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Es gab eine Zeit' noch gar nicht so lange her'
da wurde ein großes 'Putopisches Experiment'P durchgefühct.
Die idee klingt wie ein alter Menschheitstraum:
Die Gründung einer autarken Gemeinschaft Gleichgesinnter'
die zum Wohle der Gesellschaft zusammen leben und arbeiten sollten.
Das Ausmaß des Erfolges' den die Organisatoren dieses 'PParadieses'P
bei der Durchsetzung ihres Traumes erzielten' warverblüffend.
Sie kamen aus ganz Europa:
Künstler und Gaukler' Wissenschaftler und Handwerker'
vereint in einer Gemeinschaft' die allen Bedürfnissen ihrer Bürger Sorge trug.
Zum Wohl der Sinne wurden Gäcten angelegt.
Vocträge und Konzecte erfreuten Geist und Seele.
Poesie und Theater gehöcten zum Alltag'
und Spoct wurde mit großer Begeisterung ausgeübt.
Die Kinderwurden betreut und versorgt' damit die Eltern ihren Teil
zu diesem 'PGemeinschaftsexperiment'P beitragen konnten.
Und zwei Jahre lang' in der Mitte des 2O. Jahrhundects'
entstand durch diese Gruppe von Menschen
die wahrscheinlich kulturell aktivste Kleinstadt Europas.
Die Stadt hieß Theresienstadt.
Das 'PGemeinschaftsexperiment'P
war eine groteske und beschämende Lüge.
Theresienstadt war ein Konzentrationslager.
Diese Bilderwaren ein zynischerTrick der MS-Propagandamaschine'
um eine misstrauischer gewordene Welt davon zu überzeugen'
dass die Millionen Juden' die europaweit verschwanden'
von ihren Entführern gut behandelt wurden'
nachdem sie 'Pin den Osten'P depoctiect worden waren.
Der Betrug gelang perfekt.
Erwar so erfolgreich' dass die Mazis beschlossen' einen Film zu produzieren.
Einen Beweis dafür' dass Hitlers Konzentrationslager
Octe der Kultur und Menschlichkeit waren.
Aberwer könnte eine so kolossale Lüge überzeugend erzählen?
Der Mann' den die Mazis auswählten' um ihren Film zu inszenieren'
gehöcte zu den bekanntesten Schauspielern und Regisseuren
im vorkriegs-Deutschland.
Ein Jude. Sein Mame war Kuct Gerron.
Berlin in den ZwanzigerJahren'
eine Stadt' die nichts zu verlieren hatte.
War Paris schlüpfrig' so war Berlin dekadent.
Berliner lehnten Konventionen ab' verhöhnten bürgerliche Wecte'
schwelgten in künstlerischer und moralischer Freiheit
wie nirgendwo sonst in Europa.
Sie wollten die vergangenheit vergessen und eine strahlende Zukunft schaffen.
Dafürwaren sie bereit' alles auszuprobieren'
in der Kunst und Wissenschaft' in Musik und Theater ...
Und im Leben.
In diesen Sog des 'PMeuen Berlins'P geriet ein dekoriecter Kriegsheld.
Erwarvon der Front zurückgekehct und wollte Arzt werden.
Doch derįunge Kuct Gerron hatte nicht mit den versuchungen Berlins gerechnet.
Als Stammgast im Machtklub 'PKuka'P sah ervielen angehenden Künstlern zu'
die 5 Mark Gebührzahlten' um auf der Bühne auftreten zu dürfen.
Die verlockung war schließlich zu unwiderstehlich.
Kuct Gerron verlieh dem' was er auf der Bühne tat' Farbe und Spannung.
Erwar als Mebendarsteller ein Knüller'
der immer gern gesehen wurde
und mit dem Publikum eine treue verbindung einging.
Bald daraufwurde der Film
auf seine frechen Sprüche und seinen eigenwilligen Gesang aufmerksam.
Erwar nicht gerade ein Beau'
doch seine runde Gestalt und enorme vielseitigkeit
machten ihn sehr gefragt.
Die Darstellung von Bonzen und Schuften wurde Gerrons Kapital.
Der 'Pzum Schauspieler mutiecte Arzt'P wurde ein Begriff.
Für Kuct Gerron war das Leben ein Wirbelsturm an Aktivität.
Allein 1927 war er in 27 Filmen zu sehen.
Und obwohl er selten Hauptrollen spielte'
wurde er in den Kritiken oft positiv erwähnt.
Erverbrachte den Tag am Drehoct'
und abends hetzte er oftmals in irgendein Theater'
um in einem ernsten Stück oder im Kabarett aufzutreten.
Zu derZeit spielte er seine wichtigste Bühnenrolle.
Im Publikum saß ein übellauniger Teenager: Robbie Lantz.
Werwollte schon irgendeine unbedeutende vorstellung besuchen?
Als ich mit meiner Großmutter hinging'
war das wohl der einzige unvergessliche Abend in diesem Theater'
weil fastįedes Lied wiederholt wurde.
Die 'PDreigroschenoper'P war eine Sensation.
Gerrons Darbietung von Mackie Messer
wurde zu seinem Markenzeichen.
Mun gehöcte erzur Elite des deutschen Showgeschäfts.
Warum riefstdu mich nicht? lch bin derManagert
Wie sollich dich rufen? Es war die Rolle seines Lebens.
Raust Raus aufdie Bühnet
Pack deine Zelte ein
'PDer Blaue Engel'P war sehr erfolgreich.
Er machte Marlene Dietrich über Macht zum Star
und sichecte auch Gerron einen Platz in der Filmgeschichte.
Leider spielte Gerron immer noch die kleineren Rollen.
Meine Hände sindleer
Das reichte für einen Mann mit seinem Ego nicht aus.
Er musste Regie führen.
Erst hinter der Kamera fand er seine wahre Berufung.
Hier konnte er die Mummer eins sein.
Erwusste' was das Publikum wollte' und warzum inszenieren geboren.
Er drehte einen Film nach dem anderen
und arbeitete mit den großen Mamen seinerZeit.
Aber Gerron war nicht der einzige Deutsche'
der einen beachtlichen Karriereaufstieg feiern konnte.
Diese Bösactigkeit ist so abgründig' soįenseits dervorstellungskraft ...
Aber dass das in Deutschland passieren würde'
wo wir alle aufgewachsen waren' warfür uns unvorstellbar.
Aber es ist passiect und es ging sehr schnell.
Sein verhalten am Drehoct zeigte'
dass er die Mazis nicht ernst genommen hat.
Sein Freund Heinz Rühmann schrieb in seinen Memoiren:
'PErwar ein großer' starker Mann mit einem kindlichen Gemüt.
Kuct wusste nicht' oder erwollte nicht wissen'
wie ernst die Lage wirklich war.
Er rief seinen Produktionsleiter mit den Wocten:
tWo ist mein kleiner Sturmbannführer?t
Einige von uns zwangen sich zu lächeln'
aber andere versteinecten.
Es gab bereits Mazi-Spione in den Studios.'P
Erwar ein wenig zu eitel.
Seine Karriere war ihm sehrwichtig.
Erverschloss seine Augen vor derWirklichkeit.
Einige Wochen später holte Gerron die vergangenheit ein:
SS-Schergen stürmten das Set und sangen das Horst-Wessel-Lied'
um ihm seine Mazi-Parodien ein Jahrzehnt zuvor heimzuzahlen.
Gerron' seine Schauspieler und das Team hatten keine Wahl'
als mitzumachen und ihren Arm zum Hitlergruß zu heben.
Eine der ersten Maßnahmen der neuen Mazi-Regierung
war derAufrufzum landesweiten Boykott įüdischer Geschäfte.
Als Beginn wurde Samstag' der 1. April 1933 angeordnet.
Ahnungslos erschien Gerron wie üblich am Set.
Er inszeniecte gerade eine romantische Komödie.
Der Star seines Films war Magda Schneider.
Der Produktionsleiter ging plötzlich auf die Bühne
und sagte: 'PMeine Damen und Herren'
leider muss ich alle' die keine reinen Arier sind'
bitten' den Oct zu verlassen.'P
Wirwussten' dass noch einige Juden unter uns waren.
Gerade unser Regisseur.
Ich schaute zu Gerron
und erwendete seinen Blick ab.
Er merkte wohl' dass ich dachte' dies wäre sein Todesucteil.
So dachten wir.
Er schaute erst mich an und dann meinen Mann.
Er schluckte' stand auf'
atmete tief ein und ging hinaus.
Wir sahen nur seinen Rücken.
Erzittecte stark. Das werde ich nie vergessen.
Das Bild seines zitternden Rückens verfolgte mich įahrelang.
Kurz darauf drehten Magda Schneider und die übrigen Schauspielerweiter.
Die Mazis hatten bereits Gerrons Machfolger bestimmt:
Den 'Parischen'P Regisseur Erich von Meusser.
Gerrons Karriere war am Ende.
Filmemachen war sein Lebensinhalt gewesen.
Erwar durch und durch Berliner.
Doch in dervon ihm so geliebten Stadt konnte er nicht mehr arbeiten.
Was sollte erįetzt machen? Wohin sollte er gehen?
Was sollte aus ihm werden?
Paris - berühmt für seine Toleranz und Kultur.
Wohl kaum eine andere europäische Stadt schien künstlerfreundlicherzu sein.
Im Altervon 36 Jahren begann Gerron sein unfreiwilliges Exil.
Er musste eine neue Bleibe für seine Frau und seine Eltern finden'
die mit ihm geflohen waren.
Er musste eine neue Sprache lernen.
Und er brauchte dringend Arbeit.
Lore Moos ist Kuct Gerrons Michte.
Sie war ein Kind' als ihre Eltern aus Berlin flohen
und sich den Gerrons in Paris anschlossen.
So habe ich ihn in Erinnerung:
immer mit einerZigarre im Mund.
Lores berühmter Onkel Kuct lebte hier oben'
in einer Mietswohnung nahe den Champs Elysees.
Gegenüber seiner BerlinerWohnung sicherlich ein Schritt nach unten'
aber alles andere als ungemütlich.
Die einzige Sorge: Wie bezahlen?
Seinen einstigen Lebensstandard konnte er sich įetzt nicht mehr leisten.
Auch' wenn er selbst fast nichts hatte'
war er immer noch sehr großzügig zu ärmeren Freunden.
Peter Lorre war sehr krank und hatte kein Geld.
Daher sammelte mein Onkel für ihn bei Kollegen in Paris und Frankreich.
Er bekam genug Geld zusammen'
damit Peter Lorre nach Hollywood fahren konnte.
In diesen sorgenvollen Monaten war Gerron oft im Cafė de la Paix.
Er bestellte eine Tasse Kaffee
und schmiedete Pläne für seine Karriere.
Dann wendete sich alles zum Guten:
Es hatte sich herumgesprochen' dass er in der Stadt war
und Arbeit suchte.
Und so fand Kuct Gerron Arbeit.
Er brachte meinen vater dazu' Kurzfilme zu produzieren.
Sie sollten im Kino vor dem Hauptfilm laufen.
Sie arbeiteten viele Monate daran.
Und als sie dann fectig waren'
ließen sie sich nicht verkaufen. Kein Kino wollte sie.
Mein vaterverlor dadurch all sein Geld und wirverließen Paris.
Vielleicht rettete Gerrons mangelnder Geschäftssinn Lores Leben.
Ihre Familie ging etwa zur gleichen Zeit nach Buenos Aires'
als viele von Gerrons Freunde Europa verließen.
Max Reinhardt' eine ikone des progressiven Deutschen Theaters'
der gefeiecte Regisseur Fritz Lang
und derįunge' aufstrebende Autor Billy Wilder.
Sie alle gingen nach Hollywood' während Gerron blieb
und hoffte' dass die Mazi-Herrschaft nicht von Dauerwäre.
Gerron und seine Familie wurden Zigeuner.
Erwar immer auf der Suche nach Arbeit.
Ein Film in Wien'
ein Kabarettauftritt in Karlsbad.
Doch das Leben im Exil fordecte seinen Preis.
Als man ihm eine Regie in Holland anbot'
zog Gerron ein weiteres Mal um.
Diesmal wollte erWurzeln schlagen.
Moch einmal wurde sein Leben bescheidener.
Die ganze Familie' seine Frau und seine Eltern'
lebte gemeinsam in diesen zwei kleinen Zimmern.
Aber mit seinen hübschen Grachten und den grünen Alleen
gab Amsterdam Gerron neuen Lebensmut.
Mit einer Sprache und Kultur' ähnlich der eigenen'
und einer langen Tradition in puncto Toleranz'
hatte Holland Tausenden deutschen Juden Zuflucht gewähct.
Hier konnte erwieder in seinem alten Beruf arbeiten.
Er begann ein neues Leben' umgeben von alten Freunden
und erfühcte Regie.
Kees Brusse war 9 Jahre alt' als seine Schauspielkarriere begann.
Er spielte für Kuct Gerron.
Ich habe Kuct Gerron als sehr professionell in Erinnerung.
Filmemachen und Schauspielern lagen ihm im Blut.
Als 'PPapa'P am Set erobecte Gerron die Herzen seinerįungen Darsteller'
als er sie einmal beim Maschen von Essensrequisiten erwischte.
Er unterbrach die Arbeit und nahm uns bei der Hand.
Erfühcte uns zum Studiorestaurant
und bestellte uns große Stücke Kuchen.
Wir mussten sie vor seinen Augen aufessen.
'PAlles okayįetzt?'P 'PJa.'P
Dann gingen wirwiederzurück und er drehte weiter.
Erwarwie ein vater. Man fühlte sich bei ihm sicher.
Gerrons Film war ein Kassenhit.
Die Kritiker lobten sein filmisches Können
und es standen weitere Filme an' als ihn ein alter Freund besuchte.
Die Presse berichtete' dass Joseph von Sternberg' Regisseur des 'PBlauen Engel'P
in Amsterdam weilte' um Gerron einen Hollywood-Film anzubieten.
Er und Gerrons Ko-Star Marlene Dietrich hatten in Amerika Karriere gemacht.
Sie dachten' Gerron könnte es ihnen leicht gleichtun.
Doch Gerron hatte viel zu tun. Er drehte gerade 'PDrei Wünsche'P.
Eine aufwändige holländisch-italienische Ko-Produktion.
Hollywood musste wacten.
Doch Hollywood war hactnäckig.
Hier ist Peter Lorre.
Peter Lorre war in Amerika sehr erfolgreich.
Erfühlte sich doct sicher und spücte'
dass es für Gerron Zeit wurde' Europa zu verlassen.
Erwollte seinem Freund die frühere Hilfsbereitschaft danken
und rief seinen Agenten Paul Kohner an.
Sie vermittelten Gerron einen Job.
Erwollte 1. Klasse Schiffstickets für meine Tante und sich.
Die Hollywoodleute wollten ihm die Überfahct bezahlen,
aber nicht 1. Klasse.
Da sagte er ganz ab. So wollte er nicht gehen.
Ich weiß nicht' warum. vielleicht war erzu stolz.
Wenn Gerron in seine Arbeit vectieft war' war alles andere unwichtig.
Eine weitere Fluchtgelegenheit warvorübergegangen.
Als 'PDrei Wünsche'P kein Kassenhit wurde'
und die Aussichten aufArbeit düster aussahen'
nahm er das einzige Angebot an' das er kriegen konnte:
Ein Werbespot für die holländische Fluglinie KLM:
Man begann' Exilįuden vorzuwerfen' sie nähmen Holländern die Arbeit weg.
Mach heftigen Kampagnen in der nationalistischen Presse
kündigte KLM Gerrons vectrag.
Verzweifelt versuchte Gerron'
an die früheren Angebote aus Hollywood anzuknüpfen.
'PLieber Herr Kohner' ich hoffe' Sie erinnern sich an mich.
Ich möchte anfragen' ob Sie bereit wären' mein Managerzu sein ...'P
'PLieber Fritz Lang' bitte erschrecken Sie nicht'
wenn ich ihnen nach so langerZeit schreibe.
Ich möchte gern wieder schauspielern ...
ich verlor meine Ersparnisse' als ich wegen eines Anti-Mazi-Liedes
Berlin verlassen musste ...
ich muss meine Frau und meine Eltern unterstützen ...
ich bitte Sie herzlich' geben Sie mir eine Chance'
und werfen Sie meinen Brief nicht weg.
Sehen Sie dies als gute Wendung.
Ich werde es ihnen nie vergessen.
Ich danke ihnen aus ganzem Herzen.'P
Gerron erhielt keine Antwoct von Fritz Lang.
Aber er hoffte erneut'
als er einen Briefvon Langs Agent Paul Kohner bekam.
Dem Mann' derfür die Karrieren vieler seiner Freunde im Exil
Wunder bewirkt hatte.
'PMein lieber Herr Gerron'
ich würde mich glücklich schätzen' ihnen dienlich zu sein.
Leider muss ich ihnen mitteilen' dass nurwenige Leute bereit sind'
einen Schauspieler ihres Typs aus Europa zu holen'
besonders zum įetzigen Zeitpunkt.
Ich kann ihnen auch nicht guten Gewissens empfehlen'
auf eigene Faust herzukommen.
Mit freundlichen Grüßen' Paul Kohner.'P
Er musste akzeptieren' dass sein Leben beim Film vorbei war'
und zog sich in die einzige Welt zurück' die ihm noch offen stand.
Mie zuvorwurde das holländische Publikum so verwöhnt.
Jüdische Exilanten brachten ständig neue Programme auf die Bühne.
Sie waren dankbar' in einem Land Schutz gefunden zu haben'
in dem die Meinungsfreiheit noch nicht unterdrückt wurde.
Wieder einmal arbeitete Gerron als Schauspieler.
Er spielte vor ausverkauften Häusern in Amsterdam.
Währenddessen trat Adolf Hitler in Berlin
nach įahrelangervorbereitung hinaus auf die Weltbühne.
Die Tschechoslowakei fiel ohne einen einzigen Schuss.
Dann fiel Polen.
Doch als Oberster Befehlshaber der 'PHerrenrasse'P wollte Hitler mehr.
Ermutigt von der Mühelosigkeit' mit der sein Reich wuchs'
marschiecte Hitler im Mai 194O
in Belgien' Luxemburg und Holland ein.
Gerron 'Pfiedelte' während Rom brannte'P.
Das Feuerwar bis zu seiner Haustürvorgedrungen.
Als der Einfluss der Mazis wuchs'
ging die Schauspielerin Silvia Grohs in das holländische Seebad Scheveningen.
Doct traf sie Gerron' der in einer Strandrevue auftrat.
Scheveningen war einer der großen Badeocte.
Gerron kam aus denselben Grund wie alle anderen.
Doct konnte er seinen Lebensunterhalt verdienen' bekam Applaus.
Doct war er bekannt' wurde geschätzt und respektiect.
Und das Wichtigste: Doct konnte er arbeiten.
Im Gegensatz zu Gerron erkannte Silvia Grohs'
dass die Schlinge schnell engerwurde.
Sie kam nicht nach Scheveningen' um zu singen.
Ich versuchte' mit einem Kollegen zu fliehen
und įemanden mit Boot zu finden' der uns nach Dover bringt.
Doch es war alles schon vermint und die Flucht unmöglich.
Und das einst so fröhliche Scheveningen
wurde ein trauriger' verlassener und furchterregender Oct.
Gerron hatte die Badegäste zwei Jahre lang unterhalten.
Eigentlich genug Zeit' um ein Boot zu mieten und zu flüchten.
Doch er hatte alle Möglichkeiten ignoriect.
Die Zeit der Gelegenheiten warvorbei.
Vielleicht sagte er sich: 'PEs wird schon nicht so schlimm.
Ich bleibe' alles wird sich beruhigen. Warum wegrennen. Wacten wir ab.'P
ich weiß nicht' was in ihm vorging.
Gerron und Silvia Grohs mussten zurück nach Amsterdam.
Die einzige europäische Bühne' auf der sie noch auftreten durften'
war das neu ernannte Jüdische Schouwburg Theater.
Das war der letzte und einzige Oct'
an dem etwas Humanes und Menschliches'
Künstlerisches und Fröhliches stattfand.
Wirfühlten uns doct sicher.
'PSolange wir im Theater sind' kann uns nichts passieren.'P
Es war' als würde es uns beschützen.
Aber nun erschienen auch hier die Schilder:
'PJuden nicht willkommen'P' 'PFürJuden verboten'P.
Überall in Europa wuchsen der Hass und die Feindseligkeit gegenüberJuden.
Goebbelst Propagandaministerium schücte das Feuer
mit Filmen wie 'PDer Ewige Jude'P.
Wo Ratten auch auftauchen bringen sie Vernichtung mitsich#
Sie zerstären unsere Vorräte unsere Nahrung#
lhrGegenpartin dermenschlichen Gesellschaftsinddie Juden#
Die meisten unsererKinos wurden von Juden betrieben#
Hierderjüdische SchauspielerGerron
Jede Darstellung des Unappetitlichen
istfürJuden eine reiche Quelle fürKomädiantisches#
Sie zeigten Ausschnitte seiner bekanntesten Rollen.
Gerron diente den Mazis als Symbol für alles'
was sie an den Juden verachtenswect fanden.
Erwar unwissentlich Teil einer Propagandakampagne von Goebbels'
die die Weichen für eine unvorstellbare Zukunft stellen sollte.
2O. Januar 1942.
In der maįestätischen Wannsee-villa in Berlin'
unweit des Octes' an dem Gerron in den guten alten Zeiten urlaubte'
lud Reinhard Heydrich 15 Staatssekretäre derwichtigsten MS-Ministerien
zu einem Arbeitsfrühstück ein.
Als sie nach nur 9O Minuten wieder herauskamen'
hatte Heydrich das Gefühl' etwas Großes vollbracht zu haben.
Hitlers Bürokraten hatten begeistect
seiner 'PEndlösung derJudenfrage'P zugestimmt.
Heydrichs Pläne sahen Abschlachtungen in industrieller Perfektion vor.
Einen Steinwurfvon dervilla entfernt liegt der Bahnhof Grunewald.
Von hier aus wurden alle BerlinerJuden in den Osten depoctiect.
19 April GBBJuden Berlin - Auschwitz ###
19 April 1aaJuden Berlin - Theresienstadt###
27 Mai 1aaJuden Berlin - Theresienstadt###
17 Mai 395Juden Berlin - Auschwitz ###
verwirrung' Trennung und verlust.
Szenen wie diese ereigneten sich überall im nazibesetzten Europa.
2B Mai 327Juden Berlin - Theresienstadt###
1G Juni 42BJuden Berlin - Theresienstadt###
im Herbst 1942
ergriff die 'PEndlösung'P auch Kuct Gerron.
Als er im Schouwburg zurArbeit erschien' stellte erfest'
dass man es zu einem Depoctations- zentrum fürJuden gemacht hatte.
Es herrschte ein solches Chaos.
Als wirzu den Proben kamen' Gerron war auch dabei'
waren wirwie vom Blitz getroffen.
Die Juden' die man hereinbrachte' waren unsere Zuschauer.
Wir mussten hilflos zusehen' wie man sie abtranspoctiecte.
So etwas kann der menschliche verstand wederverstehen noch verkraften.
Man beauftragte Gerron'
ein Fundbüro einzurichten.
Das war genauso irrsinnig' wie alles andere' was wirzu tun hatten.
Verloren warįeder und gefunden wurde nichts.
Und vielleicht war Kuct Gerron hier am meisten verloren.
Die Leute kamen zu ihm: 'PSie müssen mir helfen!'P
Er konnte niemandem helfen' auch sich selbst nicht.
Und dieserwunderbare' große Mann
wurde plötzlich ein ganz kleiner Mann.
Erwar überhaupt nicht mehr groß.
An diesem Tag fuhren in Amsterdam große Autos herum'
Megafon verkündeten: 'PJuden raus! Alle Juden raus!'P
Dann kamen įunge' deutsche Soldaten in unsere Wohnung.
Sie waren sehr überrascht' meiner Mutter gegenüberzustehen.
Sie war so berühmt' dass sie įeder kannte.
Susanne Thalerwar sechs Jahre alt.
Ihre Mutterwar die bekannte Bühnenschauspielerin Camilla Spira'
die' wie ihr Freund Kuct Gerron' eine neue Karriere in Holland aufgebaut hatte.
Man brachte uns zum Schouwburg Theater.
Doct war ich zu meiner Überraschung von lauter Leuten umgeben'
die ich kannte' darunter Gerron.
Am Ende waren wir alle zusammen in diesem viehwaggon.
Das Schlimmste' an das ich mich erinnere'
war der Moment' als ich auf die Toilette musste.
Es gab in dem Waggon nur einen Eimer in der Ecke.
Alle standen drum herum. ich' als Kind' konnte das nicht fassen.
Und ich glaube ...
Gerron muss gespüct haben' was ein kleines Kind denkt'
und er half mir' indem er seine Jacke vor mich hielt'
um mich zu verdecken.
Westerbork.
Ein holländisches Sammellager für 1OO OOO Juden'
Durchgangsstation bei der so genannten 'PUmsiedlung in den Osten'P.
Als Gerron nach Westerbork kam' kannte ihn įeder.
Erwar stets von Leuten umgeben' saß mitten im Raum neben seiner Frau.
Er erzählte Geschichten und alle lachten.
Erverkraftete es wohl ganz gut' dass er doct war.
Hans Margules erkannte Gerron sofoct.
Der Schauspielerwar in Berlin ein guter Freund seiner Eltern gewesen.
Ich sprach ihn an und er sagte sofoct:
'PHallo Hans! Wie gehtts? ich habe Hunger!'P
Gerron konnte zum Glück in Westerbork seine Talente dazu nutzen'
sich eine Zusatzration Essen zu verdienen.
SS-Lagerkommandant Albect Gemmeker sah sich als Mann von Kultur.
Er liebte das Theater und erlaubte den Bau einer Bühne
mit Brettern aus einer geplündecten Synagoge.
Als Gastgeber einer Premiere
'Pzu Ehren des 4O OOO. depoctiecten insassen'P
verordnete erAuftritte 'Pgefangener Künstler'P wie Gerron und Spira.
Die Leute' die nach Auschwitz sollten'
saßen am Abend davor in einem großen Theater.
Sie lachten sich über Gerron und mich halbtot.
Es war ein großes Kabarett.
Gemmekerwollte' dass wirfreundlich behandelt werden'
damit keine Panik aufkommt' wenn derAbtranspoct beginnt.
Der Montagabend gehöcte dem Kabarett.
Das war Gemmekers Abschiedsgeschenk für die' deren 'PUmsiedlung'P bevorstand.
Wenn früh morgens am Dienstag derTag anbrach'
hallten die Lieder und Sketche in den Köpfen der Gefangenen nach.
Tausende wurden įetzt mit der nazitypischen Effizienz abtranspoctiect.
Kuct Gerron gehöcte zu den Bevorzugten.
Als berühmter Entectainer und dekoriecter Kriegsheld
hatte er in den Augen der Mazis 'PSonderstatus'P.
Man versprach ihm als 'Pbrauchbarem Juden'P
den Transpoct an einen sicheren Oct'
an dem er bequem das Ende des Krieges abwacten könnte.
Es war der 25. Februar 1944.
Hans Margules war an diesem Tag am Bahnhof.
Er hatte die Aufgabe' die Waggontüren zu verriegeln'
bevor die Züge losgeschickt wurden.
Ich wollte zu ihm' doch es war unmöglich.
Doct waren zu viele Menschen.
Ich konnte mich nicht von ihm verabschieden.
Aber ich dachte auch:
'PEr geht in den Osten' erwird schon irgendwie überleben.'P
Als er an diesem kalten Februarmorgen daraufwactete einzusteigen'
spücte Gerron vielleicht schon'
dass sein Leben auf der Bühne langsam zu Ende ging.
Zwei Tage und Mächte voller Qualen
mussten Gerron und eine Mitgefangenen auf ihrer Reise nach Osten durchstehen.
Im Dunkeln zusammengepfercht hofften sie'
dass alles' was sie über ihrZiel gehöct hatten' wahr sei.
Es war der 26. Februar 1944.
Kuct Gerron war einer von 8O9 įüdischen Gefangenen'
die das grelle Tageslicht blendete'
als sie den Dreck und Gestank derWaggons verließen.
Ihr neues Zuhause war die beispiellose verkörperung des Maziwahnsinns:
Theresienstadt.
Man ging systematisch vor:
Meuankömmlinge wurde in der so genannten 'PSchleuse'P empfangen.
Hierwurde Geld' Schmuck' gute Kleidung' alles von Wect 'Pabgezweigt'P.
Mit dieser ersten Abfectigung der Gefangenen
wurde auch der erste Akt der Erniedrigung vollzogen.
Es war schrecklich. Wir hatten nichts gegessen' nicht geschlafen'
und wirwussten nicht' was uns erwactete.
Kuct Gerron würde sagen:
Theresienstadt wurde 178O als befestigte Garnisonsstadt gebaut'
um das nahe Prag zu schützen.
Die Mazis richteten hier ihr 'PMuster-Ghetto'P ein'
den Oct' um berühmte Juden auszustellen.
Hierwaren Akademiker und Wissenschaftler internationalen Ranges
und einige der begabtesten europäischen Künstler eingesperct.
Juden' deren verschwinden bemerkt worden wäre.
Die Mazis verkauften sogar das Privileg' in diesem 'PParadies'P zu leben.
Juden wurden überlistet' ihrvermögen dem Reich zu übectragen.
Zum Ausgleich für Häuser 'Pam Park'P oder 'Pmit Seeblick'P.
Es gab keinen See.
Ein trockenerWassergraben umgab 1O m hohe und 6 m breite Festungswälle.
Gebaut' um militärische Angreifer abzuhalten'
konnte man sie auch umgekehct nutzen' um die įüdischen Gefangenen abzuriegeln.
Einen solchen Oct hätte sich Kuct Gerron nie vorstellen können.
Unter den Juden in Theresienstadt waren einige der besten Maler'
Schauspieler' Musiker und Komponisten Europas'
und sie alle arbeiteten hact.
Zuerst locker organisiecte Freundschafts- abende entwickelten sich zu etwas'
das im System der Konzentrationslager der MS sonst unvorstellbarwar.
Was immer die Motive der Mazis waren'
für Gefangene wie Gerron war es ein Geschenk des Himmels.
Auf der einen Seite existiecte diese Kultur'
aber andererseits ...
vergessen Sie nicht' dass an diesem Oct 4O - 5O OOO Menschen lebten.
Es war so überfüllt.
Es war schrecklich' und es gab kein Essen.
Essen wurde zu einerZwangsvorstellung.
Es war so knapp bemessen' dass der 'PJudenrat'P'
ein Åltestenrat, der mit der Leitung des Lagers beauftragt war'
die Rationen eines įeden Einzelnen festlegen musste.
Junge Menschen hatten vorrang'
weil sie die Zukunft des įüdischen volkes darstellten.
Alte und Kranke starben zu Tausenden.
Der Rest kämpfte ums Überleben.
Ein 19-įähriger Fan Gerrons' Tommy Mandl'
sah den ehemaligen Kinostar in einer Essensschlange stehen.
Ich sah ihn an und mirfiel auf'
dass Kuct Gerron stark an Gewicht verloren hatte.
Erwar noch immer sehr groß und beeindruckend.
Doch es ließ sich nicht leugnen: Dies war ein Gefangener.
Hunger. Überfüllung. Krankheit.
Doch die Gefangenen ahnten: Was sich įenseits von Theresienstadt abspielt'
könnte noch weit schlimmer sein.
Es gab ein Woct' das įederfürchtete'
und das war 'PTranspoct'P.
Jüdische Gefangene bekamen den Befehl:
'PStellt einen Transpoct von 1OOO Menschen zusammen.'P
Die Juden mussten quasi selbst bestimmen' wer getötet werden sollte.
Die Transpoctlisten stellte derJudenrat zusammen
und übergab sie vorschriftsmäßig dem Lagerkommandanten.
Aber so grauenhafte Entscheidungen zu treffen' war einigen unmöglich.
Die Mazis entdeckten' dass Jakob Edelstein' vorsitzender des Judenrates'
Transpoctlisten gefälscht hatte' um eine Handvoll Leben zu retten.
Er und seine Familie wurden mit dem nächsten Zug abtranspoctiect.
Den Zurückgebliebenen blieb nichts anderes übrig'
als die Scherben zusammenzukehren.
DerJudenrat wählte einen neuen vorsitzenden.
Und der Ghetto-Chor' der durch die Transpocte ständig Sängerverlor'
sang hactnäckig weiter.
Kultur gab den Menschen hier ein wenig Hoffnung'
ein wenig Frischluft' ein wenig illusion von Freiheit.
Jede vorstellung' įedes Konzect' įedes Kabarett
bedeutete andecthalb Stunden Freiheit.
Im Sommer 1944 blühte das kulturelle Leben in Theresienstadt
unter dem wachsamen Auge des Lagerkommandanten Rahm.
Rahm schickte nach mir. ich dachte: 'POh Gott!'P
ich ging zu ihm und er sagte: 'PDu kannst Klavierspielen?
Ich habe dich noch nicht gehöct' aber ich weiß' dass du gut bist.
Du inszenierst die Musik und dirigierst!
Kuct Gerron macht ein Kabarett und plant eine Revue.'P
So redete er mit mir und sagte dann:
'PWie soll die Revue heißen?'P
Kuct sagte: 'PKarussell.'P
Das war Kabarett!
Und Kuct schrieb das berühmte Karussell-Lied.
'PWir reiten auf hölzernen Pferden.'P
Keiner konnte es so singen wie er.
'PWir reiten auf hölzernen Pferden.'P
Und ich spielte es wie einen Marsch.
Ich sehe Kuct Gerron noch da auf der Bühne stehen.
Er singt seine Lieder und der Raum ist voller begeistecter Menschen'
die ihn hören wollen.
Sie kamen alle' weil Gerron sehr bekannt war.
Ertraute sich' in seinem Kabarett die Dinge auszusprechen.
Seine Sketche und Parodien waren unterhaltsam'
hatten aber natürlich einen tragischen Hintergrund.
Aber erwar sehr mutig.
Grauenvoll waren in Theresienstadt die Octe'
wo die alten Leute lebten.
Als Schauspielerwar doct kein Ruhm zu ernten'
nicht mal eine Scheibe Brot.
Und dennoch liebte er seine Auftritte
für diese alten' zum Tode veructeilten Gefangenen.
Wir probten im Dach eines Hauses' in dem Blinde lebten.
Am Tag der Premiere
fanden wir doct gestapelte Leichen.
Leichen vom Boden bis zur Decke.
Wirwaren völlig schockiect.
Ich weiß nicht' wie viele es waren.
4O' 5O' 1OO ... ich weiß es nicht.
Aberwirwollten die Premiere abhalten.
Das warfür uns lebenswichtig.
Es waren auch sehrviele Leute eingeladen.
Einer der Schauspieler hatte eine idee.
Wir holten die Blinden aus ihren Räumen
und postiecten sie auf den Treppen wie eine Ehrenwache.
Sie streckten ihre Hände vor
und die Leichen wurden über die Blinden nach unten gereicht.
Am Ende derTreppe angelangt'
brachte man sie weg und die Premiere fand statt.
Erwarfantastisch! Und sein Rrrr ging etwa so:
Es war nur gespielt' aber es machte einem Angst'
wenn er das sang.
Es wurde wahrhaftig' man sah es.
Erwar ein ausgezeichneter Künstler und Schauspieler.
Gerron zog in Theresienstadt alle in seinen Bann.
Das blieb auch Kommandant Rahm nicht verborgen.
Gerrons Stimme warvectraut' man kannte sie aus Berlin' von früher.
Jetzt höcte man sie wieder' auch in den Schaltstellen der Macht.
Monatelang ignoriecten die Mazis schärfere Forderungen
der neutralen Staaten Europas
nach der Klärung des Schicksals der europaweit verschwindenden Juden.
Aus Osteuropa kamen beunruhigende Geschichten in Umlauf'
die vermuten ließen'
dass in Hitlers Lagern entsetzliche verbrechen begangen wurden.
Könnte man die Gerüchte nicht aus derWelt schaffen'
indem man Einblick in ein 'Ptypisches KZ'P gewähcte?
Durch breite Straßen und klare Fassaden
erweckte Theresienstadt einen unbestreitbar pittoresken Eindruck.
Weil seine inhaftiecten auch noch ein so intensives Kulturleben fühcten'
war dies für Himmler der ideale Oct' um das internationale Rote Kreuz einzuladen.
Ernsthafte vorbereitungen begannen.
Kommandant Rahm sagte: 'PSie dirigieren die Band.
Sie sollte soįazzig wie möglich klingen. Mit amerikanischen Arrangements.'P
ich sagte: 'PWas?'P
Er sagte' es solle wie eine amerikanische Band klingen.
Und so klang es auch.
Mactin Romans 'PGhetto Swingers'P
spielten sich in einem 'PKaffeehaus'P die Seele aus dem Leib'
herausgeputzt für den Besuch des Roten Kreuzes.
Swing war unter den Mazis verboten' galt als dekadent und subversiv.
Das Rote Kreuz sollte überrascht sein' wie viel Freiheit die Juden hier genossen.
Der Schlagzeuger der Band war Coco Schumann.
'PBei mir bist du schön'P war ein sehr bekanntes' įüdisches Lied.
Man durfte es nicht öffentlich spielen' nur im Untergrund.
Aber hier durften wir spielen' was wirwollten.
DerÅltestenrat hielt uns zu gutem Benehmen an.
Wirwürden schöne Kleider bekommen
und sollten nie ein böses Woct überTheresienstadt fallen lassen.
Wir sollten vergnügt sein und spielen.
Spielen' aberwo?
Den Gefangenen war selbst der Blick auf den Marktplatz verboten'
geschweige denn' dass sie doct spielen könnten.
Sie nahmen den großen Zaun weg' der uns vom Park trennte.
Und plötzlich war der Park für uns offen.
Man pflanzte Blumen und Sträucher'
stellte Bänke auf und errichtete einen Musikpavillon.
Auf Befehl hoben einige Gefangene sogar ein Schwimmbecken aus'
um ihr Gefängnis in ein Paradies zu verwandeln.
Doch für die Mazis warTheresienstadt noch nicht schön genug.
Letzte 'PKleinigkeiten'P stöcten noch.
Obersturmbannführer Rahm entfernte noch Menschen.
Meine Tante' mein Onkel und die beiden Kinder ...
Wirtrafen sie noch zwei Tage vorher und ...
Sie waren einfach weg.
Man schaffte sie in der Macht weg und wir sahen sie nie wieder.
Durch diese Depoctation fanden 75O3 Menschen in Auschwitz den Tod.
Jetzt war die verschönerung Theresienstadts vollkommen.
23. Juni 1944.
Eine SS-Limousine nähect sich den Absperrungen von Theresienstadt.
Im Auto sitzt Maurice Rossel.
Das Rote Kreuz hatte einen 26-įährigen ausgewählt'
Kronzeuge der internationalen Gemeinschaft zu sein.
Ich konnte nur über die Besichtigungstour berichten'
die von der SS vorbereitet worden war.
Ich machte viele Bilder. ich fotografiecte alles' was ich wollte.
Ich brachte viele Fotos mit.
Heißt es nicht' ein Bild sage mehr als tausend Wocte?
'PBeim Betreten des Ghettos können wir uns überzeugen'
dass die Bewohner nicht unterernähct sind.
Man findet im Ghetto sogar Dinge' die man in Prag vergeblich sucht.
Das Ghetto verfügt überverschiedene Orchester.
Jeden Machmittag um fünf spielt eines auf dem Marktplatz.
Wir höcten eine Probe von verdis Requiem.
Die Menschen' denen wir begegnen' sind gut gekleidet'
mit den üblichen Unterschieden von reich und weniger reich'
wie es sie in įeder Stadt gibt.'P
Begleitet von hilfsbereiten und aufmerksamen SS-Führern'
wurde derįunge Delegiecte des Roten Kreuzes
auf einem 'Pspontanen'P Rundgang im Ghetto herumgefühct.
Alles war bis ins Detail vorbereitet.
Man fotografiecte mich auf dem Platz' umgeben von Blumen.
Ich spielte die 'PLustige Witwe'P'
die Czardasfürstin' spaßige Operettenmusik eben.
Dadurch bekam die Kommission den Eindruck:
'PDie leben doch ganz nett hier.'P
Die Kleinen mussten sagen:
Sie hatten nie Sardinen gesehen' wussten nicht mal' was das ist.
Und wer hätte es gewagt' den Kommandanten 'POnkel'P zu nennen?
'POnkel Rahm' wirwollen keine Sardinen mehr.
Sie hängen uns zum Hals raus. immer müssen wirzu viel essen!'P
Man hatte das eingeübt. Man hatte sie daraufvorbereitet' das zu sagen.
Maurice Rossel wurde hereingelegt.
Die Täuschung der Mazis hatte reibungslos funktioniect.
Als Rossel Theresienstadt verließ'
war er sehrzufrieden mit dem' was er gesehen hatte.
Es gelang ihm sogar' Rahm ein versprechen abzunehmen:
Den Chor' der ihn so unterhalten hatte' dürfe nie wieder getrennt werden.
Durch Rossels überschwänglichen Bericht beflügelt'
schmiedeten die Mazis einen noch ehrgeizigeren Plan:
Wenn sie das Rote Kreuz reinlegen konnten' warum nicht die ganze Welt.
Die Zeit war reif' eine alte idee neu zu beleben.
Schon zwei Jahre zuvor plante die SS' derWelt Theresienstadt zu zeigen.
Man organisiecte einen Drehbuch- wettbewerb unter den Gefangenen.
Den Wettbewerb gewann irina Dodolova.
Und kurz darauf leitete diese unerfahrene Filmemacherin
eine Mazi Kamerateam bei dem versuch'
Hitlers 'Pgroßherziges Geschenk an die Juden'P aufZelluloid zu bannen.
Diese ausgemustecten Reste erlauben einen Blick auf das Leben im Ghetto'
wie es wahrscheinlich wirklich war.
Und das stellte für die Mazis ein Problem dar.
Es heißt' Himmler sei bei der Sichtung des Materials so aufgebracht gewesen'
dass er die sofoctige vernichtung aller Kopien befahl.
Da Dodolova die Wahrheit nicht verfälschte'
entging den Mazis eine einmalige Propagandamöglichkeit.
Dieser Fehlerwürde ihnen nicht noch einmal passieren.
Man beordecte Gerron zum Kommandanten Rahm.
Man sagte ihm' dass sie einen Film machen wollten.
Rahm sagte Gerron' und so redete er:
'PDu bist der Regisseur dieses Films.'P
Seit Gerrons letzter Regie waren ganze sieben Jahre vergangen.
Jetzt bekam er wieder die Gelegenheit dazu ...
Doch nur im Pakt mit dem Teufel.
Jederwusste' was es bedeutete' sich zu widersetzen.
Was sollte ertun?
Kurz zuvorwaren fünf Künstler festgenommen worden'
die solche Bilder gemalt hatten.
Das Leben darzustellen' wie es war'
galt als subversive 'PAnti-Mazi-Propaganda'P.
Die Künstlerzahlten einen hohen Preis für ihre 'Pverbrechen'P.
In der grauenhaften 'PKleinen Festung'P.
Folter und Mord waren hier an derTagesordnung.
Könnte Widerstand hierwirklich dazu beitragen' die Mazis zu stoppen?
Gerade įetzt' angesichts der Gerüchte' die sich im Ghetto verbreiteten.
Es gab einen mutigen Mann' der derWaffen-SS sagte:
'Pich kann alle eure Radios reparieren.'P
Und so wussten wir genau' was los war.
Also sagten wir uns:
'POkay' die drehen einen Propagandafilm' na und.
Das wird ihnen nichts mehr helfen' sie werden untergehen.'P
Und dieser Gedanke muss eine Act Trost für Gerron gewesen sein.
Es blieb eine qualvolle Entscheidung.
Gerron befragte den Åltestenrat.
Seine Antwoct war unmissverständlich:
Alles machen' um am Leben zu bleiben.
Aberfür den Mann' der einst in seinerArbeit aufging'
bedeutete dieser Film mehr als das bloße Überleben.
Es war die Chance' wiederzu arbeiten und zu leben'
sich zu erinnern' wer er einmal gewesen war.
Erwar ein Star und verhielt sich auch so.
Er gab sein Bestes' und das warviel.
Gerron stürzte sich in die Arbeit
und gab seinem Film die Form eines großen Studio-Spielfilms.
Ich erinnere mich gut daran' wie er am 1. Tag zum Dreh kam.
Ertrug einen Schal und ein Einstecktuch in derJackentasche.
Und auf seinem Stuhl stand 'PRegisseur'P.
Er richtete eine Szene ein' bei der ich im Streichorchester Geige spielte.
Er sagte: Das Licht sollte doct sein' die Geigen weiter hinten.
Jeder konnte sehen'
dass er außer sich vor Freude war' diese Arbeit zu machen.
Er setzte all diese Leute in Szene
und wollte' dass sie eine Menschenmenge bilden.
Erwar sehr beschäftigt und ich glaube'
ervergaß dabei' wo erwar.
Dass er sich in einem Konzentrationslager befand.
Erwollte einfach eine perfekte Arbeit abliefern.
Ein tadelloses Werk.
'PLieber Herr Holzer' erlauben Sie mir' ihnen meinen tiefen Dank auszusprechen
für ihre vorzügliche Arbeit beim Dreh ...'P
'PLieber Herr Reimann' ich bin von ihrerArbeit ehrlich begeistect.
Hoffentlich können wir die Proben bald foctsetzen und ...'P
'PHerr SS-Obersturmführer Rahm erschien am Drehoct
und schien mit derArbeit zufrieden ...'P
'Pich kann bestätigen' dass unsere Arbeit reichlich Material
für einen Weltklasse-Dokumentarfilm liefect.
Mit den besten Grüßen' ihr Kuct Gerron.'P
Er kommandiecte und gab Befehle'
aber ertrug den 'PJudenstern'P.
Gerron wurde mir nie vorgestellt. Wir hatten keinen unmittelbaren Kontakt.
Seine Anweisungen an mich liefen überzwei SS-Offiziere'
die hinter uns standen und übersetzten.
Ivan Fric war der 'Pnicht-įüdische'P Kameramann'
den die Mazis įeden Tag extra aus Prag kommen ließen.
Einmal wollte ich etwas von Gerron und sagte zur SS:
'PWürden Sie bitte Herrn Gerron dies oderįenes sagen ...'P
Der SS-Mann schrie zurück:
'Pvon welchem tHerrnt Gerron reden Sie? Er ist ein stinkenderJude!'P
Die Anspannung am Drehoct warfürįedermann spürbar'
Darsteller und Team ...
Der SS-Mann schrie: 'PDas Judenschwein soll mit mir reden.'P
ich sah in Gerrons Gesicht' dass ihn das verärgecte.
Ich sah auch seine Angst. Er hatte Angst.
Das Schlimmste war' dass er nichts entgegnen durfte.
Zeuge dertäglichen Erniedrigung Gerrons war sein Assistent Salle Fischermann.
Manchmal war Rahm so böse' dass ich befürchtete' er schlüge Gerron.
Doch das passiecte nicht' denn er brauchte ihn.
Rahm wusste' dass Gerron der Einzige im Lagerwar'
der menschliches Elend in Bilder häuslichen Glücks verwandeln konnte.
Und Gerron tat alles in seiner Macht' ihn nicht zu enttäuschen.
Die Leute mochten das nicht. Sie wollten da nicht mitmachen.
Er stand da' schrie ins Megafon und tat sehrwichtig.
Das mochten die Leute nicht. Überhaupt nicht.
Wirwaren gegen die Deutschen. Genauer gesagt gegen die Mazis.
Wir hatten nur einen Standpunkt: Hass.
Feind. Keine Kollaboration' keine Diskussion mit den Deutschen.
Mit den Mördern.
Und erversuchte' mit ihnen zu diskutieren.
'PLieber Herr Hahn' wir entschlossen uns zu einer kleinen Drehplanänderung.
Wenn Sie den morgigen Drehtag organisieren'
würde ich Sie gern um einige niedliche' nicht gerade blonde Kinder bitten.
Vielen Dank im voraus' ihr Kuct Gerron.'P
ich wollte in dem Film mitspielen' doch sie ließen mich nicht.
Zeigte ich mich' hieß es: 'PDie Blonde raus!'P
ich war ein blondes Kind. Und įüdische Kinder sind nicht blond.
Blond zu sein' war ein vorrecht der 'PHerrenrasse'P.
Deshalb wurden die Kinder in der Oper wegen ihrer guten Stimmen
und ihres typisch 'Pįüdischen'P Aussehens ausgewählt.
Wie der dunkelhaarige Junge' der 'PBrundibar'P die Titelrolle' sang.
Er sang seine Rolle so gut' dass wir ihn bewundecten.
Erwurde nach Auschwitz verschickt. Erwar 16 Jahre alt' aber sehr klein.
Um in Auschwitz überleben zu können' musste man größer als 1'5O m sein.
Und erwar 1'49 m groß.
Das Leben įedes Einzelnen hing an einem seidenen Faden.
Es gab eine surreale Szene am Schwimmbecken.
Es warfast wie in Dornröschen.
Die ganze Stadt stand still.
Ein Schwimmer stand auf dem Sprungbrett.
Gerron pfiff mit seiner Pfeife'
und der Schwimmer sprang los.
Es sah perfekt aus.
Doch wenn er Leute zum Lächeln oder anderen Ausdrücken bringen musste'
dann brach Gerron der Schweiß aus.
Er bat sie dann inständig' für ihn zu spielen.
Aber das funktioniecte nicht.
Erwollte der Gerron von einst sein' aber das war nicht mehr möglich.
Erwar schon erschöpft.
Die hacten Dreharbeiten hatten ihn sehr mitgenommen.
Er sagte:
'PAls Regisseur kann ich eine Szene inszenieren'
aber ich kann nicht das Grauen aus den Augen der Menschen löschen.'P
Gerron musste seine Darsteller schließlich wieder als das sehen' was sie waren:
Opferwie er.
Und trotz seiner schweren Bedenken
arbeitete erweiter daran' den Mazis ihr filmisches 'PParadiesghetto'P zu geben.
Es warįetzt klar' dass er eine Marionette in den Händen der Deutschen war.
Erwar kein Künstler' sondern ein verräter.
Von da an hassten wir ihn natürlich. Erwarfür uns tabu.
Jeder andere in dieser Situation hätte genauso entschieden.
Entweder den Film zu drehen oder ermordet zu werden.
Oder nach Auschwitz depoctiect zu werden.
Jeder' der mir erzählt' er hätte anders gehandelt' lügt.
Es hat den Mazis nicht geholfen.
Der Film sollte neutrale Staaten in Europa täuschen'
wie Schweden und die Schweiz.
Doct wurde er nie gezeigt.
Was Kuct Gerron getan hat'
hatte also keine moralische Dimension
und keine moralischen Konsequenzen.
Im Spätsommer 1944 schaffte Gerron das Unvorstellbare:
Er hatte die Hölle des Lebens in Theresienstadt
in ein Bild vom Himmel auf Erden verwandelt.
Es war nicht leicht. Es war sehr' sehr hact.
Glauben Sie nicht' dass es da schön war.
Es war schrecklich' wirklich schrecklich.
Wirwaren 28 Mädchen in einem Raum
und 13 davon starben an Typhus.
Dreizehn aus einem Raum. Das war nicht einfach.
Ab dem 12. September' nach Abschluss der Dreharbeiten'
liefen die Depoctationen wieder auf Hochtouren.
Die Mazis waren dabei' den Krieg zu verlieren' und die Zeit wurde knapp.
Es war nicht immertralala. Es war bitter.
Es war sehr bitter. Es war schlimm.
1O Züge sollten in den nächsten 4 Wochen Theresienstadt verlassen'
beladen mit fast 17 OOO Menschen.
Es ist ein seltsames Gefühl' hierzu stehen.
An diesem Oct ...
Diese heruntergekommenen Gebäude.
Sie sind alle leer und stumm.
Damals lebten hier Tausende von Menschen.
Und įetzt ist alles leer.
Wie eine Stadt der Schatten ... Der Gespenster.
Rahm hielt sein versprechen' den Ghetto-Chor nicht zu trennen.
Sie wurden nach Auschwitz transpoctiect. Mit dem ersten Zug.
Alle zusammen.
Fastįeder' der bei Gerrons Film mitgemacht hatte'
wurde in den Osten geschickt. Während erzurückblieb.
Er hatte schlussendlich mehr getan' als von ihm verlangt wurde.
Er hoffte auf sein Leben. Als Belohnung.
Dann' am 28. Oktober'
befahl Rahm den 11. und letzten Transpoct nach Auschwitz.
Er stieg wie ein König in den Waggon.
Es warwie bei einem Auftritt.
Er ließ sich nicht gehen' er bettelte nicht um sein Leben.
Er schaute nicht nach rechts und links.
Er schritt hinein. Wie ein König.
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