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* Titelmusik *
Bruno Schumann
Jan Michalski Verena Kleinefeld
* Musik *
Die Wucht der Explosion war gewaltig.
Nur noch der Torso ist einigermaßen intakt. Der hier lag da drüben.
Die Detonation war um 4.32 Uhr. Der Portier hat es gehört.
Er war in der Lobby. Bruno!
Die Überwachungskameras wurden deaktiviert. Da und da.
Der Kontrollkasten wurde aufgebrochen.
Sieht nach einem Profi-Job aus.
Sie ist aus ihrem Zimmer geschlichen. Sie wollte weg.
Schöne Frau, nicht?
Sie hießt Chiara Bernardi. Italienische Mafiarichterin.
Expertin für internationales organisiertes Verbrechen.
Warum war sie in Berlin?
Man weiß nichts Genaues. Es ging wohl um ein Auslieferungsersuchen.
Bis gleich.
Schumann, LKA. Kerber, SEK.
Wir waren zuständig für den Schutz der Richterin.
Tut mir leid. Eine Scheiße ist das.
Sie wissen, dass gestern auf sie geschossen wurde? Vor dem Hotel.
Danach sollte sie ihre Suite nicht verlassen.
Aber sie wollte nicht hören.
Gibt es einen Hinweis auf den Schützen? Nein.
Sie wurden beim Verlassen des Hotels unter Feuer genommen,
aus dem Haus gegenüber. Wenn Sie mich fragen:
Ein Spezialist aus dem Ausland.
Bam, bam, bam.
Keine Spuren, keine Abdrücke, keine Patronenhülsen, nichts.
Warum haben Sie nicht die Unterkunft gewechselt?
Wir sind im obersten Stock.
Wir haben die komplette Etage.
Es kommt keiner hoch, ohne dass wir es sehen.
Die Fenster sind nicht einzusehen. Es ist keine schlechte Stellung.
Wer hatte alles Zugriff auf den Dienstwagen?
Frau Bernardi, ihre Leibwache und wir.
Bei Außenterminen saß immer einer von uns mit im Wagen.
Wussten Sie davon?
Also, offiziell hatte sie die nicht.
Wir haben hier drin alles unverändert gelassen.
* Klassische Musik * Hatte die Richterin den Ton runtergedreht?
Nein, das waren wir.
Die Musik lief die ganze Nacht in Endlosschleife.
Wir haben gedacht, sie arbeitet. Sie hat oft die ganze Nacht geackert.
War sie wegen ihm hier?
Scialdi.
Benedetto Scialdi. So ein Mafiatyp.
Wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht, ging den Kollegen ins Netz.
Die Richterin wollte, dass er ausgeliefert wird,
nach Italien. Aber das zog sich. Zimmerservice!
Jan Michalski. Frank Kerber.
Scheiße Jan, haben wir uns lange nicht gesehen. Acht Jahre?
Ja, ist eine Weile her.
Sie hat von der Rezeption
den Schlüssel für den Serviceraum gegenüber genommen.
Angeblich 'zu ihrer eigenen Sicherheit'.
Und von dem Serviceraum kommst du unbeobachtet in die Tiefgarage.
Scheiße!
Hören Sie...
Wir haben eine lange Nacht hinter uns. Sie verstehen?
Gehen Sie die Jungs nicht so hart an.
Hallo! Das sind die Kollegen
Flint, Metzger,
Krause und Wagner.
Gib mir mal die Aufnahmen von Kamera 7, Hotelflur von heute Nacht.
Moment. Ein Uhr,
zwei, drei,
vier.
Wieselflink, die Alte. Wir haben nichts gemerkt.
Offensichtlich.
Hören Sie...
Wir waren für ihren Schutz da.
Aber es ist nicht unsere Schuld, wenn sie nachts abhaut.
Niemand spricht von Schuld.
Sorry, Frank. - Scheiße, die sollte
auch in ihrem Zimmer bleiben. Wer ist das?
Erika Gianni, persönliche Leibwächterin der Richterin.
Und vielleicht noch mehr? - Alex...
Sie war manchmal nachts ...
... im Zimmer der Richterin.
Wozu hast du denn Kameras, wenn du nicht draufguckst?
Mach keine Welle! Du solltest in deinem Zimmer bleiben.
Sind Sie der Verantwortliche? Schumann. LKA.
Ah, LKA. Die hatten nur eine Aufgabe,...
Mach mal halblang! - ...nämlich auf den Monitor schauen.
Hey, ganz ruhig! * Lauter Streit *
Du Arschloch! Hau ab!
Au! Was ist?
Was haben Sie denn?
Sie hat was abbekommen bei dem Schusswechsel gestern Morgen.
Einen Notarzt, schnell!
Es ist nicht weiter schlimm.
Glatter Durchschuss.
Und Sie sind trotzdem im Dienst?
Ja.
Sie sprechen gut Deutsch.
Meine Mutter war Deutsche.
Sie brauchte jemanden, der Deutsch spricht.
Wie lange waren Sie ihr zugeteilt?
Vier Jahre.
Frau Bernardi ist nachts aus ihrem Zimmer, um das Hotel zu verlassen.
Es sieht so aus, als ob sie fliehen wollte. Ich weiß nicht.
Aber Sie waren doch da.
Haben Sie nichts bemerkt?
Ihre Waffe hat sie auch nicht mitgenommen.
Sie sollte sie immer mitnehmen.
Sie war selbst mal Polizistin.
Sie konnte damit umgehen. Sie ist einfach so verschwunden,
ohne was zu sagen. Vielleicht hat sie Ihnen nicht vertraut?
Wir waren hier, um den Mafia-Boss Benedetto Scialdi
nach Italien zu bringen. Wir haben gegen die Mafia gekämpft, zusammen.
Einer der Männer hat eine Andeutung gemacht,
dass da mehr war, zwischen Ihnen und der Richterin.
Ich bin nicht lesbisch,
wenn Sie das meinen.
Sie war Polizistin, hat Jura studiert, wurde Staatsanwältin,
und ist seit vier Jahren Richterin. In Italien haben Ermittlungsrichter
mehr Befugnisse. Sie stoßen die Ermittlungen an. Sie ist bekannt.
Ihr Gesicht steht für den Kampf gegen die Mafia.
Es hat immer wieder Anschläge auf Richter gegeben.
Sie hat sich nicht einschüchtern lassen.
Sie war erfolgreich. Sehr erfolgreich.
Sie hat die Capos hinter Gitter gebracht. An ihm ist sie
seit Jahren dran: Benedetto Scialdi.
Angeblich hat er mehrere Morde in Auftrag gegeben.
Aber es fehlen Beweise. Die Mordermittlungen liefen ins Leere.
Also hat sich Bernardi auf
seine geschäftlichen Aktivitäten konzentriert: Abfallwirtschaft.
Er wurde in Berlin festgenommen wegen illegaler Entsorgung von Giftmüll.
Sie war schon dicht an ihm dran. Jetzt ist er im Gefängnis.
Sie überlebt ein Attentat
und in der folgenden Nacht verlässt sie heimlich ihre Suite.
Warum dieses Risiko?
Für die Explosion war eine Haftmine verantwortlich.
Osteuropäische Bauart, ferngezündet.
Kerber hat wohl recht. Es war ein Profi, wie bei dem Anschlag davor.
Sie waren auf dem Weg zum Wagen und sind aus dem Seitenausgang raus.
Also Gianni da vorne,
die Richterin dahinter,
ein SEK-Mann da
und ein SEK-Mann da.
Der Schütze ist da oben.
Er eröffnet das Feuer
und Bam.
Der erste Schuss trifft Gianni in die Schulter.
Sie stößt die Richterin,
erwidert das Feuer,
weitere Schüsse von oben.
Gianni wirft sich in den Wagen über die Richterin.
Kerber überprüft das Gebäude. Kein Schütze, keine Spuren. Nichts.
Du kennst Kerber von früher?
Irgendwas, das ich wissen müsste?
Du hast sehr reserviert auf ihn reagiert.
Das war mein Eindruck.
Er hat ein paarmal Ärger gemacht.
Hat es beim Party machen übertrieben.
Er kam betrunken zum Unterricht.
Er wollte im Test bescheißen und solche Sachen halt.
Nichts Gravierenderes?
Nein.
Schon möglich, dass die Mafia dahintersteckt.
Wir müssen aber prüfen, ob auch ein Insider beteiligt war.
Er ist ein Arschloch, aber ...
... korrupt ist er nicht.
Also, das kann ich mir nicht vorstellen.
Wessen Entscheidung war es,
dass die Richterin das Hotel durch den Seitenausgang verlässt?
Entscheidung des Einsatzleiters. Frank Kerber.
* Rufe, Pfiffe *
* Türsummer *
Flur A, Tür 37 auf.
* Türsummer *
Flur B, Tür 37 auf.
* Türsummer *
* Türsummer *
* Türsummer *
(Italienisch) Scialdi, piacere. Schumann, LKA.
* Er spricht nur Italienisch. *
* Italienisch *
(Smartphone-Übersetzer) Entschuldigen Sie,
ich muss Sie bitten, dass wir auf meinen Anwalt warten.
* Tür *
* Sie sprechen Italienisch. *
Kommissar Schumann? Felix Meixner. Ich bin der Anwalt von Herrn Scialdi.
Ich habe von Ihnen gehört.
Es war alles sehr kurzfristig.
Mein Mandant wird sich nicht zum Tod von Frau Bernardi äußern.
* Er spricht Italienisch. *
Frau Bernardi hat Sie vor Kurzem viermal besucht.
Er wird keine Angaben zu diesen Gesprächen machen.
Es betrifft sein laufendes Verfahren.
Sie kennen sich schon länger? * Sie sprechen Italienisch. *
Stört es Sie?
* Italienisch *
Mein Mandant und sie waren besessen
von der Idee einer Pflegebeziehung zur organisierten Kriminalität.
(Smartphone) Sie war besessen von der Idee, er hätte Verbindung
zur organisierten Kriminalität. - Da habe ich ja alles gut übersetzt.
* Italienisch *
Ich bin aus dem Süden. Ich arbeite in der Abfallwirtschaft. Sie werden
mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ein Missverständnis.
Frau Bernardi war der Ansicht,
dass Sie in illegalen Export von Giftmüll verwickelt sind.
* Er versucht es, ins Italienische zu übersetzen. *
Ähm...
Brauchen Sie Hilfe?
* Er spricht wieder fließend Italienisch. *
* Italienisch *
Er hat sehr viel Respekt vor Frau Bernadi.
Frau Bernardi war eine sehr mutige Frau.
Ohne Zweifel.
* Italienisch *
Und weil sie nichts fand, suchte sie immer weiter.
Sie nehmen es sehr sportlich, obwohl Sie in Auslieferungshaft sind.
Wir sind zuversichtlich, dass er diese Woche freikommt.
Jetzt, wo Frau Bernardi tot ist...
Ich warte draußen auf Sie.
* Beide unterhalten sich auf Italienisch. *
Mein Mandant ist ein unbescholtener Geschäftsmann.
Dann überrascht mich die Wahl seines Anwalts. So?
Sie vertreten oft süditalienische Mandanten in Mafiaprozessen.
Als Strafverteidiger vertrete ich alle Arten von Mandanten.
Ich spreche Italienisch.
Da kommen oft italienische Staatsbürger auf mich zu.
Er soll für einen belgischen Chemiekonzern
illegal Giftmüll entsorgt haben.
Bernardi wollte das mit seinen E-Mails belegen.
Das Gericht hatte ihr Zeit gegeben bis morgen Abend.
Sonst ist Scialdi wieder auf freiem Fuß.
Sie hatte doch schon oft mit deutschen Behörden zu tun.
Sie hatte mit Sicherheit
was Gerichtsfestes in der Hand. Vielleicht hat sie sich verzockt
und hat ihr Blatt überreizt.
Inge, ich brauche bitte alles,
was du über den Rechtsanwalt Felix Meixner finden kannst. Okay.
Guck mal hier. Bernardis Termine in Berlin.
Treffen mit BKA, Staatsanwalt, Gerichtstermine,
Besuche bei Scialdi in der Haft.
Aber da ist ein Termin: vorgestern 22.00 Uhr. Keine Notiz.
Sie hat das Hotel kurz vor 22.00 Uhr verlassen, ohne das SEK.
Nur ihre Leibwächterin war mit. Auf Bernardis ausdrücklichen Wunsch hin.
Ich habe deswegen mit Kerber gesprochen.
Wegen Kerber...
Jan kennt ihn.
Ich weiß. Von der Polizeischule.
Irgendwas ist damals vorgefallen.
Aber Jan will mir nicht sagen was. Und?
Frag bei der Polizeischule nach, wer in dem Jahrgang war.
Ich soll Jan nachspionieren? Es geht um Kerber, nicht um Jan.
Wäre es nicht besser, du versuchst es noch mal? Mach es bitte!
Verena?
Ja?
Was soll dieses Chaos? Ist ja irgendwie alles Kraut und Rüben.
Du hattest den zuletzt. Ich habe keine Lust,
wenn ich hier was suche, erst mal Ordnung zu schaffen. Hm?
Bitte. Danke.
Sie haben vorgestern, kurz vor 22.00 Uhr,
ohne Begleitung des SEK,
zusammen mit Frau Bernardi das Hotel verlassen.
Wen hat sie getroffen?
Sie beschützen Frau Bernardi.
Das haben Sie immer getan und das tun Sie immer noch.
Aber wovor beschützen Sie sie jetzt?
Ich weiß nicht, wem ich vertrauen kann.
Frau Bernardi musste alles opfern.
Sie hat den Kontakt zur Familie abgebrochen, zu den Freunden.
Das ist ein einsames Leben.
Sie hat es sich ausgesucht.
Jaja...
Ist es nicht wichtig, dass da jemand ist, für den man kämpft?
Jemand, den man liebt?
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
Was von ihr übrig ist, ist ziemlich unappetitlich.
Wurde sie identifiziert? Ja, mittels DNA. Es ist Chiara Bernardi.
Dieses Tattoo hatte sie unterhalb ihres Nackens.
Vorgestern ist sie gegen 22.00 Uhr aus dem Hotel.
Am nächsten Morgen wurde auf sie geschossen.
Gestern wollte sie
heimlich und allein das Hotel verlassen und wurde ermordet.
Komme ich ins Internet? Ja.
Sie ist hier in Berlin.
* Violinenmusik *
* Violinenmusik *
Nicht so hell.
Kommen Sie wegen des Interviews? Nein.
Mein Name ist Schumann, LKA.
Mein Gott, ich muss heute Abend spielen.
Es musste immer ein Geheimnis sein.
Wir haben uns geliebt.
Sie war auf einem Konzert von mir in Rom.
In Rom fing alles an.
Warum durfte das niemand wissen?
Chiara meinte, es würde mich in Gefahr bringen
und sie erpressbar machen.
Ich habe mir das gar nicht vorstellen können.
Das war eine andere Welt für mich.
Wie hat Ihnen diese andere Welt gefallen?
Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie die Prinzessin im Turm.
Und sie ist immer davongeritten, um gegen das Böse zu kämpfen.
Ich habe sie bewundert.
Kennen Sie Erika Gianni? Ich kenne Erika Gianni.
Sie wusste als Einzige über uns Bescheid.
Sie war immer dabei, wenn Chiara kam. Sie hat im Auto gewartet.
Sie hatten keine Angst? Nein.
Chiara war so sicher in allem, was sie tat.
Mögen Sie klassische Musik? Wir haben noch ein paar Termine.
Das ist ja sehr nett.
Scheiße!
Morgen Bruno. Dieser Anwalt Felix Meixner hat eine weiße Weste.
Er arbeitet für die Botschaft und sitzt in den Beiräten
von einem Dutzend von deutsch-italienischen Stiftungen.
Danke dir.
Hast du in Bernardis Akten die Notiz zu Kerber gesehen?
Ja. Er hat einen jüngeren Bruder.
Genau. Marcel, 30 Jahre.
Wurde mehrmals festgenommen wegen Autodiebstahls und Drogenbesitzes.
War im Gefängnis, hat keinen festen Wohnsitz.
Warum hat sich Bernardi dafür interessiert?
Kerber war ihr Personenschützer.
Deshalb wollte sie alles über ihn wissen.
Denkst du wirklich, dass sie Kerber in Verdacht hatte,
ein Maulwurf zu sein und dass er was mit der Mafia zu tun hat?
Auffällig ist, dass es in dem Hotel vier Ausgänge gibt.
Am Tag des Attentats nehmen sie ausgerechnet den Seitenausgang,
wo in dem Gebäude gegenüber im 3. Stock der Scharfschütze lag.
Vielleicht gab es an jedem Ausgang einen Schützen. Hm?
Plausibler ist es, dass es nur einen gab
und der wusste, wo sie rauskommt. Und Kerber hat es eingefädelt.
Er hat die Entscheidung getroffen.
Bruno hat mich gebeten herauszufinden,
was damals an der Polizeischule passiert ist. Was?
Naja, du weißt, was ich meine.
Du hast Verena gebeten, dass sie über mich recherchiert? Ja.
Ich wollte wissen, was zwischen euch war. Du hast es mir ja nicht gesagt.
Willst du es uns jetzt sagen, Jan?
Gut, aber unter vier Augen.
Kerber war ein cooler Typ zum Party machen und so.
Aber auch ziemlich durchgeknallt.
Er hatte eine Clique in unserem Jahrgang.
Und in einer Nacht ...
... haben sie meinen Kumpel Ivo ...
... geschlagen, bespuckt und ...
... als Schwuchtel beschimpft.
Und Kerber meinte, wenn ich ...
... keine Schwuchtel sei, dann ...
... soll ich ihm auch eine reindrücken.
Ich hatte nicht den Mut, 'nein' zu sagen.
Ja, ...
... ich habe meinen besten Kumpel geschlagen.
Ich habe mich so geschämt.
Ich schäme mich immer noch.
Ich glaube, ich muss mich bei dir entschuldigen.
Und?
Hast du, was du wolltest?
Ist es schlimm?
Du hattest nichts rausgefunden, oder?
Ich habe seinen ganzen Jahrgang angerufen.
Keiner wollte was sagen. Da dachte ich, ich frage ihn direkt.
Du dachtest, wenn du ihn überrumpelst, wird er mit uns reden.
Genau.
Ich finde es nicht gut, dass du mich so was machen lässt. Ich auch nicht.
Aber das da draußen war jetzt auch nicht die feine englische Art, oder?
* Knall *
* Laute Kommandos *
(SEK) Runter! Arme auf den Rücken!
Arme auf den Rücken!
Zwei männliche, eine weibliche! Raum sicher!
Bum!
Scheiße Tommi, Scheiße! Scheiße, Scheiße, Scheiße!
Es tut mir leid! Sorry! - Es tut mir leid. Sorry.
Was heißt denn das, 'sorry'? Sorry bringt mir 'nen Scheiß.
Tommi, ich will, dass du deinen Job machst!
Mann! Wie oft noch, Tommi? Wie oft noch?
(Kerber) Willst du 'nen Kaugummi?
Ich rede mal mit Kerber. Okay, dann nehme ich mir die anderen vor.
Sie haben sich freiwillig gemeldet, um die Richterin zu bewachen.
Logisch, verglichen mit unseren Einsätzen ist das wie Urlaub.
Wir stehen auf derselben Seite, Schumann. Vergessen Sie das nicht.
Vor zwei Tagen, als auf die Richterin geschossen wurde,
haben Sie allein entschieden,
durch welchen Ausgang... Wollen Sie wissen, wie wir entscheiden?
So entscheiden wir das. Vor dem Aufzug werfe ich die Münze.
Die Jungs sind dabei. Tiefgarage oder Lobby? Kopf oder Zahl?
Zahl, also Lobby.
Vordereingang oder Seiteneingang?
Kopf. Vorderausgang.
Vorgestern war es Seitenausgang.
Ich habe nichts verplant. Das war verkacktes scheiß Pech.
Wie geht's Ihrem Bruder?
Ihr Bruder Marcel?
Langes Vorstrafenregister, zurzeit ohne Job und ohne festen Wohnsitz.
Haben Sie mal mit der Richterin über Ihren Bruder gesprochen?
Nur mit einem der Jungs, aber im Wagen.
Später hat sie mich gefragt, wie es ihm geht.
Sie musste wissen, ob auf Sie Verlass ist.
Ihr Bruder ist doch das schwarze Schaf in Ihrer Familie.
Das ist eine Schwachstelle.
Schwachstellen konnte sie sich nicht leisten.
Schumann, ficken Sie sich!
Hm? Warum hat sie nicht sofort darauf bestanden,
dass ein anderer die Leitung des Sicherungsteams übernimmt?
Weil sie nicht so scheiß paranoid war wie Sie!
Es ist nicht immer ein Mann da, der dich beschützt. Ich komme schon klar.
Ach, echt? Und was machst du jetzt?
Reden. Ich würde ihm erklären,
dass es ein schlechter Weg ist, um eine Frau kennenzulernen.
Huh, Flint.
Kommunikation ist alles.
So Mädels, wenn euch noch was einfällt, dann ruft mich an.
War übrigens echt gut.
Danke.
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
* Violinenkonzert *
Die Spusi hat nichts Besonderes gefunden in der Suite.
Aber die KTU hat ergeben,
dass große Datenmengen von Bernardis Computer gelöscht wurden.
Also komplett. Die Festplatte wurde formatiert.
Hol mir mal die Erika Gianni.
Wie liefen eigentlich die Ermittlungen gegen Scialdi?
Sie hat nur noch auf ein letztes Formular gewartet.
Hat sie das Formular bekommen? Ich weiß nicht.
Die Frist wäre bald abgelaufen. Sie war sich sicher.
Eine Frage von Tagen, hat sie gesagt.
Was meinen Sie, was ist passiert?
Das ist doch klar. Scialdi ist ihr zuvorgekommen.
Aber was hat sie dazu bewogen, die Beweise gegen Scialdi zu vernichten?
Sie hat doch nichts vernichtet. Doch, Frau Gianni.
Sie hat die Festplatte ihres Laptops neu formatiert.
Wie erklären Sie sich das?
Sie hat sich nicht einschüchtern lassen.
Unmöglich.
Stimmt es nicht,
dass jeder Mensch einen Punkt hat,
an dem er bricht?
Eine schwache Stelle,
die uns verwundbar macht.
Und wehe, wenn die jemand findet...
Dann wird es gefährlich. Und was soll das bedeuten?
Mireille Simons.
Aber niemand wusste von ihr. Sie wussten von ihr.
Was erzählen Sie mir da? Ich habe Chiara immer geschützt.
Wissen Sie, wie es ist, Feind der Mafia zu sein?
Ohne absolutes Vertrauen geht nichts.
Ohne Vertrauten, ohne Komplizen, stirbt man früher oder später.
Ihr Bruder wurde von der Mafia ermordet, meine Eltern genauso.
Nichts kann uns davon abhalten,
tagtäglich gegen diese Monster zu kämpfen.
Nichts!
Aber dann hat sich einiges verändert.
In Chiaras Leben war plötzlich jemand anderes.
Aber Sie...
Sie waren allein. Ich bin nicht homosexuell, Herr Schumann.
Chiara wusste das.
Ich habe ihr immer gesagt,
das ist der wahre Grund, warum wir so ein gutes Team sind.
Sie fand es lustig.
Chiara Bernardi. Solange sie allein war, kein Mensch um sie war,
solange kam auch keiner an sie ran.
Aber dann kam Mireille.
Und durch sie wurde die Bernardi erpressbar. Verwundbar.
Mireille ist ihr Kryptonit.
Ihr was? Kryptonit.
Nie Comics gelesen? Die große Schwachstelle von Superman.
Sie hatte eine Sehnsucht.
Aber gerade jetzt, wo sie kurz davor war, Scialdi festzunageln,
tritt Mireille in ihr Leben. Das kann doch kein Zufall sein.
Du meinst, es war arrangiert?
Inge, guck mal in der Akte von dem Rechtsanwalt Meixner nach.
In welchen deutsch-italienischen Stiftungen sitzt er im Beirat?
Istituto Italiano di Cultura in Berlin.
Nazarener-Stiftung für Kunst und Literatur.
Fondazione Paoli... Stopp!
... großer Fehler.
Ich habe besonderen Schutz durch das Gesetz. Haben den nicht alle?
Kennen Sie Mireille Simons? Nein, wer ist das? Erstaunlich.
Dabei sitzen Sie doch im Beirat einer Stiftung,
die Frau Simons erheblich unterstützt.
Kann schon sein.
Wie ist denn Ihr Verhältnis zu Frau Simons?
Wir unterstützen sie...?
Das lag in der Schublade Ihres Schreibtisches.
Ist nur eine Nummer im Speicher.
* Violinenmusik *
* Handy *
* Handy *
Können Sie bitte gehen? * Handy *
Herr Meixner?
Hallo?
Hat Frau Bernardi auch regelmäßig Ihre Konzerte besucht?
So eine Stradivari.
Was ist die wert?
Drei, vier Millionen?
Die Geige gehört der Fondazione Paoli.
Diese alten Instrumente müssen regelmäßig gespielt werden.
Also stellt Ihnen die Stiftung das Instrument zur Verfügung.
Im Stiftungsbeirat sitzt Felix Meixner,
der Anwalt von Benedetto Scialdi.
Ich kenne ihn nicht.
Also, ich habe ihn nie persönlich getroffen.
Ich nehme Sie vorläufig fest. Wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord.
Ihr sollte nichts geschehen.
Sie hatte alle Beweise gegen Scialdi vernichtet. Er hatte sie erpresst?
Ja. Es war sehr schwer für sie.
Sie hatte die Wahl: entweder Scialdi oder unsere Liebe.
Sie entschied sich für uns. Verstehen Sie?
Es sollte ihr nichts geschehen.
Und Sie? Haben Sie sie auch geliebt?
Mein Job war nur, ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens zu werden.
Dann musste Scialdi ihr nur noch drohen, dass sie das wieder verliert.
Kommen Sie.
Herr Scialdi, das ist Herr Vogelsang.
Er arbeitet fürs Außenministerium und wird uns helfen.
Ihr Anwalt wird nicht kommen. Er wurde gerade verhaftet.
* Er übersetzt das folgende Gespräch. *
Ich bin sicher, Sie werden bald einen neuen Anwalt finden.
Sie haben heute die Chance, mit mir zu sprechen.
Mireille Simons ist gerade dabei, eine umfassende Aussage zu machen.
* Er spricht Italienisch. *
Ich habe mit dem Tod von Frau Bernardi nichts zu tun.
Das hat Frau Simons auch gesagt. * Er übersetzt. *
* Italienisch *
Ich hatte kein Interesse an ihrem Tod.
Es ist immer besser,
eine Richterin in der Tasche zu haben,
als sie aus dem Weg räumen zu müssen.
* Italienisch *
Sie sind klug. Sie haben es verstanden.
Ich denke, das reicht. Dieses Gespräch ist beendet.
* Italienisch *
Sie hat getan, was Scialdi von ihr verlangt hat.
Sie hat alle Beweise gegen ihn vernichtet.
Warum musste sie trotzdem sterben?
Weil Scialdi auf Nummer sicher gehen wollte?
Er wusste doch, was sie für ihn wert war.
Er hätte sie nie töten lassen.
Warum? Das ergibt überhaupt keinen Sinn.
Ich komm da jetzt auch nicht weiter. Wir sehen uns.
Sorry! Ich habe gedacht,
ich kriege was raus, weil er erst kurz bei der Einheit ist.
Wir wissen doch überhaupt nicht, welche Rolle diese Jungs spielen.
Es ist so ein bisschen aus dem Ruder gelaufen.
Er war für die Überwachung im Hotel zuständig.
Er will aber hinschmeißen. Da dachte ich, ich krieg was raus. Dann...
Ich habe lange gekämpft, um zum SEK zu kommen.
Vier Jahre lang. Aber ich bin dafür nicht gemacht.
Ich weiß nicht, wie die anderen das machen. Ich kann das nicht.
Okay, gut.
Würdest du uns denn weiterhelfen?
Wie ist entschieden worden,
dass ihr das Hotel durch den Seitenausgang verlasst?
Ja, wie immer. Wir haben eine Münze geworfen.
Ja? Okay.
Nein. Kerber hat keine Münze geworfen an dem Morgen. Okay?
Warum hast du denn gerade was anderes gesagt? Weil...
Es war abgemacht, dass alle sagen, es war wie sonst.
Da habe ich dasselbe gesagt, also...
Ist ja geil.
Hast du mal 'nen Schnorri?
Ein richtiger Jungs-Spielplatz.
Was ist dann mit deinem Kumpel Ivo passiert?
Hat Kerber ihn weiter verfolgt? Er hat abgebrochen und ist weggezogen.
Ich war gestern bei ihm. Ich habe mich entschuldigt.
Das habe ich die ganzen Jahre nicht geschafft.
Guck mal hier.
Alter Verwalter.
* Stimmen *
Sie haben am Tag des Attentats keine Münze geworfen,
wie an jedem anderen Tag.
Dieser Anwalt ...
... hat mir gesagt, wir sollen den Seitenausgang nehmen.
Das ist alles. Dafür gab's die Kohle. - Frank?
Ich komme gleich. - Alles okay?
Ich komme gleich.
Marcel hat Schulden. Okay?
Als die mich nach meinem Bruder gefragt hat...
Scheiße.
Ich habe echt gedacht, sie hat sowas wie ein Mitgefühl. Aber...
Die Richterin war der Ansicht,
dass die Menschen, die wir lieben, uns käuflich machen. Ja.
Ja.
"Die Richterin war der Ansicht, dass die Menschen, die wir lieben,"
"uns käuflich machen."
Chiara sollte doch nichts geschehen.
Sie hatte alle Beweise gegen Scialdi vernichtet.
"Frau Bernardi hat Sie viermal besucht."
* Italienisch *
Ich hatte kein Interesse an ihrem Tod.
Nichts kann uns davon abhalten, gegen diese Monster zu kämpfen.
Jan, wir gehen den Ablauf vor dem Hotel nochmal durch.
Besorg die Limousine von Bernardi, genau das gleiche Modell.
Gehen wir etwas spazieren?
Was soll das hier?
Ich bin Sie. Sie sind die Richterin.
Ein SEK-Mann hier, einer da. Vor drei Tagen.
Sie gehen zum Wagen.
Der erste Schuss.
Sie werden getroffen.
Sie stoßen die Richterin in den Wagen,
erwidern das Feuer.
Der Scharfschütze schießt zurück.
Sie werfen sich auch auf die Rückbank über die Richterin.
Dann erst hört der Scharfschütze auf zu schießen.
Sie horchen.
Nichts.
Sie sind beide still.
Der Richterin ist nichts passiert, aber ihre Wunde tut weh.
Haben Sie etwas gesagt?
Ich habe gefragt, ob sie okay ist. Was hat sie geantwortet? Ja.
Hat Sie sie dabei so angesehen, wie jetzt, direkt in die Augen?
Sie lassen sich die letzten Sekunden nochmal durch den Kopf gehen.
Man hat auf uns geschossen. Ich habe zurückgeschossen.
Sowas passiert in unserem Beruf. Schauen Sie...
Schauen Sie! 30 Meter Entfernung oder 40? Was glauben Sie?
Durch das Okular sieht er die Richterin.
Ein Profikiller, engagiert von der Mafia, ein Präzisionsschütze
mit einem vollkommenen freien Blick auf das Ziel.
Niemand stört ihn. Er schießt ...
... und er trifft das Ziel nicht?
Wie geht das? Wie kann das sein?
Und plötzlich haben Sie es begriffen.
Unter diesen Umständen hätte er die Richterin treffen müssen.
Ihr Kampf gegen die Mafia: Dem haben Sie Ihr ganzes Leben geopfert.
Ihre Komplizin hatte die Seiten gewechselt.
Sie war verliebt und damit war sie erpressbar geworden.
Ich war jetzt im Weg.
Sie hätte allen was vormachen können.
Sie hätte sagen können,
dass sie die Beweise gegen Scialdi nicht bekommen hat.
Dass die Beweise nicht reichen.
Dass der Informant es vermasselt hat.
Aber mir hätte sie nichts vormachen können.
Ich hätte das nie akzeptiert.
Es war jetzt sie ...
... oder ich.
Verstehen Sie das?
Es war nicht mehr wir beide gegen den Rest der Welt.
Es war sie oder ich.
Sie haben die Haftmine besorgt.
Sie wussten,
dass sie sich heimlich zu ihrer Liebhaberin schleichen würde.
Wir sind im Krieg.
Sie war eine Verräterin.
Was macht man mit Verrätern im Krieg?
* Violinenkonzert *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019
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