All language subtitles for Reich um jeden Preis (2024) (Netflix)

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Original subtitles

Anna!

Jetzt ist er in Ceccano!

REICH UM JEDEN PREIS

Seid ihr bereit? Lasst alles raus!

Hier kommt unser Song aus der achten Klasse! Ja, wir sind Kinder der Sterne!

Ja!

Wer bin ich?

Oh. Das weiß ich. Vielleicht.

Erkennst du meine Hände oder meine Stimme?

Beides eigentlich.

Wie alt waren wir damals? Unglaublich, wie lange das her ist.

Das ist viel zu lange her, halt lieber die Klappe.

Ich war lange in Südamerika. Lange in Chile, viel in Bolivien und in Venezuela.

Und was hast du da gemacht?

Meine eigene Truppe. Spontan-Theater.

Unsere Arbeit war politisch und provozierend.

Im Knast war ich auch.

Wegen der Provokationen?

Wegen Rauschgift.

In solchen Ländern kann man politisches Theater nur mit Dealen finanzieren.

Wie geht's deiner Mutter? Steht sie noch auf der Bühne?

Nein. Nein, es meldet sich doch keiner mehr bei ihr.

Gib mir die Telefonnummer von ihr. Ich hab vielleicht 'ne Rolle für sie in meinem

-neuen Projekt, na, los! -Das ist doch ein Scherz.

-Das ist kein Scherz. -Sie würde sich

unglaublich freuen darüber.

Es war schade damals.

Du und ich, wir sind einfach zu früh zusammengekommen.

Viel zu früh, wir waren doch noch ganz zarte Knöspchen.

Findest du?

Du warst aber kein zartes Knöspchen, so wie du rumgevögelt hast,

eher eine fleischfressende Pflanze.

Und du warst dann aus Rache mit dem aus der F-Klasse zusammen.

Diesem Trottel.

Wir sind verheiratet.

Ach. Dann kann er ja gar nicht so ein Trottel sein.

Hm-hm.

Also, ich fliege morgen nach Asturien.

Ich mach doch da 'nen Workshop für tierische Pantomime.

Wahnsinnig interessant.

Darf ich dich danach anrufen?

Ja, sicher. Wir könnten einen Kaffee trinken gehen,

und falls du als Pferd zurückkommst, fressen wir Heu.

Ich würd dir ja viel lieber mein Theater zeigen.

Sehr gerne.

Das war keine erotische Anspielung.

Nein, nein, nein, ich hab's nicht als erotische Anspielung…

Gute Nacht.

Gute Nacht.

Gute Nacht.

Und danke.

Okay. Das ist ja ein richtiger Sportwagen.

Leck mich.

EINEN MONAT SPÄTER

Äh, Verzeihung, wir würden gern bestellen!

Nein, wir wollen noch nicht bestellen, wir warten auf sie. Danke, wir warten

-noch! -Wir warten noch auf Mama.

Ja, das tun wir.

Weiß wer, worum es geht?

-Ich hab da so eine Ahnung. -Und zwar?

Vielleicht hat es etwas mit ihrem Job zu tun, aber ich bin still.

Oder vielleicht rückt sie ja endlich mal Kohle raus.

Das wär cool.

Also bitte. Geht das schon wieder los? Es ist ihr Geld.

Sie hat es geerbt. Und sie kann damit tun, was sie will, verstanden?

-Carlo, sag doch bitte was. -Und was?

Sie ist doch schon fast 90, was soll sie denn, um Gottes willen,

anfangen mit sechs Millionen? Hä?

Sie könnte auch mal ihrer Familie unter die Arme greifen!

In meinem Teesalon stehen schon seit einiger

Zeit Renovierungsarbeiten an, weißt du?

-Schon wieder? -Nur Kleinigkeiten, Papa.

Und was mich angeht, ich bin zwar wieder auf Jobsuche,

aber 'ne eigene kleine Wohnung wär schon mal ganz nett.

Gefällt es dir nicht mehr bei uns?

Doch, klar. Aber langsam wird es doch Zeit, dass ich unabhängig werde.

Zeit, dass er Leine zieht. Das wollte ich auch sagen, nur etwas deutlicher.

Da ist sie!

Wurde auch Zeit.

Aber was das Thema Geld angeht, ist Papa auf unserer Seite, stimmt's?

-Ach, ja? Und wieso? -Äh, nun…

Ich hab mir so viel Mühe gegeben mit dem Bootsführerschein,

ich würd mir gerne mal 'n Motorschlauchboot anschaffen.

Also, der Teesalon, eine Wohnung und ein Motorschlauchboot.

Sind wir dann fertig mit den Bestellungen?

Mama!

Bitte sehr!

Hallo, meine Süßen!

-Hallo. -Mama. Wie gut du aussiehst.

Hier, setz dich.

Is' ja 'ne Ewigkeit her.

Das stimmt. Und es ist meine Schuld.

Oma, hier ist ein Geschenk für dich, bevor ich's vergesse.

Oh.

Hat sonst keiner ein Geschenk für Oma dabei?

Das ist Tee aus Waldmoschus.

Nicht, dass dir noch Pilze wachsen im Mund.

Nein. Vielen Dank, Ale.

Jedenfalls, heute sind wir hier versammelt,

weil ich euch etwas sehr Wichtiges sagen möchte.

Ah.

Mir ist jemand begegnet, der mich völlig verwandelt hat.

Das hast du gebraucht, und du hast so lange gewartet.

Stell dir vor, und ich hatte mit dem Thema schon längst abgeschlossen.

Das weiß ich doch genau.

Aber dann…

Als er mich zum ersten Mal genommen hat, zitterte ich am ganzen Körper.

Ich habe mich in die Magellansche Meerenge verwandelt,

ich habe mich durchqueren und durchbohren lassen

von dem mächtigen Dampfer dieses wunderbaren Eroberers!

Ist das ekelhaft.

-Letzte Nacht hat er mich emporgehoben. -Bringt sie doch

endlich mal zum Schweigen.

Da kommt er!

Ciao!

-Hallo, ihr Süßen. Hallo, Anna! -Ciao.

-Hallo, hallo! Hallo, mein Liebling! -Mein Liebster!

Und du bist Carlo, richtig?

Richtig.

Das weiß ich noch.

Ich auch.

Ich hol mir 'n Stuhl.

-Wer ist das? -Ein Volltrottel.

Und, Liebling? Alles klar? Ja?

-Hm. -Ja?

Freust du dich, deine Familie zu sehen und die Enkelkinder?

Und wie!

Anna. Ich muss mich bei dir bedanken.

Wenn du mir nicht die Nummer gegeben hättest, hätten wir uns nie getroffen,

und Giuliana würde vor allem nicht wieder auf der Bühne stehen.

Da hat er recht.

Wir sind mitten in den Proben für meine Hemingway-Adaption:

Die alte Frau und das Meer. Giuliana spielt die Alte.

Die Alte, was du nicht sagst. Und du spielst das Meer?

Nein. Ich bin der Marlin.

Der Fisch! Wie kurios!

Und nebenbei renovieren wir auch sein Theater, das ist fast einsturzgefährdet.

Aber, nein, sie übertreibt! Es ist eben rustikal!

Tatsache ist,

dank des großzügigen Schicksals und Tante Teas Nachlass haben wir Geld im Überfluss.

Vor allem aber dank ich dir, Liebling. Ich danke dir!

Der Marlin hat wohl Bauchkrämpfe?

Komm und töte mich, Fisch. Nur du kannst es tun.

Komm doch und töte mich, Schwester.

Es spielt keine Rolle, wer von uns den anderen tötet.

Mein Gott. Bringt euch doch endlich gegenseitig um.

Ah. Aua.

Was ist denn?

Machen wir kurz Pause, mir ist wahnsinnig heiß.

Wie war ich?

Du bist einzigartig, Liebling. Einzigartig.

Danke.

Du machst jetzt kurz Pause, und wir richten das Licht neu ein.

Ist gut.

Komm, wir gehen.

-Sehr gern. -Tasso? Tasso.

Was ist mit Kuba? Das nennst du 'ne kubanische Nacht?

Also, ich hab hier einen Zeitungsaussschnitt aus Montevideo.

Hier, lies, da steht der Name Nunzio Zampa.

Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen einiger Morde.

Die zum Beispiel hieß Luisa Rodriguez und war 20 Jahre älter als er.

Und außerdem die Chilenin. Brandstiftung wahrscheinlich.

Zeig ihr doch den Ausschnitt!

Ja, Moment. Hier, Mama. Siehst du das?

Wo habt ihr das aufgetrieben?

Na ja, Mama, das wurde alles recherchiert.

Von wem?

Von einem Profi natürlich. Weißt du, das ist doch wirklich alles sehr ungewöhnlich.

-Und wie. -Was denn genau?

Wundert ihr euch etwa,

dass sich ein Mann voller Lebenskraft in eine alte Schachtel wie mich verliebt hat?

Ganz genau.

Also… Ich wollte es dir netter sagen, Mama. Doch…

Nunzio hat die Frauen umgelegt!

-Bist du bescheuert? Was redest du da? -Also, Moment mal…

Wie soll man das denn netter sagen? Er hat sie umgelegt. Mit Schleifchen?

Bist du etwa eifersüchtig?

Mama, ich bin nicht eifersüchtig, ich mach mir große Sorgen, kapiert?

Nunzio hat zweimal ältere Frauen geheiratet. Zwei reiche Frauen,

die jetzt beide tot sind.

Du bist erstens reich, sechs Millionen, und zweitens älter. Fällt dir dazu gar

nichts ein?

Nunzio musste in seinem Leben sehr viel durchmachen. Und ich habe endlose Jahre

der Einsamkeit erduldet.

Erwartest du denn wirklich, dass ich wegen irgendwelcher Klatschgeschichten

mein Lebensglück in den Gully werfe?

Ja, wenn du noch ein paar Jahre am Leben bleiben willst.

-Was ist das? -Die Ringe für unsere Hochzeit.

-Großer Gott. -In zwei Wochen geben wir

uns das Jawort auf Menorca!

-Das hast du jetzt nicht gesagt, oder? -Und danach beginnt unser

gemeinsames Leben in Jericoacoara,

einem kleinen Dorf im sandigen Nordwesten Brasiliens.

Ach, das ist ja die reinste Seifenoper!

Und wie lang ist sie jetzt schon in ihrem Zimmer?

Drei Stunden schon, sie lässt niemanden rein.

-Soll ich vielleicht mit ihr reden? -Nein. Kommt nicht in Frage. Mit

deiner Depri-Stimmung würdest du sie in den Selbstmord treiben.

-Also, äh… -Verzeihung, ich muss nur kurz was holen.

Wie fühlst du dich, Schatz?

Wie jemand, dessen Mutter umgelegt werden soll.

Stocksauer. Aber ich werde es nicht zulassen.

Und was hast du vor?

Nein, nein, ich kann euch nicht mit reinziehen, ich muss es ganz alleine tun.

-Was musst du alleine tun? -Gar nichts. Ich brauch auch keine Hilfe.

-Ach, jetzt hör doch auf… -Womit denn?

Hör einfach auf damit, was soll das denn alles?

Wir sind verheiratet, Herrgott noch mal. Ich weiß,

dass du mich für einen nutzlosen und unfähigen Ehemann hältst.

Aber wenn es drauf ankommt, bin ich an deiner Seite.

Gut.

Wir müssen Nunzio ermorden.

Tja. Warum eigentlich nicht?

Mama, was soll das? Ist das, ist das 'n Witz?

Nein. Das ist kein Witz.

-Bist du verrückt? -Soll ich vielleicht einfach warten, bis

man mich irgendwann aus Brasilien anruft, dass Mama tot ist,

von Piranhas aufgefressen oder von einer giftigen Spinne gebissen?

-Dann ruf doch die Polizei an, mein Gott. -Äh?

Ach, ja? Und was erzählen wir der Polizei? Es wurde noch keine Straftat begangen,

und Nunzio wurde noch niemals verurteilt für die Morde an seinen Ex-Frauen.

Was soll denn die Polizei tun?

Mama, hör doch bitte auf, das geht nicht, also was soll's.

Sollen wir lieber zulassen, dass sie umgebracht wird? Und sich das Arschloch

das Erbe unter den Nagel reißt?

Seid ihr denn alle verrückt? Papa, sag doch was!

-Ja was denn bitte? -Was denn,

bitte? Das ist doch alles Wahnsinn!

Du hast dich immer schon gedrückt, wenn's ums Mithelfen ging.

Den Tisch musste ich doch immer alleine abräumen.

Sag mal, spinnst du? Hier geht's doch nicht ums Spülmaschine-Einräumen. Wir

reden hier tatsächlich von einem Mord.

Ja, nämlich von einem Mann, der meine Mutter umbringt, wenn wir nichts tun!

Papa, jetzt sag doch bitte endlich was.

-Sag endlich was! -Jetzt geh mir nicht auf die

Nerven, ich muss nachdenken, ja?

Nein! Ihr braucht nicht weiter nachzudenken. Es tut mir leid,

das ist meine Angelegenheit, ich möchte euch da nicht

weiter mit reinziehen.

Ich gehe jetzt jedenfalls schlafen. Ich möchte mich ausruhen.

Denn morgen muss ich fit sein, um einen Mord zu planen.

Gute Nacht, meine Lieben.

Carlo? Was ist denn?

-Okay, ich helfe dir. -Aber das musst du überhaupt nicht.

Als du dich beschwert hast, dass wir nichts Spannendes unternehmen,

hab ich nicht an Mord gedacht.

Aber wenn es dir so wichtig ist, lass ich dich nicht im Stich.

Na? Hier können wir doch unseren Plan entwerfen.

Liebling, das geht nicht. Es darf auf keinen Fall was Schriftliches geben. Wir

müssen alles im Kopf haben!

Na, toll, bravo! Ich muss es mir aber aufschreiben, sonst vergesse ich alles.

Das verstehe ich, Liebling, aber wir landen im Knast, wenn die Polizei eine

Tafel mit der Ausarbeitung des Mordplans findet. Oder?

-Hallo. -Was macht ihr denn hier?

-Geh schon rein. Geh. -Also, ich und eure Mutter,

wir sollten uns lieber allein unterhalten, damit ihr nicht hört, was wir reden und…

Nein. Nein, ich hab's mir die ganze Nacht überlegt.

Hier geht's um die Moral, und Moral steht über dem Gesetz.

Und ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass sich hier irgendjemand unser Erbe

unter den Nagel reißt, das sag ich euch!

Ich will natürlich auch nicht, dass Oma umgebracht wird. Aber vielleicht fällt uns

-ja noch irgendwas anderes ein. -Meine Lieblinge, jetzt

seid ihr erst mal hier.

Seit unserem Urlaub in Griechenland haben wir nichts mehr gemeinsam unternommen.

Bevor wir zur Sache kommen, wollte ich euch noch etwas zur Beruhigung sagen.

Sollten wir es schaffen, äh, und dann geschnappt werden,

dann werde ich alleine die gesamte Verantwortung übernehmen.

-Okay. -Okay.

-Mag jemand Kaffee? -Ich.

Ach, so, das nehmt ihr einfach so hin? Also gut, dann mach mir auch einen Kaffee.

Ich hab Butterhörnchen mitgebracht.

Emilio, was soll das? Wir sind 'ne ganz normale Familie beim Frühstück.

Jetzt steiger dich doch nicht so rein.

Liebling, setz dich doch.

-Also. Dann fangen wir jetzt an, hm? -Mm.

Ja, fangen wir an.

Tja, und jetzt? Habt ihr irgendwelche Vorschläge, wie wir vorgehen sollen?

Darf ich?

-Na, sicher! -Nur zu, mein Schatz.

Donnerwetter!

-Na, dann. -Ah.

Diese Pflanze heißt Eisenhut. Sie wächst auf den Balearen.

Auf Menorca auch in der Gegend um Saint Tomàs. Bitte.

Gib's weiter an Papa. Sie enthält Aconitin, ein Pflanzengift,

das die Sinnesnerven lähmt.

-Ach, wirklich? -Ja. Der Wirkstoff wird sehr schnell

resorbiert, anschließend verkrampft der Kehlkopf, es kommt zum Atemstillstand,

anschließend zum Herzstillstand und zum Tod.

-Zum Tod. -Oh.

Richtig. Und das Gift kann man nicht nachweisen.

Bin ganz ganz früh aufgestanden, und ich hab die ganzen Botanik-Nachschlagewerke

studiert.

Ja. Ja, da staunt man. Von Mama hast du die Pollenallergie und den Killerinstinkt.

Gut gemacht. Das ist deine Schwester!

Fassen wir noch mal zusammen. -Die Hochzeit wird in

der Villa stattfinden, die Oma gemietet hat, richtig? -Mm.

Bis die anderen Gäste ankommen,

werden wir vier Tage ganz allein im Haus sein mit Nunzio.

Uns bleiben also vier Tage bis zur Hochzeit.

Das heißt, wir haben vier Tage, um ihn, also…

-Na ja. -Na ja, was soll's. Auf

Menorca waren wir noch nie!

-Stimmt. Um so besser. -Also, anscheinend kann man

dort hervorragend wandern.

-Wo hast du eigentlich deinen Koffer? -Ich brauch weiter nichts.

-Ah. -Unterwäsche, T-Shirts, und

dazu Bergsons Metaphysik.

Du hast bestimmt eine Heizdecke eingepackt und dazu noch ein Paar

Schwimmflügel, was?

Na, klar doch. Ich find's toll, dass wir ein bisschen Zeit zusammen verbringen

werden. In deiner Gegenwart fühl ich mich sofort verjüngt.

-Das kommt durch meine Ausstrahlung. -Ja. Wenn ich mir deine Freundin so

ansehe, kommt mir Anna gleich wie ein Schulmädchen vor.

Ja, wer zuletzt lacht…

Und wenn es auf Menorca keinen Eisenhut gibt?

-Was? -Wenn es auf Menorca keinen Eisenhut gibt?

Den gibt's ganz bestimmt.

Aber zur Sicherheit hab ich auch noch Strychnin.

Ist das dein Ernst?

Jetzt fang nicht wieder an.

Und wenn sie den Koffer kontrollieren?

-Den kontrollieren sie nicht. -Und wenn sie es doch tun?

-Wieso sollten sie ihn kontrollieren? -Wir sind hier am Flughafen,

da werden Koffer kontrolliert!

Mann, jetzt chill doch endlich!

Es ist sowieso in deinem Koffer.

-Ist das wahr? -Ja. Meiner ging kaum noch zu.

Das war ein Scherz. Komm runter.

Ich nehm doch kein Strychnin mit. Denkst du, ich bin irre?

Da ist sogar 'n Totenkopf drauf. Du bist so ein Trottel.

Es gibt Probleme.

-Und zwar? -Emilio. Er dreht am Rad.

Er sagt, er will nicht mit auf den Jahrmarkt in Ceccano.

Bitte?

Ab sofort will er nicht mehr von Mord sprechen.

Wir sollen jetzt einen Code benutzen, zum Beispiel den Jahrmarkt in Ceccano.

-Der Jahrmarkt in Ceccano, was ist das? -Ich hab keine Ahnung, aber das ist nicht

der Punkt. Der Punkt ist, wenn wir nichts unternehmen, fliegt

uns alles um die Ohren.

-Oje. Und jetzt? -Ich geh und red mit ihm. Lass mich durch.

-Und, alles klar? -Alles klar.

Von wegen. Deine Schwester sagt, du sorgst dich wegen dem Jahrmarkt in

-Ceccano. -Ich möchte auf keinen Fall nach Ceccano.

Ich will da nicht hin. Es gibt Orte, von denen man weiß, dass sie einen das ganze

Leben verfolgen werden.

Du übertreibst. Ja, das Essen liegt im Magen. Ist doch halb so wild!

Ich sagte doch, die Rechnung geht auf mich.

Es geht doch überhaupt nicht ums Geld, sondern um die Moral, ihr müsst…

Es stimmt ja. Sie schreiben keine Rechnung, alles läuft schwarz.

Ja. Aber, man muss im Leben manchmal unvorhergesehene Entscheidungen treffen.

Es ist das kleinere Übel für die ganze Familie, nach Ceccano zu gehen.

Es steht dir jedenfalls frei, nicht mit aufs Volksfest zu gehen, ja? Keiner zwingt

dich, mein Lieber.

Ich finde es Wahnsinn, dass ihr alle so völlig entspannt seid. Habt ihr denn

überhaupt keine Moral mehr?

Jetzt hör auf, Papas Liebling. Papas Liebling. Komm schon.

Der Junge hat große Probleme. Er ist krank, schwer krank.

-Und die Schlüssel sind im Auto? -Okay, Señora, aquí tiene su permiso de

conducir, y las llaves. Qué tenga buen viaje.

Was faselt der Kerl da?

Du lässt meine Mutter fahren? Wieso fährst nicht du?

Na… Weil ich keinen Führerschein hab.

Das heißt, einen aus Chiapas, aber der gilt nirgends, außer in Nicaragua.

-Du hast mich doch nach Hause gefahren. -Ich hab zwar keinen

Führerschein, aber ein Auto schon.

Ich möchte was Neues vorschlagen. Wir sollten es so aussehen lassen,

als ob Nunzio Selbstmord begangen hätte. Genau.

Äh, ich wollte sagen, wie wär's denn,

wenn wir anstatt Selbstmord ein anderes Wort benutzen?

Sagen wir doch lieber braun werden, das passt zum Meer.

-Ja, klar. Ist ja gut. -Ach, jetzt hör doch auf mit dem Scheiß!

Weil es bei einem Selbstmord keine Tatverdächtigen gibt, richtig?

Und Mama muss davon überzeugt werden, dass bei Nunzio eine Depression vorliegt,

dass er… -Er ist doch Schauspieler.

Schauspieler sind ja grundsätzlich seelisch instabil. -Klar, und wie.

-War ja klar, dass es wieder so läuft. -Wie läuft es denn?

-Es hieß doch, wir nehmen Eisenhut. -Liebling, das machen wir ja.

Aber wir brauchen auch einen Plan B.

Schon klar! Vor allem, wenn Plan A von mir war, richtig?

Ja. So ist es.

Ich versteh einfach nicht, warum mir keiner von euch auch nur irgendwas

-zutraut? Warum nicht? -Jetzt sei bitte nicht wieder

Schatz, wir haben vollstes Vertrauen in deine Killerinstinkte. Das wird schon.

So kindisch, hörst du? Genau.

Mann, ist das umwerfend hier. Das ist ja ein Traum!

Wohin hast du uns da entführt, Liebling?

Für meine Liebsten ist mir nichts zu teuer.

-Total abgelegen. -Das stimmt.

-Hola! -Hola. Hola.

-Hola. -Hola.

-Mucho gusto. -Sie sind Patricia?

Si.

Sie ist die Köchin und kümmert sich ums Haus.

-Und Luis, Luis ist der Gärtner, richtig? -Hmhm. Und Hausmeister.

-Sehr gut. -Möchten Sie mir folgen?

-Ich zeige Ihnen das Anwesen. -Gerne. Wollen wir? Hier geht's lang?

Und wie, es ist wunderschön. Einfach herrlich. Ein Traum.

Das ist der Pool.

Ah ja. Und wozu sind die ganzen Überwachungskameras?

Mein Mann ist un poquito paranoico. Er hat die Eigentümer überzeugt, dass das

-notwendig ist. -A-ha.

Äh… Bevor ich hier anfing, war ich lange bei der Guardia Civil.

Kriminalität scheint es hier aber wenig zu geben.

Kriminalität? Hier gibt es keine Kriminalität.

-Die Leute auf der Insel wissen ja, dass ich da bin. -Hm.

Sie wissen, wenn einer das Grundstück betritt, wird erst geschossen und dann

-nach dem Namen gefragt. -Ah. Was Sie nicht sagen!

Exactamente.

Wie soll's denn jetzt weitergehen? Was sollen wir tun? Sag mal,

was machen wir denn jetzt? Müssen wir diesen Luis auch umbringen?

-Und Patricia lassen wir leben, oder wie? -Nein, auf keinen Fall.

Patricia müssen wir auch ausschalten!

-Was ist das denn? Was ist das? -Hä?

Keine Ahnung. Aber das Zimmer gehört deiner Mutter!

-Was? Verrücken die etwa die Möbel? -Na ja, sie können sich

-wohl nicht ganz entscheiden. -Hä?

Also, es geht hin und her und hin und her.

-Aber, dann tu doch was. -Und was, hä?

Keine Ahnung, mach, dass sie aufhören! Meine Mutter und mein Ex-Freund verrücken

ihre Möbel, und ich muss dabei zuhören? Geht's noch?

Ex-Freund? Was soll das? Das war vor vierzig Jahren! Ex-Freund, das ist

verjährt!

Der gehört ins Altersheim oder ins Hospiz.

-Donnerwetter! -Jetzt geh bitte!

Aber nur deinetwegen.

-Ja, bitte? -Anna kann leider nicht schlafen.

-Wie kommt das denn? -Tja, die Geräusche. Die Geräusche!

Ah. Das muss wegen dem Wiedehopf sein im Garten.

Äh… Ja. Am Wiedehopf liegt's wohl auch.

-Hm. Das geht mir auch oft so, weißt du? -Hm. Die erste Nacht in einem neuen

Bett schlafe ich auch nicht so gut ein.

Ja, offensichtlich. Äh, aber bei deiner Tochter

liegt es wohl eher daran, -dass sie hört, wie ihr beide,

äh, ständig eure Möbel verrückt. -Hä?

Wir können es hören, dass ihr eure Möbel verrückt. Das Bett!

-Ach, so. -Ich geb dir einen Rat.

-Bitte. -Am besten habt ihr Sex,

dann kann sie loslassen.

Giuliana, in unserem Alter hat man schließlich

Anstand und Würde zu bewahren. Und meine Schwiegermutter

ist 'ne Schlampe.

VIER TAGE BIS ZUR HOCHZEIT

DREI TAGE BIS ZUR HOCHEZIT

-Buen día! -Buenos días, Patricia!

Buenos días. Wie schön.

-Gracias, Patricia. Gracias. -Gracias, vielen Dank.

Stellt euch vor, letzte Nacht hatte ich eine

Art Erweckungserlebnis.

Ich habe endlich begriffen, dass ich glücklich bin.

-Das war ja nicht zu überhören. -Ja. Kann man wohl sagen.

Endlich glücklich. Ich hoffe nur, dass es noch eine Weile so bleibt.

Nunzio wirkt manchmal so abwesend, als sei er in Gedanken versunken.

Weißt du, Mama, die Sache ist so, ich muss es dir jetzt sagen, dass Nunzio

schon damals in der Schule wegen Depressionen behandelt wurde.

-Das ist wahr, leider. -Ich habe immer gehofft, dass er es in

der Zwischenzeit überwunden hat. Aber

er hat uns erzählt, eher nicht. Er empfindet dann eine völlige Sinnlosigkeit,

-Ah. -und dann überwältigt ihn eine völlig

umfassende Traurigkeit und dazu die Apathie.

Jetzt fällt's mir wieder ein, Emilio ist es auch aufgefallen.

Depressive erkennen sich gegenseitig.

Emilios Depression ist aber viel gesünder. Er hat keinen einzigen Freund,

sein Leben ist völlig beschissen, ist doch ganz normal,

dass ihn das fertigmacht, der Arme. Ganz anders liegt der Fall bei Nunzio:

Solche Depressionen scheinen grundlos zu sein. So wie ein mal de vivre, ein Defekt.

Man will morgens nicht aufstehen, weil es einem zu viel ist,

man will sich nicht waschen, weil man eine Wasserphobie hat.

Das sind die allergefährlichsten Depressionen.

I love you!

Leute, die Insel ist der totale Knaller! Wer kommt mit 'ne Runde drehen?

Das macht die Depression.

Da geht es rauf und runter und rauf und runter.

Vorrei due ali d'aliante

Per andare sempre più distante Eh…

Oh-oh-oh.

E una baracca sul fiume

Per pulirmi bene le mie piume

-Ah, ah, ah… -In Albanien bin ich mal

-reiten gewesen mit Fiordaliso. -Wer soll das sein?

-Du kennst Fiordaliso nicht? -Nein. Dann gib dir am

besten gleich die Kugel.

Jetzt komm mal runter.

Was ist mit dem Teesalon, hast du jemanden, der dich vertritt?

Ich hab zugesperrt. Ist auch viel besser für die Stromrechnung.

Ah.

Es ist ein Fass ohne Boden. -Was? -Na ja, dieser beschissene Teesalon. Also,

es läuft gar nicht gut.

Ah. Tut mir leid, das wusste ich nicht.

Nein, ich hab's auch keinem gesagt. Nur du weißt es jetzt und die Lieferanten,

die ich nicht bezahlen kann.

Also meldest du dich deswegen nicht mehr? Ich dachte, du wärst irgendwie sauer.

Ich dachte, du magst deinen großen Bruder nicht mehr.

Nein, ganz im Gegenteil. Es tut mir immer gut,

wenn's jemandem noch beschissener geht.

Na, los, ihr Naturbanausen, seht euch mal die Aussicht an!

Ich hol mir noch kurz was zu trinken.

Ale! Ale!!

Was denn?

Du könntest braun werden.

Das will ich doch hoffen!

Also, ich glaube, es wird keinen optimaleren Moment geben,

um braun zu werden.

Ich schaff es einfach nicht, braun zu werden!

Komm du doch her und leg dich in die Sonne!

Das werd ich nicht tun! Ich leg mich nicht in die Sonne!

Ich wollt überhaupt nie herkommen auf diese verfluchte, beschissene Insel!

Ich will nicht braun werden!

-Ich werd auch nie braun werden! -Eben, ich auch nicht!

Ist doch völlig schnuppe! Dann werdet eben nicht braun!

Es zwingt euch ja keiner! Voll die Psychokrüppel am Start hier.

Und übrigens hab ich Lichtschutzfaktor 50 dabei. Komm, gehen wir schwimmen.

Nunzio hat also Fotos gemacht an der Steilküste,

und Emilio hat gesagt, los, werd braun!

Also hab ich mich angeschlichen, er war direkt vor mir, ich hab mir gesagt,

jetzt mach ich's, ich war fast soweit, ich war direkt hinter ihm.

Emilio hat natürlich nichts gemacht wie immer,

aber kein Problem. Gar kein Problem.

Und dann hab ich mir gesagt: Jetzt schubs dieses Arschloch runter.

Aber ich konnte es nicht.

Das ist aber irgendwie immer schon dein Problem gewesen.

-Was denn? -Du warst im Ballett und wolltest nicht

vortanzen, und im Schwimmverein war es so ähnlich.

Nein, Mama, ich schaff es nicht, bitte Mama,

ich kann nicht, erinnerst du dich? Oder? Ich hab Angst, ich bin gelähmt.

Es ist aber nicht wirklich die gleiche Situation.

Doch, es ist die gleiche Situation. Und diesen Konflikt musst du endlich auflösen.

Du musst es für dich selbst tun und nicht nur wegen dieses Mordes.

Ich muss mal.

Musste das unbedingt sein? Sie war fix und fertig.

-Das ist doch nur die Wahrheit. -Was soll's, sie hat ihn eben nicht

geschubst, das müssen wir akzeptieren. Sie macht sich doch schon Vorwürfe,

-da musst du nicht nachtreten. -Darf man denn gar nichts sagen?

Sie ist doch keine Dreijährige.

-Was soll das denn? -Sie macht sich doch nur verrückt

mit ihren hohen Ansprüchen immer.

Hypotonie, Blockade der Sinnesnerven, Aconitin, was soll das?

Die große Expertin und Spezialistin,

wenn es dann konkret um einen kleinen Schubs geht, ist sie blockiert.

-Habt ihr von mir geredet? -Nein, überhaupt nicht.

Nein, Schätzchen, nein.

Jedenfalls finde ich, so wie die Sache bis jetzt gelaufen ist, kriegen wir's

-nicht hin. -Schluss jetzt. Du musst

Vertrauen haben zu unserer Familie.

Und du musst viel mehr Selbstvertrauen entwickeln. Immer bist du so negativ,

-Emilio. -Richtig, immer so

negativ. Was meinst du damit?

Dass ihr uns immer wie Idioten behandelt habt, als wären wir unfähig, aber wenn es

euch in den Kram passt, sollen wir reif und erwachsen sein. Ihr habt es euch echt

leicht gemacht. Vielleicht denkt ihr mal darüber nach.

Es reicht, immer müsst ihr euch beschweren! Was spielt es denn für eine

Rolle, wie wir euch erzogen haben oder wie wir euch heute sehen! Hä?

-Ihr seid immerhin 30, legt mal los! -Ja. Nein, wirklich, diese ganze

Geschichte macht mich einfach so fertig.

Dass wir es nicht schaffen, als Familie zusammenzuhalten, obwohl es um einen Mord

-geht. -Ja.

-Mama hat recht. -Also.

Wir sollten uns alle gemeinsam auf, auf unser Ziel konzentrieren.

Eigentlich ist es wirklich nicht schwer. Es geht ja hier nicht um Kernspaltung.

Wir müssen nur jemanden umbringen, einen Trottel, einen nutzlosen Kerl, also was

-soll's? -Ja, genau. Komm, mach doch

einen Spaziergang mit deinem Bruder.

Dann könnt Ihr gemeinsam nach dieser Pflanze suchen, dieser Ki-Killerpflanze.

-Eben. -Wie heißt sie noch mal?

Eisenrohr, äh, Eisenherz?

-Eisenhut. -Eisenhut, ja. Na, los,

macht schon. Bewegung.

-Mit etwas mehr Schwung, ja! -Los, gehen wir.

Das wird schon, nur zu.

Von wem haben die das? Von uns nicht. Von deinem Vater, diesem Feigling.

Stimmt doch, deine Mutter hat ihn am Ohr durchs Haus geführt.

Fängst du wieder an?

Kehr lieber vor deiner eigenen Tür.

Stell dir vor, in jedem Ökosystem gibt es Pflanzen, die potenziell tödlich sein

-können. -Hm. Klar, super, du sagst

es so, als wär's was Schönes.

Nein, hier ist nichts. Wir müssen da drüben weitersuchen.

Geh schon vor, ich warte hier.

Und wieso, bitte?

Ich halte Wache. Und wenn ich jemanden sehe,

dann warne ich dich. Mit einem Tierlaut. Ich wiehere wie ein Pferd.

Hm! Bravo! Das fällt bestimmt niemandem auf, wenn du hier sitzt und wieherst.

Vollidiot.

-Da ist ein nackter Mann in der Dusche. -Hä?

-Ein nackter Mann in unserer Dusche! -Ein nackter Mann in unserer Dusche?

-Guten Morgen. -Wer sind Sie?

-Nein, tut mir leid, wer sind Sie? -Gibt es hier Kinder? Dann ist ja gut.

N-Nein.

Und was ist mit den Erwachsenen, zählen die nicht?

Verzeihung, ich hab Ihre Dusche benutzt, mein Zimmer hat leider keine.

-Hm. -Ich bin Bojan. Ich bin der Trauzeuge

für Nunzio. Frisch aus Chile eingetroffen.

-Steh auf, wir gehen jetzt. -Hast du's gefunden?

Nein!

Mein Gott, ich fühl mich irgendwie ganz komisch.

Ich bin fix und fertig von der Siesta.

-Was ist? -Hör zu, aber reg dich nicht auf.

Ich reg mich ja jetzt schon auf.

Ich glaub, ich hab 's gefunden.

-Scheiße. Vielleicht hab ich's berührt? -Nein, das hast du… Ja, ich

glaub, du hast es berührt.

Woher willst du das wissen?

Du hast da oben eine kleine Schwellung.

-Ich sterbe! -Nein, du stirbst nicht, du hast es doch

nicht eingenommen. Wir fahren jetzt gleich zur Notaufnahme.

-Und was ist, wenn doch? -Hast du's eingenommen?

-Keine Ahnung! -Was heißt hier „keine

Ahnung", weidest du im Schlaf?

Was weiß denn ich, die einen sind eben Schlafwandler,

und ich bin Schlafweider! Hilfe! Hilfe!

-Nein, Emilio, warte doch! Emilio! -Ich sterbe!

-Emilio! -Ich sterbe!

Gib ordentlich Obst dazu. Ruhig noch mehr. Na, los, trau dich.

Mach ich doch. Was willst du denn? Was?

-Wo seid ihr denn gewesen? -Ach, vergiss es lieber.

-Habt ihr die Pflanze gefunden? -Ja. Aber unser Genie hat sich

draufgelegt, und wir mussten daraufhin ins Krankenhaus fahren.

Sie haben mir Cortison gegeben, aber die Beule sieht man immer noch.

Jedenfalls scheidet Eisenhut jetzt aus. Falls nämlich anschließend von der Polizei

ermittelt wird, kommen sie drauf und wir sind total geliefert.

Sag mal, warum sabotierst du mich eigentlich immer wieder, wenn ich, wenn

ich irgendetwas auf die Beine stellen will?

Klar, ich hab's ja absichtlich gemacht.

-Pst! -Ganz genau!

Te ha llamado él? De verdad?

Sí.

Es increíble. Eso te ha pasado a ti de verdad. Eso lo puedo imaginar…

-Was ist eigenlich los? -Äh… Nichts Besonderes,

Nunzio hat ein paar Freunde von Luis und Patricia eingeladen,

um die Ankunft seines Trauzeugen zu feiern.

Was denn für ein Trauzeuge?

-Bebe, bebe, bebe, bebe…! -Der Mann heißt Bojan. Er ist

Hochzeitsplaner aus Serbien und lebt in Uruguay.

-Sieht er denn nichts? -Er ist momentan blind. Anscheinend ist

ein Unfall passiert bei einer Erstkommunion in Valparaiso.

-Anna. Endlich sind wir allein. -Stimmt. Wo ist denn Mama?

Sie ist ein bisschen müde, sie hat sich hingelegt.

Na, das ist aber komisch, sie ist doch erst 87.

Ich weiß, was du vorhast.

Äh, was denn?

-Bist du kaltblütig genug? -Äh, wovon sprichst du denn?

Von deiner Trennung.

Also, die Anna, die ich kannte, würde nicht so resignieren. Darf ich kurz?

Das sagst ausgerechnet du? Deine Freundin ist 87 und hat volle sechs Millionen auf

-der Bank. -Das stimmt, ja.

Reiche Frauen haben mir immer gefallen. Aber nicht wegen des Geldes,

sondern weil sie einfach heiterer sind als arme Frauen.

-Mm. -Ich mag Heiterkeit.

Das da sind wir beide. Damals beim Sex im besetzten Schulgebäude.

Nein, so biegsam warst du damals nicht.

Wir brauchen einen neuen Plan, das ist euch doch klar?

Ja, das find ich allerdings auch.

-Was ist denn los? -Gar nichts ist los,

-das ist ja das Problem. -Das hört sich idiotisch an…

Ich will niemandem zu nahe treten, aber der Eisenhut war ein Reinfall.

Übermorgen fahren Luis und Patricia zu dieser Fiesta nach Ciutadella.

Das wäre der richtige Zeitpunkt, um nach Ceccano zu gehen.

Wir versetzen Nunzios Getränk mit einem Schlafmittel, dann legt Oma sich

-hin… -Und was, wenn nicht?

Nein, sie legt sich immer hin nach dem Essen.

Aber vielleicht bleibt sie mal wach!

Nerv jetzt nicht! Sie legt sich hin! Und wenn nicht, dann kriegt sie ordentlich

-eins über den Schädel! -Ist ja gut, jedenfalls, Oma

legt sich wie immer hin, ja?

Und wir tragen inzwischen den schlafenden Nunzio in die Garage.

Zwischen Haus und Garage sind keine Überwachungskameras.

Wir setzen ihn dann in den Wagen, bringen hinten einen Schlauch

am Auspuff an.

Wir lassen den Motor an, bis es soweit ist.

Und Bojan?

Und Bojan und B-B-Bojan,

-Wir denken uns was aus und schicken ihn mit den anderen auf die Fiesta.

Oder wir geben ihm Schlafmittel, oder wir bringen ihn auch gleich um,

einverstanden? -Ah, übertreib jetzt nicht.

Also. Eins nach dem anderen, ich bitte euch. Emilio, versuch doch, etwas

-positiver zu sein. -Sei positiv, mein Sohn,

dieses eine Mal wenigstens.

Zum Glück sieht er nichts. Ja, also wenn es schon einen

potenziellen Zeugen gibt, dann auch am besten einen Blinden, oder?

Aber in den nächsten 48 Stunden müssen wir weiterhin versuchen,

alle davon zu überzeugen, dass Nunzio selbstmordgefährdet ist.

Wie soll das gehen?

Mit einem Geniestreich. Wir simulieren einen Selbstmordversuch im Swimming Pool.

Und das meinst du ernst? Wer begeht denn bitte Selbstmord in einem Pool?

Na, jemand, der lebensmüde ist! Wo, ist doch egal.

Das geht doch nicht im Swimming Pool!

Er schafft es ja nicht! Es soll so aussehen,

als ob er's versucht hat. Ich bereite auch noch was anderes

vor mit den Überwachungskameras. Aber wozu erzähl ich euch das?

Ihr habt ja überhaupt keine Fantasie.

-Das hört sich idiotisch an. -Gut, dann stimmen wir eben ab.

Wer ist gegen die Schwimmbad-Idee?

Wunderbar. Mama und ich sind dafür,

deine Stimme zählt nicht und deine erst recht

nicht. Antrag angenommen. Alles klar.

-Nein, so kann man doch nicht abstimmen! -Und ob man das kann! Ihr seid

euch schließlich alle einig, dass,

wenn irgendetwas schiefläuft, ich dafür in den Knast soll, also entscheide ich,

-ja. -Sch! Schschschschsch!

Jedenfalls, wir machen es morgen, wenn Oma und ich die Blumen für die Hochzeit

-aussuchen, klar? -Sorry, aber was genau machen wir morgen?

Das erklär ich euch morgen früh.

Wie schön, dass wir uns kennengelernt haben,

Bojan. -Schade eigentlich, dass du so weit weg wohnst. -Das stimmt.

Sonst könnten wir uns öfter sehen und zusammen spazieren gehen.

-Hm. -Ach, sieh mal,

hier geht es in die Altstadt! Aber leider siehst du ja nichts.

So, da wären wir. Jetzt musst du aber aufpassen,

da kommen Stufen. Piano. Also, Achtung.

Mir kommt die ganze Sache idiotisch vor. Aber wie ihr wollt.

Da kommt er. Aber ganz ehrlich, ich finde die Aktion auch ziemlich idiotisch.

Hauptsache, du bist nicht so verkrampft. Lass es einfach raus, du musst

völlig verzweifelt sein!

-Ich weiß nicht, ob ich das kann. -Hm.

Nunzio, was hast du vor?

Ich geh jetzt schwimmen.

Wusstest du, dass Papa schon eine Minute Apnoetauchen kann?

Was meinst du mit Apnoetauchen?

Ach, lass doch, ist nicht so wichtig.

Doch, erzähl schon, tu nicht so bescheiden.

Ich hab im Schwimmbad anderthalb Minuten lang die Luft angehalten. Also

-unter Wasser. -Eigentlich noch länger.

Ich hab meinen Tauchschein damals auf Bali gemacht in den 80ern, ich hatte mich

dort versteckt wegen eines falschen Passes, der übliche Irrsinn im

-italienischen Justizsystem. -Schon klar.

Ich glaub, das schaffst du nicht, anderthalb Minuten unter Wasser.

Okay, dann schlage ich Folgendes vor: Ich geh jetzt rein,

ihr steigt inzwischen ins Auto, dreht vielleicht eine kleine

Runde über die Insel, und wenn ihr wieder da seid,

bin ich immer noch unten.

Moment, es ist noch nicht so weit.

Mach schon, geh jetzt!

-Na, mach schon, du auch! -Großer Gott!

-Sieh doch, Papa, was macht er denn? -Was hast du dir dabei gedacht?

-Was hast du dir dabei gedacht?! -Was habt ihr denn? Was soll der Scheiß?

Du hast den Kopf verloren, das hab ich schon die ganze Zeit befürchtet!

-Ach, Papa! -Herrgott.

Was, ich soll verrückt sein? Ihr seid doch selber alle verrückt!

Du bist einfach nicht mehr aufgetaucht, wir dachten, du wärst

bewusstlos!

Was, ich? Ihr seid ja vollkommen durchgeknallt! Ihr seid echt 'ne komische

Familie,

aber nicht sympathisch-komisch, sondern einfach nur krank! Genau, ihr seid krank!

Das war ja wirklich unterirdisch schlecht.

Völlig übertrieben, viel zu laut, zu viel Drama! Viel zu dramatisch! Als

-Schauspielerin bist du 'ne Niete! Ey. -Das war doch deine Anweisung! Sag mal…

-Einfach idiotisch. -Und du warst wie immer super, oder?

-Luis, bist du da? -Carlo, alles klar?

-Ja, alles bestens. -Kann ich was tun?

Äh, ja, aber die Sache ist etwas heikel. Äh,

weißt du, Nunzio steckt grade in einer komplizierten Phase. Er ist depressiv.

-Nunzio? Er wirkt aber ziemlich fröhlich. -Letztes Jahr kam es zu

einem Selbstmordversuch.

Und vor ein paar Minuten hat er versucht, sich im Swimming-Pool zu

-ertränken. -Im Swimming-Pool?

Aber wie soll das gehen, sich im Pool ertränken, das ist unmöglich!

Das ist keineswegs unmöglich, ja?

Äh, Nunzio ist zwar unberechenbar und verrückt,

aber seine Willenskraft ist stark. Aber sprich es bitte lieber nicht an.

Ich, äh, ich wollte nur, dass du Bescheid weißt, und vielleicht könntest du

ihn etwas im Auge behalten, wenn wir nicht im Haus sind.

Aber sicher doch.

Muchas gracias, Luis. Lo siento mucho. Ach, ähm,

übrigens gibt es vermutlich auch Aufnahmen auf

den

Überwachungskameras von seinem Selbstmordversuch

heute Nachmittag. Könnten wir sie sehen?

Mich interessiert v-vor

allem deine Meinung dazu.

Wenn die Eigentümer nicht im Haus sind, dann laufen die Überwachungskameras,

aber sie zeichnen nicht auf.

Wozu habt ihr sie denn dann, was soll das bringen?

Äh, sie sollen die Einbrecher abschrecken. Es tut mir wirklich leid für

Nunzio.

Ich habe einen Bekannten, der vielleicht helfen könnte. Er ist Psychiater hier am

-Krankenhaus. -Nein, nein-nein-nein-nein, lieber

nicht. Nunzio hasst Psychiater, er

bevorzugt Schamanen. Ich muss los. Danke für nichts.

Anna?

-Wo warst du? -Ich war ein bisschen spazieren, weil

ich, weil ich einfach nicht schlafen konnte.

Jedenfalls war die Idee mit dem Swimming Pool total Banane.

Alessandra hat recht.

Wir sollen immer zur Stelle sein bei dir, und dann machst du uns zur Schnecke.

-Ich hab dich mit Nunzio gesehen. -Wie? Was? Was faselst du

da? Ich war allein im Wald.

-Und wer hat dann auf dem Sofa gevögelt? -Ich bitte dich!

Wahrscheinlich war es Giuliana!

Die treiben 's doch wie die Karnickel, die beiden! Also, Jetzt mal ganz im Ernst,

glaubst du wirklich,

ich würde den Mörder meiner Mutter zum Schäferstündchen treffen?

Keine Ahnung, vielleicht dein Elektra-Komplex. Oder du bist in der

-Jungschen Phase. -Hör auf mit dem Unsinn.

Aber eins ist klar, Nunzio hat ständig Sex

auf den Liegestühlen, organisiert Partys und

praktiziert Glücks-Yoga. Wieso sollte irgendwer glauben,

dass sich der Mann umbringen will?

Selbst wenn wir es schriftlich hätten.

Na ja. Dann brauchen wir's eben schriftlich, ha.

EINEN TAG BIS ZUR HOCHZEIT

Komm, machen wir ein Foto!

-Nein, was soll das? -Doch! Ein Familienfoto,

-alle zusammen! Stellt euch auf. -Muss das sein?

Komm, Schätzchen, nimm die Brille ab. Wunderbar, und jetzt sagen alle Cheese.

Oder Grease

mit dem Finger wie John Travolta. Na, macht schon! Du auch, Carlo!

Sicher, klar doch.

Wir beide gehen dann schon mal ins Labyrinth.

Ja.

-Darf ich dich was Persönliches fragen? -Aber sicher, bitte.

Wie ist es denn mit so 'ner heißen Tochter? Schwierig?

Was fällt dir eigentlich ein?

Oh! -Bürgerlich geht die Welt zu Grunde. Ach, vergiss es. -Hn?

Es war mir entfallen, du bist ja Ingenieur.

Und ein treuer Roboter des Konformismus.

Tut mir wirklich schrecklich leid.

Du kannst mich mal kreuzweise.

Hier ist es.

-Was ist denn hier los? -Sie bereiten alles vor für heute Abend.

-Anna? Ich geh dann schon mal rein. -Ja, wir kommen gleich.

Ja, Giuliana ist besser dran.

Nunzios zwei Ehefrauen hatten niemanden an ihrer Seite.

Niemand war bereit, sie zu beschützen, so wie du deine Mutter beschützt.

-Wovon sprichst du eigentlich? -Von Liebe, Anna.

Wie wirkt Nunzio auf dich? Wirkt er glücklich?

Wieso?

Ich weiß nicht. Ich bin etwas besorgt.

Er wirkt deprimiert.

Manchmal fürchte ich, dass er vollkommen den Kopf verliert.

Und dann?

Und dann liegt er vielleicht in der Garage,

mit einem dicken Schlauch in seinem Mund.

Gehen wir weiter. Giuliana wartet auf uns.

Langsam, langsam

Wenn sich das Morgengrauen Über die Nacht erhebt

Auf dem Gipfel meiner Sehnsucht Ist deine Anwesenheit so verschwommen

Wie deine Abwesenheit

Wunderbar. Ich versteh zwar gar nichts, aber es klingt poetisch. Äh, äh, hör mal,

Nunzio, äh…

Du, äh, ich würde gerne mit jemandem über eine Angelegenheit reden, aber das

-geht weder mit den Kindern noch mit Anna. -Du willst mit mir reden?

Na ja, weil mit wem sonst? Es ist eine etwas delikate Sache,

und ich glaube, dass du mir vielleicht

am besten helfen kannst.

Da muss man durch, wenn man so beliebt ist.

Ja, das stimmt wohl.

-Es ist fast schon magnetisch. Wie eine… -Draußen vor dem Eingang ist eine

Bar. Gehen wir zusammen was trinken, ja?

-Zahlst du? -Ja, ja, ich lad dich ein, komm mit.

-Passt es dir, Schätzchen? -Sehr gut! Bin gleich bei euch!

Das Schicksal meint es gut mit dir, Anna.

Nur wenige Töchter haben das Glück bei der Hochzeit der eigenen Mutter dabei sein

zu dürfen. Wunderbar.

Was willst du, Bojan?

Ich will das, was alle wollen.

Also Liebe?

Natürlich Geld.

-Und wieviel? -Ähm, eine Million?

Eine Million? Bist du irre?

Für eine Frau, die 87 ist?

-Nunzio und ich sind befreundet. -Ich bitte dich. Sie ist fröhlich und

positiv, aber sie ist auch eine Nervensäge.

Natürlich ziehe ich auch den emotionalen Wert mit in Betracht,

aber trotzdem liegt mein letztes Angebot bei 300.000 Euro.

-Na, komm. 400.000. -350.

Pass auf. 400.000, und ich sag der Polizei,

dass sich Nunzio schon vor zwei Jahren umbringen wollte, damals in Montevideo.

Einverstanden?

Ich will mich von Anna trennen.

Ich möchte ihr gerne einen Brief schreiben,

vielleicht versteht sie es dann besser. Ich hab ihn sogar schon geschrieben,

aber das war ein Desaster.

Du kannst schreiben, reden, du kannst dich erklären. Vielleicht könntest du mir

-dabei helfen, was denkst du? -Hast du alles dabei?

-Ja. Warte kurz Ich hab alles da. -Schreib.

Ich bin nicht so gut im Schreiben. Mach du das, ich schreib ihn dann ab.

Gut, aber sei nicht so zerknirscht. Dass du traurig bist, versteh ich, aber du bist

immer noch ein Mann.

Was ich ausdrücken möchte, ist, äh, es ist ein Abschied für immer.

Ich verlasse dieses Leben, weil es für mich sinnlos ist.

-Anna, meine Jugendliebe. -Äh… Als Einstieg ist das

perfekt. Aber lieber ohne Anna.

Schreib einfach nur "meine wahre Jugendliebe".

-Wieso denn? -Namen lenken doch nur ab.

Aber wir schreiben an Anna!

Das stimmt, aber das weiß sie ja schließlich auch!

Anna, meine Jugendliebe.

Nein, kannst du nicht einfach meine wahre Jugendliebe schreiben? Sonst kommen

wir doch gar nicht weiter. Na, los, mach schon.

Na, gut. Meine wahre Jugendliebe.

-Meine wahre Jugendliebe. -Meine wahre

… ein Trottel bin.

Jugendliebe. Ich weiß, dass ich…

-Deine Ehrlichkeit find ich gut. -Hmhm. Und dazu noch

arrogant. Ein arroganter Trottel.

Eine durch und durch unechte, eitle Person.

Unecht und eitel. Auch noch eitel, ja? Du bist mutig!

-Hmhm. Ja. -Eine eitle Person.

-Hinter deren Maske sich… -Maske sich…

ein Nichts verbirgt. -Ein Nichts. -Ein Scheißkerl. Ja. -Ein Scheißkerl?

-Du musst dich doch nicht so demütigen. -Nein, das ist mir ganz wichtig. Ich

will vollkommen ehrlich sein, bis zum Masochismus.

Einverstanden. Okay, einverstanden.

Und deswegen habe ich den Entschluss gefasst, deine und meine Welt endgültig zu

-verlassen. -Wirklich ein Meisterwerk.

Ja. Den Brief legen wir ins Auto. Direkt neben seine Leiche.

Seine letzten Worte an uns.

Ich möchte dir etwas erzählen, weil ich glaube, dass du es auch wissen musst.

Großer Gott. Was Gutes, hoffe ich?

-Ziemlich gut. -Zum Beispiel Endlich weiß

ich meinen Mann zu schätzen?

Nein, eher so: Bojan kennt unsere Pläne mit Nunzio.

Was sagst du da, bitte? Bist du… Soll das ein Witz sein?

Nein.

-Herrgott! Was ist daran bitte gut? -Er wird uns nicht im Weg

stehen. Wir haben uns geeinigt.

Und er wird sogar bestätigen, dass Nunzio Selbstmord begehen wollte.

Anna, das wird mir langsam ein bisschen zu viel.

Liebling, sei ganz unbesorgt,

ein paar Umwege sind einfach unvermeidlich, wenn man einen

Mord dieser Art vorbereitet. Liebling, hab Vertrauen.

Dein Name besteht aus zwei magischen Silben. Nun-zio.

Jeder liebt dich.

In dir ruhen 54 weibliche und 54 männliche Persönlichkeiten.

Du bist nicht allein. Du bist Gottes älterer Bruder. Alle lieben dich.

-Hallo, Luis. -Hola.

-Wann beginnt noch mal die Fiesta? -Schon bald. Heute Nachmittag hab

ich die Reiter bei der Probe gesehen.

-Hat's dir gefallen? -Es war wunderschön.

-Patricia geht es leider nicht so gut. -Oh.

Sie hat eine starke Migräne. Ich glaube nicht,

dass wir hinfahren werden.

Äh, Luis?

Äh, Luis.

-Si? -Vielleicht kümmern wir

-uns heute Abend um Patricia. -Nein, das braucht ihr nicht, danke.

Entschuldige, aber wusstest du,

dass meine Tochter in ihrem Teesalon Kräutertees gegen Migräne verkauft,

sie ist sozusagen selbst Ärztin. Und ich arbeite ehrenamtlich im Tierheim,

seit fünf Jahren.

Stell dir vor, auch Hunde leiden an Migräne,

und sehr oft konnten wir ihnen helfen. Ja? Komm, wir kümmern uns um Patricia,

die Fiesta ist doch nur einmal im Jahr.

-Sogar dreimal im Jahr. -Okay, einverstanden, aber hier wird ja

nicht so viel geboten, sie zu verpassen, wäre doch schade!

Ich weiß nicht.

Weißt du, heute hatte ich auch noch Probleme

mit dem Wagen, und ich weiß nicht,

ob er's bis nach Ciutadella schafft.

Vielleicht ist es einfach Schicksal.

Aber das Schicksal lässt sich manchmal überlisten,

zum Beispiel könnte ich dir unseren Wagen leihen.

-Ja? Ja. -Wenn das so ist, okay, vielen Dank.

Schön, ich freu mich. Wunderbar.

-Hey. -Ja? Das hier ist was Leichtes für

deine Mutter, damit sie einschläft.

-Ja. -Und das hier wird Nunzio k.o. setzen.

Carlo, pass bitte gut auf, dass du sie nicht, äh… Äh?

Anna.

Wer sind die denn jetzt?

Das sind ihre Canasta-Freundinnen.

-Liebling? -Ja?

Wie findest du mein Kleid? Das hab ich vor sehr langer Zeit gekauft. Ich war auf

-einer Tournee in Kairo. -Sehr schön, du siehst aus wie

die heutige Brigitte Bardot.

-Du hast doch wirklich 'n Knall. -Also mir gefällt

Brigitte Bardot. Sogar als Frau.

-Überraschung! -Überraschung!

Das ist ja nicht zu fassen!

Meine Trauzeuginnen sind da! Ihr wolltet doch erst morgen kommen!

-Si. -Ja. Wir wollten dich

-ausnahmsweise mal überraschen! -Wunderbar!

-Wer ist denn das? -Ihre Freundinnen sind da.

-Meine, meine Trauzeuginnen sind gekommen. -Aha.

-Genau. Ja. -Drei Grazien der besonderen Art.

Ihr könnt gleich zum Abendessen bleiben, dann lassen wir uns gemeinsam so richtig

-schön vollaufen. -Na, so was! Das ist ja wirklich 'ne

-Eine wunderbare Idee. -Nicht wahr?

Tolle Überraschung, was? Ganz unerwarteter Besuch!

Guten Abend.

-Und heute essen sie mit uns! -Genau!

Ich glaube, das kommt nicht in Frage.

Nein, es ist doch… Bojan, das sagst du doch auch?

-Ja? -Eine solche Gelegenheit darf

man doch nicht auslassen, oder?

Er ist unser Hochzeitsplaner. Der Junggesellinnenabschied!

-Der Junggesellinnenabschied, Bojan. -Ach, der. Na, klar doch, der

Junggesellinnenabschied! Den darf man auf gar keinen Fall verpassen, niemals.

-Eben! -Richtig.

Äh, wir machen einfach ein Picknick, im Dunkeln,

und um Mitternacht gehen wir schwimmen!

Nur wer Lust hat, geht ins Wasser, die anderen lassen es bleiben.

-Ja, auf jeden Fall. -Oder einfach was Naheliegendes:

Fahr doch mit ihnen zur Fiesta nach Ciutadella.

Die Hauptsache ist, wir haben genug zu trinken!

-Richtig! -Wir übernachten doch dort!

Wir lassen uns vollaufen,

-Wunderbar. -Und wie!

-Schön vorsichtig… Ja, hier rein. Gut so. -Genau, auf zur Fiesta. Passt gut auf

-euch auf, ja? Hier machen wir mal zu. -Hm. Ja.

-Besauf dich auch für mich, hermano, ja? -Ja.

Du kannst dich darauf verlassen. Ich nehme dann das Doppelte.

Ja, hermano.

Moment mal. Hier geht's rein und jetzt runter. So ist's gut.

Wiedersehen, Mädels! Amüsiert euch gut! Schönen Abend!

Ciao, bis dann!

Ciao!

-Trinken wir auch was? -Ich mach uns Cuba Libres.

Der Trick bei Cuba Libre ist, dass man die Limetten vor dem Rum auf das Eis geben

-muss. -Danke, ich weiß, wie das

-geht. Ich helf dir, ich komme mit. -Nein!

Nein, er kann es doch.

-Kann er es denn wirklich? -Ja, doch. Er ist

-selbst Alkoholiker, also… -Ah.

-Stimmt. Es war grauenvoll. -Na, so was, das wusste ich nicht.

Gut, heute sind wir ganz unter uns, da können wir ja aufhören,

den Schein zu wahren, richtig?

Dann können wir ja unsere Lines

ungeniert ziehen, seid ihr dabei?

Nein, ich nicht, danke.

Äh, nein, ich auch nicht.

Äh, ich schon. In der Familie muss man ehrlich sein.

Mit Ehrlichkeit und Kokain machst du nichts

falsch, da kann dir nichts passieren.

-Ja, sicher. -Da bin ich! Tada! Hier sind die Coktails.

Aber mein Stoff liegt anscheinend noch im Zimmer.

-Oh, Cuba Libre! -Also…

-Der hier ist für Nunzio. -Danke.

-Der ist für dich, Schatz. -Danke, Liebling.

-Der für dich. -Toll, Papa, danke.

Und für Emilio.

-Auf die Familie. -Auf die Familie. Auf die Familie!

Die Familie.

Im Grunde genommen eine ganz wunderbare Geschichte für ein Theaterstück.

Die Tochter ist verklemmt, der Sohn hat Depressionen,

die Eltern sind seit dem Gymnasium ein Paar.

Und die Oma ist mit einem Witwer zusammen. Einem mehrfachen Witwer und

-deutlich jünger. -Aus dem Stoff kann

man eine Komödie machen.

Hn. Etwas zynisch vielleicht.

-Das kommt ganz auf das Ende an. -Ja, genau. Vielleicht hast du recht.

Ja, richtig.

Musst du Oma wirklich heiraten?

-Warum denn nicht? -Vielleicht ist es nicht das Richtige

für euch. Vielleicht ist es nicht gut für euch, für beide nicht.

Emilio, sei bitte still.

Tut mir leid, ich fühl mich auf einmal so so schläfrig.

Vielleicht tut mir jemand den Gefallen und steht auf und geht mir das Kokain holen?

Es ist in meinem Schlafzimmer, ich glaub, ich hab's dort liegenlassen.

Und das waren wohl seine letzten Worte.

Angeblich ist der Sprit auf der Insel so teuer! Mir kommt es nicht so vor,

wir haben doch getankt, für 1, 60 oder 1, 70 den Liter, das geht eigentlich.

-Und außerdem müssen wir dringend noch Paella essen!

Wenn wir hier in Spanien keine essen, sind wir selber schuld! -Paella.

Luis sagt, das klassische Rezept ist mit

Fleisch oder auch mit Fisch, mit Muscheln und so oder einfach

alles durcheinander gemixt, genau, wir machen einfach alles rein,

ein paar Muscheln, etwas Fleisch, ein bisschen Fisch,

und dann sind alle happy!

Heute bin ich hundert Bahnen geschwommen im Pool,

volle hundert Bahnen in diesem Pool. Das Becken ist nicht besonders lang,

aber hundert Bahnen waren's trotzdem, deswegen gehe ich jetzt ins Bett,

gute Nacht.

Emilio. Entschuldige bitte, aber bevor du ins Bett gehst,

müssen wir Nunzio umbringen, weißt du noch?

-Ähm, darf ich was sagen? -Ja, bitte.

Sechs Millionen. Ist Nunzios Leben weniger wert?

Offensichtlich. Und Omas Leben ist natürlich mehr wert.

Aber anscheinend habt ihr uns nicht ganz richtig erzogen.

Ihr habt uns völlig anders erzogen. Und aus dem Grund werden wir

niemanden umbringen, wir sind raus, weil wir das nicht schaffen.

Das ist schon in Ordnung. Ja.

-Echt jetzt? -Ja, Liebling.

-Ihr geht am besten schlafen. -Was macht ihr?

Na ja, wir, wir werden ihn ganz vorsichtig aufwecken und in sein Zimmer

-bringen. -Hm. Genauso machen wir's.

Ja.

-Okay. -Ich wollte euch da wirklich

nicht mit reinziehen, tut mir leid.

Und danke, dass ihr mitgeholfen habt, obwohl es völliger Irrsinn war, ich seh's

-ein. Schluss damit. -Okay. Also dann, gute Nacht!

-Gute Nacht, Schätzchen. -Gute Nacht. Meine Lieblinge.

Bist du so weit?

-Warte doch, ich nehm lieber die Beine. -Hochheben, du musst ihn hochheben!

Schon klar, aber der Oberkörper ist doch schwerer! Ich nehm lieber die Beine.

Carlo, mach das Licht an.

-Schön hoch mit den Beinen und rein damit. -Ja, klar, ich bin ja schon dabei.

So. Ich hol schon mal den Schlauch, ja?

-Der Brief. -Was macht ihr denn?

Schschsch! Nein. So. Hier.

-Anna? Äh, kommst du mal? -Ja?

Äh, ich kann das Auspuffrohr nicht finden, es müsste doch hier sein, oder?

Ich kann das Auspuffrohr nicht finden, hier müsste es doch sein.

Was?

-Was? -Der Wagen hat gar keinen Auspuff.

Wie, er hat keinen Auspuff? Das gibt's nicht.

Der Wagen hat keinen Auspuff, so ein Quatsch. Er hat keinen.

-Es ist ein E-Auto. -Wie kann das sein?

Was sollen wir denn jetzt bloß machen ohne Auspuffrohr?

Es-Es ist, es ist ein Elektroauto, wie wär's, äh, mit, mit einem Elektroschock?

Was redest du denn? Komm lieber her und hilf mir!

-Okay. Was machen wir jetzt? -Na ja, jetzt gehen wir ins Bett.

Wie?

Deine Mutter ist noch ziemlich fit im Kopf.

Sie weiß Bescheid über Nunzios Vergangenheit, sie weiß es! Hä.

Aber vielleicht will sie diese letzten Jahre einfach nur genießen,

-ganz egal, was passiert. -Ha. Wenn das so ist. Und damit

soll ich also zufrieden sein.

Ich weiß doch auch nicht. Ich hab aus Liebe so lang mitgemacht,

obwohl es absurd war. Aber jetzt reicht's.

-Komm doch ins Bett. -Ich komm gleich.

-Anna! -Was war das?

Jetzt ist er in Ceccano.

-Was ist los, wo ist Nunzio? -Er lag auf dem Sofa im Wohnzimmer.

-Nein, er war hier bei mir. Wo ist er?? -Mama!

Oh mein Gott! Was war das? Hörst du das?

Luis! Ay, Luis! Qué has hecho? Estás loco?

-Hilfe! Hillllfeeeeee! -Pero qué has hecho? Por qué todo eso?

-Ruft den Notarzt! Hilfe! -Luis… dame, dame esta pistola. Luis!

Luis! Dios, pero qué te pasa? Qué te pasa? Un momento, un momento solo de

-locura… -Hilft mir denn keiner?

Te amo, perdón. Yo te amo. Tú sabes.

Wieso ruft denn nicht endlich einer von euch einen verdammten Notarzt?

Luis… Te amo, te amo. Tú sabes!

Eine so hübsche Krankenschwester gehört unbedingt in ein Krankenhaus direkt am

-Meer. -Amigo.

Dieses Mal bist du wirklich nur knapp davongekommen.

Du aber auch. Was hättest du getan, wenn du ohne mich zurückgeblieben wärst?

Dann hätt' ich mir 'ne Harley und 'ne Villa in Montenegro gekauft.

-Was soll das? -Nichts. Gar nichts.

-Eigentlich ist es schade. -Was denn?

Dass er nicht gestorben ist.

-Was hast du jetzt vor? -In zwei Wochen, wenn Nunzio

wieder auf den Beinen ist,

fahren wir nach Rom. Zur Premiere von Die alte Frau und das Meer.

Und wenn das vorbei ist, brechen wir auf nach Brasilien.

Mama, muss das wirklich sein?

Bevor ich fahre, werde ich auf dein Konto… sechs Millionen überweisen.

Ach, Mama, das spielt doch jetzt keine Rolle mehr.

Vielleicht auch ein paar Euro weniger. In Brasilien brauche ich auch

Geld.

Obwohl es mir schwer fällt, habe ich akzeptiert,

aus welchem Grund Nunzio mit mir zusammen ist.

Aber ich will mein Leben trotzdem genießen. So lange, wie's geht.

Deswegen werde ich so tun, als hätte ich das Geld noch.

Ich werde es bis zur Neige auskosten, und Nunzio muss mir zu Willen sein.

Allein die Vorstellung, tatsächlich in Brasilien zu sein,

sich am Sandstrand zu lieben, diese Vorstellung ist in meinem

Alter das Risiko wert.

Wahrscheinlich nicht nur in deinem Alter, Mama.

Hör auf!

-Na, wie ist das Wasser? -Sehr schön. Es ist herrlich.

-Gehst du denn nicht baden? -Ich bin doch nicht verrückt.

Ah, da kommt ja Mama.

-Alles klar? -Ja, mehr oder weniger schon.

-Und wie geht's Oma? -Tja, sie hat die Hochzeit abgesagt.

-Ah. -Ah. Sieh an, sieh an.

Ich würd mich freuen, wenn wir öfter alle in den Urlaub

fahren würden. Hm? Sogar, wenn wir niemanden dabei umbringen müssen.

-Ha. Richtig. -Also, also, es wird

also keine Hochzeit geben?

-Nein. -Na, um so besser. Wir haben ihn

-am Leben gelassen und Oma gerettet. -Hmhm.

-Nunzio hat das ohne eure Hilfe geschafft. -Na ja, Mama, wir mussten uns alle auch

ganz schön reinhängen, hab ich recht?

Ein kleines Dankeschön wäre dafür schon angesagt. Oder vielleicht sogar mehr, was

-sagst du? Hä? -Schon.

Klar.

Du hast also mit ihr nicht über Geld gesprochen?

-Ich geh ein bisschen spazieren. -Ich auch.

Wieso, was hab ich denn gesagt?

-Hast du mit ihr geredet? -Im Krankenhaus?

-Ja. -Nein, das hab ich nicht.

Ich hatte immerhin drei Wochen Herzrasen, war das jetzt alles umsonst?

Was ist mit dem Schlauchboot?

-Hört auf, Gefühle mit Geld zu verbinden. -Du hast sicher mit ihr geredet und

willst nichts sagen, du blöde Kuh!

-So sprichst du nicht mit deiner Mama! -So sprichst du nicht mit deiner Mama!

-Sei nicht so frech. -Aber 'n kleines Schlauchboot?

Aber wieso, wieso soll am Ende immer ich schuld sein?

-Also bitte, jetzt hört doch endlich auf. -Stimmt doch! Also wirklich.

Und von meiner Eigentumswohnung redet auch keiner mehr. Das zählt überhaupt

-nicht. -Komm, es reicht!

Das stimmt nicht, es wird sich schon was finden.

Da kommt ja Mama. Und ein Flugzeug. Es läuft aus dem Ruder.

Also, ich hab's geahnt. Schon die ganze Zeit.

Hör jetzt auf, bitte!

Ihr wisst es vielleicht nicht, aber Mama hat die Hunde erwürgt,

und zwar keine Pudel!

-Schwachsinn. -Aus jetzt!

Sag mal, was ist denn jetzt mit diesem Hund?

Was ist passiert?

Was ist nicht passiert?

Die Sache ist ein wenig delikat, äh… Scheiße. Was sollte ich gleich noch mal

-sagen? -Luisa und… Luisa möchte… Ach, Scheiße!

Bringt sie doch endlich mal zum Schweigen.

-Da ist er! -Da ist er!

Und wenn es auf Menorca kein Arsen gibt? Tut mir leid.

Und wenn es auf Menorca keinen Eisenhut gibt?

Nein, warte kurz.

Stop! Stop!

Wenn du zu viel im Kopf hast, wird das nichts.

Hast du gehört? Ich hab Giovanna gesagt.

-Wunderbar, bestens, bestens. -Wer hat hier gefurzt?

Ich kann nicht mehr. Jetzt warte ich ständig auf den Furz.

Weil du ein Trottel bist.

Na, klar.

Jetzt ist er in Ceccano. Also gut.

-Und wenn schon! -Und cut.

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