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(Getragene Musik, Motorgeräusch)
Gerade hieß es im Radio:
Ein Transport aus Russland kommt am Bahnhof in Neustadt an.
Wir haben zu tun! - Der Bauer sagt: Vielleicht ist dein Bruder dabei.
Einer muss doch hin! - Jedesmal?
Dann wäre vom Hof bald nichts mehr übrig.
Auf geht's! Das Wetter wird nicht besser!
Na komm, Schwägerin! Du musst dich doch schön machen für deinen Mann!
(Monotone, spannende Musik)
Ich fahre dich hin, wenn du willst. - Danke, ich bin gleich zurück.
Frag mal Onkel Georg, ob er eine Runde mit dir dreht.
Was sagten sie? - Es kämen Leute an, aber wer, sagten sie nicht.
Diesmal ist er dabei. Das spüre ich!
Der kommt, der Max. Weil ja so eine hübsche, junge Frau auf ihn wartet.
Ach, Vater. (Er lacht.)
Und wenn er nicht kommt, wenn er tot ist?
Er ist dein Sohn, Maria! - Du bist mein Mann!
Wer sie ist, wird sich zeigen! Der Fuchs hat wieder 2 Hennen geholt.
Hilfst du deinem Großvater? Ich will den Fuchs endlich zum Teufel jagen!
Und du: Hilf deiner Frau auf dem Feld!
Wie denn? Beschwer dich beim Adolf!
(Monotone, spannende Musik)
Soll ich warten? - Wenn er kommt, möchte ich mit ihm allein sein.
Und wenn nicht? - Dann auch.
(Monotone, spannende Musik).
Wann kommt der Zug?
In Hinterzarten ist er durch.
Wie viele sind es? - Das weiß keiner.
Ich ertrage das kaum mehr. - Gerda ließ ihren Bruder für tot erklären.
Lieber tot als ewige Ungewissheit. - Er ist mein einziger Sohn.
Dir bliebe ja wenigstens der Bub. - Hört bitte damit auf.
(Fauchen)
Was ist, Großvater? - Na los, weiter!
(Dampfpfeife der Lok heult.)
(Hund jault.)
Guter Hund, braver Hund!
(Huhn gackert.)
Jetzt müssen wir ganz schön Geduld haben. Psst.
(Poltern, Quietschen, dann dramatische Musik.)
(Rufe:) Katharina, Katharina!
Hilde!
Ich bin es doch: Wolfgang!
Wolfgang, (schluchzt:) Wolfgang! (Dramatische Musik)
Ludwig!
Haben Sie..? Er heißt Max Steiner.
Tut mir leid.
(Entfernter Ruf:) Liesbeth! Komm! - Max?
Mein Gott, der Werner! Mein Werner ist wieder da.
Hast du den Max gesehen? Max Steiner?
Das ist Elisabeth, Max' Frau.
Der Max hat keine Frau.
Wir haben in Berlin vorm Kriegsende geheiratet.
Er hat von dir erzählt, seinem besten Freund. Ihr wart zusammen.
Max hat keine Frau! - Komm, du musst doch Hunger haben!
Komm, komm! (Dampfpfeife heult.)
Tja. Das war es dann wohl!
(Fauchende Dampfstöße) - Was? - Die kommen nicht mehr.
(Huhn gackert.)
Großvater!
Großvater! Großvater!
(Dieselmotor)
(Musik von Solo-Akkordeon, Titel "Siebentritt")
(Motorgeräusch)
(Solo-Akkordeon, Stimmengewirr)
(Musik endet, knirschende Schritte)
(Hofglöckchen beginnt zu läuten.)
(Orgelmusik)
Heilige Engel und Erzengel, (alle:) bittet für ihn.
Heiliger Abel, bitte für ihn.
Gesandter Chor der Gerechten, bitte für ihn.
Heiliger Abraham, bitte für ihn.
Heiliger Johannes, der Täufer, bitte für ihn.
Heiliger Josef, bitte für ihn.
Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für ihn.
Heiliger Petrus, bitte für ihn.
Heiliger Paulus, bitte für ihn.
Heiliger Andreas, bitte für ihn. Heiliger Johannes, bitte für ihn.
Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für ihn.
Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für ihn.
(Orgel klingt aus.)
(Wiederholt düsterer Akkord)
Du kannst nicht mehr in der Kammer bleiben, da zieht die Mutter ein.
Aber die Mutter hat doch die Stube.
Die nehmen ich und Georg. Du und Josef, ihr zieht über den Stall.
Sei froh, dass du hierbleiben kannst. - Was ist denn?
Sie will uns loshaben, weil jetzt der Bauer tot ist.
(Düsterer Akkord)
(Bestecke klappern)
Danke. Willst du draußen mit den anderen spielen? Geh schon. - Na?
Guter Bub.
(Langsame düstere Musik beginnt)
Schmeckt wunderbar. - Entschuldigung.
Hast du da in Russland den Max gesehen?
Sie sollen ihn in ein Bergwerk bei Novokusnezk gesteckt haben.
Wer sagt das? - Das Rote Kreuz, der Suchdienst.
Jemand hat ihn da gesehen. - Was wissen die denn?
Versteh doch: Wenn wir wissen, wo er ist... - Was wisst ihr denn!
(laut:) Gar nichts wisst ihr! Jeden Tag ist einer gestorben: Verhungert.
Oder an Typhus, oder zerquetscht von den Stämmen.
Und dann die scheiß Mücken! Alles schwarz vor Mücken.
Hier: Festgefroren an einer Leiche. Das war mein toter Kamerad!
Ich bin an seinem Arm festgefroren.
Ich habe ihn abgebrochen wie einen Eiszapfen. (laut:) Nichts wisst ihr!
Lass ihn in Ruhe, du dummes Ding! Du gehörst doch gar nicht hierher!
(Rumpeln, Rufe:) Schneller!
Ich würde mit dem Jungen zurück in die Stadt gehen, Liesbeth!
Geh nach Freiburg. Eine wie du kommt da immer unter.
Was, wenn Max zurückkommt? Dann ist keiner da.
Was soll er dann von mir denken?
Bist du dir mit Max so sicher? Nachher hast du umsonst gewartet.
Meinst du, er will mich nicht mehr?
Dann ist es eben so.
Ich werde gehen. - Was? Warum denn?
Margarete will modernisieren. - Das bestimmt ja wohl immer noch der Max.
Max ist in Russland, Liesbeth. Ich war schon viel zu lange hier.
Es wird Zeit, dass mal was Neues kommt. - Regine?
Ich werde dich vermissen! - Ich wünsche dir Glück.
(Kindergeschrei, Leiterwagen poltern.)
Wartet! Nicht so schnell!
(Radio:) In Königsberg, letzte Anschrift: Neuhausen, Ostpreußen.
Hast du Vaters Gewehr gesehen? - Was soll ich damit?
Du hast es vielleicht zur Seite gelegt: für Max.
(Radio:) ...verhaftet, im Oktober 1944 nach Groß-Rosen gebracht;
gesucht von seinem Sohn Leopold.
Du siehst stolz aus.
Glücklich.
Du hast ihn doch kaum gekannt, den Max.
Aber einen Sohn habe ich ihm geboren.
Sagt das auch der Max?
Was willst du, Margarete? - Es langt nicht mehr für alle.
Ich brauche Maschinen, kein Gesinde.
Und keine, die nichts von Landwirtschaft versteht.
Willst du mich verjagen? - Wenn du bleiben willst, musst du arbeiten!
Habe ich mich jemals um Arbeit gedrückt?
Gut. Dann brauche ich ja keine neue Magd zu suchen.
(Radio:) Der Soldat, geboren am 17.8.1907 in Kaitinnen ...
sucht seine Frau, Martha Unruh aus Schoschen, Kreis Heiligenbeil.
(Dramatischer Musikakzent)
Werner Tennebaum hat sich erhängt. Drüben im Gemeindewald fand man ihn.
(leise:) Mein Gott. - Du hast ihn mit deiner Fragerei verrückt gemacht.
(Georg:) Der Iwan hat Werner im Lager in Sibirien kaputt gemacht.
Die entlassen nur die Kaputten. Der Iwan hat ihn verrückt gemacht.
Warum bist du nicht bei den anderen beim Holzmachen?
Seit wann sagt die Frau, dem Mann, waas er zu tun hat?
(Mutter:) Gesoffen hast du!
Ich habe im Stall zu tun.
Josef! (Melancholische Musik)
Komm, schieb mal mit an.
(Musik endet.) Was hat der Vater Böses gemacht?
Was? - Er ist doch eingesperrt beim Iwan!
Dein Vater hat nichts Böses gemacht. Er war nur in der falschen Armee!
Wie? - Er muss für das büßen, was ein böser Mann gemacht hat!
Was für ein böser Mann?
Das verstehst du noch nicht. Schlaf jetzt!
Huhu! (jauchzt).
(Melancholische Musik) Gute Nacht.
Hast du es genommen?
Der Großvater hat gesagt, das sei vom Vater.
Und irgendwann wird es mir gehören.
Trotzdem: Du hättest fragen müssen. (Musik endet.)
Muss ich es jetzt zurückgeben?
Nein. Wir bewahren es für den Vater auf!
Aber sprich mit keinem darüber!
Ehrenwort? - Ehrenwort.
(Traktor tuckert.)
Hast du schon gehört: Adenauer fliegt nach Moskau.
Er will die letzten Kriegsgefangenen nach Hause holen.
Der Adenauer? - Ja.
Nach Moskau? - Ja. Im Kino kam das in der Wochenschau.
(Wochenschau-Musik, dann Sprecher:)
"5 Std.später in Bonn: Eine bewegte Menschenmenge empfängt Dr.Adenauer."
"Bundestagspräsident Dr.Gerstenmaier, Vizekanzler Blücher ..."
(Wochenschau: Musik endet.)
"Der sowjetrussische Premierminister erklärte mir gestern Abend:
Ehe ich in Bonn sein werde, würde die Aktion in Russland anlaufen,...
Wir dürfen also hoffen, dass die Kriegsgefangenen bald zurückkommen."
Du tust mir weh! - Ich freue mich so!
"... in unserem Vaterlande sein werden."
(Laut:) Der Vater kommt zurück. Im Kino haben sie es gesagt!
(Mutter:) Was sagst du da? - Der Vater kommt zurück!
Was für ein Vater? - Er meint den Max, Mutter.
Der Max! - Hier bist du in der Sonne. Ich muss noch Papierkram erledigen.
(Dumpfer Türschlag)
Was machst denn du noch hier? - Das siehst du doch.
Ich war heute mit dem Jungen im Kino.
Mach besser die Zigarette aus.
Meine Frau lässt dich schuften wie ein Gaul.
Das macht mir nichts aus, solange sie Ruhe gibt.
Lass dir das nicht gefallen, Liesbeth.
Georg, bitte!
Was machst du, wenn Max wieder nicht kommt? Dann jagt sie euch vom Hof!
Das kann sie nicht. Josef erbt den Hof. Das hat der Großvater verfügt.
Wer glaubt dir, wenn Max nicht kommt? Geh mit mir nach Freiburg.
Ich finde Arbeit und sorge für euch! - Georg, ich will das nicht!
Hör auf damit!
Keine hält es 10 Jahre ohne Mann aus! Stell dich nicht so an!
Ich meine es doch als Einziger gut mit euch.
Lass sie los! - Was machst du denn da?
Du gehörst doch ins Bett. - Verschwinde.
Vielleicht ein andermal.
(Dumpfer Türschlag)
(Trippeln auf Holzboden)
Das Futtersilo kommt hierher.
Wer ist das? - Der Mann von der Bank.
(Banker:) Soll der Maststall da hin? - Ja. Für 100 Kälber.
Komm! (Melancholische Musik)
Was ist? Ich will nicht mit.
Du wirst dich schon an ihn gewöhnen.
Bist du traurig, wenn er nicht kommt? - Dann hab ich immer noch dich!
(Posthorn hupt, melancholische Musik)
(Musik endet, Dampfpfeife heult.)
Was ist denn, wenn der Bruder der Bäuerin wirklich kommt?
Dann gibt es nichts mehr zu lachen! (Knüppel poltert.)
Vielleicht ist er ja gar nicht mehr so schlimm! - Der? Sau bleibt Sau!
(Motoren, melancholische Musik)
Angeblich sind 3 aus Neustadt dabei! - Auch der Max Steiner?
Woher soll ich denn das wissen? Sind Sie seine Frau?
Ja. - Wurden Sie nicht benachrichtigt?
Nein. - Vielleicht will er Sie ja überraschen.
(Melancholische Musik)
Bist du nicht am Bahnhof? Wollte die Mama dich nicht mitnehmen?
Doch. Ich habe nicht gewollt!
Na ja, vielleicht besser so. Er kennt dich ja gar nicht!
(Vögel zwitschern.) Was ist denn noch?
Wenn er nicht kommt, der Vater, müssen wir dann vom Hof?
Bist du gern hier? - Mhm.
Wenn Max nicht zurückkommt, muss ich ihn für tot erklären lassen.
Weißt du, was das heißt?
Er ist dann tot, für immer.
(Blaskapelle spielt das Badenerlied.)
Liesbeth!
Regine!
Ich hatte kein Glück. Jetzt bin ich wieder hier.
Das freut mich, dass du wieder da bist!
Die Tennbaum gibt mir Arbeit. Sie will jetzt Zimmer vermieten.
Das ist schön!
Kommt der Max? - Ich weiß es nicht.
Man sieht sich. - Ja.
(Badenerlied endet.)
(Leise, knirschende Schritte)
(Pfiff des Fahrdienstleiters)
Max? - Elisabeth.
Wo sind deine Sachen?
Ich habe nicht mehr.
Komm!
(Melancholischer Akkord)
Lächeln, die Herrschaften! Begrüßt man sich so, nach 10 Jahren?
(Melancholische Musik)
Wir haben ein Kind, Max. Einen Jungen! - Ich weiß.
Du hast ihn bekommen.
Ohne den hätte ich das nicht überlebt!
Das ist gut.
(Melancholische Musik)
Guten Tag, Max! - Guten Tag.
Das ist Regine! Erkennst du sie nicht mehr?
Du hast dich verändert! - Du dich auch!
Ich freu mich für dich! Danke.
Melde dich, wenn du dich eingelebt hast!
Ja.
(Musik klingt aus, Fahrrad klappert.)
Tag!
War das der Max? - Es sieht so aus.
In Margaretes Haut möchte ich jetzt nicht stecken.
Wie siehst du denn aus? Na komm!
(Schuhe klacken.)
(Dissonante Akkorde)
Ich glaube, da beobachtet uns einer.
(ruft:) Josef!
Er hat ja noch nie einen Vater gehabt.
(Tuckernder Motor schaltet ab, danach dissonante Akkorde)
Na, kennst du mich noch?
Unkraut vergeht nicht! - Unkraut vergeht nicht!
Und du? Und wer bist du? - Otto! (Georg:) Der neue Knecht!
Anton ist im letzten Frühjahr gestorben.
Und eine neue Magd habt ihr auch?
Ich bin die Magd! - Du?
Wer ist das?
Ich bin's, Mutter, der Max. - Max.
Was ist mit deiner Hand? - Ich habe sie verloren!
Ich weiß! Die Partisanen haben sie dir weggeschossen.
Nein, Mutter, ein Unfall im Lager.
Margarete! Hast alles umgekrempelt? - Wir sind noch nicht überm Berg!
Wo wohnen wir? - Drüben, über dem Stall!
Danke lieber Gott, dass du meinen Jungen zurückgebracht hast.
(Leise, dissonante Akkorde)
Das war in Berlin.
Ja. Nach der Trauung.
Du hast dem Fotografen eine Flasche Cognac gegeben.
Damit er es gleich entwickelt! - Du hast auf mich gewartet!
(Leises Knarren)
Na, Josef?
Na, komm!
(gerührt:) Und? Hast du ihn dir so vorgestellt, deinen Vater?
Das Gewehr deines Vaters.
Josef hat es für dich aufgehoben.
Ich danke dir.
(Leiser, dissonanter Akkord)
Hm, das ist gut.
Was ist? Warum esst ihr nicht?
Du hast bestimmt in Russland kein Fleisch bekommen.
Selten.
Werner Tennbaum hat sich umgebracht. Er ist vom Lager verrückt geworden.
Das hat dir Liesbeth wohl schon erzählt.
Wart ihr zusammen im Lager: der Werner und du? - Nein.
Hör auf damit! Es ist Zeit, dass hier wieder ein Mann das Wort führt.
Habe ich schlecht gewirtschaftet?
Frauen sorgen für den Haushalt und kriegen Kinder!
(Besteck klappert.)
Dann kann ich ja gehen!
Schulden haben wir, sonst nichts.
Wie ernährst du jetzt deine Frau, wo der Max wieder da ist?
Der taugt nicht einmal zum Knecht.
Entschuldigt mich! (Schritte auf Holzboden, schriller Akkord.)
(Kuh muht, Melkgeschirr klappert.)
Es war nicht einfach seit Vaters Tod, oder?
Nein.
Trotzdem: Es war nicht richtig...
Liesbeth und den Jungen aus dem Haus zu werfen.
Ich habe ihnen Essen und Obdach gegeben.
Dafür hast du sie als Magd schuften lassen. - Was glaubst du?
Wir können uns kaum etwas leisten.
Aber sie ist meine Frau und er ist mein Sohn.
Plötzlich stand eine wildfremde Frau mit einem Säugling auf dem Hof.
Im Herbst 45. Viele haben damals einen Unterschlupf gesucht.
Da kann ja jede kommen. - Der Vater hat sie aufgenommen.
Der Vater! Er war ganz vernarrt in sie! Sei ehrlich, Max:
Wie lange wart ihr in Berlin zusammen? 2 Wochen!
Sie hat es mir selber gesagt. Soll ich ihr da dein Erbe nachwerfen?
Da kann ich es gleich jeder geben, so wie du dich rumgetrieben hast.
Ihr Euter ist entzündet.
Die Mutter sagt, wir haben Schulden?
Zeig mir den Bauern, der keine hat.
Wir haben eine Melkmaschine gekauft, die sich nicht lohnt:
0,27 DM kriegen wir pro Liter.
Da brauchst du 40 Kühe, um auf die Kosten zu kommen.
Mastvieh hat Zukunft. Aber dafür bräuchte ich einen größeren Stall.
Also noch mehr Schulden machen?
Dann mach es selber, wenn du es besser kannst!
(Schritte)
Wo ist denn der Junge?
Der schläft heute bei Otto in der Knecht-Kammer. Mhm.
Für morgen müssen wir eine neue Lösung finden.
Ich weiß.
(Romantische Musik)
(müde:) Tja, dann.
Soll ich dir helfen, mit dem Arm?
In der Gefangenschaft hat mir auch keiner geholfen.
(genießerisch:) Aah. - Max, willst du dableiben?
Ich habe schon lange in keinem richtigen Bett mehr geschlafen.
(Musik klingt in einem langen schrägen Ton aus.)
Stimmt das, was die Margarete gesagt hat?
Was?
Dass du viele wie mich gehabt hast. (Er schnarcht.)
(Volles Glockengeläut)
(leise) Nun hat sie's doch geschafft - Wenn die hl.Jungfrau ihr beisteht.
Du gönnst es ihr nicht. Du hast dir ja mal Hoffung auf den Max gemacht.
Wie kann sich eine Magd Hoffungen machen?
(Kirchengesang:) # Lobet den Herren, den mächtigen König der Erden
# Lob ihn, oh Seele, vereint mit den himmlischen Chören
# Kommet zuhauf!
# Psalter und Harfe wacht auf!
# Lasset den Lobgesang hören!
# Volles Glockengeläut
Gut siehst du aus.
Danke. - Ich hätte dich gar nicht wieder erkannt.
Und eine schöne Frau hast du auch, die auf dich gewartet hat.
Keine 3 Wochen habe ich ihr damals zugetraut.
Du hattest immer mehr Glück als der Werner. (schluchzt:) So viel Glück.
Sie hat das mit dem Werner immer noch nicht verwunden.
Was ist? Erkennst du mich nicht mehr?
Das ist doch der Hans vom Wassmerhof!
Zugelegt hast du. - Ha ja.
Und die? Kennst du sie noch?
Guten Tag, Max. Christoph ist aus Russland nicht zurückgekommen.
Das tut mir leid.
Entschuldigt mich.
Was hat er denn? - 10 Jahre ist eine lange Zeit!
(Knirschender Kies, lange dissonante Akkorde.)
Max?
(fahrig:) Es tut mir leid. Das ist alles ein bisschen viel.
Was hast du? - Ich versuche, mich zu erinnern.
Wir kennen uns ja kaum. - Es war nicht viel Zeit in Berlin.
Nein.
Weißt du, was jetzt werden soll?
Ich will die Margarete nicht aus dem Haus werfen.
Sie hat das Gleiche mit Josef und mir gemacht.
Du bist rechtmäßiger Erbe. Willst du ewig im Stall wohnen?
Eventuell können wir die Zimmer der Mutter übernehmen.
Und für sie bauen wir ein Altenteil. Wir mit denen unter einem Dach?
Du warst die letzten Jahre nicht da. Es ist zu viel vorgefallen.
(leise:) Motorrad. - Der Georg.
Ich muss mich mit Margarete einigen.
Um den Hof schnell zu übernehmen, fehlt mir die Erfahrung.
Was sagtest du in Berlin?
"Ich bin Bauer. Wenn du mich willst, musst du Bäuerin werden."
Nun bin ich hier aber nicht Bäuerin, sondern nur Magd. - Liesbeth!
(Motor beschleunigt.)
Mutter?
Habe ich es gewusst! - Liest du die alten Briefe von Max? -Herrgott!
Wir verlassen den Hof: der Georg und ich. - Das ist gut.
Hast du nicht mehr dazu zu sagen?
Der Sohn erbt den Hof. Also soll er auch wirtschaften.
Und meine Schufterei zählt nicht?
Hättest du einen Bauern genommen!
Der Wassmer-Hans hat dich gewollt. Da wärst du jetzt Bäuerin.
Und einen Sohn hättet ihr wohl auch.
Du wirst ja sehen, was du davon hast.
Partisanen.
(Zunehmend spannende Akkorde, danach heftiges Atmen.)
(Rumpeln)
Was macht ihr da? - Die Bäuerin zieht aus mit dem Georg.
Sie sagt, Sie seien jetzt der Herr. - Unsinn.
Wo ist Margarete?
Im Büro. - Ja, wo ist das?
Oben. Neben der Kammer vom Knecht!
Was hast du vor? (Schritte) - Ich suche die Margarete!
Margarete, willst du mir zeigen, dass ich es allein nicht schaffe?
Du hast doch die da. - Wieso machen wir es nicht zusammen?
Es ist doch Platz für alle da!
Und was sagst du dazu? - Max weiß, wie ich das sehe.
Gut. Aber nur, wenn ich den Hof weiterführen darf.
Du weißt, was Vater verfügt hat: Irgendwann gehört Josef alles.
Eine Magd bin ich nicht. Schau, wie du es allein schaffst.
Also gut. Bis der Josef soweit ist.
Der Max, den ich kannte, hätte mich jetzt vom Hof geprügelt.
(Spannende Akkorde, Schritte)
Liesbeth!
Was hätte ich denn tun sollen?
Wichtig ist doch, dass dem Jungen alles hier erhalten bleibt.
Wer bist du?
(lauter:) Wer bist du? (Leise, spannende Akkorde)
(Stoß an Holzdiele, Musik klingt aus.)
Komm doch wieder zu uns! - Damit du mir besser nachstellen kannst?
Ist es wegen Max?
Wenn man vom Teufel spricht... - Was willst du?
Ein Bier, bitte. (Lachen)
(Schritte) Guten Abend.
Was ist los, Max? Wieso setzt du dich nicht zu uns?
Komm her! (Stühlerücken)
Ist dein Hirn in Sibirien eingefroren? - Kann schon sein.
Ja, kennst du den Rudolf nicht mehr? Der schafft jetzt in Freudenstadt.
Rudolf! - Er hat mir seinen Hof verkauft.
Er ist arbeitsscheu geworden im Krieg. Immer nur Etappe, oder?
Weißt du, eine Landwirtschaft mit 10 Hektar lohnt sich nicht mehr.
Darf man sich setzen? - (Wassmer:) Nein.
Was? - Ich muss mit Max etwas besprechen.
Danke. - Was hat denn die?
Sie hatte doch ihren Spaß mit dir damals.
Und nicht nur mit dir.
Aber die Margarete hast du nicht gekriegt! - Halt's Maul.
Dafür hat sie jetzt den da! Strafe muss sein! (Gelächter)
Prost.
Deine Schwester stellt auf Mastvieh um. Das bedeutet: neue Kredite.
Bald gehört der Steinerhof der Bank.
Statt dessen sollen wir an dich verkaufen, oder?
Ich will nur euren Wald! Ja Max, überall wird jetzt gebaut.
Meine Säge steht nicht mehr still. - Und was sagt Margarete dazu?
Ach, die ist doch stur. Regine!
Na ja, jetzt bist du ja da!
Du wärst sofort alle Schulden los. Ihr könntet den Maststall bauen.
Du machst die Viecher, ich den Wald. Hm?
Wir kämen uns nicht in die Quere! Wie damals bei ihr hier! (Gelächter)
Regine, was ist denn los? Waren Max und ich so schlechte Liebhaber?
(Anhaltendes Gelächter) Doch sicher bessere, als der da.
Ich überlege es mir! (Schritte, leiser Dauerakkord.)
(Tür klappt.)
Gibst du mir eine?
Tut mir leid, was der Hans gesagt hat. Ich wollte das nicht!
Das sagst du, ausgerechnet du? - Ja. Und ich meine es auch so!
Jetzt sage ich dir was, Max Steiner:
Ich habe immer gehofft, dass du aus dem Krieg nicht mehr zurückkommst.
(Schritte, leise, dissonante Musik)
Du hast wohl geglaubt, es ist alles vergessen nach der langen Zeit!
Was soll vergessen sein?
Was für ein Schwein du bist, auch wenn du dich noch so verstellst.
Na komm, ich nehm dich mit.
(lacht) Ich bin ja kein Unmensch.
(Motor startet.)
(Motor beschleunigt, dissonanter Musik-Akkord)
(Motorrad-Geräusch)
(Türschlag, leise spannende Musik, wieherndes Pferd.)
Liesbeth? (dann deutlicher:) Liesbeth!
(Schritte, Hahn kräht, Pferd wiehert.)
Warum liegt da der Vater?
Weil oben bei uns kein Platz ist.
Soll ich wieder rüber zu Otto in die Kammer gehen?
Mutter hat Recht: Wir brauchen mehr Platz. - Komm, du musst zur Schule.
Der Großvater hat gesagt, dass dir der Hof gehört.
Wir können doch ins große Haus ziehen.
Fahren wir mit der Kutsche in die Schule? - Darf ich die Zügel halten?
Ja. Du musst mir beim Anspannen helfen. (Düstere Musik beginnt.)
Hallo?
(Leise zischende Säge.) Hallo?
Tag! Wo finde ich denn den hier?
Ha, Max Steiner! - Max Steiner?
Ja, der Bauer vom Steinerhof. Das ist der Hof im nächsten Tal.
Fahren Sie zurück zur Hauptstraße... Was wollen Sie denn von dem?
Wir sind Kriegskameraden, waren zusammen in Gefangenschaft.
Aber dann wissen Sie ja, wie der heißt! - Na, klar: Max Steiner.
Schönen Tag noch!
Was machst du da? - Ich schau mir die Bücher an!
Wir hatten eine Abmachung. - Ich war in Neustadt auf dem Amt.
Wenn das so weiter geht, gehört der Hof bald der Bank!
Unsinn. Und jetzt raus hier!
1 Jahr, dann kriegst du kein Geld, weil du Zinsen nicht zahlen kannst.
Alles ist durchgerechnet! - Vom Direktor der Landwirtschaftskasse?
Du hast dich doch sonst nie um Zahlen gekümmert.
Der Wassmer will unseren Wald kaufen.
Erzähl mir nichts! Georg hat euch gesehen. So versucht er es also.
Ihr wart schon immer unzertrennlich.
Das Geld brauchen wir dringend!
Der Wald ist das Gold des Bauern. Und das bleibt auch so!
(Tür klappt.)
Was willst du Zinsen zahlen, wenn du es nicht musst? (Türschlag)
Was ist denn?
Ich habe nur in die Bücher geguckt. Mach dir keine Sorgen!
(Motor-Geräusch, düstere Musik)
(Dreckiges Lachen) Na, wen haben wir denn da?
Die Dame.
Erkennst du deinen Freund Heinrich Nowitzki nicht mehr?
(Lachen) Willst du deinen alten Kriegskameraden nicht hereinbitten?
Bitte.
Der Max hat viel von Ihnen erzählt.
In der Gefangenschaft hatten wir ja nur die Erinnerung.
Ja, auf mich hat keiner gewartet.
Du Glückspilz! (Lachen und Gluckern)
Und eine hübsche Schwester hast du auch noch!
Wir haben alle zu tun, glaube ich. - Wollen Sie etwas essen?
Nein. Nein, ich will keine Umstände machen.
Max, ich freue mich wirklich, dass du mit einer Hand überlebt hast.
Gewöhnlich hat der Russe Nichtarbeitsfähige heim geschickt.
Oder er ließ sie verhungern.
Ich hab Glück gehabt.
Er konnte Russisch. Sie haben ihn gebraucht: zum Übersetzen.
Du kannst Russisch? - Ich habe es in der Gefangenschaft gelernt.
Ja, ein kluger Kopf, der Max. Und so belesen:
Tolstoj, Dostojewski, Gogol!
Wo finde ich hier in der Gegend ein Zimmer?
Ich möchte gern etwas Urlaub machen, wandern, die Landschaft genießen.
Hermine Tennbaum unten im Dorf vermietet. - Gnädige Frau!
Man sieht sich. (Tür klappt.)
Mein Bruder und Russisch!
Kümmerst du dich um Mutter? Ich habe zu tun.
(Krachen)
Wo haben wir uns kennengelernt?
Im Luftschutzkeller. Du hattest unter dem Mantel ein Nachthemd an.
Du hast gefroren. (Melancholische Musik)
Ich muss zur Mutter.
Schön sind auch neblige Sommertage, obgleich der Jäger sie nicht liebt.
An solchen Tagen kann man nicht schießen:
Alles ist still ringsum. Alles ist erwacht, und alles schweigt.
Da erhebt sich ein leichter Wind.
Ein Fetzen blassblauen Himmels tritt verschwommen...
durch den schwebenden gleichsam rauchenden Dunst hervor.
Ein goldig gelber Strahl bricht plötzlich durch...
rieselt als langer Strom, trifft die Felder, stößt gegen den Wald.
Und schon ist wieder alles bedeckt.
Aber wie herrlich und klar wird der Tag, wenn das Licht endlich siegt...
und die letzten Wellen des erwärmten Nebels sich teils senken ...
und wie ein Tischtuch ausbreiten, teils sich emporschwingen...
in der tiefen zartglänzenden Höhe verschwinden.
Wer hat das geschrieben? - Ein Russe.
Er war leidenschaftlicher Jäger wie dein Großvater.
Bist du kein leidenschaftlicher Jäger? - Ich reite lieber.
Wie soll ich damit ein Gewehr halten? - Wie hast du sie verloren?
Im Bergwerk in Sibirien. Es war ein Unfall. - Was für ein Unfall?
Ich hab ihm nur vorgelesen. Ich geh dann.
(Hufgetrappel)
Wo hast denn du das Pferd her? - Ich habe es gekauft: vom Wassmer.
Aha, dafür hast du also Geld.
Er nimmt uns die Bäume ab, die der Sturm gefällt hat.
Josef muss richtig reiten lernen.
Du hast übrigens Besuch: drinnen, bei der Mutter!
Haben Sie auch gegen die Partisanen gekämpft?
Nein, ich war bei den Panzern. 6.Armee.
In Stalingrad hat mich der Iwan erwischt.
Er war auch immer vorn mit dabei. Wo war das jetzt? Warten Sie!
Er hat mir doch die Briefe geschickt. Warten Sie!
Ich hole sie, wenn Sie mir sagen, wo sie sind. - In der Kommode!
Drüben in meiner Kammer hinter der Küche.
Der Herr Heinrich holt gerade deine Briefe aus meiner Kammer.
Er fragte, wo du deine Hand verloren hast. Ich sagte, bei den Partisanen.
Was machst du da? - Das sind deine Briefe, oder nicht?
Das ist ja nicht mehr festzustellen, weil dir die rechte Hand fehlt.
(Klappen) Was willst du?
Deine Mutter denkt, es waren Partisanen. (lacht) Feige Bande!
Letztes Mal hatte er die Hand noch.
Willst du mir nicht deinen Besitz zeigen?
Ich bin so gespannt, das alles zu sehen, wovon du immer erzählt hast.
Meine Herren, ist das schön! (Langsame, spannende Musik)
Deine Nerven möchte ich haben, Gottfried:
Hier aufzutauchen, und sich das Ganze unter den Nagel zu reißen.
(lacht) Auf die Idee hätte ich mal kommen sollen.
Ich sehe dem Max aber leider nicht ähnlich.
Ist er tot?
Hau ab! Verschwinde! Lass dich hier nie wieder blicken!
(Schritte, spannender Akkord) 10 000 DM!
Mehr will ich nicht. Dann erfährt keiner von mir:
Du bist der Lehrer Gottfried Reinke aus Hermannstadt, Siebenbürgen!
Bis morgen Abend gebe ich dir Zeit.
Du weißt ja, wo du mich findest.
(Motor startet.)
(Leise getragene Musik)
Wenn du Max bist, warum schläfst du dann nicht in meinem Bett?
Wenn du das willst. Hast
du vergessen, wie ich aussehe? (Musik endet.)
(Motoren-Geräusch)
Max Steiner! Wir waren doch gestern Abend verabredet?
Ich habe auf dich gewartet! - Wir waren nicht verabredet.
Glaubst du wirklich, du kommst damit durch?
(Düstere, anschwellende Akkorde)
(Dramatische Akzente)
(Tür knarrt.)
Was ist das?
Der alte Pferdestall. Wir bauen ihn zum Altenteil für Mutter um.
Oder er wird zum Gästezimmer. - Gästezimmer?
Feriengäste! Das bringt Geld.
Margarete trifft sich mit diesem Heinrich.
Er hat sie mit dem Auto abgeholt.
Was soll schon passieren? - Er setzt Gerüchte in die Welt.
Lass ihn!
(Hufgetrappel)
(Säge zischt.) Das hast du gezeichnet! - Ja.
Ich habe auch schon berechnet, was ich an Holz brauche. - Was hast du?
85 Festmeter. Die Maße habe ich da.
Wenn ich die Bäume liefere:
Bis wann habt ihr sie zugeschnitten? - Der Max kann rechnen!
(Lärm der Säge) (laut:) Was soll das heißen?
Beweise mir zuerst, dass dir die Bäume gehören.
Wer bezweifelt das? - Deine Schwester, wenn sie es wirklich ist.
(Tür klappt.) Hallo!
Hallo!
Ist euer Gast noch da? - Der macht deiner Schwester den Hof.
Schau dir den an. - Danke.
Warte.
Was soll das? (Leise, melancholische Musik)
Was ist los? Was hast du?
(Flasche klappert.)
Weiß es die Liesbeth?
Was? - Dass du nicht Max Steiner bist.
Sag mir nur eines: Ist er tot?
(erleichtert:) Das ist gut.
(Melancholische Musik endet, Vögel zwitschern leise.)
(Glockenläuten)
(Motor-Geräusch, Sand knirscht.)
(Hund bellt, Motor aus, dann trippelnde Schritte.)
(Laute Türklinke)
Dass ihr es wagt, hier zu stehen!
(laut:) Dass ihr es wagt, hier zu stehen!
(leise:) Nicht mal der Tod ist euch heilig. (laut:) Elende Brut!
(Tür knallt zu, danach leises Vogelzwitschern.)
Warum siehst du mich so an? - Liesbeth, ich...
Ich weiß.
Schon lange. - Aber wie... - Max, bitte!
Von dir habe ich jahrelang geträumt. Ich will nicht aufwachen.
(Poltern, dann düstere, monotone Akkorde)
(Dramatische Akkorde)
Wir sind noch nicht fertig mit dir! Komm.
(streng:) Komm! (Dramatischer Akkord)
(Türklinke, Bestecke klappern, Stühlerücken)
Ich soll euch sagen: Ihr seid hier nicht willkommen. - Wer sagt das?
Das soll sie mir selber sagen.
Hörst du nicht, was man dir sagt? Hau endlich ab!
Nimm die Hure und den Bastard gleich mit! - Das sagst du nicht noch mal!
Willst du mir drohen, du Krüppel? - Lass die Gerichte das entscheiden!
Die Hand ist wohl auch Lug und Trug!
(Schlag, Schrei, Aufschlagen)
(laut:) Sag das noch mal!
Wer sonst noch bezweifelt, dass ich Max Steiner bin, geht mit mir raus!
Was ist mit dir? Na, los. Sag schon, wer ich bin!
Du bist Gottfried Reinke aus Hermannstadt, Siebenbürgen.
Kannst du das beweisen?
(Verlegenes Lachen)
Ihr kennt doch den Max Steiner.
Ihr seht doch alle, dass er es nicht ist. Max ist in Sibirien krepiert.
Warst du dabei? - Nein. Man ließ mich ja schon vor 5 Jahren raus.
Ja, weil du ein NKWD-Spitzel warst. Du warst schon immer der Abschaum.
Was will er dafür, dass er dich zur Hof-Erbin macht?
Von mir wollte er 10.000 Mark, damit er mich nicht verleumdet.
Das höre ich mir nicht länger an.
Es ist der Max, Margarete. Da hilft dir auch der Herr da nicht.
Du willst das wissen, Regine! - Wenn eine den Max kennt, dann ich.
Wassmer und Max, ihr hattet mit mir damals viel Spaß. Nur ich nicht!
Eure Schweißgesichter vergesse ich nie. Aber der Junge ist unschuldig.
Ebenso Liesbeth. Die hat nämlich gewartet, andere nicht!
Setzt euch. Wenn die weg sind, kann man hier auch wieder atmen.
(Leise, dissonante Akkorde)
(Klopfen)
(Türschläge)
Was willst du? - Meine Sachen holen.
Die hat der Georg doch schon geholt!
Er hat den Schmuck der Mutter aus der Kommode vergessen. - Bitte.
(Schritte auf Stein)
(Düstere Musik)
(Heinrich draußen:) Fleißig, fleißig! Was soll das werden?
Ein Haus für Feriengäste! - Sehr gut. Die bringen Geld.
Max Steiner hätte die Idee nie gehabt. - Hau ab! Reicht dir die?
Schon gut! Schon gut. (Düstere Musik)
(Türschläge, dann Motorstart)
Max. Hier ist Post für dich! - (zu den Pferden:) Hoo!
Regine. - Na, Josef, hilfst du dem Vater? - Ja.
Macht die Margarete wieder Ärger?
Eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft Freiburg.
Ihr schafft das schon! Stimmt's, Josef? - Ja.
Hüa!
(Entfernt Lkw-Motor, Hufgetrappel)
(Schritte)
Sind Sie Maximilian Josef Steiner...
Bauer vom Steinerhof im Kreis Neustadt im Schwarzwald? - Ja.
Bitte nehmen Sie Platz.
Hier sind meine Geburts- und Heiratsurkunde.
Die Geburtsurkunde meines Sohnes. Meine Frau: Elisabeth geborene...
Ja, schon gut. Wissen Sie, worum es hier geht?
Vermutlich zweifeln die Herrschaften dort an, dass ich Max Steiner bin.
Sie sind also Max Steiner? - Ja, der bin ich!
Herr Steiner, gegen Sie liegen schwere Anschuldigungen vor.
Sie sollen in einer Sondereinheit an Massenerschießungen in Griechenland.
an Massenerscheinungen beteiligt gewesen sein. Trifft das zu?
Herr Steiner?
Nein. Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden.
Bitte: Haben Sie diese Briefe geschrieben?
Die wurden im Nachlass Ihrer Frau Mutter gefunden.
Darin bezichtigen Sie sich eindeutig der Teilnahme an Kriegsverbrechen.
Herr Steiner, haben Sie die Briefe geschrieben? (Dissonanter Akkord)
Bitte nicht!
Ja, die Briefe sind von mir! Ich habe sie geschrieben.
Gut. Der Staatsanwalt hat Haftbefehl beantragt. Ich stimme dem zu.
Ermittelt wird gegen Sie wegen gemeinschaftlichen Mordes...
in mindestens 150 Fällen. Sie bleiben in U-Haft.
Herr Richter, bitte warten Sie!
Wie kann man nur so niederträchtig sein!
Du hast es in der Hand. Wir wissen beide, dass er lügt.
Metallisches Klappern.
Hier sind deine Sachen. - Danke.
Hier ist auch etwas zu essen.
(leise:) Hör auf damit. Sag ihnen, wer du wirklich bist.
Nein. Es ist gut so, wie es ist.
Denk an Josef. Ihm gehört der Hof. Er ist der rechtmäßige Erbe.
Was nützt ihm das, wenn der Vater im Gefängnis sitzt?
Die Jungen in der Schule zeigen schon auf ihn. - Das geht vorbei.
(leise:) Wer bist du? - Dein Mann. - Bitte lauter.
Du bist kein Kriegsverbrecher.
Max ist vielleicht einer. Aber der bist du nicht.
Ich bin der Mann einer Frau, die mir nie gehört hat.
In ihr Leben habe ich mich hinein geträumt, um Sibirien zu überleben.
Jetzt muss ich dafür bezahlen.
Erzähl mir von ihm! - Von Max?
Von Gottfried Reinke aus Siebenbürgen. - Oh Gott!
Da gibt es nicht viel zu erzählen: Die Eltern waren Donauschwaben.
Der Vater war Schreiner.
Die Mutter starb früh, auch seine zwei Brüder, an Diphtherie.
Der Vater schickte seinen einzigen Sohn zum Studieren nach Prag.
Die Deutschen begannen den Krieg. Er meldete sich freiwillig.
Das herrische Auftreten der Besatzer beeindruckte ihn.
Auch er wollte größer sein, als er war.
Was meinst du damit?
Ich schämte mich meines Vaters, wollte so fein wie
die Bürger- und Großgrundbesitzer- Söhne in der Schule in Hermannstadt.
Dabei war er der großartigste Mensch. - Geh zu ihm. Erzähl es ihm!
Als die Wehrmacht endlich weg war, haben sie ihn aufgehängt:
Am Giebel seines Hauses, noch bevor die Rote Armee einmarschierte.
Er war aber nie für die Deutschen.
Aber keiner wollte das nach den Verbrechen der Deutschen wissen.
Hm, der Krieg ist nicht gerecht.
Die Guten kommen um, und die lügenden Großmäuler überleben.
Und das willst du jetzt ändern?
Ich will nicht umsonst gelogen haben. (Melancholische Musik)
Erzähl mir von Max.
Max war mein Freund, ein guter Kamerad.
Jetzt lügst du schon wieder.
Liesbeth, ich weiß nicht, wie der Max Steiner vorher war.
Aber auf den Max im Gefangenenlager konnte man sich immer verlassen.
Weil wir uns so ähnlich sahen, hat er die Wachen immer reingelegt.
Er übernahm meine Schicht, wenn ich krank war.
Er hat Zivilisten ermordet, war stolz darauf.
Hast du ihn so erlebt?
Nein. Du hast 10 Jahre auf ihn gewartet. - (gerührt:) Ja.
Ich war allein in Berlin, ausgebombt.
Meine Eltern: tot. Mein Verlobter: 1 Jahr zuvor in Russland gefallen.
Als er dich im Luftschutzkeller sah, wusste er, dass du seine Frau wirst.
(leise:) Hat er dir das erzählt? - Ja.
Ich war krank, hatte hohes Fieber.
Ich hatte meine Hand bei einer Sprengung verloren.
Die Wachen hätten mich sterben lassen, weil ich nutzlos war.
Er teilte sein Essen mit mir und organisierte Medikamente.
Und er erzählte mir von dir.
Ich dachte: Vielleicht lohnt es sich doch, diese Hölle zu überleben.
Wenn es draußen so wunderbare Frauen gibt.
Vier Monate später wurde er bei einer Sprengung verschüttet.
Mit drei Kameraden suchte ich ihn in dem Stollen.
Wir fanden ihn noch lebend. Er gab mir einen Brief mit der Bitte:
dir zu sagen, dass er tot ist.
Und dass er stolz ist, einen Sohn zu haben.
Ich habe dein Bild an mich genommen, auch die Briefe.
Und seine Erinnerung.
Ich habe sie mir ausgeliehen. Ich stellte mir vor:
Du bist meine Frau. Für dich muss ich überleben.
(Schniefen) - Liesbeth.
Schon gut!
Verzeih mir! - Wem verzeihen? Max oder dir?
Max hat dir das nicht angetan.
Ich erhoffte seine Rückkehr, aber ich habe mich auch davor gefürchtet.
(laut:) Liesbeth, bitte. Lass es so, wie es ist. Ich bin Max Steiner!
Nein, Gottfried. Du bist der Mann, mit dem ich leben will.
Lassen Sie mich bitte raus. - Liesbeth, ich liebe dich!
(Metalltür, Handschellen klicken.)
(Lautes Lachen, dann getragene Musik)
Josef!
(Brett ploppt)
Josef! (Weiterhin getragene Musik)
Wo bleibst du denn? - (leise:) Hier bin ich, Mutter!
Ja dann. - Soll der Heinrich euch noch fahren?
Danke, nicht nötig. Na komm!
(Getragene Musik)
Ich habe sein Gewehr in der Tenne versteckt.
Dann kann ich es holen, wenn ich groß bin!
Dann lass dich aber nicht von Tante Margarete erwischen.
Wohin fahren wir? - Nach Freiburg.
Wartet da der Vater auf uns? - Ja.
(Getragene Musik, Pfiff)
SWR 2019
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