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Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
Hoppala.
(spricht türkisch)
* Musik *
* Musik *
* Klopfen *
Semiya, komm raus.
Was ist denn?
Ich muss mit dir reden.
Ja, gleich.
(sprechen türkisch)
(dreht Musik lauter)
* Klopfen *
Komm raus, Semiya, sie tickt aus. - Ist ja gut.
Enver.
Enver?
Mann, Semiya. - Was?
Was denn?
Da bin ich schon.
Du hast noch nicht gepackt.
Semiya, du hast versprochen, dass du deine Sachen selber wäschst.
Ja, habe ich vergessen. Ist das so schlimm? - Vergessen?
Es waren doch Ferien. (spricht türkisch)
(spricht türkisch)
Semiya, du musst deiner Mutter mehr helfen. Okay?
Ja, mache ich, auf jeden Fall. - Ja, musst du machen.
(spricht türkisch)
Das ist fies, was wühlst du in meinen Sachen? - Semiya!
* Musik *
Semiya.
Hatten wir für dieses Schuljahr nicht mehr Taschengeld vereinbart?
(spricht türkisch)
Wie du da ausgesehen hast.
Behalt das, damit du mich nicht vergisst.
Baba, ich habe doch das hier.
(spricht türkisch)
Baba. - Efendim?
Warum muss ich immer noch aufs Internat?
(spricht türkisch) - Aber ich habe mich doch verbessert.
Du hast dich verbessert? (spricht türkisch)
* Musik *
Kann ich das haben?
Das?
Wozu? Etwa zum Rauchen?
Rauchen? Baba.
Für meine Kerzen.
Okay.
Für deine Kerzen.
(spricht türkisch)
Hadi.
* Musik *
Es tut weh.
Immer noch weh, wenn ich daran denke.
Und an alles, was danach kam.
Die Verdächtigungen, das Unrecht.
Die schlimmen Vermutungen.
Hätte ich gewusst, dass das unser letzter Tag ist,
ich hätte...
Ich wäre...
Ach.
* Musik *
Um 17 Uhr kommt die Blumenlieferung.
Ich muss los, übernimm du das. - Ja, okay.
Mustafa, die Begonien brauchen etwas mehr Wasser.
Entschuldigung, tut mir leid.
* Musik *
* Musik *
* Musik *
Sie haben keine Vorstellung davon, warum das passiert sein könnte?
Wie? Nein, der hatte Unfall.
Dass jemand schießt.
Er hat immer gesagt, pass auf dich auf.
Ich muss zu meinen Kindern! - Beruhigen Sie sich.
Bitte setzen Sie sich.
Warum wollten Sie das Geschäft verkaufen, wenn es so gut lief?
Wegen der Kinder.
Oder vielleicht wegen Schutzgelderpressung?
Schutz was?
Hallo.
Entschuldigung. Sie? - Ja?
Ich will zu meinem Vater, er soll einen Unfall gehabt haben.
Bist du alleine hier?
Mein Cousin hat mich gebracht, aber er musste wieder los.
Meine Mutter kann ich nicht erreichen.
Komm mal mit.
Ich habe hier ein Mädchen, das sucht seinen Vater.
Name?
Fräulein Simsek.
Kriminalkommissar Ritter.
Semiya, sprichst du Deutsch?
Ja logisch. Und Sie?
Mach es gut.
Ich will zu meinem Vater.
Semiya, hat dein Vater Waffen?
Wieso Waffen?
Ein Messer hat er immer dabei, zum Blumenschneiden.
Wissen Sie, wo meine Mama ist? - Auf dem Präsidium.
Präsidium? - Ja, das ist so üblich.
Also, keine Schusswaffen? - Schuss?
Ach so, ja.
Eine Gaspistole für Silvester.
Also keine anderen Waffen?
Was ist denn jetzt mit meinem Vater? Ist er verletzt?
Seine
Organe sind gesund.
Gut.
Hat dein
Hat dein Vater Feinde?
Wieso Organe?
Semira. Semiya.
Baba!
Morgen. - Guten Morgen. - Morgen.
Morgen Herr Braun.
So. Ausgangslage eher suboptimal.
Daktyloskopische Spuren konnten alle zugeordnet werden.
Schuhabdrücke, Reifenspuren? - Geben auch nichts her.
DNA? - Das läuft noch.
Ist aber auch wenig.
Befragung und Fahndung bisher unergiebig.
Immerhin kennen wir eine der beiden Tatwaffen.
Das ist eine Ceska 83.
Und dann haben wir ihn.
Das Opfer.
Enver Simsek. - Simsek. (verbessert Aussprache)
Simsek.
Warum wurde er ermordet?
Na bitte, Kollegen, ich höre.
Er fuhr regelmäßig nach Holland,
aber BTM-Spuren, -Rückstände haben wir nicht gefunden.
Ja, trotzdem dranbleiben.
Holland und Drogen.
Klingt nach dranbleiben, oder?
Laut seiner Tochter besaß er ein Messer und eine Waffe.
Was denn für eine Waffe?
Eine Pistole. - Das war eine Gaspistole.
Jetzt lassen Sie ihn doch erst mal.
Vielleicht eine Ehrenmordgeschichte. Wegen der Tochter, der Ehefrau.
Aha.
Warum nicht?
Ist ja alles möglich in dem Umfeld.
Bleiben Sie an der Familie dran. Noch was?
Ich habe hier den Obduktionsbericht.
Enver Simsek wurde von 8...
8 Kugeln getroffen.
5 davon ins Gesicht.
Sehr, sehr unschön.
Affekt, meinen Sie?
Eine Beziehungstat innerhalb der Familie.
Es ging ums Töten. Er wurde regelrecht hingerichtet.
Exekution, Rache.
Da brauchen wir wohl eine TÜ.
Festnetz und Mobil? - Die Witwe, die Brüder, alles.
Papa hatte einen Konkurrenten.
Einen Konkurrenten?
Ja, einen Pakistani. * Türklingel *
Mit dem hatte er mal Handgreiflichkeiten.
Ja, aber nur ein paar Ohrfeigen. Ich glaube...
Weil Sie nach Waffen gefragt haben.
Als Taxifahrer dürfte ich eine haben, aber das will ich nicht.
Sie haben keine Waffe? - Nein.
* Telefonklingeln *
Einem Cousin in Berlin wurde der Imbiss abgefackelt.
Von Faschos.
Mhm.
* Telefonklingeln *
Tut mir leid, ohne Hakenkreuze, keine Nazis.
Semiya, dieser Konkurrent, was weißt du über ihn?
Endlich.
Herr Hegemann, das ist mein Bruder Hursit.
Seine Frau Ümmü und Hatun, meine Frau.
Hursit, ich habe Herrn Hegemann gerade erklärt,
dass wir absolut gegen Waffen sind.
Enver hatte in der Türkei eine scharfe Waffe, aber hier nicht.
Na, er war da ja beim Militär.
Hätte Polizei studiert, wenn er nicht hierhergekommen wäre.
Enver? - Jaja.
Ah.
Dieser Konkurrent, wie heißt der, Semiya? - Hm?
* Telefonklingeln *
Entschuldigung, warum geht keiner ran?
Envers Mutter. Wir wollen es ihr nicht am Telefon sagen.
Sie hat ein schwaches Herz. - Verstehe.
* Musik *
* Schluchzen *
Amin.
* Musik *
* Würgen *
Mama?
Fahren, fahren, fahren.
Sehr gut, sehr gut.
Langsam.
Noch mal.
Wirklich?
Ja, wirklich.
(spricht türkisch)
Aber langsam, okay?
Langsam, langsam, langsam.
* Musik *
(spricht türkisch)
* Klopfen *
Adile, kommen Sie bitte mit.
Und Herr Abbas, Sie kommen bitte mit mir mit.
Bitte.
War es Cakir, Envers Konkurrent? Hat er Enver getötet?
Kennen Sie diese Frau?
Hat Sie was mit Cakir zu tun? - Nein.
Das war Envers Freundin.
Freundin? Verstehe ich nicht.
Enver hatte auch Kinder mit ihr.
An dem Morgen, als er erschossen wurde, hat er mit ihr telefoniert.
Auf gar keinen Fall.
Der Mann war in Mekka. Er hat 5-mal am Tag gebetet.
Und wenn doch?
Hätten Sie dann?
Ich bin Taxiunternehmer, kein Mörder.
In einem Telefonat mit Ihnen sagt Adile über Enver,
er hat vor über einem Jahr sein Schatzi verlassen.
Wer ist Schatzi?
Schatzi, das würde meine Schwester nie sagen.
Wie kommen Sie darauf? Hören Sie uns ab?
Die Nachbarn haben gesagt,
dass die beiden sich oft laut gestritten haben.
Was für Nachbarn?
Adile?
Geht es wieder?
Wenn Enver Freundin hatte, dann soll sie zu mir kommen.
Envers Kinder sind auch meine Kinder.
Sagen Sie ihr das.
Aha.
Adile, ich muss Sie das fragen.
Hatten Sie mit Enver noch regelmäßig Sexualkontakt?
(sie übersetzt)
Sie müssen das nicht beantworten.
Oh ja, hatten wir. 2, 3-mal die Woche.
Ist gut, ist gut.
(spricht türkisch)
Sie waren sich sehr nahe, sie haben sich sehr geliebt.
Verstehe.
Tut Sie Ihnen leid?
Also mir tut sie leid.
Liebe, Rache, Eifersucht, das kennt man ja.
Oder sie wurde von ihren Brüdern genötigt.
Profitgier, kann auch sein.
Sie fragt, warum Sie zusammen zur Vernehmung gebracht wurden.
Er sagt, weil sie den Sprinter zurückbekommen sollten.
Damit sie ihn nicht nach Hause fahren muss.
(Adile spricht türkisch)
Was hat sie jetzt gesagt? Da war doch was mit Polizei.
Sie wundert sich, dass die Polizei so lange arbeiten kann,
ohne etwas zu essen.
(Hüseyin) Ah, hat schon angefangen.
* Radio * WDR 2 Sportzeit, 16:55 Uhr.
2 Tore habe ich noch.
Bremen führt gegen Hertha 2:1. - Huub.
(Hüseyin) Unglaublich.
Ich irre mich doch nicht.
* Musik *
(spricht türkisch)
Du kommst zu spät, Onkel.
Hat alles nicht so ganz geklappt.
Macht ja nichts, wir haben ja noch ein paar Stunden.
(spricht türkisch)
(spricht türkisch)
(spricht türkisch)
* Musik *
* Klingel *
Wer ist da?
Hallo, Hegemann hier. Ich wollte zu deiner Mutter.
Ach so.
Mama, wir haben verschlafen. Wir müssen doch zur Schule.
Ja, was will der schon wieder hier?
Egal, ich mache euch schnell was.
Einmal Kaffee mit viel Zucker.
So, hier. Bitte schön.
Vielen Dank.
Warum wolltet ihr den Markt verkaufen, wenn er so gut lief?
Erst schuftet ihr wie die Esel und dann gebt ihr plötzlich alles auf?
Sie wollten mehr Zeit für uns haben.
Zucker?
Ja, bitte.
Außerdem war Mama oft krank. - Semiya.
Haben Sie Kinder?
(räuspert sich)
Bestimmt Onkel Hursit, ich gehe schon.
Frau Simsek? Guten Morgen.
Wohnungsdurchsuchung.
Moment, was soll das? - Bitte lassen Sie uns durch.
Ruhig, Adile, bitte bleiben Sie ruhig.
Was ist hier los?
Das ist ein ganz normaler Durchsuchungsbeschluss.
Bitte.
Warum macht ihr das?
Wir müssen das tun, Adile. Das ist unsere Arbeit.
Und wenn ihr unschuldig seid, passiert euch nichts.
Das verspreche ich. - Mama, komm mal.
Hey, sei vernünftig, das ist Beweismaterial.
Das ist mein Camcorder, das ist privat.
Bitte sorgen Sie dafür,
dass die Maßnahmen durchgeführt werden können.
Wieso bist du immer so? Wieso wehrst du dich nicht?
Der Typ sitzt hier und trinkt Kaffee. Und du?
Hier?
Adile, kommen Sie mal bitte?
Was ist das, Adile?
Das haben wir unter der Matratze gefunden.
Das müssen mindestens 20.000 sein. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ane. - Um Gottes willen.
Legt sie aufs Bett.
Vorsicht.
Vorsicht. - Ist okay.
Lasst uns allein, geht bitte raus.
Ist gut. Soll ich einen Arzt rufen?
Nein.
Ane.
* Musik *
* Musik *
* Telefonklingeln *
Frau Simsek, haben Sie gewusst,
dass Ihr Mann Rauschgift transportiert hat?
Von Holland hierher.
(sie übersetzt)
Das ist nicht wahr.
Es gibt sehr viele Hinweise.
Mhm. Z.B. wurden ständig im Laden
größere Summen Bargeld für ihn abgegeben.
In Briefumschlägen.
(sie übersetzt)
Ja, von seinen Händlern.
Wir haben 25.000 Mark unter Ihrer Matratze gefunden.
Ihr Mann fuhr nach Holland.
Regelmäßig.
Sehr regelmäßig. Warum?
Frische Blumen holen.
Erst war er Schafs-Hirt, dann Hilfsarbeiter,
dann Blumenhändler und ganz plötzlich, auf einmal Millionär?
Weil er Tag und Nacht gearbeitet hat.
Nein. Weil er Drogen transportiert hat, Frau Simsek!
(spricht türkisch)
Sie meint, dass ihm die jemand untergeschoben hat.
Ihr Mann hat sich mit den falschen Leuten eingelassen.
Da hat er Angst bekommen. So war es doch, oder?
Dann wollte er aussteigen, darum den Markt verkaufen,
und da haben die ihn umgebracht.
Mama?
Wo kommst du her, Semiya?
Hegemann hat angerufen, ich soll mal nach dir gucken.
Du bist nicht rangegangen.
Haben sie ihn?
Seinen Mörder?
Was ist anders, Mama?
Was sagst du da?
Was?
So ein Blödsinn.
Baba ist doch kein Drogendealer.
Mama, bitte hör auf damit. Das sieht schlimm aus.
Ich glaube das nicht. Okay?
Hör auf.
(sie schreit)
(sie weint)
Ach Baba.
Ich kann einfach nicht glauben, dass du tot bist.
Will ich auch gar nicht.
Mir kommt das alles vor wie ein blöder Traum.
Und morgen, wenn ich aufwache, ist alles wieder gut,
du stehst vor der Tür und holst mich ab.
Baba.
* Musik *
Semiya.
Guten Tag. - Hallo Herr Hegemann.
Kommst du bitte?
Bist groß geworden.
Sie sollen alle mit derselben Waffe erschossen worden sein.
Da kümmert sich jetzt die SoKo Halbmond drum.
30 Leute.
Wieso Halbmond?
Passt doch zu einer Mordserie an türkischen Geschäftsleuten.
Wir sind kurz davor, die ganze Organisation auffliegen zu lassen.
Welche Organisation?
Warum Rauschgift? Was hat das mit uns zu tun?
Warte mal kurz.
Ja.
Ah, Grüß Gott Herr Hegemann.
Das ist der Herr Kant vom Finanzamt wegen der...
Amtshilfe.
Ah ja.
Natürlich.
In Ordnung.
Ich glaube, wir stören jetzt hier.
Außerdem darf ich dir gar nichts sagen.
Herr Hegemann?
Was hat mein Vater damit zu tun?
Das kannst du dir doch denken.
Wir kannten die doch gar nicht, die anderen Ermordeten.
Glaub mir, wir irren uns nicht.
Es gibt jede Menge Hinweise, dubiose Telefonnummern, Spuren...
Ja, aber doch nicht bei uns.
Semiya, behalt deinen Vater so in Erinnerung, wie du ihn liebst.
Wie geht es Adile?
Gut.
Sie ist in einer Klinik.
Ah.
Bestell ihr schöne Grüße.
Und sag ihr,
diese Freundin deines Vaters, die gibt es nicht.
Wie?
Die gibt es nicht?
Das haben Sie sich ausgedacht?
Ja, das
war eine Ermittlungsmaßnahme.
Steuerstrafverfahren. Ist völlig absurd.
Kann man nicht mal was vergessen? Kommt direkt die Polizei?
Ein paar Rechnungen.
Schießt ihr immer gleich mit Kanonen?
Nach Paragraf 370 der Abgabenordnung
handelt es sich um eine Steuerstraftat,
wenn falsche Angaben gemacht worden sind.
Enver Simsek war kein Krimineller.
Wer in Deutschland lebt und Geschäfte macht,
muss hier auch Steuern zahlen.
Das werden Sie doch verstehen?
Wir sind gerade in einer Notlage.
Meine Mutter ist sehr krank, und wir wollten den Markt verkaufen.
Aber der Interessent hat uns abgesagt.
Mein Onkel kümmert sich um den Markt.
Es läuft schlecht, leider.
Was sollen wir denn machen?
Wir könnten eine Ratenzahlung vereinbaren,
dann müssen Sie die Summe nicht auf einmal tilgen.
Sondern ganz in Ruhe im Laufe von 6 Monaten.
Okay, gut. Wie viel?
100.000 DM.
(spricht türkisch)
Gut. Super.
Schule läuft auch gut. Nicht wahr? - Mhm.
Mama, ich wollte dir noch was zeigen. Guck mal hier.
Setz dich doch erst mal.
Ich will mich bewerben in der Berufsschule.
Kinderpflege.
Kindergärtnerin?
Ja, du musst nur noch hier unterschreiben.
Schön.
Baba wäre stolz auf dich.
Ich packe das mal ein.
# Wenn du wütend bist, dann stampfe mit dem Fuß.
Wenn du wütend bist, dann stampfe mit dem Fuß.
Zeig mir, wenn du bei mir bist, wie dir so zumute ist.
Wenn du wütend bist, dann stampfe mit dem Fuß. #
* Musik *
Und?
Was hat der Arzt gesagt?
Zu viele Fremdwörter.
Wann kommt sie nach Hause?
Bald.
Ganz bald.
Na komm.
Na los, lauf.
Lauf.
* Musik *
Mama.
Guck mal, was ich gefunden habe.
Damit ich ihn nicht vergesse.
Habt ihr eigentlich die Fotoalben zurückbekommen?
Ich habe gehört, worüber ihr gesprochen habt.
Ich will nicht mehr Kindergärtnerin werden.
Ich will mein Fachabi machen und studieren.
Ich weiß, es ist schwer.
Traust du es mir nicht zu?
Doch.
Doch, natürlich.
Ja.
(sprechen türkisch)
* Musik *
Was ist los?
Was suchst du?
Telefonbuch.
Wen willst du anrufen?
Krankenhaus.
Warum willst du da anrufen?
Klinikum Süd? - Warum willst du da anrufen?
Kerim ist in der Pubertät.
Er wurde nicht erschossen, er hängt bei seinen Kumpels ab.
(sie weint)
* Klappern und Scheppern *
Bist du verrückt? - Sag mal, spinnst du?
Weißt du, was hier los war?
Was du ihr antust?
Beinahe hätte ich die Klinik angerufen. - Weil ich später komme?
Sie hat dich angerufen.
Wieso bist du nicht rangegangen?
Ich war im Kino. Mit Kumpels.
Hättest du dich danach gemeldet.
Wieso muss ich mich immer melden?
Warum wohl?
Glaubst du, es fängt wieder an?
Mit Mama? - Nein.
Den Morden.
* Musik *
(Dozent) Soziale Arbeit Modul 10.1.
Wir werden uns in diesem Modul mit dem konkreten Arbeitsfeld
der Kinder- und Jugendhilfe beschäftigen.
Sozialpädagogisches Handeln im ambulanten und stationären Kontext.
Mit der Förderung des Aufwachsens von jungen Menschen
in ihren Familien.
Mit bindungs- und entwicklungstheoretischen Fragen.
Sowohl mit sozialpädagogischen Interaktionen
und die Bedeutung von Ort, Zeit, Personen und Handlungen.
Hallo. - Grüß Gott. - Servus.
(er öffnet Schubfächer)
Wie teuer war denn das?
Was heißt:
Der Gestrickabweiser muss sich unter den Kulierzähnen befinden?
Mama, ich habs gleich.
Jetzt müssen wir nur noch die Maschinenweite einstellen.
Probier mal.
Es funktioniert.
Was hat denn das jetzt gekostet?
Ist doch egal. Hauptsache, es funktioniert.
Ich will einen Schal mit Streifen.
Ich guck mal nach Wolle.
Ich will sie doch nur ablenken.
Döner-Killer. Wer schreibt denn so was?
Irgend so ein Typ. Wagenknecht.
Ist aber nicht der Einzige.
Und deswegen jetzt ne Strickmaschine?
Sie braucht Struktur.
Ja.
Alltag und Struktur.
Genau.
Feste Regeln.
* Türklingel *
Das muss Onkel Hüseyin sein. - Gehe schon.
Wer sind Sie? - Guten Tag.
Kriminalhauptkommissar Bronner.
Semiya Simsek, richtig?
Ist was mit Ramazan? Oder Fadime?
Mein Onkel? Ist wieder jemand...
Nein.
Nein, keine Sorge, alles in Ordnung. Ich - Gibts was Neues?
Ich fürchte nicht.
Ich wollte mich vorstellen. Ich bin Ihr neuer Ansprechpartner.
Was ist mit Hegemann?
Der ist in Rente. Seit 3 Jahren schon.
Hat man Sie nicht informiert?
(Kerim) Abla, wer ist da?
Ein Nachbar.
Warum erfahren wir immer aus der Zeitung,
wenn wieder jemand erschossen wurde?
Meine Mutter erschrickt jedes Mal zu Tode.
Warum sagt uns niemand Bescheid?
Kommen Sie wieder, wenn Sie den Mörder meines Vater haben.
* Musik *
Halit.
Halit.
Halit!
Wird jetzt täglich einer von uns abgeschlachtet? Und ihr schaut zu?
Frau Simsek.
Haben Sie meine Nachricht bekommen?
Wann tut ihr endlich was?
Gehts jetzt immer so weiter?
Schon wieder ein toter Türke. Na und?
Kommen Sie.
Kommen Sie mit.
Wir hatten gerade einen Profiler da.
Der meinte auch, dass er vielleicht ein Einzeltäter gewesen sein könnte.
Oder 2 Männer.
Wie Brüder.
Missionsgeleitet.
Vielleicht mit Nähe zur rechten Szene.
Die letzten beiden Opfer waren völlig unbescholten.
Noch dazu außerplanmäßig an den Tatorten.
D.h. sie könnten stellvertretend ausgewählt worden sein.
Stellvertretend für wen?
Und was passiert jetzt?
Zunächst ist es nur eine Hypothese.
Da gibt es viel Skepsis unter den Kollegen.
Was glauben Sie denn?
Ich brauche erst mal n Überblick.
Wissen Sie noch, wann die Werbeaufkleber angebracht wurden?
Ich habe den Wagen mit dem Laden übernommen.
Da war das schon drauf.
Enver hat die Aufkleber 1999 in der Türkei bestellt.
Moment, die klemmt.
Also noch mal.
Der Lkw wurde nur einmal untersucht nach dem Mord?
Was ist los, was suchen Sie?
Ich überprüfe die Aussage eines Drogendealers, der behauptet,
mit Ihrem Vater zusammen im Herbst '97
Streckmittel für Heroin transportiert zu haben.
Auf dem Lkw soll in rot "Simsek Blumen" gestanden haben.
Nein, 1997 war er noch weiß.
Des Weiteren behauptete er, dass sie hier zu dritt gesessen haben.
Hier kann man gar nicht zu dritt sitzen.
In der Schlafkoje kann einer liegen, ist aber verboten.
Enver hat das nie gemacht.
D.h. er hat gelogen?
(Hegemann) Nicht, dass ich wüsste.
Nein, es wurde nicht überprüft, nicht zu meiner Zeit.
Warum denn nicht?
Die Aussage, die Umstände, dieser Zeuge, das ist zweifelhaft.
Ich hab mir der Familie von Simsek gesprochen, mit Freunden,
Geschäftspartnern, der Blumenbörse.
Da gibt es nicht ansatzweise den Bezug zu Rauschgift.
Ich konnt mir das damals auch nicht vorstellen,
aber der Verdacht lag halt so nah.
Okay.
Danke.
Warum wurde die Aussage dieses Zeugen nicht überprüft?
Er war der, der dabei war, als Simsek Drogen transportierte.
Aber es wurde nicht überprüft. - Ist das so?
Uns erschien der Zeuge als glaubwürdig.
Bitte? Ein Häftling, ein Drogendealer?
Die gesamte Drogen-Theorie fußt auf seiner Aussage.
Nicht nur Simsek, auch alle anderen betreffend.
Und das Koks bei diesem Dingsda? Und der Dealer-Freund von Kilic?
Das sind Hunderte Hinweise,
alle in Richtung Drogen und organisierte Kriminalität.
Das sind alles bloß Indizien.
Kann es sein, dass wir in die falsche Richtung marschieren,
nur weil wir sie einmal eingeschlagen haben?
Hören Sie mit Ihren Phrasen auf!
Ich hab Sie doch geholt, damit Sie diesen Bereich überprüfen!
Das mache ich. Aber ich halte mich an Fakten.
Das ist ja sehr gut.
Was haben wir für eine Alternative?
Ein, 2 Superterroristen, die durchs Land ziehen und Türken morden
im Krieg gegen den Staat und sich nicht mal zu erkennen geben?
Glauben Sie das? - Aber sie geben sich doch zu erkennen.
Sie benutzen immer dieselbe Waffe, die Ceska 83.
* Musik *
Abla.
Red du mal mit ihm, ich hab kein Wort verstanden.
Er weint zu laut.
(spricht türkisch)
Hallo, hier ist Semiya Simsek.
* Musik *
Wir werden da sein.
Auf dem Markt sagten sie.
Wo auf dem Markt?
Ist da ein Vereinsraum, oder was ist da?
Da vorne irgendwo.
* Hupen *
Hier muss es sein.
Hoffentlich, wir finden die nie.
Hosgeldiniz.
Hosgeldiniz, herzlich willkommen.
Hosgeldiniz.
Tut mir leid, wir wussten nicht, wo wir hinkommen sollen.
Hauptsache, Sie sind da.
(spricht türkisch)
Es hat angefangen, folgen Sie bitte mir.
Wir gehen gemeinsam hin.
Können Sie oder jemand anderes von der Familie eine kleine Rede halten?
Ne Rede halten?
Wie viele Leute sind denn da?
Keine Ahnung, aber mehr als geplant.
Hab ich noch nie.
Tut mir leid, ich kann keine Rede halten.
Wissen Sie, wir finden es wichtig,
dass gerade Sie oder jemand von der Familie ein paar Worte finden.
Ismail Yozgat wird auch sprechen.
Überlegen Sie noch, wir sind gleich da.
* Musik *
Ich machs.
Am 06.04. starb mein Sohn in meinen Armen.
Er wurde erschossen.
Versuchen Sie, sich in unsere Lage zu versetzen.
Sehr geehrtes Innenministerium,
versuchen Sie zu verstehen, wie verzweifelt wir sind.
Wir trauen um Halit und möchten nicht,
dass andere auch trauern müssen.
Es sollen keine hinterhältigen Schüsse mehr fallen!
Sorgen Sie dafür!
Jetzt spricht Semiya Simsek, die Tochter von Enver Simsek.
Auch wir hatten einen schweren Verlust.
Wir trauern um meinen Vater.
* Musik *
Ich bin jetzt 20.
Und wenn ich abends bei einer Freundin bin und lerne,
oder mein kleiner Bruder in der Disco ist,
dann ruft uns meine Mutter ständig an.
Und wissen Sie warum?
Weil sie vor Angst fast verrückt wird,
seitdem mein Vater erschossen wurde.
Es ist jetzt 6 Jahre her.
Und seit 6 Jahren stirbt er immer wieder mit jedem,
der erschossen wurde.
Das muss ein Ende haben.
Wir können nicht mehr.
Wenn ihr was gesehen habt,
geht zur Polizei.
Bitte helft uns.
Bitte helft uns doch.
(Fußballkommentator) Er nimmt einen langen Anlauf.
7, 8 m, mit links.
Lehmann hält!
Und die Deutschen stürmen Richtung Lehmann.
Jens Supermann in Berlin.
Ja, unsere Anfrage liegt ein paar Wochen bei euch.
Bisher habt ihr aber nicht reagiert.
Ja, ihr macht euch da zu viele Hoffnungen.
Wir können euch die Daten nicht geben.
Warum nicht?
Weil eure Ermittlungen bisher nur Hypothesen-Charakter haben.
Aber ohne die Daten kommen wir über das Hypothesen-Stadium nicht hinaus.
Auf so unsicheren Grundlagen
können wir keine personenbezogenen Daten rausgeben.
Eure Anfrage ist zu unkonkret.
Unkonkret? Wieso?
Männlich, 18 bis 40, Skinhead, Neonazi oder NPD,
und bei euch als Extremist bekannt.
Wissen Sie, wie viele infrage kommen?
Mindestens 3.500, abzüglich der Republikaner.
Das als gesamten Datensatz,
das dürfen wir rein rechtlich gar nicht.
Laut Bayerischem Verfassungsschutzgesetz
müsst ihr Daten übermitteln, sofern diese zum Schutz
der demokratischen Grundordnung benötigt werden. Mann!
Wendet euch an unsere Rechtsabteilung.
Gehts um Quellenschutz, ja?
In Sachen Verfassungsschutz hat sich jetzt unser Chef eingeschaltet.
Jetzt behaupten sie, dass sie uns helfen wollen,
möchten aber, dass wir die Anfrage regional stärker eingrenzen.
Deswegen würde ich vorschlagen,
wir konzentrieren uns auf den südöstlichen Raum.
Einfach, weil es da die meisten Tatorte gab.
Okay?
Na wunderbar.
So.
682 personenbezogene Daten.
Na los.
Hat die Befragung der Bergers noch was ergeben?
Wir haben ihr die Sequenz vom Nagelbombenattentat vorgeführt.
Berger Senior erkannte auch eine gewisse Ähnlichkeit.
Jedenfalls bei dem einen.
Na ja, aber die Tochter konnte sich kaum erinnern.
Nur dass die beiden damals bei Simsek
so was wie T-Shirts und Radlerhosen trugen.
Alles durchforstet.
Nichts.
(Bronner) Na gut.
Vielleicht müssen wir die regionale Einschränkung aufheben.
Dann stellen die sich wieder quer.
Verrennen wir uns hier nicht?
Genau wie die vorher mit ihrer OK-Theorie?
* Musik *
Hallo. - Hallo.
Wie gehts Ihnen?
Okay.
Ein bisschen viel Arbeit.
(Kellner) Kann ich Ihnen was bringen? - Einen Milchkaffee, bitte.
Gern.
Ich hab Ihr Interview im Fernsehen gesehen.
Das war gut.
Echt?
Und sonst so?
Gibts was Neues?
Na, das ist ja nichts Neues.
Und bei Ihnen?
Die Arbeit? Das Jugendhaus?
Ach, ganz gut, macht Spaß.
Die Jungs sind frech, aber ich komm klar.
Ein Milchkaffee.
Danke. - Bitte.
Semiya, ich hab ein Angebot bekommen,
aus Ansbach.
Leitung Organisierte Kriminalität.
Die SoKo Bosporus wurde aufgelöst.
Sie gehen weg?
Und dann?
Meine Freundin wohnt auch dort.
(Kerim) Ach, hier seid ihr.
Semiya, dein Verehrer ist da. - Quatsch.
Das ist doch nur der Fatih. - Der Journalist?
Wir gehen nur essen.
Nur essen?
Na dann.
Das ist als Dankeschön, weil er mir mein Ticket ausgedruckt hat.
Ihr seid echt blöd.
* Hupen *
Okay, ich muss los.
Oho.
* Musik *
Seit 5 Jahren war niemand mehr mit der Ceska ermordet worden.
Seit 5 Jahren war Ruhe.
Der Mord an meinem Vater
wurde ein Hintergrundgeräusch in meinem Leben.
Ich hatte aufgehört mit dem Rätselraten.
Ich suchte nicht mehr nach Antworten.
Dachte ich jedenfalls.
Mhm, evet.
(Onkel Hüseyin spricht türkisch)
Ist bestimmt dieser Fatih, oder?
(spricht türkisch)
Geht gleich los, ne?
* Türkische Nationalhymne aus dem Fernsehen *
Ah, Kerim, setz dich, es fängt gleich an. - Na los?
Habt ihr es noch nicht mitgekriegt?
Nuri Sahin spielt nicht, aber die gewinnen trotzdem.
Die haben Papas Mörder.
Quatsch, so ein Blödsinn.
Wer sind die?
Bankräuber.
Neonazis.
Sind tot, haben sich umgebracht.
Können wir jetzt bitte das Spiel gucken?
Ich guck doch jetzt kein Fußball.
Was ist denn los mit dir?
Ich glaub das nicht. - Die haben die Waffe bei denen gefunden!
Semiya, die Ceska.
(Fußballkommentator spricht türkisch)
Scheiße.
* Musik *
(Bronner) Die haben 13 Jahre lang im Untergrund gelebt.
13 Jahre.
Und niemand hat davon gewusst.
Monatelang bin ich gegen Wände gerannt.
Rasterfahndungen, Vernehmungen.
Ich war sogar auf nem Nazi-Rockkonzert.
Da haben die gerade Urlaub an der Ostsee gemacht.
Wie gehts Ihrer Freundin?
Frau inzwischen.
Gut.
Ja, wir haben jetzt ne Tochter.
Es tut mir leid.
Wir haben versagt.
* Musik *
Herzlich willkommen.
* Musik *
Bitte.
Verehrte Anwesende.
(räuspert sich)
Na?
Aufgeregt?
In Kassel waren mehr Leute.
Wir sind sehr gespannt auf Ihre Rede.
* Glöckchenläuten *
(seufzt) Ach, weißt du was, Semiya,
irgendwann werde ich hierher zurückkehren.
Irgendwann.
* Musik *
Jahrelang wollte ich wissen, wer ihn erschossen hat.
Und jetzt?
Ich weiß nicht, ob ich das packe morgen mit der Rede.
Das schaffst du schon.
Ich hab mich nicht getraut bisher.
Guck mal.
* Musik *
* Musik *
(Angela Merkel) ...falschen Verdächtigungen ausgesetzt zu sein,
statt trauern zu können?
Welche Qual ist es, wenn Nachbarn und Freunde sich abwenden,
wenn sogar nächste Angehörige zweifeln?
Und wie wird man fertig mit der Skepsis,
ob die Sicherheitsbehörden wirklich alles Menschenmögliche tun,
um den Mord an dem Nächsten aufzuklären?
Liebe Hinterbliebene,
niemand kann Ihnen den Ehemann, den Vater,
den Sohn oder die Tochter zurückbringen.
Niemand kann die Jahre der Trauer und der Verlassenheit auslöschen.
Niemand kann den Schmerz, den Zorn und Zweifel ungeschehen machen.
Aber wir alle können Ihnen heute zeigen:
Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer.
Wir fühlen mit Ihnen. Wir trauern mit Ihnen.
Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland
verspreche ich Ihnen:
Wir tun alles, um die Morde aufzuklären
und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken
und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Jetzt. Bitte.
* Applaus *
Jetzt kommt sie.
* Applaus *
* Glöckchenläuten *
* Musik *
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