All language subtitles for s02E04IT-Tatort 938 - Grenzfall (2015)-1622634280-german

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Original subtitles

*

*

Untertitel: Sabine Schinhan

* ruhige Musik *

(tschechisch:) Ich bin Kibic!

* aufgeregte Rufe, Schüsse *

* Hundegebell, Schuss *

Mira!

* Schuss *

Nicht schießen!

(tschechisch:)

* Schuss *

* Der Hund bellt. *

* Schuss *

* Der Hund jault. *

Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren.

Wer es dagegen verliert, der wird es gewinnen.

Wir bitten dich, allmächtiger Gott:

Sei bei uns in diesen Stunden der Trauer.

Und lass auch uns dereinst zu dir heimgehen in Frieden.

Denn die Türe zum Hause des Vaters ist weit geöffnet.

Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt,

ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.

Auferstehung und Heil ist uns gegeben

durch Leben, Sterben und Auferstehung

unseres Herrn Jesus Christus.

Durch die Taufe hat Gott einen heiligen Bund mit dir geschlossen.

Er setze nun fort, was er in der Taufe begonnen hat.

Schöne Grüße vom Chef.

Is ned sein Ernst.

Sein voller Ernst. Keine unerledigten Akten und Berichte.

Frühjahrsputz. - Es is Sommer.

Die Exekutive is immer a bissl hintennach, oder?

Hast du an Komiker bestellt?

Ich hab ihn zuerst auch nicht erkannt, ohne Uniform.

Kollege Fredo. Ab sofort gehört er zum Team.

Fredo? Im Ernst?

Von Manfred. Manfred Schimpf. Klingt a bissl wie a Imperativ, oder?

Aber normalerweise mach i meinem Namen keine Ehre.

I hab a weiterführende Ausbildung g'macht

und mich dann zu Ihnen versetzen lassen. Das war immer mein Traum.

Also, mit Ihnen zu arbeiten.

Ned, dass Sie jetzt was Falsches denken. I bin verheiratet.

Gratulation.

Hör auf zu granteln!

Normal ist das deine Spezialität.

Es gibt keine laufenden Ermittlungen - also gibt's keine Ausreden.

Grantig bist mir lieber. Wo gehst du hin?

I glaub, weg.

* heitere Musik *

Exakt arbeiten beim Scannen!

Wir wollen keine Überraschungen bei der Rekonstruktion.

Da ist was zwischen den Knochen, Frau Professor.

Präziser?

Das kann man schwer sagen. Könnt ein Artefakt sein.

Ein Artefakt im Biofakt: Gibt's was Aufregenderes? Na dann!

Wir sind in Sektor II.

Wenn die ersten C14-Datierungen stimmen,

graben wir den ältesten neolithischen Siedlungsfund

nördlich der Donau aus.

Oder auch nicht.

Aufwachen, Frau Kollegin!

Der Boden hier ist eindeutig zu feucht für trockene Wissenschaft.

Holen Sie die anderen! Sie sollen die Pumpen aktivieren.

Ich geh rüber zum Grabungsschnitt drei!

Beeinträchtigung der Befundlage im zweiten und dritten Grabungsschnitt.

Festgestellt gegen 11 Uhr 30.

Lisa! Lisa, holen Sie Hilfe!

* Kirchenglocken *

* Feuerwehrsirene *

(Archäologin:) Versuchen Sie's zu heben!

Oder ziehen Sie's nach hinten! Ziehen Sie's raus!

Vielleicht ist irgendetwas da unten.

Die riechen komisch, die Akten.

Irgendwie so nach Ärger. Mit einem Hauch Bürokratie.

Sie sind a richtiger Gourmet.

Naa, ich bin a Geruchsjunkie. A echter Schnüffler.

Bibi, den Rest kannst dir sparen. Wir haben a Ausred. Komm, Abfahrt!

Viel Spaß beim Weiterschnüffeln!

Schimpf! Wenn du mit deinen Akten fertig bist,mach mit unseren weiter!

Gerne.

Hoppala.

Wart, Moritz!

I bin a Stadtkind. Wenn mich vorher wer g'fragt hätt,

wo das Thayatal liegt, hätt i schlecht ausg'schaut.

Hauptsache, ned im Büro.

Stimmt. So gesehen, ein Geschenk,

dass es die Leiche ned ans tschechische Ufer getrieben hat.

Sonst würd'ma immer noch Akten wälzen.

Grüß Sie. Oberleutnant Kurz, Außenstelle Horn.

Eisner.

Grüß Sie.

I bin Ihr Verbindungsbeamter.

Verbindungsbeamter? Samma im Ausland?

Na ja, im Waldviertel. - De facto Ausland.

Grüß Sie.

Die Thaya is hier die Grenze.

Auf der anderen Seite is Tschechien. Von dort is auch die Leiche.

Was wiss'ma über die Leiche?

Jiri Radok. Alter 45. Tschechischer Staats...

Tschechischer Staatsbürger. A Kollege von uns.

Inwiefern?

Arbeitet für das tschechische Innenministerium.

Genauer, für den Úrad pro... Das kann keiner aussprechen.

Für das UZSI, das Amt für Auslands- beziehungen und Informationen.

Klingt nach Geheimdienst. - Is es auch. Genaueres wiss'ma ned.

Ist das dann ned a Sache für die Kollegen vom Verfassungsschutz?

Das dürfen S' MICH ned fragen. Radok hat in der Nähe logiert.

Pension Strohmayer. Da is die Adresse.

So wie's ausschaut, war er privat da.

Gibt's Kontakte auf der diplomatischen Ebene?

Das dürfen Sie mich auch ned fragen.

Es hat nur g'heißen, wir sollen Sie informieren.

Solang wir ned wissen, was da war, soll das BK ermitteln.

Ja, nett.

Und wenn was is oder war, dürfen die großen Buben weiterspielen.

Das Schinakel ist da drüben hängen 'blieben.

Da is es hängen 'blieben.

Es gibt eine Zeugin.

Eine der Archäologinnen, die da Ausgrabungen machen.

Sie sagt, es war komisch, wie der abg'soffen is.

Inwiefern komisch?

Besser, Sie reden selber mit ihr.

Wo ist sie?

In Wien. Hat auf die Uni müssen. Da is ihre Nummer.

Und wo is die Leich?

Auch in Wien. Auf der Gerichtsmedizin.

Und warum bin i dann im Waldviertel?

Das dürfen S' MICH ned fragen.

Danke.

Super Briefing, Herr Kollege. Wenn Sie mich fragen, ihm hat's g'fallen.

Hey, du grantelst. - Ja, eh. Und?

Nix. Ich bin glücklich.

Ich auch.

Du wirst sehen, es wird leichter mit der Zeit.

I komm morgen wieder vorbei.

Danke für den Kaffee.

Schön, dass du wieder einmal daheim bist, Max.

Auch wenn's kein schöner Anlass is.

War a feine Frau, deine Mutter.

Wirst länger bleiben?

Eher nicht. Nur ein paar Sachen klären.

Wenn was is, komm zu mir.

Schimpf, irgendwer wird uns ja wohl was zu dem Radok sagen können.

Wir haben a eigene Abteilung für internationale Polizeikooperation.

ECO. European Contact Office.

Find heraus, wer zuständig is. Mach Druck!

Servus!

Ich kümmere mich um die Sache in Wien, und du ermittelst vor Ort.

Da? Im Ausland?

I hab ned einmal a Zahnbürst'l mit.

Der Komiker aus Horn borgt dir sicher seines.

Ja?

Frau Strohmayer? - Ja.

Moritz Eisner, Bundeskriminalamt. Meine Kollegin Fellner.

Ned erschrecken!

Jiri Radok hat bei Ihnen die letzten Tage gewohnt.

Wir hätten ein paar Fragen. - Dürf'ma reinkommen?

Bitte.

Den Herrn Abgeordneten kennen S', nehm ich an.

Nein, aber DEN Herrn kenn ich.

Servus, Moritz. Was treibt dich ins Waldviertel?

Mit dir red i nix.

Willst du uns ned vorstellen? - Ned wirklich.

Aber frag den Herrn, ob das das neue Spiel von den Pressefritzen is.

Dass sie vor uns am Einsatzort sind. - Ich weiß nicht, was du meinst.

I bin da, weil meine Mutter g'storben is.

Die Elisabeth, meine Schwester. Wir haben sie gestern beerdigt.

Mein Beileid.

Danke.

Johann Karger, Abgeordneter zum Nationalrat.

Bibi Fellner, Bundeskriminalamt. Wir haben nur a paar kurze Fragen.

Die Frau Strohmayer kann allein antworten, Herr Abgeordneter.

Ich muss sowieso nach Wien. Maria, wenn du was brauchst, rufst an.

Fahren Sie gleich mit dem Auto?

Ja.

Dann darf ich mich anschließen.

Ja, i muss nur kurz in den Betrieb. Das dauert ned lang.

Ruf mich an, wenn was is.

Naaa!

Er war vor ein paar Monaten schon einmal da, der Herr Radok.

Nur für a paar Tag'. So wie jetzt.

Privat oder beruflich?

I weiß ned, was er g'macht hat.

Bootfahren zum Beispiel.

Vielleicht reden S' mit dem Weißkirchner. Der verleiht welche.

Aufg'fallen ist Ihnen nix?

Ein freundlicher Gast. Mehr so a Stiller, wissen S'?

Ins Gästeblatt hat er g'schrieben: "Beamter".

Ähm ...

Kann i das Zimmer sehn?

Ja. Was is denn g'schehn?

(Karger:) Um Gottes willen! Weiß man, wie's passiert is?

Schöner Tod war's sicher keiner.

Naa, bestimmt ned.

Haben Sie ihn gekannt?

Naa. Wie war der Name noch einmal?

Radok.

Jiri Radok aus Prag.

Nein, tut mir leid. Wir haben ja sehr viele Gäste im Thayatal.

Auch von drüben. Der Nationalpark is ja wunderschön.

Und wir arbeiten mit denen vom tschechischen Teil eng zusammen.

Sind Sie da irgendwie involviert?

Kann man schon so sagen. In aller Bescheidenheit.

Eigenlob stinkt, aber ich war da die treibende Kraft. Politisch gesehen.

Was ist das eigentlich?

Mühlen. Für Afrika.

Ein Spezial-Mahlverfahren, das wir selber entwickelt haben.

Wird hier schlüsselfertig in Container montiert.

Und dann verschifft nach Nigeria, Tansania, in den Sudan.

Dort kommt's auf LKW und is sofort betriebsbereit.

Die ganze Mühle is mobil. Komplett.

Mikrofinanziert, also geringe Investitionskosten.

Keine Facharbeiter. Kurze Einschulung - und los geht's.

Gute Sache.

Kann man sagen. In aller Bescheidenheit.

Sagen Sie,

war jemand im Zimmer, seit der Herr Radok es belegt hat?

Wie meinen S' das?

Hat jemand aufg'räumt, sauber g'macht?

Naa. Der Herr hat g'sagt, es is ned notwendig.

Er wollt ned einmal frische Handtücher.

Aha.

(Karger:) Am Anfang ham alle g'sagt, wir san die grünen Spinner.

In der Zwischenzeit profitiert die ganze Region davon.

Inwiefern?

Die Leute sehen, dass sich Nachhaltigkeit langfristig auszahlt.

Bio boomt. Und wir waren halt die Ersten mit ökologischem Anbau.

Mit Direktvermarktung und eigenem Versandhandel.

Da war'ma schon a bissl Vorreiter, meine Frau und ich.

Klingt nach viel Arbeit.

Wir managen den Betrieb ja gemeinsam.

Also, meine Frau managt mehr.

I verbreit hauptsächlich a bissl Landluft im Parlament.

Für die Bauernbündler bin i immer noch so was wie a rotes Tuch.

Unabhängiger Unternehmer - und Naturschützer - und politisch.

Und grün statt schwarz. So was geht normalerweise bei uns gar ned.

Aber wir ham's geschafft.

Was passiert eigentlich am Fluss? - Was meinen S'?

Die Ausgrabungen. - Das san Archäologen aus Wien.

Angeblich gibt's an der Thaya Siedlungsreste aus der Steinzeit.

Noch eine Attraktion für die Region. - Schau'ma einmal.

Hallo, Artefakt!

Also, neolithisch bist du eher ned.

Da wird die Frau Professor a bissl traurig sein.

Der Koffer hat an doppelten Boden, die Sachen waren ganz durcheinander.

Alles andere war aufgeräumt wie bei einem Spießer mit Putzzwang.

Das Zimmer hat jemand durchsucht. Hundertprozentig.

Ja, i red mit dem Bootsverleiher.

Warst du schon bei der Archäologin?

Okay. Bis später!

Herr Weißkirchner?

Ja.

Fellner, Bundeskriminalamt.

Sie haben dem Herrn Radok doch das Boot vermietet?

Ja.

Wann war das genau? Wann is er losg'fahrn?

Das weiß ich nicht. I war ned dabei.

Aha. Aber Sie haben ihm das Schinakel doch ausgeliehen?

Ja, schon. Aber wir haben nur telefoniert. Er hat's bestellt.

Und wie i zum Verleih 'kommen bin,

hat er sich schon eins g'nommen g'habt und war weg.

Sie haben ihn gar ned g'sehn?

Nein. A Kuvert mit dem Geld is in der Tür g'steckt.

Er dürft's ziemlich eilig g'habt haben.

Sagen Sie, kippen die eigentlich leicht um?

Naa, leicht ned.

Passt.

* Klopfen *

(tschechisch:)

Frau Professor Thiele-Voss?

Ja?

Moritz Eisner. Bundeskriminalamt.

Grüß Sie.

Tag.

Haben unsere Erkennungsdienstler g'sagt, Sie können weiterarbeiten?

Laut denen ist es okay. Eingeschränkt.

Aber da ist sowieso alles zertrampelt.

Na dann ...

Was grabts ihr da eigentlich aus?

Einen neolithischen Kultplatz.

Also Steinzeit.

Das war wahrscheinlich eine Opfergrube.

Deswegen die Biofakte und Artefakte.

Die ... was?

Knochen und Scherben und so.

Interessant.

Das Skelett stammt von einem Hund.

Das hätten eigentlich schon längst die Archäozoologen abholen sollen.

Wir haben aber da was g'funden, das passt ned so ganz ins Schema.

Nämlich?

Ein Projektil.

Schaut doch aus wie ein Projektil, oder?

Mhm.

Die waren im Neolithikum ned gerade Usus.

Es wird immer interessanter.

Das könnt fast a Grundsatzdebatte zwischen den Professionen auslösen.

Ist das, was wir da ausgraben,

archäologisch oder erkennungs- dienstlich von größerer Relevanz?

Das werd'ma gleich erfragen.

Ich kenn da jemanden, der kann uns das präzise beantworten.

Den ruf'ma an.

Der Mann saß zuerst im Boot, irgendwie regungslos.

Dann kippt das Ding plötzlich um. Ende der Bootspartie. Exitus letalis.

Is ja fast gespenstisch.

Durchaus. Die Toten, mit denen ich sonst zu tun habe,

sind meist schon Tausende Jahre über dem Jordan.

Ich finde es nicht so prickelnd,

wenn sie live vor meinen Augen sterben.

Ich versuche, den Schock zu kompensieren.

Durch Überdosierung von Tryptophan, Theobromin und Phenylethylamin.

Wirkt aber nicht, oder?

Bedingt.

Wer hat an der Uhr gedreht? Ich muss ins Dekanat.

Sie würden sagen,er versuchte nicht, an die Wasseroberfläche zu kommen?

Vergessen Sie den österreichischen Konjunktiv. Ich sage genau das.

Sind Sie sicher?

Ich denke mir so was nicht aus. Die Sache behindert unsere Arbeit!

Wir hatten schon genug Zores, die Ausgrabungen überhaupt durchzusetzen.

Wer hat Sie behindert?

Die meisten Leute vor Ort sind kooperativ.

Aber in tausend Jahren wird man dort einige Steine ausgraben,

die uns in den Weg gelegt wurden.

Von wem?

Von den Nationalparkfritzen. Allen voran vom Obergrünen.

ZB Karger. Die fürchten, dass wir die Würfelnattern

beim Sonnenbad stören.

* Handy *

Entschuldigen Sie!

Eisner, einen Augenblick!

Wenn Ihnen noch was einfällt, rufen Sie mich bitte an!

(tschechisch:)

Hallo? Guten Tag. Hier spricht Esther Tomasova.

Tschechisches Innenministerium, Abteilung für Sondertätigkeiten.

Spreche ich mit Oberstleutnant Eisner?

Sie arbeiten am Fall Jiri Radok, nicht wahr?

Ich habe Informationen für Sie.

Ah! Aaah!

Scheiße!

Kommen Sie, halten Sie sich fest!

Scheiße!

Scheiße, is das kalt!

Wissen Sie, wie kalt das is?

Ich kann's mir vorstellen. - Das kann sich keiner vorstellen!

Was machts ihr? Hauts ihr Eiswürfel in den Fluss?

Sie müssen aus den Sachen raus.

Scheiße! Mein Handy ist weg!

Danke, dass Sie mich raus'zogen ham.

Was machen Sie eigentlich da?

Kommen Sie!

So ein Mist. So deppert!

Servus. Is die Info aus Prag schon 'kommen?

Vor ein paar Minuten eingetroffen.

Laut Mail verifizieren sie die Sache noch forensisch.

Aber die Spuren in Radoks Wohnung weisen auf einen Einbruch hin.

Und darauf, dass jemand alles durchsucht hat. So profimäßig.

Was bedeutet eigentlich "Stufe VS, Bindestrich V"?

"Verschlusssache-vertraulich".

Aha. Und was heißt das?

Dass ein Unterläufer wie du nicht autorisiert ist, das Mail abzurufen.

Deine Schutzstufe entspricht nicht derjenigen der Information.

Und dann schicken sie's unver- schlüsselt, wo jeder mitlesen kann?

Das passt schon. I hab denen g'sagt, dass du menschlich okay bist.

Danke. Aber was is, wenn i nebenbei für die NSA hackel?

Hat sich die Bibi g'meldet?

Naa, wieso?

Guten Tag, die Herren. Schon eingelebt, Kollege Schimpf?

Ja, passt.

Was tut sich im Fall Radok?

Bibi, dritter Anruf. Bitte melden.

Einbruch in seiner Wohnung in Prag.

Seine Sachen in der Pension sind vermutlich auch durchsucht worden.

Also kein Zufall? - Nein. Irgendwer wollt was von ihm.

Wer? - Daran arbeiten wir.

Heikles Gelände. - Is mir klar.

Möglicherweise Antipersonenminen. Aber es kommt kein Räumkommando.

Ich will's nur sagen. - Dann sag's!

Ich hab's gesagt. - Dann hab ich's gehört.

Haben wir Erkenntnisse von der Leichenbeschau?

Was? Naa. Aber i hab schon urgiert.

Wer macht's denn? - Der Professor Kreindl.

Na geh!

Red mit ihm! - Weißt eh, wie der is.

Machst halt Druck. Das kennst ja von mir. Weitermachen.

Morgen hab i a Lungenentzündung. Mindestens.

Kommen S'!

I bring Ihnen was zum Anziehen. Und einen Schnaps zum Aufwärmen.

Danke, i bin trocken.

Schaut nicht sehr trocken aus.

Ja, eh. Vergessen S' das. I will keine Umstände machen.

Okay.

Bin gleich wieder da.

Ah!

Das wär's jetzt.

Reinigungsprotokoll passt. Gehts die ganze Lieferung noch mal durch!

Überprüfts die Adressen. Die neuen Etiketten schau ich mir später an.

Ich komm dann rüber.

Servus, Fritz!

Servus, Fritz.

Stör i?

Naa. Is a nette Überraschung.

Warst lang nimmer da.

Jetzt muss ich alles allein schupfen.

Aber wenn wer die Pension verdient hat, dann ... dann bist es du.

Eigentlich wollt i mit'm Chef reden.

Der is in Wien.

Weißt eh, irgendeine Sitzung is immer.

Ja, ich hab ihn eh wegfahren g'sehn. Mit dem einen von der Polizei.

Aha.

Er war bei der Maria.

Ja, er war bei ihr, sein Beileid aussprechen.

Weißt eh, am Friedhof is es immer so ...

Vielleicht is es eh besser, i red mit dir.

Machen Sie das routinemäßig?

Was?

Alles durchsuchen. Egal, wo und bei wem.

Radok. Wie der Zeitgenosse, den wir tot aus der Thaya gefischt haben.

Tja, vielleicht is es ja nur ein gebräuchlicher tschechischer Name.

Und daher totaler Zufall, aber ...

Es schaut irgendwie ned so aus, oder?

Warum waren Sie unten am Fluss?

Da.

Ich hab leider nix anderes g'funden.

Sie sind gut im Fragenausweichen.

Ich bin Journalist.

Normalerweise stelle ich die Fragen.

Ziehen Sie sich um, dann beantworte ich Ihnen ein paar.

Herrschaften!

Auf diesen Punkt hab ich Sie schon zu Beginn des Semesters hingewiesen.

Und ich wiederhole mich, wie man weiß, äußerst ungern.

Als Forensiker, Herrschaften, wird von Ihnen verlangt werden,

als Anwälte der Opfer zu fungieren. Der lebenden wie der toten.

Sie stellen die Zusammenhänge her

zwischen medizinischen Sachverhalten und rechtlichen Fragestellungen.

Grüß Sie.

Servus, Kreindl.

Oberstleutnant Moritz Eisner vom Bundeskriminalamt, Herrschaften!

Ein besonders anspruchsvoller Kunde. - "Kunde" klingt komisch.

Partner? - Quälgeist!

Der Kriminalist hat's immer eilig, Herrschaften.

Fragt sich, ob er dadurch effektiver wird.

Kurz weghören, ja? Ich brauch die Ergebnisse im Fall Radok.

Liefere ich. Nach dieser Vorlesung, einem Opernbesuch und einer Nacht

mit meiner angeblich ers 23-jährigen Lebensabschnittspartnerin.

Nicht akzeptiert.

Beharrlichkeit, Herrschaften: Grundmerkmal aller Kriminalisten.

Also machen wir ihm die Freude.

Was wird das jetzt?

Der Fall Jiri Radok.

Bist deppert? Das ist Geheimhaltungsstufe VS-V.

VSV? Was heißt das? Villacher Sportverein?

Unser Unterricht folgt dem Grundsatz des legendären Dr. Frank. 1745-1821.

Dass man eine Wissenschaft nie mit bloßen Worten lehren soll,

wenn man den Gegenstand vorzeigen kann.

Praxisorientierte Ausbildung, Oberstleutnant. Nimm Platz.

Männlicher Leichnam, Alter 52. Identität ...

Hey!

Wurscht. Verraten wir nicht.

Sonst kriegt der Oberstleutnant live an Ort und Stelle einen Herzinfarkt.

Meine Tante sagt, sie macht Ihnen eine Suppe. Vorbeugend.

Das is nett, danke.

Und das sollen S' ausfüllen. Eilt aber nicht.

Was ist das? - Das Gästeblatt.

Sie bleiben ja über Nacht, oder?

Jedenfalls, bis die Sachen trocken sind.

Und meine Fragen beantwortet.

Das sind meine Eltern. 1962, bei ihrer Hochzeit.

Sechs Jahre später ist mein Vater verschwunden.

Er war fischen an der Thaya. Mit einem zweiten.

Wahrscheinlich einer von da aus der Gegend.

Das haben s' gemacht, um ihren Lohn a bissl aufzubessern.

Zigarettengeld, hat man g'sagt.

Oft waren s' dort, wo wir uns heute getroffen haben.

Dort waren angeblich die besten Fischgründe.

Leider waren sie auf der falschen Seite. Gewissermaßen.

Die kapitalsten Hechte, Zander und Welse waren kommunistisch.

Sie haben auf der tschechischen Seite drüben gefischt?

Anzunehmen.

Was heißt, Ihr Vater ist verschwunden?

1968 war der Prager Frühling.

(Frau von draußen:) Max?

Gleich, Tante Maria.

An der Grenze ist es ziemlich zugegangen. Nicht nur bei uns.

Tausende Flüchtlinge. Die Wachsoldaten hatten Schießbefehl.

"Mordgrenze" hat's geheißen.

Hunderte Todesfälle sind dokumentiert.

Und Ihr Vater war einer von denen?

Deswegen bin ich da.

Das Opfer ist also beim Kajakfahren umgekippt.

Auf einem der idyllischen Flüsse unseres schönen Heimatlandes.

Was konstatiert der herbeigerufene Beschauarzt?

Fragst du mich? - Ja, sicher.

Tod durch Ertrinken.

Nix gegen den werten Kollegen, aber stimmt das?

Was fällt uns zum Ertrinkungstod ein?

Wir unterscheiden typisches Ertrinken

mit Kampf gegen das Untergehen

vom atypischen Ertrinken. Dabei wird das Opfer unter Wasser gezogen.

ZB durch ein Seeungeheuer.

Es müsste sich Wasser in Lunge und Atemwegen finden.

Tut es. Aber es fehlt der postmortale Schaumpilz

vor Mund und Nase,

der symptomatisch ist für ...?

Den typischen Ertrinkungstod?

Na bitte. Geht doch, Herrschaften.

Außerdem fehlt der Schaum in den Atemwegen,

der wie hervorgerufen wird?

Heftiges Ein- und Ausatmen von abwechselnd Wasser und Luft.

Schlussfolgerung? - Atypisches Ertrinken.

Also doch das Seeungeheuer? - Flussungeheuer, wenn schon.

Herrlich, danke!

Es gibt noch mehr, wenn S' wollen.

In einer Nacht 1968 ist mein Vater nimmer heim'kommen vom Fischen.

Nach zwei Tagen is meine Mutter zur Polizei.

Mit ihrer Schwester, der Tante Maria.

Was hast denn der Frau Inspektor für Sachen 'geben?

Das passt schon. Die Suppe is göttlich.

Es gibt noch genug.

Die Polizei hat das Motorrad und die Sachen von meinem Vater gefunden.

Am Ufer von der Thaya. Sonst haben wir keine Auskunft gekriegt.

Von niemandem.

Meine Mutter hat Kontakt mit den CSSR-Behörden aufgenommen.

Über das Außenministerium und über

diverse Hilfsorganisationen, aber ...

Die haben total gemauert?

Ja. Wir haben jahrelang gewartet.

Es gab Fälle von Einheimischen, die über die Grenze geraten sind.

Die Tschechoslowaken haben sie ver- haftet und irgendwann rausg'lassen.

Ein Jahr - vielleicht lassen sie ihn raus. Fünf Jahre - vielleicht jetzt?

Zehn ... Irgendwann hat ihn meine Mutter dann für tot erklären lassen.

Damit sie wenigstens die Witwenpension kriegt.

Sie wollt auch nimmer darüber reden.

Also haben wir nimmer über meinen Vater g'redet.

Nächster Punkt, Herrschaften. Die Ermittler finden beim Toten das hier.

Schaut aus wie ...?

Ein Insulinbesteck.

Er war also Diabetiker?

Hat unsere Untersuchung bestätigt.

Wie interpretieren Sie die Zusammenschau dieser Laborwerte?

Ich würde sagen, sie ...

Keinen österreichischen Konjunktiv!

Sie zeigt eine extrem hohe Dosis von Insulin im Körper.

Die Konsequenz?

Ein Hypo. Ein hypoglykämisches Koma. Möglicherweise mit Todesfolge.

Bitte um Theorien!

Er spritzt sich nach dem Mittagessen seine übliche Dosis Insulin.

Geht paddeln, überanstrengt sich und ist auf einmal unterzuckert.

Folglich hat er much too much Insulin intus.

Kriegt an Hypo, geigelt aus dem Kanu - und Ende.

Etwas unwissenschaftlich formuliert, aber so könnte es gewesen sein.

Was heißt "könnte"?

Im Magen hat er nix gehabt. Mittagessen war er also nicht.

Wieso dann die Insulininjektion? - Ganz genau. Gute Frage.

In seiner Jackentasche war Traubenzucker.

Was fragen wir uns da?

(leise:) Wieso hat er den Traubenzucker nicht gegessen?

Wieso hat er den Traubenzucker nicht gegessen,

wenn sich ein Hypo anbahnt?

Ausgezeichnet. Das woll'ma wissen, Herrschaften.

Der gute Mann war sozusagen ein routinierter Diabetiker.

Wieso hat er den eigens eingepackten Traubenzucker nicht konsumiert?

Weil er bereits komatös war? - Oder schon tot.

Es gab damals einen Geheimhaltungsbefehl

des CSSR-Ministers für Nationale Sicherheit, betreffend Ausländer,

die im Kampf mit CSSR-Sicherheitsorganen sterben.

Sie mussten in unmarkierten Gräbern beerdigt werden. Anonym.

Nicht einmal die Totengräber haben was gewusst.

Ihr Vater hat an Hund g'habt, oder?

Die Mira, ja. Ist ihm nie von der Seite gewichen.

Was überlegen Sie?

I denk nur grad ...

Was?

An ein Projektil aus der Steinzeit.

Betrachten wir die Einstichstelle des Insulin-Pens, Herrschaften.

Was sieht der Forensiker,

der nicht ein Mal, nicht zwei Mal, sondern drei Mal hinschaut?

Schaut aus wie eine Prellmarke. - Exakt.

Rammt ein Diabetiker, der Routine im Umgang

mit seinem Insulinbesteck hat,

sich den Pen mit solcher Wucht hinein,

dass eine Prellmarke entsteht?

Der Einstich stammt wahrscheinlich von einer dickeren Nadel,

als sie bei Insulin-Pens üblich sind.

Solche jungen Menschen machen mich glücklich!

Wir haben im Oberschenkel ein kleines

intramuskuläres Hämatom gefunden.

Und wir haben extrem erhöhte Insulinwerte

in diesem Bereich festgestellt.

Langsam, langsam! Da will ja jemand mitschreiben.

Lassen diese Werte auf eine tödliche Insulinüberdosierung schließen?

Korrekt. Schlussfolgerung?

Es war Mord.

Tod durch versehentliche Insulin- Überdosis sollte vorgetäuscht werden.

Man hat dem Opfer zusätzlich zur subkutanen Injektion

exakt in die Einstichstelle des Insulin-Pens

eine Überdosis Insulin intramuskulär gespritzt.

Ziemlich raffiniert.

Aber nicht raffiniert genug.

Voilà, Herr Oberstleutnant.

Deine forensischen Mitstreiter von morgen.

Hiermit hast du das Ergebnis im Fall Radok.

Danke. Weitermachen, aber nicht weitersagen.

Sie haben Ihrer Mutter gar nix erzählt, oder?

Von meinen Recherchen? Nein.

Sie hätte es wahrscheinlich ...

Ich weiß nicht ... gar nimmer wollen.

Die waren jung damals. Die haben sich gerade was aufgebaut.

Und plötzlich stehst da mit einem Kind. Ohne Mann, ohne Geld.

Ich weiß eh nicht, wie sie's g'schafft hat.

Der Johann hat ihr eine Arbeit 'geben.

Mich hat er unterstützt beim Studium.

A Verwandter von euch?

Nein, Johann Karger. Sie haben ihn eh kennengelernt.

Der kondoliert hat.

Der Abgeordnete?

Ja. Er hat vielen geholfen,

nachdem er den Betrieb von seinem Schwiegervater übernommen hat.

Irgendwann hat meine Mutter dann die Tür zu der Zeit damals zug'macht.

Und in das Zimmer nimmer reing'schaut.

Im Gegensatz zu Ihnen?

Vielleicht hätte ich's auch bleiben lassen sollen.

Wollen Sie mir noch was sagen, Herr Ryba?

Nein.

Was zeigen.

Das ist exakt die Stelle an der Thaya.

Wir sind jetzt hier.

1968 ...

.. war das natürlich alles Sperrgebiet.

Da konnte man nicht so einfach über die Brücke spazieren.

Genau gegenüber ist doch das Ausgrabungsgelände, oder?

In der Nähe war damals ein Bunker. Keine 50 Meter weit weg.

Wenn ein tschechoslowakischer Grenz- soldat auf einen Flüchtigen schießt,

kann es also leicht sein,

dass sich eine oder mehr Kugeln auf die österreichische Seite verirren?

Davon gehe ich aus.

Ernstl, hör auf mit dem Kompetenzgeschwafel!

A bissl Respekt vor dem Alter, wenn schon nicht vor dem Rang, ja?

Es ist eine Frage der Zuständigkeiten. Punkt.

Wir sind Sonderermittler und keine Geheimdienstler.

Du hast mir den Fall übergeben, also bearbeiten wir ihn.

Hat sich die geschätzte Kollegin Fellner gemeldet?

Nein.

Eigentlich wollt i auch grad Feierabend machen.

Wieso? Hast du a Privatleben?

Verheiratet. - Nimmer lang.

Der Bericht vom Kreindl.

Irgendwelche Spuren in der Prager Wohnung vom Radok?

Oder in seinem Auto - oder sonst irgendwo?

Leider nein.

War auch a blöde Frag. Wer so was macht, hinterlässt keine Spuren.

Du gehst von einem Mord aus?

WIR gehen von Mord aus. Ist alles Teamarbeit.

Die Tschechen haben sich gemeldet. - Wer konkret?

Esther Tomasova, Abteilung für Sondertätigkeiten.

Die kenn i. Mit der hab i telefoniert. Was sagt sie?

Sie will nach Österreich kommen, um mit uns zu kooperieren.

Wie kollegial. Vielleicht kann sie mir ja verraten,

in welche Geheimdienstaktivitäten der Herr Radok involviert war.

I geh abendessen, und dann fahr i ins Ausland. Ins Waldviertel.

(tschechisch:)

Alles okay?

Soldaten aus entlegenen Landesteilen wurden zur Grenze abkommandiert.

Meistens junge Burschen,

die keinen Bezug zur Region oder zu den Leuten hier haben.

Altes Prinzip.

Ja.

Für die waren wir der Klassenfeind, der sie bedroht.

Und Tschechen, die flüchten wollten, waren Landesverräter, Terroristen.

In beiden Fällen lautet die Devise: "erst schießen, dann nachschauen".

Genau. Taschenlampe!

Im Grunde geht alles aus den Dokumenten der Grenzarmee hervor.

Hier. Der ganze Schriftverkehr, Tagesbefehle, Protokolle.

Wie kommen Sie an solche Dokumente?

Ich bin die vierte Gewalt.

Oder ... ich bin die vierte Säule.

Klingt weniger martialisch. Ein Lob den freien Medien.

Die Demokratie gilt jetzt auf beiden Seiten der Thaya.

Was ich rausfinden will, find ich raus.

Kann i von uns ned immer behaupten.

Sehen Sie die Jahreszahl? - Ja.

1968 - im Protokoll scheinen keine Namen auf.

Jedenfalls nicht in den Papieren, die ich habe.

Da wird immer nur der Terminus "unbekannter Ausländer" verwendet.

Aber das Datum stimmt überein.

Es ist genau die Nacht, in der sie hier fischen waren.

Pfeile, Linien und Kreuze markieren die Standorte der Grenzsoldaten

und der beiden Fischer sowie deren Fluchtbewegungen.

Eines von den Kreuzen ist mein Vater.

Und das andere Kreuz?

Das ist die Frage.

Kein Name, keine Fotos, keine Berichte?

Nein.

Das wollte ich Ihnen zeigen.

Was ist das?

Eine Handdaubel. Ein Fischernetz, wie sie es früher verwendet haben.

Es gibt aber in der Gegend kaum noch wen, der mit Handdaubeln fischt.

Kommen Sie!

Und der Radok?

Der Name, den Sie sich notiert haben, wie passt der in das Puzzle?

Kommen Sie!

(tschechisch:)

Das ist deine, Fritz, oder?

Auf der anderen Seit'n hast auch welche.

An den besten Stellen jeweils. Solche verwendet heute keiner mehr.

Fast keiner.

I hab gar ned g'wusst, dass du dich mit Daubeln auskennst.

Tu i in Wahrheit eh ned. Das war eher die Domäne von meinem Vater.

Aber das weißt du ja selber am besten.

Was machts ihr da?

Mondscheinspaziergang.

Und Sie?

Was i immer g'macht hab.

Fischen.

Auf der falschen Seit'n.

Es gibt keine falsche und keine richtige mehr.

Wie man's nimmt.

Du warst mit meinem Vater damals in der Nacht da.

Stimmt's?

Deswegen zieht's dich auch immer wieder da her.

Wollen S' uns ned erzählen, was damals passiert is?

Tut mir leid, Dani. Is später 'worden.

Alles gut?

Der Fritz war heut da.

Was soll i machen?

Nix.

Hey!

Tut mir leid. I bin ... I bin eing'schlafen.

Alles okay. Bleiben S' liegen. Frühstück wird ans Bett serviert.

Mmmh! Danke.

Sie sind ein Schatz.

Bibi, das ist aber ned dein Ernst!

Was?

Servus.

Kein Wunder, wenn i dich ned erreich, wenn du mit dem Affen ...

Was? Wovon redest du?

Das ...

Geh!

Was war das jetzt, bitte?

Ein kleines Eifersuchtsdrama.

Nein? Na, ich glaub, er mag mich nicht besonders.

Der mag niemanden besonders. - Doch. Sie.

Geh, Blödsinn!

Is ja ganz offensichtlich. Is ja auch nicht schwer.

Flirten Sie grad mit mir?

Berufskrankheit. Ich meine, niemanden zu mögen. Ich kenn das.

Und ja, ich flirte grade mit Ihnen.

Aber trotzdem sollten Sie das zeitnah mit Ihrem Chef klären.

Ja ... ja.

Moritz! Bleib stehen!

* Er gibt Gas, der Motor heult auf. *

Spinnst du?

Was?

Ich frag dich, ob du spinnst!

Du fragst mich, ob ich spinn?

Sei ned kindisch, Moritz!

Der da drinnen ist ein Journalist!

Na und?

Weißt du, wie oft der mir in die Suppe gespuckt hat bei Ermittlungen?

Und du machst mit ihm einen erotischen Hosentausch!

I bin deppert ins Wasser g'fallen. Ich hab mein Handy versenkt.

Ich hatte keinen trockenen Faden am Leib. Drum trag ich seine Sachen.

Und wenn du glaubst, dass ich und er ... Das is ja total lächerlich!

* Er kichert. *

Was is jetzt?

Ja, du hast recht.

Es is lächerlich.

Ah so? Wieso is das lächerlich?

Na, was jetzt? Du hast doch selber g'sagt, es is lächerlich.

Moment! Wenn ich das sag, is das was anderes.

Wenn du das sagst, is das eine Frechheit.

Ich glaub, du brauchst dringend Nachhilfe in weiblicher Logik.

Und jetzt komm rein. Wir haben noch ein paar Sachen zu besprechen.

Was den Fall angeht, nicht privat.

Da bin i ja beruhigt! - Ich auch!

Is trotzdem lächerlich.

Morgen, Schmiedt. Haben Sie gepennt?

Oh, Gott. Scheiße.

Keine unproblematische Wortkombination.

Tut mir leid, Frau Professor. Ich wollt ...

Ich war auch mal jung.

Tun Sie wenigstens so, als würden Sie's glauben.

Und jetzt hoch mit Ihnen. Abfahrt. Wir müssen ins Thayatal.

Emil und den Detektiven helfen. - Was?

Er heißt gar nicht Emil. Ich hab doch irgendwo ...

Moritz. Immerhin auch ein Kinderbuchklassiker.

Moritz Eisner. Bundeskriminalamt.

Seine Kollegin hat mich angerufen, Bibi Soundso.

Die heißen alle wie in irgendwelchen Kinderbüchern.

Es geht um das Loch. Das Loch mit dem Hund.

Wovon sprechen Sie, Frau Professor? - Von meiner Ausgrabung.

Ich kann nicht weiterarbeiten, solange die dort Detektiv spielen.

Das können wir ned verhindern. - Doch! Wir machen es selber.

Die Kollegen im Labor arbeiten bereits daran.

Los! Wofür zahle ich Sie? - Ah, Sie bezahlen mich? Seit wann?

Symbolisch schon immer. Schmiedt!

Weißt, was die gemacht haben?

Wer?

Der CSSR-Geheimdienst hat falsche Grenzstreifen gesetzt.

Was heißt das?

Ein paar Kilometer von der eigentlichen Grenze entfernt,

haben sie eine fingiert und perfekte künstliche Grenzanlagen errichtet.

Alles hat ausgeschaut, als wärst du schon im Westen.

Dann haben sich Agenten vom KGB und vom CSSR-Geheimdienst

überall in der CSSR als Fluchthelfer ausgegeben.

Sie brachten Fluchtwillige auf Schleichwegen zu diesen Anlagen.

Du kommst als Flüchtling hin und glaubst, du bist in Freiheit.

Du wirst von einem amerikanischen Offizier freundlich empfangen.

Es gibt Lucky Strikes, Kentucky Bourbon, vielleicht sogar Hamburger.

An der Wand hängen eine US-Flagge und das Bild vom US-Präsidenten.

Deine vermeintlichen Ami-Freunde stellen dir ein paar Fragen.

Kontaktpersonen, Helfer, Namen von Personen aus dem Untergrund.

Ja, oder, ob du Menschen kennst,

die der Westen beim Sturz des kommu- nistischen Systems unterstützen kann

Du erzählst natürlich alles.

Logisch, du bist ja euphorisiert.

Du glaubst, alles is okay, du bist in Sicherheit auf der anderen Seite.

Auf der Seite der Guten.

Also nennst du ihnen Namen.

Du denkst, du tust was Sinnvolles gegen das verhasste Regime.

Sie setzen ein Protokoll auf, und du unterschreibst.

Und die freundlichen Amis sind in Wirklichkeit Stasi-Mitarbeiter.

Irgendwann kapierst du, dass die ganze Sache fingiert ist.

Oder Sie reiben's dir unter die Nase, wenn sie alles wissen.

Die Leute, die du ihnen genannt hast, werden anschließend verhaftet.

Und du selber bist natürlich auch dran.

Ja. Mit der Unterschrift hast du dein eigenes Schicksal besiegelt.

Is ja schließlich das Geständnis eines Fluchtversuchs.

"Operation Grenzstein."

Nett, oder?

Steht alles in den Akten.

Ein paar Dreckskerle vom Geheimdienst,

die das damals durchgezogen haben, leben noch.

Sagt wer?

Meine neue Flamme.

Der Ryba?

Was magst essen? Kannst dir was wünschen, Maxl. Musst es nur sagen.

Bringt keinem was Gutes.

Immer nur z'rückschauen.

Dann ist es, als hätte er nie gelebt.

Als hätte Mama ihn nie geheiratet.

Als hätten sie mich nie gekriegt.

Dann gibt's mich nicht.

Dich gibt's, Bub.

Aber ...

Du darfst ned immer in die Vergangenheit schauen.

Musst an deine Zukunft denken. In der wirst leben.

Hätt i fast vergessen. Dein neues Diensthandy. Nummer bleibt gleich.

I bin so aufgeregt!

Keine Privatgespräche!

Jawohl.

Also, was wissen wir? Wir wissen, dass der Radok ermordet worden is.

Dein Ryba meint,

dass der Radok in Sauereien an der Grenze verwickelt war.

Möglich.

Das hat er dir doch gestern Nacht am Fluss erzählt, oder?

Eh. Schaut ganz danach aus,

dass der Radok eine große Nummer im CSSR-Geheimdienst war.

Führungsoffizier, besondere Verwendung und so weiter.

Dann hat er ein Motiv! - Wer?

Deine neue Flamme, der Ryba.

Wenn, wie er behauptet, sein Vater damals umgekommen ist

und der Radok tatsächlich damit in Zusammenhang steht,

hat der Max ein Motiv, dass er ihn umbringt. Oder red ich Blödsinn?

Naa, du redest nur vom falschen Radok.

Wieso?

Der Radok, der 1968 da stationiert war, ist nicht unser Radok.

Also nicht der, der in der Thaya abg'soffen is.

Nicht der, den ich in Wien durchleuchtet hab?

Nein, nicht der Jiri Radok.

Sondern?

Der Jaroslav Radok. Sein Vater.

Wer is denn das?

Das ist jetzt meine neue Flamme.

* Handy *

Fellner.

Grüß Sie, Oberleutnant Kurz! Sie entjungfern grad mein neues Handy.

I bin so aufgeregt!

Was? Ah, ja. Warten S'! Warten S'!

Moritz, hast du an Stift?

Ja.

Ich wiederhole:

M42er Projektil, Standardmunition des Warschauer Pakts.

Danke für die Info und Gruß an die Ballistik.

Freut mich sehr. Eisner, Bundeskriminalamt.

Herr Nemetz.

Schön, dass Sie da sind.

Ich bringe Ihnen Unterlagen.

* Sie spricht tschechisch. *

Ich hab mit meiner Kollegin ... Was? Ah so, ja. 'tschuldigung.

Ich hab sie nicht vorgestellt. Bibi Fellner. Frau Tomasova, Herr Nemetz.

Freut mich.

Und mich erst! Er schwärmt von Ihnen!

Ich versteh nicht.

Wir haben über die Erbfolge im tschechischen Geheimdienst geredet.

Jaroslav Radok, Jiri Radok.

Werfen Sie einen Blick darauf. So sagt man das, oder?

Ja, ja, das sagt man so. Absolut.

Oh, das ist nett. Danke.

Danke vielmals.

Jessas Maria, Fritz!

Wir müssen reden.

Was?

Gestern Nacht waren s' am Fluss, genau an der Stelle.

Wer?

Der Max und die von der Polizei.

Ja, ich ...

Du hast doch mit der Dani g'redet?

Aber jetzt red i mit dir.

Sie sehen es ja selbst.

Alle Schriftstücke aus dieser Zeit tragen seine Unterschrift.

Dienstprotokolle, Führungszeugnisse, Lageberichte.

Jaroslav Radok.

Das beweist eindeutig:

Er hat in den 60er Jahren als Führungsoffizier des Geheimdienstes

mit Informanten aus Österreich gearbeitet. Oder sagt man "Spione"?

Spitzel, Agenten, Landesverräter. Ist Geschmacksache.

Worum ging's denn dabei? Was haben sie ausspioniert oder verraten?

Fluchtrouten, Fluchtpläne, Fluchthelfer.

Menschen, die vor den Kommunisten geflüchtet waren

und in Österreich untergetaucht sind.

Und drei von den Informanten waren hier aus der Gegend?

Ja. Das sind ihre Decknamen.

Kibic, Mladik, Novacek. Und die richtigen Namen?

Wissen wir nicht.

Die Akten mit diesen Informationen sind aus dem Archiv verschwunden.

Den Blick kenne ich.

Aber wenn ich wüsste, wo diese Akten sind,

dann würde von jeder Einzelnen eine Kopie hier vor Ihnen liegen.

Ich habe mich weit aus dem Fenster gelehnt. So sagt man das, oder?

Absolut.

In Prag stürzen bekanntlich ab und zu Leute aus dem Fenster.

Oder vielmehr, werden gestürzt. - Das kann passieren, ja. Manchmal.

Beim Lüften.

Aber keine Sorge. Ich wohne und arbeite prinzipiell im Erdgeschoss.

Dann is es ja gut.

Etwas ist auffällig bei den verschwundenen Akten.

Sie wurden alle von Jaroslav Radok angelegt.

Dem Vater unseres ermordeten Kajakfahrers.

Der vor seinem Tod auch für den Geheimdienst gearbeitet hat.

Zählst du auch grad eins und eins zusammen?

Ich hab den Fritz grad weggehen sehen. Hat nicht entspannt gewirkt.

Kein Wunder.

Das kommt wieder ins Lot.

Du bist ein guter Mensch.

Es gibt im ganzen Land keinen besseren Menschen als dich.

I wollt a paar Flaschen holen für die Sitzung heute vom Bioverband.

Das können meine Mädels machen.

Ich kümmer mich um alles.

* Handy *

Da geht's zu, verkehrsmäßig.

Ich mein, das is ja immerhin ein Tatort!

Tag allerseits!

Ah so, das is unsere Steinzeitfrau.

Noch eine Flamme von mir.

Frau Professor, haben Sie was für uns?

Sonst wär ich ja nicht hier. Zum Grabungsschnitt I!

Schön, dass heute alle so kooperativ sind.

Kommen Sie, Emil!

Emil?

Fritz!

Fritz!

I hab 'glaubt, du bist schon wieder weg.

Naa.

Wär aber g'scheiter.

Fritz!

Red mit mir!

Was wir ausgraben, ist ein Loch.

Und nichts ist unvergänglicher als ein Loch.

Ein alter Archäologenspruch.

Irgendjemand gräbt irgendwo irgendein Loch.

Er wirft was rein, schüttet das Loch wieder zu und glaubt, das war's.

Wir aber graben es wieder aus. - Das Loch?

Exakt. Und aufgrund unserer atemberaubenden Wissenschaft

wissen wir letztlich alles drüber:

Wann hat er's gegraben und wann zugeschüttet? Was hat er vergraben?

Hat jemand anderer es irgendwann aufgemacht

und noch was reingeworfen?

Es geht also um das Loch im Loch? - Ich könnte es nicht besser sagen!

Was haben wir? Schmiedt, nicht pennen!

Wir haben ein Loch aus dem Neolithikum mit Biofakten en masse.

In diesem vorchristlichen Loch haben wir noch ein jüngeres Loch.

Samt den Knochen eines Hundes,

ebenfalls aus jüngerer Vergangenheit.

In denen ein CSSR-Militär-Projektil steckt. Das wissen wir schon.

Ein Lob Ihren Ballistikern.

Was Emil und seine Detektive noch nicht entdeckt haben:

Was Ihnen möglicherweise verrät, wer etwas verschwinden lassen wollte.

Ende der mysteriösen 1960er Jahre.

Meine Nerven liegen blank.

Sie machen's unglaublich spannend, Frau Professor.

Jahrelange Lichtbildervorträge vor Legionen von Laien.

Ich bin dramaturgisch gewieft.

Sehen Sie das hier? - Die Erdvermischung?

Abgesehen davon. Das Irisierende, diese kleinen schillernden Dinger.

Ah ja.

Irgendein Tipp?

Hypostracum.

Haben Sie Bilder? Immer die Bilder zeigen! Laien lieben Bilder.

Hypostracum. Die innere Schalen- schicht schalenbildender Mollusken.

Auch bekannt als Perlmutt.

Meine Kollegen von der Archäozoologie

haben's unter die Lupe genommen.

Pinctada imbricata, eine Perlmuschel,

die im westlichen Atlantik lebt.

Bermudas, Florida, nördliches Südamerika.

Herr Kolumbus hat sie an der Küste Venezuelas vorgefunden.

Die spanischen Damen waren von den Perlen bestimmt entzückt.

Aber wie und durch wen kommen Reste einer Muschel aus dem West-Atlantik

in eine niederösterreichische Opfergrube aus der Steinzeit?

Und zwar, bevor Kolumbus die Neue Welt und die Muschel entdeckt hat?

Jetzt sind Sie dran, Emil.

Österreichs einzige Perlmuttdrechslerei.

Würde man auch nicht vermuten - in der Gegend.

Anfang des 20. Jahrhunderts haben sie Thaya-Muscheln verarbeitet.

Bis die Bestände aufgebraucht waren.

Und dann?

In den 50er Jahren haben sie angefangen,

Meeresmuscheln und Schnecken zu importieren.

So kommt karibisches Perlmutt in ein niederösterreichisches Loch im Loch.

Das "Wie" kennen wir jetzt. Bleibt nur noch das "Durch wen".

Ah, Grüß Sie. Fellner, Bundeskriminalamt.

Das is mein Kollege Eisner.

Grüß Sie.

Grüß Gott.

Aaah!

* Poltern *

Fritz!

Fritz!

Na dann, danke. Vielen Dank.

Gerne. Wiedersehen.

Danke. Wiederschauen.

Willst du gleich mit ihm reden?

I weiß ned. Den hamma nicht auf der Rechnung g'habt, oder?

Ganz klar ist der Zusammenhang noch nicht.

Klar ist er schon. Aber beweisen müssen wir's.

"Lieber Max!"

"Mein lieber Max, ich schreibe dir, weil ..."

"Lieber Maximilian!"

"Jetzt, wo deine Mutter gestorben ist, muss ich dir etwas sagen."

Eisenbahner, Bauern, Arbeiter, Hotelportiere, Ministerialräte,

Journalisten, sogar Beamte von der Staatspolizei:

Alle haben für die Kommunisten spioniert.

Aber nicht aus Überzeugung. Ganz normale Leute.

Unbescholtene Staatsbürger. Offiziell.

Und es waren ned a paar. Es waren viele. Es waren Tausende.

Warum?

Geld.

So einfach is das?

Ja. So einfach is das.

Meistens.

* Handy *

Fellner.

Tag, Herr Ryba.

Was glauben S', hat er vor?

Fahr'ma! Fahr'ma!

Fahr'ma!!!

Wo is das genau?

Ja. Wir sind unterwegs.

Aaah!

Aaah!

Raus mit Ihnen. Raus! Raus!

Alles gut mit Ihrer Kollegin?

Ja, danke. Danke vielmals.

Da, schau.

Danke.

Das is ned dein Ernst. Kamille?

Sie hat nix anderes.

Ah so. Danke!

Gern.

Max!

Komm!

Kollege, lass ihn bitte durch!

Grad noch rechtzeitig, oder?

Ja.

Gut, dass du angerufen hast.

I hab ned g'wusst, was i machen soll.

Was is mit dem Gassinger?

Er wird's überleben.

Er hat Wasser g'schluckt und hat an Schock.

Aber er wird's überleben.

Der hat schon mehr überlebt.

Das kann man sagen, ja.

* Schuss *

(Nicht schießen!)

(tschechisch: Ich bin Kibic!)

(Nicht schießen. Ich bin ...)

(Novacek. Nicht schießen. Novacek.)

Er war mit deinem Vater fischen an der Thaya, damals im 68er Jahr.

Das hat er zugegeben?

Ja. Aber mehr hat er nicht g'sagt.

Weil's nicht ums Fischen gegangen ist. Jedenfalls nicht in DER Nacht.

Wir haben die Identität von dem Froschmann.

Das is aber zackig 'gangen. Sie machen mich ganz schwindlig, Kurz.

Es war nur Schwein, ehrlich g'sagt.

Ein Förster hat einen Wagen g'funden,

3 Kilometer flussaufwärts, im Wald.

Zugelassen auf eine Sicherheitsfirma in Wien, NR Security Solutions.

Gehört einem gewissen Gerolf Kroetz.

Ehemaliger Offizier beim Jagdkommando, hochqualifiziert.

Ausbildung als Kampfschwimmer und Pioniertaucher.

Personenbeschreibung stimmt überein?

Ja, inklusive Tattoo. Der Leitspruch

seiner alten Truppe: "Nunquam retro".

Auf Deutsch? - "Niemals zurück".

G'mütlich. Kann's sein, dass ich ein ziemliches Massel g'habt hab?

Einen guten Schutzengel.

Kroetz hat seinen Abschied g'nommen und die Security-Firma aufgebaut.

Die is ned gut g'laufen.

Danke.

Ah, noch was!

Die Kollegen vom Verfassungsschutz wollen die Sache übernehmen.

I hab g'sagt, ich richt's Ihnen aus, sobald i Sie seh.

I weiß aber ned, wann das sein wird.

Dann haben s' mich g'fragt, wie der Stand der Ermittlungen is.

Und i hab g'sagt: "Das dürfen S' MICH ned fragen."

Super! Und wenn Sie mich fragen, ihm hat's g'fallen.

Also, wie gemma vor?

Zurück ins 68er Jahr.

Das ist nicht nach den Vorschriften, aber es is deine G'schicht. Komm!

Ich bin aber nicht als Journalist da.

Davon gehe ich aus.

Ich hab ihm gesagt, das bringt nix Gutes. Aber er wollt nicht hören.

Hat er ja nie wollen. Er wollt immer wissen, was g'schehn is.

Wir ham kein Problem.

Hast du mich verstanden?

Maria?

Wir ham kein Problem.

Dani!

Sag dem Max, du weißt nix. Was du weißt, hast du ihm erzählt. Punkt.

Der Bub denkt, er hat ein Recht.

Er ist kein Bub mehr. So fängt's an. Irgendwann wird man erwachsen.

Und akzeptiert, dass die Welt ned schwarz-weiß is.

Es ist sein gutes Recht!

Was heißt hier "Recht"?

Du weißt, was wir für ihn getan haben!

Was wir füreinander getan haben!

Ja.

Na also.

Geh heim, Maria.

Wir ham kein Problem.

I weiß ned, warum du das sagst. Natürlich hamma a Problem!

Nein, haben wir nicht. Weil ich's g'löst hab.

Was?

Muss ich's noch sagen? Ich hab das mit dem Tschechen g'löst.

Und das mit'm Gassinger auch.

Großer Gott!

Dani!

Kann ja nicht jeder von uns der "Herr Gut" sein.

Das war er eh nicht immer!

Stimmt's?

Mladik!

Das war dein Deckname.

Mladik. Der Bub.

Und der Fritz, der Gassinger, war Novacek. Der Neuling.

Und mein Vater?

Kibic.

Hansi!

Kibic, Mladik, Novacek.

Max, bitte, du musst wissen ...

Sei still. Ich weiß nicht, was das soll. Was soll das, Max?

Wer sind diese Leut?

Moritz Eisner, Bundeskriminalamt. Meine Kollegin Fellner.

Zugegeben, es is unorthodox, dass wir hier auftauchen.

"Auftauchen" ist gut.

Aber an der ganzen Geschichte is irgendwie alles ... Frau Karger!

Sie haben das Recht,

Ihren Anwalt zu verständigen und/oder Ihre Aussage zu verweigern.

Wir verhaften Sie wegen Verdacht der Anstiftung zum Mord an Jiri Radok.

Fritz Gassinger hat überlebt. Bei ihm ist es nur versuchter Mord.

Ihr Neffe, Gerolf Kroetz, ist beim Versuch, mich zu töten,

ums Leben gekommen.

Dani, was ... - Du sollst still sein!

Verlassen Sie sofort unser Haus!

Absurde Anschuldigungen! - Was hast du g'macht?

Sie wissen ned, wovon wir reden?

Was hast du g'macht?! - Was i g'macht hab?

Was i g'macht hab?

Jessas Maria!

Ihr Jagdkommando-Neffe, Gerolf Kroetz,

hatte finanzielle Schwierigkeiten mit seiner Firma.

Sie haben ihm aus der Klemme geholfen.

Dafür sollte er Ihr Problem mit dem Jiri Radok lösen.

Leider hat er's a bissl zu radikal gelöst.

Er war in Prag, als in Radoks Wohnung eingebrochen wurde.

So viel steht inzwischen fest.

Er hat das Zimmer in der Pension durchsucht,

um weiteres belastendes Material sicherzustellen und zu vernichten,

damit der Radok absolut nix mehr gegen Sie in der Hand hat.

Dann verpasst er ihm eine Überdosis Insulin,

verfrachtet ihn in ein Kajak und bringt es auf der Thaya zum Kentern,

um so einen Unfalltod vorzutäuschen.

Für einen ausgebildeten Pioniertaucher eine leichte Übung.

Der Radok hat euch erpresst. Dich und den Gassinger.

Mit den alten Spitzelakten von seinem Vater.

Die hat er während der Wende aus einem Prager Archiv entfernt.

Sozusagen als Rückendeckung.

A bissl dunkle Vergangenheit als Investment für die Zukunft.

Hätte ja fast funktioniert.

Wenn deine Frau und ihr Neffe nicht gewesen wären.

Ihr habts alle zusammengehalten.

So wie früher.

Nur der Gassinger hat g'nervelt. Der wollte reden.

Der wollte mir alles sagen. Deswegen hättets ihn auch fast umgebracht.

Das wissen wir jetzt. Aber was wir nicht wissen, ist:

Was ist eigentlich damals in dieser Nacht wirklich passiert?

Als der Gassinger mit dem Vater vom Max an der Thaya fischen war?

(Was machts ihr Idioten?)

(Ich bin Kibic!)

(tschechisch: Ich bin Kibic!)

(Kibic! Verstehts ihr nicht?)

(* Schüsse *)

(Novacek!)

(Novacek!)

(Nicht schießen!)

(Novacek!)

(Mann mit tschechischem Akzent: Wir wissen, wer du bist.)

(Hör auf zu flennen! Kibic ist tot.)

(Sein Hund ist tot.)

(Du bist nicht tot. Du willst ja auch nicht aussteigen, oder?)

(Du willst weitermachen wie bisher?)

(Ich...)

(Ich...)

(Du musst es nur sagen,

ob du plötzlich Skrupel hast, dein Land zu verraten.)

(Musst es nur sagen, Novacek. Ich kann auch zwei Särge bestellen.)

(Gut. Richt dem Mladik aus, er soll den Köter vergraben.)

(Ich melde mich bei euch wie bisher.)

(Und du verschwinde zurück auf deine Seite. Du kennst ja den Weg.)

(tschechisch:)

So hat's mir der Gassinger erzählt.

I bin dann runter zum Fluss, noch in der Nacht.

Und hab die Mira vergraben.

Dass alle glauben, der Martin und

sein Hund san in der Thaya ertrunken.

Oder die Tschechen haben s' g'fangen, oder ...

oder so was halt.

Blöd is nur, dass Sie Lehrling in der Perlmuttfabrik waren.

Und dass man beim Schaufeln

Perlmutt-Splitter aus der Stulpe der Hose verliert.

Und dass über 40 Jahre später ausgerechnet an derselben Stelle

a paar spinnerte Archäologen nach Steinzeitdörfern graben.

Daran haben Sie natürlich nicht gedacht.

Max, bitte ...

Also, mein Vater war ...

Kibic.

Ein Spitzel.

Ein bezahlter Informant des tschechoslowakischen Geheimdienstes.

Haben sie euch gemeinsam rekrutiert?

Hat er euch überredet mitzumachen?

War er der Anführer?

Wir waren jung und deppert.

Das bissl Leut Ausspionieren.

Wir ham uns ned viel gedacht dabei.

Wir wollten nur a Motorradl haben, wie der Martin eines g'habt hat.

Irgendwann ham s' uns dann eh in Ruh g'lassen.

Als dein Vater ...

Wie lebst mit so was?

Du hast es auch g'wusst, oder?

Ihr habts es alle gewusst.

Die Mama auch?

Ja.

Nur ich nicht.

Du warst ja noch ein Bub.

* Ein Kuckuck ruft. *

I kann dich ned retten, falls du vorhast, ins Wasser zu gehen.

I hupf ned noch einmal da rein.

Ich bemüh mich, ein guter Mensch zu sein, aber es gibt Grenzen.

Ja, genau!

Genau.

Und von den "guten Menschen" hab ich jetzt eh einmal genug.

Is kein schönes Kapitel.

Für beide Seiten nicht.

Kennst du den Spruch?

"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt,

wird blind für die Gegenwart."

Also schau ich zurück.

Endlich ganz genau.

Aber ich seh nix.

Du siehst nix?

Nein. Eigentlich nicht.

Ich seh drei junge Burschen,

die sich ein bissl Geld dazuverdienen wollten

und sich nicht viel dabei gedacht haben.

Leider ham s' nicht nur Karpfen gefischt. Und Hechte. Und Zander.

Sondern auch Menschen.

Vielleicht schreibst genau das.

Wenn du drüber schreibst.

So kann man das nicht schreiben. Ist zu geschwollen. Zu kitschig.

Man kann auch nicht schreiben, dass ein Bub am Ufer eines Flusses sitzt

und auf seinen Vater wartet.

Jahrelang. Bis der Bub draufkommt, dass er selbst über 40 ist.

Und fast doppelt so alt wie sein Vater zum Zeitpunkt seines Todes.

Ich wollt einfach nur wissen, was passiert ist.

Damit ich mich daran erinnern kann, wenn ich das möchte.

Nix, Tochterherz, alles okay. Ich wollt einfach mal anrufen.

Ich weiß, das is dir unangenehm.

Du bist erwachsen, man ruft seine Tochter nicht jeden Tag an.

Aber du kennst mich ja. Ich bin peinlich und steh dazu.

Das is alles, was ich loswerden wollte.

Alles okay.

Nein, ich rauch nicht.

Ich rauch nicht. Ich schwör's dir!

Du, ich muss aufhören, das kostet ein Schweinegeld.

Pass auf auf dich, ja? Bussi. Ciao.

Seit wann rauchst du wieder?

I rauch ja ned.

Alles okay?

Naa.

Aber alles ist nie okay.

Und bei dir?

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.

ORF 2015 untertitel@orf.at

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