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Original subtitles

"Das Missverstehen der Gegenwart erwächst schicksalhaft

aus der Unkenntnis der Vergangenheit." (Marc Bloch)

DIE BELAGERUNG

Am 11. September 1683 hatte der Islam den Gipfel seiner Ausdehnung nach Westen

erreicht. 300.000 muslimische Soldaten, unter dem Befehl von Kara Mustafa,

belagerten die Stadt, die man den "Goldenen Apfel" nannte - Wien.

Das Ziel Kara Mustafas war es, seine Armee nach Rom zu führen

und den Petersdom zu einer Moschee zu machen.

Dass das alles nie geschah, lag an einem italienischen Mönch, Marco d'Aviano,

und an einem polnischen König, Jan Sobieski. Dies ist ihre Geschichte.

NORDITALIEN. HERBST 1682

Pater Marco, Ihr müsst hineingehen.

Sie warten auf Euch.

Pater Marco, Pater Marco! Tut das Wunder! Gebt mir mein Augenlicht zurück!

Macht mich gehend! Gebt mir meine Beine zurück!

Befreit mich von der Fallsucht!

Befreit mich von der Spanischen Krankheit!

Ich bin seit meiner Geburt blind! Macht, dass ich sehen kann.

In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti.

Amen.

Heute Abend habt ihr euer Tagwerk unterbrochen,

habt ihr eure Häuser verlassen, um hierher in das Haus des Herrn zu kommen.

Aber ihr seid nicht gekommen, um zu beten.

Nein. Ihr seid gekommen, um diesen einfachen Mönch zu bitten,

Wunder zu vollbringen, Wunder, zu denen er nicht in der Lage ist.

Nein, nicht zu mir sollt ihr beten, sondern zum Herrn! Ich bin bloß ein Nichts.

Ich bin bloß das Werkzeug, welches Gott gewählt hat, um zu beweisen,

dass es ihn gibt. Betet zu Gott! Jeden Morgen, wenn ihr die Augen öffnet.

Und dankt ihm dafür, dass er euch einen weiteren Tag geschenkt hat,

den ihr in dieser Welt voller Wunder erleben dürft.

Betet zu Gott, wenn ihr glücklich seid und wenn ihr unter Schmerzen leidet.

Vor allem aber betet, betet zu Gott,

dass er euren Leibern und verzagten Herzen die Kraft verleihen möge,

Soldaten Christi zu werden.

Um eure Häuser zu verteidigen,

um eure Bräuche und Traditionen zu verteidigen, um euren Glauben zu verteidigen.

Denn alsbald, ich meine, sehr bald werden wir alle genau dazu aufgerufen werden,

unseren christlichen Glauben zu verteidigen!

Jetzt betet mit mir.

Pater Noster, qui es in caelis, sanctificetur Nomen Tuum,

adveniat regnum Tuum... - Ich kann sehen!

Ich kann sehen!

Ich kann sehen! Oh Gott, ich kann sehen!

Oh mein Gott! Ich sehe! Ich sehe! Ich sehe!

Er hat ihm das Augenlicht gegeben!

Oh mein Gott! Ich sehe!

Ein Wunder! Pater Marco hat ein Wunder getan!

Du Unglückseliger, was tust du?

Glaubt ihr, so ein armseliger Fetzen von dieser Mönchskutte würde euch retten?

Allein Christus vermag euch zu retten!

Abergläubische. Götzendiener. Schämt euch!

Geht weg da, lasst ihn durch! Geht auf eure Plätze zurück!

Ihr sollt auf eure Plätze zurückgehen!

Oh Gott.

Oh Herr im Himmel.

So viele Jahre hab ich für mein Volk gebetet.

Aber all die vielen Jahre ist nichts geschehen, trotz meiner Gebete.

Warum ich?

Wieso, Herr?

ISTANBUL, TÜRKEI

Kraft meines Amtes ernenne ich dich, Kara Mustafa,

zum Großwesir des Osmanischen Imperiums.

Ferner übergeben wir dir den Marschallstab der Ottomanen,

und wir erteilen dir den Auftrag,

die grüne Fahne des Propheten bis ins Herz Europas zu tragen.

Dieses Mal musstest du dich anstrengen, um mich zu schlagen, Vater.

So ist es. Es werden nicht viele Monde vergehen,

dann wirst du als Erster hier auf dem Hügel ankommen. Glaub mir.

Ich will werden wie du, Vater. Ich will ein großer Krieger werden.

Das wirst du. Und du wirst wahrhaft groß werden.

Denn du hast die Schönheit deiner Mutter geerbt und die Stärke deines Vaters.

Reiten wir zurück. Sonst macht sich deine Mutter Sorgen.

Das reicht jetzt.

Du scheinst dich nicht sehr zu freuen, mich zu sehen.

Jeder Moment, der mich von dir trennt, ist eine Ewigkeit, Herr.

Und warum ist dann dein Blick so voller Schwermut?

Nur ein eigenartiger Traum. Ein Traum ohne Bedeutung.

Und sag mir, Herr,

welche Angelegenheit wird dich weit fort von deiner Lieblingsfrau führen?

Es ist etwas, was keinem Heerführer des erhabenen Osmanischen Reichs

je gelungen ist:

die grüne Fahne des Propheten hineinzutragen ins Herz Europas.

Das Abendland dem Islam zu unterwerfen,

so wie meine Vorfahren das Pferdefleisch unter den Sattel legten,

um es mürbe zu machen. Ich werde mir den Goldenen Apfel holen, Wien, Leila.

Dann dringe ich mit meinem Heer bis Rom vor

und tränke mein Pferd auf dem Petersplatz.

Du trennst dich nie von dem Amulett?

Unsere Gewährsmänner haben mir vor ein paar Tagen berichtet,

dass in der Gegend von Venedig ein Mann lebt, ein Mönch, der, wie es heißt,

Wunder vollbringt. Er mache Lahme gehend, Blinde sehend und Taube hörend

und vermöge zur selben Zeit an zwei Orten zu weilen. Sein Name ist Marco.

Marco. Das war der Name eines Jungen, dem ich einst das Leben gerettet habe.

Er... er gab mir das Amulett.

"Aviano. Friaul."

Gut so?

Nein. Das ist noch nicht richtig so. Das muss greller sein.

Wenn die Farbe zu schwach ist, dann ist sie nicht beständig, verstehst du? Nein.

Du musst die Rezeptur ändern, ich will etwas viel Leuchtenderes, verstehst du?

Es sind weiß Gott viele Jahre vergangen,

seitdem du deinem Vater das letzte Mal das Mittagessen gebracht hast.

Es gibt jetzt einen anderen Vater im Leben unseres Sohnes.

Und dieser Vater ist viel wichtiger als du, Carlo. Das ist unser Vater im Himmel.

Das ist wahr. Er muss sich ja auch nicht darum kümmern,

dass genug Aufträge da sind und am Ende jeden Monats die Bücher stimmen,

so wie ich.

Carlo!

Nein.

Erinnert Ihr Euch noch an jenen Abend,

als ich im Wald das Schwert Eures Vaters Giovanni fand?

In jener Nacht hat der Herrgott mich berufen.

Jener Vorfall war nicht bloß meine Einbildung. Es war kein Fiebertraum.

Es war kein Delirium. Ich habe die Stimme Gottes gehört, die mich rief.

Und in jener Nacht entschied ich mich, Priester zu werden.

Wir haben jemanden gebraucht, der uns hilft, die Färberei zu führen, Marco.

Keinen Mann Gottes.

Aber du, Junge, hast dich lieber so entschieden.

Jetzt entschuldigt mich, aber ich bin sehr müde. Gute Nacht, mein Sohn.

Kommt, Patron.

Das Geschäft läuft leider nicht mehr so gut wie früher. Das wirst du gesehen haben.

Ja, Mutter, das tut mir leid.

Die Türken sind wieder auf Eroberungszug.

Die Schiffe mit der Halbmond-Flagge legen nicht mehr in Venedig an.

Und inzwischen ist dein Vater... - Patronin!

Kommt schnell. Ihr müsst Euch sputen.

Was ist los, Bortolo? Was ist vorgefallen?

Ein paar junge Raufbolde sind auf dem Weg den Hügel hinauf.

Sie haben gesagt, sie wollen Abdul umbringen!

Was? - Um Himmels willen.

Komm raus, verdammter Muselmann! Ihr Teufel!

Komm raus, wenn du dich traust!

Wir werden euch lehren, euch an Christenmenschen zu vergreifen!

Hört auf, ihr Wahnsinnigen! Was ist denn in euch gefahren?

Komm raus, du Hund!

Was ist los? Seid ihr verrückt geworden? Abdul ist unser aller Bruder.

Auch wenn er zu einem anderen Gott betet, so ist er doch unser Bruder!

Nein! Er ist nicht wie wir! Er ist Türke!

Dummes Zeug! Hör auf, Schluss damit! Ihr wart noch nicht einmal auf der Welt,

als Abdul nach Aviano kam.

Und in all diesen Jahren hat er niemals jemandem etwas Böses getan!

Abdul ist der Beweis, dass wir zusammenzuleben vermögen

und den Glauben des anderen respektieren können.

Wir können mit diesen Menschen in Frieden leben.

In Frieden? Wisst Ihr eigentlich, wovon Ihr redet, Pater?

Vor zwei Tagen haben solche Hunde wie der

Dutzende von Dörfern in Ungarn überfallen!

Das stimmt! Die haben die Männer und die Alten abgeschlachtet

und die Frauen und Kinder verschleppt! - Großer Gott.

Jetzt reicht es. Bringen wir den Hund um!

Ja, machen wir ihm den Garaus! Erschlagen wir den Hund!

Nein!

Gehen wir! Lasst uns verschwinden! Wir kommen wieder, Türke!

Und beim nächsten Mal wird kein Mönch da sein, um dich zu beschützen!

Wir kommen wieder! Denk dran, wir kommen bald wieder!

Wir kommen wieder, Türke, und holen dich!

Du hast dein Leben gewagt, weißt du das? Das hättest du nicht tun sollen.

Sie kann dich nicht hören, die Arme ist taubstumm.

Lebt sie bei dir?

Mein Gott ist duldsamer als deiner, Marco. Er erlaubt mir, mehrere Frauen zu haben.

Warum hast du nicht versucht, dich gegen die da draußen zu verteidigen?

Allah ist es, der über unser Schicksal entscheidet.

Es ist dumm, sich dagegen aufzulehnen.

Weißt du, Abdul, ich habe während meines Theologiestudiums viel an dich gedacht.

Ich habe oft über den Gott nachgedacht, den Gott, an den du glaubst,

und der so anders als meiner ist. Und ich habe mich gefragt,

warum Gott es gestattet hat, dass Abermillionen Menschen auf der Welt

an einen anderen Gott als ihn selbst glauben.

Und heute weiß ich: er gab uns so die Möglichkeit,

sein Licht hinauszutragen, überall dorthin,

wo es gebraucht wird.

Eines Tages, Abdul, wird das wahre Licht auch dich erreichen.

Jedes Licht ist wahr, Marco.

Es gibt nur ein wahres Licht. Nur eines.

Allahu Akbar!

Nein!

Geh!

Welcher Dämon wagt es, deine Träume zu stören?

Heute Nacht sah ich dich wieder oben auf dem Hügel.

Derselbe Traum auch heute Nacht?

Und es ist jedes Mal so, als würde er immer klarer werden.

Als würde dasselbe Bild immer deutlicher sichtbar.

Und heute Nacht hast du im Traum das Ende der Geschichte gesehen. Ist es nicht so?

Ja. So ist es.

Das ist der Großwesir! - Ja, es ist Kara Mustafa!

Du kannst jetzt sprechen.

Was willst du wissen, Großwesir?

Bald schon ziehe ich in einen großen Feldzug.

Aber da ist ein Traum, der mich nunmehr seit vielen Nächten heimsucht.

Erzähle mir von diesem Traum, Kara Mustafa.

Ich galoppiere über einen Hügel, in Rüstung und bewaffnet für den Krieg.

Ein Mann, bekleidet nur mit einer Mönchskutte,

steht an der Spitze Tausender Bogenschützen.

In der rechten Hand hält er ein hölzernes Kreuz.

Auf seinen Befehl hin werden Pfeile in großer Zahl auf mich abgeschossen.

Zehn, zwanzig, und sie treffen mich. Und...

Nein. Dieser Traum, das ist nicht der deine, Kara Mustafa.

Das ist der Traum einer Frau. Einer Frau aus deinem Harem.

Es ist der Traum deiner besonderen Lieblingsfrau. Diese Frau, woher stammt sie?

Sie ist Italienerin. Sie wurde entführt und aus ihrem Dorf hierher gebracht,

als sie erst vier Jahre alt war.

Nun denn, in ihrer Vision liegt gewiss Wahrheit.

Was siehst du für mich in der Zukunft?

Ich sehe...

...Blut.

Ein Meer von Blut.

Bist du dir deiner Worte ganz sicher?

Ja. Ich sehe viel Blut. Aber nicht deines. Nicht deines.

Dein Blut wird nicht vergossen werden, Kara Mustafa.

Seht ihn euch an. - Wo?

Da, hinterm Glockenturm.

Oh ja, welch ein Wunder.

Da ist er, man kann ihn wieder sehen. Er taucht von Osten her auf. Jede Nacht.

Das ist wie der Komet, der den Heiligen Drei Königen

die Geburt unseres Herrn in Bethlehem angekündigt hat.

Seht es Euch selbst an, Pater Marco.

Oh Maria, Mutter Gottes. Mein Gott, er sieht aus wie jener Komet, der...

Was ist los, Pater Marco?

Was habt Ihr gesehen, um Himmels willen?

Was ist los?

Ich sehe Blut, sehe Blut aus dem Osten.

Das ist das Zeichen. Das ist das Zeichen.

Was ich dir jetzt sagen werde, wird dir wehtun.

Für mich ist die Zeit gekommen, ich muss gehen, Lena.

Nach Hause, nach Istanbul.

Ich kann dich nicht mitnehmen. Der Komet da ist ein Kriegszeichen.

Und in meinem Land ist für Frauen kein Platz im Krieg.

Du hast recht.

Zwischen deinem Herzen und deinem Glauben hast du dich für dein Herz entschieden.

Und dafür bin ich dir dankbar. Aber ich kann das nicht, Lena. Ich kann nicht.

Zwischen meinem Herzen und meinem Glauben muss ich meinen Glauben wählen.

Verstehst du? Das ist es, was uns Moslems so von euch Abendländern unterscheidet.

Allah, der Allmächtige, will es so.

Bald schon werden wir Richtung Abendland marschieren.

Wir werden die grüne Fahne des Propheten bis ins Herz Europas tragen.

Und endlich werden wir diese ungläubigen Hunde für die Niederlage bestrafen,

die sie dem Volke des Islam zugefügt haben

in Lepanto.

Allahu Akbar! - Allahu Akbar!

Marco, was mag der Kaiser bloß von dir wollen?

Ich weiß es nicht, Cosma. Aber ich weiß, was ich von ihm will.

Ich werde ihn bitten, Militärbündnisse zu schließen. Und sich bereitzumachen.

Aber Marco, aus welchem Grund soll der Kaiser

sich denn um Militärbündnisse bemühen? Das Reich bedroht doch niemand.

Alsbald werden die Türken Richtung Wien marschieren.

Nein, das ist doch nicht möglich, Marco. Warum sollten sie das tun?

Sie haben in Eisenburg einen Friedensvertrag unterzeichnet.

Der Islam will die Herrschaft über Europa, Cosma.

Und er weiß, wann der Augenblick für den Angriff gekommen ist.

Wieder diese stechenden Kopfschmerzen?

Ah, ja. Heute Abend sind sie noch schlimmer.

Trink das. Es wird dir Erleichterung bringen.

Das tut gut.

Lieber Gott, halte den Krieg von uns fern.

Wir wollen nichts weiter als Frieden. Frieden mit dir, oh Herr.

Mit unserem Gewissen, mit unserem Nächsten.

Wenn mein Tod uns das alles zu geben vermag, dann nimm mich jetzt zu dir.

Ich bin bereit.

Du hast mir eine zu große Last aufgebürdet, oh Herr.

Eine viel zu große.

WIEN, ÖSTERREICH

Seht nur, wie wunderbar. Das ist mein Lieblingsfalke.

Ich fürchte, er könnte gefährlich sein.

Es ist besser, sich von Tieren fernzuhalten.

Bist du bereit, mein Kind? - Ja, Kaiserliche Hoheit.

Mach schon, lass sie fliegen!

Los!

Exzellent! Ausgezeichnet!

Was für ein wunderbares Exemplar! Schnell wie der Blitz!

Wisst Ihr was? - Sagt es mir, Majestät.

Wenn meine Soldaten so schnell und erbarmungslos wären

wie die Falken meiner Schwester, der Herzogin von Lothringen,

dann hätten wir ein Heer, das praktisch unbesiegbar ist.

Eure Majestät...

Pater Marco, wir haben Euch bereits voll Ungeduld erwartet.

Willkommen bei Hofe.

Wie man uns zutrug, habt Ihr wundersame Heilungen in Italien bewirkt.

Und mein Schwager, Karl von Lothringen, erzählt mir,

dass er seine Krücken wegwerfen konnte, nachdem er von Euch gesegnet wurde.

Alles kommt vom Himmel, Eure Majestät.

Gott offenbart sich gern durch einfache, arme Leute.

Ja, gewiss. Aber so wie es aussieht, hat der Himmel unter all den einfachen

und armen Leuten Euch auserwählt. Jetzt möchte ich sehr gern,

dass Ihr meine Familie segnet, Pater. Sodann folgt mir in mein Studierzimmer.

Ich muss allein mit Euch reden.

Benedicat vos Omnipotens Deus...

Ihr fragt Euch wahrscheinlich,

warum ich Euch den weiten Weg bis nach Wien kommen ließ. Nun, wisst Ihr, Pater,

ich beneide Euch aus tiefstem Herzen. Ich versichere es Euch, Pater.

Verzeiht mir, das verstehe ich nicht.

Ich wäre gern Priester geworden.

So wie Ihr, aber Gott hat anders für mich entschieden.

Majestät, jetzt, in diesem Moment, in dem Europa in Gefahr ist,

bin auch ich gezwungen, eine Rolle zu spielen, die nicht die meine ist.

Doch ich tu es, beuge mich dem Willen Gottes. Mit großer Demut.

Denn der Herr allein weiß, was gut für seine Kinder ist.

Ich brauche Euch, Pater. Ich bitte Euch, mein spiritueller Führer zu sein.

Mir mit Rat zur Seite zu stehen, wenn es nötig...

Und Europa ist in Gefahr?

Von welcher Gefahr sprecht Ihr, um Himmels Willen?

Majestät, vor Monaten schon haben die Türken

ihre Raubzüge gen Westen wieder aufge- nommen, wo auch immer es ihnen beliebt.

Und bald geben sie sich nicht mehr damit zufrieden, Polen zu besetzen und Ungarn.

Alsbald werden sie Richtung Wien marschieren.

Was Ihr da sagt, ist wahrhaftig schlimm, Pater, doch...

Die Türken haben in Eisenburg einen Friedensvertrag unterzeichnet.

Aber Ihr vergesst, dass der Dreißigjährige Krieg Europa geschwächt hat.

Und Europa in seiner Schwäche ist eine mächtige Versuchung

für die muselmanische Welt.

Ihr seht ja Gespenster.

Bei allem Respekt, Eure Majestät, ich sehe keine Gespenster.

Ich bitte Euch, hört auf mich. Ihr müsst Bündnisse schließen,

mit den Fürsten von Sachsen, der Kurpfalz, Hessen-Kassel,

Württemberg und Bayern. Und vor allem mit dem polnischen König.

Nein. Nein, nein, nein. Sobieski? - Ja.

Mit diesem Bauern, diesem Barbaren mit dem Kruzifix?

Eure Majestät...

Der Kerl hasst mich.

Habt Ihr gehört? Er hasst mich.

Jan Sobieski wird sich niemals mit uns verbünden.

Vergesst Ihr etwa, dass sein Eheweib aus Paris ist?

Und Ludwig XIV. würde alles dafür tun, dass die Muselmanen siegen.

Auf jeden Fall wird König Ludwig die Türken dazu drängen,

"den Frieden von Eisenburg" zu brechen.

Aber der Vertrag von Eisenburg, der endet nächstes Jahr, Pater Marco.

Pater, es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen.

Sie werden warten, bis der nächste Winter dem Frühjahr gewichen ist.

Und sobald das Gras zu sprießen anfängt,

wird das muselmanische Heer Istanbul verlassen.

Und bald, sehr bald werdet Ihr vor den Toren Wiens die Staubwolken erblicken,

die ihre Pferde aufwirbeln. Und wenn dies geschieht, was werdet Ihr dann tun?

Seid ganz ohne Sorge. Es wird nicht geschehen, Pater.

Jetzt kommt. Man erwartet uns.

Meine Liebe, kommt her.

Pater Marco, Ihr kennt ja bereits meine Schwester,

die Herzogin von Lothringen, und ihren Gemahl, Herzog Karl.

Pater Marco, willkommen in Wien.

Wie ich sehe, fallen Euch die Narben in meinem Gesicht auf.

Es handelt sich um die Pocken.

Und die hinterlassen zuweilen verheerendere Spuren als eine Schlacht.

Und gestattet mir, Euch Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg vorzustellen,

den Militärkommandanten der Stadt.

Kennt Ihr diese Musik, Pater Marco?

Nein, Herzogin, ich bin nur ein armer, unwissender Diener...

Das ist nicht wahr. Pater Marco, Ihr seid sehr viel wissender als wir alle hier.

Denn Ihr habt direkten Zugang zu Gott. - Oh ja.

Kennt Ihr diese Musik, meine Liebe?

Gewiss, Herzogin.

Es ist ein Stück von Claudio Monteverdi.

Es ist die "Toccata" aus "Orpheus", um genau zu sein.

Seltsam, dass Ihr sie nicht kennt.

Ich bitte Euch zur Kenntnis zu nehmen, Pater Marco,

welch fabelhaftes Mahl extra für Euch vorbereitet wurde.

Ah, Pater Marco, wo seid Ihr denn? Ich bitte Euch, setzt Euch.

Teilt mit uns diese Köstlichkeiten.

Eure Majestät, unsere Mägen sind in den Jahren des Fastens klein geworden,

und wir sind nicht in der Lage, dieser Tafel die Ehre zu erweisen.

Ich bitte Euch, uns zu entschuldigen.

Was soll das heißen. Ihr wollt uns verlassen?

Ich fürchte ja. - Eine Impertinenz.

Bei Hofe an der Tafel zu sitzen ist ein Vorrecht, das nur wenigen zuteil wird.

Vielleicht möchte das jemand unseren Gästen erklären?

Ihr habt recht, Kaiserliche Hoheit, das ist ein Vorrecht, doch, wisst Ihr,

ich fühle mich an Fürstenhöfen nun mal nicht wohl.

Nicht wohl? Nicht wohl, sagt Ihr? Seine Majestät, Euer Kaiser,

lädt Euch an seine Tafel ein und Ihr fühlt Euch "nicht wohl"?

Was erdreistet Ihr Euch? - Herzogin, nicht...

Kaiserliche Hoheit, bitte verzeiht mir,

aber ich fühle mich nur in der Einsamkeit meines Klosters wohl

und im Gebet mit meinem Gott. Aber wenn mein Aufbruch Euer Mahl stören sollte,

Herzogin, so seid...

Bitte! Glaubt mir, mein Mahl ist bereits gestört, Pater.

Nicht doch, meine Liebe, das ist nicht wichtig.

Gibt es denn nichts, was ich für Euch tun kann?

Doch, es gibt etwas, das Ihr tun könnt.

Überlasst uns unseren Anteil am Mahl des heutigen Abends,

damit wir ihn an die Armen verteilen können.

Und ein Stück Brot für uns auf die Reise.

Ich will hoffen, dass die Ratschläge dieses Mönchs

sich auf rein spirituelle Dinge beschränken, lieber Bruder.

Gut. Lasst uns anfangen.

Jetzt werde ich euch erklären, was wir tun werden.

Wir werden dem Lauf des Evros folgen bis zum Pindos-Gebirge.

Und in weniger als zwei Monaten werden wir die Mauern von Wien vor uns sehen.

Der Hofastrologe, der Müneccim,

Das ist der Willen Allahs. Und mit Allahs Hilfe werden wir diesen größten Feldzug,

den das islamische Volk jemals unternommen hat, zu einem guten Ende führen.

Und das Heer der Franzosen?

Hat der Großwesir die Stärke des französischen Heers bedacht?

Der Kriegsminister hat keinen Grund, sich Sorgen zu machen.

Das französische Heer wird sich nicht von der Stelle rühren.

König Ludwig hasst den Kaiser. Was die Waffen betrifft,

unser Artillerie-Kommandant versicherte uns, dass er imstande ist,

Kanonen zu gießen, von solcher Feuerkraft,

dass wir die Mauern Wiens zu zerschmettern vermögen.

Vielleicht hat der Großwesir ja vergessen,

dass Ahmed Bey ein christlicher Mönch ist,

der seinen eigenen Glauben verleugnet hat.

Ahmed Bey, oh Erhabener Fürst,

hat sich vor vielen Jahren dem Glauben des Islam angeschlossen.

Und er ist bereit, auf der Stelle für den Triumph des Heiligen Krieges zu sterben.

Der Sonnenkönig wird keinen Finger rühren, wenn wir angreifen.

Dieser Krieg kommt auch ihm sehr gelegen. Zumal er überzeugt ist, dass er,

sobald wir den Habsburger Leopold besiegt haben, der mächtigste Monarch

und Gebieter über ganz Europa sein wird. Bar jeder feindlichen Macht.

Ausgenommen uns.

Wir werden seine wahren Feinde sein.

Aber wenn König Ludwig das irgendwann klar wird, wird es zu spät für ihn sein.

Denn eben zu jener Stunde wird die Kathedrale von Paris

schon eine zweite Blaue Moschee sein.

Ich komme aus dem Abendland. Und ich habe wichtige Auskünfte für den Großwesir.

Verschwinde, Bettler. Der Großwesir hat eine Besprechung

und darf nicht gestört werden.

Es sind Auskünfte über die Städte der Christen.

Sie könnten für den Großwesir von Nutzen...

Verflucht, jetzt reicht es! Fort mit dir, Alter.

Verschwinde, sonst legen wir dich in Ketten!

Was ist hier los? Wieso dieser Höllenlärm?

Vergebung, Großwesir.

Dieser Mann sagt, er habe wichtige Auskünfte für dich, Großwesir.

Lasst uns allein.

Erzähl mir von dem Mann.

Er ist ein Mönch, und er wirkt Wunder. Er macht Lahme gehend,

Taube hörend und Blinde sehend, und er kann zur selben Zeit an zwei Orten weilen.

Wunder? Das ist Schwindel! Die gängigen Schwindeleien dieser ungläubigen Hunde!

Die Kirchen der Christen quellen über, wenn er predigt.

Seine Worte hallen wie Donner wider. Er sagt, dass man eine Heilige Liga

gegen den Islam gründen und den Geist Lepantos wieder heraufbeschwören muss.

Und dass die Feuer, die der Halbmond in Ungarn entfacht hat,

erst der Anfang des Flächenbrandes ist, welcher ganz Europa verschlingen wird.

Ach ja? Und wer soll dieser wunderliche Mönch sein, der meint,

die Streitmacht des Propheten aufhalten zu können?

Er ist dir bekannt, Großwesir. Du bist ihm schon begegnet.

Du willst mich verspotten. Elender!

Allah, der Allmächtige, möge mich davor bewahren, Großwesir.

Es war vor langer Zeit. Du hast ihm das Leben gerettet, in Venedig.

Er war derjenige, welcher dir den Wolfszahn gegeben hat, den du um den Hals trägst.

Ich hätte ihn sterben lassen sollen.

Tarkan!

Ja, mein Gebieter.

Kümmere dich um diesen Mann. Und macht euch bereit.

In wenigen Tagen werden wir Richtung Norden marschieren.

Die Augen von Kara Mustafas Sohn sind feucht.

Weil der Sohn von Kara Mustafa Angst hat. Angst um seinen Vater.

Weg mit den Tränen, Ali. Nur Eunuchen und Weiber weinen.

Ich werde dir etwas anvertrauen. Ein Geheimnis, das nur du und ich kennen.

Ein großer Seher hat vor wenigen Tagen prophezeit,

dass mir schreckliches Blutvergießen mit Tausenden von Toten bevorsteht.

Aber mein Blut wird nicht vergossen werden, verstehst du, mein Sohn?

Deswegen bin ich sicher, dass ich zurückkehren werde.

Dieser Wolfszahn ist mein Glücksbringer. Ich vertraue ihn dir an.

Du gibst ihn mir bei meiner Rückkehr wieder.

EDIRNE. TÜRKEI. 15. MÄRZ 1683

Marco.

Ja.

Das habe ich nicht zu hoffen gewagt, wahrlich nicht.

Ich habe Euch so schlecht behandelt beim letzten Mal

und dafür bitte ich Euch um Vergebung.

Nein.

Aber jetzt, Pater, helft mir bitte und segnet mein gemartertes Fleisch.

Nehmt mir den Verband ab.

Ich habe gesagt, nehmt mir den Verband ab!

Herzogin. Herzogin.

Das ist nicht vonnöten. Ich kann auch beten, ohne es gesehen zu haben.

Nein. Nein, Pater. Wenn Ihr mein Martyrium erblickt,

werden Eure Gebete umso eindringlicher.

Oh, mein Gott. Oh.

Mein Gott, das ist ja... Ach du lieber Gott.

Dieses Geschwulst verschlingt mich, Pater. - Mein Gott.

Ich will nicht sterben. Ich bitte Euch.

Ich bitte Euch.

Benedicat te omnipotens Deus.

Ich werde nicht sterben, nicht, Pater?

Ich werde nicht sterben, sagt es mir.

Ich werde nicht sterben...

Ihr werdet nicht sterben, Herzogin, nein.

Gott braucht Euch, um seinen Plan zu erfüllen.

Ihr werdet nicht sterben.

Was fällt dir ein? Dich werd ich lehren, Bettlerin!

Halt! Halt, Graf.

Unglaublich, Marco. Sie ist bis nach Wien gekommen, um nach Abdul zu suchen.

Ja, sie kam aus Liebe zu ihm.

Aber Abdul ist Muselmane.

Abdul ist ein Mann. Und ich versteh nicht, warum du flüsterst, Cosma.

Sie ist taub, weißt du nicht mehr?

Meine Tochter, du kannst nicht hier bleiben. Bald wird hier Krieg herrschen.

Nein. Abdul ist inzwischen wieder zurück bei seinem Volk. Du musst ihn vergessen.

Warum kannst du das nicht? Gott im Himmel, warum denn nicht?

Heilige Maria Mutter Gottes.

Da sind sie, Großwesir.

Großwesir Kara Mustafa. Der Ruf Allahs war zu mächtig,

als dass wir Tartaren ihm nicht gefolgt wären

und Euch unsere Pferde angeboten hätten.

Wir unterstellen uns in aller Demut deinem Befehl.

Wir haben euch voll Freude erwartet, Khan Murad Giray.

Eure Majestät. - Wer ist dieser Mann?

Er ist der Emissär, Eure Majestät.

Mein Name ist Jerzy Kolschitzky. Wir kommen aus Istanbul

mit einem Brief des Großwesirs Kara Mustafa.

Wir haben die Note bereits übersetzen lassen, Eure Majestät.

Also Krieg, Eure Majestät?

"Ich, Großwesir Kara Mustafa, Verteidiger des wahren Glaubens, befehle dem..."

Lest weiter.

"...befehle dem ungläubigen Hund, Leopold von Habsburg, alle Länder zu übergeben,

die er ohne Anrecht darauf im Besitz hat. Meine Armee wird jeden Widerstand brechen

und den Goldenen Apfel erobern, den ihr Wien nennt.

Und vor allem, du ungläubiger Hund, befehle ich dir,

mich und meine Armee in deiner Residenzstadt zu erwarten

und bei ihrem Fall persönlich anwesend zu sein, sodass wir dich köpfen können."

Oh, mein Gott.

Aber wie viel Mann schätzt Ihr?

Ich fürchte, nicht weniger als 300.000.

Oh mein Gott.

Aber das sind nicht alles Soldaten, Majestät.

Es ist bekannt, dass die Türken ein großes Gefolge von Trägern

und Dienern mitführen, sogar Konkubinen und Dirnen.

300.000 Mann? Aber das ist ja furchtbar.

Das ist furchtbar! - Was ist furchtbar, Eure Majestät?

Aber, Schwager, versteht Ihr denn nicht? Die Türken werden bald hier sein!

Und jetzt müssen wir Wien verlassen!

Ver... Aber ich bitte Euch, Majestät, Ihr könnt die Stadt nicht verlassen.

Aber was soll ich denn sonst tun? Wenn Wien fällt, mein Gott,

dann können wir es ja wieder zurückerobern. Aber ich...

Wenn die Türken mich und meine beiden Söhne massakrieren, was werden wir dann tun?

Oh Gott, nein. Die Dynastie wird ausgelöscht sein.

"Und vor allem befehle ich dir, mich in deiner Residenzstadt zu erwarten

und bei ihrem Fall persönlich anwesend zu sein, sodass wir dich köpfen können."

Eine Maus. Genau so fühle ich mich, wie eine Maus,

die belagert wird von zwei wilden Katzen.

Auf der einen Seite dieser blutrünstige Verrückte, Kara Mustafa,

auf der anderen Seite dieser Verräter, Ludwig der XIV.

Das können wir nicht schaffen. Das schaffen wir nie und nimmer.

Eure Majestät, wie es scheint, hat der Heilige Vater

mehr als 300.000 Dukaten gesammelt, um die Christenheit zu verteidigen.

Mit diesem Geld können wir sehr viele Männer anwerben.

300.000 Dukaten sind etwas ganz anderes als 300.000 Soldaten, die bereit sind,

für ihren Gott zu sterben!

Auf wie viele Männer können wir hier in Wien zählen?

Zwanzig-, Dreißigtausend?

Oh nein, Eure Majestät. Mehr oder weniger. Wohl eher weniger.

Wenn man die städtischen Wachregimenter, die Miliz

und die kaiserlichen Truppen zusammennimmt und...

Los, Starhemberg, sagt mir eine Zahl. Wie viele Männer?

Ah, ich würde sagen, mehr oder weniger... 15.000 Mann ungefähr.

Oh mein Gott.

Oh mein Gott. Oh mein Gott.

Was schlagt Ihr jetzt vor?

Nun, ich würde sagen, wir versuchen, sie auf offenem Feld zu zermürben.

Wir müssen sie von hier fernhalten. Wenn Kara Mustafa bis nach Wien kommt,

wird er Blut wittern, und dann können wir ihn nicht mehr aufhalten.

Großer Gott, was macht ihr hier? Verschwindet, los! Weg.

Ah, ah, was habt Ihr gesagt?

Ich habe gesagt, wir müssen sie auf offenem Feld zermürben.

Nein. Nein. Wien ist eine mächtige Festung.

Warum sollten wir uns aufs offene Feld hinausbegeben?

Wo sie doch ein gutes Dutzend mal mehr Männer haben?

Nun, um so unsere Bewegungsfreiheit zu behalten.

Eine belagerte Stadt, Majestät, ist eine todgeweihte Stadt.

Es wird Euer Ende bedeuten, wenn Ihr hier noch länger herumsteht und redet.

Geliebtes Schwesterherz... Grundgütiger, das ist ein Wunder.

Welch unglaubliche Überraschung.

Spart euch die Herzerei, Bruder. Schickt sofort eine Kutsche los,

die Pater Marco zurück nach Wien bringt.

Seine Ratschläge werden Euch in einem so schwierigen Moment dienlich sein.

Liebste Schwester, was wir jetzt brauchen sind Waffen und Soldaten,

keine Ratschläge. - Hört auf mich. Ich flehe Euch an.

Schwester, bitte...

Dieser Mann hat Kräfte, die müssen von Gott kommen. Seht mich an, Bruder.

Seht mein Gesicht, meine Hände. Erinnert Ihr Euch,

wie mein Leib noch vor wenigen Tagen aussah? Seht mich jetzt an.

Und sagt mir, ob das nicht das Werk von Gottes Hand ist.

UNGARN, AN DER RAAB. HEERLAGER DES HERZOGS VON LOTHRINGEN, 10. JUNI 1683.

Feldwebel, was geht denn da vor?

Das Geräusch von Pferden, es kommt von jenseits des Flusses. Tausende von Pferden.

Alarm! Alarm! Alles heraustreten! Schnell! Zum Fluss! Zum Fluss!

Zum Fluss! Zum Fluss!

Was ist da los?

Pferdehufe! Hufe von Tausenden von Pferden!

Seid leise!

Großer Gott. Wie viele mögen das wohl sein?

WIEN, 8. JULI 1683

Das Schiff erwartet Euch auf der Donau, Eure Majestät.

Wir fanden, in Anbetracht der Situation wäre es klüger,

wenn Eure Majestät in einer unauffälligen Kutsche reisen würde.

Wie Ihr meint. Beeilen wir uns also.

Habt Ihr Neuigkeiten von Graf Starhemberg?

Er müsste Pater Marco inzwischen eingeholt haben.

Der Herr möge uns beistehen.

Ja, er möge uns beistehen. Dann los. Schnell, wir haben nicht viel Zeit.

Kommt Ihr nicht mit?

Pater Marco kommt zurück. Ich bleibe hier in Wien.

Wie Ihr wollt.

Pater Marco, endlich. Der Kaiser braucht Euch.

Das osmanische Heer steht vor den Toren Wiens.

Seine Majestät braucht nicht meine Hilfe. Der Kaiser braucht die Hilfe Gottes.

Schnell! Schnell, steigt ein! In die Kutsche!

Schnell!

WIEN, 14. JULI 1683

Seht selbst, Pater.

Heilige Jungfrau Maria, steh uns bei. Ich kann es nicht glauben.

Wie viele werden es wohl sein?

Sie kamen in der Morgendämmerung und werden kommandiert von Kara Mustafa.

Er ist der neue Großwesir.

Kara Mustafa?

Kennt Ihr diesen Mann?

Ich bin ihm vor vielen Jahren begegnet.

Über wie viele Männer verfügt Ihr? - Etwa 15.000, gut bewaffnet.

Von Westen müsste bald Prinz Eugen von Savoyen zu uns stoßen,

mit ungefähr 1.000 Lanzenträgern.

Und dann sind noch weitere 20.000 Mann im Anmarsch aus Bayern und Sachsen

und 10.000 aus Franken und Schwaben.

Insgesamt werden wir es auf knapp 50.000 Mann bringen.

Nur knapp 50.000?

Aber der König von Polen? Es heißt, er habe dem Heiligen Vater versprochen,

der Heiligen Liga mit mindestens 40.000 Mann beizustehen.

Ich fürchte, der König von Polen wird sein Versprechen nicht halten.

Er wird nicht kommen, Herzogin. Wir sind allein.

Lieber Gott, steh uns bei.

Du sprichst die Sprache der Ungläubigen, ist es nicht so?

Es ist, wie du sagst, Herr.

Im Koran steht geschrieben, bevor man die Ungläubigen vernichtet,

solle man ihnen noch ermöglichen, sich eines Besseren zu besinnen.

Morgen bei Tagesanbruch wirst du ihnen diese letzte Möglichkeit ankündigen.

Überprüft ständig, dass alle Wachtposten höchste Auf...

Kommandant, kommt und seht Euch das an.

Bekennt euch zum wahren Glauben! Und bezahlt den Tribut!

So werdet ihr eure Leben und eure Seelen retten!

Bekennt euch zum wahren Glauben!

Und bezahlt den Tribut!

So werdet ihr eure Leben und eure Seelen retten!

Bekennt euch zum wahren Glauben!

Was redet der da? - Und bezahlt den Tribut!

So werdet ihr eure Leben und eure Seelen retten!

Das ist unglaublich. Er fordert uns auf, die Waffen zu strecken.

Jetzt bekennt euch zum wahren Glauben! Und bezahlt den Tribut!

So werdet ihr eure Leben und eure Seelen retten!

Nein...

Jetzt bekennt euch zum wahren Glauben! Und bezahlt den Tribut!

So werdet ihr eure Leben und eure Seelen retten!

Bekennt euch zum wahren Glauben! Und bezahlt den Tribut!

Was du sagst, ist richtig, Kara Mustafa Pascha,

aber man kann nie vorsichtig genug sein. Ich erlaube mir, dir vorzuschlagen,

Laufgänge und Schützengräben am Fuße des Kahlenbergs auszuheben

und Fallgruben anlegen zu lassen, um die Pferde der Feinde aufzuhalten.

Murad Giray spricht Worte ohne Sinn.

Niemand kann Pferde und Kanonen auf den Kahlenberg bringen.

Ich bitte ergebenst um Verzeihung, Großwesir,

aber wir können nicht von Vornherein die Möglichkeit ausschließen,

dass der Feind uns ausgerechnet vom Kahlenberg aus angreift.

Wenn der Großwesir einverstanden ist,

werde ich hier einen Teil der Artillerie in Stellung bringen.

Nein. Der Großwesir ist nicht einverstanden!

Bringt die gesamte Artillerie vor der Stadtmauer Wiens in Stellung.

Und weist die Baumeister an, mit dem Ausheben der Stollen zu beginnen.

Sehr bald wird die Fahne mit dem Halbmond

für alle Ewigkeit auf der Spitze dieses Turmes wehen.

Herr, unsere Späher berichten,

dass der König von Polen mit seinem Heer in Richtung Wien marschiert.

Sie haben sein Heerlager gesehen, in der Nähe von Tulln, Großwesir.

Das bedeutet, dass der polnische König entschlossen ist,

den Truppen der Liga zu Hilfe zu eilen.

Der alte Sobieski? Macht euch nicht lächerlich.

Bei allem Respekt, Kara Mustafa Pascha, wir halten es für einen schlimmen Fehler,

keine Verteidigungslinien am Kahlenberg zu haben.

Und wir glauben außerdem, dass es ein noch größerer Fehler wäre,

das Eingreifen des polnischen Königs zu unterschätzen.

Jan Sobieski ist alt. Und krank.

Es heißt, dass er kaum mehr gehen kann.

Und dass man ihn auf sein Pferd hieven muss.

Sobieski, glaubt mir, wird nie sein Land verlassen.

Und wenn den Armen die Nachricht von unserem Angriff erreicht,

werden alle Kirchen Wiens bereits für immer Moscheen sein.

Es geht los, Pater. Der liebe Gott stehe uns bei.

Der liebe Gott stehe uns bei.

Fertig!

Feuer!

Feuer! Feuer!

Vorwärts! Vorwärts!

Geht in Deckung, Pater! Schnell! Bringt sie runter!

Los! Schnell! Schnell!

Macht schnell! Schneller!

Nachladen! Feuer!

Feuer!

Der Graf wurde getroffen! Bringt ihn weg! Schnell!

Da vorn rechts, durch den Torbogen! Zu den anderen!

Tragt sie da hinüber. Da hinein, in meine Gemächer.

Nein, nein, nein, bleibt liegen.

Es geht mir gut. Die Verwundung ist nicht schlimm.

Ihr habt sehr viel Blut verloren.

Bleibt hier, Graf, wenigstens für diese Nacht.

Die Stollen bis unter die Stadtmauer sind fast fertig.

Das wird ein böses Erwachen für Wien.

Es heißt, es wären nicht mehr als 15.000 Mann.

Viel weniger, als wir gedacht haben.

He, du! Stehenbleiben! Halt! Ergreift ihn!

Ein Eindringling! Er versucht zu fliehen! Ergreift ihn! Ergreift ihn!

Bleib stehen! Bleibt stehen!

Stehenbleiben! Haltet ihn auf! Schneidet ihm den Weg ab!

Jetzt haben wir dich! Vorsicht, er hat ein Messer!

Ergib dich! Ergib dich! Komm her! Ganz ruhig! Ganz ruhig.

Wen haben wir denn da? Ein Weib! Heute Nacht ist Allah mit uns!

Seht euch das an, Männer!

Warum habt Ihr mich holen lassen?

Diese ungläubige Hündin ist ins Lager eingedrungen.

Ja. Aber was hab ich damit zu tun?

Ich kenne dieses Weib nicht.

Gut. Dann können wir sie ja getrost zu den Weibern stecken,

die heute Nacht den Regimentern zu Willen sein müssen.

Allah ist mein Zeuge: Ich kenne dieses Weib nicht.

Halt! Hiergeblieben! Weg da! Lass ihn los! Lass ihn los!

Du sollst ihn loslassen! Las ihn los! Lass ihn los! Lass los!

Der Herr verfluche dich!

Was schreit das Weib da?

Ich weiß es nicht. Ich glaube, sie ruft nur ihren Gott an.

WIEN, 9. AUGUST 1683

Und?

Ein leichtes Beben vor etwa einer halben Stunde, Graf.

Mein Gott. Ihre Stollen führen bis unter die Burgbastion.

Folgt mir! Schnell! Lauft! Beeilt Euch! Beeilt euch!

Alle raus hier! Schnell! Beeilt euch! Raus aus den Tunneln!

Los, schneller!

Alle aufwecken! Aufwachen, schnell!

Wacht auf, Männer! Schnell, wacht auf!

Steht auf! Schnell! Bringt euch in Deckung! Geht in Deckung!

Stürmt die Mauern! Schnell!

Gefechtsstellung einnehmen!

Fertig zum Feuern! Feuer!

Aufpassen! Geht in Deckung!

Zielt auf ihre Werfer! Feuer!

Beeilung, bewegt euch!

Rückzug! Zurück zum Lager!

Wir werden nicht mehr lange standhalten können.

Graf, seht doch, da.

Das kann nicht wahr sein.

Was ist da? - Seht selbst.

Das ist die Madonna von Tschenstóchau. Mein König ist im Anmarsch.

Mein König ist im Anmarsch! - Ja! Ja!

Der König von Polen ist im Anmarsch!

Ich will dieses Weib von gestern Abend.

Aufmachen!

Lasst mich durch! Du!

Du kannst gehen.

Der Glauben verleiht nicht immer genug Kraft, uns Muselmanen auch nicht.

LINZ, KAISERLICHE RESIDENZ

Wurde aber auch Zeit.

Willkommen in unserer Mitte, General Sobieski.

Meine Herren, ich erkläre diese Kriegsversammlung für eröffnet.

Wir verlangen, dass die Führung der Heiligen Liga neu verhandelt wird.

Denn wir meinen, dass es nicht opportun ist,

den Oberbefehl einem Menschen wie Sobieski zu übertragen,

jemandem, der nicht von adliger Abstammung ist.

Kurfürst Georg hat recht.

Auch ich, der Kurfürst von Bayern, halte es für wenig opportun,

diese Verantwortung einem einfachen Militär anzuvertrauen.

Ihr hattet 40.000 Mann unter Waffen versprochen.

Und jetzt haben wir Nachricht, dass es wohl kaum mehr als 20.000 sind.

Aber das ist doch nicht möglich.

Dieser Mensch schreckt vor keiner Lüge zurück.

Und welche Meinung vertritt unser junger Oberstleutnant Eugen von Savoyen?

Hoheit, ich habe 1.000 italienische Lanzenträger mitgebracht.

Sie sind bereit zu sterben, um den christlichen Glauben zu verteidigen.

Wer auch immer der Befehlshaber der Liga sein wird, wir sind hier, um zu kämpfen.

Ja, das wird ohne Zweifel ein Debakel, meine Herren.

60.000! Vielleicht 60.000 Mann gegen 300.000...

Das bedeutet bedauerlicherweise nur eins: die Niederlage.

Was sagt Ihr dazu, Sobieski?

Ich sage, dass ich nicht gewillt bin,

auch nur eine Sekunde länger in dem Raum hier zu verweilen,

wenn mir nicht das Oberkommando der Heiligen Liga übertragen wird.

Wir lassen uns doch nicht von einem Verbündeten die Bedingungen diktieren!

Eine Impertinenz!

Pater Marco, Ihr seid ein Mann Gottes, ich bitte Euch, findet eine Lösung.

Eure Majestät, warum besteht Ihr auf das Oberkommando?

Weil ich weiß, wie diese Schlacht zu gewinnen ist.

Welch ungeheuerliche Anmaßung, Sobieski.

Eine Todsünde für einen Christenmenschen, der Ihr vorgebt zu sein.

Kurfürst Max Emmanuel hat recht! - Meine Herren, bitte! Bitte Ruhe!

Lasst uns hören, was Pater Marco zu sagen hat.

Eure Majestäten, Hoheiten, ich bin nur ein armer Mönch.

Ich weiß nichts über Kriegskunst, nichts über Schlachtpläne.

Aber was ich ganz sicher weiß, ist,

dass Wien ein Sinnbild ist für das Überleben der ganzen Christenheit.

Ich weiß, wenn Ihr stark im Glauben seid, werdet Ihr siegen!

Ich weiß, wenn Ihr einig seid, werdet Ihr siegen!

Wenn der polnische König nun meint, er wisse, wie man diese Schlacht gewinnen kann,

dann gestattet ihm, es uns allen zu erklären.

Ja, hören wir ihn an.

Gut. Hier ist mein Plan.

Wir werden die Türken angreifen, von wo sie uns um keinen Preis erwarten.

Und das heißt? Von wo?

Vom Kahlenberg.

Ah, aber das ist unmöglich. Es gibt keine Möglichkeit, Pferde

und Kanonen dort hinaufzubringen.

Fürwahr. Wie wollt Ihr denn mit der Artillerie

und der Kavallerie auf den Kahlenberg gelangen? Straßen gibt es da keine.

Ruhe, meine Herrn! Seid ruhig, um Himmels willen. Hört zu.

Hört aufmerksam zu, was ich Euch mit allem Nachdruck sage.

Ich werde auf den Gipfel dieses verdammten Berges gelangen.

Und von dort oben werde ich mit meinen Mörsern Tod

und Verderben über das Heerlager der Osmanen bringen.

Und ich werde persönlich vom Kahlenberg herab

an der Spitze meiner Flügelhusaren angreifen.

Und dann vernichte ich die Armee von Kara Mustafa.

Du hast mich rufen lassen, Großwesir?

Würdest du ihn wiedererkennen?

Den Mönch, Großwesir?

Ich will den Mann treffen.

Darf ich fragen, warum, Großwesir?

Ich möchte herausfinden, wieso Allah bestimmt hat, dass ich ihm das Leben rette.

Wann willst du ihn treffen?

Heute noch.

Noch in dieser Nacht.

Da ist er.

Ich hätte dir gern einen Wolfszahn gezeigt.

Aber ich habe ihn meinem Sohn gegeben, als Pfand für meine Rückkehr.

Das ist nicht nötig, Kara Mustafa. Ich vermag dich auch so zu erkennen.

Warum hast du gewünscht, dich mit mir zu treffen?

Meine Gewährsmänner sagen mir, dass ich dich mehr fürchten muss

als die Kommandeure von Leopold von Habsburg.

Ich habe keine Waffen. Ich kann nur beten, zu Gott beten.

Zu welchem Gott? Zu dem, den wir beide zu kennen glauben,

der sich verbirgt vor dem einen wie vor dem anderen?

Zum einzigen, wahren Gott. Zu dem, der dich dazu gebracht hat,

mir in Venedig vor langer Zeit das Leben zu retten.

Allah wollte, dass ich dir das Leben rette,

damit ich es dir morgen nehmen kann in Wien.

Der Herrgott wollte es, damit ich morgen hier sein und dein Leben retten kann.

Du willst mein Leben retten, Mönch?

Mehr noch. Ich möchte deine arme Seele retten.

Gib deinem Heer den Befehl zum Rückzug.

Du bist verrückt. Morgen werden wir in Wien einziehen.

Und dann schlag ich dir dort höchstpersönlich den Kopf ab.

Höre auf mich. Rette dein Leben und deine Seele, Kara Mustafa.

Unser Gott ist barmherzig. Es ist niemals zu spät, ihn um Vergebung zu bitten.

Niemals.

Ich werde morgen siegen. Aber sollte ich aus irgendeinem Grund geschlagen werden,

wird das Abendland längst nicht gerettet sein.

Denn meine Niederlage wird den Bart des Propheten lediglich stutzen.

Kaum ein paar Frühlinge werden vergehen,

bis ein neuer Großwesir mit seinem ruhmreichen Heer vor den Toren Wiens steht.

Und ganz Europa wird sich dem Islam unterwerfen müssen.

Der wahre Gott kann nichts anfangen mit tumber Unterwerfung.

Er will und braucht Menschen, die frei sind,

frei, seine unendliche Liebe zu erwidern.

Noch ist Zeit dazu, Mönch. Bekehre dich zum Koran.

Allah wird gnädig über dich urteilen.

Gott ist groß. Die Entscheidung, wie sie auch ausfallen mag, liegt bei ihm.

Wir können nicht seinen Platz einnehmen.

Inschallah, Marco.

Inschallah, Kara Mustafa.

WIEN, 11. SEPTEMBER 1683

In wenigen Stunden wird Wien nicht mehr sein.

Und an diesen Tag wird man sich über Jahrhunderte hinweg erinnern,

als der Tag des größten Sieges des Islam über die Christen.

Meine Brüder, hört! Schon bald werdet ihr kämpfen müssen!

Ihr werdet andere Menschen töten müssen! Wenn dieser Moment kommt,

wenn ihr töten müsst oder selbst getötet werdet, erinnert euch an meine Worte!

Ihr kämpft heute nicht bloß, um Wien gegen den Feind zu verteidigen!

Ihr kämpft heute auch, um euren Glauben, eure Bräuche

und eure Traditionen zu verteidigen!

Ihr kämpf, um eure Ehefrauen und eure Kinder zu verteidigen!

Eure Schwestern und eure Brüder.

Euren Vater und eure Mutter! Denn, meine Brüder, wenn Wien heute fallen sollte,

wird Rom auch fallen.

Und wenn Rom fällt, dann fällt auch die Heilige Mutter Kirche.

Verteidigt euren Glauben! So werdet ihr und eure Nachkommen frei sein

in eurem Verlangen nach Gott. Frei, um Christus zu lieben!

Frei!

Weil ihr heute gekämpft haben werdet.

Wiederholt mit mir: Ich glaube!

Ich glaube!

Ich glaube mit der ganzen Seele!

Vorwärts! Schiebt! Schiebt! Jetzt legt euch ins Zeug, ihr Memmen!

Macht schon! Weiter! Weiter!

Haltet Anschluss, Himmel noch mal!

Verflucht, was macht ihr denn da? Schämt ihr euch denn gar nicht,

euren König eure Arbeit machen zu lassen? Majestät, lasst uns das machen.

Lasst mich!

Unsere Männer machen das. Kommt. Majestät! Wir helfen euch hoch.

Die Kanone rutscht ab! Haltet sie fest! Haltet Sie fest! Zur Seite! Zur Seite!

Was machen wir jetzt, Majestät? Sollen wir sie holen?

Wir lassen sie, wo sie ist. Dafür haben wir keine Zeit. Weiter! Weiter!

Sie sind oben. Machen wir uns für den Angriff bereit.

Wir sind die wahrhaft Gläubigen, von Anbeginn der Welt!

Wir sind so viele an Zahl,

dass niemand uns mit den Fingern einer Hand zu zählen vermag.

Wir werden den Goldenen Apfel erobern!

Feuer, um Gottes willen!

Hoheit! Seht nur, da!

Großer Gott im Himmel. Da kommt die zweite Angriffswelle!

Die überrennen uns!

Wo ist der polnische König?

Zieht euch zurück!

Rückzug! Rückzug!

Sie ziehen sich Richtung Donau zurück. Jetzt haben sie das Wasser im Rücken.

Unsere Truppen ziehen sich zurück. Wir sind verloren.

Da ist jemand oben auf dem Kahlenberg.

Ich sehe ihn, Großwesir.

Er hält ein Kreuz in den Himmel.

Ugur!

Gib Ahmed Bey Order. Er soll ein paar Kanonen auf den Berg richten.

Schnell!

Hier ist das Kreuz unseres Herrn! Hier ist das Kreuz unseres Herrn!

Hier ist der wahre Retter!

Komm fort von hier, Marco.

Eigenartig. Kein Wind,

und dennoch bewegt sich der Wald auf dem Berg.

Nein.

Feuer!

Feuer!

In Deckung! Sie beschießen uns vom Kahlenberg!

Vorwärts! Nicht stehenbleiben

Feuer! Feuer! Feuer!

Der Großwesir! Wir müssen den Großwesir schützen!

Tragen wir ihn weg, wir müssen ihn retten!

Feuer!

Hast du Angst?

Nein, Vater.

Das ist deine erste Schlacht. Du musst dich deiner Angst nicht schämen.

Vorwärts! Im Namen Gottes!

Er greift an! Sobieski greift an! Wir werden es schaffen!

Wien ist gerettet! Wien ist gerettet!

Der polnische König! Er greift vom Kahlenberg aus an!

Begebt euch auf die linke Flanke!

Worauf wartet ihr denn, Khan?

Verflucht, wo wollt ihr denn hin?

Nicht da entlang! In die andere Richtung!

Da entlang!

Zurück! Zurück! Folgt mir!

Vorwärts!

Sucht Kara Mustafa! Sucht Kara Mustafa! Er kann nicht weit sein.

Da ist er, Vater!

Ich kann es nicht fassen.

Feuer!

Kara Mustafa ist tot!

Du sollst verflucht sein, Kara Mustafa.

Gehe in Frieden.

Abdul.

Nein!

BELGRAD, 25. DEZEMBER 1683

Herr.

Sie sind da.

Achtung, sie kommen!

Nein! Nein!

Ich bin stolz auf dich, Vater. Ich bin stolz, der Sohn von Kara Mustafa zu sein!

Nur eine Sache, lasst es meinen Sohn nicht mitansehen.

Ich habe meine Befehle, Herr. Der Sultan höchstpersönlich hat angeordnet,

dass der Junge Zeuge deines Todes sein soll.

Allah ist mein Zeuge. Ich habe für seinen Ruhm gekämpft

und für den Triumph des wahren Glaubens.

Mein Sohn, sieh her, wie ein Großwesir stirbt.

Sieh her. Und vergiss es nie.

Niemals.

Allahu Akbar!

Allahu Akbar! Allahu Akbar!

Allahu Akbar!

Allahu Akbar! Allahu Akbar!

"Für Luigi und Bruna, wo immer sie sind."

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