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* Personen und ihre Farben: *
Hermann Vollbeck, Schiffer Anne, seine Enkelin
Hein Borchert, Schiffer
Hol über!
Ich komme!
* Signalpfiff *
Hast du die Medizin gekriegt? - Ja, hat etwas länger gedauert.
Musste den Apotheker aus dem Bett holen.
* 2-maliger Signalpfiff *
Guten Morgen, Kalle! Ausgeschlafen?
Morgen, Ernst!
Mariechen! Bleibt ihr da, ja?
Das ist ja der Vollbeck, morgen!
Wer ist denn das Mädchen an Deck? - Ich weiß nicht.
He, he, kannst du dich nicht in Acht nehmen?
Hast du gesehen? Gerammt, deinetwegen.
Wenn der Kahn absäuft, hast du Schuld.
Wie die Loreley, was? Genauso.
Hein, du sollst liegen bleiben.
Ich geb dir gleich die Medizin. Rauchen sollst du auch nicht!
Nichts darf man. Wo willst du hin?
An Land, wegen der Ladung. Nein, erst die Medizin.
Immer das letzte Wort.
Mach fest, Ernst! Ja.
* Ernst spricht berlinerisch, die Schiffer zum Teil plattdeutsch *
Alles in Ordnung, Flunki? Alles.
Wirklich, du?
Der Kaffee! Wird sofort serviert.
Aber stark. Dass der Löffel drin steht.
Anne, ich geh an Land.
Muss doch mal sehen,
mit was für Schiet die unser schönes sauberes Schiff volldrecken wollen.
Tschüs, Opa.
Hast du nix vergessen?
Wo hast du denn das gelernt?
Geerbt hab ich das. Vielleicht von dir.
Ach du Schreck! Da muss ich ja höllisch auf dich aufpassen.
Gib mir mal noch einen. Nee, damit muss man sparsam sein.
Aber damit sparen wir nicht.
Deck mal den Tisch.
Das musst du machen. Ich zieh mich um.
Weiber!
So was Eitles!
Mach nicht so dicke Bolzen. Ick weeß, Opas letzter Kuchenzahn.
Jetzt beeil dich mal!
* Teekessel pfeift. *
Kann ich?
Klar.
Der Alte wird Durst haben,
wenn er den Ärger wegen der Ladung runterspülen will.
Da läuft einem doch die Galle über!
Habt ihr immer nur diese Dreckskohle?
Wir haben auch Zement da.
Warum nicht gleich so? Papi muss erst schimpfen.
Hol mal die Zementliste.
Soll das ein Witz sein? 140 Tonnen?
Soll ich den Kahn nur halb vollladen?
Durch die Oberhavel, Borchert!
Bei mehr als 1,35 m Tauchtiefe fahren Sie fest.
Bin ich Schiffer oder Sie? Sie wollen mir Vorschriften machen?
Seien Sie vernünftig, wenn Sie nun den Kahn überladen und festfahren?
Mein Kahn ist mein Eigentum. Damit mach ich, was ich will.
Sachte, sachte, Schiffer. Tag, Hermann.
160 Tonnen und keine weniger. Mein Kahn muss Geld bringen.
Die Tauchtiefe lassen Sie meine Sorge sein.
Richtig, Hein. Gib ihm Saures, diesem Tintenkuli.
Du ladest Zement? Ja, Zucker wär mir lieber.
Der Lumpi! Der Kaffee ist fertig.
Hau ab, sag Bescheid.
Haben sie dich da drin wieder geärgert?
Dann komm mit zu mir an Bord, den Ärger runterspülen.
Sonst behältst du noch einen Schaden davon.
Den hab ich schon.
* Pfiff *
Lumpi, komm mal her.
Na, komm doch her.
* Lumpi bellt wild. *
Ganz ruhig, Lumpi.
Sei still, Lumpi. Ich höre nicht, was Frauchen sagt.
Kann ich helfen Blümchen pflücken?
Wenn Sie welche finden für meine Karnickel an Bord?
Ach, Sie haben Karnickel. Auf welchem Kahn?
Auf der "Anne".
Anne?
Hübscher Name.
Wer ist denn das Mädel bei euch? - Die Enkelin vom Alten.
Und was macht sie bei euch? - Rumflirten.
Der klotzt aber ran! Kapitän müsste man sein.
Mein Alter kommt. - Mensch, meiner auch!
Willst du mitfahren?
Entweder Sie gehen weiter oder Sie nehmen den Korb.
Den Korb, sonst frisst mich der Löwe noch auf.
Sehr wahrscheinlich. Das wär aber schade um mich.
Sie müssen natürlich den Korb vollpflücken.
Und kein saures Gras, das mögen sie nicht.
Verstehe, ich mag auch mehr die süßen Sachen.
Langsamer geht es wohl nicht?
Dein Alter hat es heute wieder eilig.
Dann weiterhin viel Vergnügen. Vielleicht sehen wir uns noch mal.
Halt, den Korb! Ach ja.
Ich stelle ihn hierher.
Sonst frisst mich die Bestie doch noch auf.
* Hund kläfft. * Ach, Lumpi!
Den hast du aber prima dressiert. Ist das deiner, Vollbeck?
Na klar, der ist besonders scharf auf frisch gebügelte Schifferhosen.
Die hat er zum Fressen gern.
Kommt doch heute Abend rüber zu mir. Ich halte die Luke für euch offen.
Und bringt die Kleine mit. Aber ohne diese Bestie.
Jetzt muss ich türmen.
So was will Schlepperführer sein. Macht mächtig Wellen.
Ist aber sonst ein tüchtiger Kerl. Wie ist es mit einem starken Mokka?
Nicht für mich, hab nur noch eine Niere, sagt der Doktor.
Dann musst du sie doppelt gut pflegen.
Wie ich meinen Zahn pflege. Mit Alkohol.
Hat auch der Doktor gesagt. Also, kommst du mit?
Nee, ich muss mich um meinen Zement kümmern.
Dass die mich nicht übers Ohr hauen. Übernimmst du dich da nicht?
Komm zu uns, da ist es leichter. Nee, das verstehst du nicht.
Das versteh ich wirklich nicht. Na, tschüs denn.
Hein, gib Mariechen einen Kuss von mir.
Du traust dich wohl nicht mehr? Tschüs ooch!
Anne, ist der Kaffee fertig? Ja, Opa.
Der ist ja so schwach, dass er nicht allein aus der Kanne kann.
Ich hab doch gesagt: Stark, dass der Löffel drin steht.
Und was tut er? Umfallen.
Wir haben allen Kaffee genommen. Auch alles Wasser, das an Bord war.
Und den halben Kanal noch dazu.
Hab mich schon gewundert, warum unser Kahn so tief liegt.
Hast du das ganze Wasser raufgekippt? Du hast gesagt, Opa hat Durst.
Aber doch nicht auf Wasser.
Da wächst uns ja die Brunnenkresse aus den Ohren.
Und dir auf deiner spitzen Neese. Sei nicht so frech.
Ein kleines Schäpschen, Chef?
Gut, dass dir das noch eingefallen ist.
Und du, mein Deern, musst noch viel lernen.
Mit dem Kaffee kriegst du keinen Mann.
17, 18, 19, 20.
So, Heinrich, trink das mal.
Und das am frühen Morgen.
Bittere Medizin hilft mehr. Hoffentlich, brrr!
* Papagei spricht. *
Prost, prost, prost! Die Zeiten sind vorbei.
Karl, nimm die Papiere, geh aufs Kontor.
Sorg dafür, dass wir bald drankommen.
160 Tonnen? Das muss ein Irrtum sein.
Das geht in Ordnung. Wir können nicht halb leer fahren.
1,40 m Tauchtiefe! Na ja, du weißt das selbst am besten.
Ja. Tu, was ich dir gesagt hab.
So, nun leg dich hin. Ist da Steinhäger drin?
Nee, heißes Wasser. Igittigitt.
160 t Zement, wann können wir laden? - Sofort.
* langer Signalpfiff *
So, Buttje, wiederhole noch mal.
Jch habe ja alles verstanden.
Aber was war der Unterschied zwischen te... ter...
Terrestrischer oder astronomischer Navigation.
Gott, bist du dämlich!
Und so was will Schiffsführer werden.
Aber im Praktischen kriege ich überall eine 1.
Wenn du jemals Schiffsführer werden willst, dann ist Theorie alles.
Ich habe das heruntergerasselt und mit Auszeichnung bestanden.
Jawohl, Käpt'n. Das müssen Sie mir noch beibringen.
Was? - Das Runterrasseln.
Bei dir reichts nur zum Durchrasseln. - Jawohl, Käpt'n.
Maschinist Buttje! - Ja?
Lehrbuch wegräumen, Schiff klarmachen,
Bier und Schnaps kalt stellen.
Und sich benehmen! Wir kriegen Besuch.
Damenbesuch.
Du, Anne ... Hm?
Vor dem Richter nimm dich in Acht.
Der hat schon manches Mädel unglücklich gemacht.
Mit dem werd ich fertig, Großvati. Außerdem bist du ja dabei.
* romantische Musik *
Ernst!
Ernst?
Guten Abend.
Guten Abend. Sie wollten zu Ernst?
Eigentlich ja. Er ist vorn.
Ach so, danke.
Ah, Karlchen, du kommst wie gerufen.
Wir wollen was trinken gehen. Nein, das geht nicht.
Moment, der Alte wird wohl mal eine Stunde ohne dich auskommen.
He, Buttje! - Ich komm schon.
Ist alles kalt? - Ja.
Leg mal eine neue Platte auf. - Einen Marsch?
Nee, was Schräges. Und schick Fiete in die Koje.
Der ist noch zu klein.
Wo ist eigentlich der Karl?
Viel wert ist die nicht mehr. Der Junge braucht was Neues.
Wenn es geht, herzlich gern.
Gut, dass er jetzt bisschen Gesellschaft hat.
Die Gesellschaft ist nichts für ihn.
Soll lieber auf dem Kahn bleiben, da gibt es Arbeit genug.
Verdammte Dudelei!
Heinrich, wir waren auch mal jung. Ja, waren wir, jung.
Und schön.
* Boogie-Musik von der Schallplatte *
* Musik klingt aus. *
Junge, gib uns mal was Hartes. Damit wir endlich in Stimmung kommen.
Wunderbar getanzt, Fräulein Vollbeck.
Mit dem Temperament studieren Sie ausgerechnet Schiffbau?
Ja, warum nicht? Familien-Erbteil.
Wenn das so ist, dann sind wir ja fast Kollegen.
Ja, fast.
Immerhin bin ich schon Kapitän mit B-Patent.
Sagen Sie:
Was halten Sie davon, wenn Sie morgen einmal bei mir mitfahren?
Ja, warum nicht?
Eben, warum nicht. Meine Herren ...
Wir erheben unser Glas auf die anwesenden Damen.
(alle) Prost!
Du verträgst auch nichts. Wie dein Vater.
Der ist schon eine Weile krank.
Herr Richter, wie wäre es mit einer anderen Platte?
Ja, gerne.
Darf ich bitten? Ja, bitte.
Borchert, wird es denn gehen? - Seemannslos.
* romantische Musik *
Ich glaube kaum, dass ihn der Alte mal ans Ruder lässt.
Wäre auch Leichtsinn. Wieso?
Der Junge hat noch nicht mal seine Prüfung.
Du bist natürlich als Hosenscheißer schon auf dem Schlepper gefahren.
* Musik endet mit einem jaulenden Ton. *
Schade.
Könnt ihr nicht aufpassen, ihr Weihnachtsmänner?
Zigarre, Borchert? Darfst du schon?
Komm, Flunki, du auch eine.
Erst mal abwarten, ob der aus den Latschen kippt.
Mach unsere Zigarren nicht schlecht. - Na eben.
Abbeißen musst du! Das lernst du schon noch.
Lass den Jungen in Ruhe. Er muss doch abbeißen!
Als ich so alt war wie du, war ich schon 3-mal um die Welt gesailt.
Von Schanghai nach Frisco,
rüber durch den Panamakanal, rum ums Kap Hoorn und quer ...
... quer durch den Atlantik bei einem steifen Nordwest.
Woher weißt du das? Ich war doch öfter dabei.
Stimmt, stimmt. Flunki, die Musik.
Schon unterwegs, Chef. Jetzt geht's los.
* Harmonika-Musik *
(Sprechtext) # Vom Eismeer bis nach Singapur, die Reise, die ist lang.
# Der Käpt'n, der trinkt Whisky pur. Das Wasser fault im Tank.
# Den Steuermann schwemmt es in die See.
# Und gierig schnappt der Hai.
# Der Bootsmann flucht und spuckt nach Lee.
# Ihm fehlt nur eins dabei ...
Singt alle!
# Ja, ja, der Seemnann braucht ein Mädel für sein Herz.
# Und kriegt er keins,
# dann leidet er an großem Seelenschmerz.
# Die Sonne am Äquator sticht. Der Kasten, der ist leck.
# Im Nebel hat man keine Sicht und bruddelt beinah weg.
# Den Käpt'n holt der blanke Hans. Und heiser ist sein Schrei.
# Der Bootsmann flucht. "Was soll der Tanz?"
# Mir fehlt nur eins dabei ...
(alle) # Ja, ja, der Seemann braucht ein Mädel für sein Herz.
# Und kriegt er keins, dann leidet er an großem Seelenschmerz.
* Signalpfiff *
Na, wie gefällt Ihnen mein Schiff?
Schnittig und gut gehalten.
Ist doch was ganz anderes als so ein langweiliger Schleppkahn.
Der hat auch seine Reize. Jeder auf seine Art.
Unserer muss allerdings mal gestrichen werden.
Was glauben Sie, wie wir abhauen ohne den schweren Anhang!
Nein, wirklich?
Ich habe den schnellsten Schlepper von der ganzen DSU.
Und bin der jüngste Schiffsführer. Tüchtig, tüchtig.
(Gesang) # Ja, ja, der Seemann braucht ein Mädel für sein Herz.
# Und kriegt er keins, dann leidet er an großem Seelenschmerz.
Sagen Sie mal ...
Was halten Sie davon, wenn Sie hier ein paar Tage an Bord bleiben?
Ja, warum nicht? Aber wo bleibe ich nachts?
Vorn ist nur ein Schlafplatz für Sie beide.
Oooch ... den Buttje, den kann ich woanders unterbringen.
Gute Idee, ich frage ihn gleich.
Nee, nee, das hat noch Zeit.
(hustet) Haben Sie auch solchen Brand von gestern Abend?
Ich hol ein paar Bier. Halten Sie inzwischen hier fest.
Immer geradeaus. Kommt grad keiner.
(Gesang von fern) # Ja, ja, der Seemann braucht ...
Bedienen Sie sich bitte.
Ein Schiffer trinkt nicht im Dienst. Das ist nur zum Löschen.
Bei mir brennt nichts. Ich werd Buttje die Flasche bringen.
Und Fietje auch, wenn Sie nichts dagegen haben.
Bitte.
(Gesang) # ... an großem Seelenschmerz.
Und einen großen Brand hat der Seemann auch.
Jawohl, Fräulein.
Ich komm runter. Kommen Sie.
Prima hier. Wie bitte?
Ist prima hier!
120 PS. Donnerwetter!
Kommen Sie mal zu mir.
(staunt) Oh!
Ist Ihr Brand auch so groß? Jawohl, Fräulein.
Ihrer auch? Na klar.
Danke.
Hallo!
Geh frühstücken, mein Junge. Ja, gleich.
Schönen Gruß an Großvater!
Wird bestellt!
* Signalpfiff *
Wo bleiben Sie denn? Hab mir die Maschine angeguckt.
Gut, dass ich gegangen bin. Wieso?
Buttje wär fast verdurstet. Und Fietje auch.
Ach so. Kommen Sie doch wieder rein.
Was ich noch sagen wollte ... Wann gehen Sie auf Schule in Berlin?
Wieso?
Vielleicht kann ich in der Zeit meinen Kurs für das A-Patent machen.
Jedenfalls werde ich die Kollegen in Berlin entsprechend anstoßen.
Haben Sie in Berlin schon was vor? Nöö ...
Ich kenn da ein süßes Lokal, prima Musik und so.
Hätten Sie Lust? Schon, aber es geht leider nicht.
Warum denn nicht? Da habe ich grade Geburtstag.
Na prima! Feiern wir den zusammen.
Schönen Gruß von Anne!
Ist das alles? Ja, alles.
Verdammt wenig. Habt ihr eine Buddel Bier für mich?
Mir ooch eene!
Zwei!
In Ordnung!
Lass doch die Kindereien.
Auf unsere Kosten saufen, so weit kommt's noch.
Ist doch für Hermann.
Wie oft hat der für dich einen ausgegeben.
Na, von mir aus.
Ernst, pass auf, jetzt kommt sie.
Haben Sie sie, Schiffer? Augenblick, Augenblick.
Verdammte Schiet! Flunki, pass bloß auf!
Gut.
Pass bloß auf. Bin ja dabei.
Na, was ist, hast du sie? Ja, Schiffer.
Alles klar!
Er ist und bleibt ein Dollbrägen.
Es gibt doch noch gute Menschen. Ja, aber so wat ist selten.
(Ernst) Jetzt guck dir mal unsere Kahnmieze an.
Weißt du schon das Neueste?
Sie trifft sich heute Abend mit Richter in einem feinen Nachtlokal.
Ja, na und?
Na hör mal! Wo sie doch heute Geburtstag hat.
Was denn, heute? - Eigentlich morgen.
Aber wir feiern heute, weil wir morgen loswollen.
Was schenkt man so einem Mädchen?
Weeßt du wat? - Nö.
Sie raucht nicht, trinkt nicht. Klamotten hat sie.
Ick weeß, ick back ihr einen Kuchen. Und du?
Ich geh nachher in die Stadt. Mal sehen.
Nanu, wer ist das? 3-mal darfst du raten.
Stine. Nein.
Mine ... Trine. Nein.
Ach, die Anne. So eine Überraschung!
Immer noch Zahnweh, Großvati? Ja, ich hab schon gespült.
Heil wieder zurück von dem Menschenfresser?
Der ist halb so schlimm.
Na, und?
Vorerst sind all deine Küsschen für mich.
Jawohl, Kapitän. Dann ist ja gut.
Oder hast du da drüben Feuer gefangen?
Nö, der vielleicht, aber sein Feuer kann auch von gestern Abend sein.
Genau wie bei mir, Junge, Junge, was hatte ich für Brand in der Kehle!
Im letzten Moment hat mich Borcherts Karl gerettet.
Mit einer schönen Buddel Bier. Eigentlich eine Seele von Kerl.
(Richter) Daraus wird nichts. Von wegen, der Zug geht in 2 Stunden.
Nee, heut Abend bleib ich in Berlin.
Leider schon vergeben. - Hoffentlich bereuen Sie's nicht.
Ich glaube nicht.
Haben Sie keinen anderen? - Keiner kennt die Müritz wie Sie.
Jetzt fangen auch noch die Herbststürme an.
Zementkähne müssen pünktlich da sein.
Zement, das kenne ich schon.
Die sitzen bis zum Deck im Wasser.
Ist da der Kahn von Borchert dabei? Und der von Vollbeck?
Ja, die. - Also gut.
Eine Bedingung: Ich mache im Winter mein A-Patent.
Sie sind mehr in der Schule als am Steuer.
Buttje nehme ich natürlich mit.
Notieren Sie das bitte, Fräulein Schmidt.
Die Kähne hole ich dann an der Schleuse ab.
Sagt mir nichts gegen Angestellte. Wiedersehen.
Wiedersehen, Fräulein Schmidt.
Meine Akten legen Sie aber trotzdem immer schön oben drauf.
Verzeihung! Kann ich hier jemanden sprechen?
In welcher Angelegenheit? - Ich möchte ...
Na, was? - Ich möchte das B-Patent machen.
Sie haben sich noch nicht vorgestellt.
Karl Borchert, ich arbeite auf dem Kahn meines Vaters.
Und Sie wollen sich verbessern. - Ja.
In 2-3 Monaten ist bestimmt etwas zu machen.
Wissen Sie, mein Vater ... - Mit dem musst du selber klarkommen.
So wie du gebaut bist ... Also in 3 Monaten.
Vielen Dank.
Was wird denn das? Psst, für morgen.
Ach, richtig. Hätt ich beinahe vergessen.
Verdammter Zahn.
Anne, hast du einen Wunsch für morgen?
Ja, habe ich. Einen Großvati ohne Zahnweh.
Tja, was machen wir denn da?
Tja, was machen wir da.
Rausrupfen, Schiffer. Was, du liebe Zeit.
So, danke.
Der Nächste, bitte.
Herr Vollbeck, bitte.
Ja, waren Sie nicht vor mir dran? - Ich glaube nicht.
Ach nee, Sie hatten es so eilig. - Danke, mein Herr.
Es gibt doch noch Kavaliere. - Oder Männer ohne Mut.
(Kinder singen) # Das Wandern ist des Müllers Lust ...
Unser Morgenmantel, Modell "Murmeltier".
Das ideale Mittel um zu verhindern,
dass der Ehemann beim Frühstück Zeitung liest.
Für den Urlaub unser Modell "Seepferdchen".
Das lockt sogar männliche Nichtschwimmer ins Tiefe.
Und für den Abend unser neues Modell "Mambo".
Da begreift man den Sinn des Liedes:
"Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst ..."
Dann etwas Wunderschönes, unser Modell "Geburtstagsgeschenk".
Mit Hut und Handschuhen.
Allerdings ohne Inhalt. Trotzdem nur 135 Mark.
Schöne Unterhitze, wa?
Oh ...
Selbstkritisch möchte ich das nicht als Geburtstagskuchen bezeichnen.
Nee, aber schmecken tut er.
Kein Wunder bei den Zutaten. Zucker, Butter, Mehl, Korinthen ...
Das muss am Backpulver liegen. - Wegschmeißen können wir ihn nicht.
Schnell weg, sie kommt.
Großvati nicht da? Nö.
Gut, ich will ihn überraschen und die Stühle anmalen.
Hm, das riecht ja so gut nach ... Nach Geburtstag?
Ich guck mal, was der Alte macht.
Ich habe den Richter vergessen! Ist dein Kapitän schon weg?
Schon lange.
* Kaffeehaus-Musik, Geige und Klavier *
Guten Abend, haben Sie vielleicht eine einzelne Dame gesehen?
Was darf's denn sein? So, oder so?
Nein, so.
Bedaure, haben wir nicht.
Das seh ich. - Kriegen wir morgen wieder rein!
Ja, ja, die Frauen. Was tut man nicht alles aus Liebe!
Nun ist er betäubt, der Übeltäter.
Warten Sie bitte einen Moment drüben. Gleich fördern wir ihn zutage.
Sie dürfen ihn auch mitnehmen.
Mit Empfehlung an die reizende Enkelin.
Der Nächste, bitte.
Ich wollte nur nachsehen, ob mein Chef noch am Leben ist.
Habt ihr alles besorgt? Seid ihr fertig?
Ja, mit den Nerven. Ihr auch?
Und wie, mein Geburtstagskuchen ist der schönste Klitsch.
Buttje hat ihn sofort aufgefressen.
Und Kalle spinnt was von einem Modellkleid für 135 Piepen.
Kann er ja doch nicht kaufen. Bleibt nur noch Ihr Zahn.
Ist er schon raus? Noch nicht ganz.
Aber ich spür ihn gar nicht mehr. Wir können gehen.
Ohne Ihren Zahn auf dem Geburtstagstisch?
Das ist nicht richtig. Nix wie raus!
Ach bitte, haben Sie hier einen einzelnen Herrn gesehen?
Sind Sie die einzelne Dame? Der Herr ist bereits gegangen.
Ach so, danke. Bitte schön.
Das wär wohl nicht das Richtige. - Nö, nö.
Aber das hier.
Das habe ich von Vater gekriegt. Zur Verlobung.
Nö, dann nicht.
Soll ja nur für den Geburtstag sein. Vielleicht was Kleineres.
So was tragen die Mädchen heute nicht mehr.
Und es sieht nach Verlobung aus.
Nee, nee, das kommt nicht infrage.
* Poltern draußen *
Du kannst uns jetzt doch nicht hängen lassen.
Nee, Hermann, das wird nichts mehr.
Mariechen, du musst uns helfen. Wir brauchen Heins schönen Bariton.
Wofür denn? Ich probiere ein Ständchen.
Für deine Anne? Ja.
Nee, nimm den, der hat einen schönen Sopran.
Schiet auf den Sopran vom Kanarienvogel!
Du hast sicher die schöne Stimme von deinem Vater geerbt.
Weiß nicht. Hab es noch nicht probiert.
Höchste Zeit. Komm mit auf den Schlepper.
Buttje muss auch mitmachen. Tschüs, Marie!
* Melancholisches Seemannslied beginnt. *
(Männerstimmen) # Über das weite, weite Meer
# denk ich an dich, Anne, so sehr.
# Über das weite, weite Meer
# fällt mir der Abschied, Anne, so schwer.
# Und der Himmel ist so hell wie deine Augen.
* Hein summt mit. *
# Und die Luft ist so weich wie deine Hand.
# Über das weite, weite Meer
# fällt mir der Abschied, Anne, so schwer.
# Über das weite, weite Meer denk ich an dich, Anne, so sehr.
# Kehr ich zurück vom weiten Meer küss ich dich wieder, Anne, so sehr.
# Und die Nächte sind so still wie deine Liebe.
# Und der Mond hier so rot gar wie dein Mund.
* Kapitän Richter stimmt ein. *
# Über das weite, weite Meer
# fällt mir der Abschied, Anne, so schwer.
Anne, wo kommst du denn her?
Das geht doch nicht.
Das ist für morgen, für deinen Geburtstag.
Für mich? Das ist sehr hübsch.
Ich dachte, es wäre für mich.
Nee, Sie kriegen einen flotten Damenchor.
Ich bitte darum.
Wunderbar locker, ick weeß nicht, wie die Leute das hinkriegen.
Was meinst du, Lumpi?
Vielleicht hätten wir 2 Tüten Backpulver nehmen sollen.
(hustet) Da ist er. Wer?
Der Zahn, dein Geburtstagsgeschenk.
* Signalpfiff *
Alles klar!
* Wasser plätschert leise. Ein Huhn gackert. *
* Ernst ahmt das Gackern nach. *
* Ernst gackert. *
Du, Ernst, wie findest du das? Psst!
* Gackern *
Na, drück schon!
Feste, Frieda!
Psst!
* Krachen *
Mensch, nun ist es aus.
* lautes Gackern *
Nee!
Mit Schrecksekunde. Das muss ich mir merken.
Mittagessen gerettet.
Bei Vollbecks gibt es Eierkuchen. Leibgericht von Ernst.
Oder von Hermanns Enkeltochter.
Nettes Mädel, stimmt's? - Ja, ja.
Jetzt bin ich fertig.
Sind alle deine Klamotten drauf? Das ist das einzige trockene Stück.
Was würdest du machen, wenn ich jetzt reinspringe?
Nicht hinterherspringen. Sieht dir ähnlich.
Ernst, ich springe wirklich!
Wenn die Kähne vorbei sind, hast du den Anschluss verpasst.
Na so wat!
Was ist los?
Huhu, Großvati!
Die verrückte Deern hopst bei voller Fahrt in den Bach!
Komm raus!
Flunki! Ja, Schiffer?
Warum hast du nicht aufgepasst?
Ihr war heiß und bevor sie einen Hitzschlag kriegt ...
... lässt du sie lieber abbuddeln. Ja, Schiffer.
Du hast ja ein Gemüt!
Mensch, mein Eierkuchen brennt an!
Hierher schwimmen!
Huhu!
Festhalten!
Kommen Sie raus. Ich will drinbleiben.
Ist zu gefährlich.
Verflixte Deern!
Schietkram. Wer hat denn das gemacht?
Flunki!
Einen Lappen mit Terpentin!
Gottverdammt! Einen ganzen Eimer Terpentin!
Aber dalli.
Aua!
Was ist los, Chef? Das ist los.
Die verdammte Deern! Wenn ich die beim Wickel krieg!
Dann aber ...
So ein Leichtsinn.
Hätte das größte Unglück passieren können.
Kann ich ein Handtuch kriegen? Ist ein bisschen frisch so.
Hörst du nicht? Das Fräulein möchte ein Handtuch.
Guten Tag, Herr Borchert. Ihr Sohn hat mich rausgezogen.
Sie waren verdammt leichtsinnig. Ich wollte nur mal baden.
Hat Ihr Schiffer das zugelassen? Der hat geschlafen.
Sieht dem Suffkopp ähnlich.
Bitte, Fräulein Vollbeck. Danke.
Ziehen Sie das an, sonst erkälten Sie sich.
Danke, Frau Borchert. Halten Sie mal.
Vater hat recht. Sie konnten unter die Steven geraten.
Jemand hätt mich schon rausgefischt. Außerdem kann ich gut schwimmen.
Mir scheint, sie fühlt sich ziemlich wohl da drüben.
Wir sind ihr schnuppe.
So, sind wir das? Zeig mal her.
Vielleicht sollten Sie die Dame enterben.
Wär das Beste. Ist aber nichts da zum Vererben.
Na immerhin. Was, "immerhin"?
Z. B. Ihr sonniges Gemüt. Hat sie doch schon von mir.
Und behält es auch. Hoffentlich.
Wir brauchen noch Brot für heute Abend.
An der Schleuse hole ich welches. Ich komme mit.
Gern, wenn Sie wollen.
* langer Signalpfiff *
Ist das schön hier!
Moment mal. Ist der nicht schön?
Schade, so viel Geld habe ich nicht dabei.
Dann hole ich ihn mir morgen. Wir liegen doch so lange hier?
Guten Appetit, mein Fräulein.
Schokoeis, Vanilleeis, Himbeereis!
Tag, die Herrschaften.
Schokoeis für die Dame? Vanilleeis, bitte.
Bitte schön, meine Dame. Und Sie?
Ich möchte eigentlich keins. Essen Sie kein Eis?
Doch, aber ... Ich lade Sie ein.
Dann ein Schokoladeneis, bitte.
Einen kalten Negerkuss für den Herrn, guten Appetit.
Ein Negerkuss, ein Hochgenuss, den jeder mal probieren muss.
Sie sollten Ihrer Mutter auch eins mitbringen.
Mutter und Eis? Glatte Verschwendung.
Was hat eigentlich Ihr Vater? Sehr freundlich war er nicht.
Das hat mit Ihnen nichts zu tun. Er ist gegen alles.
Wir haben eine Hypothek auf dem Kahn. 30.000 Mark müssen wir abarbeiten.
Dann werden Sie später Eigner sein. Ja, vielleicht.
Ach, sind die süß.
Ist es bei Ihnen auf dem Kahn immer so ungemütlich?
Das finde ich schade. Kann man euch irgendwie helfen?
Helfen? Tja.
Vater hat sich's nun mal so in den Kopf gesetzt.
Gehen wir weiter.
Wie ist denn Ihr Eis? Danke, prima.
Meins ist nicht so toll.
Vanille? Ich schmecke nichts davon.
Wollen Sie meins probieren?
Schmeckt nach Schokolade, sieht nicht nur so aus.
Wollen wir noch so einen kalten Negerkuss holen?
Lieber nicht. Wir kommen sonst zu spät.
Karl, wo bleibst du denn so lange? - Bin schon da, Muttchen.
Was ist das? - Negerkuss.
Ein Negerkuss, ein Hochgenuss, den jedermann probieren muss.
(lacht) Aber Karl.
Ist Vater da? - Der ist an der Schleuse.
Hoppla!
Mensch, das kostbare Nass! Wirst du wohl noch mal gehen müssen.
Mehr nicht? Wie tief liegst du denn?
138, 140 ... Junge, Junge, das ist tief.
Hoffentlich kommt noch Wasser. Ja, hoffentlich.
Habt ihr einen Schlepper? Noch nicht.
Dann könnt ihr gar nicht fahren.
Na, wie ist es? Immer noch 1,35.
Vater, ich brauch mal 15 Mark. Wozu?
Ich muss mir was besorgen. Hab kein Geld für unnützes Zeug.
Ich arbeite auf deinem Kahn! Unser Kahn, den du mal erben sollst.
Was hab ich jetzt davon?
Andere können sich jetzt was leisten und müssen nicht aufs Erbe warten.
Lass dir erst mal den Wind um die Nase wehen, du Grünschnabel.
Den Wind kenn ich schon.
Du, Kalle! - Ja?
Hast eine schöne Angel. Aber beißt keiner an, was?
Willst du sie kaufen? - Wie viel?
15 Mark.
Mensch, die koof ick! Muss Geld holen.
So, hier hast du deine 15 Piepen.
Stimmt's? - Ja, danke.
Und wo ist die Angel? - Natürlich oben.
Dann werd nicht leichtsinnig und leg das Geld gut an.
Mach ich, tschüs.
Bis nachher.
He, Kalle!
Bist du verrückt, den Kahn zu teeren? Morgen geht's los!
Morgen, Karl Borchert! Morgen.
Ich brauch jemand zum Tragen. Ich muss den Kahn teeren.
Ach so, guten Morgen, Herr Borchert. Morgen.
Schade, dann tschüs auch.
Tschüs auch!
Macht ihr denselben Blödsinn wie Anne hier an Bord?
Überall bleibt man kleben!
Was schimpfst du denn?
Ausgerechnet jetzt teert ihr.
Ich muss meinen Kahn in Ordnung halten.
Dir kann's egal sein, wie deiner aussieht.
Schiffer, schnell den Kescher! Ick habe einen Hai an der Angel.
Oh, einen großen!
Ernst, wo hast du die Angel her?
Hab ich gestern gekauft, von Kalle.
So, na ja.
Aua!
Gibt's denn das? So ein Blödsinn.
Der schöne Wurm ist auch hin.
Ick wusste nicht, dass ein Angelhaken so piekt.
Karl!
Komm mal runter.
Wie kommt Ernst zu der Angel? Hab sie ihm verkauft.
Ist meine Angel, ich brauchte Geld. Du gibst mir ja keins.
Du kriegst den Kahn. Scheiß auf den Kahn.
Sag das noch mal. Scheiß auf deinen Kahn!
* Ohrfeige klatscht. *
Ach, Heinrich. Das hat alles keinen Zweck!
Näh mein Fell nicht mit an. Wenn es piekt, schrei.
Aua, du, der alte Borchert hat Kalle eine geknallt.
Weshalb denn? Das lässt er sich gefallen?
Hm. Glaube ich nicht.
Doch, und warum? Meinetwegen, wegen der Angel.
Du verdrehte alte Quasseltüte! Hab ich dir nicht ... Aua!
Du, die Nadel!
Ich mach mir det jetzt alleene.
Großvati, mit dem Karl ... Ist das wahr?
Na ja. Ich versteh den Hein ja auch nicht.
Karl?
Ja.
Hier hast du 5 Mark, kauf dir was dafür.
Aber sag Vater nichts. - Nee, lass mal, Mutter.
Nacht. - Gute Nacht.
Karl.
Ja?
Guten Abend. Guten Abend.
Wollen Sie sich setzen? Nein, danke, ich ...
Es ist nicht aufgeräumt, aber ... Och, ist doch sehr gemütlich.
Da ist ja das Tuch!
Sie haben es. Da kann ich ja lange fragen.
Nicht nett, dass Sie mir nichts davon sagen.
Ist für Sie. Ich wollt es nachher rüberbringen.
Wirklich, für mich?
Ist aber hübsch, nicht?
Oder so vielleicht?
So finde ich es auch schön.
Das muss ich Großvati sagen.
Natürlich, dass ich so ein schönes Tuch hab.
Natürlich. Kommst du mit?
Na ja, wenn Sie meinen ... Wenn du meinst.
Heinrich, du brauchst ihn doch. Ja, ich brauch ihn.
Aber er soll nicht so ... Dann behandle ihn entsprechend.
Und nicht wie einen ... Nu komm, sprich mal mit ihm. gen Redaktionen schreiben. Die Adressen finden Sie ab Tafel 410. Die E-Mail- Adressen finden Sie auch im Internet unter www.mdr.de/kontakt/ Servicetelefon MDR-Fernsehen und Technik-Hotline des MDR >411 106< Nachrichten 112 >108
Na ja, ich werd mal nach ihm sehen.
Vorsicht, der Teertopf.
Schaut, was ich Schönes geschenkt bekam.
Guten Abend.
Es gibt eben doch noch Kavaliere.
Großvati, ich bin so vergnügt heute. Das ist ein Grund für einen Schnaps.
Bitte Platz zu nehmen. Vorsicht, frisch gestrichen.
Gut, dass ein Sofa nicht angepinselt werden kann.
Sonst müssten wir heut Abend stehen. Macht es euch bequem.
Da kommt noch einer.
Guten Abend allerseits. Guten Abend, Horst.
Die schöne Passgierin ist noch an Bord.
Zum Geburtstag, nachträglich.
Danke, Herr Richter. Das ist sehr hübsch.
Ist ja wie unterm Tannenbaum.
Erst kriegt sie das Tuch, dann die passende Brosche.
Die passt doch gar nicht. Aber ich hab noch ein anderes Kleid.
Wie wär's mit einem kleinen Abendbummel?
Ist doch nichts los in dem Nest. Wo ich bin, ist immer was los.
Wollen Sie sich setzen? - Danke.
Halt, das ist frisch gestrichen.
Lass dich nicht von mir erwischen! Morgen machst du die Hosen sauber!
Wie wärs mit einem Versöhnungsschnaps?
Ja, kommt drauf an. Aber ohne Hut.
So was ist bei mir immer eine feierliche Handlung.
Ja, darin bin ich eigen.
Was willst du trinken?
Schoko, Kakao mit Nuss oder einen Harten, je nach Stimmung.
Dann gib mir einen Harten.
Du, ich muss gehen, morgen steht uns ein dicker Tag bevor.
Tschüs, Anne.
Tschüs, Ernst. - Mach's gut, Kalle.
Ich bring dich noch. Danke.
Kannst du auf einem Bein stehen? Ich auch nicht.
Na, Prost! Prost, Fräulein.
Wo ist sie hin? Frische Luft schnappen.
Bin ich wohl zu spät gekommen. - Das holen Sie wieder ein.
Meinst du? - Darf ich um die Hose bitten?
Knalltüte.
Gute Nacht.
Tschüs, Karl.
Ich dank dir.
* Signalpfiff *
* leise Mundharmonika-Musik *
* Karl spielt "Über das weite, weite Meer" *
(Männerstimmen singen) # Über das weite, weite Meer
# fällt mir der Abschied, Anne, so schwer.
# Und der Himmel ist so hell wie deine Augen.
# Und die Luft ist so weich wie deine Hand.
# Über das weite, weite Meer
# fällt mir der Abschied, Anne, so schwer.
Karl!
* dumpfes Krachen *
(Karl) Achtung, aufpassen!
Flunki, pass auf!
Da hat es gebumst.
Stopp! - Stopp!
Schietkram.
Mensch! Det muss uns passieren.
Hoffentlich sind die Plötzen fett. Zeit zum Angeln hast du.
Dafür will der Herr noch Lohn haben. Du wolltest bei dem Wasser fahren!
Jeder käme da vorbei.
Aber du hast nur das hergelaufene Flittchen von da drüben im Kopf.
Das ist mir jetzt scheißegal!
Lass mich!
Du hast den Kahn überladen!
Was, sag das noch einmal! Um Gottes willen!
* Anne weint. *
* langer Signalpfiff *
(Richter) Halbe Kraft vorwärts.
* klirrendes Geräusch der Winde *
Volle voraus.
* starkes Wasserrauschen *
Mehr, mehr! Der Kahn kommt nicht!
Kein Wunder, ihr konntet ihn ja nicht voll genug laden!
Knalltüte.
Volle voraus. Fahr doch schon voll!
Hein, das wird nichts. Wirst ableichtern müssen.
Ich brauch deinen Rat nicht.
Anne? Nein!
Meine kleine Anne, so ist das nun mal bei der christlichen Seefahrt.
Wenn einer aufbumst, dann bumst das eben.
Deshalb musst nicht du heulen, sondern der Schlepper.
Deswegen ist es ja gar nicht. Weswegen denn?
Ach, Großvati! Der Karl. Was ist mit Karl?
Na, er hat nichts gesagt. Nichts dagegen gesagt.
"Flittchen, nachts rumtreiben ..." Und du lässt das auf mir sitzen!
Soll ich dem Hein jetzt auch noch ein paar auf die Kiemen ballern?
Gab so schon genug Scherben.
Was machst du jetzt, Hein? Wir leichtern ab.
Ich geh einen Lastwagen besorgen.
* Nächtliche Stille, Frösche quaken. *
Danke.
Danke schön.
Wer liebt, muss leiden.
Was verstehst denn du davon? Hab ich mal im Kalender gelesen.
Guten Abend, Fräulein Vollbeck. 'n Abend.
Darf man zulangen? Bitte.
Also, der Kalle ... So was will Schiffer werden!
Wie der Kasten daliegt, das haut den dienstältesten Eskimo vom Schlitten.
Lange sind Sie auch nicht dabei.
Nee, aber Weihnachtsmänner sind wir nicht.
Vielleicht helfen Sie draußen. Geht nicht. Dienstvorschrift.
Dann versehen Sie Ihren Dienst.
Komm, Buttje. Hier sind wir auf dem falschen Dampfer.
Chef, machen wir nicht bald Pause? Ick möcht an der Matratze horchen.
Wir schwimmen!
Karl!
Tja, nun ist es vorbei mit dem Reinhopsen ins Wasser.
Der Sommer geht zu Ende. Mein Urlaub auch.
Aber alles in allem war es ganz schön.
Das will ich hoffen.
Bei uns Schiffern ist es immer schön.
Und wenn der kleine Herzenskahn mal in Sturm und Regen kommt ...
Das ändert sich wie das Wetter.
Das kriegt man wieder flott durch eine nützliche Beschäftigung.
Sie, Chef!
Ick hab eine nützliche Beschäftigung. So? Und das wäre?
Grog brauen. Gegen Erkältung. Junge, du hast recht!
Komm gleich rauf ans Steuer. Dein Käpt'n geht sich aufwärmen.
Mit einem steifen Grog. Und du, min Deern, kommst mit.
Nee, sind die Menschen schlecht.
Wenn bloß der Zement nicht verdirbt.
Der Lkw kostet auch wieder einen Haufen Geld.
Das mit Anne Vollbeck war nicht richtig.
Das ist mir bloß so rausgerutscht.
Wer so zimperlich ist, soll auf einem Vergnügungsdampfer fahren.
Mit Karl spricht sie auch nicht mehr.
Karl heiratet eine Schiffertochter und basta!
Was suchst du denn? Meine Brieftasche.
Hier ist sie. So, na ja.
Als du damals mich genommen hast, hast du da gefragt, wer ich bin?
Das ist ganz was anderes. Du warst ja auch eine süße Deern.
Die Kleine ist auch eine süße Deern.
Wir sollten unseren Jungen machen lassen, was er will.
Der ist noch viel zu dumm!
Was für den gut ist, weiß ich besser.
* Stille *
* leise Blasmusik von fern *
* Donnergrollen *
Ist der Käpt'n an Bord? Ja.
* Anklopfen *
Herein.
Guten Abend, Herr Richter. 'n Abend.
Können Sie meinen Kahn heute Abend noch rüberbringen?
Bei dem Wetter? Warten Sie lieber noch einen Tag.
Das geht nicht. Die Ladung muss schnell raus.
Sie riskieren ziemlich viel. 50 Mark für Sie. Mehr hab ich nicht.
Nee, das lassen wir lieber.
(Radio) "Achtung, Achtung! Warnmeldung für die Binnengewässer.
Sturmböen zwischen 7 und 8 aus nordwestlichen Richtungen."
Na bitte. Muss ich mir eben was anderes suchen
Kann mir nicht denken, dass der Richter so was riskiert.
Ausgerechnet wegen uns.
Wieso? Hat er was gegen uns?
Ja. Gegen mich hat er was.
Damit hat doch Vater nichts zu tun.
Ein Stoßboot kann uns heut Abend rüberschieben.
Bei dem Sturm? Der lässt nach. Kam im Rundfunk.
Nachts über den See, mit dem kaputten Steuer?
Steckt wieder die Deern von drüben dahinter?
Lass Anne aus dem Spiel, sonst ... Na was?
Sonst geh ich von Bord.
Karl, das ist unser einziger Ausweg. Ohne dich schaff ich es nicht.
* Tanzmusik, Stimmengewirr *
Bleiben wir, Käpt'n? - Langweiliger Laden. Gehen wir!
Wo es doch jetzt erst gemütlich wird. - Meinst du?
Also, noch 2 Doppelte. - Moment! 3 Doppelte, bitte.
Den Richter willst du nicht, den Karl auch nicht.
Der hätte sich entschuldigen können. Schön, hat er nicht.
Dann geh wenigstens mit mir aus. Verdammt, ich krieg das nicht hin!
Bind mir doch mal die Fliege. Aber recht flott.
Wenn du nicht mitgehst, geh ich auf die Freite.
Und bring dir eine schicke junge Großmama mit.
Nein, das kann ich nicht zulassen. Dann zieh dich an, aber fix!
Sag mal, bist du von der Kuh gekratzt?
Trinkst hier meinen guten Schnaps!
Ich bin doch so schüchtern.
Ich muss mir Mut antrinken für heute Abend.
Unter einer Bedingung. Du holst den Karl aufs Erntefest.
Tot oder lebendig. Ist geritzt, Schiffer.
* flotte Blasmusik *
Zieh nicht so einen Flunsch! Ist keine Beerdigung.
Sehr richtig! Hier wird auf die Pauke gehauen.
Jetzt gibst du einen aus. Bist schon lange dran.
Von wegen in den Dreck fahren und so. - Na los, Kalle!
Halt doch mal.
Darf ich bitten?
Etwa meinetwegen?
Man kann nicht immer dasselbe anziehen.
Natürlich nicht.
Kommen Sie, trinken wir inzwischen einen.
Geh doch mal weg, Mensch.
Na, wo bleibt denn die Lage?
Oder hat der Herr Schiffseigner wieder kein Kleingeld bei sich?
Jetzt kannst du nicht kneifen. Nee, lass mal.
Oder hat dir dein Alter verboten, Schnaps zu trinken?
Kriegst du wieder Dresche, wenn du nach Hause kommst?
Fritze, stoß ihn aus dem Anzug!
Halt ihn einen Augenblick fest.
Manche haben viel Mut bei einer Schlägerei, aber sonst ...
* Kapelle spielt einen Tusch. *
Damenwahl!
Wo ist der Borchert?
* Blasmusik und Gesang *
(Sänger) # Jedes Jahr einmal ist Erntetag.
# Da geht in den Krug, wer gern tanzen mag.
# Der Opa, die Oma, der Bursch und die Maid.
# Und der Hans sagt zur Liese: Jetzt wirds aber Zeit!
(Richter) Ist der Heini getürmt?
Deswegen müssen wir uns nicht den Abend verderben.
Junge, Junge, passt die Brosche prima!
Wieso?
Sauerei! Der Motor ist abgesoffen, wir müssen beidrehen!
Nein! Schöpf das Boot aus!
* Blasmusik, Männerstimme singt. *
Sie müssen helfen. Borchert ist auf dem See.
Interessiert mich nicht, verehrte Dame.
Ach, Anni! Teufelsweib. - Das ist meine Braut.
Das ist Wahnsinn! Wir laufen auf Dreck.
Beidrehen! Wer ist hier der Steuermann?
Ich! Hol das Notlicht, der Kahn ist sonst verloren.
Karl!
Rüber durch den Panama, rum ums Kap Hoorn.
Und bei steifem Nordwest quer übern Atlantik.
Großvati, die Borcherts sind weg. Haben die losgeschmissen?
Ja.
Wo ist Richter? Drüben.
Mutter, komm raus! Gib Notsignal!
Los, Horst! Die buddeln sonst ab.
Die Idioten! Hab ich ihnen doch gesagt.
Bist du ein besoffener Lump oder ein Kapitän?
Buttje, mach Dampf drauf! - Jawohl, Käpt'n.
Los!
Danke.
Guten Abend allerseits.
* Glockensignal *
* Signalpfiff *
Was haben wir nun davon? Wir sind total ruiniert.
Wenns nach dir gegangen wäre, ja. Ich fahr den Kahn allein zurück.
Hein? Ja, Hermann.
Dann wollen wir mal einen verlöten nach dieser lausigen Nacht.
Deine Alte ist gerade nicht da, da passt das schön.
Wir müssen ja alle mal aufs Altenteil.
Aber der Jung solls doch mal besser haben.
Unser Steuer ist zerhauen. Habt ihr Nägel oder Bolzen?
Ja, wir haben welche an Bord.
In Ordnung, danke.
He!
Hol über!
Ick kann jetzt nicht. Hab nasse Beene.
Ick glaube, es ist besser, du gehst.
* Mundharmonikaspiel: " Über das weite, weite Meer ..." *
Guten Morgen, Anne. Morgen, Karl.
Ich brauch ein paar Nägel. Lohnt das noch?
Ich mach ihn ansehnlich.
Dass er wenigstens bisschen was bringt beim Verkauf.
Auf deinen Jungen! Tüchtiger Kerl. Wenn du meinst.
Im Kahn ist immer noch viel Wasser. Hoffentlich wird die Ladung ...
Wenn man euch Männer mal allein lässt.
Heinrich, Alkohol ist Gift für dich!
Das ist flüssiges Obst. Probier mal.
Und was willst du jetzt machen?
Ich? Ich werde ... Ich weiß schon, was ich machen werde.
Du hast ja das Tuch um.
Na ja ...
Nun guckt euch doch bloß mal die beiden an.
Hein, dein Junge hat genau denselben Dickkopf wie du.
Die Borchert'schen Dickköpfe sind eben sehr beliebt bei den Damen.
* Copyright: MDR 2018 *
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