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Die Handlungs- und Gedankenfreiheit, die ich unter
den Arbeitern im Schweizer Jura-Gebirge vorfand,
berührten mich sehr;
und nach ein paar Wochen bei den Uhrmachern
stand meine Auffassung vom Sozialismus fest:
Ich war Anarchist.
Piotr Kropotkin, 1877.
Können sie uns hier sehen?
- Sind wir hier im Bild? - Ja.
Sehr gut.
- Sind Sie bereit? - Ja, fast.
Haben Sie die neuen Photos dabei?
Alexei, bitte...
Es ist immer das Gleiche. Du kennst es ja.
Veročka, kommst du nicht zu uns?
Ich will nicht auf dem Photo sein.
Meine Liebe, komm schon.
Ich will nicht auf dem Photo sein.
Oh, schau mal, wo wir hier sind.
- Im schönen Jalta. - Ja.
Und ist das hier Piotr?
Unser lieber kleiner Cousin.
Immer mit diesem verlorenen Ausdruck im Gesicht.
Schau ihn dir an.
Weisst du etwas von ihm?
Wusstest du das nicht?
Er ging in ein Tal in der Schweiz,
wo nur Uhrmacher und Bauern leben.
Dort wurde Piotr zum Anarchisten.
- Zum Anarchisten? - Ja.
Kennt ihr ihre Ideen?
Es ist wie der Kommunismus,
nur ohne Regierung.
Ja, sie wollen eine Föderation gründen
und die Macht dezentralisieren.
Mit lokalen, selbstverwalteten Kommunen
ohne das Konzept der Nationen.
Ohne irgendeine zentrale Macht.
Nicht wie Marx und Engels,
die ja nach der Revolution
einen zentralen Machtapparat aufbauen wollen.
Vielleicht geht es auch um das Territorium.
Wir stellen uns ein Territorium als das Gebiet
eines Staates oder einer Nation vor.
Aber für Anarchisten ist das nur ein Ort,
an dem wir vorübergehend gemeinsam leben.
Aber ich verstehe es auch nicht ganz.
Nicht wirklich.
Welches Konzept wird wohl gewinnen?
Anarchismus
oder Nationalismus?
Was bedeutet schon gewinnen?
Armer kleiner Piotr.
Einmal traf ich ihn in Moskau, in einem Park,
in Sokolniki.
- Wirklich? - Ja.
Er sass ganz alleine da
und starrte auf ein Photo, ein Portrait.
Kennst du diesen versteckten Ort hinter den Birken?
Da gibt es eine Bank.
- Neben dem kleinen Flüsschen. - Ich weiss wo.
Er sass einfach alleine da
und schaute sich das Photo an.
Ich schlich mich zu ihm heran
und fragte ihn, wer die Frau auf dem Bild war.
Er sagte mir,
dass er es auf den Strassen
von Paris gekauft hatte.
Offenbar war die Frau eine Stammesführerin in...
Papua-Neuguinea.
Diese Stammesführerin
schnitt einem englischen Offizier die Kehle durch,
weil er sie küssen wollte.
Sie wurde natürlich hingerichtet.
Die Engländer hängten sie.
Armer, armer Piotr.
Er verliebte sich in das Photo einer toten Frau,
die er nicht einmal kennengelernt hatte.
Ja, aber wenigstens verliebte er sich.
Achtung, bitte!
Versuchen Sie, 20 Sekunden still zu halten.
Entschuldigen Sie mich.
Guten Morgen.
Ich suche den Ort namens Torrent des Orvets.
Ja, das ist gleich hinter der Sägerei.
Ja, genau.
Gehen Sie die Rue du Midi entlang bis zum Ende.
Oder warten Sie, ich zeige Ihnen eine Abkürzung.
Also... Kommen Sie einfach mit mir mit.
Ich gehe in die gleiche Richtung.
Sehr gerne, danke vielmals.
Wir müssen immer noch entscheiden,
wo das Bild hinkommt im Katalog.
Der Titel mit dem Firmennamen kommt hier oben.
Centralines, da.
Soll die Fahne ins Bild oder nicht?
Wir machen eines ohne, danke.
Beim Text ist nur noch die Frage im letzten Satz:
«Heutzutage kann man sich einen Menschen
ohne Uhr in der Hand gar nicht mehr vorstellen.».
Herr Direktor, welche Zeit
soll ich für das Photo einstellen?
Setzen Sie sie auf zehn nach zehn, bitte.
- Zehn nach elf, bitte. - Genau.
«Heutzutage...» Und das ist schön:
«...einen Mensch ohne Uhr in der Hand...».
Das ist genau das Bild, das wir vermitteln wollen.
Die Frage ist jetzt,
ob man das auch sieht im Bild.
Oder ob es nicht einfach
eine leere Behauptung ist.
Stopp, gehen Sie bitte nicht durch das Bild.
Ich habe hier zwölf Gros Unruhen,
die dringend in die Terminage müssen.
Haben Sie die Anweisung nicht erhalten?
Wir machen eine Photographie des Haupteingangs
für den neuen Werbekatalog.
Sie müssen halt über X1 oder M4.
Dann verliere ich vier Minuten.
Also gut, kommen Sie, aber schnell.
Mein Herr, was tun Sie da?
- Guten Morgen. - Rüdisüli, Payard, bitte.
Ich muss arbeiten.
Gehen Sie bitte aus dem Bild.
Clément, sind wir aus dem Bild? Danke.
Kann ich bitte Ihre Papiere sehen?
Aber sicher.
Danke.
Kropotkin, Piotr.
Sankt Petersburg.
Was ist der Grund für Ihre Reise?
Was bringt uns die Ehre,
Sie hier in der Schweiz zu haben.
Ich bin Geologe und Kartograph,
und ich mache eine neue Karte des Tals.
Wie lange sind Sie schon hier?
Seit ein paar Tagen.
Für diese neue Karte
muss ich die Lieux-Dits zeichnen,
die auf den bestehenden Karten nicht erscheinen.
Zum Beispiel dieser Torrent des Orvets.
Sie können hier nicht durch. Der Weg ist gesperrt.
Wir machen neue Photos
für den Katalog der lokalen Fabrik.
Wir sind momentan in einer Wirtschaftskrise,
international, sogar global.
Wir müssen uns dagegen wehren.
Die ausländische Konkurrenz
darf nicht gewinnen.
So ist es. Danke für Ihr Verständnis.
Perfekt, danke.
Einen schönen Aufenthalt noch, auf Wiedersehen.
Nimm die Leiter dort weg.
Doch werden wir dadurch
wirklich mehr Uhren verkaufen?
Herr Direktor...
Herr Direktor, wir sind so weit.
Gut, legen wir los.
19 Sekunden.
Frau Gräbli,
Sie sind beim Auswuchten der Unruh?
Einen Moment, legen Sie sie zurück, bitte.
Perfekt, legen Sie los.
Zunächst müssen Sie die Spirale gut greifen.
Sie arbeiten am Herz der Uhr.
Sie müssen schneller arbeiten.
Eine Minute, 13 Sekunden.
Wenn Sie die Spirale von Beginn weg
mit einer halben
oder sogar ganzen Drehung greifen,
dann können Sie die Kadenz steigern,
und dadurch wird es viel rentabler
für uns beide.
Frau Gysin.
Sie sind bei der Setzung der Frequenz.
Ich bin gerade fertig
mit dem Zählen.
Sehr gut.
Zweite Zählung.
Messen wir die Zeit.
- In Ordnung. - Legen Sie los.
Mehr zentrieren.
Danke, 22 Sekunden.
Guten Morgen.
Es ist schon Zeit.
- Wie lange hattest du? - 33.
Ich hatte nur 22.
Schummle doch etwas mehr.
Ich habe extra langsam gemacht.
Wie viele machst du pro Stunde?
Fünf.
Aber das nächste Mal
arbeiten wir alle etwas langsamer.
Aber dann könnten sie uns entlassen,
weil wir nicht genug produzieren.
Seid ihr beide verheiratet?
- Nein. - Ich auch nicht.
Habt ihr eine Versicherung?
Die offizielle Versicherung der Fabrik?
Ich bin nicht verheiratet, und nur Männer
und verheiratete Frauen haben Anrecht darauf.
Aber bei der S.F.O. kannst du.
Was ist die S.F.O.?
Die Gesundheitsversicherung
der anarchistischen Bewegung.
Dort können alle versichert werden.
Wie viel kostet das?
Drei Prozent des Tageslohns.
Dann haben wir eine Minute, 59 Sekunden.
Ah, trotzdem.
Ja, das ist etwas länger,
als wir eigentlich dachten.
Und da ist noch dieser: 11 Sekunden.
Das müssen wir uns merken.
Das ist die Zukunft.
- Das ist das, was du sagtest. - Ja.
Das überrascht mich, aber das ist natürlich...
- natürlich gut. - Ja, es ist schnell.
Sehr schnell, aber gut...
Diese 4 Minuten, 58 Sekunden,
die müssen wir halt schon...
...loswerden.
Da brauchen wir einen anderen Weg.
Das schauen wir noch.
Heute gehen wir die Strecke nochmals durch.
Und auch die Alternative dazu.
Das müssen wir messen.
Das müssen wir wirklich messen.
Jetzt gehst du mal los.
Von B1 bis L4.
Das würde mich noch interessieren.
Also gut, aber geh doch du.
Dann kann ich hier das Total machen.
Ja, das können wir auch so machen.
Dann mache ich das Total.
Weisst du, dann messe ich gleich alles.
Ich warte, bis du zurück bist.
Hast du neue Bilder?
Ich habe zwei neue.
Kennst du diese beiden?
Alle wollen dieses hier.
Sie war vor zwei Tagen in der Zeitung.
Wer ist sie?
Keine Ahnung, aber sie ist sicher berühmt.
Eine Diebin?
Ich liebe Kriminelle.
Und wer ist das hier?
Louise Michel.
Aber sie möchte ich behalten.
Eine Anarchistin aus Paris.
- Hast du keines doppelt? - Nein.
- Und kennst du ihn? - Das ist August.
Ich dachte, die Polizei hätte
alle seine Photos beschlagnahmt.
Jetzt sind sie ein Vermögen wert.
- Wer ist das? - August Reinsdorf,
ein deutscher Anarchist.
Dieses Jahr in Halle versuchte er,
den deutschen Kaiser mit einer Bombe zu töten.
Doch er wurde verhaftet,
verurteilt und gehängt.
- Ist er tot? - Das war dieses Jahr im April.
Kann ich es haben? Ich will es.
Der Kaiser überlebte.
- Er ist tot. - Es ist teuer.
Wieso willst du es?
Weisst du, es gibt Leute,
die sind so verliebt in Photos von Toten,
dass sie bereit sind, ein Vermögen zu bezahlen.
Ich will es.
Wie viel bietest du?
Guten Tag.
- Ich gehe gleich nach oben. - Nur zu.
Ich habe drei verschiedene Uhrwerke,
für die ich Gehäuse brauche.
Ist das der Gesamtdurchmesser?
Ja, wohl schon.
- Das hier? - Ja.
Können Sie ein Gehäuse für dieses Werk herstellen?
Gut, das kostet
etwa vier Franken pro Dutzend.
Jetzt wird es langsam interessant.
Ich kann Ihnen sagen,
dass wir die ersten zwei Modelle auslassen.
Jetzt sprechen wir über die vier Franken.
- Auf 17 Linien? - Ja, 17 Linien.
Sehr gut.
Schauen Sie, es ist eine schwierige Situation,
auf der ganzen Welt.
Wenn ich es nicht schaffe,
meine Uhren für einen besseren Preis zu verkaufen,
dann kommt es schlecht heraus.
Kommen wir zurück zum Preis.
85 ist unmöglich.
Mein letztes Angebot: 3 Franken 80.
Gehen wir runter auf 3 Franken 80 pro Dutzend.
In Ordnung.
Schliessen wir den Verkauf ab?
Sehr gerne.
- Herr Schwitzguébel. - Danke, Herr Matter.
Herr Spichiger, bis zum nächsten Mal.
Kameraden:
Zirkularbrief vom 17. Juli.
Der Verbandsausschuss schlägt vor, 14%,
also 447 Franken
und 36 Rappen,
des Monatsumsatzes unserer Kooperative
der Föderation zu überweisen,
um den Bahnstreik
in Baltimore, USA, zu unterstützen.
Letzte Woche schickte uns die Sektion in Baltimore
ein Telegramm mit dem folgenden Bericht:
28 streikende Anarchisten in den USA
wurden seit Anfang Monat
von den US-Streitkräften erschossen.
Diejenigen, die dafür sind,
die 14 Prozent zu überweisen, erheben die Hand.
Es wurde entschieden,
dass wir den entsprechenden Betrag überweisen.
Vielen Dank.
Ein kleines Tombola-Los aus Solidarität...
- Auf Wiedersehen. - ...mit den Streikenden.
- Guten Abend. - Wir verkaufen Tombola-Lose,
um die Streikenden in Baltimore,
Belgien und Barcelona zu unterstützen.
Für die Streikkassen.
Bald könnte das auch Sie betreffen.
5 Rappen.
Pro Stück?
Was kann man gewinnen?
Photoportraits.
Von uns selbst?
Ja, von Ihnen.
Sie alleine oder mit jemandem,
der die anarchistische Bewegung repräsentiert.
Mit wem? Mit Ihnen?
Ich bin kein Protagonist.
Die Tombola findet am Samstag
bei der Feier statt.
Die Ziehung der Tombola.
Es gibt auch ein Theater.
Über die Pariser Kommune.
Wir werden die Pariser Kommune
nachspielen.
Die Pariser Kommune?
Sie haben eine neue Regierung errichtet.
Sie wollten die ganze Stadt verwalten
und dann ganz Frankreich.
Sie hatten grossartige Ideen.
Sie wollten die Stadt
nach anarchistischen Prinzipien organisieren.
Vor sechs Jahren.
Tatsächlich waren die Löhne von Frauen
und Männern zum ersten Mal gleich.
Doch es dauerte nicht lange.
Nur drei Monate.
Dann wurden sie alle hingerichtet.
Also...
spielen Sie bei unserem Theater mit?
Nein, ich bin keine Protagonistin.
Das macht nichts.
Gut, die Tombola...
Aus Solidarität? Sind Sie interessiert?
Wie viel ist es?
Fünf Rappen.
- Sollen wir? - Ja.
Ich nehme zwei, bitte.
Vielen lieben Dank.
- Diesen Samstag? - Ja.
- Wir sollten gehen. - Sicher.
Die Tombola findet auch auf der Feier statt?
- Bis am Samstag. - Auf Wiedersehen.
Guten Abend, meine Damen und Herren.
Tut mir leid, Sie zu stören...
Möchten Sie ein Tombola-Los?
Wir machen Photos unserer Gemeinde.
Und Sie befinden sich mitten im Bild.
Ich bitte Sie also, woanders hinzugehen.
- Vielen Dank. - Schönen Abend noch.
Ich muss sagen, ich verstehe immer noch nicht,
was du mit einer anarchistischen Karte meinst.
Eine anarchistische Karte widerspiegelt
die Sicht der lokalen Bevölkerung.
Und nicht jene der Administration
oder anderer Behörden.
Die Wissenschaft muss systematisch
die Vorstellungen der Menschen reflektieren,
und darf ihnen nicht externe Ideen aufzwingen.
Nehmen wir zum Beispiel
die traditionellen Ortsbezeichnungen,
die Namen, die die Leute
tatsächlich verwenden für die Orte.
Aber kennen alle diese Namen,
oder nur die Ansässigen?
Momentan nur die Ansässigen, doch wir könnten
diesen Kreis vergrössern mit unserer Karte.
Und wenn gewisse Namen
mehr als einmal auftauchen?
Das geschieht äusserst selten,
insbesondere hier in den Bergen.
Ganz sicher nicht in diesem mehrsprachigen Gebiet.
Entschuldigen Sie, meine Herren,
möchten Sie Photographien kaufen?
Wir haben hier sehr schöne.
Mach etwas Platz.
Kommen Sie doch näher.
Guten Tag. Entschuldigen Sie, das ist sehr nett,
wir müssen zunächst unsere Arbeit machen.
Was für eine Arbeit?
Wir machen eine neue Karte der Region.
- Sehr interessant. - Exakter und aktueller.
Sehr interessant. Wieso machen Sie das?
Ich bin Kartograph.
Sind Sie beide Russen?
Ja.
Das ist sehr interessant.
Kann ich Photos von Ihnen machen?
Ich könnte Portraits von Ihnen machen.
Ich mache Ihnen einen guten Preis.
Weil wir Russen sind?
Nein...
Eher, weil Sie Anarchisten sind,
das sind Sie doch, oder?
Absolut.
Ich würde sehr gerne Photos von Ihnen machen.
Man weiss nie, was aus Ihnen noch wird.
Mein Herr, eine Spende für das Vaterland?
Danke, hier ist das Tombola-Los, fünf Rappen.
Viel Glück Ihnen, danke.
Hier, das ist für Sie.
- Stäheli! - Was gibt's?
Schau dir das an.
Aber nein, das ist doch Rüdisüli.
Und den hier, kennst du den?
Nein, wer ist das?
Bist das du?
Es sieht mir nicht wirklich ähnlich.
Nein, es ist nicht schlecht.
- Wie viel kostet das? - 20 Rappen pro Photo.
Wo hast du sie gekauft?
Bei Photographie Clément, gleich da drüben.
20 Rappen?
Ein guter Preis.
Und wer ist das neben dir? Deine Freundin?
Nein, erkennst du sie nicht?
- Das ist Sarah Bernhardt. - Die Sängerin?
Oh ja, du hast Recht.
Und das ist unser Direktor Roulet.
Direktor Roulet, nicht schlecht.
Seien Sie gegrüsst, Herr Roulet.
Das ist ein schöner Abzug.
- Wer ist das? - Viktor Emanuel der Zweite.
- Ah, der König von Italien. - Genau.
Das ist nun wirklich ein gutes Portrait.
Ist es wertvoll? Heisst das, es ist teuer?
- Sehr teuer? - Oh ja, einen Franken.
Hier sprechen wir von einem Franken?
Pro Portrait.
Wie viel war dieses hier?
Die sind 20 Rappen.
Vom gleichen Photographen?
Mein Herr, eine Spende für das Vaterland?
Nein danke, ich muss zum Telegraphen.
Sind Sie überhaupt Schweizer?
Vielleicht für Sie? Eine Spende fürs Vaterland?
Und was kann man gewinnen?
Hier ist Ihr Tombola-Los.
Wie immer gibt es ein Gewehr zu gewinnen.
- Viel Glück! - Danke, schönen Tag noch.
Fassen Sie sich kurz.
Ihre Minuten sind genauso wertvoll wie unsere.
New York, 7600 Stück, je 12 Franken.
Bombay, 2100 Uhren vom gleichen Modell.
Hongkong, 3400 Uhren, Modell ZJ2113.
Neue Bestellungen der Armeen
von Schweden und Brasilien.
12'000 Soldatenuhren
und 3500 Offiziersuhren.
Total eine Bestellung von 15'939 Franken,
zum heutigen Dollar-Wechselkurs,
der bei 2.35 liegt.
Der Markt ist stabil.
Frau Moser?
Ist gut.
90 Rappen, bitte.
Der Rest ist für Sie, danke.
Danke, auf Wiedersehen.
Einen schönen Tag, Herr Generaldirektor.
Guten Tag, Herr Roulet. Guten Tag allerseits.
Zeitzeichen
32 Sekunden voraus.
Genau zwölf Uhr.
Wir sind so weit.
Perfekt.
Meine Damen und Herren, einen schönen Tag noch.
- Guten Tag. - Guten Tag.
Ich habe zwei internationale Sendungen.
Eine für Chicago
und eine für Barcelona.
Zwei Sendungen, eine nach Chicago,
das macht 55 Rappen pro 100 Anschläge.
Machen Sie Witze?
Ich soll Ihre Handschrift entziffern...
Sie sind nicht alleine hier.
Diktieren Sie, bitte.
- Hier? - Ja, klar.
- Aber verstehen Sie Englisch? - Klar.
- Frau Moser? - Aber sicher.
Mein lieber Freund,
von Zürich bin ich sicher im.
Tal von St. Imier angekommen,
hier im Schweizer Juragebirge.
Das Tal ist zweifellos das Zentrum
der internationalen anarchistischen Bewegung.
Hier werden antiautoritäre Tendenzen
gegen den Nationalstaat
mit sozialistischen Ideen verwoben.
Freundliche Grüsse, P. K.
Auf welche Zeit?
Entschuldigen Sie?
Welche Zeit wollen Sie dem Adressaten übermitteln?
Was wollen Sie damit sagen?
Es gibt vier Uhrzeiten in der Stadt:
Gemeindezeit, lokale Zeit,
Fabrikzeit und Kirchenzeit.
Das ist alles.
Das ist egal, Sie können wählen.
Nehmen wir die Gemeindezeit?
Sehr gut.
Das macht 55 Rappen, bitte. Danke.
Vielen Dank.
1440 Unruhen.
Gräbli, Josephine?
Ja?
Wie nach den neusten Messungen festgelegt,
führt der Weg zurück zu R8 über T2,
und nicht mehr über X1.
Wir verlieren sonst durchschnittlich 20 Sekunden.
Ist gut, danke.
Noch einen schönen Tag.
Haben Sie die Zeigerstellung schon gemacht?
Haben Sie die Hebel kontrolliert?
Ich habe die Hebel kontrolliert.
Nehmen Sie es bitte
für den letzten Schritt wieder auseinander,
für die Positionierung der Unruh.
Ich messe die Zeit, die Sie
für die Fixierung des Unruhklobens aufwenden.
In Ordnung.
Eine Sekunde.
Los geht's.
22 Sekunden.
- Noch einen schönen Tag. - Danke.
Die Fabrikzeit geht genau 8 Minuten
vor der Gemeindezeit auf der Post.
Die Lohnsumme ist 173 Franken, 15 Rappen.
173 Franken und 15 Rappen.
Zifferblatt-Werkstatt...
1080 Stunden und 32 Minuten.
Lohnsumme: 117 Franken
und 80 Rappen.
Zapfendreherei, 952 Stunden und 12 Minuten.
Lohnsumme: 89 Franken und 56 Rappen.
Kontrollwerkstatt: 989 Stunden und 27 Minuten.
Lohnsumme: 102 Franken und 13 Rappen.
102 Franken, 13 Rappen.
Totale Lohnsumme: 544 Franken und 37 Rappen.
Entschuldigen Sie, wurde die Lohnsumme
von Louise Kehrli nicht nach oben angepasst?
Kehrli, Louise...
Ich kann hier lesen:
Diese Woche ein Arbeitstag à zwölf Stunden,
274 Stück.
Im Verhältnis zum Durchschnitt der Vorwoche
sind das nur zwölf Stück mehr.
Das ist zu wenig mehr.
Das wird weniger insgesamt.
Gut, in dem Fall...
Und könnten Sie hier noch
die Strecke A2 bis M4 abmessen?
- A2 bis M4, gut. - Danke.
Frau Kehrli, ist alles gut?
Ich komme gerade von der Gemeinde.
Jetzt bin ich halt etwas spät, weil,
sie wissen ja, sie haben dort Gemeindezeit.
Aber...
hier ist Fabrikzeit.
Auch für Sie.
Ich muss das rapportieren.
Das gibt eine Stunde Abzug.
Sie wissen, wie es ist.
Noch einen schönen Tag.
Hallo Pierre, drei Absinthe, bitte.
Kommt gleich.
Neuigkeiten von deinem Bruder?
Es geht ihm zum Glück besser.
- Sag hallo. - Das werde ich machen.
Pierre!
Tut mir leid, ich darf euch nicht bedienen.
Spichiger schon, aber Künzli und Droz nicht.
Droz und ich nicht, aber Spichiger schon?
Meine Herren.
«Wichtige Mitteilung:
Die folgenden Bewohner dürfen die Wirtshäuser
nicht mehr frequentieren:
Schmid, Jean, Assembler.
Künzli, Max,
Termineur.
Chopard, Arthur, Graveur.
Chopard, Adhémar, Graveur.
Droz, Michel, Termineur.
Der Grund
für das Verbot:
Die Gemeindesteuer wurde nicht bezahlt.».
Sie können sie behalten.
Vielen Dank.
Die gehen auf das Haus.
Zu etwas ganz anderem.
Vorschlag des lokalen Ausschusses:
«Für die anstehenden Berner Grossratswahlen
gibt es nur einen Kandidaten,
der Direktor der Uhrenfabrik Centralines, Herr Roulet,
der Chancen hat, gewählt zu werden.
Wir schlagen vor,
dass diejenigen unter uns mit Stimmrecht
nicht den Namen eines offiziellen Kandidaten
in die Urne werfen,
sondern eine Idee:
die Kommune.».
Danke.
Kameraden:
«Die Sektion Neapel grüsst euch.
Die Sektion Salerno grüsst euch.
Die Sektionen Caserta und Benevento
grüssen euch ebenfalls.
Avellino grüsst euch.
Die Ordnung unserer Gesellschaft fällt auseinander.
Alles deutet darauf hin,
dass wir neue Lösungen brauchen.
Eine anarchistische Gesellschaft,
die sich ohne Autoritäten selbst verwaltet,
wird immer existieren.
Wie ein Same unter dem Schnee,
vergraben unter dem Gewicht des Staates.
Politische, wirtschaftliche
und soziale Institutionen kollabieren.
Die Notwendigkeit eines neuen.
Lebens wird ersichtlich.
Die Nation ist ein Phantom.
Das wahre Land, das sind wir,
hier, in diesem Moment, zusammen.
Mit freundlichen Grüssen,
die Sektionen aus Campania.».
Danke.
Hören Sie kurz zu!
Ein Apell der Generaldirektion:
Wir wären froh, wenn ein Teil der Belegschaft
bei diesem patriotischen Festakt mitmachen würde.
Was sollen wir tun?
Wir suchen eigentlich vor allem noch Leute,
die mithelfen, die Schlacht nachzustellen.
Theater spielen?
Nein, eine Schlachtenfeier, nicht Theater spielen.
Wir spielen die Schlacht von Murten
und wir üben sie.
Sie könnten die Österreicher,
weisst du, die Invasoren darstellen.
Burgunder, nicht Österreicher.
Was bekommen wir?
Zwei Franken, 60 Rappen.
Fast ein ganzer Tageslohn.
Nicht schlecht, oder?
Müssen wir etwas sagen?
Nein, die Österreicher sagen nichts.
Aber wir Eidgenossen haben
eine grosse Schlachtrede.
Wie wollen Sie wissen,
wie die Leute vor 400 Jahren gesprochen haben?
Das ist jetzt nicht wirklich das Thema.
Das spielt keine Rolle.
Hören Sie, was hier steht.
Das steht genau zu diesem Anlass
in unserer Zeitung:
«Die Feier zum Jubiläum der Schlacht von Murten
verdient unsere Erinnerung nicht.
Ein Gedenken an eine solche nationale Herrlichkeit
zeugt nicht von Intelligenz
und Empathie der Gesellschaft.
Die Schweizer Bourgeoisie
organisiert eine Maskerade,
die historische Tatsachen verwischt,
um das Volk vom eigentlichen Problem abzulenken:
Der ungleichen Verteilung von Wohlstand
in unserem Land sowie in ganz Europa.».
Na gut, aber...
Kann ich mal sehen?
- Brauchen Sie Feuer? - Das ist sehr nett.
Vielen Dank.
Behalten Sie sie. Ich habe noch welche.
Vielen Dank.
Und, wer ist dabei?
- Wer macht mit? - Ich.
Aber ich will das Geld vorab.
Sehr gut, Künzli macht mit.
Ja, das ist gut.
Wie viel hast du?
1.90 Franken.
So, 1.90 Franken jetzt schon,
der Rest am Samstag.
Worum geht es hier?
Hier, die Schlacht von Murten.
- Die Schlacht von Murten? - Auf Wiedersehen.
Adieu, meine Herren.
Ich nehme gerne zwei Dosen Klauenöl.
Vierzig.
Danke.
Ich schaute mir Ihren Rapport an, Frau Gräbli.
Gute Leistung, Sie konnten die Produktivität
um vier Prozent steigern.
Frau Paratte, auch hier haben wir
eine genügende Arbeitsleistung.
Jetzt noch zu Ihnen...
- Danke. - Sie können sie behalten.
Zu Ihnen, Frau Kehrli.
Kehrli, Louise, ich muss Ihnen
von Amts wegen mitteilen,
dass Ihre Bittschriften
von der Gemeinde abgelehnt wurden.
Die Strafe für das Nichtbezahlen
der Gemeindesteuern
beträgt zehn Tage im Zuchthaus Mügglisberg,
zu einem Tagessatz
von 1 Franken 11 Rappen pro Tag.
Sie müssen mit uns mitkommen.
Und am Ende der Woche
begleiten wir Sie nach Mügglisberg.
Wie mit der Gemeinde
und dem Direktorat der Fabrik besprochen,
dürfen Sie Ihre Arbeitswerkzeuge
ins Gefängnis mitnehmen.
So können Sie während Ihrem Aufenthalt weiter arbeiten.
Das hilft zudem Ihrer finanziellen Situation.
Hier sind Ihre Verstiftungs-Werkzeuge.
Danke.
Gehen wir.
Bis bald, Louise.
- Noch einen schönen Tag. - Auf Wiedersehen.
Vielen Dank und bis bald.
Mitteilung an die Bürger unserer Gemeinde:
Wahl des Berner Grossrats:
Unsere Gemeinde zählt 8237 registrierte Bewohner.
Die 2833 Bewohner, die das Wahlrecht besitzen,
sind nun eingeladen,
ihre Stimme für den Grossrat abzugeben.
Gemäss der Berner Verfassung,
Artikel drei und vier:
Frauen, Personen, die jünger als 20 Jahre sind,
alle Personen, die nicht
das Berner Bürgerrecht besitzen, und Ausländer
dürfen keine Stimme abgeben.
Zudem sind jene,
die an einer geistigen Krankheit leiden,
und Bürger, die ihre Steuern nicht bezahlt haben,
nicht wahlberechtigt.
- Droz, Michel. - Max Künzli.
Guten Tag. Max Künzli?
Tut mir leid, aber Sie sind auf der Liste.
Haben Sie die Steuern nicht bezahlt?
Ich kann Sie leider
nicht wählen lassen.
Sie haben die Steuern nicht bezahlt.
Aber ich habe die Steuern bezahlt.
Vielleicht zu spät?
- Und Sie sind? - Michel Droz.
Droz, Michel...
Sie haben die Steuern überhaupt nicht bezahlt.
Sie dürfen nicht wählen, tut mir leid.
Kommen Sie das nächste Mal wieder,
wenn Sie bezahlt haben.
Wir müssen uns an die Regeln halten.
Einen schönen Tag noch.
Ja, trotzdem, einen schönen Tag noch.
Ihnen auch.
Hallo Loosli. Wieso darfst du wählen?
Kommst du nicht aus Zürich?
Ich stieg in die Steuerklasse 7F auf.
Ich hatte einen guten Umsatz.
Guten Morgen Herr Generaldirektor, viel Glück.
Guten Morgen, Herr Loosli.
- Generaldirektor. - Guten Morgen, Herr Payard.
Herr Roulet, Generaldirektor, guten Morgen.
Viel Glück bei der Wahl.
Viel Glück.
Ich habe gesehen, dass die Bahnhöfe
in Basel und Lausanne synchronisiert wurden,
auf die gleiche Zeit wie der Telegraph.
Das nenne ich Fortschritt.
Ja, das ist ein Fortschritt.
Stand heute in der Zeitung.
Eine tolle Neuigkeit.
Absolut, aber gleichzeitig...
Aber es gibt immer noch
gewisse Probleme mit dieser Technologie.
Ein paar Anpassungen, sicher.
Übrigens, wann werden Sie
die Fabrik auf die Bahnhofszeit umstellen?
- Nicht sehr bald. - Warum nicht?
Momentan ist unsere immer noch präziser.
Und so sind meine Arbeiter
immer 8 Minuten vor allen anderen.
- Wollen Sie eine Zigarette? - Nein, danke.
Ich gebe Ihnen Feuer.
- Sie können sie behalten. - Danke.
- Botschafter Gallo! - Herr Nationalrat!
- Hallo. - Wie geht es Ihnen?
Ich habe mich verirrt.
Gratulation zur Wahl zum Grossrat.
Danke.
Wir haben noch ein paar Stunden vor uns.
Wie war die Reise?
Wir wollen uns alle vereinen.
Wir wollen alle sterben.
Um dir zu dienen.
Oh, unsere Mutter.
Sei stolz auf uns.
Unter deinem Banner.
Werden wir losschreiten.
Wir wollen uns alle vereinen.
Wir wollen alle sterben.
Um dir zu dienen.
Dir, mein Vaterland.
Schweiz, geliebte.
Das Blut, das Leben.
Deiner Kinder
2713 Franken und 60 Rappen wurden gesammelt
für die kommende Feier anlässlich
der Schlacht von Murten vor 400 Jahren,
des Siegs der Schweiz über den fremden Feind.
Und jetzt kommen wir gleich schon
zum Hauptpreis unserer Tombola.
Unser Direktor, Herr Roulet
spendete in seiner Grosszügigkeit
zehn Repetiergewehre, natürlich das neuste.
Vetterli-Modell, mit dem Kaliber 7,5 mm.
Wir beginnen gleich:
Herr, Roulet, bitte sehr.
Und der erste Gewinner ist:
die Nummer...
77.
Jawohl, hier!
Herzlichen Glückwunsch!
Sind Sie bereit, Herr Clément?
Nein, entschuldigen Sie, Herr Direktor.
Wir brauchen noch einen Moment.
- Darf ich? - Natürlich.
Was steht denn hier?
«Eigentum ist Diebstahl.»
«Eigentum ist Diebstahl.
Wähler des oberen Tals,
unsere Interessen hängen solidarisch
mit den Interessen von allen arbeitenden Völkern
in allen Ländern zusammen.
Legen wir also nicht den Namen
einer Person in die Urne,
sondern eine Idee:
die freie, allgemeine Kommune.».
Wie viele Stimmen bekamen sie?
267, glaube ich.
267 anarchistische Stimmen.
Einzig in diesem Tal?
Das stimmt genau.
Entschuldigen Sie, Herr Nationalrat,
aber ich muss nochmals den Fall Cafiero ansprechen.
Ich habe hier ein Auslieferungsgesuch
der italienischen Behörden.
Herr Cafiero wird wegen
anarchistischer Handlungen gesucht.
Und jeder weiss,
dass er sich in diesem Tal aufhält.
Wir können nichts tun.
Dekret des Nationalrats.
Das heisst, in der Schweiz werden anarchistische.
Bücher und Broschüren gedruckt und publiziert,
die in Italien verbreitet werden,
und es gibt Attentate in ganz Europa.
Und die Schweiz unternimmt nichts.
- Das ist Pressefreiheit. - Ist ja toll!
Lesen Sie die anarchistische Presse nicht?
Nein.
Sie ist viel informativer
als die bürgerliche Presse.
Ihr telegraphisches Korrespondenten-Netzwerk
ist sehr gut entwickelt.
Es reicht bis nach San Francisco, Buenos Aires,
sogar nach China.
Dank ihrer Artikel konnte ich
die Krise antizipieren und viel Geld retten.
Wirklich.
Ich kann sie Ihnen wärmstens empfehlen.
Haben Sie Neuigkeiten
vom Verteidigungsministerium in Rom?
Einen Moment.
Aber wir sprachen von 8000 Offiziers-Uhren
und 7000 Soldaten-Uhren.
Hier steht ein Total von 6000.
6000 ist doch ein guter Anfang.
Danke.
Und machen Sie sich wegen Cafiero keine Sorgen.
Ich spreche mit dem Bundesrat,
er ist ein Freund von mir.
Sehr gut.
Entschuldigen Sie, Herr Direktor.
Wir wären sonst so weit.
447 Franken und 33 Rappen wurden gesammelt
für die Streikkasse unserer anarchistischen.
Gefährten in Baltimore, USA.
Freunde, wir kommen zur Ziehung
der Gewinner unserer Tombola.
Die Preise sind
zehn Gutscheine für Photo-Portraits
und drei Wecker.
Der erste Gewinner ist...
- 337. - Das bin ich!
Glückwunsch!
Genauso nichts wie ich.
Hast du nichts gewonnen?
Ich habe einen Gutschein für ein Photo-Portrait.
Keine Ahnung, was ich damit soll.
- Ich habe einen Wecker gewonnen. - Einen Wecker?
Ein sehr nützliches Objekt.
Höchste Zeit, dass du rechtzeitig aufwachst.
Wie konntest du nur ohne leben?
Gute Frage.
Ich wache sowieso immer zur gleichen Zeit auf,
sogar an Wochenenden.
Aber mit Wecker ist es irgendwie
interessanter und moderner.
Ob es Wecker wohl schon lange gibt?
In Form einer Pendeluhr gibt es
sie wohl schon ziemlich lange.
Aber sie waren riesig.
Jetzt werden sie immer kleiner.
Bastard der reichen Industrie.
Der Arbeiter hat weder Herd.
Noch Heim.
Der Arbeiter.
Hat kein Vaterland.
Elender Arbeiter.
Erhebe heute.
Deine Hand.
Morgen errichten wir gemeinsam.
Eine Republik der Menschheit.
Die Könige schufen Grenzen.
Spalteten die arbeitenden Völker.
Verbreiteten mörderischen Hass.
Entfesselten bösartige Wut.
Die Bourgeoisie hat ihre Republik.
Wo sich das Kapital.
Das allmächtige.
Den despotischen Gesetzen beugt.
Die Arbeiterschaft zittert.
Ruhe, bitte! Mitteilung der Direktion:
Es ist sehr erfreulich, dass es uns gelungen ist,
Umsatz und Produktivität zu steigern.
Trotz stabilem Markt
zählen wir weiterhin auf Ihren Einsatz.
Achtung, Mitteilung der Direktion:
Roth Viviane, Vogel Katharina,
Paratte Mireille, Gräbli Josephine.
Gemäss einer Mitgliederliste und diesem Photo,
haben wir Grund zur Annahme,
dass die vier erwähnten Arbeitskräfte.
Mitgliederinnen der lokalen
anarchistischen Vereinigung sind.
Gemäss Paragraph 3, Artikel 6
des aktuellen Reglements
hat eine solche Mitgliedschaft
eine fristlose Entlassung zur Folge.
Die Löhne der erwähnten Mitarbeiterinnen
für die neue Woche inklusive heute:
2.60 Franken für Gräbli Josephine.
2.40 Franken, Paratte Mireille.
Vogel Katharina, 3.20 Franken.
Roth Viviane, 1.80 Franken.
- Danke. - Auf Wiedersehen, danke.
Danke, einen schönen Tag noch.
Sie haben nur 8000 geliefert,
und wir bezahlten auch nur 3127 Franken.
Möchten Sie eine Zigarette?
Nein, danke.
Sie haben die Bestellung angepasst.
Wir bestellten 11'000 Uhren,
und Sie lieferten nur 8000.
Ja, aber bei der Bestellung sagten Sie nicht,
dass einige der Uhren für Armeen gedacht waren.
Aber mitten in der Krise müssen wir
alle Bestellungen akzeptieren.
Es geht um das Wohlergehen unseres Tals.
Sonst müssen wir Leute entlassen.
Nein, mein Herr.
Sie können sich einfach auf die Produktion
ziviler Uhren beschränken.
Armeeuhren sind in unserer Branche marginal.
Einfache Wecker haben zum Beispiel
ein grosses Potenzial.
Ein ganz neuer Markt.
Das ist das neue Modell von Eclipsa.
Mit einer bündigen Hemmung hergestellt?
Ja, mit bündiger Hemmung.
Und die Gang-Reserve?
Die Gang-Reserve beträgt 24 Stunden.
Ein gutes Werk.
Loosli!
Was tust du da?
Das ist doch die Karte der Anarchisten?
Die Karte ist brandneu. Das ist Fortschritt.
Aber alles Anarchistische wird bald verboten sein.
Die Gemeinde arbeitet auch an einer neuen Karte.
Wenn du willst, können wir abstimmen.
Warum nicht?
Hört alle mal zu.
Hört alle mal zu!
Wer für die neue, anarchistische Karte ist,
hebt die Hand!
Wer ist dagegen?
Da haben wir's.
Meine Herren, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit.
Der Telegraph ist defekt.
Das darf nicht wahr sein.
Wir wissen nicht, ob es lokal,
kantonal oder national ist.
Vielleicht sogar international.
Aber wir haben ein äusserst
wichtiges Geschäft zu übermitteln.
Ja, für unsere Kunden in Brasilien und Schweden.
Ich brauche das Signal
für den Zeitregulator.
Wie soll ich nun die Uhren stellen?
Nehmen Sie die Fabrikzeit.
Sie ist die exakteste.
Die Uhren nach der Fabrikzeit stellen?
Sie sind verrückt.
Wir müssen die Zeit des Telegraphen beibehalten,
sonst gibt es Unfälle,
und die Züge können den Fahrplan nicht einhalten.
Gibt es andere Möglichkeiten?
Wir könnten die Fabrikzeit
auf die Telegraphenzeit ändern.
So könnten wir sie beibehalten.
Aber der Telegraph ist defekt.
Wir nehmen die Zeit von jetzt.
Aber wir müssen Geld in die USA transferieren.
Gibt es keine andere Lösung?
Ja, es gibt die Möglichkeit
für eine Express-Sendung à 12 Franken.
12 Franken?
12 Franken?
Entschuldigen Sie, 12 Franken?
Ja, 12 Franken.
Also machen wir das.
Aber sicher, der Herr.
Ich brauche eine Zeit für unsere Uhren.
Einigen Sie sich bitte.
Funktioniert es?
Ich bin nicht sicher.
Hier kommen sie.
Es funktioniert nicht.
Wir müssen die Telegraphen
der Nachbargemeinden versuchen.
Josephine und Piotr, ihr geht nach Tramelan.
Und ihr nehmt den Zug nach Courtelary.
Gut.
In Ordnung. Kann ich dir das Heft geben?
- Bis bald, viel Glück. - Viel Glück.
Guten Tag.
- Haben Sie kurz Zeit? - Guten Tag.
Ja.
Darf ich Sie kurz fragen?
Gehen Sie nach Tramelan?
Ja. Machen Sie das für die Fabrik?
Nein, das ist nicht von der Fabrik.
Fussverkehrsnetzplanung,
das ist von der Gemeinde.
Welchen Weg hatten Sie
genau vor, zu nehmen?
Wir wollten den kleinen.
Schleichweg nehmen.
Ja, und dann direkt, oder hintenrum?
Ja, direkt durch den Wald.
Durch den Wald.
Könnten Sie mir das bitte
auf diesem Dokument hier verzeichnen?
Verdienen wir etwas?
Ja, selbstverständlich.
Wenn Sie das Dokument
vollständig ausgefüllt abgeben,
und auch diese Stoppuhr
in einwandfreiem Zustand zurückgeben,
dann gibt das 1.80 Franken für Sie.
Das ist nicht viel.
Ja, aber immerhin.
Und die Wege sind angeschrieben?
Ja, die sind angeschrieben.
Sie können einfach den Nummern folgen,
die auf dem Dokument angegeben sind.
Wie schnell sollen wir gehen?
Das ist sehr gut, dass Sie mich das fragen.
Ganz unten auf dem Dokument
können Sie das eintragen.
Spazieren Sie eher, haben Sie
eher eine Durchschnittsgeschwindigkeit,
automatisch, oder haben Sie es sogar eher eilig.
Dass wir das auch noch wissen
für unsere Berechnungen.
Ich danke Ihnen.
Gerne, auf Wiedersehen.
Wollen Sie die Zeit messen?
Ja, tauschen wir doch.
Soll ich beginnen?
Guten Tag.
Tut mir leid, der Weg ist gesperrt.
Sie können hier nicht durch.
Und haben Sie diesen Mann gesehen?
Ein gewisser Carlo Cafiero,
ein italienischer Anarchist.
- Nein. - Seit heute Morgen wird er gesucht.
Noch nie gesehen?
Und warum dürfen wir nicht durch?
Wir machen neue Photos
des Ortes für den Fabrikkatalog,
der Fabrik Centralines.
Niemand darf ins Bild eintreten.
In Ordnung.
Halt!
Bleiben Sie stehen!
2 Minuten 35.
Ich würde sagen 2 Minuten 40.
Nein, es sind 2 Minuten 35.
Ich denke, wir müssten unsere Pausen notieren.
Wir sind nun schon seit 17 Sekunden hier.
Das müssten wir notieren.
Was ist genau Ihr Beruf?
Ich bin Geograph, ich zeichne Karten.
Karten von wo?
Von überall, aber ich habe
viel im Russischen Reich gearbeitet,
vor allem in Sibirien.
Wie ist es dort so?
Es ist...
fast wie hier, aber es ist weit.
Ich verbrachte viel Zeit im Süden Sibiriens.
Vielleicht kennen Sie den Baikalsee?
Ein sehr grosser See.
Wo in Russland ist das?
An der Grenze zu China.
In der Mitte des Kontinentes.
Ich muss sagen, ich weiss immer noch nicht,
was Sie genau machen.
Eigentlich bin ich Regleuse.
Doch jetzt mache ich verschiedene Dinge.
Was ist genau die Arbeit einer Regleuse?
Eine Regleuse produziert die Unruh.
Das ist das Schwingsystem.
In der Uhr gibt es dieses Schwingsystem,
die Spirale, die Hemmung.
All das erzeugt das Tick-Tack der Uhr.
Zusammen definieren sie die Frequenz,
auf der das System beruht,
und die Geschwindigkeit des Räderwerks.
Sehen Sie?
Hier ist die Unruh,
und eine Feder wird darauf platziert.
Sie wird an der Spiralrolle im Zentrum fixiert
und aussen am Spiralklötzchen.
Und um die korrekte Länge zu ermitteln,
lege ich die Spirale auf den Regulatoren
und versuche die Geschwindigkeit
auf jene des anderen Werks zu justieren.
Bis die Spirale auf dem Regulator
gleich ist wie meine.
Und wenn die Bewegungen der zwei Spiralen
identisch sind oben und unten,
dann weiss ich, wo ich sie abschneiden muss.
Und wenn ich die Enden abgeschnitten habe,
kann ich entscheiden,
wo ich die beiden Haken der Spirale mache,
verstehen Sie?
Denn jetzt muss die Spirale
noch durch die zwei Stifte,
so dass eine gewisse.
Dreh-Bewegung ermöglicht wird,
während sie gleichzeitig fixiert wird.
Das Werk erhält die Impulse von den Stiften,
die von der Hemmung initiiert werden.
Daraus entsteht diese Bewegung:
Es kommt und geht.
Und der Stift machte eine Umdrehung.
Und von beiden Seiten kommen Impulse,
welche diese Geschwindigkeit definieren.
Verstehen Sie?
Ich glaube, ja.
Wurde die Zeit umgestellt?
Offenbar.
Meine Uhr läuft jedenfalls 3 Minuten vor.
Der Telegraph funktioniert wieder.
Wir sind wieder auf Telegraphenzeit.
Ah, das ist es!
Wir haben 3 Minuten gewonnen.
Das sind immerhin ein paar Rappen.
Ich habe Zeit verloren.
- Warst du auf Lokalzeit? - Ja.
- Guten Abend. - Möchten Sie Photographien kaufen?
Kann ich sie sehen?
Den kenne ich. Ich habe ihn bereits.
- Das ist Josephine! - Ja.
- Wie viel kostet sie? - 20 Rappen.
Das ist teuer.
Es hat neue.
Diese kenne ich.
Ich habe sie schon einmal gesehen.
- Das ist doch der Russe. - Piotr.
Kropotkin.
Der Anarchist.
Wieviel wollen Sie für ihn?
Ebenfalls 20 Rappen.
Ich denke, wir sollten beide kaufen, oder nicht?
Ich habe sie schon länger nicht mehr gesehen.
Ja, das stimmt.
Kennen sich die beiden?
Josephine und Piotr?
Keine Ahnung.
Eine Liebesgeschichte?
Vielleicht.
Und?
Wollen Sie nun die Portraits
von Josephine und Piotr kaufen?
Wie viel war es nochmals?
Einen Franken pro Stück.
Pro Stück?
Das ist aber viel teurer als soeben.
Wieso ist der Preis so viel höher geworden?
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