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Original subtitles

Mandelkern. Sprechen Sie nach...

Ja. - Was ist das? Was habe ich?

- Ein akutes HELLP-Syndrom vermutlich. - Was heißt das?

Die Unterlagen von Frau Dr. Illner. Labetalol ist vermerkt.

Ihr Blutdruck ist extrem hoch, was die Versorgung des Kindes gefährdet.

Darum führen wir jetzt einen Kaiserschnitt durch.

- Puls? - 110.

- Sättigung? - 93.

- Blutdruck? - 150 zu 100.

Hey.

- Wir kennen uns irgendwoher, oder? - Guten Tag, mein Name ist "Mhm".

Ich rufe an für die Firma ABC, Markt-und Meinungsforschung.

Ach, die Walmart-Studie.

Ja.

Du bist Daniel, richtig? Der Platz am Fenster?

- Wie lange ist denn das... - 4 Jahre. Sommer 99.

Letztes Jahrhundert quasi. Du warst plötzlich einfach weg.

Ja, na ja, der Job war aber auch scheiße.

Ja. Ich war da auch nicht mehr lange, nachdem ich die Sätze geträumt habe.

Wohnst du hier? Gehen wir mal einen Kaffee trinken?

Kannst du dir was merken?

- 0173 5217777. - Klar.

0173 5217777.

Elisabeth.

Ich habe mich auf multiresistente Pathogene spezialisiert

und schreibe wieder an meiner Doktorarbeit.

Und du? Kannst du von hier aus arbeiten?

Ich meine, du hast so ein gutes Auge für Menschen.

Ja, ich habe eine Galerie in Mailand.

So komme ich ab und zu mal raus. Mir gefällt's, etwas abseits zu leben.

Ja... Aber ist es für länger?

- Morgen. - Morgen.

Ich dachte schon, du bist davongeflogen.

Ich schwimme lieber.

Morgen.

Kannst du rudern? Also, richtig rudern?

- Nee. - Aber genau das willst du doch, oder?

Mit dem Autor in einem Boot?

Komm.

Ja. Wahrscheinlich schon.

Und... jetzt.

Und... jetzt.

Jetzt.

Jetzt. Was ist denn los? Taktgefühl ist nicht so dein Ding, oder?

Komm, noch mal. Nach vorne, Auslage senkrecht, jetzt.

Und was ist mit deiner Frau, Mandelkern?

Du erinnerst dich?

Ja.

Sie hat bei der Preisverleihung kluge Worte über mein Buch gesagt.

Was ist los? Schon fertig?

Das war ich.

Ich habe die Rede damals geschrieben.

Dein Buch bedeutet mir was, deswegen bin ich hier.

- Warum fickst du dann mit Tuuli? - Was?

Warum fickst du mit Tuuli?

Was soll denn das?

Frage ich mich auch.

Komm, nicht nachlassen.

- Nee, keinen Bock. - Wie, keinen Bock?

- Ich schwimme lieber. - Wir sind mitten auf dem See.

Ich ertrinke schon nicht.

- Und du leitest jetzt das Feuilleton? - Ja.

Also, den Literaturteil, ne?

Und du? Ethnologe, oder?

Kulturanthropologe, genau genommen.

Habe gerade meine Dissertation abgegeben.

Ah. Und worum geht's?

"Stéphane Bretons 'Them and me':

Authentizitätsstrategien in ethnografischen Filmen."

Wow. Und worum geht's?

Dass der Beobachter das, was er untersucht,

durchs Beobachten beeinflusst.

Aha, also wenn ich dich jetzt angucke,

veränderst du dich, oder wie?

Dann werde ich größer, klar. Und schlauer.

Hm?

Das sind...

sehr, sehr viele Bücher.

3.277.

Seitdem ich in einer Literaturredaktion arbeite,

komme ich gar nicht mehr zum Lesen.

Ich mache gar nichts anderes.

Ich lese... Ich warte... Ich lese.

Hast du die echt alle gezählt?

Gezählt schon.

Du kommst mir vor wie jemand, der Strichlisten führt.

Aber es stimmt ja auch.

Bücher, Jobs, Frauen.

Du bist die Zwölfte.

Die zwölfte Frau?

Carolina, Nadine, Tanja, Reingard, Katrin...

Hanna, Aishe, Caro, Eva, Anna, Laura, du bist Nummer 12.

Das lässt sich ja fast an einer Hand abzählen.

Bin ja auch noch jung.

Ich bin verheiratet.

Wo willst du denn hinschwimmen? Nach Marone?

- Was? - Du willst nicht drüber reden.

Nicht über deine Frau, nicht über Tuuli.

Verstehe ich.

Natürlich verstehst du. Du willst ja auch nicht drüber reden.

Nicht über "Astroland", nicht über dein neues Buch, nicht über Felix.

Du wirst nichts schreiben über mich.

Und auch nichts über Felix.

Oder uns hier, am See.

"Der Mann hat sich vollgepisst, er sagt nichts

und schreit nicht, er ächzt leise.

An seinen Ärmeln Staub und dunkles Blut.

Aus einem fransigen Loch in der Bauchmitte helleres Blut.

Die Polizeiuniform ist aufgerissen und nass.

Die Haare an seinem Oberkörper kleben zusammen,

wie die Federn von Möwen in Öl."

Mhm. - Ich finde es ziemlich gut.

Eine noch.

"'Mit uns und den Biermarken geht es bergab', sagte Lua.

Und als ich auf dem Dach von 37 Lorimer Street ankam,

sah Tuuli von Felix' Mund auf."

'Wir sind nicht allein', log sie. 'Wir sind zu dritt'."

Ich würde gern was darüber schreiben.

Für die Zeitung?

Ja.

Warte mal, du hast da was.

Da.

So.

Darfst dir was wünschen.

Dann bin ich ja deine Chefin, was?

Ciao.

Ciao! Ihr kommt zum Fest, oder?

- Natürlich. - Wunderbar.

- Ciao. - Ciao.

Tuuli!

Heute wurde der vermisste Tourist gefunden.

Am Westufer.

Er ist ertrunken.

- Und? - Felix wurde nie gefunden.

Ich sagte deinem Journalisten, dass ich nicht glaube, dass Felix ertrunken ist.

Was?

Warum? Warum sprichst du mit ihm über Felix?

Wo ist denn seine Leiche?

Es war ein Unfall, Laura.

Nein, Tuuli, das glaube ich nicht.

Die Polizei hat doch alle lang und breit befragt.

- Mark, Conti... - Conti!

Was? Was, "Conti!"?

Er war auf dem See. Ich habe sein Boot gesehen.

- Warum? - Warum? Er hat Felix gesucht.

Als alle Felix suchten, war Conti in der Bar und hat gesoffen.

Er ist danach ein anderer geworden.

Laura, hör auf damit.

Wir haben Felix verabschiedet. Samuli und ich.

Und wir sind hier, weil wir es endlich abschließen wollen.

Ich vermisse ihn auch sehr.

Ich hatte Angst, zurückzukommen und...

das alles hier wiederzusehen.

Alles erinnert irgendwie an Felix.

Conti, wie war das damals genau?

Was hat Felix gesagt, bevor du gegangen bist?

Du warst der Letzte, der ihn gesehen hat.

Wollte er sich...

Oder vielleicht gab es da noch was?

Mir fehlt Felix.

Ich erinnere mich,

wie Felix und sein Vater in die Werkstatt gekommen sind.

Sie hatten unser altes Haus gekauft und wollten ein Boot.

Mein Vater mochte die Blaumeisers nicht. Er mochte die Deutschen nicht.

Felix und ich waren am Steg.

Wir haben Steine geworfen auf die... Das war bescheuert.

Auf die Schwäne.

Wir waren klein.

9 Jahre.

Ich wollte sie nicht treffen, aber einen Schwan habe ich am Kopf getroffen.

Er flatterte wie verrückt

und trieb dann halb tot im Wasser.

Mein Vater wollte mich verprügeln, aber Felix hat gesagt,

er hätte es getan.

Ich vermisse Felix.

Er hat das nicht verdient.

Auf...

deine Scheidung?

Prost.

- Was ist? - Ach, ich weiß nicht.

Keine Ahnung, ist komisch irgendwie, ich meine...

Ich habe Jan echt geliebt, wirklich, und...

Jetzt stehe ich hier mit dir, geschieden und...

Und was?

Ich frage mich, ob das immer so ist, ob...

Ob man immer irgendwann stecken bleibt und es nicht mehr weitergeht.

Wie wird das bei uns sein?

Fängt doch gerade erst an.

Wir fangen doch gerade erst an.

Los, komm.

Machen wir doch gut.

Ich muss dir was sagen.

Na, was?

Ich weiß nicht, wie. Keine Ahnung, wie du das findest.

Sag schon. Ich werde es schon verkraften.

Auf Schlittschuhen verkrafte ich eh alles.

Wir sollten heiraten, Mandelkern.

- Was? - Ja, warum nicht?

- Ja, warum nicht? - Ja.

- Vorsicht bitte. - Ja.

Noch ein bisschen weiter geradeaus. Und ein kleines Stück nach links.

Noch ein bisschen geradeaus. Geradeaus.

Geradeaus. Geradeaus. Geradeaus. Und jetzt: Augen auf.

Was ist denn hier los?

Überraschung.

Überraschung gelungen.

Ich dachte, wir fangen von vorne an. Ich habe alles abholen lassen.

Du bist ja irre.

Das kostet doch ein Vermögen, oder?

Ist doch egal.

Wir brauchen doch nicht viel. Hier: Tisch, Sofa, Bücher.

- Lass mich mal runter. - Ok. Aber Vorsicht.

Ja.

- Geht's? - Ja.

Ok?

Und jetzt...

Das ist das Kinderzimmer.

Wahnsinn.

- Das Zimmer, meine ich. - Ah, verstehe.

Sie sind auch nicht schlecht, Frau Mandelkern. Emmerich-Mandelkern.

Herr Emmerich...

Mit beiden Armen halten. Genau. Ganz langsam.

Es rutscht weg. - Und jetzt ganz still halten.

Und dann mit einem Schwung rauf.

- Ja. So. - Und...

- Jetzt. - Super. Ich lasse mal los.

Jetzt mache ich mal einen Purzelbaum.

Sehr gut, das könnte ich nicht. Lass mich mal probieren.

Äh, Daniel? Das Krankenhaus hat angerufen.

- Die Chefin... - Was? Wann haben die angerufen?

- Vor einer Stunde oder so. - Vor einer Stunde?

Scheiße.

Daniel.

Hey.

Hey.

Was ist denn los? Ich weiß gar nicht...

Der Herr Doktor Neumann kommt gleich.

Ich habe auch schon mit dem Arzt gesprochen, der...

Der hat den Kaiserschnitt gemacht.

Was ist los, wo...

- Wo ist... - Elisabeth.

Was ist?

Frau Emmerich.

Ich muss Ihnen leider...

Für Ihren Sohn sind die Maßnahmen leider zu spät gekommen.

Wie, zu spät?

Die Zeit hat nicht gereicht.

Bei so einer Präeklampsie ist es...

Da kann es vorkommen,

dass die Versorgung des Kindes über die Plazenta bereits Stunden vor...

Was?

Gut, ich...

Ich lasse Sie jetzt alleine.

- Er ist... Ist gut.

Er ist tot, oder was?

- Oh nein. Nein! - Ruhig.

Nein!

Nein!

Entschuldigung.

- Herr Emmerich. - Entschuldigung.

Meine Frau, wir...

Wir möchten unseren Sohn sehen.

Ja.

Ich bin gleich nebenan. Klingeln Sie einfach.

Komm mal her.

Guck mal, die haben gar nicht den Namen drangeschrieben.

Hast du einen Stift?

- Nein. - Guck mal. Guck mal nach.

Geht's noch, oder ist es jetzt zu kalt? Geht noch, oder?

Sehr gut!

- Kannst du noch? - Ja.

Ich schiebe dich raus. Stell dich mal gerade hier in die Mitte.

Du musst ahnen, wo der Schwerpunkt ist.

- Stehst du gut? - Ja.

Jawohl! Super. Hammer.

Daniel? Kannst du kurz hochkommen? Ich brauche mal deine Meinung.

Klar.

- Hast du schon einen Titel? - "Severe Clear".

Das sagen Piloten zu knallblauem Himmel. Wenn man alles sehen kann.

Den Moment beschreibt Svensson im Buch.

Ja, das hat sein Herz gebrochen. Das mit Tuuli und Felix.

Da habt ihr euch gerade kennengelernt.

Was ist das mit Tuuli und dir?

Ähm...

Ich habe keine Ahnung.

Du solltest es rausfinden.

Also, was denkst du für New York?

Das, das... und vielleicht das.

Das wollte ich euch zeigen.

Was sagt ihr?

Zu was?

Zum Arctic Circle.

Der Arctic was?

Der Arctic Circle. Der Polarkreis.

Ja, der Polarkreis.

Ja, wow. Ok...

Das ist... beeindruckend. Ich gehe mal pinkeln.

Du Idiot.

Also, von hier kommst du also.

Hier ist es eiskalt, ich weiß.

Aber es ist meine Heimat.

Kaisa und...

das Haus und alles.

Ich habe hier nie gefroren.

Hey, Leute! Kommt mal her. Seht mal!

Seht mal.

- Was? - Der Pullerkreis.

- Was? - Er hat einen Witz gemacht.

- In Deutschland haben wir... Nein! - Ihr beiden Vollidioten.

Warte, ich kriege dich!

So, jetzt...

Juhuuu!

Also, wie war es mit Mark?

Hast du dein Interview?

Er hat gefragt, ob wir ficken.

Felix ist immer hier hochgekommen, weil...

er hier das Gefühl hatte, dass er mittendrin ist.

Zwischen Himmel und Erde.

Und Wasser.

Dass die Welt dann um ihn herumliegt.

Er war immer mittendrin.

Ich hätte damals hier sein sollen, das weiß ich, aber...

Aber irgendetwas stimmt hier nicht,

und ich denke die ganze Zeit darüber nach, aber...

Ich weiß nicht, was es ist.

Was denkst du?

Es ist kein Zufall, dass wir uns getroffen haben.

Du gehörst jetzt hierher.

Karvasmanteli.

Ok, sonst noch Vorschläge? Frau Dill wollte noch...

- Ok. Ich habe da was angedacht.

Ja. Gut, dann...

Ich wollte das noch... Ich habe das vorbereitet.

Dachte ich es mir doch.

- Ich hatte Kopfschmerzen. - Brauchst du was?

- Tablette oder irgendwas? - Nee.

Gut.

Du bist so früh gegangen.

Es gab eine interessante Anfrage.

Hey.

Warum rennst du vor mir weg?

Ich wurde heute für die Laudatio auf Mark Svensson angefragt.

Er soll die Max-Frisch-Medaille bekommen.

Und, machst du's?

Eigentlich müsstest du das machen, du bist der Experte.

Ich brauche keine Almosen.

Außerdem wollen die die Chefin, nicht mich.

Die wollen jemanden mit Ahnung.

- Du wärst der Beste dafür. - Danke, nein.

Du hast doch eh schon zugesagt.

Oder?

Ja, unter Vorbehalt.

Und ich soll... deine Rede schreiben?

Ja.

In einem Moment ist es intime Nähe,

im nächsten das Gefühl von Distanz.

Wir nehmen am Glück und am Schmerz seiner Figuren teil.

Ihr Verlust wird zu unserem.

Ihr Leben überwältigt uns genauso wie sie.

Wir spüren dieses Leben mit all seiner Wucht.

Mark Svensson schreibt mit außergewöhnlicher Kraft.

Seine Geschichte ist vielleicht erfunden,

aber sie ist wahrhaftig.

Die große Liebesgeschichte von Tuuli, Felix und Mark

geht uns alle an.

Wie sie hoffen, begehren,

zerbrechen.

"Astroland" lässt uns glücklich zurück.

Verzweifelt, wild entschlossen, ratlos.

Vielleicht ist ein anderes Leben ein besseres Leben.

Mark Svensson ist ein würdiger Preisträger

im Sinne von Max Frisch.

Danke fürs Kommen.

- Für? - Lisa, bitte.

Nicht schlecht, oder?

Was meinst du?

Ein so kleines Buch macht einen so groß. Mal ehrlich: die Frisch-Medaille?

Harnisch, darf ich mal kurz meinen Mann ausleihen?

Komm mal mit. Ich will dich Mark Svensson vorstellen.

Oh... - Ja.

Herr Svensson? Mein Mann, Daniel Mandelkern.

Alles, was ich über Sie sagte...

- Freut mich. - Danke fürs Kommen.

- Ich habe Ihr Buch... - Entschuldigung, ich muss.

- Frau Emmerich, eine Frage. - Ich komme sofort, ja?

Ich glaube, ich gehe.

- Ich bleibe noch kurz, ja? - Klar. Klar.

Ok. Bis gleich.

- Macht er richtig gut. - Ja.

Er hat viel Sport gemacht im letzten Jahr.

Das hat ihm richtig geholfen, nach alldem.

Bald macht er das alleine.

Aber ich habe immer gedacht, dass Felix das mit ihm machen würde.

Huhu!

- Hey! Super.

Ich habe heute Laura getroffen.

Und sie sagt, dass Felix nicht ertrunken ist.

- Was? - Ja.

Wieso, was hat sie denn gesagt?

Dass die Polizei nicht gut gearbeitet hat und...

auch etwas über Conti.

- Über Conti? - Ja, dass...

Etwas darüber, dass er sich so verändert hat.

Dass er am letzten Tag ganz betrunken in die Bar gekommen ist.

Laura ist eine traurige Figur.

Die hat doch hier jedem immer erzählt, was sie damals mit Felix alles...

Sie kommt nicht über seinen Tod hinweg.

- Und wenn sie recht hat? - Womit denn?

Dass Felix nicht ertrunken ist.

Die Polizei hat das damals alles geklärt.

Nachdem Conti weg war, muss Felix rausgefahren sein,

und er war wahrscheinlich sehr, sehr betrunken.

Ich weiß, wie weh das tut.

Aber wir müssen damit klarkommen, ob wir wollen oder nicht.

Felix ist tot.

Aber wir, wir leben. Du, Samuli...

Hey, guck mal! Guck mal, was ich kann!

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