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Original subtitles

Chile.

Hier lebte v�llig abgeschottet eine deutsche Sekte.

Colonia Dignidad, Kolonie der W�rde,

war der Name der Musterfarm.

* Musik *

Die Siedlung schien zun�chst wie das Paradies.

In Wahrheit war es ein Ort der Finsternis.

* Schreie *

No somos criminales.

* Schreie *

Die Colonia Dignidad

war das Reich des selbst ernannten Sektenf�hrers Paul Sch�fer.

Er baute das Dorf zu einem Bollwerk gegen den Kommunismus aus.

Denn als der Marxist Salvador Allende 1970 in Chile an die Macht

kam, ging in der Kolonie die Angst vor Enteignung um.

Sch�fer lie� Waffen bauen, Bunker ausheben.

Aber v.a. unterst�tzte er die Gegner von Salvador Allende.

Wir hatten unsere Pistolen bei uns.

Und...

...waren vorbereitet auf alles M�gliche.

? Es muss ein Sonntag gewesen sein.

Ein Tag voll hellem Sonnenschein. ?

Fernab in Chile pflegten die deutschen Bewohner

in der Kolonie deutsches Brauchtum.

Sie waren von der Au�enwelt abgeschnitten.

Nur der F�hrungskreis um Paul Sch�fer

hatte Zugang zu Nachrichten.

Ich habe sogar geglaubt, bis ich 30 Jahre alt war,

dass Zeitungspapier giftig ist.

Das wurde uns von klein an beigebracht.

Also wenn irgendwo ein Zeitungspapier lag,

haben wir das nicht mal angefasst.

Die Sektenmitglieder durften nichts wissen und nichts besitzen.

Wir hatten in Zimmern geschlafen.

Zu f�nft, zu siebt, in einem Zimmer in Doppelbetten.

Anna Schnellenkamp ist die j�ngste Tochter und eines von 7 Kindern

des Vertrauten von Paul Sch�fer, Kurt Schnellenkamp.

Und es war ein Schr�nkchen nur im Zimmer.

Mit Vorhang, so aus Brettern zusammengenageltes Schr�nkchen,

und darin hatte jeder so ein kleines Fach mit der W�sche,

die du einmal am Freitag bekommen hast.

Und meistens in ner Ecke hatten wir unsere kleine Schatztruhe.

Das waren ausgeschnittenen Bilder oder ein besonderer Knopf.

Paul Sch�fer hat eine Gemeindeversammlung abgehalten

oder zusammengerufen, und da hat er gesagt,

es gibt immer noch Privateigentum.

Das kann doch nicht sein.

Jeder musste seine letzten Habseligkeiten

auf einem gro�en Platz ablegen.

Es war ein gro�es Feuer, das Feuer hab ich gesehen.

Da wurden die Privateigent�mer verbrannt.

Nichts sollte sie von Gott

und dem Kampf gegen den Kommunismus ablenken.

(Mann) Darum Sterben, darum Tr�nen, darum Leid.

Eigentlich jeden Abend oder jeden 2. Abend wurde besprochen,

was tun wir, wenn unser Land enteignet wird?

Erste Fluchtpl�ne wurden gefasst.

F�r uns Kinder war das ein st�ndiges "in Angst leben",

und es k�nnte jeden Tag passieren, dass wir hier weg m�ssen.

Jeder von uns hatte in einem durchsichtigen Plastiksack

im Schrank ein fertiges Paket, dass wenn wir fliehen m�ssen,

dass man das nur greifen muss und dass wir dann in dem fremden Ort,

wo wir hinkommen, noch was anzuziehen haben.

Die Marxisten mit den Kommunisten,

die quatschen nur in vorgefertigten Parolen.

Die machen uns fertig.

Wenn die das Maul aufmachen, sitzen wir im Schei�dreck.

Ist es nicht so? - Ja!

Sch�fer hat gepredigt, und dann wurde gebetet,

dass Gott uns erh�rt und uns befreit von diesem Joch,

vom Kommunismus und aus dieser Gefahr.

Die Kolonie hatte eine Sicherheitszentrale,

die rund um die Uhr besetzt war.

Von dort verfolgten sie, was am Morgen des 11.09.1973 geschah.

Teile des chilenischen Milit�rs putschten gegen ihren Pr�sidenten

Salvador Allende.

Unter ihnen war der Oberbefehlshaber der Streitkr�fte

Augusto Pinochet.

* Funk *

Wenn die Jungs um 11 Uhr kommen, wirst du sehen, was passiert.

Um Punkt 11 Uhr wird bombardiert!

Doch der Pr�sident ergab sich nicht.

Er wandte sich an sein Volk.

* Funk *

Ich werde nicht zur�cktreten.

Es lebe Chile! Es lebe das Volk! Es lebe die Arbeiterklasse!

Wenige Minuten sp�ter erschoss er sich.

* Schuss *

Wir sa�en tagt�glich am Radio

und haben die neuesten Nachrichten geh�rt.

Eine Milit�rjunta unter Augusto Pinochet

�bernahm die Kontrolle im Land.

Das war nat�rlich...

...die Erl�sung f�r uns, f�r alle.

Denn wir haben 3 Jahre lang da drum gebetet.

Kurz nach dem Staatsstreich gr�ndete General Pinochet

die Geheimpolizei DINA.

Sie unterstand nicht dem Gesetz, und ihre Mitglieder

bekamen den Auftrag, Sympathisanten der Allende-Regierung festzunehmen.

Am 1. Tag waren es 2.000,

bis zum Jahresende waren es mehr als 13.000 Menschen,

die von der Geheimpolizei abgeholt wurden.

Zur selben Zeit tauchte in der Kolonie ein Chilene in Uniform auf.

Ich wusste damals auch nicht, wer bei mir auf dem Jagdwagen stand.

Ich kannte ihn nur als Mamo.

Ich war Jagdfahrer.

Und Sch�fer und ein paar Jungs, ne Gruppe Jungs,

sind immer nachts auf Jagd gefahren.

Mamo war Manuel Contreras, Chef der Geheimpolizei.

Der war h�ufig in der Kolonie, war auch tagelang oder...

Wochenlang hab ich f�r ihn gekocht.

Deswegen wei� ich, dass er viele Wochen,

also mindestens 6 Wochen hintereinander, da war.

Schon bei den Vorbereitungen des Putsches hatten die Gegner

von Salvador Allende die abgeschottete Kolonie genutzt.

Nun bekamen die Bewohner merkw�rdige Anordnungen.

(M�ller) Der Sch�fer hat uns den Auftrag gegeben,

in der Strohscheune, da war ein Keller drunter,

der war voll mit Getreide, den sollten wir sofort leerschaufeln.

An einem Tag, morgens hat er den Auftrag gegeben.

Wir mussten als Gruppe dahin,

mussten das lose Getreide in S�cke schaufeln.

Da war kein Fenster, da war keine T�r.

Es war furchtbar f�r mich.

Und er kam immer wieder den Tag �ber gucken,

wie weit wir sind, ob wir es schaffen.

Am Abend musste der Keller leer sein,

sodass ich mir schon Gedanken gemacht habe, was ist da los?

* Donner *

Regelm��ig besuchten M�nner in Milit�runiform Paul Sch�fer.

Bei diesen Treffen war auch die F�hrungsriege der Kolonie dabei.

Kurt Schnellenkamp geh�rte dazu.

Wie kam das, dass du den Bus fahren musstest mit den Gefangenen?

Ach schrecklich.

Wei�t du, ich...

Da war ich zuf�llig aufm Fundo,

und pl�tzlich sagt er ganz einfach zu mir:

Du, fahr mal mit diesem Bus nach Talca.

Und musst da und da hinfahren, und ich komme dann da hinterher.

Wohin? Zum Stadion?

Da, ja, am Stadion, ja, da am Fu�ballplatz da.

Etwa zur gleichen Zeit durchk�mmten M�nner der Geheimpolizei

die Stadt Talca.

Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht,

weil jemand im Nachbarhaus fest an die T�r geklopft hat.

Sie haben nach meinem Namen gefragt, und ich habe mir gedacht,

jetzt bin ich dran, sie werden mich mitnehmen.

Bewaffnete M�nner zerrten sie aus dem Haus, st�lpten ihr einen Sack

�ber den Kopf und brachten sie auf einen Platz.

Dann kam der Bus der Kolonie.

* Musik *

Sie haben mich an ein Fenster gesetzt.

Ich schob meine Kapuze ein wenig hoch,

sodass ich geradeso meine Schulter sehen konnte.

Da habe ich die Lichter der Stadt gesehen.

Es wurde dunkel.

Im Kopf z�hlte Adriana B�rquez die Abbiegungen und schloss daraus,

dass sie in den S�den fuhren.

Das hat sich dann best�tigt.

Als wir aus dem Bus stiegen,

sp�rte ich die Berge, die Luft und die Landschaft.

Ich h�rte eine muhende Kuh und V�gel.

* Zirpen *

Dann kamen wir da an und da oben an dem Kartoffelkeller:

"Ja, da stehen bleiben. Jetzt geh gleich nach Hause."

"Jaja, ich bin gleich weg."

Und die waren noch alle da drin.

Bin abgehauen, und dann haben die das gemacht.

Die Kolonie hatte mehrere R�ume f�r die Gefangenen vorbereitet.

Einer war der Kartoffelkeller,

ein anderer befand sich unter dem Getreideschuppen.

Alle lagen etwas abseits.

In diese Keller brachten sie die Gefangenen, auch Adriana B�rquez.

Ausgestreckt wurde sie auf ein Feldbett gefesselt.

Dann sind sie weggegangen und haben sich eine nach der anderen geholt.

Wenn die Genossinnen zur�ckkamen,

waren sie sehr ruhig und haben geweint.

Wir konnten nicht miteinander sprechen.

Und ich habe mich gefragt, woher kommen sie?

Wurden sie gefoltert? Haben sie sie verh�rt?

Mein Gott, was haben sie gesagt?

Und dann war ich an der Reihe.

Direkt �ber dem Folterkeller war die Schneiderei der Kolonie.

Zu dieser Zeit schlief dort der 12 Jahre alte Georg Laube.

Ich lag auf einem Feldbett, und direkt unter mir...

...war das Geschrei.

Das war so ne Betondecke.

Und das war jede Nacht ein wahnsinniges Geschrei,

ein wahnsinniges Geschrei.

Jede Woche wurden neue Gefangene in die Kolonie gebracht.

* Musik *

Sie haben mir einen Helm aufgesetzt

wie von einem Kampfflieger aus den 30er-Jahren.

Der bedeckte meinen ganzen Kopf, und auch die Augen.

Bis hier.

Damit sollte verhindert werden,

dass sich bei den Stromst��en der Kiefer ausrenkt.

Das passierte schon mal.

Luis Peebles musste sich b�uchlings auf ein Bettgestell legen.

Es war mit feinen Dr�hten bespannt.

Er bekam Elektroden an die Ohren, die Augen, den Anus und die Finger.

Dann begannen Folter und Verh�r.

* Brummen *

2- oder 3-mal ist mir im Laufe der Woche der Helm abgefallen.

Da habe ich Sch�fers Gesicht erkannt.

Auge in Auge.

Und dann hat er mir die Hand aufs Gesicht gelegt.

* Musik *

Ich h�rte dann immer so und dann dachte ich, ach, jetzt ist er tot.

Jetzt ist der N�chste tot, ja.

Ich hab mir auch nicht getraut rauszugucken.

Am Tage hab ich ab und zu ganz vorsichtig geguckt,

wenn keiner da war.

Da guckte ich dann vorsichtig runter am Fenster

und dann sah ich immer den Karl van den Berg.

Ich habe einen Auftrag bekommen von Paul Sch�fer,

dass ich einen Mann mit Essen und Trinken versorgt habe

und seine Notdurft beseitigt hab.

Hab ihm Waschwasser gegeben.

Und der war eines Tages da und war eines Tages nicht mehr da.

Ich wei� nicht, wie er gekommen ist,

auch nicht, wie er weggegangen ist.

Ich hatte den Auftrag vom Sch�fer,

diese Handlungen durchzuf�hren bei ihm.

Das hab ich gemacht. Weiter wei� ich von dem Zauber nix da unten.

F�r die Bewohner war genau festgelegt,

wohin und wie weit sie gehen durften.

Schlafgeb�ude, Arbeitsplatz und Versammlungssaal,

immer unter Aufsicht.

Nur wenige konnten sich frei auf dem Gel�nde bewegen,

so wie Willi Malessa.

Er war f�r die Entw�sserung der Felder zust�ndig.

Und pl�tzlich erschienen hier und da ein Loch 3 m tief

und da ein Loch von 3 m tief.

Am Abend berichtete er auf der Versammlung von seiner Entdeckung.

Als ich das zur Sprache brachte, f�hlte Sch�fer sich gezwungen,

da einen Deckel drauf zu geben und sagt, ja, wir haben L�cher,

Probel�cher gemacht, wir m�ssen da Versuche machen.

Ich habe gedacht,

wir hatten ja Granaten fabriziert, Handgranaten, Gewehrgranaten usw.,

dass da Sprengstoffversuche in einem Loch gemacht werden.

Nach und nach war ein Loch auf einmal nicht mehr da, zugemacht.

Das n�chste, da ist auch zu.

Und auf dem Weg, auf dem kilometerlangen Weg,

die L�cher sind eins nach dem anderen verschwunden.

* Musik *

Sie haben Musik gespielt.

Erkennungsmelodien f�r die verschiedenen Personen.

F�r meinen Genossen, der Lehrer war, spielten sie "Schwanensee".

Er wusste, sobald "Schwanensee" erklang,

w�rden sie ihn zur Folter und zum Verh�r abholen.

* Musik *

F�r mich haben sie die "kleine Nachtmusik" von Mozart gespielt.

Ich habe mir sie seitdem nicht mehr anh�ren k�nnen.

Adriana B�rquez machte die Musik stutzig.

Sie hegte einen Verdacht und suchte nach Hinweisen.

Der Typ, der mir das Essen brachte,

hatte eines Tages einen Teller dabei.

Er dr�ckte ihn mir in die Hand und sagte, mach ihn nicht kaputt.

Der Teller hatte einen Goldrand.

Ich habe ihn umgedreht, und der Herstellungsort endete mit Dorf.

Da war mir klar, ich bin in der Kolonie.

Ich bin in der deutschen Kultur.

(spielt Klavier)

(Sch�fer) N�chste.

Wir wollen das Klavier n bisschen beiseite stellen.

Und erst mal Instrumentalmusik.

Wir spielen das Adagio aus "Alceste" von Gluck.

(Sch�fer) Aus der Setzezeze. Noch mal.

Aus "Alceste" von Gluck.

Bitte? - Alceste.

"Alcesse".

Mensch, der spricht wie ne Kuh mit nem Schwanz.

Na warte.

Setz dich mal ein bisschen zur�ck da.

Jeder Bewohner der Kolonie musste mindestens ein Instrument lernen.

Sch�fer hat seine besonderen St�cke h�ren wollen.

Er hat von uns verlangt jede Woche und jede Woche,

dieses "Capriccio Italien" von Tschaikowsky zu spielen.

Die gleiche Musik, die den Folteropfern vorgespielt wurde.

Ein knappes Jahr nach dem Putsch k�ndigte Paul Sch�fer

ein ganz besonderes Ereignis in der Kolonie an.

F�r uns M�dchen war der Besuch von Pinochet eine spezielle Zeit, denn

da haben wir alle Geb�ude, an denen er vorbeikommen k�nnte, gestrichen.

(singen)

Im August 1974 war es schlie�lich so weit: Der Diktator kam.

F�r diesen Tag hatten die Kolonisten

deutsche Volkslieder auf Spanisch einge�bt.

Das war auch der H�hepunkt an der ganzen Sache f�r uns Kinder

oder J�ngere, dass wenn wir ihm vorsingen,

dass er dann auch ber�hrt ist, und er war es tats�chlich auch.

Er musste sich zwischendurch die Tr�nen wegwischen.

Gleichzeitig hat dann aber auch der Instrumentenchor gespielt

"Ich hatt' einen Kameraden".

* Musik *

Wie immer, wenn wichtige G�ste in die Kolonie kamen,

gab es eine Waffenschau.

* Musik *

Ich hab geglaubt, Pinochet ist der, der uns erl�st hat

vor dem Kommunismus, dem wir unsere Freiheit zu verdanken haben.

Solange er an der Regierung ist, sind wir besch�tzt.

Pinochet erhielt von Paul Sch�fer einen Mercedes.

Der Sektenf�hrer wiederum durfte von nun an

die Polizisten in der Gegend ausw�hlen.

Und er bekam vom chilenischen Staat Sch�rfrechte f�r Gold und Uran.

Die Minen sp�lten Geld in die Kasse und sorgten auch daf�r,

dass einzelne M�nner mehr Verantwortung bekamen.

Willi Malessa wurde der Bauleiter des Goldbergwerks.

* Musik *

Es hat mich imponiert, dass er sachlich,

also technisch, unglaublich intelligent war.

Und ich fand Willi sehr m�nnlich, sehr stark und h�bsch.

Danke.

Aber ich wusste schon, er guckt mich an.

Aber nicht so, er guckt halbwegs vorbei,

aber da war schon ne Conexi�n, so ne Verbindung bisschen da.

Ich wei� nicht, wie ich das sagen soll, aber irgendwie muss da

ein unsichtbarer Funke �bergesprungen sein.

Denn mir gings ja genauso.

Aber ich wusste ganz genau...

...hier darf ich nichts machen, was nicht angemeldet ist.

Ordnung muss sein.

Paul Sch�fer unterband nach wie vor

den Kontakt zwischen M�nnern und Frauen.

In der Kolonie war er der uneingeschr�nkte Herrscher,

doch drau�en war er abh�ngig von Augusto Pinochet.

Der Diktator sch�tzte ihn vor Strafverfolgung.

Dann, im September 1976, bekam Paul Sch�fer die M�glichkeit,

sich bei Pinochet f�r den Schutz zu bedanken.

Nach einem Bombenanschlag in Washington

auf den ehemaligen Au�enminister von Allende,

verh�ngten die USA ein Waffenembargo gegen Chile.

Nun ben�tigte der Diktator einen neuen Waffenlieferanten.

Paul Sch�fers Chance.

So schickte er Kurt Schnellenkamp in die Zentrale der Mission

nach Deutschland.

Nicht weit entfernt lebte in K�nigswinter

der deutsche Waffenh�ndler Gerhard Mertins.

Der ehemalige SS-Mann verkaufte seit Jahren mit R�ckendeckung

der deutschen Regierung Kriegsger�t in die ganze Welt.

Papa war Freund von ihm.

Ich wei�, dass er lange Zeit oft �ber Mertins gesprochen hat

als guten Freund, als wirklich guten Freund.

Kurt Schnellenkamp und Gerhard Mertins kamen ins Gesch�ft.

Die erprobten Schmuggelwege der Mission

erleichterten die Zusammenarbeit.

In den Containern der Kolonie kam nun tonnenweise Kriegsger�t

nach Chile.

Ein Gro�teil der Waffen ging an das chilenische Milit�r.

Der Rest war f�r den Eigenbedarf.

Rasch wurde Gerhard Mertins

in der Kolonie zu einem gern gesehenen Gast.

(Malessa) Den habe ich einmal gesehen.

Und zwar kam der...

Bueno.

Da wusste ich nicht, wer er war.

Aber ich wusste, dass man ihn mit Mee ansprach.

Der Mee.

Und der kam mal einen Tag zu Besuch.

Ein korpulenter Mann zwischen 50 und 60.

* Musik *

Und da erschienen pl�tzlich Teile von Sauerstoffflaschen,

die kleinen, die abgeschnitten waren.

Auch darin wurden Waffen ins Land geschmuggelt.

Aber die Kolonie beschaffte nicht nur kleinkalibrige Waffen.

Sie lieferte auch Raketen, Panzer und die Ausr�stung

zur Herstellung von biologischen Waffen.

* Musik *

Paul Sch�fer und seine Leute waren in Pinochets Staat angesehen.

Das Who's who der chilenischen Gesellschaft kam in die Kolonie,

auch Luc�a Pinochet, die Ehefrau des Diktators.

* Musik *

Alle bestaunten die idyllische Musterfarm.

Die UN ver�ffentlichte einen Bericht

�ber die Verbrechen von Pinochet.

In Deutschland zog Amnesty International nach und enth�llte,

dass in der Kolonie f�r den Diktator gefoltert wurde.

Paul Sch�fer wurde nerv�s.

Sein Name war in den internationalen Schlagzeilen.

* Musik *

Amnesty International war bei uns als kompletter Name sehr bekannt.

Es gab oftmals Versammlungen.

Und f�r mich war klar,

diese Konstitution Amnesty sind drauf aus,

uns schlecht zu machen vor der ganzen Welt.

Die verfolgen uns, die behaupten, bei uns wurden Chilenen gefoltert.

Die Vorw�rfe von au�en schwei�ten die Kolonisten zusammen.

Wir haben mehrmals Hungerstreiks gemacht,

weil wir nicht wussten, was steht wirklich in der Presse,

was steht in den Zeitungen, was sagen die Journalisten �ber uns.

Und der l�ngste Hungerstreik,

den habe ich mit voller �berzeugung gemacht,

der war 18 Tage lang.

* Musik *

Die chilenische Milit�rregierung schaltete sich ein.

Das, was in Deutschland �ber die Colonia Dignidad gesagt wird,

ist nicht wahr.

Es ist ungerecht.

Sehen Sie doch selbst, wie die Menschen hier leben

und welche gro�e soziale Arbeit sie mit dem Krankenhaus leisten.

Durch den Hungerstreik und die Vorw�rfe von Amnesty International

konnte das Ausw�rtige Amt nicht l�nger ignorieren,

was in der Kolonie geschah.

Schlie�lich waren die Bewohner deutsche Staatsb�rger.

Das Amt beauftragte seinen Botschafter in Santiago,

sich in der Kolonie umzuschauen.

Wenn Besucher kamen, dann wurde regelrecht ge�bt,

wie man sich zu benehmen hat.

Man gibt die Hand, man sagt seinen Namen, er sagt seinen Namen.

Und wenn er dann fragt, "Wie gehts?",

"Mir gehts gut, wie gehts Ihnen?", das hat man mit uns einge�bt.

Paul Sch�fer empfing den Botschafter pers�nlich.

Die beiden kannten sich.

1, 2, 3, 4, 5, 6.

? Ist wohl ein sch�ne Zeit. ?

Seit Jahren belieferte die Kolonie den Botschafter

und seine Mitarbeiter w�chentlich mit Wurst, K�se, Brot und Kuchen.

Die Botschaft stellte P�sse aus

und schrieb Lebensbescheinigungen f�r Rentenauszahlungen.

Alles, ohne die jeweiligen Bewohner gesehen zu haben.

? Ist wohl ein sch�ne Zeit, wenn man den Weizen schneid't. ?

In einer Versammlung hat Sch�fer mal zu uns allen gesagt,

die deutsche Botschaft hab ich in meiner Hand.

Nach dem Besuch meldete der Botschafter nach Bonn,

dass die Vorw�rfe von Folter und Missbrauch haltlos seien.

Er gab sogar sein Ehrenwort.

* Musik *

Paul Sch�fer hatte nicht nur deutsche Diplomaten

auf seiner Seite.

Die CSU entdeckte in ihm einen Verb�ndeten

im Kampf gegen den Kommunismus.

* Hupen *

* Musik *

(Sch�fer) Und hier ist das bayerische Grenzschild.

Original.

Und das ist der bayrische L�we,

den man uns von der bayrischen Staatskanzlei �bersandt hat.

Paul Sch�fer lie� nun in vielen R�umen der Kolonie

Bilder von Franz Josef Strau� aufh�ngen.

Ich denke, der Grund war, weil es ein Idol f�r ihn war von St�rke.

Franz Josef Strau�.

Aber wir haben uns nicht unwohl gef�hlt.

Wir waren total begeistert, weil es mal was anderes war

aus dem langweiligen Arbeits- und Schul- und Schimpfalltag heraus.

Wir konnten uns richtig austoben

und mal was anderes machen und mal tanzen.

Das hat unglaublich Spa� gemacht.

* Musik *

Die bayerische Fassade verstellte den Blick in den Abgrund.

* Musik *

Eines Tages kam der Sch�fer zu mir und sagte, du, komm mal her.

Du musst mal ne Arbeit machen.

Aber guck nicht so genau hin.

Wir m�ssen da was sauber machen.

Das war alles, was ich wusste.

* Musik *

Als ich dann an die 1. Stelle kam, wo ich baggern sollte,

und hab da gearbeitet.

Auf einmal das Gef�hl,

wei� nicht, kann ich heut gar nicht beschreiben.

Es waren...

...K�rper, die waren in einem Zustand.

Das sah aus wie eine Masse Talg.

Wei�.

Wie wei�es Fett.

Haarb�schel.

Sie stapelten die Leichen,

�bergossen sie mit Napalm und verbrannten sie.

* Kr�hen *

Die Asche kippten sie in den Fluss.

Diktator Pinochet hielt weiter die sch�tzende Hand �ber Paul Sch�fer.

Auch die deutsche Politik ignorierte fast ein Jahrzehnt,

was in Chile und der Kolonie geschah.

* Kr�hen *

Das �nderte sich erst im Sommer 1987, als der CDU-Bundesminister

Norbert Bl�m trotz Gegenwehr der CSU nach Chile reiste,

um 14 zum Tode verurteilten Chilenen zu helfen.

Bl�m, der lange Zeit im Ehrenpr�sidium

von Amnesty International war,

forderte Pinochet auf, die Folter zu beenden.

Er reiste auch in den S�den des Landes und versuchte,

die Colonia Dignidad zu besuchen.

Erfolglos.

Auf seiner R�ckreise fand er klare Worte

zur Beteiligung der Kolonie an den Verbrechen.

Und richtig ist, dass diese Kolonie...

...eine Musterfarm der Menschenverachtung ist.

Und wir sind da mitbetroffen, denn es sind Deutsche,

die hier schuldig geworden sind.

Diese 2 S�tze gen�gten, um die Kolonie �ber Nacht

wieder in die Schlagzeilen zu bringen.

Wohl dosiert unterrichtete Paul Sch�fer seine Gemeinde,

was au�erhalb �ber sie und Pinochet erz�hlt w�rde.

Jetzt schreiben sie alle, was wir f�r komische Leute sind,

und dass wir Marionetten sind, und was wir alles sind.

Aber es schreibt keiner, was wir leben.

Und was wir tun, was wir opfern.

D.h. keiner von den Schweinchen, die uns verfolgen.

Dann m�ssen wir also feste damit operieren,

dass das ne Bl�msche Angelegenheit ist, ne rein politische.

Ne Verfolgung gegen Chile, wo wir den Buckel hinhalten m�ssen.

(Gemeinde) Ja.

Deshalb suchen sie, mit aller Gewalt uns zu vernichten.

Aber solange der August noch da ist,

wird das etwas schwieriger sein.

Paul Sch�fer war verunsichert, das sp�rten seine Anh�nger.

Willi Malessa hatte so viel f�r ihn getan,

nun wollte er etwas f�r sich.

Ich war schon �ber 30.

Klar, ich wusste, was ich gemacht hab.

Ich wusste, was ich geleistet hab.

Ich wusste, dass man sich auf mich verlassen konnte

in allen Lebenslagen.

Und dann bin ich hingegangen zu Sch�fer...

...und hab gesagt:

Ich m�chte gerne ein freundschaftliches Verh�ltnis

anfangen mit der Edeltraud.

"Ja, was hei�t das, Freundschaft?"

Ja, ich m�chte sie, wenn es so weit ist, heiraten.

Paul Sch�fer erteilte Willi Malessa zun�chst eine Absage.

Doch dieser lie� nicht locker.

Nach 2 Jahren durften sie sich schlie�lich verloben.

Da bin ich zum 1. Mal in meinem Leben von einem Mann umarmt worden,

sah diese behaarten Arme und habe zum 1. Mal einen Kuss bekommen.

Es war schaurig und sch�n.

Schaurig.

Schaurig und sch�n.

Ja.

Es dauerte weitere 3 Jahre,

bis Paul Sch�fer ihnen erlaubte zu heiraten.

Niemand in der Kolonie durfte davon erfahren.

Aber eine Hochzeitsreise wurde ihnen genehmigt.

5 Tage in die Atacama-W�ste im Norden Chiles.

Das war wie...

Na ja, wir haben gebl�ht.

Und die W�ste auch.

Die beiden glaubten,

dass Paul Sch�fer nun vor ihnen Respekt haben w�rde.

Deshalb kehrten sie in die Kolonie zur�ck.

Doch sie t�uschten sich.

Wie die anderen Paare mussten sie weiter getrennt leben

und sich heimlich im Wald treffen.

* Musik *

(Malessa) Hoch, Kopf hoch.

(Bohnau) Die Kleine da.

Das ist unsere Tochter.

Guck dir das an.

Edeltraud Bohnau und Willi Malessa bekamen 2 Kinder.

Beide wurden im Kinderhaus von Tanten aufgezogen.

* Musik *

Seit Norbert Bl�ms Chilereise wurde in Deutschland

mehr �ber das unmenschliche Treiben in der Kolonie bekannt.

Ein Unterausschuss f�r Menschenrechte des Ausw�rtigen

Amtes in Bonn lud im Februar 1988 Zeugen zu einer Anh�rung vor.

Es kamen Vertreter von Amnesty International

und ehemalige Sektenmitglieder, die aus der Kolonie geflohen waren.

Unter ihnen das Ehepaar Packmor und Wolfgang Kneese.

Ich war ma�geblich daran beteiligt,

diese Konferenz im "Langen Eugen" zustandekommen zu lassen.

Und aus Chile wurde Herr Hopp eingeladen,

der seinen Anwalt mitbrachte.

Hartmut Hopp war der Leiter des Krankenhauses in der Kolonie.

Sektenmitglieder verfolgten das Geschehen

und protokollierten die Aussagen der Zeugen.

(Packmoor) Im T�rrahmen sah ich von der anderen Seite

des Flurs kommend, wie er Renate Schnellenkamp,

ein zartes M�dchen von 10, 12 Jahren, schlug mit den H�nden.

Immer ins Gesicht und immer und immer immer.

Was da durch meine Seele ging und was ich gesehen hab,

aber nicht helfen konnte.

Dem Kind spritzte das Blut aus der Nase.

Sch�fer schlug, unbarmherzig.

Paul Sch�fers Vertrauter Hartmut Hopp stritt die Anschuldigung ab.

Ich habe in dem Moment ein irrsinnig starkes Bed�rfnis gehabt,

ein Glas Wasser dem Herrn Hopp in die Fresse zu schmei�en,

was mir nicht gegl�ckt ist.

Nach der Anh�rung schien Hartmut Hopp nerv�s.

Ich bin nicht bereit, mit Ihnen zu sprechen.

Ich verbitte mir, dass Sie mich hier filmen.

Herr Hopp, Sie wissen, dass das eine �ffentliche Anh�rung ist?

Wenn Sie weiterfilmen, werde ich Strafantrag stellen.

Wenige Tage nach der Anh�rung nahm die Bonner Staatsanwaltschaft

Ermittlungen gegen Hartmut Hopp und andere in Deutschland

aktive Mitglieder der Colonia Dignidad auf.

Doch die Sektenmitglieder waren schneller.

Reporter filmten mit versteckter Kamera,

wie sie Deutschland verlie�en.

Sie reisten in die Kolonie nach Chile.

Dort waren sie vor der Strafverfolgung

durch die deutsche Justiz sicher.

* Musik *

Ich hab mich gewundert.

Er sa� in seinem Sessel.

Schien mir irgendwie zu gr�beln oder traurig zu sein.

Ganz komischen Eindruck auf mich gemacht.

Paul Sch�fers Reich war auch in Chile bedroht,

denn es stand ein Volksentscheid an.

* Musik *

Das chilenische Volk durfte abstimmen,

ob Diktator Pinochet weiter im Amt bleiben sollte.

Es stimmte gegen ihn.

Er musste abtreten.

entzog der Kolonie sehr schnell die Gemeinn�tzigkeit und

erkannte dem Krankenhauspersonal ihre deutschen Abschl�sse ab.

Es drohte die Schlie�ung.

Ich war �berzeugt, das ist zu Unrecht.

Wir tun doch wirklich Gutes f�r die Landbev�lkerung.

Wie kann man uns das antun, dass wir nicht mehr arbeiten d�rfen?

Auch die chilenischen Patienten

k�mpften f�r den Erhalt des Krankenhauses.

* Skandieren *

Vergeblich, es wurde geschlossen.

Wir haben uns gesagt, jeden Tag ist ein Komitee drau�en,

um die Colonia zu verteidigen und der �ffentlichkeit zu zeigen,

wir stehen hinter der Colonia Dignidad.

? Dignidad, dignidad.

Hasta el �ltimo momento, dignidad.

Dignidad, dignidad.

Estar� siempre contigo, dignidad. ?

Ich habe Sch�fer vorgeschlagen,

mit den Kindern der Patienten oder der Gemeinden zu arbeiten.

Ich sagte mir, es ist gut, dass die chilenischen Kinder

diese Art zu leben sehen und nicht vor dem Fernseher h�ngen

oder sich mit Drogen und Alkohol einlassen.

Paul Sch�fer war von der Idee begeistert.

Wohlt�tige Arbeit mit chilenischen Kindern

war eine perfekte Fassade.

Mir war nicht klar,

dass wir Sch�fer die Kinder auf dem Silbertablett servierten.

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag von ARTE

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