All language subtitles for 10 Wilhelm und die Welt

af Afrikaans
ak Akan
sq Albanian
am Amharic
ar Arabic
hy Armenian
az Azerbaijani
eu Basque
be Belarusian
bem Bemba
bn Bengali
bh Bihari
bs Bosnian
br Breton
bg Bulgarian
km Cambodian
ca Catalan
ceb Cebuano
chr Cherokee
ny Chichewa
zh-CN Chinese (Simplified)
zh-TW Chinese (Traditional)
co Corsican
hr Croatian
cs Czech
da Danish
nl Dutch
en English
eo Esperanto
et Estonian
ee Ewe
fo Faroese
tl Filipino
fi Finnish
fr French
fy Frisian
gaa Ga
gl Galician
ka Georgian
de German
el Greek
gn Guarani
gu Gujarati
ht Haitian Creole
ha Hausa
haw Hawaiian
iw Hebrew
hi Hindi
hmn Hmong
hu Hungarian
is Icelandic
ig Igbo
id Indonesian
ia Interlingua
ga Irish
it Italian
ja Japanese
jw Javanese
kn Kannada
kk Kazakh
rw Kinyarwanda
rn Kirundi
kg Kongo
ko Korean
kri Krio (Sierra Leone)
ku Kurdish
ckb Kurdish (Soranî)
ky Kyrgyz
lo Laothian
la Latin
lv Latvian
ln Lingala
lt Lithuanian
loz Lozi
lg Luganda
ach Luo
lb Luxembourgish
mk Macedonian
mg Malagasy
ms Malay
ml Malayalam
mt Maltese
mi Maori
mr Marathi
mfe Mauritian Creole
mo Moldavian
mn Mongolian
my Myanmar (Burmese)
sr-ME Montenegrin
ne Nepali
pcm Nigerian Pidgin
nso Northern Sotho
no Norwegian
nn Norwegian (Nynorsk)
oc Occitan
or Oriya
om Oromo
ps Pashto
fa Persian
pl Polish
pt-BR Portuguese (Brazil)
pt Portuguese (Portugal)
pa Punjabi
qu Quechua
ro Romanian
rm Romansh
nyn Runyakitara
ru Russian
sm Samoan
gd Scots Gaelic
sr Serbian
sh Serbo-Croatian
st Sesotho
tn Setswana
crs Seychellois Creole
sn Shona
sd Sindhi
si Sinhalese
sk Slovak Download
sl Slovenian
so Somali
es Spanish
es-419 Spanish (Latin American)
su Sundanese
sw Swahili
sv Swedish
tg Tajik
ta Tamil
tt Tatar
te Telugu
th Thai
ti Tigrinya
to Tonga
lua Tshiluba
tum Tumbuka
tr Turkish
tk Turkmen
tw Twi
ug Uighur
uk Ukrainian
ur Urdu
uz Uzbek
vi Vietnamese
cy Welsh
wo Wolof
xh Xhosa
yi Yiddish
yo Yoruba
zu Zulu

Original subtitles

Die Mitte Europas im 2. Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Ein ruheloses Reich.

Zu klein, um über andere zu herrschen.

Zu groß für die Balance der Mächte in Europa.

Weltmacht sein. Das will Kaiser Wilhelm.

Er setzt das Schicksal der verspäteten Nation aufs Spiel.

Die Matrosen der kaiserlichen Marine meutern.

Sie verlangen ein Ende des Weltkriegs.

Und die Abdankung des Kaisers.

Wilhelm II. steht unter Druck.

Auch die Reichsregierung verlangt seinen Rücktritt.

Ich denke nicht daran, abzudanken!

Majestät müssen handeln, und zwar schnell.

Die Meuterei wird zum Aufstand.

Arbeiter schließen sich den Matrosen an.

Ich werde in die Heimat zurückkehren.

Und den Aufstand niederschlagen!

Aus Hunderten werden Tausende.

Generalfeldmarschall von Hindenburg.

Was sagen Sie?

Unmöglich.

Ich muss abraten.

Was? Warum?

Die Armee ist unzuverlässig.

Sie will nicht mehr kämpfen.

Zuverlässige Soldaten sollen den Aufstand niederschlagen.

Brüder, nicht schießen!

Die Truppen stehen nicht hinter Euch.

Das Heer hält nicht mehr.

Wollte Gott, es wäre anders.

Feuer!

(Schüsse fallen)

Vier Jahre schon dauert der Erste Weltkrieg.

Millionen von Soldaten sterben auf den Schlachtfeldern.

Sie werden verwundet, verkrüppelt.

Für die Deutschen ist die Lage an der Front und in der Heimat hoffnungslos.

Dabei hatte der Kaiser einst herrliche Zeiten versprochen.

Erst seit dem späten 19. Jahrhundert ist Deutschland geeint.

Die Germania bei Rüdesheim am Rhein soll daran erinnern.

Kanzler Bismarck hat die Nation zusammengeschmiedet.

Die neue Großmacht sorgt für Unruhe bei manchen Nachbarn.

Zur Absicherung hat Bismarck das Reich verbündet.

Mit Österreich-Ungarn.

Mit Russland besteht ein geheimes Abkommen.

Der Kanzler will das Gleichgewicht der Kräfte in Europa wahren.

Das Reich genüge sich selbst.

Das Berlin der Preußen-Könige hat sich zu einer Weltstadt entwickelt.

Zum politischen Zentrum des Kaiserreichs.

Eine boomende Stadt, die Jahr für Jahr Zuwanderer anzieht.

Auf ihre Prachtstraßen sind die Berliner besonders stolz.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert -

- ist Berlin eine der modernsten Metropolen Europas.

Man nennt sie "Spree-Chicago".

Das Tempo der Hauptstadt sei atemberaubend.

So heißt es schon damals.

1902 wird der erste Polizist zur Verkehrsregelung abgeordnet.

Die Stadtbahn ist Europas erste Hochbahn.

Die Bevölkerung wächst rasant.

Deutschland hat 1900 mehr als 56 Millionen Einwohner.

Allein in Berlin leben zwei Millionen.

Pickelhauben und Paraden.

Es ist die Zeit, die man als die "Wilhelminische" bezeichnet.

Benannt nach Kaiser Wilhelm II.

Eine schillernde Figur, für die Größe alles bedeutet.

Ein impulsiver Monarch, der Weltgeltung will.

Für sich und sein Reich.

Er spielt mit der Macht auf einem großen Spielfeld.

Ein Kaiser, den viele für den idealen Repräsentanten halten.

Für die Deutschen im Kaiserreich hieß deutsch sein geeint sein.

Machtvoll sein.

Diese Macht auch nach außen darstellen zu können.

Einen Regenten zu haben, der im Ausland eine gute Figur machte.

Man war im Wilhelminischen Reich stolz, Deutscher zu sein.

Wirtschaftliche und wissenschaftliche Höchstleistungen.

Sie befördern das Reich schnell ins 20. Jahrhundert.

"Made in Germany" wird zum Gütesiegel.

Und zum Machtfaktor.

Die Krupp-Werke entwickeln sich zu einem Industrie-Giganten.

Und zur Waffenschmiede der Nation.

Wenn Wilhelm in den Westen reist, macht er gerne in Essen Station.

Wie der Kaiser sieht sich auch der Unternehmer Friedrich Alfred Krupp:

Als Garant des Aufschwungs.

Beim Wettlauf der Großmächte um neue Märkte möchte auch er profitieren.

Expansion benötigt viele Rohstoffe.

Und neue Märkte.

Keine Sorge, Krupp.

Wir werden unseren Kolonialbesitz erweitern.

Sie werden Deutschland einen Platz an der Sonne verschaffen.

Wilhelm will mitspielen im Konzert der Weltmächte.

Im Zeitalter des Imperialismus.

Doch die Deutschen sind spät dran, die Kolonien weitgehend verteilt.

1898 erwirbt das Deutsche Reich einen Flotten-Stützpunkt in China.

Deutschland will Flagge zeigen.

Es will teilhaben am lukrativen Weltmarkt.

Pickelhauben in Tsingtau.

Hastig klaubt der Kaiser die letzten kolonialen Krümel im Pazifik auf.

In Samoa oder Palau.

Wirtschaftlich sind die Kolonien eher ein Verlust-Geschäft.

Doch das Imperium ist fast sechs Mal so groß wie das Mutterland.

Wilhelm will mithalten, um jeden Preis.

Das Deutsche Reich hat gemacht, was alle Großstaaten wollten.

Zur Weltmacht zu werden.

Eine Weltmacht wie Großbritannien.

Mit dem verbindet Wilhelm eine Hass-Liebe.

Seine Mutter ist Britin und verachtet alles Preußische.

Wilhelm ist gern zu Gast auf der Isle of Wight.

Bei seiner legendären Großmutter Queen Victoria.

Er sieht sich als Mitglied der Königsfamilie.

"Ich bin auch Brite", sagt er.

Er sah auch, dass das Deutsche Reich kein Empire hatte.

Dass im deutschen Weltreich durchaus die Sonne unterging.

Das Prestige beider Reiche war unterschiedlich.

Die Briten hatten eine Flotte, die Deutschen nicht.

Das will der Kaiser ändern.

"Eine so schöne Flotte möchte ich auch mal haben", sagte er.

Als Kind träumte Wilhelm von riesigen Kampfschiffen.

Victorias Nachfolger König Edward misstraut seinem Neffen.

Bald wird er ihn als schärfsten Widersacher Englands bezeichnen.

Denn ab 1898 beginnt Kaiser Wilhelm mit dem Bau einer eigenen Flotte.

Sein Planer wird der spätere Admiral Alfred von Tirpitz.

Über 60 Schlachtschiffe sollen in nur 20 Jahren gebaut werden.

Im Lieblingsspielzeug des Kaisers steckt politische Sprengkraft.

Du immer mit deiner Marine.

Dabei ist unsere Flotte doch eher bescheiden.

Papperlapapp.

Für Wilhelm ist dies nur eine Frage der Zeit.

Mit Hilfe von Industriellen wie Krupp und Strategen wie Tirpitz.

England sieht sich und das europäische Gleichgewicht bedroht.

Es fühlt sich herausgefordert vom Wilhelminischen Reich.

Der selbsternannte "erste Seemann der Nation".

Weiß er um die Risiken?

Die Flotte stand auch für Gleichrangigkeit mit England.

Es war eine Illusion, zu meinen, -

- dass man das konfliktlos durchsetzen könnte.

Oder meinte, einen solchen Konflikt leicht bewältigen zu können.

Dieses Denken in den Kategorien des Prestige.

Der weltpolitischen Gleichberechtigung.

Das hat die Eliten der Wilhelminischen Ära geprägt.

Insofern ist die Flotte eines der populärsten Projekte jener Zeit.

Vor allem beim Bürgertum.

Prachtvolle Häuser an den Boulevards der wachsenden Städte.

Sie zeugen vom Bemühen der Schicht um Ansehen.

Die Flotte trage dazu bei, glaubt man.

Die Propaganda der Marine macht den Jüngsten Seemannsträume schmackhaft.

Viele Händler, Unternehmer und Beamte träumen mit.

Sie fühlen sich gut vertreten auf dem Weg zur Weltgeltung.

Der Kaiser gebärdet sich wie ein Alleinherrscher im Reich.

Obwohl es einen Kanzler und ein Parlament gibt.

Die bestimmen ja laut Verfassung mit.

Wilhelm hat eine interessante Mischung.

Zwischen Größenwahn und Depression.

Er sah sich in der Rolle eines absolutistischen Monarchen.

Von Gottes Gnaden in sein Amt eingesetzt.

Er ist der Steuermann am Schiff Deutschland.

Er bestimmt den Kurs.

Das war auch das Selbstbild, was er zum Teil von sich hatte.

Wo liegen die Ursachen für solchen Größenwahn?

Schon in der Kindheit?

Wilhelm ist seit seiner Geburt verkrüppelt.

Folge eines ärztlichen Kunstfehlers.

Der linke Arm hängt schlaff herab.

Er hat Schmerzen im linken Ohr und Gleichgewichtsstörungen.

Die Eltern versuchen, den Makel zu beheben.

In vielen Jahren wird Wilhelm in ein Streckkorsett gesteckt.

Um seine schiefe Kopfhaltung zu korrigieren.

Eine Armstreck-Maschine soll die Versteifung des Armes verhindern.

Doch die Behandlungen bringen nicht den gewünschten Erfolg.

Die Elektro-Therapie soll die Muskulatur stärken.

Auch sie hilft nicht.

Sie wird aufgrund der "nervösen Reaktion" des Prinzen abgebrochen.

Die Behinderung belastet die Beziehung zu seiner Mutter.

"Sein Arm verdirbt mir jede Freude."

Das schreibt sie in einem Brief an Queen Victoria.

"Er wird nie männlich sein."

Etwas war vielleicht noch gravierender.

Die Tatsache, dass seine Mutter ihn nicht ins Herz schließen konnte.

Sie hat sich geschämt, weil sie diesen Sohn geboren hatte.

So hat sich Wilhelm früh abgewendet von seinen liberalen Eltern.

Er fühlte sich hingezogen zum preußischen Militär.

Trotz Behinderung entwickelt er sich zu einem passablen Reiter.

Doch nur auf eigens zugerittenen Pferden.

Er wird ein passionierter Jäger.

Solange man ihm das Wild vor die Flinte treibt.

Wilhelm ist oberster Kriegsherr.

Er befehligt eine hochmoderne Militär-Maschinerie.

Am liebsten spielt er den Feldherrn, wechselt mehrmals am Tag die Uniform.

Alle Tage Maskenball.

Gerne schlüpft er für Kostümfeste in die Rolle Friedrich des Großen.

Des großen Kurfürsten und anderer Schlachtenlenker.

(Musik)

Er liebte diesen Kostüm-Spaß.

Aber dadurch entstand ein Eindruck, als ob nur die Uniform zählte.

Militarismus in einer Art von permanentem Bühnen-Auftritt.

Man trat als Militär auf.

Das Militär war der erste Stand im Staate.

Speziell aus der preußischen Tradition.

Das war fatal.

In Deutschland gilt der Rang beim Militär sehr viel.

Mehr als die Leistung im zivilen Leben.

Krieger-Vereine und nationale Verbände geben den Ton an.

Wer ausschürt, macht sich verdächtig.

Für Wilhelm war jeder Deutsche, der ihn nicht anhimmelte,-

- ein schlechter Deutscher.

Jemand, der die Armee kritisierte, überhaupt republikanisch war.

Auch deshalb ist das Verhältnis des Kaisers zur Arbeiterschaft gespalten.

Industrie-Arbeiter beginnen, sich zu organisieren.

Sie wollen ein besseres Leben und mehr Mitbestimmung.

Und auch eine politische Vertretung. Dafür steht die SPD.

Die Feiern am Sedanstag erinnern an den Sieg über die Franzosen.

Im Jahre 1870.

Sozialdemokraten ist der Hurra- Patriotismus ein Dorn im Auge.

Die Genossen haben sich -

- die Verteidigung der Arbeiter- Interessen auf die Fahne geschrieben.

Und mehr Demokratie.

Krieg dem Kriege!

Ihr Credo ist nicht Krieg, sondern Völkerverbrüderung.

Wir wollen gleiches Recht für alle!

Verschwindet, ihr Umstürzler!

Für die Demokratie!

Wir gehen mit donnernder Stimme in den Reichstag.

Ungeheuerlich am Sedanstag!

Ein Skandal!

Wilhelms Großmannssucht führt uns geradewegs in den Krieg!

Schlechte Patrioten zu sein.

Dieser Vorwurf wird die Sozialdemokraten lange begleiten.

Für den Kaiser sind Sozialdemokraten:

"Eine Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutscher zu tragen."

Er ist bereit, die soziale Situation der Arbeiter zu verbessern.

Doch politischen Protest wertet er als Angriff auf seine Person.

Und damit die Nation.

Die Sozialdemokratie will partizipieren.

Sie wollen eine parlamentarische Monarchie.

Aber sie wollen Einfluss haben über das Parlament.

Genau das wird ihnen verwehrt.

Es verharrt in dem alten Zustand des Jahres 1871.

Das ist nicht akzeptabel.

Dafür finden sie Zuspruch.

Millionen schließen sich der SPD und den Gewerkschaften an.

Die Sozialdemokratie wird mit den Jahren zur stärksten Kraft.

Innenpolitisch droht dem Kaiserreich damit die Spaltung.

Monumente zeugen vom Bemühen, die Einheit zu beschwören.

Das Kaiserreich zu festigen.

Mit einer kraftvollen Weltpolitik will man von Spannungen ablenken.

Der Kaiser wählt dabei nicht den Weg der Diplomatie.

Forsch will er auftreten in aller Welt.

Im Sommer 1900 kommt es in China zum "Boxer-Aufstand".

Gegen die westlichen Kolonialherren.

Der deutsche Gesandte wird in Peking ermordet.

Wilhelm will den Europäern zeigen, wie man sich Respekt verschafft.

Deutsche Truppen sollen den Aufstand niederschlagen helfen.

Die Soldaten fordert er zu brutalem Vorgehen auf.

Die "Hunnen-Rede" wird in die Geschichte eingehen.

Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen.

Pardon wird nicht gegeben.

Gefangene werden nicht gemacht.

Die Hunnen haben sich unter ihrem König Etzel einen Namen gemacht.

So möge der Name Deutscher in China bekanntwerden.

In einer solchen Weise, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, -

- einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.

Die Worte des Kaisers dröhnen um den Erdball.

Das kann die Reichsregierung nicht verhindern.

Die Soldaten scheinen ihn beim Wort zu nehmen.

Auch die Truppen anderer Mächte gehen brutal gegen die Boxer vor.

Die Wilhelmsche Rede prägt das Bild der Deutschen in der Welt.

Der Kaiser redet oft und gerne.

Kriegerisch, überheblich, nass-forsch.

Er wird zunehmend zum diplomatischen Risiko.

"Wer uns zu nahe tritt, der beißt auf Granit."

Es war eine Zeit der ungeheuren Kraftsprüche.

Hinter denen standen nicht so viele böse Absichten.

Aber diese Kampf-Metaphern sind überall.

Manchmal gehen sie aber über in die Kampf-Vorbereitung.

In Berlin regt sich bald Kritik am Regiment des Kaisers.

Parteiübergreifend.

Im Reichstag sind die Sozialdemokraten -

- seit 1912 die stärkste Fraktion.

Philipp Scheidemann wettert gegen die Großmannssucht.

Wir haben Milliarden ausgegeben für unsere Flotte.

Und für unser Heer.

Was war das Ergebnis der deutschen Weltpolitik?

Null Komma Null.

Stattdessen Blamagen auf der ganzen Linie.

Ich erinnere an die Hunnen-Rede.

Bei uns werden Kriegsgelüste propagiert!

Schluss mit dieser Politik der gesträubten Bartspitzen!

Wir brauchen Bündnisse mit England und Frankreich!

Nicht Konfrontation!

(Applaus)

Das Ringen um den Platz an der Sonne wirft längst Schatten auf Europa.

England hat Allianzen mit Frankreich und Russland gebildet.

Deutschland gerät zwischen zwei Fronten.

Ein Bündnis mit England könnte sie aufbrechen.

Doch im Flottenbau bieten sich beide Reiche ein Wettrüsten.

Im August 1908 treffen sich Wilhelm und der britische König.

Im Schloss Friedrichshof.

Viel erhofft sich Edward VII. nicht von dieser Begegnung.

Herein.

Seine Majestät König Edward VII.

Onkel Berti. I'm so pleased to see you.

Du kennst ja meinen Unterstaatssekretär.

Sir Charles Hardinge.

Ihre Flotten-Verstärkung bereitet uns Sorgen.

Wir brauchen die Flotte zum Schutz unseres Handelswachstums.

England fürchtet, es könnte zum Krieg kommen.

Unsinn.

Gespenster-Seherei.

Unsere Flottenrüstung zu beschränken -

- würde ich als Kriegserklärung auffassen.

Und mit Granaten beantworten.

Der Kurs des Kaisers führt dazu, -

- dass Deutschland nur Österreich- Ungarn als Bündnispartner hat.

Man spricht in Europa von einem Kräftemessen.

Man meint damit den Krieg.

1913 treffen die gekrönten Häupter noch mal in Berlin zusammen.

Zur Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise.

Ihre Generalstäbe arbeiten längst an Aufmarsch-Plänen.

Das zeigte noch mal die Welt des alten Europas versammelt.

Die familiären Kontakte der Monarchen untereinander -

- konnten den Weg in die Katastrophe letztlich nicht verhindern.

Die Zeit der Dynastien ist zu Ende.

Es geht um nationale Interessen.

Und so trügen diese Bilder.

Längst denken deutsche Militärs darüber nach, -

- wie das Reich einen zwei-Fronten-Krieg bestehen kann.

Sie wollen im Konfliktfall anderen zuvor kommen.

Frankreich bezwingen, um sich dann Russland zuzuwenden.

Doch wie nah ist der Krieg?

Der Balkan gilt als Pulverfass Europas.

Die bosnischen Serben wollen sich aus dem Habsburger-Reich lösen.

Sie stellen damit die Donau-Monarchie infrage.

Am 28. Juli 1914 erschießt ein serbischer Nationalist -

- in Sarajevo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand.

Und seine Frau.

Das Attentat kommt einigen in Wien und auch Berlin gelegen.

Österreich will mit den Serben abrechnen.

Trotz der Gefahr, Russland gegen sich aufzubringen.

Österreich will seine Vorherrschaft auf dem Balkan sichern.

Es baut dabei auf die Treue des deutschen Bündnispartners.

Kaiser Wilhelm gibt sich zunächst angriffslustig.

Sein Botschafter in Wien rät zur Mäßigung.

Er kommentiert das zornig: "Mit den Serben muss abgerechnet werden."

"Jetzt oder nie."

5. Juli 1914.

Österreichs Kaiser schickt einen Gesandten zu Wilhelm II.

Wien will Krieg gegen Serbien.

Es bittet um Rückendeckung aus Berlin.

Deutschland wird Österreich im Krieg zur Seite stehen.

Deutschland hat Österreich ermutigt.

Es sollte scharf gegen Serbien vorgehen.

Dabei hat es auch einen Krieg mit Russland in Kauf genommen.

Dass Frankreich dabei sein würde war ohnehin klar.

Wider Erwarten akzeptiert Serbien ein Ultimatum der Österreicher.

Da will Wilhelm doch wieder Frieden.

"Damit fällt jeder Kriegsgrund fort", schreibt der Kaiser nach Wien.

Beherrscht er noch die Lage?

Wilhelm war auf deutscher Seite die Person, -

- die 1914 am wenigsten den Krieg wollte.

Er war am ehesten bereit, diesen Krieg zu verhindern.

Er sah am wenigsten die Notwendigkeit, noch Krieg zu führen.

Andere waren viel entschlossener.

Vor allem der deutsche Reichskanzler Bethmann Hollweg.

Auch einige Militärs.

Am 29. Juli 1914 eröffnen österreichische Geschütze -

- die Kanonade auf Belgrad.

Die Antwort des Hauses Habsburg auf die Schüsse von Sarajevo.

Europa taumelt in den Krieg.

Und keine Macht verhindert ihn.

Es ist der Marsch in die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Der Kaiser hofft, seine Bande zum russischen Zaren -

- könnten die Katastrophe noch verhindern.

Die beiden Cousins, Willy und Nicky, schicken sich eilige Telegramme.

Russland macht erst gegen Österreich, dann gegen Deutschland mobil.

Der Krieg scheint nicht mehr abwendbar.

Deutschland fühlt sich eingekreist.

Der Reichstag muss die Mittel für das Militär bewilligen.

Philipp Scheidemann befindet sich mit seinen SPD-Genossen im Zwiespalt.

Soll die Friedenspartei die Kriegskredite bewilligen oder nicht?

Wir müssen die internationale Solidarität herstellen.

Die Arbeiter zu Aufständen gegen den Krieg aufrufen.

Wir müssen zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg unterscheiden.

Wir übernehmen nicht die Verantwortung für den Krieg.

Wohl aber für die Verteidigung unseres Landes.

Ganz genau.

Die SPD will zeigen, dass das Deutsche Reich ihr Vaterland ist.

Ein Ziel der deutschen Politik war, Russland als Angreifer hinzustellen.

Deshalb erklärten sich die Sozialdemokraten bereit, -

- den Krediten zuzustimmen.

Wenn sie den Krieg als deutschen Angriffskrieg empfunden hätten, -

- hätten sie das nicht getan.

Die Nachricht von der russischen General-Mobilmachung trifft ein.

Eine Menschenmenge versammelt sich vor dem Berliner Schloss.

Sie warten auf eine Reaktion des Kaisers.

Seine Generäle fordern die Kriegserklärung.

Sie hoffen auf einen begrenzbaren Konflikt.

Wilhelm sieht keinen Ausweg. "Ich habe den Krieg nicht gewollt."

Das wird er später sagen.

Diese Katastrophe wäre noch aufzuhalten gewesen.

Wenn die Staatsoberhäupter Charakter besessen hätten.

Zu sagen: Nein.

Wilhelm II. hätte die Autorität besessen.

Wenn er gesagt hätte, wir erklären den Krieg nicht, -

- hätte niemand diesen Entschluss rückgängig machen können.

Er war der Kaiser, der letztlich entscheidende Mann.

Am 1. August 1914 verkündet der Kaiser in Berlin:

Die deutsche General-Mobilmachung.

Er beschwört den Zusammenhalt der Deutschen.

Nun überfällt uns der Feind.

Darum auf zu den Waffen.

Jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande.

Dem Reichstag schärft der Kaiser ein:

Er kenne keine Parteien mehr, er kenne nur noch Deutsche.

Der Großteil der Bevölkerung wird von Kriegsbegeisterung erfasst.

"August-Erlebnis" nennt man später diese nationale Hochstimmung.

Viele glauben, dass es ein kurzer Krieg wird.

Der Krieg hat zunächst eine Zusammenschweißung bewirkt.

Man fühlte sich gezwungen, das Vaterland zu verteidigen.

Der Krieg hat zunächst eine Euphorie hervorgerufen.

Die Deutschen fühlten sich so einig wie nie zuvor.

Anfang August steht Deutschland mit den Großmächten im Krieg.

Mit Russland, Frankreich und England.

Der technische Fortschritt macht ihn zu einem Massen-Sterben.

Zum ersten Mal wird Giftgas eingesetzt.

Dem raschen Vordringen der deutschen Truppen -

- folgt im Westen ein zermürbender Stellungskrieg.

Allein die Schlacht von Verdun fordert 700.000 Tote und Verwundete.

Im August 1916 übernehmen Generalfeldmarschall von Hindenburg -

- und General Ludendorf die oberste Heeresleitung.

Sie kommandieren nicht mehr nur Soldaten.

Sie greifen nach der Macht im Staat.

Die Hoffnungen der Nation richten sich auf Hindenburg.

"Ich und die Armee. Wir gehören zusammen."

Das hatte Wilhelm bei seiner Thronbesteigung gesagt.

Doch er ist der Rolle des Kriegsherrn nicht gewachsen.

Nur die Fassade des souveränen Monarchen wird aufrechterhalten.

Seine Majestät dürfen Orden verteilen.

Der Kaiser wird immer mehr an den Rand gedrängt.

In den letzten Jahren des Krieges ist er kaum noch präsent.

1917 zwingt die Revolution in Russland den Zaren zur Abdankung.

Die Bolschewisten übernehmen die Macht.

Der Krieg ist im Osten zu Ende.

Hier diktieren zunächst die Deutschen die Bedingungen für einen Frieden.

Sie wollen Gebiete im Osten annektieren.

Es lief darauf hinaus, die deutsche Großmacht-Position zu festigen.

Es gab mehrere Varianten von Kriegsziel-Politik.

Die radikalsten wurden von der deutschen Rechten vertreten.

Von Kreisen der Schwerindustrie.

Bis hin zu Eroberungsprogrammen in Osteuropa.

Auch Eroberung von Lebensraum.

Das ist nicht mehr der Krieg, den der Reichstag unterstützt hat.

Nicht nur radikale Sozialisten -

- fordern einen Frieden ohne Annexionen.

Die Untertanen seiner Majestät sind ohnehin kriegsmüde.

An der Heimatfront tobt der Kampf ums tägliche Brot.

Etwa 700.000 Menschen werden bis Kriegsende an Krankheiten sterben.

Und an Hunger.

Im Westen bricht die Front zusammen.

Im Sommer 1918 ist das deutsche Heer am Ende.

Im September erklärt die Heeresleitung:

Die Fortführung des Kampfes sei aussichtslos.

Sie nötigt den Kaiser, einem parlamentarischen System zuzustimmen.

Um Friedensverhandlungen mit den Westmächten zu erleichtern.

Das deutsche Volk erhält eine Demokratie von oben.

Der Krieg hatte eine Situation herbeigeführt.

Die wollte die Rechte vermeiden.

Jetzt wurde Deutschland eine Demokratie.

Es übernahm die Staatsform der Siegermächte.

Ein undeutsches System.

Das wurde ein Schlachtruf der nationalistischen Rechten.

Kurz vor Kriegsende gibt die Marine- Leitung der Flotte einen Befehl:

Die letzte große Schlacht zu schlagen.

Um der Ehre willen.

Wilhelms Flotte hat sich gegen die Briten als nutzlos erwiesen.

Die Schiffe lagen fast den ganzen Krieg lang untätig im Hafen.

Abgesehen von wenigen Gefechten.

Die kriegsmüden Matrosen meutern.

Die Truppen haben den Befehl, sie aufzuhalten.

Brüder, nicht schießen!

Feuer!

(Jubel)

Es ist der Startschuss zur November-Revolution.

Sie breitet sich in wenigen Tagen in ganz Deutschland aus.

In den meisten größeren Städten -

- übernehmen Arbeiter und Soldaten-Räte die Macht.

Am 9. November erreicht der Aufstand Berlin.

Die Reichsregierung fürchtet eine Revolution.

So wie in Russland.

Sie bittet den Kaiser, abzudanken.

Der befindet sich an diesem Tag in seinem Hauptquartier in Belgien.

Seine Offiziere versichern ihm, dass alles vorbei ist.

Doch Wilhelm II. weigert sich, auf den Thron zu verzichten.

Der Kanzler verkündet am 9. November die Abdankung des Kaisers.

Völlig eigenmächtig.

Er übergibt den Sozialdemokraten die Regierung.

Die Führungsspitze der Partei sitzt gerade im Reichstag.

Da macht eine Kurzschluss-Reaktion Geschichte.

Genosse Scheidemann.

Draußen stehen Tausende. Komm schnell.

Du musst reden.

Karl Liebknecht will die Sowjetrepublik ausrufen!

Was?

Jetzt.

Dann rede ich.

Spontan ruft Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik aus.

"Arbeiter und Soldaten."

"Furchtbar waren die Kriegsjahre."

Ein gewagter Schritt.

Der ebnet den Weg zur Demokratie.

"Der Kaiser hat abgedankt."

"Das Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt."

"Die Monarchie ist zusammengebrochen."

"Es lebe das Neue, es lebe die Deutsche Republik."

Am Anfang hat die Republik die Mehrheit der Bürger hinter sich.

Denn auch der Wille zur Demokratie hat in Deutschland Tradition.

Doch die demokratische Verfassung scheitert in der Krise.

Die Nazis verheißen den Deutschen neue Größe.

Und ein tausendjähriges Reich, das über die Welt herrschen soll.

Der trügerische Schein eines verbrecherischen Regimes.

Das wird Europa an den Abgrund führen.

Niederlage und Befreiung im Mai 1945.

Nie wieder soll von deutschem Boden Krieg ausgehen.

Ein Teil der Deutschen wird schwer an den Folgen zu tragen haben.

Am 17. Juni 1953 protestieren die Menschen in der DDR -

- gegen die kommunistische Diktatur.

Das SED-Regime sperrt die Menschen wenige Jahre später ein.

1961.

(Dramatische Musik)

Die Mauer betoniert die Spaltung der Deutschen.

Doch sie eint auch in dem Willen, den steinernen Wall zu überwinden.

Es sind die Deutschen im Osten, die in einer Zeit neuer Öffnung -

- mit der friedlichen Revolution die Diktatur zu Fall bringen.

Sie machen wahr, was zuvor nie erreicht werden konnte.

Einheit in Freiheit und Frieden.

Doch auch die Vielfalt hat in Deutschland eine Tradition.

Und es sind viele Wege, die in das geeinte Deutschland führen.

Über alle Höhen und Tiefen der Geschichte.

Für die Demokratie!

Feuer!

Es muss sich entscheiden, ob Preußen in Deutschland aufgeht!

Feiern Sie doch mit.

"Wir haben Napoleon bezwungen!"

"Ich werde angreifen."

"Diesen Raub werde ich nicht hinnehmen!"

Lasst das meine Sorge sein.

Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift überzeugt werde, -

- kann und will ich nichts widerrufen.

"Das Reich ist heilig."

Sacrum Imperium.

(Musik)

Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.