All language subtitles for Eingeschlossene.Gesellschaft.2022.German.1080p.WEB.h264-WvF.German

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Original subtitles

[SCHUBERTS FRÜLINGSLIED] ♪ Die Luft ist blau Das Tal ist grün ♪

♪ Die kleinen Maienglocken blüh'n ♪

♪ Und Schlüsselblumen drunter ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Der Wiesengrund ist schon So bunt ♪

♪ Und malt sich Täglich bunter ♪

♪ Und malt sich täglich Bunter ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Drum komme Wem der Mai gefällt ♪

♪ Und schaue froh Die schöne Welt ♪

♪ Und Gottes Vatergüte ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Die solche Pracht hervorgebracht ♪

♪ Den Baum und seine Blüte ♪

♪ Den Baum und seine Blüte ♪

[ER PREIFT DAS ENDE DES LIEDES.]

Den wollen Sie doch nicht etwa trinken!

Und wie! Es geht nichts über ein Käffchen

nach sieben Stunden auf der Wärmeplatte.

Mithilfe der köstlichen Hafermilch

verwandelt sich diese bitumenartige Substanz

in einen Milchkaffee. Chemisch gesehen...

Wenn er sich unbedingt vergiften will.

Das ist kein Gift, das ist Nervennahrung.

Ich muss bis fünf Klausuren korrigieren.

Mach das doch zu Hause. Na...

Ich muss los.

Schönes Wochenende. Paris, Athen, auf Wiedersehen.

Moment. Was denn?

Wir beide müssen etwas besprechen.

Ach ja? Ich muss ins Geschäft meiner Frau,

sonst war das der letzte Freitag meines Lebens.

Und das, wo ich doch die Freitage so mag.

Sie standen heute wieder auf meinem Parkplatz.

Ach, das ist Ihrer?

Ihr persönlicher Parkplatz ist das?

Da steht gar kein Schild, glaub ich.

Spielen Sie nicht den Ahnungslosen.

Der verstellt sich nicht.

Das tut weh, grade von Ihnen.

Es gibt Regeln an diesem Gymnasium, Herr Mertens.

Die erste Parktasche wird seit Dr. Klausens Pensionierung

von mir beparkt. Seit elf Jahren.

Bis jetzt hat sich jeder Kollege dran gehalten.

Ja. Ich find den Parkplatz halt auch super.

Man ist schnell drin in der Schule

und vor allem schnell wieder draußen.

So, ich muss los. Hasta luego, muchachos!

Tschüss. Sie sind ein Flegel!

Ich bin vor allen Dingen jetzt weg.

[ES KLOPFT.]

Es hat geklopft. Wir haben es gehört.

Wer kann denn das jetzt sein? Mir egal.

Wenn ich eins nicht ertrage, dann Schüler um halb drei.

Oder um halb elf.

Am Lehrerzimmer hängt ein Schild:

"Schülerinnen und Schüler unerwünscht."

Trotzdem kommen sie. Man könnte denken,

dies sei eine Schule. Das Lehrerzimmer ist Rückzugs-

und Vorbereitungsort des Lehrkörpers.

Ich setze mich ja auch nicht in deren ekligen Oberstufenraum.

Dann wären Sie aber näher dran an den Schülern.

Das ist das Letzte, was ich brauche.

[ENERGISCHES KLOPFEN]

[FLÜSTERT] Es ist noch da. Vielleicht ein Specht.

Wenn wir gar nichts machen, geht's vielleicht wieder weg.

Oder wir machen einfach auf.

Das könnte Ihnen so passen. Wer sind Sie überhaupt?

Sara Schuster.

Ich bin Referendarin für Biologie und Englisch.

Ich hatte mich schon vorgestellt.

Referendare kommen und gehen.

Ich bin aber Referendar-In. Die kommen und gehen auch.

Sind Sie eine dieser Feministinnen?

Als Frau möchte ich als solche angeredet werden.

Neulich wollte eine Schülerin, dass ich SchülerInnen sage.

Mit Betonung auf dem Binnen-I.

Wie klingt denn das?! Und es bringt auch gar nichts.

Es gibt keine generisch weibliche oder männliche Chemie.

Man könnte es aber in der Lehrerschaft diskutieren,

beziehungsweise...

... in der LehrerInnenschaft.

Oder?

[KLOPFEN]

Jemand sollte öffnen, sonst müssen wir vor Spannung sterben.

Die junge Kollegin?

Frau Schreiber. Schuster.

Egal, machen Sie bitte auf?

Warum Frau Schuster und nicht Sie?

Ich geh schon. Ich hab damit kein Problem.

ENGELHARDT: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Und keine HerrInnenjahre. Wie säh's aus,

wenn Frau Lohmann oder ich einem Schüler die Tür aufmachten?

Geschlossene Gesellschaft! Peter.

Für Sie, Herr Engelhardt. Ah!

ENGELHARDT: Schülersprechstunde vorbei.

Es ist ein Vater.

Das ist ja noch schlimmer. Was will er denn?

Ich bin nicht mehr da. Der Mann hört Sie!

Dann weiß er's halt jetzt.

Lass mich mal. Ich mach das. Ok.

Den Herrn Egelhardt? Kein Problem. Kommen Sie rein.

VATER: Was? Kommen Sie rein.

Darf ich nach Ihrem Namen fragen?

Prohaska. Der Vater von Fabian Prohaska.

Herr Engelhardt! Herr Prohaska.

Fabians Vater.

Sprechstunde ist am Mittwoch um zehn.

Es ist aber dringend. Es ist immer alles dringend.

Der Klimawandel ist dringend. Die Flüchtlingskrise.

Alles andere ist lächerlich.

Aber das kann man doch so nicht sagen.

Wer Kummer hat, der ist im Recht.

Und wenn es dringend ist, dann müssen wir da sein.

Wie können wir Ihnen helfen, Herr Prohaska?

Hat Fabian ein Problem?

Herr Engelhardt ist Fabians Problem.

Hm.

Daher bitte ich Sie um ein Gespräch.

Unter vier Augen, in aller Kürze. Bitte.

Wie heißt der Sohn?

Fabian Prohaska. Ich bin der Vater.

Ich kenne Ihren Sohn.

Ein sehr netter Junge. Findet Ihr Kollege nicht.

Ach was. Ich hege weder Sympathien noch Antipathien.

Bei mir zählt ausschließlich das Leistungsprinzip.

Ja, äh. Was ist denn überhaupt passiert?

Herr Engelhardt hat meinem Sohn gestern gesagt...

...dass es laut meiner Aufzeichnungen

bei ihm auf vier Punkte hinausläuft.

Ja, darum geht's. Ein Punkt mehr,

und er bekommt die Zulassung fürs Abitur.

Nur ein Punkt.

Den er sich hätte verdienen können.

Bei mir wird nichts erbettelt.

Ich will Sie nur davon überzeugen,

ihm nicht die Zukunft zu verbauen.

Herr Prohaska, am Montag ist die Konferenz.

Ich bin sicher, dass der Fabian da eine faire Chance bekommt.

Dafür müsste Engelhardt seine Meinung ändern.

Darum bin ich hier.

Ich habe keine Meinung,

sondern Ergebnisse.

Das sagte ich auch Ihrem Sohn.

Man sollte Schülern keine Hoffnung vermitteln,

wo keine Hoffnung ist.

Es muss ja nicht jeder das Abitur machen.

Fabian braucht das Abitur.

Er hatte ein Jahrzehnt Vorbereitungszeit.

Ich finde, das sind in seinem Fall

schon mindestens fünf Jahre zu viel.

Ginge es nach mir,

hätten wir Minderleister wie ihn längst aussortiert.

Aussortiert?

Dann hätte er jetzt schon seine erste Lehre gesteckt.

Wie sprechen Sie da über meinen Sohn?

Das ist wie eine Krebsdiagnose.

Im ersten Moment blendet man die Wahrheit aus.

Aber dann folgen Einsicht und Akzeptanz.

Mal sind es die Gene, mal der Charakter.

Man muss damit leben.

Würden Sie mich mal durchlassen? Nein.

Gehen Sie von der Tür weg, ich muss raus.

Sie bleiben hier.

Wie bitte? Sie bleiben hier.

Sie alle!

Ich muss zurück in meine Fachschaft.

Da köchelt es in einer Versuchsanordnung,

das könnte hochgehen. Sie bleiben auch!

Ich kenne Ihren Sohn gar nicht.

Herr Engelhardt vermutlich auch nicht.

An meiner Haltung wird Ihr Auftritt nichts ändern.

Das wird man sehen. Der Tag ist jung.

Nicht mehr ganz so jung. Zur Seite!

Von wegen. Zur Seite!

Sie gehen jetzt zur Seite! Nein!

Entschuldigung.

Sie haben mich geschlagen.

So kommt endlich Durchblutung ins Hirn.

Gehen Sie so mit besorgten Eltern um?

Nein, aber wenn es Ihr Schmierentheater beendet,

ist es ok.

Das nennt man "argumentum baculinum".

[♪♪♪]

Setzen!

Los, setzen Sie sich hin!

Hinsetzen, hinsetzen, na los! Alle!

Bitte, Herr Prohaska, beruhigen Sie sich.

Was soll die Waffe? Das macht doch keinen Sinn.

Weg damit bitte. Keiner bewegt sich, ja?

Oder... ich muss auf Sie schießen.

Keine Sorge, das ist keine echte Waffe.

Das ist eine Softair-Pistole. Was?

So was wie eine Druckluftpistole,

nur raffinierter konstruiert.

[SCHREIE]

Sind Sie verrückt?

Das war ein Geschenk unserer Partnerschule aus Toulouse.

Hätten Sie doch auf Mertens gezielt.

Was wird das? Eine Geiselnahme?

Wenn's sein muss, ja.

Herr Prohaska, am Montag ist große Konferenz,

da müssen wir jetzt nicht vorgreifen.

Sie machen Ihre Konferenz hier, sofort! Danke.

Und am Ende bekommt mein Fabian den Punkt.

Der steht ihm zu!

Und ansonsten erschießen Sie uns?

Davon kriegt Ihr Sohn auch kein Abitur.

Wir geben ihm den Punkt. Oder, Herr Engelhardt?

Fabian bekommt ein Pünktchen,

und alle gehen friedlich nach Hause.

Nur über meine Leiche. Das können Sie haben.

Wenn wir uns Ihrer Drohung beugen,

kommen täglich Eltern mit Waffen.

Wir geben dem nicht statt.

Mit Gewalt wird aus der Vergeudung von Lebensenergie

auch keine gute Investition.

Sie sprechen da über Fabian? Mein Gott.

Wie oft habe ich diese Diskussion schon geführt!

Eltern projizieren irgendwas in ihre Sprosse,

und wir müssen es ausbaden. Aber...

Sie reden über Kinder, die Sie unterrichten?

Sie sind zynisch. Nein. Oh nein. Ich bin ehrlich.

Wir schleusen Nichtakademiker in universitäre Ausbildungen,

um am Ende den Arbeitsmarkt mit studierten Nullen zu verstopfen!

Frau Kollegin, da gehen Sie jetzt ein wenig zu weit.

Wir haben hier nicht darüber zu urteilen,

ob Fabian sich zum Studium eignet,

sondern ob wir ihm noch ein Jahr geben, dafür zu reifen.

Er hat doch schon zweimal wiederholt.

Es geht hier um seine letzte Chance.

Ich bitte Sie doch nur darum,

ihm nicht die letzte Chance aufs Abi zu verbauen.

Gut, wir machen es so: Fabian bekommt seinen Punkt.

Keiner redet darüber. Sie stecken Ihre Pistole wieder weg.

Alle sind zufrieden, und wir können gehen.

Hm?

Nee. Was?

So will ich das nicht. Ja, was jetzt?

Ich will... dass Sie ihn richtig beurteilen, ja?

Sie sehen einfach nicht richtig hin! Der ist begabt.

Echt! Mich haben Sie überzeugt.

Wenn Sie mich fragen, kann man vom Konzept abweichen.

Aber Sie fragt niemand.

Ich muss zurück in meine Fachschaft.

Sonst explodiert das Experiment.

Sie wollen doch nur die Polizei rufen.

Darauf wäre ich nie gekommen.

Ich muss nur das Feuer abstellen...

Ich helf dir. VATER: Schluss!

Sie machen jetzt Ihre Konferenz!

Und wie stellen Sie sich das vor?

[STÖHNT] Ganz einfach, Sie sprechen jetzt hier über meinen Sohn.

Sie diskutieren seine Leistung,

sein Betragen, seine Perspektive,

und am Ende kommen Sie gemeinsam zu einem Urteil.

Und zwar auf Basis Ihrer Diskussion, ja?

Und nicht aufgrund von kleinkarierten Notizen

in diesem Buch.

Es ist Grundlage einer fairen Bewertung.

Da können weder Sie noch Ihre Pistole...

[SCHREI]

Das ist pure Gewalt.

Nein.

Das ist Notwehr.

Weil es mir jetzt reicht.

Ich habe vier Kinder.

Wissen Sie, was das heißt?

Zwei mal zwölf...

... und zweimal 13 Schuljahre, Ehrenrunden nicht mitgezählt.

Das sind insgesamt...

... 50 Jahre Schule,

die ich und meine Frau durchgemacht haben.

Interessante Rechnung. Dazu die eigene Schulzeit.

Die war vermutlich nicht so lang.

50 Jahre ständig nichts als Sorgen

und das Gefühl der Unzulänglichkeit.

Ich hab es satt, Leuten wie Ihnen gegenüberzustehen

und für meine Kinder zu werben, nur damit die eine Chance haben.

Wissen Sie, wie erniedrigend das ist,

jahrzehntelang um einen Punkt hier

und eine Vier minus dort zu betteln?

Ab der 5. Klasse wird den Kindern erklärt,

mit dieser oder jener Einstellung

schaffen sie es nie zum Abi!

Das ist doch purer Terror!

Und... haben Sie es vielleicht mal mit...

... alternativen Schulformen probiert? Es gibt...

Ja, da gibt's ganz, ganz tolle Optionen.

Das sind aber Privatschulen!

Die Reichen topfen ihre Kinder aus der Regelschule dort ein.

Ich bin aber nicht reich.

Ich bin in der Verwaltung. Mein Beileid.

Wissen Sie, was mein Sohn gestern zu mir sagte?

"Papa, ich schaff's nicht.

Ich bin eine einzige große Enttäuschung."

So, und jetzt frag ich Sie, Herr Engelhardt:

Soll ein 19-Jähriger sich als Versager fühlen,

nur weil ihm ein einziger Punkt fehlt?

Ich rede nicht von 20 Punkten, sondern einem einzigen!

Daran bemisst sich der Wert des Menschen!

Darauf antworte ich nicht. Mein Sohn soll glücklich sein!

Aber dafür wollen Sie sich jetzt hier ins Unglück stürzen?

Das macht keinen Sinn, Herr Prohaska.

Seien Sie doch vernünftig.

Noch ist es nicht zu spät.

Aber fast. Ich muss los, sonst erschießt mich meine Frau.

Was?

Sie...

... werden jetzt hier...

... Ihre Konferenz abhalten.

Wir pflegen Konferenzen im Konferenzraum abzuhalten,

am Konferenztisch. Nicht im Lehrerzimmer.

Stellen Sie Ihre vier Tische zusammen,

dann haben Sie Ihren Konferenztisch.

Na los! Zusammenstellen! Ja.

[♪♪♪]

Und Sie beide? Helfen Sie nicht mit?

Ich denke nicht daran.

Ich auch nicht.

So, zwei, vier... Ja.

Und Sie?

Wenn Ihnen unser Gespräch nicht passt,

knallen Sie uns ab, oder was?

Ich gehe raus.

Ich will Sie nicht beeinflussen. Darf ich um Ihre Handys bitten?

Wir haben keine. VATER: Schon klar.

Handys raus! Er hat recht.

Wir haben keine Telefone hier.

Die sind alle im Medienkorb.

Im was? Im Medienkorb.

Sie können gerne nachsehen.

Wir holen Sie uns nach Feierabend.

Es gibt Medienkörbe für Schüler und für Lehrer.

Ein Projekt der Schülerselbstverwaltung.

Ich selbst habe es damals mitinitiiert.

Und jetzt sehen wir, was für 'ne Superidee das war.

Also keiner von Ihnen hat ein Telefon?

Keiner.

Wirklich.

Ihnen glaube ich.

Wohin führt diese Tür? Ins Vorzimmer vom Direktor.

Aha. Das ist ja fabelhaft.

Das ist ja sehr gut. Das ist ja fabelhaft.

Also...

Wir machen das so:

Laut Wanduhr ist es jetzt 14:50 Uhr.

Um 16 Uhr komme ich zurück und erwarte Ihre Entscheidung.

Sie spinnen ja. Hier kommen Sie nicht raus.

Rufen Sie nicht aus dem Fenster, nur ich höre Sie.

Und... keine Tricks, ja?

Ich überprüfe zwischendurch,

ob Sie Ihre Konferenz auch wirklich abhalten.

Also 16 Uhr.

Beinahe vergessen, verzeihen Sie: Ihre Namen bitte.

Wofür?

Sie kennen meinen, dann darf ich wohl auch Ihren wissen.

Sie sind Herr Engelhardt. Sie?

Peter Mertens.

Ach, Herr Mertens. Das ist Frau Lohmann.

Das weiß ich.

Sie sind eine Legende, auch bei meinen Kindern.

Das ist Herr Arndt. Und Ihren Namen bitte.

Vogel, Bernd. Schuster.

Schuster...

Danke Ihnen.

16 Uhr.

Tja, und was machen wir jetzt?

Wir beraten über den Sohnemann. Das ist nicht Ihr Ernst.

Je schneller wir's erledigen,

desto schneller sind wir draußen.

Keine schlechte Idee.

Es könnte uns als Kollegium nach vorne bringen.

Wie meinen Sie das, "nach vorne bringen"?

Was ist das für ein Jargon? Ich meine,

vielleicht ist die Kommunikationsstruktur

an dieser Schule verkrustet.

Wie, verkrustet?

Man kann neue Wege gehen,

wie man zur Leistungsbewertung kommt.

Wir hatten an der Uni ein Seminar...

Genau! Verschonen Sie mich mit so was.

Ich bin hier 30 Jahre,

mit Leistungsbewertung komme ich klar.

Ich meine nur... Nein, bitte! Nicht "meinen"!

Wissen! Darum geht es.

Keine gefühlten Wahrheiten oder Ahnungen.

Bildung besteht nicht aus halben,

beliebigen Erkenntnissen, sondern aus Wissen.

Verstehen Sie? Wir sind hier, um junge Menschen vorzubereiten,

nicht um die Erziehungsaufgaben ihrer Eltern zu übernehmen.

Sie müssen noch viel lernen.

Die wollen nichts mehr wissen, die wollen nur staunen.

Der Lehrer als Clown. Was hat das noch mit Bildung zu tun,

wenn wir uns nach den Bedürfnissen verwöhnter Kinder

und ihrer gewalttätigen Eltern richten müssen?

Kommt nicht infrage.

Das hab ich ja gar nicht gemeint.

Nicht meinen!

Wie alt sind Sie überhaupt?

Wie alt muss man denn sein, damit Sie einen ernst nehmen?

Wenn Sie glauben,

es gäbe etwas über Fabians Note zu diskutieren,

irren Sie sich, da besteht kein Bedarf.

Darüber könnte man schon diskutieren.

Warum hat er denn einen Punkt zu wenig?

Es steht so in meinem Buch. Ah.

Ja, klar, dafür wird es ja eine Grundlage geben, oder?

Man könnte die Leistung Revue passieren lassen.

Vielleicht ist da eine mündliche Mitarbeit, Hausaufgabe,

wo man den Punkt herausdestillieren kann.

Spinnen Sie? Glauben Sie,

ich vergebe meine Punkte mit der Gießkanne?

Nein, aber... Aber was?

Sie glauben, man kann was dran drehen?

Ich weiß, Sie und viele Kollegen tun das.

Verträge mit den Schülern schließen.

Einigungen finden, Konsens herstellen.

Dafür sind wir nicht da.

Wir haben einen Auftrag, den führe ich aus.

Wie lautet er? Er wird nicht infrage gestellt.

Das wollte ich nicht.

Ich will verstehen, warum Sie hier sind.

Alle wollen ihn infrage stellen!

Vor Kurzem hatte ich Schüler der Jahrgangsstufe 8.

Die wollten darüber diskutieren,

in welcher Reihenfolge ich sie abfrage.

Na und? Da gibt's nichts zu diskutieren.

Das wird gemacht!

Hart aber gerecht.

Anders geht es nicht in Latein.

Mein Auftrag, wenn Sie's genau wissen wollen,

steht im Lehrplan.

Wer die Latte reißt,

muss sich nolens volens 'ne andere Sportart suchen.

Klaus, das ist alles vergebene Liebesmüh.

Wir sind einfach eine aussterbende Art

in einem mediokren Schulwesen.

Das finde ich jetzt herablassend.

Und beleidigend. Ach, das macht nichts.

Sie sind arrogant. Sieht von unten nur so aus.

Sie ist bloß neidisch. Ach Gottchen,

warum soll ich denn neidisch sein?

Na, eben weil Sie zu dieser aussterbenden Art gehören.

Das Einzige, was Sie bei der Arbeit stört, sind die Schüler.

Die merken das und zahlen es Ihnen heim.

Keiner mag sie. Niemand.

Aber Frau Schuster hier oder Holger...

Sogar der Chemievogel wird von einigen Irren gemocht.

Wieso "sogar"?

Wenn Sie wüssten, wie egal es mir ist,

ob die Schülerschaft oder Sie oder Herr Vogels hier mich mag.

Wirklich. Ich heiße Vogel. Und ich...

Das kann sich doch nicht gut anfühlen,

in jeder Abizeitung als Hexe gezeigt zu werden.

Ich hingegen krieg Post von Ehemaligen,

werde auf Hochzeiten geladen, auf Taufen.

Kein Wunder. Sie sind sicher jedes dritte Mal der Vater.

[LACHEND] Der saß. Was soll das denn bedeuten?

Nichts. Das, äh...

Hör nicht auf diese elitären Machtmenschen.

Sie wissen es nicht besser,

sie haben noch nie mit der Jugend gegrillt.

Ach! Tote Biomasse mit Industrie-Ketchup

essen zu müssen, erzeugt bei mir Ekel.

Am besten noch mit dieser Musik,

Hip-Hip oder Hop-Hop, oder wie das heißt.

Wer kennt noch "Das Mädchen aus der Fremde"

oder das "Frühlingslied"?

Ich befürchte, Sie.

Das ist Franz Schubert, das ist Kanon,

das ist Bildung, Herrgott noch mal!

♪ Die Luft ist blau Das Tal ist grün ♪

♪ Die kleinen Maienglocken blüh'n ♪

♪ Und Schlüsselblumen drunter ♪

♪ Der Wiesengrund ist schon So bunt ♪

♪ Und malt sich täglich bunter Und malt sich täglich bunter ♪

Das ist unsere kulturelle Identität!

Daran sollten sich Kinder orientieren,

nicht an der Blondine,

die im Fernsehen ihre kleinen Huren

in Modefummeln auf den Strich schickt!

Jetzt gehen Sie wirklich zu weit!

Nee, nee. Lass sie ausreden.

Das sagt sehr Interessanteü ber sie aus.

Diese Küchenpsychologie muss nicht sein.

Gehen Sie doch raus. Sehr witzig.

Sehen Sie aus dem Fenster.

Oder üben Sie Schnürsenkel-Schleifen

oder sonst was, was Sie kognitiv nicht überfordert.

Ach Gott, was rede ich überhaupt.

Ein Sportlehrer. So was darf sich Akademiker nennen.

Sie und dieser Versagervater

sind aus demselben morschen Holz geschnitzt.

Wenigstens sind wir Menschen.

Da haben wir's wieder. Das Sentiment ersetzt die Vernunft.

Und die Gefühlsduseligkeiten triumphieren über den Intellekt.

Klaus... Dagegen kommen wir nicht an.

Nein. Das ist doch auch egal jetzt.

Es geht ums Wesentliche.

In knapp einer Stunde fliegt die Fachschaft Chemie in die Luft.

Nur so. Wenn wir noch über die Note reden wollen,

dann rasch. Ja.

Das wird sonst eine teure Renovierung.

Gut, also. Es wird nicht diskutiert.

Und was machen wir dann?

Keine Ahnung, was Sie machen.

Zum Glück habe ich noch einen Cox dabei.

Und ein Taschenmesser und eine Serviette.

Apfelschnitz, jemand?

Nicht?

Na, dann nicht.

An apple a day keeps the doctor away.

Wir sollten wirklich die Zeit nutzen.

Und Frau Schuster hat recht:

Diese Situation bringt uns etwas. Peter.

Ja. Bitte...

Wir können alle miteinander in Kontakt treten und reden.

Auch über unsere Art der Kommunikation.

Und über Fabian.

Ich finde, er hat ein Recht auf eine faire Behandlung.

Die bekommt er am Montag... in der Zeugniskonferenz.

Ja, aber... Kommen Sie, Herr Engelhardt.

Wir alle machen Fehler.

Aber die gehen die Schüler nichts an.

Eigene Schwächen bieten Angriffsflächen,

das führt zu Autoritätsverlust.

Da hatten wir hier eklatante Fälle.

Was denn für Fälle? Themawechsel bitte.

Warum? Es geht um ihn.

Ja. Bitte.

Wir verdanken Kollege Vogel

wegen seiner persönlichen Schwachheiten

dieses abstruse Mobilfunkverbot.

Lassen wir es dabei bewenden.

Nicht mal ich darf mein Handy benutzen. Als Studiendirektor!

Klaus... Unverschämt!

Hätte ich hier das Sagen... Klaus.

... wäre... Klaus!

Was ist denn?!

Ich hab eins.

Was hast du? Ein Handy.

Ich hab eins konfisziert, heute in der ersten großen Pause.

Du hast ein Handy und sagst uns nichts?

Ich hab's einfach vergessen.

Zeig mal her.

[♪♪♪]

Das ist doch sicher gesperrt, oder?

Ja, das...

Kann ich mal kurz? Ja, bitte.

Tja...

Hier, es ist...

... ein vierstelliger Code.

SCHUSTER: Wir probieren rum. Auf diese Weise

haben Sie wie viele Versuche? Ich unterrichte kein Mathe.

Genau zehn hoch vier.

Um es in der Sprache des Laien zu formulieren: 10.000.

Angefangen von der 0-0-0-0

bis zur 9-9-9-9.

Bei 20 Kombinationen pro Minute sitzen Sie etwa...

... acht Stunden daran,

wobei es wohl nicht die letzte Kombination sein wird.

Aber rechnen Sie mit vier Stunden. Viel Spaß.

Vielleicht ist es was Simples.

Ich hab mal gelesen, 1-2-3-4 wird häufig benutzt.

Nein, das schon mal nicht.

Oder... viermal die Null.

Nein. So kommen wir nicht weiter.

Nach drei Fehlversuchen ist Ende.

Oder wir fliegen in die Luft.

Hat jemand einen zielführenden Gedanken?

Wir sollten den Code nicht hermeneutisch,

sondern biografisch ableiten. Hä?

Übersetzt für Sportlehrer:

Er meint das Geburtsdatum des Schülers.

Ja. Wem gehört es? Benjamin Mehltau.

Jahrgangsstufe 12. Ein Flegel.

Mein Freund Benni. Den kennen wir.

Auch wegen ihm gibt es das Handyverbot.

Oder, Herr Vogel? [SEUFZEN]

Moment. Darf ich was ausprobieren?

Was haben Sie voÄA hm...

Sie haften bei Beschädigung.

[SIGNAL ERTÖNT.] Oh!

Bäm! Einmal übersetzt für Sie:

Juchheißa erklinge!

Wie haben Sie das gemacht? Na ja, ähm...

Der Mehltau hat schon früh seine Pimmel überall hingemalt

und einer älteren Kollegin untern Rock geguckt.

Da lag die Kombination nahe.

Wie lautet der Code, Sherlock Holmes?

6-4-5-3.

Wie kamen Sie darauf? Es ist keine Zahlenkombination.

Tasten stehen auch für Buchstaben.

Und was heißt 6-4-5-3?

M-I-L-F.

MILF! Milf...

Was soll das heißen? Es würde Ihnen nicht gefallen.

Sie sind jedenfalls keine.

Aber es hat ja funktioniert.

Das hätte übrigens auch der Notruf.

Dafür ist kein Code nötig.

Warum sagen Sie das nicht gleich?

Ich hätte mich um den Spaß gebracht.

Sie sind unerträglich.

Wir sollten jetzt die für uns zuständige

Polizeidienststelle anrufen.

Bevor...

... dieser Mann wieder reinkommt.

Gut. Dann rufen wir jetzt an. Soll ich?

Ich bin der Dienstälteste. Es obliegt mir.

Geben Sie her.

[♪♪♪]

[KLINGELN]

Polizeidirektion 4, Florian Beinacker.

Studiendirektor Engelhardt vom Rudi-Dutschke-Gymnasium.

Was möchten Sie melden?

Ich möchte eine Geiselnahme melden.

Schildern Sie mir die Situation.

Wir sind hier eingeschlossen.

Ihr Standort, soweit Sie ihn wissen?

Natürlich weiß ich den. Ja dann mal los.

Nicht in diesem Ton, junger Mann.

Wie alt sind Sie überhaupt? Wie bitte?

Verzeihen Sie meinem Kollegen.

Er ist verwirrt. Also!

Stell auf laut.

Wer spricht? Worum geht's?

Ich heiße Mertens.

Ich bin Studienrat am Rudi-Dutschke-Gymnasium.

Ich bin hier mit fünf weiteren Lehrkräften

im Lehrerzimmer. Eine brisante Lage.

Genau. Wir wurden als Geiseln genommen.

Der Geiselnehmer erwartet von uns,

dass wir eine Zeugniskonferenz abhalten.

Die waren für mich auch immer brisant.

Ja... Äh, könnten Sie jetzt kommen und uns befreien?

Aber nicht über den Hof, sonst werden wir erschossen.

Selbstverständlich.

Haben Sie verstanden? Die Situation ist ernst.

Sie waren noch mal wer? Oberstudiendirektor Engelhardt.

Befolgen Sie die Anweisungen, oder Sie kriegen Ärger!

Schulverweis, oder was?

Ihren Namen, Dienstgrad, Dienstnummer. Sofort!

Ich bin der König von Taka-Tuka-Land, Arschloch!

Unerhört.

Wenn man immer gleich autoritär wird.

LOHMANN: Ich versuch's.

Lassen Sie mich mal. Na, hier.

Nein, Wahlwiederholung.

[KLINGELN]

Polizeidirektion 4, Florian Beinacker.

Heidi Lohmann, Rudi-Dutschke-Gymnasium.

Mein Kollege sprach eben mit Ihnen.

Ja! Ich erinnere mich.

Die Situation ist wie geschildert.

Kommen Sie umgehend zu uns.

Kommen Sie bitte schnell,

ich habe ein Experiment im Chemieraum.

Das kann jede Sekunde explodieren.

Dann bringen wir noch die Feuerwehr

und das THW mit, oder?

Es ist wirklich ernst.

Wir tun, was wir können.

Seid ihr unter der mir angezeigten Nummer erreichbar?

ALLE: Ja. Natürlich.

Wir prüfen den Sachverhalt.

Vielleicht bringen wir Getränke mit.

Scheint lustig zu sein bei euch.

[TUTEN] Was?

Wieso duzt der Mensch uns? Soll ich noch mal anrufen?

Er schien nicht sonderlich

an einer Problemlösung interessiert.

Doch. Die werden kommen.

Die Gespräche werden aufgezeichnet.

Stellen Sie sich vor, hier passiert was,

und die Polizei hat nichts unternommen.

Das wäre ein Skandal.

Und bei denen gibt's ja nie Skandale.

Ihr permanent ironischer Unterton ist beleidigend.

Ihre Sandalen sind beleidigend.

Was haben Sie gegen meine Sandalen? Die sind fabelhaft.

Und sie fördern die Gesundheit. Na denn.

Lassen Sie Herrn Vogels in Ruhe. Kümmern Sie sich um Ihren Kram.

Ich heiße Vogel. Oder so, ja.

Wir sollten irgendetwas haben, bevor Herr Prohaska zurückkehrt.

Vielleicht hat er recht,

und wir haben uns mit Fabian nicht genug Mühe gegeben.

Vielleicht stünde uns gut zu Gesicht,

diese Diskussioü ber ihn zu führen.

Ergebnisoffen. Hätten Sie aufgepasst,

wüssten Sie, dass sie eben nicht ergebnisoffen verlaufen soll.

Der Mann schießt, wenn wir nicht wunschgemäß abstimmen.

Aber das können wir ja mal tun. Abstimmen? Wozu?

Er will eine einstimmige Entscheidung. Das klappt nicht.

Aber dann wissen wir, woran wir sind.

Wer ist dafür, Fabian den Punkt zu geben?

Muss es offen sein?

Ich fände eine geheime Abstimmung besser.

Gut, dann eben umständlich. So.

Jeder bekommt einen Zettel.

Wer den Punkt geben will, macht einen Punkt.

Wer keinen geben will, der macht einen Strich.

Dann bitte zusammenfalten, und ich sammle ein.

Das ist doch lächerlich.

Wir haben ja sonst nichts zu tun, ne?

SCHUSTER: Hm?

[ER MACHT EINEN STRICH.]

Ich geh jetzt rum.

[♪♪♪]

Was ist mit Wahlleiter,

Schriftführer und zwei Stellvertretern?

Sehr witzig. Ihren Zettel bitte.

Da. Herzlichen Dank.

Danke.

Holger, schreibst du mit? Mhm.

Strich.

Noch ein Strich. Zweimal Strich.

Strich. Die Vernunft siegt.

Punkt. Mhm.

Punkt. Ja.

Und... noch ein Punkt. Jawohl.

Also das sind drei Stimmen für Fabian und drei gegen ihn.

Die da hätte gar nicht mitmachen dürfen.

"Die da" ist Mitglied des Lehrkörpers.

Sie ist Referendarin. Was weiß sie schon von diesen Dingen?

Ohne sie wären wir durch Mehrheitsbeschluss fertig.

Woher wissen Sie, wie ich abstimmte?

Dafür brauche ich keine Glaskugel.

Wen interessiert's, wie eine abstimmt,

die ihren Hintern den Schülern entgegenreckt

wie eine warme Nachspeise.

Zudem ist diese Abstimmung obsolet,

die Entscheidung muss einstimmig sein.

Wie war das mit der Nachspeise? Egal.

Nee, es reicht jetzt mit Ihrer Arroganz Sara gegenüber.

Entschuldigen Sie sich!

Referendarin, Sportlehrer. Kein Kommentar.

ARNDT: Was ist schlimm daran, wenn jemand Sport lehrt?

Wo soll ich anfangen? Gar nicht.

Sport ist eine Freizeitbeschäftigung.

Man könnte seine Zeit sinnvoller nutzen.

Wie denn? Mit dem BDM Kränze flechten

und Lieder von Ihrem Schubert singen?

Das ist nicht mein Schubert. Und ja.

Es täte Ihnen gut, hätten Sie in Ihrem

nach Sportleibchen müffelnden Leben

mehr für Ihre Bildung getan.

Sie wären ein richtiger Lehrer geworden.

Das bringt nichts. Es geht nicht um unsere Animositäten,

sondern um Fabian.

Wenn er die Schule verlassen muss,

und wir haben es versäumt zu reden, machen wir uns schuldig.

Ach Gottchen. Ja.

Also, dass Engelhardt und Lohmann

gegen Fabian gestimmt haben, ist klar.

Aber warum Sie...

... Herr Vogel?

Woher wollen Sie das wissen? Die Wahl war geheim.

Richtig.

Das wollten Sie so, damit niemand sieht,

wie Sie gegen Fabian stimmen.

Ich muss mich vor Ihnen nicht rechtfertigen.

Aber Sie könnten Ihre Entscheidung

zumindest begründen.

Ich weiß nicht.

Herr Engelhardt wird für seine Einschätzung Gründe haben.

Warum sollte ich daran zweifeln?

Er kann sich doch auch irren.

Eigentlich...

... erlebe ich das nie, dass Herr Engelhardt sich irrt.

Sie sind also immer seiner Meinung?

Wieso sollte Vogels darauf antworten?

Er heißt Vogel! Ich finde schon, dass er darauf antworten sollte.

Wenn Sie immer seiner Meinung sind,

hieße das, Sie haben keine eigene.

Klar habe ich eine eigene Meinung.

Und die wäre?

Jedenfalls stimme ich nicht gegen Herrn Engelhardt.

Weil er Sie immer beschützt?

Was wollen Sie damit andeuten?

Ohne ihn wären Sie nach dieser Pornosache längst weg.

Das hat damit nichts zu tun. Was hat womit nichts zu tun?

Das gehört nicht hierher. Ich bin unschuldig.

Der nette Chemie-Vogel

hat pornografisches Material verbreitet.

Im Unterricht. Nein!

Genau genommen hat er nichts verbreitet.

Es war so:

Herr Vogel hat im Unterricht einen Beamer

an sein Laptop angeschlossen.

Es ging um irgendwelche Reaktionen.

VOGEL: Um die Umwandlung von chemischer

in elektrische Energie.

Ein hochinteressantes Thema.

MERTENS: Es wurde noch interessanter.

ARNDT: Er gab der Klasse eine Aufgabe und ist kurz rausgegangen.

Ein Schüler, unser Benni Mehltau,

kam auf die glorreiche Idee,

den Browserverlauf anzuklicken.

Und jeder

und jede in der Klasse konnte sehen,

welche Fenster Herr Vogel zuletzt geöffnet hatte.

Lauter kleine Filme.

SCHUSTER: Und da ging's nicht um Brennstoffzellen, oder?

MERTENS: Die kleinen Arschlöcher haben alles fotografiert

und über Insta geteilt. Mein Lieblingstitel:

"Schoolgirls fisting".

Faustende Schulmädchen. Na und?

Da geht es nicht um Volleyball.

Nicht?

Es war eine peinliche Angelegenheit.

Schüler sollten keine unserer Schwächen kennen.

Man nimmt sich zurück.

Ich habe das doch keinem gezeigt.

Wie dem auch sei, wir haben hier seitdem

diese abstruse Handyregelung.

Niemand darf hier filmen oder fotografieren.

Weil jeder ein Smartphone hat, sind Telefone faktisch verboten.

Ob man das darf... Steht so in der Hausordnung.

Es ging noch weiter.

Herr Engelhardt verhinderte das Disziplinarverfahren.

Ich hielt ein solches Verfahren

für wenig zielführend und riet davon ab.

Kontraproduktiv.

Darum stimmt Herr Vogel unverbrüchlich mit Engelhardt.

Wir stimmen nicht für oder gegen ihn,

sondern für oder gegen Fabian ab,

wenn ich daran mal erinnern darf.

Mir geht es nicht um Herrn Engelhardt.

Es geht Ihnen um Herrn Mertens.

Sind Sie nur gegen Fabian,

weil Sie damit gegen Herrn Mertens sein können?

Ach... Sie immer mit Ihrem Herrn Mertens.

Sie mögen ihn nicht, oder? Das ist doch völlig egal.

Überhaupt sind mir alle egal.

Dann stimmt es, was man über Sie sagt.

Sie sind der Außenseiter im Kollegium.

Ich bin ein Individualist.

Das sieht man an Ihren Sandalen.

Seien Sie still! Uh!

LOHMANN: Oh! Es regt sich auf.

Vielleicht kann man es mit einem Stück Schokolade beruhigen.

Lassen Sie mich in Frieden. Ich habe Ihnen nichts getan.

Ich will nur meine Ruhe.

Ständig trampeln alle auf mir rum.

ARNDT: Aber Herr Vogel,

was meinen Sie mit "ständig" und "alle"?

Was bedrückt Sie?

Machen Sie sich Luft.

Ich weiß, wie Sie hinter mir her gucken,

hinter meinem Rücküu ber mich lästern,

weil ich Single bin, komische Schuhe trage,

immer nach Schwefel rieche oder was weiß ich.

Ich habe keine starke Stimme wie Kollege Engelhardt

und nicht Ihren Charme, Herr Arndt.

Ich bin für alle der komische Vogel.

Wenn ich was sage, hört es keiner.

In der Konferenz darf mich jeder unterbrechen,

als wäre ich gar nicht da.

Nie geht jemand auf meine Meinung ein.

Niemand fragt nach meiner Expertise.

Schüler und Schülerinnen lachen mich aus.

Keinen schert das Massenwirkungsgesetz,

aber Schuberts Lieder müssen alle kennen.

Niemand liebt die Säure-Base-Theorie von Brønsted.

Aber ich. Ich liebe sie.

Sie ist...

... aufregend.

Peter Mertens würde darüber nur lachen.

Man flachst doch mal zwischen Kollegen.

Wir sind keine Kollegen.

Frau Lohmann spricht ständig meinen Namen falsch aus.

Ich tröste mich mit dem Periodensystem

und den zwei Schülern pro Jahrgang,

die sich für Polysaccharide begeistern.

Und wenn ich mal einen Erfolg verbuchen kann,

dann will es niemand wissen.

Welchen Erfolg?

Ich war zwei Mal mit meinen Schülern

zur Endrunde von Jugend forscht eingeladen.

2019...

... und 2016.

Wissen Sie, warum das niemand hier weiß?

Sie haben es niemandem erzählt?

Hm, nein. So war das nicht.

Aber dann sagen Sie es uns.

Warum weiß das niemand?

Ist doch egal. Jetzt sagen Sie es doch bitte.

Ich hängte es ans Schwarze Brett.

Mit Urkunde und allem Drum und Dran.

Es war mein Erfolg!

Ich häng's um 7:40 Uhr ans Brett und gehe

in meine Fachschaft.

Als ich zur Pause zurückkomme, liegt meine Mitteilung

unterm Schwarzen Brett im Müll.

Jemand hat sie abgemacht.

LOHMANN: Wer macht denn so was?

Äh... Das ist doch Quatsch.

Hast du das abgemacht?

Er weiß nichts. Er war bei seinen Laborratten.

So nennt Kollege Mertens den Chemie-LK: Laborratten.

Ich sage Ihnen, woher ich weiß, wer meine Ehrung abgerissen hat.

Stattdessen hing dort nämlich

eine Einladung zum Beachvolleyball-Turnier.

Ab 19 Uhr "Grillen und Chillen mit DJ Pete Mertens".

[TECHNO-MUSIK]

Ich brauchte die Nadeln.

Du kannst wirklich ein Arschloch sein.

Bringt eine Entschuldigung was?

Sie glauben doch nicht,

dass ich mit Ihnen in einer Fraktion stimme. Niemals.

ARNDT: Ok, Herr Vogel, das verstehe ich.

Angenommen, Sie könnten allein bestimmen,

wenn niemand anderer mitabstimmen würde,

welche Meinung hätten Sie zu Fabian?

Interessiert ja doch keinen. Doch, es interessiert uns.

Mich interessiert seine Meinung kein bisschen.

Was denken Sie darüber?

Ich finde,

wir nehmen uns zu wichtig.

Für Fabians Leben wird dieser eine Punkt in Latein

keine Rolle spielen.

Egal, ob wir ihn ihm geben oder nicht.

Er wird sich später kaum daran erinnern.

Und das ist gut so.

Er soll andere Dinge mit ins Leben nehmen.

Den Geruch von Brot,

das Geräusch eines fallenden reifen Apfels,

von mir aus einen Sieg im Beachvolleyball.

Wenn wir ihm diesen kleinen Punkt geben,

wird er seinen Weg machen.

Wenn wir ihm den Punkt verweigern,

geht er einen anderen Weg.

Er ist jung, und er ist nicht dumm,

soweit ich mich entsinne.

Und ist dieser Punkt für uns wichtig?

Für mich ist er's nicht.

Und für Herrn Engelhardt auch nicht.

Es mag einer von tausenden Punkten sein,

die er vergeben hat.

Und wenn er ihn verschenkt, dann hat er,

mein Gott, mal was Gutes getan.

Außer der Reihe. Bekommt deshalb jemand anderes weniger Punkte?

Nein.

In meinem Fach mache ich seit Jahren

ein Geschäft mit meinen Schülerinnen und Schülern.

Sie behalten die wesentlichen Elemente,

die Knallgasprobe, die Zusammensetzung der Luft

und die Grundlagen des Bohrschen Atommodels.

Und im Gegenzug

lassen sie mir und den drei

oder vier Interessierten unsere Würde.

Meine ehrliche Meinung lautet also:

Spielen wir uns nicht zu Göttern auf mit unserer Notenmacht.

Stehen wir den Kindern nicht im Weg.

Deshalb bin ich dafür...

Fabian Prohaska diesen einen Punkt zu geben.

Und ihn...

... in Frieden ziehen zu lassen.

Bitte...

... stimmen wir noch mal ab.

Per Handzeichen, ganz offen.

Wer ist dafür, den Punkt zu geben?

Peter?

Was ist denn jetzt los?

Warum stimmst du denn jetzt anders ab?

Aus Bock. Weil's völlig Latte ist, wer wie abstimmt.

Ich konstatiere, es steht immer noch drei gegen drei.

Herr Mertens, willkommen im Lager der Vernunft.

[ELEKTRONISHE TÖNE]

Was geht, Beinacker? Hi, Chef, äh...

Es ist wegen dieser Geiselnahme. Eben kam noch ein Anruf.

Na und? Wir sind fünfmal ausgerückt.

Fünf Schulen, fünfmal Fehlalarm.

Dieser Anruf war anders als die anderen.

Inwiefern?

Bei den anderen Anrufen gab's

eine leicht verstellte männliche Stimme.

Diesmal waren es mindestens drei, und eine Frau dabei.

Ich als Ihr erfahrener Kollege sage: Das sind Schüler.

Erst einer, dann seine Freunde.

Die lachen uns aus, wenn wir wieder losfahren.

Also fahren wir nicht noch mal los. Verstanden?

Aber da...

...war noch was. Kommen Sie zum Punkt.

Die Anrufe heute Vormittag und der Anruf gerade

kamen nicht vom selben Handy.

Geben Sie her!

[KLINGELTON] ♪ ...jeder Wochentag 'N fucking Saturday ♪

Ich nehme das Gespräch mit der Exekutive an.

Sind Sie der Boss? Handy her, sonst...

♪ ...von dem Gift In die Gatorade ♪

♪ Jeder Wochentag 'N fucking Saturday ♪

♪ Ich smoke Jibs Und sie ballern wie die 808 ♪

♪ Alles so blurry Digga... ♪

Nichts. Geht keiner ran.

Können wir uns nun wieder um wichtige Dinge kümmern,

Herr Beinacker?

Jawohl.

Von wegen kein Handy. Sie haben gelogen.

Was dachten Sie denn?

Haben Sie irgendwo angerufen?

Klar, die Polizei.

Vor einer halben Stunde. Die kommen gleich.

Sie haben die Polizei angerufen? Ja.

Polizeiinspektion 4? In der Tat.

Dann ist gut. Ja, für uns, aber nicht für Sie.

Die kommen nicht. Was macht Sie da so sicher?

Die kommen nicht.

So, Sie haben noch 20 Minuten. Keine Tricks mehr.

[SEUFZT]

Großartig.

Was jetzt?

Wir haben noch nichü ber Fabian geredet.

Dabei wären wir ohne die Schülerinnen

und Schüler gar nicht hier.

Ganz genau. Wo wären wir ohne Fabian Pohaska?

Ohne Fabian Pohaska wären wir alle längst zu Hause.

Bitte beteiligen Sie sich nicht an sozialkitschigen Vorträgen.

Stumm waren Sie mir lieber.

Als ich noch in Ihrer Gruppe war.

Ich bin's leid, dass ständig auf mir rumgehackt wird.

Reden wir mal über Mertens. Hm?

Wäre auch mal interessant.

Für Sie vielleicht, für sonst niemanden.

Ich wäre da schon neugierig.

Was gibt es denn Interessanteü ber ihn?

Nichts. Soll keiner hören,

warum Frau Schuster vorhin noch hier war?

Am Freitag, nach Schulschluss? Ich warne Sie.

Na, sagen Sie's. Ich sag gar nichts.

Dann eben Frau Schuster. Warum waren Sie vorhin noch da?

Den Bus verpasst. Es sah nach Regen aus.

Ich wollte im Lehrerzimmer warten.

Na also. Sprechen wir wieder über Prohaska.

VOGEL: Sie wollten auch hierbleiben.

Sie hatten es nur so eilig,

weil Sie vor Ihrem Job im Käseladen Ihrer Frau

noch was Dringendes erledigen wollten.

Ok. Letzte Warnung, mein Freund.

Ich hab keine Angst vor Ihnen.

Ich weiß genau, was hier vor sich geht.

Warum zu Hause mittelalten Gouda essen,

wenn Sie hier Frischkäse haben können.

Ich mach dich fertig! Peter!

Du Arsch! Das ist es nicht wert.

Was ist was nicht wert? Lass ihn los.

Ist doch egal jetzt.

Was hat dieses Tohuwabohu zu bedeuten?

Du! Frau Schreiber?

Schuster. Warum waren Sie vorhin noch da?

Für ein Stelldichein mit Mertens?

Wenn Sie es so nennen wollen. Scheiße!

Sie haben ein Verhältnis mit einem verheirateten Kollegen?

Das geht Sie nichts an. Sie...

Sie spielen uns hier die moralisch

integre Weltverbesserin vor und...

...das Gegenteil ist der Fall. Seien Sie still!

Und Sie erst!

Sie gerieren sich als Superlehrer vor den Schülern.

Dabei haben Sie nur Ihre private Agenda im Kopf.

Volleyballturniere, Grillen...

Dass ich nicht lache.

Sie sind eine ausgemachte Pfeife!

Eine Schande fürs Kollegium. Und ein Ehebrecher noch dazu!

Und dann suchen Sie sich Ihre Opfer

auch noch bei den Wehrlosen.

Wieso sollte ich wehrlos sein?

Weil...

In Ihrer Welt sind Frauen immer Opfer.

Eine Frau kann sich nehmen, was sie will.

Dann sind Sie ein Flittchen. Nein, ich bin eine moderne Frau.

Schon mal von Casual Sex gehört?

Was soll das jetzt?

Herr Mertens hat Sie verführt und bringt Sie in Nöte.

Mich in Nöte? Ja.

Im Gegenteil. Ich lasse zu, was ich will.

Von wem, ist mir relativ egal.

Was? Sag mal...

Ich dachte, das zwischen uns war was Besonderes.

Ach, jetzt hör doch mal auf, Peter.

Hältst du das Gefummel im Geräteraum

für den Beginn einer tollen Beziehung?

Hey, ich hab meine Ehe für dich riskiert.

Und meine Karriere.

Ich mach's halt gern mit Verheirateten.

Hä? Nicht dass ich mich jetzt

angesprochen fühlen würde, aber...

...was genau ist da so gut daran?

Tja, ganz einfach:

Sie benehmen sich besser als bei ihren Ehefrauen,

geben sich mehr Mühe im Bett, hauen früh ab,

weil sie zur Familie müssen, lassen einem das Wochenende,

sie wollen keine Kurzurlaube machen

und haben immer ein schlechtes Gewissen. Das macht Spaß.

Das ist Genuss ohne Reue. Das ist widerlich.

Ich wollte alles mit dir teilen. Ach Gott.

Alle Freistunden.

Ein Gehirn teilen Sie beide sich schon.

Sara! Mach kein Theater.

Es ist jämmerlich und erbärmlich,

was Sie hier darbieten, Herr Kollege.

Normal haben Sie's ja nicht mit richtigen Frauen zu tun.

Es reicht!

Sonst war's umgekehrt. Sie waren der große Zampano

und die Frauen Ihre hörigen Mäuschen,

wenn man Schülerinnen Frauen nennen kann.

Du hattest was mit Schülerinnen?

Nein! Klar!

Deshalb wechselten Sie die Schule!

Dr. Klausen hat's mir gesagt. Verleumdungen!

Dann sag uns die Wahrheit.

Man weiß doch, wie das läuft.

Hm? Frau Schuster hat's doch selber zugegeben.

Die Mädels heute nehmen sich, was sie wollen.

Ob man verheiratet ist, ist denen scheißegal.

Was? Sie stilisieren sich gegenüber

möglicherweise Minderjährigen zum Opfer?

Die waren alle 18.

Boah, du bist echt so widerlich.

Das ist eine treffende Zuschreibung.

Danke, das hilft mir weiter. Mehr brauche ich nicht.

[♪♪♪]

Chef, es hat mir keine Ruhe gelassen.

Ich habe die Handynummer überprüft.

Das Handy gehört einem Benjamin Mehltau,

Schüler am Rudi-Dutschke-Gymnasium.

Beinacker, es ist Freitagnachmittag.

Da ist kein Mensch mehr dort.

Geschweige denn der Mehlwurm.

Wenn wir ihn dingfest machen wollen,

müssen wir zu ihm nach Hause.

Nehmen Sie sich ein paar Leute, und fahren Sie hin.

Mit allem Drum und Dran. Ich will großes Orchester.

Richtig großes Orchester.

Der Junge soll sich in die Hose scheißen!

[UNVERSTÄNDLICHER FUNKSPRUCH]

[KLINGELN]

Guten Tag. [GEDÄMPFTES GEMURMEL]

Ich verstehe Sie ganz schlecht.

[UNVERSTÄNDLICH]

Ich hol mal meinen Mann.

Harald!

Ja, bitte? [UNVERSTÄNDLICHES GEMURMEL]

Vielleicht mal ohne Helm?

Ob Ihr Sohn Benjamin zu Hause ist.

Ach so.

Da muss ich meine Frau fragen.

Moment bitte. Simone!

Sie möchten zu Benjamin.

Ja. Ist der da? Nein.

Wo finden wir Ihren Sohn? Das weiß ich nicht so genau.

Er ist oft an der Skaterbahn.

Wenn Sie ihn sehen, sagen Sie ihm, um sieben gibt's Essen?

Danke.

Die Zeit ist rum. Und jetzt?

Jetzt erläutern Sie,

warum Herr Engelhardts Bewertung falsch war.

Dann wird Herr Engelhardt diesen Punkt in sein Buch eintragen.

Möchten Sie was dazu sagen? Nein.

Gut. Vielleicht jemand anderes?

Mhm.

Sie hatteü ber eine Stunde Zeit.

Sie haben diese vermutlich

mit irgendwelchen kleinkarierten Beamten-Scharmützeln vergeudet.

Ich hingegen habe die Zeit gut genutzt.

Indem Sie was getan haben? Ich habe über Sie nachgedacht.

Und frage mich, wie Sie dazu kommen,

Fabian dafür zu bestrafen,

dass er in vielem noch ein Kind ist.

Niemand wirft das Ihrem Sohn vor.

Aber das Abitur heißt auch "Reifezeugnis".

Es soll von Reife zeugen,

und da sehe ich Fabian nach meinen Notizen nicht.

Er hat nicht das Zeug zum Abitur.

Aber Sie zum Lehrer?

Ja, mit 40 Jahren Berufserfahrung.

Er begann, als Latein noch Amtssprache war.

Von Ihnen lernt man also Integrität.

Sie sind ein leuchtendes Beispiel für die Kinder.

So würde ich es in aller Bescheidenheit nicht sagen.

Aber ja, durchaus.

Interessant.

Was ist das? Was sind das für Mappen?

Ihre Personalakten. Was soll das?

Woher haben Sie die denn?

Aus dem Schrank des Direktors. Lesen Sie sie mal.

Niemand liest meine Akte.

Wenn man Ihre Akten so durchgeht, fragt man sich,

wie Sie zu dem Recht kommenü ber meinen Sohn zu urteilen.

Oder um es mit Herrn Engelhardt zu sagen:

Ex iniuria ius Dingens.

Wie meinen?

Ex iniuria ius non oritur.

"Aus Unrecht entsteht kein Recht."

Sie sind vollkommen irre.

Damit meine ich nicht nur Sie.

Auch Ihre Kollegen hier sind moralisch...

ziemlich fragwürdig.

Herr Prohaska, wir haben heute

schon reichlicü ber uns erfahren.

Noch nicht genug, um zu begreifen,

dass ein Extrapunkt für Fabian

die geringste Verfehlung Ihres Lebens wäre.

Daran hab ich keinen Zweifel, aber...

es kommt keine Einstimmigkeit zustande.

Es steht drei zu drei. Falsch.

Ich hab meine Meinung geändert.

Gut, dann steht es eben jetzt vier zu zwei pro Fabian.

Das ist mir egal.

Ich bin nur an einer Einstimmigkeit interessiert.

Wenn Sie nicht wollen,

dann werde ich Ihnen mal erzählen,

mit wem Sie's zu tun haben.

Das wissen wir doch. In Ihrem Fall wohl nicht.

Herr Arndt, Sie tun so, als seien Sie jedermanns Freund.

In Wahrheit liefern Sie Ihre Kollegen ans Messer.

Das muss ich mir nicht anhören. Sitzen bleiben!

Herr Engelhardt, wollen Sie Ihre Beurteilung hören?

Kein Interesse.

"Engelhardt ist ein kaltherziger Kleinbürger,

der Schüler und Kollegen gleichermaßen

mit seiner Pedanterie quält.

Seine Eitelkeit wird dabei nur noch

von seiner Machtgier übertroffen."

Man kann es nicht schöner sagen.

Sie kommen auch nicht besser weg:

"Mertens ist ein Kindskopf,

der weder fachlich noch charakterlich

für Beförderungen infrage kommt.

Bei Feiern fällt er durch übertriebene

Geselligkeit gegenüber Kolleginnen auf.

PM könnte man als peinlichen Klotz

am Bein der Schule bezeichnen."

Wow. Weiter geht's: "Bernd Vogel.

Vogel ist ein Opportunist und Spießer.

Außerdem riecht er streng

und wirkt selbst bei der Abiturvergabe

ungepflegt und vernachlässigt."

Wenigstens weiß er Ihren Namen.

"Heidi Lohmann...

...ist der Prototyp

der durch und durch frustrierten Gouvernante.

Sie hat weder Charme

noch eine Hinstimmung zu Jugendlichen.

Man wird sie bis zur Pensionierung

durchschleppen und dann vergessen."

Heidi...

VATER: Wollen Sie was dazu sagen?

Warum hast du das gemacht?

Das ist schwer zu erklären.

Es tut mir leid.

Ich entschuldige mich. Warum, Holger?

Alle haben ja geglaubt,

dass Herr Engelhardt Schulleiter wird.

Aber dann wurde überraschend von außen Herr Eckhoff installiert.

Und der hat mir ein Angebot gemacht.

Was denn für ein Angebot?

Er sagte, er würde das Kollegium ja nicht kennen.

Und dann hat er mich gefragt,

ob ich ihm was zusammenstellen könnte.

Dafür bekäme ich nach

Herrn Engelhardts Pensionierung den Stellvertreterposten

und den...

...entsprechenden, also...

Seinen Parkplatz.

[♪♪♪]

BENNI: Scheiße, die Bullen.

Wir werfen mal grad den Dübel weg, oder?

Das finde ich aber krass übertrieben.

[DUMPF] Wer von euch Spacken ist Benjamin Mehltau?

VATER: Erhellend, Herrn Arndts Akte.

Aber die anderen sind auch nicht schlecht. Herr Mertens!

Hm? Oh, ich muss Sie enttäuschen.

Wir sprachen schon drüber.

Sie hatten zeitweise bis zu vier Geliebte

in der Schülerschaft.

Du bist das Letzte. Und wer dachte das schon immer?

Frau Schusterü ber Sie habe ich nichts.

Ein unbeschriebenes Blatt.

Sie macht's gern mit Verheirateten.

Ich bin neu hier. Ich bin Referendarin.

Dann lernen Sie ja heute 'ne Menge.

Ja, das kann man wohl so sagen.

Glauben Sie, Ihren Kollegen geht es

um das Wohl und die Bildung der Kinder?

SCHUSTER: Ganz ehrlich?

Nein.

Darum geht es an dieser Schule als Letztes.

Das ist doch Quatsch, liebe, junge Kollegin.

Nein. Erinnern Sie sich an die letzte Konferenz?

Man diskutierte, ob man den Schulbeginn auf 9 Uhr verlegt.

Laut Chronobiologie verbessert

ein späterer Beginn die Leistungen.

Jugendliche sind um acht noch nicht richtig wach.

Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Erwiesen? Was heißt das?

Schule ist um acht. Das hat sich bewährt.

Man kann es doch mal ausprobieren.

Andere Schulen machen das längst. Diese hier nicht.

Warum nicht?

Es gab zwei Argumente, die dagegen sprachen.

Nummer eins: Herr Mertens hier muss pünktlich

im Käseladen seiner Frau sein.

Die Schule darf nicht später enden.

Ja. Das gilt für ihn

und 30 weitere KollegInnen.

Nummer zwei: Dann müssten alle Pläne

und Busfahrzeiten geändert werden,

und das bedeutet Aufwand.

Genau nach dem Muster verlief

die letzte Stunde in diesem Zimmer.

Jeder gegen jeden, und jeder nur für sich.

Genau gesagt, Ihr Sohn interessiert hier niemanden.

Mhm.

Trotzdem wollen Sie Lehrerin werden?

Ob Sie's glauben oder nicht: ja.

Um die Dinge anders zu machen. Das ist so naiv, dass es wehtut.

Eine Unverschämtheit.

Unverschämt ist, dass Sie nur per Fax

für Ihre Schüler zu erreichen sind.

Auch das hat sich bewährt.

Die Schule kennt Digitalisierung nicht.

Gerade jetzt, wo Homeschooling ein Riesenthema ist.

Es gibt einen Router im Sekretariat.

Die Schule hat eine E-Mail-Adresse.

Sie schotten sich ab.

Sie blockieren jede Neuerung. Das sind Budgetfragen.

Sie hoffen doch nur auf Ihre Pensionierung,

bevor das System kollabiert.

Das ist eine Unterstellung.

Was, wenn Frau Schuster recht hat?

Wenn Sie die Zeit zulasten der Kinder absitzen?

Hören Sie auf. Sie tun ja so,

als ob wir schuld an jeder Fünf oder Sechs wären.

Stellen Sie sich doch mal in eine 5. Klasse

voller brüllender Kinder.

Vor 16-Jährige, die Ihnen direkt sagen,

man könne doch alles googeln.

Und Eltern drohen mit Klagen,

wenn die Versetzung gefährdet ist.

Oder schlimmer noch. Ach!

Was wollen Sie denn? Sie haben drei Monate Ferien.

In denen ich unter anderem auf Fortbildungen bin.

Sie machen es sich sehr leicht, Herr Prohaska.

Aber ich versichere Ihnen,

jeder Einzelne von uns hat gute Absichten.

Früher hatten Sie die vielleicht.

Davon ist nichts mehr übrig.

Sie werden verschwinden wie Dampfloks

nach der Erfindung der Elektrizität

und in der Digitalisierung untergehen.

Wenn ich mich hier so umsehe,

ist das absolut kein Verlust.

Sie infames Biest. Was fällt Ihnen eigentlich ein?

Sie kommen hier an, wackeln mit dem Hintern,

verführen einen Ehemann

und führen das große pädagogische Wort?

Lächerlich!

Nein, es ist an der Zeit,

dass die Schule und die LehrerInnen sich verändern.

Wenn die Schule durch Leute wie Sie reformiert wird,

kann einem bange werden.

Was gefällt Ihnen weniger an Frau Schuster?

Der Hintern oder die eigene Meinung?

Ich lasse mir von keinem Flittchen sagen,

wie ich arbeiten soll.

Sonst bekommt sie auch einen Schlag ins Gesicht?

Ein Mal. Ein Mal war das.

Steht alles hier drin.

Sie breiten das nicht vor allen aus.

Gleiches Unrecht für alle.

Die Schülerin hieß Paula Sonsbeck.

Ein unerträgliches Mädchen. Eine Kokotte.

Und was hatte sie angestellt?

Sie hat mich gereizt bis aufs Blut.

An dem Tag ging sie mit ihren Freundinnen die Treppe hoch.

Ich trug Klassenarbeiten und meine Tasche,

ein schweres Gewicht.

Diese Trutschen, gackernd und dumm wie Bohnenstroh.

Ich schob mich durch sie hindurch.

Sie hat mir ein Bein gestellt. ARNDT: Ernsthaft?

LOHMANN: Jedenfalls fast. [LACHEN]

Ich sagte den Mädchen, sie sollen da nicht rumlungern,

sondern in ihre Klassen gehen

oder die nächste Stunde vorbereiten,

anstatt wie käufliche Frauen dort zu posieren.

Selbstwusste junge Frauen sind für Sie Prostituierte.

Ja.

Nein. Es ist die Art,

wie sie reden, wie sie sich kleiden.

Diese Direktheit, dieser Mangel an Dezenz.

Alles wird offen zur Schau gestellt.

Dieser Schmutz, diese Gier, diese...

Lebensfreude?

Ein Sonett von Shakespeare ist Lebensfreude,

ein Streichquartett.

Aber was die Jugend heute antreibt,

sind nur niederste Bedürfnisse.

Nirgends wird so viel gebumst wie bei Shakespeare.

VATER: Um es hier abzukürzen:

Sie fingen Streit an, die Frauen wehrten sich.

Sie hat mich zutiefst beleidigt.

Sie nannten sie "Prostituierte". Dafür gibt's Zeugen.

Sie fingen an.

Ein Lehrer kann gar nicht anfangen.

Erst danach hat Paula Sonsbeck Sie beleidigt.

Äh... Was hat sie denn gesagt?

Ich werde es nicht wiederholen.

Hier steht "Ungefickte Spinatwachtel".

Sie schlugen so fest zu, dass Paula einen Zahn verlor.

War ihr eine Lehre. Anzeige, Disziplinarverfahren,

Ihre Bezüge wurden gekürzt, Ihre Beförderung ausgesetzt.

Sie mussten sich entschuldigen, oder?

Wenn Sie das sagen.

Nur weil Sie die Jugend verachten.

Sind Sie neidisch auf die Mädchen?

Jetzt fangen Sie auch damit an, Stasi-Arndt.

Aber ich sage Ihnen, ich hasse die Jugend nicht.

Ich kann sie nur nicht ausstehen.

Wie kommt es, dass Sie so hartherzig geworden sind?

Ihre Weichheit, das Verständnis, diese Zärtlichkeit,

all das lohnt sich nicht.

Am Ende wird man enttäuscht.

Am besten fährt man ohne das Gesums.

Dann wird man nicht verletzt. Also wurden Sie verletzt?

Wie gesagt, das geht Sie nichts an.

Das stimmt schon.

Aber vielleicht gingen wir anders mit Ihnen um,

wenn wir wüssten, da schlägt ein Herz in Ihnen.

Für irgendwas, für irgendwen.

Georges Moustaki.

Hm? Bitte?

Georges Moustaki.

Der größte Chansonier! Er schrieb die schönsten Texte.

Auch für Édith Piaf.

Ich hab ihn schon als junge Frau verehrt.

Nach meinem Abitur 1976 bin ich ihm sogar hinterhergereist.

Durch halb Spanien und Portugal.

♪ Non... je ne suis Jamais seul ♪

♪ Avec... ♪

♪ ...ma solitude ♪

[♪♪♪]

Und einmal war ich ihm ganz nah.

Das war in Lissabon.

Ich musste ihn immer wieder sehen. Ich liebte ihn.

Ich liebe ihn bis heute.

[LIED] ♪ Je m'en suis fait presque Une amie ♪

♪ Une douce habitude ♪

Ich wartete hinter Der Halle.

LOHMANN: Monsieur Moustaki! [SIE SPRECHEN FRANZÖSISCH]

Monsieur Moustaki!

Ich stand da im selbst genähten Jeansrock

und meiner frechen Weste.

Je suis une grande admiratrice de votre art.

Ah, merci beaucoup.

[LIED] ♪ Je ne suis jamais seul... ♪

Très jolie.

Bonsoir.

MOUSTAKI: Ça va?

[LIED] ♪ Avec... ♪

♪ ...ma solitude ♪

[LEISES LACHEN AUS DEM BUS]

Diese kleine Schlampe.

Die Brüste fielen ihr fast aus der Bluse.

Ich verstehe, dass Sie das verletzt hat,

aber so geht es vielen, die sich in einen Star verlieben.

Das geht vorbei. Ja.

Bei oberflächlichen Schwärmereien,

die keinerlei... keinerlei Basis haben,

wo Menschen ausgewechselt werden.

Aber ich hatte eine Zukunft mit ihm in mir drin.

Ich habe für ihn gelebt, mit ihm gewohnt.

Hatte Kinder mit ihm, eine Familie.

Sie haben ja richtig einen an der Murmel.

So, Herr Mehltau.

Dann machen wir's mal kurz. Was sollte der ganze Quatsch?

Das ist strafbar.

Wir haben eine harmlose Kräuterzigarette geraucht.

Ihr Telefon!

Hab's nicht dabei. Verarschen Sie mich?

Nein. Ich hab kein Telefon bei mir.

Es wurde mir weggenommen.

Von wem? Von Frau Lohmann.

Wer ist Frau Lohmann? Eine Lehrerin.

Auf meiner Schule. Rudi-Dutschke-Gymnasium.

Sie nahm's mir in der großen Pause ab.

Du hast heute nicht damit telefoniert?

Wie denn? Frau Lohmann hat doch mein Handy.

[♪♪♪]

Was soll denn das jetzt? Ich rauch jetzt eine.

Sport unterrichten und rauchen, das passt zu Ihnen.

Ein echter Sportler raucht und trinkt.

Hinsetzen!

Schießen Sie doch.

Aber ich brauch' ne Zigarette.

Das Rauchen ist im ganzen Haus verboten.

Vögelchen, als käme es darauf noch an.

Sagen Sie noch ein Mal "Vögelchen".

Herr Prohaska, sagen Sie Vögelchen,

dass er sich nicht einnässen soll?

Wenn Sie hier Feuer machen, lösche ich.

Ich warne Sie.

Ach ja? Vögelchen...

Wirklich?

[♪♪♪]

Schade, das hätte ich gern gesehen.

Ich auch.

VATER: Können zum Ende kommen?

Bleibt nur noch einer übrig: Mister Unfehlbar.

Die Korrektheit in Person.

Nun spielen Sie schon Ihren Trumpf aus,

damit die liebe Seele endlich ihre Ruhe hat.

Ich fasse zusammen:

Die Klasse 10A plant eine Reise nach Rom

zu den Wurzeln der lateinischen Sprache.

Klassenlehrer Engelhardt organisiert

ein vielfältiges Programm,

sucht Hotel und Busunternehmer raus

und rechnet die Kosten zusammen.

Er teilt sie durch 28 Schülerinnen und Schüler.

Es ergibt sich ein Kostenbeitrag von 410 Euro pro Teilnehmer,

inklusive Fahrt, Hotel,

Eintrittspreise für Museen und Bildungsrichtungen.

ARNDT: Na und?

Das ist aber gar nicht der echte Preis.

Denn Herr Engelhardt hat einen Deal mit dem Busunternehmer,

der ihn schmiert, um den Auftrag zu kriegen.

Der Hotelpreis stimmt auch nicht,

weil das Hotel ihm jahrelang Rabatte einräumt,

die er aber nicht an seine Schüler weitergibt.

Auch verschweigt er, dass er bei den Eintrittspreisen

Einzeltickets berechnet, aber Gruppentickets bestellt.

Er sammelt also von jedem

410 Euro in bar ein.

Obwohl die Reise in Wahrheit

wie viel pro Person kostet, Herr Engelhardt?

Hm?

295 Euro.

Ach! Jeder zahlt also...

...115 Euro zu viel an Sie?

Das macht bei einer Klassenstärke von 28 Leuten...

Na? Sagen Sie's. Steht ja da drin.

Stimmt!

3220 Euro!

Nicht schlecht, Herr Specht.

Und keiner weiß, wie oft Sie das taten.

Ein Mal.

Meine Frau hatte die Gallen-OP, mein Sohn war in London.

Das Auto war kaputt.

Wissen Sie, was es kostet, eine Familie zu ernähren?

Ja, das weiß ich. Ich bestehle trotzdem niemanden.

Sie flogen auf wegen zwei Schlaubergern,

denen der Trick mit den Gruppentickets auffiel.

Die Jungs stellten Sie zur Rede, und Sie drohten damit,

die beiden über schlechte Noten zu disziplinieren.

Klaus.

Ist das wahr? Erst bestiehlst du die Kinder

und ihre Eltern,

und dann versuchst du, dich so aus der Affäre zu winden?

Klaus!

Ich habe alles zurückgezahlt.

Ich wurde nicht Direktor.

Was wollen Sie denn noch?

Du umgibst dich jahrelang

mit dem Nimbus des unfehlbaren Vorbilds,

wenn dir so ein Lapsus unterlaufen ist?!

Und du schlägst ein Mädchen,

nur weil es frei, unbefangen und hübsch ist!

Ich fasse mal zusammen.

Eine Schlägerin,

ein Denunziant,

ein Pornograf, ein Ehebrecher und ein Betrüger

entscheiden also darüber,

ob meinem Sohn ein einziger zusätzlicher Punkt

zusteht oder nicht.

Finden Sie das gerecht?

Da tut sich natürlich eine Art Gerechtigkeitslücke auf.

Ich appelliere nochmals an Sie,

unter den gegebenen Umständen

und weil wir alle Fehler haben:

Wie sieht's aus mit dem Punkt?

Lecken Sie mich am Arsch. Klaus!

Herr Prohaska hat es sogar selber gesagt:

Ex iniuria ius...

...non oritur. Aus Unrecht entsteht kein Recht.

Wir haben wegen unserer Verfehlungen kein Recht,

ein Urteil zu fällen.

Aber es ist eben auch andersrum gültig.

Aus der Geiselnahme darf kein Recht erwachsen.

Ein Unrecht wiegt schwerer als das andere.

Unsere Fehler haben nichts mit Noten zu tun.

Unsere Geiselhaft schon, also ist sie das größere Unrecht.

Sie verdrehen alles, Sie Arschloch!

Fabian bekommt den Punkt! Oder es kommt der Moment, wo...

Der Moment, wo die halbe Schule in die Luft fliegt.

Ich beschwöre Sie:

Lassen Sie mich nachsehen. Wir sind ja gleich fertig.

So oder so. ARNDT: Herr Engelhardt...

Wo könnte der Punkt jetzt noch herkommen?

Oder, warte mal, eine noch spannendere Frage:

Wo ist er denn hin, der Punkt?

Wie meinst du das?

Vielleicht ist einer abgezogen worden.

Unser Kollege hat sicher viele großartig gerechte Methoden

für Punkteabzug.

Sauklaue hier, Fleck auf der Hausarbeit da.

Klappen Sie mal ihr Büchlein auf,

und zeigen Sie uns, was da steht.

Das geht Sie einen Dreck an.

Ich nehm's Ihnen ab und gucke selber nach.

Sie verstehen mein System eh nicht.

Es ist eine ausgeklügelte Methode

zur Summierung von Punkten,

wobei alle Parameter berücksichtigt werden,

die man überhaupt berücksichtigen kann.

Nämlich? Fachliche Qualität,

Stil, Sauberkeit, Akkuratesse.

Die Korrektheit wird vorrangig mit 71 Prozent bewertet.

Dann Stil, Schriftbild

oder mündliche Eloquenz,

falls es keine schriftliche Arbeit ist.

Da kann es dann Abzüge geben,

in seltenen Fällen zusätzliche Punkte.

Jetzt will ich es wirklich wissen.

Was hat Fabian für seine Hausarbeit bekommen?

Was haben Sie da stehen?

Punkte.

Wie viele?

Also gut. Ich beuge mich dem allgemeinen Druck. Bitte sehr.

Vier Punkte, wie schon bekannt.

Wurde etwas in Abzug gebracht? Ich wette, das steht da.

Sag ich nicht. Doch.

Sonst hol ich's mir, auch wenn ich Ihnen wehtue.

Ein Punkt.

Ein Punkt was?

Musste abgezogen werden.

Warum? Wegen Unpünktlichkeit.

Was heißt das?

Der Schüler gab seine Arbeit zu spät ab.

Wie viel zu spät? Erklären Sie uns das.

Es war vereinbart,

dass die große Hausarbeit bis Dienstag

um 13 Uhr bei mir sein müsse.

Alle sind pünktlich gewesen.

Bis auf Herrn Prohaska, der kam zu spät.

Wie viel zu spät?

Zwei.

Zwei was?

Tage? Wochen?

Minuten.

ARNDT: Was?

Er gab seine Arbeit ab und faselte was

von Papierstau im Drucker.

Was die jungen Leute halt so schwindeln.

Alle waren pünktlich, Fabian nicht.

Also erhielt er einen Punktabzug.

Wie war seine Arbeit?

Inhaltlich ausreichend.

Fünf Punkte, leichte Tendenz zu sechs, aber nicht genug.

Dafür aber ein Punkt Abzug wegen Unpünktlichkeit.

MERTENS: Drecksack.

Du widerlicher, alter, verlogener Drecksack.

Lächerliche zwei Minuten. Zwei Minuten, ja?

Deswegen soll der Junge kein Abitur machen?

Es geht doch um Gerechtigkeit!

Es geht um Borniertheit, um Bosheit.

Um Macht! Du mieses Schwein, ich mach dich fertig!

Klaus! Gib mir das Buch! MERTENS: Gib's her, Mann!

Wo ist jetzt das Vögelchen?

[LOHMANN SCHREIT.]

[HUSTEN UND WÜRGEN]

VOGEL: Jetzt... wird abgestimmt.

ARNDT: Ok, komm. Sara, hilf mir mal.

Oh Mann!

[ÄCHZEN]

ARNDT: Gut.

Jetzt stimmen wir ab. Hände hoch...

Hände hoch, wer für den Punkt ist.

Klaus, es tut mir leid.

Aber das kann ich nicht mehr mittragen.

Du kannst nicht Geld von einer Klassenfahrt nehmen,

und dann wegen zwei Minuten ein Schülerschicksal besiegeln.

Das geht nicht. Das geht doch nicht!

Du musst jetzt die Hand heben.

Klaus, heb die Hand! Los, Engelhardt, Hand hoch!

Bitte, Herr Engelhardt, damit das ein Ende hat.

Ich werde die Hand nicht heben. Niemals.

Geben Sie ihm den Punkt!

Klaus, mach es!

Los!

[♪♪♪]

MERTENS: Na los, Engelhardt.

[KNALL]

Polizei! Köpfe runter!

Polizei!

Die Waffe runter! Auf den Boden!

Auf den Boden! Runter auf den Boden!

Zack, zack, auf den Boden legen!

Runter!

[UNVERSTÄNDLICHE FUNKSPRÜCHE]

SANI: Ja, genau, schön langsam.

Einmal hier ums Eck.

Eine Stufe...

...dann können Sie sich setzen.

[♪♪♪]

Hast du für mich auch eine?

Kauf dir selber welche, Verräter.

Arsch.

Hören Sie, Herr Polizist,

ich muss in meinen Chemieraum.

Wir brauchen noch Ihre Aussage. Ich hab schon alles gesagt.

Ihnen fällt sicher noch was ein. Ich...

CHEF: Beinacker!

Wie ist die Lage? Alles gut. Keine Verletzten.

Gut gemacht. Es geht doch nichüu ber Erfahrung und Intuition.

Danke, Chef. Ich meinte nicht Sie.

Darf ich kurz an mein Handy?

Das geht leider nicht.

Ich will nur meine Frau anrufen.

Darf ich?

Ich kann die Fesselung nicht öffnen,

aber das Handy entsperren und auf laut stellen.

Danke.

Es ist hier, in der Tasche.

Der Code ist 1-2...

...3-4.

Da ist eine Nachricht auf der Mailbox.

Soll ich die abspielen?

Ja. Meine Frau sorgt sich sicher,

weil ich nicht zum Essen kam.

Und mein Sohn wartet auch.

Ich hab für ihn gekämpft.

[HANDY] Hi, Papa, hier ist Fabi.

Du, also es ist so, ähm...

Ich weiß nicht, wo du bist,

aber wenn du heimkommst,

dann bin ich weg.

Ich hätte es dir lieber gestern schon gesagt,

aber ich traute mich nicht nach unserem Gespräch.

Du warst so aufgebracht.

Ich hab über alles nachgedacht,

über das Abi und studieren und so.

Vielleicht hat der Engelhardt recht,

und ich bin gar kein Student.

Und... vielleicht soll ich auch kein Abi machen...

...sondern irgendwas anderes.

Vielleicht war der eine Punkt ein Symbol dafür,

dass ich auf dem falschen Weg war.

Ich weiß, es kommt etwas spät,

aber Engelhardt kam gestern zu mir und meinte,

es wäre für mich eine Chance, die Perspektive zu ändern.

Und ich finde, da hat er recht.

Eigentlich ist er gar nicht so verkehrt.

Du musst jetzt nicht auf ihn sauer

sein wegen diesem einen verdammten Punkt.

Wirklich, das ist egal.

Jedenfalls glaub ich,

dass ich einfach mal weg muss für eine Zeit.

Ich hab das Geld genommen, was Oma mir zum 18. gab.

Das reicht für ein Ticket nach...

Na ja, zum Surfen halt.

Ok, ich muss Schluss machen.

Aber ich bin bald zurück, also in ein paar Monaten.

Dann fang ich irgendwas anderes an.

Du wirst schon sehen.

Also mach dir keine Sorgen, ja?

Ok.

Keine Sorgen machen. Ich melde mich, ja?

'n Abend. Hallo.

Ciao, Papa.

Dein Fabi.

[KNALL]

[SCHEPPERN UND KLIRREN]

[KLAVIERSPIEL]

[MANN SINGT] ♪ Die Luft ist blau Das Tal ist grün ♪

♪ Die kleinen Maienglocken Blüh'n ♪

♪ Und Schlüsselblumen drunter ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Der Wiesengrund ist schon So bunt ♪

♪ Und malt sich Täglich bunter ♪

♪ Und malt sich täglich Bunter ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Drum komme Wem der Mai gefällt ♪

♪ Und schaue froh Die schöne Welt ♪

♪ Und Gottes Vatergüte ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Die solche Pracht hervorgebracht ♪

♪ Den Baum und seine Blüte ♪

♪ Den Baum und seine Blüte ♪

♪ Die Luft ist blau Das Tal ist grün ♪

♪ Die kleinen Maienglocken blüh'n ♪

♪ Und Schlüsselblumen drunter ♪

[KLAVIERSPIEL]

♪ Der Wiesengrund ist schon So bunt ♪

♪ Und malt sich Täglich bunter ♪

♪ Und malt sich täglich Bunter ♪

[DAS LIED ENDET.]

[RAP] ♪ Ich smoke Jibs Sie ballern wie die 808 ♪

♪ Alles blurry Digga Ich bin fade away ♪

♪ Sips von dem Gift In die Gatorade ♪

♪ Jeder Wochentag 'N fucking Saturday ♪

♪ Ich smoke Jibs ♪

♪ Sie ballern Wie die 808 ♪

♪ Alles blurry Digga Ich bin fade away ♪

♪ Sips von dem Gift In die Gatorade ♪

♪ Jeder Tag 'N fucking Saturday ♪

♪ Es ist Dienstag Habe was im Tee ♪

♪ Alle Brüder sippen Vino und Chantré ♪

♪ Gassed up, ja! Ich will aufdrehen ♪

♪ Doch muss morgen 6:30 aufstehen ♪

♪ Ja, ich geb aus Es ist pay day ♪

♪ Bin high, stürze ab Digga Mayday ♪

♪ Ihr wollt Klicks ♪

♪ Eure Mucke Ist zu lame ♪

♪ Hugo Boss, merk Dir diesen name ♪

♪ Ich smoke Jibs Sie ballern wie die 808 ♪

♪ Alles blurry Digga Ich bin fade away ♪

♪ Sips von dem Gift In die Gatorade ♪

♪ Jeder Wochentag 'N fucking Saturday ♪

♪ Ich smoke Jibs ♪

♪ Sie ballern Wie die 808 ♪

♪ Alles blurry Ich bin fade away ♪

♪ Sips von dem Gift In die Gatorade ♪

♪ Jeder Tag 'N fucking Saturday ♪

♪ Vier, null, 404-89 ♪

♪ Bier und Einen dicken Joint ♪

♪ Du wirst Nie unser Freund ♪

♪ Auch wenn du Davon träumst ♪

♪ Ja, denn wir Leben unter uns ♪

♪ 489er Jungs machen 489er Kunst ♪

♪ Fade away, wir Leben nicht gesund ♪

♪ Schütte Gatorade In meinen Mund ♪

[REFRAIN]

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