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VERSAILLES, 14. Juli 1789
Sidonie...
Wie spät ist es? Ich bin's, Louison.
Viertel nach sechs.
Was willst du?
Darf ich die Uhr sehen?
Hast du schon hundertmal. - Bitte!
Nein!
Darf ich rein?
Weißt du, mit wem ich geschlafen habe?
Ist mir egal.
Du wirst als alte Jungfer enden!
Weg da!
LEB WOHL, MEINE KÖNIGIN!
Die Königin wartet in Trianon.
Schläft sie da? - Sie schläft wo sie will.
Jasmin oder Veilchen?
Veilchen,
Wie geht es Madame de Bargue?
Sie hat sich die ganze Nacht übergeben.
Je mehr er sie betrügt, desto mehr futtert sie.
Danke, Alice. Ich fühl mich schon besser!
Sidonie!
Du hast was vergessen.
Beeilung!
Zehn Minuten zu spät!
Wozu leihen wir Ihnen Monsieur Janviers Uhr?
Verzeihung, Madame Campan.
Und auch noch schmutzig!
Hat Ihre Majestät gut geschlafen? - Eben nicht.
Sie hatte einen furchtbaren Alptraum. Madame de Soubise fand sie außer sich.
Was wollen Sie lesen? - Marivaux.
Bloß nicht!
Ich empfehle eher... Bossuets Grabreden.
Die von Maria Theresia von Österreich? - Ausgezeichnete Idee!
Alles aus Österreich ist der Königin ein großer Trost.
Mademoiselle Laborde!
Und so früh! Wie kann ich Ihnen danken?
Für Eure Majestät würde ich noch weiter reisen, falls von ihr gewünscht.
Ich weiß, wie ergeben Sie mir sind. Treten Sie näher.
Eine Tasse Kaffee!
Kosten Sie diesen Schatz von den Antillen,
ein Hochgenuss für die Papillen! (Papillen = Geschmacksknospen)
Hören Sie das? Ich reime.
Haben Sie sich die Zunge verbrannt?
Kaum, Majestät.
Der Kaffee ist köstlich.
Lassen Sie sich Zeit, Mademoiselle.
Was gedachten Sie, mir vorzulesen?
Ich dachte an... Bossuets Grabrede für Maria Theresia.
O nein! Wie trostlos!
Die Arme hat sich ihr Leben lang gelangweilt.
Kennen Sie ihre letzten Worte?
"Seit ich Königin bin, hatte ich nur einen Tag des Glücks!"
Und niemand weiß, welcher es war.
Nein, bitte...
Schlagen Sie mir etwas...
etwas Frivoles vor.
Ich dachte auch an "Das Leben der Marianne".
Das zweite Kapitel.
Als Valville sie nach der Messe fast umwirft,
Marivaux ist mir recht.
Aber ich ziehe das Theater Romanen vor.
Bringen Sie mir...
"Félicie" aus der Bibliothek.
Sofort, Majestät.
Nun?
Alles bestens.
Ich gehe zur Bibliothek.
"Das ist wahrlich ein schöner Tag."
"Und wir gehen schon lange spazieren."
"Und die Freude Ihrer Gesellschaft"
"war immer groß, doch diesmal berührt sie mich besonders."
"Ich glaube, Sie lieben mich, Félicie."
"Glauben Sie, Madame?"
"Was?"
"Erkennen Sie erst heute diese Wahrheit?"
"Sie, die Quelle alles Guten in meinem Herzen und Geiste?"
"Sie waren stets das Objekt meiner..."
Warum kratzen Sie sich ständig?
Mückenstiche.
Zeigen Sie mal.
Verzeihen Sie.
Augustine!
Rufen Sie Madame Campan!
Wissen Sie, wo die herkommen?
Vom Teich!
Wenn ich bedenke, dass wir uns mit dem fauligen Wasser waschen...
Es soll sogar Ratten geben.
Widerlich!
Eure Majestät ließ mich rufen?
Ja, Madame Campan.
Bringen Sie bitte Rosenholzöl für Mademoiselle Laborde.
Es ist alles so widerwärtig!
Wenn das so weitergeht, werden wir bald in einer Kloake leben.
Ich bin untröstlich, Eure Majestät.
Sollen wir die Lektüre von "Félicie" fortsetzen?
Nein, genug davon.
Lesen Sie aus dem Modemagazin vor.
Das haben Sie doch neulich mitgebracht?
Fangen Sie an.
"Kleider werden mit Silber und Gold verziert."
"Besonderer Beliebtheit erfreuen sich"
"Besätze aus Tüll oder Filet"
"mit Girlanden aus Blumen"
"und wie Liebesschlaufen geformten Haken."
Weiter!
"Dazu kommen chinesische Troddeln"
"oder Füllhörner, die Blumen verströmen..."
Weiter, die Stickereien!
"Von buntbestickten Korsagen aus feinstem Leinen"
"sind unsere Damen rasch zu bestickten Kleidern übergegangen..."
Ich habe eine Idee für meine Kleider!
Madame d'Ossun möchte mein Heft mit den Mustern bringen.
Eine Stickerei... die einer Dahlie nachempfunden ist.
Sehen Sie?
Ja, Madame Campan?
Ach ja!
Geben Sie her!
Tausend Dank.
Zeigen Sie mir Ihren Arm.
Das ist skandalös!
So ein hübsches Ärmchen, ganz geschwollen.
Das Rosenholzöl
ist gut gegen den Juckreiz.
Das Jucken ist schon weg.
Madame d'Ossun!
Treten Sie näher.
Geben Sie mir das Heft,
Ich habe hier einen Stoff, der wunderbar
zu der Stickerei passen würde.
Da ist es!
Wir müssen Madame Bertin fragen.
Sie ist eine Fee!
Sie kratzen sich vor der Königin?
Darüber reden wir noch!
Bist du wirklich Italiener?
Hört man das nicht?
Alte venezianische Familie.
Wovon handelt das Lied?
Das sollten Sie lieber nie erfahren.
Warum nicht? - Es ist ein Liebeslied.
Wie banal!
Die Herzogin!
Kennen Sie Herzogin Gabrielle de Polignac?
Alle am Hof kennen sie.
Ich bin nicht am Hof, aber ich habe gute Ohren.
Die Königin ist vernarrt in sie.
Angeblich ist Gabrielle de Polignac
gleichgültig ihrem Gatten gegenüber.
Und dass sie lockere Sitten pflegt!
Das geht mich nichts an.
Ich weiß es jedenfalls.
Sie liebt die Fahrten auf meiner Gondel.
Könnten Sie bitte schneller rudern?
Sie werden sehen.
Sie wird ihr Zimmermädchen entlassen, damit sie mit mir allein sein kann.
Letztes Mal wollte sie "il mio cazzo" sehen.
Wissen Sie, was ich meine?
Das will ich nicht wissen.
Wie heißt du? - Sei jetzt still!
Kannst du bitte umdrehen?
Soll ich Sie begleiten, Herzogin?
Nicht nötig, Madame Tournon.
Bei Paolo bin ich in sicheren Händen.
Wie geht es der Königin?
Bestens.
Angeblich gibt es immer weniger Brot in Paris.
Deshalb kommen keine Wölfe mehr aus dem Wald.
Was reden Sie wieder für Unsinn?
Das höre ich überall.
Sie reden dummes Zeug.
In meinem Alter sieht man der Wahrheit ins Auge.
Die Wahrheit ist, dass wir in Versailles sicher sind.
Weiß die Königin, dass du sticken kannst?
Natürlich nicht.
Ich würde als ihre Stickerin enden.
Marie-Antoinette mag Kleider lieber als Bücher.
Ich möchte nicht mehr hingehen.
Den Gedanken ertrage ich nicht.
Ich hasse diese Arbeit.
Und meine Herrin, die nicht mit diesem Wandteppich aufhört.
Du bist doppelt so schnell!
Nicht die Bäume sticken.
Wir sagen ihr einfach das sind fliegende Mohnblumen.
Mir tut der Rücken weh.
Und Hunger hab ich!
Ich habe diesen nie endenden Wandteppich satt!
Für mich ist das wie eine Reise durch eine schöne Landschaft.
Ich kann verstehen, dass die Königin stundenlang ihre Stoffe betrachtet.
Dabei kann sie vergessen, dass sie Königin ist.
Ich vergesse nie, wer ich bin.
Ihr spinnt ja beide!
Kennst du einen Kerl namens Paolo?
Der Gondoliere von Klein-Venedig? Das ist René.
Er ist seit zwei Wochen da.
Aber er spricht Italienisch?
Er ist ein mittelloser Schauspieler, lügt wie gedruckt.
Vertrau' dem bloß nicht!
Er hat ein schönes Äußeres.
Das nutzt er aus, glaub mir.
"Cazzo"...
Kennst du das Wort?
Willst du das wirklich wissen?
Penis.
Ich sag doch, trau' dem Kerl nicht!
Sagt es laut!
Das ist nichts für deine prüden Ohren.
Louison hat einen Neuen. - Ich weiß.
Bis zum Nächsten.
Er heißt Gustav.
Grenadier in einem Schweizer Regiment.
Sie sind schon kampfbereit.
Sein Kommandant sagt Gustav spricht nur Deutsch.
Mit uns muss er nicht reden. Gleich zur Sache!
Die Pfarrer! Zeit für die Beichte, Louison!
Habt ihr Hübschen schon mal Ratafia getrunken?
Gläser für alle!
Wir haben beim Kardinal de Montmorency gespeist.
Über 80 Desserts,
nicht mitgezählt die kandierten Früchte, Kompott,
Eis, Krokant...
Ich liebe kandierte Zitrone.
Ich kenne deine Vorliebe, Louison.
Kandierte Engelwurz-Stängel. Na, krieg ich ein Küsschen?
Nur auf den Hals.
Gaspard, hast du deine Geige?
Spiel einen Kontratanz!
Auf das Wohl von König Ludwig!
Ich kenne viele Namen der neuen Regierung!
Namen! Ich liebe Namen!
Willst du welche hören? Die Princesse de Lamballe,
Oberhofmeisterin der Königin.
Die Comtesse d'Ossun, Garderobendame der Königin,
Ich sah sie heute.
Der Comte d'Haussonville, Oberster Wolfsjäger.
Die Princesse de Chimay, Hofdame der Königin.
Die Damen, die Madame begleiten.
Die Damen der Damen...
VERSAILLES, 15. Juli 1789
Sidonie!
Mach' auf! Ich bin's, Louison.
Jemand hat den König mitten in der Nacht geweckt!
Angeblich eine Kolik.
Ist der König krank?
Mein Cousin, sein Erster Diener, hält Wache an seinem Bett.
Und was sagt er?
Er hat Kabeljau gegessen, der nicht frisch war.
Unmöglich, ich kenne seinen Kammerherren!
Der König freute sich auf die Jagd.
Habt ihr schon gehört?
Der König wurde um zwei Uhr morgens geweckt.
Ich habe Wasser für dich.
Sagt Madame de Bargue das? - Nein. Honorine.
Weiß es die Königin? - Frag du sie!
Ich muss zurück, sonst bekomme ich Ärger.
Das nennst du Brot?
Manchen reicht das eine Woche.
Und? Hast du was erfahren?
Wenn ich Englisch sprechen könnte.
Ein Engländer hat den König geweckt?
Wenn es ernst wird, sprechen M. und Mme. de la Tour de Pin Englisch.
Ich habe viermal "Bastille" gehört.
Es muss etwas Schlimmes sein.
Ein Ausbruch oder ein Feuer? Ich frage Gustav.
Ich frage lieber Monsieur Moreau, der spricht Französisch.
Erzählst du uns dann davon?
Wenn er es mir erlaubt.
Mademoiselle Laborde!
Madame Bertin braucht Sie.
Ich kümmere mich um den Umzug der Königin.
Es ist etwas heikel, aber na ja...
Ich erkläre es Ihnen.
Marie-Louise, meine Stickerin, ist krank,
und die Königin wünscht ein Dahlienmuster.
Sie kennen ja die Königin.
Wenn sie etwas möchte, wird so ungeduldig,
dass einem schwindlig wird.
Denkt Madame Campan, ich langweile mich ohne Lektüre?
Sie versicherte mir, Sie seien eine gute Stickerin.
Sie kennt den Unterschied zwischen Lesen und Sticken nicht.
Aber ich.
Ich beneide Ihre Leidenschaft für Bücher.
Zu gegebener Zeit sage ich der Königin, dass Sie das Muster gemacht haben.
Bloß nicht!
Sie weiß nichts davon, dass ich sticke.
Also abgemacht?
Unter einer Bedingung... Also abgemacht?
Unter einer Bedingung...
Sie wollen den gleichen Lohn wie Marie-Louise?
Es geht nicht um Geld,
sondern um jene Nacht...
Madame Campan weiß sicher etwas.
Ich habe geschworen.
Ich kann schweigen.
Verzeihung, aber...
Ich hab' es nicht verstanden.
Das Volk hat die Bastille gestürmt.
Die Bastille?
Die Königin wurde heute vormittag informiert.
De Breuil soll mit einem ausländischen Regiment nach Paris marschieren.
Graf d'Artois unterstützt sie dabei.
Der Bruder des Königs? - Yes.
Der König ist verärgert über ihn.
Er ist gerade in einer Beratung.
Die Lage ist sehr ernst.
Reden Sie mit niemandem darüber!
Mein Gott!
Ich würde die Gunst der Königin verlieren. Kommen Sie mit.
Ich gebe Ihnen das Heft mit den Mustern. Madame d'Ossun erfährt nichts.
Wie lange benötigen Sie für die Stickerei?
Nur eine kleine Dahlie, so dass Ihre Majestät eine Idee davon bekommt.
Störe ich Sie?
Sie stören mich nie, Mademoiselle Laborde.
Geht es um Neuigkeiten?
Das Wichtigste weiß ich schon.
Monsieur de Barentin, der eben ging, hat mir die Einzelheiten erzählt,
Bleiben Sie nicht stehen.
Nehmen Sie meinen Stuhl.
Setzen Sie sich.
Es war so...
Gestern in aller Frühe
wurde ein Munitionstransport zur Bastille
von Aufrührern angegriffen,
die danach das Waffenlager der Invaliden geplündert haben.
Das bewaffnete Volk
ist dann in Scharen auf die Bastille zugestürmt.
Der Widerstand der Wachen war tapfer,
aber vergeblich.
Der Kommandant der Festung, Monsieur de Launey, wurde geköpft.
Viele Schweizer Soldaten
wurden niedergemetzelt.
Und wer war im königlichen Gefängnis eingesperrt?
Vier Fälscher, zwei Verrückte
und ein Lustmolch, der auf Bitte seiner eigenen Familie eingesperrt war.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Es gibt auch nichts mehr zu sagen.
Der Schaden ist angerichtet.
Überall im Königreich werden Aufstände ausbrechen.
Die Offiziere des Königs sind derzeit nicht zu beneiden!
Es ist also wahr.
Jemand hat den König geweckt.
Der Duc de La Rochefoucauld hatte die Ehre...
und das Pech.
Was wird mit uns geschehen?
Versprich mir...
Sag niemandem, dass ich das Heft mit den Mustern der Königin habe.
Verlass' dich drauf.
Schau.
Das ist die Dahlie, die ich sticken werde.
Kommen Sie, Madame...
Was sagen sie? - Sie sprechen Englisch.
Sie sagten "Polignac".
Gabrielle?
Du nennst sie Gabrielle?
Wieso? Sagen wir etwa Herzogin?
Von wegen Herzogin!
Die hat es gut angestellt.
Was denn?
Fang' du nicht auch an.
Vom verarmten Landei zur Favoritin der Königin.
Wie nennst du sowas?
Ich nenne das eine Hure.
Du plapperst deiner Herrin nach.
Ich sage, was all sagen.
Sie bringt der Königin Freude.
Nun sei still oder ich gehe!
Ach, komm! Du weißt doch, was sie mit Paolo treibt...
Sei endlich still!
Der König!
Ich träume wohl!
Sieh dir das an!
Da ist der König!
Er verlässt das Schloss.
Zu Fuß.
Flieht er? - Nein.
Seine Brüder folgen ihm.
Sie sehen nicht gerade fröhlich aus.
Wo gehen sie hin?
Er trägt seinen Federhut nicht.
Schau, sein Bruder wäre fast ausgerutscht!
Bei dem fetten Arsch würde er weich fallen.
Ich werde mir das aus der Nähe anschauen.
Kommst du mit? - Und wenn Madame nach mir läutet?
Sag' ihr, die Bastille wurde gestürmt!
Das ist eine Qual.
Nein, mein Bruder.
Es ist eine Notwendigkeit.
Sie machen alles verkehrtherum.
Wenn mein Herr mich sieht!
Monsieur de la Tour de Pin ist Abgeordneter.
Und?
Er wird sicher mit dem Abgeordneten de Bailly verhandeln.
Worüber?
Schluss mit der Fragerei!
Lassen Sie mich durch!
Louison!
Sidonie, das ist mein Gustav.
Sidonie Laborde, die Leserin der Königin.
Nur die Zweitleserin. - Das versteht er nicht.
Schöner Schnurrbart!
Lässt er uns rein?
Wie nett du auf einmal sein kannst!
Was bekomme ich dafür?
Ich leihe dir Monsieur Janviers Uhr für eine ganze Nacht.
Wirklich?
Geh durch!
Geh!
Dies ist mein Herzenswunsch,
mein innigster Wunsch.
Diesen Lohn erwarte ich für meine guten Absichten
und meine Liebe für mein Volk.
Kommst du nicht essen?
Jetzt schon?
Wie spät ist es?
Wo ist die Uhr?
Die hab' ich Louison geliehen.
Das ist hübsch.
Für wen ist das?
Für eine teure Freundin.
Kenne ich sie?
Nein.
Madame hat Verstopfung, also isst sie nichts.
Wie wär's mit Königinpastete?
Ich habe keinen Hunger.
Was machst du dann?
Ich warte.
Worauf wartest du?
Dass die Königin mich rufen lässt.
Mit leerem Magen?
Ich habe Angst, Alice.
Ich habe Angst um sie.
Königinpastete!
Sie verwöhnen mich!
Ich hatte mich schon mit Linsen abgefunden.
Vorsichtig!
Verzeihung, ich sehe nicht gut.
Und ich erst!
Immer weniger.
Ich habe das Gefühl, es wird sogar schneller dunkel als sonst.
Mein Gott!
Das habe ich schon ewig nicht mehr gegessen.
Sie arbeiten zu viel, Monsieur Moreau.
Das ist nicht gut für Ihre Augen und Gesundheit.
Die Ereignisse machen mir zu schaffen.
Alles geht jetzt zu schnell.
Der König wurde bejubelt.
Der König wurde bejubelt, weil er im Stehen sprach und ohne Hut.
Er wurde nicht als König bejubelt,
sondern als gewöhnlicher Bürger.
Köstlich!
Wissen Sie, was mich am meisten schmerzt?
Die Bosheit gegenüber der Königin.
Ich weiß um Ihren Eifer für Marie-Antoinette.
Keineswegs.
Ich bin nur ihre Dienerin.
Was sage ich?
Die Dienerin der Bücher der Bibliothek Ihrer Majestät.
Keinerlei Eifer.
So jung...
und schon so blind.
Ihre Liebe für die Königin
macht Sie zu nachsichtig gegenüber ihren Launen.
Gabrielle de Polignac ist eine Illusion,
die sie teuer zu stehen kommt...
und wofür sie noch nicht alles abbezahlt hat.
Ich möchte nicht, dass Sie in die falschen Hände geraten.
Moreau!
Sagen Sie...
Wo sind unsere Diener?
Ich läute seit einer Stunde, niemand antwortet.
Niemand kommt, das ist unerträglich!
Monsieur Marquis, ich nehme an, diese sind ebenso verirrt wie ihre Herren.
Der Marquis haust seit zehn Jahren in einem Rattenloch.
Dabei soll sein Schloss herrlich sein.
Nur um den König zweimal pro Woche im Spiegelsaal zu sehen.
Und das ist nur, wenn er Glück hat.
Moreau! Gerade zur rechten Zeit!
Angeblich stürmen ganze Horden auf Versailles zu?
Wie lange werden die brauchen bis Paris?
Zwölf Stunden? Fünfzehn?
Ist der König darauf vorbereitet?
Sorgen Sie inzwischen selbst vor, Monsieur de Jolivet.
Das Volk ist ein leicht entzündbarer Stoff.
Ich muss unsere Verteidigung vorbereiten.
Ich glaube, ich bleibe hier.
Hier? Was für eine absurde Idee!
In meinem Zimmer werde ich keinen Schlaf finden.
Dann verabschiede ich mich jetzt.
Und danke für das improvisierte Abendessen.
Es war exquisit.
Aber eines hat mir gefehlt.
Ein gutes Fläschchen.
Habe ich ganz vergessen!
Soll ich eine holen gehen?
Sparen Sie sich die Mühe.
Ich gehe selbst,
ich muss mir die Beine vertreten.
Nun ja...
alle halten mich für weise,
dabei bin ich wie alle anderen.
Es ist nur ein Pamphlet,
aber daran sieht man, was sich vor unserer Nase abspielt.
Mademoiselle Laborde,
falls Sie die Königin sehen,
berichten Sie ihr von dieser Schmach.
Lesen Sie es uns vor?
Es ist die Liste
der 286 Köpfe,
die rollen müssen,
um die nötigen Reformen umzusetzen.
Die ersten zwei Namen
sind die der Königin
und des Comte d'Artois.
Dann...
Dann?
Die Herzogin de Polignac
und die Princesse
de Lamballe.
Ich bin...
der 21. Kopf,
der rollen soll.
Monsieur Moreau!
Sidonie!
Es ist noch kein Weltuntergang, aber...
Sie haben zu viel getrunken.
Die Königin ist in Gefahr,
Wenn der Wurm im Apfel steckt...
Machen Sie Platz!
Sie werden überall gesucht, Häschen.
Wer sucht mich?
Der Wolf.
Wer sucht mich?
Macht Platz für Jugend!
Ich gehe wieder hinunter in die Küche.
Kochwein ist sauer, aber...
der tut's schon.
Was willst du?
Das weißt du.
Du willst dasselbe.
Komm' mit!
Als er seinen Namen sah, ist er umgekippt.
Beeil' dich!
In meiner Hütte wär's angenehmer.
Lass mich machen!
Ist dir Gabrielle de Polignac lieber?
Und wenn ich dir sage, dass ich seit gestern nur noch an dich denke?
Sidonie Laborde!
Sidonie Laborde!
Bleib' hier drin!
Wenn du dich zeigst, sehen wir uns nie wieder,
Alice!
Der Page der Königin sucht dich überall!
Oh Gott, ich habe die Königin warten lassen!
Sie waren nicht auf Ihrem Zimmer.
Ein grober Fehler bei dieser Unruhe!
Darüber reden wir später.
Die Königin liest und sortiert Unterlagen.
Sie benötigt diesmal keine Vorleserin.
Notieren Sie die Titel einiger Bücher,
höchstens ein Dutzend,
die sie aufs Land mitnehmen sollte.
Fährt die Königin weg?
Bitte keine Fragen!
Ich würde lieber in die Bibliothek gehen.
Was Ihnen lieber ist und was nicht, das interessiert niemanden.
Die Bibliothek und die Nebenräume werden voller Gepäck sein.
Gehen Sie ins Badezimmer.
Ich werde mit Madame Rochereuil die Kleiung der Königin sortieren.
Dieses Hemd braucht die Königin nicht.
Das verkaufe ich zu einem guten Preis.
Nicht so laut!
Endlich Schluss mit der Verachtung!
Wir sind Menschen wie sie.
Selbst jetzt hält sie sich noch für etwas Besseres.
Nicht wahr, Henriette?
Liest Sie immer noch Briefe ihrer Liebhaber?
Wir werden bis morgen früh hier hocken.
Sie verbrennt viele davon.
Auch die Liste ihrer Ausgaben,
insbesondere jene, die ihre Großzügigkeit gegebnüber den Polignacs belegen.
Diese weiße Seidenkorsage...
Nicht mal ihr Stil, nicht wahr?
Wir machen halbe-halbe. - Nein.
So etwas tue ich nicht.
Ein Fehler, diese Gelegenheit nicht zu nutzen.
Glauben Sie mir, das werden Sie bald bereuen.
Fragen Sie Ihren Bruder.
Er erzählt allen, wie sehr ihn Könige anwidern.
Seien Sie still!
Seien Sie still!
Meinen Sie wirklich?
Das ist meine Aufgabe.
Ich weiß besser über ihren Geschmack bescheid.
Das werden wir gleich sehen.
Was starren Sie mich so an?
Tür zu!
Die Königin verlangt nach Ihnen.
Mademoiselle Laborde steht zu Ihrer Verfügung, Majestät.
Lassen Sie uns allein!
Ich wusste nicht, dass Sie hier sind.
Alles wird mir verheimlicht.
Es ist unerträglich.
Treten Sie näher!
Ich benötige Ihre Hilfe.
Ihnen zu helfen ist mein größter Wunsch, Majestät.
Ich weiß, auf Sie ist Verlass.
Ihre Diskretion ehrt Sie.
Mein Auftrag dürfte Sie nicht allzu viel Zeit kosten,
In der Bibliothek finden Sie Geographiebücher
mit detaillierten Karten.
Ermitteln Sie die günstigste Reiseroute
von Versailles nach Metz.
Monsieur Abbé Cornu de Balivère!
Madame!
Dies wird im Schloss herumgereicht.
Genau darum bereite ich meine Abreise nach Metz vor, mein teurer Freund.
Graf Esterhâzy wird unterwegs mit seinem Regiment zu uns stoßen.
In Metz werden wir Truppen aufstellen und dann Paris stürmen.
Es ist ein Verbrechen, dass diese Stadt dem König Befehle erteilen möchte!
Und Frankreich!
Paris ist nicht Frankreich.
Was meint der König?
Er ist meiner Meinung.
Metz hat eine starke Zitadelle.
Es ist eine kluge Wahl.
Schenken Sie dem Pamphlet nicht zu viel Beachtung.
Es ist ebenso übelriechend wie Mist
und alles andere aus Paris.
Der König möchte seine Brüder um Rat fragen.
Heute Nacht, spätestens morgen.
Wir müssen den König handeln lassen.
Vorerst zumindest.
Der Herzog von Bourbon ist geflohen, als Stallknecht verkleidet.
Und ich gehe im Kostüm der Königin von Frankreich!
Lassen Sie mich jetzt in Ruhe.
Gute Nacht, Madame.
Mein Gott, bin ich müde!
Ich kann mich zu nichts mehr aufraffen.
Bei dem Gedanken an die Fahrt tut mir der Rücken weh.
Sind Sie noch da?
Ja, Majestät.
Schließen Sie die Tür und dann kommen Sie zu mir.
Gehen Sie da hin, wo ich Sie gut sehen kann.
Nehmen Sie den Sitz dort.
Wissen Sie, was ich an Ihnen so reizend finde, Sidonie?
Es sind weniger Ihre hübschen Gesichtszüge
als vielmehr die Jugend, die Sie immerzu ausstrahlen.
Aber Majestät, Sie sind so jung...
Das war ich.
Ich habe eine Frage.
Ich beantworte alle Fragen Eurer Majestät,
insofern ich dazu fähig bin.
Waren Sie schon einmal von einer Frau angezogen,
und zwar so sehr,
dass Sie Ihre Abwesenheit kaum ertragen konnten?
Ich kann sie mir stundenlang vorstellen,
mit geschlossenen Augen: ihr ovales Gesicht,
die Zartheit ihrer Haut,
das frohe Funkeln ihrer Augen.
Ich denke, Ich weiß von wem Sie sprechen.
Ich beneide sie, so innig geliebt zu werden.
Es geht so weit,
dass ich in schlechten Zeiten nur noch an ihre Abwesenheit denken kann.
Sie bräuchten nur...
Leider nein.
Gabrielle de Polignac gehört nicht zu jenen,
die sich wie Konfekt vernaschen lassen.
Das bezauberte mich, als ich sie erblickte,
Sie war wie daheim.
Sie kam und ging, als hätte sie immer hier gelebt.
Sie wurde nie von der Sorge geleitet, mir zu gefallen.
Diese Freiheit gefällt mir.
Sie wundern sich wohl, dass sie nicht hier ist,
obwohl ich mich so nach ihr sehne.
Ich, die Königin von Frankreich.
Die Antwort darauf erschreckt mich.
Ich muss feststellen, dass ich...
ihre Gefangene bin.
Vor zwei Stunden bat ich Madame Campan, sie zu rufen.
Gabrielle ließ ausrichten, sie sei verärgert.
Doch worüber kann sie verärgert sein?
Wie kann ich sie verstimmt haben?
Darf ich das versuchen, woran Madame Campan gescheitert ist?
Ich verstehe es besser, sie zu überreden.
Ich kenne die nötigen Worte.
Aus den Büchern, die ich vorlese.
Versuchen Sie es, wir werden sehen.
Madame Tournon, lassen Sie mich zur Herzogin!
Im Namen der Königin.
Die Herzogin schläft tief und fest.
Dann wecke ich sie.
Das hat Madame Campan bereits versucht.
Lassen Sie mich durch!
Sie hat zwei Opiumkapseln eingenommen, um zu schlafen.
Wissen Sie, was ich denke?
Ich denke, die Königin ist eine böse Frau.
Sie hat meine Herrin ganz verrückt gemacht.
Eher umgekehrt, Madame Tournon.
Ich brauche Sie nicht.
Die Königin hat Sie zu Gabrielle geschickt?
Meine Sache!
Machen Sie sich daran, den Schmuck der Königin zu zerlegen!
Ihren Schmuck?
Das ist ihre neueste Marotte,
die Steine ohne Fassungen mitzunehmen.
Sie sagt, das spare Platz in ihrem Gepäck.
Haben Sie meinen Auftrag ausgeführt?
Sie schläft tief und fest.
Wie ein Engel.
Wovon reden Sie?
Ich frage, ob Sie die Route nach Metz gefunden haben.
Haben Sie? Wohl nicht.
Nein.
Rufen Sie meinen Friseur Léonard.
Wie ich sehe, ist Geographie nicht Ihr Fach.
Léonard ist viel gereist.
Augustine!
Rufen Sie Monsieur Léonard.
Helfen Sie mir, die Steine aus den Fassungen zu entfernen.
Vergessen Sie nicht den Matrosenanzug meines Sohnes!
Und den Strohhut meiner Tochter!
Von der Sonne bekommt sie Migräne.
Eine Perle ist heruntergefallen.
Ich heb' sie auf.
Ich benötige auch Tee-, Kaffee- und Kakaokannen.
Und mein Strickzeug
und ein Spinnrad.
Madame Campan, notieren Sie das alles!
Was man wohl abends in Metz macht?
Sicher tödlich langweilig!
Augustine, helfen Sie mir mit den Armbändern!
Sie holt Monsieur Léonard.
Wo ist Mademoiselle Laborde schon wieder?
Hinter Ihnen.
Ich finde sie nicht.
Kommen Sie her!
Eine Perle wird uns nicht retten!
Helfen Sie mir die Armbänder abzunehmen!
Warum winseln Sie?
Keine Angst, ich lasse Sie nicht im Stich.
Ich bin bald wieder da...
Hast du so laut gegrunzt?
Ich bin eingeschlafen, ich brauchte etwas Luft.
Wir schlafen in einem richtigen Bett.
Nach der Nachtwache muss ich ihm den Schnurrbart zwirbeln.
Komm', Gustav!
Komm'! Komm'!
VERSAILLES, 16. Juli 1789
Du hättest sein Gesicht sehen sollen...
Er hat erwartet, dass ich brülle:
"Seine Exzellenz, der Duc de Niverney!"
Aber nichts.
Wie?
Ich hab mich nicht gerührt.
Habt ihr ihn verjagt?
Er hatte ein Messer!
Und Monsieur de Bargue?
Der lag noch bei Madame de Montignac im Bett!
Arme Madame de Bargue! Sie tut mir leid.
Sie hatte recht: Bettler bringen die Pest.
Die Garden haben desertiert.
Wirklich? Die Französischen Garden?
Sogar die Schweizer sind abgehauen.
Gut, dass die Königin fort ist. - Was redest du?
Sie ist nach Metz geflohen. Aber das ist ein Geheimnis.
So ein Unsinn!
Madame de la Tour de Pin war vorhin bei ihr.
Sie ist im Ratssaal.
Der König hat sie früh rufen lassen.
Ich habe sie packen sehen.
Du musst geträumt haben.
Suppe ist aus!
Mademoiselle Laborde.
Ich schäme mich. Ich trinke sonst nie Wein.
Der Marquis de la Chesnaye hat mich
bei den Gemächern des Königs aufgelesen.
Stellen Sie sich das Unheil vor!
Hätte der König mich entdeckt...
Mein Gott, diese Schande!
Monsieur Moreau, haben Sie Neuigkeiten von der Königin?
Die Königin...
Berät sie sich mit dem König?
Der König...
Was wissen Sie?
Momentan sind sie im Beratungskabinett.
Ich sah Monsieur de Barentin.
Wer sind nur all diese Bettler?
Also wirklich!
Alles geht drunter und drüber.
Schlachter!
Du wirst büßen!
Pierre Desnot. Das war vorauszusehen.
Was hat er getan?
Nichts, aber sein Bruder
hat den Vogt der Bastille enthauptet.
Mit seinem Taschenmesser.
Aber ich kenne Pierre, er ist anständig. - Ja.
Louison?
Ich bin's, Sidonie.
Schläfst du noch?
Die Uhr!
Scheiße!
Marquis, haben Sie Monsieur Moreau gesehen?
Der gute Moreau!
Ich lebe seit 25 Jahren hier.
Aber so habe ich ihn noch nie gesehen!
Ich wusste Ich werde Sie hier finden!
Haben Sie die Stickerei?
Ich bin fast fertig. - Wunderbar!
Ich brauche das Heft zurück.
Sonst gerät Madame d'Ossun in Schwierigkeiten.
Falls die Königin darin blättern möchte...
Sie kennen sie ja, ihre Marotten...
Ich glaube, sie hat andere Sorgen.
Der König!
Wir müssen fliehen!
Wie kann ich Sie überzeugen, mein Bruder?
Erheben Sie sich!
Wir werden beobachtet.
Verzeihung, Marquis.
Weglaufen nützt nichts.
Nachdem was der König gehört hat, ist offensichtlich, er bleibt hier in Versailles.
Die Regierungsmitglieder.
Der Herzog de La Vauguyon, Außenminister.
Monsieur de la Porte, Marineminister.
Monsieur de Barentin, Justizminister.
Es gibt nicht viel Neues für Ihr Archiv.
Der König wird jetzt das Thermometer im Thronsaal überprüfen.
Das Desaster ist perfekt!
Nach langem Zögern hat der König beschlossen zu bleiben.
Breteuils Regierung wird aufgelöst,
Kommt Necker zurück?
Das weiß ich nicht.
Es ist noch nicht ganz sicher,
Meine Herren, wir müssen uns auf eine neue Dynastie einstellen.
Ludwig XVI. kann nicht mehr frei entscheiden.
Er ist die Geisel des Aufstands.
Was werden Sie tun?
Ich bleibe bei der Königin, solange wie nötig.
Diese Aussicht... scheint Sie zu beglücken.
Ich kann mir meine Lage nicht vorstellen, wenn die Königin Versailles verließe.
Und Sie, Monsieur Moreau? - Ich...
Bis zu meiner Todesstunde
werde ich Notizen machen.
So ist die Lage:
Die Königin hat sich wütend zurückgezogen.
Sie müssen sie unterhalten. Mit welchem Buch?
Und die Herzogin?
Gabrielle ist nicht allmächtig. Schnell!
Sie mochte "Berühmte Hunde".
Zu frivol.
"Geschichte des Himmels".
Zu umfangreich.
"Die Prinzessin von Clèves" von Madame Laffaiete.
Zu traurig.
Rousseaus "Bekenntnisse"?
Klären Sie das mit ihr.
Aber zur Klarheit:
Nicht die Königin hat Sie gerufen, ich war es. Seien Sie diskret.
Im Vorzimmer?
Dort packen wir aus.
Mit Madame de Rochereuil?
Nein.
Entlassen. Die Königin hat sie beim Stehlen erwischt.
Es ist immer traurig, eine gute Freundin zu verlieren.
Ich hatte nie Freunde in Versailles.
Wir gehen hinten herum.
Madame Campan!
Ja?
Ich muss etwas gestehen...
Monsieur Janviers Uhr... - Nun?
Louison hat sie geklaut. Sie ist mit Gustav fort, der von der Schweizer Garde.
Das wird Ihnen vom Lohn abgezogen.
Sie scherzen?
Der Rest meines Lebens würde nicht reichen, um das abzuzahlen.
Na ja... Wen kümmert schon diese Uhr?
Kommen Sie.
Ich wollte unbedingt abreisen.
Noch nie wollte ich etwas so sehr.
Das war eine Erniedrigung ohnegleichen.
Hätte der König zugestimmt, wären wir beide in Sicherheit.
Meine liebe Freundin...
Ich habe mir solche Sorgen gemacht.
Ich dachte, Sie wären krank.
Finstere Gedanken plagten mich.
Aber nun sind Sie da.
Strahlend.
Wie schön Sie sind in dem grünen Kleid!
Wassergrün?
Zartgrün? Lindgrün?
Jadegrün?
Grün wie ein junges Krokodil?
Sie irren, meine Schöne!
Es ist weder krokodilgrün noch spinatgrün noch giftgrün.
Seidengrün?
Oder grün wie Neid?
Neid ist das eine, was alle im Überfluss haben.
Jeder begehrt den Platz über sich.
Und so stoßen sie an die Decke.
Könnte ich Sie nur stets an meiner Seite haben!
Sie sind ein wahrer Jungbrunnen für mich.
Haben Sie vorhin diese trostlosen Mienen gesehen?
Diese schimmlig riechenden Raben!
Und dann sah ich Sie,
bezaubernd in diesem Kleid.
Zartgrün ist die Farbe der Hoffnung.
Haben Sie sich für mich angezogen?
Nur für Sie, Madame.
Wissen Sie, liebe Freundin...
Was den Hass betrifft, übertreibe ich nicht.
Ich habe Sie hineingezogen.
Es ist meine Schuld, dass das Volk Ihren Kopf fordert.
Wissen Sie, was ich heute Morgen erfahren habe?
Gestern wurde in Paris
eine Frau in ihrer Kutsche erstochen.
Die Mörder hielten sie für Sie.
Unsere Abbilder zu verbrennen genügt ihnen nicht mehr.
Sie wollen uns
mit Leib und Seele.
Deshalb, liebe Gabrielle,
flehe ich Sie an...
Verlassen Sie Frankreich!
Sie und Ihre Familie.
Sie haben sicher recht, Madame.
Ich werde gehen, da es sein muss.
Sag nichts mehr.
Gehen Sie!
Warten Sie!
Ich möchte ein letztes Mal den Duft Ihrer Jugend einatmen.
Lassen Sie nicht zu, dass ich Sie verlasse.
Das haben Sie schon.
Es ist geschehen.
Sie haben mich verlassen.
Augustine, das Riechsalz!
Ich brauche nichts!
Und niemanden!
Lassen Sie mich allein!
Lassen Sie mich allein.
Was verschafft mir die Ehre?
Sie kommen sonst nie.
Wenn ich nur wüsste, wo ich hin soll!
Ich bin so verloren wie Sie.
Sie haben da ein Spinnennetz.
Ich war spazieren.
Auf dem Dachboden?
Für einen Spaziergang auf dem Dach regnet es zu stark.
Hier wären wir.
Gefangene, Sie und ich.
Ich sprach soeben mit Monsieur Bailly,
dem neuen Bürgermeister von Paris.
Er wurde mit Begeisterung im Rathaus empfangen.
Was hat er gesagt?
Etwas sehr Besorgniserregendes.
Das Volk will nicht nur Brot, sondern auch Macht.
Wie kann man Macht begehren?
Ich dachte, Macht sei ein Fluch, den man unfreiwillig erbt.
Ein Fluch, der sich unter einem Hermelinmantel verbirgt.
Was hat er noch gesagt?
Ich soll Necker wiedereinsetzen und es bekanntgeben.
Im Rathaus?
Sie wissen, ich verabscheue Gewalt. Die Dinge werden ordentlich erledigt.
Dann fahren wir gemeinsam.
Nein, Madam.
Der König, und zwar nur der König, muss sich allein nach Paris begeben.
Tun Sie das nicht, bitte!
Ein Fanatiker könnte Sie töten.
Es ist meine Pflicht. - Welche Pflicht meinen Sie?
Zu sterben? Enfführt zu werden? Ihre Kinder zu verlassen?
Wann fahren Sie? - Morgen.
Mit Eskorte?
Wenn ich mit meiner Garde käme, würde das dem Volk missfallen.
Marschall de Beauvau und Admiral d'Estain begleiten mich.
Das ist Wahnsinn.
Nein, Madame. Das ist die Stimme der Vernunft.
Bist du fertig?
Zeig her.
Ich habe nicht geschlafen.
Ich muss mich hinlegen. - Du kannst in meinem Bett schlafen.
Ich gehe lieber in mein Zimmer.
Deine Nonnenzelle?
Warum sagst du das?
Mach' so weiter und du wirst als Nonne enden.
Was ist mit Paolo?
Wach auf!
Meine Herrin hat sich erhängt.
Wo?
In ihrem Schlafzimmer.
Sidonie, ich habe Angst!
Hängt sie noch?
Ich habe Antonin gebeten, sie abzuhängen.
Antonin?
Ja.
Wir werden heiraten.
Wirklich?
Was kann ich tun?
Ich muss zurück.
Aber ich möchte nicht allein gehen.
Monsieur de Coigny?
Sind Sie da?
Verzeihen Sie die Störung.
Ich bitte Sie, Mademoiselle Laborde.
Unter diesen Umständen...
Wurde Monsieur de Bargue vom Tod seiner Frau in Kenntnis gesetzt?
Monsieur de Bargue hat bereits das Schloss verlassen.
Sein Verhalten ist unerhört.
Es ist sinnlos, zurückzugehen, Alice. Sie schlafen hier.
Ich kann Antonin nicht mit der Leiche von Madame de Bargue allein dort lassen!
Ich gehe hin.
Honorine, meine Stiefel!
Wir wecken Herissé, den Abt.
Jetzt verstehe ich.
Was verstehen Sie, Sidonie?
Warum die Königin an geschlossene Türen klopfte.
Sie fantasieren!
Sie hat in ihrem Leben noch nie eine Tür geöffnet oder geschlossen.
Der Mann dort, ohne Gewand,
der eine Marmorstatue trägt...
Ist das Abbé Herissé oder bin ich blind?
Ihre Sehkraft ist in Ordnung, Madame.
Der hatte es wohl eilig, seine Gewohnheiten zu ändern.
Keine Sorge, dann wecke ich eben den Bischof.
Welch ein trauriger Anblick!
Der Marquis de Vaucouleurs!
In seinem Alter!
Ich begleite Sie doch.
Hündchen!
Ich habe Madame de Bargue zwar lange nicht gesehen.
Aber wir sind vom gleichen Stand. Und ein Gebet steht ihr zu.
Im Nachthemd? Das ist unschicklich.
Bevor sie betrogen wurde, war Madame de Bargue unkonventionell.
Alice...
Gehen wir!
Wusstest du, dass Alice heiratet?
Natürlich.
Es ist eine gute Partie.
Antonins Cousin ist Erster Kammerdiener des Königs.
Warum sagt mir niemand etwas?
Weil du uns auch nichts erzählst.
Das ist wahr. Oder wo kommst du her?
Hast du Eltern?
Sind sie tot oder leben sie?
Wo bist du geboren?
Nach vier Jahren weiß ich nichts über dich.
Ein Rätsel!
Du bist immer am Lesen. Aber es dreht sich nicht nur alles um Bücher...
und um die Königin!
Sie ruhe in Frieden.
Fall nicht herunter, Antonin!
VERSAILLES, 17. Juli 1789
Gott weiß, ob sie sich wiedersehen werden.
Haben Sie das Heft und die Stickerei?
Vorzügliche Arbeit, Mademoiselle Laborde!
Ich danke Ihnen.
Wie geht es der Königin?
Warten Sie hier!
Hauptsache, wir erreichen die Schweiz wohlbehütet!
Was sagen Sie zu meiner Montur, Polignac?
Heutzutage behalten Kutscher ihre Köpfe länger als Adlige.
Nur habe ich nie eine Kutsche gelenkt.
Die Haube steht Ihnen.
Sehr glaubwürdig! Mir wird ganz frivol zumute.
Behalten Sie diese Bemerkung in Ihrem Allerwertesten, Monsieur!
Meine Frau mag keine Verkleidungen.
Worauf warten wir? Ich will endlich weg!
Diese Schürze spannt!
Sie scheinen sehr nervös zu sein, Gattin.
Nein, nicht nervös. Ich brenne vor Ungeduld, mein lieber Gatte!
Reizend für Ihre geliebte Königin!
Wie Sie wissen, war es ihr Befehl.
Können Sie das erklären?
Das wird die Königin tun.
Kommen Sie.
Gehorchen Sie ihr nicht.
Ich muss ihr gehorchen.
Nun ja, es geht mich nichts an.
Mademoiselle Laborde.
Sehen Sie, hier.
Erinnern Sie sich?
Vorgestern bat ich um eine gestickte Dahlie.
Was sagen Sie dazu?
Madame Bertins Stickerin hat Talent.
Sie hat sie mit Liebe gestickt.
Wie heißt sie doch gleich?
Marie-Louise Berchaud.
Sie wird belohnt.
Auf dem Tisch dort,
dort hinten
liegt eine Rede, die ich von Hand geschrieben habe.
Bringen Sie sie mir, bitte.
Sollte der König in eine missliche Lage geraten,
halte ich diese Rede im versammelten Rathaus.
Lesen Sie den Anfang.
"Meine Herren, ich..."
Nein, lesen Sie laut!
Als wären Sie die Königin von Frankreich.
"Meine Herren,"
"ich bringe Ihnen die Frau"
"und die Familie des Königs."
"Teilen Sie nicht auf Erden,"
"was im Himmel vereint wurde."
Weiter bin ich noch nicht.
Aber fängt gut an, nicht wahr?
Sehr gut, Madame.
Glauben Sie, er wird zurückkommen?
Mit ganzem Herzen.
Was für eine dumme Frage von mir!
Das wissen Sie nicht.
Das weiß niemand.
Ich weiß, dass er seine Pflicht tut.
Seien Sie still!
Ich möchte nicht mehr darüber reden.
Reden wir über Ihre Zukunft.
Meine Zukunft ist bei Ihnen, Madame.
Nein, eben nicht.
Demnächst fährt ein Kutsche Richtung Schweiz ab.
Mit der werden Sie fahren.
Schauen Sie nicht so!
Vorgestern sagten Sie, Sie wären bereit, für mich jede Reise auf sich zu nehmen.
Ich gewähre Ihnen das Privileg.
Sie werden zusammen mit dem Herzog und der Herzogin de Polignac fliehen.
Gabrielle ist zu bekannt und zu Unrecht in Verruf.
Ohne die Verkleidung würde sie ihr Leben riskieren.
Sie verkleidet sich als Magd, und Sie werden ihr Kleid tragen.
Im Falle einer Kontrolle soll sie davonkommen.
In gewisser Weise, Majestät,
soll ich den Köder spielen.
Was für ein hässliches Wort aus so einem schönen Mund!
Worte sind alles, was ich besitze.
Ich kann damit umgehen.
Seien Sie nicht arrogant, wenn ich Ihnen die Chance gebe, meine Liebe zu verdienen.
Madame Campan!
Rufen Sie Madame Bertin!
Ich habe Ihnen gestern meine Liebe für Gabrielle gestanden,
weil Sie es verdienen.
War je eine Königin so vertraut mit ihrer Vorleserin?
Es muss fast nichts geändert werden.
Entkleiden Sie sich!
Entkleiden Sie sich.
Madame Bertin!
Diese Goldmünzen sind für Ihre Stickerin.
Mit meinem Kompliment.
Das ist zu viel, Majestät.
Sidonie!
Sagen Sie Gabrielle...
ich werde sie nie vergessen.
Mademoiselle Laborde.
Was soll das? Halten Sie sich zurück!
Lassen Sie das!
Man sollte Sie nicht am Fenster sehen.
In Sens sehen wir weiter.
Ihre Freundin hatte eine schlechte Idee.
Haben Sie eine bessere?
Diese Maskerade geht nicht gut.
Das hängt davon ab, ob Sie als Diener überzeugen können.
Tun Sie etwas!
Legen Sie sich hin!
Mademoiselle Laborde.
Enttäuschen Sie die Königin nicht!
Ihr Reiseziel?
Basel. Ich habe dort Familie.
Ihren Passierschein!
Ach, Sie sind das?
Ich bin es.
Meine Magd und mein Diener.
Gute Fahrt!
Durchlassen!
Ich heiße Sidonie Laborde.
Ich bin Vollwaise.
Ich war die Vorleserin der Königin.
Ich gehorche der Königin.
Bald bin ich weit weg von Versailles.
Bald bin ich niemand mehr.
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