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- Was ist los mit dir? - Nichts, Sir.
Er spinnt, Sir, er spricht mit sich selbst.
- Tue ich nicht. - Doch, und zwar die ganze Zeit.
Lass gut sein, zieh dich um.
Hast du Sorgen, Mark? Kann ich helfen?
Nein, Sir. Kann ich mich auch umziehen?
Ja, geh nur.
- Vergiss nicht zu duschen. - Ja, Sir.
- Ist was, Mark? Du warst nicht gut heute. - Nichts ist. Du warst auch nicht gut.
Du spinnst doch, laberst die ganze Zeit mit dir selber.
Pass lieber auf, Mark, das ist ein erstes Anzeichen von Wahnsinn.
- Wer sagt das? - Ich.
Wetten, er macht ins Bett, wie meine doofe Schwester.
Auseinander, ihr beiden! Hoch mit euch.
Wer hat damit angefangen? Mark? Andrew?
Schön, ihr werdet alle nachsitzen.
- Oh, Sir! - Nix "Oh, Sir"!
Ihr meldet euch um vier bei mir. Und jetzt will ich nichts mehr hören.
- Es war Marke Schuld. - Du hast mich gehört, also sei still.
- Bis später, Mark. - Ja, bis später, Tom.
Hier wird nicht gerannt.
Du brockst mir schönen Ärger ein.
Deinetwegen habe ich praktisch keine Freunde.
Die denken alle, ich spinne.
Du meinst Autos? Die fahren mit Benzin. Das weiß doch jedes Kind.
Das kommt aus der Erde, aus Ölquellen und so.
Es wird in Schiffen hergebracht. Die fahren übers Meer.
Sie schwimmen. Hier ist kein Meer in der Nähe, du kannst sie nicht sehen.
- Wie kommst du zurecht? - Was?
- Mit deinen Hausaufgaben. Wie kommst du zurecht? - Es geht.
Ihr scheint in letzter Zeit mehr aufzubekommen.
Triffst du dich später mit Colin?
Vielleicht. Aber ich habe für morgen noch viel zu erledigen.
Kommt dieser Typ wieder vorbei?
Du meinst Onkel Barry?
Ich weiß nicht. Ich denke schon.
Gehst du heute Abend nicht in den Klub?
Ich habe eigentlich keine Lust. Ich dachte, Papa würde wiederkommen.
Aber er hat dir doch erklärt, dass er lange beschäftigt sein wird.
Aber er kommt doch bald wieder, oder? Ich muss ihm nämlich etwas erzählen.
Ich schaffe das nicht. Es ist zu schwer, deshalb.
Sicher weißt du, wie, aber hier macht man das nicht so.
Hör auf, ich mache es so, wie Mr. Browning sagt.
Was ist, Mark? Was hast du gesagt?
Nichts.
- Geh weg, du verwirrst mich. - Mit wem sprichst du da?
- Was? - Warum führst du Selbstgespräche?
Tue ich doch gar nicht.
- Ich gehe doch noch in den Jugendklub. - Gut, aber sei bis halb neun zurück, ja?
- Zieh deine Jacke an, es ist kalt draußen. - Ja, Mama.
- Du bist doch gekommen. - Ja, bis später, Mark. - Bis später.
Hallo Junge, wie geht's?
- Leiten Sie den Klub jetzt, Sir? - Übergangsweise, Ja.
Prima. Ich mochte den anderen Mann nicht so.
- Also dann, viel Vergnügen. - Ja, Sir.
Mark, wenn irgendwas ist, du kannst mich jederzeit ansprechen.
Ja, Sir.
Ist es wirklich aus?
Diesmal schon. Ich will ihn nicht zurück.
Weiß Mark es schon?
- Ich habe es ihm noch nicht gesagt. - Aber er vermutet es?
- Machen wir ein Spiel? - Ich will erst meine Cola austrinken.
Wegen dieser Sache, dass du mit dir selber gesprochen hast...
- Habe ich nicht. - Aber sicher. Beim Fußballtraining.
- Ich habe nicht mit mir geredet. - Mit wem denn sonst?
Er spricht mit sich selbst.
- Wie meinst du das? - Mark...
Chris war... derjenige, mit dem er geredet hat.
- Es hast keine Schuld, dass er weg ist. - Aber Mark glaubt das vielleicht.
Er mag dich nicht.
Das macht die Sache schwierig.
Ich weiß nicht...
Der Klub sollte nur für Jungs sein. Wir haben genug Mädchen in der Schule.
Mädchen verderben echt alles.
Mein Schwester ist genau so schlimm. Voll dämlich, wie alle Mädchen.
Keine Ahnung, wozu wir Mädchen haben, sag's mir, wenn du so schlau bist.
Es ist halt so. Um mehr Menschen zu machen, denke ich.
Worüber grübelst du nach?
Ich hol mir ein paar Süßigkeiten. Bis später.
Es war schon immer so. Also, von daher...
Du kannst das ja komisch finden. Ich mag jedenfalls keine Mädchen.
Woher soll ich das wissen, wenn ich sie doch gar nicht mag?
Vielleicht, wenn ich erwachsen bin.
Denn neue Menschen können nur Erwachsene machen.
Sie heiraten und dann passiert das von ganz alleine.
Ist mir doch egal, dass es bei euch keine Jungs und Mädchen gibt.
Hier ist es halt anders. Kommt mir übrigens auch komisch vor.
Dass ich sie nicht mag, heißt nicht, dass sie unnütz sind.
Außerdem mag ich dich auch nicht besonders.
Warum verziehst du dich nicht?
Lasst uns hier aufräumen. Wir schließen gleich.
So ist es besser. Sei still und sag nichts mehr.
-Was ist los, Mark? - Nichts.
- Mark, was hast du denn? - Nichts.
Los, ich sagte doch, wir müssen Schluss machen.
Die ist spitze, viel besser als Diesel-Loks.
Ich weiß nicht recht... Ich könnte erwischt werden.
Na schön, nur mal kurz reinschauen.
Ich bin mir nicht sicher. Ich schätze, dort kommt die Kohle rein.
Das Feuer heizt das Wasser sehr heiß auf.
Der Dampf setzt sie dann in Bewegung.
Ich wünschte, ich könnte sie fahren.
Wofür das hier wohl ist?
Du hast hier aber nichts verloren. Was machst du da?
- Mein Freund war neugierig. - Dein Freund? Wo steckt der denn?
Man kann ihn nicht sehen, er ist unsichtbar.
Willst du mich auf den Arm nehmen?
Du verschwindest besser, bevor noch jemand kommt.
Tut mir leid, es war die Idee von meinem Freund, nicht meine.
Los, Junge, raus mit dir.
Bill, was sollte das Signal?
- Und wer bist du? - Niemand. - Jetzt werd mal nicht frech.
- Deinen Namen wollte ich wissen. - Er richtet sicher keinen Schaden an.
Es gibt ja kaum noch Dampfloks, er ist halt einfach neugierig.
Mag sein, aber Kinder haben hier nichts zu suchen.
Also, wie heißt du, Kleiner?
- Mark. Mark Robbins. - Gut, dann komm mal runter.
Die hätte ich gerne, wenn ich mal genug Geld habe.
Man braucht nämlich Geld, um sich Dinge zu kaufen, die man will.
Manches Geld wird aus Papier hergestellt, aber das kleinere,
das, mit dem man kaum was kaufen kann, ist aus Metall.
Weshalb sollte Metallgeld mehr wert sein als Papier?
So ist es nun mal.
Essen muss man auch kaufen, aber das erledigt Mama.
Ihr habt Glück, wenn ihr für die Dinge nicht bezahlen müsst.
Ich wünschte, das wäre hier auch so. Dann könnte ich diese Modell-Lok haben.
Für dich hört sich ja alles albern an.
Das geht nicht, das ist Diebstahl. Dafür kommt man ins Gefängnis.
Na, wenn man sich etwas nimmt, ohne dafür zu bezahlen.
Das kann ich nicht tun.
Ich könnte erwischt werden und eine Menge Arger bekommen.
Na, wenn du meinst, dass es ok ist.
Aber ich weiß nicht, du hast mir heute schon einmal Ärger eingebrockt.
Na ja, ich schätze, ich kann sie mir ja mal aus der Nähe anschauen.
- Kann ich helfen? Ich kenne den Jungen. - Nun, wir haben hier ein Problem.
-Was hat er denn getan? - Er hat diese Modell-Lok gestohlen.
- Er ist einfach damit rausgelaufen. - Stimmt das, Mark?
Nein, Sir. Das heißt, doch. Aber nicht so, wie er es darstellt.
Mein Freund sagte mir, es wäre ok, sie zu nehmen.
Denn da wo er herkommt, muss man für Sachen nicht bezahlen.
Wenn sie alle hierherziehen, werden sie die Regeln sowieso ändern.
- Was ist das für ein Freund? - Ein Freund halt. Der, mit dem ich rede.
Von dem hat er mir auch schon erzählt.
Wo ist er jetzt?
Es ist nicht so einfach. Man kann ihn nämlich nicht sehen.
Interessante Geschichte. Aber er hat nun mal nicht bezahlt.
Ich denke, das ist Sache der Polizei. Wir haben viel Arger mit Ladendieben.
Ich bin sein Klassenlehrer. Lassen Sie mich das bitte regeln.
Ich rede mit den Eltern. Offenbar gibt es da ein Problem.
Ich weiß nicht recht. Heutzutage geht man mit den Kindern zu sanft um.
Und wenn ich die Lok bezahlen würde? Die Schule regelt dann alles Weitere.
Na schön. Die Polizei würde ihn doch nur laufenlassen, bei seinem Alter.
Aber nächstes Mal bin ich nicht so nachsichtig, Junge.
Jawohl, Sir.
Ok, warte hier, Mark. Ich gehe die Lok bezahlen.
So, junger Mann. Wir sollten uns jetzt mal in Ruhe unterhalten.
Los, hier lang.
Also Mark, jetzt erklär mir das mal.
Nun, mein Freund Split meinte, wo er herkommt, müsse man nicht bezahlen.
Und wenn sie hierherziehen, müssten wir auch nicht mehr zahlen.
Also dachte ich, es wäre ok. Ich wollte sie halt gerne haben.
Moment mal. Verstehe ich dich richtig?
Du sagst, du hast einen Freund, den außer dir niemand sehen kann,
und der meinte, es wäre ok die Lok zu nehmen?
Ich kann ihn auch nicht sehen.
Aber... Wie sagtest du, heißt er? Split?
Ja, Sir. Ich nenne ihn so, weil ich seinen Namen nicht aussprechen kann.
Und er ist schließlich von seinem Körper abgesplittet.
Er fand sogar, dass der Name sehr treffend ist.
Aber wer ist er? Wo ist er jetzt gerade?
Es ist etwas schwer zu verstehen. Er lebt in mir, in meinem Kopf.
Das hört sich alles ziemlich wild an. Wo kommt Split eigentlich her?
Das weiß ich nicht, aber von sehr, sehr weit weg.
- Aus dem Weltraum? - Offenbar. Aber nicht vom Mars, viel weiter weg.
Von den fernen Galaxien?
Findest du es nicht ungewöhnlich, einen außerirdischen Freund zu haben?
Eigentlich nicht, Sir. Im Fernsehen passiert das auch, bei "Star Trek" und so.
Werden Sie meiner Mutter sagen, dass Split und ich gestohlen haben?
Sie sollte schon Bescheid wissen. Oder gibt es einen Grund, warum nicht?
Papa ist zur Zeit nicht da, und sie würde es wohl nicht verstehen.
Hast du so etwas schon mal getan?
Nein, noch nie... Na ja, das heißt, bis heute.
Heute morgen hatte ich ein bisschen Arger am Bahnhof.
Da stand eine echte Dampf-Lok.
Ich hatte noch nie eine gesehen, und Split auch nicht.
- Sie haben mich im Führerhaus erwischt. - Na, das ist halb so wild.
Wie fand Split die Lok denn?
Er fand sie etwas altmodisch, dass sie auf Schienen fährt und so.
Wo Split herkommt, fahren Züge nicht mit Diesel oder Strom.
Sie werden mit Wasser betrieben. Das ist viel billiger, oder?
Das ist anzunehmen. Hast du mal mit sonst jemandem über Split geredet?
Nein, Sir. Die würden mich nur für verrückt halten.
- Sie halten mich doch nicht für irre? - Nein, natürlich nicht.
Ich fühle mich nämlich nicht irre.
Aber wer ist Splitt? Was will er auf der Erde?
- Sich umschauen. - Weshalb?
Um zu sehen, ob seine Leute hier leben können. Ihr Planet ist voll.
Heißt das, wir werden bald alle jemand wie Split in unseren Köpfen haben?
Nein, Split kann ohne seinen Körper nur schneller durch den Weltraum reisen.
So kann er sich so viele Planeten anschauen, wie er mag.
Als er auf die Erde kam, brauchte er jemanden, der ihn herumführt
und sich hier auskennt. Da hat er sich mich ausgesucht.
Aber warum einen Jungen? Warum keinen Erwachsenen?
Nun, Split dachte sich, ein Junge würde ihn besser verstehen.
Ihn eher akzeptieren, meinst du? Das ist ziemlich unglaublich.
Manchmal geht er mir ganz schön auf die Nerven.
Er ist stundenlang still und redet dann, wenn ich gerade beschäftigt bin.
Zum Beispiel letztens beim Fußball. Weil er wieder irgendeine Frage hatte.
Er spricht also Englisch mit dir?
Wie praktisch, dass Split unsere Sprache kann.
Nein, Sir. Er ist sehr klug. Viel klüger, als wir auf der Erde.
Er redet eigentlich gar nicht mit mir.
Er schickt Nachrichten in mein Gehirn, so wie man in Morseschrift telegrafiert.
Wenn es in meinem Hirn ankommt, sind es gar keine echten Worte.
Obwohl ich es nicht wirklich verstehe, weiß ich doch, was er sagt.
Er schickt also Impulse an dein Hirn? Ist er jetzt gerade auch in deinem Hirn?
- Ja, Sir. - Dann hat er wohl kein Raumschiff, oder?
Nein, er braucht keins. Er findet Raumschiffe albern.
Er findet es dumm, die Schwerkraft mit Raumschiffen überwinden zu wollen.
Split sagt, Gewicht und Schwerkraft sind beides Kräfte, und Kraft ist Energie.
Es sei dumm, zwei Energien gegeneinander auszuspielen,
um ein Raumschiff vom Boden zu bringen.
Split sagt, wir sollten die Schwerkraft einzäunen.
Split findet ziemlich viele Dinge albern, oder?
Ja, manchmal wird das echt langweilig.
Will Split manchmal, dass du Dinge tust, die du lieber nicht tätest?
Nein, Sir. Was er mir sagt, hört sich eigentlich ganz vernünftig an.
Und manchmal denke ich mir, vielleicht hat er recht.
Aber wenn er alles nur albern findet, höre ich meistens gar nicht hin.
Wie war das mit der Modell-Lok?
Na ja, sie hat mir Ja gefallen, vielleicht hätte ich sie auch so geklaut.
Aber es war dumm, sie zu nehmen, nur weil Split meinte, es sei ok.
Ja, das denke ich auch. Du hattest Glück, dass ich vorbeikam.
Stört er dich denn gar nicht?
Ja, anfangs schon, aber ich habe mich an ihn gewöhnt.
Sie werden doch niemanden davon erzählen? Sonst denken alle, ich wäre bekloppt.
Ich halte dich nicht für bekloppt.
Aber denkst du dir all das nicht nur aus, um den Diebstahl zu beschönigen?
- Split existiert doch gar nicht, oder? - Doch, tut er.
Komm, ich fahre dich nach Hause.
- Sie kann qualmen. - Was?
Das Modell kann qualmen, genau wie die echten Dampfloks.
"Schulleiter'
Herein.
Mr. Browning. Setzen Sie sich doch.
Ich habe ein Problem mit einem Jungen aus meiner Klasse, Mark Robbins.
Mark Robbins... Ja, ich kenne den Jungen.
Seine Eltern haben sich gerade getrennt. Wo genau liegt das Problem?
Vorigen Samstag kam ich zufällig dazu,
als er auf frischer Tat bei einem Ladendiebstahl erwischt wurde.
- Und weiter? - In letzter Zeit hat er sich recht auffällig verhalten.
Mir scheint mehr dahinter zu stecken,
also bat ich den Ladenbesitzer, die Sache uns zu überlassen.
Ich weiß nicht, ob ich Ihrer Meinung bin.
Inwiefern hat er sich Ihrer Ansicht nach untypisch für einen Elfjährigen verhalten?
Er führt ständig Selbstgespräche.
Aber er behauptet, mit jemandem zu sprechen, der in ihm drin sei.
Ich würde gerne den Schulpsychologen hinzuziehen.
Er hat Sie ja schön um den Finger gewickelt.
Ein klassischer Fall von Vereinsamung, und Sie erkennen das nicht.
Sein Vater ist fort, die Mutter hat einen Freund.
Der Junge fühlt sich allein gelassen. Was tut er also?
Er erfindet einen Freund, der ihn tröstet und stets für ihn da ist.
Und Ihnen redet er ein, es gäbe eine unsichtbare Person.
Nun, er behauptet, dieser Unsichtbare hätte ihn zu dem Diebstahl angestiftet.
Browning, ich unterrichte nun seit 25 Jahren.
Das alles ist lediglich eine Ausrede für diesen Bagatelldiebstahl.
Schicken Sie den Jungen mal zu mir.
Ich denke schon, dass diese Fantasterei eine nähere Betrachtung verdient,
bevor man sie einfach als ausgefallene Ausrede abtut.
Mark ist ein sensibler und intelligenter Bursche.
Diebstahl passt irgendwie nicht zu ihm.
Selbst wenn Sie recht haben sollten, benötigt er Hilfe und keine Bestrafung.
- Das reicht jetzt, junger Mann. - Tut mir leid, Sir.
Aber als er mir davon erzählte, klang er so überzeugend.
- Da dachte ich... - Browning, lassen Sie sich doch nicht kirre machen.
Wenn Sie sich solche Märchen jedes Mal derart zu Herzen nehmen,
haben Sie wohl kaum den richtigen Beruf gewählt.
Aber wenn es Sie beruhigen sollte,
werde ich Dr. Stevens bitten, mal ein Blick auf den Jungen zu werfen,
Er kommt nächste Woche wegen der wirklichen Problemfälle aus der 5. Klasse.
Ja, natürlich. Verzeihung, wenn ich übers Ziel hinausgeschossen sein sollte.
Schon gut. Verbuchen wir es einfach unter Mangel an Erfahrung.
- Gehst du nicht auf den Pausenhof? - Nein, Sir. - Wieso nicht?
Ich arbeite an etwas, aber ich komme nicht voran.
- Darf ich mal sehen? - Ja, Sir.
Ich wollte ohnehin wegen morgen mit dir reden. Nun, wo liegt das Problem?
Es ist alles ziemlich verworren.
Kein Wunder, Mark. So rechnen doch nur Computer.
Warum benützt du dieses System? Wer hat dir das vorgeschlagen?
Split. Er meinte es sei besser, mit Zweien zu rechnen, als mit Zehnen.
Er findet unser System dumm.
Aber man verwendet keinen Binärcode für einfaches Addieren.
Bleib lieber bei der alten Methode, egal was Split dazu sagt.
Ich dachte halt, Split hat sicher mehr Erfahrung.
Mehr als Sie, also wird er recht haben.
- Er hilft mir auch bei den Hausaufgaben. - Ja, deine Noten sind besser geworden.
Aber meinst du nicht, dein Freund mischt sich zu viel ein?
Selbst einsame Kinder erfinden nicht einfach so unsichtbare Freunde.
- Das ist nicht normal. - Ich habe ihn nicht erfunden.
Ich wollte ihn gar nicht. Er ist von selber gekommen.
Er ist nicht so übel. Er erzählt mir viele interessante Dinge.
- Dinge, die nicht mal Sie wissen. - Versuch, ihn aus dem Kopf zu bekommen.
Er ist aber da, in meinem Kopf, und er will auch bleiben.
Er verschwindet, wann er will, nicht wann ich will.
Ich will dir helfen, aber ich hoffe, dass du mir wirklich die Wahrheit sagst.
Es wäre enorm, in Austausch mit einem anderen Planeten zu treten.
Aber nicht viele Leute werden einem Elfjährigen Beachtung schenken.
Das ist doch merkwürdig, oder?
Aber dann ist das Fernsehen auch merkwürdig.
Tja, vielleicht. Nun, wegen morgen...
Ich hatte ein Gespräch mit dem Rektor,
und wir finden, du solltest mit jemandem sprechen, der sich mit so etwas auskennt.
Mr. Jones hat es mir gesagt.
Sie hatten doch versprochen, niemandem von Split zu erzählen.
Das musste ich aber. Diebstahl ist eine ernste Sache.
Wäre es nicht gut, jemanden zu haben, der dir hilft, Split besser zu verstehen?
Mr. Jones meinte, es wäre eine Art Doktor.
Ich denke mal, Mr. Jones glaubt mir nicht.
Er ist kein gewöhnlicher Arzt.
Werden Sie morgen auch dabei sein?
Natürlich, wenn du das möchtest.
Ja.
Denken Sie denn, er wird mir glauben?
Seit er da ist, habe ich kaum noch Freunde.
Warum musste Split sich nur mich aussuchen?
Nicht weinen, Mark. Es kommt alles wieder in Ordnung.
Wie ist Split wohl auf die Erde gelangt?
Das ist schwer zu verstehen. Ich verstehe es selber auch nicht.
Aber Split sagt, er schleudert einfach seinen Geist aus.
Weil er nichts wiegt, kommt er sehr schnell voran.
Viel schneller noch als Lichtgeschwindigkeit.
Split kann seinen Geist also willkürlich irgendwohin projizieren?
Ja, so in etwa, Sir.
Sir, Split möchte Sie etwas fragen.
Er versteht, wie die Schwerkraft wirkt, begreift aber nicht, was dahinter steckt.
Können Sie es ihm sagen?
Ich dachte, er sei klüger als ich.
Wo er herkommt, gibt es eben keine Schwerkraft.
Deshalb weiß er wenig darüber.
Ich glaube, da fragen wir lieber deinen Physiklehrer. Komm, gehen wir.
Hallo Mark, da bist du ja.
Was gibt es zum Abendbrot?
Ich muss los, Liebes. Bis morgen dann.
- Ich bringe dich zur Tür. - Tschüss Mark.
Mach dir keine Sorgen, Liebes.
Warum kommt er immer her?
Wir sind eben befreundet.
Und was ist mit Papa? Der mag ihn bestimmt nicht.
Er ist nicht mal ein echter Onkel.
Was hat es eigentlich mit dieser Lok auf sich?
Heute kam ein Brief von der Schule. Was hast du angestellt, Mark?
Gar nichts habe ich angestellt, aber das verstehst du ja doch nicht.
Wie soll ich es denn verstehen, wenn du nicht mit mir sprichst?
Papa würde es verstehen. Er hätte mir die Lok sicher gekauft.
Lass Papa aus dem Spiel. Du hast nie was von einer Lok gesagt.
Und wenn schon. Du interessierst dich ja eh nur für diesen blöden Typen.
- Wie bitte? - Du interessierst dich nur für diesen blöden Barry.
Was fällt dir ein, so mit mir zu reden?
Warte nur, bis dein Papa...
Warum musstest du mich aussuchen, Split?
Geh weg. Such dir jemand anders, bitte.
Meiner Ansicht nach zeigt er alle Anzeichen von Schizophrenie.
Hier scheinen unterschiedliche Persönlichkeitsfaktoren im Spiel zu sein.
Wir haben mit einem Jungen zu tun, der sich aufgrund häuslicher Probleme
in eine Fantasterei flüchtet, in ein sehr komplexes Hirngespinst.
Recht überzeugend konstruiert er eine Form außerirdischer Intelligenz,
die jedoch nur seiner Fantasie entspringt.
Sie wirken enttäuscht, Mr. Browning.
- Nun, ich hatte gehofft... - ... Seetee Geschichte wäre wahr?
Vielleicht. Woher hat er all diese Ideen?
Er hat es Ihnen doch selbst nahegelegt: Aus dem Fernsehen und aus Comicheften.
Nehmen wir die Sache mit dem Diebstahl. Er hatte kein Geld, und weshalb?
Sein Vater gab ihm Taschengeld, das er hätte sparen können,
um die Lok zu kaufen. In seiner Fantasie war es auch so.
Erst als er ertappt wurde, wich dieses Hirngespinst der Einsicht,
dass er Unrecht getan hatte.
Es hört sich für mich so an, als hielten Sie Mark für geistesgestört.
Mir scheint das abwegig.
So würde ich es zwar nicht ausdrücken, aber Prinzip ist das richtig.
Ich benötige weitere Sitzungen um sicher zu gehen,
aber wenn ich recht behalte, ist eine stationäre Therapie angebracht.
Mit der entsprechenden Behandlung wird er sich wieder fangen.
Mrs. Robbins, wir sprachen gerade über die beste Vorgehensweise.
Wie stehen Sie dazu, Mark in einer Klinik behandeln zu lassen?
Wenn Sie es für notwendig halten, Doktor.
Was immer das Beste für Mark ist.
Eine stationäre Therapie ist nicht der Weisheit letzter Schluss,
birgt aber gewisse Vorzüge.
- Luftveränderung, meinen Sie, - Ja, fort von Zuhause und der Schule.
Eine Chance, sich neu zu sortieren.
Verzeihung, aber ich denke immer noch, dass Mark vielleicht die Wahrheit sagt.
Es ist schwer zu glauben,
dass wir die einzige Galaxie mit intelligenter Lebensform sein sollten.
Einige davon dürften uns sogar voraus sein.
Natürlich würden sie nach anderen Zivilisationen suchen.
- Meine Güte, Browning. - Möglich ist alles.
In der Klinik gäbe es die Möglichkeit, seine Theorien zu überprüfen.
Aber ich frage Sie:
Weshalb sollte sich eine außerirdische Intelligenz in einem Kind offenbaren,
wenn sie einen Forscher oder Politiker wählen könnte, der ihre Natur erkennt.
Ich vermute, der Junge hat Sie unabsichtlich irregeleitet.
Sie würde einen Politiker meiden, um sich nicht missbrauchen zu lassen.
Ein Elfjähriger ist noch nicht korrumpiert.
Ich mache das schon.
Wenn du nicht auf deiner Geschichte beharrt hättest, müsstest du nicht fort.
Du bist selber schuld.
Wenigstens bin ich da alleine. Und man hört mir zu.
Nun, wenn du es so willst.
Vielleicht helfen sie dir dort, diesen ganzen Unsinn zu vergessen.
Es ist kein Unsinn. Und Split werden auch die nicht wegbekommen.
Er geht, wann er will.
Mr. Browning glaubt mir.
Ja, mag sein. Er hat sich sehr bemüht.
Es ist schon spät. Er wollte doch direkt von der Schule kommen.
Es ist gleich halb sechs.
Ich mochte ihn, aber ich bin etwas enttäuscht.
Wahrscheinlich hat er eine Lehrerkonferenz oder so.
Das wird er sein.
Mark, du wirst dich doch gut betragen?
Ich gehe ihm aufmachen.
Hallo Mark, wie geht's dir?
Es ist Onkel Barry.
Ich hau ab.
Mark, komm sofort zurück!
Musstest du gerade jetzt kommen?
Er kommt sicher gleich wieder, keine Sorge.
- Wir müssen ihn zurückholen. - Lass ihn, wo soll er denn schon hin?
Das haben Sie ja prima hingekriegt.
Tut mir leid, aber ich denke kaum, dass Mark aus freien Stücken zurückkommt.
Wir rufen wohl besser die Polizei und suchen nach ihm.
Was soll ich denn nun tun?
Ohne dich wäre das alles nicht passiert.
Seitdem du hier bist, geht einfach alles schief.
Ich weiß, es ist nicht deine Schuld.
Ich kann dich trotzdem nicht leiden.
Du hast mir einfach zu viel Arger eingebrockt.
Ich dachte, Leute von fremden Planeten hätten eher etwas von Maschinen.
Weißt du, in etwa so wie Mr. Spock bei "Star Trek".
Sie lachen oder weinen nicht, So wie wir es tun.
Du findest "Star Trek" vielleicht ulkig, aber ich nicht.
Ich sollte wohl nicht So viel Fernsehen schauen.
Du magst mich also? Dann verrate mir, was ich jetzt tun soll.
Ich gehe nicht zurück. Nicht, solange er da ist.
Ich bin nicht sauer. Na ja, ein bisschen vielleicht.
Mir ist nicht kalt, und ich fürchte mich auch nicht.
Wer fürchtet sich denn? Es gibt keinen Grund, sich zu fürchten.
Ich will dir nicht mehr zuhören.
Nur weil du mein einziger Freund bist, muss ich ja wohl nicht tun, was du sagst.
Du denkst, du bist stärker, nur weil du mehr Wörter kennst.
Ich könnte Dinge stehlen. Man wird mich schon nicht schnappen.
Warum stimmt das plötzlich nicht mehr?
Ich bin müde, also verschwinde. Ich will nämlich schlafen.
Nein.
Bitte.
Na schön, ich habe Angst.
Mark! Was zum...? Komm rein.
Wo hast du gesteckt?
Hallo Mark, darf ich reinkommen?
- Wenn Sie möchten. - Ich habe jemanden mitgebracht.
Colin hat ein Geschenk von der Klasse.
Wir haben alle etwas dazugelegt.
Mach's auf, es wird schon nicht explodieren.
Ein neuer Waggon für meinen Zug.
Willst du dich nicht bei Colin bedanken?
- Wie geht es dir denn so? - Ganz ok. Split auch.
- Ja und? - Nichts weiter.
Er findet es hier jedenfalls sehr interessant.
All die Ärzte und so, die versuchen mir zu helfen.
Split hält sie für dumm. Ich find's einfach nur langweilig.
- Kommt deine Mutter diese Woche? - Ich nehme es an.
Prima.
Was hat Split so erzählt, seit ich zum letzten Mal da war?
Nicht viel, er war zu beschäftigt.
Er hat mir von seinem Zuhause erzählt, da würde ich gerne mal hin.
Allemal besser als hier.
Ich dachte, du magst es hier, wegen all der Spielsachen und so.
Zuerst schon, doch ich habe gehofft, der Doktor würde mir irgendwann glauben.
Er besucht mich ja jeden Tag.
Da sollte er doch begriffen haben, dass es wahr ist,
aber er hält mich für blöde und meint, ich hätte alles erfunden.
Können Sie es ihm nicht beibringen? Sie glauben mir doch, oder?
Meine Meinung scheint ihn wenig zu interessieren.
Sagen Sie ihm doch bitte, dass es wahr ist.
- Na schön, wenn du unbedingt willst. - Bitte, Sir.
Ich bleibe nicht lang, spielt ein bisschen miteinander.
- Du hast viele Spiele hier. - Ja, aber niemanden zum Spielen.
- Was ist mit Split? - Er kann nur Brettspiele spielen.
Aber keine Kartenspiele, weil ich ja für ihn sehen muss.
Da schummelt man automatisch.
Kann ich mit Split reden?
Er spricht nur mit mir. Sonst würden mir die Leute ja glauben.
- Spielen wir "Crossfire"? - Wenn du magst.
Herein.
- Doktor, könnte ich Sie kurz sprechen? - Ja, kommen Sie rein.
Mark ist nun seit drei Monaten hier,
und er ist fester denn je von Splits Existenz überzeugt.
Und es geht ihm nicht gut.
Wie fänden Sie es, wenn jeder um Sie herum etwas bestreiten würde,
das Sie für absolut wahr halten. Als säße man zu Unrecht im Gefängnis.
Das setzt voraus, dass es tatsächlich wahr ist.
Ich habe furchtbar viel zu tun, könnten wir später darüber reden?
Nein, und ich sage Ihnen auch, warum. Ich glaube Mark nämlich.
Schieben Sie Ihre Vorurteile mal beiseite und sehen Sie den Tatsachen ins Auge.
Welche Tatsachen?
Nehmen Sie nur seine Erklärung, weshalb Split ihn als Wirt ausgewählt hat.
Das ist es ja gerade. Ist es etwa nicht denkbar?
Unwahrscheinlich, ja. Aber denkbar.
Er beharrt darauf, dass Splits Volk zu uns gekommen ist, um uns zu helfen.
Der Grund, weshalb sie ihn wählten, war seine Jugend und Vorurteilsfreiheit.
Mark ist eventuell nur der erste von vielen.
- Aber warum Mark? - Irgendwo mussten sie ja anfangen.
Mark ist intelligent und er lebt in einer relativ stabilen Demokratie.
Zufall, nehme ich an.
Sie scheinen eine Verantwortung für den Jungen zu empfinden
und fürchten wohl, ihn zu enttäuschen, wenn Sie ihm nicht glauben.
Aber lassen Sie mich Ihnen etwas sagen.
Sie kommen jede Woche zu Besuch und bestärken ihn in seiner Vorstellung.
Und jedes Mal rennen Sie mir die Bude ein,
weil er Ihnen Anlass gegeben hat, zu glauben, dass er die Wahrheit sagt.
Er ist wohl einsam und gelangweilt, aber das müsste er nicht sein.
Er fürchtet die Zurückweisung der anderen Kinder.
Er hat Angst, dass sie seine Fantasie nicht glauben.
Denken Sie, wir waren untätig, seit Mark bei uns ist?
Wir haben uns viele Stunden in aller Offenheit mit ihm beschäftigt.
Mit der Fantasie sind wir vertraut, nun müssen wir ihre Ursache herausfinden.
Manchmal sind wir kurz davor
ihn davon zu überzeugen, Splits Existenz in Frage zu stellen.
Doch dann tauchen Sie auf
und geben Mark die Bestätigung, nach der er so sehr verlangt.
Für Mark wäre es besser, Sie kämen nicht her.
Bedauerlich, dass sie es so sehen.
Ich hoffte, Sie täten dem Jungen gut, aber er hat Sie um den Finger gewickelt.
Der Junge ist psychisch krank, helfen Sie ihm, wieder gesund zu werden.
- Wir müssen los, Colin. - Darf ich zu Ende spielen?
- Sie bleiben aber nicht lange heute, Sir. - Ich habe einen Termin in der Schule.
Was meinte der Doktor?
Kein Grund zur Sorge. Es wird dir bald besser gehen.
- Sie glauben mir doch noch? - Los, Colin. Sag tschüss.
Pass auf dich auf, Mark. Bis bald.
Sie glauben mir doch nicht, oder?
Tschüss, Mark.
Ich weiß, dass er mir nicht glaubt. Das musst du mir nicht extra sagen.
Jetzt glaubt mir keiner mehr, Split.
Wenn du nicht wärst, wäre das alles nicht geschehen.
Dann wäre ich gar nicht hier.
Es ist alles deine Schuld, versuch dich nicht rauszureden.
Ich wünschte, ich wäre zuhause. Da war es immer noch besser als hier.
- Sie glauben Mark nicht wirklich, oder? - Es geht hier nicht um Glauben.
Sondern um die Wahrscheinlichkeit, dass ein Erdfremder seinen Geist besetzt.
Habe ich ihn enttäuscht?
Wie, du fährst zurück nach Hause?
Das geht nicht. Dann bin ich ja ganz allein.
Ich weiß, dass ich das wollte. Aber ich dachte, du würdest es nicht tun.
Ich würdest mir sehr fehlen.
Kann ich nicht mitkommen?
Das ist doch doof.
An mir ist noch mehr dran. Ich habe Arme und Beine und so.
Wie kann ich das zurücklassen?
Du meinst, ich wäre so wie du auf deinem Planeten?
Wir können doch auch zurückkommen, oder?
Wie, ich sehe irgendwie tot aus? Ich bin es doch nicht, oder?
Das würde diesem blöden Arzt das Maul stopfen.
Also los, ich bin bereit.
Ich lege mich aufs Bett.
Ich schließe die Augen.
Tschüss, Welt.
Ich versuch's ja. Aber ich bin aufgeregt, und es ist schwer, an gar nichts zu denken.
Sei doch mal kurz still.
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