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.
* Musik *
* Musik *
Bevor ich Ihnen sage, worum es geht,
ist es wichtig, dass Sie eines wissen:
Ich bin normal. Völlig normal.
Sofern das überhaupt irgendjemand von sich behaupten kann.
Sie werden das Gegenteil denken.
Und was noch entscheidender ist: Sie werden das Gegenteil fühlen.
Wenn aber das, was ich sage, eine große Anzahl von Menschen erreicht,
dann besteht theoretisch die Möglichkeit,
dass einige noch etwas anderes denken und fühlen.
Und zwar, dass man ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.
Wird ein ziemlicher Schock.
Aber vielleicht leitet man daraufhin die notwendigen Maßnahmen ein.
Mein Name ist David Frank.
Die Namen meiner Eltern sind Agnes und Hanns Georg Frank.
Ich werde meine Mutter, meinen Vater und anschließend mich selbst töten.
Und ich werde mich bemühen, Ihnen zu erklären, warum.
Seit wann is es im Netz? - Keine Ahnung.
Wiss'ma, ob er aktenkundig is? - Naa.
Was wiss'ma eigentlich?
Nix, außer, dass wir eine BAO bilden, die ich leiten soll.
Is doch schon was!
* spannende Musik *
Tag, allerseits!
Also, Herrschaften, fangen wir an!
Oberstleutnant Eisner leitet die Sonderkommission.
Die Kollegin Fellner koordiniert den operativen Stab.
Warum gibt uns der Verfassungsschutz die Ehre?
Routineprozedere.
Is die Demokratie bedroht? - Schau'ma mal!
Wir wissen ja nicht, was der Kerl vorhat.
Vorsicht ist besser als Nachsicht! - Ah ja! Schreib ich mir auf!
Wer is Aktenführer? - Ich.
"Vorsicht ist besser als Nachsicht. Schubert." Schon notiert!
Wo sind die Kollegen vom Kriminalpsychologischen Dienst?
Unterwegs.
Wer kommt? - Aichinger und Gregoritsch.
* Handy *
'tschuldigung!
Ja?
Alles klar.
Und, Schaller, ihr benachrichtigts mich umgehend, okay?
Cobra? - Ja, sind bereits am Wohnort.
Aichinger, Gregoritsch. Verhandlungsgruppe.
Gut! Hat jeder die Aufnahme gesehen?
Ja!
Dann bitte ich um erste Eindrücke!
Leute, die so was ankündigen,
leiden in der Regel an einer narzisstischen Störung.
Also a Selbstdarsteller?
Möglich. Die Realität richtet sich nicht nach seinem Willen,
also gibt er einem destruktiven Impuls nach.
Der Kollege is anderer Meinung?
Na ja, er zeigt keine deutlichen Verhaltensauffälligkeiten.
Und allem Anschein nach gibt's auch keine Intoxikation
durch Alkohol oder andere Substanzen.
Auf mich wirkt er nicht impulsiv.
Narzissten richten ihre Aggression meistens gegen andere,
um Kontrolle zurückzuerlangen.
Er aber kündigt seinen Suizid an.
Was sagt Ihnen, dass er das durchzieht?
Sein Gefühl!
Wir bewegen uns ja alle auf dem Feld der Mutmaßungen.
Dann halt'ma uns jetzt an das, was wir wissen!
Kollegin Fellner informiert uns! - Ah ja?
David Frank, Alter: 22, Matura am Lycée Français in Wien.
Derzeit im 5. Semester Medizin an der Uni Wien.
Einzelkind.
Vater: Hanns Georg Frank, Uni- versitätsprofessor für Mathematik.
Mutter: Agnes Frank, Rechtsanwältin.
Moment mal!
DER Hanns Georg Frank?
Ja.
DER Frank.
Alarmanlage inaktiv. Wir gehen rein.
Ich wiederhole: An alle Teams! Wir gehen rein!
Einer der angesehensten Wissenschaftler der Gegenwart.
Hat so ziemlich jede internationale Auszeichnung bekommen,
die man als Mathematiker erhalten kann:
Clay Research Award, Royal Medal, Abelpreis ...
Das is quasi der Nobelpreis für Mathematiker.
Die Fields-Medaille, etc.
Ein halbes Dutzend Gastprofessuren weltweit:
ETH Zürich, University of Cambridge, MIT Massachusetts.
Mitglied der Royal Society,
der American Academy of Arts and Sciences und so weiter.
Das lese ich jetzt nicht alles vor, sonst sitz'ma morgen noch da.
Kurzum: Er is ziemlich gut in Mathe. - Ja.
Seine Frau ist Anwältin, ist auch eine Koryphäe auf ihrem Gebiet.
Arbeitet für einen internationalen Investmentfond.
Die beiden leben zusammen mit ihrem Sohn David in einer Villa
in der Cottagegasse im 18. Bezirk.
Die Kollegen von der Cobra gehen da gerade rein.
Gleich die Cobra? Wir nehmen's also ernst?
Na, du bildest eine BAO, also nehmen wir's ernst.
Was sagen die Netzwerker?
Der Link is per E-Mail 'kommen. Anonym natürlich.
Wissen wir den Zeitpunkt der Aufnahme?
Nein, er benutzt einen Remailer mit asymmetrischer Verschlüsselung.
Völlig chancenlos, dass wir ihn so finden.
Andere Hinweise?
Er verbreitet das File über mehrere Accounts
bei diversen sozialen Netzwerken.
Und da hinterlässt er keine Spuren?
Naa. Die leiten die Datenströme über dezentral verteilte Server,
san also praktisch unkontrollierbar.
Und das weiß der Typ natürlich. - Ist anzunehmen.
Also ein Computerfreak. - Oder er kennt einen.
So was kann mein Sohn, der is 13.
Gehen wir nicht von einem Einzeltäter aus?
Wir ham keine Beweise für eine Tat.
Wir ham ein Video, auf dem eine Tat angekündigt is.
Wir leiten die Umfeld-Erhebungen ein.
Laufen bereits!
* Handy *
Ja, i versteh. Trotzdem, Schaller: Planänderung. Ich komm selber hin.
Hat's ned g'heißen, ICH koordinier den operativen Stab?
Ja, eh. Aber i schau mir jetzt ned stundenlang
die blasierte Visage vom Schubert an.
Was hast du gegen den? - Bürokratischer Korinthenkacker.
Das sag ihm vielleicht bei der nächsten Besprechung ins G'sicht.
Das sorgt sicher für Kuschelstimmung.
Zähl einmal die Korinthen, die der in einer einzigen Sitzung scheißt!
Dann weißt du, wovon ich red.
Servas, Schaller! - Hallo!
Und?
Niemand daheim. Eure Erkennungs- dienstler sind schon drin.
Schaut nicht so aus, als hätt sich etwas Außergewöhnliches abgespielt.
Kampfspuren?
Nein, alles sauber und aufgeräumt. - Das passt zu einem Mathematiker.
Einschätzung?
Wir san a operative Einheit, keine ermittelnde.
Ich frag ja auch nicht offiziell.
Die Alarmanlage war aus und die Terrassentür ned abgesperrt.
So was macht man ned, wenn man verreist.
Vor allem, wenn im Wohnzimmer a echter Escher hängt.
I hab ja g'wusst, warum i frag. Antibürokrat. Danke!
Check einmal, was der Kollege bis jetzt rausgefunden hat!
Okay.
* spannende Musik *
* Vögel fliegen weg. *
* spannende Musik *
Is das der Escher?
Ja.
Kennst du dich damit aus?
Nicht wirklich.
Heißt "Relativität".
Egal, wie lang du draufschaust oder aus welchem Winkel,
es kommt dir immer wie eine Täuschung vor.
Red'ma jetzt vom Bild oder ... - Gute Frage!
Was sagt der Kollege? Gibt's Zeugen? - Nein.
Der Wagen vom Vater steht nicht in der Garage.
Es is ein silbergrauer Mercedes, Wiener Kennzeichen.
Die Fahndung hat aber bisher noch nichts ergeben.
Wie findest du's hier?
Kalt.
Obwohl's g'heizt is.
* Handy *
Ja?
Okay, wir kommen.
"Mir ist bewusst, dass man alles daran setzen wird,
meine Tat zu verhindern."
"Das ist Teil meines Plans."
"Mir ist auch bewusst,
dass kaum jemand meine Handlungsweise verstehen wird."
Das verbreitet sich exponentiell.
Er ist bei fast allen relevanten Online-Diensten abrufbar.
"Meine Eltern sind angesehene Persönlichkeiten,
geachtete Mitglieder der Gesellschaft."
Ein Mathematikgenie, das samt Gattin vom eigenen Sohn entführt wird.
Also, Spontanaktion is das keine, wenn du mich fragst.
Seh ich auch so.
"Bestimmte Leute werden nicht akzeptieren,
dass sie meine Tat nicht verhindern können."
"Das führt dazu, dass man das, was ich sage,
nicht einfach vom Tisch wischt."
"Kein Amoklauf. Keine Affekthandlung. Keine Rache."
"Keine religiös, ideologisch oder rituell motivierte Tat."
"Darum geht's hier nicht."
"Versuchen Sie das bitte zu begreifen!"
"Ich werde mich bemühen, es zu erklären,
aber ich bin auch darauf angewiesen,
dass andere Menschen versuchen, es zu verstehen und es zu erklären."
"Und mir ist klar,
dass wiederum andere genau das verhindern werden wollen."
"Sowohl die Tat als auch die Erklärung."
"Vielleicht irre ich mich, aber ich denke,
jemand, der es erklären kann, ist Sarah Adler."
Wer?
Gehen Sie bitte noch mal ein Stück zurück!
"Vielleicht irre ich mich, aber ich denke,
jemand, der es erklären kann, ist Sarah Adler."
Kennen Sie die Dame? - Ja.
Wir ham zusammen studiert.
"Warum?"
Das ist es, was sich den Leuten eingeprägt hat.
"Warum?"
26. April 2002, Erfurt, Gutenberg-Gymnasium.
Robert Steinhäuser, 19 Jahre alt, tötet 12 Schüler, zwei Lehrer,
die Schulsekretärin, einen Polizisten und anschließend sich selbst.
Die Inschrift über einer der Eingangstüren der Schule lautet:
"Lebe, um zu lernen"
Eine zweite:
"Lerne, um zu leben"
Einige Monate zuvor wird der "auffallend unauffällige" Schüler
Robert Steinhäuser aufgrund seiner Fehlzeiten vom Gymnasium relegiert.
Der Schulverweis ist für ihn fatal, seine Falltiefe immens.
Mit einem Schlag ein Sozialfall.
Kein Abitur, kein Realschulabschluss, gar nichts.
Es ist, als hätten Sie nie eine Schule besucht.
Ein K.o.-System, wenn Sie so wollen.
Zwei Wochen später
kauft sich Robert eine Pistole der Marke Glock,
kurz darauf eine Pumpgun und 300 Stück Schrotmunition.
Was bleibt, ist dieses Bild:
"Warum?"
Wir fahren direkt zur Uni. Laut Dekanat unterrichtet sie heute.
Kümmerts ihr euch um sein Umfeldprofil!
Jetzt tuts weiter!
Ich will wissen, ob er eine Beziehung hat,
mit wem er befreundet is.
Außerdem soll sich jemand mit der Familie beschäftigen.
"Er behauptet zwar, dass es nicht um Rache geht,
aber vielleicht stimmt das nicht."
"Vielleicht is er misshandelt worden."
"Ich will jedes mögliche Motiv auf'm Tisch liegen haben. Klar?"
Alles klar, Chef! - "Gut. Bis dann!"
Wozu werden im Ministerium über Jahre Richtlinien
für die organisationsübergreifende Lagebewältigung erarbeitet,
wenn der Leiter der BAO dann im Ernstfall
die systemimmanente Anwendung der Führungsgrundsätze boykottiert?
Noch einmal zum Mitschreiben bitte!
Der Leiter des Führungsstabes ist abwesend. Nicht gut.
Ich halte nicht meinen Kopf hin, wenn es zu Schnittstellenproblemen kommt.
Ich verstehe Sie, Kollege Schubert. - Echt?
Aber Sie werden dem Kollegen Eisner gestatten,
die ablauforganisatorischen Regelungen
nach seinem Ermessen anlassbezogen zu identifizieren und zu gewichten.
Auf gut Deutsch:
Notfalls halte ich meinen Kopf für ihn hin, ja?
Alles klar! Ich kenn mich aus.
Ha! Der Schubert!
Der kackt gerade wieder, wetten?
Ganz kleine, winzige, steinharte Korinthen
mit intarsierten Paragraphenzeichen.
Du bist a bissl fixiert. Kann das sein?
Absolut.
Frau Professor Dr. Sarah Adler.
Erziehungswissenschaftlerin und Dozentin für Soziologie.
Schwerpunkt: Konfliktforschung.
Hält an verschiedenen Unis Vorlesungen. Darunter auch in Wien.
Unter anderem über jugendliche Gewalttäter.
Schau, schau!
Is man mit 22 noch Jugendlicher?
Geistig vielleicht, juristisch is man erwachsen.
Strafmündig ist, wer das 14. Lebensjahr vollendet hat.
Aber: Was ist mit der Verantwortung der Gesellschaft?
Meine Herrschaften, aufwachen!
Das ist eine Seminarveranstaltung und keine One-Woman-Show!
Beteiligen Sie sich!
Sind junge Gewalttäter wie er einfach nur pathologische Fälle?
Na ja, so oder so.
Jede Handlung muss sich am Maßstab des gültigen Rechts relativieren.
Was genau wollen Sie uns damit sagen? Dass Sie gegen Anarchie sind?
Wer die gesellschaftliche Ordnung stört,
muss rechtsstaatlich verfolgt und ausgesondert werden?
"Ausgesondert" hab ich nicht gesagt.
Aber was spricht zum Beispiel gegen strengere Waffengesetze?
Sogar die Amis machen das mittlerweile.
Ja, okay. Was können Sie sich noch vorstellen?
Einsicht in das Erziehungsregister? Geistige Eignungstests?
Pumpgun-Verbot?
Warum nicht?
Wozu? Wenn ich mir eine Waffe besorgen will,
dann tu ich das am illegalen Markt.
Volltreffer!
Ich bin ihrer Meinung.
Es bringt exakt gar nix, irgendwelche Verbotsgrenzen anzuheben.
Dieser verfluchte menschliche Wille findet immer einen Weg.
Was aber tun wir?
Wir verbauen verzweifelt die Wege, anstatt die Frage aufzuwerfen,
was so einen Willen ausmacht und woher er kommt.
Ja, genau. Es geht nicht ums Verhindern. Es geht ums Bestrafen.
So funktioniert Ihr Rechtsstaat.
Wir behandeln Symptome!
He!
He! Musst du nicht beim Job sein?
Das is kein Job, nur ein Praktikum. Sitz da bloß blöd herum.
Ich muss jetzt zur Vorlesung. Du kannst daheim auf mich warten.
Das is der Typ vom Sezierkurs, der mit uns am Tisch war, oder?
Ja.
Entweder, der is auf irgendwas drauf oder ... Schau mal!
Kerem, was ist los? - Was soll sein?
Du stehst auf Gegenfragen, oder? - Is das schlecht?
Vergiss es!
Nein! Entschuldige! Im Ernst: Was soll sein?
Keine Ahnung. Das frag ich dich.
Du schaust alle paar Minuten auf die Uhr. Irgendwas ist doch.
Ich schwitz zum Beispiel wie die ärgste Sau.
Die Hörsäle sind überheizt.
Willst du was essen?
Nein, ich hab keinen Hunger.
Ich hab auch keine Zeit. Ich muss mir das noch reinziehen.
Ein unnötiger Scheiß!
Entschuldige! Heute ist nicht mein Tag.
Okay.
Faktum ist: Es gibt statistisch eine signifikante Häufung
vergleichbarer Gewalttaten in jüngerer Zeit.
Wir reden nicht vom Wilden Westen, wir kehren vor der eigenen Haustür.
Wien, Polytechnische Lehranstalt Schopenhauerstraße:
Ein 15-Jähriger sticht seinem Klassenkameraden
mit dem Messer in die Brust und in den Bauch.
Das Opfer stirbt.
Im deutschen Emsdetten verletzt ein 18-Jähriger
37 Menschen durch Kugeln und Rauchbomben.
Anschließend nimmt er sich das Leben.
Hochschule Jokela, Finnland, 2007: ebenfalls ein 18-Jähriger.
Acht Tote, zwölf Verletzte, Suizid des Täters.
Ein Jahr später, knapp 30 Kilometer entfernt, Berufsschule Kauhajoki:
Ein 22-Jähriger.
10 Tote, Suizid des Täters.
Winnenden, Deutschland: Tim Kretschmer ist 17,
als er in seiner Schule neun Schüler, drei Lehrerinnen,
auf der anschließenden Flucht drei Passanten erschießt
und 11 weitere Personen verletzt
und sich vor dem Suizid ein Feuergefecht mit der Polizei liefert.
Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum.
Den Amerikanern ist so etwas zuzutrauen.
Dort ist die Normalität bekanntlich extrem gewaltträchtig.
Bei uns ist sie ja ... was eigentlich?
Friedlicher?
Oder trügerischer?
Fest steht: Die Ursachen solcher Taten
liegen notwendigerweise in eben dieser Normalität.
Frau Dr. Adler? - Ja.
Mein Name is Eisner, Bundeskriminalamt.
Das is meine Kollegin Fellner. Wir ham ein paar Fragen an Sie.
* spannende Musik *
(Dr. Adler:) Können Sie mir sonst noch etwas sagen?
Außer, dass er sich und seine Familie umbringen will
und meint, Sie könnten's erklären? Im Moment nicht, nein.
Wann kommst du nach Hause? - Weiß ich nicht.
Papa?
He!
Hallo!
I komm gleich.
Ja.
Was machst du da?
Servas! Und du?
Jetzt fängt er auch damit an! Is das so ein Macho-Ding?
Was? - Gegenfragen.
Naa, is eher weiblich. Servas, Kermit!
Herr Eisner.
Was is mit deiner Arbeit? - Das is nur ein Praktikum.
Ah so, dann braucht man das nicht ernst nehmen!
Was macht ihr mit der Adler? - Du kennst sie?
Ja, die is gut. - Inwiefern?
G'scheit. - Aber nicht oberg'scheit.
Drückt dir nicht ständig aufs Auge, dass du weniger weißt als sie.
Berät sie euch? - Und ihr zwei seids noch zusammen?
Ja, ich muss Sie leider enttäuschen.
Wenn i jetzt was Sarkastisches sag, bin i gleich wieder fremdenfeindlich
Ich bin aber kein Fremder. Ich bin der Freund Ihrer Tochter.
Die mir zunehmend fremder wird! Sehen wir wir uns am Wochenende?
Wenn du brav bist! - Servus!
(Schubert:) Niemand agiert ewig abseits der digitalen Sichtbarkeit.
Ja. Fragt sich nur, wer ihn zuerst findet. Wir oder irgendwelche Nerds?
Vielleicht auch jemand von der Presse.
Umso wichtiger ist eine begleitende Medienarbeit.
Lisa! Kommts ihr bitte? Wir ham die Adler da.
Gregoritsch, Laptop mitnehmen!
Die Geschichte ist in allen Medien. Wir müssen eine Erklärung abgeben!
Das machst du sicher hervorragend! Gibt's irgendwas Neues?
Nein. Die Großeltern väterlicherseits sind verstorben.
Die anderen leben in Norddeutschland.
Der Typ is so brav, dass es fast schon abartig is.
Kein Aktenvermerk?
Nein, der hat noch nicht einmal ein Strafmandat kassiert.
Der absolute Wunschschwiegersohn, falls wer Bedarf hat!
Kein Selbstbedarf? - Anderes Ufer.
Noch was! - Ja, was denn?
Die Ministerin ...
Ja, auch das machst du sicher ganz hervorragend!
Rangordnung, Hierarchie ...
Ja, Kollege Schubert?
Zwei Sonnen sind a bissl viel an einem Himmel, oder?
Oberstleutnant!
Herr Oberst?
I bin einigermaßen resistent gegen die Insubordinationskeime,
die du gewohnheitsmäßig verbreitest, aber es wäre kollegial,
wenn du mich nicht coram publico abkanzeln würdest.
Dann mach mich nicht zum BAO-Kommandanten!
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun!
Gehen wir auf den privaten Kanal.
Persönlicher Funkspruch? - So is es.
Bin auf Empfang!
Einfach Respekt - kein Sondermodell, nur die Basisausstattung.
Verstanden.
Botschaft angekommen? - Ja.
Alles klar! - Over und aus!
Wards ihr befreundet damals an der Uni?
Nein.
Weißt eh, nur ...
Wie man sich halt so kennt, wenn man ab und zu im selben Hörsaal sitzt.
Sie is auch nicht unbedingt der Typ dafür, denk ich.
Wofür?
Für Freundschaften.
Meine Tochter is ein Fan von ihr.
Okay.
Wir spielen ihr seine Botschaft vor, und Lisa redet mit ihr?
Passt!
Hallo, Sarah!
Erinnerst du dich noch?
Lisa Aichinger, Soziologie, zweiter Abschnitt.
Ich weiß. Hallo!
Lange nicht gesehen.
Wie geht's?
Das is ein Vernehmungsraum, Lisa.
Ja, stimmt.
Hast du doch noch die Seiten gewechselt?
Soll ich amüsiert sein oder meinen Anwalt anrufen?
Weder noch. Bemüh dich nicht. Tut mir leid.
War nur ein blöder Spruch aus Studentenvertreterzeiten.
Kannst du dich noch erinnern an die Renaissance der APO,
die wir damals einläuten wollten mit unserem politischen Protest?
Ungern.
Aus damaliger Sicht hast allerdings eher du die Seiten gewechselt.
Stimmt.
Ja.
Warum bin ich hier, Lisa?
Ich kann's mir denken, aber ich würd's gern hören.
David Frank.
"Ich bin normal."
"Völlig normal."
"Sofern das überhaupt irgendjemand von sich behaupten kann."
"Kein Amoklauf. Keine Affekthandlung. Keine Rache."
"Keine religiös, ideologisch oder rituell motivierte Tat."
"Darum geht's hier nicht. Versuchen Sie, das bitte zu begreifen!"
"Ich werde mich bemühen, es zu erklären ..."
Presseerklärung vom Oberst Rauter.
".. und es zu erklären."
"Und mir ist klar,
dass wiederum andere genau das verhindern werden wollen."
"Sowohl die Tat als auch die Erklärung."
"Darum geht's auch bei all dem."
"Vielleicht irre ich mich, aber ich denke,
jemand, der's erklären kann, ist Sarah Adler."
Völlig normal.
Ah ja?
Der Titel meines letzten Buches: "Völlig normal"
"Leistungsdenken, Konkurrenzkampf, Sinndefizite und Gewaltbereitschaft
innerhalb der Generation Y"
Darauf bezieht er sich. Auf mein Buch.
Ich hab's nicht gelesen, um ehrlich zu sein. Worum geht's?
Um solche wie ihn, seine Generation.
Wie sie lebt - gezwungenermaßen.
Wie lebt sie denn?
Im Spannungsverhältnis von maximaler Beschleunigung
und maximalem Wettbewerb bei minimalen Zukunftsperspektiven.
Als Manövriermasse des Kapitals.
Unfreiwillige Erben der Wirtschaftskrise.
Hochmotiviert, aber total überfordert.
Top ausgebildet, leistungsstark - und trotzdem millionenfach arbeitslos.
Und ohne die Lebens- und Jobaussichten,
die man ihnen versprochen hat.
Klingt wie eine Beschreibung meiner Tochter, Frau Dr. Adler!
Wird mein völlig normales Kind mich irgendwann umbringen?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, Herr Eisner.
Das Mädel studiert bei Ihnen!
Denken Sie, dass ich junge Menschen dazu motiviere, Gewalt anzuwenden?
Wir fragen uns nur, warum David Frank Sie explizit erwähnt.
Herr Oberstleutnant! Die nächste Nachricht is im Netz!
Kommen S' mit!
"Wie sieht's aus? Sind Sie gespannt, wie's weitergeht?"
"Oder hoffen Sie einfach nur,
dass sich alles doch noch zum Guten wendet?"
"Globale Katastrophen, Flüchtlingskrise, weltweit Krieg,
Hunger, Elend, Not."
"Da müsste man doch dem Wert eines Menschenlebens
besondere Achtung zuteilwerden lassen, oder?"
"Ja, das müsste man."
"Eigentlich."
"Und ... ein Kerl, der behauptet, er sei völlig normal,
will einfach so seine Familie und sich selbst umbringen."
"Warum?"
"Das darf nicht sein."
"'Wir geben die Hoffnung nicht auf,
dass David Frank Vernunft und Menschlichkeit zeigen
und von seinem irrationalen Plan absehen wird!'"
Der hat unsere Presseerklärung g'lesen!
"Das klingt doch nach was, oder?"
Das is gespenstisch! - Nein, bloß logisch!
"Vernunft, Hoffnung."
"Bekannte Begriffe."
"Aber was ist Hoffnung eigentlich?"
"Das Eingeständnis, dass wir in etwas Schreckliches geraten sind,
aus dem wir nicht wieder rauskommen aus eigener Kraft."
"Und anstatt den Versuch zu wagen, das Schreckliche zu analysieren,
um unsere Schieflage vielleicht doch noch zu korrigieren, hoffen wir."
"Wir hoffen, dass sich das schlimme Schicksal doch noch zum Guten wendet"
Das is a Livestream! - Was heißt das für uns?
Dass wir ihn so vielleicht finden. Die Kollegen sind dran.
"Wir klammern uns an unsere Hoffnung - und das ist vernünftig?"
"Hoffnung" kommt nicht vor in ...
"Wenn Menschen durch Gewalt sterben, dann ist man betroffen."
"Man empfindet Mitleid, Empathie mit den Opfern."
"Wenn meine Eltern tot sind, wird es so sein: eine kollektive Empathie."
"Aber das hilft uns nicht weiter."
"Man wird schnell einen Haufen Erklärungen parat haben,
dass meine Handlungsweisen durch nichts zu rechtfertigen sind."
"Sie sind vielleicht durch nichts zu rechtfertigen, ja,
aber sie sind nicht unerklärlich."
"Laut Wörterbuch ist ein Rätsel etwas Geheimnisvolles,
etwas Undurchschaubares."
"Aber da steht noch eine andere Be- zeichnung: spielerische Denkaufgabe."
"Meiner Meinung nach ist eine Aufgabe dazu da, gelöst zu werden,
das Undurchschaubare am Ende doch noch zu durchschauen."
Okay.
"Nur ist es so: Das Ganze ist kein Spiel."
"Das Spielen hab ich mir abgewöhnt."
"Am Ende soll's kein Rätsel mehr geben,
kein falsches Mitleid, keine falsche Hoffnung, nur die Wahrheit."
Scheiße! Und wann erfahr'ma die? "Demnächst in Ihrem Kino!"?
He! Was is los?
Wir haben wahrscheinlich den Server geortet,
über den der Stream g'laufen is.
Haben wir ihn? - Kann ich nicht sagen.
Wie jetzt? Was tu ich jetzt? Einfach warten? Oder was?
Daumen halten!
Scheiße!
Er is ein Serienfreak!
Was redest du da?
Er serviert seine Botschaften immer in Häppchen - wie bei TV-Serien.
Wie heißt das, wenn am Ende was Spannendes passiert?
Cliffhanger. - Genau.
So macht er's auch!
Er sichert sich Aufmerksamkeit.
Sie ham übrigens unsere Frage noch nicht beantwortet!
Welche?
Warum erwähnt er Sie in seinem Clip?
Er wird seine Gründe dafür haben. Sie wollen eine Beurteilung von mir.
Ich bin Erziehungswissenschaftlerin, keine Kriminalpsychologin.
Laut ihm allerdings auch diejenige,
die uns allen erklären kann, warum er drei Menschenleben auslöschen will!
Er hat recht.
Bitte, könnten Sie das noch mal wiederholen?
Er hat recht. Wenn wir uns das Urteil über irgendeine Sache,
die uns an die Nieren geht,
von unserer Betroffenheit diktieren lassen, dann wird's indifferent.
Weil wir bloß etwas fühlen.
Ja! Ablehnung!
Exakt!
Und das is falsch?
Es ist ein Problem.
Die Ablehnung von Gewalt is ein Problem?
Ablehnung ist kein sachliches Urteil. Und darum geht es hier, nicht wahr?
Um eine sachliche Beurteilung.
Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht folgen!
Er ist sich der Tatsache bewusst,
dass man ihn zu einem pathologischen Fall erklären wird.
Dagegen opponiert er.
Er informiert uns mehr oder weniger sachlich, rational, nachvollziehbar.
Stimmt.
Und damit sind seine Handlungsweisen gerechtfertigt, oder was?!
SIE wollten meine Beurteilung.
Wir ham den Server!
Los! Los! Los! Serverraum! Treppe runter, rechts!
Polizei!
He! Schön dableiben!
Alle Räume checken! Alle Personen überprüfen!
Glaubst du wirklich, er is noch da?
Nein, aber er hat sicher Spuren hinterlassen.
Serverraum!
"Sie werden uns nicht finden, aber Sie können es versuchen."
Hat er ned gesagt, das is kein Spiel?
Ja! Wir müssen herausfinden, wer Zugriff auf die IT-Anlage hat.
Und wir müssen die Aufzeichnung der Videoüberwachung checken.
Oder is das da oben ka Kamera? - Doch, schaut so aus.
* Handy *
Ernstl, was willst du jetzt?
Was?
Gib mir dein Handy! Hast du Internet?
Ja, wieso?
Mach das mal an!
Was muss i eingeben?
Na komm jetzt! - Ja!
Bitte!
Jetzt was?
Okay. Und was noch?
Ha!
Was is los?
Wir san live.
Fuck!
Das is in allen sozialen Netzwerken.
Machen S' Ihr Brotladl zu! Es zieht!
Das wird dem Kollegen Eisner nicht so taugen.
Aber geh!
Eigenwillige Auffassung von Öffentlichkeitsarbeit.
Können Sie mir das Bild vergrößern, Frau Kollegin?
Der Zettel da hinten am Server!
Der macht sich doch an Karl mit uns!
* Applaus und Jubel *
Ich will gelobt werden. - Wofür?
Dafür, dass i ned ausraste.
Bravo, Moritz! Guter Moritz!
Was is das für a Typ?
Jedenfalls keiner, der ganz allein is.
Und i meine ned, so ganz allein,
i red von der Einzeltätertheorie, die grad über Bord geht, oder?
Ja.
Danke! Jetzt is Schluss mit dem Theater!
Es gibt keine Videoüberwachung, im ganzen Gebäude nicht.
Nur eine Webcam draußen.
Die Kamera im Serverraum hat jemand eigens für heute montiert.
Wie schaut's mit der Sicherheit aus?
Der Raum is zwar abgeschlossen,
aber jeder halbwegs begabte Mensch kann da unbemerkt reinkommen.
Sagt wer?
Der Raum- und Ressourcenmanager. Der Hausmeister.
Hast du so was schon mal g'sehn? - Naa.
Das schaut aus wie ein umgefallenes Anarcho-Zeichen, oder?
Vielleicht kann uns das Labor mehr sagen.
Der Wirbel da macht wahrscheinlich kan schlanken Fuß.
Medial, meine ich.
I weiß schon, das is dir wurscht.
Genau, so is es. - Okay!
Gott der Gerechte, der hat mir grad noch g'fehlt!
Korinthenkacker-Alarmstufe Rot! Jetzt kannst mitzählen!
Teamarbeit in gemeinsamen Stäben
setzt ein gleiches Begriffs- verständnis von Abläufen voraus.
Eins!
I bin ned in der Stimmung
für eine ambulante Evaluierung meiner Teamfähigkeit!
Wir müssen uns nicht mögen, wir sollten nur zusammenarbeiten.
Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, geht der Prophet zum Berg!
Zwei!
Die Nachricht, die im Serverraum war: Is Ihnen das Zeichen aufgefallen?
Das da? Ja.
Das A steht für ACT.
Ein konspiratives Netzwerk radikaler Aktivisten, das weltweit agiert.
Globalisierungs- und kapitalismus- kritisch und gegen staatliche Zensur.
Wie Attac? - Um einiges radikaler.
Der Verfassungsschutz stuft die Mitglieder als extremistisch ein.
Is der David Frank da dabei? - Könnte sein.
Könnte auch sein, dass ihn irgendwer aus der Szene unterstützt.
Dass das Zeichen hier steht, is ... - Ein Zeichen!
Genau!
Das heißt, wenn es eine Verbindung zwischen ACT und ihm gibt,
dann können wir über irgendwelche Aktivisten an ihn herankommen?
Möglich. Ich hab Ihnen was mitgebracht. Kommen Sie?
Vor vier Monaten sind wir durch einen V-Mann auf ein paar Typen gestoßen,
die mutmaßlich mit dem Österreich- Ableger von ACT in Verbindung stehen:
Joschka Engelberg. War lange Zeit bei den Autonomen,
mehrmals strafrechtlich belangt wegen diverser Aktionen,
arbeitet inzwischen als Publizist und betreibt einen politischen Blog.
Jan Hermann, ein IT-Experte mit Hang zum Hacktivismus.
War wahrscheinlich einer der Hacker,
die 2011 die Homepage vom Gebühren-Info-Center gekapert haben.
Warum rennt der noch frei herum?
Aus Mangel an Beweisen.
Und Nummer 3:
Den kennen Sie, Herr Oberstleutnant.
Scheiße!
Deshalb hab ich mir gedacht, ich bring's Ihnen persönlich vorbei,
und wir diskutieren die weitere Vorgangsweise im kleineren Kreis.
Mit Diskutieren hat er's ned so.
Hast du mir was zu sagen?
Hm? Hast du mir was zu sagen?! - Papa, was soll das?
Hast du mir was zu sagen?!!!
Ich weiß nicht, wovon Sie reden!
David Frank!
David Frank! Du bist dran!
Steckst du da mit drin? - Was?!
Steckst du da mit drin?!
Ja oder nein?
Grrr!
Was ist dein Problem, Claudia?
Was, bitte, ist dein Problem?
Ich dreh mich ein einziges Mal um,
und schon steckst du in beschissenen Schwierigkeiten!
Papa, ich hab keine Ahnung, wovon du redest!
Abführen!
He!
Beide!
Zieh dir Schuhe an!
I will ja nix sagen, Moritz, aber... - Dann sag nix!
I probier's.
Naa, geht ned! Es is deine ...
Meine Tochter, ich weiß es, Bibi.
Komm mir jetzt ned mit irgendwelchen Befangenheitsargumenten!
Kümmere dich um den anderen Aktivisten!
Den Engelberg? - Ja.
Und der Schubert soll sich den Hacker vornehmen.
Ohne richterliche Bewilligung?
Es gilt hier die Annahme "Gefahr in Verzug"!
* Schritte *
Fang an!
Die Kollegen haben ein paar Studienfreunde befragt.
Die meisten von denen waren eher zugeknöpft.
Komm zum Punkt bitte!
Amina Barka. Vater Marokkaner, Mutter Deutsche.
In Hamburg aufgewachsen
und dann als Numerus-Clausus- Flüchtling nach Wien emigriert.
Medizinstudium seit zwei Jahren, genauso wie er.
Hat am Anfang alles in Rekordzeit absolviert,
bis sie dann im 3. Semester arg ins Schleudern gekommen is.
Sind die zwei zusammen? - Waren sie.
Sie ist tot. Selbstmord. Vor knapp einem Jahr.
Ein mögliches Motiv, oder?
Ja, vielleicht.
Wir haben den Hermann. - Wen?
Den Hacker.
Ah so. Ja, ja, ja.
Wollte anscheinend gerade abtauchen.
Wir haben ihn gebeten, uns zu begleiten.
Sehr gut! Gute Arbeit!
Herr Oberstleutnant, wir müssen zur Presse ...
Tut mir leid, i hab ka Zeit.
Die Ministerin verlangt, dass der Leiter der BAO eine Erklärung abgibt!
Ernstl, es is mir wurscht, was diese affektierte Urschel verlangt!
Ich hab keine Zeit für diesen Scheiß!
Die werden Sie sich nehmen müssen!
Ach du Scheiße!
Is wie in einer Schmierenkomödie, nicht?
Dass ich exakt dann die Bühne be- trete, wenn Sie über mich schimpfen.
Wir hatten noch nicht das Vergnügen. - Stimmt.
Wobei "Vergnügen" in dem Fall wohl nicht ganz zutrifft.
Ich ziehe auch "Schmierenkomödie" zurück.
Kasperltheater passt eher - wenn ich an Ihren Auftritt auf der Uni denk,
den die halbe Welt im Netz mitverfolgen durfte.
Sie werden jetzt der Presse Rede und Antwort stehen, Eisner!
Oder?
Eine rhetorische Frage!
Mit Verlaub, Frau Minister: Glauben Sie wirklich, dass es mich juckt,
dass ich gerade meiner Karriere schade?
Sinnlose Pressekonferenzen stehen nicht auf meiner Prioritätenliste!
Also lassen Sie mich einfach meine Arbeit machen!
Offenbar sind Sie dazu nicht in der Lage!
Und ich erteile Ihnen sicher keine Nachhilfe in Weisungsgebundenheit!
Oberstleutnant Eisner ist hiermit von dem Fall abgezogen!
Kollege Schubert übernimmt die Leitung der BAO.
Und Sie begleiten mich jetzt zur Pressekonferenz, Rauter!
Bei dir ist da oben echt Funkstille.
Komplexe Lagen erfordern das Zusammenwirken
unterschiedlicher Einsatzkräfte.
Verschonen Sie mich mit Ihrem Richtliniengeschwafel!
Dieses Zusammenwirken entscheidet
über die Effizienz der Einsatzbewältigung.
Aus diesem Grund ordne ich hiermit an,
der Anweisung der Frau Bundes- ministerin offiziell Folge zu leisten
und inoffiziell drauf zu pfeifen.
Hab ich Sie jetzt richtig verstanden?
Machen Sie Ihre Arbeit, Herr Kollege! Das ist eine Weisung!
Kommt selbstverständlich nicht ins Protokoll!
Selbstverständlich nicht.
Ha!
Ja, i weiß eh.
Die Herrschaften vom Verfassungs- schutz versuchen seit geraumer Zeit,
mir irgendetwas nachzuweisen/anzuhängen.
Erfreulicherweise leben wir in einem Rechtsstaat.
So heißt es jedenfalls immer, oder?
Jup, hab i auch schon gehört.
I geb allerdings wenig auf Hörensagen.
Also, was is jetzt damit?
Aber überlegen S' gut, Herr Engelberg, was Sie sagen!
Sonst belang ich Sie womöglich irgendwann wegen Beihilfe zu Mord.
Die Tatsache, dass David Frank - falls er das in dem Serverraum war -
irgendein Zeichen auf einen Zettel mit einer Nachricht für euch malt,
ist juristisch gesehen ka Beweis dafür, dass das Netzwerk existiert.
Serverraum? Woher wissen Sie von dem Serverraum?
Ich hab ihn nicht erwähnt!
I verfolg - wie wahrscheinlich jeder zweite Bürger dieses Landes -
mit großer Spannung Franks brisante Aktion im Internet.
Fallt das schon unter Beihilfe?
Wie geht's Ihnen damit, dass jetzt die ganze Welt Ihr Gesicht kennt?
Die Bildqualität bei den Livestreams hat sich erstaunlich verbessert.
Erinnerungen, oder? - I hab nix zu verbergen.
Offensichtlich, ja.
Das sind Sie
und Sarah.
Was is das, Herr Engelberg? Eitelkeit?
Sentimentalität?
Oder in diesem Fall einfach nur Ver- gesslichkeit in Sachen Anonymität?
* spannende Musik *
Lass sie gehn, Merit!
"Sicher? Soll'ma das ned zuerst mit dem Eisner absprechen?"
Ich nehm's auf meine Kappe!
Lass sie gehen, aber ein Kollege soll an ihr dranbleiben!
Hör zu, Kerem!
Ich kann Berufliches und Privates absolut strikt trennen.
Aber ich will nicht. Mir geht's um meine Tochter.
Du könntest mir scheißegal sein,
aber nachdem dich die Claudia offenbar gern hat,
kann ich mir das nicht leisten.
Herr Eisner ... - I bin noch ned fertig!
Das hamma in deiner Wohnung gefunden.
Vertickst du das oder bist du Großkonsument?
Das meiste davon sind nur irgendwelche Methylphenidate.
Jeder zweite Student hat vor Prüfungen schon mal so was genommen.
Ändert nichts daran, dass es rezeptpflichtig is.
DIE Menge bekommst du sicher nicht in der Apotheke.
Amphetamine, Tranquilizer, bissl Cannabis zum Runterkommen.
Ich ...
Was "ich"? Kann das sein, dass wir ein Drogenproblem haben?!
Das is ein Bild von der Webcam vor der Universität.
Fünf Minuten, nachdem David Frank über den institutseigenen Server ―
mutmaßlich mit der Hilfe einer zweiten Person ―
seine Videobotschaften in die Welt abgesetzt hat,
spazierst du aus dem Gebäude.
Und wir finden auf deinem Smartphone eine Nachricht:
"Danke für den Support."
Es kommt zwar von einem nicht registrierten Handy,
aber ich kann mir sehr gut vor- stellen, wer sich hier bedankt hat!
DU hast mitgeholfen, uns zu blamieren!
Du steckst in dieser Scheiße mitten drin! Stimmt's?!
Ihr wollts die Welt verändern?
* Er lacht. *
Ihr spielts a bissl Untergrund, spielts a bissl Stadtguerilla.
Aber du bist kein Profi.
Im Gegensatz zu ihm.
Hm?
Jan Hermann.
Der hat euch doch computertechnisch unterstützt, oder?
Der sitzt jetzt nebenan.
Und glaub mir, der weiß ganz genau, wann er die Notbremse ziehen muss.
Beihilfe zu Mord, Kerem, das is nix für Amateure.
Der Hermann kooperiert.
Und das solltest du ... jetzt auch tun.
* Musik *
Es ... es is wegen der Amina.
Ich hab's wegen ihr getan.
Das ist die ganze Wahrheit.
Sie war Davids Freundin. Und sie is ...
Aber die Aktion macht sie auch nicht wieder lebendig.
Wo ist David Frank?
Ich weiß es nicht.
Das is sie. Ganz sicher. Sarah Adler.
Damals noch ohne Doktorat,
aber mit demselben gesellschaftskritischen Engagement.
War wahrscheinlich eine Demo gegen Rechtsextremismus.
Wenn man auf dem Foto mehr erkennen könnte,
würden Sie wahrscheinlich unter den Demonstrantinnen auch MICH entdecken.
Die Zeiten ändern sich.
Was war oder ist zwischen dem Engelberg und der Adler?
Damals war er ein Verbindungsmann
zu den radikaleren Autonomen vom Schwarzen Block.
Und die Adler hat die Leute von der Studentenschaft mobilisiert.
Die beiden waren ein Team.
Vielleicht sind sie das ja immer noch.
Angenommen, sie hatte über das ACT-Netzwerk Kontakt zu David Frank
und is in irgendeiner Form in die ganze Sache involviert.
Und er hat sie ganz bewusst genannt, damit wir mit ihr reden.
Mit welcher Intention? - Ka Ahnung.
Weil wir sie und ihn unfreiwillig
über den Stand der Ermittlungen informieren?
Gut, das is a bissl a schräge Theorie.
Mich irritiert, dass dieser Engelberg nicht vorsichtiger war,
was solche Beweise für seine Verbindung zu ihr angeht.
Stimmt! Er kann eigentlich damit rechnen, dass wir bei ihm auftauchen.
Ja. Und mein Bauchgefühl sagt mir,
wir sollten die Frau Dr. Adler nicht direkt darauf ansprechen.
Und jetzt? - Schau'ma, was passiert.
Der Kerem hat mir nichts erzählt von der Sache mit der Amina.
Papa, ich erfahr das jetzt alles von dir!
Und was die Tabletten angeht:
Ich hab schon bemerkt, dass er in letzter Zeit komisch drauf ist.
Er schläft schlecht, er kratzt sich dauernd, hat keinen Appetit.
Außerdem schwitzt er oft.
Das sind die Nebenwirkungen der Amphetamine.
Pfeifts ihr euch das wirklich alle rein?
Alle nicht, aber viele. Entweder verschreibt's dir sowieso dein Arzt
oder du besorgst es dir halt am Schwarzmarkt.
Warum habts ihr alle so einen Druck?
Was?! Ernsthaft jetzt?! - Ja.
Papa, weißt du, was mein Professor in der ersten Vorbereitungsstunde
für die Diplomprüfung gemacht hat?
Stellt sich vorne hin und blickt ganz langsam über die Reihen.
Und dann sagt er: "Sehen Sie bitte zu Ihren Sitznachbarn!"
"Erst nach links, dann nach rechts!"
Und nachdem alle das gemacht haben, sagt er:
"Mindestens EIN Sitznachbar wird die Prüfung nicht schaffen!"
"Und das ist auch gut so! Wir brauchen nicht jeden!"
Machen wir das nicht alle irgendwann mal durch?
Ja, aber is es deshalb richtig?
Papa, was habts ihr g'nommen? Wie du Student warst, meine ich.
LSD? Haschisch? Koks? Wenigstens waren das Spaßdrogen.
Worauf willst du hinaus?
Diese Spaßdrogen bewirken, dass es dir irgendwie besser geht.
Aber was machen wir? Wir schlucken das Scheiß-Amphetamin,
damit wir den Erwartungen der Leistungsgesellschaft entsprechen!
Wir sind süchtig aus Vernunft!
Wir sind die Pflichterfüller- Generation! Ein super Konzept, oder?
Hast sie leben lassen?
Ja.
Sie lebt.
Noch.
Braver Moritz! Guter Moritz!
Aber wie?
Wie leben die, Bibi?
Die haben alle keine Frösche aufgeblasen als Kinder.
Wurden nicht misshandelt, gemobbt oder diskriminiert.
Sind keine Satanisten und laufen in der Nacht am Friedhof herum.
Und trotzdem ...
Ja. Wie kann jemand auszucken, der unauffällig is, völlig normal?
Jemand wie David Frank? So lautet die Frage, oder?
Genau.
Zweitrangig.
Unsere Aufgabe is es, ihn zu finden, bevor er die Tat überhaupt begeht.
Egal welche Gründe er dafür haben könnte: Was er vorhat, is falsch!
Das wär normalerweise in etwa das, was du jetzt sagen würdest,
wenn du nicht eine Tochter in seinem Alter hättest.
Hängt sie mit drin?
Nein.
Aber sie hängt an ihrem Freund, an Kerem.
Und der hängt mit drin!
Okay. Die Kollateralprobleme lösen wir später. Wenn's ned zu spät is.
Ja, ja. Vorsicht is besser als Nachsicht!
Jetzt fangst du wieder mit dem Scheißdreck an,
nachdem der Schubert damit aufg'hört hat!
Au!
I häng mich an die Frau Professor. Die anderen informieren dich.
Jemand sollt vielleicht die Mitbewohner der WG befragen,
in der die Freundin vom Frank gewohnt hat, Amina Barka.
Is nur so eine Idee! Nutzt's nix, schadet's nix!
Vorsicht is besser als Nachsicht!
So ein Scheißsatz.
(Frank: Angeblich wird's noch richtig schön heute.)
(Amina: Ich hock den ganzen Tag in der Bibliothek!)
(Frank: Willst laufen gehen?)
(Würd ich gern, aber ich hab ja übermorgen
den Eingangstest fürs Physio-Praktikum.)
(Und? Den Schein schaffst du sowieso mit links.)
(Schön wär's. Ich ...)
(Sorry! Ich ruf dich an, okay?)
(Amina, warte!)
(Und wenn du's nicht schaffst - was soll's?!)
(Du verlierst ein halbes Semester. Das holst du locker wieder ein.)
(Und außerdem is das Praktikum angeblich sowieso urfad.)
(Hör auf! Mit vollen Hosen ist leicht stinken!)
(Amina, ich bitte dich! Der blöde Schein is nicht das Leben!)
(Mein Vater findet es toll, dass du Arzt werden wirst. Im Ernst!)
(Er sagt: "Dein David, der wird Arzt. Wenn ich krank bin, geh ich zu ihm.")
(Leider versteht er nicht, dass ich auch studieren will.)
(Er lebt seit 20 Jahren in Europa, aber das ...)
(Wenn ich die Prüfung nicht packe,
wird er irgendwann jegliches Verständnis dafür verlieren,
dass ein Mädchen zur Uni will.)
(Ich kann ihn nur überzeugen, wenn ich irgendwann einmal Ärztin bin.)
("Der blöde Schein ist nicht das Leben"?)
(Mann: Professor Hanns Georg Frank ist eine starke Persönlichkeit.)
(Jemand, der den Willen besitzt, seine Ziele durchzusetzen.)
(Als Wissenschaftler, als Leiter eines Forschungsteams,
als Privatmensch.)
(An einem dieser Ziele ist er heute angekommen.)
(Meine sehr verehrten Damen und Herren: Professor Hans Georg Frank!)
(David: Jemand hat einmal gesagt, wir hängen die Latte so hoch,
dass es näherliegt, drunter durch- zukriechen als drüberzuspringen.)
(Mutter: Zeig es ihm, David! Na los! Zeig's ihm!)
(Großmutter: Pass nur auf, dass du keines dieser Teile verlierst!)
(Na, lauf rüber!)
(Vater: Das ist sicher eine gute Entscheidung.)
(Schau, Papa!)
(Schön, David! Ich schau's mir an, wenn's fertig ist!)
(Und wann wollts ihr fahren?)
(Ich hab es alleine gemacht.)
(Ich bin stundenlang in meinem Zimmer gesessen
und hab das Schiff zusammengebaut.)
(Fehlerlos.)
(Dann hab ich es auf meinen Kasten gestellt.)
(Es war kein Spielzeug. Es war eine Prüfung - die ich bestanden habe.)
(Amina! Amina!)
(Kerem!)
(Kerem! Wo ist Amina?)
(Nein! Nein!)
(Was is?)
(Ruf die Rettung!)
(Ruf die Rettung!)
(Scheiße!)
(Benni! Hol die Rettung!)
Suizid.
Ja.
22.
Scheiß-Verschwendung, wenn man mich fragt.
DU wolltest doch her.
Stimmt. Nur in dem Besprechungsraum hocken, das halt ich auch nicht aus.
Was geht in so einem jungen Menschen vor?
Weiß ich nicht.
Wieso weißt du das nicht?
Wieso wissts ihr das alles nicht?
Du bist doch jung!
* traurige Musik *
(Professor: Und ich setze voraus, dass es bekannt ist,
dass das Herz aus zwei Klappen besteht.)
* traurige Musik *
(Vater: Augenblick! Augenblick! Niemand zwingt dich zu irgendetwas.)
(Das ist ein freies System von Leistung und Konkurrenz.)
(Wenn du dein Studium hinschmeißen willst, bitte, tu's!)
(Geh auf irgendeine Insel! Geh in die Wüste!)
(Aber rechne nicht mit meinem Segen!)
(Okay. Das is der Trick, oder? Das is der Scheißtrick.)
(David, bitte!)
(Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Wer aus der Reihe tanzt, ist krank.)
(Es ist krank - wenn du's ganz genau wissen willst.)
(Seine Chancen nicht zu nützen, das ist vertrottelt.)
(Ja, es ist krank!)
(David! Dein Vater will sagen ...)
(Ich weiß, was er sagen will, Mama!)
(Er will sagen, dass er ein Realist ist.)
(Und das ist gesund? Das ist geistig gesund?)
(Du siehst deinen eigenen Sohn, der seine Freundin verloren hat,
weil sie an deinem System zugrunde gegangen ist.)
(David, hör auf, solche ...)
(Solche was?! Amina hat alles ge- macht, was man von ihr verlangt hat!)
(Aber sie durfte nicht zu den 10 Prozent gehören, die durchkommen.)
(Und für euch ist das normal? So ist die Welt?)
* Der Vater schlägt auf den Tisch. *
(Ja, ganz richtig! So ist die Welt! Willkommen in der Wirklichkeit!)
(David, so leid mir das tut mit deiner Freundin,
ich bin froh, dass es nicht DICH erwischt hat!)
(Bleib nicht auf der Strecke! David, bitte!)
(Niemand fragt dich später, wer du bist, nur: Was bist du?)
(Weißt du:)
(Sie hat mir einmal erzählt, ihr Name kommt aus dem Arabischen.)
(Amina bedeutet "die Friedliche".)
(Das is Ironie, oder?)
(Ich denk an sie - und gleichzeitig könnt ich dir ins Gesicht schlagen.)
(Mutter: David!)
(Für alles, was du gesagt hast.)
(David!)
(Alles, was ich für dich wollte, war, dass es dir gut geht,
dass du in Sicherheit bist.)
(Ich habe dir alles gegeben.)
(Ja.)
(Nur nicht dich selbst.)
Ich bin die Ausnahme der Regel, die besagt, dass man das,
was sich in unseren Köpfen abspielt, nicht ernst nehmen muss.
Weil wir es ja doch nicht tun.
Weil ihr uns so weit erzogen habt, dass wir die Konsequenzen scheuen.
Es gibt da ein Beispiel ...
Sarah Adler schreibt darüber in ihrem Buch.
Es ...
Es ist ein Beispiel aus unser aller Leben.
Kinder ...
Kinder, die laufen lernen.
Sie stehen auf ihren kleinen Beinen, wackeln herum und fallen zu Boden.
Aber irgendwann lernen sie, sich aufzufangen.
Sie fangen sich auf, bevor sie fallen.
Und dann, eines Tages, laufen sie.
Ganz von alleine.
Wenn man sie lässt.
Es ist das letzte Mal in unserem Leben, dass wir etwas lernen dürfen,
indem wir scheitern.
Das letzte Mal, dass uns ... was gelingt, indem es misslingen darf.
* Lärm *
Meine Nase war wieder mal 1A!
Wie's ausschaut, nimmt die Adler tatsächlich Kontakt mit ihm auf.
"Wo bist du?"
Am alten Industriegelände in der Schütthofstraße.
Am unteren Ende is ein halbverfallenes Gebäude.
Bibi, du unternimmst nichts, bis die Verstärkung da is!
"Verstanden?"
Negativ!
Bibi! Du bleibst, wo du bist! Verdammt noch mal!
Das Gelände is riesig. I muss den Vorteil nutzen.
Herrgott! Is das ein Sturschädel!
* Vogelgeflatter *
* spannende Musik *
Scheiße!
* Poltern *
Nein! Nein!
* Schuss *
So ein Scheißdreck!
Ich hab das im Scherz gesagt, dass sie die Seiten gewechselt hat.
Na, irgendwas muss Ihnen ja gesagt haben, dass Sie richtig liegen.
Ihr Gefühl vielleicht? - Ja, ja, schon gut!
(Funk:) "Cobra-Team unterwegs. Lagebeurteilung folgt."
Scheiße.
Scheiße!
Was jetzt, Frau Doktor? Wie geht es jetzt weiter?
Weiß ich nicht.
Es war ... anders geplant.
Anders geplant?!
Was für ein vollkommen geistesgestörter Plan is das bitte!?
Wie kann jemand wie Sie sich auf so einen Wahnsinn überhaupt einlassen?!
Gegenfrage: Welches System bringt Menschen wie mich dazu, es zu tun?
Wo ist David Frank? Wo sind seine Eltern?
Ich bin hier, Major Fellner!
Und meine Eltern sind ... am Leben.
Noch.
Wie schaut's aus?
Das Areal is gesichert und umstellt, so weit es möglich is.
Gibt's an Kontakt? - Bisher ned.
Was is mit der Bibi?
I hab 'glaubt, dass kannst DU mir sagen.
Naa, kann i ned!
Okay. Dann gemma jetzt von drei Geiseln aus.
Was wird das, Herr Frank?
David, wir hatten verabredet ... - Die Situation hat sich geändert!
Nein, hat sie nicht! Niemand sollte zu Schaden kommen.
Das ist kein Experiment, Frau Professor! Wir sind nicht an der Uni.
Wir wollten eine öffentliche Debatte erzwingen.
Aber es war nicht ausgemacht, dass wir ...
Eine Gewalttat begehen, um auf die tägliche Gewalt aufmerksam zu machen?
Genau! Das ändert nämlich gar nichts.
Sie sind im Irrtum, Frau Professor. Ihre Kritik ändert nichts.
Sie hängen weiter am System.
Nein! Ich versuche, es zu begreifen, um es zu korrigieren.
Aber Sie sagen sich nicht von ihm los.
Das ist der Unterschied zwischen uns beiden.
Sie haben Angst, ich nicht. Nicht mehr.
Freier Wille.
Was meinen Sie damit?
Sie wollen weit gehen, aber nicht zu weit.
Was ist zu weit?
Die können ja hier überall sein. - Und nirgends.
Die Verhandlungsgruppe soll aktiv werden.
Kollege, Jacke!
Sie wissen, dass Sie keine Chance haben, Herr Frank.
Werden Ihre Kollegen nicht ihr Möglichstes tun,
damit hier niemand zu Schaden kommt? - Ja, so läuft es.
Wenn's gut läuft.
(flüsternd:) Was kommt jetzt?
Routine.
Lisa.
David Frank, können Sie mich hören?
Mein Name ist Lisa Aichinger. Ich bin vom Bundeskriminalamt.
Wenn Sie mich hören können, antworten Sie bitte!
Herr Frank, können Sie mich hören?
Antworten Sie bitte!
Herr Frank, bitte geben Sie mir ein Zeichen, dass Sie mich hören!
Ich höre Sie! Aber ich werde nicht mit Ihnen kommunizieren!
Wir sind hier mitten in einer Debatte!
Westtrakt. Zweite Ebene. Sichtkontakt zu zwei Personen.
Eisner!
"Identifizierung möglich?"
Negativ.
Herr Frank, wir müssen über die Menschen reden,
die sich in Ihrer Gewalt befinden!
Können Sie bestätigen, dass sie unverletzt sind?
(David:) Ich werde nicht mit Ihnen kommunizieren!
Den Rest erfahren Sie aus dem Netz!
Seht ihr ihn? - Negativ.
(David:) Das ist alles!
(Lisa:) Wir können Ihnen nicht entgegenkommen,
wenn Sie uns nicht entgegenkommen!
Herr Oberstleutnant, die Journalisten fragen ...
Nein, keine Presseerklärung! Woher weiß überhaupt die Presse ...
Er ist wieder live im Netz. - Was?!
Einsatzleitung. Bestätige: Bewegung hinter den Fenstern, zweite Ebene.
Schussfeld frei? - "Negativ."
Einsatzleitung für Team 2. Wie schaut's bei euch aus, Reuss?
"Nähern uns dem Westtrakt. Stimmen und Lichtschein über mir."
Kein Sichtkontakt.
Herr Frank, sind Ihre Eltern noch am Leben? Kann ich zu ihnen?
Nein.
Auf welche meiner Fragen bezog sich die Antwort?
Setzen Sie sich! Wir haben wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit.
Was wird das?
David! Was wollen Sie?
Nennen Sie mir einen Grund, warum ich es nicht tun sollte.
Warum soll ich die Familie Frank am Leben lassen?
Wir sitzen sozusagen vor der eigenen Haustür, Frau Professor.
Sie haben immer auf Dinge gezeigt, die niemand sehen möchte.
David ... - Jetzt sind Sie ein Teil davon!
Herr Frank ... - Ich spreche mit Frau Adler!
Sie vergessen eines: Ich bin gegen Gewalt!
Es ist einfach falsch, was Sie vorhaben!
Warum haben Sie dann mitgemacht bis hierher?
Weil ...
Weil Sie recht haben.
Meine Vorträge, meine Bücher bewirken nichts.
Meine Kritik an der Welt - alles nicht radikal genug.
Ich habe mitgemacht, weil Aminas Selbstmord kein Einzelfall ist.
Weil wir an diesem System, das viele krank macht, etwas ändern müssen.
Deshalb bin ich Ihren Weg mitgegangen, David.
Bis hierher.
Aber nicht weiter.
"Nur mit Gewalt ist diese tötende Welt zu ändern,
wie jeder Lebende weiß."
Berthold Brecht, "Die Maßnahme".
Hat man bei Gudrun Ensslin in der Zelle gefunden.
Ich weiß.
Wollen Sie uns sagen, ihr beide seids die 4. Generation der RAF?
Ohne mich!
Keine Angst! Ich bin weder romantisch noch sentimental.
David, lassen Sie es uns beenden!
Wir haben die gleiche Sicht der Welt. Sie teilen meine Kritik.
Aber Sie wollen nicht, dass es passiert, oder?
Natürlich nicht.
Natürlich nicht.
Was erwarten Sie, David?
Ich will weder, dass Sie noch dass Ihre Eltern sterben!
Sehe ich das falsch?
Reagieren Sie genau so, wie Sie es immer kritisiert haben?
Betroffen, emotional.
Nein, das sehen Sie nicht falsch! Sie treffen den Nagel auf den Kopf!
Natürlich will ich nicht, dass jemand Gewalt anwendet,
nur damit meine Sicht der Welt bestätigt ist.
(David:) Gewalt liegt dann vor, wenn eine Person den negativen Handlungen
einer oder mehrerer anderer Personen ausgesetzt ist. Stimmen Sie dem zu?
Ja.
In vielen Fällen könnte man Schule ähnlich definieren.
Oder Uni.
Oder Familie.
"Drehen Sie die Kamera ab, David! Lassen Sie uns reden!"
"Wir reden doch."
"Und Sie sind daran gewöhnt, in der Öffentlichkeit zu stehen."
Wir ham seine Position. I schick a Team mit Kamera rein.
Was machen Sie? - Ich spiel da nicht mehr mit!
Wer sagt, dass das ein Spiel ist?!
Hören Sie auf mit diesem Scheißdreck!
Kommen Sie! Lassen Sie uns ... - Nein! Er soll aufhören!
Ich kann der Welt nicht erklären, warum Sie das alles tun!
Ich hab nicht einmal einen Grund, den ich Ihnen nennen kann,
warum Sie nicht abdrücken sollen nach all dem, was geschehen ist!
Geht es Ihnen darum, sie vor eine Kamera zu holen,
um der ganzen Welt zu zeigen, dass Sie am längeren Ast sitzen?
Wen juckt das? So wichtig bin ich nicht!
Einsatzleitung von Team 1. Position erreicht.
"Mehrere Personen. Zweite Ebene. Westseite."
- "Einsatzleitung. Kein freies Schussfeld."
- "Einsatzleitung für Team 3: Was is mit der Kamera?"
- "Team 3 nicht in entsprechender Position."
"Einsatzleitung für Team 2: Drittes Team kommt von oben."
Ich hab keine Botschaft.
Es gibt keine Moral.
Es gibt nur ein Ende.
Ein Ende, das ein Anfang sein kann.
Das ist die Lösung des Rätsels.
Sie haben von der Illusion der Menschen gesprochen, Frau Professor.
Der Illusion, dass jeder für sein Glück verantwortlich ist.
Dass man es schaffen kann, wenn man sich bemüht.
Es kann sein, ja.
(Es kann aber auch nicht sein. Es ist ...)
".. eine Frage der Mathematik."
(Alle wollen das Gleiche.)
Sie können meine Worte ... - "Alle wollen das Gleiche."
"In diesem System gibt es aber nicht genug für alle."
(Es reicht nur für wenige.)
"Also ist die Anzahl der Verlierer größer als die Anzahl der Sieger."
Ihre Worte, Frau Professor.
Ich nehme Ihnen allen eine Illusion.
Die Hoffnung, dass alle, die sich bemühen, es zu etwas bringen werden,
dass die Krise vorbeigeht, dass es Arbeit gibt,
dass jeder es schaffen kann, dass alles gut wird.
Ich bin kein Realist wie mein Vater.
Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Das ist Schwachsinn.
Wird ein ziemlicher Schock.
Moritz! Wir ham ihn. Die Kamera geht in Position.
Ich nehme Ihnen allen den freien Willen.
Es wird nicht mehr euer freier Wille sein,
ob ihr an mich denkt, wenn jemand diesen Namen ausspricht: Amina.
Oder meinen Namen. Den meiner Eltern.
Ihr werdet an uns denken müssen.
Ihr werdet denken: Vielleicht hat dieser Dreckskerl recht gehabt.
Vielleicht reiß ich mir die ganze Zeit völlig umsonst den Arsch auf,
weil es einfach nicht allein von meiner Leistung abhängt,
ob ich auf die Siegerstraße komme.
Ihr werdet denken.
Nicht einfach weitermachen.
Vielleicht.
Das ist es wert.
David!
Das wird etwas ändern.
Alle Einheiten, bereithalten!
Bitte nicht schießen!
Ich ... ich will weiterreden!
Bitte nicht schießen!
Nein!
Zugriff!
* Musik *
Polizei! Keine Bewegung!
Waffe gesichert!
Bibi!
Einsatz beendet.
(Schubert:) Komplexe Lage, professionelle Bewältigung.
Völlig sinnlos.
Was ham S' g'sagt? - Nix.
Richten Sie bitte dem offiziell abgesetzten Leiter des Führungsstabes
inoffiziell meine Gratulation aus.
Und er soll beim nächsten Mal nicht so rumzicken.
Wollen Sie nicht die Presseerklärung übernehmen?
- Nein, das machen Sie sicher ganz hervorragend, Herr Oberst.
Er wollte weiterreden.
Das war das Letzte, was man live im Netz gesehen hat.
Bevor die Verbindung gekappt wurde, und wir ihn erschossen ham.
"Bitte nicht schießen, ich will reden!"
Er wollt nimmer reden, glaub mir. Er hat es von Anfang an so geplant.
Warum sagt er das dann?
Weil's jetzt heißen wird, wir ham ihn zum Schweigen gebracht.
Seine Waffe war auf dich gerichtet! - Ich weiß.
In seinem Sinne hat er alles genau richtig g'macht.
Und was heißt das jetzt? Dass wir alle alles richtig gemacht haben,
dass eben nur das Falsche leider rausgekommen is!?
Das is doch ein Scheißdreck!
Wie wollt denn sie aus der Nummer rauskommen?
Gar ned. Leider hat sie ja recht mit der Frage,
welches System Menschen wie sie dazu bringt,
sich auf so eine Nummer einzulassen.
* Er schüttet sein Getränk weg. *
Glauben Sie immer noch, dass dieser Wahnsinn irgendwas erklären wird?
Wir haben jetzt eine Geschichte, die jeder kennt.
Welche Geschichte?
Seine?
Die ist zu Ende!
Unsere geht weiter. Und was immer wir auch daraus machen,
sie wird den Schrecken enthalten, den seine hinterlassen hat.
Und das soll was bewirken?
Möglich.
Das ... is nur eine andere Spielart der Hoffnung, Frau Professor.
Das, was er uns eigentlich nehmen wollt.
* Er knallt die Autotür zu. *
Kannst du das da unten abwickeln?
I fahr zu meiner Tochter.
Das is auf alle Fälle einmal nicht falsch.
ORF 2016
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