All language subtitles for s02E03IT-Tatort 950 - Gier-0066000353-german

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Original subtitles

.

Hast du es schon gemeldet?

Nein.

Und?

Was wünscht du dir?

Is mir egal. Hauptsache gesund.

Ah!

Bin froh, wenn i meinen wieder aus der Werkstatt krieg.

I mein, der fährt sich ned schlecht.

Aber ...

Halt, wart! Die Blumen.

Gut schaust aus.

Danke.

Hallo?!

* leises Zischen *

Passt.

* Es ist nicht zu verstehen, was sie sagt. *

Guten Abend!

Guten Abend.

Moritz Eisner.

Oberstleutnant Moritz Eisner.

Mit Tochter?

Naa, das geht sich nimmer aus.

Heute schon.

Fellner, Major.

Ja. Bitte!

Danke.

Gleich hier, bitte.

Danke.

Achtung wegen der Ming-Vasen.

Ah, meine Jacke!

Danke.

Jetzt wart auf mich!

(flüsternd:) Da schau her.

Ich glaube, wir sind falsch angezogen.

Schaut ganz so aus.

Normalerweise steht so was auf der Einladung.

Sag, hast du eine Einladung 'kriegt?

Nein, ich hab keine. Du?

Naa.

Ernstl hat mir zwischen Tür und Angel g'sagt: festlicher Anlass.

Und dass der Minister kommt.

Ernstl!

Da seids ihr ja!

Alles Gute zum Geburtstag!

Danke.

Danke sehr! Habts ihr heute noch was anderes vor?

Naa, extra für dich.

Die Putzerei zahl ich aber nicht!

Das hamma uns 'dacht.

Auf dass ich so alt werd, wie ich ausseh. Prost!

Habts ihr die Behälter schon aufg'füllt?

Naa.

Wie lang dauert's noch?

Fünf Minuten.

Holts die Rettung! Alle raus!

* Alarm-Signale *

Das Buffet ist eröffnet!

Danke, danke.

Tief atmen!

Mein Bab... mein Baby!

Sie san schwanger?!

Darf ich euch mit meiner Mutter bekannt machen?

Sehr angenehm, gnädige Frau.

Na schau! Einmal einer, der noch weiß, wie man sich benimmt.

Und so eine hübsche junge Frau!

Naa, i bin nur die Bibi. Freut mich.

Das ist der Helmut.

Der Ehemann von meinem Patenkind, der Roswita.

Helmut Mader. Nicht Polizist.

Warum ist Roswita noch nicht da?

Sie ist noch in der Probezeit, muss sich noch beweisen.

Sie ist in der zehnten Woche.

Helmut ...

Mein Mann!

Mein Schulfreund, Roswitas Vater, ist voriges Jahr gestorben.

An Krebs, mit 59.

Der Krebs is a Hund.

Du sagst es.

Seither spiel ich gern den Ersatz-Papa.

Ernsti, heut is kein Tag für traurige G'schichten.

Lass uns lieber über dich reden.

Ich hab wollen, dass er Theologie studiert.

Aber ... Latein war nicht seins.

Echt?

Dann hat er's mit der Wirtschaft probiert.

Aber da braucht man einen Blick fürs Ganze, für globale Zusammenhänge.

Bitte!

Mama!

Na, weil's wahr is!

Wart, das musst jetzt aushalten!

Mit der Juristerei hat's dann geklappt.

Auswendig lernen hat er immer schon gut können, der Bub.

Jetzt is er Sektionschef, das is schon was.

Aber Pfarrer wär mir lieber g'wesen als Polizei-Jurist.

Aha! Dann wär Ihr Sohn bestimmt Bischof. Oder Kardinal.

Mein Traumberuf. Amen!

Und jetzt ist er ein Mensch, der nichts und niemandem glaubt.

Gnädige Frau, Minister kommen und gehen.

Sektionschefs bleiben ewig bestehen.

Jetzt reimt er auch noch.

Roswita, in der Fabrik ...

Ein Unfall!

Ein Unfall?

Ich muss ins Krankenhaus.

Moritz, fahr ihn hin.

I komm mit!

Entschuldigen Sie.

Rufts mich sofort an und sagts mir, was passiert ist!

Ja!

Ich komm gleich nach.

Gut.

*

Kann ich zu ihr?

Im Moment geht das nicht.

Was ist denn passiert?

Ihre Frau wurde von Flusssäure verätzt.

Wir versuchen, die Wirkung auf das Gewebe einzudämmen.

Und das Baby?

Wir halten Sie am Laufenden.

Wie schaut's aus?

Kommen S', trink'ma einen Kaffee.

Das war vorgestern.

Da hat sie zu mir gesagt, dass wir bald zu dritt sein werden.

Verstehen Sie?

Mit Zucker?

Nein, danke.

Ich zeig's gleich.

Hier. Das ist unser Baby.

* Piep-Signale *

Alarm! Frau Dr. Gruber, schnell!

Defi vorbereiten! 200 laden, bitte.

Ich kann es nicht begreifen! Ihr müssts dem nachgehen.

Ich will wissen, was da passiert ist.

Ernstl ...

Entschuldige, ich weiß, dass dir das nahegeht, aber ...

.. das ist eine Sache fürs Arbeits-Inspektorat.

Die Roswita ist tot; ich will Fakten!

Ihr müssts herausfinden, warum das passiert ist!

Ernstl, Moritz hat recht. DIE sind die Spezialisten, wir ...

Machts das für mich.

Bitte!

* Kirchenglocken läuten. *

* holprige Gitarrenklänge *

D-Dur?

Ganz langsam. D-Dur.

Ja.

* Das Gitarrenspiel klingt auf einmal besser. *

Herr Wendler.

Guten Morgen.

Ist es denn ein guter Morgen, Frau Doktor?

Ja, Sie haben endlich den Termin vorm Gericht.

Schön.

Heute Nachmittag um drei.

Ich hoffe, der Herr Rat wird pünktlich sein.

Machen Sie sich bereit.

Na ja, weit hamma's gebracht.

Jetzt simma beim Arbeits- inspektorat gelandet.

Sieh's positiv. So können wir einmal was für den Rauter tun.

Also, was gibt's über diese Chemie-Fabrik?

Heißen tut sie Secure Chemical Logistics.

Direktor ist ein gewisser Mitteregger.

Die gehören weltweit zu den zehn Marktführern.

Erzeugen Säuren und Laugen.

Ich möchte mit jemandem von der Geschäftsführung sprechen.

Ham Sie einen Termin?

Meine Frau ...

Mitteregger. Ich möchte Herrn Magister Mitteregger sprechen.

Meine Frau ... Sie ist gestern ...

Mader. Mein Name ist Helmut Mader.

Jessas, Sie ... Sie san der Mann von der Frau ...

Es tut mir leid.

Im Moment kann Sie niemand von der Geschäftsleitung empfangen.

Ich will, dass mir jemand erklärt, was da passiert ist.

Ich muss mit jemandem sprechen!

Einen Augenblick. Ich versuch's.

Sie dürfen da nicht hinein!

Hinter den Schleusen ist die Werks- halle, wo der Unfall passiert ist.

Herr Mag. Mitteregger, wann genau ist der Unfall passiert?

Um 20 Uhr 11. 20 Uhr 25 war die Rettung da.

30 Minuten später war Frau Mader im Krankenhaus.

Die Rettungskette hat perfekt funktioniert.

Trotzdem ist Frau Mader tot!

Ein besserer Mitarbeitschutz hätte das Unglück verhindern können!

Wir haben hier die höchsten Sicher- heits-Standards in ganz Österreich.

Herr Mitteregger! Du hast mein Kind umgebracht, und meine Frau!

Herr Mader, bitte, es tut mir unendlich leid.

Du Schwein! Das wirst du büßen!

Bitte lassen Sie das!

Wir machen nur unsere Arbeit.

Lassen Sie das!

Rufen Sie die Polizei!

Rufen Sie die Polizei!

Lass mich!

Ich bring euch alle um!

Ich glaub, das ist ... für Sie.

Was ist das für ein Foto?

Könnten Sie uns einen kleinen Moment geben? Ist das möglich?!

Danke.

Dürfen wir wissen, wie der Herr heißt?

Können wir ganz kurz einen Moment haben?! Dann sprechen wir weiter.

Dankeschön.

(mit indischem Akzent:) Ein Telefongespräch, Frau Wendler.

Ich mag jetzt nicht.

Secure Chemical Logistics.

Wendler?

Verstehe.

Das tut mir sehr leid, aber damit hab ich nichts zu tun.

Wenn es Probleme gibt, wird sich mein Anwalt darum kümmern. Danke.

Du wolltest doch vorhin im Garten das Laub verbrennen, oder?

Ja. Natürlich.

Hier am Werksgelände. Er hat mich angegriffen.

Und ...

Beruhigen S' Ihnen.

Lass'ma das mit dem Fotografieren!

Grüß Sie!

Herr Mader, was ...

Er hat den Direktor angegriffen, offensichtlich deswegen.

Wir übernehmen das. Nehmen S' ihm die Handschellen ab.

Er ist auf mich zugestürmt und hat mich sofort gewürgt.

Grüß Sie, Fellner, Bundeskriminalamt.

Mitteregger.

Frau Reiter, unsere Pressesprecherin.

Ich habe eine Bitte.

Herr Mader hat vorhin überreagiert.

Ja! Ja!

Er hat den Herrn Direktor gewürgt.

Ich bin derartig erschrocken!

Er hat nicht nur seine Frau verloren da drin.

So ein furchtbarer Unfall. Das ist bei uns noch nie vorgekommen.

Das war eine überflüssige Aktion!

Ich bin so müde, ich muss schlafen.

Gute Idee!

Es wäre ihm geholfen, wenn Sie die Anzeige gegen ihn fallen lassen.

Natürlich, das ist das Mindeste, was wir tun können.

Kollege!

Fahren Sie Herrn Mader nach Haus.

Er ist nicht mehr fähig, mit'm Motorrad zu fahren.

Und mein Helm?

Und, was is?

Sie ziehen die Anzeige zurück.

Gut.

Wo müss'ma jetzt hin?

I glaub, da rein.

Reinlassen kann ich euch nicht - das ist zu gefährlich.

Da hinten bei den Tanks ist es passiert.

Vermutlich aufgrund eines defekten Druckventils.

Und der Schutzanzug?

Den hat die Feuerwehr sichergestellt.

Die Säure ist durchgegangen wie nix.

Warum heißt es dann "Schutzanzug"?!

Genau das wird jetzt untersucht.

Die Anzüge kommen plastikverschweißt von der Firma Patrona TEX.

Nach einmaligem Gebrauch werden die entsorgt.

So san die Vorschriften.

Möglicherweise hat die Produktionsfirma geschlampt.

Die Anzüge werden jetzt aus dem Verkehr gezogen.

Was habts ihr angestellt,

dass ihr einen Arbeitsunfall untersuchen müssts?

Mail uns dann den technischen Abschlussbericht!

Wenn ich von euch das Ergebnis von der Analyse der Anzüge krieg.

Und die Tests übernehmts jetzt auch ihr, oder?

Und die Kosten.

Die Profis von der BKA.

Haben Sie nicht was vergessen?

Ah ja!

Und Sie vergessen nicht, was wir besprochen haben!

Danke.

Frau Schneider, wann fahren Sie wieder in die Anstalt?

Morgen.

Und? Wie geht's ihm?

Wie soll's ihm denn gehen?! Nach so langer Zeit da drinnen!

Glauben Sie, er würde mit mir reden?

Das fragen Sie ihn am besten selber.

Hallo, Frau Schneider!

Frau Magister Wendler.

Du wolltest mich sprechen.

Gibt's was Wichtiges?

Und? Was ist? Haben wir's geschafft?

Es gibt ein Problem.

Ach, ich hab gedacht, wir können den Champagner aufreißen und feiern!

Tust du nur so, oder weißt du wirklich nichts?!

Du hast gesagt, dass du nur noch den Vertrag unterschreiben musst.

Es geht um den Unfall bei SCL.

Und? Was ist damit? Der Mitteregger hat mich angerufen.

Da, ist schon im Internet!

Morgen gibt's das auch auf Papier.

Ach, Vik!

Übermorgen ist das schon wieder vergessen.

Unterschreib lieber den Vertrag - und dann ab in die Sonne.

Liefert deine Patrona TEX diesen Schrott?!

Woher soll ich wissen, was die in Indien mit dem Material machen?

Da könnten Schadenersatzforderungen auf uns zukommen!

Es war ein tragischer Unfall!

Überall auf der Welt sterben Leute bei gefährlicher Arbeit.

Ein schlechter Zeitpunkt für den Ver- kauf! Sakri wird den Preis drücken.

Spinnst du?! Was ist, wenn Peter diesmal nach der Anhörung rauskommt?

Hat die Schneider etwas darüber gesagt?

Nein. Peter hat das Recht zu er- fahren, was mit den Werken passiert.

Nach dem, was er mir angetan hat? Nein!

Vielleicht ändert er sich durch die Therapie.

Er ist ein geistig abnormer Rechts- brecher! Das ist amtlich!

Weil wir mit einem Gutachten und meiner Aussage nachgeholfen haben!

Er hat mich geschlagen, die Treppe runtergeworfen.

Wir haben das zusammen geplant.

Und wir ziehen das jetzt durch.

Viktor, du musst ...

Diese Patrona TEX ist eine Tochter- firma vom Wendler-Konzern.

Krieg ich auch einen?

Die ham ihr Büro im Ersten.

Danke.

Wendler - das sagt mir irgendwas.

Ursprünglich waren das die Wendler-Werke.

Die gibt's schon seit über 100 Jahren.

Die produzieren Luxus-Dekorstoffe.

Aber diese Patrona TEX gibt's erst seit drei Jahren.

Was war in der Chemiefabrik? Warum ruft mich keiner an?

Ernstl, wir versuchen grad, uns einen Überblick zu verschaffen.

Der Schutzanzug von der Roswita könnte schadhaft gewesen sein.

Die müssen zur Verantwortung gezogen werden. Alle! Sonst noch irgendetwas?

Die Anzüge sind von Patrona TEX, die zum Wendler-Konzern gehören.

Der Geschäftsführer ist Dr. Viktor Perschawa.

Perschawa - den kenn ich.

Das hilft uns auch nicht weiter.

Ich brauche mehr Fakten.

Was denkst du?

Dass der Ernstl das Ganze zu emotional angeht.

Was hamma von diesem Perschawa oder wie immer der Kasperl heißt?

Ja, ned viel.

Zuerst muss der Slavik die Anzüge kontrollieren.

Jetzt is er kalt.

Grüß Sie. Moritz Eisner.

Meine Kollegin, Fellner. Wir haben angerufen.

Guten Tag. Dr. Perschawa ist leider immer noch in der Besprechung.

Wir warten.

Wollen Sie sich nicht setzen?

Wer ist denn dieser imposante Charakterkopf?

Das ist Felix Wendler.

Er hat den Wendler-Konzern zu dem gemacht, was er heute ist.

Sein ganzes Leben hat er dem Aufbau dieses Konzerns gewidmet.

Bitte.

(flüsternd:) Die hat was mit dem g'habt. Wetten!

Danke, Herr Sakri. Wir melden uns bestimmt. Namaste!

Namaste.

Wiederschaun.

Wiedersehen.

Wiedersehen.

Herr Dr. Perschawa, das sind die Herrschaften von der Polizei.

Tut mir leid, dass es so lang gedauert hat.

Was kann ich für Sie tun?

Es geht um den Arbeitsunfall bei Secure Chemical Logistics.

Sie haben davon gehört?

Ja, leider. Notgedrungen.

Furchtbar, dass diese junge Frau sterben musste.

Sie musste wegen eines fehler- haften Schutzanzuges sterben.

Wollen Sie der Firma Patrona TEX Fahrlässigkeit vorwerfen?

Im Moment möchten wir hören, was Sie dazu zu sagen haben.

Patrona TEX ist eine unabhängige Tochter von uns.

Für Details wenden Sie sich bitte an Geschäftsführerin Sabrina Wendler.

Jetzt hab i's!

Wendler-Werke, Peter Wendler - sagt dir das was?

Naa.

Das ist der Sohn von dem Charakterkopf ...

Gemma auf an Kaffee.

Er hat sich in der Öffentlichkeit

für faire Produktionsbedingungen in der Textil-Branche eingesetzt.

Und hat jeden beschimpft, der anderer Meinung war.

War das der, der den Wirtschafts- minister geohrfeigt hat?

Genau DER war das. Das ist jetzt zwei, drei Jahre her.

Was macht der jetzt?

Keine Ahnung. Zwei Melange, bitte.

I hätt gern a Zigarettn.

Ja?

Wir sind unterwegs.

Der Slavik.

Das ist ein Rest vom Anzug, den die Frau Mader ang'habt hat.

Markennamen hab ich keinen mehr g'funden.

Aber das ISO- und EN-Label war noch zu entziffern.

Laut Kennzeichnung entspricht der Anzug der Kategorie 3, Typ 6.

Also Schutzausrüstung gegen tödliche Gefahren.

Wir haben inzwischen 50 Anzüge aus der Chemiefabrik getestet.

Mit dem Ergebnis: Sie sind unterschiedlich.

Einige entsprechen der Schutzklasse, andere nicht.

Produktionsfehler oder Absicht?

Darüber kann man nur spekulieren.

Fakt ist: Die Anzüge müssen aus unterschiedlichen Serien sein.

Vielleicht hat man die Original-Zertifikate

in minderwertige Anzüge reingenäht.

Ist möglich.

Frau Mader ist mit 72-prozentiger Flusssäure verletzt worden.

Wir verwenden bei unseren Versuchen nur die 35-prozentige.

Aber das reicht schon.

Warum ist Flusssäure so gefährlich?

Sie durchdringt die Haut schnell und zerstört tiefere Gewebeschichten.

Und sie entzieht dem Körper Kalzium.

Infolgedessen kommt es zu Störungen der Leberfunktion und Nierenversagen.

Was für Schmerzen muss die Frau Mader gehabt haben!

Die Frau Wendler muss einiges erklären!

Sabrina?

Gupta!

Ist die geladen?

Du kennst mich doch.

Schau mal, was da liegt.

Bald sind wir dort. Was sagst du dazu?

Der Vertrag ist schon unterschrieben.

Bist du völlig verrückt geworden?!

Ich wollte dir eine Freude machen.

Wir haben die Polizei am Hals,

und du verbringst deine Zeit mit so einem Scheiß?!

Spielverderber!

Ich hab gedacht, du willst drüber reden, wie wir im Konzern weitertun.

Wir verkaufen! Das wollten wir seit Ewigkeiten.

Du willst das.

Jetzt bin ich wieder schuld?

Du hast vor drei Jahren gesagt, dass du mich liebst.

Und dass du mir hilfst, Peter loszuwerden.

Und dass wir irgendwo weit weg ein neues Leben anfangen.

Warum hast du deine Meinung geändert?

Hast du mit ihm gesprochen?

Diese junge Frau ist gestorben.

Ich fühl mich irgendwie verantwortlich.

So ein Blödsinn!

Das hat meine Augen geöffnet!

Wir können so nicht weitermachen!

Wir sind zu weit gegangen. Ich muss einen Schnitt machen - sofort!

Und neu anfangen.

Mit mir oder mit Peter?

Morgen!

Sie wunschen?

Major Fellner. Mein Kollege ...

.. Eisner.

Wir würden gern Frau Wendler sprechen.

Auf Anraten meines Anwalts hab ich alles für Sie vorbereitet.

Hier sind die Geschäftsunterlagen von Patrona TEX.

Mit der Herstellung des Materials haben wir nichts zu tun.

Da drinnen sind Namen und Adressen der indischen Produzenten.

Sollte einer von denen minder- wertiges Material geliefert haben,

wird der sich für den Tod der jungen Frau verantworten müssen.

Wieso steht "Made in Europe" auf den Anzügen?

Die Anzüge kommen halbfertig nach Europa.

Und hier wird die technisch aufwendige Endfertigung gemacht.

Steht auch alles ... hier drinnen.

War's das?

Was macht eigentlich Ihr Mann?

Mein Mann?

Ja.

Haben Sie mit ihm gesprochen?

Nein.

Das ist alles nicht leicht für mich.

Was ... meinen Sie damit?

Er war ein Mann mit Visionen,

bevor er den Bezug zur Realität verloren hat.

Eine faire Produktionskette, vom Garn übern Knopf bis zum Sofa.

Da hätte man schon sehen können, dass er nicht normal ist.

Seine Ideen hätten den Wendler- Konzern fast ruiniert.

Er hat auf niemanden mehr gehört.

Aber Sie sind Finanz-Expertin. Haben Sie ihm nicht helfen können?

Er hat sich ständig belogen gefühlt.

Ich glaube, es war sein Misstrauen, das ihn den Verstand gekostet hat.

Danke, Herr ...

Gupta Kumar.

Herr Gupta Kumar.

Wie lange arbeiten Sie schon für Frau Wendler?

Ein bisschen über ein Jahr.

Und wie is sie so als Chefin?

Wie eine Chefin so ist.

Frau Schneider!

Sie waren doch erst am Freitag hier.

Der Chef braucht ein bissl Inspiration.

Das ist eine neue Kollektion.

Ihr Chef ...

Verstehe.

Frau Schneider, grüß Sie!

Wie geht's Ihnen?

Wichtiger ist, wie's ihm geht.

Er hat gute Chancen auf eine Entlassung.

Das Gericht hat sich schon zwei Mal dagegen entschieden.

In ein paar Tagen wissen wir mehr. Viel Glück!

Eine Minute und 47 Sekunden vom Einlass bis zu mir.

Sie werden langsam, Elisabeth.

Ich werd 63.

Entschuldigung.

Ich muss aufpassen, dass ich den Zeitbegriff nicht verliere,

nach zwei Jahren und fünf Monaten.

Und 28 Tagen.

Jetzt sagen S' nur noch, ich fehle Ihnen.

Sie fehlen mir sehr.

Aber heute ist ein guter Tag.

Tatsächlich?

Ein sehr guter Tag sogar.

Obwohl der Anlass ein trauriger ist.

Was halten Sie davon, wenn ein guter Freund Sie besuchen kommt?

Ich würd mich freuen.

Dann werd ich ihm das sagen.

Und diese Frau verkauft minderwertige Schutzkleidung!

Die Tragödie hat ein halbes Jahr vor der Einweisung stattgefunden.

Das bestätigt eine Aussage von Viktor Perschawa.

Der auch Zeuge vom Mordversuch an der Sabrina Wendler war.

* Klopfen *

Ja, bitte!

Haben Sie die Pizzen bestellt?

Ja, die Diavolo für mich.

Ups.

Wer zahlt?

Die Funghi.

21,70 bitte.

Das passt so, danke.

Danke. Wiedersehen.

Wiederschaun.

Peter Wendler sitzt seit mehr als 2 1/2 Jahren in der Forensischen.

Warum ist der ned im Gefängnis?

Weil es ein psychiatrisches Gutachten gibt,

das ihm akute Wahnvorstellungen und Realitätsverlust bescheinigt.

Wie's so schön heißt hier:

"Herr Peter Wendler stellt für sich und andere eine ernste Gefahr dar."

Diesen Wendler müss'ma uns unbedingt anschauen.

Nach der Pizza.

Ich möchte mit Dr. Perschawa reden.

Herr ...?

Mader. Helmut Mader.

Der Herr Doktor ist nicht da.

Worum geht's denn?

Es geht um ... Ist das sein Büro?

Was ist er für ein Mensch?

Macht er sich Gedanken darüber, was seine Entscheidungen bewirken können?

Ob sie jemanden das Leben kosten?!

Kann ich irgendwas für Sie tun?

Können Sie meine Frau wieder lebendig machen?

Mir tut das sehr leid - mit Ihrer Frau.

Das soll ich Ihnen glauben?!

Meine Roswita hat sterben müssen, weil solche Leute wie ihr hier,

die eh schon alles haben, nie genug bekommen können!

Die Polizei kümmert sich um die Sache.

Man wird die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Ganz sicher!

Ja.

So wird das sein.

Gupta!

Verbrenn das bitte.

Du wirst es ned glauben, aber langsam macht mir das Spaß.

Bitte, pass auf!

Ja, ja, ja.

Warum übergeben wir das alles ned einfach der Wirtschaftspolizei?

Da fehlt was, glaub i.

Da geht's um einen Auftrag an einen indischen Erzeuger.

Und da ... ha?

Die geht doch niemals das Risiko ein!

Die Gier is a Hund!

Wie sollen wir zwei minimalistischen Finanz-Genies

eine steuer-optimierte Firmen- struktur entschlüsseln?!

Mit Fantasie und Hartnäckigkeit!

Ja, und einer Nachtschicht.

'n Tag. Ich möchte zu Peter Wendler.

Waren Sie schon einmal hier?

Dann füllen Sie das bitte aus.

Und einen Ausweis.

Handy, Schlüssel, Taschenmesser bitte ins Schließfach.

Bitteschön.

Ich war nicht sicher, ob du mich sehen willst.

Und jetzt bist du's?

Peter, bitte.

Ich will nicht drum herum reden; ich hab einen großen Fehler gemacht.

Einen?!

Du hast in der schwierigsten Zeit meines Lebens

ein Verhältnis mit meiner Frau angefangen.

Du hast eine Falschaussage gemacht, daraufhin bin ich weggesperrt worden.

Aber lass gut sein.

Viktor, ich freue mich, dass du da bist.

Hier herinnen hab ich mich wenigstens erholen können.

Das war wahrscheinlich das Beste für mich.

Und ich hab nachdenken können, in Ruhe.

Über mich.

Dich.

Sabrina.

Ich will's wiedergutmachen.

Dann sag dem Gericht die Wahrheit.

Du weißt, dass ich meine Aussage nicht ändern kann!

Ja.

Ihr werdet also verkaufen?

Nein.

Wie kommt das?

Die ... die Sabrina ...

Die hat den Bezug zur Realität verloren.

Hat sie den jemals gehabt?

Nein! Nein, hat sie nicht.

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass du mich hier besuchst?

Sie würde sofort eine Intrige gegen sich wittern.

Aber so was tun wir nicht, gell?

Sollten wir es ihr sagen und schauen, was sie macht?

Ich krieg richtig Angst.

Viktor, es tut so gut, dich endlich wiederzusehen.

Wenn ich dürfte, dann würde ich dich jetzt umarmen.

Darf ich?

Sie kennen die Regeln.

Ach was!

Das reicht!

Machen Sie noch einmal auf.

Herr Dr. Perschawa!

Ja?

Dr. Kathrin Bach. Ich bin die Psychologin von Herrn Wendler.

Ich bin froh, dass Sie sich endlich versöhnt haben.

Er braucht draußen einen Freund.

Er kann sich auf mich verlassen.

Hoffentlich können wir auch eine Ver- söhnung mit seiner Frau herbeiführen.

Können Sie auf sie einwirken?

Ich werd's versuchen.

* Klopfen *

Bitte.

Grüß Sie.

Kennts ihr euch? Staatsanwalt Staller.

Grüß Gott.

Warum ist der da?

Das wird nicht angenehm für ihn.

Er hat ein Recht darauf zu erfahren, warum es passiert ist.

Das ist der Untersuchungsbericht vom Arbeits-Inspektorat.

Der Firma Secure Chemical Logistics ist offenbar nichts vorzuwerfen.

Die Rettungskette hat perfekt funktioniert.

Das Problem liegt am Schutzanzug.

Das Material entspricht nicht der ausgewiesenen Klassifizierung.

Ob das ein Fehler oder eine bewusste Fälschung ist,

ist nicht eindeutig zu klären.

Das wird eine Gutachter-Schlacht.

Entweder bei dem, der das Material hergestellt hat.

Oder bei dem, der es verarbeitet und die Zertifikate angebracht hat.

Und die Patrona TEX?

Es gibt in den Unterlagen gewisse Ungereimtheiten.

Aber nix, womit man wirklich was anfangen kann.

Herr Mader, Sie können sich als Zivilkläger dem Verfahren anschließen

Aber solche Verfahren ziehen sich über Jahre hin!

Außerdem besteht in diesem Fall nur eine geringe Chance,

dass man Sie für Ihren Verlust entschädigt.

Entschädigt?

Es geht mir doch nicht um Geld!

Ernstl, es kann doch nicht sein,

dass niemand für den Tod Roswitas zur Rechenschaft gezogen wird!

* zwei Schüsse *

Dreh'ma ihn um.

Morgen, Kollegen.

(alle:) Guten Morgen.

Grüß euch. Wo is der Slavik?

I bin seine Vertretung. Der Magister is auf Urlaub.

Der Slavik macht auch, was er will.

Nimm a paar Handschuh.

Christian, wie geht's deiner Frau?

Habts ihn so g'funden?

Kollege, danke.

Grüß Sie, Frau Schneider.

Morgen.

Sie erinnern sich? Fellner vom BKA.

Ah ja, ja.

Sie ham ihn gefunden?

Ja.

Wie ich ins Büro gekommen bin, kurz nach neun.

Is Ihnen irgendwas aufgefallen?

Nicht dass ich wüsst.

Also war nix anders als sonst?

Die Tür war abgesperrt.

Ich bin hinein, hab meine Tasche abgestellt und ...

.. dann hab ich ihn gefunden.

Wer außer Ihnen hat noch einen Schlüssel?

Der Dr. Perschawa natürlich.

Und die Frau Wendler.

Mhm.

Wissen Sie vielleicht, ob Frau Wendler eine Waffe besitzt?

Keine Ahnung.

Sie glauben ...?

Aber warum ... warum sollte sie den Dr. Perschawa ...

Die beiden haben doch ...

Sie wissen schon.

Furchtbar ist das alles.

Der Kollege bringt Ihnen ein Glas Wasser.

Da, schau.

Der Arbeitsunfall hat ihn mehr beschäftigt, als er uns gesagt hat.

Wer hat schon gern schlechte Presse?!

Seltsam! Vorgestern fragen wir ihn wegen Patrona TEX und heute ...

.. hat er's überstanden.

Also, gestern zwischen 19 und 21 Uhr.

Sehr heiß hier herinnen.

Was is mit der Tatwaffe?

Nach den Eintrittswunden zu schließen ein eher kleines Kaliber.

Aus nächster Nähe abgefeuert.

Aber sehr effektiv, wie man sieht.

Genaueres dann morgen.

Also, draußen fehlt nix, laut Sekretärin.

Weder Geld noch sonst was.

Ich würde sagen, der Tote ist hier gesessen.

Ist nach den Schüssen aufgestanden.

Vorwärtsgetaumelt und dann so auf den Boden ...

So wie er jetzt liegt?

Nein, wir haben ihn umgedreht.

Na ja, ein paar Fragen haben wir noch, Frau Schneider.

Ist das die Handschrift von Dr. Perschawa?

Meine. Der Herr Mader war gestern da.

Wegen dem Unglück von seiner Frau.

Er war völlig aufgelöst. Er wollt unbedingt den Dr. Perschawa sprechen.

Aber der Herr Doktor war noch nicht da.

Wann haben Sie das Büro gestern verlassen?

So gegen 18 Uhr 30.

Ich bin nach Haus gefahren, hab mich umgezogen.

Und war kurz vor acht bei meiner Chorprobe.

Die hat bis 22 Uhr gedauert.

Moritz.

Der Knopf is im Büro g'legen, ned weit von der Leiche entfernt.

Da is Blut dran. Der könnt zu einer Kostümjacke passen.

Der Mader war gestern hier im Büro.

Frau Schneider, gehört der Knopf Ihnen?

Nein.

Ja, danke.

Auf Frau Wendler ist eine Walther PP22Q registriert, Kleinkaliber.

Wir müssen den Mader vorladen.

Du glaubst doch ned im Ernst, dass ER ...!

Ja.

Danke.

Also, laut Rufdaten von Perschawas Handy

hat die Frau Wendler ihn am Tag seines Todes fünf Mal angerufen!

Er hat sie um 17 Uhr 38 zurückgerufen.

Das war sein letztes Gespräch.

Okay.

Grüß Sie!

Guten Tag. Es tut mir leid, ich hab keine Zeit!

Nur EINE Frage. Sie besitzen doch eine Walther PP22Q?

Ja. Und auch Jagdwaffen sowie die dazugehörigen Waffenscheine.

Uns interessiert nur die Walther!

Warum?!

Wir würden gern die Waffe sehen.

War's das?

Wann haben Sie den Dr. Perschawa zum letzten Mal gesehen?

Vorgestern Abend.

Er war hier.

Warum?

Er wurde heute Früh erschossen aufgefunden.

Er wurde was?!

Das kann nicht sein!

Frau Wendler ...

Wir müssen Sie das jetzt fragen:

Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 21 Uhr?

Hier.

Kann das jemand bezeugen?

Gupta war da.

Glaub ich.

Wir müssen Sie bitten, sich in den nächsten Tagen zur Verfügung halten.

Wir haben noch einige Fragen.

Herr Kumar.

Können Sie bestätigen,

dass Frau Wendler gestern zwischen 19 und 21 Uhr zu Hause war?

Ich bin kurz vor 17 Uhr gegangen. War mit Freunden zum Essen.

Bin erst heute Früh wieder gekommen.

Den Herrn Dr. Perschawa haben Sie gekannt, oder?

Sie haben furchtbar gestritten.

Sie hat ihn mit einer Pistole bedroht; ich habe Angst bekommen.

Wann war das? - Vorgestern.

Worum ist es bei dem Streit gegangen?

Hab ich nicht so genau gehört.

Um diese Unfall in die Fabrik, glaub ich.

Gut.

Herr Kumar, ich brauche die Adresse und die Namen Ihrer Freunde.

Wir müssen das überprüfen. Reine Routine.

Ich schreib Ihnen die Namen auf.

Brauchst du Hilfe beim Altpapier?

Schau, da steht Patrona TEX.

Ich fress einen Besen, wenn DAS nicht die fehlenden Unterlagen

aus den Ordnern sind, die sie uns gegeben hat.

Wir brauchen einen Durchsuchungsbeschluss.

Was glaubst, was i grad mach?! Das Altpapier nehm i gleich mit.

Die zwei haben heftig gestritten; sie hat ihn mit der Waffe bedroht.

Herr Mader!

Danke, dass Sie gekommen sind.

Ich hab gehofft, Sie wissen was Neues über diese Patrona TEX-Leute.

Später.

Kennen Sie diesen Mann?

Nein.

Das ist Dr. Viktor Perschawa.

Sie wollten ihn vorgestern in seinem Büro sprechen.

Er war leider nicht da.

Und jetzt ist er tot.

Soll ich jetzt weinen?!

Diesen geldgeilen Schweinen ist es auch egal, wenn andere draufgehen.

Er wurde ermordet.

Sollen sie ruhig krepieren!

Haben Sie ihm dabei geholfen?

Ihr behandelt ihn wie einen Verdächtigen!

Er hat seine Frau verloren und sein ungeborenes Kind.

Ernstl, er war am Tatort!

Herr Mader,

wann waren Sie das letzte Mal im Büro vom Dr. Perschawa?

Vorgestern, gegen 14 Uhr.

Und wo waren Sie vorgestern zwischen 19 und 21 Uhr?

Zu Hause.

Zeugen?

Ich ... ich war bei ihm.

Wir haben über das Begräbnis gesprochen.

Sie haben einflussreiche Freunde.

Gut.

Wie lange?

Lange genug.

Herr Dr. Ernst Rauter, ich würde gern wissen, von wann bis wann!

Quäl mich doch nicht!

Verarsch mich nicht!

Ernstl, ich möchte wissen, wie lange du an diesem Abend bei ihm warst!

Bis spät am Abend.

Und jetzt lass ihn gehen!

Herr Mader ...

Entschuldigung.

Herr Mader, Sie können gehen.

Versteh i ned.

I versteh's auch ned.

Willkommen in unserer schönen Anstalt!

Dr. Bach, seine Psychologin.

Moritz Eisner.

Fellner Bibi.

Wie lang betreuen Sie ihn schon?

Seit er hier ist. Sie werden sehen: Man kann ganz normal mit ihm reden.

Er ist nicht gefährlich.

Warum is er dann hier?

Danke.

Guten Tag.

Mein Name ist Moritz Eisner, ich komm vom Bundeskriminalamt.

Nicht wirklich toll die Aussicht hier, gell.

Na ja, immerhin sieht man den Himmel.

Als ob von dort was zu erwarten wäre.

Was kann ich für Sie tun?

Herr Dr. Perschawa hat Sie vorgestern besucht.

Ja, der Viktor, mein lieber alter Freund.

Zum ersten Mal hat er mich besucht in über zwei Jahren.

Es war schön.

Was wollte er denn von Ihnen?

Oh, Vergebung, glaub ich.

Hat er sie bekommen?

Haben Sie meine Akte gelesen?

Ja, natürlich.

Und was denken Sie? Bin ich wirklich zurechnungsunfähig?

Ich bin Polizist, kein Psychologe.

Drum kennen Sie sich aus.

Solche Gutachten sagen meist mehr über den aus, der sie erstellt hat,

als über den tatsächlichen Gegenstand der Betrachtung.

Ich würd einen Menschen niemals als "Gegenstand" bezeichnen.

Aber vielleicht fühl ich mich so nach der langen Zeit hier.

Ein Gegenstand, ein Stück Mensch.

Beobachtet, befragt, begutachtet.

Wissen Sie, was das Schlimmste daran ist?

Dieser Blick!

Dieser Blick, mit dem sie einen alle anstarren.

Herr Wendler, es tut mir sehr leid, aber ich muss Ihnen mitteilen,

dass Dr. Perschawa ein paar Stunden nach dem Besuch bei Ihnen

erschossen wurde.

Das ist sehr traurig.

Hat er Ihnen von den Problemen

bei den Wendler-Werken und bei Patrona TEX erzählt?

Patrona TEX - das ist die Cashcow meiner Frau.

Der Wendler-Konzern ist seit Ewigkeiten in Familienbesitz.

Die beiden wollten alles verkaufen!

Sie müssen ja nicht zustimmen.

Solang ich hier bin, schon.

Draußen regiert jetzt meine Frau.

Herr Wendler, haben Sie gewusst,

dass Ihre Frau und Dr. Perschawa eine Beziehung miteinander haben?

Ja.

Wie stehen seine Chancen, dass er rauskommt?

Er hat bei der Anhörung einen guten Eindruck hinterlassen.

Die Entscheidung fällt demnächst.

War der Herr Perschawa deshalb hier?

Es ist ein gutes Zeichen, dass Herr Wendler

ihn nicht mehr als Feind gesehen hat, sondern wieder als besten Freund.

Es tut mir sehr leid, dass ich damals meine Frau verprügelt hab.

Aber ich hab nie versucht, sie umzubringen.

Hat er sonst noch Kontakte nach draußen gehabt?

Besuche hat er nur von der Sekretärin seines Vaters bekommen.

Die kommt jede Woche.

Ich gebe Ihnen eine Aufstellung seiner Besuche und Telefonate.

Ja, danke. Was wird er machen, wenn er draußen ist?

Zunächst lebt er in einer betreuten Wohnstätte.

Und hat strenge Auflagen, vor allem was seine Frau betrifft.

Was passiert mit Ihrer Frau, wenn Sie hier wieder rauskommen sollten?

Was glauben Sie?

Dass ich sie mit der Kettensäge zerlege und an die Tauben verfüttere?

Meine Frau und ich - wir haben unsere Zeit gehabt.

Eine sehr gute Zeit und eine sehr schlechte Zeit.

Ich hab mit der Vergangenheit abgeschlossen.

Nach meiner Entlassung werden wir getrennte Wege gehen.

Friedlich.

Wiederschaun.

Und wie ist er denn so?

Die Psychiaterin ist ganz begeistert von ihm.

Wenn's nach ihr ginge, wär er morgen schon draußen.

Ich glaub, dass der Typ hochintelligent ist.

Was sagt uns das jetzt?

Man hat ständig das Gefühl, dass er mit einem spielen will.

Wenn rufst du an?

Den Fiala.

Labor, Dr. Fiala.

Hallo, da is die Bibi. Gib mir den Fiala!

Major Fellner.

Hallo. Ja, ich hab grad die Kugeln vermessen.

Kaliber 6,36.

Ein kleines, ja.

Passt es zu der Tatwaffe?

Ja, die Walther PP22Q stimmt mit den Projektilen überein.

Super! Hallo?!

Hallo? Hallo?!

Aufgelegt, super!

Funkloch.

Manieren ham die auch keine mehr!

Ja, das passt.

Das heißt, wir haben die Wendler?

Ruf im Büro an. Sie sollen einen Haftbefehl ausstellen.

Und eine Hausdurchsuchung mit dazu.

Besorgen Sie mir einen ordentlichen Strafjuristen! Und zwar sofort!

Ich muss Sie bitten, uns aufs Revier zu begleiten.

Was soll das?!

Kommen Sie!

Fühlt sich komisch an.

Das is nur Routine.

Um Sie von den Verdächtigen auszuschließen.

Wie lange arbeiten Sie schon für den Wendler-Konzern?

Seit ich die Handelsakademie abgeschlossen hab.

Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen:

Ein ganzes Leben für eine Firma!

Seit über 40 Jahren arbeite ich schon für die Familie Wendler.

Pickt.

Danke.

Danke, Frau Kollegin.

Bitte.

Wie gut kennen Sie Frau Wendler?

Sie war fast täglich im Büro, wie der Junior-Chef noch da war.

Später dann weniger.

Sie macht ihre eigenen Geschäfte.

Können Sie sich vorstellen, dass sie was ...

.. mit dem Tod von Herrn Perschawa zu tun hat?

Man kann in keinen Menschen hineinschauen.

Aber ...

Ja!

Ja, ich kann mir das vorstellen.

Sie hat ja auch ihren Mann in die Anstalt gebracht.

Fertig?

Äh ... oh ja! Danke.

Ah, Ihre Jacke!

(flüsternd:) Scheiße, jetzt bin i auch schwarz.

Grüß Sie.

Grüß Sie.

Frau Wendler, möchten Sie was trinken?

Gut.

Dann könn'ma anfangen.

Frau Wendler ...

Sie ham doch eine intime Beziehung zu Viktor Perschawa g'habt, hm?

Wir waren Freunde.

Und Geschäftspartner.

Ich hab ihn um Hilfe gebeten, wie Peter sich so verändert hat.

Ich hab gedacht, gemeinsam können wir ihn zur Vernunft bringen.

Irgendwann waren wir dann plötzlich verliebt.

Wie hat Ihr Mann darauf reagiert?

Er ist durchgedreht, er hat auf mich eingeprügelt.

Er hat mich die Treppe runter- gestoßen, er wollte mich umbringen!

Sie waren die Letzte,

mit der Dr. Perschawa vor seinem Tod telefoniert hat.

Worum ging's in dem Gespräch?

Das ist vertraulich.

Frau Wendler,

was ist an diesem besagten Abend vor seinem Tod schief gelaufen?

Es hat doch einen Streit gegeben.

Wegen dem Arbeitsunfall in der Chemiefabrik.

Sie haben Dr. Perschawa mit dieser Waffe bedroht.

Dazu wird meine Mandantin nichts sagen.

Das war ein Spiel, ein blödes Spiel!

Herr Kumar hat ausgesagt, dass er das Haus um 17 Uhr verlassen hat.

Er kann Ihr Alibi nicht bestätigen.

Ich habe Viktor nicht getötet! Ich hab ihn geliebt!

Auf der Tatwaffe sind aber nur Ihre Fingerabdrücke.

Ich weiß nicht, was da abläuft!

Ich kann Ihnen sagen, was abgelaufen ist.

Dr. Perschawa hat Ihnen mitgeteilt, dass er den Verkauf

des Wendler-Konzerns und der Patrona TEX vorläufig auf Eis legt.

Jemand hätte die Waffe entwenden können!

Das Alibi vom Gupta Kumar ist bestätigt.

Unabhängig von seinen Freunden, mit denen er die Nacht verbracht hat.

Es gibt eine Aufnahme, die zeigt,

wie er um 18 Uhr 30 in Floridsdorf aus dem Bus steigt.

18 Uhr 30? Da hat er lang gebraucht von der Villa bis nach Floridsdorf.

Stimmt.

Es reicht für heute! Meine Mandantin ist völlig am Ende.

Tut mir leid, wir haben noch einiges zu klären.

Frau Wendler, wir ham im Büro von Herrn Dr. Perschawa

einen unterschriftsreifen Vertrags- entwurf gefunden.

Aus dem ist ersichtlich, dass ein Investor bereit war,

80 Mio Euro für den Wendler-Konzern und die Patrona TEX zu zahlen!

Das Geschäft ist leider geplatzt.

Ja, genauso wie Ihr Traum vom großen Geld.

Und vom schönen Haus in der Karibik.

Aber warum ist dieses Geschäft gescheitert?

Vielleicht weil Dr. Perschawa mit Ihren Geschäfts-Praktiken

bei Patrona TEX nicht einverstanden war?

Oder weil ihm klargeworden is,

dass Sie für ein paar Cent mehr in der Tasche über Leichen gehen?

So stellen Sie sich die Welt in Ihrem kleinen Beamtengehirn vor?!

Ist das Ihre Unterschrift?

Zur Patrona TEX wird meine Mandantin nichts sagen.

Dieses Schreiben belegt:

Vor acht Monaten haben Sie den Einkaufspreis um 30 % gedrückt

und die Lieferung von minder- wertigem Material akzeptiert.

Trotzdem haben Sie die Preise für die höchste Schutzklasse kassiert.

Bei der Hausdurchsuchung haben wir Ihren Ehevertrag gefunden.

Der besagt, dass Sie im Falle einer Scheidung keinen Cent bekommen!

Aber solange Ihr Mann in der Anstalt sitzt, haben Sie und Dr. Perschawa

die volle Geschäftsgewalt über das Wendler-Imperium gehabt.

Sie wollten alles verkaufen, bevor er wieder rauskommt!

Dann hat Ihnen Dr. Perschawa einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Sie sind nach dem Telefonat zu ihm ins Büro gefahren,

um ihn zu überreden, den Verkauf doch noch durchzuziehen.

Sie haben Ihre Waffe mitgenommen,

um Ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen. Und dann - peng!

Auf diesen Unsinn wird meine Mandantin nicht antworten!

Unsinn?

* Eisner beginnt zu lachen. *

Ganz ehrlich, ich versteh Sie nicht, Frau Wendler.

Warum begehen Sie einen Mord?!

Eine Frau wie Sie braucht nur auf die nächste Party gehen

und ein bisschen mit dem Hintern wackeln.

Und - schwuppdiwupp - haben Sie einen neuen Gönner!

Halten Sie den Mund, Sie Idiot!

Wissen Sie, was ich geleistet habe für diesen verdammten Konzern?!

Ohne mich wären die längst bankrott, ohne mich und meine Patrona TEX.

Peter wollte sich seine Hände nicht schmutzig machen.

Aber MEIN Geld hat er in seine Projekte gesteckt.

Von denen eines nach dem anderen den Bach runtergegangen ist.

Wissen Sie, wie man sich fühlt, wenn man nichts mehr richtig macht?

Wenn man alles tut, um jemandem zu helfen,

und dieser Jemand wirft einem nur Prügel zwischen die Beine?!

Ich geh jetzt, ich hab noch viel zu tun.

Nein, nein.

* Sabrina Wendler hat einen hysterischen Weinkrampf. *

Jetzt simma fertig.

Abführen.

Lassen Sie mich los!

Beruhigen Sie sich!

Greifen Sie mich nicht an!!!

Au! Ah!

Du, Moritz!

I hab die Besucher- und Telefonliste aus der Anstalt bekommen.

Vor sechs Monaten war der Gupta Kumar beim Peter Wendler.

Zwei Mal sogar, innerhalb von zwei Wochen.

Woher kennt er den?

Das hab ich mich auch gefragt.

Zuerst hat er für Perschawa im Büro gearbeitet.

Seit 13 Monaten is er bei Frau Wendler. I lad ihn vor, ja?

Herr Kumar!

Bitte.

Wie Sie wissen, ermitteln wir im Mordfall Perschawa.

Sie müssen uns alles sagen.

Ihr Kollege hat die Namen von meine Freunde.

Ja, wir haben das überprüft.

Ich hab eine andere Frage:

Woher kennen Sie Peter Wendler?

Ich kenne vor allem seinen Namen.

Wegen die Fabrik.

Und weil die Firma mir geholfen hat, hierher zu kommen.

Warum haben Sie ihn in der Anstalt besucht?

Ich wollte mich bedanken für die Unterstützung vom Wendler-Konzern.

Damit werde ich Ingenieur studieren und zu Hause sichere Häuser bauen.

Zum Bedanken muss man nicht zwei Mal in die Anstalt fahren.

Tragen Sie immer Handschuhe?

Meine Hande sind nicht schön.

Wir brauchen trotzdem Ihre Fingerabdrücke.

Das war das Feuer in die Wendler-Fabrik.

In dem meine Eltern umgekommen sind.

Peter Wendler hat mir hier eine Chance gegeben.

Soll ich Ihnen helfen?

Nicht notig.

Wie schaut es aus mit der Anklage-Erhebung?

Tatwaffe, Fingerabdrücke, Motiv.

Kein Alibi!

Zeugen, die Frau Wendler zur frag- lichen Zeit am Tatort gesehen haben?

Noch keine.

Es gibt vier verschiedene Eingänge!

Und diese Frau hat überall Schlüssel.

Ja, ja, alles Indizien.

Kriegen wir noch ein Geständnis?

Damit schaut's schlecht aus.

Es ist logisch, dass sie den besei- tigt, der das Geschäft kaputt macht.

Diese Frau war skrupellos genug,

um den Tod von Menschen in ganz Europa in Kauf zu nehmen.

Das ist eine andere Baustelle.

In der Sache Sabrina Wendler reichen die Indizien vorerst.

Gut! Ihr hörts von mir.

Wiedersehen.

Wiedersehen.

(Eisner lacht hämisch.)

(Ist das Ihre Unterschrift?)

(Warum begehen Sie einen Mord?!)

(Dass Sie im Falle einer Scheidung keinen Cent ...)

(Sie haben Ihre Waffe mitgenommen, und dann - peng!)

(Jetzt simma fertig.)

Sehr schön!

Machts es gut.

So, den Rest des Weges schaffen Sie bestimmt allein.

Das hab ich alles Ihnen zu verdanken.

Das haben Sie vor allem sich selbst zu verdanken.

Machen Sie's gut, Herr Wendler. Halten Sie sich an die Auflagen.

Ich will Sie hier nicht wiedersehen.

Ich tu mein Bestes. Wiederschaun.

Gupta. Danke.

Könnten Sie uns bitte nachfahren?

Ich würd gern noch jemanden besuchen, bevor Sie mich ins Wohnheim bringen.

Ginge das? Danke.

Alles Gute für dein neues Leben!

Danke.

Es ist so schön, Sie wieder hier zu haben!

Und Sie ist ...?

Dort, wo sie hingehört.

Alles nach Plan.

Danke.

Dir g'fallt das alles ned.

Dir doch auch nicht, oder?

Na ja ...

Bibi, das is alles ...

Wenn die Frau ihn umgebracht hat:

Warum hat sie die Tatwaffe ned ein- fach in den Donaukanal geschmissen?

Dann hätt'ma sie nie gefunden!

Stimmt. Der Tatort is ned einmal 500 Meter weit weg.

Warum verbrennt sie die Patrona TEX-Papiere ned?

Sie lässt sie ganz ordentlich neben dem Mistkübel. Damit wir sie finden?

Diese Frau macht diese Fehler ned.

Und der Knopf vom Tatort hat zu keiner von ihren Jacken gepasst.

Die Wendler is ned blöd.

Die wirft ned die Jacke weg und behält sich die Tatwaffe.

Eben.

Und dieser Gupta Kumar is auch irgendwie komisch.

Er hat überall im Haus Zugang.

Er kann die Tatwaffe holen und wieder zurückbringen. Unbemerkt.

Wenn seine Freunde ihm das Alibi geben.

Was is mit dem Alibi von der Schneider?

I hab's überprüft.

Die war kurz vor acht bei der Chorprobe und bis zum Ende da.

Hat sie nicht gesagt, sie war zu Hause, um sich umzuziehen?

Sie kann sich auch woanders umgezogen haben.

Frau Schneider!

Wissen Sie, was wir gar nicht mögen?

Wenn man uns anlügt!

Was ... was meinen Sie damit?

An diesem besagten Abend sind Sie nicht nach Hause gefahren!

Sie haben hier auf Dr. Perschawa gewartet!

Wir sind überzeugt, dass Sie Dr. Perschawa erschossen haben!

Und dabei haben Sie einen Knopf von Ihrer Jacke verloren.

Den haben wir hier mit Blutspuren von Dr. Perschawa gefunden.

Dann haben Sie sich in Ihrem Büro umgezogen

und sind zu Ihrer Chorprobe gefahren.

Wenn wir bei Ihnen zu Hause nachschauen,

dann find'ma die Jacke zum Knopf.

Wissen Sie, wer Ihnen geholfen hat?

Herr Gupta Kumar!

Er hat die Waffe aus der Villa geholt und wieder zurückgebracht.

Lassen Sie den armen Kerl in Ruh!

Das ist Beihilfe zum Mord!

Er hat nichts damit zu tun!

Womit? Womit zu tun?!

Es geht um Treue.

Um Loyalität.

Pflichtbewusstsein, Frau Schneider.

Ja!

Die Frau Wendler und Dr. Perschawa wollten alles ruinieren,

was die Familie Wendler in Jahrzehnten aufgebaut hat.

Ich hab getan, was ich tun musste!

Ein Leben für die Wendlers.

Danke.

Frau Schneider, wer setzt Sie denn so unter Druck?

Hm?

Niemand!

Niemand!

Sie sind doch nicht ganz alleine auf diese Idee gekommen!

Doch.

Doch!

Ich hab mir das alles allein ausgedacht.

Ich übernehm dafür die Verantwortung; jetzt lassen Sie mich in Ruhe!

Ja.

Ich brauch einen Durchsuchungsbeschluss.

Elisabeth Schneider.

Taborstraße 16, zweiter Bezirk.

Ja. Mach's a bissl eilig.

Sie können gehen.

Sie erwarten sich aber nicht, dass ich mich bei Ihnen bedanke?!

Das wird Folgen haben, dass Sie mich zu Unrecht festgehalten haben.

Ja, schon möglich.

Wegen der Patrona TEX melden sich die Kollegen der Wirtschaftspolizei!

Du hättest im Gefängnis bleiben sollen!

Sicherheitshalber!

Liebe Trauergemeinde!

Wir sind heute hier versammelt,

um von unserer geliebten Schwester Roswita Mader Abschied zu nehmen.

Herr, schenke unserer Roswita deinen ewigen Frieden.

Unsere Herzen sind heute bei ihrem Ehemann, Helmut.

Herr, schenke ihm Trost und Frieden in dieser schweren Stunde.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und Heiligen Geistes.

Mein Beileid!

Es tut mir so leid, was mit Ihrer Frau passiert ist.

Ich hoffe, ich hab ein bissl für Gerechtigkeit sorgen können.

Ich wär dann soweit.

Ach ja, meine Frau, die ... ist zu Hause.

Aber keine Sorge, die ... die läuft nicht weg.

ORF 2015

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