All language subtitles for Die.Toten.vom.Bodensee.Abgrundtief.2017.GERMAN.dTV

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Original subtitles

(Lachen)

Danke!

Unsere Vorstellung ist gut besucht. Eine Wachsleiche will jeder sehen.

Jeder hat Angst davor.

Wie meinen Sie das?

Ist eine der Legenden vom Bodensee.

"Sie bewohnen die dunklen Tiefen für alle Zeiten."

Noch nie davon gehört?

"Leichen, die nicht verwesen."

Ist ein altes Gruselmärchen.

Eher ein physikalisches Phänomen.

An den Ketten waren wahrscheinlich Gewichte.

Das hat in der Tiefe nicht mehr gehalten.

Frau Zeiler, hallo! - Morgen. Wie lang war sie im Wasser?

Das kann ich noch nicht sagen.

Bei einer Wasserleiche mit Fettwachsbildung

ist die Todeszeitbestimmung nicht so einfach.

Aber in diesem Zustand ist sie schon mehrere Jahre. Das ist sicher.

Bei Sauerstoffausschluss tritt keine Verwesung ein.

Der Bodensee ist bekannt dafür.

Toter Körper versinkt, gerät ins Tiefenwasser und...

Der See ist bis zu 250 Meter tief.

Die Wachsbildung passiert schon ab 30 oder 40 Metern.

Sie muss nicht so tief unten gewesen sein.

Die kann 100 Jahre alt sein. - Sicher nicht.

Extensions vor 100 Jahren?

Das kann auch vom Wasser sein.

Wachs, oder?

Man sieht sogar noch die Klebestellen.

Ja, tut mir leid. Ich muss sie jetzt sofort mitnehmen.

An der Luft zersetzt sie sich zu schnell.

Also, mitnehmen, kühlen, ...Luftdicht halten.

(Nachrichtensprecher) "Die Lochauer Strandpromenade

ist wegen einer Bergungsaktion abgesperrt.

Es handelt sich um eine tote weibliche Person.

In den letzten Tagen wurde niemand vermisst gemeldet.

Die Leiche war mit Eisenketten beschwert.

Die Polizei schließt daher ein Verbrechen nicht aus."

(Handy klingelt.)

Häusler.

(weibliche Stimme) Sie ist wieder da. Im roten Kleid.

Freust dich? Oder schreckt dich das?

Sie ist wieder aufgetaucht.

Mein Schatz?

Alles in Ordnung?

(Polizeifunk) "... Leiche, Identität unbekannt.

Die Kollegen an der Wasserschutz melden sich ab.

Die Vier ist in Bereitschaft.

(Männerstimme) Verstanden. Wachsleiche, weiblich, unbekannt.

(andere Männerstimme) Wir sind in Bereitschaft.

Ich mach mich auf den Weg."

Ich hab mir den Flamingo ausgesucht, weil ich finde, der Flamingo...

Also Kim...

(Handy) Entschuldigung.

Eigentlich geht es auch gar nicht um die Arbeit.

Es ist nur Michas Ausrede.

(Besetztzeichen)

Ich habe das Gefühl, dass du nicht zu Hause sein willst.

Als ob du auf der Flucht bist. - Das ist doch Blödsinn, Kim.

Wovor rennst du weg? Vor mir? - Nehmen Sie Kims Gefühle an.

Wir wollen herausfinden, was wichtig im Leben ist.

Was die Prioritäten für Sie sind. Es geht nicht darum, Ihre Ehe zu retten.

Wie bitte? - Nicht um jeden Preis.

Die Paarberatung ist ergebnisoffen.

Unter Umständen wäre auch eine Trennung für alle das Beste.

Genau das gilt es hier an Hand von Flamingo...

...und Eule... herauszufinden.

Sie sind geschieden, richtig?

Du hast Herrn Wolters überprüft?

Zweimal verheiratet, zweimal geschieden.

Was qualifiziert Sie eigentlich?

(Telefon klingelt.)

(Telefon klingelt.)

(Telefon klingelt.)

Ja, ich komm schon.

(Telefon klingelt.)

(außer Atem) Hallo, Zeiler.

Sie brauchten Urlaub?

Ich war bei der Eheberatung. Sie haben ja keine Vorstellung.

War Kim auch dabei?

Ha ha.

Guten Abend. - Guten Abend.

Hallo, Herr Egger. - Hi.

Wie geht's Ihnen? - Fünf Stiche, aber... gut.

Gott sei Dank. Wurde irgendwas gestohlen?

Nein. Die Leiche ist da, auch ihr Kleid. Sie trug ja sonst nichts.

Keine Unterwäsche? - Nein.

Was fehlt, sind die Ketten. Aber ich hab Fotos gemacht.

Sehr gut.

Und was machen wir jetzt? Bin ich in Gefahr?

Ja, ist nicht auszuschließen. - Doch, doch. Ist es.

Sie sagen ja selbst, es gibt nur die Leiche und das Kleid.

Keine Schuhe, keine Unterwäsche. Zwei Ketten, die jetzt fehlen. - Ja.

Jemand glaubt, über diese Ketten identifizierbar zu sein.

Es gibt keinen Grund mehr, sich jetzt Sorgen zu machen.

Trotzdem! Wir werden der Sache nachgehen, Herr Egger.

Wenn Sie wollen, können wir Kollegen zu Ihrem Schutz abstellen.

Nein, passt schon, danke.

Gut. Das heißt, wir haben jetzt nur dieses Kettenfoto? - Ja, leider.

Aber wir haben was anderes.

Die Frau ist seit 15 bis 20 Jahren tot

und war circa 18 bis 20 Jahre alt, als sie starb.

Todesursache? - Daran arbeite ich noch.

Ich habe mich erst um die identitäts- relevanten Indikatoren gekümmert.

Das heißt? - Keine Fingerabdrücke durch Wachsbildung und Lagerung.

Also: DNA.

Sie ist nicht registriert. Das machte man damals noch nicht.

Aber die Untersuchung war es dennoch Wert. - Inwiefern?

Die Tote litt unter einem Gendefekt. Trisomie 21.

Wie?? Das Mädchen hatte das Down-Syndrom?

(Video) "Hey, ist das schön. Hallo?

(weibliche Stimme) Hallo, Maris. Heute ganz rot, he?

Hallo.

Das ist dein erstes Aquarell!

Oh, das ist schön!

Ist das der Papa?"

Das war Maries Lieblingskleid.

Das war am Tag ihres Verschwindens, richtig?

Sie hatten Ihre Tochter damals nicht sofort als vermisst gemeldet.

Weil es öfter vorkam, dass sie wegblieb? Wie lange denn?

Meistens tagsüber. Ab und zu auch bis spät am Abend.

Und wo war Sie dann?

Wir waren im Wald spazieren.

Aber genau wissen Sie es nicht? - Sie liebte die Natur.

Das heißt, Ihre Tochter hatte hier und da Freiräume?

Wissen Sie, genau das hab ich so satt! Diese versteckten Vorwürfe.

Ich habe mein Kind so behandelt, wie Eltern ihre Kinder behandeln.

Normal! - Ja, warum auch nicht, Herr Häusler?

Wer macht Ihnen Vorwürfe? - Jeder.

Ich hab damals anonyme Anrufe bekommen. Bekomm ich auch heute noch.

Wir können dem nachgehen.

Es gab eine SOKO, die Marie gesucht hat.

Natürlich gab's die.

Es gab die SOKO, die Suche und die Einstellung der Ermittlung.

"Das Mongo-Mädchen ist weggelaufen!", hieß es dann.

Die ist weg. Und das war's.

Ja, aber sie ist nicht weggelaufen.

Sie ist an dem Tag gestorben oder kurz danach.

Wir werden rausfinden, was passiert ist.

Das bekam ich im Laufe der Jahre schon von vielen Polizisten zu hören.

Übrigens auch von deinem Bruder.

Wo wurde das Video aufgenommen?

In der Villa Sonnenkind. Eine Betreuungseinrichtung.

Ich arbeite da heute noch. - Haben Sie Ihre Tochter gefilmt?

Marie ist nicht meine Tochter.

Manfred und ich sind erst später zusammengekommen.

Aber Sie kannten Marie gut? Ja? - Ja.

Herr Häusler, Ihre Exfrau, Maries Mutter und...

(wütend) Hat sich aufgehängt.

Das tut mir leid.

Entschuldigung, ich kann das jetzt hier nicht mehr.

Hatte Marie 'ne neue Freundin, Hobbys oder neue Interessen?

Ist Ihnen was aufgefallen?

Wir wurden alle damals von der Polizei befragt. Immer wieder.

Ja, Fragen zu einer Vermissten.

Aber wir reden jetzt über eine Tote und wahrscheinlich über Mord.

Marie war wie immer.

Ein gut gelauntes lebensfrohes Kind.

Eigentlich schon eine junge Frau.

Mein Mann hat nie etwas verändert.

Ich hätte gern irgendwann mal losgelassen.

Für ein normales Leben.

Vielleicht wie viele es haben.

Marie hat nur Menschen gemalt, die sie mag.

Sie war sehr sensibel.

(leise, nachdenklich) Ja.

Sensibel sind sie alle.

Und lebensfroh.

Sie kennen sich aus?

Mit Kunst? Nein.

Die Gewalteinwirkung war nicht punktuell,

sondern eher flächig im Brust- und Beckenbereich.

Das war brutal.

Die Rippen haben dabei die Lunge und die Arterie schwer verletzt.

Also eine innere Blutung? - Ja.

Tödlich? - Schwer zu sagen, nach so langer Zeit.

Aber ich denk, sie ist daran gestorben und zwar sehr langsam.

Das heißt, sie ist, sie ist nicht ertrunken. Das war an Land?

Sie war vor dem Wasser tot, ja.

Ich hab noch was.

Helfen Sie mir sie umzudrehen?

Sicher nicht.

Gut, geht auch so.

Hier an den Fersen. Sehen Sie? - Ja.

Risse in der Haut.

Ja, aber vor allem die Einlagerungen.

Das ist feiner Kies.

Vom Grund des Sees?

Das ist es ja. Die Geologie rund um den Bodensee ist gut dokumentiert.

Und das passt nicht. Zu viele Salze. Die hat der Bodensee nicht.

Geologie ist ja gar nicht Ihr Fachgebiet.

Sie legen sich ja ganz schön ins Zeug. - Ich wurde niedergeschlagen.

(ironisch) Mhhh, fünf Stiche. Das motiviert.

Könnten Sie?

Ja.

Gut so?

Gewissheit bedeutet auch immer Ruhe, Frau Häusler.

So schrecklich sich das anhört.

Warum glauben Sie, hat sich die Exfrau Ihres Mannes umgebracht?

Viele Eltern behinderter Kinder haben das Gefühl, versagt zu haben.

Haben Schuldgefühle.

Das versteht nicht jeder.

(nachdenklich) Oh, doch.

Ich versteh das sogar sehr gut.

Was ist mit Ihrem Bruder? Ihr Mann sprach davon.

Joseph war einer der Ermittler damals.

Er hat nie aufgehört, nach Marie zu suchen. Als Einziger.

Ich danke Ihnen, Frau Häusler. Alles Gute.

Grüßen Sie Ihren Mann, bitte. - Wiedersehen.

Hallo. Haben Sie 'ne Ahnung, wo ich Herr Malters finde?

Wahrscheinlich ist er unten am Steg.

Warum treffen wir uns hier?

Die Fotos, die Sie mir geschickt haben.

Ich hab nachgedacht, Zeiler.

Die Spuren an den nackten Füßen von Marie.

Ich denke, die Leiche wurde an den Schultern gepackt und weggezogen.

Die Risse sind in Längsrichtung zu den Füßen.

Das passierte wahrscheinlich beim Transport. - Sie trug keine Schuhe.

(nachdenklich) Marie starb sehr langsam.

Sie wurde brutal im Lendenbereich verletzt.

Sie starb an inneren Blutungen.

Aber woher kommen diese Verletzungen?

Ja, das ist die Frage.

Warum gab's damals überhaupt nicht mehr Spuren?

Warum einfach nur "vermisst und weggelaufen".

Genau darüber werden wir mit ihm sprechen.

Mit wem?

Joseph Malters. Ist 'n Ex-Kollege.

Herr Malters? - Lassen Sie mich in Ruhe.

Wonach suchen Sie hier? - Verschwinden Sie!

Polizei, Herr Malters. - Ja, ich war auch mal bei der Truppe.

Dann wissen Sie ja, wie das läuft bei der Truppe.

Ja, allerdings auf der öster- reichischen Seite. - Wie schön.

Also. Was machen Sie hier?

Das hier sind Strömungskarten.

Strömungskarten?

Ja, anhand dieser Karten kann man eine Strömungsanalyse durchführen.

Ist hoch interessant, warum man Marie da drüben gefunden hat.

Man kann im Detail nachvollziehen was, wohin treibt?

Selbstverständlich.

Diese Karten bekommt man beim Institut von Seeforschung.

Existiert schon seit Jahrzehnten. Jeder Tag, jede Stunde.

Und anhand der Koordinaten, Zeit, Raum und Tiefe,

kann man eine Strömungssimulation am Computer errechnen.

Ist faszinierend, nicht?

Marie wurde ermordet?

Anhand der Spuren und Verletzungen gehen wir davon aus, ja.

Sie starb entweder am Tag ihres Verschwindens oder kurz danach.

Was denken Sie, warum man sie in dem roten Kleid gefunden hat,

dass sie am Tag des Verschwindens trug?

Dem ist aber nicht so,

weil sie drei Wochen später noch Briefe geschrieben hat. - Briefe?

Ja. Wollen Sie sie sehen?

Was ist hier los! Habe ich das Ihnen zu verdanken?

Nein, mir.

Sie haben keine Berechtigung, hier zu sein! Verschwinden Sie!

Doch, Herr Malters, ich darf das.

(lacht) Ermittlungen sabotiert und verhindert.

Den Computer nehmen wir auch mit.

Wir haben bei Ihnen was gefunden, was uns gehört.

Vier Meter Aktenordner aus dem Polizeiarchiv.

Vom Fall Marie Häusler?

Ja, hat er an seinem letzten Arbeitstag als Andenken mitgehen lassen.

Niemand hat sich mehr um Maries Fall gekümmert!

Man ist offiziell davon ausgegangen, dass sie davongelaufen ist.

Wo sind Maries Briefe von damals? - Die dritte Schublade von oben.

Sie haben nie aufgegeben, oder? - Marie ist Familie.

Sie sammeln Beweismaterial hier. Originale!

Da waren doch nie Fingerabdrücke drauf!

Und wenn, dann auf dem vierten Brief. Und die waren längst gesichert.

(liest) "Mir geht es gut".

Das ist alles? - Es waren doch Maries Fingerabdrücke.

Oder warum denken Sie, wurde die Suche damals eingestellt?

Gab's 'n Gutachten zu der Schrift? - Nein.

Maries Behinderung hatte kein schlüssiges Schriftbild zugelassen.

Aber es passte zu den Sachen, die wir von ihr hatten.

Marie war da vermutlich längst tot. - Das weiß ich mittlerweile auch.

Malters hat sich damals zur SOKO "Marie" versetzen lassen.

Als diese Sonderkommission ergebnislos aufgelöst wurde,

hat er sofort einen Antrag auf Frühpension gestellt.

Sie haben's doch gehört. Er hat privat ermittelt.

Marie ist Familie.

Er lügt.

Wir sollten überprüfen, ob Malters von Häusler bezahlt wurde.

Die Rechnung geht nicht auf, Oberländer.

Der Malters gehörte doch damals gar nicht zur Familie. Das war später.

Häusler war damals mit der Mutter von der Marie verheiratet.

Kommt aufs Selbe raus.

Ja, auf Aktendiebstahl.

Ja. Verjährt, Komlatschek.

Der Mann hat doch recht.

Kein Mensch interessierte sich mehr für den Fall.

Er hat Fakten gesammelt, keine Trophäen.

Ja oder Fakten manipuliert oder verschwinden lassen.

Die Erfolglosigkeit von dieser SOKO Marie war jedenfalls epochal.

Das ist mein erster Eindruck.

Also dann.

(Das Motor springt nicht an.)

Na, probieren Sie's doch noch einmal.

(Der Motor will nicht anspringen.)

Was hat der nur mit der alten Kiste?

Na ja, die Kiste scheint sein Geheimnis zu sein, Komlatschek.

Maries Lachen...

Ich kann es heute noch hören.

Ich auch.

Ich hatte gerade erst hier angefangen,

da ist sie spurlos verschwunden.

Schrecklich.

Hat die Polizei schon neue Erkenntnisse?

Gibt es eine Chance, die Sache aufzuklären?

Das hoffe ich.

Sie gehen von einem Verbrechen aus.

Aber man will uns nichts sagen.

Arme Marie.

Ich hätte nicht gedacht, dass du heute zur Arbeit kommst.

Du hättest natürlich zu Hause bleiben können.

Bin ganz froh, dass ich hier bin.

Was soll ich denn allein zu Hause?

Danke fürs Anschieben, Komlatschek. Schnurrt wieder wie 'n Kätzchen.

Schön. Das war wirklich schwierig, mit diesem unterbelichteten Foto,

die Länge der Ketten zu berechnen. - Tut mir leid.

Klingt wie 'ne Beschwerde, wenn Sie das so sagen.

Würde eine Beschwerde was bringen?

Ich hab anhand der Kettengliedlänge, der Kettengliedstärke

und der Anzahl der Kettenglieder die Länge berechnet.

Die Kettengliedlänge minus zweimal der Kettengliedstärke...

Komlatschek, ich versteh kein Wort. Und?

Beide Ketten sind genau 1,50 Meter lang.

1,50 Meter. So was bekommt man in jedem Baumarkt.

Warum zwei Ketten? Warum nicht eine lange Kette?

Wahrscheinlich wurden die Ketten vorher für was anderes verwendet.

Ja, wahrscheinlich.

Die Angaben von Malters decken sich mit den Ermittlungsakten von damals.

Und das heißt?

Die Kollegen sind von allem Möglichen ausgegangen.

Entführung, Vergewaltigung mit Todesfolge, Totschlag, Mord.

Das heißt, die Soko Marie hat nur im Nebel rumgestochert. - Absolut.

War alles nur hypothetisch. Bis auf einen einzigen Anfangsverdacht.

Anfangsverdacht für was?

Mord.

Das haben die aber nicht weiterverfolgt,

als die ersten Lebenszeichen von Marie eingetrudelt sind.

(liest) Elisabeth Ludwig?

Frau Ludwig war nicht gut zu sprechen auf die, ich zitiere:

"Mongoschlampe von dem Arsch Häusler."

Ja, ich mag sie jetzt schon. Danke.

(leise) Oberschlampe.

Das ist die Frau.

Elisabeth Ludwig.

Sie war damals verdammt wütend auf Marie.

Vielleicht ist sie's immer noch.

So, sind wir's?

Sind Sie Frau Ludwig? - Haben Sie reserviert?

Nein. Wir bleiben nicht lange. Wir wollen nur kurz...

Von mir aus auch das. Stunde für 100.

Ich muss nachher die Betten überziehen. - Bitte, was?

AGBH, Schätzchen.

Allgemeine Geschäftsbedingungen für die Hotellerie, wenn man so will.

Aha und danach StGB. - Was?

Kuppeleigeschäft, wenn man so will.

Aha, die Bullen! Hab mich schon gefragt, wann Sie auftauchen.

Dann wissen Sie, warum wir hier sind.

Alle meine Gäste sind abgereist.

Eine Wasserleiche am Urlaubsort kann nicht einmal ich schönreden.

Die schafft's tatsächlich, sogar als Leiche mein Geschäft zu ruinieren!

Marie Häusler?

Ich hab nichts gegen Spastis oder Mongos.

Aber die hat mir einfach das Geschäft verdorben.

Ich wollte diesen schwachsinnigen Trampel hier nicht haben.

Und das ist kaum strafbar. Oder?

Da fehlt nur allzu viel Mitgefühl.

Da fehlt noch 'ne ganze Menge mehr.

Man spricht nicht mehr von Mongolismus. Das heißt Trisomie 21.

Das ist keine Krankheit, sondern 'ne Behinderung.

Es gibt Betroffene mit Hochschulabschluss.

Warum erzählen Sie mir diesen Scheiß?

Damit Sie sich nicht weiter daneben benehmen, Frau Ludwig!

Sonst werde ich mich daneben benehmen und das wollen Sie nicht.

Sie drohen mir?! - Ah, Sie haben's verstanden. Schön!

Dann können wir ja weitermachen.

Warum sind Sie eigentlich so wütend auf Marie Häusler?

Das war einen Tag nach dem Feuer.

Was für 'n Feuer?

Marie Häusler hat gezündelt und dabei mein Haus abgefackelt.

Warum war Marie bei Ihnen? - Sie war immer hier.

Sie war aufdringlich zu den Gästen.

Sie war in meinen Hund verliebt. Sie hat ihn ausgeführt.

Ist doch nett. - Ich hab sie aber nicht drum gebeten!

Diese, äh, Trsomieriker sind halt so tierlieb.

Mein Köter hätt aufs Haus aufpassen sollen.

Das war kein Scheißtherapiehund.

Aber sie hat ihn jeden Tag weggeschleppt

und ist in den Wald mit ihm.

Was ist mit dem Feuer?

Ich hab Marie gesehen und den Rauch und dann das Feuer.

Die Versicherung hat bezahlt.

Aber Papa Häusler hat sich für sein Sonnenscheinchen nie entschuldigt.

Sie haben das Mädchen mehrmals verjagt. Sogar geschlagen.

Gerüchte. Unsinn. - Aktennotizen. Anzeigen.

Wurde nie bewiesen. Ich hab's nie getan.

Ich sag's Ihnen, der Vater war's.

Rufen Sie ihn manchmal anonym an, um ihm das zu sagen?

Der Häusler hat Marie im See entsorgt! Ganz sicher!

Ich glaube, er hat seine Tochter geliebt.

Er ist nicht in Trauer versunken. Er scheffelte immer schon Geld.

Aber ab da ging's auf die Gewinnerstraße. - Erfolg ist nicht verboten.

Hat was mit Anstand zu tun. - Na, das sagt die Richtige.

Der war froh, dass er seinen Pflegefall los war!

Hatte er noch mehr Zeit, Geld zu scheffeln!

Sein neuer Bootstyp trug ihren Namen. "Marie".

Im Prospekt war die Scheißtrauer- geschichte abgedruckt.

Er hat nach seiner Tochter gesucht. Mit allen Mitteln. - Sicher!

Der neue Kahn ging in Serie: "Die verlorene Tochter".

Die reichen Wichser sind reihenweise drauf abgefahren.

Was Besseres hätt dem Häusler nicht einfallen können.

Tochter weg, Frau gleich dazu. - Wie meinen Sie das?

Der hat doch keine Gefühle.

Der hat sicher schon während der Ehe mit seiner zweiten Frau rumgemacht.

Der schreckt doch vor nichts zurück.

Was ist mit dem Hund?

Hat auch keiner bezahlt. Ist nie wieder aufgetaucht.

So was hab ich noch nicht erlebt. Ist nicht zu fassen.

Mein lieber Scholli.

Finger weg!

(sanft) Entschuldigung.

Ich mach schon.

Also, wenn Sie darüber reden möchten, dann...

Danke. Es geht schon.

Du bist auch eine untreue Seele.

Du Scheißköter.

Was willst du hier? Dich entschuldigen?

Sollten wir nicht reden?

Wie konntest du dir sicher sein, dass Marie noch am Leben ist?

Die Briefe. Ich...

Ich fühle mich, als hätte ich sie verraten. Jahrelang!

Verstehst du, Joseph?

Ich habe meinem Kind Vorwürfe gemacht.

Jeden verschissenen Tag in den letzten 15 Jahren.

Dass sie weggelaufen ist.

Ich habe alles, was in meiner Macht stand, getan.

Marie ließ mich nicht im Stich. Sie war tot.

Willst du mich jetzt weiterbeschimpfen?

Vielleicht hätte Corinna sich nicht das Leben genommen.

Ist doch Quatsch.

Nur die Ungewissheit hat sie umgebracht.

Joseph, du bekommst von uns kein Geld mehr.

Nicht einen Euro.

Dass wir uns da ganz im Klaren sind.

Denkst du, ich hätte das all die Jahre wegen des Geldes getan?!

Du bist ein gefühlskaltes Arschloch.

Ein Riesenarschloch.

Wie alle sagen.

Wie würden Sie sagen? "Es ist nicht unschön hier!"

Aha.

Herr Wohlfahrt? Können wir hier drüber?

Ja, kommen Sie.

Oberländer. Kripo Lindau. Das ist meine Kollegin Frau Zeiler.

Wir würden gerne mit Ihnen über 'ne ehemalige Schülerin sprechen.

Der Leichenfund gestern im Hafen.

Marie Häusler.

Genau. Haben Sie 'n paar Minuten Zeit?

Natürlich.

Herr Wohlfahrt, Sie fingen an hier zu arbeiten, bevor Marie verschwand.

Ist das richtig?

Ja, aber ich erinnere mich nicht mehr wirklich an viel.

Vielleicht sprechen Sie da besser mit meiner Kollegin Jasmin Häusler.

Komisch. Jeder den wir fragen will uns abwimmeln.

Ich würd zu gern wissen, warum?

Es sind einfach keine schönen Erinnerungen.

Mein Berufsleben begann mit einer vermissten Schülerin.

Verstehe.

Trotzdem.

Manfred Häusler spendete dieser Einrichtung regelmäßig Geld.

100.000 Euro jedes Jahr.

Ja, wir sind in erster Linie über Spenden finanziert.

Herr Häusler war unser größter Förderer.

In dem Jahr, in dem Marie verschwand,

hat er die 100.000 nicht überwiesen. Er hob es bar von seinem Konto ab.

Warum bezahlte er diese Spende bar?

Er hat gar nicht gezahlt.

Hey, Peter.

Hallo, hallo, Juri. - Hallo.

Schöne Blätter hast du gesammelt. - Hallo, hey, Peter.

Wieder zurück aus dem Urlaub? - Ja.

Sehr schön, dann sehen wir uns nachher, ja.

In einer Minute bin ich bei euch. Sehr schön! Die pressen wir nachher.

Also bei uns kam keine Spende an.

Ein paar Tage nach Maries Verschwinden,

hat er die Spende zurückgezogen.

Und er hatte sie auch fürs Folgejahr nicht angemeldet.

Anscheinend hatte er sich's anders überlegt.

Weil Marie verschwunden war? - Darüber weiß ich nichts.

Ich hatte das Gefühl, dass Marie sich hier sehr, sehr wohl gefühlt hat.

Sie liebte den Garten und die Nähe zum Wald.

Was hat Marie im Wald gemacht? - Lange Spaziergänge.

Für Marie war Freiheit und Natur das Schönste. Sie konnte damit umgehen.

Da fühlte sie sich zu Hause.

Häusler hat Marie nicht für das nächste Jahr angemeldet.

Und das Spendengeld hat er auch eingezogen.

Er hat aber die 100.000 abgehoben.

Was hat er mit denen gemacht? - Tja.

Das wirkt fast so, als hätt er zu dem Zeitpunkt schon gewusst,

dass Marie nicht zurückkommt.

Vielleicht macht er uns ja was vor.

Seit 15 Jahren schaut er sich dieses Video an. Immer und immer wieder.

Würde jemand so was wirklich tun?

Sie meinen, dass das alles Teil einer Inszenierung ist?

Ja, warum nicht?

Weil es verdammt wehtut, nicht zu wissen, was passiert ist.

Weil's schlimmer ist als jede Gewissheit.

Darum.

Ja.

Hallo, mein Schatz. Was machst du da?

Maries Zimmer wird jetzt 'n Sportraum.

Hey, was ist denn los?

Die Polizei hat mir gesagt,

dass Marie an inneren Blutungen gestorben ist.

Das muss Stunden gedauert haben.

Je weniger sie an der frischen Luft ist, desto mehr Zeit habe ich.

Das ist aber nicht die Überraschung, mit der Sie mich herlockten?

Moment.

So.

Was ist das? - Eine Schrotkugel.

Steckte in der Unterhaut. Nicht dramatisch, aber...

Sie finden eine Schrotkugel nicht dramatisch?!

Die hatte weder Wucht noch irgendeine Wirkung.

Jemand hat auf das Mädchen geschossen.

Das findet jeder außerhalb Ihres Kellers dramatisch.

Wir haben die Kugel. Und wir haben die Risse.

Auf den Fersen.

Genau. Das sind die einzigen äußeren Eindringungen.

Aber schauen komplett anders aus.

Das Wachs umschließt die Stelle bei der Schrotkugel. Aber...

Nicht auf den Fersen. - Nein.

Wie kann das sein?

Das weiß ich noch nicht.

Aber, ich weiß was anderes.

Das Opfer war schwanger. Fünfte Woche.

Eine schwangere Tochter bedeutet mehr Arbeit.

Noch 'n Kind im Haus.

Vielleicht wurde ihm das alles 'n bisschen viel.

Die Eltern behinderter Kinder sind ja nicht automatisch liebe Menschen.

Wir sollten den Vater noch mal befragen.

Okay. - Nicht heute.

Morgen. Ich muss nach Hause.

Oder ich will nach Hause.

Okay.

Kein Widerspruch?

Also überhaupt kein Spruch?

Ist das der Laptop von Joseph Malters?

Komlatschek will den wiederhaben.

Okay.

Neeneenee!

Das ist jetzt 'n bisschen viel okay, Zeiler.

Was machen Sie da?

11.09.1994.

Der Segelunfall Ihrer Eltern. Todestag Ihrer Mutter.

Sie recherchieren hier in eigener Sache. Richtig?

Sie suchen immer noch nach Ihrem Vater.

Die Berechnungen sind eindeutig.

Schauen Sie mal! Der Unfall war hier.

Wind und Strömung

hätten alles an der Wasseroberfläche dorthin getrieben.

Die Schwimmweste meines Vaters wurde aber hier gefunden.

Das heißt, er muss geschwommen sein.

Gut, gehen wir davon aus, er hat überlebt.

Warum ist er dann verschwunden?

Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn, Zeiler.

Natürlich wollen Sie Klarheit.

Aber vielleicht verrennen Sie sich ja in irgendwas

und wünschen sich das einfach nur. Mhm?

Schönen Abend.

Ihnen auch.

Hallo, Papa. - Hallo, mein Schatz.

Alles gut? - Mhm.

Na komm, setz dich.

(enttäuscht) Salat? Schon wieder??

Probier's doch erst mal, okay? Und dann meckern.

Ich finde das schön, dass wir endlich mal wieder zusammen essen.

Mhm?

Entschuldige, ich war mit meinem Kopf noch bei der Arbeit.

Wenn's dir wirklich nicht schmeckt, dann mach dir 'n Brot.

Trisomie 21.

Da ist alles wieder da, weißt du.

Guten Tag. - Zeiler. Kripo Bregenz. Wir haben telefoniert.

Gibt's schon irgendwelche neuen Erkenntnisse?

Ja. Keiner mag Sie.

Das ist mir nicht neu.

Sie hatten Ihre Tochter nicht für ein weiteres Jahr

bei der Betreuung angemeldet.

Woher konnten Sie wissen, dass Marie verschwinden würde?

Wissen Sie, das ist jetzt wirklich letztklassig.

Die Arbeitskollegen meiner Frau verdächtigen mich,

meine Tochter umgebracht zu haben und das auch noch geplant?

Kommen Sie mal mit, bitte!

Kommen Sie rein!

Da!

Ich sehe nur meine Tochter. Andere sehen darin echte Kunst!

Das ist das erste und einzige Aquarell, das Marie je gemalt hat.

Und?

Sie hat ein Stipendium bekommen. In England.

Deshalb haben Sie sie nicht mehr bei der Betreuung angemeldet.

Richtig.

Sie ziehen Ihr Geld zurück, stürzen sich in die Arbeit.

Das ist natürlich wahnsinnig auffällig.

Geradezu so, als ob Ihnen eine Last aus dem Leben gefallen ist.

Ja, natürlich habe ich gearbeitet!

Wie ein Berserker!

Was hätten Sie an meiner Stelle getan, um klarzukommen?

Und die 100.000 Euro? Wofür brauchten Sie die so plötzlich?

Jetzt muss ich mich schon rechtfertigen, wenn ich nicht spende!

Ich hab das überprüfen lassen.

Sie haben 100.000 Euro von Ihrem Konto abgehoben.

Und zwar kurz nach Maries Verschwinden.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Diese Unterwäsche gehörte Marie.

Und ich hab gezahlt.

Keine Polizei! 100.000 Euro für das Leben meiner Tochter.

In den Akten steht überhaupt nicht, dass Sie erpresst wurden.

Ich hab damals niemandem vertraut. Keiner sollte es wissen.

Weil's ein Trittbrettfahrer war.

Kurz darauf kamen Maries Briefe.

Mir war schnell klar, dass das nur jemand sein konnte,

der die Situation ausgenutzt hat. Hat sich nie wieder gemeldet.

Die Briefe waren falsch, Herr Häusler. - Jaaa!

Heute weiß man das. Die Polizei weiß es, Sie wissen es, ich weiß es!

Damals nicht!

Damals dachten alle nur, dass sie auf und davon ist.

Ich auch.

Und Sie haben nie irgendjemandem von all dem erzählt?

Scham!

Ich glaube nicht, dass Sie wissen, was das ist!

Alle haben nach ihr gesucht, haben ihr Bestes gegeben.

Mein Schwager hat nach ihr gesucht.

Rund um die Uhr.

Marie war schwanger.

Glauben Sie wirklich, dass sie im Wald immer nur spazieren war?

Raus!

Das nehm ich mit.

Das ist eindeutig die Unterhose von Marie Häusler.

Ja, das passt.

Ihre Leiche liegt ohne Unterwäsche in der Rechtsmedizin.

Haben wir einen Entführungsfall?

Einer der schiefgelaufen ist.

Ich denke, wir müssen das Ermittlungsumfeld erweitern.

Vielleicht auch nicht.

Sie haben gesagt, ich soll mir die Pensionswirtin genauer anschauen.

Neenee, Moment! Ich sagte, ich wäre dankbar.

Ich bin immer noch dankbar.

Also?

Ihre Hütte ist abgebrannt.

Sie gab Marie Häusler die Schuld. Aber es war nicht zu beweisen.

Elisabeth Ludwig hat den Laden wieder aufgebaut.

Die Versicherung hat bezahlt. - Sie hatte gar keine Versicherung.

Aber sie hatte doch das Geld.

Tja, ganz plötzlich.

Okay.

Das ist die beste Spur, die wir bislang haben.

Die Alte hat Marie gehasst. Machte aber ihr Geschäft mit dem Mädchen.

Das wird 'n Hausbesuch, Komlatschek.

Die Dame wird Ihnen gefallen. Ist 'n richtiges Herzchen.

Und was machen Sie?

Ich fahr in die Werkstatt.

Fürs Pickerl?

Pickerl?

Ich muss zum TÜV.

Sie trauen sich was!

(Handy klingelt.)

Zeiler.

(Männerstimme) Ihr Vater war ein guter Schwimmer, Hannah.

(verängstigt) Was?

Danke.

Wollen Sie Zucker oder Milch?

Ein bisschen Milch.

Gern.

Und? Hatten Sie schon das Vergnügen?

Ich weiß nicht, was Sie haben. Frau Ludwig ist doch ganz nett.

Sie sind also auch einer von denen.

Wir haben noch ein paar Fragen.

Schon wieder.

3,50 der Kaffee.

Ich hätte gern eine Quittung.

Ich hätte gern meine Ruhe. Schaut für uns beide schlecht aus, oder?

Sie haben den Wiederaufbau nach dem Brand von der Steuer abgesetzt.

Und?

Deswegen existieren die Listen mit den Kosten.

Ich erschreck mich zu Tode.

100.000 Euro.

Das haben Sie nicht geerbt und haben auch keine Versicherung.

Sie haben Manfred Häusler erpresst und niemand ist draufgekommen.

Sie schlugen das Mädchen schon mal. Dieses Mal vielleicht zu stark?

Blödsinn. - Sie stirbt daran, Sie machen das Beste draus.

Sie glauben doch bis heute, dass das Geld Ihnen zusteht.

Wetten wir um den Kaffee?

Wir finden Ihre DNA auf der Unterwäsche.

Diese Mongoschlampe! Ich hab der einmal eine gezischt.

Sie sollte meinen Hund in Ruhe lassen.

Ich hab der nix angetan. Und umgebracht schon gar nicht.

Die Unterwäsche hat Sie Ihnen ja nicht zum Spaß da gelassen.

Lag in einem der Zimmer. Hab ich beim Saubermachen gefunden.

Bin ich gespannt, wie Sie jetzt die Kurve kriegen.

Die Schlampe hat sich hier mit jemandem getroffen.

Der wohnte eine Zeit in einem der Pensionszimmer.

Ein Mann?

Ja. Hat mich nicht weiter interessiert.

Wie hat der ausgeschaut? - Weiß ich nicht mehr.

Aber die Unterwäsche heben Sie auf!

Ich dachte, damit kann ich dem Häusler eins auswischen.

Dass seine Schwachsinnige unter meinem Dach rumhurt.

Haben Sie keine Aufzeichnungen von damals? - Das ist 15 Jahre her!

Ich sagte Häusler damals 1000 Mal, ich will sie hier nicht haben.

Aber es hat ja nicht mal nach dem Feuer aufgehört.

Dann war sie weg. Was weiß ich? Es war meine Chance.

Ist verjährt, der kann mich mal.

Und Sie mich auch.

Nicht zu fassen, aber es hat geklappt.

Ich hab 'nen neuen TÜV.

Und?

Marie hat sich hier mit 'nem Mann getroffen.

Aber Frau Ludwig weiß nicht mehr, wer das war.

Aber es muss doch was geben. Gästebuch, Belege. - Vergessen Sie's.

Die Frau hat all die Jahre fröhlich vor sich hin gemauschelt.

Ich denke, wir haben die Falsche gefragt.

Marie! Mit der müssen wir sprechen. Marie selbst.

Mein Mann hat mir erzählt, dass Marie ganz langsam gestorben ist.

Ist das wahr?

Wir befürchten ja.

Frau Häusler, Sie sagten, Marie hat nur Menschen gemalt, die sie mochte.

Ja. Mein Mann hat alle Bilder beschriftet.

Wer zu sehen ist und wann sie gemalt wurden. - Ja.

Das ist Maries Großvater.

Das ist Manfred.

Das ist unser Nachbar.

Das ist der Hund von Frau Ludwig.

Ja.

Das auch.

Hier steht kein Name.

Oktober vor 15 Jahren.

Das würde in den Zeitraum passen. Wer ist das? - Keine Ahnung.

Krummes Gesicht und diese eng zusammenliegenden Augen.

Kann das nicht Ihr Chef sein?

Sie haben recht.

Wenn das mal keine Narbe ist.

Hop, Hop, Hop, Stopp...

Und eins,... zwei,... drei,... vier und fünf.

Juchhuuuu. Sehr gut. Wir rocken.

(alle jubeln) Jaaa!

Morgen 11 Uhr zur Aufführung und pünktlich sein. Bis Morgen.

Herr Wohlfahrt?

Wurden Sie im Lendenbereich operiert?

Wie bitte?

Ähm... Ja, ich hatte mal eine Blinddarm-OP.

Sie hatten Sex mit einer Schutzbefohlenen.

Ziemlich guter Einstieg ins Berufsleben.

Marie hat Sie nackt gesehen und so gemalt.

Musste sie deshalb sterben, Herr Wohlfahrt?

Weil sie schwanger war?

Schwanger?

Ja. - Und zwar von Ihnen.

Keine Sorge, der DNA-Test wird das schon beweisen.

Marie und ich waren ein Paar.

Auch wenn es nicht sein durfte.

Wir haben uns geliebt.

"So wunderschön."

(lacht) "Das ist so lustig."

"Ein Video!"

(Peter Wohlfahrt) Sie war eine reine Seele.

"Mein Prinz."

(Peter Wohlfahrt) Sie hat mich mitgerissen...

"Du musst aber Prinzessin sagen."

ins Leben.

Wir haben der Wirtin Elisabeth Ludwig ein Foto von Ihnen gezeigt.

Sie waren dort Gast. Für mehrere Wochen.

Ja. Ich wohnte in der Pension, bis ich 'ne Wohnung gefunden hatte.

War Marie bei Ihnen in der Pension an dem Tag an dem sie verschwand?

Ja.

Wie's ausschaut, sind Sie der Letzte, der sie lebend gesehen hat.

Das glaub ich nicht.

Bitte?

Sie hat mich angerufen.

Wie, angerufen?

Ich hatte Marie mein Handy mitgegeben für den Nachhauseweg durch den Wald.

Sicherheitshalber. Ich hatte ja ein Telefon in meinem Zimmer.

Was hat sie gesagt?

Marie war oft sehr schwer zu verstehen am Telefon.

Und sie war sehr aufgeregt. Sie...

Ich glaube, sie hatte Angst.

Wovor Angst?

Einem Freund... sei etwas Schlimmes passiert.

Im Wald.

Und Sie sind einfach darüber hinweggegangen.

Ein Freund in Gefahr.

Und Sie sagen niemandem irgendetwas?

All die Jahre lang? - Ja.

Mein Handy, meine heimliche Liebe. Was hätte ich tun sollen?

Außerdem dachten ja alle, Marie taucht wieder auf.

Dieser Freund...

Marie war sehr schwer zu verstehen. Aber ich glaube, sie sagte Ralf.

Ralf? - Oder Rolf.

Vielleicht Wolf?

Frau Ludwig?

Manfred...

Bitte!

(Klopft.)

Hallo, Joseph. - Grüß dich.

Herr Malters?

Entschuldigt, die Kollegen.

Ja, äh...

Das ist jetzt aber sehr unpassend. - Ja, das ist es leider immer.

Marie hat an ihrem Todestag telefoniert.

Sie war mit dem Hund am Berghang spazieren. Ihrem Jagdrevier.

Tag.

Ja, das heißt ja nichts.

Sie sagte, dass etwas Schreckliches passiert wäre.

In ihrer Hüfte ist eine Schrotkugel, Herr Malters.

Zählen Sie eins und eins zusammen.

Sie waren mal Kollege. Sie können das.

Den Hund haben Sie zuerst erschossen. Richtig?

Legen Sie das hin, Herr Häusler! (schreit) Sofort!

Arschloch. Du hast sie nicht gesucht, du hast sie umgebracht.

Manfred, Manfred...

Es war ein Unfall, Manfred.

Ich habe den Hund... Der Hund war allein unterwegs.

Ich, ich dachte er würde wildern.

Ich, ich habe Marie gar nicht gesehen.

Ich will es hören.

Ich will hören, was du meinem Kind angetan hast.

Raus!

Ich habe deiner Tochter nichts angetan. Ich schwöre.

Unser Sohn hieß Marcel.

Herr Häusler...

Er hatte starke Symptome der Trisomie 21. War ständig krank.

Wir haben uns mit aller Kraft um ihn gekümmert. Aber...

Mit drei Jahren ist er gestorben.

Da macht man sich Vorwürfe als Eltern.

Hab ich was falsch gemacht oder hätten wir doch mehr tun müssen?

Man will seinem Kind ja nur das bestmögliche Leben bieten, oder?

Und plötzlich merkt man, dass man dieses Leben nicht retten kann.

Dass man überhaupt nichts tun kann.

Und das macht einen wahnsinnig.

Ich kann Ihren Schmerz verstehen, Herr Häusler, glauben Sie mir.

Tun Sie das nicht, bitte.

Hier oben hab ich gesessen.

An diesem Tag.

Der Wald war damals dichter.

Der Kahlschlag, der war damals noch nicht so stark wie jetzt.

Ich habe sie nicht gesehen.

Wir hatten damals große Probleme mit wildernden Hunden.

Dann war da dieses Geräusch.

Ich habe gezählt und hab auf diesen Hund... - Geschossen.

Und dann?

Marie hat geschrien.

Ganz entsetzlich laut geschrien.

Ich hätte ihr nie etwas getan, nie.

Sie ist auf und davon durchs Unterholz.

Ich konnte ihr gar nicht nach, so schnell war sie.

Und sie lief und lief und...

Bis ihre Schreie...

endgültig verstummten.

Ich habe sie gesucht.

Einen Tag.

Wochen.

Monate.

Eineinhalb Jahrzehnte lebe ich jetzt mit dieser Schuld.

Aha, haben Sie es fein in meinem Sessel?

Ich hab was für Sie.

Unterschiedliche Eindringungen hat unser Herr Egger das genannt.

Der kleine Einschuss von der Schrotkugel ist eine Kleinigkeit.

Das wurde später, wie alles andere, mit Wachs bedeckt.

An den Fersen der Toten haben wir längliche Spuren

und die Eindringung von Kies.

Und?

Eben kein "und", sondern "aber".

ABER kein Wachs.

Was heißt das? - Sie haben die Antwort.

Die Leiche ist nicht unbedingt im See zur Wachsleiche geworden.

Wie bitte?! - Wachsleichen entstehen überall.

Immer wenn Luft zur Verwesung fehlt.

Da reicht ein Lehmboden und ein höherer Wasserstand.

Die Wachsleiche schwamm aber im See!

Weil sie jemand als Wachsleiche hineingeschmissen hat.

Das heißt, sie wurde vielleicht... vor Jahren vergraben.

Im Zusammenhang mit viel Feuchtigkeit, ja.

An den Fersen der Toten sind Schleifspuren.

Jemand hat die Leiche sozusagen im Wachszustand transportiert.

Jetzt erst.

Warum macht man das?

Weil die "Leichenruhe" gestört war. Aus Angst vor Entdeckung.

Anstatt 'n paar Knochen findet er gleich 'ne ganze Wachsleiche.

Damit hat der Täter natürlich auch nicht gerechnet.

Alle vier Briefe sind falsch. Alle ohne Fingerabdrücke.

Bis auf den vierten Brief. - Richtig.

Wann kam dieser vierte Brief mit den Fingerabdrücken von Marie?

Ist Ihnen da was aufgefallen?

Etwa in dem Moment, als die Soko die Echtheit der Briefe bezweifelte

und vom Verbrechen ausging. - Was soll das heißen?!

Dass Sie 15 Jahre lang in die falsche Richtung gelaufen sind.

Und das tut mir aufrichtig leid.

Wollen Sie damit sagen, der Mörder kannte den Ermittlungsstand?

Ja. Genau das möchte ich damit sagen.

Malters hat nur mit seinem Schwager über den Fall gesprochen.

Manfred Häusler wusste über jeden Schritt Bescheid.

Der Kies in den Rissen von Maries Fersen.

Erinnern Sie sich an die Kieswege in dem Garten der Behindertenbetreuung?

Die liegt doch auch am Waldrand. - Ja, na klar.

In ihrer Angst und Panik lief sie zu ihrer Schule. Logisch.

Was hat's mit dieser Baustelle eigentlich auf sich?

Die Teichanlage muss saniert werden. Aber im Moment haben wir Baustopp.

Warum? - Der Baulärm.

Das Innere der Grotte muss saniert werden. Die Grabung war zu laut.

In den Herbstferien geht's weiter. - Wer hat das veranlasst?

Ich fand's gut, dass die Schüler... - Herr Wohlfahrt, wer?

Frau Häusler hat sich wahnsinnig aufgeregt. Was hätt ich tun sollen.

Wo ist die Grotte?

Da vorne rechts ist der Eingang.

Bringen Sie ihn zum Wagen, bitte.

Kommen Sie Zeiler, ich mach schon.

Geht's?

Jaja.

Toll.

Vorsicht! - Danke.

Lehm... Feuchtigkeit... Das passt alles zusammen.

Hier lag sie also 15 Jahre begraben.

Ein Wahnsinn.

Okay.

Angenommen, Jasmin Häusler hat vor 15 Jahren Marie umgebracht.

Warum?

Was ist, wenn diese bescheuerte Wirtin recht hat?

Dann macht alles Sinn. - Ja? Macht es?

Ja. Vielleicht hat sie schon vorher was mit Häusler gehabt.

Bevor Marie gestorben ist. Aber sie wollte mehr.

Aber er entscheidet sich für die Familie.

Jasmin Häusler wäre über den Ermittlungsstand informiert gewesen.

Das ist Aquarellpapier. - Ja! Und?

Wir haben uns nie gefragt, wie Maries Fingerabdrücke auf das Papier kamen.

Das ist das einzige Aquarell, dass sie je gemalt hat.

Das hat Häusler bestätigt.

Sie haben mit ihm telefoniert?

Jetzt?

Ja. Warum?

Haben Sie auch übers Aquarellpapier gesprochen?!

Ja sicher, Herr Häusler ist ja kein Verdächtiger mehr. - Fuck.

Angeblich ist Jasmin Häusler an der Werft Ihres Mannes.

Häusler weiß Bescheid.

Komlatschek! Der Mann ist doch nicht dumm!

Der weiß doch, was wir glauben! - (laut) Was glauben wir denn?!

Scheiße!

(streng) Jasmin!

Da waren Maries Fingerabdrücke dran.

Die hast du gebraucht, nicht? Für den falschen Brief.

Wovon redest du?

Die haben mich gefragt, mit wem ich damals darüber gesprochen habe.

Nur mit Corinna...

und mit dir.

(brüllt) Du bleibst hier!

Jasmin, bitte, sag mir, dass das nicht wahr ist.

Bitte, sag mir, dass ich nicht 15 Jahre

mit der Mörderin meines Kindes zusammengelebt habe.

Wir haben zusammen um Marie getrauert.

Ich, ich liebe dich.

Ich schau im Büro nach! - Ist gut.

Frau Häusler?

Zeiler!

(Polizeisirenen)

Scheiße.

Durchsucht die Halle und die Nebengebäude.

Da war ein Boot! Das ist jetzt weg.

Zeiler, ich brauch Sie jetzt.

Bitte!

Bitte!

Okay, okay.

Hier meine Hand.

Sehr gut. Ist nur noch ein Schritt.

(panisch) Fahren Sie!

Marie kam angelaufen.

Aus dem Nichts!

Es war schon dunkel.

Ich hab gerade den Wagen zurückgesetzt da...

hör ich diesen furchtbaren Aufprall!

Du musst mir glauben, es war ein Unfall!

Ich dachte, sie ist tot.

Sie hat sich nicht mehr gerührt.

15 Jahre Lügen für einen Unfall?

Du hast mir 15 Jahre lang deine Liebe vorgespielt!

Das ist nicht wahr!

Ach so, du liebst mich und deshalb bringst du meine Tochter um.

Ich habe mit dir Schluss gemacht!

Ich habe dir gesagt, ich werde meine Frau nicht verlassen!

Nicht so lange Marie eine Familie braucht!

Was machst du? Du bringst sie um!

Erst Marie, dann geht meine Frau. Und wer ist immer da

und heuchelt Mitleid?

Du!

Sag mal, was geht eigentlich in dir vor?

Zeiler!

Ich glaub, ich hab sie gefunden.

Du hast meine Tochter ganz langsam verrecken lassen!

Du widerst mich so an.

Herr Häusler, weg von Ihrer Frau. Zwei Schritte zurück.

Diesmal werde ich schießen.

Du wirst mir nie verzeihen.

Und ich mir auch nicht.

(neugierig) Ich hatte einen Bruder?

Ja.

Wir wollten für dich eine normale Familie sein.

Und nicht mehr darüber reden.

War vielleicht nicht die beste Idee.

Wie ist er gestorben?

Wir waren zu Hause.

Es war alles ganz gemütlich und entspannt.

So wie immer.

Tja, dann hat Marcel aufgehört zu atmen.

Guckt mal, ihr lacht ganz viel auf den Bildern. - Ja.

Marcel mochte den Bus.

Sehr sogar.

Es wird Zeit.

Ja, ich weiß.

Süße, nimmst du Hugo mit, bitte? - Ja.

Du hast nicht damit gerechnet, dass ich den Bus verkaufe, oder?

Nee, hab ich nicht.

(Handy klingelt.)

Danke!

Ja?

( Hannah atmet schwer.)

Zeiler?

Ist alles in Ordnung?

Oberländer, ich brauche Ihre Hilfe. Ich habe eine Spur.

Mein Vater lebt.

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2017

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