach!

Da genügt ein Blick... eine Geste...

Auch das hat man mir gesagt: Ihr seid sehr schüchtern.

Man hat mich über alles ausgefragt.

Auch über meine Gesundheit.

Tatsächlich? - Es war unanständig, ein Skandal.

Und schließlich...

beschworen sie meine Diskretion.

Die jedoch nicht für sie gelten soll... natürlich.

Sie wollen genau wissen, was passiert ist.

Erzählen Sie's?

Mit Eurer Majestät Erlaubnis werde ich sie beschwindeln.

Sie sind zu indiskret,

zu neugierig.

Wir könnten uns lieben und sagen,

es war nichts.

Oder wir könnten es lassen und sagen, es war was.

Wir dürfen sie nicht enttäuschen.

Erzählen Sie was ganz Entsetzliches! - Ich sage, Ihr habt mich verprügelt.

Werden sie es glauben?

Majestät, ich bin Schauspielerin!

Die Wahrheit ist doch, dass Sie zu ihnen gehen,

und alles haarklein erzählen werden, was nicht passiert ist zwischen uns.

Nein! Nein!

Dafür bezahlt man Sie, und dafür tun Sie es.

Nein, Majestät, nein. - Doch.

Ich bin mir sicher.

Warum auch nicht?

Wenn Sie es nicht tun, tut es morgen eine andere.

Glauben Sie, ich wüsste nicht, was um mich vorgeht?

Ich weiß es.

Ich bin umgeben von Leuten, die alles beobachten, was ich tue.

Nicht, um mich zu schützen, sondern um mich zu ruinieren.

Ich habe noch keine Ahnung, wie sie das erreichen wollen.

Aber ich weiß genau, dies ist ihr Ziel.

Ich kann nur zusehen,

fasziniert...

wie sie mich langsam einkreisen.

Es ist, als wäre ich Zeuge,

wie sie für mich den Galgen errichten.

Nein, das stimmt nicht, Majestät.

Gehen Sie, lassen Sie sich von ihnen bezahlen!

Lassen Sie sich gut bezahlen, mehr als Sie verdienen!

Gehen Sie!

Hure! - Majestät! Warum denn?

Verzeihen Sie mir!

Majestät, Hilfe!

Fischt Madame von Buljowski heraus und schickt sie heim, sofort!

Majestät, helft mir!

Diese Juwelen tragen die Königinnen von Bayern seit 700 Jahren.

Aber ich habe ein viel schöneres Geschenk.

Es bleibt ein Geheimnis.

Du wirst Richard Wagner kennen lernen.

Unsere Verlobung ist anstrengender als ein Feldzug.

Ein wahres Martyrium, das Sophie ohne Klagen erträgt.

Sie ist die perfekte Verlobte.

Und sie liebt Ihre Musik.

Wissen Sie, wovor sie Angst hat?

Ich könnte Sie bitten zu singen.

Sie fürchtet sich vor Ihrer Kritik.

Nicht nur als Sängerin, auch als Verlobte!

Sie glaubt, ich stelle Sie Ihnen nur vor, um Ihr Urteil zu hören.

Wann kommen Sie wieder? - Bald.

Und dann nicht mehr heimlich in der Nacht,

sondern mit meiner Frau und der neuen Oper für das neue Theater.

Das wird meine Bitterkeit und Einsamkeit vertreiben.

Sophie ist entzückend.

Sehr lieb, sehr sanft.

Zum ersten Mal sehe ich Augen voller Liebe für Euch.

Ich werde die Hochzeit verschieben, einen Monat, vielleicht zwei.

Ich wünschte, ich hätte es hinter mir. Ich höre, wie die Menge schreit.

Die Bankette, Zeremonien, danach in der Kirche!

Ein Alptraum, der mir keine Ruhe lässt.

Meine Onkel, meine Tanten, die Verwandten aus ganz Europa...

Küsse, Händeschütteln, Glückwünsche, Umarmungen!

Ihr könnt mir Euer Herz ausschütten.

Meine Zuneigung ist unverändert, seit Ihr mich nach München rieft,

mich aus dem Elend rettetet und mich mit offenen Armen empfingt.

Ich bin gekommen, weil ich erkannte, dass Eure Majestät mich braucht.

Vergesst, was längst vorbei ist!

Man kann Freunde belügen, betrügen und immer noch lieben.

Seid großmütig, versucht zu vergeben!

Niemand gibt Euch einen Rat wie ich.

Denn mein Rat entstammt einem tiefen, aufrichtigen Gefühl.

Was bedrückt Euch, mein Freund?

Ich verstehe vieles, aber ich kann nicht reden, wenn Ihr nicht wollt.

Bon voyage.

Adieu.

Mein Name ist Richard Hornig.

Ich war über 10 Jahre im Dienste des Königs.

Zufällig wurde ich sein Leiblakai.

Als der König in einem Wutanfall seinen Leiblakai Volk hinauswarf,

übernahm ich seinen Posten.

Während meines Dienstes habe ich nie das Vertrauen des Königs verraten.

Ich werde dies auch jetzt nicht tun.

Nur dieses: Sein Verhalten entsprach in keiner Weise

einem Verhalten, das der Würde eines Souveräns angemessen wäre.

Warte hier!

Hier!

Kannst du sie aufziehen? - Jawohl, Majestät.

Gut, sehr gut! - Ich war beim Militär.

Ich habe dich nie gesehen. - Ich bin neu, Majestät.

Was hast du vorher getan?

Ich war auf einem Gut... für die Pferde zuständig.

Mach Feuer!

Sofort, Majestät.

Zieh deine Handschuhe aus!

Was ist? - Hat Ihre Majestät noch Wünsche?

Du schläfst hier... wenn du willst.

Ja, Majestät.

Elsa?

Wovon redest du? Wer ist diese Elsa?

Ich bin Elsa. Ludwig mag nicht einmal meinen Namen.

Er hat mich nie Sophie genannt. Immer nur Elsa, von Anfang an.

Wie die Heldin im Lohengrin.

Alle Verliebten geben ihren Mädchen solche Namen.

Verliebt?

Ludwig ist nun mal etwas exzentrisch.

Ja, ich weiß, aber ich bin in ihn verliebt.

Und ich leide schrecklich,

wenn er mich auf dem Ball uns zu Ehren allein lässt.

Er geht nie zusammen mit mir aus.

Immer seltener besucht er mich.

Also vergrabe ich mich im Haus, aus Furcht, seinen Besuch zu verpassen.

Wenn er kommt, redet er kaum mit mir.

Manchmal verbringt er die ganze Nacht vor dem Tor

und hinterlässt mir Blumen ohne ein einziges Wort.

Es ist, als lege er sie auf ein Grab.

Ich fühle mich tot und begraben.

Ich fühlte mich tot, als er mich Wagner vorführte.

Jeder schaut voll Mitleid auf mich.

Aber es ist auch deine Schuld.

Warum wartest du, bis er sich zu einem Besuch herablässt?

Geh aus, wenn dir danach ist! Geh ins Theater!

Verreise! Amüsiere dich!

Zeig ihm, dass du unabhängig bist, eigene Interessen hast.

Und er wird dich begehren.

Er wird mich nie begehren. Er macht sich nichts aus mir.

Warum hast du mir nicht gesagt, dass er nur dich liebt?

Nein!

Warum sagst du das? Es ist nicht wahr.

Doch, man hat es mir erzählt, aber ich wusste es schon selbst.

Nur leider viel zu spät! Und man sagt, du liebst ihn auch.

Wer? Wer hat dir das gesagt? Sag so was nie wieder!

Sophie!

Bitte, sieh mich an!

Glaub diesen Unsinn nicht.

Mich brauchst du nicht zu fürchten, weder mich noch eine andere Frau.

Ludwig... Die Gefahr bei Ludwig, wenn überhaupt...

Das geschieht mit vielen jungen Männern,

wenn sie so jung und sensibel sind.

Die meisten kommen von allein darüber hinweg.

Ich habe Ludwig sehr gern,

weil wir uns sehr ähnlich sind, nicht nur äußerlich.

Er hat viele Fehler und viele Vorzüge.

Er ist sehr verletzbar.

Du kannst ihn retten, du musst es!

Aber du musst stark sein. Sei bei ihm!

Lass nicht zu, dass die Hochzeit noch mal verschoben wird.

Wenn er nichts sagt, musst du reden.

Wenn er dich vernachlässigt, tu so,

als hättest du ihn erst vernachlässigt.

Vater soll sofort mit Ludwig den Termin festsetzen.

Kein Aufschub mehr!

Ich will Sophie nicht mehr heiraten.

Zu spät! - Nein. Es ist nicht zu spät.

Es wäre doch nicht das erste Mal.

Ein König macht keinen Skandal.

Er kann sich doch nicht selbst einer berechtigten Kritik aussetzen.

Es wird keine Gnade geben.

Und deshalb soll ich keine Gnade mit Sophie haben?

Der Herr wird ihrer gnädig sein.

Ich betrüge sie.

Das weiß sie doch.

Sie will mich nicht aus Ehrgeiz. Das wusste ich nicht.

Wenn Sophie dich liebt, solltest du dich freuen.

Noch liebt sie mich, aber bald wird sie mich hassen.

Und ich werde sie hassen.

Wie kannst du dir anmaßen, zu wissen,

welchen Weg der Herr für dich bestimmt hat?

Du hast nur eines zu wollen: Heiraten und Kinder kriegen.

Mein Sohn, wenn der Teufel dir Versuchungen schickt,

dann musst du sie gegen ihn kehren.

Du musst wissen, sie zur Ehre Gottes zu gebrauchen.

Im Dunkel eines Zimmers,

mit dem Bild der Sünde vor Augen, wirst du sehen,

die Wärme eines Körpers gleicht der eines anderen.

Pater, diese Lehre ist mir neu.

Dein Volk erwartet, dass du einer von ihnen bist.

Zwar mächtiger und privilegierter,

von der göttlichen Vorsehung berührt, doch einer von ihnen!

Wenn du anders sein willst, werden sie dir das nie verzeihen.

Wagner wurde aus München vertrieben,

weil er ein Genie ist.

Das machte ihn zum Fremden.

Er war anders als die anderen.

Ludwig, du gehörst zu denen, die der Herr auserkoren hat,

denn du bist mehr als andere der Sünde ausgesetzt.

Und genau deshalb kannst du auch besser beweisen,

wie sehr du Gott liebst.

Ich weiß aus deinem Munde,

dass du bis heute stets die Kraft hattest,

jeglicher Versuchung zu widerstehen. Und keine Sünde zu begehen.

Ja.

Bitte sag mir, ob das noch so ist.

Ja.

Ich frage dich so wie beim heiligen Sakrament der Beichte.

Ja.

Mit der Auflösung der Verlobung mit Prinzessin Sophie

begann unsere Tragödie.

Seine Majestät kümmerte sich nicht mehr um die Staatsgeschäfte.

Bei allem, was in der Welt geschah,

schien er an nichts anderes zu denken,

als an den Bau mehrerer Schlösser, die niemand je bewohnen würde.

Zu allem Unglück ging es Prinz Otto von Tag zu Tag schlechter.

Die Königinmutter suchte Trost im katholischen Glauben.

Unsere Herzen sind von Freude erfüllt, Majestät.

Welcher Schmerz! Nicht einmal streicheln kann sie ihn!

Auch im Namen des Abtes unseres Ordens darf ich sagen:

Der Anblick Eurer Hoheit tröstet über die Abwesenheit des Königs hinweg.

Er lindert den tiefen Schmerz, der uns alle quält,

weil Seine Majestät sich mehr und mehr zurückzieht.

Ich habe den König mehrfach aufgesucht,

um mich nach seinem Befinden zu erkundigen.

Aber er weigerte sich, mich zu empfangen.

Beten Sie für Seine Majestät.

Ich vergesse in meinen Gebeten nie unseren geliebten König.

Aber es bereitet mir großes Unbehagen

und bringt mich in Verlegenheit,

seinem katholischen Volke zu erklären, was in Seiner Majestät vorgeht.

Wir stehen vor Beginn eines Krieges, der viele Leben kosten wird.

Preußen wird am Ende triumphieren.

Diese schmerzliche, irdische Angelegenheit, ist uns...

Gott weiß es...

völlig fremd.

Ich wäre glücklich, wenn sie uns dazu brächte,

die heiligen Bande zur Mutter Kirche immer weiter zu verstärken.

Aber Seine Majestät ist uns dabei keine Hilfe.

Gott in seiner Barmherzigkeit hat mich heute als Dienerin empfangen.

Er wird uns helfen.

Ich vertraue ihm.

Sie brauchen nicht zu warten, Pater, Majestät wird Sie nicht empfangen.

Die Königinmutter schickt mich. Prinz Otto ist sehr krank.

Seine Majestät auch, er hat Zahnschmerzen.

Das Warten ist Zeitverschwendung. - Aber könnte ich nicht...

Baron von Holnstein wartet seit heute Morgen.

Er möchte von den Verhandlungen in Versailles berichten.

Er wartet seit sechs Stunden. - Gut.

Sagen Sie ihm, dass ich hier war.

Und aus welchem Grund. - Gewiss, Pater.

Ich kann nicht länger warten. Ich muss den König dringend sprechen.

Ich übernehme die Verantwortung.

Wann bist du angekommen?

Um 8 Uhr heute Morgen.

Seitdem warte ich draußen, wie Euer Majestät sicher wissen.

Es geht mir schlecht.

Nur mit Chloroform ist es mir möglich, ab und zu ein wenig zu schlafen.

Stört dich der Geruch? - Nein, es geht schon.

Soll ich das Fenster öffnen lassen?

Mir ist so kalt.

Setz dich doch.

Danke, aber ich muss noch heute Abend abreisen.

Ach ja? Und wohin? - Nach Versailles.

Ich muss Kanzler Bismarck

unverzüglich eine Antwort überbringen.

Was ist das?

Wer hat das geschrieben?

Ich verstehe nicht.

Diesen Brief sollten Seine Majestät an den König von Preußen schreiben.

Ich sollte es nicht sagen, aber Bismarck hat ihn persönlich diktiert.

Das soll ich schreiben?

Ja, abschreiben und unterzeichnen. Ich überbringe ihn schnellstmöglich.

Was?

Was?

Ich soll Wilhelm bitten, mir die Gnade zu erweisen,

mein Königreich als Geschenk anzunehmen?

Wollt ihr das?

Nein.

Ihr bittet den zukünftigen Kaiser des großen neuen Deutschlands,

Bayern in den Staatenbund aufzunehmen.

Das ist kein Staatenbund.

Es bedeutet, dass wir ihm unser Land aushändigen.

Wir werden Sklaven oder noch schlimmer.

Wir sollen uns freiwillig so schrecklich erniedrigen?

Nein! Nein!

Alles, aber das niemals!

Sklaverei?

Erniedrigung?

Das verstehe ich nicht.

Man wird zum Sklaven, wenn man besiegt ist.

Niederlagen sind erniedrigend.

Das ist das Schicksal Bayerns, wenn es dem Bund nicht beitritt.

Mit einem Schlag fegt das Deutsche Reich Bayern von der Landkarte.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge!

Bismarcks Rat ist sehr weise.

Ihr hättet diesen Brief schon früher schreiben sollen.

Euer Onkel, König Wilhelm, hätte das gewiss mehr geschätzt.

Aber wir können es noch tun,

bevor er zum Kaiser proklamiert wird.

Jetzt ist der psychologisch günstigste Moment.

Und außerdem...

ergeben sich auch finanzielle Vorteile daraus.

Bismarck ließ mich wissen, dass Ihr fest damit rechnen könnt.

Nein!

Jedenfalls nicht jetzt.

Ich will nicht. Ich könnte es nicht. Ich tue es nicht.

Nein, ich tue es nicht. Ich tue es nicht.

Ich kann nicht.

Ich will nicht.

Es ist jetzt fast 5 Uhr.

Wenn ich München um 9 verlassen könnte...

Wir wissen alle, es geht nicht anders.

Sparen wir uns also die Mühe, noch lange darüber zu reden.

Wenn es wirklich nicht anders geht,

wenn meine Regierung weiß, dass es nicht anders geht,

soll sie diesen Schritt unternehmen.

Wenn Eure Majestät wüssten, was die Regierung unternehmen möchte,

würdet Ihr nicht zögern, diesen Brief zu schreiben.

Aber solcher Methoden bediene ich mich nicht.

Ich sage nur, Eure Majestät brauchen dringend eine persönliche Allianz.

Eine Allianz zwischen Menschen desselben Blutes und Adels.

Eine solche Allianz hätte viele Vorteile...

einige davon sogar umgehend.

Lasst ihn los! - Majestät, ich weiß nicht...

Otto?

Erkennst du mich nicht?

Ich bin es, Ludwig.

VIERTER TEIL

Frohe Weihnachten, meine Liebe!

Und alles Gute zum Geburtstag! Alles Gute!

Das ist mein Präsent für dich und für ihn.

Niemand hat je ein schöneres Geschenk bekommen.

Alles Gute, Frau Wagner.

Alles Gute von uns allen. Von der ganzen Welt!

Spielen Sie es noch einmal, bitte.

Am Ende dieser schwierigen Untersuchung,

und um die fraglichen Punkte zu vertiefen,

möchte ich den Kollegen vorschlagen, alle Schlösser zu besichtigen.

Nur eines, Schloss Linderhof, wurde regelmäßig von Seiner Majestät bewohnt.

Obwohl Wagner nicht mehr in Bayern lebte,

belastete er noch immer die Staatskasse.

Die Einweihung seines Theaters in Bayreuth im August 1876

mit der berühmten Tetralogie verdankte er nur den Subventionen,

die er unserem naiven König aus der Tasche gezogen hatte.

Obwohl er kaum noch Geld hatte, machte er keine Anstalten zu sparen.

Im Gegenteil. Er gab immer mehr aus,

zum Beispiel für einen Diener

mit hübschem Gesicht und guter Figur.

Oder für einen Schauspieler, dessen Stimme er mochte.

Nur düsteren Frieden bringt uns dieser Morgen.

Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen.

Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen.

Ich will dann strafen, oder Gnad' erteilen.

Denn niemals gab es ein so herbes Los,

als Juliens und ihres Romeos.

Bravo, lieber Kainz! Das war meisterhaft.

Eine wundervolle Aufführung! - Vielen Dank.

Das war großartig. - Danke.

Welch unvergessliches Erlebnis!

Darf ich Sie im Namen aller beglückwünschen?

Das war Herrn Kainz' beste künstlerische Leistung.

So voller Emotionen!

Bravo, Joseph!

Gratuliere! Ein unvergesslicher Romeo.

Ein wahrer Triumph! - Großartig, mein Lieber!

Danke.

Ein Triumph, Joseph.

Herr Kainz? Ein Bote von Seiner Majestät.

Guten Abend. Ich habe einen Brief für Sie von Seiner Majestät.

Und das hier.

Sieh nur! - Du hast es verdient!

Der König hatte mich beauftragt, den jungen Schauspieler Kainz aufzusuchen.

Ich überbrachte ein Geschenk und lud ihn für drei Tage nach Linderhof ein.

Guten Abend!

Verzeihen Sie mir, Herr Kainz.

Aber darf ich Ihnen einen völlig uneigennützigen Rat geben?

Sehen Sie...

Der König möchte Romeo begegnen, nicht Herrn Joseph Kainz.

Romeo hat er hierher eingeladen.

Seien Sie nur Romeo oder Didier, also einer Ihrer Helden.

Dann können Sie sich Ihres Erfolges sicher sein.

Vor jedem Kreuze falle!' hin.

Und mit heißen Reuetränen

büßet eure Schuld.

Und seid ihr glücklich durch die Schreckensstraße,

sendet der Berg nicht seine Windesweh'n

auf euch herab von dem vereisten Joch,

so kommt ihr auf die Brücke, welche stäubet.

Wenn sie nicht einbricht unter eurer Schuld,

wenn ihr sie glücklich hinter euch gelassen,

so reißt ein schwarzes, ungeheures Felsentor sich auf.

Kein Tag hat diese finst're Stelle je erhellt.

Doch hinter diesem finst'ren Loch

erwartet euch ein helles Tal der Freude.

Doch schnellen Schritts müsst ihr vorübereilen.

Ihr dürft nicht weilen, wo die Ruhe wohnt.

O Rudolf, mein königlicher Ahn!

So zieht dann dein Enkel ein auf deines Reiches Burg.

Und so, immer steigend, kommt ihr auf die Höhen des Gotthards,

wo die ewigen Seen sind,

die von des Himmels Strömen selbst sich füllen.

Dort nehmt ihr Abschied von der deutschen Erde.

Und munteren Laufs führt nun ein anderer Strom

ins Land Italien, das gelobte, euch hinab.

Ich bringe dich dorthin!

Wo deine Helden lebten und litten.

Wir folgen gemeinsam Wilhelm Tells Spuren durch die Schweiz.

Und dann...

Und dann durch Italien.

Ja, Italien vor allem.

Nein.' Nein...

Später. Wir reden später.

Bitte, noch einen Monolog von Didier.

Bitte, Didier.

Schweig still, ich könnte...

Schweig still, ich könnte...

Aber wenn der, der mich anspricht, ein Ehrenmann wäre,

voll eines einfältigen Ehrgefühls,

wenn ich zufällig ein Herz getroffen hätte, noch voll von Illusionen,

ehe ich diesem Ehrenmann nicht sagen würde, so bin ich,

ehe ich ihn freudevoll empfangen würde

und ihn selber warnen würde,

dass mein reines, keusches Aug nichts birgt als schnöde Falschheit,

ehe ich so falsch, betrügerisch, verdorben sein könnte,

zöge ich vor, mein Grab zu graben mit meinen eigenen Fingernägeln.

Weiter!

Ihr würdet herzlich lachen, wenn Ihr euch selbst sehen könntet,

wie mein Herz, dieser seltsame Spiegel, euch sah.

Ihr tatet recht,

es zu brechen, Madame.

Ihr wart da,

unschuldig, keusch, rein.

O edle Frau, was ward euch denn nur angetan,

von diesem Mann mit reinem, tiefen Herzen,

der Euch solang schon liebte, auf seinen Knien, zu Euren Füßen.

Du wirst mir ein guter Freund sein, der Stern meines Theaters.

Du spielst die bedeutendsten Rollen in den größten Dramen aller Zeiten.

Die anderen Schauspieler werden eifersüchtig und neidisch sein.

Aber hab keine Angst, du wirst unter dem Schutz des Königs stehen.

Er wird dich beschützen, dir Sorg und Leid ersparen.

Aber du... darfst ihn nie verraten.

Ich will nichts als deine Treue.

Alle haben Wagner gehasst, ich habe ihn der Welt aufgezwungen.

Aber Wagner...

hat mein Vertrauen verraten.

Ich war dieser Mann mit dem Herzen voll Illusionen.

Vergebens suchte ich seither einen wahren Freund.

Doch jetzt,

jetzt habe ich ihn.

Wir brechen schnellstmöglich auf. Wir werden ständig reisen.

Aber wenn man es mir verbietet... - Wer könnte das? Sie sind der König...

der Herr. - König zu sein ist nicht leicht.

Warum danken Sie nicht ab?

- Moi? Le Premier de France en être le demier ?

Je changerais mon son au sod d'un braconnier,

So darfst du nie wieder mit mir sprechen.

Nie wieder!

Ich bin sehr müde, Majestät.

Darf ich mich zurückziehen und etwas schlafen?

Schlafen? Der Schlitten wartet.

Ich zeige dir mein wahres Reich, die Berge im ersten Licht der Sonne.

Eine Welt für uns allein,

rein und unbefleckt.

Denk an deine Seele, Didier,

und nicht an deinen Körper!

Die Bergspitzen donnern, die kleine Brücke zittert.

Aber der Jäger fürchtet nicht den schwindelnden Pfad.

Kühn klettert er über die eisigen Gipfel,

wo niemals Frühling scheint,

wo kein Zweig grünt.

Du hast geschnarcht.

Das ist nicht das Gedicht, das ich hören wollte.

Der Südwind erhob sich... Komm, rezitiere!

Nein.

Ich kann nicht.

Mir ist nicht danach.

Ich hasse es, ein Hanswurst zu sein. Ich bin ein Künstler.

Bitte, nur dieses eine noch. - Ich kann nicht.

Ich befehle es dir. - Ich kann nicht.

Das ist zu viel. Ich bin ausgelaugt.

Wir sind jetzt eine Woche unterwegs.

Mir ist, als hätte ich nicht geschlafen.

Mein Gedächtnis lässt nach.

Sie sind müde? Dann schlafen Sie!

Herr Kainz erklärt:

All die Briefe, die ihm Seine Majestät, der König,

beinahe täglich während ihrer kurzen Freundschaft schrieb,

seien ihm gestohlen worden.

Herr Kainz ist ein Lügner.

Er hat die Briefe teuer verkauft.

Genauso wie er die meisten Geschenke

von Seiner Majestät verkauft hat.

Er verkaufte die Briefe in der Schweiz an einen meiner Agenten.

Diese Briefe sind in meinem Besitz.

Ich glaube, sie sind der unstreitige Beweis dafür,

dass Seine Majestät, der König,

nicht im Besitz seiner geistigen Kräfte ist.

Ich ertrug alles als treuer Diener von Königreich und Staat,

von einem Despoten, der hemmungslos seine Launen befriedigte.

Widerwillig sandte ich Geld an Wagner in Bayreuth.

Ich überwachte den Bau von Linderhof

und stumm vor Zorn auch den von Neuschwanstein.

Aber nach dem Bau des Schlosses Herrenchiemsee,

sandte ich den Herren Ministern einen detaillierten Bericht

über die Lage, die daraus entstanden war.

Kaiserin Elisabeth erhielt eine Kopie. Dann trat ich zurück.

Was soll der schwarze Schleier auf dem Klavier?

Es heißt, der König habe Trauer angeordnet, als Wagner starb.

Das ist doch schon länger her.

Osterhölzer!

Ich kann nicht! Ich kann sie nicht sehen.

Ich kann sie nicht empfangen. Geh!

Sagt, ich sei krank. Das stimmt ja auch.

Ich leide. Ich leide furchtbar.

Ich will kein Mitleid, von niemandem.

Geh!

Du sagst ihr: Ich besuche sie, sobald ich mich besser fühle.

Natürlich steht ihr Neuschwanstein zur Verfügung, solange sie will.

Ich kann sie nicht empfangen. Geh!

Elisabeth!

Meldet meinen Besuch! - Majestät ist unpässlich.

Das Schloss steht Eurer Hoheit zur Verfügung, solange Ihr wünscht.

Wir fahren zurück nach Possenhofen.

Elisabeth!

Und dann begann er zu weinen.

Er hatte uns aus dem Zimmer geschickt.

Aber wir konnten ihn hören.

Er weinte und schrie laut: Elisabeth, Elisabeth!

Karl? Du bist dran.

FÜNFTER UND LETZTER TEIL

Wer sollte die Untersuchung vornehmen?

Graf von Holnstein.

Er war oft in der Nähe Seiner Majestät.

Sein Rat ist uns eine wertvolle Hilfe.

Ich habe Günstlingen immer misstraut.

Und ehemaligen Günstlingen kann man noch weniger trauen.

Welche Rolle spielt Oberst Dürckheim? Er stand Ludwig doch stets sehr nahe.

Hoheit, wir sollten diese Sache so geheim halten wie nur möglich,

damit wir sofort handeln können,

falls sich unser König als nicht regierungsfähig erweist.

Wir Ihr wisst, trotz seiner Exzentrik und der Kosten für die Schlösser,

wird Ludwig vom Volk sehr geliebt.

Außerdem haben einige großes Interesse an einem König, der nicht regiert.

Wollen Sie sagen, Oberst Dürckheim zählt dazu?

0 nein! Wir schätzen Dürckheim sehr.

Ich nicht weniger als Sie.

Sie werden daher verstehen, wenn ich seine Meinung hören möchte.

Ich denke, es wäre angemessen, wenn ich dies in Ihrem Beisein tue.

Rufen Sie Oberst Dürckheim!

Der Ministerrat, vertreten durch den Grafen Thöring,

bietet mir die Regentschaft Bayerns an,

falls Ludwig II. zum Abdanken gezwungen werden muss.

Der... wie mir gesagt wird, deutliche Symptome von Geisteskrankheit zeigt.

Bitte, Herr Oberst!

Selbstverständlich würde ich nur annehmen,

wenn ein medizinisches Gutachten dies bestätigt.

Ich bin von Ihrer Unparteilichkeit überzeugt, Herr Oberst.

Ich weiß...

dass Sie stets Ihre Verbundenheit mit dem König gezeigt haben.

Ich würde gern Ihre Meinung hören.

Auch für mich steht fest, dass Seine Majestät in letzter Zeit

immer weniger Interesse an den Staatsgeschäften zeigt.

Er lebt in beunruhigender Abgeschiedenheit.

Aber...

können wir sicher sein,

dass das fehlende Interesse nicht nur vorgetäuscht ist?

Dass seine Verschwendungssucht nicht nur ein Mittel ist,

um sich selbst und aller Welt zu beweisen,

dass ihm außergewöhnliche Rechte zustehen?

Meine Meinung, mit Verlaub, ist folgende:

Sein Privatleben ist genauso exzentrisch,

wie es seine Regierung immer gewünscht hat.

Ehe man den Bau weiterer Schlösser stoppte,

wurden die Kosten von der Staatskasse stets bewilligt.

Jemand wollte, dass Seine Majestät mit diesen Dingen beschäftigt ist.

Jemand, der dem König nahe stand,

mit gefährlichem Einfluss auf ihn, im Auftrag der Regierung.

Mit Verlaub, Hoheit!

Oberst Dürckheim beschuldigt die Regierung,

ein Komplott gegen den König geschmiedet zu haben.

Das haben Sie gesagt, nicht ich.

Ich bin verpflichtet, die Fragen Eurer Hoheit ehrlich zu beantworten.

Ich bin mir der Bedeutung meiner Aussage wohl bewusst.

Sie wird dadurch bestätigt, dass man Maßnahmen ergreift,

ehe man versucht hat, dem unglücklichen zu helfen.

Unser König steckt in einer Krise. - Aber wie lange schon?

Oberst Dürckheim, wie lange schon?

Ich möchte klarstellen, dass die Regierung

sich natürlich nur großzügig gezeigt hat,

um einen Skandal zu vermeiden, bevor es zu spät ist.

Falls es einen Skandal gibt! Wir führen nur

eine genaue Untersuchung durch.

Dabei kann Oberst Dürckheim offiziell wiederholen,

was er privat geäußert hat.

Vielleicht sind dann auch noch andere wie er der Ansicht,

dass die Schuld der Regierung schwerer wiegt als die des Königs.

Dann, lieber Pfistermeister,

sollten wir zurücktreten und einen Arzt aufsuchen.

Denn wenn der König völlig gesund ist, heißt das, wir sind verrückt.

Ich bin Professor Bernhard von Gudden,

Leiter des psychiatrischen Instituts der Stadt München.

Nach der Untersuchung des Geisteszustands Seiner Majestät

ist die Kommission zu folgendem Ergebnis gelangt:

Seine Majestät befindet sich im fortgeschrittenen Stadium

einer Geisteskrankheit, die den Spezialisten wohlbekannt ist:

Paranoia.

Da die Krankheit die freie Willensentscheidung behindert,

kann sich der König unmöglich um die Staatsgeschäfte kümmern.

Diese Beeinträchtigung wird für den Rest seines Lebens anhalten.

Was? Was, Osterholzer?

Meine Herren! Bitte, hören Sie mir zu!

Wenn der König gewarnt wird, ist unsere Mission gefährdet.

Wir können nicht warten. Wir müssen jetzt handeln.

Hesselschwert!

Wie lange brauchen wir von hier nach Neuschwanstein?

Es ist nicht weit, höchstens 15 Minuten, sogar bei diesem Regen.

Meine Herren, wir brechen sofort auf. Jede Minute ist kostbar.

Sie wollen den König verhaften!

Von München sind sie gekommen. Das ist ein Komplott.

Ich konnte fliehen, sie wissen es nicht.

Sie? Wer?

Mit drei Kutschen! Ich habe es selbst gesehen. In Hohenschwangau.

Die Befehle Eurer Majestät sollen nicht beachtet werden,

sagt Graf von Holnstein.

Von Holnstein hier in Neuschwanstein?

Ich weiß nicht, Majestät.

Von Holnstein?

Sagtest du von Holnstein? da, Majestät.

Wer ist bei ihm?

Erkannt habe ich Minister Greilsheim,

Professor von Gudden,

Hesselschwert.

Was haben sie wohl vor?

Ich will, dass sie eingesperrt werden. Alle! Alle!

Mayr! Mayr!

Peitscht sie aus, bis Blut fließt! Reißt ihnen die Augen aus!

Erschießt sie! Nein, ich erschieße sie selbst.

Ich, mit meinen Händen!

Schnell, schnell!

Mayr, lass sie alle verhaften!

Los! Geht!

Halt! Noch einen Schritt und ich schieße!

Wir müssen den König nach Schloss Berg bringen.

Was wünschen Sie? - Seine Majestät wurde abgesetzt.

Prinz Luitpold übernimmt die Regentschaft.

Öffnet die Tore!

Wir haben Befehl zu schießen, wenn sich jemand nähert.

Ich habe ein Dokument, das den König für geisteskrank erklärt.

Ich bin autorisiert, es ihm vorzulesen.

Das geht doch nicht!

Graf von Holnstein, das verstehe ich nicht.

Er macht alles nur schwieriger.

Sie haben sie alle verhaftet.

Gut.

Gut.

Mayr! Hol mir den Schlüssel zum Turm!

Wenn nötig, verschanzen wir uns dort. Da kann ich mich besser verteidigen.

Oder hinabspringen, wenn sie mich fassen wollen.

Lieber tot, als das, was sie mit mir vorhaben.

Mich töten, indem man mich am Leben hält wie meinen Bruder!

Nein, das lasse ich nicht zu!

Schnell, den Schlüssel!

Den Schlüssel... Wir haben ihn nicht.

Findet ihn! Sofort!

Beeil dich!

Ich muss zu seiner Majestät, sofort!

Oberst Dürckheim!

Dürckheim! Ich habe diese Verschwörer hinter Gitter gesetzt.

Ich billige Eure Handlung, aber diese Erklärung ist vom Ministerrat.

Das Volk muss sich dagegen auflehnen.

Wir begleiten Euch nach München.

Wir können auf die Armee zählen. Ihr müsst vor den Offizieren sprechen.

Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Wir müssen sofort nach München... - München?

München!

Keine zehn Pferde bringen mich in diese verhasste Stadt.

Majestät!

Das ist die einzige Hoffnung, die Situation noch zu retten.

Sofern Ihr nicht vorzieht, das Land zu verlassen.

Wir könnten versuchen, nach Tirol zu gelangen.

Aber dann wird es sehr schwer zurückzukommen.

Die Armee und das Volk wollen Eurer Majestät zu Hilfe kommen.

Aber Ihr müsst sie darum bitten.

Sie müssen gewonnen werden, und nur Eure Anwesenheit...

Nein!

Nein! Nein!

Nein!

Zieht Ihr es vor, das Land zu verlassen?

Ich bin bereit zu helfen.

Ich will nicht verreisen. Und was soll ich schon in Tirol?

Man soll mich in Frieden lassen.

Ich habe stets alles getan, um Eurer Majestät nützlich zu sein.

Ich habe früher versagt.

Ich versage heute.

Sie könnten mir sehr nützlich sein.

Ich brauche Gift.

Besorgen Sie mir Gift!

Aus der Apotheke in Kempten.

Gehen Sie! Sofort!

Majestät, ich...

Ich bin hier, um Euch zu retten, nicht, um Euch zu töten.

Befehl des Königs!

Auf Befehl des Königs

verbleiben die Herren unter Bewachung.

Sie dürfen diese Räume unter keinen Umständen verlassen

und erhalten weder Speisen noch Getränke. Nichts!

Was für ein Resultat!

Unsere Lage ist hoffnungslos.

München ist weit.

Darauf können wir nicht zählen.

Ich befehle Ihnen, sofort den Ministerrat zu unterrichten.

Wir sind hier in Lebensgefahr. Der König hat unseren Tod befohlen.

Fordern Sie Hilfe an!

Haben Sie die Regierung über diese Freiheitsberaubung informiert?

Sie sind sich hoffentlich der Verantwortung bewusst.

Das hat ernste Konsequenzen für Sie!

Ohne Überprüfung ließen Sie zu,

dass Baron von Greilsheim und Graf Thöring...

Auf Befehl Seiner Majestät sind Sie frei.

Tun Sie Ihre Pflicht!

Wenn ich Ihnen raten darf:

Handeln Sie vorsichtig! Seine Majestät...

muss vor sich selbst geschützt werden.

Glaubst du an die Unsterblichkeit der Seele, Weber?

Ja, gewiss, Majestät, ich glaube daran. Aber...

Auch ich...

glaube an die Unsterblichkeit der Seele...

und die Gerechtigkeit Gottes.

Ich habe viel über den Materialismus gelesen.

Aber es befriedigt mich nicht.

Mich bringt keiner dazu, wie ein Tier zu leben.

Die brauche ich jetzt nicht mehr.

Hier!

Ertrinken ist ein schöner Tod.

Man wird nicht verstümmelt.

Aber aus dem Fenster...

Springen...

Nimm das auch noch!

Ich schreibe einen Brief.

Geht die Uhr nach meinem Tod

an die Vermögensverwaltung zurück,

sollen sie dir 25.000 Gulden zahlen.

Majestät!

Majestät! Ich habe den Schlüssel.

Den Schlüssel zum Turm!

Mayr! Mayr!

Ich hatte dich verkannt.

Majestät! Ich hatte noch nie eine so traurige Pflicht zu erfüllen.

Vier Fachärzte haben ein Urteil über Eure Gesundheit abgegeben.

Aufgrund dieser Beurteilung

hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen.

Ich bin angewiesen, Eure Majestät nach Schloss Berg zu bringen.

Noch heute Nacht.

Ach!

Mein treuer Sauer!

Bitte!

Es regnet wieder.

Es wird nie mehr aufhören.

Nie mehr.

Eure Majestät sollten jetzt etwas essen.

Und was sollte ich essen? - Alles.

Ihr könnt alles essen, was Ihr wünscht, Majestät.

Keine Messer! Merkwürdig, so einen Tisch zu decken!

Ich sehe nur eine Gabel fürs Dessert.

Soll ich mit dem Dessert beginnen?

Ich bin nicht hungrig. Ich möchte jetzt schlafen.

Selbstverständlich.

Wecken Sie mich um Mitternacht!

Ich werde spazieren gehen,

und danach werde ich essen.

Eure Majestät müssen ein regelmäßigeres Leben führen.

Gewiss.

Nachts schlafen, zu den üblichen Zeiten essen,

und mit den Spaziergängen werden wir sehen.

Bald werde ich Euch selbst darum bitten, sehr bald.

Jetzt möchte ich mich ausruhen. Und allein sein.

Falls das möglich ist?

Gewiss, Majestät, gewiss.

Sein Benehmen ist von königlicher Höflichkeit

und perfekter Disziplin.

Kein Zeichen von Ruhelosigkeit. Er antwortet immer sehr genau.

Ich finde, man sollte Seiner Majestät

nicht länger verbieten, sich im Park zu ergehen.

Das wäre unnötige Härte. Mehr verlangt er ja gar nicht.

Sehen Sie sich doch den Himmel an. Es gibt gleich einen Wolkenbruch.

Aber wenn ein Arzt keine Bedenken gegen einen Spaziergang im Regen hat!

Seine Majestät ist von kräftiger körperlicher Verfassung.

Wir warten mit dem Spaziergang natürlich, bis das Wetter besser ist.

Aber wenn er darauf besteht,

ziehe ich vor, ihn zu begleiten, anstatt ihm den Wunsch abzuschlagen.

Ja, ich würde ihn selbst begleiten.

Er hat Sie eingewickelt, Professor. Seien Sie vorsichtig!

Es gibt nichts Faszinierenderes als die Nacht.

Man sagt, die Anbetung der Nacht und des Mondes sei ein weiblicher Kult

und die Anbetung der Sonne und des Tages ein männlicher Mythos.

Im Mysterium der Dunkelheit, in der Großartigkeit der Nacht

lag für mich jedoch immer...

das unendliche, erhabene Reich der Helden.

Und damit auch...

das Reich der Vernunft.

Armer Doktor Gudden!

Von morgens bis abends versuchen Sie, mich zu ergründen.

Aber ich bin ein Rätsel.

Ich möchte ein Rätsel bleiben.

Für immer.

Für die anderen...

und auch für mich selbst.

Ausgezeichnet!

Es ist schon halb 8, sie wollten doch nur eine Stunde spazieren gehen.

Wann sind sie weggegangen? - Es war noch vor 6.

Man muss sie sofort suchen. Sie sind sicher zum See gegangen.

Holen Sie Fackeln! Schnell!

Wer war bei ihm?

Sie waren allein.

Professor von Gudden wollte keine Begleitung.

Seine Majestät wirkte absolut ruhig.

Aber das ist doch Wahnsinn! unverantwortlich.

Doktor Müller, muss ich Ihnen sagen, dass Verrückte auch sehr schlau sind?

Geht, schnell!

Sobald ihr sie findet, schickt jemanden her!

Was nun?

Graf von Holnstein!

Telegrafieren Sie nach München:

Ich gehe ihn selbst suchen.

Wenn ich ihn finde...

schieße ich.

Ich schieße einmal in die Luft, um Bescheid zu geben.

Unser König hat Selbstmord begangen. Dazu musste er Doktor Gudden töten.

Bringt den Leichnam ins Schloss! Unverzüglich!

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