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Man schrieb das Jahr 1949,
und mein Großvater hatte die Ruhr.
Er kam aus Russland zurück und hatte die Heimat verloren.
Gerüchteweise erfuhr er,
dass es seine Frau und seine zwei Söhne an diesen Ort verschlagen hatte.
Beim Anblick der Siedlung sank ihm der Mut.
Was hatte er hier zu suchen?
Er hatte keine Zähne und stank aus dem Mund.
Er hatte sich daran gewöhnt, Maden zu fressen, seinen Urin zu trinken
und irgendwann erschossen zu werden.
Was um Himmels willen wollte er hier?
Scheiße. Das war eindeutig Elisabeths Kleid.
Hier lebten sie also. Er hatte sie endlich gefunden.
Das Dumme war nur, er hatte keinen Plan, was er damit anfangen sollte.
Angst und Unbehagen überwältigten ihn.
Engelchen flieg!
Engelchen, Engelchen flieg!
Was hatte seine verhasste Schwester hier zu suchen?
Und wer war dieser Junge?
Er konnte sich nicht erinnern, ihn gezeugt zu haben.
Er hatte es gleich gerochen, dass hier etwas nicht stimmte.
Sie hatten ihn alleine hier draußen sitzen lassen.
Niemand war auf die Idee gekommen, ihn reinzuholen.
Was willst du hier?
Na, was ist?
Willst du doch reinkommen, Erich?
Ich hoffe, du hast nichts dagegen.
Natürlich nicht. Wie kommst du denn darauf?
So Kinder, sagt Guten Tag.
Das ist euer Papi.
Was ist los? Erinnert ihr euch nicht mehr?
Hallo, Papi.
Gib mir einen Schluck Wasser.
Guck mal, der Papi, guck mal, der Papi!
Magst du noch einen Schluck Wasser?
Der Papi stinkt, der Papi stinkt!
Soll ich dir ein Bad einlassen?
Danke für eure Gastfreundschaft.
Ich wünsche einen schönen Abend.
Was wird aus uns?
Bitte lass uns nicht streiten.
Warum habe ich ihm nicht eins übergebraten.
Niemand hätte was mitgekriegt.
Ich hätte ihn in den Fluss schmeißen können.
Gott! Wir schreiben das Jahr 1949.
Wann ist der Spuk endlich vorbei?
Guten Morgen, Papi.
- Morgen. - Ich dachte, ich bringe dir Kaffee.
Zum Aufwärmen.
Darf ich?
Hier.
Nun nimm schon. Er ist nicht vergiftet. Ich habe ihn selbst gebrüht.
Danke.
Ich muss mich waschen.
Es gibt in der Nähe eine Baracke mit ein paar Duschen.
- Soll ich dich hinbringen? - Ja.
Der Dreck der Jähre floss von ihm ab.
Die Schuld, das Blut, das an seinen Händen klebte,
alles floss nun in den Gully.
Im Duschraum machte sich Erleichterung breit,
die weit darüber hinausging: Sein Vater würde es schaffen.
Er würde eine Trevira-Jacke tragen, wie die anderen,
und hart arbeiten wie sie, um zu vergessen.
- Das ist ein Porzellanofen. - Wirklich?
Ja. Der sieht in Ordnung aus. Den kriegen wir wieder in Schuss.
- Gebisse. - Ich helfe dir dabei.
Gebisse zu verkaufen. Gebisse.
Freytag.
Du alter Kommunistenfresser. Was machst du denn hier?
Wir dachten alle, du wärst schon längst tot.
Ich dachte, du wärst drüben bei den Kommunisten.
Du siehst scheiße aus. Zeig mal deine Zähne.
Ich wette, dein Alter hat keinen einzigen Zahn mehr im Mund.
Komm mal her.
Na, komm her.
Na, komm her!
Die kannst du dir nachher in deine Fresse schieben.
Damit du wieder wie ein Mensch aussiehst.
Mensch bleibt Mensch, Nazi hin oder her!
Du Nazi!
Gib mal her, die Dinger.
Wann gibt der Dreckskerl seinen Belagerungszustand auf?
- Warum hasst du Tante Marie denn so? - Sie ist eine schmutzige Hure.
Sie äffte mich vor der Familie nach, weil ich Reden für die Partei hielt.
Sie dachte, sie ist für was Höheres geboren.
Hat uns verachtet, weil wir Kloschüsseln produziert haben.
Hat sich die ganze Zeit lustig darüber gemacht.
Sie wollte nach Berlin zu den Juden und Kommunisten.
Ich hab ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Ich muss für heute gehen, ich muss noch einiges erledigen.
Ich weiß, dass du schreibst. Ich habe nichts dagegen.
Solange du deine Pflichten nicht vernachlässigst.
Wiedersehen, Papi.
Erich hatte im Krieg gelernt, wie man den Feind nervös macht.
Man belagerte ihn und ließ ihn im Ungewissen.
Langsam griff seine Strategie.
Es ist ein Albtraum.
Weißt du, wer daran schuld ist? Dein Sohn.
Hätte er nicht das Gefühl, willkommen zu sein, wäre er längst weg.
Du musst mit ihm reden, es führt kein Weg daran vorbei.
Was soll ich denn mit ihm reden?
Kannst du mir das verraten?
Brüderchen, wie war's in Russland?
Machte es Spaß, Juden totzuschlagen?
Wie viele Frauen hast du denn vergewaltigt?
Du sollst meiner sein, ja?
Erich.
- Wo ist das Schlafzimmer? - Da hinten.
- Ich will dich nachher da sehen. - Ist gut, Erich.
Wir dachten immer, ihr wäret stolz auf uns.
Dabei habt ihr gar nicht an uns gedacht.
Ihr habt uns einfach vergessen.
Guten Morgen, Erich.
- Was willst du hier? - Mit dir reden.
Gibt nichts zu reden. Verschwinde.
Ich denke doch, Erich.
Verschwinde. Pack deine Sachen.
Bis heute Abend bist du hier weg.
- Bist du fertig? - In fünf Minuten.
Mein Sohn Klaus wird als Vorarbeiter arbeiten.
Wenn ihr euch anstrengt, könnt ihr gutes Geld verdienen.
Traut sich jemand zu lackieren?
Hat denn jemand schon lackiert?
- Name? - Frau Rammer.
Gut. Sie zeigen einer Gruppe von vier Frauen, wie das geht.
- Ab heute leiten Sie die Gruppe. - Jawohl, Herr Direktor.
Der Rest bitte in die Fabrik, alles ausräumen und säubern.
Ja, denn ohne Fleiß kein Preis.
An die Arbeit.
Marie!
Marie!
Ich verlasse ihn. Ich verlasse ihn.
- Hast du die Bücher? - Ja.
- Zieh den an. - Wo ist Mami? Wo ist Tante Marie?
Los geht's.
Du bist wieder da?
Ich möchte, dass du eines weißt, Erich.
Wenn es einen Mensch auf der Welt gibt,
der mich fühlen ließ, dass ich lebe, dann war das Marie.
Wenn ich eines Tages das Gefühl habe, dass ich zu ihr muss,
dann werde ich dich verlassen.
Ich habe verstanden.
Feierabend!
Es war ein Freitag, und es war Feierabend.
Der Juni war heiß.
Die Frauen gingen zu ihrer Badestelle.
Ihr fröhliches Lachen und Planschen drang zu ihm herüber,
und etwas Schicksalhaftes lag in der Luft.
Der Abend schmeckte nach Zukunft.
Das Leben lag vor ihm.
Mitten in der Nacht, als alles schlief, beendete er seine erste Erzählung.
Sie hieß "Die Würde der Nacht".
Erich bekam bald ein richtiges Gebiss, das erste Nachkriegssparkassenmodell.
Bald kam ihres dazu.
So wie die beiden friedlich nebeneinander dämmerten,
lebten auch Elisabeth und Erich einigermaßen friedlich nebeneinander.
Das Leben normalisierte sich.
Mitte der Fünfzigerjahre liefen die ersten Gartenzwerge vom Band.
Der Jubel hielt allerdings nur kurz an.
Die Nachfrage in den ersten Monaten war sehr zögerlich.
Sie mussten auf Halde gelagert werden.
In ihrem Musikantendasein erstarrt, grinsten sie höhnisch auf ihn herab.
Aber bald änderte sich die Lage.
Zwei kleine sechs Mark.
- Das und das. - Ein großer, ein kleiner.
Zwei große acht Mark, zwei kleine sechs Mark.
Unsere Gartenzwerge!
Bald zierten sie alle Vorgärten Unterfrankens.
Mein Großvater war sehr stolz.
Auf den hunderttausendsten Gartenzwerg und meine Belegschaft,
die treuesten und besten Frauen in ganz Unterfranken!
Danke, danke. Es ist mir eine besondere Ehre.
Denn es ist ein ganz großer Tag für die fränkische Spielzeugindustrie.
Herr Bürgermeister, ich überreiche Ihnen,
in Andenken an die Stadt Steinach, unseren ersten Gartenzwerg.
In tiefster Dankbarkeit dafür,
dass Sie uns von Anfang an beim Aufbau aus dem Nichts halfen.
Danke schön.
- Nun spricht der Bürgermeister. - Vielen Dank.
Lieber Herr Freytag, es ist mir eine große Ehre.
Er bekommt einen besonderen Platz in unserer Sammlung.
So wie Sie, Herr Freytag,
einen festen Platz im Herzen der Gronacher haben.
Mögen sich auch weiterhin noch viele Abnehmer
für dieses hervorragende Produkt finden.
- So, und jetzt wird gefeiert. Prosit! - Prosit!
Prosit!
Ein Prosit, ein Prosit
Der Gemütlichkeit!
War ein schönes Fest, oder?
Ja, das war's.
Endlich haben wir Erfolg.
Sei nicht traurig. Mami kam sicher was dazwischen.
Deine Mutter ist zu Marie gefahren.
Na, Brüderchen?
Gefällt dir das?
Geht in die Schule. Los, Abmarsch.
Komm, Papi. Einen Schluck Suppe noch.
Guten Morgen, Klaus.
Guten Morgen.
Ist dein Vater schon los?
Er liegt im Bett.
Er hatte eine Herzattacke.
Das ist nicht wahr.
Doch.
Bleibst du jetzt hier?
Es sollte noch dauern, bis mein Vater endlich studieren konnte.
Er bekam bereits die Geheimratsecken, die die Glatze ankündigten,
mit der der männliche Teil der väterlichen Familie gestraft war.
Er kaschierte sie mit einem Schwall Haare,
die er mit Seitenscheitel über die Stirn kämmte.
Er fühlte sich viel zu erwachsen für diese Party
und begann bereits, sich zu langweilen, als plötzlich...
Hallo, guten Abend. Darf ich vorstellen?
Meine Begleitung Gisela Ellers.
Guten Abend, darf ich vorstellen?
N'Abend, Herr Freytag.
- Herr Werdin. - Schön, Sie zu sehen.
- Sie haben sich nicht umorientiert. - Nein.
Das hätte mir leidgetan. Wir sind sehr stolz,
dass Sie neben lhrer Arbeit ein so gutes Spätabitur ablegten.
- Sehr schön. Bis demnächst. - Bis demnächst.
Hallo.
Haben Sie eine Zigarette? Meine sind aus.
Ich habe Fritz losgeschickt, welche zu holen.
Aber warum sollte ich mein Kettenrauchen einstellen,
bis er wieder zurück ist?
Wenn Sie mit einer selbstgedrehten Vorlieb nehmen würden.
Das macht nichts. Auf Geld kommt es mir nicht an.
- Da sind Sie bei mir genau richtig. - Ja?
Was machen Sie? Studieren Sie?
Wie soll man sagen, ich fange im Herbst an.
Und Sie?
Ich studiere Hauswirtschaftslehre. Es gibt nichts Öderes.
Themawechsel. Kennen Sie Sartre?
"Der Ekel" steht über meinem Schreibtisch.
Da stehen meine wichtigsten Bücher.
Sie haben Sartre gelesen?
Sie haben Sartre gelesen! Ich könnte Ihnen um den Hals fallen.
Das war die Testfrage. Die hat hier keiner bestanden.
Niemand von den angehenden Rechtsanwälten.
Das sind Sie doch nicht auch?
- Sehe ich so aus? - Nein.
Nein. Ganz sicher nicht.
Bei uns in der Familie liest niemand.
Was... was ist mit Ihnen?
Sind Sie der Einzige, der liest?
Manche Bücher gebe ich meiner Mutter. Sie liest gern.
Ich beneide Sie. Ich will auch eine Mutter, die liest.
Meine Mutter ist leider ein Scheusal.
- Ich rauche schnell. - Oder die Zeit vergeht schnell mit uns.
Drehen Sie mir noch eine Zigarette? Ich möchte mich weiter umnebeln.
- Ich glaube, da hinten kommt lhr Freund. - Sie glauben?
- Ich bin mir nicht sicher, ob er es ist. - Sie auch nicht?
Sind Sie der tugendhafte Ritter, der mir Zigaretten holte?
Wie bitte?
- Hier sind deine Zigaretten. - Danke.
- Gehen wir wieder zu den anderen? - Ja, gleich.
Der Herr wollte mir eine drehen, hat es aber wohl vergessen.
- Du hast jetzt Zigaretten. - Da hast du auch wieder recht.
- Na ja, so ist das Leben. Also dann. - Also dann.
Eins noch: Mögen Sie lieber französische Literatur oder Amerikaner?
Diese Frage sollten Sie mir beantworten.
- Die Amerikaner. - Ins Schwarze getroffen.
Hallo.
Ich hab hier irgendwo meine Sonnenbrille liegenlassen.
Und was machen Sie hier?
Ich hab überlegt, Ihnen die Zigarette vorbeizubringen.
- Sie haben keine mehr, oder? - Woher wissen Sie das?
- Ja, das stimmt. - Und?
Hat sich lhr Bekannter erneut um den Finger wickeln lassen
und Ihnen neue besorgt?
- Hätte er so eine Eselsgeduld... ...spräche das für ihn.
Hat er nicht. Er ist eingeschnappt.
Die denken, weil sie reich sind, kriegen sie, was sie wollen.
Kommen Sie auch aus reichem Elternhaus?
Mein Vater produziert Gartenzwerge.
Aber er ist nicht reich. Noch nicht jedenfalls.
Wenn Sie also einen armen Mann wollen, muss es schnell gehen mit uns.
Beweisen Sie, dass Sie nicht reich sind.
Von meinem Vater geliehen, weil ich kein eigenes habe.
Noch mehr Beweise?
Ich muss jetzt gehen.
Wenn Sie sich über Literatur austauschen wollen:
Ich wohne in Nürnberg-Erlenbach, am Waldsteg 3.
Nürnberg-Erlenbach, Waldsteg 3.
- Hallo, Mama. - N'Abend, Junge.
Komm mal her, setz dich.
- Was ist denn? - Komm, setz dich zu mir.
Hör dir das mal an.
"Es gibt in unserer Region einen jungen Autor,
der bisher durch ein paar wenige bestechende Kurzgeschichten auffiel.
Der junge Autor, von dem die Rede ist,
wirft ein leuchtend hartes Bild auf unsere Umwelt.
Die nüchterne Stimme einer Generation,
die sich in scheinbarer Sicherheit und Gemütlichkeit nicht mehr wohl fühlt,
wird sicher bald gehört werden.
Der Name des jungen Autors ist: Klaus Freytag."
Ich bin so stolz auf dich, mein Junge.
Nach dem Studium springe ich von da oben herunter.
- Dann bin ich alt und verbraucht. - Ich hoffe, das hat noch Zeit.
Ja.
Werden Sie mir helfen und mich schubsen?
Haben Sie keine anderen Freunde, die das erledigen könnten?
Bedaure, nein. Also, was ist?
Das, ähm, käme darauf an.
- Worauf? - Ob Sie es sich nicht anders überlegen.
Ich habe das Gefühl, dass in lhrem Köpfchen einiges ist,
das heute so und morgen ganz anders ist.
Also, ich würde sagen, erst mal abwarten,
und wenn Sie dann noch springen wollen, dann würde ich Sie schubsen.
- Wirklich? - Ja.
Es würde ja keiner wissen, wer es war.
Bis Sie von da oben unten angekommen sind,
wäre ich schon längst über alle Berge.
Wahrscheinlich würden Sie sanft am Boden aufsetzen und sich umgucken.
Und sich fragen, wo ich bin.
Sind Sie ein Romantiker?
Eher weniger.
Ich bin ein skeptischer Realist.
- Sie haben mir etwas versprochen, oder? - Mhm.
- Und Sie werden sich daran halten? - Mhm.
Dann haben wir ein Versprechen. Ich finde, das ist ziemlich viel
für die wenigen Stunden, die wir uns kennen.
- Mhm. - Mhm?
Komm.
Ich weiß was.
Sie stellen sich jetzt da in die Ecke und stehen Schmiere.
Machen Sie schon.
Komm.
Wir sind Diebe!
- Pst! - Wir sind Diebe! Wir klauen Orangen!
Was guckst du denn so nachdenklich?
Ich hab ein Mädchen kennengelernt.
Wenn du meinst.
Keine Angst, der tut nichts.
Guten Tag, ich bin mit Gisela verabredet.
Kommen Sie rein, junger Mann.
- Das ist Giselas Verehrer, Herr... - Klaus Freytag.
Guten Tag, gnädige Frau.
- Gisela ist noch oben. - Setzen wir uns.
Entschuldigung.
Und? Wo kommen Sie her?
- Meine Eltern wohnen in Steinach. - Was machen Sie beruflich?
Ich möchte Schriftsteller werden.
Ist das denn überhaupt ein Beruf?
- Das könnte man so sagen, ja. - Aha.
Ich dachte immer, das ist eine Art Nebenbeschäftigung.
Wenn man es zu was gebracht hat und Geld verdient,
macht man es vielleicht zum Beruf.
- Sie zäumen das Pferd von hinten auf. - Könnte man so sehen.
Werden Sie was. Verdrehen Sie nicht ohne Perspektive Mädchen den Kopf.
- Was gibt's da zu lachen? - Oh, gar nichts.
Ich verdrehe lhrer Tochter den Kopf? Das freut mich.
Ich sprach nicht von meiner Tochter. Meine Tochter hat viele Verehrer.
Darunter Anwälte, Ärzte und auch Fabrikantensöhne.
- Die sind aber schon in der Firma. - Für mich hat sich das erledigt.
Sie werden nie eine Familie ernähren können.
- Da haben Sie wohl sogar recht. - Natürlich hat er recht!
Wer sich nicht für einen Beruf eignet,
eignet sich auch nicht für unsere Tochter.
Wer eignet sich nicht für mich?
Sind wir nicht spät dran?
- Du bist um elf zu Hause. - Ist gut, Mama.
Auf Wiedersehen. Ich gelobe Besserung.
Auf Wiedersehen, Herr Doktor...
- Ellers. - Ellers.
Schau dir diese ekelhafte bourgeoise Prunkvilla an.
Ja, hier stehen sie nicht, unsere Gartenzwerge.
Wie ihr wisst, ist mein Sohn seinen letzten Tag hier.
Wir werden ihn sehr vermissen. Ich weiß nicht, ob er zu ersetzen ist.
Aber er möchte ja unbedingt zum Studieren, nach Köln.
- Stoßen wir trotzdem auf ihn an. Prost! - Prosit!
- Zicke, zacke. - Hoi, hoi, hoi!
- Zicke, zacke, zicke, zacke. - Hoi, hoi, hoi!
- Prost! - Prost!
Hallo!
- Wie bist denn du hergekommen? - Mit dem Taxi.
Ich wollte dich überraschen.
- Das ist dir gelungen. - Ich wollte dich auch mal besuchen.
War das nicht wahnsinnig teuer?
Nein. Für dich ist mir kein Preis zu hoch.
Komm mit. Komm.
Liebe Freunde, das ist die Gisela.
Und das sind unsere Frauen, von denen ich so viel erzähle.
- Hallo. - Hallo.
Wir gehen mal zu meinem Vater.
Papa, darf ich dir Gisela vorstellen?
Das ist mein Vater, Erich Freytag.
- Gisela Ellers. - Guten Tag, freut mich.
- Die sind aber komisch! - Was ist daran komisch?
- Das sind normale Gartenzwerge. - Sie findet alles komisch.
Ja, genau. Das Leben ist ja auch komisch.
Sie ist einfach nervös, weil sie dich kennenlernt.
- Ja. - Schon gut.
- Wollen Sie ein Bier? - Gerne.
Au weh, der denkt, ich bin nicht die Richtige für dich.
Red nicht so einen Blödsinn.
- Ich bringe alles durcheinander. - Das kannst du gar nicht.
Mama, darf ich dir Gisela vorstellen?
Mama, Gisela. Gisela, Mama.
Entschuldigen Sie, Klaus hat nicht erzählt, dass er feiert.
Er zieht morgen ins Studentenheim, das wissen Sie bestimmt.
Oh ja, ich bin etwas neidisch. Ich würde viel lieber als er ausziehen.
Sie sind noch so jung. Sie haben doch noch so viel Zeit.
Wenn ich eine Mutter wie Sie hätte, vielleicht.
Ich führ dich noch ein wenig herum.
- Bis später, Mama. - Bis gleich.
- Bis gleich. - Puh, wenigstens mag mich deine Mutter.
- Noch beleidigt, dass ich so reinplatze? - Ich war nie beleidigt.
Ich finde, die Dinger regen geradezu dazu an,
sie runterzufegen von den Regalen.
Weiß nicht, was mein Vater dazu sagen würde.
Vielleicht ist er ja selbst ein Gartenzwerg.
Das Geheimnis seines Erfolges besteht darin, dass sie ihm helfen.
Sie schleichen nachts in Vorgärten und nehmen den Menschen den Verstand.
Daraufhin geben die deinem Vater Geld, er setzt es in Gartenzwerge um.
Bis sie die Welt beherrschen. Eine Verschwörung!
Also, darf ich?
- Nein, nein. - Und wenn ich's trotzdem tu?
- Dann kriegst du eine Ohrfeige von mir. - Ach, wirklich?
Ja!
Wir warten nicht bis zum Studentenwohnheim.
Nicht das Kleid, ich möchte das Kleid anbehalten.
Das war's also?
Ich glaube schon.
Ich meine, hat man nur einmal im Leben.
Die Defloration, dass es blutet und so.
Ich glaube schon, ja.
Und?
Ist es eklig? Also, mein Blut, meine ich.
Nein, überhaupt nicht.
Was denkst du?
Das Erwachsenwerden macht mich verrückt.
Warum?
Ich will nie erwachsen werden.
Wieso?
Ich dachte, ich hab dich grad erwachsen gemacht.
Du Schuft. Bist wohl auch noch stolz drauf, was?
Was?
Ich glaube, du bist ein Volltreffer.
Schsch!
Wo warst du?
Deine Mutter hat dich etwas gefragt!
Schau mich mal an.
Die hat mit dem Kerl geschlafen!
Ich sehe es genau.
Hör auf zu grinsen!
Geh auf dein Zimmer!
- Wir setzen ein Schreiben auf. - Es ist vier Uhr morgens.
Das ist mir doch egal!
Lies jetzt gefälligst den Zettel.
- Mama, was soll das? - Du willst nicht?
Du wirst das sofort unterschreiben!
Er hat sich strafbar gemacht, den bring ich ins Zuchthaus!
Was ist? Das unterschreibst du jetzt!
- Das ist nicht dein Ernst, oder? - Ach, du willst nicht?
So, hier!
Die werden jetzt im Kamin verbrannt, deine Bücher.
Bücher, Bücher, Bücher!
Bücher!
Ja?
Meine Mutter wollte meine sämtlichen Bücher verbrennen.
Weil ich diesen Wisch nicht unterschreiben wollte.
Die schicken mich nach Wien, damit wir uns nicht mehr sehen.
Das wollen sie wirklich machen?
- Wann? - Nächste Woche.
Deswegen bin ich getürmt.
- Au. - Was denn?
Was... Hey.
Zeig mal.
- Wie ist das passiert? - Bin gegen einen Blumentopf gelaufen.
Ja, wirklich.
Sie haben mich eingesperrt und...
Beim Rausklettern aus dem Fenster
muss ich in meiner Aufregung gegen einen von diesen blöden Töpfen...
Jetzt musst du nur noch ein Auge schminken.
Klaus, wir müssen abhauen.
Schau mal.
Meinen Beckett konnte ich retten.
Ich hab auf dem Weg hierher die Schnipsel zusammengeklebt.
Das haben sie wirklich gemacht?
Au.
- Aber was wollen sie damit erreichen? - Den Terror pur.
Wir müssen verduften.
Du bleibst jetzt erst mal hier.
Gefällt's dir denn überhaupt?
Ja.
Ganz hübsch.
So ein Zimmerchen reicht doch für uns.
Schau mal.
Die konnte ich auch noch retten.
Und... Ich habe dir übrigens noch was mitgebracht.
Das ist von mir, das habe ich geschrieben.
"Triboll: Lebenslauf eines unfähigen Mannes".
- Das ist von dir? - Mhm.
Aber wahrscheinlich Blödsinn.
Willst du mal lesen?
- Mhm. - Ja, bitte. Komm, lies es jetzt gleich.
Er stand unter Schock. Darauf war er nicht gefasst gewesen.
Dass sie jetzt auch noch schrieb. Und auch noch so gut!
Ist gut.
Ist wirklich ganz gut.
- Das ist sehr gut sogar. - Wirklich?
Ich habe mir solche Sorgen gemacht, was du von dem Geschreibsel hältst.
- Was denkst du? - Nix.
Doch, komm schon, sag's mir.
Ich dachte nur, was für eine begabte Freundin ich habe.
Das Geschreibsel? Du bist viel begabter.
Ich habe seit Wochen nichts geschrieben.
Das liegt bestimmt an mir.
- Mit der Aufregung, die ich verursache. - Ach Quatsch.
Du kannst dir deine Extravaganzen ja leisten, bei dem Talent.
Jetzt sei nicht eifersüchtig. Sonst schmeiß ich den Kram weg.
- Er bedeutet mir nichts. - Sei nicht albern.
Du bist kindisch.
Was für einen kindischen Freund ich habe.
Was soll das jetzt?
Jetzt heb es wieder auf.
- Wenn du dich beruhigt hast. - Ich war nie ruhiger!
Der Klügere gibt nach.
Ordnen kannst du sie. Deine Schuld, dass ich sie wegwerfe.
Von mir aus sei stolz drauf.
Ach komm. Willst du nicht wieder nett zu mir sein?
Gib mir einen Kuss.
Ich verspreche dir, ich schreibe auch nie wieder.
- Öffne mir die Bluse. - Nicht jetzt!
"Lieber Sputnik, ich ticke langsam durch.
Ich bekam eine Torte von einem Verehrer.
Ein blöder Wiener, schmierig, korrupt, denkt nur an das Eine.
Dass ich die Torte nicht gleich verschlungen habe.
Jetzt kriechen Millionen von Ameisen drin herum.
Ich habe sie vor Wut mit dem Schuh zermatscht.
Was erzähle ich für Blödsinn."
- Sissi, wo bleibst du? - Ich komme.
"Das Leben hier ist so hektisch. Ich werde abgeholt, diese Deppen.
Was soll man machen, die laden mich ein.
Morgen schreibe ich dir weiter. Schlaf schön, lieber, süßer Sputnik."
Hallo.
Na, freust du dich, dass wir dich mitnehmen zum Pferderennen?
Ja mei, scho.
"Liebste Sissi, dann schickt dir dein Sputnik eben einen neuen Kuchen.
Aber den musst du essen und dabei an ihn denken."
Na, was hat sie denn da? Oh!
"Liebste Sissi,
dann schickt dir dein Sputnik
eben einen neuen Kuchen, aber den..."
Was machst du da?
Das geht dich einen Dreck an. Raus.
Raus.
Ist ja schon gut, ist ja schon gut.
- Wollen wir nicht vielleicht doch... - Raus!
Er ahnte, dass sie untreu war und ein schlechtes Gewissen hatte.
Ich liebe dich. Du musst immer bei mir bleiben.
In derselben Nacht, so ein Eintrag in seinem Tagebuch,
zeugten sie ein Kind.
Na, magst du nicht mitkommen?
Sie hatte tatsächlich keinen Pfennig mehr.
Und wollte auf dem Strich Geld für die Abtreibung auftreiben.
Mein Vater machte der Sache ein Ende.
Und du? Magst du mitkommen?
Au!
Klaus.
Das ist kein Spaß, und heute ist nicht Fasching.
Das machst du nie wieder!
Das ist das letzte Mal, sonst bin ich weg, verstanden?
- Ob du das verstanden hast? - Verstanden.
- Was ist das? - Gegen die Kälte.
Jetzt werden erzieherische Maßnahmen getroffen.
Erstens...
Was hast du da im Mund? Spuck das Ding aus!
Erstens: Wir gehen zu dir, und du ziehst andere Kleidung an.
Zweitens: Wir gehen was essen. Drittens: Wir gehen zum Arzt.
Viertens: Wenn du wirklich schwanger sein solltest,
dann verlassen wir zusammen Wien,
wir gehen zu deinen Eltern und ich halte um deine Hand an.
- Ist das okay für dich? - Ist okay.
Lass das! Komm mit. Komm mit!
- Meinst du, wir sind hier richtig? - Sie hat uns herbestellt.
Überraschung!
- Hallo, Mama. - "Hallo, Mama."
Willst du deine Mutter nicht in den Arm nehmen?
Vorsicht, der Bauch.
Ach Quatsch. Wenn du wüsstest, wie robust Kinder sind.
- Nur rein, Schwiegersohn. - Guten Tag.
Na? Da staunt ihr, was?
Und jetzt passt auf.
Die Küche!
Das Schlafzimmer!
Voilà, das Wohnzimmer. Schön?
Und? Gefällt sie euch?
- Vielen Dank. - Vielen Dank.
Ja, du kannst dich bei deinem Vater bedanken.
Dem bösen Kapitalisten, der hat das alles bezahlt.
Na, wollt ihr sie haben?
Ja? Dann gehört sie euch eben ab jetzt.
Und das bin ich.
Schsch.
- Was soll das? Ich arbeite! - Warum lässt du ihn allein?
Er hat Hunger. Er muss gewickelt werden.
Tu das weg! Ich muss mich sonst übergeben.
Klar stinkt er, wenn du ihn nicht wickelst.
Würdest du auch, wenn man dich in deiner Scheiße liegen lassen würde.
- Gestillt hast du ihn auch nicht? - Was hast du von Brüsten wie Kuhfladen?
Ich will nicht im Rundfunk arbeiten.
- Ich will auch lieber nur schreiben! - Du bringst nichts zustande.
Was kann ich dafür, dass du ein Versager bist.
Warum holst du keine Milch, warum holst du keine Butter?
Wo ist das Klopapier, das du kaufen wolltest?
Ich wisch mir mit deinem Kleid den Arsch ab!
Soll ich ihn mir damit abwischen? Hol dir das Scheißding!
Hol es dir doch! Na, hol es dir! Komm her.
Du holst jetzt Klopapier, du holst jetzt Klopapier!
Du bewegst dich jetzt! Zum Klopapier geht's da lang!
Na, du kleines Äffchen?
Du! Dich nehm ich mit, dich nehm ich mit!
- Kikeriki. - Kikeriki?
Komm, Kikeriki. Kikeriki, Kikeriki, Kikeriki.
Du kleines Äffchen.
Sieht der nicht aus wie seine Oma? Der sieht aus wie ich.
Dich nehm ich mit, dich nehm ich mit!
- Kikeriki? - Kikeriki.
Kikeriki, Kikeriki, Kikeriki.
Der ganz normale Wahnsinn ging weiter.
Mein Vater hämmerte mechanisch in meine Mutter hinein
wie eine Dampfmaschine. Es schien ihr nichts auszumachen.
Ein faszinierender Vorgang.
Tja, mein Sohn, da staunst du.
Dein Vater vögelt deine Mutter.
Auf der nagelneuen Waschmaschine, die Oma uns geschenkt hat.
Für das Geld hätte ich ein halbes Jahr in Ruhe schreiben können.
- Ach komm, hör auf zu langweilen. - Wieso? Ist doch so.
Ja. Guck mal, mein Junge.
Deine Mutter hat immer noch ganz schöne Brüste.
Weißt du, warum? Weil sie dich nicht gestillt hat.
Komm, Kleiner, geh ins Bett und trink deine Milch.
Fällt dir wieder nichts ein, Vati?
Robert, mein Kleiner, du sollst mich doch nicht stören.
Geh und trink deine Milch.
Hallo, Robert.
Robert, warte.
Na, wer könnte das sein?
- Mama? - Genau.
Das ist keine Weltraumnutte, das ist deine Mutter.
Ich habe meinen Schlüssel vergessen.
Hast du wieder das Geld deiner Mutter für Roberts Geschenke
in sinnlose Klamottenkäufe investiert?
Können wir woanders diskutieren?
Robert, trink deine Milch und geh ins Bett.
Ich habe mich belohnt, weil ich was Gutes geschrieben habe.
Was du wohl nicht von dir behaupten kannst.
Als Letzte heute Abend wird eine junge Dame zu uns sprechen.
Sie steht nicht auf meiner Liste.
Sie ist mein Überraschungsgast. Doch jeder hier kennt sie.
Sie ist die Frau unseres geschätzten Kollegen Klaus Freytag.
Ich darf Gisela Ellers begrüßen.
Ich lese das achte Kapitel aus meinem Roman "Die Riesenzwerge".
Ich bitte Sie, den Text zu beurteilen,
nicht die Tatsache, dass eine Frau ihn schrieb.
Im Übrigen habe ich keine Angst vor Ihnen.
"Eins: Die Mahlzeit.
Mein Vater ist ein guter Esser. Er lässt sich nicht nötigen.
Er setzt sich an den Tisch.
Er zwängt sich den Serviettenzipfel hinter den Kragen.
Er stützt die Handflächen auf den Tisch, rechts und links neben den Teller,
rechts und links neben Messer und Gabel.
Er hebt das Gesäß ein wenig vom Sitz.
Dann greift er zu.
Er lädt sich auf mit der Vorlegegabel, mit dem Vorlegelöffel,
Gabel für Gabel, Löffel für Löffel,
er schneidet das Fleisch zu Happen, er gießt Soße darüber.
Er fängt an zu essen."
Vielen Dank.
Gut, ich rufe zur Pause.
Schonungslos. Schonungslos, böse und gemein.
Und doch so charmant.
- Ich fürchte mich vor Ihnen. - Das brauchen Sie nicht.
- Wenn Sie mich verschonen. - Im Gegenteil.
Wer so schreiben kann, dem lege ich die Welt zu Füßen.
Gratuliere, sehr beeindruckend.
- Ich habe übrigens eine neue... - Das freut uns.
Blanke Zeitvergeudung, so unbedeutend. Ich stelle Ihnen jemand Wichtigen vor.
Das, junge Dame, ist der berühmte Ledig-Rowohlt.
Na?
- Darf man gratulieren? - Ausnahmsweise.
Sie haben mir Appetit gemacht.
- Was in meinem Alter nicht oft vorkommt. - Liegt das an meinem Talent?
Unseld starrt zu uns herüber, soll ich Sie entführen?
Nein.
Bitte. Bitte bleiben Sie.
- Warum, wenn ich fragen darf? - Weil ich reich bin!
Und viel mächtiger.
- Aber das weiß ich doch. - Ja...
Außerdem kann er Glas zerbeißen.
Beweisen Sie das.
Aua.
Die Musik lauter.
- Ich möchte mit Ihnen tanzen. - Das werde ich mir überlegen.
Wo ist Mama?
Deine Mutter ist bei einem anderen Mann.
Iss dein Brot.
Wann kommt Mama wieder?
Das weiß niemand so genau.
Am allerwenigsten dein Vater.
Was willst du hier?
Denk nicht mal dran.
Ich darf mich nicht von meinem Sohn verabschieden?
Robert ist nicht mehr dein Kind.
Auf Wiedersehen, mein Kleiner. Wir sehen uns bald wieder.
Mama!
Wo will Mama hin?
Deine Mutter kommt nicht mehr wieder.
Trink die Milch.
Ich sollte sie erst als Erwachsener wiedersehen.
Während mein Vater in Schweigen versank,
trank ich in kleinsten Schlucken die Milch, die ich immer trank.
Mein Vater nähm mich mit nach Italien.
Meine Großeltern sollten mich von da abholen.
Das Hotel war in den hinteren Reihen. Vom Meer säh man nichts.
Wo ist das Meer, Vati?
Woher soll ich das wissen, Robert.
- Schau mal, die Kinder da drüben. - Man zeigt nicht auf Leute.
Was sind das für Kinder?
Das sind arme Kinder. Sie müssen Gras essen.
Siehst du die Waschmaschine da?
Sie zermalmt das Gras, damit sie es essen können.
Warum müssen die Kinder das essen?
Weil sie nichts anderes haben. Weil sie sonst verhungern.
Sie sind nicht so verwöhnt wie du,
der sich vor der Haut auf der Milch ekelt.
Lass dir das eine Lehre sein.
Ab morgen trinkst du die Haut mit, verstanden?
Ob du das verstanden hast.
Setz dich, mein Junge.
Hör mir zu. Dein Vater hat noch was zu erledigen.
Du bleibst hier und rührst dich nicht, bis ich dich hole.
Hast du das verstanden? Ja?
Klaus.
Das Essen ist fertig.
Setzt euch hin!
Ich habe Hunger!
- Was habe ich dir gesagt? - Du hast gelogen!
Die Kinder hatten gestern Spaghetti. Stimmt nicht, dass sie Gras essen.
Du trinkst jetzt sofort deine Milch aus.
Gut.
Dann kriegst du heute nichts mehr zu trinken.
Dann knallt dir die Sonne auf den Kopf, und du hast nichts zu trinken.
Wirst schon sehen.
Ich habe dir die Bilder der Biafra-Kinder nicht umsonst gezeigt!
Die verhungern und verdursten scharenweise.
Dicke Fliegen kleben auf ihren müden Augen.
Die verhungern in der Wüste.
Und mein Sohn ist sich zu schade, Milch mit etwas Haut drauf zu trinken?
Meint, nicht darüber nachdenken zu müssen,
dass er dankbar zu sein hat, dass er überhaupt was bekommt!
Mach ruhig weiter so, Robert.
Ich ging allein hinunter zum Strand.
Am Anfang ging es noch mit der Sonne, doch bald brannte sie auf mich herab.
Es gab nirgends Schutz, nur im Wasser.
Doch das war salzig und brannte noch mehr.
Bald umzingelten mich meine braven, fleißigen,
äußerst wohlgenährten Landsleute, die bald reglos im Sand schmorten,
um sich in krebsrote Fleischbrocken zu verwandeln.
Schließlich fand ich ein leeres Plätzchen für mich.
Oh. Oh, Gott.
Er muss sofort in den Schatten, er hat einen fürchterlichen Sonnenbrand.
Ich brauch nichts, danke.
Ich brauch nichts, danke!
Was wollen Sie?
Papa.
Wir fahren jetzt und den Jungen nehmen wir mit.
Ich komm gleich runter.
Mama will dich sicher nicht sehen, so, wie du ihn vernachlässigt hast.
Wir sind wirklich sehr enttäuscht von dir.
Papa, warte. Papa!
Jetzt warte doch. Papa, es tut mir leid.
Mami. Papa, jetzt warte doch mal, bitte!
Bitte, warte doch mal.
Mami, Mami!
Mami, es tut mir leid! Papa!
Es tut mir leid!
So, jetzt zeige ich dir mal dein neues Zuhause.
Und? Gefällt's dir hier?
Ich glaube, es gefällt ihm hier bei uns.
Nicht so fest. Nicht so fest.
Ich hatte sofort das Gefühl, hier in Sicherheit zu sein.
Dankbarkeit überwältigte mich.
Hast du mich lieb, Omi?
Ja, mein Junge, ich hab dich sehr lieb.
Darf ich auch immer hier bleiben?
Ja, mein Junge, das darfst du.
So, jetzt sieht er wieder normal aus.
- Wo war der Junge denn überhaupt, Erich? - Bei seinem Vater.
Hoffentlich hat er keinen bleibenden Schaden.
Das hat er nicht. Dafür werde ich sorgen.
Na ja, wir werden die Welt auch nicht mehr ändern.
So.
Jetzt siehst du wieder normal aus.
Kikeriki!
Es gab viel zu entdecken hier oben.
Tiere zum Beispiel, die ich vorher noch nie gesehen hatte.
Ich streifte den ganzen Tag herum.
Nichts hatte mich seit Langem so glücklich gemacht.
Der kühle Wind linderte meinen Schmerz und heilte meine Wunden.
Ich fühlte, nach langer, dunkler Reise
war ich endlich angekommen im Paradies.
Irgendwann kamen die Werners aus den Ferien zurück.
Wer ist das, Omi?
Das sind die Werners.
Bringst du das rein zu Mami? Okay.
Und wer ist das?
- Das kleine Mädchen heißt Laura. - Hallo, Elisabeth.
- Ich will auch helfen. - Da, nimm. Warte, halt.
Und wer ist das?
- Das ist Frau Werner. - Hallo.
Hey. Na, kleiner Mann?
- Was machen Sie da? - Ich mauere meine Garage.
- Darf ich auch mal? - Willst du auch?
Dann komm mal her.
So. Komm mal her.
- Kriegst eine Kelle. Hier. - Ja.
Genau.
Einfach oben mehr. Kipp ihn um.
- Und... - So.
- Das machst du sehr gut, Junge. - Es gibt Abendessen.
Ich komme.
Mach schön weiter, Kleiner. Das machst du gut.
Zu Hause ist es am schönsten.
- Willst du ein bisschen? - Ja, gerne.
- Und im Zelt fände ich... - Ja.
- Wo fahren wir nächstes Jahr hin? - Spanien.
- N'Abend, Walter. - Erich.
Wir müssen was gegen die Maulwürfe tun.
- Die machen uns die Wiese kaputt. - Alles klar.
So, jetzt das Kabel noch ran.
So, Robert jetzt pass auf.
Die pumpen wir in die Luft.
Die Mistviecher machen keine Wiese mehr kaputt.
Darf ich auch mal?
- Von mir aus. - Komm, drauf, aber fest.
Deckung!
Einen noch.
Wo sind die Kadaver?
Das gibt's doch nicht, Walter.
Habe keine Ahnung, Erich.
- Wo sind die Viecher? - Ich kann nichts dafür.
Die sind schlauer als wir. Die werden uns fertigmachen.
- Mein Großvater war nämlich im Krieg. - Ach so.
- Wie heißt du denn? - Laura.
- Ich muss jetzt aber gehen. Tschüss. - Tschüss.
Adelheid, Adelheid Schenk mir einen Gartenzwerg
Mit 'ner Zipfelmütze!
Adelheid, Adelheid
Einen kleinen Gartenzwerg
Mit 'ner Gartenspritze!
Adelheid, Adelheid
Bitte tu ein gutes Werk
Und schenk mir für mein Rosenbeet
Einen kleinen Gartenzwerg!
Jeden Morgen ließ Frau Werner Wasser in die Wanne,
damit es am Abend, wenn Herr Werner sein Bad nähm, schön warm war.
Auf, nächster her.
Du bist aber stark.
- Schatz, wie wäre es mit einem Bad? - Ah, immer wieder gerne!
Juhu!
Nein, nein, nein!
Wollen wir auch baden?
- Soll ich dir einen Stern schenken? - Ja, welchen denn?
Den ganz hellen da, den Abendstern.
- Danke, und ich schenke dir... - Welchen?
Die ganze Milchstraße.
Danke, danke, danke.
Nein! Nein!
- Jetzt hör mir mal einen Augenblick zu. - Nein!
Ich will hier nicht weg! Ich will hier nicht weg!
- Robert, du solltest nie länger bleiben. - Du lügst!
Es stimmt doch nicht, oder Omi?
Könnt ihr ihm das besser erklären?
Wann geht die Maschine?
In einer Stunde.
Jetzt verabschiede dich von Omi und Opi.
Laura! Laura!
- Laura! - Robert!
Robert, jetzt komm mit. Los, komm mit.
Komm mit. Komm!
Laura, Laura!
- Komm jetzt. Komm! - Laura!
Jetzt ist mal Schluss! Setz dich rein.
Danke sehr.
Berlin in den 60ern war schon ein sehr fremder, grauer Ort.
Sehr weit weg von allem, was mir vertraut war.
Er strahlte eine große Tristesse aus.
Ganze Tage lief ich im Kreis in der verlassenen Wohnung herum.
- Was ist das? - Das ist der Grenzübergang.
Guck es dir genau an. Das ist das Ende von Westberlin.
Wo ist Stein? Wo sind Omi und Opi?
Ganz, ganz weit weg, in Westdeutschland.
Darf ich Omi anrufen?
Die Omi hat kein Telefon mehr, mein Sohn.
Ich hab dir doch gesagt, Papa muss nachdenken.
Worauf wartest du? Geh ins Bett.
Können Sie mir sagen, wie ich nach Westdeutschland komme?
Was willst du in Wessiland? Da hinten geht's zu Toms Bar.
Können Sie mir sagen, wie ich nach Stein komme?
Na, hast du dich verlaufen?
Ich möchte nach Westdeutschland in den Ort Stein.
Was willst du? Hast du denn auch einen Ausweis?
Nein. Sie lassen mich jetzt durch.
Kollege, komm her, hier gibt es was zu lachen.
He, bleib stehen! Los, hinterher. Mensch, mach doch!
Halt, Junge, bleib stehen!
Na komm, bleib stehen!
Nicht weglaufen!
- Halt! Du bleibst stehen. - Ruhig.
Halt, stehen bleiben!
Du kommst mit.
Das machst du nie wieder! Hast du mich verstanden?
- Tag, Klaus. - Komm rein.
Siehst du? Das ist die Dorothea.
- Das ist mein Sohn. - Bist du dir sicher?
Sicher sind sich nur die Dummen. Hm, mein Kleiner?
Die Dorothea ist sehr hübsch, ich weiß.
Jetzt geh ins Bett, mein Kleiner.
Komm schon.
Nein, du befriedigst jetzt mich.
Zuerst die Klitoris.
Ja, wen haben wir denn da?
Robert, mein Sohn.
Komm, geh ins Bett. Dein Vater ist etwas betrunken.
Na, willst du herkommen und dir das ansehen?
Willst du die Erektion deines Vaters anfassen?
Das ist was ganz Natürliches, hatten schon die Steinzeitmenschen.
Du darfst mich auch mal anfassen. Schau mal.
Das ist meine Möse.
Und da ist mein Kitzler. Willst du den mal anfassen?
Na gut.
Dann vögel mich jetzt, Klaus. Klären wir ihn richtig auf.
Oh Gott, nimm mich.
- Nein, ich meine das ernst. - Was?
Ich meine das ganz ernst.
Du schreibst Sätze, da wäre die Bachmann blass vor Neid.
- Wirklich? - Ja. Ich bin Lektor, Süße.
Ich sehe aus wie ein Arbeiter, aber ich bin Lektor.
- Du bist aber ganz schön eingebildet. - Siehst du diese Hände hier?
Das sind Porzellandreherhände.
Ich schlief keine Nacht.
- Warum bist du nicht in der Schule? - Ich bin müde.
So wirst du sitzenbleiben.
Dann musst du auf die Hilfsschule. Willst du das?
Es vergingen drei Jähre.
Während mein Vater die Zukunft der Literatur diskutierte,
sank ich ins Berliner Subproletariat ab.
Halt die Schnauze, du Pissnelke, sonst frisst du Sand!
Fette Sau. Alte Memme.
Die Alte!
- Lass das jetzt! - Halt deine Schnauze!
Die Alte kackt in die Hose!
Fresse jetzt!
Los, komm.
Los, komm!
Mein Vater, komm.
Was guckst du so doof, rein. Los, rein da!
Der kommt mir nicht mit in die Bude.
Eines Tages, mein Vater hatte mich allein gelassen,
stand ich vor der ekligen Bohnensuppe, die er für die ganze Woche kochte,
als es an der Tür klingelte.
- Was kann ich für Sie tun? - Ich bin der Herr Kleptocek.
Der Fahrer von deinen Großeltern.
- Meine Großeltern haben keinen Fahrer. - Doch, doch, mein Junge.
Sonst wäre ich ja nicht da.
Du kannst dich nur nicht mehr daran erinnern.
Du warst schon mal bei uns, als du noch ganz klein warst.
Deine Großeltern würden dich so gern mal sehen.
Ja, hast du ein bisschen Zeit?
- Ja. - Ja.
Ich bin gleich wieder da, kleiner Mann.
Ich lass deiner Oma schnell Bescheid sagen.
Sie ist gleich da.
Ja, da freust du dich kleiner Mann, da freust du dich!
Deine Oma ist gleich da! Deine Oma ist gleich da!
Deine Oma ist gleich da!
- Da kommt sie ja, die Frau Doktor. - Was machen Sie da?
- Das Robertle ist da. - Sie Kindskopf.
Haben Sie eine Schraube locker?
Das ist nur der Kleptocek, und ich bin deine Oma.
Erkennst du mich noch?
Kein Wunder, ist ja auch lange her.
Sag mal, du bist ja ganz dünn geworden.
Bekommst du nicht genug zu essen?
Willst du einen Kakao?
Na, du hast ja einen Hunger.
Da werden wir dir bald was Neues zum Anziehen kaufen müssen.
- Warst du schon mal im KaDeWe? - Im KaDeWe?
Das will eine Freundin von Papi in die Luft sprengen.
Na, du bist ja ein lustiger Vogel.
Passt denn der Papa gut auf dich auf?
Mein Vater ist den ganzen Tag nicht da und abends geht er auch oft weg.
Stimmt das?
Kleptocek, fahren Sie mal in die Wohnung.
- Überprüfen Sie, wann der Vater kommt. - Und der Herr Doktor?
Der kann heute mal mit dem Taxi fahren.
Jawohl, gnädige Frau.
Komm mal zu deiner Oma, hm? Komm mal ganz dicht an mich ran.
- Und der Cognac. - Geben Sie schon her!
Hildchen.
Wie geht es dir, hattest du einen schönen Tag?
- Jetzt guck doch mal, wer da ist. - Ja.
Das Robertle. Du bist aber groß geworden. Na?
Kennst du deinen Großvater noch? Nein?
Nun, ich bin dein Großvater.
Na, kleiner Mann, hast du Hunger?
Maître!
Einen Tisch im Restaurant am Fenster,
meine Frau möchte auf den Ku'damm schauen.
- Jawohl, Herr Doktor, sehr gern. - Worauf warten Sie noch?
Ich möchte meinen Cognac noch in Ruhe austrinken.
Wenn du keine Zeit hast, geh gerne schon vor.
- Ich wollte nur vorbestellen. - Sei freundlicher mit dem Personal.
- Aber ich... - Jetzt sei endlich still!
Du hast mir die Laune am Cognac verdorben!
Wir lassen uns aber die Laune nicht verderben.
Du musst die Karte umdrehen, sonst kannst du doch nicht lesen.
- Robertle, wie alt bist du denn jetzt? - Sieben.
Der Junge ist ja noch klein. Komm, ich lese dir die Karte vor.
Tartelette vom Thunfisch auf Wurzelsalat.
Felsenrotbarbe aus der Bretagne auf Gemüsecassoulet.
Kein Mensch hier am Tisch isst Fisch.
Lies mal das Fleisch vor.
Coq au Vin.
Frühjahrspoularde. Schweinelendchen mit Pfifferlingen.
- Bœuf Stroganoff. - Ah! Bœuf Stroganoff.
Das ist was für dich. Mit Pommes frites.
Au ja, ich liebe Pommes.
Bœuf Stroganoff für den jungen Herrn.
Für die gnädige Frau das Coq au Vin.
Für den Herrn die Forelle.
Ich konnte wenig mit dem blutigen Klumpen anfangen.
Ich ließ ihn links liegen und fiel über die Pommes her.
Den Klumpen aß meine Oma.
Darf ich noch eine Portion Pommes haben?
Natürlich.
Noch eine Portion Pommes, bitte.
Donnerwetter, vier Portionen, du bist ein Weltmeister im Essen.
Es war sehr gut, das Kempinski ist eine Wucht.
Ja!
Robertle, was machst du denn da?
Ich will nicht zurück, ich will hier bleiben, bei euch.
Wir müssten aber seinen Vater anrufen.
Nicht anrufen! Sonst holt er mich, das hat er schon einmal getan.
Herr Freytag ist immer noch nicht da.
Ich kann natürlich noch mal zurückfahren.
Sie können jetzt gehen Kleptocek, danke.
Danke, Frau Doktor. Ich hol Sie dann morgen früh ab.
Gute Nacht, Frau Doktor, Herr Doktor. Gute Nacht, kleiner Mann.
Komm mal raus zur Oma.
Du bleibst jetzt erst mal bei uns, und morgen sehen wir weiter.
Ich will immer bei dir bleiben, Omi, hast du mich lieb?
Ich hab dich sogar sehr, sehr lieb, kleiner Mann.
Das ist jetzt unser bestes Modell.
Pferdeleder, wunderbar weich. Der junge Mann weiß, was er will.
Das hat er von mir. Das Teuerste ist immer das Billigste.
Wie wahr, meine Dame, wie wahr. Geh mal ein paar Schritte.
Die alten Dinger da können Sie wegwerfen.
Aufwachen, kleiner Mann. Wir sind da!
Und? Gefällt's dir?
Da staunst du, was?
Hier wohnen Leute, die es zu was gebracht haben.
Hast du etwa Angst? Das ist nur der Micha.
Der tut nichts. Komm mal her, na komm.
Micha, Micha!
Du wirst dem Jungen doch nichts tun?
Das ist deine Tante Erika.
- Na, sag mal Guten Tag. - Guten Tag, Robert.
- Guten Tag. - Guten Abend, Mutter.
Wie siehst du denn wieder aus? Was hast du mit deinen Haaren gemacht?
Komm mal, kleiner Mann.
- Du freust dich ja gar nicht. - Natürlich freu ich mich.
- Warum ziehst du ein Gesicht? - Ich zieh kein Gesicht!
"Ich zieh kein Gesicht!"
Brauchen Sie mich noch?
- Sie können gehen. - Sehr freundlich.
- Nein, nein, auf gar keinen Fall. - Seien Sie doch vernünftig.
- Wer fleißig ist, der wird belohnt. - Nein, um Gottes willen.
Das ist doch nicht nötig.
- Nein, Frau Doktor. - Klepto...
Jedes Wochenende dasselbe.
Kleptocek.
Das ist viel zu viel, das kann ich nicht annehmen.
Aber Danke schön, danke vielmals.
Auf Wiedersehen, gnä' Frau, auf Wiedersehen.
Auf Wiedersehen.
Und? Hast du den Wein kalt gestellt?
Was? Hast du wieder vergessen, den Wein kalt zu stellen?
Also... Hä?
Du...
Was fällt dir ein? Du kommst sofort wieder runter.
- Sonst kannst du was erleben! - Aber Hildchen.
"Aber Hildchen!"
Das hast du jetzt davon, dass du sie immer so verwöhnst.
Worauf wartest du? Spring hinterher und tröste dein geliebtes Töchterchen!
Ich war vom Regen in die Traufe gekommen.
Immer mehr sind für die SPD.
Wissenschaftler und Erfinder. Soldaten und Pfarrer.
Sportler und Industrielle. Fernsehstars.
Für die vielen Zeichen der Sympathie, des Engagements
und der Zivilcourage möchte ich mich bedanken.
Idiot! Keine Ahnung von Wirtschaft, aber das Maul aufreißen.
Abknallen sollte man den, wie einen räudigen Hund.
Oma, warum schimpft der Opa denn so?
Weil der Opa gar keinen Humor hat.
Ich bitte um dieses Vertrauen...
Der lügt doch wie gedruckt.
Kein Wunder, dass dieses Land vor die Hunde geht.
Opa, warum machst du denn so ein böses Gesicht?
Denkst du, das ist schön, wo sich Omi so viel Mühe beim Sauerbraten gibt?
- Halt die Klappe. - Warum soll er die Klappe halten?
Er hat ja recht.
Sieh mal, Omi, wie er den Sauerbraten hineinschlingt.
Er schätzt deine Mühe gar nicht.
Ich lass mir das nicht länger gefallen!
- Irgendwann... - Irgendwann was?
Martin. Jetzt komm, setz dich.
Ich erwarte etwas Dankbarkeit. Wir haben dich hierher geholt!
Die Omi hat mich her geholt. Du hast nur getan, was sie gesagt hat.
Also gehorch weiterhin und halt brav deinen Mund.
Fang mich doch. Ich bin viel schneller als du.
Komm runter, sonst setzt es eine Tracht Prügel!
- Nicht so aggressiv. - Lass mich!
Hörst du nicht? Ich sag es nicht noch mal!
Komm auf der Stelle runter!
Oma hat gesagt, Opa hat einen winzigen Pimmel.
Oma verlangte, dass ich mich bei ihm entschuldige.
Opa?
Was willst du?
Ich will mich bei dir entschuldigen.
Trotz der Anstrengungen lernten wir nicht, uns zu mögen.
Ein von Ratio geprägter Erfolgsmensch
und ein Faulpelz, dem Autorität gleichgültig war,
das passte irgendwie nicht zusammen.
Ein paar Jähre ging es noch gut. Dann kam es zum endgültigen Eklat.
Nichts bewegte sich in der Scheißvilla, und das seit Jahren.
Es war ein Sumpf aus Tobsuchtsanfällen, Migräneattacken
und anschließender Friedhofsstille.
Ein Tag war schlimmer als der andere.
Nie würde hier etwas passieren. Stagnation total.
Ich war eine vor Frust, Überdruss und Langeweile berstende Batterie.
Ich stand unter Starkstrom. Irgendwas musste passieren.
Wenn Sie "Marxist"hören,
geht es Ihnen so, wie Göbbels damit operiert hat.
Vollidiot von einem Kommunisten.
Denen gehört die Hand abgehackt.
Die klauen von denen, die was leisten.
Wer rausgeht, muss wieder reinkommen. - Prost!
Na warte, Bürschchen!
Fuck!
Fang mich doch. Ich bin viel schneller als du.
- Mach auf. - Jetzt hör auf!
Willst du ihn umbringen?
Mach sofort die Tür auf!
Aus dem Weg.
Du verlässt sofort dieses Haus!
Wenn du nicht sofort packst, passiert ein Unglück!
Free Angela Davis! Free Angela Davis!
Kommunistische Hetzparolen in meinem Haus.
Das ist ein Skandal!
Mach auf. Ich bin's.
Robert, so geht das nicht.
- Ist klar. - Nein, du hast den Bogen überspannt.
- Ah, ah mein Herz. - Omi.
- Omi, was hast du denn? - Schon wieder gut, schon wieder gut.
- Ich dachte, du bist jetzt auch links. - So ein Quatsch.
Ich habe dir nur alles durchgehen lassen.
Komm, lass uns Musik hören.
Creedence Clearwater. Jimi Hendrix.
"Heart of Gold"von Neil Young, das hörst du doch so gern.
Robert, du musst hier weg.
Dein Großvater will dich hier nicht mehr sehen.
Ich werde dir ein Internat besorgen müssen.
Ach komm, Omi.
Was machst du denn für Sachen?
Deine Großmutter Hildegard hat angerufen.
Es tut mir leid, hab einen Fehler gemacht.
Hat der lange Haare? Hat der lange Haare?
Schneid dir die Haare, sonst brauchen wir nicht weiter zu reden.
Jetzt geht er zu seinen Briefmarken. Wird immer schlimmer.
Arme Oma.
Schön, dass du uns besuchst, bevor du ins Internat musst.
Warst du schon bei Laura?
Laura, schau mal, wer da ist.
Hallo.
Grüß dich, Laura.
Setz dich erst mal.
Magst du was zu trinken?
Ist Herr Werner nicht da?
Er liegt im Krankenhaus.
Lungenkrebs. Im Endstadium.
Jahrelang hat er gehustet.
Wir dachten, eine Dauerbronchitis, weil er so viel rauchte.
Na ja, so ist es nun mal.
- Scheiße! So eine Scheiße! - Hör auf mit dem Quatsch.
Du tust dir doch weh.
Entschuldigung. Aber so eine Scheiße, was soll ich sonst sagen?
- Fahren wir zu ihm? - Es ist keine Besuchszeit.
Ist doch scheißegal!
Ich muss erst fertig putzen.
Was schreibst denn du da?
"Was mich am meisten beeindruckt hat."
Wir waren auf Klassenfahrt in München. Ich hab die Alte Pinakothek angesehen.
Da ist mir bei einem Maler aus unserer Gegend etwas aufgefallen.
Was denn?
- Siehst du das Gemälde hier? - Mhm.
An was erinnert dich das?
Sieh genau hin.
Das ist der Mäusegraben, mit dem Walberla dahinter.
Hier, wo er den Wasserfall gemalt hat, steht das Haus von Kirchehrenbach.
Und da, wo wir immer Schlitten fuhren, oben auf dem Hang,
da hat er seine Staffelei aufgestellt.
Ich war erstaunt, wie sie sich entwickelt hatte.
Woher hatte sie all diese Gedanken?
War sie viel schlauer als ich? Und wahnsinnig intelligent?
- Was guckst du so? - Nichts.
- Wie heißt der Maler? - Willst du das wirklich wissen?
Altdorfer ist sein Name. Kennst du ihn?
Ich habe ihn angerufen. Wir können von mir aus gehen.
Ich mache mich nur noch kurz fertig.
Sie zog ihr Sommerkleid an, das sie früher für ihn angezogen hatte.
Mein Gott, war das alles traurig.
Dich werde ich eines Tages heiraten,
dachte ich plötzlich mit zusammengebissenen Zähnen.
Ich werde, wenn ich alt bin, an dieser Garagenwand lehnen,
wie damals Herr Werner.
Seine Biersorte trinken und seine Zigarettenmarke rauchen.
Das schwöre ich.
Herr Werner erwartete uns. Er hatte sich fein gemacht.
Er hatte seine besten Sachen angezogen, um uns zu empfangen.
Er hatte immer noch Stil und war noch der gleiche Gentleman.
Gib mir mal 'ne Kippe, komm.
Musst nicht weinen. Ich bin bald wieder daheim.
Weißt du noch, früher?
Mit der Badewanne?
Das machen wir wieder.
Robert.
Mensch Kinder, kommt her.
- Schön, dass du wieder da bist. - Ja, ich bin wieder da.
Hört mal.
Weißt du noch? Das hörten wir, als du mir beim Mauern halfst.
Das hilft, seht ihr? Das hilft.
Komm.
Komm, zieh mal, mein Schätzchen.
Das hilft, gell? Das tut gut.
Er gab ihr seine Zigarette,
wie man einem Baby, um es zu beruhigen, seinen Schnuller gibt.
Ich liebe dich.
Ich liebe dich auch.
In diesem Moment ging unsere Kindheit zu Ende.
Laura! Laura!
Laura, komm raus.
Komm schon. Jetzt komm doch!
- Was ist denn? - Zieh dir ein Kleid an.
- Das schönste, das du hast. - Aber warum denn?
Jetzt komm schon, komm. Ja, komm!
- Was hast du vor? - Das wirst du schon sehen.
Komm hinein, Laura. Jetzt komm schon, komm!
Komm hier rein. Komm!
Du wirst sehen, es ist ganz warm.
Das Internat war ein Auffanglager
für abgeschobene Kinder aus der Mittelschicht.
Eine Art Besserungsanstalt.
Da war der Precht, der nachts seine Knochen wachsen hörte.
Der Arzt verordnete ihm Valium und Wachstumsblocker.
Sie standen vor dem Bett, neben Körnern, die dem Knochenaufbau dienten.
Da war Ackermann bei seiner nächtlichen Clerasil-Maske.
Scheiß Pickel!
Und dann gab es noch Gries, einen echten Freak.
Er hatte eine Hitlerfrisur und roch wie aus dem Grab auferstanden.
Er las Landserhefte und bastelte Panzer und Stuka-Modelle zusammen.
Das Einzige, was ihn interessierte, war das Dritte Reich.
Seine Wichsvorlage war Großadmiral Dönitz.
Aber immerhin lernte ich Schwarz kennen.
"Heiße Magister, heiße Doktor gar.
Und ziehe schon an die zehn Jahr,
herauf, herab und quer und krumm
meine Schüler an der Nase herum."
Herr Ackermann!
Warum glauben Sie wohl, kam Faust dahin, Vernunft und Wissenschaft,
des Menschen allerhöchste Kraft, zu verachten?
Tangiert mich doch nicht.
Ackermann, sechs.
Hat jemand eine bessere Antwort? Ja, Wittich.
Er vermisst menschlichen Kontakt und Liebe.
Sehr gut, Wittich.
Au!
Wer war das?
Freytag, mein lieber Freytag...
Wittich redet Schwachsinn. Ackermann ist intelligenter.
Er hätte es viel besser formuliert. Hätte er nicht gepennt.
Halten Sie doch einfach lhren Mund, Freytag.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz, sagen Sie uns doch in eigenen Worten,
was Faust damit meint
und wie er uns in die inneren Abgründe seines Wesens führt.
Kannst gleich meine Faust in deinem Arsch haben.
Der Song ist ein Dosenöffner, kapiert?
Nee, was soll das heißen?
Noch nie eine Muschi geleckt?
Soll ich dir eine besorgen?
Kein Problem.
Kannst ja mal mitkommen, wenn ich aufreißen geh.
Hör mal zu, du musst mich irgendwie durch die Prüfungen bringen.
Am besten unser ganzes Zimmer.
Noch mal sitzenbleiben kann sich keiner von uns leisten.
Ja, ist klar.
Weißt du schon, was du später werden willst?
Künstler irgendwie. Und du?
Zuhälter.
Apropos einlochen. Ich glaub, ich geh jetzt mal einlochen.
Wollen wir uns mal kennenlernen?
Alle bestanden. Wundem haben wir das zu verdanken?
Reich mir die Flosse, Volksgenosse.
- Ist die feucht. - Das muss gefeiert werden.
- Ja, auf Robert. - Robert.
Ich weiß auch schon, wo.
Schaut mal her, das Robertle.
Ist das schön. Was bist du groß geworden, mein Bub.
Schauen Sie, Herr Direktor, das Robertle.
Hi, Opi! Glückwunsch zum Siebzigsten.
- Wie du wieder aussiehst. - Lass doch. Freu dich, dass er da ist.
Ich habe ein paar Freunde mitgebracht.
Das ist Gries, ein Klassenkamerad.
Gnädige Frau.
Erlaube mir, Ihnen zum Ehrentag zu gratulieren.
Sie sammeln das Deutsche Reich?
Sie interessieren sich für Briefmarken?
Eher für Panzermodelle der deutschen Armee.
Du weißt doch, mein Großvater war an der Ostfront.
- Division? - Afrikakorps, Rommel.
- Besetzte Gebiete im Osten? - Die sechste Armee.
Besonders das 24. Panzerkorps unter General Willibald von Langermann.
- Ah, der Vorstoß. - Der Vorstoß.
Guter Mann.
Schau mal, das ist meine Enkelin Anita. Da guckst du, gell?
Das wird dein Abend, Robbie, ne?
Danke für die Einladung und gute Nacht.
Ich muss leider nach Hause.
Laura!
Ich dachte schon, du kennst mich nicht mehr.
- Doch... Ich wollt dir ja schreiben. - Gib dir keine Mühe.
- Ihr kennt euch? - Aus der Kindheit.
Dann setz dich doch. Roberts Freunde sind meine Freunde.
Na gut, auf ein Bier.
Oh nee. Bitte nicht schon wieder dieser Song.
Den habe ich heute schon zehnmal gehört.
Was würdest du denn gern hören?
- Darf ich deine Top Ten erraten? - Okay.
Bei drei Treffern hast du einen Tanz frei.
- Schaffst du doch nie. - Wir werden sehen.
- Aber du musst ehrlich sein, okay? - Okay.
Zum Beispiel Rod Stewart, "I Am Sailing".
Stimmt.
Cat Stevens, "Morning Has Broken".
- Das war einfach. - Na gut, dann was Spezielleres.
"Hotel California".
- Was ist dabei so speziell? - War's richtig?
- Ja. - Machen wir weiter, bis ich zehn habe?
Das schaffst du nie.
"Angie". "Children of the Revolution". "Stairway to Heaven".
- "Nightfever". "Hurricane". - Genau.
"I Shot the Sheriff". "AHeart of Gold".
"48 Crash". "I'm on Fire".
- Woher weißt du das alles? - Soll ich ehrlich sein?
Mein Vater hat eine Disko, da leg ich auf.
Joe Cocker kommt in unser Kaff. Ich hab noch ein Ticket. Hast du Lust?
- In welchem Kaff wohnst du denn? - Würzburg.
- Das nennst du Kaff? - Na gut, im Gegensatz zu Berlin.
- Wo ich demnächst hingehen werde. - Nach Berlin?
Jetzt reicht's. Jetzt mal was Richtiges.
Leg mal "Daddy Cool" auf.
Leute, jetzt will ich tanzen.
Darf ich bitten? Komm du mal mit. Na komm.
- Ist ein toller Typ, den du da kennst. - Findest du, ja?
- Du nicht? - Aber du ja offenbar.
Warum sagt er dann, du wärst sein Freund?
Ich half ihm, das Schuljahr zu bestehen. Ist keine Intelligenzbestie.
Mein größtes Vorbild war ohne Zweifel Reichsadmiral von Dönitz.
Der ja, was seine Treue zum Führer anging,
noch viel weiter gegangen ist als Rommel...
oder irgendjemand...
Haben Sie sehr schön gesagt. Ganz tadellos.
Komm, Erich, wir gehen.
Erich. Komm, wir gehen.
- Na? - Was willst du?
Ich geh jetzt. Magst du mich noch ein Stück zum Bus begleiten?
Okay.
- Wie findest du denn eigentlich Schwarz? - Schwarz heißt er?
- Ganz nett. - Mehr nicht?
Nein, natürlich nicht. Wieso?
Zu "I'd Love You to Want Me" tanzt man nur, wenn man verliebt ist.
Bist du so eifersüchtig?
Ich hätte das niemals mit wem getanzt, in den ich nicht verliebt wäre.
Robert.
Ich hätte viel lieber mit dir dazu getanzt.
Wirklich?
Der Bus kommt.
- Du kannst mich ja mal besuchen kommen. - Mhm, mach ich.
Jetzt hör mir mal gut zu, mein Junge, ja?
Die Oma... Die Oma Hildegard, die ist tot.
- Was? - Ja, schöne Scheiße ist das, ich weiß.
Dein Großvater weigert sich, weiter fürs Internat zu bezahlen.
Das hast du dir ja selber eingebrockt.
Was ich sagen will: Ich kann es nicht bezahlen,
deine Mutter schon gar nicht, also du kannst es dir aussuchen.
Du kommst nach Berlin oder du arbeitest in einer Fabrik.
Hm, Robert?
Hallo? Robert?
"Da antwortet Jesus und sprach:
Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho..."
Kleine Spende?
Fürs Internat?
Bitte eine kleine Spende.
Dass ich weiter aufs Internat gehen kann.
Fürs Internat.
- Wie geht's mit dir jetzt weiter? - Keine Ahnung.
- Und bei dir? - Na ja, ich hab drei Miezen in Würzburg.
Eine davon schick ich im Herbst auf den Strich.
Falls du Probleme hast.
- Du hast meine Nummer. - Danke.
Alter, mach's gut. Meine Stute wartet schon.
Ja. Ist klar.
- Hallo. - Hab den Bus verpasst, bin gelaufen.
Hast du schlechte Laune?
Nein, gar nicht.
- Meine Großmutter ist tot. - Oh je, tut mir leid.
Mein Vater gibt mir kein Geld mehr fürs Internat.
- Du Ärmster. - Jetzt muss ich in der Fabrik arbeiten.
Und du? Was machst du?
Ich hab mir überlegt, doch keine Ferienarbeit zu machen.
Ich will lieber für mein Stipendium lernen.
Was? Du gehst also nicht in die Fabrik?
Morgen verschwinde ich, was will ich denn hier?
- Ich gehöre sowieso nicht hierher. - Sei doch nicht böse.
Wir können viel Zeit miteinander verbringen.
Marx hatte recht.
Die ökonomischen Verhältnisse bestimmen das Denken, nicht andersrum.
Es war vollkommener Schwachsinn herzukommen.
Na gut.
Hallo. Na?
Na?
Ich hab mir Folgendes überlegt:
Wenn ich das Stipendium bekomme, dann teile ich es mit dir.
Dann kannst du weiter zur Schule gehen.
- Das hast du dir überlegt? - Du kannst mir beim Lernen helfen.
- Damit ich es schaffe. - Ich?
Na ja, jetzt, wo du so ein Superschüler bist.
Warum hat sich die flämische Malerei so autark entwickelt?
Nun, das ist eine sehr allgemeine Frage.
Ich würde sagen, es liegt vor allem an Bruegel.
Er entwickelte die Zentralperspektive.
Betrachtet man die Winterlandschaft, dann merkt man,
dass es Bruegel nicht so sehr auf eine authentische Wiedergabe ankam,
sondern auf eine subjektive Durchdringung des Ganzen.
Meiner Meinung nach ist es eine Allegorie auf die Kindheit.
Aber wie gesagt, das ist meine Interpretation.
Ach ja, ist es das?
Hey.
Hey.
Ich ließ etwas Saft ab.
Man wird wohl impotent,
wenn sich der Samen zu lange in den engen Hosen staut.
Hallo, Frau Werner.
Hallo.
- Können wir weitermachen? - Selbstverständlich.
- Wo waren wir? - Zentralperspektive.
Genau.
Ich hab eine Überraschung für dich.
Na? Gefällt dir das noch?
Darauf wolltest du doch mit mir tanzen.
- Aber, ich kann gar nicht... - Das geht ganz einfach.
Komm her.
So, jetzt ist es genug.
Das kannst du doch nicht machen!
Wenn du mich ständig abhältst, mach ich es mit 'ner anderen.
Sei still! Wenn meine Mutter das hört.
Was soll sie denken, was wir die ganze Zeit machen?
Glaubst du, es macht mir Spaß, hier lernen zu müssen,
während die anderen sich in Italien am Strand tummeln?
Ständig behelligt mich meine Mutter, was wir machen.
Ich weiß, was du denkst.
Dass ich nicht zeitgemäß bin.
Und dass das, was wir machen, nicht zeitgemäß ist.
Das... das denk ich doch gar nicht.
Aber wenn es dir nicht genügt,
und du mich nicht lieb genug hast, musst du es mit einer anderen versuchen.
Das würd ich niemals, niemals!
Bitte glaub mir das.
Ich verspreche dir, ich warte, bis du es willst.
Aber ich will es ja.
Ich will es ja!
Aber noch nicht jetzt.
Es ist doch viel schöner, noch zu warten.
Außerdem, ist es denn wirklich so wichtig?
Denkst du denn gar nicht daran?
Natürlich denk ich dran.
Aber ich finde es genauso schön, spazieren zu gehen.
Ich denk viel öfter, dass ich mit keinem meine Zeit verbringen will als mit dir.
Magst du mich denn körperlich gar nicht?
Doch, sogar sehr.
Du Dummkopf.
Robert?
Ja, Frau Werner?
Komm mit rüber. Deiner Omi geht es nicht gut.
Omi!
Opi! Opi!
Oma ist zusammengebrochen. Ich weiß nicht, was sie hat.
Meine Großmutter hatte Nierenversagen.
Sie brauchte dringend eine Spenderniere, aber es war keine in Aussicht.
Sie würde sterben.
Also beschloss er, seine Niere zu spenden.
Die Familie versammelte sich.
Na, kleiner Bruder.
Hallo.
- Wo ist Papa? - Der wird gerade operiert.
Und du? Na, mein Sohn?
Oh Gott, bist du groß geworden.
Und wer bist du?
Ich bin die Laura. Erkennen Sie mich nicht mehr?
Nein. Aber ich bin sehr beeindruckt.
Du weißt ja, ich hab die Mädchen gern.
- Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt. - Ja, kleiner Bruder.
Meinem Großvater ging es nicht gut.
Mein Vater befahl, es meiner Großmutter nicht zu sagen,
dass er es war, der ihr seine Niere geopfert hatte.
Er glaubte, sie wäre nie bereit, dieses Opfer anzunehmen.
Mama, Mama.
Wo ist Erich?
Der hat sich die Grippe geholt, der darf nicht zu dir.
Aber er lässt dir ausrichten, dass er an dich denkt
und dich besuchen kommt, sobald er nicht mehr ansteckend ist.
Du musst jetzt schlafen.
Wir sind ja da.
Erst die Ingeborg.
Dann die Gila.
Dann der Papa.
Ihr kapiert das nicht, hm?
Ihr versteht das nicht.
Ihr kapiert das nicht!
Jetzt geht's ans Eingemachte, du Arschloch! Ans Eingemachte!
Komm, wir gehen. Komm.
Dir ist nicht zu helfen, Klaus.
Ich kapier's nicht.
Ich kapier's nicht.
Ich...
kapier's... nicht.
Ich kapier's nicht.
Robert.
Mein Sohn.
Na? Was machst du denn hier?
Geh ins Bett.
Trink deine Milch.
Für die Ingeborg. Stirb!
Der ist für die Gudrun.
Ich werde immerzu dir halten.
Das schwör ich dir.
Der ist für die Gila!
Ich mache Schluss mit denen.
Ich brauche keine Eltern.
- Das sage ich auch meiner Mutter. - Für den Papa!
So eine Drecksau. Zuerst macht sie ihn fertig.
Dann lässt sie uns beide im Stich.
Mein armer, kleiner Hase.
Ich kann Omi nicht mehr länger anlügen.
Opi geht's zu schlecht. Sie muss das wissen.
Sonst würden wir sie um den Abschied von ihm betrügen.
Meinst du wirklich?
Sie können jetzt zu ihr.
- Morgen, Omi. - Morgen, mein Junge.
- Gut siehst du aus. - Morgen, Mami.
Was ist los, hm?
Omi, wir müssen dir was sagen.
Opi hat seine Niere für dich geopfert.
Das ist der Grund, weshalb er nicht da ist.
Und wie geht es ihm?
Geht ihm nicht gut.
Was... Was soll das heißen?
- Ich will zu ihm. Wo liegt er? - Zwei Zimmer weiter.
Ich bin's, Elisabeth.
Ich bin bei dir.
- Ich will bei ihm liegen. - Das geht nicht.
Natürlich geht das. Man muss sie nur näher ranrücken.
Hilf mir.
Gehen Sie bitte.
Lasst mich bitte mit ihm allein.
Ich bin bei dir, hm?
Du kannst nicht deine Niere opfern
und dann plötzlich verschwinden.
Du musst noch ein bisschen bei mir bleiben.
Denk an deine Briefmarken.
Na, Opi?
- Mein Junge. - Opi, du bist ein Held.
Sag mal, war deine Großmutter hier?
Hab ich's doch nicht geträumt.
Sie war die ganze Zeit bei dir. Sie wollte das unbedingt.
Obwohl der Arzt es ihr verboten hat.
Weißt du,
deine Großmutter war immer die Quelle meines Lebens.
Egal, was war.
- Ich konnte es ihr nur nie zeigen. - Dann hat sich doch alles gelohnt, oder?
Wann schneidest du dir endlich die Haare?
Guck mal, wie süß.
Hättest du das gedacht?
Die Ferien sind bald vorbei.
Du, Robert, ich habe eine Idee.
- Fahren wir zusammen nach Italien? - Nach Italien?
Ich war da erst einmal, aber es war wunderschön.
Es gab da ein kleines Hotel, mit Balkons mit Blick zum Strand.
Wenn man die Strandpromenade entlang ging,
war da ein Stand, wo es Eis gab, das ganz besonders schmeckte
und grün und süß und unbeschreiblich köstlich war.
Weißt du, wie man das nannte?
Pistazie. Pistazieneis nannte man das.
Hast du das schon mal probiert?
- Dann fahren wir dahin, willst du? - Oh ja.
Weißt du was?
Ich liebe dich, Laura.
Eine Rechnung musste ich noch begleichen,
bevor ich mich dem Glück überlassen konnte.
Ich hatte meine Mutter seit Jahren nicht gesehen,
keinen Pfennig Unterstützung bekommen
und nie von ihr gehört.
Es wird gut gehen.
Ich wollte wissen, wer das war, der mich damals in die Welt gesetzt
und mich anschließend völlig mir selbst überlassen hatte.
Ja, bitte?
Hallo, Mama.
Robert?
- Das ist Laura, meine Freundin. - Hallo.
Ja, dann kommt mal rein.
In Hamburg haben wir uns ein Hobby daraus gemacht,
Villenbesitzer bis zur Haustür zu verfolgen
und die Brieftaschen von ihnen zu verlangen.
Wie sie sich in die Hosen geschissen haben vor Angst.
Die sind um ihr Leben gelaufen, das feige Dreckspack.
Der schönste Mann war eindeutig Lenin.
Er sieht besser aus als Clark Gable.
So muss ein Revolutionsführer aussehen, sonst gelingt die Weltrevolution nicht.
Wollt ihr noch ein Glas?
In Marrakesch fuhren wir mit der Kutsche durch die Straßen
und haben körbeweise Münzen auf die Bettler ausgeschüttet.
Es gab unzählige Bettler, dicht nebeneinander.
Und jedes Mal, wenn der Münzsegen auf sie niederprasselte,
fingen sie an, sich zu prügeln.
Das war jedes Mal ein Spaß.
Daran sah man, wie es mit der Natur des Menschen beschaffen ist.
Die Weiber ließen sich 3000 Jahre lang als Gebärmaschinen missbrauchen.
Es war ihnen genehmer, dumpf wie Vieh dahinzuvegetieren
und Bälger zu gebären, statt sich um sich selbst zu kümmern.
Deswegen sind sie dümmer als Tiere.
Sexuelle Freiheit ist nur im Kommunismus realisierbar.
Darum gibt es dort viele Männer mit großen Schwänzen.
Mein Bruder Martin dagegen hat einen winzigen Schwanz.
So groß wie ein Cocktailwürstchen, aber das stört ihn offenbar nicht.
Denn erzwingt Gäste immer schamlos, mit ihm nackt in die Sauna zu gehen.
Wie sehr ich diesen Menschen verachte.
Ich überlegte mir schon mal, ihn umbringen zu lassen.
Seid ihr etwa müde?
Gehen wir noch ins Hofbräuhaus?
Der Verfassungsschutz beobachtet mich schon jahrelang.
Die sitzen überall.
Die waren sogar bei mir in der Wohnung.
Die mieten das Hintergebäude, um mich zu beobachten.
Abends sind die Wohnungen dunkel, daran sehe ich es.
Da stehen sie und beobachten mich, die Schweine,
weil ich Kommunistin bin.
Die denken, dass sie was über mich herausfinden.
Aber da können sie lange warten.
Das Ganze geht auf den neuen Verlagsleiter zurück.
Einen Karrieristen ohne jegliche Moral.
Er schmiss mich aus dem Verlag, weil ich nicht genug einbringe.
So die offizielle Version. Die wahren Gründe sind andere.
Darüber kann ich nicht sprechen.
Wo ist denn deine Freundin? Ist sie ins Klo gefallen?
Sie wird schon gleich kommen.
Ich finde, sie ist nichts für dich. Viel zu langweilig.
Du solltest dir eine andere besorgen.
- Eine, die weniger bürgerlich ist. - Was geht dich das an?
- Viel hatte sie nicht beizutragen. - Weil du so viel geredet hast.
Mag sein. Trotzdem ist sie langweilig.
Na? Hast du dich frisch gemacht?
Sie ist wirklich sehr hübsch.
Weißt du schon, dass Klaus nicht dein richtiger Vater ist?
Dein richtiger Vater war ein Jude.
Ich lernte ihn auf der Pferderennbahn kennen.
Jetzt weiß ich, was aus dir geworden ist.
War der Sinn meines Besuchs.
Komm Laura, wir gehen.
Glaubst du das wirklich?
Ach was. Die Alte hat einfach eine Meise.
Es war der gleiche Ort wie damals,
als ich mit meinem Vater hier war.
Nur, dass der Strand jetzt leer war. Niemand fuhr mehr an die Adria.
Dahinten ist der kleine Eukalyptuswald, von dem ich dir erzählt hab.
Gefällt es dir hier?
Magst du mit mir ins Bett gehen?
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