All language subtitles for 2003_Im Schatten der Macht 2_2.deu

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Original subtitles

UT

(Willy Brandt)

(Herbert Wehner)

(Rut Brandt)

(Hans-Dietrich Genscher) (G�nter Guillaume)

(Egon Bahr) (G�nther Gaus)

(Dr. G�nter Nollau) (Manne Schacht)

(Walter Scheel) (Helmut Schmidt)

(Dr. Herold) (Holger B�rner)

(Geliebte)

Es ist so weit. Ich bin drin.

Der Verd�chtige G�nter Guillaume ist Referent im Bundeskanzleramt.

Warum �berlassen wir die Entscheidung nicht dem Kanzler?

Sie informieren ihn, verbunden mit meinem dringenden Rat:

Er soll es nicht zeigen.

Und an Guillaumes Funktionen nichts �ndern.

Ich wusste vom Spionageverdacht gegen diesen Mitarbeiter.

Seit einem Jahr.

Wer war die Frau gestern Abend?

Guillaume brachte sie um 22 Uhr zum Kanzlerwagen.

Guillaume k�mmert sich darum. Ich bin Willys Bodyguard.

Und nicht sein Body-Lieferant.

BKA! Wir haben einen Durchsuchungs- Befehl. Sie sollen vernommen werden.

Letzten Sommer in Norwegen.

Er brachte immer die Telexe vom Fernschreiber.

Du wusstest es da schon. Ja. Nat�rlich!

Aber ich war vielleicht zu arrogant.

Es war unter meinem Niveau, dauernd daran zu denken.

Es war dann irgendwann ... weg.

Diese Damenbesuche! Wer immer die Personen im Einzelnen waren ...

Wir wissen nur: Sie wurden von Guillaume dem Kanzler zugef�hrt.

Niemand wei�, was dann wirklich passierte.

Es w�re im Sinne der Anklage wichtig zu wissen, wie das passierte.

Wenn der Kanzler auf Reisen Besuch bekam im Hotel oder ...

... im Schlafwagen.

Wollen Sie andeuten, dass Guillaume dabei war?

Fast, so wie die Leibw�chter sagen. Man muss die dann befragen.

Es geht doch um den Guillaume. Ja.

Aber ihr fragt immer nach Willy.

Ich gebe eine Erkl�rung zu Protokoll:

Gewisse Personen in der BRD wollen ...

... mit Hilfe meiner Inhaftierung den Bundeskanzler st�rzen.

Die Parole war: Brandt muss Kanzler bleiben!

Er tut alles, um es nicht zu bleiben.

Ich spreche nicht �ber Wehner. Sie haben Angst vor ihm.

Die Regierung der Bundesrepublik w�re blamiert, falls Guillaume ...

... in der Verhandlung dar�ber spricht.

Auch wenn Guillaume schweigt, hat die F�hrung der DDR ...

... ein dauerhaftes Mittel, um den Kanzler und mit ihm ...

... die ganze SPD zu dem�tigen. Ihr Rat?

Es f�llt mir schwer, das zu sagen.

Aber es gibt meiner Meinung nach kein anderes Mittel ...

... alldem zu begegnen, als den R�cktritt des Kanzlers.

Ich sehe ihn morgen in Bad M�nstereifel.

Auf der Arbeitstagung mit den Gewerkschaftsleuten.

Ich danke jedenfalls f�r Ihren Besuch.

Ich hielt es f�r meine Pflicht, weil ...

Ich bringe Sie noch zum Wagen. Vielleicht ...

Ich sehe die Dinge vielleicht zu negativ.

Aber man muss doch dem Kanzler die m�glichen Konsequenzen zeigen.

Und wer, wenn nicht Sie ... Ja. Nat�rlich ich.

Entschuldigen Sie! Es dauerte l�nger, als ich dachte.

Ich kann mir vorstellen, was Sie zurzeit zu tun haben.

Es ist das Bl�deste, das passieren konnte.

Das Bl�deste im Moment ist ... Setzen Sie sich wieder!

Wir sprachen bisher immer sehr offen miteinander.

Aber heute ...

Ich meine, Dr. Vogel, Sie kommen mit einer Botschaft aus Ostberlin ...

Ich glaube kein Wort. Und ich wei�, Sie auch nicht.

Das ist ein Irrtum.

Ich bin �berzeugt davon:

Honecker wusste nichts davon.

Ich sah ihn noch heute Morgen.

Ich sehe als Anwalt, ob jemand ehrlich ist. Er ist beunruhigt.

Er ist emp�rt dar�ber.

Aber euren Staatssicherheitschef Mielke ...

... interessiert zuerst die eigene Sicherheit.

Er kennt das Risiko eines Spitzels im Vorzimmer des Kanzlers.

Er �bernimmt nicht die Verantwortung. Er wird sich absichern.

Honecker muss es gewusst haben.

Wollen wir uns �ber die Psychologie von Geheimdienstleuten streiten?

Was sagen die ihren Staatschefs nicht?

Ich denke, Mielke hat nichts gesagt.

Weil ihm der Top-Spion in Brandts Vorzimmer sehr unangenehm war.

Ach was! Der gr��te Erfolg der DDR-Spionage war unangenehm?

Aber ihr habt doch Guillaumes SPD-Karriere selbst gemacht.

Vom Bezirk Hessen-S�d bis ins Bundeskanzleramt.

Leber, Ehrenberg, Ehmke.

Jeder half dem flei�igen Biedermann etwas h�her.

Und eure Abwehr schlief.

Aber es wurde Mielke unheimlich, als Guillaume Kanzlerreferent wurde.

Was w�re, wenn er Fehler machen und gefangen w�rde?

Der deutsch-deutsche Vertrag! Der Skandal w�re t�dlich.

Ja. Ein Fressen f�r manche Leute. Bei euch wie bei uns.

Denen die Ann�herung nie so am Herzen lag.

Aber das war nicht Mielkes Problem.

Sein Problem war: Was mache ich mit Guillaume?

Er konnte es nicht l�sen.

Er tat deshalb nichts. Sollte er zu Honecker sagen: Was mache ich nur?

Die Geschichte passierte dann bei euch genauso idiotisch wie bei uns.

Fabelhaft!

Ein gesamtdeutscher Sch�nheitswettbewerb in Feigheit.

Und politische Bewusstlosigkeit.

Und jetzt?

Wie denkt man sich auf Ihrer Seite den Fortgang der Deutschlandpolitik?

Ost- und westdeutsche Beh�rden schafften, ...

... unseren Regierungschef zum Gesp�tt zu machen.

Ich soll Sie wissen lassen, ...

... dass G�nter Guillaume nie Willy Brandts Intimsph�re aussp�hen sollte.

Der Kanzler wird nicht durch Aussagen Guillaumes oder durch uns ...

... deswegen blo�gestellt werden, l�sst Herr Honecker sagen.

Nett gemeint. Aber das Blo�stellen machen andere.

Ganz gleich, was euer Kundschafter des Friedens sagt oder nicht sagt.

Wir haben hier eine Opposition.

Und eine so genannte freie Presse.

Und was das bedeutet, werden Sie in der n�chsten Zeit erleben.

Nein, nein. Deutschlandpolitisch ist nichts mehr zu machen.

Jedenfalls ...

... solange Brandt Kanzler ist.

Matthias! Der Apparat muss wieder raus.

Wenn es zur Gewohnheit wird, dass du noch viele Stunden heimlich schaust.

Was liest du denn da?

Woher hast du das denn?

Das war in meiner Schultasche.

Irgendeiner muss das in der Pause hineingesteckt haben.

Wie nett! Darf ich das ins Klo werfen?

Es geh�rt n�mlich dahin.

Die wollen ihn fertig machen. Oder?

Diese Sorte Presse will das seit vielen Jahren.

Es gelingt ihnen manchmal ein St�ck weit. Aber nie ganz.

Und wenn es doch wahr ist? Ich meine, das mit dem Sex.

Ich wei� nicht, was wahr ist oder was nicht wahr ist, Matthias.

Wieso fragst du Vati nicht einfach, ob es wahr ist oder nicht?

Weil ...

Dein Vater ist ein Mann, der auf die kompliziertesten Fragen ...

... wunderbar einfache Antworten geben kann.

Aber einfache Fragen sind f�r ihn schrecklich kompliziert.

Er ist vielleicht manchmal ein Bl�dmann.

(Lacht:) Ja. Vielleicht.

Vielleicht.

Na ja! Ich kann es vielleicht doch noch durchrei�en.

Der h�tte es bestimmt.

Der Vergleich hinkt wirklich, Gaus.

Kennedys Bruder war schlie�lich Justizminister.

Bobby h�tte nie erlaubt:

Dass die FBI-Leute das Privatleben des Pr�sidenten ausschn�ffeln.

Unter dem Vorwand, nur so einen Spion �berf�hren zu k�nnen.

Und wenn wir schon "h�tte" und "w�rde" sagen:

Mit dir als Kanzleramtschef ...

... w�re die Sache anders passiert, Egon.

Ist das ein Angebot bei einer Regierungsumbildung?

W�rdest du es machen?

Ungern. Aber ich mache alles, was hilft.

Willst du mit neuen Leuten im Kabinett den Durchmarsch machen?

Ja.

Egon Bahr als Chef des Kanzleramts w�re eine optimale Besetzung.

Aber es l�st die Probleme leider nur halb.

Ja. Genscher ist schuld an der Guillaume-Schei�e.

Er muss zur�cktreten. Ein echter Neuanfang ist dann m�glich.

Scheel wird Genscher nie fallen lassen.

Er braucht ihn dringend als Nachfolger.

Seine Wahl zum Bundespr�sidenten ist ihm wichtiger als alles.

Es k�nnte f�r ihn knapp werden.

Der Gegenkandidat hei�t immerhin Richard von Weizs�cker.

Scheel muss sicher sein, dass die SPD-Wahlm�nner alle ihn w�hlen.

Aber ist das so sicher?

Ich finde das eine sehr tollk�hne Idee, Egon.

Ich finde sie nahe liegend. Angenommen du sagt zu ihm:

"Die Guillaume-Aff�re verlangt ein Opfer. Oder wir bekommen keine Ruhe."

"Entweder muss Genscher gehen oder ..."

... ich bin bereit, die Folgen zu tragen.

Sie k�nnen sich denken, wie viel Bitterkeit in der SPD hochkocht, ...

... wenn Brandt geht und Genscher bleibt.

Und das k�nnte sich verh�ngnisvoll auf die Pr�sidentenwahl auswirken.

Wehner muss mitmachen. Er muss den SPD-Wahlm�nnern Freiheit lassen.

Er muss seine Autorit�t als Zuchtmeister aufgeben.

Er wird es bestimmt nicht tun. Telefon

Soll ich?

Ja.

Ja?

Richtig!

Einen Moment!

Holger B�rner aus einer Telefonzelle in Kassel.

Wieso "Telefonzelle"?

Das Telefon in seinem Dienstwagen scheint ihm nicht sicher genug.

Ja, Holger?

Willy! Ich war heute Nachmittag bei Wehner. Er bat mich zu sich.

Er wei� Bescheid �ber die Aussagen der Bodyguards zum "Damenbesuch".

Er f�rchtet, dass es verheerend wirken wird in der Partei.

Wenn Enth�llungen in der Presse beginnen.

Er fragt sich, ob du wei�t, was auf dich zukommt.

"Er fragt sich"? H�lt er mich f�r ein Kind?

Ich wei�, was eine Hetzkampagne bedeutet.

Sp�testens seit dem Wahlkampf 1961.

Die Loyalit�t des Koalitionspartners ist jetzt lebenswichtig.

Entscheidend ist: Die Fraktion muss geschlossen hinter mir bleiben.

Das ist Wehners Aufgabe.

Er wird dich morgen darauf ansprechen.

Ich dachte, es ist gut, wenn du es vorher wei�t.

Ich bin dir sehr dankbar. Bis morgen! Gute Nacht!

Es ist vorbei.

Aber es geht doch in den letzten Tagen dauernd auf und ab bei ihm.

Mal will er k�mpfen, mal m�chte er sich verstecken.

Er k�mpfte bis jetzt immer, wenn er bedr�ngt wurde.

Aber es ist diesmal anders. Er ist wehrlos.

Ein Boxer in den Seilen, der die Deckung nicht mehr hochbekommt.

Du kennst ihn: Will er nicht mehr?

Ich f�rchte, es kommt mehr darauf an, was andere wollen.

Er wei� das. So etwas l�hmt.

Du meinst nicht andere. Du meinst Wehner.

Ich denke nicht so wie du.

Wie denkst du, denke ich? Ich will dir das sagen.

Wehner will Willy nicht als Kanzler. Er mag die Guillaume-Pleite.

Man wei�, was Wehner will, wenn es passiert ist.

Lass uns noch etwas trinken! Ja?

Gut! Schick deinen Chauffeur heim! Wir fahren zu mir.

F�r mich ab jetzt ohne Wasser.

Du bist auf dem besten Weg, dich total zu besaufen.

Na und?

Ist das in einer solchen Nacht nicht eine legitime Form der Trauer?

Was soll ich noch in der Politik, wenn Willy aufgibt?

Was? Willst du vielleicht zur�ck zum "Spiegel"?

Du machst die BRD-Vertretung in Ostberlin, auch wenn der Kanzler ...

... bald Helmut Schmidt hei�t.

"Schmidt"! Schmidt mag mich nicht.

Noch weniger als dich, Egon.

Er hat auch erst mal andere Probleme, wenn er antritt, ...

... als unsere Beziehung zur DDR.

Ich wei� auch gar nicht, ob ich noch will.

Wir sind doch nur vom Journalismus zur Politik gesto�en wegen Willy.

Wegen ...

Es ging doch mal um eine gro�e Idee. Oder?

Demokratie nicht als Lippenbekenntnis.

Nicht als Pflicht-Erf�llung.

Sondern als attraktive Lebensform eines Volkes, dem nichts fremder ist.

Und jetzt soll dieser Oberleutnant Kanzler werden!

�bertreib nicht, G�nter!

Die Auswechslung des Regierungschefs ist ein demokratischer Vorgang.

Aber politisch katastrophal.

Wir schafften die Reformen nicht mal halb.

Schmidt ist Pragmatiker. Wehner kann das nicht wollen.

Wehner kann alles, um die Regierungs- f�higkeit der SPD zu erhalten.

Aber nicht Brandt einfach abservieren.

Soll ich dir ein Geheimnis verraten?

Willy ist im Grunde gar kein Politiker.

Er war viel mehr als das.

Und ich f�rchte, er ist jetzt weniger.

Wehner w�nschte sich von Willy seit 2 Jahren nichts sehnlicher als F�hrung.

Willy br�uchte jetzt F�hrung durch Wehner.

Er wird gerade die nicht bekommen.

Wehner kann ruhig zusehen, wie er an seinen Widerspr�chen scheitert.

Wenn ich einen deutschen Politiker bewundert habe, war es Wehner.

Wenn ich einen geliebt habe, dann war es Brandt.

Warum, in Gottes Willen, m�ssen die sich hassen?

Schlimmer!

Sie verachten sich.

V�gel zwitschern.

Wenn es noch dunkel ist und die V�gel beginnen schon, ist es Fr�hling. Ja?

Ja.

Man sollte das meinen.

Herbert!

Der Kaffeel�ffel fehlt da.

Was ist denn das?

Wie kommt das in ein Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung?

Kann mir das einer sagen?

Nicht zu verstehen

Bitte begeben Sie sich in den Saal!

Die Tagung wurde zweimal verschoben. Wir haben ein gro�es Programm.

"... Ich bitte dich daher dringend um eine Unterredung."

"Am besten nach dem Abendessen."

Nanu? Die Deckenlampe ist kaputt. Sie hat vorher noch funktioniert.

Komm herein!

Scheu�liche Beleuchtung!

Entschuldige!

Ich finde es passend.

Setz dich!

Also?

Wenn man sich die Dreckskampagne der Rechts-Presse anschaut ...

Kann ich auf die Solidarit�t der Fraktion vertrauen?

Ich werde tun, was ich kann.

Ich denke das.

Ich bin froh, dass du davon anf�ngst.

Das macht es mir einfacher.

Diese Dreckskampagne! Das ist nicht wie in den Wahlk�mpfen der 6Oer.

Wo die Rechten dir deine uneheliche Geburt vorwarfen.

"Herbert Frahm" und so. Diese Gemeinheiten.

Wir konnten dagegen feuern. Aber diese Frauengeschichten!

Niemand von uns wei�, was da dran ist.

Und was da noch nachkommen kann.

Au�er dir.

Und den betreffenden Damen nat�rlich.

Willst du einen Rechenschaftsbericht?

Oder darf ich sagen: Auch ich habe ein Recht auf Privatsph�re?

Es ist nichts geschehen, ...

... das meine Amtspflichten oder die W�rde des Amtes verletzte.

Es gibt einen 11-seitigen Bericht vom BKA.

Nach Aussagen von Beamten des Begleitkommandos.

Etwa ein Dutzend Namen von Frauen.

Die Aussagen sind nicht Fakten sondern Vorstellungen.

Ich empfing Journalistinnen.

Ich will das nicht diskutieren.

Das ist mir mehr als peinlich. Katastrophal ist:

Es wird in der Presse er�rtert werden.

Wom�glich sogar im Bundestag.

Du allein kannst sagen:

Hast du die Kraft, das durchzuhalten? Ich stehe zu dir.

Voraussetzung ist, dass du dir �ber deine Lage 1OO%ig im Klaren bist.

Das bin ich. Wirklich?

Ist dir klar: Du bist erpressbar geworden? Durch wen?

Durch die Kr�fte in der DDR, die jede Entspannung verhindern wollen.

Sie haben dir den Triumph von Erfurt, das "Willy! Willy!", nie verziehen.

Guillaume soll dir Frauen zugef�hrt haben.

Er hat diese Dinge auch gemeldet.

Wir w�ren blamiert, wenn die ...

Ich will es direkt sagen: Nollau r�t zum R�cktritt.

Und was r�tst du?

Es ist deine Entscheidung.

Ausgerechnet Nollau!

Er brachte mich in diese Lage!

Wie denkt er sich konkret eine solche Erpressung?

Dass Honecker eines Tages anruft und sagt: "Ei, ei, Herr Brandt!"

"Man h�rt schlimme Sachen von Ihnen."

"Wir machen entweder einige Dinge im Grundlagenvertrag r�ckg�ngig."

"Oder pikante Geschichten erscheinen im 'Neuen Deutschland'."

Du hast keine Erfahrungen gemacht unter kommunistischen Regierungen.

Ihr behandelt den Grundlagen-Vertrag auch sorglos, du und deine Experten.

Bahr und Gaus.

Immer noch eine Beh�rde nach Berlin.

Am liebsten noch die Lufthansa!

Das ist Gift f�r die innerdeutschen Beziehungen. Brandt und ...

... Bahr ruinieren die Deutschlandpolitik.

Ich habe das nie gesagt. Nicht im Westen.

Erstaunlich! Es gelingt dir immer wieder dein Niveau zu unterbieten.

Die Unterstellung, ich h�tte in Ostberlin Geheimgespr�che ...

Sind es Unterstellungen?

Nur zu! Ist der gute Ruf eine Art Haut?

Man hat sie mir oft bei lebendigem Leib abgezogen.

Hat dein intellektueller Hofstaat bald ...

... die Version: Ich h�tte mit Honecker gegen dich konspiriert?

Ich habe das zu ertragen.

Ich habe zu dienen. So ist das Leben.

Der eine l�sst sich mit dem Friedens-Nobelpreis schm�cken ...

Der andere dient.

Manche fragen sich, wem?

Dem Erhalt der Regierungsf�higkeit. Diesem Land, seinen Menschen.

Der deutschen Einheit. Ich nicht?

Doch! Aber sozusagen zur Selbstdarstellung.

Du und Bahr, ihr wolltet immer gleich die Nation.

Das macht �ffentlich mehr her als meine mausgraue Plackerei.

Einzelnen zu helfen. Bedr�ngte rauszukaufen und so.

Ich habe f�r die kleinen Leute dr�ben ein anderes Gef�hl.

Ich stamme von dort. Ich habe Angst vor eurer Ostpolitik wie Richelieu.

"Ostpolitik wie Richelieu"? Was ist das?

Der Versuch, die DDR zu unterminieren.

Deine heimlichen Gespr�che mit Breschnew hinter Honeckers R�cken.

Diese Achse ist mir unheimlich.

Verkauft der Kreml eines Tages die DDR an den Westen?

Was ist denn das f�r ein Unsinn?

Wir haben dann die Einheit.

Aber in einem Staat, der formal demokratisch ist.

Aber nicht sozial.

Willst du mich deshalb weghaben?

Glaubst du, Helmut Schmidt ist der bessere Sozialdemokrat?

Wir m�ssen in erster Linie an der Regierung bleiben.

Oder wir m�ssen �ber Sozialdemokratie nicht mehr diskutieren.

Werde endlich deutlich! Willst du meinen R�cktritt?

Es ist allein deine Entscheidung.

Ich unterst�tze dich politisch, wenn du im Amt bleibst.

Aber diese Geschichten wie die mit dem Damenschmuck, ...

... der in deinem Hotelbett liegen blieb.

Du musst da alleine rauskommen. Ich glaube, das reicht.

Wir sehen jetzt einem gl�cklichen Paar zum Verwechseln �hnlich.

Schade, dass uns niemand fotografiert!

Die Presse? Bist du verr�ckt?

Nein. Einfach so. Ein Erinnerungsbild. F�r niemanden.

Der liebe Gott m�sste uns dann fotografieren.

Er hat das schon.

Ich h�tte vielleicht ganz anders leben sollen.

Nimm den "Onkel" bei Moral nicht so ernst!

Er ist im Alter evangelisch- pietistisch pr�de.

Ich meine das nicht.

Die Dinge sind klarer denn je, was Wehner angeht.

Er verachtet mich.

Willy! Er verachtet vor allem sich selbst.

Wurde er fromm, dass wenigstens Gott ihn liebt?

Er hat mir indirekt zu verstehen gegeben:

Ich bin �ffentlich nicht mehr vorzeigbar.

L�cherlich! Ich versammle 2O.OOO Leute auf dem Bonner Rathausmarkt.

Wir reden �ber deine Weibergeschichten.

Ich frage, ob du Kanzler bleiben sollst.

Sogar Impotente werden ja sagen. Ich glaube das auch.

Es nutzt alles nichts.

Es geht nicht ohne Wehner.

Ein Machtkampf mit ihm w�rde die Fraktion zerrei�en. Oder die Partei.

Du siehst das falsch, Willy. Die Basis glaubt immer noch an dich.

Ich als Gesch�ftsf�hrer muss das wissen.

W�rde Schmidt Wehners Spiel denn mitmachen?

Wieso nicht? Er denkt doch, er ist der bessere Kanzler.

Er l�sst mich das bei fast allen Kabinettssitzungen sp�ren.

Er will Chef werden.

Aber nicht so! Nicht �ber deine politische Leiche!

Er ist dazu zu anst�ndig. Oder zu eitel.

Da ist etwas dran.

Ja. M�glich.

Ich habe das nie so gesehen.

Halbdunkle Hotelzimmer.

Stundenweise.

Die Leibw�chter drau�en auf dem Korridor.

Ich habe nie mehr zu bieten gehabt.

Das ist es nicht. Du wei�t, dass es das nicht ist.

Das ist der Mantel.

Was f�r ein Mantel?

Aus Einsamkeit.

Dein Schutzanzug.

Du ziehst ihn nie aus.

Du h�ttest ihn auch an im Garten Eden.

Ich kann nicht anders.

Man sagt mir nach, ich sei ein Frauen-Mann.

Sie m�gen mich.

Sie w�hlen mich.

Aber wenn es um eine Einzelne geht, um die Einzige, ...

... dann kommt die Fremdheit.

Ich wei�.

Du bist alles andere als weltfremd.

Du bist ein Fremder in der Welt.

Schon als junger Kerl, damals in der Nacht, ...

... als ich abgehauen bin im Fischkutter nach D�nemark.

Ich hatte nicht das Gef�hl, dass ich die Heimat verlasse.

Ich bin nur von einem Exil ins andere gegangen.

Wei�t du, wann ich mich in dich verliebt habe?

Als du da gekniet hast.

Da am Mahnmal.

In Warschau im Getto.

Die vielen Menschen drum herum.

Polen, Deutsche, Diplomaten, Journalisten.

Und einer kniet.

Ein Fremder in der Welt.

Leb wohl!

Ich werde nicht aufh�ren, dich zu lieben.

Das Telefon klingelt.

Ja?

"Willy! Ich bin es." Egon!

"Habe ich dich geweckt?" Nein. Ich bin wach.

Also! Um es kurz zu machen: Wehner will den R�cktritt.

"Hat er das so gesagt?"

Nein. Nat�rlich versteckt.

Die ganzen Spr�che! Du kennst das ja.

Er steht 1OO%ig hinter mir und so weiter.

Aber er sagt das entscheidende Wort nicht: "Bleib!"

Er will, dass du ihn bittest, bleiben zu d�rfen.

Er ist der geheime Kanzler, wenn du ihm die Kanzlerschaft verdankst.

Er wollte das schon immer.

"Du bist nur noch der sch�ne Mann im Schaufenster."

Ja. Er hat mich wahrscheinlich immer so gesehen.

Jetzt ist die Situation da, die ich viel zu lange vermeiden wollte.

Ich muss ihn niedermachen oder gehen.

Das w�re ein Zweifronten-Krieg.

Die Union will die Haushaltsdebatte in 14 Tagen umfunktionieren ...

... in eine Art moralisches Strafgericht.

Das ist mit staatsm�nnischem Benehmen nicht durchzustehen.

Ich habe schon bewiesen, dass ich auch grob kann, wenn es sein muss.

Aber diesmal ...

Ich wei� nicht.

Ich muss es dir dann sagen, weil ich dein Freund bin.

Ich will nicht zusehen, wie sie dich zerst�ren.

Geh! Noch ist es dein Entschluss!

Warte nicht, bis sie dich zu Tode hetzen!

Du kannst erhobenen Hauptes gehen. Deine Arbeit war sehr gut.

"Der Dialog mit dem Osten."

Die SPD nach 4O Jahren an der Regierung.

"Das sind historische Leistungen. Jetzt kommt Mechaniker-Arbeit."

"Das kann Schmidt vielleicht besser." Ja. Wenn er es macht.

Liebe Freunde! Ich habe mich zum R�cktritt entschlossen.

Was sich jetzt abzeichnet, nicht nur in der �blichen Rufmord-Presse, ...

... sondern nach meinen Informationen ...

... in gemilderter Form auch in Zeitschriften wie "Spiegel", ...

... "Zeit" und "Stern" ist eine Offensive, ...

... die sich kaum mehr mit dem Spionagefall selbst, ...

... sondern vielmehr mit meiner Person besch�ftigen wird.

Haupts�chlich unterhalb der G�rtellinie.

Ich soll zu vielen Frauen intime Beziehungen gehabt haben.

Ich kann nur staunen, wie viel sexuelle Leistungsf�higkeit ...

... einem Mann in meinem Alter zugetraut wird.

Es liegt auf der Hand, ...

... dass Publikationen auf diesem Niveau mich nicht nur ...

... pers�nlich treffen, sondern auch mein Amt besch�digen werden.

Dies darf nicht sein.

Du dramatisierst das �berdimensional. Lass mich bitte ausreden!

Nun zur Frage meiner pers�nlichen Verantwortung ...

... den eigentlichen Spionagefall betreffend.

Massive Fehler gehen auf das Konto anderer.

Aber sie kamen bisher nicht auf die Idee, Konsequenzen zu ziehen.

Das ist der eigentliche Skandal. Helmut! Bitte nicht jetzt!

Ich komme nun zum wesentlichen Grund meines Weggangs.

Ich kann nicht leugnen, ...

... dass diese DDR-Spionage-Aktion, ...

... zumal in einer Zeit der Entspannung, ...

... mich nicht nur politisch sondern auch pers�nlich tief getroffen hat.

Ich kann mit diesen Leuten nicht mehr sprechen.

Geschweige denn, politisch verantwortlich verhandeln.

Aber es ist andererseits klar, ...

... dass unsere Deutschland-Politik erfolgreich weitergehen muss.

Auch jetzt und gerade jetzt!

Nur ... mit mir nicht mehr.

Unerh�rt! Wegen einiger Weibergeschichten!

Ach ja! Entschuldige!

Ich h�tte beinahe das Wichtigste vergessen.

Ich schlage Helmut Schmidt vor als meinen Nachfolger im Amt.

Das geht so nicht.

Ein miserabler Eindruck entsteht da. Ich mache da nicht mit.

Ich werde als Kanzler-Killer in der �ffentlichkeit dastehen.

Das ist unm�glich!

Wegen unbewiesenen, heimlichen Bumsereien. Oder war jemand dabei?

Die Presse scheint dieser Ansicht zu sein.

Ich kenne die Schmuddelberichte. Das hat nichts mit Willy zu tun.

Und die so genannte Spionageaff�re!

Herrgott! Das passiert in jedem Staat der Welt jeden Tag.

Was kann ich daf�r, wenn mir jemand eine "Wanze" in die Tasche steckt?

Ein Regierungschef gibt nicht auf!

Mein Entschluss steht fest.

Und ich habe meine Gr�nde klar benannt.

Helmut! Du musst das machen.

Ich denke nicht daran.

Ich hoffe, es wird nicht n�tig, �ber Parteidisziplin zu reden.

Ein ehemaliger Wehrmachts-Offizier sollte das begreifen.

Entschuldigt, Genossen! Aber bevor vollendete Tatsachen gemacht werden:

Ich halte Willys R�cktritt f�r nicht n�tig.

Ich auch. Genau!

Ich bin als Bundesgesch�ftsf�hrer von den Anwesenden der Basis am n�chsten.

Der gr��te Teil der Genossen wird den Kanzlerr�cktritt nicht verstehen.

Das kann sich sehr schnell �ndern.

Wenn der �ffentliche Druck brutaler wird.

Dieser Scherz ist doch erst der Anfang.

Wir m�ssen da durch.

Ich werde das durchstehen.

Entscheidend f�r die Partei und ...

... ihr Verbleiben in der Regierungsverantwortung ist nur:

Ist der Entschluss des Kanzlers zum R�cktritt unumst��lich?

Ich denke auch, er ist unn�tig.

Wir m�ssen das respektieren.

Und daf�r sorgen, dass der F�hrungswechsel ...

... glatt und ohne jedes Gezerre passiert.

Wir k�nnen uns Empfindlichkeiten jetzt nicht leisten.

Es hat ein jeder seine Pflicht zu erf�llen.

Auch wenn es schwer fallen mag.

Ich kann das nur machen, wenn Willy wenigstens Parteivorsitzender bleibt.

Ach ja? Du musst den Vorsitz behalten!

Ich kann die Partei so jetzt nicht zusammenhalten.

Ich dachte die letzten Monate eher, du kannst alles besser als ich.

Die Partei braucht dich ohne Zweifel als Vorsitzenden. Bitte, Willy!

Ich kann mich eines Gef�hls der R�hrung nicht erwehren.

Ich gebe meinen Verzicht aufs Kanzleramt heute bekannt.

Und dass ich SPD-Vorsitzender bleibe.

Du kannst das nicht machen ohne Absprache mit dem Koalitionspartner.

Ohne Verst�ndigung des Bundespr�sidenten.

Willst du weglaufen wie ein Dieb? Du hast Recht. Das geht nicht.

Obwohl mir sehr danach ist.

Als Dieb unter Dieben.

Ich kann es noch nicht glauben.

Ich auch nicht.

Rauchst du wieder?

Noch nicht!

Wenn du schon welche kaufst ... Ich habe die geklaut. Im Speisesaal!

Ich brauche jetzt einfach eine.

Das w�re nicht passiert, wenn Guillaume noch da w�re.

Ich m�chte diesen Namen nicht mehr h�ren.

Entschuldige! Hat du mal Feuer?

Tut mir Leid!

Haben Sie mal Feuer f�r mich? Ich habe mit Ihnen aufgeh�rt.

Es tut mir Leid! Es gibt vorne einen Anz�nder.

Ich habe ihn herausgenommen. Ach!

Ach schei� doch der Hund drauf!

"Sehr geehrter Herr Bundespr�sident!"

"Ich �bernehme die politische Verantwortung ..."

"... f�r Fahrl�ssigkeiten im Zusammenhang mit ..."

"... der Agenten-Aff�re Guillaume."

"Ich erkl�re meinen R�cktritt vom Amt des Bundeskanzlers."

"Ich bitte darum, diesen R�cktritt sofort wirksam werden zu lassen."

"Und meinem Stellvertreter Bundesminister Scheel ..."

"... die Aufgaben zu �bergeben, bis ein Nachfolger gew�hlt ist."

"Mit ergebenen Gr��en, Ihr ..."

Bei allem schuldigen Respekt, lieber Herr Brandt:

Aber das kann nicht Ihr Ernst sein.

Wollen Sie das wirklich abschicken? Morgen?

Ich denke, dass wir uns in einem Koalitionsgespr�ch ...

... einigen k�nnen auf die �bernahme des Amtes durch Schmidt.

Ich sage Ihnen jetzt schon, dass die gesamte FDP erbittert ...

... mit Ihnen dagegen ringen wird.

Der Entschluss ist au�erhalb jeder Proportion.

Ich denke, dass Herrn Genschers Widerstand ...

... nicht so gro� ist. Im Gegenteil.

Er wei�, was passiert, wenn Schmidt Kanzler wird.

Mein R�cktritt erspart Herrn Genscher den seinen.

Wenn das der Punkt ist, m�sste man dar�ber reden.

Zu sp�t!

Die Angriffe zielen nur noch auf mich pers�nlich.

Sie werden weitergehen, bis ich zerm�rbt und entnervt davonlaufe.

Aber ich will nicht aus dem Amt rennen, sondern gehen.

Und zwar aufrecht. Verstehen Sie das?

Nein, Herr Bundeskanzler! Entschieden nein!

Die Folgen eines R�cktritts stehen im Missverh�ltnis ...

... zu ihrem kleinen Anlass. Europa braucht Sie. Dieses Land braucht Sie.

Es braucht in der Wirtschaftskrise jetzt dringender ...

... einen �konomisch denkenden Kanzler wie Helmut Schmidt.

Man wird ihm nicht vorwerfen k�nnen, er verstehe ...

... nichts von Wirtschaft. Trotzdem!

Es w�re ein falsches Signal f�r den Osten wie f�r Europa.

Und das sagt mir ein Mann, ...

... der in zwei Wochen das Au�enministerium aufgibt.

Ich will Ihnen nicht ...

... verschweigen, dass mir Ihr bevorstehendes Ausscheiden ...

... aus der Regierung den Abschied einfacher macht.

H�tte ich Sie an meiner Seite als Au�enminister und ...

... Chef der Koalitionspartei, w�rde ich eher weitermachen.

Ich war immer nur ein Helfer.

Die gro�e Symbolfigur, die alles Neue in die Politik brachte, die ...

... vor allem die Jugend auf unsere Seite brachte, war Willy Brandt.

Sie m�ssen darum bleiben. Auch wegen der Bundestagswahl in zwei Jahren.

Schmidt schafft das.

Mit mir als Parteivorsitzendem im R�cken.

Ich bin da jetzt n�tzlicher.

Ich sch�tze Helmut Schmidt durchaus.

Er wird sich bestimmt hohen Respekt erwerben.

Aber ... Sie erlauben, dass ich dies eine Mal vertraulich werde:

Den Willy, den hat man geliebt.

Mir w�re der Respekt lieber, wenn ich die Wahl h�tte.

Sie �bersch�tzen die Geschichten in ihrer Wirkung in der �ffentlichkeit.

Nur einige unangenehme Wochen!

Ich glaube Ihnen gern, dass ich die Unterst�tzung Ihrer Partei habe.

Spiel mal wieder etwas!

Ach!

F�r mich!

Er spielt "Guten Abend, gute Nacht".

Das Telefon klingelt.

Jetzt noch jemand, der die untere Nummer nicht hat?

Wehner! ... Ach! Guten Abend, Herr Schmidt!

Ja. Kleinen Moment bitte!

Helmut Schmidt. Er sagt: "Es ist dringend."

Dieser Oberwichtigtuer!

Ja.

Wie denkst du dir das, Helmut?

Das wirft ja alles wieder �ber den Haufen.

Es ist v�llig unangemessen, jetzt mit solchen Faxen zu kommen.

Das muss morgen passieren.

Wenn Willy morgen zur�cktritt, und du ...

... dich zierst, weil du mit Genscher nicht kannst ... Du hast zu k�nnen!

Es geht um die Partei! Man kann das dann! Fertig!

Wehner atmet angestrengt.

Um Gottes willen! Er hat Unterzucker.

Ich sage denen morgen, sie sollen ihren Dreck alleine machen.

Es geht mir dann sofort besser.

Nicht jeder, der nachts in Kneipen s�uft und schreibt, ist Hemingway.

Wie?

Ich sagte dir h�flich, dass du ein Arschloch bist.

Nur kein Neid, Anne. Ich darf im "Spiegel" eine Story machen.

Der "Stern" traut sich das noch nicht.

Quatsch! Du schreibst nur f�r den Papierkorb.

"Warum Brandt gehen musste!" Es kommt nie dazu. Genscher ...

Na klar! Ich muss an Genscher ran. So schnell wie m�glich.

Die haben doch morgen fr�h eine Sitzung.

Presse kommt morgen nicht ins Amt. Ich probiere es �ber Schacht.

Hast du etwas gut bei dem? Ich nicht. Aber du!

Er hat eine heimliche Schw�che f�r dich. Schon immer.

Ich stelle mir jetzt vor:

Du ... am Telefon ...

... so engelsgleich wie nur du das kannst ...

Kommst du?

Sobald ich den Brief hier fertig habe.

An wen denn?

Brandt!

Wieso? Ihr wart heute Abend zusammen.

Ich habe versucht, ihm Auftrieb zu geben.

Ich wei� nicht, ob es die Nacht �ber h�lt.

Er ist stimmungsabh�ngig wie nie zuvor.

Er hatte doch immer zwischendurch depressive Phasen.

Tagelang im Bett. Aber es ist diesmal etwas anderes.

Ich glaube, er hat eine schreckliche Entdeckung gemacht.

Er erlaubte sich immer, trotz aller Politik:

Ein ganz normaler Mensch zu sein.

Mit seinen Fehlern, Niederlagen und Abgr�nden. Es schien zu gehen.

Er konnte immer wieder aufstehen, wenn er gefallen war.

Und h�her steigen als zuvor.

Aber er hat jetzt pl�tzlich entdeckt, dass es nicht mehr zusammengeht.

Seine Art Mensch zu sein, schlie�t Politik aus.

Die Politik schlie�t vielmehr ihn aus.

Und du glaubst, dein Brief hilft da noch?

Ich wei� nicht. Aber man wei� nie bei Brandt.

Guten Morgen, Rut!

Du kommst dich verabschieden.

Das ist neu.

Ist etwas Besonderes?

Ja.

Ich habe mich entschieden.

Ich trete heute zur�ck.

Ja.

Ich finde das richtig.

Einer muss die Verantwortung auf sich nehmen.

Herr Minister! Eine einzige Frage! Nein. Wie kommen Sie hier herein?

Der "Spiegel" schreibt:

"Warum Brandt gehen musste!" Quatsch!

Was wollen Sie wissen? Sagte der Verfassungsschutz ...

... dem Kanzler alles �ber Guillaume?

Ich sagte dem Kanzler, was ich vom Verfassungsschutz wusste.

Fragen Sie Nollau, ob das alles war! Vielen Dank!

Hei�t der Bundeskanzler morgen noch Willy Brandt?

Ja. Warum denn nicht?

Er ist in einer Sitzung. Tut mir Leid!

Telefon

Vorzimmer Bundeskanzleramt.

(Frau:) Ich erlebte noch nie so einen Tag wie heute.

Wieso ist das so eilig? Das ist wie Flucht.

Das ist es auch, verdammt nochmal!

Ich h�nge an diesem Laden. Wenn ich nicht schnell gehe, bleibe ich.

Genau! Genau!

Ich sagte Minister Genscher alles, was meine Leute ...

... zu diesem Zeitpunkt gegen Guillaume ermittelt hatten.

Ich wei� nicht, was Herr Genscher dem Kanzler sagte oder verschwieg.

Man kann also nicht sagen, dass Sie Herrn Wehner gegen�ber ...

... auskunftsfreudiger waren als gegen�ber dem Kanzler.

Eine merkw�rdige Frage an den Chef des Nachrichtendienstes.

Auskunftsfreudigkeit sollte nicht zu seinen Eigenschaften geh�ren.

Tja, Herr Dr. Nollau! Vielen Dank f�r das aufschlussreiche Gespr�ch!

Wird der Bundeskanzler n�chste Woche noch Willy Brandt hei�en?

Seltsame Frage! Wie denn sonst?

Wir vertagen uns bis 14 Uhr. Es ist alles noch offen.

Nicht zu verstehen

(Schmidt:) Denk nicht, ich will mich in einer solchen Situation zieren!

Aber die Sache geht einfach �ber meine Kraft.

Aber wieso hast du im M�rz �ffentlich durchblicken lassen, dass mit dir ...

... als Kanzler die Karre nicht so im Graben w�re. �brigens!

Willy sagte diesen Satz nicht einmal. Lass ihn doch weitermachen!

Zu sp�t! Wir sind am Ende, wenn du dich weigerst.

Ich habe immer gewusst:

Wir lernten verschieden Solidarit�t.

Ich in der Arbeiterbewegung. Du im Offizierskasino.

Entschuldige! Bitte, Helmut! Vergiss das!

Ich bin manchmal au�er mir. Es ist dieser elende Diabetes.

Schon gut! Ich wei�, ich muss es machen.

Und ich mache es. Ich danke dir.

Ich wei� �ber meinen russischen Kanal:

Wehner empfing letzten Freitag, am 3. Mai, einen Geheimboten von Honecker.

Ach ja! Wieder mal Dr. Vogel.

Es gibt eine Art Entschuldigungsbrief von Honecker.

Vogel gab ihn Wehner zur Weiterleitung an dich.

Er w�re nicht der erste, der nicht bei mir ankam.

Egal! Wir werden nie erfahren, welche Rolle Wehner gespielt hat.

Ich wei� jetzt:

Er war nie der berechnende Stratege, wie wir dachten.

Oder er ist es lange nicht mehr.

Emotionen waren entscheidend.

Verletzungen. Selbst zugef�gte und erlittene. Selbstmitleid.

Er hat es doch immer mir nachgesagt. Nicht zu Unrecht.

Ihr seid euch �hnlicher, als du ahnst.

Gef�hle brachten euch auseinander, nicht politische Gegens�tze.

Das ist mir neu. Aber es w�re ein tr�stlicher Gedanke.

Politik als Menschensache. Nur, wie lange noch?

Bald z�hlt nur noch, wie fehlerfrei man sich im Fernsehen auff�hrt.

Nein. Lass mal, Egon!

Wenn ich st�rze, st�rze ich, weil ich bin, wie ich bin.

Du hast mehr Kraft, als du glaubst.

Auch wenn sie dich jetzt als br�ckelndes Denkmal verspotten.

Du kommst wieder. Und als was bitte?

Als Bundespr�sident nach Scheel?

Nein. Als 1. Mann der europ�ischen Sozialdemokratie. Wir denken weiter.

Entschuldigung, Herr Bundeskanzler!

Klaus Harpprecht wartet schon lange.

Das tut mir Leid. Ich verga� ihn.

Es ist vielleicht deshalb, weil ich keinen Redenschreiber mehr brauche.

Sie sagen immer Dinge, bei denen man heulen muss.

Kinder! Weint jetzt nicht alle auf einmal!

Herr Schmidt! Die Kanzlerschaft kommt pl�tzlich wie ein Gewitter f�r Sie.

Aber ich kann Ihnen Genscher nicht ersparen. Ich sage Ihnen noch eines:

Die Qualit�ten dieses Mannes werden auf Ihrer Seite sehr untersch�tzt.

Man kann seine Rolle bei Brandts R�cktritt nicht �bersch�tzen.

Traurigerweise!

Er wird zu den angesehensten Au�enpolitikern Europas geh�ren.

Ich f�rchte, ich werde nicht so alt.

(Lacht:) Und noch eine Prophezeiung:

Wenn Brandt zur�cktritt ... Ich glaube es immer noch nicht.

Ihre Wahl zum Bundeskanzler ist ...

... einen Tag nach meiner Wahl zum Pr�sidenten.

Niemand in der SPD sollte auf die Idee kommen, Genscher ...

... bestrafen zu wollen, indem man meine Wahl verhindert.

Die Frage w�re dann: K�nnen Sie dann Kanzler werden ...

... ohne die FDP-Stimmen? Also! Keine Spielchen, ...

... Herr Schmidt!

Ich bin kein Spieler. Eher ein Krieger. Ich wei�:

Wann eine Schlacht verloren ist. Nun gut!

Ich schlage Ihnen dann jetzt ein pazifistisches Unternehmen vor:

Ein gemeinsames Glas Champagner.

Ich habe als dein Redenschreiber das gro�e Pathos immer vermieden.

Ich kann es heute nicht.

Ich halte keine Reden mehr. Zumindest nicht als Bundeskanzler.

Ich stehe hier f�r die deutsche Geschichte.

Ich beschw�re dich, Willy:

"Halte durch!" Ich erlebte als Kind das Ende von Weimar.

Stra�enk�mpfe, Hass und Gewalt. Exzesse zwischen Rechts und Links.

Dein R�cktritt wird das Volk spalten. Ganz Europa. Du �bertreibst.

In den Vorzimmern wird gesagt, Wehner habe in der Koalitionsrunde gesagt:

"Ich halte seinen R�cktritt nicht f�r n�tig."

Er hat so etwas gemurmelt. Ja.

Weil er die Sache f�r erledigt h�lt. Ich bin weg.

Er kann sagen, dass er immer gegen den R�cktritt war.

Willy! Willst du wirklich gehen?

Denk an den geschichtlichen Auftrag: Mehr Demokratie wagen! Solidarit�t!

Sind das nur leere Worte?

Ich habe ein bisschen daf�r getan.

Es wird vielleicht etwas k�lter werden in diesem Land.

Aber das was entstanden ist, geht nicht ganz unter, wenn ich gehe.

Aber warum? Warum?

Es gibt jetzt Fragen, die es fr�her nicht gab:

Was sind denn die so genannten M�chtigen? T�nende Schatten!

Jahrzehntelang dieses monomane Starren auf die Macht. Hat man sie?

Verliert man sie?

Gewinnt man sie wieder?

Man sp�ht. Man lauscht. Man kalkuliert.

Aber man sieht nicht in sich hinein.

Schatten haben nur Umrisse. Kein Innenleben.

Ich habe manchmal das Gef�hl:

Ich komme in meinem eigenen Lebenslauf gar nicht vor.

Ich wollte dich schon anrufen. Sag mal: "Bist du verr�ckt?"

Wieso? Hast du Journalisten gesagt: "Heute geht eine Bombe hoch."

Nein.Ich versuchte, sie zu beruhigen. Mit geringem Erfolg.

Die Reporter reden vom R�cktritt Ehmkes und Genschers.

Warum nicht von deinem?

Der Kanzlerr�cktritt darf nicht vor morgen bekannt sein.

Unterstell mir nichts!

Ich war beim "Spiegel". Aber ich bin nicht das Leck.

Gut. Wir sind dann einig.

Willy! Ich hoffe, du glaubst mir.

Ich habe das nicht gewollt.

Jedenfalls nicht so.

Stell dir vor, ich auch nicht!

Darf ich dir einen guten Rat geben? Sag bitte nicht, wenn ich weg bin:

Du h�ttest von mir einen Schei�laden �bernommen.

Und sag du nicht, du bist weg. Du bleibst Vorsitzender.

Und ich bin dir daf�r unendlich dankbar.

Hoffen wir, dass dieses Gef�hl von Dauer sein wird!

Vorzimmer Bundeskanzler!

Ich kann dazu nichts sagen. Fragen Sie das Bundespresseamt!

Ja. Wiederh�ren! ... Halt, Herr Minister!

Das geht jetzt nicht. Sie d�rfen da nicht hinein.

Telefon Vorzimmer Bundeskanzler!

Zurzeit k�nnen keine Gespr�che durchgestellt werden.

Nein. Unm�glich!

Ja. Einen Moment bitte!

Tut mir Leid, Herr Minister!

Ich darf niemanden zu ihm lassen. Die n�chsten drei Stunden.

Aber wenn ich mir Ihre Nummer notiere ...

Ja. Ja. Gut.

Ja. Ich werde es ihm sagen.

Ja. Ja.

Gut.

Ja. Keine Ursache! Ja. Telefon

Auf Wiederh�ren!

Vorzimmer Bundeskanzler!

Also! In diesem Sinne!

So, Frau Jansen! Sie trommeln jetzt die Freunde zusammen.

Sie haben vielleicht Zeit f�r einen Abschiedsschluck.

Herr Bundeskanzler!

Das muss noch sein.

Egon!

Ich wollte das nicht.

Ich kann das auch nicht.

Halt jetzt die Klappe, Helmut!

1. Du hast es gewollt.

Und 2. Du kannst es auch.

Gaus hat angeblich gesagt: "Es passiert heute noch etwas."

Gr�newald sagte: "Weder Ehmke noch Genscher noch Brandt treten zur�ck."

Aber es klang schwach.

Gr�newald l�gt schlecht als Regierungssprecher.

Soll das hei�en, ihr meint Willy? Ihr seid doch verr�ckt!

Telefon f�r dich. Am Tresen. Er drohte immer damit.

Ja, Keller! Kannst du mal bei Gaus anrufen?

Ich meine, so unter alten "Spiegel"-Kollegen.

Aussichtslos! Den ganzen Tag ist kein Mensch im Kanzleramt zu erreichen.

Das bedeutet: Etwas wird passieren. Ernstfall!

Ist das sicher?

Danke!

Ja und?

Es ist passiert. Willy?

Moment! Wie seri�s ist das?

Eine ganz sichere Quelle. Kanzleramt?

Du kannst es uns doch sagen.

Der "Stern" erscheint erst am Donnerstag.

Und der "Spiegel" n�chste Woche. Ja. Genau.

Der Rundfunk kann es schon heute Abend bringen.

Wenn es keine "Ente" ist.

Das ist es nicht. Das ist das Ende der �ra Brandt.

Entschuldigt mich!

Schei�e!

Ich habe es geahnt.

Wenn das aus dem Kanzleramt kommt, steckt etwas dahinter.

Willy schwankte vielleicht.

Sie schneiden ihm mit dieser Meldung den R�ckweg ab. Wer "sie"?

Keine Ahnung! Wehner, Schmidt, Genscher. Es kann fast jeder sein.

So! Grabert startet jetzt mit dem Entlassungsgesuch zu Heinemann.

Ihr k�nnt ab jetzt alle Versuche unterlassen, mich umzustimmen.

Es w�re zu sp�t.

Aber es w�re viel zu fr�h f�r die Presse.

Ich hoffe, jeder hier im Haus hat geschwiegen.

Wei� jemand einen Witz?

Nein. Na gut!

Ich erz�hle dann einen Witz.

Er ist uralt. Ihr kennt ihn alle.

Aber er passt jetzt erstens sehr gut.

Und es ist zweitens das letzte Mal, dass ich alte Witze erz�hle.

Also! Der schwedische Landstreicher Kolingen hat sich ...

... w�hrend der Prohibition schwarzen Fusel besorgt.

Er braucht dringend einen Schnaps. Er hat nur Geld f�r billigen Fusel.

Sein Kumpan warnt ihn: "Das kann Methyl-Alkohol sein."

"Man wird davon blind."

Kolingen denkt eine Weile nach.

Und er sagt dann:

"Ich habe das meiste gesehen."

Und trinkt.

Herr Bundeskanzler!

Ja?

Ich ...

Mein Gott! Noch einer, der weint.

Chef! Ich sch�me mich so. Ich habe das nicht gewollt.

Aber die haben mich so ausgefragt. Ich habe das wirklich nicht gewollt.

Es hat pl�tzlich keiner gewollt.

Ich bin umzingelt von Leuten, die das alles nicht gewollt haben.

Lassen Sie es mal gut sein, Schacht! Wissen Sie, was?

Ich komme das letzte Mal ohne Sie heil heim.

Guten Abend!

O ja! Danke!

Ich habe mir den verdient.

Ja. Ich habe es jetzt hinter mir.

Alles!

Wirklich alles?

Willy!

Ich frage dich dies eine Mal und dann nie wieder.

Was ist mit den Frauengeschichten, die in der Presse sind?

V�llig unwichtig!

Gr��tenteils Spekulationen. Nicht der Rede wert.

Eine Beziehung war da. Eine!

Das ging zwei Jahre, ist jetzt beendet.

Ich glaube, ich habe diese Frau geliebt.

Du glaubst?

(Alle:) Willy! Willy! Willy!

Willy! Willy! Willy!

Untertitelung 2OO3: Untertitel-Werkstatt M�nster GmbH

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