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Zulu
Ich hab die Chance, Frauen zum Schwangerschaftsabbruch
nach Amsterdam zu begleiten.
Sind Sie irgendwie in die Organisation involviert?
Natürlich nicht.
* Stimmengewirr, Rufe *
Schlüssel vergessen.
Wow! - Ja, die ist gerade reingekommen.
Ist die von dieser Illustratorin?
Genau, Rosie Miller.
Hast du eigentlich prinzipiell was gegen Männer?
Nee, wieso? Warum bist du nicht verheiratet?
Wenn Sie wollen, können Sie mich gern mal zum Essen einladen. Gern.
Schade, dass das dein Vater nicht mehr erlebt.
Mama, er war ein Nazi! Er war bei der SS.
Das waren andere Zeiten.
Die Kollegen vom Blatt sind wohl hinter Frau Wolf her,
sie planen eine Geschichte über sie.
Sie sind in eine Gruppe Menschen gefahren.
Danach haben Sie einem werdenden Vater ins Gesicht gelogen
und gesagt, sein ungeborenes Kind wäre behindert. Nein.
Wen interessiert das, Sie haben das mitorganisiert,
Sie missachten alle journalistischen Grundregeln.
Jedes Wort, das ich geschrieben habe, ist wahr.
Im Gegensatz zu diesem Mist hier.
Wollen Sie vor denen einknicken? Nein.
Und nur deshalb werde ich Sie auch nicht rauswerfen.
Schicken Sie die Simonis rein.
Hätte ich Sie nicht angelogen, wäre dieser gute,
richtige und wichtige Artikel niemals erschienen!
Ich kann Ihnen nicht vertrauen.
* Klopfen, Tür öffnet sich. *
Frau Wolf wird Ihnen ab sofort
für das Sonderheft "Auto und Verkehr" zuarbeiten.
Sie brauchen sicher Unterstützung bei den Raststättentests.
Ja, aber...
Dann bringen Sie die Kollegin auf den neuesten Stand. Bitte.
Sie reden von Vertrauen, Kerckow, dabei sind Sie einfach nur feige.
Genau wie Ihre dämlichen Schildkröten,
immer schön unterm Panzer verstecken.
Von mir aus können Sie an Ihren journalistischen Regeln ersticken.
Die Schildkröten haben seinem Sohn gehört.
Thomas ist vor 18 Monaten gestorben, an Leukämie.
Er war 13 Jahre alt und sein einziges Kind.
* Stimmengewirr, Telefonklingeln *
* Musik: "Born For This" von Royal Deluxe *
# No one else could ever hold a candle.
Get ready for a battle cause you know
that I was born ...
for this.
I was born ...
for this. #
"(Frau im Film) Ich will nur in deiner Nähe sein."
"Verlass mich nicht."
"Ich sag auch nichts mehr, ich bin still. Aber geh nicht."
"Verlass mich nicht!"
* Traurige Klaviermusik *
* Musik: "Ne me quitte pas" von Jacques Brel *
* Applaus *
* Jubel *
* Jazzmusik, Stimmengewirr *
Die hat mir grade noch gefehlt.
Mörderin! Babymörderin!
Sie hat sie vollgeschüttet. Hoffentlich mit Schwefelsäure.
Zarah, ma chérie!
(beide) Bon soir.
Wie schön. Du siehst fantastisch aus.
Du auch. Komm, bitte, komm!
Bella, chérie, darf ich dir Zarah vorstellen, eine alte Freundin.
Gratulation. Danke.
Francois Chevalier.
(beide) Guten Abend.
Deutschlands grausamste Emanze.
Ihr Ruf ist fast so schlecht wie meiner.
Ihr entschuldigt mich? - Bien sûr.
Mh!
Ja.
Die hätte wenigstens Champagner nehmen können.
Manchmal werde ich auch bespuckt.
Passiert mir hier ständig.
Na ja, wenn Sie sich zu schade sind, im Dirndl über Almwiesen zu hüpfen,
stattdessen lieber die Femme fatale beim Erzfeind spielen...
Also, erstens spiele ich nicht nur die Femme fatale,
und zweitens ist es besser als Babys umzubringen.
Was ist? Was gucken Sie so?
Bella, hast du nicht Lust auf ein ehrliches Gespräch?
Nach all dem Blödsinn, den die über dich geschrieben haben?
Mh... Ich geb in Deutschland keine Interviews.
Kein... Kein... Kein Interview.
Ein ehrliches Gespräch.
Von Frau zu Frau.
Wir zwei Hassobjekte Deutschlands.
Die Fotos macht Helmut Newton.
Helmut? Helmut, ja.
Ein alter Freund von mir. J'aime les photos.
Ah oui? Ah oui.
* Ernste Musik *
Bitte hier.
Wunderbar.
Danke sehr. Gerne.
Ja, es gibt fantastische Neuigkeiten.
Bella und ich werden ein großes Interview miteinander führen.
Kein Interview, ein Gespräch.
Bella hat seit 10 Jahren mit keinem deutschen Journalisten gesprochen.
Wir fahren das ganz groß, fünf Doppelseiten mindestens.
Helmut Newton macht die Fotos.
Wir sollten einen Schwarz-Weiß-Titel machen,
im Stil des Film noir...
Sie reden von Sachen, von denen Sie keine Ahnung haben.
Hartwig. Ich bin der Idiot, der Ihrem Management
seit über einem Jahr für eine Audienz hinterherrennt.
Das ist kein Grund, Ihre Kollegin zu beleidigen.
Ich kann es nicht ab, wenn Hausfrauen
den Film noir mit Schwarz-Weiß-Film vergleichen.
Wenn Sie mich noch mal Hausfrau nennen,
schneide ich Ihnen die Eier ab.
Seit wann ist das ein Schimpfwort?
Wollen Sie meine Oma und Mama beleidigen?
Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sogar sehr.
Trinken wir auf das tolle Bella- Hausmann-Interview in "Relevant".
(Bella) Prost.
Ich bin überglücklich, dass Sie auf unserem Titel sind.
* Rock-and-Roll-Musik *
* Spielautomatentöne *
* Spielautomatentöne *
* Entspannte Lounge-Musik *
* Ohne Ton *
* Schnaufen *
* Wecker klingelt. *
* Er ächzt. *
* Er schnauft. *
* Klopfen *
Morgen. Morgen.
Ihre Frau hat angerufen und bittet um Rückruf.
Danke.
Wie hat sie geklungen?
Ja... Besorgt.
Hier, das wird Sie interessieren.
"Auf der Premierenfeier von 'Die Ungezähmte',
in dem sie die Titelrolle spielt,
verkündete Bella Hausmann, dass sie bereit sei,
der umstrittenen Journalistin Zarah Wolf für das Magazin 'Relevant' ..."
"Rede und Antwort zu stehen."
"'Relevant'-Verleger Frederick Olsen zeigte sich hocherfreut
und erklärte gegenüber dem 'Blatt':
'Ich bin ein glühender Verehrer der großartigen Bella Hausmann,
und die Konstellation Hausmann/Wolf
ist in jedem Fall eine journalistische Sensation.'"
Ja, hab ich gelesen. Und was wollen Sie?
Wie können Sie mir so in den Rücken fallen?
Ich dachte, wir waren uns einig,
die Wolf nach der Abtreibungs- geschichte kaltzustellen!
Die Wolf war zur rechten Zeit am rechten Ort.
Wo waren Sie eigentlich?
Hätten Sie gestern Abend das Interview klargemacht,
wäre mir dieses peinliche Schauspiel erspart geblieben!
Das ist ganz allein Ihre Schuld. Sie machen Ihren Job nicht!
Es ist doch nicht mein Job,
auf Premierenfeiern rumzustehen und Champagner zu trinken.
Dann beschweren Sie sich nicht, wenn die Wolf es macht.
Als Chefredakteur von "Relevant" können Sie sich nicht verkriechen.
* Ernste Musik *
* Aufzugklingeln *
Ihre Busenfreundin,
irgendwas ist nicht ganz richtig mit der, ne?
Hä?
Finden Sie das normal?
Bella Hausmann?
Ja, wer denn sonst?
Hartwig, was haben Sie mit ihr gemacht?
Nichts, die ist irre!
Hartwig!
Wenn Sie Bella Hausmann irgendwie belästigt haben,
dann mach ich Sie fertig.
Ob Sie's glauben oder nicht, aber hier bin ich das Opfer.
Ja, und Sie können mal Zähne putzen.
* Dynamische Musik *
Fräulein Wolf?
Frau Wolf?
Ich hab Newtons Agentur angerufen,
er ist die nächsten acht Monate ausgebucht.
Und von einem Shooting mit Bella Hausmann wissen die nichts.
Was mischen Sie sich ein, das ist meine Sache!
Wir brauchen die Bilder in 4 Tagen. Wie soll das gehen?
Das ist eine Sache zwischen mir und Helmut.
Noch was, Frau Wolf.
Die Auswahl der Fotografen ist meine Sache.
Hier kann nicht jeder sein Süppchen kochen!
Herr Balkow, einen Moment bitte!
Ich hab hier drei Rechnungen
von einer Rosie Miller für Illustrationen.
Der Abtreibungsartikel geht klar,
aber die anderen beiden hat Herr Kerckow nicht bestellt.
Ja, aber ich.
In Absprache mit Herrn Kerckow natürlich. Hat er wohl vergessen.
Es geht um 6000 Mark.
Ja, und?
Herr Kerckow möchte in Zukunft alle Aufträge abzeichnen, ja?
Oh, danke schön.
(Balkow) Zum Kotzen, Mensch!
* Telefonklingeln *
* Balkow flucht weiter. *
Sag mal...
Hedda, Schätzchen.
Wieso telefonierst du mir hinterher, vertraust du mir nicht?
Weißt du, wie verletzend das ist?
Tschüss, Schätzchen, bis später.
Lass stecken, ich ruf ihn selber an.
* Schaffelgerber telefoniert im Hintergrund. *
Hu!
Du warst im Archiv!
Super!
Du kannst mir beim Fragenkatalog helfen.
Wie anspruchsvoll.
Was willst du z. B. wissen von Bella Hausmann?
* Stimmengewirr, Telefonklingeln *
Wie Sie es geschafft hat, dich so um den Finger zu wickeln.
Das war eher umgekehrt.
Außerdem wollte ich dich fragen: Kennst du Penny Slinger?
Ja. Die stellt aus in der Milchstraße, ich hab 'ne Einladung.
Du kannst ja was schreiben über Sie,
ein kurzes Porträt, Eindrücke von der Ausstellung?
Klar, gern.
Frau Wolf?
Herr Kerckow möchte Sie sprechen.
Die große Bella Hausmann gibt Ihnen also ein Interview?
Mhm.
Also, ich hab's nicht geplant, ich bin da so ... reingerutscht.
Prinzipiell ist das nicht uninteressant,
aber normalerweise gehen wir mit so was erst raus, wenn's sicher ist.
Sie stehen massiv unter Zugzwang, Frau Wolf.
Ich bin mit Bella heute Abend um acht verabredet.
Und wo wollen Sie Helmut Newton so schnell herbekommen?
Das ist ein Freund von mir.
Hm.
Herr Kerckow, ich...
Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen.
Ich hätte Sie nicht anlügen dürfen.
Und wofür ich mich wirklich schäme,
ist die Bemerkung über Ihre Schildkröten.
Das tut mir wirklich leid.
Ich weiß gar nicht, warum ich das gesagt hab.
Ich... Ich mag Schildkröten eigentlich.
Die sind ... ja, so ...
berührend irgendwie, nicht, und so alt und würdevoll
und weise auch.
Übertreiben Sie mal nicht.
* Sie räuspert sich leise. *
Für Sie. Also für sie.
"Lucky Turtle Spezialfutter".
* Sie lacht leicht. * Danke.
(verlegen) Bitte.
* Ruhige Musik *
Haben die auch Namen eigentlich?
Fix und Foxy.
Und ... wer ist wer?
Ich kann die nicht auseinander- halten, mein Sohn konnte das.
* Langsame Musik *
Frau Wolf, Entschuldigung, aber Sie haben wohl keine Zeit mehr
für Autobahnraststätten? Frau Simonis...
Hm? Ja, schon gut.
Dass Sie Autobahntoiletten testen, hab ich sowieso nie geglaubt.
Das war wohl eher so eine Männerfantasie.
Soll ich mitkommen? Hm?
Wir machen uns schöne Tage mit Jägerschnitzel, Gummibärchen...
Oh, das klingt verlockend, aber ich nehm jetzt meinen Schatz mit.
Nicht böse sein, ja? Iwo!
Ich will doch deinem Glück nicht im Wege stehen.
* Simonis lacht. * Das wird so romantisch!
Auf dem Highway dem Sonnenuntergang entgegen.
Sie wissen gar nicht, wie schön das ist. Ein Mann, der...
Gibt's eine Möglichkeit, dass ihr woanders weitertratscht? Küche?
Ja.
* Telefonklingeln *
Mary, that was...
Tante Mathilde?
Was, schon wieder?
Nee, ich komm!
Ich sitz in der Scheiße.
Ich sagte, ich kenn Helmut Newton,
dabei hab ich nicht mal seine Nummer.
Und jetzt kommst du bei mir angedackelt?
Nein, ich wollt dir nur sagen, warum ich grad so doof war.
Und ich dachte schon, du bist einfach 'ne blöde Kuh.
Ja, bin ich auch.
Wo willst denn jetzt hin?
* Türschloss *
Was ist denn los?
Sie ist wieder umgefallen, die Nachbarin hat sie gefunden.
Warum? Was ist denn mit ihr?
Hat sie dir nichts gesagt?
Nein, was denn?
Sie hat Krebs.
* Langsame Musik *
Es kann jetzt ganz schnell gehen, sie hat nicht mehr viel Zeit.
Sie muss ins Krankenhaus.
Nein, das hab ich ihr versprochen!
Sie möchte hierbleiben, bitte!
* Traurige Musik *
(schluchzt) Mama.
Mama.
Wieso hast du mir denn nichts gesagt?
Was hätte das geändert?
Ich wäre netter gewesen.
(schluchzt) Mama!
Komm, ist ja gut, ist ja gut.
* Langsame Musik *
Fräulein Jansen, so spät noch fleißig?
Haben Sie schon gegessen?
Darf ich Sie vielleicht einladen?
Okay.
Wo wollen Sie hin? Der Wagen steht in der Tiefgarage.
* Geschirrklappern im Hintergrund *
Ich habe mir unser erstes Rendezvous etwas anders vorgestellt.
Von einem Rendezvous weiß ich nichts.
Sie sind altmodisch? Ja, sehr.
Das gefällt mir.
Ich bin aber auch nicht so gut auf Sie zu sprechen, Herr Olsen. Warum?
Sie sind Herrn Kerckow in den Rücken gefallen.
Ich möchte mich nicht einmischen und verstehe,
dass man zu einem Bella-Hausmann- Interview nicht Nein sagen kann.
Aber trotzdem.
Sie sind sehr loyal.
Ja.
Ich möchte Sie hiermit offiziell um ein Rendezvous bitten.
Nächste Woche Freitag.
Freitag müsste gehen.
* Dynamische Musik *
Mhm!
* Dynamische Musik *
Guten Abend. Abend.
Ich bin mit Bella Hausmann verabredet,
hab mich leider etwas verspätet. Zarah Wolf.
Könnten Sie ihr sagen, dass ich hier warte?
* Leise Lobbymusik und Stimmengewirr *
Frau Hausmann, hier ist eine Frau Wolf für Sie.
Sie sagt, Sie sind verabredet?
Mhm.
Mhm! Mhm.
Mhm.
Frau Hausmann lässt ausrichten, dass sie es sich anders überlegt hat.
Sie wird Ihnen kein Interview geben.
Nein, das kann nicht sein. Können Sie sie noch mal anrufen?
Ich muss sie dringend sprechen. Tut mir leid.
Kann ich sonst noch was für Sie tun? Nein.
Danke schön.
* Telefon klingelt. *
Hartwig hier?
"Guten Abend. Könnte ich Ihren Mann sprechen?"
Zarah Wolf hier. "Georg?"
(genervt) Was?
Muss das sein, dass deine Schlampen auch noch hier anrufen?
Kannst du nicht einmal die Klappe halten?
Ja? "Hartwig."
Wissen Sie noch die Zimmernummer von Bella Hausmann?
Sind Sie jetzt völlig irre?
Ich würd nicht fragen, wär's nicht wichtig.
* Es klopft an der Tür. *
Du! * Sie lacht auf. *
Ich hab doch gesagt, ich will nicht.
Ist es wegen Hartwig?
Wem? Oder weil ich mich verspätet hab?
Weißt du eigentlich, wie viel Zeit
ich am Set mit Warten verschwende?
Bella, es tut mir leid... Lalalalala, ich will nichts hören.
Ich hab keine Zeit mehr. Okay.
Wir machen einen neuen Termin. Morgen?
Hm... Hab ich keine Zeit.
Wann hast du denn Zeit?
Ich hab gar keine Zeit mehr für dich. Geh jetzt!
Moment, Moment. Bella, wir...
Wir hatten eine Abmachung, du hast zugesagt.
Ich muss dieses Interview machen.
Ich hab jetzt aber keine Lust mehr.
Wie, keine Lust? Auf den ganzen Zirkus.
Bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla.
Bella hier, Bella da, Bella, lächeln!
Dabei geht's überhaupt nicht um mich.
Ihr Zeitungsleute, ihr ... seid wie Vampire.
Du hast doch meinen Kollegen gebissen.
* Unruhige Musik *
Wenn du jetzt nicht gehst, schrei ich.
Dann schrei doch.
Ich lass mir doch nicht von dir sagen, was ich zu tun habe.
Du brauchst mich. Ich brauch dich nicht.
Außerdem hab ich Besseres zu tun. Ja? Was denn?
Champagner saufen? Wahllos irgendwelche Proleten vögeln?
Ei...
Es muss schon schlimm sein, wenn einen keiner leiden kann
und man noch nicht mal jemand zum Vögeln hat.
Weißt du was?
Du hast recht.
Ich bin total alleine, und ich sitz echt in der Scheiße.
Aber ich hab wenigstens die Selbstachtung, es auszuhalten.
* Musik: "Wild Horses" von The Rolling Stones *
# Faith has been broken.
Tears must be cried.
Let's do some living
after we die.
Wild horses
couldn't drag me away.
Wild, wild horses.
We'll ride them someday.
Wild horses
couldn't drag me away.
Wild, wild horses.
We'll ride them someday. #
Warst du denn jetzt bei der Hausmann?
Mhm.
* Uhr tickt. *
Deren Vater hab ich gern gesehen.
So ein guter Schauspieler.
Heinrich Hausmann hat einen Nazifilm nach dem anderen gedreht.
Oh... Kannst du das Thema nicht mal lassen?
Das hat doch gar nichts damit zu tun.
Entschuldige, Mama, mein Vater war eben ein Nazi
und war bei der SS, wie soll ich das Thema denn lassen?
Entschuldige.
Er war nicht dein Vater.
Was?
Ich... Ich war noch jung.
Dein Vater, also Rolf, war nicht da.
Ich war allein.
Da ist es passiert.
* Ernste Musik *
Es war sehr schwer.
Ich hab mich sehr geschämt.
Wer? Wer war's?
Du kennst ihn nicht.
Erzähl mir von ihm.
Es hat keine Sinn ...
in der Vergangenheit rumzuwühlen.
Mama... Mama, ich muss doch wissen, wer mein Vater ist!
Es ist nicht wichtig.
Mama, bitte sag's mir!
Zarah...
Lass es.
* Ruhige Musik *
* Verzweifelter Laut *
Moin. - Moin, Inga.
Ja, moin.
Es war eine ziemliche Operation, die fünf Doppelseiten freizuschaufeln.
Balkow und ich haben die ganze Nacht dran gesessen.
Was Sie da zusammengeschustert haben, ist inakzeptabel.
Ich find's unter den gegebenen Umständen ganz gut gelungen.
Mensing, leiden Sie unter Schlafmangel
oder völliger geistiger Umnachtung?
Mein Barzel-Interview hinter dem Rätselteil verstecken,
während diese dummen Gänse vorne ihre Albernheiten verbreiten.
Aber Ihr Barzel-Interview ist auch bloß heiße Luft.
Wäre wenigstens die Einschätzung über Kohl noch drin.
Aber es ist Politik, es ist relevant.
Film ist auch relevant.
Die Hausmann ist Boulevard.
* Flotte Musik *
Sie schläft, ich muss kurz weg. Ich bleib bei ihr.
Die haben mein Hausboot durchsucht. Das Frauenforum auch.
Die ermitteln gegen uns wegen Beihilfe zur Abtreibung
und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung.
Ich kann das grad nicht brauchen...
Fahr nach Hause, Zarah, schlaf dich aus.
Ja.
(Balkow) Wir müssen über einen alternativen Titel nachdenken.
Was war das? - 12,20 bitte.
Stimmt so, danke. - Danke.
Warum? Die Wolf ist dran.
Ja, ich hab aber seid gestern nichts von gehört.
18,80.
Außerdem ist Newton viel zu teuer.
Wenn ich da eine Illustratorin... Darum geht's doch grade nicht.
Herr Kerckow, das ist ein Bruchteil des Budgets. Frau Wolf.
Gut, dass Sie da sind, wir reden gerade über das Interview.
Ich...
Ich wollte Ihnen sagen, ich... ich kann's leider nicht machen. Also...
Es wird kein Interview geben.
Was... Was?
Warum nicht?
Meine Mutter liegt im Sterben.
* Sie räuspert sich. * Entschuldigung.
* Ernste Musik *
* Stimmengewirr, Schreibmaschinengeräusch *
Zarah! Ich hab was für dich.
Er ist in Italien im Urlaub.
Helmut Newton?
Was ist denn los?
Du bist lieb. Danke.
(besorgt) Zarah.
Zarah...
Du hast Besuch.
* Langsame Musik *
Es gibt wenige Menschen, mit denen man sich streiten kann.
Ich... ich kann nicht klagen.
(unsicher) Hm...
Willst du doch sprechen.
(angespannt) Mhm.
Wirklich romantisch.
Wenn dir alles zu viel wird, lichtest du den Anker
und fährst aufs Meer. Danke, dass du's dir anders überlegt hast.
Das liegt nur an meiner mangelnden Selbstachtung.
* Chanson-Musik im Hintergrund *
Entschuldige, das war nicht fair, das war total doof.
* Bella lacht leicht. *
Alles ein bisschen viel grad.
Was ist los?
Meine Mutter liegt im Sterben.
Und der SS-Mann, den ich bis heute Früh für meinen Vater hielt,
ist gar nicht mein Vater.
Mein Vater war kein Nazi.
Er war nur ein mieser Opportunist.
Ich hab noch nie öffentlich über ihn geredet.
(vorsichtig) Ja?
Überall, wo ich hinkomme, heißt es,
was für ein großartiger Schauspieler Heinrich Hausmann war,
was für ein sympathischer Mensch.
Vor zwei Jahren ist er gestorben, richtig?
Mhm.
Ich hab auf sein Grab gepinkelt.
* Französische Musik im Hintergrund *
Meinen ersten Film...
"Zirkus Pompeji". Mhm.
Hab ich mit acht Jahren gedreht.
In dem Film spielte Heinrich meinen Vater.
Einen gütigen Zirkusdirektor,
der seiner Tochter jeden Wunsch von den Augen ablesen kann.
Ich hab gekotzt, als ich den Film gesehen hab.
Ich musste immer daran denken, wie er nach Drehschluss
mit der Requisitenpeitsche auf mich eingeprügelt hat,
wenn ich irgendwas Falsches gesagt hatte, irgendwas...
Wenn er wegging oder ausging, hat er mich in den Keller gesperrt.
An meine Mama kann ich mich nicht erinnern.
Sie war Jüdin, musste fliehen nach England
und hat sich dann zwei Jahre später das Leben genommen.
Das hat mir damals Magda erzählt, meine Kinderfrau.
Sie war der einzige Mensch, der jemals nett zu mir war.
Kurz darauf hat sie mein Vater entlassen,
ich sei jetzt alt genug, um allein klarzukommen.
Ich war vier.
Und was passiert nach dem Krieg?
Er bekommt das Bundesverdienstkreuz.
* Sie lacht auf. *
Und dieses Volk von Tätern und ...
Opportunisten und larmoyanten Spießern himmelt ihn an.
* Sie seufzt laut. *
* Musik: "Ne me quitte pas" von Jacques Brel im Hintergrund *
Bist du sicher, dass wir das veröffentlichen sollen?
Dein Vater ist ein nationales Denkmal.
Pfff...
Wann treffen wir Helmut?
Ja.
Bella, das ...
mit Helmut, ich...
Ich hab gelogen.
Von mir aus kann der Concierge die Bilder machen.
Danke. Es klingt vielleicht blöd, aber ich hab so einen Traum.
Ich sitz in Paris in einem Straßencafé.
Es kommt ein Fremder zu mir,
und wir reden kurz, und er fragt mich, wo ich herkomme.
Und ich sage, ich komme aus Deutschland.
Und er sagt: "Ich mag die Deutschen."
"Bewundernswert, wie schonungslos und ehrlich
die mit sich ins Gericht gegangen sind."
* Ernste Musik *
Das würde mich wirklich stolz machen.
Wirklich stolz.
* Autotür schlägt zu. *
* Motor startet. *
* Ernste Musik *
Hat sie irgendwas gesagt?
Nein. Sie schläft nur noch.
* Uhr tickt. *
(leise) Hallo, Mama.
Ich bleib jetzt bei dir.
* Langsame Musik *
"Überall, wo ich hinkomme, heißt es,
was für ein großartiger Schauspieler Heinrich Hausmann war,
was für ein sympathischer Mensch."
"Dabei drehte er einen Scheiß- propagandafilm nach dem anderen."
"Ich hab auf sein Grab gepinkelt."
"Und der SS-Mann, den ich bis heute Früh für meinen Vater gehalten hab,
ist gar nicht mein Vater."
"Ich kann mich nicht an ihn erinnern, ich war ja noch ein Baby,
aber ich hatte immer dieses Bild vor mir von diesem ... Monster,
was irgendwo an der Ostfront Männer zusammentreibt und erschießt,
schwangere Frauen misshandelt, kleine Kinder umbringt."
"Das war mein Vater für mich."
"Meine Kinderfrau,
sie war der einzige Mensch, der jemals nett zu mir war."
"Kurz darauf hat sie mein Vater entlassen,
ich sei jetzt alt genug, um allein klarzukommen."
"Ich war vier. Die Villa, in der wir gewohnt haben,
hat früher einer jüdischen Familie gehört."
"Mein Vater hat sie für 'nen Appel und 'n Ei erstanden."
"An meine Mama erinnere ich mich nicht."
"Sie war Jüdin, musste fliehen nach England
und hat sich zwei Jahre später das Leben genommen."
* Langsame, ruhige Musik *
* Ruhiger Schnaufer *
* Ruhige, angespannte Musik *
* Stimmengewirr, Telefonklingeln *
Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Unter diesen Umständen, das...
Respekt, Frau Wolf.
Und noch einmal mein ...
tief empfundenes Mitgefühl.
Danke. Sie sollten versuchen, zu schlafen, wenn Sie können.
Das Management von Bella Hausmann weigert sich,
das Interview zu autorisieren.
Fragen Sie im Hotel nach der Hausmann.
Es muss heute in den Druck. Mhm.
Ich fahr ins Hotel, Bella will, dass das erscheint.
Ich lass das von ihr autorisieren. Frau Wolf...
Jenny? Ja?
Begleiten Sie Frau Wolf. Sobald Sie die Autorisierung haben,
rufen Sie hier an, und dann bringen Sie Frau Wolf nach Hause.
Bella Hausmann ist letzte Nacht nicht mehr aufgetaucht.
Ausgecheckt hat sie nicht, sie ist wohl noch in Hamburg.
Ich hab eine Idee, wo.
* Opernmusik im Hintergrund *
Bella?
* Sie lacht auf. *
Machst du 'n Korn für meine Freundin?
Und Fiete ... noch 'n Fako?
Fiete, noch 'n Fako.
Bella, dein Management will das Interview nicht autorisieren.
Ich brauch deine Einwilligung.
Hast du Mist geschrieben? Nein.
Nur das, was du gesagt hast.
(lachend) Georgie-Baby!
Bella, lies es bitte!
Danke. - Moinsen.
Bella, lies es.
Oh! * Sie lacht auf. *
Oh...
Fiete, du wolltest doch, dass ich dir meinen Körper schenke.
Ja. - Ich hab eine bessere Idee.
Ich schenk dir mein Leben!
* Sie lacht. * Danke.
Bella, mach keine Show hier!
Wir brauchen deine Einwilligung, jetzt!
Pffft! Wozu hab ich denn ein Management!
Bella, du musst es autorisieren. Nein, nein, ich bezahl die!
Ich bezahl mein Management.
Ich bezahl meine Männer.
Ich bezahl hier eigentlich alle! Schmarotzer. Bella!
Bella.
Das Interview ist gut.
Es ist wichtig.
Es ist ehrlich. Bitte.
Manchmal ist es besser, wenn man lügt.
Danke. * Er macht wohlige Geräusche. *
Unterschreib das - bitte.
* Ruhige, ernste Musik *
Wie redest du eigentlich mit mir?
Hm? Pfff...
Bella.
"Hiermit gebe ich, Bella Hausmann, der Zeitschrift 'Relevant'
meine Einwilligung in die Veröffentlichung meines Interviews
mit Zarah Wolf. Jedes Wort ist wahr."
Bitte.
* Ruhige, angespannte Musik *
* Ruhige E-Gitarrenmusik *
Danke.
Ich fahr in die Redaktion.
* Sie schluchzt. *
Du musst schlafen, ich bring dich jetzt nach Hause.
* Ruhige Musik *
Ich mag's, wenn du mir sagst, wo's langgeht.
25 Jahre hat sie da gearbeitet. Und dann so ein Kranz!
Die sollten sich was schämen, eine Schande!
So ein bisschen Gestrüpp und 'n paar welke Lilien!
* Unruhige Musik *
* Musik: "Heimweh" von Freddy Quinn *
* Stimmengewirr *
(auflachend) Sie hat mir mal einen Backstein an den Kopf geschmissen.
Mama? Mhm.
Es tat mir so leid.
Dass sie dir einen Backstein an den Kopf geschmissen hat?
Ja! Sie war doch noch so klein!
Und sie hat das nicht mit Absicht gemacht!
Und ich hab sie immer... Hab ich sie ...
geärgert, bis aufs Blut hab ich sie gereizt.
Danach hat unsere Mutter sie behandelt wie eine Verrückte.
"Ein Mädchen tut so etwas nicht."
Immer wieder musste Hildchen sich das anhören,
was sie für ein schlechter Mensch ist, wie verdorben sie ist.
Und ich, ich war die Liebe, ich war die Gute.
* Unruhige Musik *
Wer sind Sie?
Sind Sie mein Vater?
* Musik: "Heimweh" von Freddy Quinn *
# Dort wo die Blumen blühen, dort wo die Täler grün,
dort war ich einmal zu Hause.
Wo ich die Liebste fand,
da liegt mein Heimatland.
Wie lang bin ich noch allein? #
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2017
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