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(Gitarrenmusik)
(Tochter:) Ist das unsere?
Die Küchenzeile?
Anne, ist das unsere?
Die Küchenzeile ist eure, ja.
Ich will eine neue. Definitiv.
Braucht ihr mich noch?
Anne, es war immer so ausgemacht.
Wieso studiert sie nicht in Berlin?
Das ist 'ne Großstadt.
Alle wollen nach Berlin, nur sie nicht.
Findest du was?
In Pocking oder Niederfeilnbach.
Du hattest eine schöne Wohnung
zu einem sehr fairen Preis.
(Vermieterin:) So kann man es auch sehen.
So sehe ich das auch.
Tut mir leid. Es war gut hier.
Wieso ziehst du nicht in eine WG wie andere Studenten?
Was denn? 3. Stock ohne Aufzug, das packst du nicht mehr lange!
Zieht die Tür einfach zu, wenn ihr geht.
(Lied: "It's Never Too Late" von Steppenwolf)
(Annes Gedanken:) Coffee to go!
Keine Ahnung, warum man Kaffee jetzt im Gehen trinkt.
Ich hab's nicht eilig. Im Gegenteil,
es geht mir alles viel zu schnell.
Bin ich langsamer geworden?
Oder alles um mich rum immer schneller?
(Lied läuft weiter)
(Türklingel)
Hallo? Wer ist denn da?
Ich bin's, Anne!
Wie, Anne?
Mach auf, du Idiot. Willst du jetzt meinen Nachnamen wissen?
Mensch, Anne. Dass du mal vorbeikommst!
Toll. - Was ist mit deinem Auge?
Neue Linse, das andere kommt auch bald dran.
Gut siehst du aus! - Das siehst du doch gar nicht.
Na, Anne, wie läuft's denn? Heute sagt man ja: "Was geht?"
Was machen die Schleiereulen? Vermehren sie sich?
Johannes, ich hab das Anliegen, wieder mit euch zusammenzuziehen.
Was?
Wer ist denn euch? - Du,
Günther, vielleicht Paul. Eddi nicht!
Diese Namen hab ich bestimmt 10 Jahre nicht gehört.
Wir waren ein gutes Team. Wir müssen dahin, wo wir waren.
Anne, unsere WG damals, das war 'ne Studenten-WG!
Ich platze hier so rein. Entschuldigung, das war falsch.
Ach. Nein.
Ich freue mich total, dass du mal vorbeikommst.
Aber...
An die "Staatsmacht" denke ich noch ab und zu.
Was macht der wohl? Ob der noch Hausmeister ist?
Es hat ihn geärgert, dass wir ihn so genannt haben.
"Jetzt haben wir die Verrückten hier!"
Das hat er gesagt, als wir ankamen.
Aber irgendwann wollte er dich heiraten.
Hast du mit ihm geschlafen? - Nein.
Keine Ahnung.
(Beschwingte Gitarrenmusik)
Haben wir uns die letzten Jahre getroffen?
Waren wir mal spazieren? Zusammen im Theater,
in der Sauna, im Urlaub?
Na ja, wir hatten uns aus den Augen verloren.
Manche Dinge kann man nicht wegwerfen.
Die kann man nur aus den Augen verlieren.
Das Ergebnis ist das gleiche.
Paul, bekommt einer Besuch, bekommen wir alle Besuch,
und wenn keiner Besuch bekommt, dann haben wir uns.
Was, wenn ich meine Ruhe will? - Dann machst du die Tür zu.
Und wenn ich bei offener Tür meine Ruhe will?
Lieber Paul, mach, was du willst.
Wenn man dich findet, nachdem du 4 Monate tot vorm Fernseher lagst,
dann werde ich fragen, ob die Tür offen war
oder zu. - Da geht's los.
Die Vergangenheit verklärt alles.
Ich erinnere mich noch, was das für ein Gehacke war!
Wart ihr schon bei Eddi?
(Gitarrenmusik)
Wie kann man denn so werden? - Ich kann euch hören.
Gut so! Weißt du was? Damals hatten wir
keine Türen! - Das weiß ich noch.
Obwohl es 30 Jahre her ist. Ach was!
35 mindestens.
Hey, ihr zwei. Ich liebe euch, das wisst ihr.
Wir dich auch, Paul, wir dich auch.
(Gitarrenmusik)
Hier kommt die Lösung.
Wie 'ne Lösung seht ihr zwei nicht aus.
Na, Alter?
Ihr wart damals schon schräge Vögel.
Jetzt hattet ihr 30 Jahre Zeit, eure Spleens auszubauen.
Mit euch fahre ich nicht mal in Urlaub.
3 Jahre lang habt ihr mir den Kühlschrank leergefressen.
Ihr wart immer die Coolen, die Andersdenker.
Ich war der dumme Spießer. Spießer!
Was für ein albernes, abgelutschtes Wort!
Und jetzt wollt ihr in mein Haus ziehen.
Nee. - Wir wollen doch nicht in dein Haus ziehen.
Nein?
Habt ihr 'ne schöne Wohnung gefunden? Jetzt mal ehrlich.
In eurem Alter, mit eurem Einkommen und eurem Aussehen.
Hier, acht Zimmer, zwei Bäder!
Große Terrasse, alles nach Süden.
Wäre doch günstig.
Oder seid ihr wirklich hier, weil ihr mich so nett fandet?
Was hat der denn?
Auf diesen Moment hab ich seit 35 Jahren gewartet.
Ich wusste, dass aus euch nichts wird
und ihr eines Tages runtergekommen bei mir klopft.
So, und jetzt bitte ich euch,
mein Haus wieder zu verlassen.
Ja bitte. Da vorne links ist die Tür. Raus!
Na? Ja raus!
Wen wollt ihr noch fragen? Eddi? Ich lache mich tot!
Schönes Leben noch! Euch allen!
(Gitarrenmusik)
Mir war nicht klar, dass wir ihn so verletzt haben.
Was tun wir? - Es läuft nicht. Merkst du das nicht?
Was willst du tun, Eddi fragen? - Gut, fragen wir Eddi.
Nein. Es hat Gründe, warum Kontakte abreißen.
Da hat der dicke Paul recht.
Hey, Johannes... - Mir ging's gut, bevor du aufgetaucht bist.
Warst du dabei, als Günther uns gerade rausgekickt hat?
So was ist mir 10 Jahre lang nicht passiert.
Was ist dir denn die letzten 10 Jahre passiert?
Ich muss ausziehen und kann mir die Scheiß-Stadt nicht leisten.
Ich ziehe nicht aufs Land. Ich hab immer viel gearbeitet,
dummerweise als Biologin, nicht als Unternehmensberaterin.
Sollen die Rollkoffer-Typen zum Flughafen ziehen!
Ich brauche diese Wohnung. Ich brauche euch. Zufrieden?
Es war gut damals. - Ach, das war doch nicht real.
18 Semester Studium.
Jetzt fehlt uns das Geld, das wir damals nicht verdienten,
und die Zinsen für dieses Geld.
Schau uns doch an.
Keine Sekunde dieser Zeit würde ich hergeben,
für keinen Betrag dieser Welt.
Ich auch nicht.
Was?
Riedlerstraße 12, alles klar. Bis später.
Jetzt sollten Sie's ausmachen. - Ja.
Wollen wir? - Ja.
(Er atmet hörbar ein.)
Wie sehe ich aus? Sehe ich krank aus?
Das müssen Sie den Doktor fragen.
Gut.
Fragen wir den Doktor.
Herr Ahorn! - Ja?
Ich finde, Sie sehen gut aus.
(Er klopft.)
Die Frage ist: Wie lange können wir uns allein versorgen?
Stopp, Leute, stopp. Ihr brecht mir das Herz.
Hört auf mit eurem Pflegefall-Gelaber.
Ich sterbe beim Vögeln in der Sauna, und das ist dann gut so.
Sag mal, wen willst du denn in der Sauna vögeln?
Hört zu. Ich mach das nur ohne das Altersheim-Gejammer.
Das heißt, du wärst dabei?
Na klar. Ist doch 'ne Hammeridee.
Scheiße!
(Rockmusik)
(Annes Gedanken:) Da waren wir wieder zusammen.
Ich, Johannes und Eddi.
Eine explosive Mischung, das muss man ganz klar sagen.
Wir waren wieder zusammen,
und da tat sich ein Spalt auf im Raum-Zeit-Kontinuum,
der uns einen Blick auf die glorreiche Vergangenheit
und in die Zukunft erlaubte.
Sind Sie der Vermieter?
Sehe ich aus wie ein Vermieter?
Ich dachte, wegen des Alters und weil Sie weniger ordentlich
als die anderen aussehen. - Nein, wir sind Konkurrenten.
Nein, das sind wir nicht.
(Rockmusik)
Wenn ich noch ein einziges perfektes Paar sehe, dann kotze ich auf den Boden.
Das müssen wir nicht ausfüllen. - Dann haben wir keine Chance.
Mit Getränken könnte man mit allen,
die die Wohnung nicht kriegen, hier schön feiern.
Das wäre mal 'ne nette Geste.
Kann ich Ihre Selbst-Auskunft schon einsammeln?
Nein. - Eine Sekunde, bitte.
Wir füllen das nicht aus,
weil diese Fragebögen keine Antworten zulassen, die uns adäquat beschreiben.
Verstehen Sie etwas nicht? - Sie verstehen was nicht.
Johannes hier arbeitet seit 30 Jahren als Rechtsanwalt für arme Menschen.
Lass mal, Eddi. - Tausenden Menschen hat er geholfen.
Aber wenn Sie nach dem Jahreseinkommen fragen,
bekommen Sie nur eine kleine, beschissene Zahl, mehr nicht.
(Makler:) Ich hab verstanden.
Rechtsanwälte haben wir sowieso nicht so gern als Mieter.
Das gibt immer Ärger. - Warum können wir uns
keine anständige Wohnung in dieser Stadt leisten?
Das hatte ich vergessen. - Und warum akzeptieren wir das?
Hier ist nichts zum Kaputtmachen!
Wie hast du damals unsere Wohnung bekommen? So?
(Annes Gedanken:) Ganz unrecht hatte Eddi nicht.
Sobald sie Verdienstnachweise sehen wollten, waren wir raus.
Es gab nur eine Chance: Eddis Blick.
Den hatte er damals schon perfektioniert.
Charmant
und bisweilen unwiderstehlich.
Ist Ihnen nicht gut? Ein Glas Wasser? - Nein, nein.
Danke. Alles gut. - (Sie räuspert sich.)
Ich hab schon mal eine Ihrer Wohnungen gemietet.
Hier, in diesem Büro.
Wie groß soll die Wohnung sein?
Drei Zimmer, keine Durchgangszimmer.
Maximal 1.200 Euro.
In der Bergmannstraße gibt's so was, aber da wird renoviert.
Immer, wenn wir Geld haben, renovieren wir eine Wohnung.
Zwei sind fertig. Nein, drei.
Die sind aber sehr beliebt, das sieht man an der Warteliste.
Aber ich kann Sie hier unten eintragen, und Sie hören dann von uns,
wenn was frei ist.
Die sind alle vor uns dran?
So ist das mit Wartelisten. Irgendwann ist man dran.
Manchmal geht's einem zu langsam, manchmal zu schnell.
Je nach Liste.
Sie heißen Lena mit Nachnamen? - Ja, ich weiß.
Vor langer Zeit hat mir genau auf diesem Stuhl
eine junge Frau eine Wohnung vermietet, die auch Lena mit Nachnamen hieß.
Die hatte eine Tochter.
Hier behauptet jemand, dass er dich kennt. Eduard Ahorn.
Eddi. - Eddi.
Aha, aha.
Hm. Ja. Ciao, Mum. Ich küss dich auch.
Sie sagt, Sie waren ein Arschloch.
Aber unter allen Arschlöchern nicht der Übelste.
Sie sollen sich mal wieder melden.
Das haben Sie geschickt hinbekommen.
Das ging Ihnen wohl zu langsam mit der Liste.
Ja.
So viel Zeit hab ich nicht.
So!
Eddi, was ist mit deinen Jungs? Die könnten wir gut gebrauchen.
(Eddi:) Dass du das alte Ding noch hast! Anne, schau mal!
Der schläft 40 Jahre neben dem alten Teil!
Manche schlafen 40 Jahre neben derselben Frau. - Oh, nein!
Da waren immer Weinflaschen und olle Wegwerftücher drauf!
Das Grundprinzip des Nachtkästchens hat sich nicht verändert!
Schau mal, unsere neuen Nachbarn! - Wo?
Hallo! Wir sind die Neuen!
Junge Leute im Haus. Das ist schön!
Die bieten bestimmt gleich Hilfe an. - Meinst du? Gut wär's.
Was der alles mit sich rumschleppt! Das müssen wir tragen! - Ja komm!
Musterurteil 1987. Bla, bla, bla.
Sag mal, spinnst du? Hör auf! - Bla, bla, bla.
Bla, bla, bla. - Lass das, Mensch!
(Annes Gedanken:) Wir waren aufgekratzt wie bei 'nem Spiel,
dessen Regeln wir verinnerlicht und dann vergessen hatten.
Vielleicht hatte diese exaltierte Freude
auch etwas Unwahres, Gespieltes an sich.
Ja, hau weg, Mann! Der alte Scheiß.
(Laute Musik)
(Anne:) Unten sind noch Kisten!
Nee! - Die holen wir später.
Mit etwas Glück sind sie weg. - Wann besuchen wir die jungen Leute?
Genau!
Die müssen merken, dass wir keine langweiligen Rentner sind.
Woran sollen die das bei dir merken?
(Rockmusik)
Das sind nicht nur Jungs, oder?
Hoffentlich kiffen die nicht ständig, das liegt hinter mir.
(Johannes:) Na, wie sehe ich aus?
Ich hab Anne gefragt.
Na?
Guten Abend. - Hallo.
Wie nett, dass Sie sich vorstellen. - Ich bin Johannes.
Lassen wir das Sie. - Thorsten. - Ich bin Anne, das ist Eddi.
Darf ich dir die geben? - Wiesenblumen! Danke.
Hallo, Katharina.
Könnten Sie, könnt ihr die Schuhe ausziehen?
Stellt sie vors Regal. - Klar. - Danke schön.
Die Küche ist hier. - Wie bei uns.
Fast wie bei uns. - (Barbara:) Hallo!
(Barbara:) Schön. - (Eddi:) Hallo.
Ich bin die Anne. - Wir sagen du? - Unbedingt.
Ja. Schön, dass wir uns kennenlernen.
Wir sind ein eingespieltes Team, wir hatten schon mal eine Studenten-WG.
Kaum sind 35 Jahre rum, machen wir's wieder.
Wir sind Profis. - Ich hab noch Dias von damals.
Die müsst ihr euch mal angucken. Das waren abgefahrene Zeiten, Alter!
Es war ja gar nicht üblich, in 'ner WG zu wohnen.
(Eddi:) Total üblich. - Warum wohnt ihr wieder zusammen?
Wahrscheinlich wie bei euch. Es ist lustiger und billiger.
Die beiden studieren Jura, ich Kunstgeschichte.
Ja, also, wir stehen kurz vor unseren Examen.
Wir machen das 1. Staatsexamen, Barbara ihre Bachelorprüfung.
Na ja, ihr könnt's euch vielleicht vorstellen, es ist eine sensible Zeit.
Wir haben keine Kapazitäten.
Dann macht eure Prüfungen. Ist doch gut, oder?
Wollt ihr was trinken?
Wir haben uns vorgenommen, die wichtigen Dinge gleich anzusprechen.
Wir können euch nicht helfen.
Wir sagen das ganz deutlich, um falsche Erwartungen zu vermeiden.
Wir sind einfach nur Nachbarn,
die man nett grüßt und ansonsten in Ruhe lässt.
Was meinst du denn? - Mal was Schweres tragen,
mal zur Apotheke, das Handymenü erklären. All diese Sachen.
Das können wir in der jetzigen Situation nicht leisten.
Sehen wir klapprig aus?
Nein. Und wir wünschen euch natürlich, dass das noch lange so bleibt.
Versteht das nicht falsch, aber besser, man sagt das gleich,
dann gibt es keine falschen Erwartungen.
Das 2. Thema ist uns mindestens genauso wichtig. - Ja.
Wir hatten ehrlich gesagt mit
etwas ruhigeren Nachbarn gerechnet, vor allem in eurem Alter.
Dieser Einzug mit der lauten Musik, das geht nicht, das geht echt nicht!
Gut, dann würde ich sagen, wir haben uns mal kennengelernt.
Ja. Wir müssen morgen früh raus.
Die haben keine Kapazitäten. Haben wir die erschreckt?
Hallo? Die haben mich erschreckt.
Habt ihr die Schuhschachteln in der Garderobe gesehen?
Die haben ihre Schuhe fotografiert, damit sie wissen,
welcher Schuh in welche Schachtel gehört.
Und im Flur, da waren keine Sportsachen,
keine Bierflaschen, keine Schlafsäcke, nichts.
An der Küchentür steht "Mahlzeit".
Die haben eine Putzfrau, das schwöre ich euch.
Wir waren in der Hölle. Ich will nicht mehr darüber reden.
(Eddi stöhnt.) - Was ist denn?
Beim 1. Umzug lernt man,
die Kisten nicht zu schwer zu machen.
Nur du wirfst einfach alles rein, wie es dir gerade passt!
Nicht streiten, liebe Mitbewohner.
(Geräusche hinter der Wohnungstür)
(Sie klingelt.)
Wir sind die neuen Nachbarn und wollten uns mal vorstellen.
Ah, hallo.
Ich bin neu hier, ich konnte mich noch nicht vorstellen.
Nee, wir sind neu. Wir sind gerade eingezogen.
Ah, ach so, dann sind Sie...
Sie sind die neuen Nachbarn. Ah. Ich finde das schön,
dass Sie einfach mal klingeln. Da freue ich mich.
Ich bin jetzt, glaube ich, 3 Monate hier in der Stadt.
Ein Glas Wein heute Abend? - Heute Abend...
(Er schnauft amüsiert.)
Nein, nein. Ich muss nachher nach Lissabon. Aber warten Sie.
Warten Sie mal. Ich meine, im Juni wäre noch was. Sekunde.
Juli, 2. Juliwoche. Da könnte ich mich melden.
Haben Sie eine Karte oder so was?
Äh, gut. Soll ich dann einfach bei Ihnen klingeln?
Also Juli? - Äh, ja.
Ja, ja.
(Sein Handy piept.)
Wie aufregend. Im Juli treffen wir den Rollkoffermann.
Schon Wahnsinn, wie sich mein Leben verändert hat mit euch.
Nee. Brauche ich nicht. Ich brauche keinen Internetanschluss.
Ich bin sehr gut zu erreichen per Telefon, und wir haben
ja wohl auch nach wie vor eine Postadresse.
(Eddi:) Du zahlst nur ein Drittel. - Ich zahle kein Drittel
von was, das ich nicht brauche. Der Blödsinn klaut euch Zeit.
Hatten wir früher Internet? Hat uns irgendwas gefehlt?
Es ist schön, wenn man mit der Welt verbunden ist.
Wir saßen immer mit denselben Idioten in der Küche.
Eddi, diese Idioten waren wir, ne?
Ja, das war ja gut, aber wir waren auch immer alle einer Meinung!
Was? - Ja, das war
auch ein bisschen sinnlos.
Das verbitte ich mir. Ich war nie deiner Meinung.
Um Himmels willen!
Als ob du dich im Internet mit Leuten auseinandersetzen würdest,
die nicht deiner Meinung sind.
Gut, du lernst vielleicht noch mehr Menschen mit deiner Meinung kennen.
Ist das sinnvoll?
Wir brauchen einen Internet-Anschluss!
Macht, was ihr wollt.
Ich hab kein Problem damit, mit Leuten in der Küche zu sitzen.
Gut. Wo sind diese Leute? Laden wir sie ein, oder?
Was ist mit der "Staatsmacht"? Ist der noch Hausmeister?
Hast du mit ihm geschlafen, damals? - (Sie seufzt genervt.)
Was ist mit Paul und Günther? Wollen wir die einladen?
(Türklingeln)
Habt ihr jetzt geklärt, ob man heutzutage Internet braucht
und wer mit wem geschlafen hat vor 500 Jahren?
Wir haben euch doch gesagt, dass wir jedes Wort hören.
Sollen wir uns nicht mehr unterhalten? Dürfen wir uns bewegen, Licht anhaben?
Wie stellt ihr euch das vor? - Das weiß ich nicht.
Ich weiß nicht, wie ich mir das vorstelle. So jedenfalls nicht.
Noch was?
Ihr seid die Woche dran mit Treppenhaus putzen.
Dieses Treppenhaus ist das sauberste Treppenhaus der Welt.
Ja. Und warum ist das so? Weil jede Woche jemand putzt.
Diese Woche ihr. Daher hängt das Schild bei euch.
Es spielt keine Rolle, wie sauber das Treppenhaus ist.
Wir putzen kein sauberes Treppenhaus. Das ist ja total unsinnig.
Ich muss jetzt wieder zu den anderen. Schönen Abend.
Und? - Sie hören jedes Wort, und überhaupt ist ihnen alles zu laut.
Der Plattenspieler läuft nicht mal. - Was gehen die uns an?
Genau. Na, wie sieht's aus?
Was willst du damit? Das kannst du vergessen.
(Es klopft gegen die Decke.)
(Gitarrenmusik)
Äh, kommst du kurz mit rein?
Warum denn? - Nurso, äh.
Weißt du, die Verkäuferin ist ganz interessant.
Zu zweit ist besser. Dann ist man nicht so der Einsame.
Übers Internet dauert es auch 1 bis 2 Tage.
Da meint sie: "Aber dann muss ich nicht in den Laden."
Ich dann: "Bald gibt es keine Läden mehr."
Da meint sie, wir sollten lieber eine Bäckerei aufmachen.
Ja! "L'enfer, c'est les autres."
Sartre. "Die Hölle, das sind die anderen."
Wie kann ich Ihnen helfen?
Nee, danke. Ich...
Ich guck mich einfach mal um. (Er räuspert sich.)
Ihnen? - Danke.
Ich begleite nur diesen Fachmann für neue französische Literatur.
Wie lustig. Berühmte Leute zitieren.
Das hast du damals auch gemacht. Das hat nie funktioniert. Nie.
Hast du das jetzt 35 Jahre durchgezogen? Wie war denn die Erfolgsquote
über all die Jahre? Lass mich raten. Null? Das...
Lass mich in Ruhe. Was willst du denn?
Mach einfach mal was anders.
Nee, Johannes. Mach alles anders.
Arschloch! - (Eddi lacht.)
Wieso "Arschloch"? Was ist es, auf das du wartest?
Tschüss.
Hallo! Wer ist denn der junge Mann?
Mein Verlobter. - Was ist denn ein Verlobter?
Ein charmanter junger Mann mit hervorragendem Geschmack,
der mich heiraten will.
Aha. Was ist denn Heiraten?
Ein Statement: Dass man sich liebt,
zueinander hält und gemeinsam alt werden will.
Dann muss man später nicht in eine bekloppte Tattergreis-WG ziehen.
Heißt das, ihr vögelt die nächsten 30 Jahre ausschließlich euch selber?
Ja, das heißt es.
Was ihr in 30 Jahren macht, brauche ich ja nicht zu fragen.
Spielst du mit Johannes Frisbee?
Nein.
Was ist denn los mit euch?
Wollen wir mal miteinander reden? Inhaltlich? Über Themen?
Habt ihr nichts mehr zu sagen? Wollt ihr nichts mehr ändern?
Ich will, dass mal was bleibt.
Ein Buch ein Buch, ein Telefon ein Telefon.
Eine Baulücke eine Baulücke, verdammt!
Jeden Tag ist alles anders. Das nervt!
Hör bloß auf, Dinge zu verändern.
Du hast doch gerade alles über den Haufen geworfen.
Na? - Vergiss es.
Warum? Was ist?
Termine? Fristen? Eine Deadline?
(Er atmet hörbar aus.) Letzteres.
Frag die von oben.
Ich weiß nicht, ob das 'ne gute Idee ist.
(Anne:) Wir sollten mehr auf sie zugehen.
Das ist definitiv keine gute Idee.
Doch, das ist es. Wirst du sehen.
(Beschwingte Musik)
Hallo! - Oh, schon wach?
Mmh. Ich gehe auf die Wiese. Habt einer von euch Lust auf Frisbee?
Habt ihr das verstanden, dass wir lernen müssen?
Aber Pausen sind wichtig. - (Thorsten:) Genau.
Die Pausetaste habt ihr vor 30 Jahren gedrückt.
Und dabei seid ihr geblieben. Wohin das führt, sieht man ja.
Will irgendjemand aus dieser Wohnung später mal in einer Armen-WG leben?
Die Antwort ist Nein.
Und "by the way", wärt ihr damals flotter gewesen,
hätten wir keine Regelstudienzeiten und Studiengebühren.
Ich kann hier nicht lernen. Ich gehe in die Bibliothek.
Dann leckt mich am Arsch.
(Gitarrenmusik)
Ja, danke. War 'ne ganz großartige Idee!
Weißt du was? Die haben uns Armen-WG genannt.
Was? Diese Hosenscheißer!
Ich drücke fest die Daumen, dass es mit der Karriere klappt.
Danke. Arm zu sein mag in jungen Jahren romantisch sein.
Im Alter ist es nur bitter. - (Anne:) Bitter ist,
den Lebenserfolg in Euro zu messen.
Das ist bitter, mein jugendlicher Freund!
Unglaublich! - Komm, lass.
Anne, mal ehrlich,
wären wir alle hier, wenn du dir die Wohnung alleine leisten könntest?
Was regst du dich auf? Hättest du Kinder in dem Alter, wüsstest du,
dass du nichts erwarten darfst. - Wofür haben wir denn gekämpft?
Ist doch ihre Zukunft, nicht unsere.
Ach, komm. Nichts gegen Naturschutz und Brutkästen für die Schleiereule,
aber weißt du, was man tun muss, damit die sich vermehren?
In Ruhe lassen muss man die. Man muss die einfach nur in Ruhe lassen.
Warum sagst du so was? - Ja, warum sagst du so was?
Anne, du hast sie nicht verhindert, die Industriegebiete und Schnellstraßen.
Und die Leute, mit denen du dich gestritten hast,
leben in Villen mit Garten und Blick über den Scheiß-Starnberger See.
Schau den Dingen ins Gesicht. Du hast vielleicht bewirkt,
dass Vögel oder auch deine Schleiereulen durch ihre parkähnlichen Gärten fliegen.
Darf ich mal was sagen? - Was? - Reiß dich zusammen, Eddi.
Was denn? Du wolltest nicht dem Geld hinterherlaufen!
Diese Leute haben heute keine Geldsorgen. Aber du.
Du wirst mit einem Mal gezwungen, jede Sekunde über Geld nachzudenken,
weil du nichts hast. Nichts.
Du hast nicht mal Geld für einen Internetanschluss.
Und deine Schleiereulen gehören allen,
auch denen, die sich nicht dafür interessierten.
Anne.
Ich liebe dich dafür, dass du bist, wie du bist.
Aber bitte erzähl mir nicht, du wärst dabei die Gewinnerin.
(Es klopft gegen die Decke.)
(Anne seufzt.)
Ich muss hier raus.
Lasst uns was trinken gehen.
(Leise Musik)
Eigentlich sollten wir diesen jungen Leuten dankbar sein.
Dieses Klopfen von oben war ein Weckruf.
Rumsitzen und Spiele spielen war nicht unsere Vereinbarung.
Irgendwie war es früher anders. - Riecht auch anders.
Komm, Anne. Auf dich.
Auf uns! Auf das Leben!
So, Freunde. Auf geht's.
(Trance-Musik)
(Annes Gedanken:) Johannes hat immer schon so getanzt,
so windmühlenartig.
Das sah damals schon scheiße aus. Das war ihm völlig egal.
Er hat immer selbstvergessen getanzt, ganz für sich alleine.
Ich hab immer alles wahrgenommen.
Mich, die anderen,
die ganze wild wogende, im Glück schwebende Masse.
Mein Gott, man muss tanzen. Ich hatte das vergessen.
Wieso hört man mit allem auf, das Spaß macht?
Wieso?
(Anne lacht.)
Gut, dass wir den Treppenlift haben.
Der ist praktisch, wenn man einen getrunken hat.
Ruhe, Freunde, wir müssen ruhig sein! Die Kollegen von oben!
Ja! - Wir müssen noch unsere Schuhe fotografieren
und sie auf Schuhkartons kleben. - (Sie lachen.)
Dann hängen wir uns ein Schild mit "Mahlzeit" in die Küche.
Vielleicht mögen sie uns, wenn wir ein bisschen so sind wie sie.
(Eddi:) Wenn Sie hier kurz hineinschlüpfen wollen. - Gern.
03:50 Uhr!
Ich bin sehr stolz auf euch, Party People!
Das Leben ist ein Fest!
(Laute Musik)
(Johannes und Anne rufen.)
(Sie singen "La Cucaracha".)
(Eine Tür fällt zu. Johannes stöhnt.)
(Türpoltern)
(Basslastige Musik)
Oh, Gott.
Scheiße!
(Eddi stöhnt.)
(Anne:) Lasst mir zwei übrig.
Meinst du, du kriegst du das wieder hin? - Da unten fehlt 'ne Schraube.
Guten Tag, liebe Nachbarn!
Ab jetzt ist Ruhe! Absolute Ruhe!
Sonst lernt ihr uns kennen.
Das war völlig sinnlos. Die Tür ist komplett kaputt.
Was sagst du? - Die Tür ist kaputt. Wer macht das?
Redet der jetzt leiser, oder werde ich taub?
Eddi hat die Tür kaputt gemacht, Eddie repariert sie.
Und Johannes,
hör auf in unserer Wohnung zu flüstern. - Tu ich nicht.
Er flüstert. Jetzt haben sie's geschafft.
Sie sorgen dafür, dass wir uns laut fühlen.
Wir waren laut.
Nach 22 Uhr, das ist das Problem.
Davor können wir tun, was wir wollen, rechtlich gesehen.
Ich lass mich nicht von übermotivierten Studenten
ins Bett schicken! Sicher nicht!
Das sehe ich auch so. - Ihr seid nicht sehr konstruktiv.
Ich erkläre denen jetzt den Unterschied
zwischen laut und leise. Ist doch wahr.
Auch nicht sehr konstruktiv.
Was? Du musst lauter reden, Johannes! Ich verstehe dich nicht.
(Leise:) Arschloch. - Arschloch?
Ach, das hast du verstanden? - Ja.
So redet der seit unserem Einzug mit mir.
Jetzt reißt euch mal zusammen! (Es klopft gegen die Decke.)
Hm. Du musst auch hier dran?
Nein, ich interessiere mich unglaublich für ältere Männer an Containern.
Ich könnte stundenlang zusehen. - Ich hab's gleich.
Ich hab nur 2 Flaschen.
Sind die noch von Silvester?
Noch mal übers Treppenhaus nachgedacht? Klingelt's?
Beim Eingang,
wo ihr volle Weinflaschen rein- und leere raustragt.
Wir denken viel nach, nicht unbedingt über Treppenhäuser.
Egal. Vom Nachdenken wird's nicht sauber.
Ihr seid dran! Ihr seid einfach dran mit Putzen!
Hey, hey. Kein Grund, nervös zu werden.
Die sind seltsam erwachsen.
Die sind verspannt, sonst sind die gar nichts.
Ich war viel unsicherer damals, viel schüchterner.
Wie du vor der Tür standst,
mit deinem abgegriffenen Stadtplan aus der Bibliothek,
völlig begeistert von allem.
Schüchtern warst du nicht. Maximal 2 Wochen lang, wenn überhaupt.
Mit deinen kurzen Jeans,
bauchfreien Oberteilen und immer ohne BH.
Nee. Wir sind alle durchgedreht deinetwegen.
Was machen deine Jungs? Warum kommen die nicht mal?
Die sind bei Marlene. - Ich weiß. Lade sie mal ein.
Sie würden nicht kommen.
Und Marlene?
Anne, das ist meine Geschichte und hat mit dem hier nichts zu tun.
Du hast keine Lust? Was ist mit mir? Habe ich auch eine Meinung?
Wir besprechen das jetzt! - Besprich doch. - Arschloch!
Nichts sagen. Weggehen, weitergehen.
Nichts sagen. Einfach still weitergehen.
Der wird mal genau so ein Arsch wie du!
(Gitarrenmusik)
(Anne seufzt.)
Kommst du?
Das nennt man im Yoga die Herzbrücke, ist gut gegen Stress.
Mach was gegen Langeweile. Das hast du nötiger.
Arschloch. - Anne, hast du das gehört?
Wie der mit mir redet?
So, schreib auf: Mir reicht es.
Ich kaufe 4 Joghurts und abends ist kein einziger mehr da.
Das ist eine WG, keine Kommune.
Könnt ihr bitte akzeptieren, dass es hier Privatbesitz gibt?
Ich esse gar keine Joghurts. - Unglaublich!
Der Typ, der einfach mit meiner Freundin geschlafen hat,
regt sich über Joghurts auf! - Was? Wen meint er?
Du hattest 'ne Freundin damals?
Du bist...
charakterlich...
eine sehr schwierige Person.
Hallo? Herr Anwalt? Du hast meine Joghurts aufgefressen!
Darum ging's! Das war das Thema vor 'ner halben Minute.
(Gitarrenmusik)
(Annes Gedanken:) Wir waren immer weniger nett zueinander.
Was anfangs harmlose Zankerei war,
führte bald zu langen Tagen beleidigten Schweigens.
Es ging bergab mit unserer Euphorie.
Wo gehst du hin? - Ich treffe Freunde.
Wieso lädst du sie nicht hierher ein? Niemand lädt Freunde ein!
Anne, das sind meine Freunde! Ich teile schon genug mit euch!
(Klopfen) Was ist? - Arschgeigen.
Was ist, ihr Lerndeppen?
Das war nicht meine Idee. Das ist keine WG,
sondern ein Sterbehilfeverein!
So macht es keinen Spaß! - Du hast recht.
Das ist wie alleine zu leben, nur mit beschissenen Nachbarn.
Wir machen nichts zusammen. - Johannes!
Was du tun willst, ist sehr langweilig.
Da kannst du nicht beleidigt sein. - Wir müssen was ändern.
Veränderungen sind scheiße! Das merken wir doch gerade deutlich!
Gut, dann ziehe ich aus.
Was? Wir haben deinetwegen unsere Wohnungen gekündigt!
Was gehen mich eure Wohnungen an? - Bitte? Nein!
Du ziehst nicht aus. Du brauchst diese Wohnung.
Warum hocken wir denn hier? Weil du keinen Pfennig Geld hast.
Die Wohnungen, die du bezahlen kannst, in die willst du nicht.
Also hocken wir hier zusammen, wegen deiner Kleinstadt-Angst.
Du ziehst nicht aus.
Lieber Johannes, ich hab mir im Leben so vieles anders gewünscht,
da ist wieder aufs Land ziehen die kleinste Übung.
Ja? Das will ich sehen! - (Eddi:) Halt!
Stopp mal.
Wir haben uns noch gar nicht bemüht. - Ich hab mich bemüht!
Gut, dann machen wir was zusammen. Aber was Richtiges.
Ein Fest.
Wir machen ein richtig großes Fest. Wie früher.
Mir ist nicht nach Feiern. - Wir laden Freunde ein!
Die "Staatsmacht", Paul.
Günther nicht. Wir laden unsere frühere Nachbar-WG ein.
Jeder lädt Freunde ein. Wir machen die Bude voll, kochen,
reden und trinken wie früher.
(Es klopft gegen die Decke.)
Die laden wir aber nicht ein. - Nein, das wollen wir nicht.
Nee, das wollen wir nicht.
(Rockmusik)
(Sie klingelt.)
Jetzt sind wir mal so nett und höflich wie nur möglich.
Wir zu uns? - Wir zu denen.
Boah, ey.
(Eddi räuspert sich.)
Hört mal. Das lief am Anfang nicht so berauschend.
Wir haben euch vielleicht überfordert. - Starten wir noch mal neu.
Wir würden gern 'ne kleine Versöhnungsfeier machen.
Ihr seid eingeladen und braucht euch um nichts kümmern.
Was wollt ihr von uns? - "Was wollt ihr von uns?"
Wir sind doch keine Aliens, die auf eurem Planeten gelandet sind.
Wir wollen gar nichts, wir sind Nachbarn.
Nein, wir wollten doch was: nett sein.
Erschreckt euch nicht, das war früher üblich.
Wenn ihr wirklich nett sein wollt, dann keine WG-Feste in Prüfungsphasen.
Mal im Ernst, seid ihr nicht zu alt für das viele Feiern?
Man ist so alt, wie man sich fühlt.
Ja, das könnt ihr euch schönreden oder schöntrinken
wie die letzten Nächte, aber mal im Ernst:
Wir sind keine Gleichgesinnten, wir sind die Ablösung.
Wir wohnen über euch, als Sinnbild dafür,
dass das Festhalten an der Jugend
nicht in die Jugend, sondern in die Lächerlichkeit führt.
Weißt du was?
Wir überdenken das Nettsein noch mal.
(Dezente Gitarrenmusik)
(Annes Gedanken:) Wir waren nicht ehrlich mit uns.
Wir wollten keine Alten-WG. Pfui Teufel.
Wir wollten unsere Studenten-WG zurück.
Wir wollten die Zeit zurück.
Die Freiheit, die Gesundheit,
den Sex ohne Angst oder überhaupt den Sex. Den Spaß.
Wir wollten zurück in die Zeit vor den verpassten Chancen,
den verpatzten Versuchen, den gescheiterten Entwürfen.
Wir wollten zurück ins Paradies.
Wir drei, die Erfinder der Zeit-Maschine.
Zurück nach damals.
Wie arrogant von uns zu denken, dass sich die Zeit für uns interessiert.
Dass sie nur eine Sekunde von dem zurückgibt,
was sie sich mit ihrem beständigen Mahlwerk
abgekratzt hat von unserem Leben.
Wie dumm von uns.
Ich hatte Angst, dass wir bestraft würden für diese Arroganz.
(Rockmusik)
Alles okay? Geht's dir gut?
Wenn du mich links ganz leicht nach vorne schieben könntest,
wäre das super. - Da steht ein Krankenwagen. Wo ist Eddi?
Was?
Ach, Gott sei Dank.
Ach, Gott sei Dank!
Ach, Gott sei Dank!
Was hat er denn? - Irgendwas mit dem Rücken.
Er saß auf dem Stuhl und hat plötzlich geschrien.
Ich hab mir Sorgen gemacht.
Um mich?
Und was ist mit mir? Wer hat sich um mich gesorgt?
Er kommt zurück.
(Leise Rockmusik)
Oh, das sieht ja scheiße aus.
(Eddi:) Ah, der Rücken.
Die jungen Leute achten nicht auf sich.
Lust auf 'ne Runde joggen?
Thorsten? Mensch, willkommen zurück.
Wie geht's? Sieht doch wieder hervorragend aus. - Danke.
Läuft doch super, oder? - Wir spielen vielleicht noch Frisbee.
Aber morgen erkundigen wir uns, was die Doktoren so sagen.
Wenn irgendwas ist, sagt Bescheid, ja? Jederzeit.
(Eddi:) Schönen Tag noch.
Man fühlt sich so jung, wenn man diese lädierten jungen Leute sieht, ne?
Du, ich laufe jetzt echt noch 'ne Runde. Und du? - Lass mal.
Okay.
(Rockmusik)
Hau ruck! Na, Thorsten, wie schaut's aus?
Bandscheiben. Spritzen. Soll sich ruhig halten.
Vielleicht sitzt ihr zu viel beim Lernen. Gute Besserung!
Hallo?
Hallo?
Ist irgendwer hier von den Alt-68ern?
Oh, wer ist das denn?
Waren wir zu laut? Zu nett? Zu alt?
Wo drückt der Schuh? - Du hattest neulich gesagt,
wir können Bescheid geben, wenn wir was brauchen.
Also, Thorsten kann überhaupt nichts mehr tragen.
Ich muss dringend lernen. Barbara heult, und mir läuft die Zeit davon.
Jemand muss einkaufen. Vom Putzen rede ich erst gar nicht.
Vielleicht könntet ihr uns was vom Supermarkt mitbringen?
Ihr sitzt ja nur rum. Zudem ist mein Geld noch nicht da und...
Kann ich ein Glas Wein haben?
Aber es ist 11 Uhr. - Na und?
Ich hab eine Einkaufsliste.
Wäre super, wenn ihr uns das mitbringen könntet.
Das Geld geb ich dir dann später. Das für diesen Monat ist weg, okay?
Alles klar. Ich muss weiterlernen. Ich gehe jetzt.
(Sie atmet hörbar aus.)
Ich sitze da 12 Stunden am Tag.
Und davon starre ich 6 Stunden hirnlos auf die Blätter.
Ich schaffe die Prüfung nicht. Das ist meine letzte Chance.
Und dann habe ich kein Examen,
und dann werde ich so enden wie ihr.
Ich habe ein Examen.
Ich hab nur meistens für das Recht gekämpft,
und selten für das Geld. - Ja, komm. Ist gut.
Wo hängt's denn?
Ö-Recht,
Baurecht, Wahlrecht, Versammlungsfreiheit. Es hängt überall.
Es ist zu viel.
Es ist zu groß, oder mein Kopf ist zu klein. Ich weiß es auch nicht.
Es ist zu groß für meinen kleinen Kopf.
Wo genau steckst du fest? Können wir das irgendwie eingrenzen?
In der Mitte.
Irgendwo in der Mitte.
Aber wo das ist, weiß ich nicht mehr.
Ich weiß nicht mehr, wo die Mitte ist.
Das ist das Problem.
Ich gucke mir das mal an.
(Schluchzen)
(Johannes:) Oh, was ist denn los?
Bin ich in der falschen Wohnung oder du?
Entschuldigung, aber kann man was für dich tun? - Lass die in Ruhe. Hallo.
Hör endlich auf zu heulen, Mann!
Scheiße!
Geh mal in die Küche. Ich komm gleich.
Ähm, du...
Was machst du denn in unserer Küche? - Nichts, ich...
warte auf Katharina. Ich bin wegen ihrer Jurasache hier.
Aber warum fotografierst du den Herd?
Das geht dich einen Scheiß an. Ich fotografiere ihn, na und?
Stimmt, das geht mich überhaupt nichts an.
Der Herd war heute Morgen an. Man muss ihn wieder ausmachen.
Man fotografiert ihn, dann muss man nicht immer nachsehen.
Mmh.
Warum muss man denn nachsehen, wenn man ihn ausgemacht hat?
Ich muss eben ab und zu nachsehen. Noch mehr doofe Fragen?
Nein, keine Fragen mehr.
Zentralversammlung!
(Gitarrenmusik)
Hört ihr mich?
(Johannes:) Zentralversammlung.
Komm. Zentralversammlung, sofort.
Hallo? Hört ihr mich?
Die sind im Arsch, völlig im Eimer sind die.
(Anne:) Langsam. Wer ist im Arsch? - Die von oben.
Die gehen nicht einkaufen, arbeiten oder in die Uni.
Haben wir das damals gemacht?
Geh hoch, dann siehst du den Unterschied.
Was genau willst du uns sagen?
Sie trinken, heulen und fotografieren den Herd.
Was meinst du mit "fotografieren den Herd"?
Johannes, was willst du von uns?
Die klingeln alle 2 Minuten, weil ihnen alles zu laut ist.
Jetzt sollen wir uns sorgen, ob sie auch fröhlich genug dabei sind?
Hat sich Barbara von ihrem Freund getrennt?
Wollten wir nicht mehr zusammen machen? War das nicht das Thema?
Und sie brauchen Geld.
Jetzt mach mal halblang! - Na gut, das mit dem Geld
steht nicht so im Vordergrund. Obwohl, eigentlich schon.
Die brauchen einen Intensivkurs im Weniger-Arschloch-Sein,
sonst brauchen die nichts.
Das sind Nachbarn, man grüßt sich höflich im Treppenhaus,
ansonsten lässt man sich gegenseitig in Ruhe.
(Es klopft.)
(Katharina:) Ja?
Hi. - (Johannes:) Hallo.
Nett hast du's hier.
Äh, darf ich mal...
(Er atmet geräuschvoll aus.)
Riecht ein bisschen nach Arbeit.
So, äh...
Mit welcher Systematik gehst du denn da ran?
Ich fange vorne an und höre hinten auf.
Ja... (Er räuspert sich.)
Das ist wie mit der Erde.
Bevor du versuchst, zum Rand zu kommen, solltest du verstehen,
dass die Erde eine Kugel ist.
Was denn für eine Kugel jetzt?
Du solltest nicht glauben, dass da irgendwo ein Ende kommt.
Nee, Moment. Stopp.
Was ich sagen will, ist...
begreifst du ein paar Sachen, dann erschließt sich der Rest.
Du brauchst eine Systematik!
Wo ist da eine Systematik?
Wo ist hier eine Systematik in dem verfickten Scheiß?
Warum hast du uns gefragt?
Weil du wolltest, dass alles genauso wird wie früher?
Ich hab eine Liste gemacht mit allen, die ich kenne,
die weder Geld noch Partner haben. Ihr seid übriggeblieben.
Was ist mit Karl?
(Belustigt:) Ja, der Karl. Das wäre auch eine Option gewesen.
Eine WG mit ihm und seiner 30-jährigen Freundin.
Das wäre nett gewesen, viel netter als mit euch.
Aber irgendwie sind das Konzepte,
die sich sehr schwer in die Realität überführen lassen.
Zu einer Trennung gehören zwei. - Drei.
Ich, er und die junge Frau aus der Werbeagentur.
Du weißt, was ich meine. - Nee, ich hab nicht dazugehört.
Nicht bei ihrem Kennenlernen, nicht in unserem Schlafzimmer
und auch nicht bei ihrem Schwangerschaftstest.
Nee, ich hab nicht dazugehört.
Langweilig, aber wichtig.
Scheißlangweilig, noch wichtiger.
Öffentliches Recht, spannend und wichtig.
(Es klopft.) Was denn?
Ach, hey. - Was willst du jetzt hier?
Ich wollte nach Thorsten sehen, wegen dem Rücken.
Das ist gleich nebenan.
(Es klopft.)
Hallo, hier ist die junge Frau von unten. Wie geht's?
Das sieht schlimm aus.
Irgendwie unaufgeräumt.
So unordentlich. - Du darfst das Röntgenbild nicht überbewerten.
Wie? Bist du Ärztin, oder was? - Nee, Biologin.
Und eigentlich habe ich mich im Studium eher für wirbellose Arten interessiert.
Ja, Humor ist gut.
Humor ist sehr gut.
Aber was mache ich, wenn die Schmerzmittel aus sind?
Wie ist es, wenn du dich bewegst?
Ich bewege mich nicht, nie mehr.
Hast du Hunger?
(Thorsten:) Fass die nicht an!
Geh raus. Geh weg.
(Leise Gitarrenklänge)
Du musst doch irgendwo ein Grundgesetz haben!
Wie macht ihr's mit dem Essen? Kochst du was für Thorsten?
Pass mal auf! Wir lernen hier nicht Koch, wir lernen Jura.
Deshalb hängt da am Kühlschrank ein bunter Zettel
mit vielen tollen Sachen drauf. Anrufen, Nr. 9 sagen, fertig.
Das ist easy, Freunde der Vergänglichkeit.
Was? Der Asiamann braucht Arbeit, wir Essen.
Eine klassische Win-Win-Situation.
(Sie seufzt.)
(Gitarrenmusik)
Aha. - (Es klopft.)
Ach, hier bist du. - Mann, wie viele seid ihr eigentlich?
(Eddi:) Können wir mal reden?
Weißt du, dass Anne auszieht? Sie sucht 'ne neue Wohnung.
Können wir mal über unsere WG sprechen?
Ich kann jetzt nicht. Das siehst du doch.
Und mach die Tür zu.
Wie soll man lernen, wenn dauernd einer stört?
Hör zu, es geht darum, die Sache von innen heraus zu verstehen.
Kann ich sie nicht einfach nur lernen?
Zum Beispiel Artikel 8, Versammlungsfreiheit.
Wann warst du das letzte Mal auf 'ner Demo? - Oh, bitte!
(Es klingelt.)
So geht das nicht! - Das ist der Asiamann für Thorsten.
Kannst du mal aufmachen und bezahlen?
Sonst noch Wünsche?
Mal anders. 500 Leute gucken beim Public Viewing Fußball.
Was ist das? Eine Versammlung im Sinne von Artikel 8?
Ja oder nein?
Versammlungsfreiheit, ja oder nein?
Und warum nicht? - Ist mehr so ein Gefühl.
Mehr so ein Gefühl. (Die Tür öffnet sich knarzend.)
Oh, das ist ja 'ne Überraschung. Ich dachte, es wäre Mr. Win-Win.
Win-Win hat frei, heute sind wir dran.
Aufgeregt hat er sich, der Johannes. Das ist eine völlig neue Seite an dir.
Erklär mal die Versammlungsfreiheit, wenn eine nicht weiß, wie es ist:
die Hundertschaften vor, Hubschrauber ein paar Meter über dir,
Tränengas und Wasserwerfer. - Das weißt du auch nicht.
Verstehe, sie hat bei dir Geschichte im Nebenfach belegt.
Ja, guck doch, wie ihr dein Wissen
über das Paarungsverhalten der Schleiereulen hilft.
Man kann viel lernen von der Schleiereule.
Man kann von allem lernen, nur nicht von sich selbst.
Eddi, was ist? - Die haben hier an die Decke geklopft.
Ich war dabei, als sie uns beleidigten. Es sind dieselben.
Die sind im Eimer. Jetzt geht's nicht um Befindlichkeiten.
Ich hab keine Befindlichkeiten! Das sind keine Asylbewerber.
Das sind junge, verwöhnte und sehr arrogante Studenten,
vermutlich mit recht reichen Eltern!
Du könntest mal mit dieser Barbara sprechen.
Dafür hab ich keine Kapazitäten.
Du bist sehr auf dich konzentriert. Ist mir schon aufgefallen.
Du hast dich verändert, Eddi. - Leck mich.
Nee, du hast dich gar nicht verändert.
Hat dich mal jemand außer dir interessiert?
Hast du mal gefragt, wie es mir ergangen ist?
Du redest eh immerzu, was soll man dich noch fragen?
Redet deine Frau mit dir? Warum melden sich deine Kinder nicht?
Redet überhaupt jemand mit dir, den du kennst, außer mir?
Warum rede ich eigentlich noch mit dir?
Nee, Eddi, mal ehrlich:
Dein ganzer Lebensweg ist eine Schneise der Verwüstung.
(Anne:) Johannes, bitte. - Ja.
Eddi...
(Seufzer)
Scheiße.
(Eddi atmet hörbar aus.) Als ich ausgezogen bin damals,
da war in ihrem Gesicht nur ein einziges Gefühl.
Nur ein einziger Ausdruck.
Erleichterung.
Da war nur Erleichterung.
Da ist gar nichts mehr.
Da ist auch keine Freundschaft mehr.
Linkes Bein, rechter Arm.
Linkes Bein, rechter Arm. Du kennst doch rechts und links.
Kann ich das tun, wie ich will? - Bei Übungen geht das nicht.
Linkes Bein,
rechter Arm. - (Thorsten:) Ja.
Das ist nicht das, wonach es aussieht.
Ich wüsste nicht, wonach das aussehen sollte.
Willst du zu uns?
(Lautlos)
(Anne:) So, also jetzt...
(Barbara:) Ja?
Raus!
(Barbara:) Was ist?
Wie geht's? - Super.
(Er atmet tief durch.)
Du hast gesagt, dein Freund wird mal genauso ein Arsch wie ich.
Ist er schon längst. Ich hab's nur nicht bemerkt.
Mein Fehler. Wieder mal mein Fehler.
"Freudvoll und leidvoll Gedankenvoll sein,
Langen und bangen In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend, Zu Tode betrübt.
Glücklich allein Ist die Seele, die liebt."
Das ist nicht von dir.
Das ist Goethe.
Willst du wissen, wie man mit so 'nem Arsch umgeht?
Das müsste nur vertraulich behandelt werden,
vor allem, was die Kollegen von unten angeht.
Gut.
Leg mal das Stofftier weg und benimm dich wie 'ne Erwachsene.
(Entrüsteter Laut)
Das sagen die, die sich wie ihre Enkel verhalten. Lustig!
Hörst du zu?
Dein Verlobter macht ein paar Fehler, die er bereuen wird.
Er macht Fehler?
Macht er dich manchmal so wütend,
dass du den Kopf gegen die Wand hauen willst?
Macht er das immer dann, wenn vorher alles perfekt war?
Gut, nah, schön?
Perfekt? - Ja.
Die Datenschutz-Sache hast du kapiert.
Erstaunlich, wenn man bedenkt,
dass das wirklich nicht das Thema deiner Generation ist.
Wehe, ich lerne eine 70er-Jahre-Rechtsauffassung
und falle durch. Dann verklage ich dich.
(Johannes:) Mmh.
Besorg dir mal 'ne neue Brille.
Bei der weiß ich gar nicht, was du uns damit sagen willst.
Wieso denn? Die ist doch noch gut.
Mann, das ist 'ne Brille, keine Frischmilch.
Versuch nicht, es zu verstehen.
Glaub's mir einfach.
(Undeutliche Sprachfetzen)
Sieht nicht so aus, als ob die sich noch mal versöhnen.
Ich hab getan, was ich konnte.
(Anne:) Das ist schwer mit der Liebe.
Mit dem Alter wird's nicht leichter.
(Eddi:) Ich genieße das, hier mit dir zu sein.
Wir könnten mal wieder miteinander schlafen.
Hast du Erfolg gehabt mit dieser direkten Art,
all die Jahre?
Im Moment nicht, aber danke fürs Angebot.
Hey, das sieht gut aus.
(Verlobter:) Barbara! - (Eddi:) Ja!
Ich finde, das sieht ausgesprochen gut aus.
Seit wann kochst du eigentlich?
Kann es sein, dass du dich verändert hast,
seit wir hier eingezogen sind?
Machst du das wirklich? Suchst du 'ne neue Wohnung?
Ich schaue mir nächste Woche was an.
Anne, was soll das? Abgesehen davon,
Einzimmerdinger sind die Hölle.
Es ist sehr klein, aber es hat einen Balkon.
Tata, wie sehe ich aus?
Wie immer, nur mit anderer Brille.
Wie ein Grünen-Politiker, dessen Berater bei der FDP war.
Echt?
Was ist mit der alten Brille? Die war doch noch gut.
(Türpoltern)
(Thorsten:) Ich kann nicht schlafen. - Sind wir zu laut?
Nee, oben schlafen alle. Ich fühle mich allein bei der Ruhe.
Kann ich hier schlafen, während ihr euch weiter unterhaltet?
(Anne:) Nee. - Hier, oder?
Hey, ich hab nur ein Bett!
Weck mich, wenn du schlafen willst, dann geh ich hoch.
Der hat sich in mein Bett gelegt.
Wenn die alle so sind, krieg ich Angst um meine Rente.
Ich blicke nicht durch bei denen.
Ruf doch Claudia an. - "Reden wir mal drüber"-Claudia?
Das ist gut.
Jetzt stoßen wir mal auf Johannes' Brille an.
Sein 1. Neukauf seit 40 Jahren.
Du Blödmann.
Er denkt, Veränderungen sind das, was man neu kauft. Nein.
Sie sind das, was man neu denkt. - Klingt gut.
Denkst du was Neues?
Dieses Jura-Erklären macht mir Spaß. Ich hätte Lehrer werden können.
Ja, jetzt ist er in der Mitte angekommen. Gratuliere.
Ich hab gehört, es gibt Vorlesungen im Internet.
(Anne:) Und?
Könnte 'ne Business-Idee sein. - (Eddi:) Jetzt reicht's.
Ich lebe nicht mit Leuten, die Business-Idee sagen und denken.
Geh hoch zu deinen Freunden. - Und abgeräumt wird morgen.
Komisch, ne?
Ohne das Klopfen weiß man nicht mehr, wann man schlafen gehen soll.
Was mache ich denn jetzt? Ihn wecken?
Schlaf bei mir.
Na dann, gute Nacht.
Nacht.
(Gitarrenmusik)
(Anne lacht.)
(Anne:) Oje, du hast damals schon so laut geschnarcht.
Ist nicht besser geworden, oder?
(Eddi:) Damals hast du nicht an solche Sachen gedacht,
auf dem Weg in mein Zimmer. - (Anne lacht.)
Er schreibt: "Sollen wir uns treffen?"
Was heißt das?
Das, was er geschrieben hat. - Was? Ist doch nicht dein Ernst.
(Anne seufzt.) - Doch.
Oh. - Klopf mal an, bevor du reinstürmst.
Entschuldigung, das wusste ich nicht. Sorry. Äh.
Oh, Gott, ist das peinlich. Ich sterbe. Habt ihr keine Uhr?
Es ist fast Mittag. - Jetzt beruhig dich. Willst du Tee?
Morgen.
Frühstück?
Gut geschlafen? - Mmh. Du hättest mich wecken können.
Ich bin gut untergekommen.
Müsli?
Du bist ja gut drauf.
Thorsten, wenn du möchtest, ruf da an.
Eine frühere Freundin arbeitet da. Ich hab schon mit ihr telefoniert.
Psychologische Beratungsstelle?
Das meint ihr doch nicht ernst.
So ein Mist, da könnt ihr selber hingehen!
Müssen wir nicht, wir sind nicht so scheiße drauf wie du.
(Er atmet hörbar aus.)
Das Leben ist ein Honigbrot.
Ja, manchmal.
(Verkäuferin:) Ah.
Tag. - Guten Tag.
Was kann ich für Sie tun? Ein Zitatebuch vielleicht?
Nein, danke. Gehen Sie mit mir aus?
Das Gespräch nimmt eine unerwartete Wendung.
Was meinen Sie denn mit "ausgehen"?
Ach, Wein trinken, spazieren gehen, was auch immer.
Wir müssen ja nicht gleich miteinander schlafen.
Gut zu hören. - Ja, ne?
Quatsch. Ich meine nur, das steht nicht im Vordergrund.
Sie verarschen mich, oder?
Nein, überhaupt nicht.
Nein. Entschuldigung, ich...
Ich mache das nicht so oft, und es fällt mir nicht leicht,
das so direkt...
War das jetzt alles doof?
Ich würde Sie nicht direkt heiraten, aber ein bisschen neugierig bin ich.
Also ein Spaziergang und ein Glas Wein?
Ja? - Ja.
Ja, das ist doch gut!
Neue Brille, oder?
Ja.
Na dann. Au revoir.
Au revoir, monsieur.
(Er ächzt.)
Hi, Barbara. - Hi.
Na, wie läuft's? - Äh, was genau?
Na die Verlobungssache.
Ach das. Der Kleine hat sich noch mal reingespielt,
noch mal die Kurve gekratzt.
Er kriegt noch 'ne Chance, ein Upgrade. Eins auf mich.
Ist doch gut, oder?
Ja, ja. Gut. Echt.
Aber ob ich den Typ die nächsten 30 Jahre vögeln möchte,
keine Ahnung.
Hm, wirst du ja dann sehen.
(Eddis Schritte)
Hallo? Jemand zu Hause hinter diesen Laptops?
Wir sind in der ganzen Welt zu Hause mit diesen Laptops.
Hallo, Freund des Wählscheiben-Telefons.
Wenn ihr euch mal fortpflanzen wollt, dann müsst ihr die Dinger wegnehmen.
Das wisst ihr, ne?
Oh, Juristen sollten echt nicht versuchen, witzig zu sein,
führt meist zu nichts Gutem.
Thorsten, wie geht's denn?
Super. Ich mache eine Therapie. Vielleicht kommt raus,
dass ich 'ne Weltreise brauche, Vegetarier bin
oder Schreiner werden wollte. Schon aufregend.
Bis vor Kurzem dachte ich noch, ich schreibe ein Jura-Examen.
Toll eingefädelt.
Moment, wir haben gar nichts eingefädelt.
Wir haben die Kamera da. Wir können jederzeit loslegen.
Du brauchst nur noch 'nen Tisch und...
vielleicht ein anderes Hemd.
Aber ist natürlich deine Entscheidung.
Abgesehen davon... Seid ihr später unten?
Wir wollten vorbeikommen. Wir haben eine Überraschung.
Ja?
Was machst du bei dem Wetter in deinem Zimmer?
Gefällt dir der Balkon?
Ja.
Der Balkon ist schön, mit den vielen Blumen.
Mir ist die rote Tasche im Bad runtergefallen.
Sind das deine Medikamente?
Ich vertrage sie nicht besonders gut.
Mir wird immer schlecht davon.
Anne, ich muss dir was sagen.
Als ich zu euch kam wegen der Wohnung,
da war ich vorher beim Arzt.
Du musst mir gar nichts sagen.
(Es klingelt.)
Klingt wie unser altes Wählscheibentelefon. Das graue.
Findest du nicht?
Das war eher so ein Rattern, gar kein richtiges Klingeln.
Ein lautes Rattern.
Man folgte immer der langen Schnur,
um zu sehen, wohin es verschwunden war.
So viele Leute, nur ein Telefon.
Eigentlich waren wir von der Außenwelt abgeschnitten.
Ich hab Angst vor all dem, was da noch kommt.
Ah!
Um Gottes willen, Johannes, zieh dir was an, Mensch!
Das ist meine Wohnung, da laufe ich rum, wie ich will.
Wollt ihr hier einziehen?
Wir wollten doch vorbeikommen. - Also, ihr seid schon irgendwie spooky.
Habt ihr mal 'ne Sekunde? Die Hochbegabten sind hier.
Alles okay?
Ja, ja. Wir kommen in die Küche.
Eine Minute.
Lass uns jetzt da rausgehen.
Was wollen die? - Das werden wir jetzt hören.
(Barbara räuspert sich.) Wir feiern mit euch.
Wir machen eine WG-Party, alle zusammen.
Haben wir noch mal eingeladen? Das weiß ich gar nicht.
Nein, wir laden euch ein. Wir, also quasi die Zukunft,
lädt die Vergangenheit ein. Nett, oder?
Sehr nett.
Ihr wart zuletzt sehr viel weniger blöd.
Ihr wart sogar ganz okay. - Ja, und euer Wein auch.
Da ihr das gern tut, wollen wir mit euch trinken und feiern.
Die verarschen uns.
Nein! Außerdem haben wir noch 'ne Überraschung.
Guckt mal, was wir im Internet gefunden haben. Internet.
Ihr wisst schon. - Wir waren nicht 30 Jahre im Winterschlaf.
Na gut, er schon. Hey!
Das darf nicht wahr sein! Guck! - Nein!
(Eddi:) Wo habt ihr das her? - (Anne lacht.)
Anne, du warst superscharf. Wahnsinn!
Nicht ganz fair vom Studentenwohnheim, dass das im Netz ist,
ist aber auch sehr lustig. - Nee, die verklag ich.
Wer sind denn die zwei? - (Johannes:) Günther und Paul.
Die wollten nicht wieder mit uns zusammenziehen.
Was? Darf ja wohl nicht wahr sein!
Wie ist das jetzt mit dem Fest? Wann machen wir das?
(Anne:) Jetzt. - Wie, jetzt?
Ja. Worauf sollen wir denn warten? - Genau.
Wer macht mit Spaghetti?
(Rockmusik vom Plattenspieler)
Wo ist der Korkenzieher?
(Unverständlich)
Habt ihr ein Brett?
(Undeutlich)
Ich hab vor jedem Fest gesagt: "Ladet alle ein außer Günther."
Ihr habt Günther vor mir gefragt! Das ist ja wohl nicht euer Ernst!
Wir dachten, die beiden wären das kleinere Übel.
(Lachen)
Bist du denen wieder begegnet? - Nein, das will ich eben nicht!
Was ist? - Nichts, schon gut.
(Anne schnieft.) Das alte Foto, keine Ahnung.
Mmh.
Du siehst dir ein Appartement an? - Hab ich schon.
Das Zimmer ist sehr klein, und der Balkon kriegt kaum Sonne.
(Dezente Gitarrenmusik)
Anne!
Hey!
(Aufschreie)
Weiter geht's. - Ich!
(Annes Gedanken:) Eine seltsame Zeit.
Aufregend, aber bestimmt nicht einfach.
Ich weiß nicht, worin der Sinn von all dem liegt.
Ich weiß nur, es gibt Tage, da bin ich
von so was wie einem Sinn unendlich weit weg.
Und es gibt Tage, da bin ich ein kleines Stück näher dran.
Heute ist so ein Tag.
Hallo, ich bin Johannes.
Ich fange mit Ö-Recht an.
Ö-Recht ist sehr, sehr wichtig.
Außer ihr wollt später mal Notar werden,
aber dann schaltet jetzt bitte ab,
also, äh, aus.
Für alle anderen:
Hier ist das Grundgesetz.
Darin stehen die tollen Normen.
Okay, stopp. Warte mal. Sag mal, Johannes?
Was denn? - Du hast die alte Brille auf!
Ja, Eddi meinte, die neue sieht nach FDP aus.
Was? Das ist Blödsinn! Weißt du, wonach die aussieht?
Das sind Äußerlichkeiten. Ich kümmere mich um Inhalte.
Kümmert ihr euch um die Technik.
Ein Drama, dass ihr mit all den Kommunikationsmitteln
nichts zu sagen habt.
Ein Drama, dass ihr all das mitbenutzen dürft,
obwohl ihr geistig in der Vergangenheit lebt.
Ich könnte Gitarre spielen. - Bitte! Was soll die Gitarre?
Aber das ist doch gut!
Komponier ein Intro, für jede neue Stunde.
Super. Macht, was ihr wollt.
Ich drücke jetzt mal auf "Aufnahme".
Johannes? - Ja?
Bereit für die große Welt?
Bereit.
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