All language subtitles for Das.Adlon.S01E02.BDRip.720p.DreamRecords

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Original subtitles

(Sonja erzählt) Ich kam in einer kalten Frühlingsnacht zur Welt.

Meine Großmutter Ottilie wollte einen Skandal verhindern.

Gib mir mein Kind! Vom Kutscher!

Die Familie ist entlassen. Ich muss Sonja sehen.

Ich muss! Ich bin dein Vater, Sonja. Mach's gut . . . mein Kind.

Wir schaffen das, Friedrich. Wir müssen mit Sonja fort. Bitte.

Das ist meine Tochter. Sie stillen sie alle zwei Stunden.

Wie heißt denn das Kind? - Sonja Schadt.

Das war 1904.

In dem Jahr, als Lorenz Adlon mit dem Bau seines legendären Hotels

am Brandenburger Tor begann.

...auch das Nachbargrundstück. Ich plane dort noch 102 Zimmer.

Großvater Gustaf betrieb Handel in den deutschen Kolonien in Afrika

und beteiligte sich an dem Projekt seines Freundes.

Wo stehen wir, Vater? Kurz vor der Vollendung.

Dadurch war unser Schicksal mit dem der Adlons verbunden.

Ich werde es mit eiserner Hand vollenden.

Louis glaubt fest an das Hotel. Genau wie du.

Zum Teufel. Ich bin schon da!

Das ist der General unter den Hoteliers.

Ihr Haus hat meine Erwartungen übertroffen, Adlon.

Ganz Berlin wird staunen.

Alma wurde mit dem Adligen Siegfried von Tennen verlobt.

Alma.

Dann lernte sie die amerikanische Fotografin Undine Adams kennen.

Freiheit, die geschenkt wird, ist nichts wert.

Du musst sie dir nehmen.

Du stürzt mich nicht in den Skandal! - Das zwischen euch ist unnatürlich.

Du hast mir mein Kind weggenommen, das ist unnatürlich.

Ich gehe nach Amerika.

Ich war 15, als ich am Sterbebett meines Großvaters

von dem Familiengeheimnis erfuhr.

Verzeih mir.

Zu seiner Beerdigung kehrte Alma zurück.

Zwölf Jahre hast du dir Zeit gelassen,

dein Schwesterchen wiederzusehen. Mutter!

Wer ist mein Vater?

Concierge. Friedrich?

Auch in der Familie Adlon sollten sich die Verhältnisse ändern.

Ich glaube, den werde ich heiraten.

Louis Adlon ist schon verheiratet.

Sonja Schadt Louis Adlon Friedrich Loewe

Alma Schadt

Mit Gustafs Tod war für Großmutter eine Welt zusammengebrochen.

Ich spürte, dass wir uns verloren gingen.

Doch es gab nichts, was ich hätte tun können.

(Ottilie) Gustaf!

Ottilie weint bitterlich.

(Ottilie) Gustaf!

(schluchzend) Gustaf...

Mutter, bitte weine doch nicht so.

(außer sich) Gustaf!

Bitte beruhige dich. Wir sind bei dir.

Dramatische Musik

Stumme Szene

Gnädige Frau, ich führe Sie in die heiligen Hallen des Hauses.

Mein Gott, wie viele Flaschen haben Sie hier eingelagert?

Über eine halbe Millionen.

Von jedem guten Jahrgang lagere ich 100 Flaschen ein.

Bitte.

Derzeit schlägt die Wertsteigerung eines guten Weines wohl jede Aktie.

Sie sind ein kluger Geschäftsmann.

Ich verbinde das Angenehme mit dem Nützlichen. Danke.

Bitte.

Da sind wir uns nicht ganz unähnlich.

Auf die Schönste der Frauen.

Sie sind wirklich ein großer Verführer, Louis.

Ich bin ein gewöhnlicher Mann, der zu viel arbeitet.

Sprechen wir nicht über das Haus, das mein ganzes Leben beansprucht.

Was bringt Sie nach Deutschland?

Meine Familie lebt hier.

Aber im Grunde genommen ist es die Sehnsucht.

Nach der Heimat.

Die Pastete ist vorzüglich.

Ein Traum.

Louis, Sie werden aus diesem Hotel eine Legende machen.

Aus ihrem Munde klingt alles so klar.

Was empfehlen Sie mir denn für die nächsten Tage? Theater?

Ich hörte, die ägyptische Sammlung soll einzigartig sein.

Vielleicht darf ich Sie in das Berliner Umland einladen.

Sie sollen ja ein hervorragender Reiter sein, sagt man.

So? Sagt man das?

Darf ich bitten?

Lassen Sie uns doch die Tage einmal ausreiten.

Meine Familie hat ein Anwesen in Neu Fahrland.

Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.

Temporeiche Musik

Reisen, die Welt sehen.

Das war mir zuletzt viel zu selten vergönnt.

Jetzt nach dem Krieg sind die Grenzen wieder geöffnet.

Für Geschäfte wird man einen Ort wie das Adlon suchen.

Louis, ich beneide Sie so um ihre Möglichkeiten.

(lacht) Ich beneide Sie um ihre Freiheit.

Auf die Freiheit!

Galla, erinnerst du dich noch?

Ich weiß es noch wie heute.

Mama hat mit den eitern Karten gespielt. Wie hießen die noch?

Siegfried und . . . Sebastian.

Ja, Sebastian hieß er.

Was für ein schöner Tag das war.

Mama!

Mama, schau mal, da ist auch Vater.

Er sollte langst zurück sein.

Von wo denn? Vom Tontaubenschießen.

Beklemmende Musik

Da ist er nicht. Aber ich höre doch die Schüsse.

Soll ich dir etwas auf dem Klavier vorspielen?

Das hast du schon lange nicht mehr gemacht.

Sonjakind.

Spiel das Stück, das auch Papa so gern hat.

Beklemmende Musik hält an.

Leise Klaviermusik

Klaviermusik wird lauter.

Wir könnten Berlin verlassen, uns an der Riviera niederlassen.

Oder unser eigenes Haus in Kalifornien eröffnen.

Ich weiß nicht.

Drüben fehlt es mir irgendwie an Lebensart.

Und Seelentiefe.

Ich träume auch nur ein bisschen. Hm.

Der ist bestimmt nur für dich gekommen.

My Foxy.

Klaviermusik setzt sich fort.

Klaviermusik wird düster.

Klaviermusik vermischt sich mit unheilvollen Klängen.

Wo ist die Herrin?

Klaviermusik verstummt.

Mama?

Dramatische Musik

Düsterer Klaviertakt

Mama!

Wehmütige Musik

ihr Herr Vater hat mir beim Bau dieses Hauses viel vorgestreckt.

Bezüglich der Rückzahlung genügte ihm mein Ehrenwort.

Hier ist nun die Abrechnung mit Zins und Zinseszins.

Sie können stets über einen Teil des Geldes verfügen.

Allerdings sorgt mich der Verfall der Mark.

Ich denke, dass ihr Geld in meinen Immobilien sicher angelegt ist.

Wir könnten über eine regelmäßige Apanage nachdenken.

Es gibt auch die Möglichkeit, im Adlon ein Appartement zu beziehen.

Wir haben Gäste, die das Hotelleben einem eigenen Haushalt vorziehen.

Mein Vater hat verfügt, dass Sie Sonjas Vormund sind

bis zu ihrer Volljährigkeit.

Ich hoffe auf ihr Verständnis, dass ich unser Elternhaus verkaufe

und Sonja mit mir nach Amerika nehme.

Es liegt mir fern, ihnen Reglementierungen aufzuerlegen.

Danke schön.

Frau Schadt.

Sonja.

Wiedersehen. Auf Wiedersehen.

(Ober) Der Champagner, die Damen.

Danke schön. Nicht für mich.

Ich möchte mit dir über deinen Vater sprechen.

Du sollst die ganze Wahrheit erfahren.

Ich kenne sie.

Er steht in der Halle und kassiert Trinkgelder.

Ich brauche keine eitern mehr.

Ich kann auf eigenen Füßen stehen,

denn mein Vater hat mich gut abgesichert.

Dein Großvater sorgte dafür, dass wir nie zusammenleben konnten.

(auf Englisch) Hier seid ihr, ihr bösen Mädchen.

Ich wundere mich, wo Hedda bleibt.

Ich hoffe, dass nicht zutrifft, was ich befürchte.

Aber egal. Unser Schiff geht Samstag.

Das gibt dir drei Tage.

Ich habe einen guten Freund auf der Brooklyn Music Academy.

Du wirst studieren können, Gesang oder Piano. Du kannst Wahlen.

Ich bleibe.

Du bist minderjährig, Sonja. Du wirst mit mir reisen müssen.

Ich werde Herrn Adlons Angebot annehmen und ins Hotel ziehen.

Du bist in allen Urkunden als meine Schwester ausgewiesen.

Und mit meiner Schwester muss ich nirgendwo hinreisen.

Streicherklänge im Hintergrund

Glocke läutet.

Sie erschrickt. Entschuldigung.

Sanfte Klaviermusik setzt ein.

Klaviermusik setzt sich fort.

Dann muss ich heute alles verkehrt herum spielen.

Musik spielt weiter.

Sie können ja Noten lesen. Können Sie etwa auch Klavier spielen?

Das geht Sie gar nichts an.

Musik ebbt langsam ab.

Es klopft.

Herein.

Herr Adlon, bitte helfen Sie mir.

Ich kann nicht mit Alma nach Amerika.

Berlin ist meine Heimat. Ich möchte hierbleiben.

Ich habe kein Zuhause mehr.

Wenn ich von hier wegmuss, dann bin ich ein Niemand.

Sie können mich nicht mit Alma und dieser Undine wegschicken.

Stumme Szene

Mein Vater hätte auch nicht gewollt,

dass ich nach Amerika gehe.

Er atmet tief durch.

Ich werde mit ihrer Schwester

über ein mögliches Arrangement sprechen.

Sie sind der Beste.

Galla muss bei mir bleiben. Bitte sagen Sie ihr das.

Klaviermusik im Hintergrund

Musik wird lauter und deutlicher.

Sie hört auf zu spielen.

Sie spielt weiter. Sonja.

Sonja!

(empört) Bist du verrückt geworden?

Du kennst Friedrich Loewe ...

...deinen Vater.

Deine Mutter und ich hätten es uns anders gewünscht,

als dass wir jetzt der erwachsenen Tochter die Wahrheit sagen müssen.

Dieses ganze verlogene Getue widert mich an.

Großmutter hatte recht. Du taugst einfach nichts.

Entschul...

Ich schaffe das allein. Das habe ich immer!

Ich war immer stolz,

als ich dich hier mit deinem Großvater sah.

Sie klappt laut das Klavier auf und spielt weiter.

Sie spielt energisch und schnell.

Sie spielt leiser und ruhiger.

Tür quietscht.

Hundegebell in der Ferne.

Uhuruf

Was liest du da?

Erneutes Hundegebell

Hätte ich damals früher zugegeben, dass ich schwanger bin,

dann wärst du jetzt nicht auf der Welt.

Wie meinst du das?

Mutter hätte mich gezwungen, abzutreiben.

Sie seufzt tief.

Ich merkte doch, dass mit mir etwas nicht stimmt.

Dass ich niemals Ottilies Kind sein kann.

Ich habe mir alle möglichen Geschichten überlegt.

Dass man mich als Findelkind vor ihrer Tür abgelegt hat.

Dass Va. . . Dass Großvater mich wie Galla gekauft hat.

Du hast keine Ahnung, wie ich mich fühlte.

Du warst genauso traurig wie ich.

Sanfte Klaviertakte

Wenn ich könnte, würde ich dich einpacken und mitnehmen.

Du weißt, dass ich auf dich warte.

Gefühlvolle Musik

(erzählt) Es war kein trauriger Abschied,

denn wir hatten Frieden geschlossen.

Zwei Wochen später reiste meine Mutter

mit Undine zurück in die Staaten

und ich bezog mein eigenes Appartement im Hotel Adlon.

Hier, das ist für euch.

(beide) Danke schön.

Oh, Galla! Sie lachen.

Ich freue mich so, dass du hier bei mir bist.

Galla, weißt du noch, wie Großvater dich aus den Kolonien holte?

Natürlich weiß ich das noch.

Erzählst du's mir?

Meine Familie gehörte dem Stamm der Damaras an.

Wir waren sehr arm.

Unsere Nachbarn, die Namas,

haben uns wie Sklaven gehalten.

Schon als Kind musste ich für sie auf dem Feld arbeiten.

Ich war 13, als meine Eltern kurz hintereinander starben.

Nachdenkliche Klaviermusik

An Hunger.

Kurz darauf tauschten mich die Namas gegen eine Jagdflinte ein.

Musik läuft weiter.

Sie gehörte deinem Großvater.

Ich bin froh, dass du in unsere Familie gekommen bist.

Wir hatten viele schöne Tage zusammen.

Verspielte Musik

Stumme Szenen

Stumme Szene

(kaum verständlich) Du Bastard, du elender. Kommt.

Musik läuft weiter.

(Lorenz) Du wirst das Verhältnis zu dieser Dame sofort lösen.

Ein Adlon verlasst seine Familie nicht.

Hedda ist die Erste, die mich versteht.

Du redest wie ein Pennäler.

Diese Frau will nicht dich, die will das Hotel!

Entscheidest du dich für sie, enterbe ich dich.

(stutzig) Enterben willst du mich?

20 Millionen Reichsmark Schulden, Vater. Das ist mein Erbe!

Wäre der Krieg nicht gewesen,

hatten wir das Gros der Kredite längst getilgt.

Wir haben den Krieg überlebt. Das allein ist entscheidend.

Der Kaiser hinderte die Gläubiger daran,

ihre Forderungen einzuklagen.

(erzürnt) Aber jetzt ist der Kaiser im Exil.

Er kann nichts mehr tun.

Der Kaiser kommt zurück. (laut) Das wird er nicht, Vater!

Wir werden unser Haus durch eine ungewisse Zukunft führen müssen.

Irgendwann werde ich damit allein sein.

Wenn Hedda das Hotel will,

dann nur deswegen, weil sie es liebt.

Darin ist sie dir sehr ähnlich.

Schwermütige Musik setzt ein.

Ich habe meine Entscheidung getroffen.

Lass mich bitte bald wissen, wie du dich entscheiden wirst.

Musik läuft weiter.

Musik und Stimmengewirr

(Margarete) Hotel Adlon. Ich verbinde.

Ein Telegramm für Sonja Schadt?

Fräulein Schadt.

Hier ist ein Morsetelegramm für Sie gekommen.

(Telefonistin) Hotel Adlon. Welche Nummer?

"Habe Klavierlehrer für dich.

Bitte komm bald nach. Ich vermisse dich. Deine Mutter."

(Telefonistin) Welche Zimmernummer? Einen Moment, bitte.

Was kucken Sie denn so?

Am Tag ihrer Geburt wurde meine Familie auf die Straße gesetzt.

Mein Vater fand nie wieder eine Arbeit.

Ich bin deine Tante Margarete.

Du bist Friedrichs Schwester?

Von deinem Vater.

Willst du dein Tantchen nicht auf euren Ball einladen?

Aber klar doch.

Meine Schicht ist um. Aber nur mit Kostüm.

Ich habe schon alles vorbereitet.

(Margarete) Das Personal darf keinen privaten Kontakt

zu den Gästen aufnehmen.

(halblaut) Keine Sorge. Ich verrate dich schon nicht.

Mit einem kleinen Pierrot an meiner Seite schöpft niemand Verdacht.

Du kannst mir noch beim Schminken helfen.

Walzermusik

Sie staunt.

Musik spielt weiter.

Meine angebetete Kleopatra.

(Hedda) Sie verwechseln mich.

Sie tanzen gerade mit der Königin von Saba.

Kennst du den Pianisten?

Was willst du denn von dem? Der hat doch nichts.

Margarete lacht laut.

(Mann) Darf ich bitten?

Musik wird lauter.

Intschu tschuna, Häuptling der Apachen,

bittet um diesen Kriegstanz.

Sie lachen verlegen.

Musik spielt weiter.

Das Fräulein, das Noten lesen kann. Was machen Sie noch hier?

Ich wohne hier.

So ein kleines Mädchen wohnt im teuersten Hotel der Welt?

Mir gehört ein Teil dieses Hotels,

des teuersten . . . Hotels.

(Hedda) Amüsierst du dich? Mhm.

Ihre Mutter? Nein. Meine Mutter existiert nicht.

Mein Vater ist auch geheim.

Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sein.

Ich bei ein Phantom.

Das schöne Phantom vom Adlon.

Musik wird lauter.

Bis bald, mein schönes Phantom.

Musik spielt im Hintergrund weiter.

Schwungvolle Musik setzt ein.

Ausgelassener Jubel

Ja!

Komm!

Sie lachen.

Luftballons zerplatzen.

Ausgelassener Jubel

Musik spielt weiter.

Allez!

Musik hallt nach.

Was sagte der Kaiser, Friedrich, als wir eröffnet haben?

"Sie sind ein Meister ihres Fachs."

Das hat er gesagt. Und was hat er noch gesagt?

"Das Adlon ist ein Haus,

in dem das 20. Jahrhundert seinen Ausdruck findet."

Genauso.

Und wir werden Seine Majestät nicht enttäuschen, nicht wahr?

Selbstverständlich nicht.

Das Adlon hat seinen Glanz,

weil Menschen wie Sie es zum Strahlen bringen.

Vielen Dank, Patron.

Ausgelassener Jubel im Hintergrund

(Mann) Nobelpreis für Albert Einstein!

Guten Abend. - Danke schön.

(Mann) Olga Tschechowa spielt in Murnaus neuem Gruseldrama!

Villenbesitzer in Grunewald

zittern vor Handgranatenbande des Rotarmisten Max Hoelz!

Patron.

Schönen Abend, Patron.

Laute Tanzmusik

Jubelschreie und Knallen

Kreischen

Hundegebell

(in der Ferne) Nobelpreis für Albert Einstein!

Auto hupt. Straßengeräusche

Hochzeit des bayerischen Kronprinzen

mit Prinzessin Antonia von Luxemburg!

Zeitungsjunge ruft weitere Schlagzeilen.

Motorengeräusch nähert sich.

Er schreit laut auf.

Dramatische Musik setzt ein.

(Mann in der Ferne) Vorne am Brandenburger Tor!

Der Patron ist überfahren worden!

Dramatische Musik läuft weiter.

Musik wird leiser.

Getragene Musik

Tür wird geöffnet.

Getragene Musik setzt sich fort.

Er atmet angestrengt.

Ich schaffe das nicht allein, Vater.

Musik setzt sich fort.

Und die Hände.

Dynamische Musik

Lautes Klatschen An die Arbeit.

Patroness.

(erzählt) Eine neue Zeit brach an.

Eine unruhige und doch vielversprechende Zeit.

Nicht nur für die Adlons.

Laute Sprechchöre von draußen

(im Chor) Arbeiter wehrt euch, Einigkeit macht stark.

Rauschen und verzerrte Stimmen

(erzählt) Zum 18. Geburtstag schenkte mir mein Vater ein Gerät,

das mein Leben verändern sollte.

Es müsste funktionieren.

Wir müssen die Radiowellen einfangen.

Ach so.

Rauschen setzt sich fort.

Jetzt. Verzerrte Stimmen

Nein.

Sie schrickt auf.

Mehr nach oben. Verzerrte Stimmen

Höher. Jetzt wird es wieder schlechter.

Ja, wärmer.

Ja.

Ja, besser.

Wärmer, wärmer.

Schriller Ton Stopp, so bleiben, nicht bewegen.

Opernmusik ertönt aus dem Radio.

Jetzt ganz vorsichtig. Eine Frau singt eine Arie.

Bücher, nimm Bücher. So eins?

Warte.

Die Arie ertönt klar und deutlich.

Hört ihr das?

(flüsternd) Musik wird übers ganze Land ergossen.

Arie erklingt weiter.

Es kann einem Opernhaus nicht so recht Konkurrenz machen.

Das ist das schönste Geschenk, was du mir hättest machen können.

Arie erklingt weiter.

Ich muss wieder. . . Pscht.

Du weißt ja, wo du mich findest. Ja, ja.

Arie setzt sich fort.

Laute Sprechchöre Galla, mach mal das Fenster zu.

(erzählt) Ich hatte einen Radioapparat,

ein Appartement im besten Hotel der Welt

und meinen Vater immer in der Nähe.

Ich fühlte mich glücklich und zufrieden.

Mir blieb nicht verborgen, was sich vorm Adlon abspielte.

Den Berlinern ging es immer schlechter.

Arbeitslosigkeit, Armut und steigende Inflation

machten den Menschen das Leben schwer.

Es wurde immer lauter in den Straßen.

Fröhliche Klaviermusik

Das geht auf mich.

Vielen Dank, ich zahle selbst.

Wie viel bekommen Sie? - 18.000 Mark.

Oh, dann lassen Sie mich bitte gleich zahlen.

Wer weiß, was der Kaffee nach einer Stunde kostet?

Der Rest ist für Sie. - Danke schön.

Du hättest dich ruhig einladen lassen können.

Sprechchöre klingen herüber.

Du verprasst hier dein Erbe und ahnst nicht, was draußen los ist.

Du meinst, ich soll mich auf der Straße durchschlagen?

Wenn ich es mir recht überlege, hatte ich dich gern zum Freund.

Ach ja, wieso denn? Weil du so reich bist.

Ich möchte auch mal leben wie die Made im Speck.

Du musst dich aber deswegen nicht schämen.

Oder?

Mein Großvater hat das Haus finanziert,

damit ich mal eine Bleibe habe.

So reich bin ich nicht.

Was du erbst von den Vätern, erwirb, um es zu besitzen.

Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.

(beide) "Faust", erster Teil.

Hallo, Liebling.

Tamara.

Man sagte mir, dass du hier bist. - Sonja Schadt.

Ach Sie sind das verlassene Mädchen im Adlon.

Tamara Lieberkoff, meine Verlobte.

Einen schönen Abend wünsche ich, mein Kind.

(Tamara) Deinen Schützling hast du mir verheimlicht.

(Julian) Sind die Kohlen da?

(Tamara) Es ist schön warm zu Hause, und ich habe Pelmeni gemacht.

Klavierdeckel schlägt laut zu.

(liest) "Du bist noch so jung.

Du wirst vielleicht was aus deinem Leben machen.

Ich werde dann stolz sein."

Redet ganz schön geschwollen daher, dein Julian.

Männer musst du um den Finger wickeln.

Mein russischer Prinz ist auch schon handzahm.

Die Pumps hat er mir gekauft, haben zwei Millionen gekostet.

Iwanowitsch ist ein Fußfetischist. Ein was?

'N Fußfetischist. Fetischist.

Er ist ganz verrückt nach meinen Beinen.

Es klopft.

Hier soll es ein kleines Mädchen mit großem Kummer geben.

Dein Tantchen geht mal wieder arbeiten.

Sonja.

Wenn er um dich anhalten würde,

müsstest du das gegen eine Mietskaserne tauschen.

Das willst du doch nicht.

Soll die andere unglücklich sein.

Der Orchesterleiter soll einen neuen Pianisten suchen.

Julian hat schon gekündigt.

Ein selten kluger junger Mann.

Er arbeitet jetzt als Reporter.

Na siehst du.

Wir müssen uns kein schlechtes Gewissen machen.

Der Rundfunkbeauftragte? Ganz richtig.

Ich gehe einfach hin. Du wartest hier in der Halle.

Das ist zu förmlich. Wie sehe ich aus?

Sehr hübsch, wie immer. Na dann.

Das gehört sich nicht. Du wartest dort vorne.

Stumme Szene

Herr Obermeter, bitte nehmen Sie doch Platz.

Womit kann ich ihnen behilflich sein?

Ich habe gehört, dass Sie einen neuen Radiosender eröffnen.

Sie sind informiert. Ich höre die Musiksendungen.

Radio sollte sich nicht aufs Wochenende beschränken.

Ich möchte mitarbeiten, etwas ganz Neues schaffen.

Musik, die sich über das Land ergießt.

Über den Weg im Äther.

Information für jedermann, jederzeit zugänglich.

Sie sind ja ein Visionär, Fräulein Schadt.

Ich bin gut im Schreiben.

Ich habe Gespräche mit einem Reporter geführt.

Kann man da mal was lesen? Das meiste ist in der Diskussion.

Aber darf ich ihnen eine Probe auf dem Flügel...

Wenn Sie so gut spielen wie Sie reden, merke ich mir ihren Namen.

Ich mache das, was nötig ist.

Er räuspert sich.

Stumme Szene

Stumme Szene

Gelächter und Stimmengewirr

Wenn Sie unbedingt arbeiten möchten,

dann finde ich hier im Haus etwas für Sie.

Er will es mit mir probieren.

Sie jauchzt auf und lacht.

Er ist mein Vater.

Friedrich, das müssen Sie mir erklären.

Da sollten Sie sich viel Zeit nehmen, Patron.

Er lacht kurz auf.

(erzählt) Und so trat ich meine erste Arbeit an,

in einem improvisierten Studio am Potsdamer Platz.

Klaviermusik Arme aufwärts heben.

Und senken und heben.

(erzählt) Ich weiß, wie viel Herr Adlon für die Lizenz bezahlte,

um das Programm zu hören.

780 Milliarden Mark Papiergeld.

Strecken, beugen.

Auf dem Höhepunkt der Inflation gab es in Berlin

eine Viertelmillion Arbeitslose.

Der Tageslohn derer, die Arbeit hatten,

reichte heute noch für eine Sehrippe mit Bulette,

morgen nur noch für die Sehrippe.

Das Geld wurde zu einer Lawine von wertlosem Papier.

Dauernd mussten alte Scheine vernichtet

und neue gedruckt werden.

(Hedda) Danke. - Danke schön.

(Hedda) Danke, Erika. - Ich danke.

(Hedda) Danke.

Und Friedrich, 56.

Dafür hätten Sie früher ein Schloss bekommen.

Bei der Inflation werden wir die Löhne täglich auszahlen müssen.

Vielen Dank. Patroness. Patron.

Aus Kalifornien. Brauchen deine Racker wieder Geld?

Sie fühlen sich dort sehr wohl.

Du solltest sie nicht zu sehr verwöhnen.

Das ist das Einzige, was ich für sie tun kann.

Und dich verwöhne ich ja auch.

Obwohl ich die Schulden nicht begleichen kann.

Wie viele Flaschen hast du inzwischen im Keller eingelagert?

Mit den erstklassigen Spirituosen zusammen, fast eine Million.

Warum fragst du?

Dein alter Spleen könnte uns jetzt retten.

Die Weinpreise steigen täglich.

In Amerika herrscht Alkoholverbot.

Ja. Ich habe das mal durchgerechnet.

Wir könnten durch den Weinhandel unsere Hypothekenzinsen begleichen.

Die Geldentwertung entwertet auch die Hypothekenpapiere.

Wir dürften bald Gewinn erwirtschaften.

Was meinst du, Foxy?

Was habe ich für eine schlaue Frau.

(Obermeter, heiser) Sonja.

Sie müssen mich heute retten.

Sie müssen sprechen.

Das kann ich nicht. Los, los.

Sie schaffen das, los.

Stumme Szene

Stumme Szene

Guten Morgen, liebe Zuhörer.

Heute turnen Sie...

Heute turnen Sie mit Sonja Schadt.

Wir beginnen wie immer mit den Atemübungen.

Klavierspiel setzt ein.

Einatmen . . . ausatmen.

Einatmen . . . ausatmen.

Stumme Szene

Und jetzt die Hüfte.

Linke Hüfte . . . rechte Hüfte.

Linke Hüfte . . . rechte Hüfte.

Und kreisen . . . kreisen . . . kreisen.

(aus dem Radio) ". . .Arme nach oben.

Wir beugen uns zur Seite.

Erst nach links, und dann nach rechts.

Nach links und nach rechts.

Jetzt strecken wir die Arme nach vorne

und gehen in die Knie.

Wieder hoch, und noch mal in die Knie.

Dann kreisen wir die Hüfte.

Und kreisen. . ." Da staunst du, was?

Deine Sonja hören sie jetzt im ganzen Land.

"Dann nach vorne beugen

und strecken und beugen.

Und Arme straff, und drehen nach links und nach rechts.

Nach links und nach rechts. . ."

Hast du sie noch mal gesehen? - Nein.

Jetzt kannst du sie wenigstens hören.

Wer hat gesagt, dass man nur mit einer glücklich sein darf?

Herr Monogamie. ". . .kreisen und kreisen."

Ein Langweiler, der Herr. ". . . und kreisen.

Und das Ganze wieder von vorne.

Arme aufwärts strecken

und nach vorne beugen.

Und eins,

und zwei,

und drei,

und vier.

Und Arme auswärts spreizen.

Und drehen und spreizen.

Und drehen und spreizen."

An die Arbeit, Herrschaften. Das Adlon ist keine Turnhalle.

". . . Und kreisen und kreisen und kreisen und kreisen.

Und wie immer das Atmen nicht vergessen."

Bravo.

Tanztee? Bei uns im Adlon?

Du willst Eintänzer engagieren? Wir haben einen Ruf zu verteidigen.

Foxy, das Adlon ist doch kein Kriegsschauplatz.

Unsere Gäste schätzen unsere konservative Tradition.

Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen.

Woher nimmst du die Eintänzer? Es gibt genug Kriegsveteranen.

Die würden für eine Mahlzeit ihr Tanzbein schwingen.

Die Bewerber müssen einen Offiziersrang haben.

Und Frauen sollen dann aus deinen Gigolos auswählen dürfen, ja?

Frauen haben schon sieben Jahre das Wahlrecht in der Politik.

Warum nicht auch bei der Wahl ihrer Tanzpartner?

Liebling, bleib bitte bei der Sache, ja?

Das tue ich gerade.

Dir müsste es doch gefallen, Don Giovanni.

Ein täglich ausgebuchter Tanztee mit einem Heer alleinstehender Damen.

Und bezahlter Gigolos.

Ah, ich verstehe. Mein Gigolo duldet keine Konkurrenz im Haus.

Na ja.

Wir werden keine Gigolos zum Tanztee engagieren.

Das ist mein letztes Wort.

Tanzmusik der 20er-Jahre

Tag.

Guten Tag.

Meine handverlesene Armee erhitzt die Gemüter besser als jeder Tee.

Dahin die schönen Zeiten, als wir noch um Führung geben wurden.

Richtige Männer werden nie die Führung verlieren, Foxy.

Pfeifen Sie ihre Hand zurück, mein Herr.

In einer Stunde in meinem Büro.

Ich werde pünktlich sein. Hallo.

Wiederholtes Hämmern

Sonja, ich brauche bis morgen ein Konzept.

Damit man im Ministerium unser Wochenprogramm sehen kann.

Immer zu Diensten, Herr Obermeter.

Es ist Post für Sie gekommen. Liegt auf dem Schreibtisch.

Gute Nacht.

Sentimentale Musik

Sie zerreißt den Brief.

Donnergrollen

(Mann) Fräulein Schadt.

Von Tennen.

Sebastian.

Wir kennen uns.

Ihre Schwester Alma und mein Bruder Siegfried waren verlobt.

Ach, Sebastian.

Schön, Sie wiederzusehen.

Na, kommen Sie. Kommen Sie schon.

Danke schön. Wie erging es ihrer Familie?

Wir haben unser Gut in Westpreußen nach dem Krieg verloren.

Meine Eltern leben jetzt in Wilmersdorf, recht bescheiden.

Wie geht es ihrem Bruder Siegfried? Ich habe ihn lange nicht gesehen.

Aber er ist politisch sehr aktiv.

Ich habe genug von Politik.

Ich bin nach dem Abitur an die Front.

So viele meiner Kameraden sind nicht zurückgekommen.

Er seufzt.

Würden Sie bei Herrn Adlon ein gutes Wort für mich einlegen?

Ich bräuchte Arbeit. Was haben Sie sich vorgestellt?

Ich bin ein recht passabler Tänzer.

Welche Konfektionsgröße tragen Sie?

Würden Sie denn mit mir auf eine Hochzeit gehen?

Warum nicht?

Danke schön. - Schalom. Willkommen. Einen Moment.

Schalom.

Bitte. - Danke.

Klarinettenspiel

Klarinettenspiel setzt sich fort.

Rabbi spricht Hochzeitsformel in hebräischer Sprache.

Julian spricht dem Rabbi nach.

Glas scheppert.

Freudiger Jubel

Fröhliche Musik

Seien Sie nicht so steif. Wir wollen uns amüsieren.

Ja.

Herzlichen Glückwunsch, ein langes Leben und viele Kinder.

Schön, dass Sie unser Gast sind.

Wer ist dein Begleiter?

Von Tennen, ein Freund der Familie. Mein Freund.

Herr von Tannen. - Von Tennen.

Westpreußischer Adel. Das ist Billy, mein Kollege.

Wir teilen uns ein Büro. Von Tennen, westpreußischer Adel.

Billy Wilder. - Von Tennen.

(Billy) Von mir aus. - Sonja Schadt.

Das Phantom vom Adlon.

Julian hat mir viel von ihnen erzählt.

Vielen Dank auch. Wofür?

Wegen ihrer Sendung habe ich Pfunde verloren: links die Hüfte...

Aber die lege ich mir heute wieder zu.

Auf dass wir alle glücklich werden.

(alle) Masseltoff!

Beschwingte Musik

(alle) Ho!

(alle) Ho!

Sie haben ja ein Rhythmusgefühl!

Mit etwas Glück werde ich Eintänzer. - Ach nee.

Im Adlon. - Die sind doch voll besetzt.

Ich habe ein Vorstellungsgespräch.

Dass Sie dann nicht über ihr Monokel stolpern.

Beschwingte Musik

Jede Dame ist ein kleines Universum.

Die einen möchten nur tanzen und sich führen lassen.

Einige wollen selbst führen.

Die anderen wünschen sich neben dem Tanz eine Unterhaltung.

Sie beherrschen das Feld der Konversation?

Aber natürlich.

Ihre Aufgabe ist es, sich in die Dame einzufühlen.

Bewähren Sie sich.

Die weibliche Psyche ist das interessanteste, was Gott je schuf.

Hatte der Teufel seine Finger nicht auch ein bisschen mit im Spiel?

"Billy Wilder". - Ja.

Habe ich ihren Namen nicht schon in der Zeitung gelesen?

Als Autor despektierlicher Artikel? - Bin ich doch so bekannt?

Was sind ihre Ambitionen?

Bestimmt nicht, ein Kokett zu sein. - Das ist hier auch nicht gefragt.

Dann lassen Sie mich tanzen, und ich habe Geld für Miete und Essen.

Sie sind also Reporter? - Ja.

Glauben Sie wirklich, dass wir zusammenpassen?

Empfehle mich, gnädige Frau.

Ich war neugierig auf das Adlon. Meine Neugierde kam nicht zu kurz.

Wiedersehen.

Diskretion ist das A und O.

Da werden wir uns ja nicht die Journaille ins Haus holen.

Tangomusik

Stumme Szene

Dein Schützling macht eine ganz passable Figur.

Aber Augen hat er nur für dich. Es ist nicht so, wie du denkst.

Aha. Da sehe ich aber etwas ganz anderes.

(Radio) "Unsere Rundfunkstation plant eine Weltpremiere.

Erstmalig werden wir ein Fußball- Länderspiel live übertragen.

Am 18. April aus Düsseldorf.

Zwischen der Deutschen Elf und den Niederlanden.

Noch eine Premiere. . ."

Heute wurde die Fluggesellschaft Lufthansa AG in Betrieb genommen.

"Sie entstand durch Fusion der deutschen Aero-Lloyd. . ."

Sprechchöre von draußen:

Wir scheißen auf die Freiheit der Judenrepublik!

Blut muss fließen knüppelhageldick!

Wir scheißen auf die Freiheit der Judenrepublik!

(einzelner Mann) Jude, verrecke!

(Menge) Jude, verrecke! Jude, verrecke!

(Radio) ". . .als Firmenzeichen das blau-gelbe Kranich-Emblem.

Ab Mai sollen auch Nachtflüge unternommen werden,

um damit einen Nachtpost- und Nachtfrachtverkehr aufzunehmen."

Zum Schluss eine Meldung für unsere Jazz-begeisterten Hörer:

Die "schwarze Venus" Josephine Baker gastiert im Nelson-Theater.

"Ganz Berlin ist mit dem Charleston-Fieber infiziert.

Und wo wird die legendäre Tänzerin wohnen?

Natürlich im Hotel Adlon."

Am Pariser Platz.

Rhythmisches Trommeln

Schwungvolle Charleston-Musik

Jubel aus der Menge

(alle rufen) Josephine!

Aufgeregtes Stimmengewirr

Sonja. Sebastian.

Ich habe zwei Karten fürs Nelson-Theater.

Galla, du musst mitkommen. Ich lasse noch eine Karte besorgen.

Danke, ich komme gerne mit.

Hallo, Sonja. Julian.

Ich habe zwei Karten für die Baker und Tamara dreht in Paris.

Willst du vielleicht mitgehen?

Wunderbar! Da ist deine Karte. Wir gehen zu viert.

Musik läuft weiter.

Beifall und Trommelwirbel

Illustre Charleston-Musik

(Sebastian) Bravo!

(Rufe) Bravo!

Rhythmische Klänge

Begeisterter Jubel

Sie ist doch toll. Ja?

Hast du sie auch schon mal gesehen?

Trommelwirbel

Tosender Beifall

Musik spielt weiter.

Bravo! Bravo!

Angeregtes Gemurmel

(Mann) Eine Schande!

Raus aus Deutschland!

Negerjüdin!

Pfoten weg von deutschen Männern! Das ist Rassenschande.

Brüderchen! - Siegfried.

Mit Negern treibst du dich rum. - Du kennst doch Sonja Schadt.

Die kleine Schwester ist erwachsen geworden.

(Julian) Lass uns gehen.

(Mann) Schämt euch! - (Mann) Verschwindet!

Wackel mal mit deinem Affen-Hintern!

Ich sehe nur einen Affen-Hintern! Auf deinem Hals!

Da kommt nur Scheiße raus! - (Sebastian) Hör auf!

Unheilvolle Klänge

(SA-Mann) Rassenschänder!

(Sebastian) Jetzt komm, Julian!

(Mann) Hey, du Arsch.

Geht weiter!

Kampflaute

Geh weiter! Schmerzenslaut

Aufhören!

Lasst mich los!

Aufhören!

Julian, oh Gott!

Scheiße, Mensch.

(Sebastian) Hättest du nicht früher eingreifen können?

Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Darüber solltest du nachdenken.

Wir gewinnen den Kampf. - Rumpöbeln nennst du kämpfen?

Es wird Zeit, dass du ein paar politische Grundsätze lernst.

Schuss fällt.

Galla?

Galla?

Galla! Nein!

Nein.

Sonja atmet panisch. Galla.

Beklemmende Musik

(Sebastian) Polizei! Polizei!

Wir brauchen einen Krankenwagen!

Galla, bleib bei mir. Bleib bei mir, bitte.

Galla. Galla.

Sonja schluchzt. Nein.

Galla.

Galla. Sonja schluchzt laut.

Galla. Nein! Galla.

Gehen Sie beiseite.

Düstere Klänge Sonja weint.

Ergreifende Musik

(erzählt) Galla war mir immer wie eine Mutter gewesen.

Ihr Tod traf mich mitten ins Herz.

Ich verfluchte diesen Abend.

Und diese Nacht.

Ich ging zur Polizei und flehte sie an,

die Suche nach Gallas Mörder aufzunehmen.

Aber die Behörden interessierte der Fall nicht.

Kirchenglocken läuten.

Sonjalein, du bist mir nicht böse, wenn ich schon gehe.

Ich habe gehofft, dass ich dich hier finde.

Vom Polizeipräsidium.

"Die von ihnen als verdächtig angegebene Person trug keine Waffe.

Wer den tödlichen Schuss abgab, konnte nicht ermittelt werden.

Wir werden den Fall niederlegen aus Mangel an Beweisen."

Die lassen uns einen halben Tag Fragen beantworten,

um sich einen Dreck darum zu kümmern.

Von Sebastian habe ich nichts gehört.

Er hat sich noch nicht mal im Adlon abgemeldet.

Sein Bruder gehört zur Führung der Berliner Sturmabteilung.

Die Polizei und SA geben sich gegenseitig Rückendeckung.

Wäre sie bloß zu Hause geblieben. Such die Schuld nicht bei dir.

Wir müssen uns nur eins vorwerfen: dass wir es zulassen,

dass dieser Hitler und seine Konsorten immer mehr Macht gewinnen.

Meinst du, wir können uns ab und an sehen?

Ich eigne mich nicht als Zweitfrau.

(erzählt) Julian noch einmal zu verlieren,

das hätte ich nicht ertragen.

Ende der 20er-Jahre war das Adlon zu einer Legende geworden.

Staatsmänner wie Briand und Roosevelt kamen ins Hotel.

Nobelpreisträger wie Albert Einstein und Thomas Mann.

Künstler wie Anna Pawlowa, Marlene Dietrich, Emil Jannings.

Und Charlie Chaplin.

Oder die berühmte Stummfilmdiva,

die 1931 in unerwarteter Begleitung erschien.

Laute Rufe Da ist sie ja.

Wer? Pola Negri.

(Mann) Pola! Pola! Bitte noch einmal!

Und der Junior!

Der verlorene Sohn ist heimgekehrt.

(Mann, auf Englisch) Danke, Pola.

Herzlich willkommen in unserem Hause, gnädige Frau.

(auf Englisch) Danke.

Mein Sohn. . . (Hedda) Herzlich willkommen!

Ihr Film, "Straße der verlorenen Seelen"...

(auf Englisch) Ja? - Fantastisch. Ich bewundere Sie.

Sehr freundlich. - Mich bewundert sie nicht.

Willkommen, Louis.

(Louis junior) Ich hoffe, dass die Fürstensuite zu haben ist.

Für zwei verlorene Seelen . . . Natürlich. Bitte sehr.

Begeisterte Rufe (Mann) Pola! Pola!

Streichermusik

Ihr Film, "Straßen der verlorenen Seelen"...

Ich bewundere Sie sehr.

Kusslaut Oh, Darling!

Ich und das Adlon werden eine große Legende werden.

Und du, lieber Louis, du darfst sogar mitspielen.

Aber nur, wenn du ein schlimmer Junge bist.

Zeig mal deiner Hedda, was für ein ganz schlimmer Junge du sein kannst.

Sie lacht leise.

Wollen wir nicht einfach heiraten?

Wir verprassen mein Erbe, bevor dieses Miststück alles ausgibt.

Hab ich nicht vor einer halben Stunde eine neue bestellt?

Und wo bleibt der Kaviar? Sie stöhnt.

Die können was erleben! Sie lacht leise.

(auf Englisch) Entschuldigen Sie. Kümmern Sie sich bitte, Friedrich.

Hallo, Hedda.

Die Lippenstiftfarbe steht ihnen gut, Hedda.

Sie müssen mir die Marke verraten.

Sie sehen leicht derangiert aus. Kann ich ihnen behilflich sein?

Ja! Man scheint uns in diesem Hotel vergessen zu haben.

Ich warte schon eine halbe Stunde.

Musst du dich in diesem furchtbaren Kostüm vor meinen Gästen zeigen?

Furchtbar? Das sage ich Pola. Das sind ihre Paradestücke.

Unter uns Frauen: Das Kleid hat nicht deine Klasse, Hedda.

Was meinst du? Gefallt dir Hedda so? Komm, Schatz.

Genau, Louis. Sag doch mal!

Was ist so unwiderstehlich an diesem Miststück,

dass du dafür deine Familie im Stich gelassen hast?

Deine Ausbildung war sehr teuer, und was ist aus dir geworden?

Wenn du wissen willst, was aus dir geworden ist, schau in den Spiegel.

Da siehst du jemanden, der seine fünf Kinder und ihre Mutter abschob,

weil sie ihm nicht mehr in den Kram passten.

Louis junior schluchzt.

Er weint.

Er schluchzt. Ist gut. Ist gut.

Beschwingte Musik Mehrstimmiger Gesang

Lied: "Ich wollt, ich wär ein Huhn" von Comedian Harmonists

"Ich wollt, ich wär ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun.

Ich legte täglich nur ein Ei und abends war ich frei.

Mich lockte auf der Welt kein Ruhm mehr und kein Geld.

Und fände ich das große Los, dann fräße ich es bloß.

(im Chor) Ich brauchte nie mehr ins Büro.

Ich wäre dämlich, aber froh. Sänger imitieren gackernde Hühner.

(solo) Ich wollt, ich war ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun.

Ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei.

Stumme Szene

Gesang geht weiter.

Der Mann hat's auf der Welt nicht leicht, das Kämpfen ist sein Zweck.

Und hat er endlich was erreicht, nimmt's seine Frau ihm weg.

Er lebt, wenn's hochkommt, hundert Jahr und bringt's bei gutem Start

und nur, wenn er sehr fleißig war,

zu einem Rauschebart.

Ich wollt, ich wär ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun.

Sänger imitieren gackernde Hühner.

Mich lockte auf der Welt kein Ruhm mehr und kein Geld.

Ich brauchte nie mehr ins Büro.

Und du warst dämlich. . . - Aber froh!

Ich wollt, ich wär ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun."

Sänger pfeifen mehrstimmig.

Stumme Szene

Musik klingt aus. Applaus

Langsame Klaviermusik im Hintergrund

So, da bin ich also.

Lied: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt"

Was gibt's?

Einen Sherry?

Was machen Tamara und ihre Pelmenis?

Bei ihrer Filmkarriere macht sie sich sicher rar als Küchenfee.

Wir haben uns getrennt.

Aha.

Und warum? Er lacht auf.

Ich hab ihren letzten Film gesehen. Und?

Toll.

Danke.

Und jetzt ist dein Herz gebrochen und du willst dich ausheulen?

Hast du geglaubt, dass ich auf dich warte?

Du hast einen . . . Freund?

Ich bin unabhängig.

Du bist gegangen, als ich dich am meisten gebraucht hätte.

Du warst 17 und ich sollte deine Familie sein.

Sonja, das konnte ich nicht. Ich weiß.

Trotzdem. Ich hätte dich gebraucht.

Gott, wie verliebt ich in dich war.

Er seufzt tief.

Ich kannte Tamara ein halbes Leben.

Sie und ihre Familie haben mir Sicherheit gegeben.

Und jetzt hast du Angst, allein zu sein.

Deshalb bestellst du mir einen Sherry

und versuchst, meine Hand zu halten?

Nein.

Ich war die ganze Zeit allein.

Ohne dich.

Und du glaubst, dass ich mich noch einmal in dich verliebe?

Es klopft.

Herein.

Guten Morgen. Danke, Raphael.

(lachend) Warte.

Statt Blumen.

Du hast also einen Verleger gefunden? Glückwunsch.

"Böser Herbst. Die Luft hat etwas Drückendes.

Böse Worte an den Anschlagsäulen.

Auf den Straßen kotbraune Uniformen."

Du musst vorsichtiger sein, was du schreibst.

Ja, das wäre besser.

Das Problem ist: Entweder ich schreibe, wovon ich überzeugt bin,

oder ich halte die Klappe.

Ich glaube nicht, dass dir das lieber wäre,

nach allem, was mit Galla passiert ist.

Ich vermisse sie so.

Wenn wir jemals ein Kind haben,

dann möchte ich es genauso lieben, so bedingungslos,

wie Galla mich geliebt hat.

Er seufzt leise.

Gefühlvolle Musik

Musik wird düster.

Menschenmenge singt das Deutschlandlied.

Beklemmende Klänge

Stumme Szene

Musik klingt aus.

Margarete, wenn du dich mit diesen Leuten abgibst, dann nicht hier.

Spiel dich nicht auf. Bald bist du froh, dass ich deine Schwester bin.

Hotte hat mir einen Heiratsantrag gemacht.

Wir haben uns die Wohnung ansehen. Vier Zimmer, Küche, Badewanne.

Zentralheizung!

Weißt du, wie schön das ist, endlich nicht auf die Mark gucken zu müssen?

Und die Leute sagen "Gnädige Frau" zu mir.

(Mann) Für den Führer: Sieg! - (Männer) Heil!

Sieg! - Heil!

(Mann) Jawohl! - Prost!

Unheilvolle Musik

Lied: "irgendwo auf der Welt" von Lilian Harvey

Lied ertönt aus dem Lautsprecher.

Es klopft. Herein.

Guten Tag.

(ungläubig lachend) Sebastian!

(Sebastian, erfreut) Sonja!

Wie schön, dich zu sehen.

Na komm.

Wieso hast du dich nie mehr gemeldet?

Setz dich doch.

Es tut mir so leid.

Ich konnte das damals einfach nicht.

Er seufzt. Hat man denn den Täter gefunden?

Es war eine schreckliche Nacht, damals.

Die Polizei hat meinen Aussagen keine Bedeutung beigemessen.

Ich . . . hatte so ein Gefühl vollkommener Orientierungslosigkeit.

Es klopft.

Entschuldige.

Vielen Dank. Das mache ich heute selbst.

Dann habe ich begriffen, dass ich etwas aus meinem Leben machen muss.

Ein Mann werden.

Ich habe mich immer an deinen Enthusiasmus erinnert.

Ich habe für verschiedene Zeitungen gearbeitet.

Wenn du so willst, habe ich eine journalistische Ausbildung gemacht.

Dann habe ich noch einige Semester Philosophie in München studiert.

Wunderbar, so will ich's haben. Schneidet bitte mit.

Ich hoffe, ich bekomme heute noch meinen Lieblingstitel zu hören.

(Mann über Telefon) "Und der wäre, Herr von Tennen?"

"Ich tanze mit dir in den Himmel hinein".

(Mann über Telefon) "Selbstverständlich."

(singt) "In den siebenten Himmel der Liebe".

Musik ertönt im Hintergrund.

Ja. . . Im Herzen bin ich immer noch der kleine Junge,

der sich mit 11 Jahren in dich verliebt hat.

Ab nächsten Monat wirst du mehr Sendezeit bekommen.

Ich möchte deine Vorstellungen hören.

Wo hat man dich reglementiert? Was möchtest du ändern?

Jetzt können wir das Programm in unserem Sinn gestalten.

Ich brauche deine Fachkenntnisse und du bekommst meine Unterstützung.

Sebastian, ich lebe jetzt mit Julian zusammen.

Wir werden heiraten.

Und?

Willst du deswegen nicht mit deinem alten Freund zusammenarbeiten?

Sonja stöhnt.

Langsame Klaviermusik

Sirenengeheul

Hundegebell

Dramatische Musik

Lautes Sirenengeheul

Der Reichstag.

Das werden sie den Kommunisten anhängen.

Spannungsvolle Musik

Bedrohliche Musik

Obermeter und zwei Mitarbeiter wurden verhaftet.

Zeigen Sie mir später den fertigen Text. - Heil Hitler!

Leise Grammofon-Musik

Minister Göring lasst die Kommunisten verhaften.

Aber Obermeter und die anderen sind keine KPD-Mitglieder!

Musik wird lauter. Ein kommunistischer Aufstand

soll verhindert werden. Das ist der blanke Terror.

Überall in der Stadt werden Verhaftungen vorgenommen!

Julian.

Spannungsgeladene Musik

(Siegfried) Zweiter Stock! - Wir müssen raus hier.

Telefon klingelt.

Oh, Mist. Komm, los! - Warte!

Mann, jetzt komm schon! Los! Telefon klingelt weiter.

Telefon klingelt weiter.

Telefon klingelt.

Komm, mach schon.

Lass das liegen! Komm!

Sie atmet schwer.

Telefon klingelt.

(panisch) Julian? Sonja hier.

Hallo?

Billy, bist du's? (Siegfried) "Frau Schadt."

Wer spricht denn da?

Was für eine Überraschung.

Schuss fällt.

Billy!

Sie atmet zittrig.

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