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♪ Musik ♪
(Priester) Brüder, dies ist die Nacht der Nächte.
Die letzte Nacht, die wir auf Erden erleben.
Nach dieser Nacht wird es keinen neuen Tag mehr geben.
Denn die Zeit hat sich erfüllt. Die Erde wird untergehen.
Und ihr, gedenkt eurer Sünden! Bereut! Werft euch nieder!
Erwartet das Ende in Demut und Stille.
♪ Musik ♪
Das ist die Sonne!
Hildegard von Bingen
Mönch Volmar
Richardis von Stade
Abt Kuno
Am Ende dieses ersten Jahrhunderts einer neuen Zeit erblickt ein Mädchen,
Hildegard, das Licht der Welt.
Sie wird die Sprache der Pflanzen, Steine und Tiere verstehen.
Und in ihrem Herzen die Zeichen erkennen, die nur wenigen Menschen offenbart werden.
Christus wird dich beschützen. Du bist doch jetzt seine kleine Braut.
Bitte, bleib doch noch!
Das sind die Wappen der Familien, die uns großzügig mit Schenkungen bedacht haben.
Das kennst du schon. Es ist das Wappen der Grafen von Sponheim.
Sie sind unsere wichtigsten Wohltäter. Sie überließen uns viele Ländereien.
Durch die Gnade Gottes trat die Tochter des Grafen in unser Kloster ein.
Die Jungfrau Jutta von Sponheim.
Sie wird dich von heute an erziehen, im Gewande der Demut und der Unschuld.
Das ist die Strafe für einen Reichen. Er wollte nichts abgeben und teilen.
Von jetzt an werde ich deine Mutter sein.
Du kannst mir vertrauen.
- Warum sehen sie mich nicht an? - Das ist die Regel.
- Was für eine Regel? - Die Regel der Benediktiner.
- Du wirst sie bald kennenlernen. - Darf ich dich auch nicht ansehen?
Mich schon. Nur nicht die Männer.
Das ist Jutta. Die kleine Jutta. Meine Namensschwester.
Gebt euch einen Kuss.
Und hier werden wir zusammen leben, solange, bis ihr das Gelübde ablegt.
- Und wann wird das sein? - In 8 Jahren.
Die musste ich zu Hause auch immer nehmen.
- Warst du denn oft krank? - Ja.
- Einmal war ich ein ganzes Jahr im Bett. - Gaben dich deine Eltern deshalb zu uns?
- Nein. Ich wurde Gott als Gabe geschenkt. - Und Gott hat diese Gabe besonders gern.
Und ich auch.
Geistlicher Gesang
Jutta! Jutta!
♪ Musik ♪
Schläge von Geißeln
- Nein! Mir hat sie die geschenkt! - Nein, gar nicht!
Gebt mir die Tafel!
Den Griffel auch.
Und jetzt sprecht mir nach: Der Neid ist hässlich und unförmig.
Der Neid ist hässlich und unförmig.
Seine Bärenhände zeigen, dass er alles zerreißt,
seine Holzfüße, dass er tote Wege geht.
Sie sprechen den Text nach.
- Allen Menschen bringt er nur Böses. - Allen Menschen bringt er nur Böses.
Die Liebe dagegen ist die große von Gott geschenkte Kraft.
Die Liebe dagegen ist die große von Gott geschenkte Kraft.
Glockenschläge
Durch euer Weinen hindert ihr mich daran, zu meinem Schöpfer aufzubrechen.
Geht jetzt, bitte.
Hildegard?
Setz dich zu mir.
Gib mir deine Hand.
Ich habe versucht, dir eine gute Mutter zu sein.
Wenn ich manchmal gefehlt habe, verzeih mir.
Und gib mir einen Kuss zum Abschied.
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
Seit Jutta von Sponheim zu Gott gerufen wurde,
kümmert sich niemand um das geistliche und körperliche Wohl der Schwestern.
Wir sollten diesen Zustand schnell beenden und eine neue Magistra bestimmen.
- Ich habe an dich gedacht, Hildegard. - Oh nein.
Bitte nicht, ehrwürdiger Vater.
Das wäre sicher auch der Wunsch der verstorbenen Magistra.
Du warst ihre Vertraute.
Sie gab all ihr geistliches und menschliches Wissen an dich weiter.
- Ich bin unwürdig. - Ich entscheide, ob du würdig bist.
Nein, ehrwürdiger Vater, das entscheiden meine Mitschwestern.
In der Regel heißt es, dass die Schwestern selber wählen, wer sie leitet.
Das gilt für ein Frauenkloster.
In diesem Gemeinschaftskloster bestimme ich!
Ich kann die Wahl nur annehmen, wenn meine Schwestern mich wählen.
Ich müsste sie aber bitten zu bedenken, dass ich oft sehr krank bin.
Ich bin nur eine schwache Frau.
Du weißt, wie oft ich unsere Regel nicht erfüllen konnte,
weil ich krank war oder zu geschwächt.
Unsere großen Heiligen waren sehr oft von Krankheiten befallen.
Dein Geist wird dich leiten, nicht dein Körper.
Du weißt, du bist unserem Abt zu absolutem Gehorsam verpflichtet.
Selbstbestimmung ist unser göttliches Recht.
Schwester Barbara.
Schwester Adelgard.
Schwester Ursula.
Schwester Elisabeth.
Gaudete!
Schwester Hildegard ist unsere neue Magistra!
Gaudete!
Ich hoffe, du hilfst mir, unsere jüngeren Mitschwestern zu leiten.
Im Andenken an unsere Mutter. Du warst immer ihr Liebling.
Nur bei deinem Gesang war sie froh.
Nur mit dir sprach sie über die Heilkraft der Musik.
Der Neid ist hässlich und unförmig.
Allen Menschen bringt er nur Böses. Erinnerst du dich?
Ja.
Nur die Liebe ist eine große Kraft. Aber die Liebe hat sie nur dir gegeben!
Ehrwürdige Mutter.
Bischof Siward von Uppsala ist zu Besuch und hat seine Reisebibliothek mitgebracht.
Ich habe ihn gebeten, mir einige Bücher für dich ausleihen zu dürfen.
Du kannst wählen: 4 Bücher über Medizin, eins über Edelsteine, 2 antike Klassiker.
Der Bischof lässt dir ausrichten, er schätzt besonders den "Dioskurides".
Und den "Physiologus".
Es ist eine Mischung aus Fabeln und Beobachtungen aus dem Reich der Natur.
Stammt aus Alexandria, 2. Jahrhundert.
Und es enthält Ausschnitte aus den Werken von Aristoteles, Plutarch und Plinius.
- Ist das ein Einhorn? - Ja.
"Kein Jäger vermag es zu erlegen oder zu fangen,
einem jungfräulichen Mädchen aber springt es in den Schoß", heißt es darin.
Ah! Ah!
Du hast dich gegeißelt?
Ich wollte leiden, so wie er für uns gelitten hat.
Wer das Fleisch abtötet, tötet dessen Bewohner, die Seele.
Gott will Barmherzigkeit, nicht Opfer.
- Was könnte gegen Wundbrand helfen? - Die Königskerze.
Ist gegen Husten. - Schöllkraut. Schöllkraut ist gegen Warzen.
- Andorn! - Hilft bei Durchfall und Schlangenbissen.
Allein durch Gebete und Fasten werden unsere Kranken hier nicht gesund.
Schafgarbe!
Bei Verletzungen durch einen Schlag wäscht man die Wunde aus mit Wein.
Dann legt man ein Tuch auf die Wunde und darauf die Schafgarbe.
Sie wird gekocht und ausgedrückt. Das nimmt der Wunde die Fäulnis.
Auch die Musik kann deine Wunden heilen. Und deine Seele.
Schwester Sieglinde.
Schwester Sieglinde singt auf Latein.
Der Mensch ist aus Erde geschaffen, und die Erde wird dir helfen.
Wiederhole das an 3 Tagen 3 Mal.
Schreie
Lass mich los! Du bist der Teufel.
Schwester Sieglinde singt noch immer.
Chrysopras.
Halt ihn an deine Kehle, bis er warm wird.
Danach wirst du keinen Zorn mehr verspüren.
Ich möchte, dass mir jede ein Kraut zeigt, das sie schon kennt.
Schöllkraut. - Und? Das ist gut gegen Warzen.
- Schwester Berta? - Reinfarn. Gut gegen Rheuma und Gicht.
- Zytpher. Hilft gegen Flöhe. - Gut.
- Die Mariendistel. - Und?
- Schwester Clara? - Die Scharfgarbe für die Wundheilung.
Gut!
Aber die Pflanzen und Steine können ihre Heilkraft nur entfalten,
wenn der Mensch eins ist mit der Natur. Und mit Gott.
Erst muss unsere Seele heil werden.
Und dann kann der Körper folgen.
♪ Musik ♪
Eile, mein Gott, mich zu erretten.
Herr, mir zu helfen.
Ich habe dich zu mir gebeten, weil ich dir ein Geständnis machen muss.
Ich hab bisher zu keinem Menschen darüber gesprochen.
Seit meiner frühesten Kindheit…
habe ich Gesichte.
Schon in meinem 3. Lebensjahr…
sah ich ein so großes Licht,
dass meine Seele erzitterte.
Ich habe Dinge gesehen, die andere Menschen nicht gesehen haben.
Ich war anders als andere.
- Ich hab mich dafür geschämt. - Das erscheint mir keine Sünde zu sein.
Meine Sünde besteht auch nicht darin, dass ich etwas Unrechtes getan habe.
Sondern darin,
dass ich mich geweigert habe, etwas zu tun, das mir aufgetragen wurde.
Vor einigen Monaten…
kam ein feuriges Licht…
mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder.
Es durchströmte mein Gehirn und meine Brust und mein Herz.
Wie eine Flamme. Die aber nicht brannte.
Sondern wärmte wie die Sonne. Und ich hörte eine Stimme sagen:
"Ich bin das lebendige Licht,
das alles durchleuchtet.
Du, oh Mensch,
hast den Auftrag,
das Verborgene zu offenbaren. Schreib auf,
was du hörst und siehst."
Und du hast diese Stimme nicht im Traum gehört?
- Bei vollem Bewusstsein. - Wovor hast du dich so lange gefürchtet?
- Vor der Zweifelsucht der Menschen. - Fürchtetest du nicht vielmehr,
dass deine Gesichte nicht von Gott gesandt sind, sondern vom Teufel?
Oh nein.
In einem so wunderbaren Licht,
in einer solchen Herrlichkeit…
kann nur der Allmächtige erscheinen.
Und hat diese Stimme dir auch erklärt, was du gesehen hast?
Ich soll die Menschen ermahnen.
Ich soll ihnen helfen, zu Gott zurückzufinden.
Dann musst du dieser Stimme folgen.
Wir haben eine Seherin unter uns, die Botschaften von Gott empfängt.
- Und wer soll das sein? - Die Magistra.
- Hildegard? - Ja, ehrwürdiger Vater.
Bitte erlaube ihr, ihre Gesichte mit meiner Hilfe aufzuzeichnen.
- Und wenn ihre Gesichte Teufelswerk wären? - Ich bin überzeugt, sie sind es nicht.
Darf ich dir eines zeigen?
- Sie hat es ohne Erlaubnis aufgeschrieben? - Ich habe sie dazu ermutigt.
- Du weißt, dafür verdienst du Strafe. - Ich ertrage sie gern, ehrwürdiger Vater.
"Nun hörte ich wieder die Stimme von Himmel. Sie sprach zu mir:
Gott, der das All durch seinen Willen ins Dasein rief,
hat Jegliches geschaffen, damit sein Name erkannt und geehrt werde.
Aber nicht das Sichtbare und Zeitliche allein tut er durch seine Schöpfung kund,
sondern auch das Unsichtbare und Ewige."
Es wäre allerdings ein ungewöhnliches Ereignis,
würden sich die Gesichte Hildegards tatsächlich als von Gott gesandt erweisen.
- Davon bin ich überzeugt. - Es würde uns viel Ehre einbringen.
Der Name unseres Klosters würde überall genannt.
Pilger würden anreisen. Mächtige des Landes ebenso.
Und unsere Wohltäter würden sich mit neuen Schenkungen erkenntlich zeigen.
Ich reise noch heute nach Mainz und informiere Erzbischof Heinrich.
♪ Musik ♪
Diese hohen Herren kamen von weit her, um dich zu prüfen.
Gib ihnen Rede und Antwort, so wie du es mir gegenüber getan hast.
Magistra Hildegard.
Du hast behauptet, Botschaften von Gott zu empfangen.
Ich bin nur seine Dienerin.
- Das lebendige Licht sendet Botschaften. - Wie sieht dieses Licht aus?
Es ist ein hell leuchtendes Feuer.
Unendlich. Unauslöschbar.
- Und voller Leben. - Träumst du?
Oder wachst du?
Die Gesichte empfange ich nicht in traumhaften Zuständen.
Nicht im Schlaf, nicht in Geistesgestörtheit,
nicht mit den Augen des Körpers oder den Ohren des äußeren Menschen.
Und nicht an abgelegenen Orten, sondern wachend, mit klarem Geiste.
Mit den Augen und Ohren des inneren Menschen.
Wie das geschieht, ist schwer zu verstehen für den mit Fleisch umkleideten Menschen.
Wir können es also nicht verstehen?
Es ist auch für mich schwer zu verstehen, dass ich,
eine schwache Frau, von Gott auserwählt sein soll, seinen Willen zu verkünden.
- Was verlangt Gott von dir? - Dass ich sage, was ich sehe und höre.
Nach diesen wunderbaren Worten werdet ihr meiner Magistra sicher Glauben schenken.
Unverständlich
Seit den Propheten der Heiligen Schrift trat kein Mensch mit solchem Anspruch auf!
Von Gott Dinge erfahren wollen, die selbst die alten Seher nicht schauen durften!
Nur der Heilige Vater kann entscheiden!
Wahrscheinlich wird sie als Ketzerin aus der Kirche ausgestoßen!
♪ Musik ♪
Ich verließ heimlich die Höhle, in der ich mich verborgen hatte,
und wollte zur Höhe hinaufsteigen, wo mich meine Feinde nirgends fanden.
Aber sie warfen mir ein stürmisches Meer entgegen. Ich kam nicht darüber.
Da hörte ich die Stimme meiner Mutter: "Eile, meine Tochter.
Gott gab dir Flügel zum Fliegen. Überfliege also alle Widerstände."
Ich schreibe an Bernhard von Clairvaux.
Er ist der Mächtigste von allen.
Vielleicht mächtiger als der Papst. Wenn er dich verdammt, bist du verloren.
Er kann dich zerstören, genau so wie er Bruder Abaelardus zerstörte.
Ich weiß. Aber ich muss es wagen.
Er rief zu einem neuen Heiligen Krieg auf.
Er wird viel zu beschäftigt sein, um einer unbekannten Nonne zu antworten.
Hast du deinen Glauben an mich verloren?
Jeder weiß, er liebt Frauen nicht!
Aber er liebt die Jungfrau Maria.
Ich nähere mich ihm nur in der allergrößten Demut.
Verehrungswürdiger Vater Bernhard, ich bin in deine Seele hineingelegt,
damit du mir enthüllst, ob du willst,
dass ich offen sage, was ich sehe und mir aufgetragen wird,
oder ob ich schweigen soll. Ich bitte dich,
um der Liebe Gottes Willen, tröste mich. Dann werde ich Gewissheit haben.
Bei Gott ist alles möglich. Der Papst wurde auf dich aufmerksam.
Auf der Trierer Synode. Du hast gehört, dass sie stattfand?
Ja, ehrwürdiger Vater.
Die höchsten Würdenträger unserer Kirche waren vertreten.
Auch der große Abt der Zisterzienser, Bernhard von Clairvaux.
Er legte deine Visionen dem Papst vor und bedrängte ihn, nicht zuzulassen,
dass ein so hell strahlendes Licht durch Verschweigen zugedeckt werde.
In dieser Grußschrift "An die selige Jungfrau"
erteilt er dir im Namen Christi und des seligen Petrus die Erlaubnis,
alles zu veröffentlichen, was du vom Heiligen Geist erfahren hast.
Dann sehe ich in der Höhe der himmlischen Geheimnisse…
zwei Scharen himmlischer Geister in vielem Lichte glänzen.
Die in der ersten Schar halten Federn an ihrer Brust…
und Antlitze, die wie reines Wasser erschienen.
Auch die in der zweiten Schar halten Federn.
Und Menschenantlitze,
in denen das Bild des Menschensohnes wie in einem Spiegel erglänzte.
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
- Ehrwürdiger Vater. - Benedicite.
Richardis Markgräfin von Stade, eine Verwandte unserer Jutta von Sponheim,
- und ihre Tochter Richardis. - Meine Tochter hörte von deinem Ruf,
der den unserer seligen Verwandten Jutta von Sponheim noch überstrahlt.
Seither möchte sie in deine Klause eintreten und von dir unterwiesen werden.
- Wie alt bist du? - 16.
- Du bist noch sehr jung. - Ihr wart beim Eintritt noch jünger.
Das geschah nicht ganz freiwillig.
Jutta, meine Tante, war genauso alt wie ich, als Ihr zu ihr kamt.
Und du glaubst, dass du den Alltag im Kloster bestehen kannst? - Ja.
Es ist nicht leicht. Nicht alle halten das Schweigen aus. Und die Stille.
Da müsst Ihr Euch keine Sorgen machen, ich will mich Euch ganz unterordnen.
Nicht mir, mein Kind. Gott musst du dich unterordnen.
Richardis ist trotz ihrer Lebhaftigkeit ein gehorsames Mädchen.
Und für ihr Alter von hoher Bildung.
Meine Familie ließ sie von Kind an lesen und schreiben lernen.
Willst du uns etwas vorlesen?
Benedic, anima mea, Domino. Domine Deus meus,
magnificatus es vehementer! Confessionem et decorem induisti.
- Du hast eine schöne Stimme. - Heißt das, Ihr nehmt mich?
Der Magistra wird es eine Freude sein, sie bei uns aufzunehmen.
- Hast du dir das reiflich überlegt? - Ja, sie ist einverstanden.
- Ich habe nicht dich gefragt. - Oh, bitte, verzeiht mir.
- Du wirst Richardis sicher Demut lehren. - Das wird sie.
Wir besprechen gleich die Aufnahmeregeln. - Na gut.
Wir werden es mit ihr versuchen.
♪ Musik ♪
Benedic, anima mea, Domino,
et omnia, quae intra me sunt, nomini sancto eius.
Benedic, anima mea, Domino,
et noli oblivisci omnes retributiones eius;
qui propitiatur omnibus iniquitatibus tuis,
qui sanat omnes infirmitates tuas,
qui redimit de interitu vitam tuam,
qui coronat te in misericordia et miserationibus;
qui replet in bonis desiderium tuum:
renovabitur ut aquilae iuventus tua.
Ich möchte mit dir über die Regel sprechen.
- Die kann ich auswendig. - Du verhältst dich nicht nach ihr!
Sie ist ja auch nur eine Anleitung.
Also glaubst du, du kannst nach eigenem Gutdünken handeln?
Nein, ich will so handeln, wie Ihr es von mir erwartet.
Richardis?
Wir leben hier in einer Gemeinschaft.
Wir essen zusammen, wir arbeiten zusammen, wir beten und wir schweigen zusammen.
Wir respektieren uns.
- Und wir versuchen, einander zu helfen. - Ich würd am liebsten nur mit Euch leben.
Nur wegen Euch bin ich eingetreten. Ihr seid so gut und wisst so viel.
- Von Euch will ich alles lernen. - Keine wird gezwungen zu bleiben.
Jede kann jederzeit gehen. Auch du.
Wenn dein Glaube nicht stark genug ist.
Solange Ihr lebt, möchte ich in Eurer Nähe sein.
Bruder Volmar, ich möchte dir Richardis von Stade vorstellen.
Sie ist aufgeweckt und kann uns beim Abschreiben der Texte helfen.
Oh ja, ich habe eine schöne Handschrift. Das ist die Meinung meiner Mutter.
Wir werden ihr helfen müssen, unsere Regel ernst zu nehmen.
Ich nehme sie ernst.
Nur das Schweigegebot wird mir schwer.
Ich habe so viele Gedanken, die ich jemandem mitteilen möchte.
- Das geht uns zu Anfang allen so. - Nachts kommen manchmal die Luftgeister.
- Versuch, sie mit Gebeten zu vertreiben. - Das hab ich schon versucht.
Etwas Geduld musst du schon haben.
Bleib noch ein wenig in diesem Garten.
Genieß die Ruhe.
Und hör den Vögeln zu.
- Sie spricht und schreibt sehr gut Latein. - So einen kleinen Dämon brauchen wir.
"Daher bin ich auch der lebende Quell, weil alles, was geschaffen ist,
wie ein Schatten in mir war." Die ehrwürdige Mutter schrieb:
"… e Me fuerant", es heißt aber "fuit", darf ich das verbessern? - Ja.
Ich schlage der Magistra vor, dass du bei unseren Arbeitssitzungen dabei bist.
Danke.
Ja.
Richardis.
In Gegenwart der hier versammelten Schwestern und Brüder frage ich dich:
Gelobst du, diesem Kloster und unserer Gemeinschaft die Treue zu halten,
in guten und bösen Tagen?
Ich gelobe es.
Gelobst du, unter der Führung des Evangeliums wahrhaft Gott zu suchen,
dich um die tägliche Umkehr zu bemühen und nach der Regel
unseres heiligen Vaters Benediktus zu leben? - Ja, ich gelobe es.
Willst du Christus nichts vorziehen und Gehorsam geloben?
Ja, ich gelobe es.
Gott, der sein gutes Werk in dir begonnen hat, möge es auch vollenden.
Amen.
(Gesang) Santa Maria, ora pro nobis.
Santa Denetrie, ora pro nobis.
Sancta Virgo virginum, ora pro nobis.
Trag den Schleier als Zeichen, dass du nicht mehr dir selbst gehörst,
sondern Christus, und mit ihm verborgen bist in Gott. - Amen.
♪ Musik ♪
Gott hat diese unsere Schwester dazu berufen,
im monastischen Leben Christus nachzufolgen.
Lasst uns den allmächtigen Vater bitten, er möge seine Gnade über ihr ausgießen
und ihr helfen, das zu verwirklichen, was sie heute gelobt.
(Alle) Amen.
Ehrwürdige Mutter?
Das ist mein Bruder Hartwig.
Ich danke dir für die liebevolle Geduld, die du mit meiner Schwester hattest.
- Als Kind kletterte sie lieber auf Bäume. - Auch auf Bäumen kann man beten.
Sogar auf Säulen haben es unsere Heiligen schon geschafft.
Wie die Erde Nützliches und Unnützes wachsen lässt,
so tragen die Füße den Menschen zu nützlichen und unnützen Werken.
Wenn der Mensch rechte Werke tut, haben auch die Elemente die richtige Bahn.
Wenn er aber unrechte Werke tut,
dann lenkt er die Elemente mit strafender Bedrängnis auf sich.
Du glaubst, dass sich die Elemente gegen uns wenden könnten, um uns zu strafen?
Ja, mein Kind, das glaube ich.
Deswegen müssen wir uns in allem, was wir tun, Rechenschaft ablegen.
Und uns mäßigen. Denn ohne den Dienst der Elemente kann der Mensch nicht leben.
Schwester Richardis.
Wir arbeiten morgen weiter, Schwester. Gleich nach dem Morgengebet.
Bring mir etwas von unserem Wermutwein. Bitte.
Schwester Clara weint.
Steh auf und sieh mich an.
Du hast dein Keuschheitsgelübde gebrochen?
Seit wann haben deine Monatsblutungen ausgesetzt?
Seit 3 Monaten. Jede andere Frau dürfte sich freuen.
Aber du hast unsere Regel verletzt.
Vielleicht gibt es eine Medizin, die ich einnehmen könnte.
Schwester Clara wird unser Kloster verlassen müssen. - Nein. Nein!
Schick mich nicht weg. Ich bereue es. Ich bereue es so sehr!
Glaub mir, mein Kind, mir ist genauso schwer ums Herz wie dir.
Aber wir können nur eins für dich tun.
Du darfst uns freiwillig verlassen. Deine Mitschwestern erfahren nichts.
Nein. Schick mich nicht weg!
Und bitte Gott, dass er dir verzeiht.
Nein. Schick mich nicht weg. Bitte!
Nein!
Zu meiner Familie kann ich nicht zurück.
Wir werden einen Weg finden.
Verzeih mir.
♪ Musik ♪
Wir brauchen ein eigenes Kloster.
Ein eigenes Kloster?
Die Klause als Wohnstatt wird zu klein für uns.
Wer hat dir diese ketzerische Idee eingegeben?
Das lebendige Licht zeigte mir, wo wir unser Kloster bauen sollen
Und wo? Wo die Nahe in den Rhein mündet.
Auf dem Rupertsberg. Der gehört dem Grafen von Hildesheim.
Wir brechen in keinen fremden Besitz ein. Und wie willst du diesen Besitz erwerben?
Durch die Schenkungen unserer Familien. Die waren für dieses Kloster!
Ja, aber vor allem wegen der Heiligen Jutta.
Jetzt verehren die Menschen mich.
Ich entlasse euch Jungfrauen nicht ungeschützt in fremdes Gebiet!
- Unsere Jungfrauen sind hier ebenso wenig geschützt. - Was heißt das?
Der männliche Geist hat es oft schwerer als wir, der Fleischeslust zu widerstehen.
Zügle deine Zunge!
Hier können wir unseren Brüdern nicht helfen, ihr Fleisch zu bezwingen.
Wenn hier jemand sein Fleisch nicht bezwingen kann,
dann deine Mitschwestern! Sie sind es, die meine Brüder zu verführen trachten!
Dein Bruder, der meine arme Schwester Clara verführte, lebt!
Und gibt es nicht zu. Sie aber musste es mit dem Tod bezahlen.
Hoffentlich schmort sie in der Hölle!
Und was wünschst du deinem sündigen Bruder?
Das Himmelreich?
Ich schreibe noch heute ans Domkapitel, damit du exkommuniziert wirst!
Und ich komme morgen wieder.
Wir gelobten bei unserer Profess, diesen Ort nicht zu verlassen.
Bis zu unserem Tode nicht. Und danach werden wir auf unserem Friedhof begraben!
Ich weiß, was ich vorhabe, ist gegen unsere Regel.
Aber ich bin für unser Heil und für das zukünftiger Schwestern verantwortlich.
Ich glaube nicht, dass unsere Mutter damit einverstanden wäre.
Und ich will hier, neben ihr, begraben werden.
Ich bin jetzt eure Mutter.
Wir können sie in unseren Gebeten um Hilfe bitten. Aber handeln müssen wir.
- Du und ich gemeinsam. Bist du dazu bereit? - Ich werde mein Gelübde nicht brechen.
Das ist das erste Mal, dass du mich allein lässt. - Allein?
Frag doch deine kleine Richardis. Die wird dir überall hin folgen.
Hier habt ihr den Schleier genommen und hier werden deine Schwestern begraben!
Ich würde den Anweisungen meines Herrn, dem Erzbischof von Mainz, zuwiderhandeln.
Auch er untersteht einem höheren Herrn, und von ihm empfange ich meine Befehle.
Du empfängst deine Befehle vom Teufel.
Du glaubst, von Gott erwählt zu sein, und wurdest von einem Trugbild getäuscht.
♪ Musik ♪
Hast du mit unserem ehrwürdigem Vater gesprochen?
Ehrwürdiger Vater.
Die Magistra ist wieder sehr krank. Sie kann nicht mehr sprechen.
- Sie hat schon viel zu viel gesprochen. - Es ist doch nicht sie!
Ja, ja, das lebendige Licht.
Glaubt Ihr nicht mehr an ihre Sehergabe?
Nicht nur ich. Viele große Kleriker sind überzeugt, dass sie simuliert.
- Ihr habt sie bis jetzt immer unterstützt. - Sie verstand es lange, mich zu täuschen.
Ehrwürdiger Vater, ich fürchte, sie stirbt.
Dann ist es Gottes Wille.
Lasset uns beten.
Gott, unser Vater, wir empfehlen dir unsere Schwester Hildegard.
Für sie ist die Zeit der Pilgerschaft zu Ende.
Lass sie heimkehren in deinen ewigen Frieden.
Öffne ihr das Paradies, wo es weder Trauer noch Klage und Schmerz gibt.
Sondern Friede und Freude mit deinem Sohn und dem Heiligen Geist, in Ewigkeit, Amen.
Natterngezücht.
Erzbischof Heinrich von Mainz gibt dir und deinen Schwestern die Erlaubnis,
unser Kloster zu verlassen und an den Ort zu ziehen, der dir erschien.
♪ Musik ♪
Das setzte meine Mutter für uns durch.
Ohne Gottes Hilfe wäre es ihr nicht gelungen.
Ich möchte, dass du uns allen die Beichte abnimmst, bevor wir gehen.
Wir müssen reinen Herzens sein, wenn wir diesen Ort verlassen.
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
Wann haben wir wenigstens ein Dach über dem Kopf?
Das hängt ganz vom Wetter ab.
Ich möchte in allen Arbeitsräumen fließendes Wasser.
Das ist ungewöhnlich und nicht ganz einfach.
Wasser reinigt nicht nur den Körper, sondern besänftigt auch die Seele.
Das haben schon die Römer gewusst. Strengt Euch an, Herr Baumeister.
Auf der anderen Rheinseite wäre alles einfacher gewesen.
Ja, aber hier lebte der Heilige Rupert.
Und hier sind wir weniger abgeschnitten von der Welt als in Disibodenberg.
Bingen, der Rhein, die Nahe.
Reisende aus aller Welt werden uns ihre neuesten Erkenntnisse mitbringen.
Ich hörte, die arabische Medizin sei der unseren weit voraus.
Aber die Araber sind Heiden.
Ja, aber sie verstehen etwas von der Heilkunst.
♪ Musik ♪
♪ Musik ♪
Bitte entlasse uns aus dieser Fron!
- Wir wollten unser eigenes Kloster. - Du wolltest dein eigenes Kloster!
Nur, weil du mit dem Abt nicht zurecht kamst! Dort hat es uns an nichts gemangelt.
Meine Familie schickte mich nicht zu dir, damit ich mir meine Hände ruiniere.
- Ora et labora! - Wir wollen nicht mehr auf Strohsäcken
- Wie die Stallknechte! - Wir können uns bald wieder schmücken.
Ich warne euch. Es wird euch im Himmel nicht angerechnet werden.
Einige von Euch werden auf die schiefe Bahn geraten und sterben vor der Zeit.
Meine Eltern glauben, die Luftgeister haben dich verführt!
Und dass du deine Gabe nur für dich und nicht zu unserem Heil benutzt!
Ich sah in der wahren Schau, dass die Trübsal Mose über mich gekommen war.
Denn als er die Söhne Israels aus Ägypten über das Rote Meer in die Wüste führte,
murrten sie gegen Gott und bedrängten Moses sehr.
So erlaubte es Gott, dass auch ich bedrängt wurde.
♪ Musik ♪
Meine liebste Tochter.
Wie sollen wir mit unseren Mitschwestern verfahren, die uns verlassen wollen,
weil ihnen die Arbeit hier nicht behagt und sie glauben, sie verdienen Besseres,
als im Mangel zu leben. Schwester Jutta.
- Sie sollen gehen dürfen. - Schwester Bertha?
Eigensinn führt zur Strafe, Bindung erwirbt die Krone. Ich bin für Strafe.
- Schwester Gerhild. - Die 4. Stufe der Demut lautet:
Eine Nonne übt auch dann Gehorsam, wenn es hart und widrig zugeht.
Auch wenn ihr viel Unrecht geschieht, schweigt sie und übt sich in Geduld.
Sie hält aus, ohne davonzulaufen, denn die Schrift sagt:
"Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet."
Wir sollten sie gehen lassen. Sie säen sonst nur Zwietracht.
Und am Ende hassen wir uns alle. Die, die ausharren,
rücken mehr zusammen und die Liebe zwischen uns siegt über den Mangel.
♪ Musik ♪
Ich bin hier, um das einzufordern, was mir zusteht. - Was soll das sein?
Die Ländereien, die unsere Schwestern als Mitgift einbrachten.
Die Schwestern, die dich verließen, weil sie es mit dir nicht aushielten?
Du weißt sehr wohl, von welchen Besitzungen ich rede.
Ich überlasse dir die Hälfte, aber die andere Hälfte brauchen wir zum Überleben.
Das gilt ebenso für uns. Auch wir brauchen sie zum Überleben.
Gott will, dass wir nicht Hunger leiden, damit wir ihm freudig dienen.
Wende dich an deine Gönnerin, die Markgräfin von Stade.
Die sich so für dich eingesetzt hat.
Oder an deinen Beschützer.
Den Erzbischof von Mainz.
Sollen sie euren Hunger stillen.
♪ Musik ♪
Der Teufel soll dich holen!
Der Erzbischof hat mir erlaubt, bei dir als Probst zu dienen.
Oh, lieber Volmar, du kommst im richtigen Augenblick.
Ich brauche dich jetzt mehr als je zuvor.
♪ Musik ♪
Der Visionärin Hildegard, die mit vielen bewundernswerten Tugenden leuchtet,
schenken Wir hiermit ein Mühlenwehr am Binger Loch und dazu allen Grundbesitz.
Damit ist der Bestand deines Klosters sichergestellt.
Ich hoffe, du wirst dich jetzt wieder der Niederschrift deiner Visionen widmen.
Wir sind sehr begierig, sie zu lesen.
♪ Musik ♪
Mitten im Weltenbau steht der Mensch,
denn er ist mächtiger als die übrigen Geschöpfe, die darin leben.
Von Gestalt zwar klein, aber groß durch die Kraft seiner Seele.
Er bewegt die oberen und die unteren Elemente.
Auch du bist groß durch die Kraft deiner Seele.
Und wie das Herz des Menschen in seinem Leib verborgen ist,
so ist sein Körper umgeben von den Kräften der Seele.
Darf ich dir etwas sagen, was dich vielleicht erzürnt?
Könntest du mich denn erzürnen, mein Kind?
Ich liebe dich so, dass ich Angst habe, du könntest vor mir sterben.
Aber sicher werde ich vor dir sterben.
- Das ist doch nur natürlich. - Ich kann nicht weiterleben ohne dich.
Das sagte ich meiner Mutter Jutta auch, als ich so alt war wie du jetzt.
Dann starb sie,
und ich gab das, was sie mich lehrte, an euch weiter.
So wirst du auch einmal das, was du von mir gelernt hast, weitergeben.
Es wird ein Singspiel.
Sie summt eine Melodie.
Wir führen es auf zu Ehren unseres Gastes,
Magistra Tengwich von St. Marien aus Andernach.
Jede von euch stellt eine Tugend dar.
Du, Schwester Richardis, bist die Seele, die sich vom Teufel verführen lässt.
Und wer ist der Teufel?
Unser Priester Volmar.
- Er ist der Einzige, der nicht singen darf. - Das wird ihm aber gar nicht gefallen.
Vielleicht wäre er gern mal ein Teufel.
Que es, aut unde venis?
Tu amplexata es me, et ego foras eduxi te.
Sed nunc in reversione tua confundis me.
Ego autem pugna mea deiciam te!
Ego omnes vias meas malas esse cognovi,
et ideo fugi at te.
Modo autem,
o illusor,
pugno contra te.
Inde tu,
o regina Humilitas,
tuo medicamine adiuva me!
O Victoria,
que istum in celo superasti,
curre cum militibus tuis
et omnes ligate ergo istum,
o Virtutes preclare!
O regina nostra,
tibi parebimus,
et precepta tua in omnibus adimplebimus.
Du kennst den Brief des Paulus an Timotheus, in dem er sagt:
"Die Frauen sollen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden.
Nicht Gold und Perlen und kostbare Kleider seien ihr Schmuck.
- Sondern gute Werke!" - Das eine schließt das andere nicht aus.
Die weißen Gewänder unserer Jungfrauen stehen für ihre Vermählung mit Christus.
Paulus gebietet den Frauen, ihr Haar zu bedecken.
Deine Jungfrauen tragen es offen und sichtbar für alle.
Sein Gebot gilt für Ehefrauen.
Als Jungfrauen stehen wir in der Einfalt und Unversehrtheit des Paradieses da.
Gott liebt die Schönheit.
- Im Paradies gab es keine Hässlichkeit. - Wir leben auf Erden!
Und das Paradies müssen wir uns erst wieder verdienen.
Ich werde über die Neuerung in deiner Lebensweise Bericht erstatten müssen.
Tu das. Möchtest du mit uns zu Abend essen?
Nein! Ich faste!
10 Jahre Arbeit!
Dein erstes Werk.
Ich danke euch.
Ich danke euch allen.
Danke.
Danke. Danke!
Danke.
Und morgen werden wir weiterarbeiten!
Es gibt nun Männer von einer besonderen männlichen Geschlechtskraft.
Der Geschlechtswind in den Lenden dieser Männer…
ist mehr feuriger als windiger Natur.
Ihm beigegeben sind 2 zeltartige Gebilde,
die den Stamm aller männlichen Kräfte umgeben und ihn festigen und aufrichten.
So baut man ja auch kleinere Gebäude als Bollwerke um einen Turm.
Sobald der Samen des Mannes an seine Stelle fällt,
nimmt das weibliche Blut ihn mit allem Verlangen seines Liebesvermögens…
in sich auf und saugt ihn in sich hinein,
gleichsam wie ein Atemzug etwas in sich hineinschlürft.
Und auf diese Weise vermischen sich weibliches Blut und männlicher Samen.
Und wie möchtest du dieses Buch nennen?
Liber subtilitatum diversaruro naturarum creaturarum.
Sicher konntest du schon sehen, wie gut wir deine großzügige Hilfe verwendeten.
Es ist eine schöne, durchdachte Anlage. Ich hoffe, ihr lebt wieder in Frieden.
Und die Widrigkeiten des Neubeginns sind überwunden.
Ich danke dir sehr. Ohne dich hätte auch Richardis nicht so mutig zu mir gestanden.
- Über sie möchte ich mit dir reden. - Ich kann sie nur mit Engelszungen loben!
Sie ist mir in allem eine große Stütze. Sie ist intelligent und demütig.
Ohne ihre Liebe und Freundschaft wäre mein Buch noch nicht beendet.
Deine Tochter hat es verstanden, mein Herz ganz für sich einzunehmen.
Ich dürfte das gar nicht sagen. Ich muss alle Schwestern gleich lieben.
Ich weiß, wie sehr du an ihr hängst. Und sie an dir. Dennoch.
Ihr Bruder sieht sie für ein Amt vor, das sie von dir wegführen wird.
Hartwig ist, wie du weißt, seit mehreren Jahren Bischof von Bremen.
Und er hat dafür gesorgt, dass die Nonnen des Klosters von Bassum…
Richardis zu ihrer neuen Äbtissin gewählt haben.
- Das geht nicht ohne meine Einwilligung. - Die ich jetzt von dir erbitte.
- Ich kann auf Richardis nicht verzichten. - Du wirst müssen, liebe Freundin.
Niemals!
Wir glauben, sie diente dir lange genug.
Du warst ihr ein großes Vorbild, wie man ein so wichtiges Amt ausfüllt.
Lass sie zeigen, dass sie deiner würdig ist.
Ich kann sie nicht freigeben! Das ist wider unsere Regel.
Der Bischof von Mainz weiß, wie bedeutsam Richardis' Berufung für Hartwig ist.
- Und er schätzt meinen Sohn sehr. - Richardis wird Eurem Ruf nicht folgen.
Fragen wir sie selbst.
Sie liebt mich. So sehr, wie ich sie liebe.
Dann lass sie rufen.
Deine Mutter hat mir gerade den Wunsch deines Bruders Hartwig mitgeteilt,
dass du Äbtissin werden sollst.
Fernab von diesem Kloster und fernab von deinen Schwestern.
- Ja, ehrwürdige Mutter. - Du wirst das Amt ablehnen?
- Nein, ehrwürdige Mutter. - Aber du gehörst hierher.
Du gehörst zu uns.
Zu mir. (Mutter) Sie ist nicht dein Besitz.
Du gelobtest bei deiner Profess, unser Kloster nie zu verlassen.
Das galt für Disibodenberg, und das habt ihr bereits verlassen. Mit meiner Hilfe!
- Du wolltest mich lieben bis zu meinem Tod. - Ich setzte mich für dein Kloster ein.
Und du hast erhalten, um was du batest. Nun verlange ich das, worum ich bitte!
Richardis!
Versprich mir, dass du stark bleibst.
Richardis!
Sag mir, dass ich mich nicht ängstigen muss. Dass du bei mir bleibst.
Meine Mutter verlangt es von mir. Ich kann sie nicht kränken.
Und deswegen bist du bereit, mich zu kränken?
Wir haben auf dein Verständnis gehofft.
Verständnis? Verständnis für die Ehrsucht deines Bruders?
Es geht ihm doch gar nicht um dich! Er will doch nur seine Macht stärken!
Und geht es dir denn um mich?
Ich weiß, du würdest unglücklich werden, wenn du weggehst.
Oder ich werde eine genauso gute Magistra wie du.
Zu der die Menschen hinpilgern und der sie vertrauen.
Es geht dir um deinen Ruf in der Welt?
Geht es dir nicht um deinen Ruf? Warum dein Buch? Warum deine Gesänge?
Warum deine Korrespondenz mit all den Mächtigen dieser Welt?
Sollte ich mich so in deiner Liebe getäuscht haben?
Meine Liebe zu dir war immer rein und aufrichtig.
Aber deine Liebe ist nur Eigensucht!
Liebtest du mich wirklich, würdest du Freude für meine Berufung empfinden!
Du freust dich, mich zu verlassen?
Ja.
Ich freue mich.
Ein Schreiben vom Erzbischof von Mainz für dich.
Er hat mir bisher immer beigestanden.
Einige Ordensleute kamen als Abgesandte eines uns bekannten adeligen Klosters.
Sie baten inständig, dass jene Schwester, die sie erbitten und die bei dir lebt,
ihnen gemäß stattgefundener Wahl als Äbtissin zugestanden wird.
Dementsprechend gebieten Wir kraft der Autorität Unseres Amtes,
ja, Wir legen dir befehlend auf, dass du sie den Bittenden überlässt.
Die Gründe, die er vorbringt, haben bei Gott kein Gewicht.
Wenn nicht, so werden Wir es erneut, und zwar noch schärfer, befehlen.
Und nicht davon ablassen, bis du Unser Gebot durch die Tat erfüllt hast.
Ich werde seinem Befehl nicht folgen.
Die Gräfin verlor 2 ihrer Söhne durch einen gewaltsamen Tod.
Es bleiben ihr nur Hartwig und Richardis. Hab Verständnis für sie.
Richardis ist meine Tochter!
- Und ich bin ihre Tochter. - Ich erkenne dich nicht wieder!
Der Heilige Vater duldet nicht, dass eine treue Dienerin Gottes so leiden muss!
Du leidest, weil du deiner Stimme nicht folgtest!
Es war die Stimme, die mir auftrug, Richardis zu lieben.
Ich habe an deine Mutter geschrieben.
Ich habe sie angefleht, deine Seele nicht zu zerstören.
Sie wird nicht auf dich hören.
Für sie und meinen Bruder ist es beschlossene Sache.
Es wird alles gut werden.
Es wird alles gut werden.
Ich bitte dich, ich flehe dich an!
Reiß meine Tochter nicht von meiner Seite.
Schwester Richardis stammt aus einem bedeutenden Adelsgeschlecht.
Und es steht ihr gut an, Äbtissin zu werden.
Gott erhalte und stärke deinen Sinn und deine Seele.
In der kurzen Zeit, die du noch zu leben hast.
Ist Richardis abgereist?
Deswegen bin ich hier.
Danke.
♪ Musik ♪
Nun sollen alle mit mir klagen, die Schmerz leiden gleich meinem Schmerz.
Die aus Gottes Liebe in ihrem Herzen Liebe zu einem anderen Menschen trugen,
wie ich sie zu dir gehabt, und der ihnen in einem Augenblick entrissen ward,
so wie du mir entrissen worden bist. Gottes Engel schreite vor dir her.
Es schütze dich Gottes Sohn, und seine Mutter behüte dich.
Gedenke deiner armen Mutter Hildegard, auf dass dein Glück nicht dahinschwinde.
Glockenläuten
Verzeih mir alles, was ich dir angetan habe.
Du hast mir nur Gutes getan.
Ohne dich wäre ich ein verlorenes Kind geblieben.
Wirst du bei der Waschung dabei sein, wie wir es bei unserer Mutter waren?
Ich verspreche es dir.
Du musst dich nicht fürchten. Ich habe mich nie kasteit.
Bald wirst du unsere geliebte Mutter wiedersehen.
- Ich beneide dich. - Der Neid ist hässlich und unförmig.
Seine Bärenhände zeigen, dass er alles zerreißt.
Seine Holzfüße, dass er tote Wege geht.
Die Liebe dagegen ist die große von Gott geschenkte Kraft.
♪ Musik ♪
Geistlicher Gesang
Geistlicher Gesang
Ich habe dich hergebeten, weil wir von deiner Sehergabe hörten.
Ich bin nur ein armseliges Geschöpf.
Besitze weder Gesundheit noch Stärke, weder Kraft noch Gelehrsamkeit.
Gott ist in den Schwachen stark. Komm, bitte, setz dich.
Wenn du erlaubst, stehe ich lieber.
Also doch nicht so schwach, wie du behauptest.
Du hast mich in deiner Schau gesehen? Was genau?
Ein Mann schaute von einem hohen Berg in alle Täler, was jeder darin tat.
Er hielt einen Stab in der Hand und teilte alles richtig ein,
so dass grünte, was dürr war, und aufwachte, was schlief.
Du weißt, Wir wurden am Sonntag Laetare in Aachen zum König gesalbt und gekrönt.
Nun sind Wir begierig zu wissen, was Uns die Zukunft bringen mag.
Du hast vor, mit deinem Gefolge nach Rom zu ziehen? - Ja.
Dir wird dort zuteil werden, was du dir wünschst.
- Die Kaiserkrone? - Du hältst sie bereits in den Händen.
Der Papst wird mich zum Kaiser krönen?
Aber ich ermahne dich: Sei ein Streiter, der dem Teufel tapfer widersteht.
Dass Gott dich nicht stürze und Schande über dein irdisches Reich komme.
Du kannst gewiss sein, liebe Mutter, ich werde dir in allem Folge leisten.
Die Länder sind dunkel von den Ränken derer,
die durch die Schwärze ihrer Sünden die Gerechtigkeit auslöschen.
Bezwinge du sie mit dem Zepter der Barmherzigkeit.
Damit du, wenn der höchste Richter dich anblickt, nicht angeklagt wirst,
du habest dein Amt nicht richtig erfasst.
Wirf die Habsucht ab und wähle die Enthaltsamkeit.
Das ist es, was der höchste König von dir erwartet.
Wir werden Uns in allen Unternehmungen stets für die Ehre des Reiches abmühen.
Gott schütze dich. Mögest du leben in Ewigkeit.
Ich bin dir eine Gegengabe schuldig, ehrwürdige Mutter.
Ich habe gehört, du nimmst großen Anteil an den Wissenschaften.
Ich habe viele der größten Gelehrten aus ganz Europa am Hof.
Ich möchte dich mit ihnen bekannt machen, wenn du erlaubst.
Du würdest mir eine große Freude machen.
Du würdest mir eine große Freude machen, wenn du mit mir spielen würdest. Bitte.
- Dieses Spiel lernen wir im Kloster nicht. - Ich zeige es dir.
Der Kalif von Cordoba soll eine Bibliothek gehabt haben, die 400.000 Bände umfasste.
Kannst du dir das vorstellen?
400.000 Bände!
Die größte Bibliothek bei uns hat 400 Manuskripte! Schwester Mechtild?
Erzbischof Hartwig von Bremen bittet, Euch sprechen zu dürfen.
♪ Musik ♪
Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen… Um euch mitzuteilen…
- Unsere Schwester… deine Schwester… - Richardis ist tot?
Sie hat die Ehre, die ich ihr verschafft habe, gering geschätzt.
Sie sehnte sich kurz vor ihrem Tod unter Tränen und aus ganzem Herzen zurück.
Daher bitte ich dich… Bitte ich euch…
Wenn ich dessen in euren Augen noch würdig bin.
Du wollest sie lieben, genauso, wie sie dich geliebt hat.
Und scheint sie gefehlt zu haben,
so gedenke ihrer Tränen, die sie über das Verlassen deines Klosters vergoss.
Hätte sie der Tod nicht daran gehindert, wäre sie zu dir zurückgekehrt.
Die Welt hat ihre Schönheit und Klugheit geliebt,
Gott aber liebte sie noch mehr.
♪ Musik ♪
Per Istam sanctam unctionem.
Indulgeat tibi.
Quidquid dellquisti.
♪ Musik ♪
Gott warf mich erneut aufs Krankenlager und belastete meinen Körper mit Atemnot,
so dass die Adern mit dem Blut,
das Fleisch mit dem Saft und das Mark mit den Knochen vertrockneten,
als müsste meine Seele aus dem Leib scheiden.
Dann aber sah ich eine große Schar Engel aus der Heerschar des Heiligen Michael.
Einer rief mir zu: "Ei, ei, Adler, warum schläfst du in deinem Wissen?
Erhebe dich, denn die Sonne hat dich hervorgebracht."
Und sogleich rief die ganze Schar mit gewaltiger Stimme:
"Dein Werk ist noch nicht vollbracht. Auf, auf! Erhebe dich und trinke!"
Gebt mir zu essen und zu trinken.
Und was haben dir die Engel gesagt?
"Steh auf, dein Werk ist noch nicht vollbracht."
Ich werde endlich mein Werk über die Heilkräfte der Natur schreiben.
Und über die Ursachen und Heilung von Krankheiten. Und…
- Ich werde auf Predigerreise gehen. - Auf Predigerreise?
Ja.
- Weißt du, was das bedeutet? - Ich weiß.
Es ist unerhört! Ich werde die erste Frau sein.
Und wieder alle gegen dich aufbringen!
Und ich werde unseren Herren Klerikern die Leviten lesen!
Wirst du mich trotzdem begleiten?
♪ Musik ♪
Dem König aber gefiel es, eine kleine Feder zu berühren,
dass sie in Wundern emporfliege.
Und ein starker Wind trug sie, damit sie nicht sinke.
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