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Zulu
* Titelmusik *
Bruno Schumann
Jan Michalski Verena Kleinefeld
* Sphärische Musik *
Mach mal wieder Licht.
Stefan Bergmann,
54, Kunsthändler.
Das ist seine Frau Rita.
Sie ist vor einem guten Jahr gestorben.
Hat sich Mühe gegeben.
Hat alles liebevoll hergerichtet.
Vielleicht wollte er was feiern,
in Erinnerung an seine verstorbene Frau.
Aber nicht alleine, sonst würde er nicht hier liegen.
Die Freundin des Stiefsohns hat ihn gefunden. Sie ist draußen.
Irgendwann ist die Stimmung gekippt.
Die Todesursache ist eindeutig der Schlag gegen die Schläfe.
Die blauen Flecken kommen vom Sturz in die Wanne.
Elfenbein.
Sieht aus, als hätte da
noch eine Figur gestanden. Vielleicht die Tatwaffe.
Bruno, wir müssen ihn rausholen, bevor er komplett verwässert. Ja.
Alina, in der Ecke ist ein Urinfleck. Davon brauche ich eine Probe.
Hallo. Schumann, LKA.
Kim Renner. Dauert das noch lange?
Ich habe doch schon alles erzählt.
Ihretwegen warte ich hier schon seit Ewigkeiten.
Mord dauert manchmal...
Ist das richtig?
Ihr Freund ist der Sohn der verstorbenen Frau des Toten? Ja.
Tommy und ich wohnen unten.
Kommen Sie bitte mit rein.
Warum das denn jetzt? Das erkläre ich Ihnen drin.
Bitte.
Okay.
Ja, sieht schon gemein aus hier.
Rita war irre.
Wissen Sie...?
Alzheimer.
In ihren letzten Monaten hat sie uns das Leben zur Hölle gemacht.
Sprechen konnte sie schon ewig nicht mehr.
Aber zum Schluss saß sie auch noch im Rollstuhl.
Hat Rita das gemacht?
Was glauben Sie?
Na ja, es gab Zeiten, da war sie manchmal total aggressiv.
Sie hat Sachen aus dem Fenster geworfen
und ist richtig auf jemanden losgegangen.
Stefan konnte sie kaum bändigen.
Der war völlig durch, als sie mit der Lungenentzündung
ins Krankenhaus musste und gestorben ist.
Aber er hat ihr geschworen, dass er sie nie ins Heim geben wird.
Nie, nie, nie, nie im Leben, hat er immer gesagt.
Wir hatten keinen Kontakt mehr seit Ritas Tod. Wollte er nicht.
Aber heute Morgen waren Sie doch hier?
Ja, weil wir...
Wir wollten einen Neuanfang.
Und wir... Also Tommy hat gedacht,
so um Ritas Geburtstag rum könnte das gut passen.
Wo ist Tommy jetzt?
Am Kotti.
Das hat er mir vorhin geschickt.
Früher war der auf Droge, aber heute macht er eine Privat-Therapie.
Konfrontiert sich mit der alten Szene, um clean zu bleiben.
Mama!
Rocko?
Hey!
Ich habe Hunger.
Ich mache dir gleich was zu essen. - Ich habe aber jetzt Hunger.
Sagen Sie Tommy, er soll bei mir im Präsidium anrufen.
Mach ich.
Okay, dann machen wir dir jetzt was zu essen. Was möchtest du denn haben?
Können Sie mir das ins Präsidium schicken? Ja, mach ich.
Und das hier auch. Danke.
Stefan Bergmann besitzt mehrere Häuser.
Auch das, in dem er gewohnt hat.
Er hatte einen Designerladen zusammen mit seinem Partner Udo Brücher.
Wie läuft der Laden? Wird noch geprüft.
Hier ist ein Foto von ihm,
von Udo Brücher.
An der Tatwaffe sind wir dran. Wenn es etwas aus der Wohnung war,
dann sicher die Statue. Und die müsste registriert sein.
Prüft, ob es ein Testament gibt.
Legt mir alles über den Designladen auf meinen Tisch.
Hat sich dieser Tommy gemeldet? Thomas Kalitz.
Er trägt den Mädchennamen seiner Mutter. Nein, noch nicht.
Dann schick eine Fahndung nach ihm raus.
Ach so, ja...
Heute Abend gehen wir hier hin.
Da ist vor neun noch nichts los.
Woher weißt du denn das?
Das ist doch überall so in Berlin.
Berlin-Bingo ist der absolute Wahnsinn!
Wir haben Top-Preise.
Mal einen Riesenapplaus für diese Wahnsinns-Top-Preise!
* Jubel *
Das ist der Hammer heute Abend!
Es geht um Top-Gewinne. Es ist spitzenmäßig!
Da sind wir schon mit der allerersten Bingo-Zahl.
Ihr guckt euch mal hier um. Ich geh nach hinten. Okay.
(Moderator) 61 ist die erste Zahl.
Da sehe ich schon erste Fast-Gewinner. Das sieht gut aus.
Ich bin gespannt, wer heute der Abräumer des Abends ist.
Es geht weiter mit der nächsten Nummer.
Es ist eine gelbe Kugel. Was steht wohl drauf? 41!
Inge Tschernay, Kripo Berlin. Kennen Sie den Mann?
Nein, wir sind zum ersten Mal hier. - Verstehe.
Kennen Sie diesen Mann? Nie gesehen.
Sie auch nicht? (Moderator) Auf zum Top-Gewinn!
Eins, zwei, drei! (alle) Top! Top! Top!
Und noch mal! - (alle) Top! Top! Top!
Top! Top! Top! - Top! Top! Top!
Und noch einmal richtig laut! - (alle) Top! Top! Top!
Darf ich? - Bitte.
Tut mir leid, dass ich Sie stören muss. Mein Name ist Schumann, LKA.
Ist was passiert?
Im Hospiz?
Mögen Sie was trinken?
Ja.
Entschuldigung.
Top! Top! Top!
Und noch mal richtig laut! - Top! Top! Top!
(Moderator) Ihr seid spitzenmäßig. * Applaus *
Dankeschön.
Bist du durch? Ja, mehr oder weniger.
Vor zwei Jahren ist mein Mann gestorben.
Seitdem bin ich hierher gekommen.
Und jetzt Stefan.
Wie haben Sie sich kennengelernt?
In seinem Geschäft.
Vor etwa einem Vierteljahr.
Ich kaufe da ab und zu was.
Neue Schale, schönen Kerzenständer...
Eigentlich bin ich Kunsthistorikerin.
Ins Geschäft gehe ich für das Hospiz.
Ich arbeite als Trauer- und Sterbebegleiterin.
Also, ... Sie begleiten quasi Menschen in den Tod.
Und ich bin da für die, die zurückbleiben.
So wie Stefan ...
... nach dem Tod seiner Frau.
Er hat sehr an ihr gehangen, wollte aber nicht viel über sie erzählen.
Nicht jeder redet gern über den Tod
oder geliebte Menschen, die er verloren hat.
Das erste Jahr danach ist das schwerste.
Inge? Schön, dass du wieder da bist.
Stefan hat gestern offenbar ...
... den Geburtstag seiner verstorbenen Frau gefeiert.
Aha... Waren Sie mal bei ihm zu Hause?
Jaja, zwei-, dreimal.
Meistens waren wir im Theater, was essen
oder irgendwo draußen. Ausflüge, Museen...
Dann hatten Sie Ihre Beziehung im Grunde noch vor sich?
Ich habe immer gesagt, wir beide sind unsere zweite Chance.
Wo waren Sie gestern Abend?
Im Hospiz.
Bei einer Sterbebegleitung. Die Patientin ist heute früh gestorben.
Hören Sie auf, die Dame zu belästigen! Was wollen Sie?
Dein Stefan wird gesucht.
Hat Dreck am Stecken. Deswegen ist er wohl auch ausgerastet.
Schumann, LKA. Ich hab ja gesagt, der taugt nichts. Ihren Ausweis!
Mensch, Ella?
Herr Schneider, alles Weitere morgen.
Sie melden sich auf dem Präsidium.
Das ist eine offizielle Vorladung. Haben Sie das verstanden? Ja.
Ein Arschloch.
Sollen wir Sie nach Hause begleiten?
Nein, danke.
Ich nehme ein Taxi.
(Moderator) ...und wir ziehen die 62.
Bingo! Bingo!
(Moderator) Das gibt's doch gar nicht!
Bingo!
* Applaus *
Was ist das hier?
Bissspuren.
Bissspuren von einem Menschen.
Aber die sind schon mindestens ein Jahr alt.
Wahrscheinlich von seiner Frau. Ich lass es gerade prüfen.
Ich hab mir ihre Krankenakte kommen lassen.
Sie hatte den seltenen familiären Alzheimer.
Nur ein Prozent aller Alzheimer-Patienten leiden daran.
Es beginnt oft im Alter ab 40 Jahren
und nimmt dann einen rasanten Verlauf.
Ihr Arzt hat die Standardmittel
gegen Mangel an Acetylcholin und Überschuss an Glutamat verschrieben.
Woran ist sie gestorben? Lungenentzündung.
60% aller Alzheimer-Patienten sterben an einer Infektion.
Das hier sind die ganz frischen Hämatome vom Tatabend.
Die anderen sind schon älter, etwa eine Woche.
Sieht aus wie von Fausthieben. Vielleicht eine Schlägerei.
Und in der Kopfwunde habe ich noch was gefunden.
Mikrosplitter von Elfenbein.
Das ist von der fehlenden Figur.
Todeszeitpunkt war vorgestern Abend zwischen 19.00 und 21.00 Uhr.
Der hat sich Einiges zugemutet.
Er muss seine Frau sehr geliebt haben.
Warum wurde der erschlagen?
* Frauenstimme *
* Ruhige Musik *
* Ruhige Musik *
* Ruhige Musik *
* Laute Schläge *
* Schreie *
* Heftiges Atmen *
* Geräusche *
Tommy, was machst du da?
Stehen bleiben, Polizei!
Tommy?
Was soll denn der Scheiß?
* Straßenlärm *
* Husten *
Tommy?
Kim macht sich Sorgen um Sie.
Die macht sich immer Sorgen.
Was wollen Sie?
Und Sie?
Was wollten Sie im Loft Ihres Stiefvaters?
* Husten *
Schon lange keinen Marathon mehr gelaufen, was?
Kommen Sie. Stehen Sie auf!
Wollen Sie den nicht mitnehmen?
Wir gehen zu mir.
Was brauchen Sie so für Ihre Sucht?
Pro Tag? 50 Euro? 100?
Bin clean.
Das glaubst aber auch nur du.
Praktisch. Kim weiß nichts davon.
Ich bin auch demnächst wieder runter. Familie kostet...
Rocko. Das Essen, die Miete...
Wie können Sie sich das alles leisten?
Wir zahlen nur die Nebenkosten. Das Haus gehört Stefan.
Mann, ich brauchte Geld für den Kotti.
Deshalb bin ich eben bei ihm rein.
Haben Sie noch Schlüssel von der Wohnung?
Wo waren Sie vorgestern Abend?
Zu Hause.
Zeugen.
Seit wann sind Sie wieder auf Droge?
Paar Wochen? Warum?
Das ist doch scheißegal!
Brauchen Sie für alles einen Grund?
Warum ist der Kontakt abgerissen zu Stefan, nach dem Tod Ihrer Mutter?
Ich hab's mir mit ihm versaut.
Ich war noch ein Teenie, als Mum und Stefan sich kennen gelernt haben.
Falsche Freunde.
War eine Zeit lang auf Droge und so.
Und Ihr leiblicher Vater?
Keine Ahnung.
Nie gesehen, nie gehört.
Meine Mum hat immer zu mir gehalten. Immer.
Bis sie krank wurde.
Ja.
Da war sie weg.
Weit weg.
Zwei Jahre ging das.
Drogensucht ist ein Spaziergang gegen Alzheimer.
Stefan ist auch dran kaputtgegangen. Er wollte nach ihrem Tod nichts mehr
mit uns zu tun haben. Er hat sich ganz allein um sie gekümmert. Ja.
Ja. Aber er ist doch nicht der Einzige, der jemanden verloren hat.
Sagen Sie mal Ihrem kleinen Sohn, dass er nicht mehr zu Opa darf.
Obwohl der fucking Opa drüber wohnt. - (Inge) Das ist nicht leicht.
Ihr Tod muss für ihn eine Erlösung gewesen sein.
Einerseits... Anderseits hat er sie vermisst
und hat sich in seinem Schmerz abgekapselt.
Nur zum Bingo ist er gegangen und mit Ella ins Museum.
Das Alibi von Ella Köhler stimmt. Sie war im Hospiz.
Und Rufus Schneider... Ja, wo bleibt der überhaupt?
Der sitzt gerade im Berlin-Bingo, zusammen mit Ella. Was?
Hat mir der Kellner gerade am Telefon erzählt. Hm...
Der hat deine Nummer...? Ja.
Und da ist er nicht der Einzige.
* Tanzmusik *
Schau mich an, Ella.
Schau mich an, Ella!
Ella. Ich hatte Sie ins Präsidium bestellt.
Ich habe ihn schon x-mal gebeten,
mich in Ruhe zu lassen, aber er denkt dran.
Ich war auf dem Weg zu Ihnen.
Ich wollte mich nur noch bei ihr revanchieren.
Bei Bergmann haben Sie sich ja auch revanchiert. Ich meine,
die Hämatome an seinem Körper. War das der Ausraster,
den Sie gestern erwähnt haben? (Ella) Was? Wieso?
Sie hatten eine Schlägerei mit ihm. Stimmt's?
Ja, wenig lächerlich.
Hab ihn in der Stadt gesehen. Da bin ich ihm hinterher.
Du hast ihn verfolgt? - Ja, deinetwegen.
In seinem Hinterhof hab ich ihm dann gesagt, er soll Ella in Ruhe lassen.
Sie braucht einen Mann, der Humor hat, Spaß will und keinen Trauerkloß.
Habe ich recht? - Zwischen uns läuft nichts mehr.
Ist das so schwer zu begreifen?
Was genau ist auf dem Hinterhof passiert?
Ich bin ein bisschen laut geworden. Mehr nicht.
Er hat plötzlich auf mich eingedroschen, ist total ausgerastet.
Hat sofort zugeschlagen. Ich hab mich gewehrt. Gewehrt, mehr nicht. Okay?
Wo waren Sie vorgestern Abend zwischen 19.00 und 21.00 Uhr?
Beim Fußball.
Im Eierkeller.
Im Eierkeller? Da wird es ja Zeugen geben.
Kann ich noch eins haben?
Ich hab nichts mit seinem Tod zu tun.
Das werden wir überprüfen. Ich möchte jetzt gehen.
Bitte.
So, bitteschön. - Danke.
Das mit Rufus ist jetzt ein halbes Jahr her.
Stefan hat Ihnen nichts von dem Vorfall erzählt?
Ist er Ihnen gegenüber jemals aggressiv geworden? Nein.
Vielleicht hat er sich mit der Pflege von Rita übernommen?
Angeblich haben zehn Prozent der Pflegenden
ihre Patienten schon mal geschlagen. Eben.
Was glauben Sie? Wie gut kannten Sie ihn wirklich?
Könnte Stefan jemanden so provoziert haben, dass der ihn umgebracht hat?
Nein,
auf keinen Fall.
Stefan war ein guter Mensch.
Rufus Schneider, klarer Fall. Motiv: Eifersucht. Gewalttätig. Kein Alibi.
Das reicht dem Haftrichter. Dem vielleicht, mir nicht.
Wir haben die Tatwaffe.
Also, nur als Foto.
Genau die Statue fehlt in Stefans Wohnung.
Und sie ist aus Elfenbein.
Sie passt zu den Mikrosplittern beim Opfer.
Wertvoll? Ziemlich.
Laut Inventarliste das teuerste Einzelstück.
Ach, übrigens...
Der Designladen lief gar nicht mehr gut.
Im letzten Jahr sind die Umsätze bergab gegangen, sagt das Finanzamt.
Also nach Ritas Tod. Ja.
Zunächst hatte er noch privates Geld an den Laden überwiesen.
Später dann nicht mehr. Und sein Partner?
Wie hieß der noch? Udo Brücher.
Der ist jetzt alleiniger Geschäftsführer? Ja.
Und noch was: Tommy hat da früher mal eine Zeit lang gearbeitet.
Ist aber schon über ein Jahr her.
* Türglocke *
* Verkehrslärm *
Gute Wahl.
Reinhard von Bergheim.
Hat er 1975 hergestellt.
Für die VIP-Lounge am Flughafen Tegel. Hm.
Aber mich interessiert mehr,
wer Ihren Geschäftspartner Stefan Bergmann erschlagen hat.
Mein Name ist Schumann.
Mordkommission, LKA. Mordkommission?
Stefan Bergmann? Ja.
Die linke Figur ist verschwunden.
Möglicherweise die Tatwaffe. Tatsächlich?
Na, toll.
Der Herr hatte einen guten Geschmack.
Er hat sich hier um nichts mehr gekümmert.
Er hat seine Frau gepflegt und seit einem Jahr um sie getrauert.
Und hier alles runter gerockt.
Ach ja?
Aber er hat doch ordentliche Summen überwiesen.
Das ist ja wohl das Mindeste, wenn man sich um gar nichts mehr kümmert.
Der war völlig von Sinnen nach Ritas Tod. Der war ...
... so.
Wie sein Junky-Sohn Tommy. Nur ohne Drogen.
Haben Sie dafür gesorgt, dass Tommy hier rausfliegt? Nee.
Das war vor Ritas Tod.
Da war Stefan noch völlig klar. Tommy hatte in die Kasse gegriffen.
Kann es sein, dass ich die fehlende Figur hier finde?
Nein. Ich hab doch mit Stefans Tod nichts zu tun.
Wo waren Sie vor drei Tagen zwischen 19.00 und 21.00 Uhr?
Na hier. Wir haben bis spät geöffnet.
Es gibt Kunden, die können das bestätigen. Wollen Sie Namen?
Ach, die haben Sie schon parat?
Das klingt ja so, als seien Sie auf meinen Besuch vorbereitet gewesen.
Stellen Sie mir doch eine Liste zusammen
und schicken sie an diese Adresse. Danke. Wiedersehen.
Nach Ritas Tod hat Stefan alles vernachlässigt.
Mit allen gebrochen: Mit seinem Geschäftspartner,
mit seinem Stiefsohn, seinem Enkel.
Dann lernt er Ella kennen.
Vielleicht hat ihn ihre Arbeit als Sterbebegleiterin fasziniert.
In gewisser Weise war er auch Sterbebegleiter. Mit Rita meinst du?
Ja. Deswegen mussten die beiden
auch nicht über Krankheit, Tod und all diese Dinge reden.
Die verstanden sich ohne Worte.
Nach so einer Frau suche ich auch immer noch.
Danke.
Drücken Sie ihn ganz fest
und denken Sie an eine letzte Umarmung.
Lassen Sie sich viel Zeit.
Meine Kollegin führt Sie dann hinunter.
Störe ich? Nein, gar nicht.
Die Feier geht am Wasser weiter.
Jeder Angehörige bekommt einen kleinen Stein
mit dem Namen des Verstorbenen darauf.
Die Steine werden in eine Art Boot gelegt und zum See gebracht.
Da löst es sich dann irgendwann von allein auf.
Schönes Ritual.
Solche Rituale sind wichtig zum Loslassen.
Das Gehirn begreift schneller,
wenn wir selbst etwas tun und nicht nur passive Zuschauer sind.
Haben Sie Stefan sowas auch mal vorgeschlagen?
Auf dem See mit einem Stein im Boot Abschied zu nehmen von Rita? Ja,
aber er hat mittendrin abgebrochen.
Warum? Er wollte das nicht.
Hatten Sie in der letzten Zeit regelmäßig Kontakt zu ihm?
Ja. Doch.
Was war das für ihn, 'Bingo'?
Abwechslung. Weg von der Realität.
Weg von Rita?
Ja, er brauchte das. Das tat ihm gut.
Weg von Rita, hin zu Ihnen?
Wie konkret war Ihre Zukunftsplanung?
Haben Sie mit Stefan darüber gesprochen?
Ich wäre eine schlechte Trauerbegleiterin,
wenn ich Menschen zwingen würde,
was zu tun oder zu sagen, wozu sie noch nicht bereit sind.
Hier beginnen unsere Abschiedsfeiern.
* Ruhige Musik *
Wann haben Sie Ihren Verlust erlebt?
Sie spüren das?
Meine Tochter war sechs, als sie gestorben ist.
Kommen Sie.
Es ist gut für Sie.
Jeder trauert anders.
Oh.
Ja,
habe ich mir ... gekauft.
Hübsch sind die. Ja, nicht...?
Das ist jetzt hier weniger hübsch.
Wir haben die DNA-Ergebnisse der Urinprobe in Stefans Bad.
Es ist nicht die DNA von Stefan, auch nicht von Tommy,
aber von jemandem, der mit Tommy verwandt ist. Das ist nur einer.
* Türklingel *
Hallo Rocko. Hallo.
Bist du allein zu Hause? Nein, mit meinem Teddy.
Aha... Rocko? Wer ist denn da?
Ach, hallo.
Kommen Sie rein.
Äh Rocko? Ich glaub,
dein Teddy würde sich total freuen, wenn du jetzt mit ihm spielst.
Ich muss ihn aber erst suchen.
Okay.
Also ich glaube, dass der im Schlafzimmer ist.
Gehst du da mal nachgucken? - Hmhm.
Kriminaltechnische Untersuchungen
bringen manchmal kleine Sensationen hervor.
Zum Beispiel die Untersuchung von Urin.
Das war meine Idee.
Wir wollten, dass Stefan wieder mit uns spricht.
Wir wollten ihm zeigen,
dass Tommy es geschafft hat, von den Drogen wegzukommen.
Wir haben Teststreifen besorgt.
Die zeigen, ob ich clean bin oder nicht.
Die sind für Urintests.
Tommy hat den gemacht. Dann sind wir morgens zu Stefan.
Am Tag nach Ritas Geburtstag?
Genau.
Sie haben den Geburtstag früher immer mit Rita gefeiert.
Später dann wir alle zusammen.
Mit Rocko als Baby.
Da dachten Sie, es wäre ein guter Moment. Ja, für 'ne Goodwill-Sache.
Wir dachten, ein Geburtstag wäre der richtige Tag für so was.
Aber es war nicht Ihr Urin, Tommy.
Wie meinen Sie das jetzt?
Tommy ist gar nicht clean.
Es war Rockos Urin.
Tommy?
Tommy, guck mich an, wenn ich mit dir spreche!
Spinnst du?
Wie kann man denn so bescheuert sein?
Scheiße!
Ich hab's aus seinem Töpfchen.
Warum? Hm?
Man ich... Man ich...
Sind wir dir so scheißegal?
Es ist Methadon, kein Heroin. Ich komm da runter.
Ja, klar.
Wie immer.
Hat ja bisher auch immer so gut geklappt.
Mann, es tut mir doch leid. - Fass mich nicht an!
Aber der Rest stimmt.
Wir sind da rein mit dem Becher.
Stefan war tot.
Sah man sofort.
Ich hab mich so erschrocken.
Deswegen hab ich doch alles verschüttet.
Sag doch auch mal was!
Wir sind aus der Wohnung raus und haben die 110 gerufen.
* Schluchzen * Es ist alles meine Schuld.
Haben Sie ihn getötet? Nein.
Das ist in mir drin.
In mir drin ist eine Zeitbombe.
Meine Mum,
Rita.
Die hatte familiären Alzheimer.
Was heißt das jetzt? Hm?
Die Ärzte hatten gefragt,
ob ich einen Test machen will, der Klarheit bringt.
Weil, wenn ein bestimmtes Gen mutiert ist, dann kann sich das vererben.
Das mutierte Gen heißt Presenilin-2.
Ich hab das.
Ich krieg die Krankheit auch.
Todsicher.
Ich bin damit nicht klargekommen. Verstehst du?
Deshalb bin ich zum Kotti, hab mir das Methadon geholt.
Aber nicht nur wegen mir, sondern auch wegen...
Wegen...
Wegen Rocko?
Er kriegt die Krankheit auch zu 50 Prozent.
* Weinen *
Papa?
Warum weinst du denn?
Komm mal her.
Komm her.
Setz dich mal zu uns.
Papa ist gerade ein bisschen traurig. Aber es wird alles wieder gut.
Bruno? Bergmanns Geschäftspartner Udo Brücher
ist finanziell richtig schlimm angeschlagen. In den letzten Monaten
sind alle möglichen Überweisungen von seinem Privatkonto geplatzt.
Er hat von Bergmann profitiert, solange der gezahlt hat.
Dann hat Stefan den Hahn zugedreht, es gab Krach und der ist eskaliert.
Danke Inge, ich fahr da hin.
Ich steh hier vor Brüchers Designladen.
Irgendwas ist da im Gange.
Sämtliche Statuen und Figuren werden abtransportiert.
Das gibt's doch nicht. Alles, was irgendwie
an die Tatwaffe erinnern könnte. Von Brücher keine Spur.
Okay, ähm...
Check mal folgendes Kennzeichen.
Erzähl. "B-DE 2559."
Ja. "Transporter, dunkelblau."
Das war's?
Ich fahr dem hinterher. Melde mich.
Alles klar.
Jan?
Ich bin beim alten Heizwerk, in Kreuzberg.
Ich brauche Verstärkung. Okay, verstanden.
(Männerstimme) Come on, come on!
Be careful.
Open the box.
* Unverständlich *
(Mann) Eine wunderbare Arbeit. Sehr sehr gut. Wunderschön.
Und sehen Sie hier. Wir haben noch mehr.
(Brücher) Königreich Benin, 400 Jahre alt.
(Kunde) Ah, sehr gut. - Ein seltenes Stück.
Sehr sehr großartig.
Zwei außergewöhnliche Stücke, sehr zerbrechlich.
Sehr kostbar. - Ja, das ist gut.
* Quietschen *
Das war ein sehr schönes Geschäft. Vielen Dank. Danke vielmals.
(SEK) Polizei! Polizei!
* Laute Rufe *
Hände hoch!
Rumdrehen!
Arme runter!
Arme runter!
Mitkommen! - Das hat ein Nachspiel, Schumann.
(SEK) Los! - Ich komme doch schon.
Sag mal, was machen wir hier?
Arbeiten wir jetzt für den Zoll oder fürs Finanzamt?
Nein.
Immer noch für die Mordkommission.
Spielen wir Schach, Schumann. Mühle, Dame, Domino. Egal was,
aber langweilen Sie mich
und sich doch nicht mit Ihrer Jagd nach dem Täter.
Keine Ahnung, wie diese Statue bei meinen Sachen aufgetaucht ist.
Vielleicht gibt es ja jede Menge davon.
Vielleicht hat man sie mir untergeschoben.
* Knall * Hören Sie mir überhaupt zu, Schumann?
Ungern.
Schrecklicher Typ. Ja, aber kein Mörder.
Er dealt mit Hehlerware, betrügt das Finanzamt,
betreibt illegalen Elfenbeinhandel. Aber das ist auch alles.
Der Mieter des blauen Transporters ist Thomas Kalitz. Tommy? Ja.
Der Vertrag lief laut Autovermietung über ihn. Er hängt also mit drin.
Wir haben ihn in der Torstraße geortet.
Zwei Ecken weiter ist der Designladen.
* Handy *
Jan?
Bin jetzt vor dem Laden.
Okay, verstanden Bruno.
Ich sehe ihn, er kommt.
Brauchst du wieder Verstärkung? Nee, geht schon.
"Okay."
Ist er allein?
Bruno?
Was macht denn der da?
Bruno?
Strecken Sie die Hände vor!
Sie sind vorläufig festgenommen
wegen des Mordverdachts an Ihrem Stiefvater Stefan Bergmann.
Wir haben die Tatwaffe. Da wird jede Menge DNA von Ihnen dran sein.
Ich habe nichts damit zu tun, Mann.
Außer die Statue.
Ich dachte, die ist wertvoll.
Die ... haben wir mitgenommen, als wir ihn gefunden haben.
Kim und Sie? Ja.
Sie haben die Statue hergebracht? Er wollte sie für uns verkaufen.
Ist Brücher jetzt das Sozialamt oder wie?
Er hat mich erpresst.
Ich sollte einbrechen, heute Nacht.
Er hatte Sie in der Hand.
Sie haben die Statue aus der Wohnung geklaut
und gegen Sie wird ermittelt.
Er hat die Statuen vorher alle abgeräumt. Versicherungsbetrug.
Weil es wie ein Einbruch aussehen sollte. Ja.
Ein doppelter am besten.
(leise) Fuck.
Jan? Ich bin durch hier.
Schickst du mir einen Streifenwagen?
Aha, tatsächlich?
Und?
Ah ja. Gut, ich sag ihm Bescheid.
Mein Kollege sagte mir eben,
dass das Testament Ihres Stiefvaters da ist.
Er hat Ihren Sohn Rocko zum Alleinerben eingesetzt.
Das ist wie Handleserei bei 'ner Wahrsagerin:
Dein Sohn wird auf einen Schlag reich.
Und dafür kriegt er von dir eine tödliche Krankheit vererbt.
Wie ein beschissenes Märchen oder so.
* Polizeisirene *
Das ist sowas von unfair, Mann.
Kommen Sie bitte mit.
Mir geht dieses Ritual die ganze Zeit durch den Kopf.
Ich glaub, Ella war enttäuscht.
Dass du die Sache nicht gleich mit ihr durchgezogen hast?
Ich frage mich, was das bei Stefan ausgelöst hat,
als sie ihm den Stein gegeben hat.
Ist er Rita ... in diesem Moment auf irgendeine Weise nahe gewesen?
Und was ist, wenn Ella dieses Ritual nicht mehr gereicht hat?
Wenn sie ihn weitertreiben wollte, ihn bedrängt hat?
Also das heißt, dass Ella am Tatabend da war?
Ja.
* Sphärische Musik *
* Sphärische Musik *
Was soll ich hier?
Mir die Wahrheit sagen.
Sie waren an diesem Abend im Hospiz.
Bei der Frau, die in der Nacht gestorben ist. Aber Sie waren
auch hier, weil Sie mit Stefan verabredet waren.
Das war ein sehr schönes Abschiedsritual,
dass Sie sich für Rita und Stefan ausgedacht hatten.
Er war sicher nicht weniger berührt davon als ich, ...
... als Sie mir ...
... den Stein in die Hand gelegt haben.
In dem Moment ...
... war meine Tochter so gegenwärtig wie lange nicht mehr.
Der Unterschied ist nur:
Ich habe den Tod meiner Tochter seit langem verarbeitet.
Aber Stefan...
Er hat sich bis zuletzt,
auch noch über den Tod hinaus,
an Rita regelrecht festgekrallt.
Ich dachte, es hilft ihm, sie endlich gehen zu lassen.
Solange Rita lebte, konnte er sich gar nicht verabschieden.
Ich glaube, die Liebe zwischen den beiden war so groß,
dass sie irgendwie den richtigen Zeitpunkt dafür verpasst haben.
Und als die Krankheit dann schlimmer wurde, war es zu spät.
Deshalb wollte ich es mit ihm nachholen.
Wir wollten die schönen Erlebnisse von Stefan und Rita nachstellen.
Stefan hat sie immer liebevoll gebadet.
Sie sollten glücklich auseinander gehen können.
Während des Rituals war Rita ihm bestimmt ganz nah.
Die Intimität von früher,
die schönen Momente... Alles war wieder da.
Sie haben ihm wirklich geholfen.
Zu sehr geholfen.
Er wollte sich gar nicht mehr verabschieden. Im Gegenteil.
Er wollte Rita nicht mehr gehen lassen.
Er wollte, dass sie bleibt.
Das war das Verhängnis.
Sie haben da gestört.
In einem Leben mit Rita hatten Sie nichts verloren.
Und plötzlich wurden Sie zu einer Bedrohung,
Zu einem Fremdkörper.
Er hatte auf einmal Tränen in den Augen.
Er schrie, ich solle verschwinden und ihn und Rita in Ruhe lassen.
Ich würde ja nur alles zerstören.
Rita war für ihn unsterblich.
Ich kannte ihn so nicht.
Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle, weil Sie das Ritual
nicht mehr unter Kontrolle hatten. Er griff mich an, hat mich gepackt.
Ich war nackt, hatte panische Angst. Ich habe um mein Leben gekämpft.
Und irgendwie hatte ich die Statue in der Hand...
Ich wollte ihn nicht töten.
Ich wollte ihm helfen.
Kommen Sie bitte mit mir mit.
* Sphärische Musik *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
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