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[Tumulte von draußen]
Wen rufst du an?
Weiß ich nicht.
[Freizeichen]
Baumann?
Walter?
Martin!
Ich...
Ich bin in Timisoara
und hab hier einen Zettel mit dieser Nummer gefunden.
Hast du mit Lenora telefoniert?
-Nein. -Lenora ist mir entkommen.
Ich konnte nur noch ihren Begleiter,
diesen rumänischen Agenten, ausschalten.
Sie wird mit Beate gesprochen haben.
-Wie bitte? -Ja, ja. Keine Sorge.
Ruf in zehn Minuten wieder an.
Mach ich.
"Ausschalten"?
Du hast ihn exekutiert.
Ja, das musste ich tun.
Nein, das musstest du nicht tun.
Du kennst Lenora von der Akademie?
[Wasserrauschen] Ja.
Jetzt hat sie dich aus Rumänien angerufen?
Ja.
Ich hab sie zuerst angerufen.
Aha.
Weil ich weiß, dass Fuchs Leute wie sie braucht.
Und?
Ich... hab ihr seine Adresse gegeben.
Sie will da jetzt hin.
Hier. Der ist für dich.
[Walter] Lenora ist unterwegs nach Sorrent.
Villa Jovis, Via Cocumella 5.
Das ist Fuchs' und Dietrichs neue Adresse. HVA im Exil.
Fuchs und Dietrich wären sehr froh,
wenn du Lenora ein für alle Mal stoppen könntest.
Danke, Walter.
Wir fahren nach Italien.
Wieso Italien?
Lenora ist auf dem Weg dahin.
Die will die HVA im Exil treffen.
Wird das ein Amoklauf?
Nein, wieso?
Was machst du, wenn du Lenora triffst?
Sie aufhalten.
[er lädt eine Waffe durch]
Aufhalten heißt töten?
Ja.
Das kannst du nicht machen. Das ist falsch.
Was ist deiner Meinung nach richtig?
Was ist dein Vorschlag?
Hier sitzen, nichts tun?
Während da draußen
vielleicht ein viel schlimmerer Anschlag bevorsteht?
Ich versteh's nicht, weißt du? Ich versteh nicht, warum...
Warum ausgerechnet du?
Alles zerfällt vor unseren Augen.
Die Sowjetunion, unser Land, die HVA,
selbst die westlichen Geheimdienste.
Die sind alle nur dabei, ihren eigenen Arsch zu retten.
Wenn ich's nicht tue, tut's niemand.
[schluchzend] Martin.
Das ist der einzige Weg für uns.
Danach ist das alles vorbei. Ich versprech's dir.
Danke noch mal für den Zugang zum Archiv hier.
Tobias hat gesagt,
dass heute die Normannenstraße gestürmt werden soll.
Stell dir mal vor!
Das Volk stürmt den Palast.
Vielleicht findet ihr da ja noch was über Christophs Tod.
Ich will die Wahrheit, schwarz auf weiß.
Die Täter sollen zur Verantwortung gezogen werden.
Mhm. Die Uhr tickt.
Einige von der alten Garde
positionieren sich schon für die Wahlen.
Alles in Ordnung, Tina?
Ja. Ich dachte nur kurz...
-Mahlzeit. -Mahlzeit.
[unheilvolle Musik]
Du dachtest?
Äh, nichts. Ist wahrscheinlich die Atmosphäre hier.
Irgendwie... gruselig. Ich geh besser nach Hause.
Wirklich?
Ja, warte. Ich begleite dich noch.
Nein, nein. Brauchst du nicht.
Danke.
Bis dann.
[dynamische Gitarrenmusik]
[ein Chor singt]
Euer Dienst ist die Aufklärung
Namen bleiben geheim
Unauffällig die Leistungen
Stets im Blickfeld, der Feind
Das Gespräch mit Genossen
Viel zu selten daheim
Für das Tragen der Orden
Bleibt oft nicht mehr die Zeit [Musik stoppt]
-Hier ist auch noch ein Raum. -Ich nehm den Raum.
[aufgeregte Stimmen]
[Ingrid] Ich durfte hier nie rein.
Obwohl der Vater meines Kindes und meine Schwester
hier 30 Jahre ein- und ausgegangen sind.
Unvorstellbar.
Ich schau mal, was die HVA so über mich gesammelt hat.
Falls überhaupt noch was da ist.
[TV-Sprecher] Ostberlin, Normannenstraße.
Zehntausende aufgebrachter DDR-Bürger
versammeln sich vor dem riesigen Komplex
der Staatssicherheit.
Rund 3000 Zimmer gibt es hier.
Die Stimmung ist aufgeheizt und aggressiv.
Den ganzen Tag über erfuhren Millionen Fernsehzuschauer
live vom Runden Tisch, wie riesig die totale Überwachung
durch den Staatssicherheitsdienst war.
Die Waffenkammer des berüchtigten Dienstes
war zum Bersten gefüllt.
Revolver, Maschinengewehre, Panzer und Flugabwehrwaffen
in unvorstellbaren Mengen.
Riesige Abteilungen mit Tausenden Mitarbeitern waren
für Post- und Telefonüberwachung der DDR-Bevölkerung zuständig.
Gleichzeitig wurden große Datenbanken installiert.
Wer den Runden Tisch verfolgt hat,
musste zu dem Schluss kommen, dass die DDR im November
nur knapp einem Massaker wie in Peking entkommen ist.
[italienische Schlagermusik]
Signore Fuchs, buon giorno.
Buon giorno!
-[auf Italienisch] Ihre Zeitung. -Sehr gut.
[italienisches Lied geht weiter]
[Musik stoppt abrupt]
Ach du Scheiße.
[Titelmusik]
[Peter Schilling singt "Major Tom" auf Englisch]
Genossin Rauch.
-Du hast doch nichts dagegen? -Natürlich nicht.
Willkommen bei der HVA im Exil.
[Klopfen]
Ich habe Ihren Schlüssel nicht, Frau...
Guten Tag, Tina.
Mein Name ist Rudi Lohberg.
Guten Tag.
Kennen wir uns?
Meine Kollegin Ingrid hat mir Ihre Adresse gegeben.
Ich hoffe, das ist in Ordnung.
Ich hätte vorher anrufen sollen.
Meine Tochter Gretchen hat schweres Asthma,
und es geht ihr immer schlechter.
-Tut mir leid. -Ja.
Unser Arzt hat Berlin Richtung Westdeutschland verlassen,
wie so viele.
Ingrid meinte, Sie wüssten,
welche Spezialisten es hier im Wilden Westen gäbe.
Tja, ich praktiziere nicht mehr, seitdem ich hier bin.
Aber ich kann mir die Unterlagen ja mal anschauen.
Ja, das...
Das wäre...
Ja, kommen Sie doch kurz rein.
Danke.
Komm.
Ist das nicht traumhaft?
Warum eigentlich Italien?
Tolles Klima.
Und starke kommunistische Netzwerke.
Genossin Dietrich ist gerade unterwegs
mit Funktionären der PCI.
Aha. Und?
Schon konkrete Pläne?
Wir arbeiten an völlig neuen Lösungsansätzen.
Solange ihr euch davon nicht ablenken lasst.
Dafür haben wir Agenten wie dich,
die das Wesentliche nie aus den Augen verlieren.
Wie hast du uns eigentlich gefunden?
Gazelle.
Ah. Gut.
Warum so erleichtert?
Vielleicht hat sie doch die Seiten gewechselt
und arbeitet jetzt für die CIA.
Das ist Quatsch. Quatsch.
Sie haben Ihre Haustür offengelassen.
Macht man das so im Westen?
Nein, das...
...ist so 'ne kleine Macke von mir.
Ich hatte 'ne Weile Probleme mit geschlossenen Räumen.
Also, sie braucht auf jeden Fall neue Röntgenbilder.
Mhm.
Ich kann Ihnen Professor Dehnert im Westend empfehlen.
Professor Dehnert?
Ja, ich schreib Ihnen die Telefonnummer und Adresse auf.
Ist das nicht eine Schande?
Wir hatten die besten Ärzte und Forscher.
Nun ist unser Gesundheitssystem komplett ausgehöhlt,
nur weil die hier im Westen mehr Geld verdienen.
Mich hat die Freiheit hergelockt, nicht das Geld.
Ingrid hat mir ein bisschen von Ihrer Geschichte erzählt.
Furchtbar.
Sie hatten natürlich keine Wahl.
Doch, die hatte ich.
Ich hab mich dafür entschieden,
meinen Patienten keinen Schaden zuzufügen.
Das sollte auch keine Kritik an Ihrer Entscheidung sein.
So, hier ist die Adresse und Telefonnummer
von Professor Dehnert.
Er ist nicht nur sehr fähig, sondern auch sehr nett.
Genau wie Sie.
-Vielen Dank. -Gerne.
Glauben Sie nicht, dass uns Ostdeutsche
das irgendwie verbindet?
-Was? -Wir sind einfach viel netter.
Und viel sozialer, viel hilfsbereiter.
Einfach solidarischer.
Na ja, ich hab mindestens zwei Arten
von Ostdeutschen kennengelernt.
Und wie war die andere Art?
Es ist 'ne lange Geschichte.
Ich hätte Zeit.
Ich hab auch eine lange Geschichte.
Und bin gewissermaßen auch...
...Opfer des Systems.
Aber bitte.
Sie zuerst.
[Gespräch auf Englisch] Ich fasse es nicht.
Sie führen eine ungenehmigte Operation durch?
Sie schleusen einen höchst unzuverlässigen Agenten
in eine Terrorgruppe ein,
die so ganz zufällig
im Epizentrum der Frankfurter Ereignisse steht.
Martin Rauch ist immer noch ein aktiver HVA-Agent.
Er hat sich von denen losgesagt. Das ist belegt, Jim.
Ach ja? Dann habe ich Neuigkeiten für Sie.
Rauch hintergeht jeden.
Er hat Sie zum Narren gehalten.
Ihre kleine Operation spielt der HVA voll in die Hände.
Sie haben ihnen geholfen,
den Topbanker des Westens auszuschalten
und den Mord mit der CIA in Verbindung zu bringen,
falls jemand genauer hinschaut.
Rauch wollte den Mord verhindern.
Wir leiten hier gemeinsam eine effektive Operation.
Zu einer Zeit, in der niemand fähig zu sein scheint,
irgendwas auf die Reihe zu kriegen.
Ich sehe nur zwei Leute, die sich ablenken wollen
von ihren gescheiterten Ehen.
Wo ist Martin Rauch?
[laut] Ist Ihnen klar,
was für einen Shitstorm Sie da entfacht haben?
Sobald wir genug Geld eingesammelt haben,
starten wir eine massive Wahlkampagne.
Willst du jetzt in die Politik wechseln?
Wir unterstützen unsere Partei aus dem Hintergrund.
Wir sammeln für die SED-PDS.
-SED-PDS. -Der alte Name zieht nicht.
Es ist jetzt die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands,
Partei des Demokratischen Sozialismus.
Wenn sie einen neuen Namen wollten,
warum haben sie das "SED" nicht gleich ganz weggelassen?
Details, Lenora. Details.
Versteck das gut.
Wir setzen uns für eine neue Ostdeutsche Republik ein.
Mehr Freiheit und echte Gleichheit für...
"Neue Ostdeutsche Republik"?
-Ja. -Markus.
Die Panzer rollen schon, und nur in eine Richtung:
Wiedervereinigung.
[Lenora] Das dunkle Deutschland erwacht.
Sogar Thatcher sagt: "Wir haben sie zweimal geschlagen,
jetzt sind sie zurück."
Genau.
Thatcher ist gegen die Wiedervereinigung.
Genau so wie Mitterand.
Der sagt: "Ich liebe Deutschland so sehr,
dass ich am liebsten zwei davon habe."
Die Franzosen dagegen, die Briten dagegen, die SPD dagegen.
Kohl kämpft auf verlorenem Posten.
Unterschätz nicht Kohl.
Wohlklingende Metaphern, falsche Versprechungen.
Der wird schon gefeiert wie der neue Führer.
Wir müssen das alles verhindern.
Was soll das heißen?
Wir haben ein kleines Problem.
Du entschuldigst mich bitte.
[Waffe wird durchgeladen]
Martin.
Begrüßt man so seine eigenen Agenten?
Meinst du den, der seinen letzten Einsatz
in den Sand gesetzt
und praktisch die Mauer zu Fall gebracht hat?
Und sich heimlich auf mein Privatgelände geschlichen hat?
Mit vorgehaltener Waffe?
Sie haben jetzt Privateigentum, ja?
Und wer ist das?
Jessica. Meine Freundin.
Kolibri, was willst du wirklich hier?
Wieder mal Geschichte schreiben?
Ich würde gern über Lenora sprechen.
-Sprechen? -Mhm.
Lenora war direkt nach ihrem Ausbruch aus dem Gefängnis
am Herrhausen-Attentat beteiligt, wussten Sie das?
Sie hat auf mich geschossen.
Sie haben sich... Reicht das jetzt?
Sie haben nicht nur eine flüchtige Kriminelle im Haus,
sondern eine echte Psychopathin.
Ich hab eine gute Idee.
Anstatt über Lenora zu sprechen, sprichst du einfach mit ihr.
Wir sitzen auf der Terrasse und unterhalten uns
sehr zivilisiert über die Zukunft der HVA.
Komm.
Jetzt schau doch mal, wer da ist.
[leise spannungsvolle Musik]
Ein Vorschlag: Solange ihr euch auf diesem Grundstück aufhaltet,
seid ihr Gäste der HVA.
Ich erwarte ein respektvolles, friedliches Miteinander,
so wie wir das aus der DDR kennen.
So, Genossen, gebt euch die Hände.
Wunderbar.
-Gut, dass ich einkaufen war. -Ach!
Wie war's denn bei der PCI?
Genossin Dietrich war nämlich heute bei der PCI.
Was ist die PCI?
Die Partito Communista Italiano.
Ich glaub, die Frauen kochen jetzt mal was Schönes,
und die Männer machen Feuer, wie sich das für Männer gehört.
Was ist hier los?
Schaff die vom Hof, vor allem die Wahnsinnige.
Was haben die mit der gemacht im Knast?
Und erst jetzt, nachdem die Mauer gefallen ist,
konnte ich die Sache weiterverfolgen.
Ingrid hat mir die Nachricht überbracht
von Christophs Tod.
Wissen Sie, die Wahrheit zu kennen...
...ist auch eine Erleichterung.
Aber jetzt...
Jetzt will ich alles wissen.
Die Namen. Ich will wissen, wer dafür verantwortlich ist.
Und ich will, dass diese Leute bestraft werden.
Nicht nur für mein eigenes Seelenheil,
sondern auch für meine Töchter.
Entschuldigung.
Jetzt hab ich ein bisschen den Faden verloren.
Nein, nein.
Ich hab Sie überhaupt nicht zu Wort kommen lassen.
Sie hatten ja gesagt, dass Sie auch eine Geschichte haben.
Ja, ich...
Ich...
Ich habe...
Ich... Entschuldigen Sie.
Das macht nichts.
Sie müssen mir das nicht erzählen.
Ihre Tochter wird mit der richtigen Behandlung
wieder zu Kräften kommen.
Das verspreche ich Ihnen.
Das hoffe ich.
Ihr Traum ist es, in der Schulmannschaft zu spielen.
Sandra, also meine Älteste,
hat in der DDR auch Fußball gespielt.
-Tatsächlich? -Ja. Und wie.
Schön.
Spielt sie denn noch Klavier?
Ja, also recht...
[unheilvolle Klänge]
Was haben Sie gerade gesagt?
Ob sie Klavier spielt.
Woher wissen Sie, dass Sandra Klavier spielt?
Ich...
Entschuldigung, Ingrid hat mir das erzählt.
Sie erzählt ständig von den beiden,
wie gut sie sich in der neuen Umgebung einfinden...
Entschuldigen Sie mich einen Moment.
Ich, ich...
[Telefonklingeln]
-Rauch? -Ingrid?
Tina, ist alles okay?
Sag du's mir.
-Rudi ist hier. -Wer?
Na, dein Kollege Rudi.
Ah, Rudi. Lohberg. Ja.
Hast du ihm meine Adresse gegeben?
Hast du mit ihm über die Mädchen geredet?
Darüber, dass Sandra Klavier spielt?
Ja, ich hab mit ihm über die Mädchen gesprochen.
Er hat ja auch 'ne Tochter in Sandras Alter.
Also, du hast ihm meine Adresse gegeben?
Äh, ja.
Er sollte dich um Rat bitten. Wegen seiner Tochter.
Die Arme ist ja die ganze Zeit
nur rein und raus aus dem Krankenhaus.
Also, er hat wirklich eine Tochter?
Ja.
Tina, was ist denn los?
Er erinnert mich an jemanden.
An wen?
An den Offizier, der mich in Hohenschönhausen verhört hat.
[verstörende Klänge]
Tina, du bist gerade hochempfindlich wegen Christoph.
Wenn du nicht reden kannst, sag ihm, dass er gehen soll.
Sag ihm, dass er dich an jemanden erinnert
aus deiner Vergangenheit, den du nicht magst.
Was? Dann denkt er, ich bin verrückt.
-Das bin ich ja vielleicht. -Das ist der Punkt.
Sag ihm, wie's dir geht. Das nimmt Spannung raus.
Ich weiß nicht.
Er ist seit über zwei Jahren mein Kollege.
Immer nett und hilfsbereit.
Weißt du was?
Tobias will nachher bei dir vorbeikommen.
Ich komm einfach dazu, ja?
Ja, ist gut. Danke, Ingrid.
Herr Lohberg?
[spannungsvolle Musik]
-Was ist denn? -Nichts. Alles gut.
[ruhige unheilvolle Klänge]
[Rudi] Liebe Tina, es tut mir leid,
dass ich so viel Ihrer Zeit beansprucht habe.
Nochmals vielen Dank. Rudi.
[auf Englisch] Ich muss das wieder geradebiegen.
Und zwar schnell.
Ich muss Martin finden oder Lenora.
Du hast doch mit Rose zusammengearbeitet.
Vielleicht weiß sie ja, wo Lenora ist?
So vertraut sind wir nicht miteinander.
Komm schon, Tyler.
Wie lang machst du das schon?
Unter wie vielen Chefs?
Und ich habe schon unter so vielen Chefs gearbeitet,
weil ich noch nie so einen Cowboyscheiß abgezogen hab.
Erspar mir den Schwachsinn!
Als liefe bei dir immer alles nach Vorschrift.
Du bist doch nicht wegen des tollen Kaffees hergekommen.
-Gib mir einen Rat. -Klar geb ich dir einen Rat.
Fang doch mal so an:
Setze niemals einen Agenten ein,
dessen Ex du gerade anbaggerst.
Winkelmann und Kolibri wollten
'86 gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten.
Wie betrunken vor Liebe.
Das wusstest du nicht.
Oder?
Na schön, ich setz dich mit Rose in Verbindung.
[italienische Popmusik]
Es ist fast so, als ob das Leben hier einen anderen Geruch hätte.
Ich hab so lange versucht,
immer weiter nach oben zu klettern,
dass ich die Schönheit des einfachen Lebens
gar nicht mehr gespürt habe.
Das einfache Leben in einer großen Villa mit einem Mann,
der einem sagt, wann man in der Küche zu verschwinden hat.
Hier an der Küste gibt es Dörfer,
wo die Einwohner 100 Jahre alt werden.
-Oh. -Mhm.
Grenzt eigentlich an ein Wunder, dass du überhaupt noch
Zeit findest für den politischen Widerstand.
Ich muss jetzt dringend
noch ein paar wichtige Telefonate führen.
-Alles klar. -Jen... Ähm, Jen...
-Jessica. -Jessica. Jessica.
[Türklingeln]
Es tut mir wirklich leid, dass ich einfach so verschwunden bin,
ohne mich zu verabschieden.
Nein, nein. Mir tut es leid.
Kommen Sie doch noch mal rein.
Ich muss Ihnen was gestehen.
Ich hab das Gefühl, dass...
...Sie mir nicht ganz fremd sind.
Was meinen Sie?
Glauben Sie, wir haben eine Art kosmische Verbindung?
Nein. Sie erinnern mich an jemanden.
Ach so?
Ja, an den Offizier,
der mich im Gefängnis Hohenschönhausen verhört hat.
Ach, verstehe.
Ich hatte schon bemerkt,
dass Sie sich meinetwegen unwohl fühlen,
aber ich hatte gehofft, dass ich Sie vielleicht
an eine unglückliche Beziehung erinnere
oder einen betrunkenen Nachbarn.
-Es tut mir leid. -Nein, nein. Kein Problem.
Na ja, ein bisschen beleidigt bin ich schon.
Ich hab nie jemanden schlecht behandelt.
Ja, nein. Natürlich nicht.
Und jetzt, wo ich's laut gesagt habe,
ist es mir gleich ganz unangenehm.
Muss es nicht.
Es tut mir wirklich leid, dass Ihnen diese Dinge passiert sind.
Ja.
Ich war in Hohenschönhausen.
[verstörende Klänge]
Wie meinen Sie das, Sie waren dort?
Ich hab da ab und zu
fürs Ministerium geheime Dokumente abgeliefert.
Glauben Sie mir, allein dort gewesen zu sein,
das hat mir das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Ich kann nie...
Die Gefangenen, die auf den Boden schauen mussten,
wenn ich vorbeiging.
Sie haben uns gesehen?
Ja, natürlich.
Moment mal, vielleicht haben Sie mich auch gesehen.
Deshalb komme ich Ihnen bekannt vor.
Vielleicht haben Sie mich im Korridor gesehen.
Daran kann ich mich nicht erinnern.
Dieser Vernehmungsbeamte,
der hielt Ihr Wohl und das Wohl Ihrer Familie in den Händen.
Der muss doch lebensbedrohlich auf Sie gewirkt haben.
Ja.
Vielleicht haben Sie sein Gesicht, seine Stimme
später vollkommen verdrängt.
Vielleicht war's zu traumatisch, an ihn zu denken.
Stattdessen gaben Sie ihm das Gesicht eines Vorbeigehenden.
Jemand, der Teil des Systems war,
aber keine direkte Bedrohung.
Mein Gesicht.
Hm.
Vielleicht haben Sie recht.
Ich meine, wie würden das Psychologen nennen?
Übertragung?
Es ist unglaublich,
was das menschliche Gedächtnis anstellen kann.
Ja.
Ich versuch's mir nur zu erklären.
Das Wichtigste ist, dass Sie endlich mit der Geschichte
Ihres Mannes abschließen können.
Nein, nein, nein, nein.
Das ist was anderes.
Ich habe gerade erst
Dokumente aus dem Ministerium des Inneren bekommen.
Und ich erwarte noch welche aus der Normannenstraße
und vom Stasi-Archiv und aus dem Gefängnis.
Ich werde schon bald herausfinden,
wer für unser Leid verantwortlich war.
Ich will, dass diese Leute vor Gericht gestellt werden.
Sie wollen diese Leute wirklich konfrontieren?
Ja.
An Ihrer Stelle würde ich das nicht tun.
[unheilvolle Klänge]
[Tür öffnet sich, Gekicher]
Mutti, die Tür ist auf.
Mhm. Ist kein Problem, Schatz.
Tante Ingrid und Tobias sind gleich hier.
Kannst die Tür für sie offen lassen.
Und wer ist das?
Hallo, Mädels.
Ich bin ein Freund von eurer Tante Ingrid.
-Cool. -Wollt ihr euch zu uns setzen?
-Nein! Geht raus, spielen. -Aber Mama...
Geht raus. Lasst die Tür offen!
Ich glaube, es ist in Ordnung, wenn sie drinnen spielen.
Ich will eh nicht raus.
Warum sollte ich das nicht machen?
Hier, das sind Castros Lieblinge.
Ich glaube, der Kommunismus hätte es in Europa leichter,
wenn das Klima wie auf Kuba wäre.
Ach so, und du kannst deinen Kollegen bei der CIA sagen,
dass ich mich freiwillig zurückgezogen habe.
Und ich habe einiges zu bieten.
Mich zu eliminieren, macht also keinen Sinn.
Verstehe. Wir reden jetzt hier ganz offen?
Ja.
Ich arbeite wirklich für die CIA.
Ach, und für den BND auch.
Und wer ist die Kontaktperson bei der CIA?
Hector Valdez.
Schon gehört. Und beim BND?
Niemand.
Die koordinieren auch über Valdez.
Bist du also hier, um mich anzuwerben oder zu verhaften?
Weder noch.
Ich will eigentlich nur Frieden.
Diesen Frieden wird's nicht geben, solange Lenora noch lebt.
[unheilvolle Klänge]
Folgendes Angebot:
Sie überlassen mir Lenora,
und dann sind Sie mich wieder los.
Sie glauben, dass Sie der Gerechtigkeit weiterhelfen,
aber Ihr Kreuzzug wird Leben zerstören.
Diese Leute haben jede Menge Leben zerstört.
Hören Sie, die Stasi hatte 10.000 Angestellte.
Die haben nur Befehle befolgt.
Das haben wir alles schon mal gehört.
Vergleichen Sie uns nicht mit den Nazis.
"Uns"?
-Sie gehören also dazu. -Nein.
Sie haben Angst vor der Wahrheit!
Nein! Und obwohl ich nicht dieser Mann bin,
es stimmt, ich hab Angst.
Große Angst sogar.
Nur weil ich ab und zu mal in Hohenschönhausen war,
werde ich einfach, wie gerade von Ihnen, mitverurteilt.
Deshalb hab ich Angst.
Ich hab Angst um meine Kinder.
Um meine Familie, um die Familien meiner Kollegen.
Kinder haben ein Recht darauf,
die Wahrheit über ihre Eltern zu erfahren.
Über ihre Eltern, ihre Brüder, ihre Schwestern, ihre Lehrer.
Wo fangen Sie an?
Die Stasi war 'ne Riesenmaschine.
Was wäre, wenn wir die alle über einen Kamm scheren würden?
Es stimmt ja. Es stimmt.
Einige waren sicherlich schrecklich zu anderen.
Aber die meisten, die haben einfach unserem Land gedient,
die haben Akten überbracht, Grenzen bewacht,
Regeln befolgt.
Die Gerichte werden von Fall zu Fall urteilen.
Dann müsste ein Großteil des Landes vor Gericht.
Ich weiß jedenfalls, was richtig und was falsch ist.
Ja.
Sie sind natürlich eine von den Guten, nicht wahr?
Ich hab nie mit der Stasi kooperiert, wenn Sie das meinen.
Sie ganz allein haben die Entscheidung getroffen,
in den Westen zu fliehen.
Das mag sich moralisch richtig anfühlen,
aber wissen Sie, ein Verbrechen war's trotzdem.
Sie sind keine von den Guten, Tina. Sind Sie nicht.
Sie haben Ihren Mann und diese arme Frau aus dem Westen
in die Kriminalität gezwungen und in den Tod getrieben.
Ich habe niemanden gezwungen.
Nein. Natürlich nicht. Was haben Sie gemacht?
Denen gesagt, dass man in der DDR nicht leben kann.
Und warum? Hm?
Weil Sie sich hier beruflich nicht genug geschätzt fühlten.
Meine Patienten brauchten mich.
Ich wurde aus der Klinik rausgeworfen!
Ihre Patienten brauchten Sie!
Und Sie sind in den Westen abgehauen!
Das ist eine Verdrehung der Tatsachen.
Sie sind eine Verbrecherin, Tina.
Das ist, was Sie sind. Eine Verbrecherin.
Sie sind keine von den Guten.
Ihre lieben Töchter, die waren minderjährig.
Die konnten keine rationale Entscheidung treffen,
ob sie gehen oder bleiben wollen.
Glauben Sie, sie hätten freiwillig
für Stunden in dieser kleinen dunklen Box...
Ich hätte meinen Töchtern gerne die Situation erspart!
Ist Ihnen klar, dass Sie sie in große Gefahr gebracht haben?
[die Mädchen streiten sich]
[traurige Musik]
Was ist Ihnen wichtiger?
Mit mir zu streiten oder den beiden zu helfen?
[die Mädchen streiten weiter]
Hört auf zu streiten!
Sie hat mich geschubst.
-Ja, aber sie... -Nun ist gut.
Bitte. Seid nett zueinander, ja?
Mach deine Hausaufgaben weiter. Musst du auch welche machen?
-Ich bin schon fertig. -Gut.
[betrübte Musik]
-Mutti? -Mhm.
Kannst du mir bei diesen blöden Divisionsaufgaben helfen?
Mhm. Mach ich.
[bedrohliche Musik]
[Musik klingt aus]
Eine Revolution braucht flächendeckende,
weitreichende Zerstörung,
weil so, und nur so, eine neue Welt entstehen kann.
-Bakunin, oder? -Ach nee.
-Sehr gut. -Auf die Zerstörung!
-[Martin] Auf uns. -Auf uns.
Ich könnte mir gut vorstellen,
wenn einfach beide Scheißideologien
in sich zusammenbrechen würden,
und dann entsteht was schönes Neues?
Es entsteht einfach aus sich selbst?
Kannst du mir mal das Brot geben?
So ohne was zu tun von irgendjemandem?
Das Volk hat die Macht übernommen.
Die Menschen, die dürfen jetzt wählen,
die dürfen ihre eigenen Entscheidungen treffen.
Das ist ein Riesenschritt, finde ich.
Wen interessiert denn, was du findest?
Lenora, ich glaube, wir sind alle zu betrunken
oder nicht betrunken genug...
Hier sind alle Handlanger des Kapitalismus an diesem Tisch.
Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
Wir haben uns in der Schule kennengelernt.
-Ich bin die Lehrerin von... -Von mir. Tanzlehrerin.
Ja. Na ja, die Geschichte ist folgende:
Robotron macht immer 'ne Weihnachtsfeier.
Und dann sollte Jessica mir die Rumba beibringen.
Ach, die kubanischen Tänze!
Süß!
[Fuchs] Herrlich.
Ich möchte ein Vieraugengespräch mit meinem Neffen.
Schön. Das hatten wir lange nicht mehr.
Ist okay.
[Jessica] Bis gleich.
[Fuchs] Du musst hier nicht abräumen.
Ich mach das gerne.
Gut.
Um ein Haar hätte ich dich erschossen.
Im Affekt.
Das tut mir wirklich leid.
Und du?
Tut's dir auch leid?
Was?
Grigori?
Du hast einen Mann getötet, ohne es zu müssen,
regelrecht exekutiert.
Glaubst du, auf dich wartet noch eine bürgerliche Existenz?
Neues Glück mit neuer Freundin?
Auf dich nicht, auf mich nicht.
Ich könnte dir ein Angebot machen.
Ich hab schon gehört, dass du da was Großes planst.
Der letzte Ausweg aus der Sackgasse,
in der wir uns befinden.
Wir könnten den Lauf der Geschichte verändern.
Gemeinsam könnten wir es schaffen.
[Martin] Was?
Die Französische Revolution hat auch zuerst den König entsorgt.
Du willst Kohl umbringen?
Die Leute brauchen mal Luft zum Durchatmen und Nachdenken.
Und dann werden sie die Lügen von diesem
Freiheits- und Demokratiegeschwafel
auch durchschauen, und die Interessen dahinter.
Oder es passiert halt nichts,
und erst in ein paar Jahrzehnten wird's allen dämmern,
was sie angerichtet haben.
Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer,
bis die Kluft so groß ist,
dass nur noch ein grauenvoller Krieg die Welt neu ordnen kann.
Was ist dagegen der Tod eines Politikers?
Ich werde nicht mit dir zusammenarbeiten.
Nie wieder.
[seufzt] Natürlich nicht.
Natürlich wirst du dich nie für etwas einsetzen,
was größer ist als dein persönliches Interesse.
Ich frag mich immer wieder, wer wir zwei so sein könnten.
Ich wär ein anderer Mensch,
wenn du nicht in mein Leben gekommen wärst.
Immer, wenn ich versucht hab,
was Neues zu probieren, mal was Schönes,
dann hast du das zerstört.
Jedes verdammte Mal, wenn ich mir gedacht hab,
jetzt ist es so weit, ich bin am Boden angekommen,
dann kommt deine Scheißfresse um die Ecke!
Ich bin das so satt!
Dafür, dass ich so ein schlechter Mensch geworden bin,
dafür wirst du bezahlen.
Dafür, dass du so ein schlechter Mensch geworden bist,
dafür wirst du schon selber bezahlen.
[ruhige unheilvolle Musik]
[dramatische Streichmusik]
[Frau auf Englisch] Hallo?
Ich würde gern mit Herrn Valdez sprechen.
[dramatische Musik stoppt]
Meine Güte, Mutti.
Kannst du bitte aufhören, hier hin und her zu rennen?
Was ist denn los?
Nichts. Macht mal weiter.
[bedrohliche Musik]
Hallo?
Tina? Ich hab wirklich interessante Neuigkeiten.
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