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Original subtitles

Du musst an dein Herz glauben.

Du musst machen, was dir ins Herz kommt.

Du musst machen, was du willst. Was fühlst du in deinem Herzen?

Das musst du wiederholen.

Du musst dein Herz vergleichen mit deinem Gefühl.

Du musst wissen, was du willst,

was Ruhiges machen und nicht was Wildes,

rumgucken oder so.

Du musst auf deine Natur hören.

(Rasante Orchestermusik)

(Die Musik verklingt.)

(Wählton)

Hier die Mailbox von Tom Lunies. Sprecht nach dem Ton. - (Piepen)

(hustend) Tom?

(krächzend) Hier ist deine Mutter. Ruf mal an bitte. Es geht um Papa.

(Besetztton)

(Besetztton endet.)

Oh.

(Klopfen) (Frau, zaghaft) Hallo?

(lauter) Hallo? - Oh.

Hallo?

(zitternd) Oh.

Ihr Mann war schon wieder bei mir oben.

Gerd wollte Hilfe holen.

Er hatte keine Hose an. - Er sollte das nicht machen.

Ich hab mir Sorgen gemacht... - Es geht uns gerade nicht gut.

Kann ich Ihnen helfen? - Nein. Das müssen Sie nicht.

Ich ruh mich nur noch ein bisschen aus, ja?

Na meinetwegen, ja. Gut.

Haben Sie einen Arzt gerufen?

Ja. Ja.

(Gerd) Lissy?

(Murmeln)

Lissy?

Lissy?

(genervt) Gerd, ich bin doch hier.

Das geht langsam nicht mehr so weiter, Frau Lunies.

Danke, wir kommen schon klar. - Oder?

Danke!

(Prasseln) - (Lissy) Gerd! Was...

Was machst du da? Du willst nicht duschen. Komm.

Wir müssen doch los! - Los? Wo wollen wir denn hin?

Komm raus, du machst alles nass. Komm, Gerd. Komm raus da.

Raus, raus, raus.

So, gut. Fall nicht hin.

Geh in die Küche. Nimm deine Tabletten, ja?

Ja?

(Die Tür wird geschlossen.)

(Ächzen)

Hast du deine Tabletten genommen? - Ja.

(Sie seufzt.)

(schwach) Lissy? Wo bist du denn?

(Sie ächzt.) - (Telefonklingeln)

Keine Ahnung, was da wo reingehört.

(Telefonklingeln)

(ächzt) Hm? - (Tom) Hallo, Mama. Entschuldige, ist viel los.

Ja. - Wie geht's euch? Hat Ellen sich gemeldet?

Papa... Papa... Papa geht's schlecht.

Der rennt ständig raus, ohne sich was anzuziehen. Ich...

Ich kann gar nichts machen.

Der hört nicht auf mich. - Ist es schlimmer?

Ja, viel, viel schlimmer.

Scheiße.

Ja, bei mir ist es gerade auch...

Livs Baby ist da. - Ah.

Geht's ihr gut, der Mama, und dem Baby?

Ja, ja, allen geht's gut.

Ich war dabei, ich...

Ich hab's zur Welt gebracht.

Schade, dass es nicht dein Kind ist.

Ach, Mama, das ist jetzt aber nicht...

Seid ihr wieder zusammen? - Seit zehn Jahren nicht mehr.

Mag sie den Vater von ihrem Kind immer noch nicht?

Ja... Kann...

Kann ich irgendwas für dich machen? - Tom, entschuldige, ich wollte...

Aber das ist ja nun alles auch nicht sehr schön, oder?

Soll ich kommen? - Geht das? Du musst doch immer viel arbeiten.

Ja, ich muss eigentlich immer arbeiten. Aber...

Lass mich mal. Ich muss Dinge klären und dann melde ich mich, ja?

Ich ruf morgen oder übermorgen an, und wir machen was aus.

Gut, Tom, das machen wir so. Schön. - Ja?

Ja, klar. - Mhm.

Ja, gut.

Bis morgen. - Ja, mach's gut, Tom.

Ja? - Ja.

Ihr auch. Du auch. Ich melde mich. - Tom?

Ja. Bis morgen. - Mach's gut, Tom.

(Besetztton)

(Mehrfaches Hupen)

(Hupen)

(seufzend) Ach, Gerdi.

Du sollst doch nicht mehr fahren.

Rutsch rüber.

Aber du musst mich lenken, ich seh ja nichts mehr.

Den Stock kannst du mir geben. - Ja.

(Gerd) Von links ein Fahrradfahrer. - Ah. - Ja.

(Gerd) Und jetzt von rechts noch 'n Auto.

(Gerd) Jetzt. Jetzt kannst du.

(Gerd) Gib Gas.

(Gerd) Hier steht 'n Hänger.

Vorsicht! Kind! - (Reifen quietschen.)

(Fernes Hundebellen)

Tag, Frau Lunijes. Wie geht's heute? - Lunies. Ganz gut heute.

Herein. - Soll ich Kaffee machen? - Nee, geht schon.

Ja. Gehen Sie mal durch. Sie kennen sich ja aus. Da.

Bitte, ich kann mich auch allein um meinen Besuch kümmern.

Das ist kein Besuch. Das ist 'n Mann von der Krankenkasse.

Der kommt zum wievielten Mal? - Zum dritten Mal.

Sie müssen einen schlechten Eindruck machen, wenn Sie mehr Geld wollen.

(leise) Sie brauchen mehr Geld.

Oh Gott, was ist das denn? - Hat Gerd gemalt.

Wollte Ihre Tochter nicht heute dazukommen? - Ja.

Wie lang für die Körperpflege jeden Tag?

(zaghaft) Eine halbe Stunde. Oder eine Stunde.

Herr Lunies kann nicht mehr allein duschen. Beide nicht.

Oder, Frau Lunies? - Wie viel denn? Eher eine halbe oder eine ganze?

Gut. Ich trag nur 45 Minuten ein. Sie gehen allein auf die Toilette.

Oder? - Ja. Ich brauch, wenn ich klein muss, zwei Minuten,

und wenn ich groß muss, acht Minuten.

Tut mir leid, aber es reicht wieder nicht für eine höhere Pflegestufe.

Es ist doch schlimmer geworden!

Ich brauch doch Hilfe! - Bekommen Sie ja von uns.

Schon jetzt. Immerhin 364 Euro jeden Monat.

Aber für eine Erhöhung muss der Bedarf höher sein.

Ich muss eine gewisse Toleranz abziehen. - Eine Toleranz?

Versicherte neigen dazu, ihre Leiden verstärkt darzustellen.

Völlig verständlich. - Sie meinen, dass ich hier sitze und lüge?

Nein, nein. - Ja? - Nein, nein.

Jede Wahrnehmung... - Ja? - ...ist individuell.

Ach, individuell ist lügen, ja? - Nein, hab ich nicht gesagt.

Bitte nicht aufregen, Frau... Frau...

Lunies heißen die beiden! Mann, wie naiv sind Sie eigentlich?

Sehen Sie nicht, dass sie das Gegenteil macht?

Und sich zusammenreißt und schämt, dass sie sich jede Nacht einscheißt?

Nein, nicht jede Nacht. - Ist es so? Dass Sie sich zusammenreißen?

Ja, natürlich ist das so!

Unserer Auffassung nach ist jemand, der 'nen guten Eindruck machen kann,

in der Lage, für sich zu sorgen. - (entgeistert) Das kann nicht...

Oh! - (Gerd) Lissy?

Lissy?

Wann... Wann... Wann geht die Frau da wieder?

Die Frau geht gleich wieder, Gerdi.

(Lissy atmet laut.)

(Sie schnappt nach Luft.)

(Gerd raunt leise.)

(ringt nach Luft) Gerd.

Gerd. Gerd! Hilfe.

Hilfe. Gerd!

(Schmerzvolles Stöhnen)

(Panisches Keuchen, rasselnder Atem)

Hilfe!

(hustet) Hilfe!

(Lissy, panisch) Hilfe! Hilfe!

Hilfe!

(Keuchen) - (Tür wird geschlossen.)

(Klingeln) - (Nachbarin) Frau Lunies? - Hilfe!

(Klingeln) - Frau Lunies?

(Gerd atmet zitternd.) - Hilfe! - Frau Lunies?

(Lissy wimmert.) - Frau Lunies?

(Lissy stammelt.)

Oh Mann! Scheiße.

(Kurzatmiges Stöhnen)

Oh Gott. Frau Lunies? - (Stöhnen)

Frau Lunies? Ja, ja. Frau Lunies?

Schlaganfall? Herzinfarkt? - Hilfe!

Ich hole einen Arzt, ja? Ich hole einen...

(Lissy keucht.)

(Nachbarin) Hallo? (lauter) Hallo?

(genervt) Oh!

(Leises Stimmengewirr)

Tag.

Geht's besser? - (Laute Darmwinde)

Ich... - Nur Luft. Oder doch was Festes?

Kommt von den Tabletten, hatte meine Mutter auch.

Wo ist denn Gerd?

Wir haben ihn in ein Heim gebracht, um die Ecke beim Roten Kreuz.

Erst mal in Kurzzeitpflege.

Hat sein eigenes Zimmer. Es geht ihm gut.

(Magengrummeln)

Ich kann Ihnen helfen in Zukunft.

Bin ja in der Nähe. Ich könnte jeden Tag dreimal nach Ihnen sehen.

Und Sie können mich natürlich jederzeit anrufen, wenn...

Ich kann einkaufen, vielleicht putzen und...

Sind Sie denn Krankenschwester? - Nee.

Ich bin Friseuse gewesen. - Ach so.

Sie können mir mal die Haare machen. - Aber nicht ganz umsonst.

Mein verstorbener Mann war selbständig.

Keine Witwenrente, ich brauche nicht viel...

Fünf Euro die Stunde. - Zehn.

Acht.

Es geht mir nicht ums Geld. Ich muss einfach... - Ja, ja.

Na gut. Acht.

Gut.

(Lautes Vogelzwitschern)

Oh! Herr Lunies. Sie sollten doch im Heim bleiben.

Wo ist denn Lissy? - Na, im Krankenhaus.

Die haben wir doch ins Krankenhaus gebracht. Herzinfarkt.

Krankenhaus? - Ja.

Nein. - Doch! Kommen Sie, ich bring Sie zurück.

Kommen Sie mit. - Aber ich muss doch Lissy helfen.

Ja. - Es geht ihr nicht gut. Ich glaub...

Sie hatte 'nen Herzinfarkt. - Ja, das stimmt.

Aber wollen wir nicht runter und was anziehen?

Deshalb... Deshalb muss ich doch Lissy helfen.

Ich muss ihr helfen.

(Remix im Radio: "Präludium und Fuge C-Dur" von Bach)

(Fernes Klavierspiel)

(Sie spielt Bachs Melodie nach.)

(Lissy verspielt sich.)

Ich wusste nicht, dass Sie Klavier spielen können. - Kann ich ja nicht.

Ich hatte nie Unterricht. Dafür hatten wir kein Geld.

Akkordeon hab ich gespielt. Für die Kinder. - Mhm.

Aber wenn ich was im Radio höre, kann ich's nachspielen. Schon immer.

Das hat der Tom von mir, die Musik. Der Gerd kann ja keinen Ton halten.

Weihnachten in der Kirche setzte ich mich weg. Er konnte es nicht lassen.

(schief) "Oh, du fröhliche, oh, du se..."

Tee? - (Lissy hustet.)

Nee, ich mag keinen Tee. - Was anderes? Saftschorle?

(Klimpern)

Noch eins, Frau Lunies...

Ihr Gerd kommt

öfter rüber ausm Heim.

Wieso? Warum? - Er hat ja 'nen festen Platz. Das weiß er auch.

Aber er kommt oft und will rein. Ich lass ihn manchmal.

Wie oft? Wie oft kommt er denn?

Eigentlich jeden Tag.

Darf der das? - Natürlich. Ist ja kein Gefängnis, das Heim.

Im Gegenteil. Wenn er gehen will, geht er eben.

Ich wär nur froh, dass er sich was Warmes anzieht.

Es wird ja langsam immer kälter. - Mhm.

Der freut sich bestimmt, dass Sie wieder da sind.

Mh.

Ich muss noch kurz nach oben, die Wäsche aufhängen.

Ich guck später noch mal rein, ja?

(Die Tür wird geschlossen.)

(Regenprasseln)

(Lissy ächzt.)

(Es klingelt.)

(Es klingelt.)

(Prasseln wird heftiger.)

(Windrauschen)

(Prasseln dauert an.)

(Gedämpfte leidende Laute)

(Scheppern)

(Sich nähernde Schritte)

Herr Lunies, kommen Sie? Abendbrot.

Wieder keinen Hunger? Das geht so nicht. Sie müssen essen.

Sie machen uns noch schlapp. Kommen Sie.

Kommen Sie, Herr Lunies. - (Leise Orchestermusik)

Sehr gut.

Klappt ja heute richtig gut. Weiter so.

Ja, das liegt an Ihnen. - (lacht) Sie alter Charmeur.

So, Herr Lunies.

Es gibt heute lecker Leberwurst und 'n bisschen Käse.

Ich helfe Ihnen.

Schön langsam.

Ja.

Sehr gut. Und wenn Sie was brauchen, rufen Sie mich, okay?

Und, Herr Lunies, heute essen wir wirklich, okay?

(Die Orchestermusik wird lauter.)

(Gefühlvolle Streicher)

(Feierliche Orchestermusik)

(Englisch) Stopp! Danke. Ihr macht das wirklich gut.

Aber seid am Anfang bitte noch vorsichtig.

Um uns das Pathos am Ende zu erarbeiten,

müssen wir zurückhaltend anfangen.

(leise) Du wirst Papa. Liv ruft an. - Mein Handy. Wo ist das? - Hier.

Kurze Pause!

Partner, so geht die Welt unter, bevor der erste Schuss fällt.

Bernard, red du mit ihnen. Ist dein Stück.

Viel Glück!

(Liv) Hey, es geht bald los. Du hast Probe, aber komm bitte bald her, ja?

Tom? Meine Fruchtblase ist geplatzt. Warum gehst du nicht ans Handy?

Du kannst nicht drei Tage... - (Piepen)

(Schreie) - (Piepen)

(Lissy, hustend) Tom?

(krächzend) Hier ist deine Mutter. Ruf mal an bitte. Es geht um Papa.

Entschuldige, kein Empfang. - Ich bin hier, weil Liv das wollte.

Ich muss meine Mutter anrufen. - Sie ist im Schlafzimmer. - (fiept)

(Stöhnen)

(Stöhnen) - War nicht abgemacht, dass deine Mutter nicht da ist?

Egal. - Tom, wir fahren.

Ich muss meine Mutter anrufen. - Jetzt! - Mach ich später.

Und rein.

(Stöhnen) - (Fiepen)

Der Hund kann nicht mit rein. - Ich glaub, sie kommt. Tom!

Tom! - Sie kommt! - Ja, was denn?

Weiß Moritz eigentlich Bescheid? - (Liv) Ja!

Sehr gut. - (Stöhnen)

(sanft) Das machst du gut. - (Liv) Ja.

Einmal noch kräftig mit schieben. - Genau! Weiter.

(Liv) Geh nicht so weit weg. Bitte nicht. - Nein, nein.

Doch, machst du! - Ich bin da. - Oh Gott!

Und? Schon da?

(Gedämpftes Stöhnen)

(Das Stöhnen steigert sich.)

Eine Wehe noch. - Köpfchen ist da.

Super.

(Liv stöhnt kraftvoll.) - Und noch mal tief in den Bauch.

(Liv keucht.) - (Babygeschrei)

(Zarte Musik)

(Geschrei ebbt ab.)

(Liv murmelt etwas.) - (Das Baby schmatzt leise.)

Dann wollen wir die Kleine mal wiegen. - Ja.

Ich nehme sie mal mit. - Okay.

(Sie schreit wieder.)

Hast du gut gemacht.

Ruf mal deine Mama an.

Ja, mach ich.

Ruhig immer eine Hand am Kind.

(Klopfen)

(Livs Mutter) Entschuldigung. Der Vater ist da.

(Die zarte Musik endet.)

Und? - Kannst jetzt rein.

Wie ist der Stand? Geht's ihr gut? - Baby ist da, atmet, schreit.

(seufzt erleichtert) - Alles gut.

Komm, geh rein. Da drin wartet dein Kind.

Hallo, Mama. - (hustet) Ja. - Entschuldige, ist viel los.

Wie geht's euch? Hat Ellen sich gemeldet? - Papa geht's schlecht.

Der rennt ständig raus, ohne sich was anzuziehen.

Ich kann gar nichts machen.

Der hört nicht auf mich. - Ist es schlimmer?

Ja, viel schlimmer.

Scheiße!

Ja, bei mir ist es gerade auch... Livs Baby ist da.

Geht's ihr gut, der Mama, und dem Baby?

Ja, ja, allen geht's gut.

Ich war dabei, ich...

Ich hab's zur Welt gebracht. - Aha.

Schade, dass es nicht dein Kind ist. - Ach, Mama, das ist jetzt nicht...

Seid ihr wieder zusammen? - Seit zehn Jahren nicht mehr.

Mag sie den Vater von ihrem Kind immer noch nicht?

Ja... Kann...

Kann ich irgendwas... - Tom, entschuldige, ich wollte...

Aber das ist ja nun alles auch nicht sehr schön, oder?

Soll ich kommen? - Geht das? Du musst doch immer viel arbeiten.

Ja, ich muss eigentlich immer arbeiten. Aber...

Lass mich mal. Ich muss Dinge klären und dann melde ich mich, ja?

Ich ruf morgen oder übermorgen an, und wir machen was aus.

Gut, Tom, das machen wir so. Schön. - Ja?

Mhm. Ja, gut. - Ja, klar.

Bis morgen. - Mach's gut, Tom.

Ja? - Ja.

Ja. Du auch. - Tom? - Ich melde mich.

Ja. Bis morgen. - Mach's gut, Tom. - (Besetztton)

Ich hasse es, wenn sie tschüss sagt, als wär's unser letztes Telefonat.

Magst du? - Als würden wir nie wieder sprechen.

Bleibst du heute Nacht hier?

Liv will ja nicht, dass Moritz...

Schön.

(Ruhiges Atmen)

(Tom seufzt.)

(Tom seufzt.)

(Sentimentale Melodie)

(Die Musik klingt aus.)

Guten Morgen. - Morgen.

Ich wusste gar nicht, dass du da bist.

Weil bei mir heute Handwerker sind. Ist das okay? - Ja, klar.

Ich muss auch gleich los.

Wie war die Geburt?

Unglaublich.

Erzähl ich dir später, ja?

Unbedingt.

Ich geh mal duschen.

Wir könnten auch noch...

Ja, könnten wir.

Muss aber auch nicht.

Mh.

(Sich entfernende Schritte)

(Sentimentale Melodie)

(Tom) Kuckuck.

Kuckuck.

Das mach ich nicht. - Dann komm ich auch nicht.

Hä? Du musst doch zu deiner eigenen Babyshower kommen.

War nicht meine Idee, sondern Moritz'.

(seufzt) Er will das Kind bei Freunden und Familie einführen.

Genau. Sein Kind, seine Familie, seine Freunde.

Meine Familie und Freunde kommen ja auch.

Meine aber nicht. - Du hast ja auch keine Freunde.

Eigentlich auch keine Familie. - Was wird das denn?

Entschuldige. - (Babygeschrei)

Wie gesagt, du hättest ihr die Brust geben sollen. - Ja, Tom!

Dann wärst du zu spät bei der Probe, entschuldige!

(Tom) Okay.

Sei nett zu Bernard. - Bin ich immer.

Hey.

(Imposante Orchestermusik)

(Dramatische Streicher) - (Rasante Bläser)

(Englisch) Ab jetzt ist es ein ganz anderes Genre:

Es wird "Grand Guignol", "The Walking Dead".

Kein Stilett, kein scharfes Messer schlitzt da die Kehle auf.

Hier explodieren Gehirne, Gedärme quellen aus zerstückelten Körpern.

Denkt an Kreissägen. (Bestialischer Laut)

(glühend) Es ist Splatter! Noch mal von vorn.

Drei, vier.

(Imposante Orchestermusik)

(Stürmische Bläser) - (Hastige Holzbläser und Streicher)

(Die Musik steigert sich.)

(Die Musik endet.)

(Englisch) Der Titel des Stücks,

das ihr spielt,

ist "Sterben".

Versteht ihr?

Sterben.

Es heißt nicht "Der Ringkampf der Vampire".

Bernard, du übertreibst. Lass mich. - (Englisch) Gefällt euch

meine Komposition?

(Deutsch) Ist doch egal. - Das ist überhaupt nicht egal!

(Englisch) Gefällt euch das Stück, das ihr spielt?

(lacht) Seid einfach ehrlich.

Seid einfach... Habt keine Hemmungen. Okay?

Na los!

(brüllend) Sagt was!

Es klingt gut, aber ist viel zu lang.

Es heißt "Sterben", muss die Leute aber nicht zu Tode langweilen.

Ich finde es sinnlos. Es hat keine Hoffnung.

Die Hoffnung liegt darin, dass wir es spielen.

Die Hoffnung liegt nicht im Stück.

Sie liegt in der Tatsache,

dass wir es spielen.

Darin, dass auf einem Felsen,

der durch den Weltraum schwebt,

Menschenaffen

wie du

und ich,

sich zusammentun,

um Gefühle in vibrierende Luft zu übertragen

und das dann "Musik" nennen.

Damit andere Menschenaffen darüber sinnieren können.

Darin liegt die Hoffnung.

Entweder habt also ihr nicht begriffen,

worum es beim Musikmachen geht oder...

oder mein Stück ist ein Stück Scheiße.

Ich glaube, es ist Letzteres.

Du hast provoziert und sie haben sich gewehrt.

Mann, die Jungen raffen dein Werk nicht.

Sie sind die Einzigen, die irgendwas raffen.

Wer rafft gar nichts? Du und ich.

Wir sind die Vollidioten, die das Stück fühlen.

Dein Scheißorchester pennt ein und du laberst was von "Grand Guignol".

Hör auf.

Ich hab Angst, Mann! Kann aber nicht fühlen, dass du welche hast.

Bernard!

Mann! Jede Woche der gleiche Scheiß! Keiner kann so arbeiten.

Ich will nicht, dass du arbeitest, sondern stirbst.

Spinnst du?

Die Noten sind sterbend geschrieben, müssen sterbend dirigiert werden.

Sonst geht das nicht!

Ach, wir verschieben die Premiere. - Können wir nicht.

Es ist nicht fertig! - Aber die Sponsoren.

Pass auf: In dem Stück ist alles, was ich zu geben habe.

Ich hab kein Baby, mit dem ich mir den Sinn des Lebens vorgaukele.

Oder ein halbes. - Ein Viertel, eher ein Achtel Baby.

Ich hoffe, du erinnerst dich ans Kleingedruckte im Deal.

Du hast es versprochen. - Ich habe deiner Schnapsidee nie zugestimmt.

Bitte. Entschuldigung.

Wir verschieben.

Entschuldigung. - 'nen Scheiß hab ich!

So was kann man nicht versprechen. Das ist legal gar nicht möglich!

Bitte.

Danke.

(Das Baby quengelt.)

(Liv) Tom.

Tom.

Hey, Tom. Kannst du sie bitte mal kurz nehmen?

Sie beschwert sich die ganze Zeit. Ich muss früh los. - Ja.

Kaffee rösten. - Klar. Klar.

Hast du sie? - Ja.

Was ist denn mit dir los, kleiner Hobbit?

Kleiner Hobbit, was ist denn los?

Bist du gar nicht müde? - (Sie quengelt weiterhin.)

Was denkst du?

Nicht so viel, hm?

(singt) Bona nox, bist ein rechter Ochs.

Bona notte, liebe Lotte, bonne nuit. - (Sie wird ruhig.)

Pfui, pfui, good night, heut müssen wir noch weit.

Gute Nacht, gute Nacht, wird höchste Zeit, gute Nacht.

Schlaf fein gesund und reck den Arsch zum Mond.

(Stimmengewirr) - (Quengeln eines Babys)

(Es läuft spanische Gitarrenmusik.)

(Babyquengeln dauert an.)

(Bernard) Sie ist immer noch wahnsinnig schön.

(Tom) Wer? Liv? Schönste Frau der Welt.

Cool von mir, dass ich dir das damals nicht übel genommen hab.

Dass du mir Liv ausgespannt hast.

Hab ich nicht. Sie hat sich von dir getrennt.

Außerdem hast du's mir total übel genommen.

Hast meine Fenster eingeschmissen. Weil du dachtest, sie wär bei mir.

War sie übrigens auch.

Echt?

Wart ihr da schon offiziell 'n Paar?

Na ja, Liv und ich waren lange kein Paar.

Wir wurden erst eins, als sie unser Kind abgetrieben hat.

Als sie schwanger wurde, waren wir jung.

Das Leben war schwierig.

Jeder von uns war schwierig. Alles war schwierig.

Ich war eigentlich dafür, das Kind zu kriegen, aber...

Liv liebte mich einfach nicht.

Sie hatte 'nen Termin bei 'nem Arzt, den 'ne Freundin empfohlen hatte.

Ich hab noch versucht, sie umzustimmen, aber...

Na ja.

Wahrscheinlich fehlte mir die Kraft

oder die Überzeugung.

Wir haben die ganze Zugfahrt kein Wort geredet,

uns nicht mal angesehen, fünf Stunden lang.

Im Wartezimmer war mir klar,

dass das das Ende unserer Beziehung ist.

Als die Schwester reinkam und sagte,

Liv würde mich bitten, reinzukommen, wenn ich will...

Liv und ich sahen uns an,

nahmen uns bei der Hand.

Das war das Größte

und Intensivste, was ich bis dahin im Leben erlebt hab.

Es war wie 'ne Geburt, nur umgekehrt.

An dem Tag wurden wir ein Paar und blieben es sieben Jahre.

Aber wurden nie wieder schwanger.

(Quengeln dauert an.)

(Liv) Na.

Danke, dass du gekommen bist. - Ja, kein Problem.

Na? - Hey. - Schön, dich zu sehen.

Herzlichen Glückwunsch. - Danke.

Schönes Fest.

Ja.

Ich will keinen Streit, aber dass am Ehrentag unserer Tochter, Tom da...

Ich hab ihn eingeladen und sogar drauf bestanden.

Ja, der macht, was du sagst... - Ey, Tom gehört hierher!

Der ist auch Jessies Vater! - Kannst du etwas leiser...

Was sagst du dazu? - Das müsst ihr klären.

Ich wollte nur helfen. - (Handy vibriert.)

Elli?

(Jessie weint.) - Was denn?

Ist Tom da? - Ja, ich bin dran, Elli.

Hier ist Ellen. - Ja, ich weiß. Was gibt's?

Es geht mir nicht gut. Irgendwas ist mit mir nicht okay.

Ellen, kannst du lauter sprechen? Du bist fast nicht zu verstehen.

Tom, es geht mir nicht gut. - Was ist los? Weinst du?

Ich weiß nicht... - Hast du was getrunken?

Ja, hab ich, aber das ist nicht das Problem.

Trink mal nichts, und wenn's dir dann nicht besser geht, ruf an, ja?

Nein, ich brauch...

(Jessies Weinen dauert an.)

(Lustvolles Stöhnen) - (Es läuft melancholischer Indie.)

(Musik: "Taking The Easy Way Out" von Elliott Smith)

(Sie seufzt.)

Ist alles gut?

Ja. Entschuldigung. Ich bin grad weggedriftet.

(lacht) Ist gerade alles 'n bisschen viel.

Ich muss morgen in das Heim, in dem mein Vater jetzt lebt.

Es ist so beschämend.

Meine Mutter ist auch todkrank.

Und Bernard droht mit dem Exitus. - Macht er doch nicht.

Ja. Nee, macht er nicht.

Aber es zehrt trotzdem an einem. - (seufzt)

Entschuldige, ich will dich nicht langweilen, aber... - (seufzt)

Was willst du eigentlich?

Meinst du jetzt im Allgemeinen oder uns?

Nee, ich meine jetzt nicht uns. Ich weiß, dass, also...

Wir wissen beide, dass das mit uns nicht die ganz große Liebe ist.

Ich meine eher, dass du rumrennst wie 'n aufgescheuchtes Huhn.

Oder schlimmer: Du rennst rum wie 'n aufgescheuchtes Huhn,

dem man den Kopf abgehackt hat, aber du rennst trotzdem weiter.

Mhm.

Darüber muss ich erst nachdenken.

Mach das.

Sollen wir noch was gucken?

Ja, lass uns noch was gucken.

Ich hol das iPad.

(Es läuft melancholischer Indie.)

It's all about

taking the easy way out for you, I suppose.

(Gong vom Aufzug) - (Mann) Wir kriegen das nicht mit.

(Stimmengewirr)

(Fernsehbericht im Hintergrund)

Hallo, Papa.

(krächzend) Tom.

Tom!

Na? - (glückselig) Schön, dass du da bist.

Kommst du gerade aus Berlin? - Genau.

Ja?

(leise) So schön, dass du da bist. Ist das schön.

(Gerd lacht.)

Soll ich 'nen Fernseher besorgen? - Nein, nicht, nein.

Ach, das ist doch 'ne gute Idee, Gerdi.

Hm? Von Tom. Dann kannst du wieder Fußball gucken.

Ja, das mach ich.

Ja? Lass ich dir schicken. Von Amazon, ist gar kein Problem.

Sag bitte, er soll sich wärmer anziehen, wenn er rausgeht.

Auf dich hört er mehr als auf mich.

Papa, zieh dich wärmer an, wenn du rausgehst, ja?

Ist saukalt draußen. - Ja.

Er verliert ja auch immer alles. Portemonnaie und so.

Das bringen mir dann die Nachbarn. Also, ich geb ihm gar nichts mehr.

Er hat Taschengeld im Heim. - Die geben mir kein Geld hier.

Ja, er will immer Geld abholen. - Dabei muss ich so viel bezahlen.

Ja, von der Bank, aber er hat ja keine Karte mehr.

Unsere Filiale ist auch gar nicht in Hanstedt.

Und dann geht er da immer trotzdem hin.

Dann ist er letzte Woche gestürzt und saß Stunden auf der Treppe.

(leise) Das haben mir auch die Nachbarn erzählt.

(barsch) Gerd! - Papa, was ist?

Suchst du was? - Ich muss die Autoversicherung bezahlen.

Aber die geben mir kein Geld hier. - Gerd. Setz dich hin.

Rede mit Tom. Der ist extra da. - Ich muss...

Papa, ohne Auto brauchst du keine Versicherung.

Hier sind die Rechnungen drin.

Ich hab denen geschrieben, weil die mir kein Geld geben.

Oh, das sagt er immer, aber er kriegt Taschengeld,

und das ist immer alle, also müssen sie's ihm ja geben.

Da ist kein Brief drin, Papa.

Du musst dich um nichts kümmern. Ich kümmere mich um alles.

Du musst nichts zahlen, ich zahle. - Er hört ja nicht.

Zu mir wird er dann aggressiv, und zu den Bewohnern auch.

Deshalb ist er auf dieser Station,

wo alle schon völlig weggetreten sind.

Dann rennt er raus, halbnackt, die können nichts machen.

Die können ihn ja nicht festbinden hier.

Und wenn das nicht aufhört, muss der in ein geschlossenes Heim.

Das hat die Leiterin gesagt. Das ist dann 'ne Irrenanstalt.

Das muss er nicht, Mama.

Na ja, wenn du das sagst. Vielleicht wollen sie ihn auch nur loswerden.

Das kann schon sein. Ich glaube ja, die will mehr Geld.

Für alles muss man zahlen. Viel mehr will die.

Die anderen bezahlen, glaub ich, mehr.

Die Leiterin ist geldgierig. Das sagen alle in der Gegend.

Ja, aber ich zahl hier das, was alle bezahlen.

Das sind ganz offizielle Sätze, glaub ich.

Aber geldgierig ist die schon. Das merkt man. Das sagen auch alle.

Tom.

Es ist schön, dass du wieder da bist.

Gestern war Ellen da und hat mich besucht.

Ellen war lange nicht da.

Ja? War's schön?

(kaum hörbar) Ja, war sehr schön, ja.

(zynisch) Ellen war monatelang nicht mehr da.

Du... Du warst letzte Woche auch da.

(stockend) Mit deiner Freundin.

Nee, Papa, ich war nicht da. - Doch.

Ich hab auch keine Freundin, also, nicht wirklich,

aber ich hab 'n Baby.

Aha. - Ja. Ein bisschen hab ich 'n Baby.

Willst du mal sehen? - Ja.

(Gerd lacht herzhaft.)

(lacht) Ja.

Schön,

dass es dir so gut geht, Tom.

Ja. Es geht...

Es geht mir gut, ja.

Und du?

Geht's dir gut hier?

Gut, ja. - (Lissy) Gerd. Gerd!

Gerdi. Gerd! Tom hat schon 'n eigenes internationales Orchester.

Nein, das ist nicht mein Orchester, das ist 'n Jugendorchester.

Das dirigiere ich ab und zu.

(schluckt) Für 'n Konzert.

Finanziert von 'ner Stiftung für den Frieden.

Ach so.

Aber ich... Ich muss dann auch langsam los.

Papa. Ich...

Ich komm bald wieder.

Eins noch.

Es ist schön,

wenn du das nächste Mal kommst.

Ich freu mich, wenn du wiederkommst.

Darauf freu ich mich sehr.

Ja, ich komm... Ich komm bald wieder.

Das mach ich.

Ich... Ich bring dich noch raus.

Dann...

Dann kannst du ja das nächste Mal Lissy mitbringen.

Ja, aber...

Aber Mama ist jetzt auch hier. Das weißt du.

Also, sie steht ja da.

Direkt neben dir.

Jetzt geh zurück, Gerdi. Ist gut. Ja? Tschüss.

Ich komm nächste Woche wieder. Kann schlecht laufen, weißt du ja.

Tschüss, Gerdi.

Der hat sich so gefreut, dich zu sehen. Ja.

Ich freu mich auch, wenn du wiederkommst.

Ist ja so kurz jedes Mal.

Aber du hast bald deine Aufführung?

Mhm. - Ist auch wichtig.

Schade, dass das nicht dein Orchester ist.

(Anschwellende Musik)

(Englisch) Nein. Tut mir leid, aber schon zu laut.

Pianissimo. Allerhöchstens.

(Sachte anschwellende Musik)

(Anmutiger Chorgesang) Dennoch bleibe ich...

Immer noch zu laut. Versteht ihr den Chor nicht, seid ihr zu laut.

Noch mal von vorn.

Die Tempoangabe der Partitur ist 82.

Ich möchte es um einiges langsamer angehen.

Also noch mal.

(Sanft anschwellende Musik)

Nicht hetzen.

Bleibt bei mir.

Dennoch bleibe ich

stets an dir,

denn du hältst mich

an deiner rechten Hand.

(Ergreifende Musik)

Gut. Danke. - (Die Musik verklingt.)

In diesem Moment

entsteht etwas.

Etwas wie

Frieden,

Erlösung,

eine neue Welt.

Transzendenz.

(Deutsch) Die einzige Frage ist:

Ist das noch unsere Welt?

Äh...

(Englisch) Noch mal.

Und ich hätte es gern noch langsamer.

(Behutsam anschwellende Musik)

Dennoch bleibe ich

stets an dir,

denn du hältst mich

an deiner rechten Hand.

(Ergreifende Musik)

Du leitest mich nach deinem Rat.

Du leitest,

du leitest mich nach deinem Rat.

Du leitest mich,

du leitest... - Nicht hetzen, bleibt bei mir.

...mich.

Du leitest mich,

nimmst mich, nimmst mich endlich in Ehren...

Nimmst mich, nimmst mich endlich in Ehren an.

(Zarte Harfe)

(Die Musik wird behutsam leiser.)

(Tiefe, verklingende Bläser)

(Anrührendes tiefes Cello-Solo)

(Das Cello verklingt.)

(Stille)

(Anrührendes Cello-Solo)

(Feiner Gong)

Wenn ich nur dich

habe...

(Anrührendes Cello-Solo)

(Feiner Gong)

...so frage ich nichts...

(Anrührendes Cello-Solo)

(Das Cello klingt aus.)

(Feiner Gong)

...nach Himmel und Erde.

(Verhaltenes Rascheln)

(Zartes Klopfen der Bögen auf die Notenständer)

Tom! Das war großartig. - Nee, jetzt bitte kein Aber.

Es sind nur noch 23 Minuten.

Ich check den Vertrag, aber es kann Ärger mit den Sponsoren geben.

Und Bernard will den Chor streichen. - Ich rede mit ihm.

(Bernard) Lüg mich nicht an!

Bernard, spinnst du jetzt? - Die macht das mit Absicht!

Der Ton am Ende muss sich auflösen, sie wird nur leiser.

Sie sabotiert mein Stück! - Wenn du sie schlägst...

Tom, das Stück ist noch nicht fertig.

Der Chor muss raus. Das ist totaler Kitsch.

Es ist nicht deine Schuld. Das Stück ist noch nicht fertig.

Wir verschieben.

(Seine Schritte verhallen.)

Alles okay? - Sei doch nicht so streng mit ihm.

Ich soll nicht so streng sein? - Es geht ihm nicht gut.

Es geht ihm nicht gut. - Kein Grund, dich zu schlagen!

Nicht so schlimm.

Nicht so schlimm? Schlimm, dass du's nicht schlimm findest.

'ne koreanische Unterwürfigkeit? - Tom.

He, he, he. - Ja. Mann, es ärgert mich wirklich.

Weißt du, was ich schlimm finde?

Manchmal guckst du mich so an in den Proben.

Weißt du? - Nee.

Wie guck ich dich denn an?

(Englisch) Mit 'nem Blick, der sagt: Sie ist nicht so gut, wie sie denkt.

Schlimmer als 'ne Ohrfeige. - Quatsch!

Du projizierst deine Selbstzweifel in mein komisches Gesicht.

Dafür kann ich nichts.

(Keuchender Atemzug)

(Keuchender Atemzug)

Er klingt echt nicht gut. Sicher 'ne Lungenentzündung.

Nicht doch den Arzt holen? - Der kommt eh nicht mehr.

Schauen wir, wie's ihm morgen geht. Gute Nacht, Herr Lunies.

Gute Nacht! Wenn Sie was brauchen, den Notruf drücken, ja?

(liebevoll) Gute Nacht.

Wieder keiner von der Familie! - Seine Frau war doch da.

Das ist die Nachbarin! - Ja? - Ja.

Aber seine Frau war auch mal hier. - Sicher? - Ja.

(Die Tür wird geschlossen.) (Sich entfernende Schritte)

(Schweres Atmen)

(Abgehackter Atemzug)

(Fernes Stimmengewirr)

(Schweres Atmen)

(Rasselnder Atem)

(Stimmengewirr endet.)

(Gerds Atem wird ruhig.)

(Stille)

(Gerd stöhnt panisch.)

(Gerd keucht.)

(Gerd ringt nach Luft.)

(Gerd wimmert.)

(Gerd schnappt nach Luft.)

(Gerd schnappt nach Luft.)

(Gerd atmet aus.)

(Stille)

(Vogelgezwitscher)

Ja, lassen Sie uns anfangen.

Und Ihre Kinder?

Die kommen anscheinend nicht.

(Vogelrufe)

Wir sind hier zusammengekommen,

um Gerd Lunies die letzte Ehre zu erweisen.

Ein Dichter hat mal gesagt:

"Es gibt ein Reich der Lebenden und der Toten.

Was sie verbindet, ist die Liebe."

(Handyklingeln) - Ah, Entschuldigung. Ach.

Oh, mein Sohn. Ich muss rangehen.

Ja?

Mama? - Ja.

Entschuldige, ich hatte keinen Empfang. - Wo bist du?

Auf der Landstraße. Dem Auto ist der Strom ausgegangen.

Der Strom? Versteh ich nicht. Was?

Bist du aus Berlin... - Ja. Ich bin...

Ich bin mit dem Zug nach Hamburg und hab 'nen Car-Sharing-Wagen geliehen.

Was? - Car Sharing.

Einen Mietwagen. Für kurz. - Für kurz? Aha.

Jetzt ist auf halber Strecke der Strom weg. Die Anzeige hat...

Warum tankst du nicht, Tom? - Nee, das... Nein, weil der...

Der tankt kein Benzin, Mama. Ein Elektroauto.

Es gibt überall Tankstellen.

Ähm... Ich hab unterschätzt, dass es auf dem Land

keine Aufladestationen gibt.

Mhm.

Ist ja auch egal.

Tut mir leid. Aber ihr seid... Also...

Du bist aufm Friedhof, oder?

Im Ruheforst, ja.

Was? - Ja, im Ruheforst, kein Friedhof.

Im Ruheforst? - Ja. Papa wollte das so.

Da wird man hier im Wald unter die Erde gebracht.

Da gibt's kein Grab oder Grabstein. Das ist einfach der Wald.

Ja? Ohne Namen.

Und ist Ellen denn da?

Nein. Ich hab nichts von ihr gehört.

Was? - Ellen ist nicht da. Ich habe nichts von ihr gehört.

Was machen wir? Sollen wir... - Du, warte mal, jetzt...

Auf der anderen Leitung ist der Abschleppdienst. Ich geh ran, ja?

Ich ruf dich noch mal an.

Ja?

(Besetztton)

Man kann schon ein Namensschild anbringen am Baum oder Stein.

Ja? - Stand in dem Faltblatt, das ich dir gegeben hab.

Ach ja. Ja.

Können wir... Ach, waren Sie fertig? Verzeihung.

Wollen Sie noch ein paar Worte sagen?

Du bist... (Räuspern)

Du warst...

Du warst einer von den Guten. Dafür danke.

(stammelnd) Bitte, können wir jetzt? - Mhm.

(Klappern in der Küche)

(Es klingelt.) - Soll ich aufmachen?

Ja.

(Räuspern) Hallo. - Ja?

Susanne? - Ja, genau.

Ich bin Tom.

Hallo, Mama. - Hallo, Tom.

Ich geh mal. - Ja. - Guck später noch mal rein, ja?

Tut mir wirklich leid, Mama. - Ja, ja.

(Wohnungstür wird geschlossen.)

Und Ellen? - Ja, die wollte kommen.

Ist sie aber nicht. - Na ja, noch nicht.

Du bist ja auch zu spät.

(Leises Vogelgezwitscher)

Soll ich doch noch versuchen, sie zu erreichen?

Nein, nein, also... Nein. Die ist doch alt genug,

um zu wissen, was sie macht.

Vielleicht hatte sie 'nen Unfall.

Ach.

Ich freu mich so, dass du noch gekommen bist.

Ja? - Ich freu mich immer, wenn du kommst.

Obwohl du heute nicht so gut aussiehst, oder?

Wieso?

Na, letztens sahst du besser aus.

Ja? - Ja.

Da sagtest du, ich hätte zugenommen, das würde mir nicht so stehen.

Ach, das stimmt nicht.

Doch, doch. - Nein.

Stimmt nicht. - Ist ja auch egal.

Ja.

(Tom atmet schwermütig.)

Ich muss dir was sagen.

Es ist so, dass ich auch bald sterben werde.

Ich hab Krebs. Vaginalkrebs.

Sie werden mir die Schamlippen abschneiden,

und mein linker Zeh ist praktisch verfault.

Alles von der Diabetes. Aber das Schlimmste:

Die Nieren versagen. Ich möchte keine Dialyse machen.

Lohnt einfach nicht mehr. So schön ist mein Leben auch nicht,

dass man's mit 'ner Quälerei verlängern muss.

Mhm.

Ich wollte einfach, dass du das weißt.

Es gibt da ein Sparbuch

im Mantel im Schrank im Schlafzimmer in der Innentasche.

Mit 5.000 Euro ungefähr für die Beerdigung. - (Er schnaubt.)

Und was noch so anfällt. - (Räuspern)

Der Rest ist dann für dich.

Ich...

Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll.

Können wir nicht...

Ich meine, Papa...

Ich müsste jetzt eigentlich... Aber...

Ich ärger mich gerade wieder so über dich.

Ärger? Wieso denn das?

Weil ich sterbe?

Nee, weil ich eigentlich gekommen bin...

Können wir nicht über Papa reden?

Ich meine...

(stammelnd) Ist es nicht eigentlich sein Tag heute?

Ja, aber Papa ist doch schon tot.

Ich frag mich, welche Art Gespräch das werden soll.

Und ob sich's für mich überhaupt lohnt.

Ich freu mich einfach, wenn wir reden.

Ja? Freust du dich? - Ja. - Du freust dich über das Gespräch?

Vielleicht haben wir nicht mehr oft Gelegenheit zu reden.

Ehrlich gesagt, egal, worüber.

Ja? - Ja.

Ich hab da mal 'ne Frage. - Mhm.

Äh... Etwas, das mir

immer wieder durch den Kopf geht.

Als ich...

Als ich sehr klein war,

acht oder so,

haben wir hier Mittag gegessen.

Du, Ellen und ich.

Und ich hab irgendwas gesagt,

über das du dich furchtbar geärgert hast.

Du hast mich gezwungen, mich zu entschuldigen.

Ich hab gesagt: "Ich weiß nicht, wofür."

Und du hast mich gezwungen, den ganzen Tag

auf einem Stuhl neben dir zu sitzen.

Ellen hat sich ängstlich in ihr Zimmer verkrochen

und egal, wo du in der Wohnung hin bist,

ich musste auf dem Stuhl mit dir mit und mich neben dich setzen.

Den ganzen Tag, sogar bei deinem Mittagsschlaf.

Ich hab neben dir gesessen,

stundenlang, hab mich nicht getraut, mich zu bewegen.

Du hast mich immer wieder aufgefordert, mich zu entschuldigen.

Und ich hab immer wieder gefragt: "Wofür?" Du hast nicht geantwortet.

"Ich weiß nicht, was ich Falsches gesagt habe."

Aber du hast mir nicht geglaubt.

Am Abend ist Papa nach Haus gekommen und hat mich erlöst.

Dann haben wir nie wieder drüber gesprochen.

Warum erzählst du mir das jetzt?

Weil ich gern wissen würde, wofür ich mich entschuldigen sollte.

Aber das weiß ich doch nicht mehr. Das ist so lang her. - Na und?

Ich kann mich nicht erinnern. - Ich erinnere mich doch auch.

Ja, weil das für dich wichtig war. Und für mich eben nicht.

Gott, was weiß ich? Vielleicht 'n schlechter Tag.

Es war anstrengend mit dir.

Was war für dich wichtig? Also...

Was war der wichtigste Moment?

Zwischen dir und mir.

Das kann ich dir nicht sagen.

Warum?

'n schöner Moment?

Der schönste Moment für mich war,

als sich rausstellte, dass du...

Dass du gesund und normal bist.

Dass du keinen Schaden hast.

Wann? Nach der Geburt?

Nein, später. Aber bitte, ich möchte nicht darüber sprechen.

Nee, okay, ja. Wir müssen nicht darüber sprechen.

Ich bin einfach so froh, dass du so gesund und so stark bist.

Ja.

Du warst ein "Schrei-Baby".

Sagte man damals, weiß nicht, ob man das heute noch so nennt.

Du hast einfach immer geschrien.

Dein Vater und ich, wir hatten kein Geld.

Als du plötzlich kamst... Du warst 'n Unfall, kein Wunschkind.

Ich weiß nicht, ob du das weißt.

Ja, hast du mir oft genug gesagt.

Ja, also, wir zogen dann in die kleine Wohnung seiner Eltern.

Da gab's ein winzig kleines Zimmer, das war für uns drei.

Dein Vater war wochenlang unterwegs als Vertreter für alles Mögliche,

für Reißverschlüsse und Fotokopierer.

Und ich war da mit dir in diesem winzigen Zimmer,

aus dem ich mich nicht raus traute,

weil da die Schwiegermutter war, mit der ich mich nicht verstand.

Du hast einfach immerzu geschrien, und da hab dich dann...

Was? - (stammelnd) Runtergefallen...

Was? - ...bist du... - Runtergefallen?

Vielleicht auch geworfen. Ich hab...

Wie bitte? Was hast du? - Auf den Boden. Oder an die Wand.

Du hast mich... Du hast mich runterfallen lassen?

Nein, du bist runtergefallen. Du bist runtergefallen.

Und ich bin dann aus der Wohn...

aus dem Zimmer gelaufen, auch aus der Wohnung.

Warte, bin ich runtergefallen oder hast du mich geworfen?

Runtergefallen.

Dann bin ich rausgelaufen aus der Wohnung

und gleich in die Einkaufspassage.

Da bin ich durch die Läden, ich wollte irgendwas kaufen,

hatte aber kein Geld, da hab ich dir bei Hertie 'n Spielzeug geklaut,

einen Lastwagen, einen kleinen gelben.

Ja, ich erinnere mich. Mit blauen Reifen.

Ja, und als ich dann zurückkam in die Wohnung, da...

Ja, da hatte meine Schwiegermutter dich auf dem Arm.

Du warst ganz ruhig. Sie hatte dich da gefunden und aufgehoben.

Sie hat nie was gesagt. Auch deinem Vater nicht.

Aber sie hat's mir nie verziehen.

Und ich hab die ganzen Jahre gewartet, ob man irgendwas merkt.

Ob du vielleicht

irgendwann gelähmt bist oder 'nen Hirnschaden hast,

vielleicht niemals sprechen wirst

oder ob du vielleicht,

ja, also, geistig behindert bist.

Aber du wurdest ganz normal.

Aber du mochtest mich nicht. Niemals.

Du wolltest immer mit deinem Vater sein.

Aber ich hab das akzeptiert,

weil ich dich ja schließlich auch nicht mochte.

Das hab ich ja begriffen an dem Tag.

(seufzend) An diesem... Tag, dass ich dich gar nicht liebe.

Weil man ja so was nicht machen würde.

Liebt man wen, macht man so was nicht.

So was passiert nicht, wenn man wen liebt.

Egal, wie genervt oder...

(stammelnd) man ist...

Und deshalb war ich auch gar nicht enttäuscht,

dass du mich nicht mochtest.

Enttäuscht war ich nur, als Ellen mich auch nicht mehr mochte.

Weil Ellen hab ich geliebt, das weiß ich genau.

Ellen war so klein und, ach, ängstlich und scheu.

Als sie klein war.

Und dann ist sie irgendwann,

ja, gegangen und unglücklich geworden.

Aber das ist nicht meine Schuld. Also, das nicht, nein.

Du bist so anders als ich. - Nee.

Nee, nee, das... Das bin ich nicht. - Doch, du bist...

Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin dir sehr ähnlich.

Nein, Tom. - Doch.

Genauso kalt.

Nein, das bist du nicht, Tom, du...

Bitte nichts Schlaues sagen, das wird sowieso nichts. - Mh.

Ja.

Vielleicht hätten wir lieber Klavier spielen sollen, wie früher.

Ja, stimmt. Die Musik hab ich auch von dir.

Ja, wir haben beide das absolute Gehör.

(lachend) Nee, haben wir nicht. - (Krächzender Ton)

Bin heute heiser, entschuldige.

(Ton)

Das ist kein A. - Ein A, genau. - Nein.

Komm, jetzt hör schon auf.

Mh.

Na ja. Wir hätten gar nicht so viel reden sollen.

Alle reden zu viel. - Doch, gut, dass wir reden.

Ja? Wirklich? - Ja.

Weil ich tatsächlich das Gefühl hab, dass ich irgendwann verstehen werde,

warum wir sind, wie wir sind.

Warum wir...

(schluckt) Warum wir so furchtbare Menschen sind.

Warum es mir zum Beispiel

völlig egal ist, dass du krank bist, dass du...

dass du bald stirbst.

(seufzt) Es ist mir einfach völlig egal.

Es ist so schrecklich, dass ich nichts fühle,

dass in mir so eine, ja,

gähnende Leere ist, wenn's um dich geht.

Jetzt wird mir klar, dass ich mich deshalb nicht schlecht fühlen muss.

Dass ich mich nicht schlecht fühlen muss, dass es eigentlich

immer so war, dass ich's kaum ertragen habe,

mit dir zu reden, in deiner Nähe zu sein, dich zu besuchen,

dass es mir,

ja, fast die Luft abdrückt, wenn ich auch nur weiß,

ich muss dich zurückrufen, weil du auf der Mailbox warst.

Aber Papa hast du auch nie besucht.

Ja, Mann! Weil ich dann immer auch mit dir reden musste.

Ich ertrag's einfach nicht, mit dir Kontakt zu haben.

Aber ja, ja, dass...

(schluckt) Dass ich nicht bei Papa war, als er gestorben ist,

werde ich mir nie verzeihen.

Nie.

Ja, vielleicht sollte mich das jetzt traurig machen.

Aber ich hab meine ganze Traurigkeit schon verloren,

als du jung warst.

Und ja, stimmt: Du brauchst gar kein schlechtes Gewissen haben.

Ich wollte einfach nur, dass du weißt, was...

wie's um mich steht

und wo das Sparbuch ist.

Möchtest du noch was? - Nee. - Nee?

Dann räum ich mal ab.

(Ein Handy klingelt.)

(Mehrere Menschen unterhalten sich in einer Fremdsprache.)

(Klingeln endet.) - (Die Unterhaltung dauert an.)

(Es läuft leise Musik.) - (Geschirr klappert.)

(Die Unterhaltung endet.)

Wie spät ist es?

(unverständlich)

(unverständlich)

(unverständlich)

Ich hatte 'nen anstrengenden Tag, muss los, aber danke fürs Frühstück.

(unverständlich)

Abends gut, morgens scheiße, abends wieder gut.

Bäh. - (Schleimiger Laut)

(Tastentöne und Wählton)

(Englisch) Ja, entschuldigen Sie. Wo bin ich hier?

Wo? In Lettland?

(leise) Scheiße.

Nein, ist egal. Wo ist der...

Ich war mit einem Mann hier, oder?

Auch egal.

(Poltern) - (Ellen ächzt.)

(Deutsch) Danke, Arschloch.

(Durchsage-Gong)

Hi, Ellen, hier dein Bruder. Papa geht's nicht gut.

Ich wär dir dankbar, wenn du Mama anrufst.

Ich bin so 'ne Art Vater geworden. Ich hab 'n Kind zur Welt gebracht.

Nicht meins, aber, ja, ich...

(Stimmengewirr)

Die Mieten haben sich die Jahre um 52 Prozent erhöht.

In der EU bloß 36.

Der Hypothekenfinanzierer hat recht.

Seit den Sanktionen gegen die Russen

erschweren die Letten ihnen den Immobilienerwerb.

(Turbinenlärm)

(Handyklingeln)

(Klingeln endet.)

(Englisch) Verzeihung, Madam. Nochmals: Handy bitte weg.

Und bitte anschnallen. Danke.

(Klicken)

(Summer)

(Frau) Dann hätte ich gern Ihre Krankenkassenkarte.

Meinst du, der bleibt oder der geht? - Ist noch Probezeit. Der bleibt.

Ja, die Patientinnen lieben den ja. - Kein Wunder. - Bei dem Lächeln.

Hat er 'ne Wohnung hier? - Der ist wohl am Wochenende immer in München.

Warum dann diese Praxis? - Muss Dreck am Stecken haben.

Hat der 'ne Familie? - Verheiratet, hat drei schwerbehinderte Kinder.

Am Wochenende besucht er seine Mutter im Knast.

Die hat seine Geschwister massakriert.

'n schwedisches Sektending.

Ihn hat sie nicht erwischt, er entkam übers Dach.

Daher die Narbe, an der er sich kratzt, wenn er nachdenkt.

Also Finger weg von dem, der ist nichts für euch.

Dr. Kienzle sagt, Sie können helfen. Laura musste nach Hause: Magen-Darm.

Ja, Laura hat Probleme.

Ich komme.

Entschuldigung, bin neben der Spur, mein Vater ist krank.

Eigentlich liegt er im Sterben.

Holen Sie Herrn Breitkreuz rein, ich komme gleich nach.

Klar, Sir. Mach ich, Sir. Breitkreuz, Sir.

Herr Breitkreuz, Sie können schon mal rein.

Morgen, Chef.

Ist es denn ein guter Morgen, Ellen?

(Surren) - An was Schönes denken. Strand, Palmen, blaues Meer.

Es war nicht meine Mutter.

Das mit der Narbe, meine ich. Es war eine Ex-Freundin.

Sie hat 'ne Flasche geworfen. - Gab's 'nen guten Grund?

Ich war 16. Da gibt es immer 'nen guten Grund dafür. Oder?

(Surren endet.) - Jetzt einmal ausspülen.

Was denn für 'ne Flasche? - Bitte?

Was das für 'ne Flasche war.

So, einmal müssen wir noch.

Einmal Zähne zusammenbeißen. War 'n Witz. Und los.

(Surren) - Moskovskaya, russischer Direktimport, war leer.

Und? Schlimm?

Das mit Ihrem Vater. - Ja, er hat Parkinson, also...

Daran wird er nicht direkt sterben, aber gibt ja Begleiterscheinungen.

Wenn ich was tun kann, lassen Sie's mich wissen.

Ja, heute Abend mit mir was trinken gehen.

Ich muss morgen früh dahin, hab's versprochen.

Der Krankenkassenprüfer kommt, ich helfe, ist sonst keiner da.

Meine Mutter fand immer, Freundschaft wird überbewertet.

Ich werfe auch keine leeren Wodkaflaschen.

Krieg ich 'ne Tequilaflasche in die Hand, dann...

Gut.

(Es läuft leise Rockmusik.)

Aber nur einen, ja?

Einen. Ich pass schon auf Sie auf.

Einmal Zitrone. Und Olive. Cheers, ihr beiden. - Vielen Dank.

(seufzt) Ich liebe den ersten Schluck.

Wenn der Gin die Kehle runterläuft wie flüssiges Eis.

Ja.

(Sanfte, melancholische Rockmusik) I'm planting myself in the garden.

(singt mit) Believe me

between the potatoes and parsley.

Believe me

and I'll wait for the rain

to anoint me

and the frost

to awaken my soul.

I'm looking for lasting relations

with a greenfly, spider or maggots.

Das ist schön.

Believe me. - Das kenn ich gar nicht.

Bill Fay, "Garden Song", von 1970.

Ist damals völlig untergegangen.

30 Jahre später hat's irgendjemand ausgegraben.

Bill arbeitet inzwischen als Erntehelfer, Gärtner,

Putzmann, in der Fischabteilung eines Supermarkts.

Du hast 'ne schöne Stimme. - (schnaubt)

Nee, echt, wirklich.

Hast du mal überlegt, Musik zu machen?

Mein Bruder ist Dirigent.

Dirigent? Wow.

(kichert) Genau:

Wow.

Das fanden immer alle "wow".

Deshalb hab ich gedacht, ich mach das am wenigsten Wow-mäßige,

irgendwas, was alle hassen.

Zahnarzt.

Genau. Aber ohne "Arzt".

(Ellen kichert.)

Klar hast du 'n dunkles Geheimnis.

Alle in Dr. Kienzles Praxis des Grauens haben eins.

(Sinnliche Popmusik)

Was ist deins? - Wo habt ihr euch kennengelernt?

AA? - Nee. AA? Nee, so was mach ich nicht, nee!

(lacht) Auf keinen Fall!

Was ist dein dunkles Geheimnis? - (Klirren)

Au, mein Zahn! - Was ist denn jetzt? Zahn?

Bin voll auf den Tresen geknallt mit meinem Zahn. (ächzt) - Na und?

Oh, der muss jetzt raus. Der... - Was, jetzt?

Ich brauch 'ne fähige Assistentin und raus damit! - Kein Ding. Rolf!

Wir brauchen mal ganz kurz deine Küche.

(Er ächzt.)

(leise) Scheiße. - (Wilde Rockmusik)

(Zahnarzt) Okay.

Ich sagte, 'ne fähige Assistentin. 'ne Zange, doch nicht so was!

(Er lacht.)

Rolf. Rolf! - (Er hustet.)

Zange! - Werkzeugkasten im Regal.

(Flaschen klimpern.)

(Wildes E-Gitarren-Solo)

(ächzt) Der muss eh raus. - (Beide kichern.)

Erst mal mit 'nem Messer Zahnfleisch vom Zahn trennen.

Weißt du doch! Das kriegst du hin. - (Sie kichert.)

(Er stöhnt und würgt.)

(undeutlich) Andere Seite...

(Flaschen scheppern.) - (Wilde Rockmusik)

(ächzt) Halt, halt, halt.

Nimm die Zange jetzt. (lachend) Brich das Ding raus.

(Sie lacht.) - (Er ächzt und würgt.)

(Er stöhnt laut auf.)

Geil!

(Wilde Rockmusik)

(Stille)

(Er seufzt.)

(sanft) Wunderschönen guten Morgen.

(sanft) Warten nicht deine Eltern?

Lass ich ausfallen.

Bist du nicht gern bei ihnen?

Wer fährt schon gern zu seinen Eltern?

Also, ich mag meine Eltern.

Meine Mutter zumindest.

Das spricht jetzt nicht nur für dich.

Schön vorsichtig. Nichts gegen meine Mutter.

(Beide lachen.)

Kaffee! Hast du Kaffee?

Ja.

(seufzt)

Schon mal gut.

Ich will mit dir tanzen.

Ich geh in den Wurzelkanal. Die Anästhesie kann zu schwach sein.

Sagen Sie Bescheid, wenn ich nachlegen soll, ja?

(flüsternd) Ellen. Maske! Ellen!

(Surren)

(flüsternd) Ellen.

(Schrei)

(Dr. Kienzle) Scheiße. Hau ab! Und schick Verena rein.

(Wimmern) - Entschuldigung. Tut mir wahnsinnig leid.

Ich brauch doch noch 'ne Spritze. - Machen wir.

(Stürmischer Punk) These are the things that we hate.

These are the things that we know.

These are the things that we hate.

These are the things that we know.

These are the things that we love.

These are the things that we hate.

These are the things that we can't, can't, can't, can't know!

(Die Musik steigert sich.) Can't, can't know!

Oh, oh!

Oh, oh, oh, oh!

Oh, oh, oh!

Oh, oh, oh, oh!

Ziehen als Salznasen übers Deck und verteilen unsere Wahrheit,

bis unsere Asche unser Haupt bedeckt und alle anderen drunter einschneit.

Wie Kerbtiere opfern wir uns der Wahrheit,

der wir denken, endlich mächtig zu sein.

Glauben fest an die Dinge, die wir wissen,

und ignorieren, was glauben heißt.

Mein Nekrolog im End-Moment wird sein:

Warum hab ich verschenkt, ein Kind zu sein?

These are the things that we love.

These are the things that we hate.

These are the things that we hate.

These are the things that we love.

These are the things that we hate.

These are the things that we love.

(Stille)

(Stimmengewirr und Verkehrslärm von draußen)

Was ist los?

Ich bin verheiratet.

Ich hab zwei Kinder.

Zwölf und vierzehn.

In München.

In dem wunderschönen Poing. - Wo?

Poing.

Nee, du hast keine Kinder in Po-ing.

Doch.

Ich habe zwei Kinder in Poing.

Müssen wir jetzt drüber reden?

Nein.

Ich dachte, dass... - Komm ins Bett und schlaf.

(singt Französisch) Je n'ai pas la médecine pour soigner cet état.

Je n'aime pas comment c'est, mais je sais, c'est comme ça.

Ich liebe, wenn du singst.

Und seid ihr eine glückliche Familie?

Wär ich dann hier?

Mh?

(Ellen ächzt.)

Au.

(Sie schreit auf.)

Oh.

(Ächzen)

(Schnarchen)

Dann trag ich Sie ein. - Danke.

Die Bescheinigung geb ich Ihnen mit.

Oh. Haben Sie einen Termin?

(vehement) Mh!

Okay, einen Moment bitte.

So.

Was haben Sie denn angestellt?

(undeutlich) Ich kann meinen Mund nicht aufmachen.

(verwirrt) Okay.

Ja, das seh ich auch.

Kriegen Sie's wieder hin?

Dann werde ich in Ihre Kehle schauen müssen.

So.

Einmal Mund auf. - Wird es wehtun?

Ja, es wird ein bisschen wehtun. Mund auf.

(Wimmern)

(Schmerzlaut)

Ist gleich vorbei.

Okay.

Seltsam. So was hatte ich bisher noch nicht.

Aber doch auch ganz schön, oder?

Mal was ganz Besonderes sein. - Arschloch.

(Vibrieren)

Ja?

Bist du das? Bastian?

Du hast mich heute Morgen allein gelassen.

Das war nicht nett.

Ich bin allein in deiner Wohnung aufgewacht.

Bist du sauer, weil... - Weil du verheiratet bist?

Nein, bin ich nicht, ich...

Ich musste nur ganz schnell zum Arzt.

Warum?

Ach, ich hatte so 'nen Ausschlag im ganzen Gesicht, total angeschwollen.

Ich sah aus wie der Elefantenmensch.

Aber jetzt ist schon viel besser.

Ich dachte, dass du mich verlassen hast.

So richtig verlassen. - Können wir über was anderes reden?

(ächzt) Ja, klar.

Und worüber?

Irgendwas Lustiges.

Deinen Penis.

Du findest meinen Penis lustig?

Ich finde deinen Penis sehr schön.

Ein Glück.

Eigentlich finde ich jeden Penis schön.

Okay.

Ich mag einfach Penisse. Schlimm?

Nein. - Ich mag Penisse anschauen. Mochte ich schon immer.

Weißt du, da gibt's so 'n Buch.

So 'n Penis-Buch, das heißt "Das große Penis-Buch".

Oh, toll. - Das schenk ich dir.

Das wäre sehr lieb von dir.

Alles, was dich glücklich macht, my love.

Hat man sich früher für den Arzt nicht 'n bisschen schick gemacht?

Sie hat auf was Hartes gebissen und die Krone abgebrochen.

Auf was Hartes gebissen, so, so.

Scheiße, jetzt schläft die auch noch ein.

Was hast du denn so schlechte Laune?

Die noch und ab in die Bar.

Deshalb die schlechte Laune.

Mir wurde klar, dass es mit dir... Dass es mir was Ernstes ist mit uns.

Das macht dir schlechte Laune?

Die Bar macht mir schlechte Laune.

Ich würde gerne einmal einen Tag nichts trinken,

sondern mit dir ins Kino oder Theater.

Ins Theater? Oh Gott.

Na gut, dann ins Theater nicht...

Scheiße! Mal einen Abend nichts trinken, nur zusammen sein.

Ich fühl mich schon schuldig allein beim Gedanken. Pervers.

Musst du ja auch nicht.

Tu ich aber. - Dann verbringen wir halt den Abend und trinken nichts.

Echt? - Klar, ist doch kein Problem.

Dann erklärst du mir, was es heißt, dass es ernst wird. Okay?

Ja. - (Speichelsauger)

Wo finde ich denn Herrn Lunies? - Gang runter, rechts, Zimmer 110.

(Leise Stimmen von nebenan)

Papa?

(Gerd schluckt.)

Na?

Hab ich dich geweckt?

Soll ich mal Fenster aufmachen? Bisschen frische Luft.

(Sie keucht leise.)

(Gerd krächzt leise.)

(Die Tür fällt zu.)

(Sie räuspert sich.)

(Sie seufzt leise.)

Na?

War's gut? - Ja.

Siehst du? Hab ich doch gesagt.

Ja, hast du gesagt. Was ist jetzt mit der versprochenen Überraschung?

Okay, fahren wir hin.

(Motorbrummen)

(Es läuft entspannter R 'n' B.)

Das gibt's ja nicht. Du hier?

Hi.

(Räuspern) Sebastian. Tom. Mein Bruder.

Liv. - Hi. Hallo.

Angenehm. Sebastian. - Ellen.

Tom.

Du bist Tom?

Lustig, dass wir dich hier treffen.

Eigentlich sind wir ja wegen dir in Berlin. - Wegen mir?

Ja. Ich hab Ellen zwei Karten geschenkt.

Fürs Konzert, das du dirigierst morgen.

Da hat sie sich bestimmt gefreut. - Äh, ja.

Natürlich 'n langes Wochenende in Berlin.

Ja, ist doch gut.

Wo ist euer Kind, also, halbes Kind?

(zögerlich) Das, äh, ist beim anderen Vater.

Woher weißt du's? - Mama.

Wollt ihr auch was essen? Also...

Ja, sehr gerne, warum nicht. Oder?

Und wie alt ist das Kind?

Ein Jahr oder... - Ja. - Ein Jahr.

Das ist die schönste Phase.

Genießt es. Die ist so schnell rum. Ruckzuck ist sie in dem Alter,

wo sie, wenn man sich umdreht, versucht, sich umzubringen.

Gut, die Schorle?

Das ist nicht nur 'ne Schorle. 'n Symbol für 'n neues Leben.

Sebastian will seine Familie verlassen

und mit mir 'ne "ernste Beziehung".

Er meint das nicht so unromantisch. Er redet so, wenn er nüchtern ist.

Das ist der Catch-22 an der Sache: Er will die Beziehung nüchtern.

(Englisch) Also: absolut keine Drinks. Darauf: Prost!

(Sie seufzt.)

Echt schön, dass ihr kommt morgen. Ist 'n wichtiger Tag für mich.

Zu Papas Beerdigung hast du's ja nicht geschafft.

Ich muss was trinken. Ich meine Alkohol.

Was? Wieso denn?

Weil das extrem anstrengend war, oder?

Was denn? Dein Bruder?

Der ganze Hipster-Scheiß, alle tun, als wär das Leben ein... Genuss.

Man kann sich auch für sein Unglück entscheiden.

Ich entscheide gar nichts, ich weiß nur nicht, was... - Was?

Du musst nicht alles wissen! Man kann auch... - Was?

Einfach mal singen.

Singen? - Ja, warum nicht? Sing für mich.

Hab ich gerade bei deinem Bruder gedacht.

Dass Musik glücklich macht. Und deine Stimme ist flüssiges Gold.

(zitternd) Gib mir einen Drink, dann...

Nur einen.

(Er holt tief Luft.)

(Sie atmet zitternd.)

Mama! - (flüsternd) Na, wie schmeckt das?

Oh, jetzt kommt noch ein Löffel. - (Jessie meckert.)

Jetzt kommt noch mal ein Löffel. Ha!

Und großer Happs. Großer Happs! - (Es klingelt.)

Oh.

Warte kurz.

Hey, komm rein.

Wir essen noch, dann kannst du sie haben.

Dinkelbrei ist ihr Ding gerade. - Ich weiß. Hey!

(Sie weint.) - Ich muss dann auch.

Jetzt schon? Wir hatten 'ne halbe Stunde Übergangszeit ausgemacht.

Damit Jessie nicht denkt,

dass jeder neue Betreuer 'n Abschied ist.

(seufzend) Na gut.

(Moritz) Komm, lass mich mal.

Hey, nimm mal von mir. Ja!

Fein!

Guck, du musst es langsam machen, Mann.

So. Einen letzten für Tom, ja?

Warum hat die plötzlich so Appetit? - Weil du's zu schnell machst.

Na komm, noch einen Löffel.

Ah, großer Happs!

Ja! - (Beide lachen.)

Und noch einen Löffel. - Lass mich... - Großer Happs!

Mach den Löffel nicht so voll. So 'n Quatsch. - (Handy vibriert.)

Ja, so ist gut.

Ich muss wirklich los. Morgen ist Premiere. - Tschüss.

(Stimmengewirr)

(Ellen singt auf Englisch, dazu Gitarrenmusik.)

In my room where I'm still killing you.

There's a smell of decay filling howling red air

and the blood's dripping from the lost head.

Where my mind's wandering off to the good times we had

in the room where I'm still killing you.

(Die anderen Gäste setzen mit ein.)

Isn't that good?

In this room.

(Alle singen hingebungsvoll.)

In this room where I'm still killing you.

In this room where I'm still killing you.

In this room where I'm still killing you.

In this room where I'm still loving you.

(Jubel, Applaus und Pfiffe)

(Ellen lacht.)

(Er seufzt freudig.)

(Sie kichern.)

Entschuldige, ging nicht schneller.

Wo ist er? - Oben. Er kommt nicht runter und ich darf nicht hoch.

Hat er dich wieder geschlagen? - Nein.

Ja?

Nein!

(klopft) Partner?

Ich komm jetzt rein, okay?

(Tom seufzt.)

Wir müssen es abbrechen.

Ich treffe ihn einfach nicht.

Ich weiß gar nicht, was du hast. Wir hatten tolle Proben.

Wen triffst du nicht?

(pfeift leise)

Den schmalen Grat. - (amüsiert) Mh.

Niemand trifft ihn, das wissen wir. - Man muss ihn aber treffen.

Sonst bleibt nur Kitsch.

Entweder Kitsch für die Massen oder Kitsch für die Schlauberger.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist. - Kitsch, was heißt das schon?

Auch nur 'n Wort. - (seufzt) Kitsch ist, wenn das Gefühl

die Wirklichkeit nicht erreicht.

Weißt du, dass ich dein Stück jede Minute höre?

Immer.

Die ganze Zeit.

Ich auch.

Vielleicht dirigiere ich's einfach scheiße, vielleicht ist es das.

Na ja, du dirigierst es schon scheiße.

Ist aber auch 'n Scheißstück.

Scheißdirigent, Scheißkomponist.

Scheißpublikum. - Scheißmusiker. - Scheißfeuilleton.

(Sie lachen.) - Passt doch.

Es tut mir leid.

Was tut dir leid?

Alles.

Das ist aber 'ne Menge.

Ich weiß.

(Er stößt die Luft aus.)

(leise) Ich kann es nicht.

Ich kann's nicht.

Ich hol uns mal 'nen Wein, dann sehen wir weiter.

(Bernard schnieft.)

(Bernard weint.)

(Bernard schluchzt.)

(Tom) Es wird schon gut morgen. Vertrau mir.

(Schritte)

Welchen schmalen Grat meint er?

Du musst als Künstler den Kram, den du loswerden willst,

vereinfachen, ohne den Kram zu verfälschen.

Oder du bist komplett authentisch, niemand versteht dich

und du endest einsam in der Klapse, dazwischen ist der schmale Grat.

Seine Worte, nicht meine.

Er mag Pathos.

Klar? Es geht darum: Wie weit muss ich mich dem Publikum anbiedern,

damit man mir folgen kann, aber... - Ich hab's verstanden.

Der schmale Grat.

(Das Orchester stimmt sich ein.)

(Die Instrumente verklingen.)

(Applaus)

(Der Applaus ebbt ab.)

(Sie hustet einmal.)

(Zarte anschwellende Geigen)

(Wellenhafte Melodie mit jähem Ende)

(Ellen hustet.)

(Zarte anschwellende Geigen)

(Wellenhafte Melodie mit jähem Ende)

(Ellen hustet.)

(Ellen atmet angespannt.)

(Ellen hustet.) - (Wellenhafte Melodie)

(Widerhallender Husten dauert an.)

(leise) Was denn? - Wie? Kannst du nicht mal...

Mal was? - Mal nicht husten.

(Unruhe kommt auf.)

(Die Musik schwillt weiter an.)

(Ellen holt tief Luft und hustet keuchend.)

Vielleicht beruhigen Sie sich draußen. - Ruhe bitte!

Wollte nur helfen. - Lassen Sie uns, Sie stören!

(Würgender Husten) - (Friedvolle Musik)

Was ist denn los, Baby? - (Ellen ringt nach Luft.)

Mir ist schlecht. Ich glaub, ich muss kotzen.

Vielleicht gehen wir besser.

(schreit) Ist das eklig!

(schreit) Sie sind widerlich!

(Würgen) - (Stimmengewirr)

(Dame) Bitte gehen Sie. Bitte!

Draußen ist ein Arzt. - Fassen Sie meine Frau nicht an!

Keine Gewalt bitte. - (Ellen würgt.)

Ist es schon vorbei? Ich hör keine Musik mehr.

Ich glaube, für uns ist es vorbei. - Okay. Mir geht's nicht so gut.

Brauchen Sie 'nen Arzt? - Nee, schon gut, nicht schlimm.

(Ellen japst.) - (Leute) He!

(knurrend) He! Niemand fasst meine Frau an!

He! - (Bernard) Das Stück hat bereits angefangen! Du Arschloch!

(Mann) Hören Sie auf! - (Raunen)

Raus hier! - Bernard, hör auf!

(Aufruhr) - Bleiben Sie, es fängt gleich von vorne an.

Schon wem beim Sterben zugesehen? Bleiben Sie sitzen.

(freundlich) Bitte bleiben Sie sitzen.

Es geht gleich von vorne los.

Komm, von vorne, bitte.

(brüllend) Noch mal von vorne! Tom!

Bleiben Sie sitzen!

(freundlich) Alles gut. Setzen Sie sich hin. (seufzt)

Einfach sitzen bleiben und zuhören.

Spiel!

(flehend) Bitte!

(Die Tür wird geöffnet.)

Wollen wir anfangen? - Ja.

Wir warten noch.

Wie Sie wollen. Wir sind bereit. - (Liv) Mhm.

(Liv räuspert sich.)

Ich bin nicht dein Feind, Liv. Ganz im Gegenteil.

Das war deine Idee hier.

Mhm. - (Es klingelt.)

(Liv räuspert sich.)

(keucht) Sorry, tut mir leid.

'ne ganz wichtige Probe, oder?

Nee, gab 'ne katastrophale Premiere, falls es dich interessiert.

Nee, Tom, überhaupt nicht. - Tom, Moritz! Lasst das bitte, ja?

Nehmen Sie Platz. Mein Kollege kommt gleich dazu.

Moritz, beantragst du das gemeinsame Sorgerecht gegen meinen Willen...

Ich hab 'n gesetzliches Recht... - Ja, aber dann gibt's Krieg.

Gut, das klingt vielleicht hart, aber wir sind hier,

um auch unbequeme Gedanken auszusprechen.

Warum willst du nicht, dass wir uns gemeinsam

über die Zukunft unseres Kindes austauschen? Warum?

Ich bin kein Idiot, mit dem man nicht reden kann. - Doch.

(Tom lacht leise.)

Nein, nein. Okay, du bist natürlich kein Idiot.

Aber du bist wirr im Kopf.

Wir waren da schon seit drei Monaten ein Paar!

Ja, in deiner Vorstellung.

In meiner hatten wir ein, zwei Mal Sex.

War ja nicht schlecht, das geb ich zu.

Bis aufs nervige Gutmensch-Gelaber. - Du hast nie verhütet!

Da es nach der Schilddrüsen-OP hieß, ich kann nicht schwanger werden!

Nur mit 'ner Hormontherapie!

Dann ist es eben doch passiert, ich war verzweifelt und...

alleine.

Aber du warst nicht alleine. - Hab ich auch gesagt. - Ey!

(Liv, verächtlich) Klar.

(seufzt) Als Liv schwanger war,

hat sie mich angerufen, dass sie den Mann nicht haben will.

Ach, komm! - Dass sie kein Kind allein großziehen kann.

Und wohl abtreiben muss.

Ich hab gesagt, kommt nicht infrage, da ich wusste,

dass sie sich 'n Kind wünscht und todtraurig war

über die Aussage der Ärzte nach ihrer Schilddrüsen-OP.

Und, ja, sie hat gesagt: "Ich kann das nicht alleine."

Und ich: "Du bist ja nicht alleine, ich bin auch noch da."

So wurde ich Jessies Vater. - Mann! Du bist nicht ihr Vater!

Mehr als du! - Na ja.

Weißt du was? Willst du 'n Kind, mach dir einfach selber eins.

Ich wollte keins! - Mach selber eins!

Tom! Das stimmt auch nicht ganz. - (Stimmengewirr)

Du bist nicht mehr Jessies Vater als Moritz.

Nee?

Moritz ist der biologische Vater, und das wird er immer sein.

(schnaubt) Das bedeutet so viel, weil er den Samen gespendet hat?

Es gibt 'ne Verbindung zwischen dem Kind und den leiblichen Eltern.

Ja, das glaub ich. Ob wir das jetzt wollen oder nicht.

Drückt's 'n bisschen? - (Patientin) Mhm. - Aha.

Doch 'ne Anästhesie? - (Wimmern)

Sagst du mir, was los ist? - Nichts ist los.

Red nicht so mit mir. Ich hasse es, wenn man mich für blöd verkauft.

Bitte noch mal aufmachen. - Also, was ist los?

(leise) Spinnst du? Nicht jetzt!

Noch drei Patienten und schon 20 Minuten zu spät!

(Die Patientin würgt.) - (leise) Reiß dich zusammen.

Sonst was? Soll das 'ne Drohung sein?

Welche Konsequenzen...

Meine Frau ist schwanger. - (Würgen)

(Würgen und Wimmern)

Ich kann sie jetzt nicht verlassen.

Du glaubst, es ist von dir? - ( Würgen)

Ja, natürlich ist es von mir.

Bitte einmal auf.

(Sie keucht.)

14,90.

(Wählton)

(Bastian via Mailbox) Ich bin gerade nicht zu erreichen...

(Verkäufer) Ciao.

(Wählton)

(Bastian) Ellen? Schön, dass du anrufst.

Ich will nur noch einmal reden, leg nicht auf. - Natürlich nicht.

Das war alles nicht meine Idee, ja? Dass du deine Frau verlässt.

Dass wir was Ernsthaftes werden und so.

Das war alles nicht meine Idee. Ich hab das nie verlangt.

Das wollt ich nur klarstellen. - Ja, du hast recht.

Und das tu ich jetzt auch nicht. - Gut.

Ja, gut.

Außer vielleicht einen letzten Drink.

Ellen, das wär schön. - Einen. - Aber ich bin nicht in Ham...

Du bist... - Ich muss... - Bei deiner Fam...

Ich bin in Gedanken immer bei dir. - Einen, Sebastian, dann...

Ja?

(Sie singt lallend.)

If I should leave you

try to remember all the good times,

long days filled with sunshine

and just a little bit of rain.

(Bastian) Unsere Beziehung ist wie deine Stimme.

Sie funktioniert nur mit Alkohol. - Na und? Kann ich mit leben.

Ich mag Alkohol.

Mir gefällt der ganze Lifestyle.

Ich bin von allem

das Gegenteil.

Verstehst du?

Von allem, was...

richtig und wichtig und effektiv und sinnvoll ist,

das Gegenteil.

Und selbst vom Gegenteil bin ich noch das Gegenteil.

Ich bin und ich bin nicht.

(lachend) Antimaterie.

(leise) Komm, Sebastian, tanz mit mir.

Ist gerade so schön. Aber nur mit dir.

Nur mit dir.

(Quietschen)

(Fahrer) Alles okay?

Haben Sie sich verletzt?

(wütend) So nicht.

So nicht!

(Melancholische Klaviermusik)

(Musik: "Jesus, Etc." von Bill Fay)

Jesus, don't cry.

(Stumme Szenen)

You can rely on me, honey.

You can combine anything you want.

I'll stick around.

You were right about the stars.

Each one is a setting sun.

Tall buildings shake, voices escape

singing sad sad songs tuned to chords.

Strung down your cheeks

Bitter melodies turning your orbit around.

Don't cry.

You can rely on me honey.

You can come by any time you want.

I'll be around.

You were right about the stars.

Each one is a setting sun.

Tall buildings shake, voices escape

singing sad sad songs

tuned to chords, strung down your cheeks.

Bitter melodies turning your orbit around.

(Melancholische Klaviermusik)

(Die Musik klingt aus.)

(Schwedischer Film)

(Ein Handy vibriert.)

Hey, Partner. Frohe Weihnachten.

Frohe Weihnachten, Tom. Wo bist du? Was machst du?

Zu Hause mit 'ner Flasche Wein.

"Fanny und Alexander" im DVD-Player?

Die 4-Stunden-Fernsehfassung, wie immer.

Und Ronja?

Wir treffen uns nicht mehr privat. - Habt ihr euch getrennt?

Wir können uns nicht trennen. - Da ihr nie zusammen wart. Ja, ja.

Und du? - (seufzt schwermütig)

Ich muss dich um 'nen Gefallen bitten. - Was denn?

Du musst aber leider zu mir kommen. - Jetzt? - Du kennst das Ende.

Die Familie glücklich unterm Baum, der böse Priester tot.

Okay, ich komme.

(Wehmütige Musik: "Streichquintett C-Dur D 956" von Schubert)

(Die Tür wird geöffnet.)

Hey.

(Englisch) Frohe Weihnachten.

(leise) Danke.

Was gibt's? Was kann ich tun?

Das Steak hast du ja offenbar allein geschafft.

Ist es okay, wenn ich

direkt zum Punkt komme?

Ja, klar.

Ich werde heute Abend mein Leben beenden.

Kein spontaner Impuls. Wir haben ja schon öfter drüber gesprochen.

Ich will das alles jetzt nicht noch mal aufrollen.

Ich hab ein Problem, bei dem du mir helfen musst.

Und das ist Mi-Do.

Komm, setz dich erst mal hin.

(schnaubt amüsiert) Klar.

Also, ich und Mi-Do haben seit ein paar Wochen ein Verhältnis.

Worüber reden wir? - Hör zu. - Nee, hör dir selber zu.

Mi-Do ist verliebt. - Ich komm Heiligabend...

Sie ist in Frankfurt. - Hallo, kannst du dich beruhigen?

Hör doch zu. Ich hab das Gefühl... - Ich geh wieder. - Hör zu.

So lass ich nicht mit mir reden. - Hör doch zu!

(Wehmütige Musik von Schubert)

(seufzend) Gut. - Entschuldigung.

Nee, alles gut.

Okay, ich hör dir zu.

Ich hab 'nen Fehler gemacht.

Ich hab ihr 'nen Schlüssel fürs Haus gegeben

und hab das Gefühl, sie merkt was und kommt vielleicht heute hierher.

Ich hab Angst, dass sie mich in der Badewanne findet.

In der Badewanne. - Ja. Das hat sie wirklich nicht verdient.

Sie ist 'ne gute Seele, sie braucht nicht noch 'nen Schock.

Ich hab's wirklich unterschätzt irgendwie mit uns beiden.

Ich dachte nicht, dass das so dicht wird.

Und was...

Was erwartest du, was ich jetzt mache?

Pass auf.

Ich hab mir 'ne Pille besorgt, aus der Schweiz,

werde mir aber zur Sicherheit

die Pulsadern aufschneiden in der Wanne.

Das wird natürlich 'ne ziemliche Sauerei und...

Ich will dich bitten,

ob du hier in der Küche

warten kannst, bis ich tot bin,

und, falls Mi-Do kommt, aufpasst, dass sie nicht ins Badezimmer geht?

Das ist alles. Alles andere ist geklärt.

Du kannst danach mit meinem Handy die Polizei anrufen,

die finden die Zettel, hier ist alles drin:

Beerdigung, Erbe.

Hab ich alles geklärt.

Alles, worauf du achten musst, ist,

dass Mi-Do mich nicht findet.

Ach.

Hier drin

ist die letzte und einzig gültige Fassung

von "Sterben".

Falls irgendjemand noch mal Lust haben sollte, das aufzuführen.

Wobei mein Tod vielleicht sogar hilft, weiß nicht genau.

(Wehmütige Musik von Schubert)

Das kannst du nicht machen.

Was? Das, was da steht, oder das in der Badewanne?

Du kannst nicht so was schreiben und... - Kein Urteil über das da.

Kein positives, kein negatives, nicht von dir oder irgendwem.

(Schuberts Quintett verklingt.)

(Windrauschen)

(Tom seufzt.)

Bernard?

Bernard, schau mich an bitte.

Tom, ich werde es tun.

(leise) Und ich will darüber nicht diskutieren.

Die einzige Frage,

die wir zu klären haben,

ist, ob du Mi-Do den Schock ersparen willst.

Und das ist ab diesem Punkt

leider deine Verantwortung.

(lauter) Tut mir leid, dass ich dich reingezogen hab.

Aber hey,

dafür sind Freunde da.

(Bernard lacht.)

Da zu sein, wenn's ungemütlich wird.

(leise) Wenn's ungemütlich wird?

Ja.

Ich geh jetzt ins Bad.

Hey, Bernard.

Letzte Umarmung?

Okay.

Ich lieb dich, Partner.

Danke.

(Bernard schließt ab und rüttelt an der Tür.)

(Der Wind fegt ums Haus.)

Bernard?

Bernard, lass mich mal rein.

Hey! Partner!

(seufzt) Das kann doch alles nicht wahr sein.

(Tom seufzt.) - (Ein Handy vibriert.)

Ja? - (Liv) Na? Noch wach?

Ich wollte nur noch mal kurz danke sagen,

dass du den Weihnachtsmann gemacht hast.

Jessie hat sich total gefreut.

Ich hab die noch nie so süß brabbeln gehört.

Ich hab das Gefühl, sie fängt bald an zu sprechen.

Moritz ist gerade weg, ich räum auf, dann geh ich auch ins Bett.

(Jessie jammert leise.)

(leise) Ich stell mir ganz oft vor, wenn ich Jessie angucke,

dass da jetzt unser Kind liegt.

Was es wohl gemacht hätte.

Wie's ausgesehen hätte.

Wie sie so gewesen wäre. - "Sie"?

Mhm, ich glaub, es war 'ne Sie.

Findest du's falsch, was wir gemacht haben?

Weiß nicht, ob richtig und falsch die richtigen Worte sind.

Wir haben uns damals so entschieden,

weil wir für uns keinen anderen Weg gesehen haben.

Aber sie hat gelebt in mir. Das hab ich gespürt.

Ich glaub, das Schwierigste ist, dass etwas nie immer nur eins ist,

sondern...

immer noch viel mehr.

Mh. Ich frag mich nur, ob das alles leichter macht oder schwerer.

Für manche macht es das Leben aushaltbar, für andere unerträglich.

Guck nicht Ingmar Bergman an Weihnachten.

Bringt dich schlecht drauf. - Nee, bin bei Bernard. - Ach so.

Wie geht's ihm?

(via Lautsprecher) Ehrlich gesagt...

Er will sich umbringen. - Nein! Schon wieder?

Ja, aber diesmal meint er's ernst.

Er macht's, hab's ihm angesehen. Er hat noch nie so...

Wie? - So entspannt ausgesehen.

Wie, "der macht's"? Aber du bist doch da, oder?

Ja, ich bin da, aber...

Eigentlich nur, um aufzupassen, dass Mi-Do nicht zufällig...

Warte kurz: Wer ist Mi-Do?

Seine aktuelle Affäre, eine Cellistin aus dem Orchester.

Damit sie ihn nicht mit aufgeschnittenen Pulsadern findet.

Warte bitte ganz kurz. Da liegt er jetzt, oder wie?

(lachend) Ja, ja. (besorgt) Ich denke, schon.

(Windrauschen dauert an.)

Ich weiß irgendwie nicht...

Ich weiß echt nicht, was ich machen soll.

Na, erst mal ihn rausholen, oder? - Aber er ist unglücklich.

Seit ich ihn kenne, ist er unglücklich.

Jetzt über 20 Jahre. - Bernard leidet eben gerne.

Er hat 'n erotisches Verhältnis zum Leiden.

Anders könnte er seine Musik gar nicht schreiben.

Ja, die gerade furchtbar gefloppt ist.

Weil deine Schwester es sabotiert hat.

Nee, ich glaub nicht, dass es nur das ist.

(leise) Ich weiß echt nicht, was ich machen soll.

Die Tür eintreten und ihn da rausholen!

Hat er das Recht, selbst zu entscheiden, ob er leben will?

Er kann das nicht entscheiden, weil er depressiv ist.

Er ist enttäuscht über eure Uraufführung, an Weihnachten einsam.

Das kann man nicht ernst nehmen.

Will er nicht genau das? Ernstgenommen werden in seinem Leid.

Nicht jeder Mensch hat das Talent zum Glücklichsein.

Nicht jedem hilft 'ne Therapie, Tabletten oder irgendwas,

das sich die Gesellschaft ausdenkt, um uns davon abzuhalten,

über unser Leben selbst zu entscheiden. Oder...

Oder eben über unseren Tod.

Tom? Du musst die Tür aufmachen und ihn da rausholen, hörst du?

Mh. - Weil man alles machen muss, um ein Menschenleben zu retten.

Das weißt du, oder?

Liv? Liv, ich muss... Ich mach jetzt Schluss, ja? - Okay.

Sag Bernard, dass ich morgen... - (Besetztton)

Tom?

Tom?

(Jessie fängt an, zu weinen.)

(Stille)

Bernard?

(lauter) Bernard?

(schwach) Lass mich.

Ja, ja, ich lass dich.

Ich wollt dich nur nicht ohne Umarmung gehen lassen.

(Bernard atmet laut.)

(Tom) Ich rufe aus dem Haus von Bernard Drinda in Wolzig an.

Er liegt tot in seiner Badewanne.

Mooswuffelweg 3 in Wolzig.

Die Terrassentür ist nur angelehnt.

(Windrauschen)

(Tosendes Windrauschen)

(Chorgesang nach Jesaja, 40,31) Die aber schöpfen neue Kraft.

Sie bekommen Flügel wie Adler.

Sie laufen und werden nicht müde.

Wie konntest du das machen, Tom?

Ja, er war depressiv und wollte das, aber man kann doch nicht einfach...

Das ist so kalt.

(Liv schnaubt.) - (Die Glocken läuten.)

(Eine Tür wird geöffnet.)

(Applaus)

(Der Applaus endet.)

Bernard Drinda hat eine finale Version des Stücks hinterlassen.

Die werden wir jetzt spielen.

(Leidenschaftliches Cello-Solo)

(Stille)

(Schwermütiges Cello-Solo)

(Stille)

(Hingebungsvolles Cello-Solo)

(Stille)

(Kummervolles Cello-Solo)

(Sehnsuchtsvolles Cello-Solo)

(Mi-Dos Ton löst sich anmutig auf.)

(Ergreifende Streicher setzen ein.)

(Hingebungsvolle Cello-Musik)

(Leidenschaftliche Cello-Musik)

(Glockenartiger Gong) - (Gefühlvolle Streicher)

(Leidenschaftliche Cello-Musik)

(Die Musik steigert sich.)

(Die Musik schwillt flammend an.)

(Hingebungsvolle Musik)

(Die Musik schwillt flammend an.)

(Hingebungsvolle Musik)

(Die Musik schwillt flammend an.)

(Sanfte Cello-Musik und behutsame Streicher)

(Mi-Dos Ton löst sich anmutig auf.)

(Stille)

(Leidenschaftliches Cello-Solo)

(Stille)

(Hingebungsvolles Cello-Solo)

(Stille)

(Tragendes Cello-Solo)

(Stille)

(Friedvolles Cello-Solo)

(Stille)

(Wehmütiges Cello-Solo)

(Stille)

(Ruhiger werdendes Cello-Solo)

(Mi-Dos Ton löst sich behutsam auf.)

(Stille)

(Applaus)

(Der Applaus verklingt.)

(Stimmengewirr)

Wissen Sie, dass der Komponist leider gestorben ist?

Ja, ist uns bekannt.

Ganz fantastisch. - Auf Sie.

(Stimmengewirr)

Wir würden uns auch sehr freuen. - Danke. - Schönen Abend.

Ebenso. Danke, dass Sie hier waren. - Danke fürs Kommen.

Die Sponsoren sind glücklich.

Wenn die Sponsoren glücklich sind, bin ich's auch.

Ist eigentlich zwischen uns alles okay?

Wieso?

Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass du mir aus dem Weg gehst.

Nee. Ich musste das alles mit Bernard und so...

(Räuspern)

...mit mir allein ausmachen, hat nichts mit dir zu tun.

Ich frag nur, weil... ähm...

(schluckend) Ich weiß ja, dass unsere Geschichte

eigentlich vorbei ist...

(zitternd) Aber...

Äh...

Du trinkst keinen Alkohol? - Mh.

Ja. Wir müssen mal miteinander reden.

(Tom seufzt.)

Herr Lunies? Ich wollt gar nicht stören.

Nur bedanken für Ihre Einladung. - War doch klar. - Wahnsinnig toll.

(Mann) Keine Frage von Geschmack, keine ästhetische Kategorie.

Das ist nur eine große Banalität, ein Furz ins Gesicht der Avantgarde.

Für mein Dafürhalten war er auf dem Weg "up".

(Stimmengewirr ebbt ab.)

Ein Dichter hat mal gesagt:

"Es gibt ein Land der Lebenden und ein Land der Toten.

Und dazwischen ist die Liebe."

In diesem Sinne sind wir heute hier zusammengekommen,

um an Lissy Lunies zu erinnern,

die hier in Hanstedt

die letzten 20 Jahre ihres Lebens verbrachte.

(Das Baby beginnt, zu weinen.)

Was ärgert dich? Was ärgert dich?

(Tom) Was ärgert dich, hm? Was ist los?

(Susanne) Leiten Sie den Männerchor? - (Bestatter) Nee, Sie irren sich.

Kann sein, ja. Das war so toll. - Ich hab viel davon gehört. - Ja.

Machen Sie nicht mehr? - Nein.

Danke. - Ja. Schön, dass es heute geklappt hat.

Ach, diesmal hab ich 'nen Benziner genommen.

(seufzt) Kannst du fahren? - Ich geh noch kurz...

Okay, sei nett.

Ich bin immer nett.

Wir müssen jetzt echt nicht so tun, als ob.

Im Schlafzimmer im Schrank hängt 'n Mantel.

Da hat Mama 'n Sparbuch versteckt, sind 5000 Euro drauf.

Sie wollte, dass du die kriegst.

(Motorbrummen)

(Quietschen, Stottern und Klappern)

(Gefühlvolle Klaviermusik)

Untertitelung: SUBS Hamburg Anna Pristouschek

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