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DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT
Ein Film in 12 Kapiteln, einem Prolog und einem Epilog.
Ihr hattet Unterhaut, Haut, Muskulatur. Diese Woche arbeiten wir mit …
Julie war enttäuscht von sich selbst. Es war ihr immer so leicht gefallen.
Sie war immer noch eine der Besten.
Aber es gab zu viele Störungen, Nachrichten, Updates.
Zu viele Dinge im Feed, zu viel in der Welt, womit sie nichts anfangen konnte.
Vielleicht hatte sie es geahnt.
Wie eine nagende Ungeduld, die sie bei all dem Auswendiglernen verdrängt hatte.
Ertrunken in digitalen Störungen.
Es war falsch. Das war nicht sie.
Sie war nur hier, weil Medizin-
-das einzige Fach war, wo sich die ganze Arbeit in der Oberstufe auszahlte.
Wo alle Einsen, die sie gesammelt hatte, etwas bedeuteten.
Da merkte sie es.
Ihre Leidenschaft war immer die Seele. Gedanken, nicht der Körper.
Chirurgie ist so … sehr konkret.
-Fast wie ein Tischler oder … -Aber jetzt …
Meine Leidenschaft war schon immer das, was in uns passiert. Gedanken und GefĂĽhle.
Es war, als hätte sich ein Fenster geöffnet.
Nicht der Körper.
Mensch, wenn Psychologie dich glĂĽcklich macht, tu es.
Das finde ich echt mutig.
Ich halte das nicht mehr aus. Ich will nicht mehr.
Sie machte Schluss. Er war am Boden zerstört.
Aber er bewunderte ihre Art, wie sie ihr Leben in die Hand nahm.
Sie sah sich die anderen Studierenden an. Norwegens zukĂĽnftige Seelsorgerinnen.
Fleißige Mädchen am Rande von Essstörungen.
Angenommen, du befindest dich in Gesellschaft …
Julie steckte immer noch in ihrem Strebertum fest.
All das Auswendiglernen. Wann wĂĽrde eigentlich das Leben beginnen?
Wie heiĂźt du?
-Julie. -Julie. Die Person heißt Julie, und …
Stellen wir uns vor, wir sind auf einer Cocktailparty.
Und wir spĂĽren da eine Art Anziehung. Rein hypothetisch.
Eigentlich war sie ein visueller Mensch.
Ich habe gemerkt, dass ich Fotografin werden will.
Fotografin? Ja …
Julie gab den Rest ihres Studiendarlehens fĂĽr KameraausrĂĽstung aus.
Es ist ja wichtig, dass du es fĂĽr dich herausfindest.
Nun war Schluss damit, nach Sicherheit zu streben..
-Kann ich dir helfen? -Sie jobbte in einer Buchhandlung.
-Sie begann einen Fotografie-Kurs. -Krass gut.
Fand neue Freunde. Es fĂĽhlte sich wie ein Nach-Hause-Kommen an.
Oslo war auf einmal eine ganz andere Stadt. Es gab andere Orte. Neue Menschen.
-Hallo. Aksel. -Alle reden von dir.
-Du zeichnest doch diesen Luchs? -Er war ein bekannter Zeichner.
DER LUCHS GEGEN OSLO
DER LUCHS GEGEN DIE KULTUR DER LUCHS GEGEN DIE WELT
Sorry, ich bin ein Wildtier …
-Hast du es gelesen? -Ja.
-Ja? -Sie tat so, als hätte sie es gelesen.
Sie erinnerte sich nur an einen Comic, den sie leicht sexistisch fand.
Ich bin selbst ein bisschen so. Nie richtig zufrieden.
Das Einzige, was schlimmer ist als all die Idioten, bist du selbst. Aber …
Wenn es weiter geht, verliebe ich mich in dich, und dann … Dann ist es zu spät.
Wieso sagen wir nicht gleich, dass …
… wir uns nicht mehr sehen werden.
Das Problem ist der Altersunterschied. Ich habe Angst,-
-dass wir in einem Teufelskreis landen, in dem du - weil du jünger bist als ich - …
Dass du anfängst, darüber nachzudenken, wer du bist, und dann …
Ich bin ĂĽber 40 und beginne eine neue Phase meines Lebens.
Und du brauchst Zeit, um herauszufinden, wer du bist.
Aber ich will nicht darauf warten. Ich will, dass du dabei total frei bist.
Ich habe einfach Angst, dass wir diesen Punkt erreichen.
Später erzählte sie immer, dass sie sich in diesem Augenblick in ihn verliebte.
Oh, danke.
Du, diese Tasche … Soll ich die ins Schlafzimmer bringen?
-Ich habe ein Buch doppelt. -Was?
Ja. Ich kann eins wegwerfen.
Kann ich zwei BĂĽcherregale haben?
Und wie viele Kleiderschränke brauchst du?
-Wie viele kann ich bekommen? -Nein, so läuft das nicht.
Da ist etwas … Das ist altes Glas mit Wellen darin.
-Nein, tu das nicht. Nicht so. -Was denn?
Nein, nein! Nimm den Fensterhaken hier. Ich hab echt Angst, dass die zerbrechen.
-Ich gucke so gern da raus … -Red keinen Quatsch.
Du, so ist das, wenn du in einer Beziehung bist.
Sie behandelt mich etwas kĂĽhl. Das war frĂĽher anders.
Aha? Und was denkst du, woran das liegt?
Ja, das ist mir etwas peinlich. Wir waren zusammen Singles.
Wir lebten dieses Leben. Und plötzlich zog ich bei dir ein und …
-… warst glücklich? -… war glücklich.
Oh, nein, nein, nein!
-Und … Warst du mit dem zusammen? -Ja, aber nur ganz kurz.
-Der … -Oh mein Gott!
-Du bist so gewöhnlich! -Oder wollen wir einfach vögeln?
Hallo! Hallo!
Kapitel 1. DIE ANDEREN
-Schön, dich zu sehen. -Find ich auch.
-Geht's dir gut? -Hallo.
Hallo, Martin.
Sehr schön!
-Hey! -Hallo.
Papa hat es entworfen.
Wir müssten es mal renovieren, aber wir wollten nichts verändern.
-Na, es ist ja super schön. -Ja, aber da ist so was. Feuchtigkeit.
Ja. Wir mĂĽssen hier schlafen, weil wir keine Kinder haben.
Ich schlafe oben!
-Ich glaube, Tone mag mich nicht. -Sie ist nur etwas schĂĽchtern.
Das sagst du immer ĂĽber Leute, die du langweilig findest.
-Oh, das muss ich ausprobieren! -Okay.
-Vielen Dank. -Wein.
-Herrlich. -"Vin de blanc". So?
-Nein! -Ja, aber …
Hast du viele Familien mit Kindern in deinem Freundeskreis?
Nein. Ich habe nur eine.
Na, dann ist das sicher etwas ungewohnt fĂĽr dich.
-Sie sind sehr sĂĽĂź. -Vielen Dank.
Und sonst? Was machst du so, Julie? Aksel sagte, dass du schreibst?
Nein … Ich würde es nicht Schreiben nennen.
Bist du bescheiden?
-Nein. -Scheint so.
Gibt es etwas, was du willst? Also, als Job oder so …?
Das waren ganz schön viele Fragen.
Als wir studierten, galt es als vulgär, darüber zu reden.
-Herrlich. -Ja, stimmt.
Ja, wir hatten viele Freiheiten. Das ist anders, wenn du heute jung bist.
Ich finde den Druck herzzerreiĂźend. Es gibt keine Zeit zum Nachdenken.
Es ist immer was auf dem Schirm. William zum Beispiel ist ständig …
Wenn wir nicht dazwischen gehen, hängt er immer dran.
-Okay. -Nein, ihr seid jetzt nicht dran.
-Nein, das ist … -Julie ist immer noch am nächsten dran.
-Schlafenszeit? -Ja.
-Sie ist schon etwas drĂĽber. -Nein!
-Nein! -Doch!
Nein, ich will nicht ins Bett!
Ich will nicht ins Bett!
Eva, wir wollen nicht schon wieder so eine Szene! Komm her!
-Jetzt nimm sie doch! -Ich will nicht!
-Lass jetzt los! -Nein!
-Quatschkopf! Schluss jetzt! -Ich will nicht!
-Ich will es aber! -Nein, ich will nicht! Ich will nicht!
Nein! Ich will nicht ins Bett!
-Heftig, mit Kindern … -Ach, das ist schon okay.
-SpaĂź mit den Kids. -Danke.
-Wir sind jetzt hier. Mach das Beste draus. -Wir können jetzt nicht streiten.
Da sind Kinder und Chaos und Aber versuch doch mal …
-Versuch doch mal, mit ihnen zu spielen. -Ich bitte dich.
-Fang jetzt nicht mit Kindern an. -Sorry. Ich hab nicht damit angefangen.
Na, du bist mit einer viel Jüngeren zusammen. Du hängst ihnen hinterher.
Du wirst bald 30. Das ist kein falsches Alter, um Kinder zu kriegen.
Also, ich bin 44. Ich will mit dem Rest meines Lebens loslegen. Mit dir.
Es hat eigentlich nichts mit den Leuten hier zu tun.
Ich habe nur das GefĂĽhl, dass du auf etwas wartest. Ich weiĂź nicht mehr, was es ist.
-Hallo? -Ja, also … Scheiße.
Ich will da nicht rein. Echt nicht. Und das …
Alles geschieht nach deinen Prämissen, immer.
-Du hast frei, also machen wir Urlaub. -Das war so abgemacht.
Nach jeder Veröffentlichung fängst du an dich zu langweilen.
-Dann redest du wieder über Kinder. -Nein, das ist doch …
Wenn du von Leuten mit Kindern umgeben bist, kommt das Thema natĂĽrlich auf.
-Nein. Du weiĂźt, dass das nicht stimmt. -Doch, es stimmt.
Und dann hast du eine Idee für etwas Neues …
… und verschwindest. Dann sitzt du über den Zeichentisch gebeugt da.
Was redest du da, Julie? Fang nicht mit diesem Quatsch an.
Bitte nicht so laut!
NatĂĽrlich wĂĽrde ich mich kĂĽmmern, wenn wir ein Kind kriegten.
Das weißt du, denn ich hätte ja gern Kinder.
Ja, ich auch, irgendwann mal.
Ich weiĂź nicht. Ich habe keinerlei Mutterinstinkte. Das siehst du doch?
Nein. Du wärst eine wundervolle Mama. Da bin ich mir ganz sicher.
Ich will es; ich will Kinder. Irgendwann mal.
Worauf warten wir? Was soll noch passieren, ehe wir ein Kind kriegen?
Nein, ich weiĂź nicht, was es ist.
-Na, ich will vorher noch mehr Dinge tun. -Okay, was willst du tun?
Was steht im Weg?
Ich weiĂź es doch nicht! Wieso musst du es wissen?
Na, das Konzept ist falsch.
Viele Menschen bekommen Kinder, ohne alles im Leben geklärt zu haben.
-Es kommt einfach ein Kind. -"Das Konzept ist falsch" …
Dann muss man damit umgehen. So geht es den meisten.
Weißt du was? Ich will nicht, dass sich alles an deinen Bedürfnisse orientiert …
-Gut, ich verstehe. Aber was willst du? -Ich bitte dich!
-Wir sollten jetzt aufhören. -Okay.
Ich brauche meinen Schlaf, wenn ich es mit diesen Leuten aushalten soll.
Ich habe da einen Kumpel, der …
Er meint, dass wir … eine begrenzte Anzahl Samenzellen haben.
Sagen wir mal 3000 … Drei Billionen im Laufe eines Lebens.
-Wenn du viel wichst, verbrauchst du sie. -Jetzt beruhigen wir uns mal, Pornoy.
Nein, das ist doch interessant.
Ich glaube, ich habe einen vollständigen Überblick über die Probleme der Männer.
Erektionsprobleme und Morgenlatten und die Faszination für junge Mädchen und …
-… vorzeitiger Samenerguss. -Gute Arbeit, Aksel. Sagt viel über dich.
Nein, aber alle BĂĽcher und Filme handeln davon. Wo ist die Menstruation der Frau,-
-ihre Ejakulation und Geilheit? Da redet niemand drĂĽber.
Ja, kannst du uns das sagen? In saftigen Details?
Nein, das ist nicht der Punkt. Es sollte normal sein, darĂĽber zu reden.
Also, wenn Männer menstruieren würden …
Dann würden wir von nichts anderem mehr hören.
Also, kannst du … Kannst du das etwas besser "womansplainen"?
Wie? Was meinst du?
Na, wie in … der "Mansplain"-Version.
-Was denn? -Na, wie beim "mansplainen".
Wenn ein 45 Jahre alter Man einer jüngeren Frau erklärt, wie die Welt funktioniert.
-Danke fĂĽr die Demonstration. -Gern geschehen.
-Ding! Sehr gut! -Wollen wir noch mehr Whisky trinken?
Ist da drĂĽben jemand, der nicht "wir sind ĂĽber 60" abonniert hat?
Okay.
Doch, mach mit.
Guckt mal, wer da kommt!
Alles in Ordnung?
Au! Shit! Nein!
Ich sehe nach, ob …
Warte! Au! Au …
Ach, lass uns darĂĽber lachen. Es war kein tiefer Schnitt.
Karianne ist so eine Dramaqueen.
-Oh, ich muss immer etwas starten. -Es war nicht deine Schuld, Julie.
Doch. Ich bin verdammt anstrengend - immer.
Du, ich verstehe, dass das hier nicht so toll für dich ist, aber …
Es ist nicht so … Ich fühle mich auch nicht zuhause in dieser Familienidylle.
Ich fand's ganz cool, dass es zu einer kleinen Party wurde.
-Schön für dich, dass du Spaß hattest! -Meine Güte, was ist denn jetzt los?!
-Wir hatten einen schönen Abend. -Ich hatte keinen schönen Abend!
-Es war also alles nur schrecklich? -Es geht nicht nur um den Kopf!
-Ich bin dir völlig egal! -Halt die Klappe! Halt die Klappe!
-Ist doch so! -Du bist mir egal?
-Wollen wir ein Kind machen? -Fick dich.
-Hi. -Hallo. Guten Morgen.
Hier gibt's Kaffee. Und Tassen.
-Danke. -Bitte schön.
Herrlich.
JUGEND
-Und ein bisschen zu mir. -Ja.
Kapitel 2. UNTREUE
Entschuldigung, ich kann mich nicht erinnern: Was machst du?
-Ich arbeite in einer Buchhandlung. -Ach. In welcher denn?
-"Norli" in der Universitetsgata. -Ja.
Wenn ihr mich entschuldigen würdet …
-Hallo! Kannst du mir das signieren? -Ja, ich muss aber erst einmal …
Machst du nicht bald mal was Neues vom Luchs?
Ich beschäftige mich gerade mit anderen Dingen.
Arbeitest du dort in Vollzeit, oder ist es nur ein Wochenendjob?
Ja, bis dann.
-Sorry. -TschĂĽs.
-Du, ich glaube, ich gehe nach Hause. -Okay?
-Alles in Ordnung? Sicher? -Ja, es ist alles gut.
-Ich kann auch bleiben, wenn du willst. -Nein, nein.
-Ich glaube, ich muss noch etwas bleiben. -Ja, natĂĽrlich.
Okay. Wir sehen uns zuhause.
Entschuldigung? Kann ich mir eine Kippe schnorren?
Ja, sicher.
So.
Und als ich das zweite bekam, da musste ich vier Monate lang stillen.
Dann musst du es an Essen gewöhnen.
Was hat sich in all den Jahren in der Forschung getan?
-Das wird sehr verwirrend. -Kuschelst du viel mit deinen Kindern?
-Ja, natĂĽrlich. -Lass es. Sonst werden sie Junkies.
Meine Kinder werden Junkies, wenn ich mit ihnen kuschele?
Ja, das bestätigen neue Forschungen.
Neue Forschungen bestätigen, dass man nicht mit seinen Kindern kuscheln sollte?
Das ist für eine Mutter sicher sehr kontra-intuitiv, denn …
Das limbische System einer Mutter ist ja total durcheinander …
Die Kinder werden Junkies, weil …?
-Selten so was Dummes gehört. -Ich bin Ärztin.
Ich spreche aus einer rein klinischen Perspektive.
Wenn mein Kind dort liegt und schreit, dann kann es nur so mit mir kommunizieren.
Dann muss Mama kommen und es hoch nehmen. Oder Papa.
-Hallo. -Hallo.
Willst du mir nicht die ĂĽblichen Fragen stellen?
-Wer ich bin, was ich so mache. -Wer bist du? Was machst du so?
Ich hasse es, wenn jemand so was fragt.
Vor allem, wenn man Ärztin ist.
-Bist du Arzt? -Nein. Du bist Ärztin.
Wonach soll ich denn fragen?
Frag mich doch, wen ich hier kenne.
-Wen kennst du hier? -Ich kenne keinen.
-Ich hab mich reingeschlichen. -Bist du einfach reingegangen?
Okay.
Es kann nichts zwischen uns laufen.. Ich habe einen Freund, den ich liebe.
Ich auch. Ich komme mit Untreue nicht klar.
Ich hab das einmal erlebt. Das will ich nicht.
-Nein. Untreue ist nicht … -Das ist nicht gut.
Aber wo verläuft eigentlich die Grenze?
-Das spürt man wohl. -Ist das hier …
-Ist das hier Untreue? -Nein.
Und wenn ich so mache?
-Nein, das ist erlaubt. -Ist es?
Jemand anderem als dem Partner Schmerzen zufĂĽgen. Ist das Untreue?
A! Au!
Tat das weh?
Wirklich?
-War das gut? -Ja, das war …
Okay.
-Lass mich an deinem SchweiĂź riechen. -Nein. Ist das dein Ernst?
Ja, ja. Das ist erlaubt.
-Das riecht schrecklich. -Ja.
Du kennst doch diese GerĂĽche, die man nie vergisst?
Ja, das war ĂĽbel. Jetzt bin ich dran.
-Nein, bitte nicht. Jetzt bereue ich es. -Lass mich riechen. Lass mich riechen.
Ich finde, du riechst gut.
Ich weiß nicht, ob …
-Doch, leg los. -Okay.
Sag es einfach. Danach sage ich meins.
Ich finde Sex am besten,-
-wenn der Schwanz nicht ganz hart ist.
Weil … Dann ist es quasi so … Dann bin ich es, die …
… die ihn quasi hart macht.
Jetzt wird meins irgendwie falsch. Ich glaub, ich hab das missverstanden …
Also, ich wollte eigentlich sagen, dass ich das Barcode-Viertel mag.
Es gefällt mir, wenn ich es auf dem Weg zur Arbeit sehe.
Ich packe hier meine dunkelsten Geheimnisse aus …
-Wir sagten nicht "die dunkelsten". -Wieso behältst du es denn für dich?
Weil sich alle einig sind, dass es hässlich ist.
Hallo.
Oh. Nein, nein. Sorry, wir …
Okay.
-Darf ich es flĂĽstern? -Okay.
Okay …
Was ist es?
Nein, es geht schon. Sorry, ich sitze auf dem ganzen Zeug.
Das wollte ich nicht.
-Ja, es ist nichts Sexuelles dabei. -Wirklich nicht.
Du magst ja weiche Schwänze und so.
-Ja. -Okay. Du bist dran.
-Ich kann nicht pinkeln. -Na, entspann dich einfach.
Ich muss hier hoch.
Okay.
-Wie heiĂźt du? -Julie.
-Ich heiße Eivind. Eivind … -Sag es nicht.
-Wieso nicht? -Dann suche ich dich auf Facebook und …
Das ist schlau.
-Okay. TschĂĽs. -TschĂĽs.
-Wir waren nicht untreu. -Waren wir nicht.
-Nein. -TschĂĽs.
Kapitel 3. ORALSEX IN ZEITEN VON #METOO
Aksel?
Aksel, ich muss dir etwas sagen. Aksel?
Eine Freundin hatte Sex mit einem Mann, der sein Glied immer wieder-
-in ihren Mund stieß, während er ihren Kopf festhielt.
Sie war total verwirrt, weil sie es genossen hatte.
Es hatte sich richtig angeturnt.
Kann man Feministin sein und es trotzdem genieĂźen, in den Mund gefickt zu werden?
Die meisten Frauen, die ich kenne, haben ein ambivalentes Verhältnis zu Oralsex.
Es ist wie ein Schauspiel. Man tut so, als möge man es …
… die pathetische Erwartung, dass es dich anturnt.
Ich mag es, wenn er schlaff ist. Dass ich die Steifheit erschaffe,-
-statt ihn auf mich geklatscht zu bekommen.
-Das ist gut. -Ja?
Es ist ziemlich derb. Ja, ich sehe manches anders, aber es ist sehr gut geschrieben.
Originell und … richtig gut. Was hast du damit vor?
Ich weiĂź nicht.
-Es gefällt dir? -Ja.
-Absolut. -Sicher?
-Ja, ich lĂĽge nicht. -Nein?
-Bist du dir sicher? -Du sollst nicht zweifeln.
Es ist ziemlich intellektuell. Aber …
Es hat mich auch ein bisschen geil gemacht.
-Echt? -Ein bisschen.
Hast du es deshalb geschrieben? Als intellektuelles Viagra?
Ja. Hat funktioniert.
Der Text "Oralsex in Zeiten von #MeToo" wurde auf jubel.no veröffentlicht.
Er wollte oft geteilt und viel auf Facebook diskutiert.
Und wegen der starken Schmerzmittel kann ich auch nicht Auto fahren.
Kapitel 4. UNSERE EIGENE FAMILIE
Du Armer.
Ich … dachte, es würde gehen, aber …
Eine Stunde im Bus sitzen, das geht nicht mit dem RĂĽcken.
Mach dir keine Gedanken.
Kannst du am Wochenende nicht nach Hønefoss kommen?
Dann können wir dir richtig gratulieren. Ich soll dich von Nathalie grüßen.
-GrĂĽĂź sie zurĂĽck. -Das werde ich.
-Es ist so schön, dich zu sehen. -Ja, es ist viel zu lange her.
-Na, dann hab einen schönen Geburtstag. -Danke.
-Ich bin dĂĽnn? -Du arbeitest zu viel.
-Ich arbeite zu viel. -Ja. Bis dann.
Hallo. Alles Gute zum Geburtstag!
-Wieso muss ich immer hinfahren? -Er kommt nicht?
Na, er hat ja RĂĽckenschmerzen und so.
Er hat aber immer Schmerzen. Irgendwas ist immer. -Hallo!
Na, dann kommt er also nicht.
-Aber das ist nicht in Ordnung. -Er wollte, aber er hat RĂĽcken.
Was denkt er denn, was das mit dir macht? Er ist total …
Er hat RĂĽckenschmerzen. Reg dich nicht auf.
-Entschuldigung. Bitte, bedient euch. -Vielen Dank. Das sieht sehr gut aus.
Hoffentlich schmeckt's.
♫ Norwegisches Geburtstagslied ♫
Als Julies Mutter, Eva, 30 wurde, war sie seit zwei Jahren geschieden,-
-alleinerziehend und arbeitete in der Buchhaltung des Gyldendal-Verlags.
Vielen Dank.
-Hast du Julies Artikel gelesen? -Ja, ja, ja.
-Der war gut, oder? -Sehr gut. Hast du ihn gelesen, Mama?
Den Artikel, den Julie geschrieben hat. Der ist sehr, sehr gut.
Als Julies GroĂźmutter 30 wurde, war sie seit zehn Jahren verheiratet,-
-hatte drei Kinder und spielte Rebecca West am Nationaltheatret.
Als Julies UrgroĂźmutter, Astrid Johanna, 30 wurde, war sie Witwe mit vier Kindern.
Julies UrurgroĂźmutter, Klara Nilsen, bekam sieben Kinder. Zwei starben an Tuberkulose.
Julies UrururgroĂźmutter, Herta, war mit dem Grossisten Ludvig Aabel verheiratet-
-und hatte sechs Kinder in einer lieblosen Ehe.
Julies UrurururururururgroĂźmutter, Agnes Pedersen, wurde kein 30.
Im Norwegen des 18. Jahrhunderts betrug die Lebenserwartung fĂĽr Frauen 35 Jahre.
Ich will euch ja nicht damit belästigen, aber …
Es wird immer schwerer … Ja, beim Pinkeln.
Ich dachte, es ist Prostatakrebs, aber das war es nicht.
-Na … Das ist ja gut. -Ja.
Also … Ich muss halt ständig aufs Klo.
Und … es leckt.
Vielen Dank fĂĽr die Jacke. Die ist super.
-Ich wollte eh öfter rausgehen. -Hallo!
-Hallo! -Hallo.
-Hallo. -Tut mir leid, dass wir so spät kommen.
Hallo. Wie schön. Lange nicht gesehen.
-Du hast keinen Kaffee angeboten? -Das ist kein Problem.
-Na, ich koche mal welchen. -Okay.
-Wie war's? Hast du viel gehalten? -Ja.
Glückwunsch nachträglich. 30 ist ganz schön heftig.
Schade, dass wir neulich nicht kommen konnten.
Die Wettbewerbe dauern ja den ganzen Tag …
Ach so? Ja, nein, schon in Ordnung.
Sie steht im Tor. Du solltest sie mal spielen sehen.
Nein. Das muss nicht sein.
Sie ist total heftig. Ich sage nächstes Mal Bescheid.
Ja, tu das. Tu das … Ja.
Cool.
Du, hast du den Artikel bekommen, den ich dir geschickt habe?
Ja, du … Ich wollte dich danach fragen. Ich konnte den Link nicht öffnen.
Irgendwas stimmt mit dem PC nicht.
-Verstehst du was von PCs, Aksel? -Ja, schon. Aber …
-Und wenn sie die Mail nochmal schickt? -Aber kam das nicht …?
-Das kam nicht als Mail, oder? -Es war ein Anhang in der Mail.
Nein, ich drĂĽckte auf diesen Knopf an der Maus.
Dann schob ich diesen Pfeil auf das Rechteck.
Das versuchte ich zweimal. Dann war es weg.
Es könnte ja sein, dass ich … Dass ich dir eine falsche Version geschickt habe.
Wir können uns das mal ansehen.
Denn du musst den Artikel lesen. Der ist richtig gut.
Sehr … Er ist gut geschrieben und … Ja.
Tüchtiges Mädchen.
Sag mal, Per Harald, willst du uns nicht auch mal besuchen?
Das wäre schön. Du musst mal sehen, wie deine Tochter wohnt. Das wäre schön.
Es ist einfach gerade unmöglich, in die Stadt zu fahren.
Da gibt es dieses … Bewohner…
-Bewohnerparken heiĂźt das jetzt, oder? -Ja.
Das macht es einfacher, einen Parkplatz zu finden. Du bezahlst dann nämlich …
Und dann muss man sein Auto jede halbe Stunde umparken?
Besuchst du uns deshalb nicht? Ich dachte … Weil es …
Weil es dir zu anstrengend ist, in der Stadt Auto zu fahren? Was dann?
Ja, also … Manchmal muss ich so viele Schmerztabletten nehmen,-
-dass ich nicht mehr fahren darf. Das ist ein weiterer Grund.
Es ist doch positiv, dass er so offen mit seinen Schmerzen umgeht und …
… mit der Prostata.
Nein, wir sollten unsere eigene Familie grĂĽnden.
Kapitel 5. BAD TIMING
-Verzeihung? -Hallo.
Habt ihr "Green Yoga"?
-Mal sehen … Wie hieß das Buch? -"Green Yoga". Es erschien letztes Jahr.
Nein, das müssen wir extra bestellen. Das haben wir nicht vorrätig.
-Wir lange dauert das? -Zwei Wochen.
Okay. Nein, danke.
-Hier haben sie es auch nicht. -Okay.
-Dann versuchen wir es bei "Ark". -Ja.
Danke.
-Hallo. -Hallo.
Hallo. Ich hab ihr gesagt, dass ich meine Sonnenbrille vergessen hab.
Ich musste dir einfach sagen … Ich weiß, was wir abgemacht haben.
Aber ich denke ständig an dich. Und …
Aber ich will dich nicht nerven, wenn du glĂĽcklich bist.
Bist du es?
-Ich weiß nicht, was ich sagen soll. -Nein …
Ich wĂĽrde dich gern sehen. Mal mit dir reden.
Ich … also … Ich will nicht …
Aber … Also, ich würde dich gern wiedersehen. Einfach so …
Ich bin fast jeden Tag in der "Offenen Bäckerei" im Barcode-Viertel.
Also, ich arbeite dort. Wenn du Lust hast.
Okay. Ja. Nein, nein …
-Eivind? Deine Sonnenbrille. -Oh, ja. Fuck. Sorry.
-Okay. -Okay.
Nein, ich glaube, der Weg zum menschlichen Verstand fĂĽhrt ĂĽber die Sprache.
Freud war ein großartiger Autor, und er war fähig zur Selbstkritik.
Die Gabe, eigene Theorien zu revidieren und …
Er betrachtete jeden einzelnen Patienten als Forschungsprojekt.
Freud unterschied also nicht zwischen Therapie und Forschung.
Das finde ich unglaublich relevant in einer so modernen Zeit, in der alles …
Alles muss wissenschaftlich falsifiziert werden.
In den Geisteswissenschaften. Das ist der Punkt.
Das mit Freud ist ja sehr schön, aber wie läuft es mit dem Film?
Wie ist der Stand?
-Ich hab ihn gesehen, aber … -Du hast ihn gesehen?
-Aber das ist nicht mehr mein Ding. -Ist er so schlimm wie befĂĽrchtet?
Am schlimmsten finde ich, dass sie den Luchs sehr stubenrein gemacht haben.
Es ist alles desinfiziert und sicher. Ich zeige dir mal was.
Ich habe einen Entwurf für das Filmplakat bekommen. Und das …
Ja, es ist mir peinlich, dass mein Name darauf steht.
Nein! Ist das …? Das ist nicht dein Ernst. Das darf nicht wahr sein.
Das ist … Das ist das Plakat. Seht euch das mal an!
-Der sieht aus wie Chip und Chap. -Oh, verdammt.
Ich weiĂź nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Und das zieht sich durch alles. Die Geschichte, viele Details und so.
-Sie haben den Seestern entfernt. -Weil der …? Jetzt weiß ich nicht weiter.
Ja, also …
Das Poloch. Der Anus. Im Film hat er einen glatten Hintern.
Und das hier, das ist weg.
Und das ist mir wichtig.
In Untergrund-Comics wird gekackt, gekotzt, gevögelt und …
Der Luchs ist eine Wildkatze in einer Welt der gezähmten Hauskatzen.
-Er steht im Kontrast zum BĂĽrgerlichen. -Es ist ein besonders ikonisches Poloch.
-Möchtest du Kaffee? -Ja.
Ich weiĂź nicht recht, was wir tun sollen.
Ich muss los.
Oh.
Aksel, ich muss mit dir reden.
Ja, natĂĽrlich. Ist etwas passiert?
Julie sagte, sie hätte schon lange darüber nachgedacht.
Es sei nicht seine Schuld.
-Er hätte nichts anders machen können. -Es ist nichts, was du getan hast.
Es ist nicht deine Schuld. Aber ich spüre …
Es ging um Dinge, ĂĽber die sie schon tausendmal gestritten hatten.
Es war einfach "bad timing".
Sie hatten sich an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben getroffen.
Sie wollten einfach zu verschiedene Dinge.
-Verlässt du mich? -Ja.
Ich möchte, dass es aus ist.
Okay.
Okay.
Ich frage mich, ob du gerade ĂĽberhaupt anwesend bist?
-Was meinst du damit? -Na, merkst du, was du …
Merkst du, was du gerade tust? Was du zerstörst, was das …
Ja, natĂĽrlich.
Deshalb ist es so schwierig.
Wo wirst du denn wohnen?
-Ich weiĂź nicht. -Du weiĂźt nicht?
Na, bei Mama oder …
-Du ziehst zu deiner Mama? -Ja.
Bis ich was Eigenes gefunden habe.
Okay.
-Nein. Komm schon, du … -Nein.
Es ist aus.
Ich will nicht mehr. Was soll ich sonst noch sagen?
Stört dich irgendwas anderes, und du lässt es an mir aus?
Ich denke schon lange darĂĽber nach. Und es fĂĽhlt sich absolut richtig an.
-Hast du jemanden getroffen? -Nein.
Ich hab das hier so satt. ScheiĂźe, Julie. Ich pack das nicht.
Aber okay, du kannst …
Du kannst gehen. Wenn es das ist, was du willst.
Ich gehe raus, dann kannst du packen.
Julie sagte, er habe eine verdient, die ihren Platz im Leben gefunden hat.
Die bereit fĂĽr Kinder ist.
Eine, die stabiler ist, sicher, und nicht jedes halbe Jahr austickt, so wie sie.
Aber ich mag es doch, dass du so exzentrisch bist.
Aksel sagte, er möge es, dass sie exzentrisch ist.
Er brauche jemanden, der hin und wieder austicke.
Jemanden, der ihn aus seiner Blase am Zeichenbrett heraushole.
Und das mit Kindern …
Er sagte, er wäre lieber ohne Kinder mit ihr zusammen,-
-als Kinder mit einer anderen zu haben.
-Aber darum geht es doch nicht. -Worum geht es dann?
Es geht um die gesamte Lebenssituation, nicht nur darum.
Na gut. Ich verstehe, dass du dich in einer Krise befindest.
Das kann ich sehr gut verstehen.
Wenn du mich magst, wenn du mich liebst …
Dann kriegen wir das alles hin.
Ja, ich liebe dich.
Aber ich liebe dich nicht.
Julie spĂĽrte, dass dieser Satz, die Art, wie sie ihn aussprach,-
-wie sie ihn betonte, die Unmöglichkeit der gesamten Situation umfasste.
… dass ich quasi am Rande meines Lebens stehe.
Dass ich nur eine Nebenrolle in meinem eigenen Leben spiele.
WeiĂźt du was? Ich verstehe, dass du das GefĂĽhl hast, festzustecken.
Dass du Veränderung brauchst.
Aber das soll die Lösung sein?
Aber genau davon rede ich doch.
Ich erzähle dir von meinen Gefühlen, und dann definierst du meine Gefühle.
-Nein, ich sehe, was du gerade machst. -Was denn? Sag mir, was ich mache!
Halt die Klappe! Dann sage ich es dir.
Du benutzt mich fĂĽr eine Abrechnung, zu der dir bei deinem Vater der Mut fehlte.
-Das mache ich also? -Das ist pathetisch.
Das mache ich also? Woher weiĂźt du das?
Das ist die Krux unserer Beziehung.
Alles, was wir fĂĽhlen, mĂĽssen wir in Worte fassen.
Anstatt es einfach zu fühlen, es zu erleben, es …
Du musst immer unbedingt so verdammt stark sein.
Du meinst, es sei ein Zeichen von Stärke, Dinge in Worte zu fassen.
Und wenn du genau weiĂźt, was auf allen psychologischen Ebenen geschieht.
Dann bist du stark.
Weil ich nicht den kompletten Durchblick habe, bin ich schwächer also du.
Sie sagte, sie habe riesige Angst vor dem Alleinsein, davor, ohne ihn zu sein.
Dass sie, sobald sie das Haus verlässt, wie Bambi auf dem Eis sein wird.
Aber dass sie es genau deshalb tun mĂĽsse.
Aksel sagte etwas, was sie nicht verstand.
Etwas zu ihrer UnterstĂĽtzung. Aber sie konnte nur daran denken,-
-dass sie sich gerade - im Alter von 30 Jahren - mit Bambi verglichen hatte.
Was?
-Ja, ich bin pathetisch. -Nein, bist du nicht.
Ein bisschen?
Aksel …
Du?
-Tut mir leid, was ich gesagt habe. -Schon okay. Ich hab auch viel gesagt.
Bleib doch noch.
Du wirst es bereuen.
Ganz bestimmt.
Deshalb ist es so tragisch. In ein paar Jahren willst du vielleicht doch Kinder.
Du wirst andere Beziehungen haben und …
Dann wirst du merken, dass das, was wir hatten, einzigartig war.
-Aber das weiĂź ich doch. -Nein.
Ich weiĂź es. Ich hatte viele Beziehungen. Ich weiĂź, wie schwer es ist.
Niemand redet so wie wir. Niemand lacht so viel zusammen.
Wer weiĂź? Vielleicht finden wir wieder zueinander zurĂĽck.
In diesem Augenblick meinte sie es auch so.
Ich mein's ernst.
Kapitel 6. FINNMARK-HOCHEBENE
-Ist dir kalt? -Ja.
-Auf Youtube sah es einfacher aus. -Ja, wir hätten es testen sollen.
-Die … Die hier zuerst. -Bist du dir sicher?
-Ja, die muss da drauf. -Ja, aber …
-Das ist nicht richtig. -Muss die nicht zuerst rein?
Nein, die kommt oben drauf.
Eivind erzählte es anderen als eine lustige Geschichte.
Aber bei ihr hatte es etwas Tieferes berĂĽhrt.
Etwas war in ihr erwacht. Sie googelte ihren Familiennamen.
Den Namen des GroĂźvaters, der noch weiter aus dem Norden kam.
Aber es war der DNA-Test, den sie an eine amerikanische Firma geschickt hatte,-
-der ihr Sicherheit verschaffte.
Eivind verstand nicht ganz, wie ihre neuentdeckte Identität als 3,1 % samisch-
-mit bewusstseinserweiternden Substanzen und fremden Ritualen zusammenhing,-
-aber er versuchte, sie zu unterstĂĽtzen.
Ihr Einsatz fĂĽr den Umweltschutz wuchs immer weiter,-
-als sie begriff, wie sehr die Urvölker der Welt dem Klimawandel ausgesetzt sind.
-Hallo. -Hallo.
Die Inuits von Kanada hungern wegen Robbenmangel.
Die Rentiere gelangen nicht ans Futter, wenn der Schnee schmilzt und gefriert.
Die Aborigines sterben wegen des Ozonlochs an Hautkrebs.
Seinen Traum, nach New York zu fliegen, konnte Eivind vergessen.
Einatmen. Ganz tief.
Sie sorgte dafĂĽr, dass sie "echter" lebten, nachhaltiger.
Er konnte immer noch besser werden. Die Zutatenliste genauer lesen.
Jeder einzelne Einkauf wurde zu einer komplizierten Umweltrechnung.
Plastik tötet die Meere.
Norwegischer Dorsch wird nach China und zurĂĽck transportiert.
Die Kobaltminen zerstören den Kongo. Auch an Batterien klebt Blut.
Es war, als wĂĽrde das schlechte Gewissen des Westens sein Sofa einnehmen.
Es ging nachts mit ihm ins Bett.
Alles wurde an der groĂźen Sache gemessen.
Er spĂĽrte, dass er Sunniva betrĂĽgt. Dass er die Samen betrĂĽgt.
Er fĂĽhlte sich wie der schlimmste Mensch der Welt.
Aber er konnte nicht widerstehen.
-Du, ich hab meine Sonnenbrille vergessen. -Ja.
Geh schon mal vor. Ich komme nach.
Kapitel 7. EIN NEUES KAPITEL
Ich muss pinkeln. Ich muss pinkeln!
Eivind wollte auch keine Kinder.
Die Klimaberichte sagten dunkle Zeiten für die nächste Generation voraus.
Und die Überbevölkerung war der Hauptgrund dafür, dass alles den Bach runterging.
Julie gefiel es, wie dieser Pessimismus seiner sonst guten Laune Tiefe verlieh.
Aber sie glaubte, dass etwas anderes hinter diesem Entschluss steckte.
Ein bisschen … egozentrisch.
Eivinds Vater hatte - wie Julies - einige Geburtstage verpasst.
Eivind sagte gern:
-"Nach der Zeitrechnung meines Vaters" … -… bin ich erst 12 Jahre alt.
Die sind alle hart. Keine ist weich.
In Chile sterben Menschen an Wassermangel, weil die so viel Wasser brauchen.
Du folgst Sunniva immer noch auf Instagram?
Ja, sie sie postet einige gute Links ĂĽber Umweltschutz und so.
Wir schreiben uns nicht. Wir haben keinen Kontakt.
Sie hat ja ĂĽber 30.000 Follower.
Weil sie ihren Hintern zeigt?
Nein, sie zeigt ihren Hintern nicht. Das ist Yoga … Sie macht Yoga.
-Sie zeigt ihn wohl mal nebenbei. -Du kannst ihr ruhig folgen.
Das ist nicht schlimm, aber …
Ich will nicht …
… die vernünftige Entscheidung sein, und sie ist die, die richtig sexy ist.
An dir ist nichts vernĂĽnftig.
-Also … -Ja.
-Wie sie das Becken streckt … -Das ist halt Yoga …
Das ist kein Yoga. Sie hat die Beine …
Du hast es geliked! Oh mein Gott!
-Das war nicht okay … -Ich musste es liken!
Ganz genau. Ganz genau.
Also … Es war …
Kapitel 8. JULIES NARZISSTISCHER ZIRKUS
Die Leute sollen mir beim Tanzen zugucken.
Das ist echt nervig an dir.
Du machst dich beim Tanzen zum Affen und bist trotzdem cool. Ich gehe "all in".
Das ist … Das habe ich erlebt, wenn wir zusammen tanzen.
-Dann nimmst du zu viel Raum ein. -Ach was? Ja.
"Seht mal her. Seht mich an! Guckt her!" Ja.
Das ist der Punkt. Du bist mystisch und so.
Und ich bin so schön, es wird still im Raum, und alle so …
So, du hast das Zeug immer noch?
-Was ist das? -Bro?
-Wo hast du das gefunden? -Was ist das?
-Das sind Pilze. -Uiuiui!
-Hast du welche genommen? -Ja.
Ja.
-Wieso hast du das getan? -Oh, igitt.
Schmeckt nach Erde. Anyone?
Ich glaub, die wirken eh nicht. Die sind wohl zu alt.
-Ich muss los. -Sicher? Könnte riskant sein.
Bro, komm schon. Wir haben das schon mal gemacht.
-Wir reden morgen. -Machen wir. Wir telefonieren.
Adil?
Kannst du sprechen?
Die haben gerade richtig bei ihm eingeschlagen.
Julie? Hat die Wirkung bei dir eingesetzt?
Trink etwas Wasser.
Hier … Trink viel Wasser.
So. Nimm … Trink es aus.
Alles wird gut. Keine Sorge. Ich bin hier.
Julie? Trink das Wasser.
Julie?
Ich bin hier. Ich bin die ganze Zeit hier. Trink einfach etwas Wasser.
Alles wird gut! Ich bin hier!
Julie? Julie, alles okay?
Ich dachte, es wĂĽrde klappen.
Alles okay? Julie?
Julie?
Oh, nein, nein …
Ich dachte, wir könnten einen Kaffee brauchen.
Das machen wir nicht nochmal.
Du solltest dich waschen.
-Rieche ich schlimm? -Ist das …?
Oh mein Gott. Ich gehe duschen.
Soll ich … Du musst nicht … Soll ich uns was zu essen machen?
Bei dir kann ich mich entspannen. So richtig.
-Konntest du das früher nicht? -Doch, aber ich hatte das Gefühl …
Als müsste ich … anders sein …
So, wie am Anfang, als wir uns kennenlernten.
-Danke, dass du mich erträgst. -Ich liebe dich.
Kapitel 9. DER LUCHS ZERSTĂ–RT WEIHNACHTEN
DER LUCHS ZERSTĂ–RT WEIHNACHTEN
… mal versucht, alte Luchs-Comics als Erwachsener zu lesen?
Denn jetzt, heutzutage, ist das ja …
Vieles davon ist so unethisch und dreckig,-
-dass einem beim Lesen fast ĂĽbel wird. Es fĂĽhlt sich sehr unangenehm an,-
-dass du eine Figur geschaffen hast, die auf Kosten von Frauen so beliebt wurde.
Ja, okay. Kunst soll also angenehm sein, meinst du?
Findest du, dass das Kunst ist?
Ich hab hier einige deiner frĂĽheren Comics.
Der "Luchs" ist eine Sache, aber dann gibt es da noch "Schwanzwolf Schwanz",-
-"Pädo, der Papagei" …
Ja, ich glaube nicht, dass dies das geeignete Medium ist,-
-um den Humor in Comicheften zu erklären.
Und wie denkst du darĂĽber, dass manche deiner Leserinnen und Leser-
-vielleicht selbst Inzest oder Vergewaltigungen erlebt haben?
Ach, herrje.
Sollen wir aufhören, Dinge zu machen, auf die jemand negativ reagieren könnte?
Menschen werden getötet, weil sie Dinge zeichnen, an denen sich andere stören.
Du vergleichst Mohammed-Karikaturen mit Zeichnungen von Frauen mit groĂźen BrĂĽsten?
-Oder mit Inzest? Oder was genau? -Nein. Oder doch, vielleicht tu ich das.
Es ist wohlfeil, von Meinungsfreiheit zu reden, wenn man kritisiert wirst.
AuĂźerdem diskutieren wir hier dein Werk. Niemand zensiert dich.
Ich als Frau fĂĽhle mich provoziert und beleidigt,-
-auch wenn man das nicht mehr sagen darf.
Du hast eine Wahl. Du musst dich nicht beleidigen lassen.
-NatĂĽrlich habe ich keine Wahl! -Das ist so ein Generationen-Ding.
Die Verantwortung kann nicht allein bei mir liegen.
Ich finde, die Kunst muss "messy" und frei sein dĂĽrfen.
Kunst muss auch etwas gefährlich sein, damit sie Spaß macht.
Ich möchte, dass Kunst ein öffentlicher Therapieraum ist,-
-in dem ich laut denken und alle inakzeptablen Gedanken äußern darf,-
-all meine dunkelsten Impulse.
Du bist aber ein privilegierter Mann, der mit seinen Comics nach unten tritt.
Daher fällt es mir schwer, sie als Kunst oder Humor einzuordnen.
Sie sind nicht intelligent genug, um als Satire durchzugehen …
Aber es geht dabei nicht um mich.
Wenn ich etwas erschaffe, spreche ich nicht fĂĽr mich.
-Das weiĂź ich. -Wirklich? Ich will es mal illustrieren.
Wenn ich einen Comic über dieses Gespräch zeichne,-
-und meine Comic-Version ĂĽberlegt, dich eine Hure zu nennen,-
Dann wĂĽrde das nicht heiĂźen, dass ich das gedacht habe.
Es könnte eine …
… eine Parodie über einen gewissen Typ von unsicherem Mann sein …
-Du hast "Hure" gesagt. -Ja, ich habe "Hure" gesagt.
-Du willst mich nicht verstehen. -Kapierst du nicht die Sexualisierung?
Leute, so kommen wir nicht voran.
Ihr seid so verdammt selbstgerecht, du und alle miesen Post-Feministinnen.
Marthe Refstad und Aksel Willmann. Vielen Dank.
Es heiĂźt jetzt ĂĽbrigens "Sexarbeiterin".
Kapitel 10. DAS UNBEHAGEN IN DER KULTUR
Ich helfe dir gern!
-Hallo. -Lange nicht gesehen.
-Ja, stimmt. -Wie geht's dir?
-Ja … Und selbst. - Ja, doch.
Hast du Kontakt zu Aksel?
-Geht es ihm gut? -Ja, also …
-Ja? Ich hab das Radiointerview gehört. -Ja.
Er war da ein bisschen neben der Spur.
Es geht ihm nicht so gut.
Wusstest du nicht, dass er krank ist?
-Aksel? -Hast du es nicht gehört? Er hat Krebs.
Sorry. Ich war mir sicher, dass du es weiĂźt. Es ging sehr schnell.
Er hatte schon zu sehr gestreut, als sie ihn entdeckten.
Krebs?
BauchspeicheldrĂĽsenkrebs.
Aber …
Wie geht es ihm?
Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, aber es ist echt hart.
Die Prognose ist …
Die Prognose ist schlecht. Es gibt keine Heilung.
-Ja. Danke, dass du es mir gesagt hast. -Ich war mir sicher, du wĂĽsstest es.
Nein, ich hab nichts gehört …
Es ist nur …
Ich wusste nicht …
Wann hast du das geschrieben?
-Hast du es gelesen? -Ich wollte ihn zum Altpapier tun und …
-Das ist richtig gut. -Findest du?
Ja, es hat mich total gefesselt. Das ist wirklich, wirklich gut.
Das ist richtig … Also …
Das ist so …
-Was? -Also …
Wenn ich das sagen darf: Es ist sehr schön, etwas über dich zu lesen.
Aber es handelt nicht von mir.
Aber diese Weihnachtssache, das ist doch deine Familie, oder?
Ja. Es ist Fiktion. Hast du das nicht gemerkt? Das habe ich mir ausgedacht.
Ja, es ist Fiktion. Aber …
-Ich finde es gut. -Weil es von mir handelt?
-Nein, es ist … Na, es ist schön. -"Schön"?
Ja, es ist schön. Es ist gut geschrieben.
Deine Formulierungen sind echt gut.
So … So wie hier:
"Zu viele Schichten von Erinnerungen ĂĽberlagern sich, verwischen einander."
Darin finde ich mich sehr gut wieder. Das ist sehr gut geschrieben.
-Es ist nicht gut geschrieben. -Was ist los mir dir?
Ich find's interessant, dass du dich plötzlich für Literatur interessierst.
Wann hast du das letzte Mal einen Roman gelesen?
-Ist alles in Ordnung? Was ist los? -Was denn?
Na, zurzeit mache ich anscheinend alles falsch.
Nicht alles.
Du dringst dreist in meine Privatsphäre ein, wenn du den Müll durchsuchst.
-Das verstehst du doch? -Ja, aber entspann dich doch mal.
"Entspannen"? Das kannst du ja verdammt gut.
Du kannst dich entspannen und Kaffee ausschenken, bis du 50 bist.
Ich will mehr als das!
Das tut mir leid. Was soll ich machen?
Kapitel 11. POSITIV
Hallo?
Hallo.
Du …
Hast du schon gegessen?
Ja, aber ich kann Pasta machen, wenn du willst.
Nein, ich brauche nichts, wenn du schon gegessen hast.
Oh, sorry.
-Hallo. -Hallo.
Hallo.
Erst hatte ich nur RĂĽckenschmerzen.
Die hatte ich schon frĂĽher, daher hab ich mir nichts dabei gedacht.
Dann wurde meine Haut fast golden.
Ich fand, ich sah gut aus.
Aber es erwies sich als Gelbsucht.
Mama sagt, die hatte ich bei der Geburt. Ich musste in einem Lichtkasten liegen.
-Hast du starke Schmerzen? -Nein, nicht wirklich.
Die blockieren jetzt so ein Nervenzentrum mit Botox.
-Das klingt gut. -Ja, es …
Dann muss ich nicht so viele Schmerzmittel nehmen.
-Wie geht's deiner Familie? -Danke, gut.
-Mama hat dich immer noch im Blick. -Aha.
Und dein Vater?
-Ich hab den Kontakt quasi abgebrochen. -Gut.
-Soll er mich doch suchen, wenn er will. -Tut er das?
-Nein, nicht wirklich. -Zwei Kaffee.
Aber sie fanden es extrem amĂĽsant.
Unter manchen Umständen kann so ein morbider Humor lustig sein.
Ach, Analsex auf einer Bar Mitzwa?
Ja, so was finde ich lustig. Aber ich bin ja jetzt ein alter Mann.
Nein.
Doch. WeiĂźt du was?
Ich hab es quasi erwartet.
Ich hatte schon aufgehört zu suchen, lange bevor ich krank wurde.
Wirklich. Ich sehe mir nur alte Filme an, immer wieder.
Lynch und "Der Pate – Teil II". Doch, also …
Wie oft sollte man sich "Hundstage "angucken?
-Oft. -Okay. Ja.
-Das sollte man. -Ja.
Ich höre mir manchmal neue Musik an, die ich noch nicht gehört habe.
Aber …
Aber die ist auch alt …
Sachen, die ich noch nicht kannte, aber aus meiner Jugend. Das …
Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte ich bereits aufgegeben.
Na, du weißt schon … Ich wuchs in einer Zeit ohne Internet und Mobiltelefone auf.
Nein. Weißt du was? Es …
Ja, es klingt nach altem Mann, aber ich habe viel darĂĽber nachgedacht.
Meine Welt ist … Sie ist quasi verschwunden.
Es war immer mein Ding, in Läden zu gehen.
In Plattenläden und …
Mit der Tram zum "Voices" in Grünerløkka fahren.
Im "Pretty Price" in alten Comicheften blättern.
Wenn ich die Augen schlieĂźe, sehe ich den kompletten "Video Nova" in Majorstua.
Es hat wohl was damit zu tun, dass ich mit physischen Kulturobjekten aufwuchs.
Du interessiertest dich für sie, weil …
Wir konnten sie um uns herum platzieren.
Wir konnten sie aufheben, in der Hand halten, sie quasi abschätzen.
Ein bisschen wie BĂĽcher?
-Ja, ein bisschen wie BĂĽcher. -Ja.
Ach, ich weiĂź nicht. Das ist alles, was ich habe.
Damit habe ich mein Leben verbracht.
Alle diese Erlebnisse zu sammeln, ob es ein Album ist, Bücher oder …
Und das …
Damit habe ich weitergemacht, auch wenn es mir schon lange keine-
-richtig starken Erlebnisse beschert hat. Das war in meinen frĂĽhen Zwanzigern.
Trotzdem machte ich weiter. Und …
Jetzt ist es alles, was mir noch bleibt.
Wissen und Erinnerungen an total idiotische, unwichtige Dinge, die …
-… niemanden interessieren. -Aber das stimmt doch nicht.
Du hast doch deine Alben, die hast du doch erschaffen?
Ich wünschte, ich hätte, was du hattest.
Zeichnen und keine Zweifel daran zu haben, ob es das ist, was du tun solltest.
-Das hätte ich gern gehabt. -Ja, aber …
Ich habe Krebs, okay? Ich werde sterben. Es ist normal, dass ich zurĂĽckblicke.
Aber du sagtest, dass du das schon vorher getan hast.
Nein, noch nicht so lange.
Seit ein paar Jahren. Ich hatte einen Punkt im Leben erreicht, als plötzlich …
Es geschah ganz plötzlich.
Als …
… ich anfing, Dinge zu verehren, die Vergangenheit sind.
Und jetzt … Jetzt habe ich nichts anderes. Jetzt habe ich keine Zukunft mehr.
Jetzt kann ich nur noch zurĂĽckblicken.
Und das … Das ist keine Nostalgie. Es ist nur …
Todesangst. Es liegt daran, dass ich Angst habe.
Es hat nichts mit der Kunst zu tun. Ich versuche nur …
Ich werde morgen um neun operiert.
Ich hatte das GefĂĽhl, ich konnte dir alles sagen. Dass du mich nie verurteilt hast.
Du bist der am wenigsten moralisierende Mensch, den ich kenne.
Ich habe quasi niemandem, mit dem ich so reden kann,-
-wie wir reden konnten.
Kannst du mit sagen, was du immer gesagt hast …
Ich wollte es damals nicht hören, aber du sagtest immer, dass du denkst,-
-ich wäre eine gute Mutter.
Bist du schwanger?
Wow.
Glückwunsch. Oder …?
Wie findest du es? Ist es gut oder schlecht?
Ich weiĂź nicht recht.
Es ist einfach passiert. Ich war wohl etwas nachlässig. So war es wohl.
Warst du dir sicher …?
Wolltest du wirklich Kinder?
Ich hatte auch Angst, klar. Natürlich hatte ich Zweifel, aber …
Das konnte ich nicht zeigen. Ich dachte, dann würdest du nicht wollen …
Aber ich zweifelte nie daran, dass du eine gute Mutter wärst.
Ich sah ja, wie unsicher du dir da warst, und ich …
Ich bereue, dass ich es nicht geschafft habe, dich davon zu überzeugen …
Dass du mit mir nicht das Selbstvertrauen hattest zu sehen, wie gut du bist.
Woran denkst du?
Ach, ich kann mir das nicht anhören.
Aber … Wirst du es behalten?
Ich weiĂź nicht.
WeiĂźt du was? Ich habe so viel Zeit darauf verschwendet,-
-Angst davor zu haben, dass etwas schief geht.
Aber das, was wirklich schief ging, war fast nie das, wovor ich Angst hatte.
Wenn dieser Mann lieb ist, dann zieh's durch. Dann …
Dann hat das Kind einen lieben Papa und dich als Mama, und dann …
Der Rest ergibt sich von selbst.
Ich habe deine Stimme in meinem Kopf.
Ich führe immer noch tolle Gespräche mit dir.
Wirklich?
WorĂĽber denn?
Viel über Comics und …
… eklektischen Geschmack.
Geht mir auch so. Ich führe auch Gespräche mit dir in meinem Kopf.
Ich erinnere mich an Dinge über dich, die du längst vergessen hast.
Und umgekehrt.
Ja, und umgekehrt, vielleicht.
Wenn ich fort bin …
… dann wird all dieses Wissen über dich auch fort sein.
Darf ich dich etwas fragen?
Hattest du ihn schon kennengelernt, als du dich von mir trenntest?
Ja.
Wieso hast du nichts gesagt?
Ich weiĂź nicht.
Ich traute mich nicht.
Und jetzt trennst du dich von ihm?
Nein, wie kommst du darauf?
Na, weil du dich nicht so auf das Kind freust …
Und so reagierst du ja, wenn es schwierig wird.
Ich freue mich auf das Kind.
Okay.
Entschuldigung.
Alles gut.
Du warst die wichtigste Beziehung meines Lebens.
Du musst nichts sagen, denn …
Ich weiß ja, dass du anders empfindest, und das …
Es sollte nicht so sein. Du hast noch viel vor dir. Aber ich …
Ich weiĂź es. Ich spĂĽre es.
Ich möchte nur, dass du es weißt.
Du warst meine groĂźe Liebe.
Du bist ein verdammt guter Mensch.
Ich hätte es früher sagen sollen. Aber ich hab's nicht gepackt.
Ich bin schwanger.
Wie lange weiĂźt du es schon?
Ich weiĂź, dass wir keine Kinder haben wollen.
Nein.
Ich weiĂź nicht, ob ich es will.
Ich merke, dass ich es nie schaffe, etwas durchzuziehen.
Ich fange immer nur etwas Neues an.
Ich brauche Zeit, um …
… darüber nachzudenken.
Ăśber uns.
Alles wird gut.
Kapitel 12. ALLES GEHT ZU ENDE
Hier habe ich gewohnt.
Wir zogen dort ein, als ich acht war.
-Wollen wir anklopfen? -Nein. Besser nicht.
Woran … Welche Erinnerungen hast du an diesen Ort?
Ich erinnere mich an diese Farben.
Sie waren immer eine Art Referenz fĂĽr mich, wenn ich Comics zeichnete.
Diese Farben hier.
Und ich erinnere mich …
… an einen echt lieben Säufer auf der anderen Straßenseite.
Ich habe es so satt, so zu tun, als wäre alles okay.
Es ist scheiĂźe, solche Schmerzen zu haben. Es ist scheiĂźe.
Alles ist scheiĂźe.
Es ist …
Ich will nicht, dass du dich an mich erinnerst.
Ich will keine Stimme in deinem Kopf sein.
Ich will nicht in meiner Kunst weiterleben und so.
Ich will einfach nur in meiner Wohnung weiterleben.
Leben …
In meiner Wohnung leben, zusammen mit dir.
Ich möchte, dass es uns gut geht.
-TschĂĽs. -TschĂĽs.
Hallo, Julie.
Ich wollte dir nur sagen, dass sich Aksels Zustand dramatisch verschlechtert hat.
Er ist zu schwach fĂĽr die weitere Behandlung.
Er wird die Nacht vielleicht nicht ĂĽberleben.
Seine Familie ist bei ihm, aber … Ich dachte, du solltest es wissen.
EPILOG
Es ist alles gesagt.
-Danke! -Gleich noch einmal. -Kurze Pause.
-Leichtes Nachjustieren. -Du musst trauriger sein.
-Er erhebt sich so schnell … -Du, du, du!
Gut. Kamera läuft.
-Bitte. -Es ist alles gesagt.
Danke! Sehr gut.
Wir machen weiter.
Ach, ja: Standfotos.
Verzeihung? Ich muss ein paar Fotos von dir machen.
-Ja … hier? -Ja.
-Hallo. Alles okay? -Ja.
Ich glaube, es lief richtig schlecht.
Dann benutze das.
Bleib in dieser Stimmung.
-Guck da hin, wo er saß. -Okay …
Ăśbersetzung: filmtiger
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