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Na, welches Zimmer haben wir? Die Lenin-Suite?
Guten Abend. Willkommen. Bitte wählen Sie einen Tisch.
Nur der hinten ist für eine russische Reisegruppe bestimmt.
- Na, wär das was für dich? - Mag ich zu Reisegruppe.
Vielleicht finden wir für dich Brieffreundin?
Astrid?
Was ist los?
Ich weiß auch nicht.
Das komische Restaurant, der Geruch, die Leute, das war...
Das war einfach alles zu viel für mich.
Schmeckt's?
Wusstest du, dass bis ins 18. Jh. keine Brücke Buda und Pest verband?
Aber dann starb der König.
Sein Sohn konnte drei Tage nicht über die Donau setzen.
Es war Winter, der Eisgang ließ es nicht zu.
Er schwor sich, eine Brücke zu bauen, und er hielt Wort.
Das ist die Kettenbrücke, die älteste Brücke der Stadt.
Sie verbindet Buda und Pest. Wo sind wir?
Wie, wo sind wir? Buda oder Pest?
In Pest. Hier ist das Parlament. Du weißt wirklich gar nichts.
Ich konnte mir nie merken, wo Buda und wo Pest ist.
Aber woran du halbwegs schöne Männer erkennst, das kannst du dir merken.
Ja, das kriege ich gerade noch so hin.
I like it. Good.
Is everything so good in Hungary?
Yes, we have a couple of good beers in the country.
And apart from the beers?
What about your government?
Some people say things have never been better.
Other people say Viktor Orban is a very talented dictator.
And what do you say? I prefer to listen.
Entschuldigt, hättet ihr eine Zigarette für mich? Klar.
Du musst rausgehen. Hier drin ist verboten.
Ah.
Wo bist denn du her? Aus Berlin.
Und ihr? Hamburg.
Machst du Urlaub? Ja. Meine Freundin ist ausm Osten.
Wollte ihr eine Freude machen. Mein Bruder ist auch ausm Osten.
Unser Vater hat ihn in Ostberlin gezeugt, ehe er floh.
Ich bin schon Westware.
Ist nicht euer Ernst? Doch, klar.
Ist ja ein Ding.
Ach, guten Morgen. Morgen.
Geht's in die Stadt? Fischerbastei? Genau.
Meine Freundin...
So ist das mit den Frauen. Mal sind sie da und mal weg.
Na dann, viel Spaß noch. Äh, ja.
Ich kenne den. Du kennst den?
Hey. Wollt ihr mitfahren?
Brust raus, Assi. Wir werden uns doch nicht vor den Buletten verstecken.
Julius ist toll, er wird dir gefallen.
Das ist das Atelier von Katharina, von Julius' Mutter.
Das ist Julius.
Welcher?
Der Linke. Und der rechts?
Das ist Sascha, Julius' Bruder oder Halbbruder aus Hamburg.
Komm, wir gehen jetzt raus.
Hey. Hey.
Das ist Assi, also Astrid Wolter, meine beste Freundin.
Ich bin Julius.
Sascha. Hallo.
- Sascha! - Bis gleich.
Ich zieh mir was an.
Komm, Assi, wir gehen ans Wasser.
Wie ihr wisst, darf ich in unserer Republik nicht mehr ausstellen.
Aber nur Pappwände anmalen im Theater Anklam ist mir zu Öde.
Deshalb singe ich. Hier im Wald stören wir keinen.
Eins, zwei, drei, vier...
# Wir sind hier
Und wir bleiben hier
Und ich kann nicht mehr
Und ich geh immer weiter, weiter, weiter!
Wir sind hier
Und wir bleiben hier!
Und ich fühl mich taub und bleibe heiter!
Monotonie
Monotonie
Monotonie
- Monotonie! - Monotonie.
Monotonie!
- Monotonie! - Monotonie!
Monotonie!
Monotonie! Monotonie!
Monotonie!
- Monotonie! - Monotonie!
Monotonie! #
Also bist du... bist du da in Usedom.
Über die Brücke, dann bist du in Usedom.
Ich dichte, um Gottfried Benn nah zu sein
und um Mädchen ins Bett zu kriegen.
Wenn du mich verstehst.
Stundenlang, ähm, im Kreis...
Jana. Julius schaut mich nicht mal an.
Warte, der kommt schon noch.
Tüter dir einen an, dann knutscht es sich besser.
Was ist los?
Jana, der Typ ist ein Idiot.
Der war auf 'nem Poetenseminar, hält sich jetzt Heiner Müller.
Ach Mann.
Jana. Lass sie mal.
Manchmal kann man ihr nicht helfen.
Warum hast du mir das nicht erzählt?
Was hätte ich erzählen sollen?
Wir kennen uns zwei Monate, Paul Schneider.
Fast drei. Ende April hast du mein Herz operiert.
Seit zwei Monaten hätte ich's dir sagen können.
Bei der OP war's unpassend.
Außerdem ist das lange her. Wo soll man anfangen mit Ende 40?
Irgendwann hätte ich auch von Julius erzählt,
aber eigentlich ist das nicht mehr wichtig.
Schließlich haben wir Urlaub.
Dann lass uns anstoßen. Mit Champagner um 11 Uhr morgens?
Willst du noch 'ne Zigarre dazu?
Wie bitte? Mensch, ich mach mir Sorgen.
Du sollst deine Ernährung umstellen, dich mehr bewegen.
Du trinkst Champagner und rauchst. Kannst du damit aufhören?
Du bist nicht mehr meine Ärztin. Dein Herz ist nicht okay.
Mein Herz, mein Herz, mein Herz.
Ich kann's nicht mehr hören. Ich wollte mit dir anstoßen.
Es nervt.
Können wir noch mal von vorne anfangen?
Kommt drauf an, wo wir anfangen.
Ich lasse mir nicht noch einmal von dir 'nen Stent ins Herz setzen.
Nur bei der Reise. Wenn wir da neu starten könnten, das wär echt schön.
Und du zeigst mir dein Budapest?
Zu Befehl.
Wenn du mit Jana nach Ungarn fährst, können wir uns da nicht sehen?
Sascha kommt her, und wir treffen uns in Budapest.
Das wär schön.
Ich glaub, ich geh schwimmen.
Nimm mich mit.
Katharina, lass den Quatsch. Wieso?
Ihr seid so schön. Wie junge Pferde.
Geh ins Atelier. Male, trommle, mach was weiß ich.
Wenn ich das in einer Ausstellung sehe, rede ich nie mehr mit dir.
Ich hab Ausstellungsverbot in diesem Land. Schon vergessen?
"Wusstest du, dass Julius in Budapest ist?"
"Er und Sascha haben eine Galerie in Hamburg.
Sie vertreten auch ungarische Künstler."
Aber dass er hier im Gellert wohnt, nie im Leben hätte ich das gedacht.
Wer war deine erste große Liebe?
Was zählt für dich als erste große Liebe?
Die erste, bei der du richtig hin und weg warst.
Müssen wir im Bett gewesen sein?
Nicht unbedingt.
Muss ich sie geküsst haben?
Wäre schon schön. Hm...
Muss aber auch nicht. Also dann war das, äh...
Dann war das Claudia, die Tochter von unserem Nachbarn.
Unser Nachbar war Fleischermeister Peter Knipping.
Und wenn Claudia bei ihrem Vater im Laden ausgeholfen hat, dann...
Ich konnte keine Bestellung aufgeben.
Ich stand da, hab gestottert, wenn überhaupt.
Meistens rannte ich raus. Ich konnt's nicht.
Ich hab sie gesehen und...
hab mich lieber von meiner Mutter anschreien lassen,
als Claudia anzusprechen.
Ja.
Hier sind wir angekommen.
Da war's schon Nacht, und dann haben wir da geschlafen.
Wo, hier? Ja, hier.
Hier waren früher Schließfächer. Und da haben wir geschlafen.
Ihr habt in Schließfächern geschlafen?
Ja, wir haben da geschlafen. Beine angezogen und Türen zu.
"Gute Nacht, Budapest. Schlaft alle gut."
Mann, nein, natürlich nicht!
Da hatten wir unsere Sachen drin, tagsüber.
Die wurden richtig weiterverkauft.
Wir haben davor gepennt, auf Isomatten.
Bestimmt 50 Leute.
Ostler, die kein Geld für 'ne Unterkunft hatten.
Drei Nächte haben wir so verbracht.
Schon was anderes als unsere gestrige Bleibe.
Wie im Märchen.
Charmant, charmant.
Nachher führen wir euch schön aus. Haut er wieder auf die Kacke.
Hey, was soll das?
Ihr wart also schon mal hier?
Und nun wohnt er wieder hier im Hotel, dein Traumprinz.
Nein, er hat am Mittag ausgecheckt und sein Bruder auch.
Bist du eifersüchtig, Paul Schneider?
Erst rennst du vor ihm weg, dann fragst du am Empfang nach ihm.
Ich hab ihn ewig nicht gesehen.
Ich will wissen, ob ich ihm hier oder in der Sauna noch mal begegne.
Was war das eben?
Mittwoch platzt hier die Bombe.
Warum?
Ich soll aus der FDJ ausgeschlossen werden.
Was sollst du? Hast schon richtig gehört.
Mein Vater hat die Ausreise beantragt für uns alle.
Und ich bin ja erst 17 und sein Kind.
Was soll's. Hat der Idiot vielleicht endlich mal was richtig gemacht.
Ist doch sinnlos hier alles.
Das kannst du doch nicht machen.
Was wird dann aus mir?
Kommst mich besuchen, wenn du 60 bist.
Dann gehen wir Torte essen im Cafe Kranzler.
Wie ihr alle wisst, Jana will samt Familie in die BRD ausreisen.
Sie wollen unsere Republik... ähm... Also wir haben beschlossen, dass...
Daher wollen wir über Janas Ausschluss aus der FDJ abstimmen.
Gibt es Meinungsäußerungen?
Äh, Astrid, ja bitte.
Können wir Jana nicht einfach gehen lassen?
Zu einer zukünftigen Ärztin der DDR passt diese Frage nicht.
Nicht nur dass Jana unsere Ideale enttäuscht
und mit einer von Arbeitern bezahlten Ausbildung abhauen will.
Nicht nur dass sie uns und unsere Hoffnungen in sie enttäuscht.
Das vielleicht Wichtigste ist, dass sie sich entscheidet,
einen Schritt zurück in der Geschichte zu machen.
Dass sie in dieses auf Ausbeutung des Menschen begründete System
zurückkriechen will.
Wir haben in der DDR den Sozialismus aufgebaut und sind stolz drauf.
Jana glaubt, wegen ein paar Nietenhosen
die Bürger unseres Landes, also uns alle verraten zu müssen.
Das können wir so nicht zulassen,
nicht so einfach mir nichts, dir nichts.
Vielen Dank für den Redebeitrag, Genossin Bohnert.
Gibt es weitere Meldungen?
Das ist nicht der Fall. Wir kommen zur Abstimmung.
Als FDJ-Sekretär der Klasse 12b der Erweiterten Oberschule J.W. v. Goethe
beantrage ich den Ausschluss der Jugendfreundin Jana Fritsche
aus der Freien Deutschen Jugend.
Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen.
"Du hast gegen deine beste Freundin gestimmt?"
Im Prinzip ja.
Aber so einfach war das nun auch wieder nicht.
Was wäre passiert, wenn du dagegen gestimmt hättest?
Was wäre passiert?
Ich weiß es gar nicht so genau.
Vermutlich hätte ich nicht Medizin studieren können.
Und Jana wollte gar nicht in der FDJ sein.
Niemand von uns wollte in dem Schwachsinnsverein sein.
Aber es gehörte dazu, wir dachten nicht mehr drüber nach.
Gegen den Ausschluss stimmen, obwohl Jana nicht dabei sein wollte?
Wie war das, gegen sie zu stimmen? Das war ein Scheißgefühl!
Sie saß da so allein,
und ich wusste, dass es falsch gewesen wäre, dagegen zu stimmen.
"Was ist los, Assi?"
Julius hat Schluss gemacht. Was? Wieso?
Er schreibt wie dein Großvater.
Lass ihn sausen, Assi.
Vergiss die Jungs bei der Armee. Die sind wie weggetreten.
Du hast gesagt, er wär was für mich. Für den Sommer!
Nicht fürs ganze beschissene Leben.
Sechs Monate wartest du wie 'ne Kriegerwitwe.
Am liebsten würdest du noch ein Jahr warten.
An der Uni stehen die Jungs bald Schlange bei dir.
Ich will aber ihn. Dir ist echt nicht zu helfen.
Dann musst du da hin und mit ihm reden.
Würdest du mitkommen?
Da kriegt mich keiner rein. Ich geh Enten füttern am See.
Lass dir ruhig Zeit. Kannst ihm ja unterm Tisch einen blasen.
Besucherzimmer, vorne rechts.
Das ist ja 'ne Überraschung.
Freust du dich?
Klar freue ich mich.
Die Sonntage hier sind todlangweilig,
wenn man keinen Ausgang hat, und den gibt's selten.
Hätte ich den heute gehabt, dann wärst du umsonst gekommen.
Und was macht ihr hier? Wurden an der Sturmbahn geschliffen.
Den ganzen Tag, bis jeder Knochen wehtat.
Vorgestern Schrankkontrolle, alles raus und sie trampelten drauf rum.
Und du kannst nichts machen. Gar nichts.
Und du?
Was machst du?
Nix.
Schule.
Was ist das denn?
Ein 2016er Weißwein, ein Sersik Birtok.
Auf uns.
Auf uns.
Mmh, lecker.
Schmeckt?
Dass du noch frei rumgelaufen bist, Paul Schneider.
Oder zumindest, dass du noch frei warst,
als du auf meinem Tisch gelandet bist.
Und fast hätte ich dich entwischen lassen.
Warum hält das nie länger mit dir und den Damen?
Das hält ja, aber 'ne Ehe wie bei dir, mit Kindern,
so was gab's bei mir nie.
Warum geht es immer wieder auseinander?
Wär schon wichtig für mich zu wissen.
Wenn ich mich verliebe, denke ich nicht darüber nach, dann ist das so.
Ich mach da keinen Plan, ich...
Ich will diese Frau, und fertig.
Und manchmal brennt eben der Baum schon nach Kurzem.
Manchmal habe ich vielleicht zu früh aufgegeben.
Und die Mutter deiner Tochter?
Die...
Die hab ich in 'nem Club kennengelernt.
Wir waren ziemlich betrunken,
und ich hab schon am nächsten Morgen gemerkt,
dass wir uns auf die Nerven gehen.
Aber wir haben das damals noch anders gesehen.
Und wie? Wie habt ihr's gesehen?
Ich wollte auch, dass das bei mir mal klappt.
Ich war Mitte 30, sie war sofort schwanger.
Anfangs habe ich mich sogar gefreut, ich...
Aber wir haben einfach nicht zusammengepasst.
Sie schrieb mir einen 15-seitigen Brief.
Und was stand da drin? Dass es mit uns nicht funktioniert.
Dafür brauchte sie 15 Seiten?
Du kannst sie gerne lesen.
Warum kenne ich deine Tochter noch nicht?
Weil sie in Freiburg wohnt. Hm.
Vor zwei Wochen hab ich mit ihr Handstand geübt für den Schulsport.
Du kannst Handstand?
Zeigen.
Bitte?
Zeigen, jetzt.
Und du ziehst dir jetzt einen Badeanzug an.
Was mach ich? Das Gellert-Bad hat zu, es ist halb zehn.
Kannst du einfach machen, was ich dir sage?
Nur für uns? Wir sind ganz allein?
Verlieben geht sensationell mit dir, das muss man dir lassen.
Wenn wir nicht noch mehr Verflossene von dir in Budapest treffen.
Ich gehöre zu Jana. Alles klar.
Assi, da bist du ja endlich!
Morgen bist du in Westberlin. Ja, um 11 Uhr geht mein Zug.
Aber bis dahin feiern wir hier.
Julius hast du auch eingeladen?
Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen?
Vor zwei Monaten.
Komm schon, ist mein letzter Abend. Dann wirst du den doch ertragen.
Hey, komm mal mit.
Hey. Seit wann bist du denn da?
Ich bin grade erst gekommen. Was? Es ist so laut hier.
Wieso bist du nicht in Berlin? Hast du keine Uni?
Ich wollte Jana unbedingt Tschüss sagen.
Was ist mit deiner Freundin? Studiert die mit dir?
Das ist nicht meine Freundin. Ist eine Kommilitonin, mehr nicht.
Sah vorhin aber ganz anders aus. Was du immer denkst.
Und Jana war dann einfach weg? Du hast sie nie wiedergesehen?
Doch, ich hab sie dann bald besucht. Wie das?
Eine Tante in Darmstadt lud mich immer zum Geburtstag ein.
Ich durfte natürlich nie hinfahren, unverheiratet und kinderlos.
Aber zu ihrem 80sten ging es plötzlich doch.
Und da der Zug von Friedrichstraße über Bahnhof Zoo fuhr,
bin ich da ausgestiegen und ein paar Tage zu Jana.
Dass ich mich das getraute, erstaunt mich heute noch.
Und du bist nicht dageblieben?
"Jetzt streust du Salz hierhin leckst es ab, kippst den Schnaps."
Zuletzt beißt du in die Zitrone.
Kann ich noch einen haben? Zwei.
Jetzt pass auf. Sascha holt Julius raus aus dem Osten, genau jetzt.
Was? Die sind jetzt schon in Ungarn.
Sascha hat ein Wohnmobil, Julius wird sich darin verstecken.
So fahren sie nach Jugoslawien. Dann haben sie's geschafft.
Sie kommen hierher. Wieso?
Wieso, wieso. Na, deinetwegen!
Er will mit dir leben. Er liebt dich.
Wieso weiß ich nichts davon? Hab ich Sascha auch gefragt.
Die Jungs hatten Angst, dass du dich der Grenze verplapperst.
Deine dicke, fette Liebe Julius Mischke in Berlin City.
Bald kannst du ihn hier in die Arme nehmen.
Der lässt sich nicht in die Arme nehmen.
"Wir sind draußen, in München am Flughafen. Es war ganz einfach.
Um drei sind wir da. Holt Bier." Ich hab's gehört.
"Ey, Wahnsinn, Assi. Wahnsinn. Juhu!"
"Wir sind draußen, in München..."
Ich hab's gehört! "... ganz einfach."
Und es ist mir egal. Ich fahre zurück.
Die sind gleich da. In einer Stunde.
Warte noch so lange. Nein.
Nein? Warum nicht? Wozu?
Erklär ihm wenigstens, dass du zu feige bist.
Dass Julius hier mit dir rechnet, ist dir schnurz?
Er tröstet sich mit anderen. Du gehst in diesen Scheißstaat?
Der dir alles vorschreibt.
Wo du für Witze über Erich einsitzt? Da ist mein Leben.
Familie, Freunde, mein Medizinstudium!
Das kriegt hier auch nicht jeder. Ja, Studium, Heirat.
Ihr kauft ein Häuschen, 'nen Lada, fahrt nach Bulgarien!
Aber da ist Ende. Da hört die Welt für dich auf.
Ja. Und was machst du hier?
Wischst Omas den Po, bis dich jede Schauspielschule abgelehnt hat.
Wenn du dich dann noch bewirbst.
Scheiße.
"Wahnsinn. In drei Wochen bist du drüben."
"Ich glaub's erst, wenn ich da bin."
Ich will auch in den Westen.
Deine Mutter will das nicht. Das ist ihr Problem, nicht meins.
Stell dir mal vor,
wenn wir beide da wären, in Westberlin.
Und dann? Sascha holt mich raus, über Ungarn.
Der ist ein Kind. Ist zu gefährlich. Stell dir das vor!
Wenn wir beide da wären!
Das wär ein Ding! Dann können wir zusammenziehen.
Können wir auch hier. Hier? Na danke.
Westberlin, Hamburg oder New York. Du spinnst.
Ich komm auf jeden Fall zurück.
Ich bleib nicht im Westen. Das ist nichts für mich.
Auch wenn ich zu dir nach Westberlin käme?
Yes, no problem. Okay. Great. Thank you.
- Und? - Machen wir genau so.
Du hast deine große Liebe in Westberlin sitzen lassen?
Was hab ich?
Kannst du mich nicht verstehen oder willst du nicht?
So sieht's doch aus.
Und danach? Habt ihr euch nie wiedergesehen, oder wie?
Nee,
nie wieder.
Das könnt ihr jetzt nachholen. Er ist gerade gekommen mit Sascha.
Dahinten um die Ecke.
Mach keine Witze. Du brauchst nur rübergehen.
Ich geh da jetzt hin. Ich renn nicht noch mal vor dem weg.
Assi? Das gibt's doch gar nicht.
Was machst du denn hier? Hallo, Sascha.
Setz dich doch.
Manchmal hab ich mir vorgestellt, dass wir uns wiedersehen.
Aber hier, jetzt?
So aus dem Nichts.
- Three glasses of champagne please. - Yes, Sir.
Das feiern wir. Wir reden immer von dir, wenn wir hier sind.
Sascha redet immer von dir, egal wo. Er war wohl auch in dich verliebt.
Na klar. Die Freundin vom großen Bruder und dazu ausm Osten.
Du heißt nicht mehr Wolter, oder?
Ich fand im Netz nur 'ne Klavierlehrerin, die so heißt.
Nee, ich heiß jetzt Grundmann, wie mein Mann, also Ex-Mann.
Ich bin hier mit meinem neuen...
Paul, mein neuer Freund, mit dem bin ich in Budapest.
Ihr habt mit ihm vorm Gellert geraucht. Jetzt ist er weg.
Es ist ihm wohl grade ein bisschen viel geworden.
Das ist dein Neuer? Mhm.
Danke.
Gut siehst du aus. Bisschen ernster vielleicht.
Das sagt mein Sohn auch immer: "Guck nicht so ernst."
Ein Kind hast du auch. Ich hab vier Kinder.
Allerdings mit drei Frauen.
Und dein Freund hat dich ins Gellert-Hotel eingeladen? Ja.
Ihr wohnt nicht mehr da, oder?
Doch. Immer, wenn wir hier sind. Aus alter Gewohnheit.
Jetzt sind wir bei einer Künstlerin. Sie und ihr Mann luden uns ein.
Du hast auch nicht grade das Rote Kreuz nach mir suchen lassen.
Doch, ich hab dich gesucht.
Spät erst, das stimmt.
Vor ein paar Jahren stand ich mal vor eurer Galerie.
Ob du's glaubst oder nicht, ich traute mich nicht rein.
Ich stand mit Sonnenbrille davor, hab keinen von euch gesehen
und hab mich nicht reingetraut, um nach dir zu fragen.
Klar.
Weil dir das peinlich war.
Weil du mich hast sitzen lassen.
Ich hab dich nicht sitzen lassen, Julius.
Du konntest nie neben mir sitzen bleiben.
Zu mir konntest du immer sehr gut Nein sagen.
Bei dir konnte ich höchstens ein Vielleicht erreichen.
Ich war immer nur eine Möglichkeit von vielen für dich, aber... egal.
Mir tut es leid, Julius. Alles.
Aber wir können's nicht mehr ändern. Geschenkt.
Vielleicht sehen wir uns noch mal. Oder dauert das wieder 30 Jahre?
"Hier ist die Mailbox von Paul Schneider..."
Could you drive faster, please? It's forbidden.
It's like in your country.
"Hier ist die Mailbox von Paul Schneider."
Haust du einfach so ab, ja?
Ohne mir Bescheid sagen, oder was? Was heißt abhauen?
Ich komm mir total überflüssig vor.
Ich hab mir das anders vorgestellt. Meinst du, ich nicht?
Keine Ahnung. Aber offenkundig warst du sehr mit Julius beschäftigt.
Mann, das ist ewig her. Ich hab ihn lange nicht gesehen.
Mit Abhauen und Sitzenlassen kennst du dich besser aus als ich.
Was hat das damit zu tun? Was hat all das mit mir zu tun?
Erklär mir das mal. Hab ich was mit dir zu tun?
Dann hat das was mit dir zu tun. Das ist meine Vergangenheit.
Aber du sagst ja nichts.
Nur wenn du nicht mehr weiterweißt.
Diese Julius-Geschichte musste ich dir aus der Nase ziehen. Ja.
Ja, aber... sobald ich Julius sehe, setzt mein Gehirn aus.
Das war damals schon so.
Alles, was ich wollte, war hier mit dir sein.
Wenigstens hast du gemerkt, dass ich weg bin.
Ach komm, Paul, das ist doch scheiße so.
Das kann man wohl sagen.
Dann willst du jetzt gehen, ja?
Ich will nicht, dass du gehst, Paul.
Ich will, dass du bleibst.
Noch mal von vorn anfangen, das haben wir schon gemacht.
Das können wir nicht jeden Tag machen.
Ja.
Komm.
Komm, wir fahren zurück ins Hotel.
Haben deine Kinder Sehnsucht nach dir?
Die ist von Julius.
Er und Sascha laden uns ein zu ungarischen Künstlern.
Wollen dich auch kennenlernen, bla, bla, bla.
Ich sage das ab. Warum?
Lass uns da hingehen.
Warum sprecht ihr so gut Deutsch? Ich lernte es in der Schule.
Ich hab in München studiert.
Arbeitet ihr beide hier? Nein, Jozef schreibt hier Bücher.
Ich hab ein Atelier an der Akademie.
Aber das verliere ich bald, ich verliere meinen Job.
Wieso? Wisst ihr was über die Fidesz-Partei
und Viktor Orban und unsere wunderbare illiberale Demokratie?
Bekommt man das mit in Deutschland? Kaum. Ich weiß nichts davon.
Steht schon in der Zeitung.
Es steht eher auf den hinteren Seiten.
Hier hängen auch nicht überall Orban-Bilder.
Ja, sieht man nicht.
Aber wenn du die Leute verstehst, dann hörst du,
dass sie nur noch über Orban und seine Scheißpolitik reden, überall.
In Kneipen, der U-Bahn, auf Arbeit.
- Was sagst du? - Jozef ist ein Fidesz-Kritiker.
Aber er liebt seine Heimat.
- Die Bauern wählen die Idioten. - Hier wählt man sie auch.
Wisst ihr, was das für uns heißt?
Wir sind Künstler.
Über Stipendien entscheidet? Fidesz.
Museumseinkäufe? Fidesz. Hochschulstellen? Fidesz.
Deutschland hat die AfD, Frankreich den Front National.
- Nicht in der Regierung. - Ja.
In Österreich regiert die FPÖ mit. Da hat er recht.
- Ein kühles Bier? - Super Idee.
- Klar. - Ich auch. Ja.
Kommst du mit spazieren?
Ich darf sie doch kurz entführen,
oder seid ihr so ein Paar, das alles zusammen macht?
Da musst du Astrid fragen.
Klar, warum nicht. Wenn's nicht so lange dauert.
Hast du Angst, dass Paul uns nachkommt?
Angst? Wieso?
Wieso Angst?
Ganz guter Typ.
Bisschen dick vielleicht.
Liebst du ihn?
Mensch, Julius, was soll das? "Liebst du ihn?"
Hier. Zähl ab.
Ich lieb ihn. Ich lieb ihn nicht.
Ich lieb ihn. Ich lieb ihn nicht.
Ich lieb ihn. Ich lieb ihn nicht.
Ich lieb ihn.
Na komm.
Dein Freund hat so einen guten Nachtisch gemacht.
Komm.
Ich hab das niemandem erzählt. Ah, warte mal.
Paul hat nach der Flucht gefragt.
Wie hieß der Ort in Jugoslawien, auf der serbischen Seite?
Bajmok. Genau.
Ich wuchs in Südungarn auf, ich kenne Bajmok.
Mein Dorf ist da in der Nähe.
Echt? Ja.
Julius, hattest du keine Angst, als du geflohen bist?
Wenn die dich erwischt hätten, wärst du im Knast gelandet, oder?
Oder die hätten geschossen. Klar hatte ich Schiss.
Aber die Ungarn haben da nicht mehr geschossen.
Ich war jung. Es war ein Abenteuer. Ich kam im Wohnmobil.
So ein Riesending, um Julius drin zu verstecken.
Er lag unter der Matratze.
Wir fuhren auf die Grenze zu, nachts, und als Erstes kam so ein Vorposten.
Die winkten einen meist durch. Aber der hielt mich an.
Ich hab das mitbekommen, dass der Wagen angehalten hat.
Stimmen gehört, das Hundebellen.
Als Erstes guckt er in die Fenster rein,
dann will er meinen Pass sehen.
Schließlich sagt er, ich soll die Tür öffnen.
Mir ging der Arsch auf Grundeis. Das glaub ich.
Dann kam der Funkspruch. Genau, sein Funkgerät blökt los.
Er antwortet, sie reden länger. Ich versteh nichts.
Während er redet, gibt er mir den Pass zurück.
Und macht 'ne Handbewegung: "Go, go, go!"
Ich fahr los und halte irgendwo im Niemandsland, es gab ja keinen Zaun.
- Absurd, dass es heute einen gibt. - Ja. Ja.
Da hast du mich dann rausgelassen.
Es war stockdunkel. Es hat ganz leicht geregnet.
Ich hab die Richtung gecheckt und bin losgerannt.
Bei jedem Knarren warf ich mich hin.
Ich war ganz schlammig. Ich lief und lief. Dann sah ich das Dorf.
Über einem Laden stand was in kyrillischer Schrift.
Ich war so froh, das zu sehen. Ich wusste, ich bin durch.
Ich war draußen, einfach so.
Und was, wenn wir noch mal hinfahren?
Also ich hatte noch nie das Bedürfnis.
Mich würde das interessieren. Das wär doch toll.
Bajmok, also... An die Grenze?
Ja. Jetzt?
Hey. Hier lang.
Direkt hinter dem Wald liegt Bajmok.
Wollen wir rübergehen?
Ein Erinnerungsspazierengang, oder wie sagt man auf Deutsch?
Wie willst du denn über diesen Zaun, Jozef?
Ich finde einen Weg, glaub mir.
Ich bin hier zu Hause. Der Zaun reizt mich.
Also ich gehe nicht mit. Ich auch nicht.
Ich kann Jozef nichts abschlagen. Na dann. Wollen wir los?
Was ist mit dir? Bist du dabei?
Ja, ich bin dabei. Wir fahren mit dem Auto rüber.
Treffpunkt Bajmok. Wie lange braucht ihr?
- Eine Stunde. - Okay.
Los geht's.
Du warst Julius' Freundin. Seine erste Liebe im Leben.
Hat dir das Julius erzählt? Nein.
Sascha. Ach, Sascha.
Ich hab mich schon gewundert.
Ja, ich war mal Julius' Freundin oder so was Ähnliches.
Aber das ist echt viele, viele Jahre her.
So was Ähnliches, was heißt das?
Na ja, ich war jedenfalls nicht die erste.
Dich scheint Julius auch ziemlich zu mögen.
Kann man das sehen?
Wenn man Julius ein wenig kennt und einen Blick dafür hat.
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt an einer Grenze kontrolliert wurde.
Der Zaun wurde gebaut, damit keiner mehr ins Land kommt.
Aber ich will raus aus Ungarn.
Richtig raus, nicht nur kurz nach Serbien.
Ist es so schlimm bei euch? Ich möchte hier nicht leben.
Nicht unter diesen Idioten.
Aber mit Jozef kannst du das vergessen.
Ohne sein Ungarn ist er nichts.
Er will bleiben.
Aber ich nicht.
Ich hole was zu trinken. Alles klar.
Kann ich auch eine haben?
Ich dachte, du rauchst nicht.
Und Julius? Was ist mit dem?
Was soll mit ihm sein? Na, mit euch. Was soll nun werden?
Wir hatten ein paar schöne Tage in Hamburg.
Ich habe meine Ausstellung aufgebaut und bei ihm gewohnt.
In dieser Villa,
die er von seinem Vater geerbt hat.
Man kann die Elbe sehen.
Und ab und zu kommen seine Kinder vorbei.
Und es sieht aus dort wie in der Villa Kunterbunt.
Aber du willst nicht seine Pippi Langstrumpf sein?
Wieso?
Hättest du was dagegen?
Hey! Hey! Hey!
Es war toll.
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