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Original subtitles

Mein Name ist Jacques Politie und ich lebe in Paris.

Ich bin Kunstkenner und leidenschaftlicher Sammler.

Besonders interessiere ich mich für Gemälde und Plastiken.

Mein Hauptaugenmerk allerdings gilt der holden Weiblichkeit.

Und die rastlose Suche nach neuen Vergnügungen

führte mich an einem kühlen Herbst- abend zu Madame Lillis Haus.

Die rote Laterne am Eingang signalisierte recht deutlich,

um was für ein Etablissement es sich handelte.

Trotzdem war Madame Lillis Haus kein gewöhnliches Bordell.

Ihr Ruf und vor allem der ihrer Mädchen ging weit über Paris hinaus.

Sie begrüßte mich wie einen guten alten Freund.

Monsieur Jacques, Sie sind seit Monaten nicht mehr hier gewesen.

Ich war leider verhindert. Ich habe eine Villa in Spanien gekauft.

Oh, herzlichen Glückwunsch. Ich wäre ja auch sehr gerne mal wieder im Süden,

aber bedauerlicherweise zwingt mich mein Haus, das ganze Jahr über hierzubleiben.

Ich würde Ihnen gerne ein paar Neuerwerbungen zeigen.

Leider ist es schon ziemlich spät, die meisten Mädchen sind schon beschäftigt.

Aber das ist doch kein Hindernis.

Warum sollte ich ihnen nicht ein wenig bei ihrer Beschäftigung zusehen?

Dann wüsste ich, was mich erwartet.

Monsieur Jacques, halten Sie das nicht für ein wenig zu indiskret?

Ach, kommen Sie, Lilli. Ich kenne doch das Geheimnis Ihrer Spiele

und weiß, dass es Sie freut, Menschen zu beobachten.

Warum wollen wir uns das Vergnügen nicht teilen?

Ein ausgefallener Wunsch. Sie müssen es natürlich honorieren.

- Ich bin noch niemals kleinlich gewesen. - Nein, das ist wahr.

Und ich darf mich auch auf Ihre Diskretion verlassen?

Aber natürlich, oder habe ich Sie schon jemals enttäuscht?

Sie dürfen mitkommen.

Sie wissen ja, das unser Angebot schon immer sehr vielfältig gewesen ist.

Dieser hier bevorzugt Bauernmädchen.

Und hier haben wir jemand, der sich mit Vorliebe auf See vergnügt.

Sie können sich davon überzeugen, dass jeder Gast wie ein König behandelt wird.

Diesem hier haben wir sogar einen eigenen Thron zur Verfügung gestellt.

Sehen Sie nur, wie geschickt er sein Zepter schwingt.

Klasse.

Und hier hätten wir einen typischen Plan- tagen-Besitzer aus den Südstaaten Amerikas.

Ich kannte dieses Mädchen.

Obwohl ich sie ein halbes Jahr nicht gesehen hatte,

hatte ich sie noch nicht vergessen.

Es war ein Frühlingstag, als wir uns kennenlernten.

Und wir besuchten noch am selben Abend einen Ball.

Armand, ein junger Bildhauer, dessen Arbeit ich bewundere, stand bei mir,

als ich ihr beim Tanzen zusah.

- Wer ist dieses Mädchen? - Ihr Name ist Venus.

Aber viel mehr kann ich dir auch nicht sagen.

Du bist doch vorhin mit ihr gekommen und ich hab euch zusammen tanzen sehen.

Mein Freund, sie hat heute Nacht schon mit der halben Stadt getanzt.

Ich hab sie zufällig kennengelernt.

Sie kommt aus Martinique.

Und hier in Paris ist sie erst seit einigen Wochen.

- Ich würde sie gerne kennenlernen. - Das ist gefährlich, sogar sehr gefährlich.

Sie sucht einen reichen Mann von Welt. Keinen armen Künstler.

Wir haben gerade von Ihnen gesprochen, Madame.

Ich hoffe, es war etwas Nettes.

Venus, ich möchte Sie mit einem meiner besten Freunde bekannt machen.

Armand Lasaque, einer der begabtesten jungen Bildhauer Frankreichs.

Wenn auch die Kritiker seiner Ansicht wären, wäre ich sehr zufrieden.

Du musst ihnen etwas Zeit geben.

Du weißt genau so gut wie ich, dass die wirklichen Kunstkenner

ihnen immer um eine Nasenlänge voraus sind.

Ich habe mir erlaubt, Sie beim Tanzen zu bewundern.

Oh, wirklich sehr schmeichelhaft.

Ihre Schönheit mit Worten zu beschreiben, wäre unmöglich.

Mir scheint, Sie sind nicht nur der begab- teste Bildhauer, tanzen Sie auch so gut?

Auf eine neugeborene große Liebe.

Als die beiden miteinander tanzten,

wusste ich, dass ich zum Außen- stehenden geworden war.

Eine Situation, in der ich mich noch nie sonderlich wohlgefühlt hatte.

Die beide tanzten fast bis zum Morgengrauen.

Anschließend denke ich, sind sie zusammen nach Hause gegangen.

Sie spazierten durch die verlassenen Straßen von Paris

und kamen schließlich in die Dachstube,

die Armand etwas hoch- trabend sein Atelier nannte.

- Sehr interessant. Hier lebst du also. - Und ich arbeite hier.

- Schläfst du mit deinen Modellen? - Ja. Zumindest manchmal.

Ich nehme an, du willst mich jetzt fragen, ob du mich malen darfst.

Nein, aber etwas anderes.

Ich wollte dich bitten, ob ich eine Plastik von dir machen darf.

Oh, das klingt aufregend. Einver- standen. Und wo soll ich mich hinstellen?

Ich mache keine Scherze.

- Du wärst wirklich fantastisch, aber... - Aber? - Venus sollte keine Kleider tragen.

- Oh la la. - Es ist deine Idee gewesen.

Willst du dich bitte umdrehen?

Jetzt darfst du wieder schauen.

Akzeptiert?

Atemberaubend.

- Wird es sehr lange dauern? - Bitte hab eine Sekunde Geduld.

- Bleib ganz ruhig stehen. - Darf ich es mir ansehen?

- Ist das schon alles? - Das ist nur eine erste Skizze, und die hat sich gelohnt.

Die Sonne geht auf.

Du musst mir versprechen, mein Modell zu werden, Venus.

Aber nicht jetzt, ich bin nah dran zu verhungern.

Oh, verzeih mir bitte. Wir holen dir Frühstück.

Aber leider habe ich nichts hier.

Heißt das, du wolltest mich nur hierher locken?

Warte hier, ich bin gleich wieder da.

Ich bin wieder zurück.

- Sind Sie eine Freundin von Monsieur Armand? - Ja, aber er ist nicht hier.

- Wo ist er? - Ich weiß nicht, aber er wird sicher bald zurückkommen.

- Kann ich ihm etwas ausrichten? - Bestellen Sie ihm einen Gruß von Monsieur Lambert,

und es würde ihn freuen, etwas von der Miete zu hören,

auf die er schon seit sechs Wochen wartet. Haben Sie das verstanden?

- Das hier werde ich als Pfand mitnehmen. - Lassen Sie das, das gehört Ihnen nicht!

Hören Sie, Mademoiselle. Wenn Sie es genau wissen wollen,

gehört mir hier drinnen gewissermaßen alles.

Wenn Sie nicht wollen, dass ich die Zeichnung mitnehme,

werde ich mich vielleicht auch mit dem Original begnügen.

Und vielleicht würde ich ihm die Miete noch ein paar Wochen stunden.

Lassen Sie mich los!

- Nein! - Hab dich nicht so!

Du elender Mistkerl!

Was fällt Ihnen eigentlich ein, mich anzufassen?

- Bezahlen Sie lieber Ihre Miete! - Das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht,

meine Freundin zu belästigen! - Ruhig! Ganz ruhig!

Bloß nicht aufregen, mein Freund. Wir reden morgen weiter, mit dem Gerichtsvollzieher.

Und ich würde Ihnen nicht empfehlen, hier irgendetwas verschwinden zu lassen.

Es wird unangenehme Folgen für Sie haben, wenn Sie etwas raus schaffen!

Ich werde vorsichtshalber eine Wache draußen aufstellen.

Ihnen kann man ja nicht trauen!

Morgen sehen wir uns wieder!

Ein Glück, dass du wiedergekommen bist. Es ist schrecklich gewesen.

Es ist alles vorbei, du brauchst keine Angst mehr zu haben. Es ist gut.

Aber was willst du denn jetzt tun? Du hast doch überhaupt kein Geld, um zu zahlen.

Ich werde versuchen, irgendetwas zu verkaufen.

Oder was zu borgen.

Ich hab eine Idee.

Als ich hierher nach Paris gekommen bin, hab ich eine Schneiderin kennengelernt.

Und ich hab ihr ein paar Kleider abgekauft.

Sie hat zu mir gesagt, wenn ich jemals Schwierigkeiten hätte,

finanzielle, könnte ich bei ihr als Modell arbeiten.

Unsinn, Liebling. Unseren Lebens- unterhalt werde ich bestreiten.

Aber Armand, warum wirst du auf einmal so kindisch?

Weißt du, es würde mir sogar Spaß machen, bei ihr zu arbeiten.

Ich trag gern hübsche Kleider.

Außerdem ist es egal, wer von uns beiden den Lebensunterhalt verdient.

Hauptsache wir sind zusammen und bleiben glücklich.

Ich werde sie sofort aufsuchen.

Los, los, beeilt euch! Die Männer sind gleich da.

- Wer ist denn diese junge Dame? - Mein neues Modell, Venus.

Venus, aha. Ein passender Name.

- Wirklich entzückend. - Charles, wir sind gekommen, um neue Kleider zu sehen.

Ja, natürlich, Liebste. Aber was drin ist, kann man doch nicht einfach ignorieren.

Bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen?

- Venus, du kannst dich jetzt umziehen. - Jawohl, Madame.

- Der Rock ist ein ganzes Stück zu weit. - Dann musst du zunehmen.

- Na, wie ist es dir gegangen? - Sehr gut!

Wäre es wohl möglich, Sie anschließend noch unter vier Augen zu sprechen?

Ich dachte mir schon, dass Sie Interesse haben.

Ich war der Annahme, dass Sie hier Kleider verkaufen, Madame.

Aber, aber, wer wird denn gleich so spitz werden, meine Liebe.

Ich wollte mich doch nur mit Madame über die Rechnung unterhalten.

Es erhebt sich nur die Frage, welche Rechnung du meinst.

- Wo ist Ihre neue Kollektion? - Eine Sekunde.

- Hallo, Liebling. Ich bin wieder... - Sehr, sehr spät. - Entschuldige bitte,

aber Madame Jean hat mich noch aufgehalten.

Dafür habe ich aber schon einen Wochenlohn bekommen.

Soll das etwa heißen, dass sie dir in der Woche 100 Franc zahlt?

Tja, also ich würde sagen, dass das deinen Vermieter ein Weilchen beruhigt.

Ich kann einfach nicht glauben, dass du so viel verdienst.

Wenn ich will, kann ich sogar noch viel mehr verdienen.

Wofür hast du das bekommen?

Na ja, weißt du. Da kam so ein älterer Herr ins Geschäft

und Madame Jean sagte, er sei völlig harmlos und sehr, sehr großzügig...

- Aber Armand, wir haben uns doch nur un- terhalten. - Du hast von ihm Geld genommen!

Natürlich hab ich Geld genommen, wovon hät- test du morgen deine Miete zahlen sollen?

Ich habe uns was zu essen mitgebracht, aber du hast mir gerade den Appetit verdorben.

Armand, sei doch bitte nicht so kindisch. Ich liebe dich! Nur dich, verstehst du?

Ich will jetzt Wein!

Eine gute Flasche Wein...

...um die schwarzen Gedanken loszuwerden.

Armand!

Ich habe dich schon seit Wochen nicht mehr gesehen.

Sieh an, wer da ist. Der gute alte Jacques.

Und geht's dir gut? Der gute Freund, Jacques.

Bring mir ein Glas für meinen Freund.

Entschuldige bitte, dass ich schon getrunken hab, aber ich bin durstig.

- Ja, das sieht man. - Du siehst nur, dass ich betrunken bin.

Und weißt du auch warum? Nur deinetwegen, mein Freund.

Weil du mich Venus vorgestellt hast.

Was ist passiert? Ist sie weggelaufen?

- Nein. Das geht auf ihre Kosten. - Aber wie denn, sie hat doch überhaupt kein Geld.

Sie hat sich welches beschafft.

Sie macht es immer wieder und ich kann nichts dagegen machen.

Sieh es einmal so, Armand, sie kommt von einer sonnigen Insel.

Sie ist wie ein bunter, exotischer Vogel. Der von Ast zu Ast flattert.

Und der jeden erfreut, der ihn zu sehen bekommt.

Hab verstanden. Sie ist ganz genau so.

Bist du sicher, dass du wirklich verstanden hast, Armand?

Mehr Wein! Ich will den exotischen Vogel vergessen!

Welch eine Freunde, Sie wiederzusehen, Madame.

Danke.

Eine Freundin hat mir erzählt, dass Sie die schönsten Kleider in ganz Paris hätten.

Ich suche etwas Exotisches, etwas Originelles.

Ich denke, ich habe genau das, was Ihnen vorschwebt.

Venus? Ich möchte dich bekannt machen. Madame Lotie.

Eine unsere besten Kundinnen und eine sehr gute Freundin.

- Madame. - Sie sind neu hier? - Ja, so ist es Madame.

- Wo wohnen Sie, mein Kind? - Am Montmartre, Madame. - Allein?

Nein, mit einen guten Bekannten, Madame.

- Und Sie sind glücklich mit Ihrem Bekannten? - Ja, Madame.

Wenn Sie das eines Tages nicht mehr sein sollten, lassen Sie es mich wissen.

Mein Gatte verreist nämlich häufig, ich bin dann immer sehr einsam.

Wir bewohnen ein großes Haus in der Innenstadt.

Madame wird Ihnen meine Anschrift geben.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir hin und wieder Gesellschaft leisten.

Und ich bin außerordentlich großzügig.

Danke, Madame.

Ich hoffe, ich höre bald von ihr.

Oh, ganz sicher, Madame. Sollen wir jetzt fortfahren?

Nein, wozu? Ich sagte Ihnen doch, dass ich was Exotisches und Originelles suche.

Und ich glaube, dass ich es gefunden habe.

Mein kleines, exotisches Vögelchen ist auch schon gekommen.

Tut mir leid, ich hatte noch zu tun.

Du hattest also zu tun. Wer ist es diesmal gewesen?

Wohl wieder ein großzügiger Kunde, mit dem du dich unterhalten musstest.

Wenigstens ist er nüchtern gewesen.

Armand, wenn du so weiter trinkst,

machst du mich zu der Art Frau, für die du mich schon offenbar hältst.

Soll ich dir mal sagen, was für eine Art Mann deinetwegen aus mir geworden ist?

Ich habe nicht einmal den Willen, mit meinen Arbeiten weiter zu machen.

Alles, was ich noch kann, ist trinken. Um endlich zu vergessen, dass wir uns kennen.

- Oh Gott, nein! - Wenn ich doch bloß nicht so feige wäre!

Möchtest du, dass ich dich verlasse?

Wenn du es nicht tust, dann werde ich dich umbringen!

Oder mich selbst.

Ja, bitte?

Entschuldigung, Madame. Da ist eine junge Dame, die Sie sprechen will.

Um diese Zeit? Weißt du, wie sie heißt?

- Ja, Venus. - Venus. - Ja, Madame. - Du kannst sie herein bitten.

Übrigens Gina, du darfst jetzt zu Bett gehen. Schlaf gut.

- Ich werde dich nicht mehr brauchen. - Ja, Madame.

Guten Abend.

Was für eine angenehme Überraschung.

Sie sagten mir, ich könne Sie aufsuchen,

wenn ich einmal unglücklich wäre. Nun bin ich es.

Ich werde versuchen, Ihnen darüber hin- weg zu helfen. Geben Sie mir Ihren Mantel.

- Ich hab sogar die Kleider dagelassen. - Das ist doch kein Problem.

Ich habe genügend Kleider für uns beide. Los, kommen Sie.

Oh, die sind ja wundervoll.

Wenn Sie die mal alle getragen haben, dann kaufen wir neue.

- Weshalb tun Sie das für mich? - Ganz einfach, Venus.

Hast du es denn nicht bemerkt? Ich hab mich in dich verliebt.

Einmal angenommen, ich würde Sie nur gern haben.

- Aber nicht lieben. - Müssen wir denn jetzt wirklich darüber sprechen?

Wissen Sie, angenommen, ich wäre damit einverstanden, zu Ihnen zu kommen.

Nur um Ihnen Gesellschaft zu leisten, wo würde ich dann schlafen?

Im Schlafzimmer meines Gatten. Er ist sowieso fast nie zu Haus.

Einverstanden. Dann werde ich bei Ihnen bleiben.

Danke, Madame. Sie haben mir wirklich sehr geholfen.

Venus, Liebste, nenn mich Marie.

Gute Nacht... Gute Nacht, Marie.

Gute Nacht, Venus.

Madame! Madame! Der gnädige Herr ist zurückgekommen.

- Ach du lieber Gott. Was willst du tun? - Lass mich nachdenken.

Madame Jean, er wird dich zu ihr fahren.

Und heute Abend kommst du auf das Fest, als gehörtest du zu den Gästen.

Einverstanden?

Schön.

Wir sehen uns später.

- Ihr Mantel, Mademoiselle. - Danke.

- Wie nett, Sie auch hier zu sehen. - Guten Abend, Monsieur Lambert.

- Wir können nachher noch etwas plaudern. - Wie Sie wünschen.

Ah, was für eine Überraschung, Sie heute Abend auch hier zu treffen.

Ich hatte schon befürchtet, Sie nicht wieder zu sehen.

Dabei wollte ich Sie einem Freund vorstellen.

Einem außerordentlich wichtigen Mann. Er muss hier irgendwo sein.

Kommen Sie, tun Sie mir den Gefallen und lassen Sie ihn uns suchen.

Ich verspreche Ihnen, Sie werden fasziniert von ihm sein.

Er ist ein reizender Mensch, aber ich bin sicher,

dass er noch nie so eine schöne Frau wie Sie gesehen hat.

Übrigens ist er erst heute wieder zurückgekommen.

Was für eine Überraschung, dass du schon wieder in Paris bist, Pierre.

Ja, du hast Recht. Es scheint tatsächlich für alle hier eine Überraschung zu sein.

Darf ich vorstellen? Venus, sicher hast du von ihr gehört.

Was sollte ich gehört haben?

Nun, dass sie die beste Freundin deiner Frau geworden ist.

- Die beiden sind geradezu wie Zwillingsschwestern. - Gute Nacht!

Oh, ich hab schon verstanden. Wir sehen uns ja nachher noch.

- Ich habe tatsächlich schon von Ihnen gehört. - Sie sind lange weg gewesen.

Und nun bin ich zurück. Das Personal redet über dieses und jenes.

- Ich verstehe. - Sie sind noch we- sentlich attraktiver als ich gehört habe.

Und ich bin ein Experte. Außerdem sammle ich Verschiedenes.

Ich werde ihn jetzt meine neueste Errungenschaft zeigen.

Sie wird Sie sicher interessieren.

In Ordnung.

Sorgen Sie dafür, dass Monsieur in den nächsten zehn Minuten nicht gestört wird.

- Allein, wir können anfangen. - Lassen Sie mich bitte gehen, Pierre.

Marie wird sich sicher schon fragen, wo wir geblieben sind.

Marie wird sich überhaupt nichts fragen. Und ich tue in meinem Haus, was mir gefällt.

Aber ich bin doch hier nur zu Gast und kann nicht tun, was ich will.

Ein Dauergast, schon seit einiger Zeit. Ich weiß doch über alles Bescheid.

Meine Frau und ich haben ein sehr offenes Verhältnis zueinander.

Meine Freunde werden die ihren, und ihre Freundinnen werden die meinen.

- Pierre? - Ja, wie geht es, Liebling?

Ich nahm an, du würdest schon schlafen nach all den Aufregungen.

Du brauchst jetzt nicht verwirrt zu sein. Sie ist eine sehr gute Freundin.

Oder zumindest wird sie es bald sein.

- Venus, das ist Louise. - Hallo, Louise.

- Hallo. - Louise ist sehr charmant, allerdings ein wenig unerfahren.

Aber sie ist ja noch jung. Hab ich Recht, Louise?

Ein sehr hübsches Negligé, aber ohne gefällst du mir viel besser, mein Liebling.

Das weißt du doch. Im Übrigen hab ich es schließlich bezahlt.

Und kann deshalb damit auch tun, was ich will.

Nein, Pierre! Nicht schon wieder!

- Venus, komm ein bisschen mit her. - Für mich haben Sie nicht bezahlt.

Oh, doch, ich habe. Sogar eine ganze Menge.

Woher glaubst du, hat meine Frau das viele Geld, das sie ausgegeben hat?

- Und was soll ich jetzt für Sie tun? - Schon besser!

Zuerst wirst du das Kleid ausziehen, ich bin mir sicher, ich habe auch das bezahlt.

Und wir wollen es doch wirklich nicht ruinieren. Nicht wahr?

- Sie sind ja noch schlimmer als ich befürchtet habe. - Ganz richtig.

Wer wird denn da so schüchtern sein?

Sehr hübsch. Wisst ihr, meine Frau hatte schon immer einen exzellenten Geschmack.

Und nun, meine Lieben, vergnügt euch zusammen.

Du wirst ihr was beibringen, damit sie Erfahrung sammelt.

Wir sehen uns später. Also, Louise.

Hört ihr? Unsere anderen Gäste scheinen sich auch ganz ausgezeichnet zu amüsieren.

Ihr beide werdet sicher Spaß haben. Au revoir, macht es euch gemütlich.

Herzdame.

Er ist ein Mistkerl. Wann hast du ihn kennengelernt?

Er ist gestern in den Laden gekommen, in dem ich arbeite.

Er hat mich zum Essen eingeladen, mir Geschenke gemacht und...

Und dann hat er für seine Freundlich- keiten eine Gegenleistung verlangt?

Ja, er hat mich gestern Nacht in ein Hotel mitgenommen

und mich heute Abend hierher gebracht.

Ich denke, wir sind ihm in die Falle gegangen.

- Mich allerdings hat seine Frau eingefangen. - Wie ist sie?

Wirklich großzügig, aber sie verlangt auch sehr viel.

Was wird sie tun, wenn sie uns beide hier findet?

Na erst mal wird sie dich anschauen. Das ist auch ganz natürlich.

Pierre hat schon Recht gehabt. Die Kunden wollen für ihr Geld was geboten haben.

- Sag mir doch, wie du mich findest. - Du wirkst auf mich, wie die Unschuld vom Lande.

- Ich habe aber nichts gegen Bauern- mädchen. - Liebst du nur Mädchen?

Mädchen und Jungen.

- Weißt du, beides ist sehr schön. - Auch zusammen? - Warum nicht?

Es ist doch sehr interessant.

Als Pierre sagte, ich wäre noch sehr unerfahren, hab ich mich fast geschämt.

- Erfahrung sammeln macht den meisten Spaß. - Ich mag dich. Du bist so ehrlich.

Was? Ich hab ja schon viel über mich gehört, aber so was noch nie.

- Wie alt bist du? - Siebzehn geworden. - Und trotzdem bist du noch so weit zurück?

Du hattest ganz Recht. Ich bin ein Bauernmädchen.

Und hier in Paris bin ich erst seit einem Monat.

Die Stadt hat mich mächtig beeindruckt. Aber alles ist wahnsinnig teuer.

Trotzdem will ich hierbleiben. Ich will einen reichen Mann haben und ich krieg ihn.

Da musst du aber einiges investieren.

Wenn es nicht anders geht, dann werde ich es auch tun.

- Wirst du mir alles beibringen? - Wenn du willst? Mit Vergnügen.

- Ich bin wirklich schon auf die Über- raschung gespannt. - Ja, ich auch.

- Ach was soll... - Wenn ihr nicht still seid, verderbt ihr alles.

Du könntest uns wenigstens sagen, was uns erwartet.

Nein, dann wäre es ja keine Überraschung. Ganz leise jetzt.

- Nicht aufhören! - Nein, mach weiter, Venus, wir wollen zusehen.

Es ist wirklich sehr aufregend.

Verzeih mir, Marie, aber Pierre hat mich dazu gezwungen.

Du brauchst dich nicht dafür zu entschuldigen, Liebes.

Und die Kleine ist ja auch wirklich entzückend.

Pierre, ich hoffe, du willst sie nicht für dich allein behalten.

Aber nein, wie kommst du denn auf die Idee?

Wollen wir doch mal überlegen,

wer von euch als nächste das Vergnügen mit Louise haben sollte.

Na, lieber Freund, wie wäre es denn? Hättest du nicht Lust, ihren Appetit zu wecken?

Na los, worauf wartest du? Fang an!

Komm jetzt, Liebes. Hier können wir im Moment sowieso nichts tun.

Doch, ich werde schon etwas tun. Ich habe die Nase voll von euch.

Hier ist dein Kleid!

Beteiligt euch! Aber nie mehr als drei, bitte.

Ich hoffe, ihr amüsiert euch gut, Freunde. Hervorragend! Nur nicht aufhören!

Ja, im Ernst. Ganz fabelhaft.

- Wo ist denn Venus? - Sie ist weg- gegangen, und das ist deine Schuld.

Bloß weil du das hier veranstalten musstest!

Armand.

So, das ist also das Atelier eines Genies.

Wirklich nicht sehr komfortabel.

Ich hab jetzt schon seit zwei Wochen nichts von dir gehört,

und deshalb wollte ich mal nachsehen, wie es dir geht.

Ich habe gearbeitet. Tag und Nacht.

Und jetzt bin ich endlich damit fertig geworden.

Es scheint, als hättest du die ganze Zeit nichts gegessen.

Und offenbar auch nichts getrunken.

Seit Venus weggegangen ist, trinke ich keinen Alkohol mehr.

- Weißt du, wo sich sich jetzt aufhält? - Ich habe keine Ahnung.

Im Übrigen wird sie immer bei mir bleiben.

- Sie ist ständig hier. - Was meinst du damit, Armand?

Überwältigend.

Das ist die beste Arbeit, die du jemals gemacht hast.

- Ich werde sie kaufen, nenn mir den Preis! - Tut mir leid, sie ist unverkäuflich.

Jetzt werde nicht kindisch. Ich bin sicher, du hast keinen Franc in der Tasche.

Das ist mir gleichgültig.

Venus wird mich niemals verlassen.

Na schön. Auch gut. Wenn ich also Venus nicht im Haus haben kann,

dann werde ich meine Freunde eben hierher einladen müssen,

um sie sich anzusehen. Schade.

Aber vielleicht änderst du deine Meinung auch noch,

wenn du ein wenig abgelenkt wirst.

Hör zu, Armand. Mein Freund, du hast sehr hart gearbeitet.

Du brauchst jetzt etwas Abwechslung.

Ich werde hier bei dir ein Fest geben. Ein richtiges Atelier-Fest.

Du musst dich um überhaupt nichts kümmern.

Weder um das Essen noch um den Wein. Und auch nicht um die Mädchen.

Wenn du willst, kannst du alle deine Freunde einladen.

- Ich hab all meine Freunde verloren. - Red doch keinen Unsinn!

Und sie wird der Mittelpunkt sein.

Dein Werk. Die schwarze Venus.

Nicht so viel!

- Sehr originell hier. - Ja!

Hey, warum kommst du nicht zu uns und amüsierst dich, Armand?

Oh, ich glaube, jetzt habe ich verstan- den. Du denkst, sie beobachtet dich.

Mach sie doch mal eifersüchtig.

Los, kommt! Ihr müsst ihn etwas ablenken.

Armand hat nämlich den Ruf eines großen Liebhabers.

Überzeugt euch doch!

Ist es wahr, Armand?

Besser ihr lasst mich in Ruhe!

Achtet gar nicht auf das, was er sagt! Schenkt ihm nur Freude!

Lasst mich allein!

Jacques, es ist schon spät geworden. Und außerdem ist es hier langweilig.

Gehen wir doch lieber ein bisschen zu mir.

Es tut mir leid, ich hab dir dein schönes Fest versaut.

Das macht nichts.

Vielleicht ist die Idee doch nicht so gut gewesen, wie ich gedacht habe.

Ich werde jetzt wohl auch gehen. Aber vergiss nicht,

wenn du irgendwann deine Meinung ändern solltest, lass es mich wissen.

Ich würde es wie meinen Aug- apfel hüten. Dein Meisterwerk.

- Du weißt doch, es ist nicht zu verkaufen. - Natürlich, natürlich.

Aber trotzdem, auch du brauchst Geld, um zu leben.

- Gute Nacht und vielen Dank für das Fest. - Keine Ursache, mein Freund.

Viel Vergnügen mit deiner Geliebten.

Bitte halten Sie an! Anhalten!

- Louis. Louis. Louis! - Venus.

- Schön, dich wiederzusehen. - Wie ist es dir ergangen?

Pierre hat mich rausgeworfen. In das Geschäft konnte ich nicht zurückgehen.

- Also hab ich was Neues angefangen. - Und wie kommst du zurecht?

- Es geht so. - Und du? - Ach, ich arbeite wieder für diese Schneiderin.

- Und bist du da zufrieden? - Ich lebe davon. - Verstehe ich nicht.

- Du könntest eine Menge Geld verdienen. - Eine Menge Geld? - Ja.

- Aber wie denn? - In einem Etablisse- ment, und zwar in einem sehr guten.

- Ich glaube nicht, dass ich es nur für Geld tun will. - Sicher tust du es.

Es ist nur eine Frage des Preises. Wenn sie dich sehen, erhöhen sie freiwillig.

Ganz bestimmt. Vergiss deine Vorurteile.

- Also ich weiß nicht. - Warum, hast du einen Liebhaber? Wer ist es?

- Jemand, den ich schon sehr lange kenne. - Er bezahlt dir deine Miete.

Er kann nicht mal seine eigene zahlen. Ich hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen.

Dann vergiss doch den Knaben. Zur Hölle mit den Männern.

Es reicht doch, wenn sie dafür bezahlen.

Na schön, lassen wir alle Männer dafür bezahlen.

Danke.

Monsieur.

Und nun, meine Herren, gestatten Sie mir das besondere Vergnügen,

Ihnen unsere Neuerwer- bungen zu präsentieren.

Zuerst ein delikater Appetithappen aus dem Norden. Ingrid aus Schweden.

Unser nächstes Gericht kommt aus England, dessen Küche uns unerträglich erscheint.

Aber ich bin sicher, Sie werden die frische Inselluft genießen. Das ist Rose.

Und nun, mein geschätzter Monsieur Innenminister,

präsentiere ich Ihnen ein Gewächs Ihres Landes.

Eine kleine Französin, die alles für Sie tun wird.

In der Tat, Madame. Für die würde ich mich wirklich interessieren, und ich zahle gut.

Für den Schluss, Monsieur, hab ich was ganz Besonderes für Sie.

Ein exotisches Früchtchen frisch aus der Karibik.

Allerdings schon sehr gefragt, ich bitte sich nicht darum zu streiten.

Ein Traum der Südsee für Sie, meine Herren. Er wird Realität. Venus.

Als Diplomat genieße ich doch gewisse Privilegien.

Treffen wir uns nachher?

- Achtung. - Darf ich bitten, Mademoiselle.

Meine Herren, mir scheint, Sie haben beide dieselbe Speise gewählt.

Als Diplomat erwarte ich eine gewisse Bevorzugung.

Als Staatsminister unseres Landes darf ich mich wohl als erster entscheiden.

Ihre Ansprüche sind gleichrangig.

Es steht uns nicht zu, einen von Ihnen zu bevorzugen.

Venus, du wirst dein Bestes tun, beide Herren zufriedenzustellen.

- In diesem Fall bestehe ich auf den ersten Schuss. - Das kann ich nicht akzeptieren.

Ich vertrete ein Weltreich. Wollen Sie ein Konflikt heraufbeschwören?

Aber Monsieur, wir wollen doch versuchen, jede Auseinandersetzung zu vermeiden.

Seit Napoleon kann sich Frankreich keinen Krieg mehr mit Russland leisten.

Venus, keiner von ihnen darf bevorzugt werden.

- Keiner? - Ganz recht. Oder willst du eine neue Niederlage Frankreichs verursachen?

Bring diese beiden Herren in die Fürstensuite.

Als Getränk bevorzugen sie Champagner.

Mademoiselle.

Immer die.

Noch lebendig?

Ja.

- Wenn man so was noch Leben nennen kann. - Das ist jetzt meine letzte Mahnung.

Bis morgen wird gezahlt oder Sie ziehen aus!

Die Statue bleibt hier! Es sei denn, Sie können das Geld auftreiben.

- Wo ist eigentlich das Modell? - Ich hab keine Ahnung.

War eine richtige kleine Hure.

Also, wir sehen uns dann morgen.

Interessiert Sie die Kleine?

Wie lange ist sie denn schon bei Ihnen?

Ein paar Monate. Übrigens sehr gefragt.

Ich würde mich gerne mit ihr unterhalten.

Ich fürchte, sie wird heute zu müde dafür sein.

Es ist aber sehr wichtig. Ich muss mich unter allen Umständen mit ihr unterhalten.

Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann.

Ich muss Sie allerdings bitten, sich etwas zu gedulden.

- Wenn Sie im Salon Platz nehmen wollen? - Danke. Ich bin Ihnen sehr verbunden.

- Sie? Was wollen Sie hier? - Nur mit Ihnen sprechen.

- Gut. Sprechen Sie. - Haben Sie inzwischen was von Armand gehört?

Nein, das habe ich nicht, und er weiß auch nicht, wo ich bin.

Aber er hat Sie nicht vergessen. Er hat die Statue vollendet.

Eine besonders gute Arbeit. Die Ähnlichkeit ist faszinierend.

- Und wie geht es ihm? - Ich habe ihn seit einiger Zeit nicht gesehen.

Aber zuletzt ist er nahe am Verhungern gewesen.

Ich wollte ihm die Statue ab- kaufen, aber er hat abgelehnt.

Geben Sie ihm etwas Geld. Sie können doch helfen.

- Ich will nicht, dass er stirbt. - Ich will die Statue haben.

Kaufen Sie sie. Sie wird ihm doch nur Unglück bringen.

- Und was ist mit Ihnen? - Mir geht es gut.

Sie können doch hier nicht glücklich sein. Sie nicht! Das weiß ich genau.

Es ist ein Weg Geld zu verdienen. Bitte, versprechen Sie mir, dass Sie Armand helfen.

Ich tue mein Bestes.

Gute Nacht.

- Wer ist der Mann gewesen? - Jemand, den ich noch von früher kenne.

- Hast du ihn geliebt? - Nein. Aber er brachte mir eine Nachricht von ihm.

- Wohl keine gute. - Nein, eine schlechte.

Er ist sehr krank geworden, und vielleicht stirbt er.

Oh, Louise.

Du bist meine einzige Freundin. Du darfst mich nie verlassen.

- Wenn du mir das auch versprichst? - Ja.

Ja, ich verspreche es dir.

Jacques. Jacques, was willst du hier?

Venus bat mich, mich um dich zu kümmern.

- Weißt du, wo sie ist? - Ja, aber ich darf es dir nicht sagen.

Sie hat mich gebeten, dir zu helfen.

- Und die Statue mitzunehmen. - Nein! Nein! Nein!

Ich habe einen Arzt hergerufen und einen neuen Ofen gekauft.

Du wirst ab jetzt nicht mehr frieren und genug zu essen haben.

Aber du weißt doch genau, dass ich das niemals bezahlen kann.

Hier sind 5000 Franc für dich.

Ich denke, damit kannst du mindestens ein halbes Jahr leben.

Nein! Ich will kein Geld von dir haben. Ich will nur...

So hatte ich die Statue doch noch bekommen.

Doch obwohl ich hätte glücklich und zufrieden sein müssen,

war ich unruhig und rastlos.

Und nicht mal der Anblick von Venus' Eben- bild konnte mein Unbehagen zerstreuen.

Und so kam ich zu den Entschluss, mich in mein Haus in Spanien zurückzuziehen.

Aber bevor ich dorthin abreiste, beschloss ich meine Sammlung zu komplettieren.

Monsieur?

- Jules? Wir werden morgen früh nach Spanien reisen. - Ja, Monsieur.

Die Statue muss außerordentlich sorgfältig verpackt werden.

- Ich beabsichtige sie mitzunehmen. - Ja, Monsieur.

Ach, Jules, kümmere dich doch bitte um die junge Dame, von der ich dir erzählt habe.

Ich werde alles Nötige veranlassen, Monsieur.

Sie müssen ihr ein Ausfall- honorar zahlen, Jacques.

Nein!

Nein! Nein!

Unsere Reise nach Spanien dauerte mehrere Wochen.

Mit jedem Tag, dem wir dem Süden näher kamen,

fühlte ich mich wohler und beschwingter.

Wir hatten den Winter und das verschneite Paris hinter uns gelassen

und wurden von einem milden Frühling an der spanischen Küste empfangen.

Die Bediensteten waren rechtzeitig von unserer Ankunft informiert worden

und hatten alles so vorbereitet,

dass einem längeren Aufenthalt nichts mehr im Weg stand.

Venus und Louise gingen täglich zum nahen menschenleeren Strand.

Sie bewegten sich dort mit der Ausgelassenheit

und Ungezwungenheit zweier junger Stuten.

Fühlst du dich nicht manchmal so, als ob du von dir selbst beobachtet würdest?

Ach, Unsinn.

Komm!

Sehr gut! Das Essen ist wirklich ausgezeichnet.

Ist es nicht eine wundervolle Nacht?

- Ja. Und Paris ist so weit von hier entfernt. - Gott sei Dank.

Erinnerst du dich, dass ich dich einmal fragte, ob du glücklich seist?

Jetzt möchte ich dich noch einmal fragen.

Ich glaube, das Wort Glück ist für mich unzureichend.

Glück ist doch nur ein Wort. Und ich fühle mehr als nur das.

Aber vielleicht nennt man dieses Gefühl Glück, und ich verdanke es dir allein.

Niemand anderem, Jacques.

Ich genieße es, mit euch hier zu sein.

Nur wir drei.

Oder vielleicht sollte ich lieber vier sagen?

Nein, ich habe heute keine Lust. Wir machen irgendwas anderes. Einverstanden?

- Gut. Wie wäre es denn mit Angeln? - Hier? Wie denn?

Ich habe das Gefühl, dass uns jemand verfolgt.

Wer soll uns denn hier schon verfolgen?

Ich weiß auch nicht.

Wahrscheinlich Einbildung.

- Sieh mal da! - Ich kann nichts erkennen. - Da ist einer gewesen.

Ich glaube, die Sonne ist dir nicht bekommen. Du siehst schon Gespenster.

Uns ist heute was merk- würdiges passiert, Jacques.

Venus hat jemanden gesehen, der uns beobachtet hat.

Es ist wahrscheinlich nur Einbildung gewesen.

Ich werde trotzdem einmal mit Jules reden.

Vielleicht ist es angebracht, ein paar Leute einzustellen, die auf euch achten.

Ich möchte nämlich unter allen Umständen vermeiden, dass ihr belästigt werdet.

Musik! Wir wollen Musik!

Und noch etwas Wein, Jules!

Es ist also keine Einbildung gewesen.

Du hast uns die ganze Zeit beobachtet.

- Ich bin gekommen, um mein Eigentum zu holen. - Du hast sie an Jacques verkauft.

Er hat mich betrogen. Ich bin krank gewesen. Er hat sie gestohlen.

Dann bist du also nur wegen der Statue gekommen?

- Du glaubst also, dass ich dich noch liebe. - Du empfindest nichts mehr?

Du verfolgst mich in meinen Träumen und in meinen Alpträumen.

Du bist meine Hoffnung gewesen.

- Und du hast mich zerstört. - Ich wollte dir wirklich nicht wehtun, Armand.

Weder dir noch jemand anderem.

- Venus? Ist es...? - Ja. Das ist Armand. - Ich komme ungelegen.

Aber ich muss dir eine Frage stellen. Und du musst dich entscheiden.

Willst du mit mir von hier weggehen?

Ich denke, du willst nur deine Statue zurückhaben?

- Ich will alles zurück, was mir genommen wurde! - Armand, sei nicht albern!

Das Personal ist bewaffnet.

- Und ich auch! - Der Sammler und der Beschützer.

Du hast alles nur gestohlen! Du Dieb!

Diesmal werde ich dir das Geschäft verderben.

- Warum? Warum hast du das getan? - Jacques, du musst gut auf sie aufpassen.

Armand.

Er hat sich erschossen, Venus.

Holt auf der Stelle einen Arzt!

Du darfst dich nicht aufregen. Sei ganz ruhig. Es wird alles wieder gut, Venus.

Hat er noch irgendwas gesagt, bevor er starb?

Ja, Venus, ja. Er sagte: Pass gut auf sie auf.

Aber er musste doch denken, ich sei schon tot.

Nun vielleicht hat er auch etwas anderes damit gemeint.

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