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Original subtitles

* Musik *

(Junge singt)

In diesem Augenblick schwor ich mir,

mich an Paul Sch�fer zu r�chen.

Salo Luna war einer von vielen,

die Sektenf�hrer Paul Sch�fer in �ber 30 Jahren missbraucht hat.

30 Jahre lang war das Reich des Sektenf�hrers Paul Sch�fer

ein Staat im Staate.

Zu Beginn der 90er-Jahre versuchte die chilenische Regierung,

die Kolonie zu schlie�en.

(alle schreien durcheinander)

Sie rechnete aber nicht damit,

dass es ein harter, jahrelanger Kampf werden w�rde.

* Musik *

* Donnern *

Im Jahr 1991 schienen die Tage der Colonia Dignidad gez�hlt.

Eine neue Regierung ordnete die Schlie�ung des Krankenhauses an.

Dann bekam sie die Gemeinn�tzigkeit aberkannt

und sollte zuk�nftig auch Steuern zahlen.

Da habe ich mitbekommen, dass die Aktenordner durchgesehen wurden,

viele Sachen rausgenommen und durch den Papierwolf gelassen wurden.

Bis dahin arbeiteten die Kolonisten ohne Lohn und Vertr�ge.

Aber nach innen wurde uns gesagt:

Ihr habt jetzt eure Arbeitsvertr�ge,

aber ihr braucht doch gar kein Geld.

Also, wir machen das jetzt so.

Ihr unterschreibt eure Arbeitsvertr�ge,

dass ihr das Geld erhalten habt.

Seid ihr damit einverstanden?

Haben wir Ja gesagt, wir brauchen das Geld nicht.

Paul Sch�fer privatisierte die Betriebe der Kolonie

und �berschrieb sie an Mitglieder aus seiner F�hrungsriege.

Es ist unertr�glich, dass gegen diese Mafia

keine harte Hand durchgegriffen hat

und hat gesagt, jetzt ist Schluss.

Ihr verkr�melt euch aus diesem Land,

wir wollen euch hier nicht mehr haben.

Wolfgang Kneese wurde als Kind

von Paul Sch�fer missbraucht und misshandelt.

5 Jahre war er in der Kolonie gefangen,

bis ihm 1966 als Erster die Flucht gelang.

Er informierte die deutsche Botschaft in Santiago

und auch das Ausw�rtige Amt in Bonn �ber die Verbrechen,

die dort geschahen.

Jahrzehnte k�mpfte er darum,

dass die deutschen Politiker die Bewohner der Kolonie befreiten.

Vergeblich.

Als 1991 Bundeskanzler Helmut Kohl eine Chilereise plante,

sprach er gemeinsam mit Angeh�rigen von Bewohnern der Colonia

im Kanzleramt vor.

Wir sind achtkantig rausgeflogen.

Wir haben einen Tritt in den Hintern gekriegt,

man hat uns nicht geholfen.

Dennoch hoffte Wolfgang Kneese,

dass der Staatsbesuch des Bundeskanzlers

endlich etwas an der deutschen Tatenlosigkeit ver�ndern w�rde.

(Kohl) F�r uns Deutsche ist es ganz wichtig...

...dass diese Siedlung voll zug�nglich ist.

Dass garantiert ist, dass niemand, auch nicht deutsche Staatsb�rger,

dort unmenschlich behandelt werden.

Ich habe alles Zutrauen zum Pr�sidenten und seiner Regierung,

dass das, was uns m�glicherweise beschwert,

eine volle Aufkl�rung erf�hrt.

Damit machte Helmut Kohl im Namen der deutschen Bundesregierung

die Kolonie und ihre 300 deutschen Bewohner

zu einer rein chilenischen Angelegenheit.

Das ist unterlassene Hilfeleistung im Amt.

Das ist noch die harmloseste Formulierung.

Es kann nicht angehen, dass Politiker...

...einfach die Menschen da dr�ben verrecken lassen,

weil das System, was man politisch mit Lateinamerika und Chile hat,

nicht gest�rt werden darf.

Die deutsche Regierung machte nichts weiter.

Und die neue chilenische schien Paul Sch�fer und seinem

�ber Jahrzehnte vor Ort aufgebauten Netzwerk nicht gewachsen.

Geschickt mobilisierte er nun die Bewohner der Region.

(Mann) Viva la Colonia Dignidad. (alle) Viva.

Er gr�ndete Patientenkomitees, die verhindern sollten,

dass Presse, Polizei und Steuer- pr�fung auf das Gel�nde kamen.

Und die protestierten auch f�r die Wiederer�ffnung des Krankenhauses.

Jahrzehntelang wurden sie dort kostenlos behandelt.

Die wohlt�tige Arbeit war f�r Paul Sch�fer

die perfekte Tarnung seiner Verbrechen.

�ber ein Jahr dauerten die Proteste der einheimischen Bev�lkerung

gegen die Schlie�ung des Krankenhaues an.

So lange, bis ein chilenisches Gericht dem Druck nachgab

und erlaubte, im Krankenhaus wieder Patienten behandeln zu d�rfen.

* Musik *

(Frau) Viva.

Viva.

Erneut hatte Paul Sch�fer

den chilenischen Staat in die Knie gezwungen.

Um seine Macht weiter auszubauen, band er die Menschen in der Region

noch st�rker an sich und �ffnete die Kolonie f�r ihre Kinder.

Sie kamen in den Ferien und an den Wochenenden.

(Chor singt) ? Cumpleanos feliz...

...cumpleanos feliz. ?

F�r mich war es fast wie im Paradies.

* Musik *

Alles drehte sich nun um die chilenischen Kinder.

Doch nicht allen gefiel das.

Ich habe eine richtige Wut darauf gehabt,

dass da so eine Massenauflauf war von chilenischen Kindern.

Wir haben gearbeitet, z.T. Nachtschicht, mussten s�en,

wir mussten ernten, Erbsen ernten, Bohnen ernten nachts.

Am Wochenende ging das immer durch.

Und die haben... Die haben alle Vorz�ge gekriegt.

Paul Sch�fer zeigte offen, wen er nun beg�nstigte.

Jedes chilenische Kind bekam Geschenke.

Spielzeug, das die Kinder in der Kolonie selbst nie hatten.

Die haben z.T. in unseren Betten geschlafen,

in den Waschr�umen sich gewaschen.

Man hat sich Gedanken gemacht: Warum werde ich jetzt abgeschoben?

Aufgrund der Trennung der Familien und Geschlechter

gab es in der Kolonie keinen deutschen Nachwuchs mehr.

Paul Sch�fer wollte Jungen und gr�ndete das "Intensiv-Internat".

Er lie� sogar im chilenischen Fernsehen daf�r werben.

Das klang dann so:

* Musik *

(Sprecher) Hier k�nnen Jugendliche gemeinsam Spa� haben.

Ohne die erotischen Vergiftungen,

die es an anderen �ffentlichen Orten gibt.

(Laube) Der Sch�fer ging mit einem kleinen Jungen da lang.

Ich ging hinterher und er merkte nicht, dass ich hinter ihm gehe.

Und sehe, wie dann so, der Junge geht neben ihm,

rutscht seine Hand in die Hose bei dem Jungen vorne rein.

Ich denk, ich seh nicht richtig.

Dann dachte ich, jetzt f�ngt der das mit denen auch an.

Jaime Parra war einer dieser Internatssch�ler.

Von zu Hause wusste ich,

es ist nicht richtig, wenn jemand kommt und mich anfasst.

Das ist einfach nicht richtig.

Auch der 15 Jahre alte Salo Luna wurde von Paul Sch�fer geholt.

Dann hat er mich geduscht.

Er ber�hrte meine Genitalien,

seifte mich ein und fragte, ob es mich errege.

Ich sagte, nein, es st�rt mich.

Salo Luna wehrte sich stundenlang.

Er wurde w�tend und fragte, gefalle ich dir nicht?

Widere ich dich etwa an?

Und ich antwortete, ja, Sie widern mich an.

Widerstand war Sch�fer nicht gewohnt.

Die deutschen Kinder hatten sich gef�gt.

Sie wussten nicht, dass es Missbrauch war.

(Parra) Als wir uns wehrten, haben sie uns Medikamente gegeben.

Ich wei� nicht, welche.

Auf alle F�lle machten sie uns schl�frig.

Und oft verloren wir das Bewusstsein.

Paul Sch�fer qu�lte und vergewaltigte

den ohnm�chtigen Jungen.

Wir kamen dann an einem anderen Ort wieder zu uns

und hatten Schmerzen am ganzen K�rper.

Wir wussten nicht, woher.

Ich erinnere, dass ich in einem Zimmer war,

sie mir Medikamente und ein Glas Wasser gaben.

Ein Mann hat mir pers�nlich die Tabletten gegeben.

Es war Hartmut Hopp.

Hartmut Hopp leitete seit vielen Jahren das Krankenhaus der Kolonie

und geh�rte zur F�hrungsriege um Sch�fer.

Er hat uns so wehgetan.

Er war die rechte Hand von Paul Sch�fer.

F�r die chilenischen Jungen gab es kein Entkommen,

denn jeglicher Kontakt mit den Eltern wurde verhindert.

Jaime Parra traf sich heimlich mit anderen chilenischen Jungen.

Wir haben miteinander geredet und geweint.

Wir sprachen es nicht direkt aus, weil wir uns so sch�mten,

�ber das zu reden, was wir durchmachten.

Wir sprachen so, wie es Kinder tun.

W�rter wie: "Hey, er hat mich ber�hrt".

"Mich auch".

Ein anderer Junge, der in der Kolonie gefangen

und von Paul Sch�fer missbraucht wurde,

war der 12 Jahre alte Cristobal.

Heimlich nahm er Stift und Papier mit auf die Toilette.

Da auch dieser Ort von Kameras �berwacht wurde,

l�schte er das Licht.

Dann schrieb er:

"Liebe Mama, er ber�hrt mich.

Er steckt ihn mir rein."

Wochen trug er den Zettel mit sich rum.

Bis er einen Jungen fand,

der nur an den Wochenenden die Kolonie besuchte.

Dieser schmuggelte die Zeilen hinaus

und brachte sie zu Cristobals Mutter.

2 Tage sp�ter holte sie ihren Sohn unter einem Vorwand raus.

Da sie der �rtlichen Polizei nicht traute,

erstattete sie in der Hauptstadt Santiago wegen Missbrauch

Anzeige gegen Paul Sch�fer.

Der Fall ist an die 5. Abteilung der Kriminalpolizei

weitergeleitet worden.

Zu dieser Zeit war ich deren Chef.

Im Juni 1996 begann Luis Henr�quez seine Ermittlungen.

Zuerst nahmen wir das Krankenhaus unter die Lupe

und fanden heraus,

dass es vom chilenischen Staat finanziert wurde.

Alle haben immer gedacht, es sei ein humanit�res Werk.

Aber das hat gar nicht gestimmt.

Kurz darauf entdeckte er einen Vorgang aus dem Jahr 1966.

Die Akte "Wolfgang Kneese gegen Paul Sch�fer".

Dann rief mich ein ehemaliges Mitglied

des chilenischen Geheimdienstes an und sagte:

Wolfgang, willst du nicht mal nach Chile kommen?

Die Kriminalpolizei und das Gericht m�chte mit dir reden.

Mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten,

gab mir das Gef�hl, dass ich das 1. Mal in dieser Angelegenheit

wirklich von offizieller Stelle ernstgenommen wurde.

Nach mehreren Monaten

reichten die Indizien der chilenischen Kriminalpolizei aus

f�r einen Haftbefehl gegen Paul Sch�fer.

* unverst�ndliche Durchsage *

Dann wurde eine Durchsage gemacht, "Sie kommen".

Und dann sind wir alle aus dem Bett geflogen, haben uns angezogen.

Doch dank seiner guten Kontakte zur �rtlichen Polizei

hatte Paul Sch�fer schon vorher von dieser Durchsuchung erfahren.

Sch�fer hatte organisiert,

immer an verschiedenen Stellen Feuer zu machen.

Vom Turm aus waren Lautsprecher drauf, wo der Aufzug ist.

Dann wurde da aufgenommenes Glockengel�ute laufen lassen.

* Glockenl�uten *

(Matthusen) Auf Anweisung von Sch�fer,

wir sollten einfach nicht mitgehen.

Einfach schleifen lassen,

dann sollen sie uns tragen und schleifen.

Das hab ich dann auch gemacht.

Sch�fer hatte ihnen eingebl�ut,

dass es sich um eine Pr�fung Gottes handele.

Das ist ein Verbrechen, was hier getrieben wird.

Verbrechen! Verbrechen!

Wir haben verteidigt, wo wir konnten.

Verhindern und vor die Wagen gelegt,

damit die nicht weiterfahren k�nnen.

Schlie�lich �berwand die Polizei die Barrikaden

und suchte das Zimmer des Anf�hrers.

Die Kolonisten filmten heimlich alles.

Hier ist der Cristobal. - Wo?

Da, der Gr�ne, in dem gr�nen Hemd.

* Glockenl�uten *

Die Polizei hatte Cristobal mitgebracht.

Jetzt geht er rein.

Er f�hrte sie zu Paul Sch�fers Schlafzimmer.

Alle Oberteufel sind da.

Doch in Sch�fers Zimmer kamen sie nicht rein.

(Henr�quez) Die Fenster waren gepanzert.

Und die T�ren waren verst�rkt.

Eine Durchsuchung war unm�glich.

Wir h�tten Sprengstoff benutzen m�ssen.

Das wurde jedoch von unserem Durchsuchungsbeschluss

nicht gedeckt.

Au�erdem wurde die ganze Zeit von den D�chern

mit Gewehren auf uns gezielt.

Luis Henr�quez wusste, dass die Kolonisten viele Waffen hatten.

Aus Angst vor einem Massaker zog er seine Truppen ab.

Kaum hatten sie das Gel�nde ger�umt,

tauchte Paul Sch�fer auch schon wieder auf.

Am Abend, da hab ich eine gute Nummer beim Sch�fer gehabt,

dass ich so tapfer war und mich hab schleifen lassen.

Weil ich noch so �berzeugt war, dass es doch alles richtig war.

? Und wenn wir marschieren, dann leuchtet uns ein Licht,

das Dunkel und Wolken strahlend durchbricht,

das Dunkel und Wolken strahlend durchbricht. ?

Wenige Wochen sp�ter st�rmte die Polizei erneut in die Kolonie.

Doch wieder war Paul Sch�fer weg, und niemand verriet, wo er war.

Luis Henr�quez wandte sich ein weiteres Mal an Wolfgang Kneese.

Er hatte mich gebeten, in deutscher Sprache ein Tonband zu besprechen.

Das wollte er dann von einem Wagen innerhalb der Kolonie abspielen.

Da kam einmal ein, zusammen mit dieser Intervention von der Polizei

kam ein Lautsprecherwagen.

Ist �berall rumgefahren und hat gesagt:

"Wir suchen Paul Sch�fer...

...der Kindesmissbrauch treibt.

Und er hat auch Ihre Kinder missbraucht."

Aber...

Wir haben das geh�rt.

Ich wusste nicht, wovon die Rede war.

Die Mutter von Jaime Parra, durch Zeitungsartikel aufgeschreckt,

wollte ihren Sohn aus der Kolonie holen.

Doch Dutzende Male wurde sie am Eingangstor abgewiesen.

Erst als sie mit der Polizei kam, lie� man sie durch.

Vertraute von Paul Sch�fer nahmen sie in Empfang

und filmten dieses Treffen mit einer versteckten Kamera.

Sie steht hier vor der T�r. - Ja. Allein?

Allein.

Das ist ja mutig.

Kommen Sie. Guten Tag.

Bitte nehmen Sie doch Platz.

Sagen Sie mir: Was w�nschen Sie?

Ich komme wegen Jaime.

Ich bin seine Mama und m�chte ihn mitnehmen.

Ja. Und? Warum kommen Sie mit der Kriminalpolizei?

Weil ich sie gebeten habe, mich zu unterst�tzen.

W�hrend die Mutter mit den M�nnern der F�hrungsriege verhandelte,

lie� Paul Sch�fer Jaime scharf befragen.

Jaime, kennst du deine Mutter �berhaupt?

Ja. - Liebst du sie?

Nein!

Wovor hast du Angst, Jaime?

Dass die Polizisten mich mitnehmen.

Sch�fer hatte mir gesagt:

Die Hunde der Kriminalpolizei werden dich verhaften

und in ein Loch werfen.

Paul Sch�fer lie� v.a. aus einem Grund filmen.

Das Material ging an chilenische Fernsehsender

und wurde dort ausgestrahlt.

Es sollte beweisen,

dass der Vorwurf der Kindesmisshandlung haltlos war.

"Auf Wiedersehen, es ist jetzt vorbei.

Wir verabschieden Jaime,

denn er muss jetzt gehen.

Im Sommer bl�ht der Weizen.

Der Winter bringt Eisesk�lte.

Dann wird er wiederkommen."

Jetzt gibt ihm jeder die Hand.

Ciao.

* Musik *

(Parra) Ciao. (alle) Ciao.

Daraufhin lud Paul Sch�fer sogar chilenische Pressevertreter ein,

die die Kolonisten interviewen durften.

(Reporter) Seid ihr sicher,

dass hier nie ein Kind missbraucht oder gefoltert wurde?

Nein, mit Sicherheit hat hier nie ein Kind gelitten.

Sie waren gl�cklich mit uns.

Und jetzt nimmt man sie uns weg.

(Reporter) Es wird erz�hlt,

mit euch habe man eine Gehirnw�sche gemacht

und dass ihr nach eisernen Regeln leben m�sst.

Oder ist das nicht so?

(alle) Nein, niemals.

(Mann) Das ist eine Verleumdung.

Ich bin von Paul Sch�fer schon in Deutschland aufgezogen worden.

Ich kenne niemanden, der eine klarere Pers�nlichkeit hat als er.

Wir sind von ihm erzogen worden.

Sehen wir wie Kriminelle aus?

Das ist politische Verfolgung, sonst nichts.

Dieser Mann ist zu keiner b�sen Tat f�hig.

Das k�nnen wir alle bezeugen.

Doch zum 1. Mal reichten die Propagandabilder nicht mehr,

um die Kolonie aus dem Visier der Ermittler zu bringen.

Luis Henr�quez machte weiter

und wandte sich auch mehrfach an den Bundesnachrichtendienst.

Mir ist aufgefallen, dass die deutschen Geheimdienstorgane

gar kein Interesse an der Villa Baviera hatten.

Nie, niemals.

Ich habe mit ihnen gesprochen, aber ihr Argument war immer:

Das ist ein Problem von Chile und der chilenischen Gesetzgebung.

7-mal lie� Luis Henr�quez die Kolonie st�rmen.

Auf der Suche nach Paul Sch�fer durchk�mmten seine Leute

wieder und wieder St�lle, Werkst�tten und Wohnh�user.

Am h�ufigsten durchsuchten sie das Krankenhaus.

Auch viele Kolonisten wussten nicht, wo Paul Sch�fer war.

Wir sollten den Schrank nicht abr�cken.

Mich hat interessiert, warum wir den nicht abr�cken sollten.

Ich hab den Schrank weggenommen, da hab ich die Matratze gesehen.

Der Schrank, hinten im OP, f�hrte zu einem geheimen Raum.

So kam auch diese Situation zustande,

dass Sch�fer hinter dem Schrank auf der Matratze lag

und Hopp bewusst vorne operiert hat.

Damit die von der Kripo nicht reinkonnten mit ihren Hunden.

Wir sind etwas besorgt, weil wir unser Ziel nicht erreicht haben.

Aber dazu sage ich, wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln.

Wir werden Paul Sch�fer suchen und vor Gericht stellen.

Luis Henr�quez erh�hte den Druck auf die Bewohner.

Ihm gelang eine richterliche Verf�gung.

Alle minderj�hrigen deutschen Kinder der Kolonie

sollten in ein staatliches Heim, da sie nicht bei ihren Eltern wohnten.

Wieder erfuhr Paul Sch�fer eher davon und ordnete an,

die Kinder zu verstecken.

Manche sogar gemeinsam mit den leiblichen Eltern.

Dann haben sie uns versprochen, wenn wir mit einem Leihwagen

in die Berge fahren mit Zelten, wenn wir das machen w�rden,

dann w�rden sie uns die Kinder nachbringen.

Sie waren viele Jahre verheiratet und hatten 2 Kinder.

Beide hatten sie wenige Tage nach deren Geburt

im Kinderhaus abgeben m�ssen.

Nun fuhr das Paar in die Berge.

Dort sollten sie, so der Plan von Paul Sch�fer,

zusammenfinden und sp�ter in die Kolonie zur�ckkehren,

um den Ermittlern eine gl�ckliche Familie vorzuspielen.

Als sie dann oben ankamen und wir pl�tzlich Papa und Mama waren,

dann war das eine gro�e �berraschung.

Oder vielleicht auch Entt�uschung, das k�nnen wir nicht sagen.

(Bohnau) Ich meine, es war ein Schock.

(Malessa) Es war ein Schock, auf jeden Fall.

Erst mal haben sie gefragt, was Eltern sind. - Ach ja, das auch.

Die wussten gar nicht, was das ist.

Willi Malessa und Edeltraud Bohnau begriffen,

dass das ihre Chance war, den F�ngen der Sekte zu entkommen.

Der deutschen Botschaft in Santiago vertrauten sie nicht.

Sie versteckten sich bei einem chilenischen Bauern.

Dort �bten sie, als Familie zusammenzuleben.

Ich habe den Kindern erkl�rt...

...dass mit uns viel passiert ist.

Und dass wir alle aus einer Kolonie kommen.

Und alle m�ssen wir was Neues lernen, auch Papa und Mama.

Der Druck auf die Kolonie wurde immer st�rker.

Im Juni 1997 lief die gr��te Durchsuchungsaktion an.

* Musik *

Dass Sch�fer Angst hatte, hat sich dadurch gezeigt,

dass er abends und nachts Versammlungen einberufen hatte,

wo die ganze Gemeinde erscheinen musste.

Wir m�ssen die T�r schlie�en und m�ssen beten.

Weil es nicht anders geht.

Vielleicht kommt was auf uns zu, die ganze Lage im Lande.

Ich meine, wir m�ssen beten. - Ja.

Jede Nacht

beseitigten die M�nner die Spuren ihrer fr�heren Straftaten.

Sie verbrannten Dokumente und Filmmaterial.

Sie vergruben Granaten, Feuerwerfer, Bomben und Pistolen

oder versenkten sie im Fluss.

Und da kam der Moment,

wo er einmal eine Gemeindeversammlung einberufen hat,

abends, und hat vor der ganzen Gemeinde gesagt:

Ich werde jetzt f�r eine Zeit nicht mehr da sein.

Betragt euch ordentlich, zankt euch nicht.

Und dann hat er gebetet, vor allen.

(singen)

Paul Sch�fer verschwand.

Vor laufenden Kameras gedachten die Kolonisten seiner

und verlasen seine Briefe.

Richte allen Gr��e von mir aus, den Onkeln und Tanten.

Und sage den Kindern, dass ich sie sehr vermisse.

Es verabschiedet sich in Liebe

euer ewiger Freund.

* Musik *

Die Ermittler sollten der Inszenierung glauben,

dass Paul Sch�fer die Kolonie verlassen habe.

In Wirklichkeit versteckte er sich

in unterirdischen Wohncontainern im Wald.

Selbst dorthin lie� er sich noch Jungen bringen.

* Musik *

Einer von ihnen war Tobias M�ller.

Er wurde seit vielen Jahren von Sch�fer missbraucht.

Doch er wusste, dass das, was dieser mit ihm machte,

ein Verbrechen war.

Seine Mutter hatte ihn erst im Alter von 10 Jahren

in die Kolonie geschickt.

Schon seit Jahren wollte er fliehen.

Wir waren auf dem Weg in die Herberge, es war Abend.

Ich erinnere mich sehr gut daran, dass es gerade dunkel wurde.

Da hat Tobias angefangen zu reden.

Tobias M�ller gestand, dass er nicht l�nger von Paul Sch�fer

missbraucht und in der Kolonie eingesperrt sein wollte.

Da begriff Salo Luna, dass der Moment gekommen war,

wo er sich endlich an Paul Sch�fer r�chen k�nnte.

Nach wochenlangen Vorbereitungen

wagten die beiden im Juli 1997 die Flucht.

Paul Sch�fers H�scher im Nacken rannten sie um ihr Leben.

17 km durchs Unterholz, durch W�lder und �ber Felder.

Bis zum Elternhaus von Salo Luna.

* Musik *

Mithilfe von dessen Familie schafften sie es bis nach Santiago.

Dort wollte Salo Luna Tobias M�ller in Sicherheit bringen.

In die deutsche Botschaft.

Als Tobias erfuhr, wohin wir gehen w�rden,

bekam er fast einen Herzinfarkt.

Er sagte:

Unm�glich, sie bringen uns zur�ck in die Kolonie.

Die Angst war berechtigt.

In den vergangenen Jahrzehnten

hatte die Botschaft tats�chlich Hilfesuchende zur�ckgeschickt.

Doch dieses Mal war es anders.

Der Botschafter Werner Reichenbaum bot beiden Jungen Zuflucht

und verst�ndigte Luis Henr�quez.

Ihm verriet Tobias M�ller die Verstecke von Paul Sch�fer.

Um die Jungen zu sch�tzen,

lie� der Botschafter sie nach Deutschland ausfliegen.

Ein deutsches Kamerateam war mit an Bord.

Wie ich mich f�hle? Sehr gut, supergl�cklich.

Das meiste �berstanden jetzt, die schwierigsten Tage.

Besonders die letzten Tage,

der Stress durch die Periodisten und die Fahrten.

Immer im Gef�hl, dass irgendwas noch passiert.

Aber jetzt haben wir es �berstanden.

Dieses Interview ging um die Welt.

Ich war im Krankenhaus, ich hatte gerade Nachtwache.

Da kam die Oberschwester und sagte:

Der Tobias M�ller ist heute Nacht weggelaufen mit dem Salo Luna.

Das ist jetzt das Ende, sagt sie.

Nun war Paul Sch�fer in der Kolonie nicht mehr sicher.

Ein Flugzeug stand l�ngst f�r ihn bereit.

Mit 5 treuen Anh�ngern floh er nach Argentinien.

Knapp 40 Jahre lang

hatte Paul Sch�fer �ber das Leben seiner Anh�nger bestimmt.

Nun waren sie auf sich allein gestellt.

Wir haben geweint und gebetet, jeden Abend f�r Paul Sch�fer.

Wir kamen doch gar nicht drauf,

an uns zu denken oder jetzt was Neues anzufangen.

Das hat so viel gekostet.

Da die Kolonisten es nicht besser kannten, lebten sie so weiter,

wie Paul Sch�fer es ihnen eingesch�rft hatte.

Gottesf�rchtig, arbeitsam und abgeschottet von der Au�enwelt.

Erst Jahre sp�ter begannen die jungen Bewohner der Kolonie,

selbst Entscheidungen zu treffen.

Viele griffen auf der Suche nach Halt zur Bibel.

Das hatte Paul Sch�fer immer verboten.

Dann habe ich angefangen zu lesen und habe nicht mehr aufgeh�rt.

Dass so was in der Bibel steht, war f�r mich fast abg�ttisch.

Wie die Menschen geboren wurden und dass jemand schwanger war.

Die, die in der Kolonie aufgewachsen waren,

hatten keine Ahnung, wie Kinder gezeugt wurden.

Sie hatten immer geh�rt,

dass die Liebe zwischen Mann und Frau eine S�nde war.

Als sich die Geschlechtertrennung lockerte,

konnten sie Gef�hle entwickeln.

Ich hatte immer die Angst im Nacken, er kommt wieder zur�ck.

Und was inzwischen passiert, wird ihm alles zugetragen.

8 Jahre lang lebten die Bewohner in Unklarheit.

Dann, im M�rz 2005, sp�rte eine chilenische Journalistin

Paul Sch�fer in Argentinien auf.

Dort hatte er sich schon viele Jahre zuvor

unter anderem Namen ein Landgut gekauft.

Die Nachricht von der Verhaftung ging um die Welt.

2 Tage nach seiner Verhaftung

wurde er von Argentinien an Chile ausgeliefert.

Ich war gl�cklich, dass er nicht mehr regieren konnte �ber uns.

Und dass ihm die Macht entzogen war.

Er sei f�r eine Verhandlung zu schwach, erkl�rten seine Anw�lte.

Dennoch kam er wegen sexuellem Missbrauch

und K�rperverletzung an Kindern vor Gericht und wurde verurteilt.

Verbrechen wie Folter und die Ermordung

Dutzender oppositioneller Chilenen wurden nicht verhandelt.

Weite Teile der Politik und des Milit�rs verhinderten das.

Paul Sch�fer starb 2010 im Gef�ngnis in Santiago.

Viele der in der Kolonie begangenen Verbrechen

sind bis heute nicht aufgekl�rt.

Nur wenige Mitglieder aus Paul Sch�fers F�hrungsriege

kamen vor Gericht und wurden verurteilt.

Einer von ihnen war Kurt Schnellenkamp.

Ihm wurde Beihilfe zum Kindesmissbrauch,

Verletzung von Menschenrechten und Mitgliedschaft

in einer kriminellen Vereinigung nachgewiesen.

Vieles blieb weiter im Dunkeln.

Mir ist ein Papier zugespielt worden, wo Herr Schnellenkamp

sich flehentlich an Herrn Sch�fer wendet.

Und versucht, seine f�r sich jetzt erkannten Verbrechen

mit den Waffenk�ufen und -verk�ufen,

wo er sich schuldig gemacht hat und um Abbitte fleht...

Kurt Schnellenkamp beichtete undenkbare Verbrechen.

Mit dem deutschen Waffenh�ndler Gerhard Mertins

hatte er containerweise Waffen aus den USA in den Irak geschafft.

Er war auch bei der Einfuhr von chemischem Kriegsmaterial

aus Deutschland beteiligt.

Und er unterst�tzte Hartmut Hopp

bei der Beschaffung von biologischem Kriegsger�t.

Zu Schnellenkamps Gest�ndnis passen Aussagen

von ehemaligen Mitarbeitern des chilenischen Geheimdienstes.

Und Aktenfunde, die besagen, dass in der Kolonie

das hochgiftige Kampfgas Sarin hergestellt wurde.

Pinochet plante, dies einzusetzen,

falls es zu einem Krieg mit Argentinien k�me.

Ich muss schon sagen,

wir wissen ja schon ne ganze Menge �ber Colonia Dignidad.

Aber hier kommen wir in einen Teilbereich hinein, der...

...den Rahmen komplett sprengt und auch einiges vielleicht erkl�rt,

warum Politiker dieses hei�e Eisen nie ernsthaft angefasst haben.

Fast alle Straftaten, wie Folter, Missbrauch und Zwangsarbeit,

die in der Kolonie begangen wurden,

k�nnen heute nicht mehr geahndet werden.

Doch Mord verj�hrt nie.

Daran erinnern die chilenischen Angeh�rigen,

deren Familienmitglieder w�hrend der Diktatur Pinochets

spurlos verschwanden.

Noch heute mahnen sie am Ort des Schreckens.

Sie verlangen Aufkl�rung

�ber das Schicksal ihrer M�tter, V�ter oder Kinder.

Und fordern ehemalige Kolonisten auf,

endlich ihr Schweigen aufzugeben.

Je mehr ich mich nach dem Wort Gottes richtete

und gelesen hab und wissen wollte,

desto mehr wurde mir klar, ich habe hier eine Verantwortung.

Und der muss ich gerecht werden.

Willi Malessa zeigte 2005 der Polizei die Orte,

an denen er Leichen ausgegraben hatte.

Und auch den Platz, wo sie mit Napalm verbrannt wurden.

Bis heute wurden keinerlei �berreste gefunden.

�ber Jahrzehnte ignorierten die deutsche Botschaft,

das Ausw�rtige Amt und die deutschen Regierungen

die Verbrechen, die in der Kolonie

an Chilenen und Deutschen begangen wurden.

Erst 2016

r�umte der damalige Au�enminister Frank-Walter Steinmeier Fehler ein.

(Steinmeier) Nein, der Umgang mit der Colonia Dignidad

ist kein Ruhmesblatt.

Auch nicht in der Geschichte des Ausw�rtigen Amtes.

�ber viele Jahre hinweg, von den 60er- bis in die 80er-Jahre

haben deutsche Diplomaten bestenfalls weggeschaut,

jedenfalls eindeutig zu wenig f�r den Schutz ihrer Landsleute

in dieser Kolonie getan.

Im Spannungsfeld zwischen dem Interesse

an guten Beziehungen zum Gastland

und dem Interesse an der Wahrung von Menschenrechten

ging offenbar Amt und Botschaft die Orientierung verloren.

Bis heute k�mpfen die Opfer

um Anerkennung des erlittenen Unrechts.

2019 beschloss der Bundestag,

dass die deutschen Opfer bis zu 10.000 Euro

aus einem Hilfsfonds bekommen sollen.

In Deutschland wurde nie

ein Mitglied der Colonia Dignidad angeklagt.

Hartmut Hopp wurde in Chile zu 5 Jahren Haft verurteilt,

floh jedoch nach Deutschland.

Die Staatsanwaltschaft hier

kam nach 8 Jahren Ermittlungen zum Schluss,

dass die Beweise der chilenischen Justiz nicht ausreichten.

Jaime Parra und andere chilenische Opfer

erstritten sich vor einem Gericht

Entsch�digung vom Rechtsnachfolger der Colonia, der Villa Baviera.

Bis heute wurde das Geld nicht bezahlt.

Willi Malessa erhielt Straffreiheit,

weil er bei der Aufkl�rung von Verbrechen mithalf.

Zusammen mit seiner Frau lebt er heute in Chile.

Zu ihrer Tochter haben sie keinen Kontakt.

Erika Tymm und G�nter Schaffrik erfuhren,

dass sie aufgrund der erlittenen Folter

keine Kinder bekommen k�nnen.

Nun wollen sie den Traum ihrer Eltern erf�llen

und ein eigenes Haus bauen.

Die ehemalige Kolonie hei�t heute Villa Baviera.

Nach Jahrzehnten der Abschottung steht sie Touristen offen.

Villa Baviera hat heute 80 Bewohner.

Robert Matthusen ist einer von ihnen.

Zusammen mit seiner Frau und den 3 Kindern

will er hier auch in Zukunft leben.

Hinterher, los.

Ich bin hier zur Welt gekommen.

Ich hab hier die meiste Zeit meines Lebens verbracht und gearbeitet.

Ich sehe es als meine Heimat an, und ich m�chts nicht vermissen.

Ich habe hier so viel gelitten.

Es ist mir Geschichte geworden.

Paul Sch�fers Schreckensherrschaft w�hrte 36 Jahre.

300 Menschen leisteten in dieser Zeit Zwangsarbeit.

Mindestens 100 wurden gefoltert.

�ber 200 Jungen wurden von Paul Sch�fer sexuell missbraucht.

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag von ARTE

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