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Signora, Sie standen mit der positiven Person
nicht in engem Kontakt.
Das Risiko ist also gering.
Achten Sie auf Symptome und melden Sie sich gegebenenfalls.
Herr Doktor, darf ich raus?
- Sind Sie der Ehemann? - Ja.
- Leben Sie zusammen? - Ja.
Dann gilt das auch für Sie. Sie haben nahen Kontakt.
Es gab nur einen nahen Kontakt,
und das war, als sie mich angespuckt hat.
Herr Doktor, das war nur im Affekt, und ich bin nicht stolz darauf.
- Wir werden uns trennen. - Erspar ihm bitte die Einzelheiten.
Du hast ihm erzählt, dass ich dich angespuckt habe.
Das war eine einmalige Sache.
- Verzeihung. - Ja?
Das ist keine freiwillige Sache, sondern per Gesetz vorgeschrieben.
- Darauf steht eine Strafe. - Natürlich.
Es geht auch darum, sich verantwortungsvoll zu verhalten.
Ich weiß das sehr gut. Wir sind praktisch Kollegen.
Du bist doch keine Ärztin, du gibst Massagen.
Ich gebe keine Massagen.
Ich bin Osteopathin mit medizinischem Abschluss.
Du siehst in den Klamotten vielleicht wie eine Herzchirurgin aus,
aber du renkst die Leute höchstens wieder ein.
Du bist ein Arschloch.
Komme, was wolle, das bleibt immer gleich.
- Verzeihung, ist soweit alles klar? - Ja, alles klar.
- Vielen Dank und auf Wiederhören. - Auf Wiederhören.
ERSTER TAG
Na super. Dann kann ich das Ticket nach Paris ja wegwerfen.
Hör mal, Lorenzo.
Untersteh dich,
mir in den kommenden Tagen im Detail erklären zu wollen,
warum du mich verlassen wolltest.
Ich kann es mir schon denken.
Im Prinzip ist alles geklärt.
Du schläfst auf dem Sofa. Das ist das Mindeste.
Und ansonsten tun wir so,
als wärst du am Freitag gegangen, wie du es eigentlich vorhattest.
Ja, weil du mich zwei Tage lang terrorisiert hast, Marta.
Ich wollte einen ehrlichen Abgang.
Ehrlich? Was redest du da? Du betrügst mich seit sechs Monaten!
Vorausgesetzt, es sind wirklich nur sechs,
denn du hast die Tussi ja bei der Verhandlung kennengelernt.
Du rettest ihren Job,
und sie verliebt sich in ihren Perry Mason für Arme.
Dann liefe das schon ein Jahr.
Ein Jahr, in dem du Scheißkerl mich schon betrügst!
Nein. Sagtest du nicht, du willst nicht darüber reden?
- Richtig. - Dann lassen wir es.
Ich will nur ein paar Sachen klären, also sei so nett und antworte mit Ja.
Du stellst mir Fragen, und ich soll Ja sagen?
Ganz genau. Wenn diese...
Nein. "Wenn Alessia."
Wenn diese Tussi am Freitag nicht 15-mal aus Paris angerufen hätte,
hätte ich Esel von deiner geheimen Geliebten nichts gewusst.
- Wer weiß, wie lange noch. - Nein.
Ja! Du musst Ja sagen.
Dann führ doch ein Selbstgespräch. Stell eine Frage und sag Ja.
Aber es ist offensichtlich.
Aus welchem Grund sollte sie sonst mit unbekannter Nummer anrufen?
Damit ich nichts mitkriege, logisch.
Aber selbst ich dumme Nuss verstehe, was es heißt,
wenn jemand 15-mal mit einer unbekannten Nummer anruft.
Irgendwann schnalle ich es. Und jetzt stehen wir hier.
Ich weiß was! Speichere ihren Namen doch ein.
Dann hat das Versteckspiel ein Ende. Nimm von mir aus einen Kosenamen.
"Schatz".
"Mein Liebling".
"Meine Zukunft", "Freude meines Schwanzes".
Marta, bitte.
Was, "bitte"? Was?
Nach 15 Jahren Ehe und Beziehung hast du nicht den Mumm,
es mir zu sagen.
Ich hätte es dir bald gesagt.
Alessia und ich wollten es dir sagen. Hörst du? Sie heißt Alessia.
Ich nenne sie so, wie ich will.
Es war nur eine Frage der Zeit.
In spätestens einem Monat hätte ich es dir gesagt.
Na klar, denn du bist ein Mann, der sich dem Leben furchtlos stellt.
Warum habe ich wohl das Haus in Gaeta noch nicht gemietet?
Weil ich wusste, dass ich den nächsten Sommer
mit Alessia verbringe und nicht mit dir.
Was soll das heißen?
Was ist mit dem undichten Dach?
Und mit dem armen Besitzer, der kein Geld für die Reparatur hat?
Mit den Bäumen, die wegen des Frosts Birnen so groß wie Eicheln tragen?
War alles ausgedacht.
Den Bäumen geht's gut, die Birnen sind groß wie Kartoffeln,
das Dach ist heil, und man kann das Haus mieten.
Jetzt entschuldige mal.
Wenn du das alles schon so genau gewusst hast
und der Urlaub in Scharm El-Scheich schon gebucht war...
Ist er nicht. Was hat der Urlaub damit zu tun?
Wenn du beschlossen hattest, mich zu verlassen,
warum bist du dann am Freitag nicht gegangen?
Habe ich doch gesagt, weil ich...
das alles nicht so abrupt beenden kann.
Ich habe dich immer noch gern.
Wag es ja nicht noch mal...
mir zu sagen, dass du mich gernhast, ist das klar?
UNBEKANNTE NUMMER
Alessia?
Ist dort Lorenzo Mazzieri, wohnhaft in Rom, Piazza Pio XI?
Es heißt, Piazza Pio der Elfte. Das ist eine römische Zahl.
Ich habe hier ein attraktives Angebot...
Es passt mir im Moment nicht.
Wenn Sie jetzt Ihren Telefonanbieter wechseln, bieten wir Ihnen...
Wie gesagt, im Moment ist es schlecht.
Hallo? Entschuldigung? Es geht gerade nicht.
Ich bin gerade dabei, mich von meiner Frau zu trennen.
Der Moment ist günstig,
um im Rahmen dieses Angebots weitere Vorteile zu nutzen.
Begeistern Sie sich für Sport? Welcher Mann tut es nicht?
Wenn die Fußballsaison startet, können Sie viele Vorteile genießen...
ZWEITER TAG
Thunfisch... Magst du den in Öl?
In Öl.
Wir nehmen eine Zehnerpackung und vier Packungen Nudeln.
Was meinst du?
Ist sie das?
Ist sie in Rom?
Ja. Sie ist gerade gelandet.
Du hast doch gesagt, dass wir ehrlich sein sollen,
dass wir uns alles sagen sollen.
Dass wir bei dieser Gelegenheit viele Dinge bereinigen könnten.
Ja, aber der Warenkorb leert sich in zehn Minuten.
Hat sie dir gesagt,
dass du hierbleiben und nicht zu ihr gehen sollst?
Nein.
Dann kam das von dir. Es war deine eigene Entscheidung.
Ja, ich wollte nicht zu ihr gehen.
- Und wieso? - Wieso ist das wichtig?
Hast du Angst, sie anzustecken, falls du positiv bist?
Ja, Marta.
Das hat ihr wohl nicht geschmeckt, so frisch wie alles ist.
Sie wollte sicher, dass du kommst, auch wenn sie sich ansteckt.
- Du willst dir nur wehtun. - Nein.
Das kannst du besser. Du bist ein echter Profi darin.
Außerdem ist es meine Sache. Ich sage dir, wie es gelaufen ist.
Sie ist nach Rom gekommen, um dich zu sehen.
Sie wollte, dass du sofort zu ihr kommst,
ganz gleich, ob sie sich ansteckt.
Einfach so, frei, verwegen, skrupellos.
Ja, das wollte sie, aber ich wollte es nicht.
Noch vier Minuten. Ich kaufe noch Öl, das ist bald alle.
Du bist hier, um sie zu beschützen.
Du bleibst lieber hier und leidest, als sie zu gefährden, richtig?
Nein, aber wenn du das denken willst, werde ich dich nicht davon abhalten.
Wenn du glauben willst, dass ich hier bin,
um sie zu schützen, dann glaubst du das eben.
Stimmt ja, du bist hier, weil du mich gernhast.
Wie romantisch. Das wird sich mir einbrennen.
Es ist doch nicht so schlimm, dass ich dir das sage
und dass ich hierbleibe, bis wir wissen, ob wir positiv sind.
Nein, Lorenzo. So ist das nicht.
Nicht mal das ziehst du bis zum Ende durch.
Wie beim Geschirrspülen,
wo du die Töpfe und Pfannen immer im Spülwasser liegen lässt.
Die liegen die ganze Nacht da und auch den nächsten Tag,
weil du denkst, es sei alles erledigt.
Aber der Rest erledigt sich nicht von allein.
Immer muss jemand anders, also ich,
sie abspülen, abtrocknen, einräumen und alles zu Ende machen.
Das verstehe ich jetzt nicht. Was hat das Geschirr damit zu tun?
Es ist dasselbe.
Du sagst, du willst mich verlassen, weil du eine andere hast.
Und trotzdem hockst du immer noch hier!
Am Ende muss ich dich rauswerfen und dir noch die Koffer packen!
Ich hocke hier nicht irgendwo rum. Ich wohne hier.
Da draußen grassiert eine Pandemie, und ich kann hier nicht weg.
Keine Sorge, sobald ich kann, werde ich gehen.
Du musst mich nicht daran erinnern.
Ich denke dauernd daran, dass du genau dann gehst,
wenn alles richtig beschissen ist.
Das Ende einer Ehe ist nun mal beschissen, so oder so.
Nein, das ist objektiv und universell ein richtig beschissener Moment.
Beschissener geht es gar nicht. Stell dir vor.
Wenn du weg bist, sitze ich hier ganz allein
und weiß nicht mal, ob ich wieder arbeiten kann.
Wer weiß schon, wie es weitergeht, ob man wieder ins Kino gehen kann,
sich mit Freunden treffen, ganz normal leben kann.
Niemand weiß, ob alles je wieder normal wird!
Und da muss ich jetzt allein durch.
Ich hasse es, allein zu sein.
Ich war in meinem Leben nicht eine Minute lang allein.
Scheiße. Aber ich bin noch jung.
Und ich sehe ganz gut aus.
Ich sehe gut aus, nicht so wie deine Freundin.
Wozu gibt es die sozialen Medien? Facebook, Instagram.
Als ich ihren Namen wusste, habe ich sie gleich gesucht.
Die legt ja ihr Handy gar nicht aus der Hand
und macht pausenlos Selfies.
Das glaube ich jetzt nicht. Wie alt bist du? 15?
Und weißt du was?
Du hättest dir eine junge, schöne Frau mit festen Brüsten
und 'nem Apfelarsch nehmen können, so wie alle Männer in deinem Alter,
die Angst vor dem Tod haben, aber nein.
Die Frau ist drei Jahre älter als ich und rein objektiv hässlicher als ich.
Noch zwei Minuten. Ich kaufe Toast und ein Glas Honig.
Ich sage "rein objektiv", denn Francesca sieht es auch so.
Nicht nur ich.
Ist das dein Ernst? Du schickst Alessias Fotos herum?
Geht's noch? Was redest du da für eine Scheiße?
Ich sage dir mal was in aller Ernsthaftigkeit:
Darüber, dass sie weder besonders jung noch besonders schön ist,
solltest du dich freuen.
Es sollte dich trösten.
- Mich trösten? - Trösten, ja.
Verstehst du nicht,
dass mir das den Boden unter den Füßen wegzieht?
Das mit dieser Alessia,
es will mir einfach nicht in den Kopf.
Sie lehrt Literatur.
Ja, an der katholischen Universität in Paris.
Du hast wohl nicht alles rausgefunden.
Diese Frau ist nicht jung, sie ist nicht schön.
Ich bin besser in Form als sie.
Ich gehe jeden Tag zum Sport, mache eine Dauerdiät.
Und trotzdem willst du lieber sie?
Dann liegt es also an mir, oder?
Ich gefalle dir nicht mehr.
Du findest mich nicht mehr begehrenswert.
Und das soll mich trösten?
Es bringt mich um, wenn ich das sagen darf.
Ich musste dich immer überreden, aber ich kann nicht mehr.
Wenn die Lust nicht erwidert wird, geht sie ihren eigenen Weg.
Und der führt dich direkt ins Bett einer anderen Frau, so sieht es aus.
Das ist kein Mädchen, das ist ein Omen.
So bin ich auch bald.
Ich werde allein auf der Terrasse tanzen wie eine Verrückte.
Ich werde mich daran gewöhnen. Haben wir ja auch.
Hier gibt es deinen Granatapfelsaft, aber nur als Vorratspackung.
12-mal 1,5 Liter. Willst du das? Noch 30 Sekunden.
Noch 20 Sekunden.
Wenn sich der Warenkorb leert, müssen wir von vorn anfangen.
Wäre schön, wenn das ginge.
Ja, es wäre schön.
Aber vielleicht auch nicht. Lieber nichts riskieren.
Schick die Bestellung ab.
- Was ist? - Du hast alles gelöscht.
- Ich habe auf grün gedrückt. - Nein, auf rot.
DRITTER TAG
Stopp!
Zehn, neun, acht, sieben, sechs,
fünf, vier, drei, zwei, eins.
Squats! Und los!
Habe mich schon gefragt, wie du ohne Sport klarkommst.
- Können wir in sechs Minuten reden? - Wieso in sechs Minuten?
Weil ich dann fertig bin.
Das geht nur sechs Minuten?
Mehr muss man nicht trainieren. Ist wissenschaftlich belegt.
Stopp! Zehn...
- Und jetzt? - Das sind zehn Sekunden Erholung.
Du trainierst die sechs Minuten nicht mal durch?
...zwei, eins. Crunches! Und los!
Wieso schreit der Typ so?
- Muss das jetzt sein? - Ich bin nur neugierig.
Das ist einer der Trainer. Man kann die Stimme wählen.
Es gibt eine Trainerin, die auf nett macht,
einen jungen Trainer, der sympathisch rüberkommt,
und einen alten, der es etwas softer angeht.
Und wer ist das?
- Der General. - Der General?
Blödmann. Ich brauche genau so was.
Ist das nicht sexistisch, wenn er dich anschreit?
Nein, ist eher wie "Full Metal Jacket".
Und das funktioniert?
Nein. Ich lasse mich nur anschreien, weil du es nicht mehr tust.
Natürlich funktioniert es.
Man macht jeden Tag sechs Übungen.
50 Sekunden Belastung, zehn Sekunden Pause.
Ich kann nicht reden.
Wenn du zusammenklappst, können wir nicht ins Krankenhaus.
Mir passiert nichts. Raus!
- Entspannst du dich nie? - Das ist meine Entspannung. Raus!
Das sieht nicht entspannt aus.
Springen! Und los!
Lach nicht, sonst haue ich dir eine rein.
Ich lache nicht, ich lächele.
Okay? Ich mag es, dass du nie aufgibst.
"Nur, wenn man mich zwingt."
Das sagt Barbra Streisand am Ende von "So wie wir waren".
Und dann sagt sie: "Ich bin eine gute Verliererin."
- Du bist keine gute Verliererin. - Nein. Das stimmt.
Stopp!
Aber diesmal muss ich wohl aufgeben.
Sechs, fünf, vier, drei, zwei...
Weißt du noch, wie du mich zum Wandern nach Piemont geschleppt hast?
Am Tanaro? Da konnten wir leider nie wieder hin wegen deiner Allergie.
Ich bin gar nicht allergisch. Das war gelogen.
Ich hasse wandern. Ich wollte es nicht mehr.
Ich hasse die Berge und ihre Natur. Ich wollte nie wieder wandern.
- Was redest du da? - Ich schwöre es dir.
Wieso sagst du das jetzt?
Ich muss gerade über dich nachdenken und die Energie, die du hast.
Und du? Du bist ein Arsch und ein Schwächling.
Du hättest es mir sagen können. Ich hätte dich nicht aufgefressen.
Nein, du hättest mich dazu überredet, wieder hinzufahren.
Man kann dir nichts abschlagen. Du hast zu viel Energie.
Stopp! Zehn...
Anscheinend hast du es mittlerweile gelernt.
...fünf, vier, drei, zwei, eins. Peeing Dog!
- Geh bitte raus. - Nein.
Doch, du gehst jetzt raus!
Nein. Den Peeing Dog muss ich sehen.
Ah ja.
Es ist mir so was von egal, was du denkst.
Ich tue das für mich und nicht für dich.
Du hast eh nichts mehr von meinem festen Hintern.
Aber jemand anders, hoffentlich.
Ansonsten streichele ich ihn selbst vorm Schlafengehen
und schlafe selig ein.
Ich glaube, in all den Jahren habe ich nie nachgesehen,
wie fest dein Hintern ist.
Ganz genau. Schon klar, dass dich so was nicht interessiert.
- Ein Blick auf Instagram reicht. - Instagram?
Ja, da ist ein Foto von Alessia in der Therme.
Sie übertreibt es mit dem Dampf, aber ehrlich...
Was, ehrlich?
Ich meine, der ganze Dampf kann nicht darüber hinwegtäuschen,
dass Alessia sich ganz schön gehen lässt.
Sie hängt sich nicht so rein wie du.
Ja, so sieht es aus.
Glückwunsch!
Also dann. Die Vorführung ist beendet.
Bitte, geh jetzt raus.
Kannst du mir das beibringen?
- Was? - Wie man so trainiert.
Ist das dein Ernst?
Ja. Ich weiß auch nicht, mir fehlt es, schwimmen zu gehen.
- So mache ich mich wenigstens was. - Du gehst schwimmen?
Wie meinst du das?
Ich dachte, du hättest nur so getan, um Alessia zu treffen.
- Bei deinen schmalen Schultern. - Gar nicht wahr. Ich war schwimmen.
Lassen wir das doch. Ich fragte, ob du mir das zeigen kannst.
So kannst du mal über mich lachen, wenn ich den Peeing Dog mache.
Na los, zieh die Schuhe aus.
Und ich...
Ich ändere das mal auf die nette Trainerin.
Dann hörst du sicher besser zu.
Nein, der General ist in Ordnung.
Nein, wir nehmen die Trainerin.
Auf Italienisch.
Hohe Intensität?
- Sind das auch sechs Minuten? - Ja.
Von mir aus mit höchster Intensität.
- Das ist anstrengend. - Komm schon, sechs Minuten.
Na schön. Achtung, es geht los.
Mach schon. Sonst wird sie sauer und bestraft dich.
- Was? - Ich übernehme das.
Mit den Fingerspitzen zum Fuß.
- Los. Eins, zwei... - So?
Schneller. Drei, vier... Runter mit dem Kopf.
Fünf, sechs, sieben, acht, neun...
- Kannst du schon nicht mehr? - Mein Rücken tut weh.
Natürlich, klar.
Das Training geht nur sechs Minuten, aber vorher musst du dich aufwärmen.
Du musst dich vorher 20 Minuten lang aufwärmen und dehnen.
Das steht hier. Sonst verletzt du dich.
Warum sagst du das nicht?
- Habe ich das nicht? - Nein.
VIERTER TAG
Gestern beim Abendessen habe ich gedacht,
dass du beim Essen widerliche Geräusche machst.
Und das fällt dir jetzt erst auf?
Nein. Ja. Ich meine, nein.
Ein Teil von mir hat es bestimmt gemerkt,
aber um des lieben Friedens willen habe ich nie etwas gesagt.
Aber jetzt finde ich es abstoßend.
Ich kann nebenan essen, wenn du willst.
- Nein, nimm dir noch einen. - Noch einen Keks?
- Ja. Das hilft mir. - Nein, danke.
Doch, ehrlich. Es hilft mir. Bitte.
Na gut.
Das hilft, um mir die Dinge vor Augen zu führen,
die mich am meisten an dir nerven.
Du musst nicht gleich übertreiben. Sei einfach ganz normal.
Meine Mutter hat es mir gesagt.
Was? Dass ich beim Essen laut bin?
Nein. Dass du keine Manieren hast.
Sie sagte: "Er ist nett und er liebt dich."
Stell dir vor.
"Er ist nett und er liebt dich, aber er hat keine Manieren."
Deine Mutter starb, als wir uns sechs Monate kannten.
Wir lebten nicht zusammen. Sie kannte mich gar nicht.
Wir haben zweimal zusammen mit Papa zu Abend gegessen.
Und bei diesen zwei Essen vor 15 Jahren hatte ich keine Manieren?
Das fiel mir gerade ein.
Das muss ihre weibliche Intuition gewesen sein,
denn offensichtlich hatte sie recht.
Meinetwegen.
Soll ich dir noch mehr helfen? Soll ich weiteressen?
Nein, danke. Ich muss nur an deine Fingernägel denken.
Ich konnte gestern nicht schlafen, weil meine Tropfen alle sind.
Ich habe einen Film gesehen,
aber ich konnte mich nicht konzentrieren.
Ich musste immerzu nachdenken.
Es gibt eine Sache an dir, die ich richtig abstoßend finde.
- Was? - Deine Nägel.
Du schneidest dir die Nägel über dem Waschbecken,
und dann machst du flüchtig sauber.
Und hinterher finde ich immer noch einen deiner Nägel
hinter irgendeiner Cremedose oder auf der Ablage.
- Total abstoßend. - Ich habe keine Manieren.
Gestern Nacht bin ich aufgestanden und ins Badezimmer gegangen,
um einen deiner Finger- oder Fußnägel zu suchen.
Ich wollte dir zeigen, dass es stimmt, was ich sage.
Aber ich habe überall gesucht und nichts gefunden.
- Prima. - Ganz und gar nicht.
- Es bestätigt es nur. - Was?
Dass du dich in den letzten Wochen verändert hast.
Du bist aufmerksamer, fröhlicher und sogar richtig zuvorkommend.
Dass es mal so weit kommt.
Und wo ist das Problem?
Das Problem ist, dass du in all den Wochen vorhattest,
mich zu verlassen, nicht wahr?
Also hast du dich zusammengerissen, und das hilft mir überhaupt nicht.
Ich weiß nicht. Ich habe alles so gemacht wie sonst.
Ach, komm schon.
Jetzt tu nicht so. Das war doch Absicht.
Vor einem Monat hast du mir einen Zungenkuss gegeben,
als du nach Hause kamst, und nicht nur einen Schmatzer.
- Ja, und? - Das war dein schlechtes Gewissen.
Das hilft mir nicht. Es ist gemein.
Marta, ich wollte einen Kaffee trinken.
"Grausam", "keine Manieren".
Bin ich jetzt grausam, weil meine Fingernägel nicht im Bad rumliegen?
Findest du das normal?
Willst du nicht kontern?
Mir fällt nichts dazu ein.
Bin ich wieder zu lauf?
- Ja. - Ich mache das nicht absichtlich.
Das weiß ich. Danke.
Das ist doch alles absurd.
Es ist absurd.
Ich komme mir so winzig und erbärmlich vor.
Da draußen geht es Leuten dreckig.
Leute sterben. Leute kämpfen. Manche verlieren alles.
Und ich suche nachts im Bad nach deinen herumfliegenden Nägeln.
Um noch einen Grund zu haben, dich zu hassen.
Und während ich das mache, komme ich mir so erbärmlich vor.
Und ich muss weinen.
Ich sehe mir die Welt an.
Erst die Wirtschaftskrise, jetzt das Virus.
Vielleicht bricht alles zusammen.
Wen interessiert es da überhaupt, dass du mich verlässt?
Aber das bringt auch nichts.
Es bringt mich nicht weiter.
Da kann ich noch so oft Nachrichten schauen
und mir absichtlich Katastrophenmeldungen anhören,
oder pessimistische Virologen, die sagen,
dass noch unsere Kinder und Kindeskinder
mit dieser Krankheit zu tun haben werden.
Sie ist eine Art biblischer Fluch.
Aber all das funktioniert nicht. Ich komme nicht davon los.
Ich denke: "Nun gut, dann ändert sich die Welt,
aber ich bin ich, und du bist du.
Deswegen stehen wir das schon irgendwie zusammen durch."
Warum bist du nicht vor einem Jahr gegangen?
Dann hätte ich jetzt meinen Frieden gefunden und stünde ganz anders da.
Aber ich stehe nachts im Badezimmer und suche nach deinen Fingernägeln,
nur um recht zu haben.
Ich denke daran, dass du eine andere hast,
dass du mit dieser anderen schläfst,
in eine andere eindringst,
dass du deinen Schwanz in eine andere Muschi steckst.
Du hast mal mir gehört.
Und dieser Gedanke
ist nicht auszuhalten.
Er macht mich stinkwütend.
Und ganz besonders,
dass ich angesichts einer weltweiten Katastrophe
nicht aufhören kann, an dich zu denken.
Vielleicht ist das keine Liebe.
Vielleicht ist es Hass.
Winzig kleiner Hass.
Der erbärmliche Hass einer kleinen Person.
Nicht nur, dass du mich verlässt und ausziehst,
du gibst mir auch das Gefühl,
der kleinste Mensch auf der Welt zu sein.
Lass mich, sonst haue ich dir eine rein.
Lass mich mit meinem Elend allein.
Kannst du mir diesen Gefallen tun? Ja?
Ja.
FÜNFTER TAG
Ich beginne mit einer Gesichtsmassage.
- Du bist total verspannt. - Das liegt an dem Scheißsofa.
Darauf hat seit fünf Jahren keiner mehr geschlafen.
Wir wollten uns immer ein neues zulegen.
Ich glaube, es ist ein ganz schlechter Zeitpunkt,
um neue Möbel anzuschaffen, findest du nicht?
Nein, so nicht.
- Was? - Ich bitte dich.
So wird das nichts. Entspann dich. Vertrau mir.
Willst du Musik?
Nein, sonst können die Nachbarn meine Hilferufe nicht hören.
- Was ist jetzt? - Nichts.
Sag nicht, dass das wehtut. Das ist unmöglich.
Nein, ganz im Gegenteil. Es ist sogar angenehm.
Dass du dass noch einmal sagst.
Hätte ich selbst nicht für möglich gehalten.
Es ist wohl einfach so lange her.
15 Jahre, um genau zu sein.
Du weißt ja, ich behandele Leute, die mir nahestehen, nicht.
Vor 15 Jahren kannten wir uns noch nicht.
Jetzt stehen wir uns sowieso nicht mehr nahe,
also geht das schon.
Beim ersten Mal waren wir praktisch Fremde.
Ich kannte dich von diesem Essen und von dem Abend bei Gabriele.
Es war das dritte Mal, dass wir uns gesehen haben.
Ja. Ich dachte immer, das wäre nur ein Vorwand gewesen.
Nein, es war kein Vorwand.
Du wurdest mir empfohlen, darum bin ich gekommen.
Ich könnte nie auf einer Liege eine Frau anmachen.
Da fehlt irgendwie die Augenhöhe. Man kann nur verlieren.
Stimmt, du hast mich nicht angemacht.
Danach ist eine ganze Weile ins Land gezogen.
Aber ich fand immer, dass es ein netter erster Versuch war.
- Gibst du es zu? - Na ja, vielleicht.
Ich hätte auch zu jemand anderem gehen können, aber ich wollte zu dir.
Ich finde, es fühlt sich schon besser an.
Gut, dreh dich um. Jetzt kommt die Vorderseite.
- Was ist? - Muss das sein?
Ja, du müsstest dich auf die A-Seite drehen.
Es wäre besser. Tut dir was weh?
Nein. Es ist nur, dass...
- Was? - Nichts, Marta. Es ist nur...
Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich.
Bitte, lach nicht. Ich komme mir bescheuert vor.
Ich lache nicht, ich lächele nur.
Es muss dir nicht leidtun. Das ist normal.
Du bist nicht der Erste, dem das passiert.
Ach ja? Das hast du nie erzählt. Stört dich das denn nicht?
Das passiert automatisch, wenn man sich entspannt.
Ich hätte einfach nicht gedacht, dass mir so was passiert.
Na ja, in deinem Fall...
ist es vielleicht dein Körper, der sich erinnert.
Der Körper hat ein Gedächtnis. Noch mal Schwein gehabt.
Nicht nur der Kopf erinnert uns an Sachen, die wir vergessen wollen,
auch der Körper.
Was ist los?
Nichts. Ich könnte gerade heulen.
Wieso? Wegen dem ungewollten Ständer? Das ist völlig normal.
Das sind aufgestaute Gefühle, die sich Bahn brechen.
Oder hast du ein schlechtes Gewissen wegen Alessia?
Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen wegen Alessia.
Obwohl es ihr nicht gerade gefallen würde,
was sich hier abspielt.
- Wie bitte? - Sie dreht so schon durch.
Sie ist eifersüchtig auf dich. Sehr.
Sie ist eifersüchtig auf mich? Wie paradox ist das denn?
Das ist ja verkehrte Welt.
Nun, nicht ganz zu Unrecht, wenn man meine Reaktion bedenkt.
Wir bekriegen uns jetzt seit einer Woche,
schlimmer als in "Der Rosenkrieg".
Wir sind seit Tagen hier drin eingesperrt
und streiten uns in einer Tour.
Sie sollte sich das hier mal ansehen, dann verfliegt ihre Eifersucht im Nu.
Mal ehrlich, wegen einer stinknormalen Erektion
müssen wir nun wirklich keine Gewissensbisse haben.
Mir ist nicht deswegen zum Heulen zumute.
Dann verstehe ich es nicht.
Es ist einfach so lange her, dass du mich so angefasst hast.
Ich wusste gar nicht mehr, wie es sich anfühlt.
Ich habe es immer gemocht.
Ich mochte es immer, dich zu spüren. Neben mir.
Nicht unter oder über mir. Das meine ich nicht.
Dich neben mir zu spüren, in meiner Nähe.
- Danke. - Von wegen. Das kein Kompliment.
Zumindest nicht mehr jetzt.
Nein. Du warst nicht da, Marta.
Kam ich ins Bett, hast du dich umgedreht.
Na ja, nach zwölf Jahren Ehe kommt es schon mal vor, dass man manchmal...
Nicht manchmal, und nicht nur im Bett.
Kam ich aufs Sofa, bist du aufgestanden.
Nicht mal beim Essen saßt du noch neben mir.
Du hast es nicht mal gemerkt. Es war, als würde ich dich abstoßen.
Ich habe manchmal im Bett nur aus Spaß
deinen Ellbogen oder dein Bein berührt,
und du bist automatisch weggerückt,
ohne auch nur den Blick vom Buch zu heben.
Ich bin sehr konzentriert beim Lesen.
Mag sein, aber du hast mich nicht mehr in deine Nähe gelassen.
Ich bin den Momenten ausgewichen und in der Kanzlei geblieben,
auch wenn nichts zu tun war, oder ich ging spazieren.
Ja, klar, du gehst allein am Flussufer spazieren,
wenn alle feiern.
Da kannte ich Alessia noch nicht, wenn du darauf hinauswillst.
Du hast es nicht gemerkt. Es ist ein paar Jahre her.
Ich kam spät nach Hause und hoffte, du würdest schon schlafen.
Aber nie hast du schon geschlafen. Du bist einfach immer wach.
Du hast mir gesagt, dass es wegen der Arbeit war.
So war es, aber ich hätte auch weniger arbeiten können.
Ich habe es hinausgezögert,
das Licht auszumachen und mich umzudrehen,
während du weiterliest, ohne Gute Nacht zu sagen.
- Ich habe diesen Moment gehasst. - Wieso hast du nie was gesagt?
Das habe ich doch!
Du sagtest das Gleiche wie gerade:
Nach all den Jahren schläft die Leidenschaft ein.
Aber das stimmt nicht.
Das heißt also, dass es meine Schuld ist,
dass du dir woanders die Leidenschaft gesucht hast?
Ich sage nur, dass du mich anfasst und mir zum Heulen zumute ist.
Weil ich nicht mehr wusste, wie es sich anfühlt.
Das macht mich traurig.
Darum behandele ich keine Menschen, die mir nahestehen.
Vielleicht hätte ich es dir sagen sollen.
Ich hätte deutlicher werden, dich vorher ans Bett fesseln sollen.
Immerhin. Für die Neue hast du das schon mal gelernt.
Und wenn ihr zwölf Jahre lang an einem Tisch gesessen habt,
ausgegangen seid, euch gestritten und versöhnt habt,
Urlaub gemacht habt, Weihnachten und Geburtstage gefeiert habt,
und sie sich dann von dir wegdreht, drehst du sie zurück und sagst ihr:
"Nein, Alessia, Schatz, so funktioniert das nicht.
So nicht, denn so verlieren wir uns."
Sei doch froh.
Die Erfahrung lehrt uns, nicht die gleichen Fehler zu machen.
Und du fandest das in Ordnung?
Dachtest du, dass wir glücklich sind? Dass wir ein erfülltes Leben führen?
Wir sind sehr glücklich gewesen.
Ich dachte, davon hätten wir noch wer weiß wie lange zehren können.
Niemand kann von der Gewohnheit zehren.
Ich habe immer gedacht,
dass wir den Lebensabend miteinander verbringen.
Ich habe immer gedacht, dass wir zusammen alt werden.
Da habe ich mich wohl getäuscht.
Aber ich bin immer noch hier. Du bist schon irgendwo anders.
SECHSTER TAG
Marta!
Marta! Bitte!
Hilf mir, Marta! Kannst du bitte mal kommen?
Oh mein Gott.
- Diesmal war es wirklich schlimm. - Es ist immer wirklich schlimm.
Diesmal ist es wirklich schlimm. Mein Arm tut höllisch weh.
Ich spüre ein Brennen hier. Und mein Magen ist ganz schwer.
- Atme tief durch. - Ich kriege keine Luft.
Atme tief ein und aus. Du weißt schon, wie das geht.
Beruhige dich und atme tief ein und aus.
Na also. Geht doch.
Und wenn dir das mit der Tussi passiert?
Mit der Tussi ist mir das noch nie passiert.
Dann sind deine Panikattacken meine Schuld?
- Du hilfst mir nicht sonderlich. - Dann komm doch allein klar.
- Gute Nacht. - Nein, entschuldige bitte.
Okay, es tut mir leid. Ich sage das nicht mehr.
Es ist einfach... Wir haben den ganzen Tag gestritten.
Mir geht's schlecht. Ich bin erledigt, verstehst du?
Glaubst du, mir macht das Spaß? Na los, atme weiter.
Wärst du nur nicht ans Telefon gegangen.
Hör doch auf damit.
Ich habe ihr nur gesagt, dass du schläfst,
weil du Rückenschmerzen hast.
- Und dass du mich massiert hast. - Ich bin ja auch Osteopathin.
Ich bin keine Technikerin. Das ist mein Beruf.
Deine Freundin ist durchgeknallt, dafür kann ich nichts.
Ich war schon auf dem Balkon, aber nichts hilft.
Ich habe versucht, dich nicht zu rufen.
- Aber es ging nicht weg. - Schon klar.
- Es ging nicht weg. - Hast du schon gesagt.
Aber jetzt gib dir Mühe, damit es aufhört.
Konzentrier dich. Wir können nicht ins Krankenhaus.
- Vergiss es. - Das macht es nur noch schlimmer!
Zu wissen, dass ich nicht ins Krankenhaus kann.
Hör mal, Lorenzo. Jetzt konzentrier dich mal.
Sammele dich und atme.
Denk an all die Male, die wir im Krankenhaus waren.
In der Notaufnahme kannten sich dich mit Namen
und haben dich direkt durchgewunken.
Und nicht einmal, kein einziges Mal, haben sie dir etwas anderes gesagt.
Vielleicht haben sie sich immer geirrt.
Vielleicht ist es heute so weit, und ich kriege doch einen Infarkt.
Lorenzo, das ist kein Herzinfarkt, sondern eine Panikattacke.
Also bitte, atme einfach weiter.
Prima, weiter so.
Diese Stille. Hörst du diese Stille? Sie ist ohrenbetäubend.
Es gibt ein Lied darüber, "La voce del silenzio".
Das ist von Mina.
- Sing es. - Vergiss es.
Einmal hast du es gesungen, und es ging mir direkt besser.
- Sing es. - Hör mir genau zu.
Ich werde es dir nicht vorsingen. Auf keinen Fall. Verstanden?
Nein, das waren andere Zeiten.
Damals haben wir füreinander Dinge getan.
Verrückte Sachen. Ich habe gesungen, obwohl ich total unmusikalisch bin.
Das war einmal. Wir sind im Jetzt.
Das sind zwei voneinander getrennte Welten.
Atme ganz ruhig.
Ich habe eine Sirene gehört.
Dann habe ich an Gabriele gedacht.
Dann habe ich beides verbunden.
Er ist ganz allein im Krankenhaus. Und wenn er nicht überlebt?
Gabriele überlebt bestimmt. Er ist stark, der schafft das.
Lass Gabriele. Das bringt dich jetzt nicht weiter.
Mach das nicht, bitte.
Weißt du noch, wo wir waren,
als ich dir das Lied vorgesungen habe?
- Nein. - Weißt du das nicht mehr?
Wir waren am Grand Canyon angekommen, einem der sieben Weltwunder.
Da wollte ich schon als kleines Mädchen hin.
Wir hatten gerade die Ferienwohnung betreten, da meintest du:
"Ich kriege eine Panikattacke."
Du meintest, dass es in dieser abgelegenen Gegend
keinen Handyempfang gibt,
dass die Welt hier wie ausgestorben wirkt.
Der Ort war der reinste Horror und sollte für Empfindsame verboten.
Sag bloß, du kannst dich an den Ort erinnern.
Wir sind noch am Abend abgereist, sonst wärst du durchgedreht.
Ich habe keinen Fels gesehen, keine Kuppe, keinen Hügel,
keine zwei Steine, geschweige denn eine Schlucht.
Nichts habe ich gesehen.
Der Grand Canyon reizt mich immer noch.
Eigentlich muss ich da noch mal hin. Weißt du was?
Ich lege Scarletts Schwur ab.
Ich schwöre, jetzt, so wahr ich hier stehe,
dass ich zum Grand Canyon zurückkehre.
Allein oder in Begleitung: Wenn es wieder geht, fahre ich dahin.
Scarletts Schwur fand ich eigentlich schon immer lachhaft.
Hat sie ihn denn gehalten?
- Wer? - Scarlett. Hält sie den Schwur?
Kennst du "Vom Winde verweht"?
- Ja. Ich musste ihn mit dir sehen. - Eben!
Na klar, ich kenne ihn auswendig.
"Auswendig"! Herr, verzeih ihm, er steht neben sich.
Das ist der Satz! Tara. Die Plantage.
- Tara? - Ach, schon gut.
Weißt du noch, wohin du mich nach dem Grand Canyon geschleppt hast?
Ja. Du wolltest nicht, aber dann hast du es mir gedankt.
Trotz deiner Vorurteile, Las Vegas wäre ja total prollig,
da wäre viel zu viel los, und es gäbe nur furchtbare Leute.
- Und dann? - Es war total prollig. Sei ehrlich.
Ich habe immer noch das Bild vor mir,
wie du zwischen den Säulen aus künstlichem Marmor
unter der beweglichen Statue von Julius Cäsar
wie eine Süchtige am Automaten festklebst.
- Du wolltest nicht mehr weg. - Wir hatten ein System.
Einer ich, einer du, und einer zusammen.
- Und wir haben gewonnen. - Ja, Jackpot.
- Wie viel Euro haben wir gewonnen? - Viel.
- 2.000? - Mehr. 2.500 Euro.
Und wir haben Champagner gekriegt.
Und wir hätten noch viel mehr haben können.
Im Nachhinein frage ich mich schon, wieso haben wir es nicht gemacht?
Das glaube ich jetzt nicht. Auf Knien habe ich dich angefleht.
Als wärst du eine Heilige, Marta.
Das war absichtlich. Ich wusste, dass du dich aufregst.
- Ja, klar. - Du bist nie darüber hinweggekommen.
Ich über den Grand Canyon und du über den Dreier mit der Blondine.
Grundgütiger. Wir waren sturzbetrunken.
Ich habe dieses grüne Paillettenkleid gekauft,
das ich nie wieder anhatte.
Wilde Nächte in Vegas. Hat nur gefehlt, dass wir heiraten.
Wir haben kurz überlegt.
Aber dann dachten wir, wozu? Wir sind doch schon verheiratet.
Damals lief es zwischen uns so super, wir konnten uns alles erlauben.
Auch den Dreier, den du mir nicht zugestanden hast.
Aber es war nicht deswegen.
Unsere Beziehung hätte es ausgehalten.
Und warum dann?
Ich hatte Angst vor dem Vergleich. Sie war wirklich schön.
Aber du warst viel sexyer.
- Ehrlich? - Und wie! Aber ja.
Das grüne Kleid stand dir so gut. Schade, dass du es nicht mehr trägst.
Und außerdem weiß ich noch ziemlich gut,
wie es schwer war, es auszuziehen.
Ich weiß noch, wie ich es dir ausgezogen habe.
Geht's dir besser?
Ja.
Auch dieses Mal werde ich nicht sterben.
Das glaube ich auch.
- Also dann, gute Nacht. - Ja.
- Marta? - Ja?
Weißt du noch, wie diese Nacht geendet hat?
Ja.
SIEBTER TAG
Du musst dir diese Verfilmung von "Emma" ansehen.
Gut?
Also, die Besetzung ist wirklich gut gewählt,
und so sehr eingestaubt ist das Thema gar nicht.
Das wäre auch was für Teenager. Ein schöner Film.
Schön, dass er dir gefallen hat.
Sieh ihn dir an. Ich habe ihn für 48 Stunden gemietet.
Okay. Morgen vielleicht.
- Du wirst ihn dir nicht angucken. - Ist es wichtig?
Nein, wichtig nicht. Er hat mich auf andere Gedanken gebracht.
Bei all den Sorgen über Gabriele könnte dir das guttun.
So ein Film hilft mir nicht. Ich bringe lieber das in Ordnung.
Heute kann ich nicht arbeiten.
Schon komisch.
Als wir uns kennengelernt haben, bist du gern ins Kino gegangen.
Wir haben uns die Retrospektive von Kurosawa im Sala Trevi angesehen.
"Heimat 2", "Habemus Papam" in Anwesenheit von Nanni Moretti.
Ja, ja.
Aber dann hat es dich nicht mehr interessiert. Komisch, oder?
- Was ist denn? - Nichts.
- Du hast gerade was gedacht. - Ja, lass gut sein.
Im Ernst.
Du warst kurz davor, was zu sagen, aber dann hast du es doch gelassen.
Nein, Marta.
Aber ich kenne dich, das wirst du wohl nicht abstreiten.
So schlimm wird es nicht sein.
- Es ist auch nichts Schlimmes. - Dann sag es mir doch.
- Nein, es ist nur... - Los, raus damit.
Nein, nur dass...
Immer, wenn wir im Kino waren, war mir der Film eigentlich egal.
Das hat mich nie groß interessiert.
Wenn dir Eiskunstlauf gefallen hätte, wären wir dahin gegangen.
Hätten dir Pferderennen gefallen, hätten wir uns die angeguckt.
Das verstehe ich nicht.
Damals bin ich mit dir dahin gegangen,
wo du hinwolltest.
Ich stand auf dich.
- Inwiefern? - Wie man eben auf jemanden steht.
Du hast von Moretti geredet, und ich habe nur darauf gewartet,
dass wir nach dem Film und dem ganzen Palaver vögeln.
Auch bei unserem zweistündigen Gespräch über "Zeit der Unschuld",
als wir spazieren waren?
Auch, ja, ich dachte immer daran,
dass wir danach nach Hause gehen und ich dich vernaschen kann.
Was soll das heißen?
Also, ich muss ehrlich sagen,
das hätte ich nie gedacht.
Du wirkst irgendwie erfreut.
Ich fühle mich geschmeichelt.
- Geschmeichelt? - Ja.
Du willst mir erzählen,
dass es mal eine Zeit oder sogar Jahre gab,
wo dir alles um dich herum egal war,
weil du mich so sehr körperlich begehrt hast.
Das ist was Schönes. Ich finde das schön.
Du findest das schön?
Du fühlst dich geschmeichelt, weil ich,
anstatt mir "Rashomon" anzusehen und mir deine Filmanalyse anzuhören,
nur an deine Titten dachte?
Nun ja, das war zu einer Zeit, als wir zwei...
Ich fasse es nicht!
Und ich hatte Schiss, dass du es rausfindest.
Wir haben 15 Jahre lang den Feminismus durchgekaut,
den Postfeminismus, die Vermarktung des weiblichen Körpers.
Frauen haben ein Recht auf Selbststimmung.
- Die Frau ist mehr als ein Körper... - Was hat das damit zu tun?
Und jetzt finde ich raus, wie egal es dir war,
dass ich dir damals nicht zugehört habe.
Du hättest mir auch die Primzahlen oder Zungenbrecher aufsagen können,
ich hätte dir nicht zugehört.
Und das findest du schön?
Das hat doch nichts damit zu tun, dass ich Feministin bin.
Das meine ich auch nicht. Es ist was Persönliches.
Ich habe dich unterstützt,
ich bin mit dir zu den Frauenprotesten gerannt.
Ich stand als einziger Mann während der drei Schweigeminuten neben dir.
Alle Frauen haben mich komisch beäugt, manche auch mit Hass.
Was redest du da?
Zunächst einmal,
du warst ganz bestimmt nicht der einzige Mann dort.
Es hat mir viel bedeutet, dass du da warst.
Und niemand hat dich mit Hass angesehen.
Das ist deine Paranoia.
Ja, ist klar. Es hat dir was bedeutet.
Und ich bin froh, dass ich dabei sein konnte.
Wie blöd ich war.
Und jetzt findest du die Tatsache, dass ich drei Jahre lang vor allem...
Dass du mit mir ficken wolltest, sag schon.
...mit dir ins Bett wollte, sogar noch schön.
Tja, soll ich das jetzt bedauern? Keine Ahnung.
Jetzt findest du es schön.
Hätte ich dir das vor 15 Jahren gesagt,
dass ich gewisse Dinge nur gemacht habe,
um dich ins Bett zu kriegen, wärst du ausgeflippt.
- Weiß nicht. - Das weißt du nicht?
Stell dir vor, ich hätte gesagt: "Marta, jetzt sei endlich still.
Kurosawa ist mir scheißegal Lass uns endlich bumsen."
- Du hättest keine Szene gemacht? - Damals vielleicht.
Heute finde ich es schön. Willst du mich jetzt kreuzigen?
Nein, natürlich nicht.
- Der Widerspruch fällt mir nur auf. - Welcher Widerspruch?
Ich sage das im Nachhinein.
Ich bin jetzt 46.
Und zu wissen, dass du, als ich 31 war,
so auf mich gestanden hast, finde ich nicht schlimm.
Meinetwegen. Ich würde mal darüber nachdenken.
Du solltest mein Verhalten kritischer sehen und dich nicht freuen.
Ist es bei Alessia genauso?
- Was hat Alessia damit zu tun? - Sag mal, ist es bei ihr auch so?
Dass sie redet, und du sagst brav "Ja, ja",
nur um sie ins Bett zu kriegen?
Ja, bei Alessia ist es genauso.
Ich verallgemeinere nur ungern, aber es ist wohl was dran,
dass die Männer nur mit ihrem Schwanz denken.
- Das habe ich nicht gesagt. - Nein, ich sage das.
- Das passiert nicht so automatisch. - Unfassbar.
Echt unfassbar. Bei so was könnte ich ausflippen.
Logisch! Es sollte mich nicht überraschen.
Nach 15 Jahren, in denen wir alles geteilt haben,
kommt eine, auf die du stehst, und du lässt alles stehen und liegen.
- So war das nicht. - Doch!
Darf ich dich daran erinnern, dass du dich vor fünf Minuten
noch darüber gefreut hast?
- Na und? - Das nennt sich Doppelmoral.
Bleib bei deinem Standpunkt.
Bei dir ist alles immer so einfach. Das Leben ist komplex.
Es ist voller Graustufen. Ich bin eine komplexe Frau!
- Nein, du bist widersprüchlich. - Wo ist denn der Widerspruch?
Der Gedanke daran, dass ich mit 30 körperlich begehrt wurde,
gefällt mir.
Der Gedanke, dass du jetzt eine andere begehrst,
macht mich rasend.
Und wo ist da jetzt der Widerspruch?
Nein, ich will darauf hinaus, dass Prinzipien eine Sache sind
und das reale Leben eine andere.
Ich hätte bei deiner Vergangenheit und deinem Engagement nicht erwartet,
dass es dich freut, wenn ich deinen Arsch geil finde.
- Und was lernen wir daraus? - Nicht zu pauschalisieren...
Nein, dass ich ein Mensch bin.
Dass mir so was Banales und Oberflächliches,
wie dass du mich geil fandest, gefallen kann,
während es meinen Intellekt beleidigt,
nur als Sexobjekt gesehen zu werden.
Das ist kein Widerspruch, das gehört zusammen.
Dazu gehört auch, dass die Zeit, in der du auf mich gestanden hast,
nur noch in der Erinnerung existiert.
Ich bin jetzt 46 Jahre alt und nicht mehr 31.
Toll gemacht, echt. Du denkst, du hast mich entlarvt.
Dabei hast du nur gezeigt, wie grausam du bist.
Tut mir leid, du hast ja recht.
Es ist nur eine Erinnerung. Es war blöd, es aufzubauschen.
Nein, nein. Es ist wahr. Du hast es auf den Punkt gebracht.
Du bist ein kluger Mann. Das wusste ich schon immer.
Ich finde es allein grausam, dass du mich jetzt daran erinnerst,
wo du mich für eine andere verlässt, auf die du mehr stehst.
Ich wollte dich ein bisschen ärgern.
Ich meine, zum Beispiel Kurosawa. Den habe ich immer gemocht.
Und was du damals über das Ende von "Die sieben Samurai" gesagt hast,
ich weiß es noch genau...
Marta?
ACHTER TAG
- Ich glaube, ich kann nichts essen. - Komm schon.
Gabrieles Gesundheitszustand hat doch nichts damit zu tun,
wie viel du isst.
Das weiß ich auch, danke. Behandele mich nicht wie ein Kind.
Lorenzo, wir feiern hier nichts.
Wir machen nur ein nettes Essen, weil eine Woche rum ist.
- Danke fürs Kochen. - Habe ich gern gemacht.
Genug jetzt. Wir essen seit einem Jahrzehnt zusammen.
Lass uns nicht streiten. Das packe ich jetzt nicht.
Nein, kein Streit. Versprochen.
- Uns ging es immer gut hier, oder? - Ja, fast bis zum Schluss.
Nein, es ging uns immer gut. Es ist eine schöne Wohnung.
Es gibt Hunderte, die schöner sind, aber diese war für uns perfekt.
Oder nicht? Ich ziehe hier nicht gern aus.
Musst du jetzt davon anfangen? Gabriele hängt am Beatmungsgerät.
Willst du, dass ich mich schlecht fühle?
Nein, das sollte keine Beschwerde sein.
Es ist einfach eine Tatsache.
Aber das hat ja alles noch Zeit. Du kannst auch hierbleiben.
Wir finden schon eine Lösung.
Ich verkaufe dir meine Hälfte, oder ich kann sie dir schenken.
Das hat alles noch Zeit.
Danke, aber darum geht's nicht.
Worum dann? Würde dich die Erinnerung hier verfolgen?
Wir reden hier nicht vom Gespenst von Canterville.
Und selbst wenn ich wegziehe, denke ich immer noch an uns.
Ich würde es einfach gern machen.
Etwas geht zu Ende, aber gleichzeitig sollte es auch ein Neuanfang sein.
Machst du das jetzt aus Trotz?
Nein, Augenblick mal.
Ich weiß, dass das schwierig ist, aber denk mal kurz nicht nur an dich.
Bisher hat sich in meinem Leben alles um dich gedreht.
Das ändert sich jetzt.
Ab sofort dreht sich in meinem Leben alles um mich.
So wie es in den amerikanischen Ratgebern steht.
Ich will in eine neue Wohnung in einer neuen Gegend.
Natürlich ist das schmerzhaft,
aber das Ganze hat auch was Schönes, etwas Abenteuerliches.
Nun ja.
- Was ist? - Ach, nichts.
Ich warte auf den Haken.
Du irrst dich.
Der Gedanke an Veränderung stimmt mich fröhlich.
- Wirklich? - Ja, wirklich.
Im Ernst.
Weißt du schon, in welches Viertel du willst?
Monti, San Saba oder Testaccio.
In Monti würde ich in der Nähe von Serena und Papa wohnen.
Das ist ein Vor- und Nachteil.
Ich will was Großes, so groß wie das hier.
Irgendwas Schönes. Vielleicht finde ich was zur Miete.
Aber du warst immer gegen Miete
und wolltest eher einen Kredit abbezahlen.
Und jetzt willst du mieten?
Ja, aber dann habe ich mir gedacht,
wem werde ich diese Wohnung mal vererben?
Oder? Dann miete ich mir doch lieber eine schöne große Wohnung,
deren Kauf ich mir nie leisten könnte.
Glaub mir doch.
Das meine ich jetzt ganz ohne Groll.
Ehrlich, ich freue mich darauf.
- Glaubst du mir? - Ja, ich glaube dir.
Das ist wichtig.
- Und du ziehst zu Alessia? - Fürs Erste, ja.
Von da aus werden wir uns was Größeres suchen.
Sie wohnt auf 40 Quadratmetern.
Zwar mit einer Zwischenebene, aber eben nur auf 40 Quadratmetern.
Stell dir vor, wir treffen uns.
Damit müssen wir rechnen, in ein und derselben Stadt.
Nein, ich meine, mit dem Makler in einer Wohnung.
Hoffentlich nicht.
- Da müssen wir dann darüberstehen. - Das meine ich nicht.
Wenn wir dieselbe Wohnung wollen, kriegst du sie.
So war das auch damals bei dieser.
Was habe ich denn gemacht?
Du bist zum Eigentümer gegangen und hast ihm weniger geboten,
als er haben wollte.
Du hast ihn angefleht, dass du unbedingt diese Wohnung willst,
denn ohne sie würdest du sterben.
Nein, so war das nicht.
Ich habe dem Eigentümer gesagt,
dass ich schon vor dem Kauf wusste, ich würde hier drin glücklich werden.
Und genauso ist es gekommen.
Irgendwie ist mir mulmig bei dem Gedanken,
dass wir von nun an getrennt sind.
Ich habe es mir gründlich überlegt und keineswegs leicht gemacht,
aber es war ein abstrakter Gedanke, etwas Hypothetisches in der Zukunft.
Und jetzt ist es so weit.
Ja.
Aber letztendlich ist es nichts Schlechtes.
Man braucht nur ein wenig Mut.
Du wusstest es vor mir.
Mal ehrlich, wir trennen uns nicht wegen Alessia.
Wir trennen uns, weil wir uns nicht mehr lieben.
Oder weil es mit uns nicht mehr funktioniert.
Das haben nur wir zu verschulden. Wir haben unser Bestes gegeben.
Ja, aber es ist komisch.
Ja, es ist komisch.
Werd jetzt nicht sentimental. Bitte.
Das ist zwar alles traurig, aber es hat auch eine schöne Seite.
Alles hat auch eine schöne Seite.
Selbst ein tödlicher Hurrikan hat auch eine schöne Seite.
Das heißt nichts.
Ist das bescheuert?
Wahrscheinlich, ja.
NEUNTER TAG
Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich bin ja so froh.
Ich sage es gleich Marta.
Ja, ich bin noch ein paar Tage hier, und dann gehe ich.
In Ordnung.
Alles klar, ja, ja.
Tschüss.
Marta?
- Ja? - Gabriele wird nicht mehr beatmet.
- Es geht bergauf. - Ja, habe ich gehört. Schön.
Was soll das?
Na, ich freue mich. Ich dachte, wir können es feiern.
Okay, aber lieber nicht.
- Aber letzte Nacht war schön. - Gestern war gestern.
- Was soll das heißen? - Dass sich nichts geändert hat.
Du hast eine Geliebte, wir trennen uns,
und du ziehst aus, wie du gerade eben gesagt hast.
Dann war letzte Nacht...
Es war eine Ausnahme, dass wir miteinander geschlafen haben.
Aber du ziehst das Bett ab, Marta!
So ist es mir lieber, verstehst du?
Gestern war gestern, heute ist heute, na und?
Ich habe es aus Mitleid getan, okay? Entschuldige mich.
Hey, Marta.
Was soll das? Spinnst du?
Nein, und wo wir gerade dabei sind, könnten wir ja die Bücher aufteilen.
Nicht, dass du kommst, wenn ich nicht da bin,
und Sachen mitnimmst, an denen ich hänge.
Müssen wir jetzt die Bücher aufteilen?
Ja. Plappere mir nicht alles nach. Das nervt mich tierisch. Na los.
Na schön, von mir aus.
- Hier drüben steht schon dein Kram. - Das ist kein "Kram".
Das sind meine Romane
und Erzählungen, die in Filmen und TV-Serien adaptiert wurden.
- Ich habe sie alle zusammengestellt. - Wann?
Als ich angespannt war. Was weißt du schon?
Vielleicht warst du unter irgendeinem Vorwand gerade Alessia bumsen.
Möglich. Wenigstens warst du produktiv.
- Genau. - Na dann.
Romane, die verfilmt wurden.
Was es bringt, einen Film zu sehen, zu dem man das Buch gelesen hat?
Du weißt doch schon alles.
Und dann rennst du ins Kino und hast Angst, was zu verpassen.
Es ist doch egal, dass ich schon alles weiß.
Mich interessiert die Interpretation. Du bist echt ein Banause.
Ich bin kein Banause. Ich weiß, was eine Interpretation ist.
Aber irgendwann ist genug.
Du kennst sechs Verfilmungen von "Stolz und Vorurteil".
Es sind vier Verfilmungen, und alle sind anders.
Aber das Ende ist immer gleich: Sie kommen zusammen. Oder nicht?
Und du weißt nicht, dass Napoleon auf St. Helena starb,
dass Jeanne d'Arc lebendig verbrannt, Kennedy erschossen,
und Martin Luther King umgebracht wurde?
Du liest Biografien von toten Leuten, wo auch klar ist, dass sie sterben.
- Ja, na und? - Das ist doch dein Argument.
Was zählt, ist nicht dass es endet, sondern wie.
- Deprimiert dich das nicht? - Was?
Deprimiert es dich nicht,
dass die alle ein interessanteres Leben hatten als du?
- Nein. - Das sollte es aber.
Zum Beispiel das hier: Agassi. Der hat irgendwelche Titel gewonnen.
Was hast du erreicht?
Agassi hat nicht irgendwelche Titel gewonnen.
Er hat 60 ATP-Turniere und acht Grand Slams gewonnen.
- Keine Ahnung, was das ist. - Dann rede nicht darüber.
Aber er hat eine Menge gewonnen. Darauf wollte ich hinaus.
Dich wollten sie nicht mal im Schwimmteam haben.
Na und? Ich schwimme doch nicht, um zu gewinnen.
Ja, aber nur, weil du nicht ins Team gekommen bist.
Nein, sondern weil ich das so will, okay?
Außerdem weiß jeder, der mich kennt,
dass mein Bedarf an Wettbewerb mit dir bereits gedeckt ist.
- Stephen King? - Meine.
Nein, "Shining", "Sie"
und die Sammlung mit "Die Leiche" gehören mir.
Die stehen hier bei den Verfilmungen.
Wunderbar, toll gemacht. Ich gratuliere dir.
Die Bücher von Morante, Atwood und Tyler gehören auch mir.
Behalt sie ruhig.
Du solltest mal eine Autorin lesen und nicht nur Autoren.
Vielleicht verstehst du dann mehr über die weibliche Seele.
Ein bisschen was weiß ich.
Immerhin ziehe ich nicht aus, um keusch in einem Kloster zu leben,
sondern weil ich zu einer anderen Frau ziehe.
Tut mir leid.
Es stimmt. Du hast recht.
Pass auf, entscheide du das. Ich werde mich damit abfinden.
Nein, du bleibst hier.
So hast du es immer gemacht. Es reicht.
Was gemacht? Ich habe dir Freiheit gegeben.
Freiheit? Du hast dich aus der Verantwortung gestohlen.
Ich habe die Wohnung renovieren lassen,
ich habe den Kredit ausgehandelt,
sogar die Bücherregale habe ich ausgesucht.
Nerv nicht, Marta! Na gut, weiter geht's.
"Die Geschichte der Musik" gehört mir.
Na sicher. Weißt du was?
Dann behalte ich wohl die Essays übers Kino und alles über Truffaut.
Wie gesagt, such dir die Sachen aus. Mir ist alles recht.
- Carver? - Gehört dir. Habe ich dir geschenkt.
Ich weiß.
"Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden".
- Das war ein Geburtstagsgeschenk. - Nein.
Das ist aus einer Zeit, als du mir einfach so Geschenke gemacht hast.
"21. Februar 2010". Da waren wir zwei Jahre verheiratet.
- Ah ja, siehst du? - Was?
Die Widmung.
Du kannst mir nicht vorwerfen, dass ich nicht aufmerksam war.
"Für meine Frau und vor allem für meine beste Freundin."
Na und?
Ich hätte es wissen müssen. Nach gerade mal zwei Jahren.
Was hättest du wissen müssen?
Ich war schon von der Liebhaberin zur Freundin gesunken.
Ich war für dich schon komplett asexuell.
- Hat nicht lange gedauert. - Was redest du da, Marta?
Ich nicht. Du hast es geschrieben, vor zehn Jahren.
Ich war quasi schon zur Freundin geworden.
Zur besten Freundin, keiner normalen Freundin.
Das hätte noch gefehlt.
Aber ich habe noch nie davon gehört,
dass man die beste Freundin Tag und Nacht durchvögeln will, oder?
Wenn du so bist, glaube ich, du kapierst nichts.
Weder das hier noch irgendetwas anderes.
Du verstehst einen Scheißdreck vom Leben!
Nein, nein, ich verstehe alles, nur meistens etwas später.
Hätte ich nur damals verstanden, dass es der Anfang vom Ende war!
Marta, als ich das geschrieben habe, war ich verrückt nach dir.
Schon klar.
Wieso verstehst du das nicht? Welcher Mann will das nicht?
Eine Frau, die er liebt, mit der er Sex hat,
der er alles anvertrauen kann.
Meine Frau und meine beste Freundin in einer Person!
Eine schönere Liebeserklärung gibt es gar nicht!
Dass du das nicht verstehst,
beweist nur, dass du es nicht verdient hast.
Ich sollte dieses Buch eigentlich mitnehmen.
Aber hier, nimm es, und bete zu Gott,
dass du noch mal einen findest, der dich so liebt wie ich!
Das ist nämlich sehr schwer.
Lorenzo?
- Meine Lippe blutet. - Ja.
Und das freut dich.
Du hast einen Hang zur Gewalt, wenn du nicht weiterweißt.
Aber das nehme ich in Kauf,
solange du kapierst, dass du nur Scheiße redest.
Ich hole mir Eis.
ZEHNTER TAG
Was denn?
- Ich dusche gerade. - Das sehe ich.
- Findest du das normal? - Was denn? Entschuldige.
Dass du hier reinkommst, als wäre ich gar nicht hier.
Ich kenne dich in- und auswendig.
Und ich habe neulich Abend sogar einiges aufgefrischt.
Das lässt mich völlig kalt. Ich werde dich schon nicht verführen.
So habe ich das auch nicht verstanden.
Gut. In drei Tagen gehst du sowieso.
- Genau das ist das Problem. - Dass ich dich nicht verführen will?
Nein. Das ist das Problem, das alles getötet hat: du.
Ich?
Ja, dass du dich so an mich gewöhnt hast.
Dass du ins Bad kommst, während ich pinkele,
oder schlimmer, auf dem Klo sitze.
- Das hast du ständig gemacht. - Das nennt sich Intimität.
Das passiert, wenn man viel Zeit miteinander verbringt.
Für die meisten ist das ganz normal.
Und sogar angenehm. Sie wollen es sogar so haben.
Intimität ist etwas anderes.
Intimität ist es, wenn...
Gerade fällt mir nichts ein, aber es ist bestimmt nicht,
in die Privatsphäre des anderen einzudringen.
Wir spielen nicht Risiko. Ich greife gerade nicht dein Kamtschatka an.
Wir leben zusammen. So läuft das unter Erwachsenen.
Sie verbringen jeden Tag zusammen,
und die Bedürfnisse des einen passen sich an die des anderen an.
Ja, ist klar. "Bedürfnisse".
Was war gerade dein Bedürfnis, das nicht warten konnte?
- Mein Gesicht zu reinigen. - Geht das auch genauer?
- Was geht dich das an? - Antworte mir.
Ich nutze Thermalwasser,
um mein Gesicht von Schmutzrückständen zu reinigen.
Welcher Schmutz? Du warst nur zu Hause.
Meinst du, vom Kochen?
Das ist meine Sache. Lass mich einfach.
Freu dich, denn von nun an bleibt dir das erspart,
da Alessia das nicht macht.
Mit 50 sieht ihre Haut schlimmer aus als die des Indianers aus dem Film,
dem Mörder mit der Bohrmaschine.
Schäm dich.
Das war nur ein Witz.
Wie kannst du darüber Witze machen? Im Ernst, Marta.
Das war nicht nett. Ich nehme es zurück. Tut mir leid.
Dusch dich ab und zieh dich an.
Wieso? Wenn dich das doch angeblich kaltlässt.
Das hast du doch gesagt.
Ja, richtig. Das macht mir überhaupt nichts.
Ich weiß gar nicht, wieso du dich so aufregst,
nach zwölf Jahren Ehe.
Ich sehe es als völlig normal an,
ins Bad zu kommen, während du duschst.
Du wolltest damals kein zweites Bad, als wir die Wohnung umgebaut haben.
Also fass dir an die eigene Nase.
Hör auf, vom Thema abzulenken und alles durcheinanderzubringen.
All die Jahre kamst du ins Bad, egal ob ich gerade auf dem Klo saß,
mir ein Zäpfchen eingeführt oder meine Hämorrhoiden behandelt habe.
Du kommst einfach rein
und schmierst dir Anti-Frizz-Balsam in die Haare.
- So ist es doch. - Was willst du mir sagen?
Ich versuche, dir begreiflich zu machen,
dass du unsere Liebe getötet hast, unsere Leidenschaft, einfach alles.
Aus uns sind Mitbewohner geworden, die darüber streiten,
wer die Rechnungen bezahlen muss.
Für die Rechnungen haben wir 2015 Lastschriften eingerichtet.
Sie werden automatisch abgebucht.
Du willst mir die Schuld geben,
dass du mich für eine andere verlässt.
Wenn du anders wärst, hättest du das alles akzeptiert.
Denn weißt du was? Liebe ändert sich.
Aus ihr wird Vertrauen, gegenseitiges, tiefes Verständnis.
Die Leidenschaft mag vergehen, aber sie ist eh total überbewertet.
Für dich vielleicht. Aber nicht für alle anderen.
Was soll ich machen?
Soll ich mir schwarze Dessous kaufen oder einen Latexanzug mit Peitsche?
Muss das sein?
So stellt man sich nicht dem Wandel einer Beziehung.
Erwachsene Menschen nehmen die Veränderung in Kauf.
Sie haben ein höheres Ziel,
das tiefer geht als der Zauber des Anfangs.
Man kann nicht beides haben. Schon keinen ständigen Zauber.
Dann ist der Zauber auch überbewertet.
Red keinen Scheiß!
Einen Monat, höchstens zwei. Wie lange hält der Zauber an?
Der ist schnell vorbei.
Eigentlich ist es besser.
Weniger Stress, weniger Heuchelei, mehr Ehrlichkeit zwischen Partnern.
Findest du nicht?
- Weißt du was, Marta? - Was?
Du meintest, du wärst traurig,
weil du dachtest, dass wir zusammen alt werden.
Ich habe schlechte Neuigkeiten.
Wir sind schon alt.
Wir sind zusammen alt geworden, als hätte unsere Ehe gehalten.
Das ist das, was wir erreicht haben.
Das vorzeitige Altern und keine Intimität.
Ich gehe nicht frühzeitig.
Ich verlasse die Partnerschaft zweier 80-Jährigen.
Was redest du für einen Scheiß?
- Übernimm Verantwortung. - Damit du dich besser fühlst?
Geh raus, dann fühle ich mich besser.
Nein, ich gehe nicht.
Von mir aus kannst du hier nackt stehen,
bis du dir eine Lungenentzündung holst.
Also echt mal.
Hey, was soll das?
Dein Ding drückt gegen meinen Po. Was soll das?
Ich genieße den Moment.
Ich will mich für immer daran erinnern.
Und immer, wenn ich unsere gescheiterte Ehe bedaure,
will ich daran denken, wie ich hier nackt stand,
während du dir irgendeinen imaginären Schmutz weggewischt hast.
Das ist es, was wir sind.
Das ist aus uns geworden. Das hier.
Schön für dich, dass du ohne Schuldgefühle gehst.
Mir ist egal, ob mit oder ohne Schuldgefühle:
Hauptsache, du verziehst dich von hier!
Na schön, ich gehe jetzt.
Ich bin fertig. Nicht, weil du es gesagt hast.
ELFTER TAG
- Siehst du? So geht das. - Das war wirklich nicht nötig.
Das hätte auch noch mal zehn Jahre gehalten.
Ich beschäftige mich gern mit so was. Dann komme ich mir nützlich vor.
Das muss ein neues Gefühl sein. Jetzt verstehe ich es.
Et voilà!
Seit wann drückst du deine Freude auf Französisch aus?
Nein, wag es ja nicht.
Mein Französisch war schon immer gut, auch bevor ich Alessia kannte.
Schön, oder?
Du bist komisch.
Wieso komisch? Nein.
- Ich finde, du bist komisch. - Nein, nein.
Es tut mir leid, Marta. Die ganze Sache tut mir leid...
- Wieso? Was tut dir leid? - Alles.
Alles. Auch, dass du allein in diesem Bett schlafen musst.
Nicht für immer, meine ich.
Ich wünschte, es wäre anders zu Ende gegangen.
Tut mir leid.
Glaubst du, ich hätte es besser gemacht,
wenn mir das passiert wäre?
Ja. Ihr Frauen macht das...
Wir Frauen...
- Lass mich ausreden. - Na gut.
Ich glaube, ihr Frauen seid besser.
Ihr habt ein Gespür für so was.
Ihr behaltet einen kühlen Kopf und baut nicht solche Scheiße.
Alessia ist auch eine Frau,
und ihr Kopf war nach vorn gerichtet wie der eines Velociraptors.
Nun ja, sie war nicht in einer Beziehung.
Du willst also sagen,
dass nur verheiratete Frauen einen kühlen Kopf bewahren.
Ja, so was in der Art.
Ist dir jemals der Gedanke gekommen,
dass es in all den Jahren Versuchungen für mich gab?
Ja, sicher.
Das sagst du jetzt, das denkst du nicht.
Doch. Wieso sagst du das?
- Nein. - Ja. So wie für uns alle.
Ich habe dich betrogen.
Doch, doch. Ernsthaft. Ich habe dich betrogen.
Du stellst mich nur auf die Probe.
Um zu sehen, was passiert. Oder um dich zu rächen, nicht wahr?
- Du glaubst es mir also nicht? - Nein.
Nicht, weil ich denke, dass es unmöglich ist.
Ich glaube, du hättest es mir längst gesagt.
Wieso hätte ich es sagen sollen? Um unsere Ehe zu zerstören?
Aus Trotz? Wieso würde jemand so was sagen?
In erster Linie hätten wir in den letzten Tagen
dieses Spiel auf Augenhöhe gespielt.
Und außerdem aus Anständigkeit.
Barcelona vor vier Jahren.
Unsere Reise mit dem Auto, erinnerst du dich?
- Nach Andalusien, ja. - Genau.
Ich bin in einem durchgefahren, allein.
Noch eines deiner Verdienste.
Jedenfalls, als wir in unserem Hotel auf der Rambla angekommen sind,
haben wir dieses nette Paar aus Mailand kennengelernt.
Er war Anwalt.
Ihr habt euch sofort gemessen, ganz nach gutem alten Brauch.
Wir haben einen Abend miteinander verbracht.
Wir waren am Strand. Es war Feiertag, oder?
Ja, der 15. August.
Da war eine Party mit Feuerwerk am Strand.
Ich habe mir aber gar nicht das Feuerwerk angesehen.
Ich sah ihn an, und er mich.
Wir konnten unseren Blick nicht mehr voneinander abwenden.
Simone?
Als wir zurück im Hotel waren, konnte ich nicht im Zimmer bleiben.
Ich habe mir irgendeinen Vorwand ausgedacht, um zu gehen.
Wasser holen oder so was.
Ich wusste ja selbst nicht, was ich wollte, worauf ich aus war.
Ich bin zur Bar gegangen, und da habe ich ihn angetroffen.
Wir haben uns angesehen.
Und mussten beide lachen.
Entschuldige kurz, eine Sache.
An der Bar im Hotel?
Während ich mich im Zimmer bettfertig gemacht habe, ich Idiot,
da hast du mit Simone an der Hotelbar gestanden.
Und dann? Seid ihr auf ein Zimmer gegangen und habt gevögelt?
Nein, das nicht. Das hätte ich nicht gekonnt.
Ach so, ist klar.
Wir haben Nummern ausgetauscht,
und zwei Monate später war er dann beruflich in Rom.
Und da haben wir uns bei seinem Freund zu Hause getroffen.
Was heißt "getroffen"?
Das bedeutet das, was wir vor ein paar Tagen gemacht haben.
Das, was du mehrmals mit Alessia gemacht hast.
Wir haben zwei Monate später nett gevögelt, und das war's.
Ist das dein Ernst? Ich habe keine Lust auf Spielchen.
In Wahrheit war es nicht nur einmal.
Als er wieder in Rom war, haben wir uns noch mal getroffen.
Und wie lange ist das zwischen euch gelaufen?
Klär mich auf.
Ein paar Monate. Wir haben uns vier- oder fünfmal getroffen.
Wir haben noch ein paarmal geschrieben und telefoniert.
Seit zehn Tagen, Marta, gehst du mir auf den Sack,
weil ich ja so unehrlich war.
Du beleidigst mich, machst mich nieder, spuckst mich an,
und jetzt kommst du damit um die Ecke?
- Du hast mich zwei Monate betrogen? - Nein. Das war was völlig anderes.
Du hast nichts mitbekommen.
Ich habe dich und unsere Beziehung da rausgehalten.
Wozu du leider nicht in der Lage warst.
Aber mit einer Sache hattest du recht.
Wir Frauen bewahren einen kühlen Kopf,
die Frage ist nur, an welchem Punkt.
Also doch "wir Frauen".
Ja, wir besitzen diese Fähigkeit, diese Fähigkeit...
Keine Ahnung, ob alle Frauen sie haben, aber ich habe sie.
Die Fähigkeit, mir das zu nehmen, was ich in diesem Moment wollte,
die Konsequenzen abzuwägen und damit aufzuhören.
Toll. Du bist so was von mutig.
Marta, vor vier Jahren waren wir glücklich.
Und wir waren auch weiterhin glücklich.
Aber jetzt steigst du aus, weil du findest,
dass es sich nicht mehr lohnt zu kämpfen.
Ich habe es richtig gemacht und die Sache überwunden.
Und du hast nichts davon mitbekommen.
Ja, ja. Du hast mich vor meinen Augen betrogen.
Aber es hat sich sehr wohl was geändert.
Ich weiß noch, dass du nach diesem Urlaub unerträglich warst.
Unerträglich.
Ich hatte gerade die Kanzlei gemietet und die Praktikantin eingestellt,
aber du warst plötzlich eifersüchtig.
Das war genau zu der Zeit.
Damals wusste ich nicht, dass du auf Ältere stehst.
Ich hätte mir die Energie gespart. Sie war ja erst 24.
Deine Witze über das Alter bringen gerade echt nichts.
Du hast mir das Leben wegen Cecilia zur Hölle gemacht, sechs Monate lang.
Bei jedem Anruf hast du mich kritisch angesehen.
Du hast mein Handy durchsucht. Weißt du noch?
So kannte ich dich gar nicht. Du warst vorher nie eifersüchtig.
Aber jetzt wird es mir klar.
Du hattest deine Gründe. Weil es dir nämlich passiert war!
- Letztlich hatte ich ja recht. - Ja, aber nicht damals.
Vor vier Jahren hast du all deine Niedertracht und Angst
auf mir abgeladen.
Du drehst die Sachen um. Kein Wunder, dass du Anwalt bist.
Gleich wirst du sagen,
dass meine zweimonatige Affäre die Wurzel allen Übels ist.
- Der Anfang vom Ende. - Das hast du gesagt.
Aber hat eine Beziehung erst mal einen Riss,
wird er immer größer.
Von welchem Riss redest du?
Du hättest das nie erfahren, wenn ich...
Ja, ich hätte es nie erfahren. Wie oft willst du mir das noch sagen?
Sag bloß nicht, du hast was gespürt.
Du merkst ja nicht mal, ob ich Hose oder Rock trage.
Du bist mir damit total auf den Sack gegangen!
Und nach vier Jahren kommst du mit diesem Geständnis an.
Ich komme mir vor wie ein Volltrottel!
Wie ein Volltrottel, der das Bett repariert hat,
auf dem du all die Zeit danach weiterhin mit mir geschlafen hast,
nachdem du dich von dem Kerl hast vögeln lassen.
Ich habe mich nicht vögeln lassen, ich habe ihn gevögelt.
Mach deinen Scheiß allein.
ZWÖLFTER TAG
- Nicht ausschalten. - Es reicht.
- Ich wollte das hören. - Nein, das macht mich nervös.
Es macht dich nervös?
Ich kriege die Krise.
Mach es wie die Schweden. Die tun immer so, als wäre nichts.
Ikea würde nie dichtmachen.
"Wer kann ohne die Askvoll-Kommode eigentlich noch leben?
Auch mitten in der Pandemie,
denn was ist wichtiger als eine Kommode?"
- Findest du das nicht komisch? - Nein, bitte lass das.
Das ist ein Widerspruch.
Du hast den Fernseher ausgemacht, weil du Ablenkung brauchst.
Meinen schwedischen Akzent fandest du immer komisch.
Ich kann mir was Besseres ausdenken.
Nein, mir steht nicht der Sinn nach Scherzen.
Ich will nur nicht den x-ten Bericht hören,
und gleichzeitig steht mir nicht der Sinn nach Albernheiten.
Okay, okay.
Dir geht es doch bestimmt nicht anders,
nur dass du dich dazu berufen fühlst, mich aufheitern zu müssen.
Aber ich sage dir was: Hilf mir bitte nicht.
Schaffst du es bestimmt allein? Denn das hast du noch nie.
Marta, bitte.
Okay. Kann ich Wein nachschenken?
- Sehr gern. - Okay. Ein Glück.
Ständig widersprechen sie sich selbst.
Diese Ignoranz und Arroganz heutzutage, diese Überheblichkeit.
Alle geben ihren Senf dazu. Das nervt mich total.
Auf einmal sind alle Experten. Es reicht doch zu sagen:
"Was für ein Scheiß, ich kapiere gar nichts.
Keiner weiß, wann wieder Normalität einkehrt.
Die andauernde Panik tut uns leid, aber da ihr erwachsen seid,
sagen wir euch die Wahrheit und machen euch nichts vor."
Und wir hocken hier drinnen und können draußen gar nicht helfen.
Wir sind in Quarantäne.
Wenn wir rausgehen, schicken sie uns zurück.
Ja, ich weiß, aber wenn die Quarantäne endet,
könnte ich bei den Tafeln helfen, ein bisschen ehrenamtlich arbeiten.
Alles besser, als ständig über dich und Alessia nachzudenken,
wie ihr euch nach eurem Wiedersehen einander hingebt.
- Eindeutig besser. Mach das. - Mache ich auch.
- Soll ich noch eine aufmachen? - Ja, gerne.
Hol was zu essen raus.
Gib mir den Thunfisch, davon haben wir eine Menge.
Nein, wir essen nichts. So werden wir schneller betrunken.
- Du willst den Vollrausch? - Ja.
Das ist das Vernünftigste, was wir jetzt tun können.
Mir macht es ja auch Angst.
Halt mich nicht für völlig bekloppt, aber da ist diese eine Sache...
Es hat irgendwie was Tröstliches,
sich wie winzig kleine unbedeutende Punkte zu fühlen,
wie alle anderen.
Du und ich, wir sind niemand.
Wir sitzen hier in unserer Blase, in unserer Wohnung.
- Wir diskutieren und streiten. - Eher streiten.
Genau, aber ich kam mir noch nie so normal vor.
"Normal" ist ein furchtbares Wort,
aber ich habe mich nie dermaßen als Teil eines Ganzen gefühlt,
ein Teil von ganz vielen Menschen.
Klein und unwichtig zwischen all den anderen.
Noch mehr als die anderen, denn wir haben keine Kinder.
Wir hinterlassen gar nichts.
Wenn uns was zustoßen würde,
merken das meine Schwester und dein Vater erst nach einigen Tagen.
Das ist kein plötzlicher Tod.
Die Krankheit hat einen Verlauf. Das merkt man.
- Weiß ich nicht. - Da sind unsere Nachbarn.
Wenn die uns 15 Minuten lang nicht schreien hören, schlagen sie Alarm.
"Entweder sind die tot oder haben sich versöhnt,
aber eher sind sie tot."
Wir haben uns praktisch nur gestritten.
Wenigstens hat uns das abgelenkt.
Meinst du, deshalb haben wir so viel gestritten?
Nein, wir streiten, weil wir uns nicht ausstehen können.
Und weil du eine Geliebte hast. Vergiss das nicht.
Ja, von mir aus. Aber zu streiten hat uns geholfen.
Soll ich einen Streit anfangen, damit du nicht nachdenken musst?
- Nein, danke. - Das schaffe ich im Nu.
Es gibt 500 Sachen, die ich an dir nervtötend finde.
Ich sage nur Mailand, Hotel Principe di Savoia.
Du hast Fieber und eine Grippe vorgetäuscht,
aber in Wahrheit hattest du dir mit Alessia ein Zimmer genommen,
womöglich mit Whirlpool.
Du sagst das immer so, als wäre ich geschmacklos.
Im Nachhinein muss ich schon sagen,
eine Krankheit vorzutäuschen, um mit seiner Geliebten zu vögeln,
ist ganz besonders abstoßend.
Im Nachhinein.
Damals schien mir das einfach eine ganz banale Ausrede,
aber nicht abstoßend.
Oder?
Nein, du wirst es nicht schaffen, einen Streit anzufangen.
Heute werde ich trinken, um nicht nachzudenken.
Das ist weniger gefährlich,
denn wenn wir streiten, kann es sein, dass du mir wehtust.
- Hast du Angst? - Ja.
Komisch, denn so wie du streitest, wirkt es, als würdest du wollen,
dass man dir wehtut.
Ich schwöre. Ich fühle schon dieses Jucken in den Fingern.
Dann muss ich einfach...
Hallo, winziger unbedeutender Punkt.
Hallo, Lorenzo.
Sollen wir so lange trinken, bis wir unterm Tisch liegen?
Ja. Das wird einer unserer letzten Abende.
Lassen wir es noch mal krachen.
DREIZEHNTER TAG
Was machst du da?
Nach all den Jahren musste das einfach sein.
Ich wirke ja wie tot. Wie furchtbar. Wieso?
Es ist schön, wie du schläfst.
Wie lange sitzt du da schon?
Ich habe nur kurz den Moment genossen.
Es ist komisch, findest du nicht?
Vielleicht hat es damit zu tun, dass du schutzlos bist.
Dass du dich verletzlich fühlst.
Ich habe einfach kein Bedürfnis zu schlafen.
Mehr ist es nicht. Nach all dem Wein gestern Abend.
Ich bin verkatert. Ich mache mir einen Kaffee.
Zimmerservice. Ja.
- Danke. - Bitte.
Bei dem Krach nebenan kann man ja nicht schlafen.
Der Kleine hat Angst, der Große zieht ihn ständig auf.
- Beobachtest du sie etwa? - Ich weiß alles über sie. Ja.
Hoffentlich ist es andersrum nicht genauso.
Wir geben bestimmt kein gutes Bild ab.
Immer wenn die Mutter kommt, rennt der Kleine weg.
Und wieso? Du hast sicher eine Theorie.
Sie ist wahrscheinlich noch nerviger als er.
Ach ja? Wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung?
Weil sie ihn ständig herumkommandiert.
"Zieh deine Jacke an, es ist kalt. Zieh sie aus, es ist warm."
Mit dieser Stimme.
Sie will einfach nur eine gute Mutter sein.
- Der Vater ist meistens abwesend. - Kann ich dich was fragen?
Versprich mir, nicht traurig oder wütend zu werden.
Schieß los.
Wie wäre es wohl geworden, wenn wir es geschafft hätten?
Mit einem Kind, meine ich.
Ich habe die Mappe neulich zwischen den Büchern gefunden.
- Die gelbe? Die hatte einen Namen. - Ja.
Ganz originell: "Unser Kind."
Da drin war die Auflistung der ganzen Kosten, der Behandlungen.
All der Tests.
Ich hätte sie wegwerfen sollen.
Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor, aber es ist erst sieben Jahre her.
Es wäre jetzt im selben Alter wie das Kind von nebenan.
Du denkst noch drüber nach.
Ja, ich denke noch drüber nach.
Ja.
In der letzten Zeit denke ich wieder häufiger daran.
Wie es wäre, wenn wir es geschafft hätten.
Wenn die Schwangerschaft gehalten hätte,
dann würdest du mich vielleicht nicht verlassen.
Aber dann denke ich, es wäre genauso gekommen,
und jetzt wäre alles noch schlimmer, denn...
wir hätten nicht nur wegen Alessia gestritten,
sondern wegen des Kindes, der Wochenenden...
Ich hätte den Gedanken gehasst,
dass es zu dir und Alessia nach Hause geht.
Du wärst sauer geworden.
Du immer mit deinen komplizierten Gedanken.
Und sie sind so optimistisch.
Und du als Mann, der von Natur aus einfach und optimistisch denkt,
was denkst du darüber?
Mir fehlt ein Kind.
Es wäre schön gewesen, ein Kind zu Hause zu haben.
Ich meine kein Kind im Allgemeinen.
Denk jetzt nicht, dass ich ja noch Zeit habe, weil ich ein Mann bin.
Nein, ich meine ein Kind mit dir.
Vielleicht wäre alles so gekommen, wie du es sagst.
Aber unser Kind wäre immer noch da.
Es wäre ein Zeugnis unserer Beziehung.
Du meinst also, wir hätten einfach am Ball bleiben müssen,
wie die Paare, die wirklich alles geben,
bis sie es endlich schaffen?
Nein, das denke ich nicht. Ich bereue es nicht. Nein.
Dir hat es nicht gutgetan.
Ich wollte dich nicht wieder so leiden sehen wie nach der Fehlgeburt.
Darum denke ich, haben wir das Richtige getan.
Für mich war das damals eine Erleichterung.
- Erleichterung? - Ja, Erleichterung.
Wir waren im Kinderzimmer, als wir es entschieden haben.
Als wir es zum Arbeitszimmer gemacht haben,
habe ich nicht mehr drüber nachgedacht.
Ich war wie befreit von dem Gedanken, um jeden Preis ein Kind zu wollen.
Aber eine Sache freut mich doch: Dass Alessia älter als ich ist.
Ich hätte es nicht ausgehalten, wenn du mit ihr ein Kind kriegst.
Ich wäre durchgedreht. Das ist die traurige Wahrheit.
- Warte kurz. - Was machst du?
Warte kurz, ich will schnell was machen.
Komm her, setz dich dahin.
Ich will deine Haare in Ordnung bringen,
bevor du Alessia triffst.
Nur Spaß. Ich will nur nicht, dass sie es macht. Komm schon.
- Bitte, Marta. - Ich habe das immer gut gemacht.
Hast du Angst, ich entstelle dich?
Lass gut sein. Das muss wirklich nicht sein.
Zu intim?
Na gut, von mir aus.
Es wäre nicht viel anders gekommen.
Wir wären deswegen nicht glücklicher gewesen.
Ja, das glaube ich auch.
Immerhin sind wir einer Meinung. Ist schon komisch.
- Soll ich? - Ja.
Nicht zu viel.
VIERZEHNTER TAG
Dein Rasierschaum.
Wie schaffst du es bloß, an alles zu denken?
Es liegt noch ein Paar Socken von dir im Wäschekorb.
Sag mir das doch eher.
- Fehlt noch was? - Vergiss den Koffer nicht.
- Komm schon. - Nein, du hast alles.
- Den Thunfisch wolltest du nicht? - Nein.
Ich schaffe den Thunfisch nicht allein.
Du hast ein Riesenpaket gekauft.
Den Thunfisch brauche ich nicht. Alessia ist Veganerin.
Sie ist Veganerin? Und das sagst du mir erst jetzt?
Du hast genug über sie gespottet.
Ich wollte dir nicht noch mehr Gründe geben.
Ich glaube es nicht. Weiß sie, dass du gern Austern isst?
Dass du Meeresfrüchte und rohen Fisch liebst?
- Nein. - Dass du dein Steak blutig magst?
- Nein. - Das weiß sie nicht?
Was esst ihr denn? Tofu? Tofu könnt ihr essen.
Und Pizza. Nein, da ist ja Käse drauf.
Dann Pizza mit Tofu. Keine Ahnung.
Willst du wirklich am letzten Tag darüber reden, bevor ich gehe?
Es heißt, eine vegane Ernährung sorgt für einen strahlenden Teint.
Dass man zehn Jahre jünger aussieht. So ein Quatsch.
Wenn ich an die Fotos denke, die ich gesehen habe.
Marta, ich frage noch mal: Willst du wirklich darüber reden?
Nein.
Das will ich nicht. Tut mir leid.
Den Rest regeln wir in Ruhe, okay?
Ja, in Ordnung.
Nun ja, das ist jetzt irgendwie ein unangenehmer Moment...
Es war nicht aus Mitleid.
- Es war nicht aus Mitleid. - Was?
Ich habe nicht aus Mitleid mit dir geschlafen,
an dem Abend, als Gabriele beatmet werden musste.
Ich hatte Lust dazu.
Ich hatte Lust auf dich.
Es hat mir sehr gefallen, zu sehr.
Ich habe mir Mühe gegeben, dass es nicht noch mal passiert.
Ich habe dich auch angelogen.
Es stimmt nicht, dass ich nichts gefunden habe.
Ich hatte eine kleine möblierte Wohnung.
Sie sah auf den Fotos gut aus und war günstig.
Ich hätte am zweiten Tag gehen können.
Jetzt solltest du fragen: "Warum bist du nicht gegangen?"
Warum bist du nicht gegangen?
Ich fand es nicht richtig.
Ich wollte bei dir sein und mich nicht aus dem Staub machen.
Ich wollte zu dir stehen,
trotz des Risikos oder der Angst, mich anzustecken.
Ich wollte nicht allein sein,
und ich wollte dich nicht allein lassen.
Sagst du nichts?
Mir fällt nur was Blödes dazu sein.
Na ja, es wäre nicht das erste Mal. Du kannst es ruhig sagen.
Danke.
Danke, dass du geblieben bist.
Gern geschehen.
Das war schon mutig von dir, oder?
Ich habe den Stier bei den Hörnern gepackt.
Nicht doch, Lorenzo. "Den Stier bei den Hörnern".
Schaffst du es nicht, dich würdevoll zu verabschieden?
Bis eben hast du in diesem Moment des Abschieds alles richtig gemacht.
Es war nicht heldenhaft, aber großzügig und aufmerksam.
Und dann kommst du mit dem Stier-Vergleich.
Der Stier, das bin ja wohl ich.
Aber nein...
Du hast ja recht. Ich bin die Gehörnte.
Aber es ist nicht nett, darauf rumzureiten, oder?
Das war unglücklich formuliert.
Tut mir leid. Aber die Geste zählt doch.
Ja, natürlich. Die Geste war wirklich großzügig.
Bis du es ruiniert hast.
- Schade, denn... - Du hast recht.
Ich gebe es zu. Es kommt selten vor, aber diesmal hast du recht.
Es kommt in 100 % der Fälle vor, aber macht nichts.
- Tschüss, Lorenzo. - Tschüss.
Und um die der restlichen Sachen kümmern wir uns noch.
Ich rufe dich in den nächsten Tagen mal an.
Ja, ruf du lieber an. Nicht, dass Alessia sich wieder aufregt.
Nicht, dass sie der Schlag trifft. Schon gut, ich höre auf. Alles klar.
Geh schon. Los. Tschüss.
Mach's gut.
- Zu fest? - Ja. Nein. Schon gut.
Tut mir leid.
Es ist ein Abschied. Also, schon gut.
Aber wenn ich allein wohne, kann ich keinen Rippenbruch gebrauchen.
- Tschüss, Marta. - Tschüss.
Was ist los?
- Was hast du diesmal vergessen? - Nichts.
Ich bleibe.
- Du bleibst? - Ja.
In dem Fall wäre es angebracht, dass du fragst: "Darf ich bleiben?"
Wer sagt, dass du zurückkommen kannst und ich das einfach akzeptiere?
Du solltest fragen, ob es für mich okay ist.
Hör schon auf.
Lorenzo, warte mal kurz.
Einen Augenblick. Lass uns das noch mal überdenken.
Spaß beiseite.
Wir werden nicht so tun, als hätte es Alessia nicht gegeben,
und küssen und umarmen uns und schlafen miteinander,
und alles ist wieder gut.
Alle sind glücklich und zufrieden,
und wir streiten nie wieder miteinander.
Das Letzte, was ich will, ist, mich nie wieder mit dir zu streiten.
14 TAGE
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