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Das ist unmöglich.
-Du bist tot. -Das stimmt.
Ich investierte in eine Firma, die Androiden herstellt.
-Ich bin ein Prototyp. -Im Ernst?
Werd nicht frech, nur weil ich tot bin.
Sechs Tage, nur du und ich, in denen wir über alles reden.
Kenne ich ihn?
Er war nach deinem Schlag ins Gesicht bewusstlos.
Als du mich aus Berlin weggeholt hast.
Du warst 18 Jahre alt. Du warst in Ostberlin,
ich war in Sorge.
Ich war nie in Gefahr. Ich liebte Tomas.
Womit wir bei Adam wären. Du hättest ihn fast geheiratet.
-Adam weiß von Brügge? -Ich kann nicht lügen.
Julia, ich glaube, Tomas ist nicht ganz tot.
Willst du am Steuer auch nähen?
-Gib mir mein Handy. -"Bitte"!
Handy am Steuer sollte verboten sein.
Alles andere am Steuer auch.
Und nach der geplanten Hochzeit zu verschwinden?
Ohne Erklärung abzureisen und deinen Verlobten
und besten Freund sitzenzulassen?
Allein Flitterwochen zu machen? Sollte das alles nicht verboten sein?
Guck nach vorn und schrei nicht so, sonst sind wir tot.
ALL DIE UNGESAGTEN WORTE NACH DER ROMANVORLAGE
BRÜGGE, 2005 - TAG ZWEI
Was genau meinst du mit "nicht ganz tot"?
Dein Handy klingelt.
"Er lebt", wäre auch korrekt.
Was redest du da? Und woher weißt du das?
Weil man zum Briefeschreiben leben muss.
Ich habe eine Idee.
Ich könnte post mortem einen schreiben. Es wäre Heldentat!
Welcher Brief?
Der, den er nach seinem Unfall aus Berlin schrieb.
Sein Name stand auf dem Umschlag.
Ich bekam nie einen von Tomas.
Wie hätte ich dich ohne Nachsendeaddresse finden sollen?
-Schreib das mit auf die Liste. -Welche Liste?
Ja. Die mit den Gründen, für die du mich hasstest.
Du sagtest, kein Präteritum.
Du kannst "hassen" im Präsens gebrauchen!
Julia...
Es ist immerhin 20 Jahre her.
Ja, und in der Zeit gab es nie eine Gelegenheit?
Wir hatten in den 20 Jahren tatsächlich kaum eine.
Außerdem hast du nie auf mich gehört. Bis heute nicht!
Wieso hätte ich mich bemühen sollen, Post zuzustellen?
Damit ich den Brief erhalte.
Aber du warst doch liiert
mit einem Theaterstudenten in einem Studio im Norden von Paris.
Du hättest mir eure Trennung angekreidet.
Du hast ihn ohnehin für einen miserablen Straßenkünstler verlassen.
Die Beziehung währte auch nicht lange.
Und du hast deinen Job gekündigt.
Woher weißt du das?
Weil... obwohl du nie Interesse an meinem Leben hattest,
ich mich immer über deines informiert habe.
Hast du ihn geöffnet?
Den Brief?
Julia, ich würde niemals deine Post aufmachen.
Hast du ihn noch?
Hier ist er.
Ich wollte ihn dir auf dieser Reise geben.
Was heißt, sie sucht ihren Vater?
Er ist tot.
Genau. Darum.
In Brügge!
Brügge ist weit weg, wenn du sitzt, wo ich sitze!
"Julia,
ich muss dir mein langes Schweigen erklären."
"Es war der schönste Tag meines Lebens,
abgesehen von dem Tag unserer Begegnung natürlich.
Wir durchquerten das Pandschschir-Tal.
Julia, ich interviewte Kommandant Massoud.
Ich, ein Junge aus Ostberlin,
als Reporter im Pandschschir-Tal!
Kannst du das glauben?
Aber am glücklichsten machte mich,
mich deiner Liebe würdig erweisen zu können.
Ich wollte nach Berlin zurück
und konnte auf dieser felsigen Ebene nur an dich denken.
Es war ein schöner Tag."
"Sie überließen mich dem Tod.
Ich schulde mein Leben denen, die mich fanden."
"Der Arzt wusste nicht, ob ich je wieder sehen,
geschweige denn gehen können würde."
"Erst Wochen später kam ich wieder zu Bewusstsein.
All diese Menschen, diese Fremden,
sorgten für mich,
als sei ich einer der ihren."
"Es dauerte, bis ich die Kraft zum Schreiben fand.
Du fülltest meine Nächte
und ich dachte jeden Tag an dich..."
ELF MONATE SPÄTER
"Knapp fand mich schließlich.
Der Idiot fühlte sich schuldig, dabei hatte ich insistiert, herzukommen.
Und du,
du weißt, warum."
"Julia,
hättest du den Mann geliebt, zu dem ich geworden bin?
Der Mann, den du kennenlerntest, war noch nicht lange tot."
"Gib nicht dem Krieg die Schuld oder deinem Vater, weil er uns trennte.
Obwohl ich ihn dafür gehasst habe."
Wo ist sie?
Entschuldigung.
Du kommst mit.
-Lass mich los! -Geh!
Tomas!
-Tomas! -Sei ruhig!
"Ich kehre endlich heim.
Ich schicke den Brief aus Berlin ab.
Ich lege ein Flugticket auf deinen Namen bei,
falls du noch zu mir kommen möchtest.
So viele Monate ohne Neuigkeiten.
Eine halbe Ewigkeit. So fühlt es sich an.
Aber jetzt weißt du wenigstens, warum."
"Ich werde an jedem letzten Tag des Monats am Flughafen warten.
Wenn du nicht kommst, verstehe ich das.
Egal, wie du entscheidest, ich werde es dir nie vorhalten.
Aber du sollst wissen, dass unsere die schönste Begegnung überhaupt war.
Dich zu verlieren, wäre furchtbar, aber dich nie gekannt zu haben,
wäre viel schlimmer."
Was steht in dem Brief?
Das geht dich nichts an.
Wirst du ihm antworten?
Nach 20 Jahren?
Fragst du mich oder dich?
Zwanzig Jahre.
Das ist... ein ganzes Leben.
Er könnte verheiratet und Vater sein.
Mit welchem Recht hole ich die Vergangenheit wieder hervor?
Glauben ist Sache der Religion.
Heute früh dachtest du noch, er sei tot. Du weißt nichts.
Zwanzig Jahre!
Siebzehn.
Viel Zeit für eine Scheidung.
Sogar für mehrere!
Findest du das witzig?
Humor ist eine Art, von der Wirklichkeit abzulenken.
Wer hat das gesagt? Ich, vielleicht.
Wirst du antworten?
Es ist zu spät.
Es ist zu spät, deiner Mutter alles zu sagen,
bevor sie den Verstand verlor.
"Zu spät" für uns beide ist Freitag,
wenn ich mich abschalte.
Verzeihung, aber für dich ist es nicht zu spät.
Tomas ist nicht tot.
Denk an deine Reaktion, als du das Porträt sahst.
Und an deinen Zustand nach dem Brief.
Es ist nicht zu spät.
Und Adam? Soll ich Adam betrügen?
Das tust du auch, wenn du beim Heiraten an Tomas denkst.
Und all die kleinen Lügen im Alltag, sind die kein Betrug?
Und ein schweigsames Zusammenleben ist die allerschlimmste Art des Betrugs.
Was weißt du davon?
Was redest du da?
In den letzten drei Jahren hielt deine Mutter mich für die Putzkraft.
An guten Tagen!
An schlechten rief sie wegen eines Einbrechers nach der Polizei.
Die Liebe deines Lebens ist die, die du lebst,
nicht die du erträumst.
Die, die du lebst.
Der Portier soll uns einen Wagen reservieren.
Bis Berlin sind es nur 812 Kilometer.
Nein. Wir fahren nicht nach Berlin.
Nein, wir fahren nicht!
Lass mich.
Kannst du fahren?
Die Robotermobile, die sie auf den Mond schicken, sind hässlich.
In Sachen innovative Elektronik gibt es keinen Vergleich.
Sie hat Begleitung.
Sie betrügt mich!
Täusch dich nicht, mein Lieber, sie betrügt mich.
Du hättest dich bestens
mit Tomas' Großmutter verstanden.
Sie sagte immer, dass wir keine Zukunft hätten,
dass ich ihm Schmerz zufügen würde,
dass wir zu verschieden wären.
Ich, ein Mädchen aus dem Westen,
und er, ein Junge aus dem Osten.
Aber die Wochen vergingen,
und wir bewiesen ihr das Gegenteil.
Bis du kamst.
Habt ihr deutsch gesprochen?
Wenn du willst.
Wohin?
Julia, Deutsch ist deine Muttersprache.
Warum antwortest du auf Französisch?
Eben weil es meine Muttersprache ist.
Ich habe sie nur mit Mama gesprochen...
Daher ist es schmerzhaft für mich.
Dann werde ich mein Französisch verbessern.
Versprochen.
Danke.
Noch einen!
Warum fragst du?
Das weißt du genau.
Ich versprach, zurückzukehren, sobald ich Geld hätte.
Sag ihm, es hat etwas länger gedauert.
-Hier, bitte. -Danke.
Die Nachrichten meldeten einen Unfall nahe Kabul.
Drei Journalisten traten auf eine Mine.
Knapp verlor seinen besten Freund und ich meinen Geliebten.
Knapp hatte ihn zu Massoud nach Afghanistan geschickt.
Er war am Boden zerstört.
Ich auch, aber ich tröstete ihn.
Ihn über Tomas reden zu hören,
hielt ihn für mich lebendig.
Und eines Abends nach dem Auflegen...
Als ich hörte, du seist im Krankenhaus...
Christian sagte es dir am Telefon.
Es war der schlimmste Moment.
Hast du mich deshalb nicht abgeholt?
-Ich war auf Geschäftsreise. -Was?
Du Lügner!
Das warst du nicht!
Ich war wütend.
-Warum? -Du hast mich irre gemacht.
-Ich? -Ja.
Mit den Affären, dem Weglaufen, deiner Unentschlossenheit.
Das war die Hölle für mich.
Nicht ich allein nerve hier.
-Sei ruhig und fahr! -Nicht in dem Ton!
Entschuldige.
Entschuldige.
Nach Marc Levys Buch von Éditions Robert Laffont
Untertitel: TITRAFILM
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