All language subtitles for 2021_Axiom.deu

af Afrikaans
ak Akan
sq Albanian
am Amharic
ar Arabic
hy Armenian
az Azerbaijani
eu Basque
be Belarusian
bem Bemba
bn Bengali
bh Bihari
bs Bosnian
br Breton
bg Bulgarian
km Cambodian
ca Catalan
ceb Cebuano
chr Cherokee
ny Chichewa
zh-CN Chinese (Simplified)
zh-TW Chinese (Traditional)
co Corsican
hr Croatian
cs Czech
da Danish
nl Dutch
en English Download
eo Esperanto
et Estonian
ee Ewe
fo Faroese
tl Filipino
fi Finnish
fr French
fy Frisian
gaa Ga
gl Galician
ka Georgian
de German
el Greek
gn Guarani
gu Gujarati
ht Haitian Creole
ha Hausa
haw Hawaiian
iw Hebrew
hi Hindi
hmn Hmong
hu Hungarian
is Icelandic
ig Igbo
id Indonesian
ia Interlingua
ga Irish
it Italian
ja Japanese
jw Javanese
kn Kannada
kk Kazakh
rw Kinyarwanda
rn Kirundi
kg Kongo
ko Korean
kri Krio (Sierra Leone)
ku Kurdish
ckb Kurdish (Soranî)
ky Kyrgyz
lo Laothian
la Latin
lv Latvian
ln Lingala
lt Lithuanian
loz Lozi
lg Luganda
ach Luo
lb Luxembourgish
mk Macedonian
mg Malagasy
ms Malay
ml Malayalam
mt Maltese
mi Maori
mr Marathi
mfe Mauritian Creole
mo Moldavian
mn Mongolian
my Myanmar (Burmese)
sr-ME Montenegrin
ne Nepali
pcm Nigerian Pidgin
nso Northern Sotho
no Norwegian
nn Norwegian (Nynorsk)
oc Occitan
or Oriya
om Oromo
ps Pashto
fa Persian Download
pl Polish
pt-BR Portuguese (Brazil)
pt Portuguese (Portugal)
pa Punjabi
qu Quechua
ro Romanian
rm Romansh
nyn Runyakitara
ru Russian
sm Samoan
gd Scots Gaelic
sr Serbian
sh Serbo-Croatian
st Sesotho
tn Setswana
crs Seychellois Creole
sn Shona
sd Sindhi
si Sinhalese
sk Slovak
sl Slovenian
so Somali
es Spanish
es-419 Spanish (Latin American)
su Sundanese
sw Swahili
sv Swedish
tg Tajik
ta Tamil
tt Tatar
te Telugu
th Thai
ti Tigrinya
to Tonga
lua Tshiluba
tum Tumbuka
tr Turkish
tk Turkmen
tw Twi
ug Uighur
uk Ukrainian
ur Urdu
uz Uzbek
vi Vietnamese
cy Welsh
wo Wolof
xh Xhosa
yi Yiddish
yo Yoruba
zu Zulu

Original subtitles

* Leises Stimmengewirr, Schritte *

...

(Frau) ...Abstraktmaler.

Hier geht es nicht darum,

eine subjektive Empfindung hervorzurufen,

sondern eine universelle Schönheit zum Ausdruck zu bringen.

Ganz charakteristisch für ihn sind diese Linien,

horizontal und vertikal,

und diese farbigen Flächen.

Er arbeitete nur mit den Primärfarben.

Wisst ihr, was die sind?

-Rot, gelb und blau. - Genau. Rot, gelb und blau.

Und mit den Nichtfarben schwarz, weiß und grau.

Er war auf der Suche nach einer reinen Form.

Nur indem er alles abstrahiert, sagt er,

kann er einer Wahrheit nahekommen.

Gut, ich würde einfach mal weitergehen, hier zu Paul Klee.

Wir haben verschiedenste Werke.

Wer hat von euch schon mal ein Bild von Klee gesehen?

Ja? Zwei, drei.

* Gelächter *

* Gespräch auf Italienisch *

* Auslöserklicken *

Entschuldigung, keine Fotos.

-Foto, no. -Danke.

* Sie sprechen italienisch. *

...

* Entferntes Gelächter *

(Mann) Und der Sprung von Cezanne zu Picasso

ist eigentlich nicht groß.

Hans und Inga haben schon recht, wenn sie das sagen.

Es gibt Cezanne,

und danach kannst du im Grunde alles vergessen.

Weil alles sich auf Cezanne bezieht.

Das kannst du bis in die heutige Zeit nachvollziehen.

Wir können rübergehen.

Hier, schau mal.

Das...

-Struktur und Idee... -(schnalzt) Hey.

Das ist alles das Gleiche, weißt du?

Sie bezogen sich alle auf Cezanne,

sei es die Formen, die Farben, die ganze Idee mit dem Kubismus.

Und Vierecke, Dreiecke...

Entschuldigung.

Entschuldigung, das Trinken ist hier verboten.

Okay.

Ja? Danke.

(Mann) Wie gesagt...

Wie lief's denn?

-Ganz gut, denke ich. -Willst du auch einen Kaffee?

Danke.

-Danke, ja? Danke, nein? -Danke, nein.

Wo kommst du eigentlich her?

-Aus Niederösterreich. -Mhm.

Wie lange bist du schon hier?

Äh, drei Wochen.

-Hast du dich schon eingegroovt? -(lacht leicht) Es geht.

* Mikrowelle plingt. *

Hast du eine Probezeit bekommen?

-Äh, ja. -Wie lange?

-Sechs Monate. -Wirklich?

Unfassbar.

-Ja, ist okay. -Ist überhaupt nicht okay.

Das ist Ausbeutung.

Hast du einen anderen Job?

Nö.

Wieso?

Ich weiß nicht. Es ist gut, wenn man eine Alternative hat.

Einen Plan B.

Da hast du eine bessere Verhandlungsposition.

Sonst kriegst du nur die doofen Schichten im Zeitgenössischen,

bei den Installationen.

Ist der Horror. Nach ein paar Stunden drehst du da durch.

Wenn du nicht Nein sagen kannst, kannst du nicht verhandeln.

Wenn du nicht verhandeln kannst, bist du ein Sklave.

Es gibt zwei... Nee, drei Dinge.

Tyrannei, Sklaverei und Verhandeln. * Tür wird geöffnet. *

-(Frau) Hallo. -Hi.

-Ist da noch Kaffee? -Mhm.

Kann man am Hafen sicher parken?

-Das wäre wichtig. -Wie hast du das geschafft?

Ist man nett zu ihm, ist er nett. Manchmal.

Sag das mal ihm. Er hat ein halbes Jahr Probezeit.

-Echt? -Mhm.

Bis später.

-Pack was Warmes ein. -Ja.

Fürs Wochenende.

* Tür wird geöffnet. *

* Tür fällt zu. *

-Macht ihr einen Ausflug? -Mhm, wir fahren segeln.

-Kann man da gut segeln? -Nee.

Geht so. Wir starten am Rursee und tingeln übers Wochenende rum.

-Hast du ein Boot? -Mhm.

Also meine Eltern. Kennst du dich ein bisschen aus?

Die Bootsklasse ist toll, weil es eine breite Reling hat zum Chillen.

aber auch im Innenraum geräumig ist.

Keine klaustrophobische Miniaturwelt,

wo man sich wie Gulliver vorkommt.

Warst du noch nie segeln? * Er verneint. *

Schon als Kind habe ich es total geliebt.

Segel hoch, Motor aus, und dann...

* Er seufzt gedehnt. *

(Mann 1) Wer von euch Asseln hat RoboCop runtergeladen?

* Gelächter * (Mann 2) Wie viel musst du zahlen?

Im Brief steht, 800 Euro.

-800 Euro? -Pro Film.

(Mann 2) Finde raus, wer das war, und dann muss die Person bezahlen.

(Mann 1) Vielleicht war das der Typ über uns.

Wisst ihr, was der macht? Wie der sein Geld verdient?

Der klaut Fische und verkauft die. So exotische Luxusfische.

(Mann 2) Wie macht er das?

(Mann 1) Der geht mit einer Tüte in den Laden und nimmt die mit.

Sein kompletter Keller ist voll mit Aquarien.

-Hast du das gesehen? -Nee, hat er erzählt.

(Frau) Kann ich mal durch?

(Mann 2) Habt ihr Steckdosen im Keller?

(Mann 1) Nee, ich glaube nicht.

Wie will er Aquarien haben? Das muss erwärmt werden.

Vielleicht hat er einen Generator.

-Ein Witz. Der da lacht auch. -Sorry. 'tschuldigung.

Eine originelle Geschäftsidee mit den Fischen.

-(Mann 1) Kann doch sein, oder? -Klar, ja, warum nicht?

Unterschreib nicht den Brief. Ist wahrscheinlich fake.

-Ja? -Ich hatte auch mal einen.

-Was hast du gemacht? -Nichts.

Woher wusstest du, dass es fake ist?

Unterschreibst du, sind das 5000 Euro Strafe.

-5000 Euro? -Ja.

Wollen die mich verarschen?

Wo kommst du her, wenn ich fragen darf?

(Mann 2) Äh, Fischerhude.

-Aha. -Ähm, bei Quelkhorn.

Ah ja, okay, lustig.

-Kennst du? -Meine Ex kommt von da.

-Echt? Ach, geil. -Ja.

Wo genau?

Am Rande. Südlich, glaube ich. Bin nicht so oft da gewesen.

-Ah, bei den Kornfeldern? -Ja, da in der Nähe.

Die Kornfelder, da haben wir so große Pflanzen gehabt.

Weed, oder was?

-In den Kornfeldern? -Mittendrin.

-Geil. -Ja.

-Durftet ihr das? -Natürlich nicht.

-Ist nicht gut geworden. -Draußen kann's nicht gut werden.

-(Mann 2) Wieso? -Kontrollierst du das Wetter?

Outdoorgrowing geht überall.

Du kannst in den Alpen pflanzen, mit einer dafür gezüchteten Sorte.

-Wurdet ihr erwischt? -Tatsächlich, ja.

Eines Tages stehen da Polizisten im Kornfeld,

und wir gehen da so ganz normal zufälligerweise spazieren.

-Schwierig zu erklären. -Ja.

Herr Wachtmeister, wissen Sie, wo der Bahnhof ist?"

* Entfernte energische Rockmusik *

-Na, Partypeople? -(Frau) Hey!

-Ich musste noch was erledigen. -Macht nix.

-Hey. -Wie geht's?

-Schon aufgewacht? Alles gut? -Ja.

Mach das Radio aus, sonst ist die Batterie leer.

-Die Jacke ist ja cool. Neu? -Ja.

Ist Erik noch gar nicht da?

-Erik? -Ja.

-Lässt du mich mal ans Steuer? -Ja.

-Danke. -Wer ist das?

Erik? Der Neue aus dem Museum.

-Erik kommt mit. -Im Ernst?

-Ist das eine gute Idee? -Warum nicht? Es gibt fünf Betten.

Du wolltest das nicht mit uns besprechen?

Ich kam spontan auf die Idee und fragte ihn. Was ist so schlimm?

Wegen seines Kreuzes?

Julius, wir kennen ihn einfach nicht.

Dann lernen wir ihn kennen. Ich hätte euch ja fragen sollen.

Es ist cool für ihn. Er kennt niemanden, ist neu in der Stadt.

-Ein ganzes Wochenende? -Wir heiraten ihn nicht, Jonas.

-Auf einem kleinen Boot. -Wer sagte, kleines Boot?

Es gibt total viel Platz. Ein bisschen mehr Vertrauen.

Was hat er für ein Kreuz?

-Er ist gläubig. -Und?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Die kleine Route in Rot.

Da tümpeln wir durch den Rursee, entweder hier entlang,

oder wir biegen hier schon ab, den kleinen Kanal hoch.

Und hier ist der schöne Strand.

-Ah, da ist er. -(Erik) Hallo.

-Hey. -Entschuldigt die Verspätung.

Kein Problem. Isomatte brauchst du nicht.

-Ja? -Egal.

-Pack ein. -Hi.

Hi. Schön.

-Ach so, Savo. -Hi. Savo.

-Savo? -Ja.

-Gib mir mal die Flasche. -(Frau) Mag deine Mutter Rotwein?

-Ja, wieso? -Wir haben eine Flasche als Dank.

Das ist aber nett. Danke. Ja, mag sie gerne.

Mir ist heute was Krasses passiert.

Ich holte bei meiner Mutter den Schlüssel.

Ich sollte ein Möbelstück aus dem Keller hochtragen.

Dann sehe ich im Keller an der Decke so ganz verrückte Lichter,

so wie Wasser.

Ich kann's mir nicht erklären, gehe tiefer rein.

Und ich sehe, dass der Kellerraum bis zur Decke

vollgestellt ist mit Aquarien.

Da schwimmen die krassesten Fische, ganz bunte Teile.

-Im Keller? -Ich kenne nicht viele Fische.

Aber trotzdem seltsam.

Dann stehe ich da und staune,

und dann höre ich plötzlich aus dem Dunkeln Schritte.

Und plötzlich erscheint aus dem Nichts ein Typ.

Total gruselig.

Und wir fangen an zu quatschen,

und dann stellt sich heraus, er ist von Beruf Fischdieb.

-Fischdieb? -Ja.

Er klaut extrem seltene Fische und verkauft sie teuer.

-Was kostet so ein Fisch? -Keine Ahnung.

Er kann sich eine Wohnung leisten, ist nicht günstig.

Es war so frühmorgens, so um sieben vielleicht.

Und ich saß im Wagen, hatte Rot und blieb stehen.

Ich sehe auf der anderen Straßenseite einen Mann um die 40,

der läuft lässig über den Bürgersteig

und hat keine Klamotten an.

* Lachen * Splitterfasernackt.

-Wo war das? -In Ehrenfeld.

Absurd war gar nicht, dass er nackt war, sondern wie er gelaufen ist.

-Wie denn? -Als wär's das Normalste der Welt.

So...

Dann war da eine Ampel, er blieb stehen und hat so gewartet.

* Lachen * Krasser Typ.

Wäre ich ein Maler, hätte ich ihn gemalt.

Ist jetzt nicht euer Ernst, oder?

-Wo sind die Schwimmwesten? -Schwimmwesten?

Die Rettungswesten, wo sind die?

-Hast du auch keine dabei? -Was denn?

Och, nee, komm, bitte nicht.

-Es hieß nie Rettungswesten. -Natürlich.

-Nein. -Bei mir nicht.

Du musst uns so was sagen.

-Ich habe es gesagt, Lizi! -Hast du nicht!

Jeder muss sich um seine Weste kümmern.

Wir können alle schwimmen.

Stimmt, das hatte ich vergessen. Sorry, klar.

Dass das denen nicht einfällt, die jedes Jahr ertrinken.

Schwimmt doch einfach.

Wie gut schwimmst du, wenn du einen Großbaum in die Fresse kriegst?

-Schwimm! -Ist das meine Schuld?

-Mich macht das wahnsinnig. -Alles gut.

-Gut, dann klappt's wieder nicht. -Aber nicht wegen uns, Julius.

Du bist entweder krank, hast Besuch oder die Schlüssel vergessen.

Das liegt nicht an uns.

Und jetzt wegen Schwimmwesten. Das ist nicht dein Ernst.

Was ist los mit dir? Bist du krank?

Als hätten wir Schwimmwesten.

-Warum soll ich mich kümmern? -Wo ist deine?

-Im Boot natürlich. -Ah, okay.

-Hast du eine Schwimmweste dabei? -Hm?

-Ob du eine Schwimmweste hast? -Im Boot sind nur zwei, drei.

Super, dann geht doch ihr beide.

-Jonas. -Jonas, komm runter.

Julius, das ist doch der Hafen, oder?

-Ja. -Da ist ein Segelgeschäft.

-Was? -Nein, das ist ein Vereinshaus.

-Schau mal auf die Bilder. -Zeig mal.

Lustig, das letzte Mal sah es nicht so aus.

-Sollen wir anrufen oder hingehen? -Hingehen.

-Nein, anrufen. -Ruf mal an.

-Ja? -Ja.

Okay.

(Julius) Ich hoffe, das klappt jetzt.

Ja, guten Tag. Eine Frage, haben Sie geöffnet?

Ja. Uns fehlen nämlich noch Schwimmwesten und...

Haben Sie?

Toll. Dann würden wir gleich vorbeikommen.

Okay, gut. Danke. Wiederhören.

-Hat's geklappt? -Ja.

-Krass. Ich zahle für die Westen. -Quatsch.

-Erik is the man. -Lass uns gehen.

-Wollt ihr? -Ja.

-Sorry, dass ich so ausflippe. -Kein Problem.

Mit meiner Ex-Freundin und meiner Cousine ist ein Unfall passiert.

-Unfall? -Es war eigentlich total harmlos.

Meine feine Cousine aus Süddeutschland

wollte nachts aufs Klo und ist über die Reling gekippt.

Meine Mutter ist ausgerastet.

Ausgerechnet ihre Nichte aus München.

Wenn sie erfahren würde, dass ich ohne Westen aufs Boot gehe,

rastet die aus.

Das hat was mit dieser alten aristokratischen Familie zu tun.

-Bist du adelig? -Ja, mütterlicherseits halt, ne?

Sag mal, Erik, bist du gläubig?

Ja.

Wieso?

Nur so, wegen dem Kreuz.

Katholisch oder...

-Ja. -Ja?

Und Big Bang?

-Urknall? Urknalltheorie? -Ja.

Äh, also...

Die Idee, dass alles aus dem Nichts und...

zufällig und ohne Sinn entstanden ist, das ist mir fremd.

-Gott muss ja... -Warte mal.

Gott wäre für dich sozusagen allmächtig?

Gott muss aus dem Nichts entstanden sein.

-Oder war der immer da? -Ja, es ist komisch.

Wenn Gott allmächtig ist, wieso sterben Unschuldige?

-Warte... -Im Krieg.

Wir haben einen freien Willen.

Scheiße, wenn Gott seinen Willen über unseren stellt.

-Aber Krieg... -Stülpt?

Stülpt.

Aber Krieg wird doch von Menschen geführt.

-Ja. -Vielleicht sind die schuldig.

Sagt nicht, dass Unschuldige nicht sterben.

-Haben wir nicht. -Getötete Kinder?

-Eine tödliche Krankheit. -Ja, aber...

-Äh... -Ich meine, warum erlaubt Gott das?

Lass ihn doch mal antworten.

Weiß ich nicht.

So, wir müssen hier lang.

* Flaschenklimpern *

(Lizi) Religion ist auch so ein Moralding, oder?

-Wie ein Regelwerk. -(Jonas) Total.

Wenn du was Böses tust, kommst du in die Hölle. Darum geht's.

Deshalb hat man Gott erfunden und sich dann angepasst.

(Erik) Also Gott als Axiom?

(Savo) Wie lange noch? Keinen Bock zu schleppen.

(Julius) Wir können gerne tauschen.

-Weißt du, was das bedeutet? -(Jonas) Was?

Axiom.

(Jonas) Natürlich weiß ich das. Aber das stimmt ja nicht.

(Lizi) Was?

(Jonas) Die Vorstellung, dass es ohne Gott keine Moral gibt,

dass alles erlaubt wäre.

Überleg mal, wie viele Menschen im Namen von Gott getötet wurden.

-(Savo) Was ist das? -(Lizi) Haselnüsse, guck.

Was ist mit dir, Jonas?

Glaubst du an Gott oder an die Evolution?

Die Evolution, wie du weißt.

Du bist also auch gläubig. Du glaubst an die Evolution.

Und vielleicht auch an so was wie Demokratie, Gerechtigkeit,

irgendwelche Tierrechte oder so.

-Das ist was anderes. -Was?

-Ist ja was anderes. -Warum?

Dass der Mensch vom Affen abstammt, wissen wir, ist bewiesen.

Aber in einer anderen Zeit würdest du auch was anderes wissen.

In Büchern stand was anderes.

-Du weißt doch, was ich meine. -Nee.

Aber die Wissenschaft wird auch von der Politik beeinflusst.

-Zum Beispiel wie bei den Nazis. -Mhm.

Lehrbücher werden immer wieder überprüft.

Das ist der Unterschied.

Niemand würde Bibel oder Koran umschreiben,

weil man feststellt, da stimmt was nicht.

-Das darf man nicht. -Ich verstehe den Vergleich nicht.

Warum das eine oder das andere?

Hitler kam nicht an die Macht, weil man nichts wusste.

Das waren hochgebildete Anwälte, Professoren.

Man hatte nichts, woran man glauben konnte oder nichts Besseres.

Heute ist es genauso.

Was wir machen, wird entschieden von dem,

was wir von uns glauben, von den aktuell herrschenden Werten.

-Was für Werte? -Die Menschenwürde zum Beispiel.

Als würden nur religiöse Werte daher rühren, was wir glauben.

Nicht daher, was wir wissen.

Alle glauben, aber keiner gibt's zu, weil es wie Religion wäre.

-Und davor haben alle Schiss. -Warum?

Keine Ahnung. Was sagst du?

Religion wird immer mit Intoleranz und Fundamentalismus assoziiert.

Wir glauben gerne, dass wir Dinge wissen. Verstehst du?

Dein Wissen ersetzt nicht seinen Glauben.

Ich muss pissen. Kannst du kurz halten?

Komme gleich wieder.

* Reißverschluss ratscht. *

* Gruppe unterhält sich, Gelächter. *

* Wasserstrahl plätschert. *

(Jonas) Ich raffe nicht, warum wir nicht am Hafen geparkt haben.

Da muss es doch Parkplätze geben.

-(Lizi) Wo denn? -Am Hafen direkt.

Da muss es Parkplätze geben, weil die Essen aufs Boot laden.

* Vogel zwitschert. *

* Blätter rauschen. *

* Knarzen *

(Jonas) Es gab Probleme, einen Parkschein zu ziehen.

...

Geht's?

Alles okay?

Braucht ihr Hilfe?

-Ist geil, oder? -Schön.

Wow.

Es ist gerade Flaute, aber der Wind kommt noch.

(Savo) Ist wunderschön.

Abstellen.

-Welches Boot ist es? -Da hinten.

-Neben dem Holzboot. -Da vorne?

Ja.

Aber lasst uns erst die Westen kaufen, okay?

...

-Hallo. -Hallo.

* Es läuft Popmusik. *

Habt ihr Kaffee?

(Savo) Wir können Wasser kaufen.

(Jonas) Sind das die Schwimmwesten?

-Julius? -Gibt's verschiedene Größen?

Nehmen wir die orangenen.

-(Lizi) Sicher? -Ja.

Gut?

* Schriller Pfeifton *

-Kriege ich auch eine? -Ja, hier.

(Jonas) Julius, können wir los?

-Julius? -Hm? Ja.

* Stimmengewirr *

Alles gut.

-Können wir mit Karte zahlen? -Ja, klar.

* Stimmengewirr *

* Es läuft laute Popmusik. *

-Mach mal lauter. -Nee, lass mal.

-Soll ich machen? -Mach doch.

-Ja? -Klar.

* Er dreht Musik extrem laut auf. *

-Ach, Julius! -Yeah!

...

* Jubelrufe *

Hey, Julius.

Hey!

* Musik läuft weiter. *

-Krankenwagen. -Mach was zwischen die Zähne.

Tu irgendwas unter seinen Kopf.

Ich bin am Platz.

Julius. Hey!

-Hast du Medikamente? -(Lizi) Holt einen Arzt.

Kann jemand die Musik ausmachen? Hallo? Die Musik bitte aus.

-Und? -Nichts.

(Lizi) Scheiße.

Jonas, kannst du bitte...

Oh, Scheiße.

Zieh ihn zu mir.

Oh, fuck. * Julius röchelt. *

-Hat er so was schon mal gehabt? -Nicht dass ich wüsste.

Julius, kannst du mich hören?

-Nicht festhalten. -Okay, ich lasse los.

Nicht festhalten.

* Er atmet schwer. *

* Stimme über Funk *

...

* MRT rattert. *

Hey, na?

(Julius) Was machst du hier?

Was ist passiert?

Weiß ich nicht.

Und, ähm... Wie geht's dir jetzt?

(Mann) Guten Tag.

-Hallo. -Hallo.

-Einverstanden, dass Leute da sind? -Ja.

-Wie geht's Ihnen? -Okay. Bisschen Kopfschmerzen.

Hatten Sie schon epileptische Anfälle?

Nicht ungewöhnlich, dass die Krankheit erst später auftritt.

Kann man sicher sein, dass das ein Anfall war?

Machen Sie den Mund auf.

Zunge rausstrecken bitte. Zunge nach links.

Zunge nach rechts. Wir können nicht sicher sein.

Es gibt keine im Normalfall häufig vorkommende Schäden im Mund.

Selbst wenn ja,

ein epileptischer Anfall setzt keine Epilepsie voraus.

-Leiden Sie an Schlafmangel? -Nein.

-Trinken Sie regelmäßig Alkohol? -Ja, aber nicht viel.

-Medikamente? -Nein.

-Vorerkrankungen? -Auch nicht.

Wir haben mittels einer Magnetresonanztomographie

Aufnahmen vom Gehirn gemacht.

-Gefunden haben wir nichts. -Darf ich sehen?

Bitte.

Man kann nicht sagen, ob es sich um einen Gelegenheitsanfall

oder um den tatsächlichen Beginn einer Epilepsie handelt.

-Fährst du mit deiner Mutter? -Ja.

Lasst uns später telefonieren, ja?

Ruh dich jetzt aus.

Machst du auf? Ich hole meine Sachen.

Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.

-Brauchst du Hilfe? -Danke.

-War dein Ladekabel nicht vorne? -Ach so, ja.

Danke. Wo hast du geparkt?

Ist leider nichts geworden, aber die wäre für Sie gewesen.

Ach, nein. Nein, danke.

-Okay. Tschau. -Tschüss.

-Hier? -Da.

...

Sag mal, was wolltet ihr da eigentlich machen am Hafen?

Segeln.

(Radiosprecher) "Für die EU-Abgeordneten..."

* Sie macht Radio aus. * Mensch.

Hast du denen erzählt... * Er macht Radio an. *

Lass! * Schaltet aus. *

-Erzählst du, wir hätten ein Boot? -Nein.

Haben sie das gesagt?

-Dann war das ein Missverständnis. -Ah ja.

...

Na?

Hier ist deine Post.

Warte, ich wärme das mal auf.

Hier, komm, nimm.

-Franz, wollt ihr auch Gulasch? -Danke, wir hatten schon.

Die sind noch alle zu, ne?

Ich habe Sachen von euch aussortiert.

Geh gucken, ob eine Hose dabei ist.

(Junge) Ein Laster.

-Na, ihr beiden Terroristen? -Ein Laster!

-Du hast einen Laster? -Ja.

Wow. Hallo, Yella.

Hallo.

* Junge singt. *

Franz, guck mal.

-Ist das deine hier? -Mhm.

Krass, sieht so klein aus.

Geht's gut?

Hm, Stress.

Was ist bei euch in der Druckerei so los?

-Was meinst du? -Ich brauche einen neuen Job.

Kannst du nachfragen, ob die jemanden brauchen?

Hallo?

-Nein, will ich nicht. -Was ist denn mit dir los?

-Mache ich nicht, ganz einfach. -War nur eine Frage.

Ja, und ich habe geantwortet.

Mama, gibst du mir mal bitte dein Handy?

Mein Handy?

Warum seid ihr zwei Stunden zu spät?

-Zu spät für was? -Mama, wir waren verabredet.

Frag Julius.

So.

Ich war im Krankenhaus.

-Wieso? -Ich hatte einen Anfall.

-Was für einen Anfall? -Wissen wir nicht.

-Epileptischer Anfall. -Sagt der Arzt.

-Was? -Ich fand den Arzt komisch.

Epileptischer Anfall?

-Mit Schütteln und so? -Ich kann mich an nichts erinnern.

-Ich glaube nicht, dass es das war. -Natürlich war es das.

Hier. Mama, jetzt hörst du, wenn es klingelt.

Danke.

Hast du so was schon mal gehabt?

-Nein. -Komisch.

Was ist mit deinem Museumsjob?

Der nervt. Ist langweilig.

Die Leute auch.

-Na ja, ist halt ein Job. -Ja, ein schlechter Job.

Dann such dir einen anderen.

Ich kann dir nicht helfen.

Selbst wenn ich... Es geht nicht.

Hast du Steven Paul diesen Adapter gegeben?

-Was meinst du? -Oder... Kartenleser?

Ich habe Steven getroffen,

und er meinte, du hättest ihm einen alten Kartenleser versprochen.

Er erreicht dich aber nicht, und du meldest dich nicht.

-Du hast keinen Kartenleser. -Was? Du hast keine Ahnung.

Er wollte Material von einer Hochzeit digitalisieren.

Der Kartenleser war von meinem Mitbewohner.

-Und? -Ich wollte ihn noch fragen.

-Wen? -Meinen Mitbewohner, Robert.

-Hast du das gemacht? -Ja, der hat ihn nicht mehr.

Erzähl das doch Steven.

-Habe ich. -Warum fragt er mich dann danach?

-Wann hat er das gesagt? -Vor zwei Wochen oder so.

Vor einer Woche habe ich ihm geschrieben.

Das ist ja lieb von dir.

* Sie lacht. *

Du bist aber so was von frech.

* Julius quäkt. *

Wo ist Nino? Wo ist Nino?

-Hier! -Nino!

-Hier. -Wo bist du?

-Hier! -Ich sehe dich nicht!

* Nino kichert. * Ach, hier.

Hier? Da bist du gar nicht, Nino.

-Nino, wo... -(Mama) Lauter rufen.

-Hier bin ich doch! -Ach, hier bist du.

Unter dem... *Kichern*

-Auch nicht. -Hier bin ich!

-Wo denn? -Hier!

-Komm doch mal! -Hier!

-Wo? -Hier.

-Ah, da bist du. -Nicht fangen.

Nee, du darfst mich fangen.

Hüa, Pferdchen.

-Hüa, Pferdchen. -Bin müde.

Pferdchen ist müde.

* Er schnarcht pfeifend. *

(Yella) Aufwachen.

* Entferntes Gespräch *

(Mama) Ich meine...

(Mann) Ich finde schön, wenn man ein bisschen davon spürt.

(Mann) Das vermittelt ein richtiges Gefühl von Wärme.

* Sie lacht. *

Bernd, du kennst das Bild gar nicht.

Nein, du meinst ein anderes.

* Undeutliches Gespräch *

(Julius) Ich brauche neue Schuhe.

Muss ich mir Sorgen machen um dich? * Er verneint. *

Du weißt, was ich meine, ne?

Guck mich mal an.

Was?

Muss ich mir Sorgen um dich machen?

Nein.

Mache ich aber.

-Julius, du bist keine fünf mehr. -Ist jetzt gut.

Nee, ist nicht alles gut.

Wenn ich im Krankenhaus stehe wie ein Vollidiot.

Keine Ahnung von nichts,

aber ich weiß, dass du deinen Freunden Schwachsinn erzählt hast.

Ja.

Ja. Ich will das nicht mehr.

-Hallo? -Ja.

Ja? Wann hörst du endlich damit auf?

Habe ich schon.

Oh.

Das klappt ja super, ne?

Ich mache das nicht mehr.

Wer ist eigentlich dieser Bernd?

Läuft da was?

Jetzt lenk nicht ab.

Das kommt nicht noch mal vor.

Versprochen.

Glaubst du mir nicht?

Doch. Ja.

Habe ich erzählt, dass ich jemanden kennengelernt habe?

-Wen denn? -Marie.

Ah.

-Und? -Ja, was, und?

-Was macht sie? -Sie ist Opernsängerin.

Opernsängerin?

Sie studiert noch.

Und wie ist sie so?

Ähm...

Sie ist toll.

Kann sie nicht gut beschreiben. Sie lacht ganz viel und ganz laut.

Ist es was Ernstes?

Sonst würde ich es dir nicht erzählen, oder?

Schön.

Tschüss.

* Entferntes rhythmisches Schlagzeug *

* Tür wird aufgeschlossen. *

...

* Musik wird lauter. *

* Gedämpfte Schlagzeugmusik *

Ach, Scheiße.

...

* Schlagzeugmusik läuft weiter. *

* Musik stoppt. *

* Entfernte Tür wird knarzend geöffnet. *

* Frau lacht. *

* Autos brummen, Hupen. *

...

* Elegante Klaviermusik *

...

* Sie singt Arie. *

* Alle sprechen englisch. *

Also...

Marie, der Part ist schwierig.

Wegen seiner Schlichtheit, der einfachen Inszenierung:

du, allein auf der Bühne, und wegen der Schlichtheit der Arie selbst.

Wie fühlt sie sich in diesem Moment?

-Schlecht? -Ja...

Liebt sie den Grafen?

-Ja. -Natürlich, ja.

Sonst wäre da ja kein Schmerz.

Wir müssen den Schmerz fühlen, Marie. Dich klagen hören.

Höre auf deinen Text: "Ich flehe dich an, lass mich sterben."

Ich kenne den Text.

Herumlaufen und auf deine Füße starren geht da nicht.

Da sehe ich dir keinen Schmerz an, okay? Gut.

* Elegante Klaviermusik *

* Sie singt Arie. *

Okay.

* Musik verstummt. *

...

-Steh am Tisch. -Wie bitte?

Steh am Tisch, halte dich daran fest.

Als ob du sonst umfallen würdest.

Okay? Versuch es noch mal.

Du hast gerade erfahren, dass dein Mann dich nicht mehr liebt.

Er hat genug von dir, du bist am Boden zerstört.

Versuch es noch mal.

* Klavier setzt wieder ein. *

* Sie singt. *

* Dozent spricht englisch, Marie deutsch. *

(Dozent) Marie...

Mein Gott, lass es mich doch einmal bitte aussingen!

Du musst die düsteren Töne treffen, das ist alles zu hell.

Ich rede hier nicht nur vom Gesang, Oper ist Stimme und Körper.

Du bist gerade keine Tatjana, die Gräfin ist kein Schmetterling.

Die Rolle wird schwer für dich.

Warum denn?

Versuchen wir etwas anderes.

Erklär mir bitte einmal, was du genau meinst.

Es fällt dir womöglich in diesem künstlerischen Kontext schwer,

diese Dunkelheit zu finden.

Die muss von dir kommen, denn die Gräfin ist ganz anders als du.

Ja? Wir stehen noch ganz am Anfang, du hast genug Zeit.

Du machst das schon. Und das mit dem Tisch funktioniert.

Mach dir keine Sorgen.

Gut.

So, versuchen wir es mit Lea.

Am Tisch?

Ja, bitte.

* Klavier setzt ein. *

...

Was hast du da eigentlich?

'ne Narbe.

Woher hast du die?

Da hat mich im Kindergarten ein Kind gehauen.

Gehauen? * Sie kichert. *

Und davon hast du so eine Narbe?

Es war mit einer Schaufel.

Mit einer Schaufel? * Sie lacht. *

Was war das für ein Biest?

Das war so eine ganz kleine Schaufel.

Ganz klein? So ein Dolchstich?

Ja.

Machst du dir Sorgen?

Nein.

Sag's halt ab.

Was soll ich absagen?

Dieses Parkhausding.

Wir haben den Wettbewerb gewonnen, das kann man nicht absagen.

Kannst du es abgeben an jemand anderen?

-Leider nicht. -Irgendjemand aus dem Team.

Nee, es geht nicht. Kann ich nicht abgeben.

Und wann kommt der Statistiker?

-Der Statiker kommt am Montag. -Statiker...

Aber heute Nachmittag treffen wir die Bauherren.

Ich wollte dich noch was fragen.

Wirklich jetzt?

-Ja. -Im Ernst? Okay.

Ich sage Ja.

Kommst du mit ins Konzert?

Wirklich? Oh, nö.

Vielleicht. Ich weiß es noch nicht.

Am Montag muss die Präsentation für die Botschaft fertig sein.

Vielleicht.

Ich sage vielleicht. Darf ich das? Genügt ein Vielleicht? Ja?

Was?

Ich war mal in Malaysia für ein Symposium.

Und davor oder danach, ich weiß nicht mehr,

für einen Tag am Strand.

Als ich weitermusste nach Singapur,

habe ich mir im Hotel ein Ei mitgenommen für die Fahrt.

Da lagen welche auf dem Tisch vom Buffet.

Ich stand da an einer klitzekleinen Bushaltestelle im Nirgendwo.

Nichts los, gar nichts.

Ich bin in den Bus eingestiegen.

Er war voll mit malaysischen Schulmädchen.

In rosa Schuluniform und Kopftuch, halb so groß wie ich.

Haben noch nie einen Wessi gesehen, die haben mich alle so angestarrt.

* Sie lacht laut. *

Mit offenen Mündern.

Und der Bus war vollgepackt bis zum letzten Millimeter.

Es waren sicher 35 Grad im Bus.

Um mich herum überall diese kleinen Mädchen,

die auf mich zeigen, und erst haben sie geflüstert über mich.

Irgendwann fangen sie an zu lachen.

-Wieso? -Weil ich rot war vom Tag vorher.

Sechs Stunden diese Äquatorsonne, ich war total verbrannt

und sah aus wie ein Monster.

Wie ein rotes, verschwitztes, stinkendes deutsches Monster.

Das hat auch so wehgetan.

Irgendwann denke ich, ohne was getrunken zu haben,

ich sollte jetzt mal was essen.

Also hole ich mein Ei aus der Tasche.

-Und muss es abpellen. -Mhm.

Der Bus fährt auf Schotterpisten,

sodass ich mich festhalten muss, sonst wäre ich hingefallen,

direkt auf die Schulmädchen.

Ich habe eine Hand, um die Schale zu knacken.

Deswegen mache ich es so wie immer als Kind.

Ich nehme das Ei...

und haue es mir gegen die...

Flatsch!

-Was? Warum? -Es war alles voll.

-Es war roh! Nein! -Ja.

* Sie lacht hysterisch. *

Mein erster Gedanke war:

"Warum stellt man rohe Eier auf ein Buffet?"

Die Fassade, megasexy.

Das ist eine GFZ-Überschreitung von 0,5 Punkten. Bescheuert.

Halt Beamte.

Jammern, wir haben keinen Wohnraum.

Dann fordern die, dass wir einen Hof versiegeln.

...

* Entferntes Gespräch *

...

* Sie reden leise. *

(Mann) Nee, hör doch mal zu. Aber...

Wenn die von der Kita...

Konstanze, wenn die Kita sagt,

Montag und Mittwoch derselbe Elternteil,

dann macht es Sinn, dass du das machst.

Ja, aber wieso nicht Mittwoch?

Ja, ich kann ja nächste Woche...

Es macht keinen Sinn, wenn du Montag, ich Mittwoch,

das ist Blödsinn.

Ja.

Ist doch auch gut für Luisa, wenn...

-Ja. -Okay.

Lass mit der IBB drübergehen.

-Ja. -Ich höre zu.

Ja, okay, bis gleich.

-Ja. -Tschau.

Ja, nee. Nee, nicht jetzt.

Nee, lass am Abend einfach.

Ja, ist doch... Ist gut. Gut.

Ja, tschüss.

* Er stöhnt. *

Mann.

Oh, danke.

Danke.

Könnten da einen Aschenbecher hinstellen.

Ja, stimmt.

Warum machen die es nicht?

Im Ernst.

Wegen des Rauchverbots.

Ach, komm.

-In welchem Projekt arbeitest du? -Oh, Shit.

* Schritte *

-Hallo. -Hallo.

Entschuldigung, sind Sie hier angestellt oder Gast?

-Ich bin Gast. -Und bei wem sind Sie zu Besuch?

-Stimmt das? -Was?

-Dass er bei Ihnen zu Besuch ist. -Nee, nicht dass ich wüsste.

Ich muss Sie bitte auffordern, das Gebäude zu verlassen.

-Ich finde den Weg alleine, danke. -Ich komme mit.

Bitte.

...

Hi.

-Hi. -Oh, cool. Wo habt ihr die her?

Gekauft.

-Ist die neu? -Nee.

-Kannst du mit anfassen? -Ja, aber ich bin in Eile.

Geht ja schnell.

-Versuch mal unten. -Ja.

-Genau. -Okay.

Und hopp.

Nee, nee, hier erst mal abstellen.

Passt super.

-Ja, so ist gut. -Ja?

-Ein bisschen wieder raus. -Okay.

-Passt rein, oder? -Ja.

Hast du die Miete überwiesen?

Ach so, äh, nee. Ich bekomme Montag erst mein Geld.

-Hatte ich das nicht gesagt? -Nee.

-Dann habe ich es Robert gesagt. -Nee.

Am Montag. Versprochen.

* Handyklingeln * Hallo?

Hi. Ja, super.

Durch den Hof. Genau, dann... Ja, perfekt.

Bis gleich.

-War das der Typ? -Ja, das ist der Kleine.

-Der Kleine? -Ja, guckt sich dein Zimmer an.

-Der ist ganz klein? -Oh, Scheiße.

-Hier stimmt was nicht. -Hm?

Irgendwas haut nicht hin. * Schraubgeräusch *

Darf ich mal sehen?

Warte, ich glaube, wenn ich... Ich kriege das, glaube ich, hin.

-Kann ich mal kurz? -Kleinen Moment.

-Ja. -Ähm...

Soll ich mal?

Ja, bitte.

Ach so, okay.

Erstens, das Ventil des Wasserzuflusses ist im Arsch.

-Und zweitens fehlt was. -Okay, was denn?

Ein Gummiring.

-Was ist am Arsch? -Das Ventil.

* Handyklingeln * Inwiefern im Arsch?

Kaputt halt, keine Ahnung.

-Wie kriegen wir das zum Laufen? -Kauft einen Gummiring.

Und dann ausprobieren.

-Hi. -Hallo.

-Christian. -Hi, ich bin Melanie.

-Hallo. -Ich bin Julius.

-Hi, Julius. -Robert.

-Christian, hallo. -Schön, dass du da bist.

-Ja, voll cool. -Willst du was trinken?

Ist nett. Vielleicht ein Wasser.

Ja? Mit Sprudel, ohne?

Äh, Leitungswasser einfach.

-Hast du gut hergefunden? -Ja, klar, gar kein Problem.

Ich kenne die Gegend auch.

Mein Atelier ist hier gleich in der Nähe.

-Ähm, genau, daher kenne ich das. -Cool.

-Und was machst du im Atelier? -Äh, ich bin Künstler.

Ich mache vorwiegend Zeichnungen mit Tusche und so Zeug.

Aber ja, ich gehe auch arbeiten, jobben.

Ausstellungsaufbau, Abbau, Installationen.

So handwerkliches Zeug.

Aber auch schleppen und so.

Cool.

-Schön. -Ganz cool.

Ähm, und ihr wohnt hier schon lange oder wie?

Also ich bin seit zwei Jahren da, genau.

Ich bin der WG-Älteste. Zehn Jahre.

Oh, wow.

Ich bin ein knappes Jahr hier und ziehe wieder aus.

Okay.

Das ist mein Zimmer.

Ja, ist gemütlich. -Ja. Ist eigentlich ganz gut.

Und die Sachen hier, die würdest du...

Die bleiben. Die habe ich übernommen.

Das ist praktisch, ich habe nicht so viel.

Gut.

Ja, ist cool.

-Ah, liest du gerade? -Ja, hast du es auch gelesen?

Ja.

Ich habe es schlecht in Erinnerung, ich lese es noch mal.

Ist bestimmt 15 Jahre her.

15 Jahre? Wie alt warst du da?

13, glaube ich.

Daher erinnere ich mich nicht, außer dass es mir viel bedeutete.

Mit 13 hätte ich das, glaube ich, gar nicht gerafft.

Ich habe auch nicht viel verstanden,

ich hatte eine Phase, wo ich mich für Philosophie interessierte.

Ich habe so viel gelesen, wie ich konnte.

-Hast du studiert? -Philosophie?

Nee, die Phase war dann wieder vorbei.

Ich beschloss, dass Schluss war mit dem rationalen Denken.

Ich habe mich für anderes interessiert.

Keine faktischen Texte mehr.

Ich habe mir vorgenommen, meine Intuition zu schärfen.

Was man sich mit 13 ausdenkt.

Wie hast du das gemacht?

Ich habe Methoden entwickelt, um an Informationen zu kommen.

Ohne eine Idee ging ich in Bibliotheken,

habe mich treiben lassen.

Und komischerweise kommt man an genau die Bücher, die man braucht.

Solche intuitiven Herangehensweisen haben mich fasziniert.

Ich wollte ein Denken in mir finden,

das nicht von A bis Z geht.

Und wo sich trotzdem gewisse Wahrheiten herauskristallisieren,

die auch ihre Berechtigung haben.

Hört sich spannend an.

Ja, solche Phasen haben alle, oder?

Wenn man anfängt, sich zu fragen,

warum die Dinge so sind, wie sie sind.

Warum gewisse Regeln gelten, an die sich alle halten,

und wo stehe ich selber dabei.

Es ist keine Methode richtiger als eine andere, oder?

Ja.

-Warum ziehst du aus? -Ach so, ja...

Wir haben entschieden, getrennte Wege zu gehen.

Es passt gut, weil ich ein Stipendium bekommen habe

für sechs Monate in Tokio.

Genau.

-Cool, was für ein Stipendium? -Äh, Kunst.

Wahrscheinlich werde ich am Ende nur schreiben.

-Was schreibst du? -Ich habe so Liedtexte.

Für Bands.

-Eine Art Ghostwriter? -Genau, ja.

Ich meine, aus den meisten Ideen wird nichts, aber...

manchmal klappt's.

(Christian) Ich denke, das ist Dreck.

Aber es ist ihr Muttermal.

-Wie? -Ja, ich kratze...

-Du hast versucht, es wegzukratzen? -Ja.

Und sie hat es gesehen? Sie war dabei?

-Ja. -Oh Gott, wie unangenehm.

-Wie hat sie reagiert? -Na ja, nicht mehr gemeldet.

-Cool, dass du da warst. -Fand ich auch. Sag Bescheid.

Nicht meine Entscheidung.

-(Melanie) Wir melden uns. -Okay.

-Schön, euch kennenzulernen. -Ja, tschüss.

-Tschau. -Tschau.

Was macht ihr denn hier?

Wir haben versucht, dich anzurufen.

Wir wollten schauen, wie es dir geht.

Setz dich doch.

Woher habt ihr meine Adresse?

Von Bernhard.

-Wir versuchten, dich anzurufen. -Hast du schon gesagt.

Willst du antworten?

-Du hast keine Frage gestellt. -Kommst du klar?

* Waschmaschine läuft. *

Geht die jetzt wieder?

Mhm.

Hatten noch so einen Ring. Hast recht gehabt.

Cool.

-Lizi hat Kuchen gebacken. -Ja, sehe ich.

-Setz dich zu uns. -Danke, vielleicht später.

Vielleicht einen Kaffee?

Wie geht's dir? Warst du noch mal beim Arzt?

Nee, aber es geht mir besser.

-Mein Cousin hat auch Epilepsie. -Hoffentlich ist es das nicht.

Eigentlich müsste sie ins Bad, oder? Wäre doch besser.

Da ist kein Platz.

Wenn man das Regal rausschmeißt und einen Hängeschrank reinbaut...

Hängeschrank im Bad?

Kennst du diese Stoffdinger,

die man an der Decke befestigt für Handtücher?

Können wir versuchen. Dann ist hier mehr Platz.

Für Mülleimer und so.

Wie viele seid ihr hier in der Wohnung?

Wir sind zu viert, aber er zieht nächsten Monat aus.

-Was? -Wirklich? Wieso?

Er geht nach Japan.

Japan? Wow.

-Was machst du da? -Ich habe ein Stipendium.

Wirklich?

Was denn für ein Stipendium?

Ich muss jetzt leider gleich los.

Können wir das ein andermal machen?

-Willst du ein Stück mitnehmen? -Nein, danke.

Ja, also, ich, äh...

muss auch noch ein paar Sachen erledigen.

Ja, hat mich gefreut, euch kennenzulernen.

-Gut. -Tschau, schönen Tag.

Ja, ebenso, tschüss.

Also was soll das hier?

Nichts. Wir wollten einfach wissen, wie es dir geht.

-Du warst nicht im Büro. -Ihr recherchiert meine Adresse?

Wir haben nur Bernhard gefragt.

Ich verstehe nicht, was so komisch daran ist.

Wir waren mit dir im Krankenhaus

und können dich dann nicht mehr erreichen.

-Warum bist du so komisch? -Ihr kommt in meine Wohnung.

-Okay, ich setze mich hin. -Julius.

-Darf ich das Stück? -Ja, bitte.

Danke.

-Hey, können wir mal offen reden? -Machen wir doch gerade.

Was wollt ihr eigentlich von mir?

-Was soll das hier? -Hey.

Es ist alles gut.

Ihr müsst euch übrigens unbedingt untersuchen.

-Was? -Ihr müsst euch untersuchen.

-Was denn untersuchen? -Wegen Zecken.

-Ich fing mir eine ein im Wald. -Ja?

Ein Riesending.

Ich dachte, das wäre eine Spinne.

Es hat sich auf meinen Hoden gesetzt.

Ein Riesenoschi.

-Ich will das wegkratzen... -Hey.

Dann blieb der Kopf stecken.

-Können wir beim Thema bleiben? -Ich nahm eine Pinzette.

-Kannst du... -Dann hat er hier...

Hier, hat sich richtig festgebissen. Der ganze Kopf.

Weiß gar nicht, was man da machen soll.

Na ja.

* Waschmaschine schleudert laut. *

Ich komme gleich wieder, okay?

* Dunkles Dröhnen *

...

* Fahrradklingel *

(Julius) Marie! Hier.

Ist doch immer dasselbe.

Zu wenig Wohnraum, und trotzdem sollen wir den Hof versiegeln.

Wir schauen mit der GGB drüber, okay?

Mhm. Nee, die Zulassungsanträge sind alle durch.

Ich muss los. Lass uns morgen reden. Dir auch.

-Tschau. -Wir sind zu spät.

-Na? -Alles gut?

-Bei dir auch? Gehen wir hoch? -Schaffen wir nicht. Nächstes Mal.

Oh.

Komm. Wir sind zu spät.

* Undeutliches Gespräch *

-(Mann) Danke. -Danke.

-Ihre Marke. -Danke.

-Viel Spaß. -Danke.

* Leises Stimmengewirr *

Hallo. Entschuldigung.

-Hallo, ich bin Julius. -Freut mich.

* Schritte *

* Applaus *

* Dunkle Klaviertöne *

*singt* ♪ Still ist die Nacht.

Es ruhen die Gassen.

In diesem Hause

wohnte mein Schatz.

Sie hat schon längst

die Stadt verlassen.

Doch steht noch das Haus

auf demselben Platz.

Da steht auch ein Mensch

und starrt in die Höhe

und ringt die Hände

vor Schmerzensgewalt... ♪

* Dozent spricht englisch, alle anderen deutsch. *

Ich habe neulich Königsberger Klopse bestellt und Hühnchen bekommen.

Egal. Seid ihr schon fertig, wollt ihr los?

Wir wollen Nachtisch.

Dann bleibe ich auf einen Kaffee.

Wie hat es Ihnen gefallen?

-Wunderschön. -Ja, dieser Bass ist irre.

Er ist unglaublich.

Ich habe die beiden mehrmals gesehen und finde es faszinierend,

dass es kein erkennbares Zusammenspiel gibt.

Sie spielen wie isoliert voneinander, aber es funktioniert.

Und warum? Weil beide starr geradeaus auf die exakt gleiche Vision blicken.

Sehr interessant.

-Können wir Dessert bestellen? -Gern.

-Ich nehme die Creme brulee. -Sehr gern.

-Ich auch. -Zweimal.

-Gateau au chocolat. -Sehr gern.

-Der ist super. -Ja?

Aber ich nehme auch die Creme brulee.

-Und auch die Creme brulee. -Danke.

-Du hast versprochen, du fährst. -Jaja, ich fahre.

Marie, wie hat es dir gefallen?

Ja, ich fand's okay.

-Julius, wie fanden Sie es denn? -Ich kenne mich gar nicht aus.

Aber mir hat's sehr, sehr gut gefallen.

-Spielen Sie ein Instrument? -Nein.

Ich wuchs anders auf. Marie erwähnte es?

-Nein. -Das musst du nicht erzählen.

Ach so.

Ja, also, alles gut. * Er räuspert sich. *

Mein Bruder und ich mussten früh alleine klarkommen.

-Inwiefern? -Meine Eltern konsumierten Drogen.

Was für Drogen?

Kennen Sie Berliner Tinke? Eine Opiataufmischung in Essigsäure.

Also später Heroin.

Wo sind Ihre Eltern, wenn ich fragen darf?

-Beide verstorben. -Das tut mir leid.

-An Drogen? -Indirekt, ja.

Mein Vater verschwand und tauchte nicht mehr auf, und meine Mutter...

Es ist nicht leicht, über meine Kindheit zu sprechen.

Ist doch klar.

Ich weiß nicht, welche Erinnerungen wirklich passiert sind.

Oder ob die Bilder im Nachhinein entstanden

durch die Erzählungen meines Bruders oder meine.

Musikunterricht kam für mich nicht infrage.

-Ich komme vom Thema ab. -Nein, um Gottes willen...

Was machen Sie beruflich?

Ich bin Architekt.

Er entwirft das serbische Konsulat.

-Papa. -Mit meinem Team.

-Diskretion, es ist inoffiziell. -Entschuldigung.

Das Gebäude war Ihre Idee?

-Ursprünglich. Wir sind ein Team. -Es ist dein Team.

-Ja. Wir sind ein Team. -Weil du sie ausgesucht hast.

-Man kann von deinem Team sprechen. -Es ist Ihr Auftrag?

-Ja. -Seien Sie stolz.

Bin ich auch.

Und sehr dankbar. Es ist eine Zusammenarbeit.

Bei der ich versuchen will, auf Hierarchien zu verzichten,

sofern das möglich ist.

Es gibt sehr viele talentierte Architekten,

dass ich wirklich Glück hatte.

Mit diesem Privileg kommt Verantwortung.

Wie groß ist Ihr Team?

14.

Und alle haben gleich viel zu sagen?

Ganz so leicht ist es nicht, aber das wäre meine Utopie.

* Lachen *

-Was ist daran so witzig? -Nichts. Schwer zu erklären.

Ich glaube, dass...

Potenzial in jedem Menschen steckt.

Man sagt doch, der durchschnittliche Mensch

nutzt 30 % seiner Leistungskapazität.

Dann ist die Frage, wie erreicht man die restlichen 70 %?

-Ja, und wie? -Zum Beispiel durch Vertrauen.

Wer Verantwortung übernimmt, leistet mehr.

Das trifft bei Ihnen zu, aber schauen Sie sich um in der Welt.

80 % der Weltbevölkerung lebt für weniger als einen Dollar am Tag.

Wir leben in einem der reichsten Länder.

Jeder kann Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.

-Na ja, das... -Lass mich bitte ausreden.

-Das hat auch damit... -Lass mich bitte ausreden.

Ähm...

Ich habe den Faden verloren.

Ach so, ähm...

Im Vergleich sind die Möglichkeiten in Deutschland enorm.

Die Freiheiten aber auch. Was machen die Leute damit?

Sie arbeiten wenig

und kümmern sich weder um die Gesellschaft hier noch woanders.

Menschen arbeiten mehr mit weniger Freizeit.

-Das ist der Punkt. -Darum geht's nicht.

Worum denn?

Menschen übernehmen keine Verantwortung,

wenn man sie nicht zwingt.

Leicht für jemanden in einer perfekten Position.

-Darf ich keine Meinung haben? -Doch, bitte.

Ich sage ja nicht, dass du oder ich anders sind.

Aber unter anderen Bedingungen wären Sie ein anderer Mensch.

-Eben. -Ja.

Im 18. Jahrhundert wären Sie eine andere Person.

Natürlich, aber Sie sind, wer Sie sind,

trotz Ihrer Kindheit, nicht wegen ihr.

Meine Kindheit entspricht nicht Ihrer medial geprägten Vorstellung,

wie es ist, mit drogenabhängigen Eltern aufzuwachsen.

Es war problematisch, aber es war glücklich.

Wir mussten kämpfen, hatten aber Hilfe.

Und es gibt auch Kraft. Aber Klammer zu.

Jeder Mensch ist in einzelnen Bereichen hochbegabt.

Aber das System, in dem wir leben,

entscheidet leider, wer was kann und wer nicht.

-Wer soll es entscheiden? -Sie selber.

Haben Sie jemals einen Menschen kennengelernt,

der sich nicht selbst überschätzt?

Das kommt ganz drauf an, wen du fragst.

Es gab diese Doku über Autofahrer, wo Männer gefragt wurden...

-Angela, wir wollen nicht mit... -Lass sie aussprechen.

Wie viele Männer glauben, dass sie besser fahren als der Durchschnitt?

-Wie viele? -Was glaubst du?

-Keine Ahnung. -90 %.

-Krass. -Ja!

Witzig.

-Es waren Männer und Frauen. -Nein.

* Dumpfer Knall, Lachen *

Nein, das war gemischt.

Egal, wie auch immer.

Neulich saß ich morgens im Auto, apropos Männer im Straßenverkehr,

da sah ich auf der Straße einen Mann.

Er verhielt sich normal, ging über die Straße, schaute auf die Uhr.

Ist bei der Ampel stehen geblieben und so.

Nur eine Sache war bei ihm etwas ungewöhnlich.

-Er war nackt. -Wirklich?

Er hatte absolut gar keine Klamotten an.

Er steht da, als wäre nichts gewesen.

Großartig.

Die Deutschen und ihr Faible fürs Nacktsein.

-Wann war das? -Vor ein paar Wochen.

Was für Leute arbeiten in Ihrer Firma?

Das Ganze klingt doch recht ungewöhnlich.

Es ist eine bunte Mischung.

Einige aus dem Team haben kein Studium,

das fand ich interessant.

* Stimmengewirr *

Alles gut?

Anette!

Komm zu mir.

Ihr könnt vorkommen, klar. Ist okay.

-(Frau) Hallo? -Hi.

-Hi, Julian. -Julius.

Julius, 'tschuldigung.

-Hi. -Hallo.

-Wo hast du Lea gelassen? -Zu Hause.

-Die packt aus. Riesige Wohnung. -Wann hast du die gesehen?

Beim Umzug, wo ihr nicht geholfen habt.

Wer zieht Sonntagmorgen um?

Wir waren schnell fertig. Aber uns ist was Geiles passiert.

Wir stehen an der Ampel, ich fahre den Umzugswagen.

An der Ampel steht so ein Typ und wartet halt lässig.

Mitte 40 oder so. Und ist komplett nackt.

-Splitterfasernackt. -Nackt?

-Ich schwöre es euch, doch. -Nein.

Er guckt an sich runter und läuft plötzlich los.

Als ob er merkt: "Scheiße, ich bin nackt."

-Hatte er Schuhe an? -Er sah, da ist nichts.

-Und ist einfach losgerannt. -Schuhe? Gute Frage.

Passt schon, danke.

Danke schön.

* Technobässe *

...

* Stimmengewirr *

Das ist mein Freund.

-Julius, hallo. -Ich wünsche euch viel Spaß.

Tschau.

-Alles okay? -Was?

-Alles okay? -Ja.

-Ja? -Bei dir auch?

Ja.

-Sollen wir noch was trinken? -Ja.

Entschuldigung?

Sorry!

Hey.

(Mann) Drängle mal nicht so.

-Hey! Na? -Hi.

-Was machst du da? -Was machst du denn hier?

-Marie, Erik. Erik, Marie. -Hallo.

-Freut mich sehr. -Hi.

-Ich bin ein Kollege. -Der Erste, den ich kennenlerne.

-Ja? -Ja, sonst gar keinen.

Seid ihr zusammen?

Ja, ich glaube, das kann man so sagen.

-Ja, würde ich auch so sagen. -Okay.

Was geht so bei euch?

-Willst du auch was trinken? -Danke.

-Erzähl mal. -Ganz cool eigentlich.

-Ein paar Sachen... -Erik ist neu.

-Er hat erst angefangen. -Okay.

-Er kommt aus Österreich? -Niederösterreich, ja.

Wann hast du angefangen?

Vor Kurzem hatte ich meinen ersten Tag.

-Und wie war es? -Äh, gut. Alle supernett.

Julius hat mir was gezeigt. Aber so schwer ist es nicht.

Warum? So schwer ist es nicht?

-Nein. -Am Anfang ist es relativ locker.

-Und ich mache keine Führungen. -Was?

-Führungen. -Was für Führungen?

Mit den Bauherren.

Bist du bei dem Botschaftsprojekt dabei?

Äh, das ist noch nicht ganz sicher.

-Genau, wir schauen noch. -Ja.

-Aber müssen wir sehen. -Ja.

Hey.

-Wo ist Anette? -Keine Ahnung.

Hast du schon was bestellt?

-Was willst du? -Irgendwas Alkoholfreies.

-Können wir ein Wasser bestellen? -Mit Zitrone bitte.

-Erik arbeitet mit Julius. -Hallo.

Urash, hi. Ich wollte auch immer Architekt werden.

-Ja? -War aber zu dumm.

Kann ja noch werden.

Ich bin eine rauchen gehen. Kommst du mit?

-Kommst du mit rauchen? -Ja.

Komme gleich.

* Gedämpfte Bässe *

Hast du Zigaretten?

-Nein. -Ach so.

Hi, sorry.

-Kriegen wir eine Zigarette? -Klar.

Danke. Vielleicht auch zwei?

Ich rauche nicht.

Ach so.

...

Ich habe mich nie bei dir bedankt.

Dass du mich verteidigt hast.

-Was? -Im Wald.

Habe ich dich da verteidigt?

Ja.

Das war gar nicht als Verteidigung gemeint.

Jonas ist einfach ein Idiot.

Irgendwie...

Die, die am meisten Produkt ihrer Umgebung sind,

die verstehen es am wenigsten.

Aber wie... Wie meinst du das?

Ja, er kapiert es halt nicht.

Wäre er so aufgewachsen wie du, wäre er doch genauso.

Und wie wäre das?

Gläubig.

Aber meine Eltern haben mit der Kirche nichts zu tun.

-Ach, nein? -Nein.

Und wie kam's dann bei dir?

Ähm...

Ich...

Ich bin mit einer sehr seltenen Hautkrankheit geboren.

Ich habe sehr große Blasen gehabt

und trockene Haut, die rissig wurde.

Ich musste jeden Tag vier Stunden baden und die Haut abschrubben.

Jeden Tag. Ich habe ziemlich extrem ausgesehen.

Und ich war voller Hass.

Ich habe furchtbare Sachen gemacht.

Was hast du gemacht?

Ähm... In unserem Dorf gab's einen Streuner.

Keiner hat gewusst, wo der herkommt oder wem der gehört.

In einer Nacht hörte ich ihn vor unserem Haus

und habe ihm Brot gegeben,

das ich davor mit Nägeln präpariert habe.

-Mit Nägeln? -Ja.

Und dann?

Ich habe zugehört, wie er gelitten hat.

Keiner machte was, meine Eltern auch nicht und am nächsten Tag...

Ja, lag er tot auf der Straße.

Ich habe auch Katzen erhängt und...

Und dann mit 15 habe ich einen Pfarrer kennengelernt.

Ein wahnsinnig kluger Mann.

Ich habe ihn so bewundert.

Weil ich ihn so bewundert habe, fing ich an, ihn nachzumachen.

Ich habe nicht an Gott gedacht oder überlegt, ob Gott existiert.

Einfach angefangen, zu beten.

Zuerst kommst du dir blöd vor,

du sitzt alleine in einem Raum und redest vor dich hin.

Irgendwann stellte sich ein Gefühl ein, dass du nicht für dich redest,

dass da jemand zuhört, dass dir jemand zuhört.

Also mein Glaube kam nicht durch Gott.

Gott ist durch den Glauben gekommen.

Wenn man eine Krankheit hat, die einer von 100.000 Säuglingen hat,

fühlt man sich ziemlich einsam.

Und durchs Beten ist diese Einsamkeit erträglicher geworden.

Ich war... wie neugeboren.

Und dann...

ging es weg.

Warum hast du mich auf den Segelausflug mitgenommen?

Gib mir deine Hand.

Die hat dem...

Pfarrer damals gehört.

Wenn du sie nicht brauchst, gibst du sie zurück.

-Was? Nein, das... -Doch, doch. Ist gut.

...

Willst du noch was trinken?

Ja, im Kühlschrank müsste Weißwein sein.

Ja.

-Bier hast du nicht? -Oh, nee, ich glaube nicht.

* Entfernte Rufe, dumpfe Musik *

* Marie summt Melodie nach. *

Was ist denn das für ein Lied?

* Sie summt. *

-Keine Ahnung, Daft Punk? -Nee.

...

Warum hast du das erzählt?

Was denn?

Die Geschichte.

Die mit dem nackten Mann?

Weil ich die so erlebt habe.

Ja?

Mhm.

Und wann?

Vor zwei Wochen.

Und dann habe ich dir davon erzählt.

Weißt du es nicht mehr?

Doch.

...

Was ist deine allererste Kindheitserinnerung?

Warum fragst du das?

Nur so. Ich will dich besser kennenlernen, besser verstehen.

Du glaubst, dass du anhand meiner Kindheit und meiner Traumata

ausrechnen kannst, wer ich bin?

Nee, darum geht's nicht.

Ich frage mich eher,

warum man sich an manche Dinge ganz genau erinnert und an andere nicht.

Weil meine erste Kindheitserinnerung ist...

ist total lapidar.

Also, mein Opa, der hat im Zimmer neben mir gewohnt.

Und da konnte man immer unter dem Türspalt sehen,

ob da noch Licht brennt nachts.

Ich weiß nicht, warum ich mich daran erinnere.

Ja, die Erinnerungen sind ja oft nicht ganz sauber.

-Die täuschen. -Die werden durch etwas gefiltert.

Aber da bleibt ja am Schluss was übrig.

Hoffentlich genau das, was wirklich passiert ist.

Aber wodurch werden sie gefiltert?

Durch meine Ansichten.

Zum Beispiel mein Weltbild.

Woher hast du dein Weltbild?

Aus meiner Erfahrung.

Das heißt, das bist dann du, oder?

Was ist deine erste Kindheitserinnerung?

Mein erster Kindergarten, glaube ich.

Da war ich klein, bevor wir umgezogen sind.

Da war ich drei.

Und woran erinnerst du dich da?

An eine große bunte Rutsche.

Und dass der Boden aus Asphalt war,

und zwar genau da, wo man landete, wenn man gerutscht ist.

"Da war dann noch ein Häuschen.

'ne Feuerstelle.

Ein Tisch.

Es war immer sehr gemütlich, wenn's geregnet hat."

* Leiser Nieselregen *

...

Hm...

Hm?

* Er spuckt. *

-Der ist nicht mehr gut. -Echt?

Hm, ich finde den okay.

Hat der Kiosk noch auf?

Bestimmt, ja.

Dann gehe ich kurz und hole eine neue, ja?

Echt?

Brauchst du was?

Ähm...

Ja, bring 'ne Milch mit.

Ja.

...

(Mann) Guten Tag.

* Es läuft Oud-Musik. *

...

* Gefühlvoller Frauengesang setzt ein. *

(Mann) Hallo.

* Tür wird geöffnet, Ladenglocke bimmelt. *

* Sie singt. *

...

* Entferntes Gespräch *

* Stimmengewirr *

...

* Basslastiger Hip-Hop *

* Musik überlagert Dialog. *

Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.