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Original subtitles

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2015

* Tatort-Titelmelodie von Klaus Doldinger *

* Getragene Streicher: "Deutsche Nationalhymne" von Joseph Haydn *

* Getragene Streicher: "Deutsche Nationalhymne" von Joseph Haydn *

* Getragene Streicherklänge *

* Verklingende Streicherklänge *

* (Polizeifunk) Kannst du näher ran? *

Nee, geht nicht.

Versteht ihr, was sie sagen?

* Nicht wirklich. *

* Okay, was passiert da jetzt? *

Ich glaub, die kiffen. * Funkdisziplin. *

(Stöhnt) Ach ja.

Wissen Sie schon, was Sie machen?

Wie, was machen? Wann?

Am langen Wochenende, ist doch Tag der Einheit.

Sehe ich aus, als ob ich Tag der Einheit feiere?

Ich fahre nach Hamburg.

Und Sie? Nach Schwerin, zu meinen Eltern.

Becker, jetzt gibt er ihm was - 'nen Umschlag.

* Sind das die Pässe? *

Kann ich doch nicht erkennen.

Sind die Typen das jetzt oder nicht?

Ist deine Quelle!

# Sollen wir oder sollen wir nicht? #

Okay, Zugriff.

(Flüstert) Oh, shit.

* Glasklirren *

Halt! Stehen bleiben! Polizei!

Police! Stopp!

Stopp!

Stopp!

Stopp!

Police! Stopp!

(Außer Atem) Hände hinter den Kopf.

Hands up.

* Handschellenrasseln *

* Schlag *

Lorenz!

Du Wichser!

Du Wichser!

* Stöhnen *

* Kräftige Schläge *

Falke, hören Sie auf!

* Schlag *

Hören Sie auf!

Scheiße, hören Sie auf!

* Handschellenklicken *

Becker? * (Funk) Hört. *

Wir fahren zur Wache Salzgitter-Lebenstedt.

Meldest uns an, damit die den Gewahrsam vorbereiten?

* Verstanden. *

* Düstere Streicherklänge *

Kannst sie anmelden. - Die von der Bundespolizei sind da.

Hallo?

Andrej! Kann mal jemand kommen, bitte?

* Stimmengewirr *

Lass die Scheiße, ja! - Hier geht's lang.

Der braucht 'nen Arzt.

* Poltern *

Umdrehen.

Ich wisch Ihnen das Blut ab.

Der ist voll bis obenhin.

Wieso trennt ihr euch? Eigensicherung, Falke.

Was ist passiert?

Hat sich massiv widersetzt, die Kollegin niedergeschlagen.

Und die Pässe, wo sind die?

Das ist alles? Das ist alles scheiße.

Wo haben Sie Schmerzen?

Wir bräuchten unten einen Arzt. Okay.

Hier ist Maria von der Leitstelle,

wir bräuchten dich für 'ne Blutprobe.

Schwarzafrikaner.

(Leise) Du machst immer nur Ärger.

Zellentauglich. Sicher?

Der ist nur betrunken.

Schlucken ganz schön was weg, was sie am Ende nicht vertragen.

* Lautes Stöhnen *

* Stöhnen *

Das ist ein anderer Name.

Djibril Ananibali.

Pack die Technik zusammen, wir sehen uns morgen.

Ruhig, ruhig.

* Bellen *

Guten Abend.

Hier Ihre Schlüssel.

Was denn?

Dachte, Sie sind schwer verletzt, der hat sie niedergeschlagen.

Da kommen zwei Weiße auf ihn zu.

Wir hätten Rechte sein können.

Wir haben Polizei gerufen. Können die auch.

Ach, Quatsch!

Sie haben auf ihn eingedroschen wie verrückt.

Es ist Nacht, die sind schwarz.

Ach so, alles klar.

Der Typ ist der Hauptkontaktmann vom Ring internationaler Schleuser.

Gut zu wissen.

Sah für 'nen Moment anders aus.

(Laute Schreie) Ahhh! Nein!

Du musst stillhalten, sonst tut's dir weh.

No! No! No! - Ja, ja.

* Afrikanisch * Ja ja, mutebutaka ...

Was habe ich getan?

* Türknallen und Schlüssel *

* Unverständliche Schreie *

(Im Hintergrund) * Was hab ich getan? *

* Türknallen *

(Aus dem Hintergrund) * What did I do? *

* Düstere Streicherklänge *

* Tiefes Ausatmen *

* Schnelles Türklopfen *

Ja? * Falke, ich bin's. *

Becker hat gerade angerufen, wir haben den Falschen.

Was?

Nicht Gibril Baki, sondern Djibril Bali:

Namensverwechslung.

Das gibt's nicht. Doch.

Is er schon raus? Noch nicht.

Ich komm gleich.

24 Jahre alt, geboren in Mali.

Im Frühjahr 2012 nach dem Militärputsch

nach Burkina Faso geflohen, dann nach Deutschland.

Sein Asylantrag wurde abgelehnt, aber er hat 'ne Duldung.

Die wurde mehrfach verlängert.

Was is denn hier los?

* Dunkle, spannungsvolle Klänge *

* Stimmen am Einsatzort *

* Dunkle Klänge mit Akzenten aus Drums *

Alle Beamten raus.

Ich hol mal Jan und 'ne Bahre.

* Husten *

Als der Feuermelder losging, war es bereits zu spät.

Das ist Herr Werl, der Dienststellenleiter.

Hallo, Tag.

Falke, hallo.

Er hat es irgendwie geschafft, die Matratze in Brand zu setzen.

Er hat sich selbst angezündet?

Wie soll das gehen?

Frag ich mich auch, er war fixiert.

Er hätte ersticken können.

Wissen Sie, wie viele sich selbst oder uns verletzen?

Das ist nur zu ihrem Schutz.

Entschuldigen Sie, ich ...

Lasst uns hier verschwinden.

Ich hab schon mit Hamburg telefoniert.

Fangen wir wieder von vorne an. (Flüstert) Gut.

Wir können doch hier nicht weg.

Was soll das heißen?

Wir haben den gestern hochgenommen.

Gerade wenn's der Falsche war ... Falke.

Wer klärt das hier auf?

Falke, bitte.

Wer klärt das hier auf?

Wir gehen erst mal nicht von Fremdverschulden aus.

Es gibt 'ne gründliche Untersuchung.

Wer macht die, die Kumpels vom Nachbarpräsidium?

Die Innenrevision.

Lassen Sie uns das machen.

Sie sind Bundespolizei und nicht zuständig.

Wir kommen doch auch von außen.

Sie wollen doch auch, dass das schnell vorbei ist.

Ich schau, was ich machen kann.

Was?

Wenn Sie einen Vorschlag machen, fragen Sie mich vorher.

Ich mach auch alles falsch.

Denken Sie, ich weiß nicht, was das werden soll?

Sie können das nicht gutmachen, der ist tot.

* Tiefes Ausatmen *

Falke, ich mache das hier nicht weiter.

* Klopfen *

Falke, guckt euch das hier an, schreibt den Bericht.

Wir sehen uns Montag in Hamburg.

Bericht schreib ich, okay?

Hallo. Falke, Lorenz, Bundespolizei, wir dürfen uns das hier anschauen.

Seidel, ist nicht viel.

Bin fast fertig, ihr könnt reingucken.

Obwohl er fixiert war, hat er die Matratze angezündet.

Das einzig brennbare Material hier - außer dem Schwarzen selber.

Wahrscheinlich mit 'nem Feuerzeug.

* Leiser Trommelschlag * Der hatte keins.

Der wurde von zwei Kollegen durchsucht.

Haben Sie was gefunden?

Ich nehme an, es ist hier dabei, oder die Reste ...

Also dann ...

* Leise, düstere Klänge *

Moin, Nachtschicht noch da?

Keine Ahnung.

Gewahrsamsbuch, darf ich mal?

Wer ist denn Mu und wer ist So?

Frau Sombert! Herr Mutlu!

Falke, Lorenz, Bundespolizei.

Sie beide waren gestern Beamte vom Dienst, richtig? Ja.

Erzählen Sie, was passiert ist.

Heute früh sprang der Feuermelder im Gewahrsam an. Wann war das?

Keine Ahnung, kurz nach sechs?

Herr Mutlu ist dann runtergegangen.

Allein? Ja, allein.

Haben Sie vorher was gehört?

Was glaubst du, was hier nachts los ist?

Hat er geschrien? Nein.

Ja, er hat die Nacht ganze durchgerufen.

Ich muss meine Tochter abholen.

Sie sind in den Keller, und dann?

Hat's schon gebrannt.

Hat er noch gelebt?

(Lauter) Hat er noch gelebt? Ich weiß nicht.

Warum haben Sie den nicht losgemacht, sofort?

Ich hatte die Schlüssel nicht dabei.

Das kann ja wohl nicht sein.

Da ist ein Gefangener und Sie ...

Hab versucht, das Feuer zu löschen, aber es war zu heiß.

Dann bin ich hoch.

Frau Sombert hat die Feuerwehr gerufen.

Können Sie das bestätigen? Ja.

Wann war das?

Keine Ahnung, so zehn Minuten später.

Können wir das nicht später machen?

Wann ist Ihre nächste Schicht? Morgen Frühdienst. Gut.

Kennen Sie den?

Ja, wir haben einen Kurs zusammen gemacht.

Was für einen Kurs? In Hamburg 2008.

Hat einer schon die Angehörigen informiert?

Hat er überhaupt Angehörige?

Keine Ahnung, können Sie das machen? Ja.

Ich hör mich hier noch um. Okay, bis dann.

Sorry, kann ich euch einige Fragen wegen letzter Nacht stellen?

Ihr habt ihn doch durchsucht?

Sie waren dabei.

Und er hatte kein Feuerzeug?

Nein.

Ganz sicher?

Wir haben keins gefunden.

Aber wie hat er sich angezündet?

Keine Ahnung.

Wie lange sind Sie schon dabei, Kaminski, richtig?

Zwölf Jahre.

Und Sie?

Acht Monate.

Wieso?

Leute, wie kann man ein Feuerzeug übersehen?

* Tür knallt * Hör mal, da war keins!

Ich bin ein guter Polizist, klar?

Vielleicht haben wir es übersehen.

* Unverständliches Stimmengewirr und Hip-Hop-Musik *

Entschuldigung, ich suche Djibril Bali.

Kennen Sie Djibril Bali?

Entschuldigung? Djibril Bali.

Ist das das Zimmer von Djibril Bali?

Hier, Djibril Bali?

Was machen Sie hier?

Das ist das Zimmer von Djibril Bali? Was Sie wollen von Djibril?

Ich habe Sie gesehen, gestern, Ihr Mann hat Djibril geschlagen.

Wir sind von der Polizei, hat Djibril Familie? Wieso?

Er ist tot.

What did she say?

* Übersetzt in seine Muttersprache *

Er ist gestorben, wie?

Das ... das untersuchen wir noch.

Können wir jemandem Bescheid geben, hat er Familie?

* Rufen aufgeregt unverständlich durcheinander *

You kill him! No, I did not kill him.

Ja? Ist der Herr Werl da?

Gehen Sie durch.

Falke, gibt's was Neues? Bisher nicht.

Morgen wissen wir mehr, da wird die Leiche obduziert.

Das Ministerium weiß auch Bescheid.

Ich wollte noch sagen, wegen der Verletzung im Gesicht ...

Dr. Arnold hat mich informiert.

Der Afrikaner hat sich der Verhaftung widersetzt, nicht?

Es ist in unserem Beruf nicht leicht, die Kontrolle zu behalten, was?

Wissen Sie was?

Wir grillen morgen Nachmittag bei mir: Tag der Einheit.

Kommen Sie doch vorbei mit Ihrer Kollegin.

Ich wollt's absagen, dann dachte ich:

Nein, gerade jetzt müssen wir zusammenhalten.

* (Werl) Der Stadt geht's schlecht.

Bergbau ist tot.

Stahlindustrie muss kämpfen.

Hohe Arbeitslosigkeit.

Das Asylbewerberheim kommt dazu,

fremde Kultur und Drogen und so weiter.

Was die Leute hier brauchen, ist Sicherheit. *

* Aufgewühlte Musik mit Gitarre *

Auf diese Gutscheine gibt's keinen Alkohol.

Haben Sie richtiges Geld?

Cash? Money?

Dann bleibt die hier.

Entschuldigung.

Die versuchen's immer wieder:

Kassieren unser Geld, dann lassen sie sich volllaufen?

6,35 Euro, bitte.

Den Wein nehm ich auch mit.

Hallo!

Warten Sie doch kurz!

Bitte, nehmen Sie.

* Schimpft unverständlich *

Es tut mir leid, Entschuldigung.

Es tut mir leid.

* Lautes Motorstarten und quietschende Reifen *

* Leise Musik im Hintergrund *

* Musik: "Toxicity" von System of a Down *

# The toxicity of our city, of our city

New, what do you own the world?

How do you own disorder? #

* Musik verstummt *

Hallo.

Hallo Becker.

(Leise) Wir müssen länger bleiben.

Hier hat sich jemand verbrannt.

Mama, ich hör auf hier.

Ich werd meinen Job kündigen.

* Schluchzen *

* Leise und melancholische Klänge mit Klavier *

Kannst du einfach wieder nur reden?

Das kann doch nicht der Falsche sein.

Das darf doch nicht passieren.

Okay, Montag und keinen Tag länger, aber kümmere dich darum, bitte.

Ich muss jetzt schlafen.

Danke.

* Monotone Klänge mit Klavier *

Er hat Ruß-Auflagerungen auf der Zunge, im Rachen,

bis in die Luftröhre hinein: "Inhalativer Hitzeschock".

Und der CO-Wert? 35 Prozent.

Also war er bei Bewusstsein?

Das heißt, er konnte schreien.

Wie lange hat's zum Hitzeschock gedauert?

Zehn, vielleicht 15 Minuten.

15 Minuten? 'ne Viertelstunde!

Eventuell schneller.

Er hat viel Noradrenalin im Urin - ein Zeichen für Todesangst.

Brandursache?

War tatsächlich unter den Brandrückständen.

Er ist durchsucht worden.

Entweder hat er es vorbeigeschmuggelt

oder er hat's in der Zelle unter der Matratze gefunden.

Von 'nem Vorgänger zum Beispiel.

Wir wissen jetzt, wie er die Matratze in Brand gesetzt hat.

Das war's.

Wie hoch, sagten Sie, war die Temperatur? Was?

Die Brandtemperatur in der Zelle, wie hoch war die? Mindestens 350.

350 Grad?

Und das Scheißding ist nicht mal explodiert.

Und die feuerfeste Matratze, wie konnte die brennen?

Naja, der PVC-Überzug ist feuerfest.

Aber er oder ein früherer Häftling hat wohl die Naht aufgetrennt

und ist an den brennbaren PU-Schaum gelangt.

Obwohl er an Händen und Füßen fixiert war.

* Spannungsvolle Klänge mit leisen Drums *

* Kettenrasseln *

Der kann sich hier nicht angezündet haben.

Wissen Sie, was Sie da sagen? Ja.

Aber warum ist das Feuerzeug nicht explodiert, bei der Hitze?

Jemand kommt runter,

macht die Zelle auf und zündet die Matratze an.

Dann geht er weg und bemerkt seinen Fehler. Das Feuerzeug fehlt.

Vielleicht hat er es nachträglich unter die Brandreste geschmuggelt.

Sie sind weg.

Sieht nicht gut aus.

Ciao.

Haben Sie die Leiche gesehen?

Er hat zehn Minuten gebrannt, bevor er gestorben ist.

Sie und Mutlu waren die verantwortlichen Beamten vom Dienst:

Also?

Der Feueralarm sprang an Mehmet ging runter,

kam wieder hoch und ich rief die Feuerwehr.

Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Darf ich?

Die haben sich doch abgesprochen.

Frau Sombert.

Was ist wirklich passiert?

Dann machen wir eben draußen weiter, vor allen Kollegen.

Er hat sechs Minuten gebraucht. Wer?

Mutlu.

Sechs Minuten, nachdem der Alarm kam.

Er ist erst nach sechs Minuten runter.

Warum?

Er dachte, es sei ein Wasserrohrbruch.

Der Feueralarm ging an

und er dachte, es wär ein Wasserrohrbruch? Ja.

Und Sie?

Die Geräusche, die über die Anlage kamen,

klangen wie ein Plätschern, eine Flüssigkeit.

Und keiner geht nachgucken?

Ich hab Mutlu mehrmals gesagt, er soll nachsehen.

Warum sind Sie nicht runtergegangen? Das wollte ich ja.

Aber ...

... er war an der Reihe.

* Spannungsvolle Klänge mit Drums *

6.27 Uhr hat Sombert den Brand bei der Feuerwehr gemeldet. 27?

Ich hab eine Minute gebraucht, bin nicht gerannt.

6.12 Uhr geht der Feueralarm los. 6.18 Uhr kommt Mutlu runter.

Dafür braucht er keine Minute.

Okay, er hat die Schlüssel vergessen und versucht zu löschen,

aber das dauert keine acht Minuten.

(Leise) Scheiße.

Was hat der hier unten so lange gemacht?

(Leise) Frag ihn.

* Langsame getragene Streicher *

* Musik: "Black Magic Woman" von Santana *

Hallo, na, wie schön.

Bitte, oder sind Sie Veganerin?

Danke.

Darf ich Ihnen meine Frau vorstellen?

Frau Lorenz.

Werl. Möchten Sie Kartoffelsalat? Gerne.

Bitte schön. Danke.

Wo ist denn Ihr Kollege?

Dem war nicht nach Feiern.

Schön, dass Sie hier sind. Prost.

Bitte schön. Danke.

Machen Sie das öfter?

Ja, so zwei- dreimal im Jahr.

Ganz gut für den Zusammenhalt.

Aber keine Dienstgespräche, nur Wurst, Steak und viel Bier.

Verstehe.

Ich kenn hier fast alle Familien, das ist 'n harter Job.

Man hält seinen Kopf hin

und bei 'ner H 3 gehst du mit 1800 nach Hause.

Wer hier ist, macht's nicht für Geld.

Aber bei der Bundespolizei wird man auch nicht reich? Nee.

Sind die Kollegen kooperativ? Ja, danke.

Melden Sie sich bei mir, wenn Sie Hilfe brauchen.

* (Leise) Hast du mich verstanden? *

Alles gut?

Reden Sie nicht mit mir.

Worum ging's hier gerade?

Bitte, gehen Sie einfach weg.

* Afrikanische Musik *

* (Reporterin) Was können Sie über Djibril Bali sagen? *

(Anwalt) Bali ist Kriegsflüchtling aus Mali.

Sein Vater und seine Brüder

wurden von Tuareg-Milizen getötet, 2012.

Mit seiner Mutter und Schwester floh er nach Burkina Faso.

Und dann kam er nach Deutschland?

Ja, die ganze Familie hat gesammelt,

damit Djibril nach Europa kommen konnte.

* (Anwalt) Mit Geld hat er Verwandte unterstützt. *

* (Reporterin) Gestern kam Bali in Polizeigewahrsam ums Leben. *

Er ist in seiner Zelle verbrannt.

Wir haben Hinweise, dass er misshandelt wurde.

* (Reporterin) Sie erheben ungeheuerliche Vorwürfe. *

* (Anwalt) Laut Polizei habe er sich selbst angezündet. *

* Was sagen Sie? *

Stellen Sie sich das vor:

Ein Polizist verbrennt in Ihrem Keller.

Welcher Sturm, glauben Sie, wäre da losgebrochen?

* Laute Rufe *

* (Anwalt) Ich habe bei der Staatsanwaltschaft

ein Computer-MRT des Leichnams beantragt. *

Mach diesen Scheiß endlich aus.

* Fernseher verstummt *

Was habt ihr besprochen?

Nie entspannt, du warst früher schon so.

Du warst acht Minuten unten, was hast du da gemacht?

Was machen Sie da?

Hey, Karim!

* Spricht unverständlich *

Wir müssen wissen, ob er Familie hat.

Oder wollen Sie mich auch schlagen? Er hat meine Kollegin angegriffen.

* Musik: "AKs im Wandschrank" von Kollegah *

Steig ein.

# Komme mit dem Baseballschläger #

Steig ein.

# Ich kille die Rapszene, Rest in Peace #

Du denkst also, ich verbrenne Afrikaner, ja?

Ist doch mehr son Ossi-Ding:

Neger verbrennen.

Oder Türken.

Was war los vorgestern Nacht?

Weißt du, ich bin hier geboren.

Meine Großeltern sind '64 aus Mersin hierhergekommen.

Der Opa hat hier im Schacht gearbeitet.

Als ich Polizist geworden bin ...

... da hat er geweint ...

... vor Stolz.

Wir gehören hier dazu, verstehst du?

Da vorn beim Bäcker haben alle gekauft,

seit ich klein war.

Jetzt ist da son Türke, der heißt Yan.

Die Brötchen schmecken nicht mehr wie früher.

Das da war früher 'ne Kneipe, da sind auch immer alle hin.

Jetzt ist da das Platon 3.

Früher wussten hier alle: Das hier ist Heimat.

Jetzt nicht mehr.

Mehmet, wo fährst du hin?

Ich will raus.

Halt an, sofort!

Ich hab keinen Bock mehr, halt bitte an.

Lorenz?

* Lautes Motorbeschleunigen *

Komm.

Als ich 15 oder 16 war, hab ich mir gedacht,

das hier sieht aus wie L.A.

Hier bin ich mit meinen Kumpels immer hin.

Wir haben Bier gesoffen, bisschen was geraucht, rumgelabert.

Sind alle weg.

Mir reicht das hier.

Wegen dir verliere ich eventuell meinen Job.

Ein Mann ist verbrannt.

Und der hat sich nicht selbst angezündet.

Hilf du mir und ich helf dir.

Überleg's dir.

Mehmet.

Und?

Der mauert.

Und bei Werl?

Die halten alle dicht.

Der Bali war Vater.

Das könnte die Mutter sein.

Wer ist sie?

Keine Ahnung, ich hab keinen Namen gefunden.

Falke, ich muss mit dir reden.

Wegen Mutlu, oder was?

Wenn das wegen uns ist ... Ich kann das nicht mehr.

Wenn das hier vorbei ist, gehe ich weg.

Du kannst nicht aufhören. Doch.

Nein!

Doch.

Man kann nicht einfach aufhören, was ist los mit allen?

So ein Schwachsinn! Also ...

Falke. Das ist doch das Allerletzte.

Das gibt's doch nicht.

* Hundebellen *

* Handyklingeln * Becker. Hier Falke.

Wie läuft's?

* Keiner traut sich, das Maul aufzumachen. *

Falke, gib das ab.

Nein, auf keinen Fall.

Und hast du was rausgekriegt?

Die Nigerianer-Route läuft über Dakar, Paris, Aarhus.

Wir treffen die dänischen Kollegen am Montagabend im Hafen von Aarhus.

Wir brauchen noch zwei Tage oder einen!

Nein, wir haben 'ne klare Verabredung.

Wir sind kurz vorm Durchbruch.

Einen einzigen Tag! Ich denke, da redet keiner.

Sag denen in Hamburg am Dienstag, okay?

Ich schieb das zum letzten Mal.

Ich buch für uns Drei für Dienstag die Flüge nach Dänemark. Danke.

* Mit Lorenz alles gut? *

Jaja, alles gut.

Alles klar, tschüss.

* Sinnliche, monotone Klänge *

* Klopfen und Knattern aus dem MRT *

Darf ich mal eben.

Das sieht nach einem Nasenbeinbruch aus

und in die Siebbeinzellen hat's eingeblutet.

Konnte ich bei dem verkohlten Zustand der Leiche so nicht erkennen.

Wollten Sie das vertuschen?

Ich möchte die komplette Auswertung haben, bitte.

Diesmal kommen Sie nicht durch, das verspreche ich Ihnen.

Entschuldigung.

Warten Sie mal.

Entschuldigung?

Wie haben Sie das gerade gemeint?

Wissen Sie nicht, was hier los ist?

In der Zelle gab's schon vor fünf Jahren einen Toten:

24. März 2010.

Ein Obdachloser: Sebastian Hopfinger.

Laut einer Untersuchung starb er an einer akuten Hirnblutung.

Die hatte er sich laut Polizei selbst zugefügt.

Der damalige Dienststellenleiter war Martin Werl,

der behandelnde Arzt Dr. Klaus Arnold.

Sämtliche Vorwürfe gegen die Polizei verliefen im Nichts.

Sie meinen, dass wieder vertuscht wird?

Zwei Jahre später gab's eine Anzeige gegen den Beamten Kaminski.

Dieselbe Dienststelle: Misshandlung eines Nigerianers.

Jetzt verbrennt in der Zelle ein Asylbewerber aus Mali

und ihr behauptet, er habe sich selbst angezündet.

Zwei Möglichkeiten:

Das Feuer sollte Spuren der Misshandlung vertuschen

oder wir haben es zu tun mit institutionellem Rassismus.

Schönen Tag noch.

* Unheilvolle Musik mit leisen Drums *

Herr Kaminski.

Wie kam es zu der Anzeige des Nigerianers gegen Sie?

Er hat mich bei der Verhaftung angegriffen,

ist Ihnen doch auch passiert.

Ach, und dann?

Die Bürgerinitiative hat meinen Namen veröffentlicht.

Dann ging's los:

Reifen wurden zerschnitten, meine Kinder beschimpft.

Das hat meine Ehe ... Digger, ich heul gleich.

Sie hatten Dienst und Zugang zu den Zellen.

Ich hab den nicht angezündet, bin kein Rassist, klar?

Mal 'n paar Witze macht doch jeder.

Aber auf Bali hatten einige es abgesehen.

Sie haben gesagt, der macht nur Ärger.

War 'n Arschloch!

Er hat alle belästigt, rumgetobt, Bambule gemacht.

Wussten Sie, dass er ein Kind hat?

* Unheilvolle Musik mit leisen Drums *

Ist das die Mutter?

Wer ist die Frau?

Wie die heißt!

Tina Arnold.

Arnold? So heißt doch der Arzt. Ist das die Tochter von dem Arzt?

* Türklingeln *

Sind Sie Tina Arnold?

Ist Ihr Vater da?

Nein.

Stimmt es, dass er sich selbst verbrannt hat?

Das wissen wir nicht.

Sie haben ein Kind von ihm.

Anuk.

Darf ich mal?

Wo ist das Kind?

Weg.

Weg?

Wir haben Anuk weggegeben.

Wieso weggegeben?

Djibril ist immer wieder hergekommen und wollte Anuk sehen.

Er war voll aufgeregt, er hat Papa gedroht.

Dann kam die Polizei, die haben ihn mitgenommen.

Wann hast du Djibril das letzte Mal gesehen?

Bitte, es ist wichtig.

Vor ein paar Tagen.

Wir sehen uns heimlich.

Sie dürfen Papa nichts sagen, bitte.

Hat dein Vater dich gezwungen, das Kind wegzugeben?

Papa sagt immer, Djibril liebt mich gar nicht.

Aber das stimmt nicht.

Wie war er so?

Ich weiß nicht, irgendwie lustig.

So fröhlich ...

Er hat immer gesagt, ich liebe dich.

Ständig.

Und er konnte richtig toll nähen.

Total gut, wollen Sie mal sehen? Ja.

Das hat er für mich gemacht. Toll, nicht?

Darin wollten wir heiraten.

Wir wollten zusammen ein Geschäft aufmachen.

Das ist jetzt das Einzige, was ich noch von ihm habe.

Und Sie glauben, er meinte es ernst?

Ja.

Alle haben gesagt,

er will dich nur, um hierzubleiben.

Aber als Anuk kam, war er ganz anders.

Er hat sich um alles gekümmert.

Tag, Herr Arnold.

Du bleibst hier.

Wieso haben Sie verschwiegen,

dass Ihre Tochter und Bali ein Kind haben?

Er hat sie ausgenutzt.

Sie haben sie gezwungen, das Kind wegzugeben.

Sie hat mir im vierten Monat gesagt, dass sie schwanger ist.

Sie hatte Angst, dass Sie sie zur Abtreibung zwingen. Was sonst?

Aber Bali ist immer wieder gekommen, um sein Kind zu sehen.

Er hat randaliert, meine Tochter belästigt.

Jetzt ist er tot, so ein Zufall.

Wo waren Sie, als es brannte? Zu Hause.

Ich nehme an, Ihre Tochter wird das bezeugen.

Verlassen Sie mein Haus.

5.32 Uhr war Ihr letzter Kontrollgang.

Wie sieht der aus?

Sie kommen in den Gewahrsam und gehen zu den Zellen? Ja.

Haben Sie aufgeschlossen? Ja.

Bitte.

Und dann sind Sie in die Zelle rein?

Ja.

Gehen Sie. Bitte.

Hat Bali geschlafen, hatte er die Augen auf?

Ich weiß es nicht. Hat er was gesagt?

Ich weiß es nicht.

Ist Ihnen sonst was aufgefallen? Gucken Sie hin.

Ich glaub, da war was aufm Boden. Was?

Vor der Matratze, eine Pfütze.

Wo genau? Da vorne.

Wo genau? Da, in der Ecke.

Wie Urin?

Nein, das sah anders aus. Wie?

Als wenn jemand was verschüttet hätte.

Sind Sie sicher? Nein.

Diese Tür ist nachts abgeschlossen, richtig? Ja.

* Unheilvolle Musik mit leisen Drums *

Frau Sombert!

Was ist das für 'ne Tür?

Die benutzt keiner.

Die wurde vor Kurzem bewegt, hier sind Schleifspuren.

War er vorgestern Nacht zur Seite gerückt?

Ich weiß es nicht mehr, hab nicht drauf geachtet.

Wer hat 'nen Schlüssel dafür? Muss ich fragen.

Sie müssen eine offizielle Aussage machen.

Sie kommen ständig mit neuen Sachen, sagen nicht die ganze Wahrheit.

Entweder stecken Sie mit drin oder Sie reden mit uns.

Wir können Sie schützen, wenn das Ihre Angst ist.

Haben Sie 'nen Moment? Ja bitte, setzen Sie sich.

Wir haben einen Verdächtigen.

Wussten Sie, dass Bali mit Dr. Arnolds Tochter ein Kind hatte?

Er hat sie gezwungen, das Kind wegzugeben.

Er hat alles versucht, um Bali von ihr fernzuhalten.

Der wollte den loswerden.

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Er war untersuchender Arzt bei dem Obdachlosen Hopfinger.

Die offizielle Untersuchung ergab ...

Arnold hatte ein Motiv. Selbst wenn.

Maria Sombert wird gleich eine offizielle Aussage machen.

Können wir einen Raum haben?

Na sicher.

* Wasserplätschern *

* Unheilvoller Klang *

Hallo?

Hallo?

* Spannungsvolle Musik *

* Schrei *

Was 'n los?

Du Arschloch.

Ihr seid alle Arschlöcher.

Was habt ihr in der Nacht gemacht?

Bitte schön.

Darf ich die Aussage aufzeichnen? Ja.

Oberkommissarin Maria Sombert

zu den Vorkommnissen in der Nacht auf den 2. Oktober ...

Bitte schildern Sie die Ereignisse in der Nacht zum 2. Oktober.

Bali wurde gegen 1 Uhr morgens in die Zelle verbracht.

Mein Kollege Mutlu und ich

lösten uns stündlich mit der Kontrolle des Gewahrsams ab.

Um 5.30 Uhr war mein letzter Kontrollgang.

6.12 Uhr ging der Feueralarm los.

Zuvor gab's ein Geräusch über die Anlage.

Was für ein Geräusch?

Wie ein Plätschern.

Wann war das?

Ich weiß es nicht.

Herr Mutlu hielt es zunächst für einen Wasserrohrbruch,

aber dann fing es an zu piepen.

Das Piepen war der Feueralarm um 6.12 Uhr, richtig?

Wie haben Sie reagiert?

Kollege Mutlu hat den Alarm weggedrückt. Warum?

In den letzten Monaten hatten wir 15 bis 20 Fehlalarme.

Sie haben ausgesagt, dass Ihr Kollege Mutlu,

sechs Minuten nach dem Alarm nach unten gegangen ist.

Um 6.18 Uhr. Warum?

Ich hab ihn mehrfach aufgefordert, nachzusehen.

Warum ist er erst so spät runtergegangen?

Ich weiß es nicht.

Sie haben zweimal auf die Uhr geguckt:

6.12 Uhr und 6.18 Uhr, richtig?

6.12 Uhr, ja. Dann ist er runtergegangen.

6.18 Uhr.

Sechs, ja 6.12 Uhr. Nein, 18.

Nein, 6.12 Uhr ging der Alarm los.

Maria, das ist wichtig.

Denken Sie nach.

Gehen wir zurück zu Ihrem letzten Kontrollgang.

Sie sagten, dass neben der Pritsche eine Art Pfütze war.

Als ob jemand was verschüttet hätte.

Ich dachte, die Putzfrau ...

Die Putzfrau?

Wie soll die Putzfrau in die geschlossene Zelle kommen?

Ich weiß es nicht.

Haben Sie die Flüssigkeit untersucht?

Nein.

Das gaschromatographische Gutachten der Spurensicherung ist hier.

Maria, was immer Sie gesehen haben ...

... Brandbeschleuniger war es nicht.

Vielleicht war es Urin?

Hat's nach Urin gerochen?

Frau Sombert, wollen Sie eine Pause?

Vielleicht.

Gut.

Haben Sie Tabletten genommen, Maria?

Zwei Mirtazapin.

Das ist ein starkes Beruhigungsmittel mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit.

Herr Werl. Ich würd gern nach Hause gehen.

Ich fahr Sie, kommen Sie.

Frau Sombert.

(Flüstert) Die Frau ist krank.

Der verarscht uns die ganze Zeit.

Was is das für 'n Sumpf hier?

Schauen Sie mal nach hinten.

* Spannungsvolle, sphärische Musik *

Das lag vor meiner Tür, können Sie da mal draufgucken?

Wissen Sie, wer das vor meine Tür gelegt hat? Nein.

Und?

Der Typ hat auch keinen Plan, wo das herkommt.

Das ist das Haus von dem Werl.

Das ist ohne Ton.

Da war ich nicht, das muss 'ne andere Party sein.

Vielleicht eine der Ehefrauen?

Oder die Sombert, die ist da nicht drauf.

* Spannungsvolle, sphärische Musik *

Gibt es hier im Ort eine Gehörlosenschule?

Ich probier das einfach,

wir haben das in der Ausbildung ziemlich oft geübt.

Guten Tag, Falke. Berger, hallo. Danke, dass Sie gekommen sind.

Bitteschön.

Das ist das Video.

Das ist sehr schnell, kann man das langsamer kriegen?

Ja, das geht.

Da oben links. Weiß ich.

Ein Typ wacht ...

(Flüsternd) Ein Typ wacht ...

Ein Typ wacht neben einer Frau auf, die er abgeschickt hat, nee ...

... abgeschleppt hat und fragt:

Wie heißt du eigentlich?

Kann ich das noch mal sehen. Kein Problem.

Da sagt sie, ich heiße wie meine ...

... Muschi ...

... nur ohne Anfangsbuchstaben.

Da sagt er:

Wie Otze.

Die Frau da sagt Foto.

Jetzt bitte auf die drei Kollegen dahinten konzentrieren.

Wie war die Schicht?

Fährst du nicht mit dem ...

... Neuen?

Ja.

Und, wie macht er sich so?

I auch, raus ...

Kann ich das noch mal? Ja.

... verkaufen das Zeug auf dem Schulhof.

Ich glaub, das war die Dealer, ich weiß es nicht.

Ja ...

Ha ...

Hag 'n ...

Hagen muss einen Mann aus ihm machen.

Da ist die Kamera.

Ja, noch mal die drei Kollegen da.

Ja, es wird Zeit ...

Es wird langsam Zeit für ...

... Hagen.

Jetzt grölen sie alle durcheinander.

Auf Deutschland, ruft der da.

Also, Entschuldigung, das ist wirklich sehr schwer.

Toll, super. Dankeschön.

Gerne. Das war's auch schon.

Hagen muss einen Mann aus ihm machen.

Es wird langsam Zeit für Hagen.

Auf der Dienststelle heißt keiner so.

Vielleicht ein Ex-Kollege, oder so. Ich check das.

Entschuldigung, Frau Sombert.

Frau Sombert, haben Sie uns das Video geschickt?

Was für ein Video?

Das waren Sie doch, oder?

Was sollen wir sehen?

Lassen Sie mich endlich in Ruhe.

Hagen.

Kennen Sie einen Hagen?

Bitte.

Ich bin alleinerziehend, wenn mir was passiert ...

Tut mir Leid.

* Sphärische Instrumentalmusik *

Falke. Ich hab einen:

Johann Hagen Stemmler, ich hab die Adresse.

Herr Stemmler?

Guten Tag.

Johann Hagen Stemmler?

* Klaviermusik *

Schönen Tag noch.

Vielen Dank. Gern geschehen.

Niemals! Niemals!

Falke.

Es tut mir leid.

Ich wollte es unbedingt, ich wollte das hier.

Aber ich kann nicht mehr.

Und das hat wirklich nichts mit uns zu tun? Mit mir?

Wissen Sie, was mir keine Ruhe lässt?

Wie konnte mir das passieren, was war da los mit mir?

Keine Ahnung.

* Langsame, traurige Instrumentalmusik *

Es hätte nicht passieren dürfen.

Ich wünschte, ich hätte mich entschuldigen können.

Djibril ging nicht gut.

Hatte getrunken.

Für uns ist schwer.

Ich seit zwei Jahre hier in diese Haus.

Darf nicht arbeiten.

Du kann nicht reisen.

Nur warten.

Wir sind kein Kinder.

Ich weiß.

Für Djibril gab es nur noch die Frau.

Alles durcheinander.

Er wollte Papiere.

Ich habe zu ihm gesagt, die lassen dich nicht,

weil du Mensch bist.

Die lassen dich wegen Frau.

Aber dann kommt Baby, Djibril hat Hoffnung.

Er wollte, dass alles hier wird ...

... neue Heimat.

Alles Deutsche: Bratwurst, Bier.

Deutsche Kurs, hat hier alles gelesen:

Deutsche Sagen, Siegfried und St. Pauli ...

Was war das gerade?

Djibril großer Fußballfan.

Nein, nein. Das davor.

Deutsche Sagen, Siegfried.

Der tötet den Drachen.

(Leise) Die Nibelungen.

Ich weiß jetzt, wer Hagen ist:

Siegfried, Nibelungen.

Und wer tötet Siegfried?

Hagen von Tronje. Hagen ist ein Code. Wofür?

Hagen soll einen Mann aus ihm machen.

Wenn das ein "Aufnahmeritual" ist?

Um ihre Stärke zu beweisen. Bei dem Obdachlosen ging das schief.

Selbe Zelle, selber Dienststellenleiter. Werl.

Wer war damals noch neu dabei?

Mehmet Mutlu. Und diesmal? Kohler.

Vor acht Monaten.

Wir müssen auf Kohler achten, irgendwas muss da sein.

Der ist auf der Terrasse draußen. Ja.

Stopp.

Mach mal größer.

* Unheilvolle Musik *

Scheiße.

* Türklingeln *

Und?

Was sollte das sein, 'ne Scheiß-Mutprobe, oder was?

Ich hab ihn angezündet.

Ich wusste, dass die Matratzen nicht brennen.

Deswegen hab ich Benzin rüber gegossen.

Hab das, äh ...

... angezündet.

Hat er gebrannt,

hat er geschrien und dann bin ich raus.

Ich wollte das nicht.

Und dann?

Bin ich noch mal zurück.

Dachten Sie, Mutlu kommt runter beim Feueralarm?

War das so ausgemacht?

Als ich unten war, kam viel Rauch durch die Türritzen. Qualm.

Noch mal aufgemacht ...

... mein Feuerzeug reingeworfen ...

... krass dumm.

Dann hab ich Mutlu gehört und bin raus.

Wer hat Sie dazu angestiftet?

Die Kollegen?

Ein bestimmter? Kaminski?

Ihr Dienststellenleiter, war der das?

Wer?

Ich brauch niemanden, der mich anstiftet,

'n Neger anzuzünden.

Du bist viel zu hohl, um dir das alleine auszudenken.

Ich hab aus eigenem Antrieb gehandelt.

Du brauchst die anderen nicht zu schützen.

Was ist mit Hagen?

Hat Werl das gesagt?

War es Werl?

He?

Wir werden Sie jetzt mitnehmen.

Komm, zieh deine Jacke an.

Komm, mach fertig.

Mach auf! * Schuss *

* Langsame melancholische Töne *

Ich muss mich entschuldigen, Sie hatten recht.

Es war einer von uns.

Hätte ich nicht für möglich gehalten.

Entschuldigen Sie mich.

* Melancholische Klaviermusik *

Na dann.

Wir sollten uns wenigstens ordentlich verabschieden, bei Werl.

Okay.

* Metallischer Klang *

Schön, dass Sie kommen.

Kommen Sie.

Wir nehmen gerade Abschied von Andreas Kohler.

Trinken wir auf Andreas.

Auf einen jungen Kollegen, der so viel Potential hatte.

Er hat einen großen Fehler gemacht und hat die Konsequenzen getragen.

Trinken wir.

Einige von euch denken,

diese beiden Kollegen sind für Andreas' Tod verantwortlich.

Aber das sind sie nicht.

Gratuliere, Sie haben einen jungen deutschen Polizisten überführt.

Gibt mir 'n gutes Gefühl,

dass ein Afrikaner mehr wert ist als ein junger deutscher Polizist.

Der Nacht für Nacht seinen Kopf hinhält:

Für unsere Demokratie.

Der Afrikaner war unschuldig.

Und er hatte auch einen Namen:

Djibril Bali.

Und er ist in eurem Gewahrsam elendig verreckt.

Aber der junge Kollege, Andreas Kohler,

ist als Mann gestorben, oder nicht?

Hagen sollte ihn doch zum Mann machen, oder nicht?

Wer denkt so?

Wer denkt so?

Dass man einen wehrlosen Menschen anzündet.

Ist man da ein Mann?

Was guckst du mich so an ... - Willst du was sagen?

Oder zu allem schweigt, Herr Kaminski!

Fahren Sie nach Hamburg zurück.

Und lassen Sie uns wieder unsere Arbeit machen.

Damit wir nicht Ihren Dreck wegmachen müssen.

Für "den Dreck" könnte ich Ihnen eine reinhauen.

War's ein gutes Gefühl,

als Sie dem Neger die Nase gebrochen haben?

Wir stehen an vorderster Front und müssen Gesetze einhalten,

auf die andere scheißen.

Sollen wir uns von Schwarzen anspucken,

weil wir für Sicherheit sorgen?

Was ist Ihr scheiß Problem?

Wovor haben Sie Angst?

Sagen Sie es doch.

Sagen Sie es doch vor allen!

Oder sollen die denken, Sie sind feige?

Sie haben überhaupt keine Ahnung.

Wir sind im Krieg, die Welt ist kaputt:

Neger, Zigeuner, Drogendealer.

Wir müssen uns dagegen wehren, mit allem, was wir haben.

Ja, Hagen ist richtig für meine Truppe hier.

Das Video ist von Ihnen, oder?

Sie haben uns Kohler ans Messer geliefert.

Wissen das Ihre Männer?

Sie haben Kohler dazu gebracht, einen Menschen anzuzünden

und dann haben Sie ihn verraten.

Sie wollen mir ans Bein pissen?

Mir ist scheißegal, was Sie von mir denken.

Ich kann niemanden brauchen,

der mit seinem eigenen Feuerzeug 'nen Gefangenen anzündet.

Haben Sie Hagen angeordnet, sagen Sie es.

Gehen Sie nach Hause. Haben Sie?

Sie sind sehr intelligent, was?

Hier geht's um Pflicht.

Dann sagen Sie es Ihren Männern. Es geht um ...

... Gehorsam.

Bedingungslosen Zusammenhalt, sonst sind wir am Arsch!

Sagen Sie es Ihren Männern.

Haben Sie Hagen angeordnet?

Wieso angeordnet? Ich bin Hagen.

Gut.

Was? Hagen angeordnet?

Ich bin Hagen!

Ich!

Ja.

Und ihr überlegt euch gut, auf welcher Seite ihr stehen wollt.

Ja, was?

Den krieg ich noch, das verspreche ich Ihnen.

Schade, Sie sind 'ne gute Polizistin.

* Unverständlich *

* Musik: "Strange Fruit" von Billy Holiday *

# Southern trees

Bear a strange fruit #

Passen Sie auf sich auf.

# Black bodies swingin

In the Southern breeze

Strange fruit hangin

From the poplar trees

Pastoral scene of the gallant South #

* (Aufnahme) Haben Sie Hagen angeordnet? *

* (Werl) Wieso angeordnet?

Ich bin Hagen.

Was, Hagen angeordnet?

Ich bin Hagen! Ich! *

# Scent of magnolias sweet and fresh

And then the sudden smell

Of burnin flesh #

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