All language subtitles for 1960_Die Wahrheit.deu

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Original subtitles

Die 4K-Restaurierung wurde von Sony Pictures Entertainment,

The Film Foundation und RT Features in Auftrag gegeben.

Die Restaurierung erfolgte auf Basis des 35mm-Originalnegativs

und des 35mm-Zwischenpositivs.

Die 4K-Digitalisierung übernahm L'Immagine Ritrovata in Bologna.

Der Ton wurde von Deluxe Audio Services auf Grundlage

einer 35mm-Lichttonkopie restauriert.

Farbkorrektur und Erstellung des DCP, Deluxe Culver City.

*Melancholische Klaviermusik*

als Dominique Marceau

DIE WAHRHEIT

Maître Guérin

Gerichtspräsident

Gilbert Tellier

*Gedämpftes leises Stimmengewirr*

Brichet, Verhandlung!

*Stimmengewirr wird lauter*

Herrje, die immer mit ihrer Tür! Das ist ja zum Kotzen!

*Gedämpftes Stimmengewirr*

(Frau): Marceau, Verhandlung!

*Sie stöhnt, Raunen im Saal*

*Frau hustet*

Los, los, mein Kind! Sie haben heute einen schweren Tag vor sich.

Ach, rutschen Sie mir doch den Buckel runter!

Gehst du endlich auf den Topf?

Lass sie in Ruhe, heute ist ihre Verhandlung.

Ja, ja, sie ist dein Liebling.

Aber ich habe weder gemordet noch gestohlen. - Ist ja gut!

Du bist nur deshalb hier, weil du einem Bettler Geld geschenkt hast.

*Getöse, Raunen im Saal*

Alle Türen sind zu, in einer Stunde sind wir alle erstickt!

Da hinten wird aufgemacht.

Oh, Madame, ich bitte vielmals um Entschuldigung.

Mal sehen... Wachposten!

Sperren Sie auf.

Das ist nicht gestattet. Fragen Sie lieber den Chef!

Sagen Sie, ich habe die Dame hierher gesetzt.

Danke. Da hinten sah ich nichts, ich war so enttäuscht.

Doch, doch! Sie verstehen das nicht, Sie sind abgestumpft.

Wäre dem so, hätte ich mein Talent verloren.

Guten Morgen.

Hast du Éparvier gesehen?

Die Stütze der leidenden Mutter. Interviewst du sie?

Er tut ihr unrecht. Sie wurde fast ohnmächtig.

Wahrscheinlich hat Éparvier einen Fotografen erwartet.

Wo waren Sie denn? Bei der Angeklagten.

Und ich darf Platz anweisen! Nicht meine Schuld.

Die Bouterau'schen Fabriken bringen 5 Mio. im Jahr ein,

was ist dagegen die Seele von Dominique Marceau?

Wie weit sind Sie mit ihr? Sie will gestehen.

Das wird ihr vergehen. Wenn die merken, was ihnen blüht!

Diesmal würde es mich wundern. Das kann ja heiter werden!

Der Beruf könnte so schön sein! Ohne Mandanten.

Wie ist sie hergerichtet? Doch nicht zu sehr als Nutte?

Nein, aber trotzdem reizvoll. Das ist ja dumm.

Sehen Sie die Geschworenen!

Hier lang! Und ein bisschen Tempo!

Alle Frauen ablehnen!

Na, hat dir mein Artikel gefallen?

Sehr gut. Üble Gesichter. Was ich brauche!

Und wen machst du heute zu Hackfleisch?

Alle. Ich mache keine Geschenke.

Vor allem nicht einem solchen Gegner.

Beantragen Sie die Höchststrafe,

knien Sie sich rein! Sie sind zu nett. Beunruhigend!

Was sagst du da? Die verstehen sich doch!

Wart's nur ab! - So falsch sind diese Menschen?

Das sind wilde Tiere.

*Es läutet zum Gericht*

*Läuten*

Also, in die Arena! Ja.

*Stimmengewirr, Raunen*

*Mehrmaliges Klopfen*

Das hohe Gericht!

Die Verhandlung ist eröffnet. Name, Vorname, Alter und Beruf.

Dominique Marceau, 21 Jahre.

Beruf?

Na schön, setzen Sie sich.

Protokollführer, rufen Sie bitte die Namen der Geschworenen auf!

*Protokollführer ruft Namen auf, alle antworten mit "anwesend"*

Beruhigen Sie sich, es dauert noch eine Stunde.

Warten, nichts als warten.

Es ist, als ob meine Nerven zerreißen.

Ziehen Sie nicht weiter dran, Sie brauchen sie nachher dringend.

*Protokollführer ruft Namen auf, alle antworten mit "hier"*

*Protokollführer ruft Namen auf, alle sagen "hier"*

Wir schreiten jetzt zur Auslosung der neun Geschworenen.

Erster Geschworener: M. Verdier, Nr. 7.

M. Vallant, Nr. 16.

M. Drapier, Nr. 17.

M. Gaudin, Nr. 11.

M. Buisson, Nr. 8.

M. Gaillard, Nr. 9.

M. Moineau, Nr. 21.

Mme. Tardy, Nr. 12. Abgelehnt.

Mme. Galon, Nr. 23. Abgelehnt.

M. Malignon, 20. Die schieben.

Sie sind jung.

M. Vidal, Nr. 1.

M. Hubert, Nr. 15.

Was hältst du von der Kleinen?

Ein ausgekochtes Luder. Mord mit Vorsatz.

Guérin wird auf Mord aus Leidenschaft plädieren.

Sie könnte mit fünf Jahren davonkommen.

18 Monate U-Haft, ein Jahr Haft. - Das wäre geschenkt.

Éparvier schafft lebenslänglich. - Oder schlimmer.

Das kommt erst morgen dran,

wir brauchen heute eine Schlagzeile.

Für die, die der Verhandlung beiwohnen möchten,

ist eine Bank reserviert.

Meine Herren Geschworenen möchten sich erheben.

Ich lese die Vereidigungsformel: Sie geloben,

die Anklagen zu prüfen

und weder die Interessen der Angeklagten zu verraten,

noch die der Gesellschaft, die sie anklagt.

Und sich vor Ihrer Erklärung keinem mitzuteilen,

sich nicht von Hass, Furcht und Zuneigung leiten zu lassen,

sich gemäß der Mittel der Verteidigung zu entscheiden.

Ihrem Gewissen folgen und Ihrer inneren Überzeugung,

und das Geheimnis Ihrer Beratung

auch nach Beendigung Ihrer Funktion zu wahren.

Angeklagte, verfolgen Sie aufmerksam

die gegen Sie erhobenen Klagen.

Protokollführer, verlesen Sie bitte die Anklageschrift.

Die Anklagekammer des Appellationsgerichts ist hier,

um vor dem Gerichtshof gegen Marceau, Dominique,

die Verhandlung aufzunehmen.

Bei ihr sollte man für die Wahrheit plädieren.

Welche Wahrheit?

Sie ist noch ein Kind, das sollte man ausnutzen.

Sie tun so, als wären Sie zum ersten Mal hier.

Ich verbrenne mir nicht die Finger, um sie reinzuwaschen.

Wir haben nur eine Chance: Gilbert war ein Schweinehund.

Er hat sie ins Bett gequatscht, und die Arme fiel drauf rein.

Als es ihr klar wurde, schoss sie.

Das ist für uns die Wahrheit.

Halt immer dieselbe. Vor Gericht gibt's nur eine.

Am 15. Dezember 1958 erhielt das Polizeirevier

einen Anruf des Musikstudenten Martineau, André.

Danach kehrte dieser in Gilbert Telliers Wohnung zurück.

Bevor er sie verlassen hatte, hatte er Letzteren gewarnt

und ihn auf die Gefahr aufmerksam gemacht...

Ihre Zeitung. - Vielen Dank.

Wollen Sie noch mal zu M. Tellier?

Ja, wir essen zusammen.

Nachts keine Musik, die Nachbarn beschweren sich!

Nein, bestimmt nicht, Mme. Gaubert.

Gilbert!

Gilbert, mach doch auf!

Mme. Gaubert! - Ja?

Ist M. Tellier weggegangen? - Nein. Eine Blondine war bei ihm.

Haben Sie einen Schlüssel? - Nachschlüssel. Was ist los?

Was ist hier für ein Geruch? Strömt Gas aus?

Es scheint etwas passiert zu sein.

M. Tellier!

Warten Sie! - Weg da!

M. Tellier!

Verflucht!

Vor allem kein Streichholz!

Rühren Sie nichts an. Ich stelle den Gashahn ab.

*Sie stöhnt*

Sie ist hier. Holen Sie die Polizei.

(André): Ich rufe die Feuerwehr.

(Gaubert): Wenn es nach mir ginge, würde ich sie verrecken lassen.

*Sauggeräusch*

Die hat viel drin. Ob wir die noch zurückkriegen?

Womöglich will sie das nicht.

Jetzt würde sie nichts merken.

Na eben, und das wäre dann doch zu einfach.

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage vor dem Schwurgericht

und ordnet an, dass Dominique Marceau,

zurzeit in Haft und der Vergehen angeklagt,

in die U-Haft des Schwurgerichts überführt wird,

um hier abgeurteilt zu werden.

Angeklagte, erheben Sie sich!

Wegen des verlesenen Sachverhalts sind Sie des Mordes angeklagt.

Sie können demzufolge mit dem Tode bestraft werden.

*Raunen, Stimmengewirr*

Ich werde jetzt mit dem Verhör beginnen.

Sie sind am 12. Oktober 1939 in Rennes geboren,

wo Sie bis zum Alter von 18 Jahren lebten.

Da Ihr Vater aktiver Offizier war,

wurden Sie von Ihrer Mutter erzogen,

wie Ihre jüngere Schwester Annie.

Alle Zeugen stellten bei Ihnen die gleichen Charakterzüge fest:

Egoismus, Launenhaftigkeit, Mangel an Zärtlichkeit,

Undankbarkeit den Eltern gegenüber.

Dabei hatten Sie eine sorgsam behütete, glückliche Kindheit.

Ich hatte alles, was ich brauchte, aber...

Wurden Sie misshandelt? Nein. Aber es war schrecklich.

Ihre Mutter lebte wie eine alleinstehende Frau.

Ihr Pflichtgefühl bedrückte und Annies Betragen ärgerte Sie.

Sie wurde bevorzugt.

Sie haben sie von Kind an gehasst.

Hier vor mir liegt...

der Bericht über einen typischen Zwischenfall.

Annie hat mal eine wunderschöne Puppe bekommen.

Sie stahlen sie ihr, rissen ihr die Haare aus.

Sie verdrehten ihr die Glieder, sie stachen ihr die Augen aus.

Sie stürzten sich erbittert und grausam auf ihre Überreste.

Ein Puppenmord als Beweisführung.

Ich muss doch sehr bitten!

Also!

Ich war acht Jahre alt.

Mit acht waren Sie schon auf Annie eifersüchtig.

Ich bekam nie was.

Sie haben es eben nicht verdient. Annie hat gearbeitet.

Es war schon in der Schule so. Sie wusste alles, ich nicht.

Weil Sie sich keine Zeit nahmen.

Während Annie eifrig lernte,

sie nahm neben der Schule auch noch Geigenstunden,

trieben Sie sich mit jungen Männern in der Stadt herum.

Ihr Benehmen sorgte für einen Skandal.

Einen Skandal? In Rennes gehört dazu nicht viel.

Finden Sie es richtig, so ein Buch in die Schule mitzunehmen?

Wir lasen das zwar alle, aber es war nichts wert.

Wir langweilten uns.

Das ist ja allerhand!

Dieses Buch hat Sie weder überrascht noch schockiert?

Hier, Herr Präsident, das kramte ich gerade heraus, Seite 74:

"Sein Mund neckte meine Brüste, züngelte über meinen Leib..."

Herr Rechtsanwalt!

"Ich gab mich den Wonnen hin, die mich zu zerreißen drohten."

Nein, Herr Präsident! Drei Zeilen werden aus 600 Seiten ausgewählt.

Die stehen aber drin. Und es bekam dennoch einen Preis.

Sie würden es Ihrer Tochter geben?

Ist das ein Prozess gegen Simone de Beauvoir?

Das genügt, es geht hier nicht um Literatur.

Schön, das von Ihnen zu hören.

Wenn ich darauf zurückgreife, dann nur,

weil Sie deshalb von der Schule flogen.

Nachdem Sie sich dem Müßiggang ergeben hatten,

blieben Sie den Vorhaltungen Ihres Vaters gegenüber taub.

Sie trieben sich in Kaffeehäusern herum.

Sie gingen bis zu drei Mal wöchentlich ins Kino.

Dieses hemmungslose Leben hatte für Sie logischerweise

katastrophale Konsequenzen.

Sie nahmen sich einen Liebhaber. So war es doch?

Das sagte ich dem Untersuchungsrichter.

Obwohl Sie niemand dazu zwang.

Merkwürdig ist nur, dass Ihr Partner es leugnet.

Armer Henri!

Tja, sonst war es immer umgekehrt.

Na schön! Der junge Mann ist heute verheiratet,

lassen wir das.

Die Sache wirbelte Staub auf.

Sie scheuten die Folgen und verließen die Stadt.

Welche Folgen?

Es hatte doch nichts miteinander zu tun.

Annie gewann einen Violinwettbewerb.

Papa schickte sie nach Paris, und ich nutzte die Chance.

Ich fahre auch nach Paris. Nein.

Warum nicht? Du bleibst hier.

Da krepiere ich lieber gleich.

Dominique, was sind das für Ausdrücke?

Dir fehlt Arbeit, mein Kind. In Paris arbeite ich.

Deine Hände haben nie was getaugt, und dein Kopf... - Armes Kind!

Ich werde Sekretärin. Du kannst nicht tippen.

Es gibt nicht nur Büros, es gibt Schönheitssalons...

Für mein Geld putzt du nicht irren Weibern die Nägel.

Was soll hier aus mir werden? Tja.

Ich koste dich nichts.

Ich ernähre mich schnell selbst, schneller als Annie.

Kosmetikerinnen sind gefragt. Ich werde... Nein, nein und nein!

Dann garantiere ich für nichts.

Und ich garantiere dir Ohrfeigen! Bitte!

Das wird dir noch leidtun.

Das Rindfleisch ist wunderbar.

Gute Nacht, mein Kleines. Geh schon ins Bett. Schlaf gut.

Du hast es falsch angefangen.

Mit Diplomatie hättest du sie rumgekriegt.

Das genügt, ja? Ich weiß genau, dass du nicht schläfst.

Spiel nicht die beleidigte Leberwurst!

*Sie stöhnt*

Hör auf, das wird mir zu dumm! *Dominique stöhnt weiter*

Dominique, lass das!

*Sie stöhnt*

*Dominique stöhnt und schluchzt*

Dominique?

*Dominique stöhnt und schluchzt*

Dominique? Sag doch etwas! Dominique, komm!

Antworte, Dominique!

Dominique?

*Dominique stöhnt*

Mama!

(lauter): Mama!

Heute geben Sie wohl zu, dass es nicht sehr ernst war.

Es ist immer ernst, wenn man sterben will.

Wir bezweifeln Ihre Ehrlichkeit.

Es war eine Komödie. - Die erste.

Komödie? Das ärztliche Gutachten. So was nennen Sie eine Komödie?

Ich finde, wenn ein Mensch... mit 18 Jahren

20 Tabletten Veronal auf einmal nimmt, ist das tragisch.

Nicht übertreiben! Der von den Eltern geholte Arzt

nannte den Suizidversuch theatralisch.

Theatralisch, nicht simuliert.

Ich lese vor: "Die Patientin war in halbkomatösem Zustand.

Die absorbierte Dosis hätte fraglos zum Tod führen können."

Aber nein! Wenn Sie schon lesen müssen, lesen Sie alles.

Ändern Sie nicht die Interpunktion.

"Die Dosis hätte zum Tod führen können,

aber die Patientin befand sich keinen Moment in Lebensgefahr."

Also, ich warte. Sie wollten doch alles lesen, hm?

Na gut, dann fahre ich fort.

"Die Patientin befand sich keinen Moment in Lebensgefahr,

wie das der Fall ist, wenn der Arzt schnell eintrifft."

Der Arzt kam gerade noch rechtzeitig.

Womit sie rechnete. Weder Arzt noch Eltern

bezweifelten die Ernsthaftigkeit ihres Vorhabens.

Sie hielten es für klüger, ihr ihren Willen zu lassen.

Ja. Ihre Eltern waren schwach. Sie nahmen ein Opfer auf sich,

um Ihnen das Leben in Paris zu ermöglichen.

In dem Vorort La Chapelle, eine Stunde mit der Metro.

Ja, das Viertel ist etwas entlegen,

aber gesund, mit frischer Luft.

Und für einen geringen Preis

konnten Sie sich trotzdem eines gewissen Komforts erfreuen.

*Geigenmusik*

*Sie seufzt*

Soll das noch lange dauern? Ja.

*Dominique stöhnt*

Wie wär's, wenn du mir helfen würdest?

Das nennt man Komfort. Du hast eben zwei linke Hände.

Viel Spaß beim Kratzen.

Und sofort gingen Sie den Weg des geringsten Widerstands.

Sie sehen nur die Verführung der Luxusfirmen,

lassen sich blenden von Aufwand und Pracht,

falschem Glanz, teuren Auslagen. Aber nicht lange.

Ja, schnell kehren Sie der Champs Élysées den Rücken,

um im Quartier Latin aufzutauchen.

Sie suchten dort keine Bildung,

keinen Kontakt mit der studierenden Jugend.

Im Schatten unserer Hochschulen entdeckten Sie die Straßencafés,

den wilden Trubel, die physische und psychische Schlamperei,

die zweideutige Atmosphäre, die anrüchige Vertrautheit.

Dieses anstandswidrige Milieu, in dem alles erlaubt ist,

wirkt vielversprechend auf Sie.

Vulgärste Annäherungsversuche sagen Ihnen zu.

Pardon. Niedlich.

Anstatt schockiert zu sein,

fühlen Sie sich äußerst wohl in dieser Atmosphäre.

Sofort treffen Sie Leute, die später Freunde werden. Danke.

Gern geschehen.

Sie haben Ihre Welt gefunden,

und jeden Tag und jeden Abend sitzen Sie da

im Kreise derer, die Sie die Ihren nennen,

weil sie Ihresgleichen sind. Diese Menschen sind wie Sie!

Ach, lass mich in Ruhe!

Lass ihn, er büffelt. Er ist die Schande des Hauses.

Irgendwo muss ich's doch machen, daheim friere ich.

Ciao! Willst du eins?

Nein, bin gerade aufgestanden. Kaffee!

Wer ist heute dein Kavalier? Ich. Soll ich dich einladen?

Danke, nett von dir. Wenn du erlaubst, schreib ich's hin.

Was schreibt er hin? Du kommst in seinem Roman vor.

Sein Roman? Wo ist dein Roman? Da!

Und er wird ewig bleiben. - Wichtig ist die Konzeption.

Darf ich? - Besetzt.

Worum geht's in deiner Geschichte?

In meinem Werk?

Um das Leben.

Das ist allerhand. Kann man wohl sagen.

Wie lange willst du uns nerven? - Ich suche einen Rhythmus.

Die Schule genügt ihm nicht. Ich habe kein Glück mit der Musik.

Spielst du auch was? Ich? Lieber sterbe ich.

Also, was machst du dann? Ich muss es wissen für den Roman.

Ich? Ich mache...

so quasi nichts.

Somit brachen Sie das Versprechen,

das Sie den Eltern gaben.

Versprechen? Sie wollten sich schnell selbst ernähren.

Wollten Sie arbeiten?

Mag sein. *Raunen*

*Klopfen* Sonst haben Sie nichts zu sagen?

Ich schrieb mich im Schönheitsinstitut ein

für einen Kosmetikkurs. Acht Tage.

Der Kurs war morgens, und morgens ist mit mir nichts zu machen.

*Raunen* Ruhe!

Also, Sie verloren sich immer tiefer an diese Gewohnheiten

und an die Faulenzerei, was dann zu Verbrechen führte.

Um dem guten Beispiel Ihrer Schwester zu empfehlen,

kommen Sie immer später heim. Oder gar nicht mehr.

Auf morgen dann. Auf morgen.

*Stimmengewirr*

Michel! Was?

Sag mal, Michel. Hast du mal daran gedacht, dich umzubringen?

Klar, so wie alle Menschen.

Ich auch, immer wenn ich mit der Metro fahre.

Ich mag heute nicht heimgehen, es graust mich.

Was willst du denn dann tun?

Na, sag schon!

Könnte ich mit zu dir kommen?

Gemacht.

Aber es ist sehr klein, und das Bett ist auch sehr klein.

Abend, Daisy! Wohnt sie da?

Michel? - Hm?

Oh, hast du Feuer? - Kannst es behalten.

Danke.

*Sie seufzt*

Ist mein Fleck nicht schön da oben?

Und wie gefällt dir das? Mein Perpetuum mobile.

Schön. Da sieht man vom Bett aus was.

Barbaste hat es mir gemacht. Barb... Was?

Du kennst ihn nicht. Den kennt niemand.

Was ist das für eine Schnur?

Davon haben wir doch gesprochen: eine Schnur, um mich aufzuhängen.

Wirst du es bald tun? Och, ich habe Zeit.

Mir würde das nichts sagen, so 'ne Schnur. Fände ich hässlich.

Ich frag mich, wie wir schlafen sollen bei dem vielen Platz.

Ich kann überall schlafen.

Arbeitest du nie am Abend?

Ich bin doch kein Arbeiter. Ich bin Denker.

Wir langweilen uns nicht zusammen.

Obwohl wir fast nichts reden.

Eben deshalb. Hm.

Mit diesen Raketen erleben wir irgendwann ein Feuerwerk. Ja, ja.

Na schön.

Gute Nacht, mein Schatz. Gute Nacht.

Mach das Licht aus. Mhm.

*Sie stöhnt*

Du fühlst dich sanft an.

Hast du Lust? Mhm.

Also, rein kameradschaftlich.

Vielleicht sind wir nicht dazu geschaffen, uns zu lieben.

Deshalb verstehen wir uns so gut.

Ich hab's satt! Deine Unterwäsche in der Waschschüssel,

deine Strümpfe auf dem Notenpult, das Marmeladenglas auf Mozart.

Wo du rumschläfst, ist mir egal, aber dieser Saustall ist zu viel.

Du klaust mein Parfüm, meine Seife schmeißt du zum Fenster raus.

Du willst dich waschen?

Na so was, kein Zucker mehr da!

Den letzten aß ich gestern.

Konntest du keinen neuen kaufen? Die ganze Woche faulenzt du nur.

Wir haben Zeit.

Es ist aber Sonntag, gleich sind alle Geschäfte zu.

Ohne mich würdest du vor Hunger sterben. Nein, vor Freude.

*Tür geht zu*

*Beschwingte Bossanova-Musik*

*Beschwingte Bossanova-Musik mit spanischem Gesang*

*Anklopfen*

Ja?

*Anklopfen* (laut): Ja!

Oh, pardon. Ich wollte zu Mademoiselle Annie Marceau.

Die ging gerade weg. Entschuldigen Sie!

Hey! Wo wollen Sie denn hin? Sie können doch hier warten.

Sie kommt bestimmt gleich zurück.

Na, kommen Sie doch rein.

Machen Sie die Tür zu!

Warum kommen Sie denn nicht näher, hm? Ich beiße nicht.

Sie sind wohl Dominique?

Ja. Gilbert Tellier.

Setzen Sie sich. Nein, danke.

Rauchen Sie? Nein, danke.

Ich dachte, ich hätte mich in der Tür geirrt, wegen der Musik.

Die ist nicht Annies Stil. Die spielt nur Opus, immer Opus.

Genau wie ich.

Nicht möglich! Doch.

Bei dieser Tanzmusik muss ich mich direkt... übergeben.

Mmh. Ich rege mich dabei auf.

Hm.

Hat Annie nie von mir gesprochen?

Nein, dazu ist sie viel zu scheinheilig.

Spielen Sie auch Geige?

Nein. Klavier, Kompositionslehre, und jetzt auch Dirigieren.

Eine Virtuosenlaufbahn.

Alles schön und gut, aber wer ganz in der Musik aufgehen will,

der braucht ein Orchester.

Ich langweile Sie.

Oh, nein.

Es ist sehr interessant.

Wie ist das mit Annie? Treffen Sie sie oft?

Ja, doch.

Haben Sie sie schon behüpft? Nein.

Also jetzt gehen Sie zu weit. Annie ist anständig.

Na eben! Worauf warten Sie noch?

Das würde sie erträglicher machen.

Ich finde sie sehr erträglich. Eine tolle Freundin.

Wir besuchen Konzerte, lesen Partituren, ich gebe ihr Tipps.

Da gibt's viel zu lachen.

Wir sind nicht nur auf der Welt, um Spaß zu haben.

Das ist doch kein Lebensinhalt!

Die hohen Prinzipien habe ich satt!

Das ist klar: Sie und Annie,

da haben sich zwei gefunden.

*Beschwingte Bossanova-Musik mit spanischem Gesang*

Gilbert, was machst du denn hier?

Ich habe Karten fürs Konzert um 18:00 Uhr.

Nett, dass du mich mitnimmst.

Markewitsch dirigiert Bartok, wenn du magst. Klar, herrlich.

Fein, wir treffen uns im Foyer. Ist gut.

Auf gleich.

Wiedersehen. Wiedersehen.

*Tür geht zu*

Also das, mein Kind, war ein Mal zu viel.

Wenn wir allein sind, bitte sehr!

Ah! Aber wenn jemand dabei ist, an dem mir liegt.

Was soll er von mir denken? Ich möchte im Boden versinken!

Alles wegen dem blasierten Depp!

Du dumme Gans! Ein prima Junge, Kursbester. Was du dir einbildest!

Fängt das schon wieder an!

Nein, das hört auf, denn diesmal langt's mir!

Mir auch! Heute Abend bin ich weg! Das hoffe ich stark!

So zerrissen Sie das letzte Band,

das Sie an die Tradition der Ehre und an Ihre Familie knüpfte.

Sie zogen zu Ihrem Liebhaber.

Aber so war das absolut nicht. Wieso nicht?

Michel war doch Ihr Liebhaber?

Ja.

Er wohnte im Hôtel Boileau? Ja.

Sie haben sich dort installiert, also zogen Sie zu ihm.

Nein, ich wohnte im Zimmer von Daisy.

Wir teilten uns die Miete, jeder 15.000 Francs.

Mit Michel war es seit langem aus.

Wie bitte? Sie waren doch erst seit acht Tagen seine Freundin.

Ja, so etwas. Und schon getrennt?

Was war denn geschehen?

Nichts. Es war aus, das war alles.

Sie waren weiter befreundet.

Das waren wir vorher und nachher. Wo ist der Unterschied?

*Raunen* Ruhe, bitte!

Ich lehne ab, das zu verstehen. Na schön, kommen wir zu Gilbert.

Nach Ihrer Darstellung

erschien er eines Morgens im Hôtel Boileau.

Ganz plötzlich?

Ja. Annie hat ihn zu mir geschickt.

Nein, Annie bestreitet das.

In dem Punkt schien mir Annie aufrichtig.

Und die da auch. Also?

*Geigenmusik*

Nein, nein. Du hast absolut keinen Rhythmus. Hör mal zu.

*Tonloser Dialog*

*Entfernte Geigenmusik*

Was ist denn los?

Nichts. Nichts.

Ist das mit deiner Schwester wieder in Ordnung?

Ja, sie zog weg. Wohin?

Zu ihrem Kumpanen ins Hôtel Boileau. Juckt dich das?

Nein. Aber das Ganze ist doch wegen mir passiert.

Macht sie was Dummes,

fühle ich mich verantwortlich. Kann ich was tun?

Nein, ich bitte dich. Lass die Finger davon.

*Frau lacht und quiekt*

*Anklopfen*

Herein!

Guten Tag, ich bin's.

Ach, der wunderbare Knabe!

Ah, das ist ja der.

Ah, nein, nein. Wohl mehr "der".

Salut. (beide): Salut.

Salut. Guten Tag.

*Beide lachen*

Salut. Was führt Sie zu mir?

Ich muss Sie sprechen. Legen Sie los.

Er möchte dich lieber allein sprechen.

Stimmt's oder habe ich recht? Stimmt.

Okay, wir stören. Daisy, komm. Ihre Freunde sind aber diskret?

Diskretion ist eine Tugend, die ich ab und an ausübe. Abgang!

Sind Sie süchtig? Sind das Opiumdünste?

Nein, ich verbrenne Räucherkerzen,

damit ich nicht lüften muss.

Sie sind also nicht unglücklich?

Oh, nein, kein bisschen. Sie sind hier, um mich das zu fragen?

Nein.

Nein, Annie hat mich geschickt. Sie macht sich Sorgen.

Warum kommt sie nicht selbst?

Womöglich meidet sie Ihren Freund.

Michel ist ein Verflossener.

Einer, der weiterhin da ist, ist kein Verflossener.

Er macht fast nichts mehr mit mir.

Er kitzelt mir die Füße, weil ich das mag,

und ab und an zu seinem Vergnügen da, wo er mag.

Sie glauben, dass Sie mir damit imponieren. Womit dann?

Sie interessieren mich.

Es macht mir Spaß, Sie zu beobachten.

Sie sind eine Studie. Eine Studie?

Und mein Popo ist nichts? Ich muss mich jetzt anziehen.

Schon? Wie spät ist es? Erst 16:30 Uhr.

Ich sterbe vor Hunger. Und dann ist es noch das Beste,

was man mit so einem trockenen Typ wie Ihnen tun kann.

Sagen Sie mal, wollen alle Männer

immer sofort mit Ihnen schlafen, einfach so?

Sofort, einfach so?

Ja.

Wäre das Beste.

Dafür sind Sie nicht der Richtige.

Mist.

Danke. Ich bin Ihnen unsympathisch, hm?

Jetzt weniger. Kann ich eine Portion Käse haben? Zwei sogar.

Zier dich nicht, er hat Geld! Und wie!

Er unterrichtet feine Pinkel. Drei Pinkel!

An kaltem Fleisch knabberst du auch. Was?

Er will sagen, ich werde fett, weil ich bei Begräbnissen spiele.

Er ernährt sich von Menschenleid. - Das würde ich auch gern.

Ich spiele Babysitter. Gehen die Mamis ins Kino,

gebe ich ihnen die Flasche und wasche Windeln.

Hübsches Hemd. Von wem hast du das?

Ein Souvenir von einer Dame.

Hast du ein Schwein! Nein, Talent. Ich mache das so...

Mmh...

*Sie kichert*

Mmh...

Mmh... Also, Talent hat er wirklich.

Sie sind unmöglich. Warum sind Sie schon wieder da?

Er ist verliebt.

Und das bekommt ihm nicht.

Hier, reib fester.

Noch fester. Ja.

Ja, es ist gut.

Wenn nur jemand an ihr rumfummelt!

Der Arme ist eifersüchtig.

Ist diese Blockade bald beendet? Da!

(lacht): Das kitzelt! Hey! sind Sie heute Abend frei?

Heute geht nicht.

Wer ist es? Ein Bekannter.

Doch, doch, ich bin allein. Ja.

Nein, ich will ins Kino. Ja, mit einem Bekannten.

Ist gut, wir werden sehen.

Du gehst heute Abend ins Kino? Mhm.

Und mit wem? Mit einem dummen Jungen.

*Pferdegalopp*

*Schuss*

(Mann): Aah! *Schuss, Wiehern*

*Zwei Schüsse*

*Sie kichert und lacht*

*Sie lacht und stöhnt*

Du bist ein dummer Junge, aber trotzdem süß.

Darf ich mit? Oh, nein.

Erstens ist Daisy da, und dann...

Macht es dir keinen Spaß? Doch.

Aber du bist ernster als die anderen.

Aber ich meine es ernst! Du hast viele Fehler,

aber ich werde dich immer lieben. Tut es dir leid?

Nein. Ich hab alles gern. Ich hab auch gern, wenn man mich liebt.

Beweise es!

Nein!

Oh, pardon!

Ganz im Gegenteil!

Du kommst wie gerufen!

Na gut, ich hab verstanden. Ciao. Ciao.

Auf Wiedersehen, Daisy. Gute Nacht.

Sag mal, wie lange willst du ihn noch leiden lassen?

Ich weiß noch nicht. Darin bin ich erfinderisch.

14 Tage versagen Sie sich Gilbert.

Wollten Sie sich begehrenswerter machen?

Herr Präsident, nach wie langer Zeit

ist es einem jungen Mädel erlaubt, sich hinzugeben?

Denn drei Tage sind zu kurz.

Dann benimmt sie sich wie eine Dirne.

Zwei Wochen sind zu lang, dann ist sie eine ausgekochte Person.

Was also sagt in so einem Fall die Jurisprudenz?

Ich möchte doch bitten, lassen Sie Ihre Mandantin antworten.

Offenbar sind Sie keine Tugendfanatikerin.

Warum haben Sie gerade ihn warten lassen, den Einzigen,

den Sie geliebt haben wollen?

Ich habe geglaubt, mit ihm würde es anders werden.

Das ist Ihre Erklärung. Sie hatten die große Liebe entdeckt

und sich eine Wartezeit auferlegt, so eine Art Verlobung.

Ja, das war's.

Nein, so war's nicht. Sie wissen ganz genau, worauf ich anspiele.

*Jazzmusik*

Dieser Hund! - So ein Flegel!

Dir werd ich's zeigen!

*Reifenquietschen*

Du Armleuchter! Du Mistkerl! Mach Platz! Pass doch auf!

Hey, Einbrecher! - Mörder!

Heißer Ofen, was? - Salut, Louvier.

Salut! - Abend!

Bist du auch da! Das Geschäft bekommt dir.

Ja, besser als die Uni.

Guten Tag! Wohl eher guten Abend!

Wollen Sie mal fahren? Nein, die anderen warten.

Nur einmal um den Häuserblock. Na gut, zwei Minuten!

Fahr schnell, los! Hol raus, was drin ist! Ich stoppe ab!

*Anlasser*

Vier, fünf, sechs, sieben...

Der hat wohl einen Knall. Pscht!

Er imponiert ihr mit seiner Mühle. - Nicht von schlechten Eltern.

Pfui Teufel, hast du einen Geschmack! Komm!

Eifersüchtig? - Idiotin!

Die sind alle gleich. Ignorier sie!

Wo geht ihr hin? In die Bar.

Hey, da sind sie!

*Getöse*

Hört der Lärm heute noch mal auf?

Ach, man wird sich doch wohl unterhalten dürfen!

Ich muss früh aufstehen.

Wenn Sie früher ins Bett gingen, wären Sie nicht so hässlich.

Pscht! In drei Sekunden müssten sie wieder durchkommen.

28, 29, 30,

31,

32, 33, 34... Was treiben die beiden bloß?

35... Ja, vielleicht stehen sie vor einem roten Licht.

Ja, vielleicht.

...38, 39... Hör auf zu zählen, es ist sinnlos.

Mit so einem Arschloch abzuhauen!

Wir stehen hier blöd rum. - Ob sie einen Unfall hatten?

Von so einer Art Unfall ist noch keiner gestorben.

Und Sie sind auch nicht daran gestorben!

Gilbert zu betrügen, war für Sie normal.

Aber ich hab ihn nicht betrogen!

Gut, aber dann kann nicht mehr die Rede sein von Verlobung.

Sie hatten Spaß, einen Liebhaber lächerlich zu machen.

Aber nein, ich hatte nur Lust, eine Motorradfahrt zu machen.

Und Sie wurden Louviers Geliebte, auf seinen Motorrad!

*Lachen*

Es ist leicht, andere zu verspotten.

Und es ist gehässig.

Sie sollen das Andenken eines Toten verteidigen

und nicht die Anklage mit Waffen ausrüsten.

Wenn Sie Fragen stellen,

vergessen Sie nicht, dass Sie Anwalt sind.

Ich will die Wahrheit feststellen, auch wenn es Sie stört.

Im Moment verhöre ich.

Ich komme zurück auf M. Louvier.

Das hatte so wenig Bedeutung.

Für Sie, aber für Gilbert?

Ach, sieh mal, da bist du!

Wir haben dich schon gesucht.

Wartest du auf Dominique? Nein.

Wer mit einer Frau schlafen will, sollte ihr nicht nachlaufen.

Ja, ich weiß.

Wenn ich du wäre, würde ich mich ordentlich besaufen.

Ja, da hast du wohl nicht unrecht.

*Gelächter*

*Lautes Stimmengewirr*

*Gelächter*

Und wo gehen wir jetzt hin? - Ja, wo gehen wir hin?

Für heute haben wir genug gelacht. Gehen wir schlafen!

Schlafen? Ich hab noch nie in meinem Leben geschlafen.

*Tür wird zugeschlagen*

*Anlasser*

*Fahrzeug entfernt sich*

*Alarmklingel*

Peng, peng!

Peng!

Verzeihung, wie spät ist es? 10:20 Uhr.

Danke. Nichts zu danken.

Hey, Taxi! Hier, Taxi!

Hey, Taxi! Taxi!

Hey, hey!

Du hier? Wo kommst du her?

Kein Kommentar. Ich bin über Nacht fast erfroren.

Das ist deine Sache. Steig ein!

Du spinnst wohl. Ich hab 'ne Hochzeit. Steig ein!

Zur Kirche in Epinay, schnell!

*Festliche Orgelmusik*

*Er spielt Orgel*

Also? Pscht.

Hat deine kleine Rundfahrt dir Spaß gemacht?

So mittel.

Sieh mal an. Im Bett? *Sie stöhnt*

Und, war's gut?

So mittel.

Du wirst dir also alle genehmigen,

einen nach dem anderen.

Na und? Du Flittchen!

*Er spielt laut und falsch*

*Er spielt leise und festlich*

Es ist wunderschön.

Ich bedauere nicht, dass ich gekommen bin.

Warum beschimpfst du mich?

Ich bin nicht deine Geliebte. Aber bald!

Wir wollten nur Freunde sein! Du hältst mich wohl für bekloppt!

Du willst auf die Liste? Komm! Du verdirbst alles.

Nein, du verdirbst alles. Also, was ist nun? Ja oder nein?

Bringen wir's hinter uns und reden wir nicht mehr drüber.

Na, komm schon!

Hey, Daisy, aufstehen!

Wir brauchen das Bett!

Ja, ja, ich habe verstanden.

Hier!

Trotzdem, guten Morgen! Guten Morgen, ja.

Bitte, das Bett ist noch warm!

*Sie stöhnt*

Macht auf, ich bin's! Ich möchte endlich auch mal wieder hinein.

Das geht jetzt nicht. Warte! *Daisy stöhnt*

*Sie atmet schwer*

Weißt du... Was?

Das hätte ich niemals geglaubt.

Ich hätte das auch niemals geglaubt.

Ciao, ihr Vögelchen.

Zwei Minuten! Keine Zeit mehr.

Du bist doch nicht krank?

Nein, ich glaube, ich bin verliebt.

*Nachdenkliche sinfonische Musik, Stimmengewirr*

Entschuldigen Sie, wo kann ich hier die Dirigentenklasse finden?

Da runter, zweite Tür links. Ist es verboten?

Wenn Sie niemand bemerkt, nein. Vielen Dank.

*Dramatische sinfonische Klänge*

*Dramatisches Crescendo*

*Dramatische Musik*

Kannst du nicht mehr zählen?

Hey! Herr Professor?

Die Hörner sind etwas blutarm.

Noch mal, wir wiederholen.

Vier Takte vor eins. Und die Hörner!

*Dramatische Musik*

*Tosender Applaus, Jubel*

Das genügt.

Das genügt für heute, Kinder. Die Probe ist aus.

Das war schon recht gut. Danke.

Aber Sie sind ein bisschen zu nervös.

Ich bin noch nicht fertig. Ja?

Hältst du das Orchester nicht mehr zusammen, erlebst du was.

Dann machen sie mit dir, was sie wollen. Ja, werd's mir merken.

Hast du deine Schwester gesehen? Gilbert nimmt doch alles mit!

*Stimmengewirr*

Ich wusste nicht, dass du die Musik so liebst.

Verzeih, ich kann nichts dafür. Du bist schlimmer, als ich dachte.

Annie, versteh mich! Bitte!

Ich habe verstanden. Du bist wirklich das Letzte. Viel Glück!

Ach, prima! Danke, danke.

Mein Geliebter!

Ich liebe dich, ich bewundere dich.

Sie ist so wütend.

Sie hat halt Kummer. Wundert dich das?

Ach, das ist doch zu blöd.

Arme Annie.

Eieiei, was seid ihr Mädchen doch kompliziert!

Puh. Völlig fertig.

Du hättest wohl kein Taschentuch?

Hier. Kleiner geht's nicht mehr?

Du, Tellier? Ja?

Man sah dich kaum in letzter Zeit. Ja, ich war sehr beschäftigt.

Ich verstehe. *Beide lachen*

Wir haben trotzdem über deine Vorschläge debattiert. Ja und?

Das klappt schon. Wirklich?

Du kannst auf 30 Jungs rechnen. Gute?

Die Besten. Wo ich wochenlang versucht habe, sie zu überzeugen!

Na eben, jetzt ist es soweit.

Also, Wiedersehen. Salut.

Hast du das gehört? Sie schenken mir Vertrauen.

Wir werden ein Ensemble bilden.

Ich werde ein Orchester haben, meins.

Ja, das ist ein komisches Gefühl, weißt du?

Es ist so: Zuerst habe ich gezögert.

Ich hatte ein bisschen Angst.

Aber jetzt nicht mehr.

Jetzt bin ich ganz sicher.

(Mann): Hey, Tellier!

Wir machen zu!

Komm.

Schön ist das, nicht wahr?

Schau nur, wie schön das ist.

Siehst du, hier bin ich zu Hause.

Hier kann ich atmen.

Es gibt Tage, da strömt man über.

Du bist schön.

So schön.

Ich kann nicht mehr ohne dich leben.

Minou, wir werden heiraten.

Was? Wir beide werden heiraten.

Aber nicht so schnell. Aber nicht mit 20 Jahren.

Warum nicht? Dann sind wir länger glücklich.

Verheiratete sind unglücklich.

Die anderen schon, aber wir nicht. Da!

Ich habe die ganze Nacht an dich gedacht.

Ich schlief keine Minute.

Ich lasse dich nie mehr fort.

Du gehörst jetzt mir.

Was auch geschehen mag.

Ich möchte versuchen, Ihre Gefühle zu verstehen. Noch mal:

Sie gingen also nicht ins Konservatorium,

um Annie zu ärgern?

Ich hatte nur einen Wunsch, ich wollte Gilbert wiedersehen.

Als er Sie heiraten wollte, sagten Sie Nein.

Es war nicht so. Ich fand es einfach nicht wichtig.

Ich wollte, dass wir glücklich sind.

Glück ist für Sie, nicht ehrbar zu leben.

Sich heiraten zu lassen soll ehrbar sein?

*Stimmengewirr*

So kann man es auch ansehen.

Für Gilbert war es doch ehrbar, dass er um Ihre Hand anhielt.

Aber er hielt nie um ihre Hand an.

Er spiegelte ihr zwar Heiratsabsichten vor,

aber nur so, denn er war mittellos

und sie konnte nicht annehmen.

War Gilbert an diesem Tag aufrichtig, ja oder nein?

Ich habe nicht Sie gefragt.

Sie wird Ihnen nicht antworten. Ich verbiete es.

Sie sind vorsichtig. Nein, zu alt, um in die Falle zu gehen.

Sie glaubte in dem Moment Gilbert, wie immer.

Sonst wäre sie nicht hier. Das beweist,

dass sie leichtgläubig war und es ihm nicht ernst war.

Ich habe eine Frage an Ihre Mandantin.

Sie wird nicht antworten, sagen Sie es mir!

Sprach er von Heiratsabsichten? Stellte er sie ihr vor? Nein.

Er kündigte seiner Wirtin seine Verlobung an.

Das war doch nur Spaß.

Ein Trick von Gilbert,

damit wir uns in seiner Wohnung treffen konnten.

*Beschwingte Klaviermusik*

Hörst du? Ich bin doch nicht taub.

Obacht!

Zweiter Einsatz.

Mit einem Nichts erreicht er, wo ein anderer...

Hast du kein Filmmagazin?

Ist das alles, was du dabei empfindest?

Aber das ist Bach, Liebes. Ich lese eben gern zu Musik.

Unmöglich, das machst du mit Absicht.

Was beeindruckt dich im Leben?

Marlon Brando.

Nein, drei Schnulzen in 14 Tagen, das genügt!

Also, was machen wir dann? Gehen wir zu mir?

Schon wieder?

(stöhnt): Lass mich in Ruhe!

Was ist? Liebst du mich nicht mehr?

Das weißt du doch, aber du denkst nur daran.

Ich existiere auch noch.

Ich weiß, dass du existierst. Im Bett, ja.

Aber es gibt noch was anderes auf der Welt.

Ich will ausgehen, bummeln, rumschlendern.

Ich will tanzen, leben, Freunde treffen.

Aber nein, ich sehe niemanden, seit du mich liebst.

Ich kann keine Zeit verlieren, ich habe eh zu wenig Zeit.

Ich komme nicht dazu, für mich zu arbeiten.

All das ist liegen gebliebene Arbeit.

Liebe ist Glück zu zweit.

Das ist ein Gefängnis.

Ich lebe zwischen deiner Musik und deinem Bett.

Dann geh spazieren, das wird dir guttun.

Das kannst du gern haben. Ich verziehe mich, schnell.

Ich gehe spazieren. Na gut, auf morgen.

Auf morgen? Oh nein, mein Bester. Wofür hältst du mich?

Nicht ich bin dir nachgelaufen.

Ich gehe, verstehst du? Für immer!

Dominique.

Minou.

Mach doch keinen Quatsch!

Tut mir leid, sie ist nicht da. Keine Ahnung, wo sie steckt.

Ich habe sie seit drei Tagen nicht gesehen.

Ja, sie lief böse weg. *Türklingel*

Ja?

Oh, Dummheiten, sonst nichts.

Ja, aber das ist noch kein Grund,

besonders nicht an einem Jubiläumstag. Ja, zwei Monate.

Eine ganze Ewigkeit. Ich habe sogar ein Geschenk.

Ich habe auch eins.

Oh, danke, Daisy. Sie ist da.

*Sie seufzt*

*Sie stöhnt*

Wo kommst du her?

Wo warst du während der drei Tage? Wen hast du gesehen?

Meine Clique, wie immer.

Tu doch nicht so! Schau in den Spiegel.

Ich sehe aber nichts. Echt nicht?

Nein. Und dieses Hemd?

Du tust mir weh. Mir egal.

Woher kommt dieses Hemd? Ich kenne es nämlich.

Klar, jeder Mensch kennt es. Es ist das Hemd von Jérôme.

Und was weiter?

Was weiter?

(kreischt): Aah!

Gilbert, hör auf! Au! Du tust mir weh!

Au! Hilfe!

Au! Ich habe es satt, ich gehe!

Ich habe es schon lange satt! Du bist eine Hure!

Ich will dich nicht mehr sehen! Nie mehr, hörst du? Nie mehr!

Was ist denn geschehen? Was ist passiert?

Nichts.

Es war ein furchtbarer Auftritt, ich zittere noch immer.

Sie schrie wie am Spieß.

Am Morgen sprach ich mit Gilbert.

Ich sagte, ich ertrage es nicht mehr

und dass sie mir nicht mehr ins Haus kommt.

Gilbert hat es eingesehen.

Ist das alles? Ich wüsste sonst nichts.

Noch Fragen, Herr Staatsanwalt? Nein.

Haben Sie Fragen?

Von den diversen Vorfällen war der letzte Streit der heftigste.

Kennen Sie das Motiv?

Sie betrog ihn unentwegt. Das ist nicht wahr!

Ich betrog ihn nur ein Mal, mit Jérôme.

Ein einziges Mal, mit einem Lausbuben.

Und weshalb? Wie soll ich das wissen?

Immerhin! Betrügt man einen Mann unentwegt, ist es eine Gewohnheit.

Aber ein einziger schwacher Moment bei einer treuen Frau,

da muss ein Grund vorhanden sein. Welcher?

Ein Moment der Verwirrung? Haben Sie den Kopf verloren?

Wegen Jérôme? Nein.

Also?

Ach, es war eigentlich ganz albern.

Wir waren in meinem Zimmer. Jérôme hatte ein tolles Hemd an.

Ich wollte es anprobieren und zog mich aus.

Ich wollte es nicht zurückgeben, wir prügelten uns.

Ließ er Ihnen das Hemd? Das war das Mindeste!

Und weiter? Hatten Sie keine Lust auf andere Hemden?

Was denken Sie? Dass Sie lügen.

Sie haben ihn nie geliebt. Daher Ihre unentwegte Untreue.

Unentwegt? Im Laufe der Voruntersuchung

fand man nur diese alberne Geschichte,

und noch dazu hat sie als Erste davon gesprochen.

Aber steht sie vor Gericht, weil sie leichtsinnig war,

oder weil sie jemanden tötete?

Verwerfen Sie die These "Mord aus Leidenschaft",

mach ich die Akte zu.

Aber nicht, wenn sie die verlassene Geliebte spielt!

Sie beschmutzte die Liebe Gilberts zu oft.

Na gut, sprechen wir von der Liebe Gilberts... Madame!

Sie stellten ihn vor die Wahl,

sich zwischen ihr und Ihrer Wohnung zu entscheiden.

Ich sagte ihm, entweder oder.

Worauf er sofort die Wohnung wählte.

Er sah sie trotzdem wieder. Tja, aber auf die Schnelle.

Für den Zweck war's lang genug. Darüber sind wir uns also einig.

Danke, Madame. Danke, der nächste Zeuge!

Ludovic Toussaint!

M. Ludovic Toussaint!

*Raunen, Stimmengewirr*

Name, Vorname, Alter, Beruf.

Ludovic Toussaint, 30 Jahre, Gastwirt.

Sie sind weder verwandt noch verschwägert.

Schwören Sie, dass Sie die Wahrheit sagen.

Heben Sie die rechte Hand. Ich schwöre.

Machen Sie Ihre Aussage.

Also, wie haben Sie die Angeklagte kennengelernt?

Sie suchte Arbeit, ihr Vater schickte kein Geld mehr.

Eltern sind undankbar, sie werfen uns in den Müll.

Irgendwas muss geschehen.

Was kannst du überhaupt? Weiß nicht.

Sie ist so geboren, und so liebe ich sie auch.

So kriegt sie nichts zu fressen.

Ja? Der Mann muss die Frau ernähren.

Das will ich auch, nur später. Bis dahin...

"Konditorei sucht flinke Verkäuferin".

Die wollen Zeugnisse. "Galanterie-Arbeiterin".

Was ist das? Das erfährst du schon.

"Verkäuferin für Luxuswäsche, gute Garderobe nötig".

Ach, "gute Garderobe nötig"! Jawohl.

Spezialisiert, qualifiziert.

Junges Mädchen ohne Kenntnisse, hübsch, gut gewachsen.

Hallo?

Ich brauche eine Garderobiere, meine Garderobiere ist krank.

Ihr Laden? Spoutnik. Kennen Sie ihn?

Kann man wohl sagen. Gut, wir werden schreiben.

Was ist in dich gefahren?

Dominique, ich verbiete dir, dort zu arbeiten.

*Jazzmusik, Stimmengewirr*

(Mann pfeift): Hey, gib mir mal einen Stuhl rauf!

Hübsche Schuhe! Idiot!

Mit so was verdient man Diamanten. Ich verdiene kaum meine Miete!

Da, halt mal! Soll das ein Leben sein?

Und wie! Geld zu verdienen,

ohne früh aufstehen zu müssen: ein Traum!

Ich arbeite am Tag, wir sehen uns fast nie.

Wir essen abends zusammen, am Dienstag ist zu.

Na, wenn dir das genügt!

Dominique, Garderobe!

*Jazzmusik*

Machen Sie den Mantel zu, es ist kalt.

Wenn ich mir den Tod hole, pflegst du mich gesund. Gemacht.

Fühl mal! Ich glaube, ich habe schon Fieber.

Ja, los, ciao.

Das findest du komisch?

Wenn ich Gesichter mache, gibt's kein Trinkgeld. Na toll!

Was tu ich Böses?

Du lässt dich betatschen und machst die Gäste kirre.

Für 200 Francs verkaufst du ihnen dein Lächeln. Widerlich!

Hier... hast du 500. Was verkaufst du mir?

Alles, was dir Spaß macht.

Etwas würde mir Spaß machen. Ich möchte dir eine reinhauen.

Was ist? Wird's bald?

Er geht mir auf die Nerven. Das wird noch Kummer geben.

Da hinten ist Chesterfield, los!

*Getöse, Stimmengewirr*

Gute Nacht, Roger. Du schließt ab. - In Ordnung. Gute Nacht, Chef.

Gute Nacht. - Gute Nacht.

Soll ich dich fahren? Wirkst müde. Besser nicht.

Wohin? Rue Antoine Dubois.

Steig ein, ich fahre dich hin. Oh, fein.

Die wird's noch zu was bringen.

Ist es unvermeidlich? Hast du keinen Spaß dran?

Ach, das will ich nicht sagen. Es ist nur so, ich liebe Gilbert.

Endgültig? Ja.

Na schön.

Übrigens bin ich auch in festen Händen.

Viel zu fest leider.

Vielen Dank. Danke.

*Entfernte Rock-'n'-Roll-Musik, Getöse*

(Mann): Let's go!

*Rock-'n'-Roll-Musik, Getöse*

Hör auf zu nörgeln, ich bitte dich!

Ruinier nicht den einen freien Abend.

Unser ganzes Leben ist ruiniert.

Weil ich im Spoutnik arbeite?

Nicht wegen der Arbeit, es ist wegen dir überhaupt.

Die Männer sehen dich an. Nicht meine Schuld.

Und das gestern Abend?

Darf ich nicht mal fröhlich sein? Ich bin 20 und tanze gern.

Tanz mit mir! Du kannst es nicht.

Cha-Cha-Cha? Rock?

Bring's mir bei.

Ach, ist das wahr? Mhm.

Das machst du? Mhm.

Gehen wir heut Abend in ein Lokal?

Ach, nein, heute Abend nicht.

Abends habe ich Probe.

Das machst du mit Absicht.

Letzten Dienstag die Subvention, dienstags zuvor kam deine Mutter.

Der Saal ist heute frei.

Ich bin auch heute Abend frei, du hast die Wahl.

Nein, ich habe keine Wahl.

Da sind 40 Menschen, die mir vertrauen und zusetzen.

Das musst du doch verstehen!

Wegen dem einen Mal!

Nein.

Nein, ich habe nicht das Recht.

*Melancholische Musik*

*Musik endet abrupt*

Nein, also davon habe ich jetzt genug.

Los, ihr wiederholt das jetzt noch mal allein!

*Melancholische Musik*

Jetzt bist du schon wieder zu spät.

Mir egal, und wenn wir bis morgen früh um 4 hier sitzen!

*Getöse* Was soll das? Ruhe, bitte!

*Melancholische Musik setzt ein und endet abrupt*

Na also! Noch mal, noch mal.

Ein Takt vor 13.

*Melancholische Musik*

*Sie niest* Du hast dich wohl erkältet?

Der Saal war eisig. Du hättest abschwirren sollen.

Sie kennen ihn nicht. Der hätte ein Theater gemacht!

Na und? Ich hatte nicht den Mut dazu.

Wenn er dirigiert, sieht er so glücklich aus.

Die anderen sind ihm egal. Er ist ein Egoist und ein Streber.

Wie können Sie so was sagen? Für mich ist er wunderbar.

Es gab heut Momente, wo ich alles vergaß.

Weil du gepennt hast. Sie finden mich blöd,

aber ab und an kann ich mich für ernste Musik begeistern.

Bist du nächsten Dienstag wieder Witwe, führe ich dich aus.

Kameradschaftlich.

Wirklich? Wirklich.

Und wohin? In die Sophienkirche.

Da gibt's die "Messe in d-moll". *Sie lacht*

Das ist doch allerhand. Das kann doch nicht davongeflogen sein.

Sicher, dass es hier war?

Es ist nicht im Hotel.

Ich habe überall gesucht.

Im Zimmer, im Gang, in der Halle.

Es kann nur hier sein.

Auf dem Heimweg verloren? Nein, unmöglich.

Wie kannst du das wissen? Ich weiß es!

Du machst mich nervös. Ich bin eh wütend genug. Na such schon! Wo?

Na, überall! Hinter der Bar. Es muss gefunden werden.

Hast du was verloren?

Also, sieh dir das an. Als ob ich nur einen Fuß hätte!

*Entferntes Stimmengewirr*

Und in den Sägespänen? - Das hätte ich gemerkt.

Wo ist sie hin?

Hier.

Paulette. Ist Dominique da? - Ja.

Ich bin hier! Ach, da oben bist du.

Schau mal! Rate, wo ich's gefunden habe.

Auf der Straße, direkt vor der Tür.

So ein Zufall.

Kommst du? Bin schon da.

Los, beeil dich.

*Beide kichern* Die Tür!

Gilbert. Wo kommst du her?

Bravo! Der hat auf der Liste noch gefehlt.

Sie spinnen wohl! Sie können mich mal!

Also... Nein! Gilbert, sei nicht albern!

Das geht auf dein Konto. Ihr habt mich beschissen.

Weil ich sie mal heimbringe! Jeden Abend.

Was beweist das? Bemühen Sie sich nicht!

Ich sollte Sie vermöbeln, aber es ist mir egal.

Lass ihn doch! Nein, das ist so ungerecht!

Gilbert!

Das ist doch dämlich! Rühr mich nicht an.

Ich habe nichts Schlechtes getan.

Du lügst. Du hast mich immer belogen.

Schau mich nicht so wild an.

Doch, ich schau dich an und sehe, wie du wirklich bist.

Das ist nicht schön.

Das ist ein Irrtum. Ich werde dir erklären, wie's war.

Keine Ausreden mehr! Du kannst mich doch nicht...

Doch, ich kann. Ich kann, stell dir vor. Ich bin frei.

Ich bin glücklich, frei zu sein. Danke und guten Abend.

Du irrst dich, Gilbert! Du irrst dich, das ist nicht wahr.

Hast du's dir gut überlegt? Gründlich.

Ich habe deine undurchsichtigen Geschichten satt.

Gut, ich hab's auch satt.

Seit Monaten habe ich mir nichts vorzuwerfen.

Wenn du mich verlassen willst, dann hau ab!

Nein! Dominique! Hau ab!

Dieses Schwein! Dieses Schwein!

Ich kann nicht widersprechen. Und wohin?

Irgendwohin, dann hat er nicht umsonst gebrüllt. Sophienkirche?

Ja, in die Sophienkirche.

Aber Sie fuhren natürlich nicht in die Sophienkirche.

Nein. Wir gingen zusammen auf dem Montmartre ein Glas Wein trinken.

Gut, und die Nacht endete gemeinsam im Hôtel Radio?

Ja, Herr Präsident.

Sie nahm die Trennung recht philosophisch hin.

Im Gegenteil, sie wollte sich rächen.

Ich nutzte das aus. Ein Fehler.

Sie hatten die Chance genutzt, das ist nicht ausgeschlossen.

Glaubt man Ihren Angestellten,

war sie schon lange Ihre Geliebte.

Nein. - Den zerfetze sich in der Luft.

Und diese plötzliche Intimität war damit erschöpft?

Sie wollten sie nie wiedersehen?

Doch, ich habe versucht, sie anzurufen.

Es hieß immer, sie wäre krank. Ich sah sie erst im Herbst

nach den Ferien im Spoutnik wieder.

Wie war dann Ihre Beziehung?

Ich sah sie ab und zu im Lokal oder auf der Straße. Danke.

Hat der Herr Staatsanwalt noch Fragen?

Sie sagen, sie hat die ganze Zeit,

die sie bei Ihnen angestellt war, Gilbert aufrichtig geliebt.

Dazu stehe ich. Gilbert war Ihre große Liebe.

Andere Zeugen berichten von Streit und Szenen.

Die machte Gilbert. - Ohne Grund?

Er fand immer einen Vorwand.

Üppiges Trinkgeld, ein Lächeln, alles war ihm recht.

Er warf ihr ihre Nachtarbeit vor.

Er brauchte sie nur zu ernähren. - Dazu war er zu arm.

Er hätte ihr helfen können, aber nicht mal ein Geschenk!

Als sie dringend neue Schuhe brauchte, aß sie tagelang nichts.

Erstmals seit Verhandlungsbeginn

wird Gilbert als ungerecht und geizig beschrieben,

sie dagegen als treu und aufrichtig. Meinetwegen.

Ihr Verhalten ist verständlich, aber keinesfalls entschuldbar.

Zur Klarstellung: Als die Kriminalbeamten

Sie über Ihre Beziehung verhörten,

erwähnten Sie da die Nacht im Hôtel Radio?

Ja oder nein?

Nein. In diesem Augenblick hielt ich es nicht für nötig.

Das habe ich verstanden.

Mich beunruhigt, dass Sie es erst da für nötig hielten,

als man Ihnen die Hotelrechnung gab.

Wenn Sie nun sagen: "In der Nacht, als er uns überraschte,

war sie noch nicht meine Geliebte",

frage ich mich, ob es stimmt, oder ob Sie etwas verbergen.

Ich diskutiere nicht mit Lügnern.

Tja, ich diskutiere mit ihnen.

*Raunen, Stimmengewirr*

Prüfen wir nun Ihre These der Freundschaft.

Eines Tages sehen Sie in einer Bar ein mittelloses Mädchen.

Sie bieten ihr Arbeit an, ohne sich was zu erhoffen?

Eine Notlage auszunutzen liegt mir nicht.

Sie bitten sie Wochen später in aller Freundschaft,

Ihre Geliebte zu werden. - Sie lehnte ab, aber gut.

Ab da ist alles bestens zwischen Ihnen.

Gilbert verdoppelt zwar seine Szenen im Spoutnik,

was für die Kunden unschön war,

Sie aber machen die Augen zu,

und am Morgen fahren Sie im Auto mit ihr weg.

Wieder in aller Freundschaft. Wie glaubhaft!

Sie war müde, ich brachte Sie ins Hotel.

Ach, Sie fahren Ihre Angestellten heim?

Ich fuhr eh bei ihr vorbei.

Man ist befreundet oder nicht. Warum gaben Sie es nicht zu?

Bei Gilberts Eifersucht? - Ja, durchaus.

Gilbert hatte keinerlei Grund, Ihnen zu misstrauen.

Trotzdem versteckte er sich morgens neben dem Spoutnik,

und grundlos bricht er mit ihr, zu Unrecht natürlich.

Darauf hab ich geantwortet, ich stehe unter Eid.

Oh, Monsieur, in Ihrem Fall, was ist da ein Eid?

Hier steht... Ludovic Toussaint, genannt Ludo,

30 Jahre, Schankwirt. Das stimmt doch?

Ein von Ihnen vormals geleisteter Eid:

"Ich versichere, dass ich mit ihr

nie geschlechtliche Beziehungen hatte,

weder vor noch nach ihrer Trennung von Gilbert.

Darauf bestehe ich entschieden."

Ihr vormaliger Eid: "Darauf bestehe ich entschieden."

Und es war eine Lüge.

Aber verständlich.

Aber ich hab ja verstanden, und alle anderen ebenfalls.

*Getöse, Klopfen* Ruhe! Die Verteidigung.

Verzichten wir auf Theatereffekte und lassen Vernunft walten!

Dominique soll seit langer Zeit ein Verhältnis mit Ihnen haben.

Wenn das wahr wäre, hätte sie mit Gilbert gebrochen oder mit Ihnen,

aber nicht mit beiden. Das ist lächerlich. Natürlich!

Wollte sie Sie nicht mehr sehen, dann, weil sie bedauerte,

Ihnen im Moment der Verzweiflung nachgegeben zu haben:

"Sie vergräbt sich im Zimmer und ergibt sich ihrem Schmerz.

Und sie versucht überhaupt nicht, sich mit Gilbert auszusprechen!

Sie hoffte, ihn wiedersehen, aber wagte nicht, ihn anzurufen.

Sie hatte ein schlechtes Gewissen wegen der Nacht mit Ludovic.

Sie weiß nicht, was sie tun soll.

Am liebsten will sie krank werden.

Immer noch im Bett? Ich habe die Grippe.

Aber nervöse Depressionen kosten Geld.

Wo sind deine Mäntel? Ich habe alles verkauft.

Die Ferienzeit ist da, und sie rührt sich noch immer nicht.

Daisy ist nach Amerika gegangen,

eine Fremde ist an ihre Stelle getreten.

Ich bezahlte die vorige Miete und werde auch diesen Monat zahlen.

Schon gut, verstanden.

Ich hätte sie gern behalten. Sie behalten meinen Koffer.

Unter die Brücke kann ich ihn nicht mitschleppen.

Hier, du kannst dir ein Brot und Kaffee bestellen.

Danke, Jérôme.

Einen Kaffee, bitte.

Hey!

Hey, Michel!

Wie geht's, Minou? Nicht so doll.

Du siehst grausam aus. Du mutest dir zu viel zu.

Kein Wunder! Heute Nacht habe ich im Bahnhofswartesaal verbracht.

Bei mir geht's auch nicht, meine Wirtin hat einen Blick auf dich.

Und wie ist es bei dir?

Du wirst langsam eine Nervensäge. Ich weiß.

Na, meinetwegen. Aber nur heute. Danke, Georges.

Morgen suchst du dir einen anderen Freier. Mhm.

Hey, hätten Sie 300 Frauen übrig?

Nein, bei mir nicht, mein Kind. Scheiß dich nicht an.

So was!

*Melancholische Jazzmusik*

Dazu bist du nicht begabt.

Lass das.

Willst du wieder auf den Bänken schlafen?

Hör mal zu. Siehst du den Kerl da drüben mit der Brille?

Das ist ein Ami, der will sich in Paris amüsieren.

Wenn du ihm dabei hilfst, der hat bestimmt ein Badezimmer.

*Sie stöhnt*

Guten Abend. (mit Akzent): Hallo.

Darf ich? Sure.

*Beschwingte Musik*

Hey, du bist ja ganz aufgedonnert.

Hat dich dein Ami auch nicht zu sehr überanstrengt?

Ist vorbei, er flog gerade ab. Lange hat's nicht gedauert.

Vier Tage. Und Geld hinterlassen?

Er hinterließ mir seine Bude.

Dominique, komm mal her.

Wo warst du? Im Mondova.

Seit zwei Tagen suchen wir dich überall.

Dein Vater hatte einen Unfall.

*Frau schluchzt*

Das ist furchtbar.

Das Beerdigungsinstitut hätte das wegräumen sollen. Ich rufe da an.

Mein Gott, als ob ein Erdbeben ausgebrochen wäre!

Geh in dein Zimmer! Ich mache Ordnung.

Nein, ich steh's durch bis zum Ende. Es ist so ungerecht.

Mein armer Marcel! Er war immer so lieb und gut.

Was soll ich ohne ihn tun? Deine Tränen verstehe ich.

Aber du hast immer ganz gut ohne ihn gelebt.

Konnte ich ahnen, dass es so viel Kriege gibt,

als ich einen Offizier heiratete? Keiner wirft dir das vor.

Das hätte noch gefehlt!

Da, trink das!

Meine arme kleine Mama, sei nicht traurig. Ich bin ja da.

Gut, dass du bei mir bleibst. Mein einziger Trost.

Aber wie lang noch, wenn du bald heiratest?

Nicht vor Jahresende.

Dann kommst du uns oft besuchen. Sehr oft.

Annie ist verlobt?

Du bist verlobt, Annie?

Mit Gilbert Tellier.

Gratuliere.

Sie musizieren, zwei, drei Kinder, sie werden glücklich sein.

Der Wunderknabe und das musterhafte Mädchen,

beide geküsst von der Muse.

Direkt ein Thema für einen Bestseller.

Aber er liebt sie nicht! Unmöglich, dass er sie liebt!

Was kann dir das noch ausmachen?

Schau mich mal an.

Du bist geschwollen, wo sind deine Augen?

Ich habe die ganze Nacht geheult. Wegen Gilbert?

Nein, sondern weil ich alt geworden bin.

Ach, ganz plötzlich?

Ja. Ich war ein Baby, jetzt bin ich eine Mumie.

Was ist denn in dich gefahren? Seit wann denkst du überhaupt?

Seit der Zugfahrt von Rennes.

Zugfahren ist nicht gut.

Ach geh! Du trauerst ihm doch hoffentlich nicht mehr nach?

Er war meine Jugend.

Das bin ich auch, mehr als dieser finstere Heini!

Finster für dich! Du hast ihn nie verstanden.

Du hast ihn gleich am ersten Tag katalogisiert.

Ein blasierter Depp. Das soll ich gesagt haben?

Du hast dich ständig über ihn lustig gemacht. Wo? Wann?

Warst du in seinem Bett? Weißt du es vielleicht besser als ich?

Pardon! Ich bin ein Lügner, aber mein Gedächtnis ist gut.

Also, ich war nicht verliebt in Gilbert.

Und Louvier?

Louvier? Mhm.

An den hatte ich gar nicht gedacht.

Den habe ich völlig vergessen.

Das ist der Beweis, dass nur Gilbert für mich gezählt hat.

Sag mal, was soll das Theater?

Sie war aufrichtig und keine, die sich das Geld vom Mann

und das Vergnügen vom Liebhaber holen und zusehen,

wie über andere gerichtet wird.

Beschränken Sie sich auf sie!

Noch ein Zeuge, der uns abgeht.

Sie glaubte nicht an die verlogene Elternmoral. Wir alle nicht.

Man wirft ihr nur das vor,

aber Sie sind eine andere Generation.

Sie müsste von jungen Menschen gerichtet werden.

Wir denken anders.

Blöder geht's nicht! Ich fürchte, junger Mann...

Ich führe das Verhör!

Er bedient sich einer sehr literarischen Ausdrucksweise.

Versteht das Gericht nicht die Jugend,

so versteht es die Landessprache.

Sie sagen, sie war aufrichtig. Als sie von der Beerdigung kam,

war sie verzweifelt, da sie wusste,

dass Gilbert für sie verloren war.

Ja, damals verstand ich, dass sie nie aufhörte, ihn zu lieben. Gut.

Herr Staatsanwalt, keine Fragen? Der Herr Nebenkläger?

Ich besitze vielleicht nicht Ihre literarische Ausdrucksweise,

aber ich verstehe das nicht, und dann will ich eine Erklärung.

Sie wirken intelligent, ich kann mich täuschen.

Ich täusche mich nicht? Umso besser. Sie sagten eben:

"Damals verstand ich, dass sie nicht aufhörte, ihn zu lieben."

Genau, ja.

Ja, aber hört man nicht auf zu lieben,

muss man doch wohl vorher geliebt haben, oder?

Also, bestand zwischen beiden eine leidenschaftliche Liebe?

Nicht sofort, nein. Aber dann. - Wann?

Passen Sie auf, ich werde Ihnen helfen.

Als sie sich ihm wochenlang versagte?

Als sie ihm Louvier vorzog? Unterbrechen Sie mich!

Als sie ihn mit Ludo lächerlich machte? Als sie ihn verließ?

Als sie ihre Verzweiflung vergaß und sich der Prostitution hingab?

Immer noch nicht?

Sie ging zu Gilbert zurück. - Wann?

Als sie erfuhr, dass er Annie heiratet, die sie hasste.

Sie verstanden sich nicht gut, aber immerhin. - Immerhin was?

Wenn sie ihn geliebt hat, ist alles unverständlich.

Ach, Unsinn!

Vom ersten Moment an nennt sie ihn einen "blasierten Depp". Komisch!

Gleich darauf: Louvier, Jérôme, Ludo. Drei Liebhaber.

Für eine Frau, die liebt, ist das seltsam. Es kommt zum Bruch.

Eine Frau, die liebt, würde ihm nachlaufen.

Sie würde alles tun, um ihn wiederzusehen, aber sie nicht.

Ist das normal?

Und das geht so sechs Monate.

Sechs Monate Schlaffheit.

Sechs Monate Ausschweifung.

Sechs Monate Schweigen. Übergangslos entdeckt sie,

dass sie ohne Gilbert nicht mehr leben kann.

Sie kauft einen Revolver und stürzt zu ihm hin.

Können Sie das verstehen? Ich nicht.

Wenn hingegen... Dominique ihre Schwester hasst...

Wenn sie so gehandelt hat, um ihr Gilbert wegzunehmen,

dann erklärt sich alles.

Gleich bei ihrer ersten Begegnung empfängt sie ihn im Bett.

Sie provoziert ihn mit unanständigem Benehmen.

Er gefällt ihr nicht, aber sie will ihn Annie ausspannen.

Verständlich. Sie verweigert sich ihm, nimmt ihn auf den Arm

und gibt ihm erst nach, als die Gefahr besteht,

dass er empört zu Annie zurückkehren könnte. Verständlich.

*Flüstern im Saal*

Kaum wieder in Kleidern, läuft sie ins Konservatorium,

um Annie diese Neuigkeit mitzuteilen,

um sie vor die vollendete Tatsache zu stellen.

Jetzt ist alles klar.

Nach diesem Schlag scheint Annie endgültig abserviert zu sein.

Also wozu noch weiter mit Gilbert rumziehen?

Er ödet sie an.

Sie betrügt ihn.

Sie verlässt ihn.

Sie vergisst ihn.

Das ist doch klar.

Plötzlich ein Knalleffekt:

Gilbert versöhnt sich mit Annie. Unerwartet verloben sie sich.

Soll Annie triumphieren und die da soll machtlos

dieses Glück mitansehen?

Sie hat nur ein Mittel, um die beiden zu trennen.

Sie benutzt es.

Ich besitze nicht Ihr dramatisches Talent,

aber ich verstehe das nicht,

und verstehe ich etwas nicht und so weiter...

*Lachen*

Sie wollen von dem Zeugen wissen, was er über Ihre Hypothesen sagt.

Die sind idiotisch. Da! Er antwortete Ihnen. Aber zur Sache!

Als er sie kennenlernte, machte sie Ihnen da Avancen?

Nein, er war hinter ihr her. Er hing wie eine Klette an ihr.

Er hat ihr ernsthaft den Hof gemacht. In der Hoffnung auf was?

Na, er wollte mit ihr schlafen. Schlafen, aha.

Und nachdem er erreicht hatte, was er wollte,

war er dann zärtlich? Besorgt?

Da fragen Sie mich zu viel. Er hielt sie unter Verschluss.

Und somit hat sie, die Sie so fantasievoll, so leichtsinnig,

so in ihre Freiheit vernarrt kannten,

diesem egoistischen Karrieremacher zuliebe

ihr Leben von Grund auf geändert. Sie bleibt bei ihm.

Monatelang lässt sie die Langeweile über sich ergehen.

Predigten, Gewalttätigkeit, wie wir hörten.

Wo war da ihr Vorteil? Niemals hat er ihr Geld gegeben.

Also was? Sie liebte ihn, ohne Zweifel.

Und wer bricht nach der Trennung zusammen? Er?

Sie sahen ihn nicht mehr, er hatte was Besseres zu tun.

Aber sie haben Sie in ihrem jammervollen Zustand erlebt.

Lustig war sie nicht, sie schleppte sich rum.

Ich wartete auf ihn. Ich wollte, dass er zurückkommt.

Er konnte nichts vergessen haben.

Ich wagte nicht, es jemandem zu sagen,

aber du hast mich doch verstanden, also sag es!

Er irrt sich nicht.

Und warum? Warum wollen Sie mir nie glauben?

Ich muss es am besten wissen.

Ich verbrachte die Nächte weinend wie eine Irre.

Sie bekennen das zwar, aber Sie erbringen keine Beweise dafür.

Man fragt sich, was Sie dazu bewog,

diese irren Hoffnungen zu hegen. Sein Kalender.

Was für ein Kalender?

*Traurige Orgelmusik*

*Musik wird lauter*

*Dissonante beklemmende Klänge *

Oboist und Kontrabassist für Tournee gesucht

Er ist umgezogen. Er glaubt, er sei schon berühmt.

Seit den Konzerten in der Provinz hält er sich für Toscanini.

Dem schwillt der Kamm.

Aber da drin schwillt es wohl nicht, hm? Gib mir den Bleistift.

*Freizeichen*

"Hallo, wer ist am Apparat?"

Zum Donnerwetter, wer ist denn da?

Hallo?

*Sie stöhnt*

*Sie stöhnt.*

*Getragene sinfonische Musik*

*Musik schwillt dramatisch an*

*Schicksalhafte sinfonische Musik*

*Dramatisches Crescendo*

*Unruhige sinfonische Musik*

*Dramatische Klänge*

*Dramatisches Crescendo*

*Musik pausiert*

*Dramatisches Crescendo*

Du?

Was willst du von mir?

Nichts.

Was heißt "nichts"? Weißt du, wie spät es ist?

03:00 Uhr.

Tz! Also, du... kommst hier an, mitten in der Nacht,

und willst nichts?

*Sie seufzt*

Also schön, dann auf Wiedersehen. Gilbert, lass mich hinein.

Nur eine einzige Minute.

Na schön, aber nur eine Minute.

Also?

Was ist, wo brennt's?

Ich habe dir schon gesagt, es ist nichts.

Ich wollte dich nur wiedersehen, dich hören.

Du siehst mich, du hörst mich. Also?

Verstehst du mich denn nicht? Ich liebe dich.

Ich muss wieder bei dir sein, immer mit dir.

Ich war so furchtbar unglücklich.

Verzeih!

Verzeih, dass ich dich störe.

Verzeih, dass es mich gibt.

Verzeih mir alles, auch meine Vergangenheit. Verzeih!

Du hast dich nicht geändert. Du bist immer noch schön.

Unglaublich. Egoistisch. Das ist nicht wahr.

Lügnerin. Das stimmt nicht.

Amoralisch. Das ist nicht wahr.

Schamloser Mensch. Das ist nicht wahr.

Doch, es ist wahr!

Ich danke dir, dass du so bist.

Ich danke dir, dass du gekommen bist.

*Sie wimmert und schluchzt*

*Sie schluchzt*

Tu mir den Gefallen, erheb dich endlich! Ich bin spät dran.

*Sie stöhnt*

(seufzt): Mein Herz, verzeih, das wusste ich nicht.

Ich sag's dir seit einer halben Stunde.

Ich brauche 3 Minuten, das geht schnell.

*Sie singt vergnügt*

*Sie singt weiter*

Wo treffe ich dich nachher? Gleich hier am besten.

Weder hier noch woanders.

Was sagst du da?

Weder hier noch woanders.

Aber doch wohl nicht ihretwegen?

Ach, wenn's das nur wäre!

Sieh mal, Minou,

ich habe mich wegen dir furchtbar gequält.

Damals mit Ludo in seinem Wagen.

Ich dachte, ich käme um.

Ich lief davon wie ein Irrer, ich habe mich vollgesoffen.

Bis da oben.

Jeden Tag habe ich dich ein klein bisschen mehr vergessen.

Aber es war in mir noch etwas übrig.

So, als ob ich unbewusst auf heute Nacht gewartet hätte.

Aber am Morgen...

Da sieht man klar.

Du liebst mich nicht mehr.

Ich habe dich wohl nie geliebt.

Ich kann wirklich nichts dafür.

Es tut mir leid.

*Sie wimmert und schluchzt*

Ich bitte dich, übertreib nicht!

Also, auf Wiedersehen.

Und mach nicht so ein Gesicht, das ist weiß Gott kein Drama!

*Reifenquietschen* Oh Gott!

*Raunen, Stimmengewirr*

(Mann): Zurück! Lassen Sie ihr Luft zum Atmen!

Wie ist das passiert? - Sie warf sich drunter.

Nein. Es fehlt Ihnen also nichts. Ich wäre untröstlich gewesen.

Ihren Namen und Adresse, ich muss einen Bericht machen!

Hören Sie mir bitte gut zu, Madame!

Die Angeklagte behauptet,

dass sie in der Nacht vom 8. zum 9. Dezember

Ihren Mieter besucht hat,

und dass sie von 3 Uhr nachts bis 11 Uhr morgens

bei ihm geblieben ist.

Das stimmt nicht.

Passen Sie auf, das ist äußerst wichtig.

Wenn sie wirklich von dem Opfer empfangen wurde

und er ihr verschwenderisch

die Zeichen seiner Zuneigung schenkte,

bevor er sie rücksichtslos wegschickte,

könnte man gewissermaßen ein Drama aus Leidenschaft annehmen.

Wenn das aber nicht wahr ist,

erscheint es in einem ganz anderen Licht. Überlegen Sie gut!

Wenn Sie sich irren, sagen Sie es. Nein.

Öffnet sich die Tür nachts automatisch?

Ja, aber jeder, der kommt, muss sich melden, sonst komme ich raus.

Dass Sie ihr Kommen überhörten, halten Sie für ausgeschlossen?

In zehn Jahren ist das nie passiert.

Gut. Am Morgen merkten Sie nicht,

dass sie Ihr Haus gegen 11 Uhr verlassen hat?

Das verbitte ich mir! Vormittags kauft eine Nachbarin für mich ein.

Ich verlasse nie die Portierloge, nicht eine Minute.

Gucken Sie nicht so, ich bin eine anständige Frau.

Und Ihre Geschichten machen mich zum Träumer.

Wenn Sie zweifeln, sagen Sie es.

Ja, aber das bringe ich erst später vor.

Falls es um den Busfahrer geht, den wir soeben gehört haben,

so kommen wir jetzt auf ihn zu sprechen. Madame,

am Vormittag, an dem sie vorgibt,

Ihr Haus unbemerkt verlassen zu haben,

was Sie leugnen,

hat der Zeuge beinahe jemanden überfahren

in der Rue Dr. Barbier.

Er hat seiner Verwaltung Bericht darüber erstattet,

und zwar... hm...

"Am 9. Dezember um 10:47 Uhr

habe ich vor dem Hause Rue Dr. Barbier Nr. 3

beinahe ein junges Mädchen überfahren", etc., etc.

Sie verstehen, was das bedeutet? Nein.

Aber ich bitte Sie! Eine Tatsache steht fest, unumstößlich.

Um 10:47 Uhr war sie vor dem Haus Rue Dr. Barbier Nr. 3.

Wenn sie behauptet, dass sie kurz zuvor aus dem Haus Nr. 9 kam,

so ist das glaubhaft. Das lässt sich nicht leugnen.

Und somit, Madame, entgeht nichts Ihrer Wachsamkeit, nicht wahr?

Am Tag lenkt Sie nichts ab, und nachts schlafen Sie

nur mit einem Auge. Das ist mein Beruf.

Aus Neugier drang ich in dieses so gut bewachte Mietshaus ein.

Um Zweifel auszuräumen, bat ich meine Kollegin,

einen Gerichtsdiener mitzunehmen.

Sein schriftlicher Bericht ist etwas überraschend:

"Kam rein und raus wie im Taubenschlag."

Hier steht: "28. November:

Wir, der Gerichtsdiener etc. betreten das Haus um 10 Uhr früh.

Die Portierfrau ist abwesend.

Die Portierloge ist zugesperrt."

"8. Dezember, 9:30 Uhr:

Wir finden einen Zettel an der Portierloge:

'Komme gleich wieder.'

Es ist uns nicht möglich, von einem Mieter zu erfahren,

um welche Zeit die Portierfrau eventuell zurückkommen würde."

"6. März, 3 Uhr morgens: Nachdem wir auf den Knopf gedrückt haben,

öffnet sich die Tür automatisch. Wir müssen keine Namen nennen.

Wir tasten lange im Dunkeln herum, um das Licht zu finden,

gelangen stolpernd zum Treppenhaus,

steigen bis zum 6. Stock rauf und wieder runter

und verlassen unbehelligt das Haus.

Das sind ja feine Manieren! *Gelächter*

Leider wurde uns nichts übermittelt.

Ich finde es bedauerlich,

dass Sie dies nicht selbst untersucht haben.

Ihnen steht das ganze Dezernat zur Verfügung.

Diese Verhandlung müsste unter dem Zeichen des Vertrauens stehen.

Aber man sollte keine übereilten Schlussfolgerungen ziehen.

Es beweist nur, dass sie unbemerkt hineinkommen konnte,

nicht, dass sie da war. Es ist eine Hypothese.

Was dem Gericht unangenehm ist, ist eine Hypothese.

Beklagen Sie sich nicht,

Sie verdanken das Wort dem Herrn Staatsanwalt.

Eine Hypothese ist die Lüge Ihrer Mandantin. Mal sehen...

Am 9. Dezember, am Morgen nach der angeblichen Liebesnacht,

traf Gilbert sich mit Annie.

Wir wissen genau, wohin sie gegangen sind.

Wir sind zum Standesamt gegangen, um uns aufbieten zu lassen.

*Raunen* Ruhe!

Bei der ersten Protestkundgebung lasse ich den Saal räumen.

Wir hatten es ein paar Mal aufschieben müssen.

Gilbert war furchtbar überlastet. Er hatte Proben fürs Fernsehen.

Er war übermüdet und nervös.

Aber an diesem Morgen war er schon sehr früh bei mir.

Er nahm mich fest in seine Arme, und er sagte:

"Komm, meine kleine Annie, wir haben schon zu lang gewartet."

Und dann sagte er:

"Du bist für mich geschaffen, wir werden alt zusammen werden."

Und jetzt ist alles aus.

Warum hast du mir das angetan?

Ich wollte es nicht tun. Ich habe ihn geliebt.

Du hast immer nur dich geliebt. Dich! Immer nur dich!

Ich würde mein Leben... Schweigen Sie!

Ihr Benehmen ist ordnungswidrig. Mademoiselle, ich bitte Sie,

Ihren Schmerz zurückzuhalten und die Fakten sprechen zu lassen.

Ließ etwas in Gilberts Äußerungen Sie in den Wochen,

die dem Drama vorangingen, vermuten, dass er sie wiedersah?

Nein. Er verheimlichte nichts.

Davon hat er nichts gesagt. Ich war bei ihm, ich schwöre.

Er nahm mich in die Arme wie früher.

Das ist nicht wahr! Es war alles aus zwischen ihnen.

Er hat mir hundert Mal gesagt:

"Endlich bin ich sie los!"

Das glaube ich nicht. Das kann er nicht gesagt haben.

Warum bist du so hart?

Ich bin nicht viel wert, aber du machst mir Angst. Du lügst.

Dein Hochmut treibt dich dazu. Du hast kein Herz.

Ich hätte dich ja retten wollen. Ich habe Mitleid mit dir.

Ich hätte dir glauben wollen, aber er konnte das nicht.

Er war viel zu gerade, viel zu sauber.

Nein, nein. Meine Schwester lügt.

Warum soll ich das erfinden? Du warst eifersüchtig.

Eifersüchtig? Auf wen? Auf was?

Schau dich doch mal an!

Es gab nur ihn und mich. Aber mich wollte er heiraten.

Damit du für ihn kochst!

Schweigen Sie!

Bei der nächsten Störung lasse ich Sie abführen.

Wir waren so glücklich, wie sie es nie sein wird.

Ja, darum hat sie ihn ermordet. Damit ich nie glücklich würde.

Sie hatte alle Männer, die sie wollte. Ich hatte nur Gilbert.

Du hast ihn nie gehabt!

Er hat nicht mit dir geschlafen, nicht ein einziges Mal!

Ruhe! Mit mir hundert Mal! Tausend Mal!

Schweig! Du hast ihn getötet! Ich hab's nicht gewollt!

Ich hab's nicht gewollt! Ich wollte mich töten!

Mich, nicht ihn!

Ich wollte mich töten! Mich!

*Sie schluchzt*

Mmh, das riecht fantastisch.

Es riecht nach Sauerkraut. Nur zu, es ist die letzte Büchse!

Ich vergaß meine Zigaretten. Und meine Taschen.

Oh, was sehe ich da? Du gönnst dir aber auch alles!

Walther 765, panzersichere Kugeln, mhm.

Habe ich mir geschenkt.

Ist eben meine Schnur.

Interessant! Du hast es ganz schön weit gebracht.

Aber ein Suizid gelingt nicht so leicht,

ich spreche aus Erfahrung.

Dazu gehört Methode. Fantasie, Talent. Mit einem Wort.

Um den Revolver abzudrücken?

Dilettantismus.

Am nächsten Tag sieht man ganz schön blöd aus.

Am nächsten Tag ist es egal.

Ja, das dachte ich auch. Du hast nichts kapiert,

ich probierte meinen Suizid bis in die kleinsten Details.

Und du lebst immer noch.

Ja, weil es so richtiger ist. Ich stieg auf den Stuhl,

legte mir einen Strick um den Hals und sah in den Spiegel.

Dann hast du Angst bekommen.

Nein, ich habe nachgedacht.

Und dann habe ich kapiert, die Nummer ist im Eimer. Wieso?

Klar, wenn der Darsteller abtritt, bevor das Publikum erscheint.

Man begeht Selbstmord für sich, nicht für andere.

Man tötet sich immer gegen jemand, kollektiv oder individuell.

Sieht man ihre blöde Visage nicht mehr, verliert es an Reiz.

Ja, man muss es in Gegenwart eines anderen tun.

Ich bin nicht zum Zuschauer geboren.

Ich habe auch dich nicht gemeint.

Los, nimm das. Wir wollen essen.

Ja, du hast recht.

So ein Suizid hat nur Sinn,

wenn der Kandidat gut bei Kräften ist.

Sie haben ihn gewarnt, dass seine Ex-Geliebte

eine Waffe besaß und ihn töten wollte?

Ja. Woher wussten Sie das? Sie kannten sie doch nicht.

Nein, Jérôme Lamy sagte mir, ich soll ihn warnen.

Jérôme Lamy noch mal in den Zeugenstand!

Aber das hat er doch erklärt.

Er gab eine Äußerung von Delaunay weiter.

Delaunay ebenfalls in den Zeugenstand.

Das Publikum wiederholt die Voruntersuchung!

Der Punkt ist sehr wichtig. Er entscheidet, ob es Vorsatz war.

Wussten Sie von ihren verbrecherischen Absichten?

Nicht im geringsten.

Ich wusste, sie hatte einen Revolver für einen Suizid.

So was! Sie erzählt Ihnen davon, und Sie lassen ihr die Waffe?

Wir haben so oft über Suizid gesprochen.

Es war eins unserer üblichen Themen.

Ich habe seit Jahren einen Strick. Sie fand es wohl hübsch.

Sie nahmen die Drohung nie ernst?

Nein, leider nicht.

Der Gedanke an Mord streifte Sie nie?

Wie erklären Sie, dass Sie ihn warnen ließen? Das tat ich nicht.

Jérôme Lamy, war es nicht Delaunay,

der Sie von dem Plan unterrichtet hat?

Nein, direkt sprach er nicht mit ihr.

Er sprach mit einer ganzen Gruppe.

Er sagte, sie hätte eine Waffe und würde eine Dummheit machen.

Ich dachte, sie könnte sich selbst was antun. Das sagte ich André.

Sie sagten, Gilbert solle sich hüten.

Trotzdem glaubten Sie beide an Selbstmord.

*Sanfte Musik*

Was ist los? Der Suizid gefällt mir nicht.

Angabe. Angabe?

Trägt ein Mädchen einen Revolver mit sich herum,

weiß man nie, was passieren kann.

Ist ja reizend.

Sicher, dass sie nicht mehr böse ist?

Immerhin. Herrlich ist es nicht für sie, dass ich Annie heirate.

Du musst vorsichtig sein. Du gehst nicht mehr aus.

Wir essen hier. Ist nichts da.

Ich gehe was einkaufen.

*Donner*

Beeil dich, es gießt gleich.

Das werde ich schon sehen.

*Flaschen klirren*

Wo kaufst du den Wein? Frag die Portierfrau!

Gemacht.

*Donner*

André!

Hier, fang das auf. Danke.

Du hast mich nicht erwartet, hm? Nein.

Was willst du? Soll diese Albernheit noch lange dauern?

Machst du den Mund auf?

Ja oder Nein?

Ich sehe. Du wirst mir jetzt einen Gefallen tun.

Du wirst gehen, ohne Geschichten.

Die Dramen habe ich satt bis zum Erbrechen. Es ist Schluss!

Ja, es ist Schluss. Und zwar endgültig.

Keine Angst, ich belästige dich nicht mehr.

Ich habe zu viel gelitten. Ich bin am Ende.

Ich lasse dich in Ruhe. Für immer, hörst du?

Ach ja, ich weiß, dein Suizid. Das weiß ja ganz Paris.

Nur bei mir verfängt das nicht. Armer Mensch!

Und dich habe ich schön gefunden.

Du bist mies.

Mies!

Dass ich für so was krepiere!

Machst du dich über mich lustig? Sechs Monate lebten wir zusammen.

Du hast mit allen rumgemacht,

irgendwann hatten wir genug davon.

Plötzlich denkst du, ich sei der Mann fürs Leben.

Dass du dich wegen mir umbringen willst.

Noch mal: Machst du dich über mich lustig?

Es ist nicht meine Schuld, dass ich dich liebe. Nein.

Nein, du lügst. Ein neuer Trick, mir das Leben zu vergiften.

Du musst mich in Ruhe lassen, und zwar sofort. Geh weg!

Geh weg, sonst schmeiß ich dich raus!

Mach, dass du rauskommst, Himmelherrgott!

Raus hier! Raus! Ah!

Was tat ich dem lieben Gott, dass er mich so zur Sau macht?

Bist du verrückt?

Bist du krank?

Ich quäle dich nicht mehr.

Lieber Gott, fängt das wieder an! Bist du denn taub?

Ich habe deine Mätzchen satt!

Du kannst dich aufhängen, wenn du willst!

Du ekelst mich an!

Du kotzt mich an! Du hängst mir zum Hals raus!

Willst du sterben, nur zu, wenn ich dich nur loswerde!

Herrgott noch mal! Ah! *Schuss*

*Schuss*

*Zwei Schüsse*

*Schuss, sie stöhnt*

*Sie atmet schwer*

*Sie stöhnt und schluchzt*

*Sie lacht*

Über die Reihenfolge der Schüsse brauche ich nicht zu sprechen.

Ich berichte über die Verletzungen.

Schon die erste Kugel war tödlich. Sie durchschlug den Brustkorb

und zerriss die rechte Lunge, wodurch eine Blutung eintrat.

*Sie schluchzt*

Herr Doktor, wir hören zu.

Ich sagte, dass die Kugel den Brustkorb durchschlug.

Die rechte Lunge wurde zerrissen, es kam zu einer inneren Blutung.

Das bedeutet, dass sie hier eindrang

und dass ich sie da fand.

Die zweite ebenfalls tödliche Kugel...

Es waren sechs. Noch können Sie gegen den Strom schwimmen.

...an den Haarwurzeln und leicht von oben nach unten.

Sie ging dann durch die rechte Schädelhälfte

und zerschmetterte den Hinterkopf,

wodurch ein Teil der Hirnsubstanz austarnt. Die dritte Kugel.

Die Kugeln wurden nie bestritten. Sie gab zu, dass sie schoss.

Dr. de Girard berichtet die Autopsieergebnisse.

Wir sind uns ja einig. 6 Schüsse, 3 tödlich. Sie gibt es zu.

Wozu die technischen Details? Wozu die Schussbahnen?

Die menschliche Wahrheit zählt.

Jetzt stibitzt er uns die Kugeln.

*Gemurmel*

Herr Staatsanwalt, was sagen Sie?

Die Angeklagte hat das Vorhandensein der Wunden

nie bestritten. Sie leugnet nur den festen Vorsatz.

Bestehen Sie auf einer längeren Ausführung?

Haben Sie was hinzuzufügen? Auf Anweisung des...

Das Gericht dankt Ihnen. Moment mal.

Herr Nebenkläger?

Trotz der Achtung, die ich für den Herrn Staatsanwalt hege,

sehe ich es anders. Ich halte es für notwendig,

von Dominique Näheres darüber zu hören.

Sie hat geschossen und gibt es auch zu.

Reden wir nicht mehr darüber.

Sie verlor jede Erinnerung an den schlimmen Moment. Ja.

Es ist wohl nicht so einfach, alles zu erklären,

und so vergisst sie es eben. Wäre es in Ordnung,

sie herunterkommen zu lassen? Sie soll uns die Szene vorspielen.

Dann wird sich zeigen,

ob die Details und Schussbahnen der Wahrheit entsprechen.

Wache! Führen Sie sie vor!

Diese Zurschaustellung scheint mir kaum vereinbar

mit dem Charakter der Trauer und des Anstands, der hier geziemt.

Ich allein bin für die Wahrung der Würde zuständig.

Außerdem bleiben wir hinter der Wirklichkeit zurück.

Die Geschworenen haben ein Anrecht auf die Wahrheit.

Die These Ihrer Mandantin ist,

sie wollte in Gegenwart Gilberts Selbstmord verüben,

und hat dann im Streit den Kopf verloren.

Wir wollen sehen, ob das auch möglich ist.

Ah! Als Sie es taten, waren Sie wohl etwas mutiger.

Wie haben Sie die Waffe gehalten?

Und so wollten Sie sich töten? Nein, vorher so.

Und diese Kugel hat ihn getroffen?

Sie versteht nicht, was Sie sie fragen.

Gut, fangen wir mit dem Anfang an.

Wie weit stand Gilbert von Ihnen entfernt?

Hm, so...

oder so weit?

Ach, von vorn, natürlich.

Ich... erinnere mich nicht mehr.

Die Kugel von vorn ging in die Stirn. Herr Doktor?

Sie ging da rein, da raus. - Von oben nach unten. So!

Da war er schon im Begriff zusammenzubrechen.

Vermutlich. - Also war es nicht die erste Kugel.

Die einzige Kugel, die horizontal gezielt war.

Die einzige, die auf ihn gezielt war,

während er aufrecht vor ihr stand. Diese Kugel traf ihn da!

Sie erinnert sich nicht. Wozu das Melodrama?

Sie schoss wie von Sinnen, egal, ob von vorn oder hinten.

Die Tatsachen sprechen.

Sie beweisen, dass Sie gelogen haben. Zwei Mal.

Sie sagten nie: "Ich will mich umbringen."

Er hätte Ihnen nie den Rücken zugedreht.

Sie hatten keinen Streit mit ihm.

Droht man jemandem, dann ins Gesicht von vorn.

Er hat mich nur beleidigt. Das genügte Ihnen?

Sie haben geschossen. Sie sind sehr flink, hm? Und zäh.

Oder nicht? Er liegt auf den Knien.

Er droht nicht mehr, er fleht Sie an.

Sie schießen noch mal, dahin! Er fällt.

Vier Kugeln, um ihn zu erledigen. Nein!

Wieso nein?

Herr Doktor, die letzten 4 Kugeln, von denen Sie sprachen,

als Sie im gelegenen Moment unterbrochen wurden,

Als sie abgefeuert wurden, lag er fraglos schon am Boden.

Hm. *Stimmengewirr*

Das wär's.

Wache, führen Sie die Angeklagte wieder auf ihren Platz.

Herr Doktor, vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Ich fordere jeden heraus, der sagt,

sie hätte bei den Schüssen auch nur kurz überlegt.

Es war wie ein Trommelfeuer, unüberlegt.

Sie schoss den Lauf leer, da sie von Sinnen war. Was wollen Sie?

Dass sie aufrichtig ist. Dass sie nicht diese Komödie spielt.

Leugnen Sie nicht den Suizid, sie war in Agonie.

Man kam rechtzeitig, wie gehabt. Ja.

Sie wussten, dass André zurückkommt.

Sie erkannten ihn wieder, somit riskierten Sie nicht allzu viel.

Ich überlegte mir nichts. Ich stürzte ins Bad.

Nicht sofort. Doch.

Wie? Der Mann, den Sie vergöttern, bricht zusammen.

Ob er noch lebt, ist Ihnen egal. Sie laufen weg.

Ich wollte nur sterben. Sie denken immer nur an sich.

Der Revolver war leer.

Und für sich behielten Sie keine Kugel?

Sie zählte die Schüsse nicht ab.

Sie wollten sich nicht aus dem Fenster zu stürzen.

Zu gefährlich. Bei Gas wissen Sie, es kommt rechtzeitig Hilfe.

Nur sterben wollte ich!

Glauben Sie mir doch! Sterben! Jetzt hat er sie geschafft.

War das Ihr dritter oder Ihr vierter misslungener Suizid?

Eins steht fest: Morde gelingen Ihnen viel besser. Genug!

Ich bin fertig.

Sie haben viel Talent und wenig Herz.

Um Liebe zu beurteilen, muss man lieben können.

Wie können Sie Suizid bestreiten? Sie machen sie zu einer Art Vamp.

Was kann sie für ihre Schönheit?

Wenn die Männer sie verfolgen,

Gilbert noch viel glühender als die anderen?

Hat sie ihn je provoziert? Nein.

Drei Wochen hat er sie verfolgt. Er hat sie gequält.

Nichts konnte ihn abhalten, nicht mal das Abenteuer,

das fast vor seinen Augen geschah. Er muss sie haben.

Trotz alledem.

Er nimmt sie noch warm dem anderen weg.

Und das nennen Sie Liebe!

Was bot er ihr in den langen Monaten ihrer Liaison? Ein Bett.

Jeden Tag ein Bett.

Das ja, aber nur für eine Stunde am Tag.

Die Nacht mit ihm, das wäre unbequem gewesen.

Aber wieso? Er war zu einer Heirat bereit.

Weil er zu der Zeit nichts riskierte.

Weil ihm die Mittel dazu fehlten. Aber keine Rede von Heirat.

Er verlässt sie wegen der Quatscherei gehässiger Weiber.

Ein Irrtum, den man nicht aufklären will.

Sie selbst sagte:

"Ach wo, er macht Karriere, was nützt sie ihm?"

Und das nennen Sie Liebe!

Sie plädieren. Das ist jetzt nicht der Moment.

Gibt es für Gerechtigkeit einen Moment?

Monatelang hat sie gebettelt, gehungert, sich verkauft. Jawohl!

Hat er je einen Finger gerührt, um sie aus dem Schmutz zu ziehen?

Und das nennen Sie Liebe!

Eines Nachts kommt sie zu ihm und fleht ihn um Verzeihung an.

Er missbraucht ihre Gefühle.

Er weckt in ihr neue Hoffnungen, um sie sich gefügig zu machen.

Dann wirft er sie weg wie eine Dirne.

Sie kommt zurück, redet von Suizid.

Er bittet sie, den Revolver doch abzudrücken.

Sie glauben noch an diese Liebe? Ich bedauere.

Gilbert hat mich geliebt!

Aber das geben Sie niemals zu, es ist Ihnen unangenehm!

Es ist die Wahrheit, die einzige.

Ich war bestimmt dumm... und böse... und voller Fehler.

Aber er hat mich trotzdem geliebt.

Jetzt werde ich ihn nie mehr sehen.

Ich werde ihn nie mehr sehen!

Jetzt ist mir alles egal, ich habe vor nichts mehr Angst!

Oh, Sie sitzen da, verkleidet, lächerlich!

Sie wollen mich richten, aber Sie lebten nie! Liebten nie!

Und deshalb hassen Sie mich. Weil Sie alle tot sind!

Tot! Enorme Beleidigungen! Das ist ein Skandal!

Warum trieben Sie sie so weit? Das ist ein Skandal!

Sie inszenieren. Ihre Grausamkeit ist des Talars unwürdig.

Was sagen Sie da? Meine Herren!

Es ist 19:30 Uhr, die Sitzung wird vertagt.

Sie wird morgen fortgesetzt. Führen Sie die Angeklagte ab!

*Stimmengewirr*

Guérin hat dir ganz schön die Zähne gezeigt,

aber du hast ihn auch provoziert.

Warum warst du so scheußlich zu der Kleinen?

Weil ich die Mutter des Opfers vertrete.

Und weil ich für sie spreche, an ihrer Stelle.

Hätte man deinen Sohn umgebracht, würdest du's verstehen.

*Sie atmet zittrig*

*Leises Scheppern*

*Sie stöhnt*

*Lautes Scheppern*

*Sie atmet zittig*

*Sie stöhnt und atmet zittrig*

Meine Herren, heute Nacht hat Dominique Marceau versucht,

sich das Leben zu nehmen.

Sie kann nicht an der Verhandlung teilnehmen.

Ich werde den Brief verlesen, den sie mir übergeben ließ:

"Ich schreibe im Dunkeln, da ich das Licht nicht anmachen kann,

aus Angst, Aufmerksamkeit zu erregen.

Ich weiß nicht,

ob Sie meine Schrift lesen können oder es wollen. Wozu auch?

Ich sehe, dass alle anderen recht haben, alle außer mir.

Ich hatte immer Unrecht.

Meiner Schwester gegenüber, meiner Mutter,

meinen Lehrern und auch Ihnen gegenüber.

Ich bitte alle um Verzeihung."

"Vor allem die Mutter von Gilbert.

Ich liebte nur ihn.

Ich werde nie mehr einen anderen lieben.

Das ist kein großes Versprechen, da ich bald sterbe.

Aber ich schwöre, dass es wahr ist

und ich mich umbringen wollte, nachdem ich ihn getötet hatte.

Wenn es mir nicht gelungen ist, dann nur,

da ich ungeschickt bin. Aber heute schaffe ich es.

Wenn Gilbert mich sehen kann, so wird er mir verzeihen.

Er hat mich auch geliebt.

Nur liebten wir uns nicht zur gleichen Zeit."

"...zur gleichen Zeit.

Und deshalb ist er gestorben.

Und deshalb gehe ich jetzt zu ihm.

Ich habe versucht, Ihnen zu erklären..."

Meine Herren, gerade wird mir mitgeteilt,

dass Dominique verschieden ist.

Ich erkläre das Gerichtsverfahren als eingestellt.

Die Sitzung ist geschlossen.

*Leises Stimmengewirr*

Ich beneide ihn nicht.

Wir treffen ihn hier nächste Woche, beim Fall Moreau.

Dumme Sache, hm?

Das sind die Schattenseiten des Berufs.

*Leises Stimmengewirr*

UNTERTITELUNG: Globe tv GmbH, Saarbrücken, 2024

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